Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist wirklich ein besonderer Augenblick. Wir sprechen heute endlich über das erste Sportfördergesetz in Deutschland, welches die Spitzensportförderung des Bundes erstmalig auf eine gesetzliche, einheitliche und transparente Grundlage stellt.
Seit über zehn Jahren gibt es Überlegungen, wie man die Effektivität im Spitzensport steigern kann; denn der Mitteleinsatz und die Erfolge bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften verlaufen sichtbar entgegengesetzt. Bei meinen ersten Olympischen Spielen in Barcelona 1992 gewannen deutsche Sportler 33 Goldmedaillen und belegten Platz drei in der Nationenwertung. 2024 in Paris gewannen wir trotz deutlich mehr Wettbewerben lediglich zwölf Goldmedaillen und belegten den zehnten Platz.
Darum ist es auch mir ein besonderes Anliegen, dass wir die notwendigen Strukturen schaffen, um zukünftig wieder weit oben im Medaillenspiegel zu stehen. Der Entwurf der Bundesregierung kann dafür aus meiner Sicht zum epochalen Wendepunkt im deutschen Spitzensport werden. Mit einer konsequenten Umsetzung der Reform wird Deutschlands Spitzensport international wieder deutlich erfolgreicher sein; davon bin ich fest überzeugt.
Kernstück der Reform ist die Etablierung einer unabhängigen Agentur. Das Augenmerk muss hier besonders auf dem Begriff „Unabhängigkeit“ liegen, und der Begriff „Politbüro 2.0“, Herr Görke, ist schon sehr weit hergeholt, denke ich.
Die Erwartungen an die Agentur sind allerdings sehr hoch. Sie soll nicht weniger als den seit Langem erforderlichen Paradigmenwechsel in der Unterstützung und Förderung des Leistungs- und Spitzensports konsequent vollziehen. Dafür braucht es Personen, die strategische Führungsqualitäten, Weitblick und absoluten Erfolgswillen auf Weltspitzenniveau mitbringen, damit Förderung künftig dort ankommt, wo echtes internationales Potenzial vorhanden ist. Ähnliche Strukturen finden wir bereits in anderen Sportnationen wie Australien oder Großbritannien.
In den vergangenen Wochen wurde intensiv über die Zusammensetzung des Stiftungsrates diskutiert. Ich persönlich bin ein Freund effizienter und schlanker Strukturen und würde ihn deshalb bei fünf Personen belassen. Der jetzige Vorschlag präferiert neun Personen. Ich denke, wir werden im parlamentarischen Verfahren eine gute Lösung finden, ohne jedoch diese Diskussion permanent in den Vordergrund zu stellen. Klar ist: Wir verfügen bereits heute über eine enorme sportfachliche Expertise. Auf diese Kompetenz müssen wir auch zukünftig bauen.
Im vorliegenden Gesetzentwurf ist Leipzig als Sitz der neuen Spitzensport-Agentur vorgesehen. Als etablierte Sportmetropole – unter anderem mit dem für den deutschen Spitzensport essenziellen Institut für Angewandte Trainingswissenschaft, IAT, oder der Sportfakultät der Universität Leipzig mit ihrer internationalen Trainerausbildung –
bietet die Stadt beste Voraussetzungen. Und als stolzer Leipziger unterstütze ich dieses Vorhaben selbstverständlich aus tiefstem Herzen.
Meine Damen und Herren, wir befinden uns, wie Sie wissen, momentan in der ersten Phase der Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele und Paralympischen Spiele. Wir stehen mit vier hervorragenden Konzepten im nationalen Wettbewerb, und bei aller Objektivität spiele ich bis zur Entscheidung des DOSB am 26. September natürlich im Team Berlin/Leipzig.
Ab 27.09. spielen wir dann gemeinsam im Team Deutschland. Denn die Spiele im eigenen Land zu erleben, ist weit mehr als nur ein Sportereignis. Ich bin mir sicher, dass die Spiele in Deutschland ein Riesenerfolg werden würden. Wir können Sportgroßveranstaltungen; denken wir nur an das Sommermärchen 2006 oder zuletzt an die Finals in Dresden, die so ein unglaublich positives internationales Echo hatten.
Wichtig ist dafür aus meiner Sicht, dass wir als Gastgeberland entsprechend erfolgreich sind. Die bisherigen Ausrichterländer haben es beispielhaft bewiesen. Das wiederum heißt im Umkehrschluss für die Spitzensport-Agentur, dass sie schnell ihre Arbeit aufnimmt und die neuen Strukturen greifen.
Erfolge werden nicht von jetzt auf gleich generiert; das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Von Beginn meiner sportlichen Laufbahn bis zum ersten Olympiasieg waren es immerhin zwölf Jahre; bis 2036 haben wir noch zehn.
Meine Damen und Herren, lassen Sie uns die noch offenen Detailfragen konstruktiv diskutieren und kluge Verbesserungsvorschläge einbringen! Ich freue mich auf eine sportliche Debatte. Wir sollten das Gesetz vor der Sommerpause zur Abstimmung bringen und mit möglichst großer Zustimmung beschließen.
Und zum Schluss möchte ich selbstverständlich auch noch dem FC Bundestag zur Erringung des Europameistertitels gratulieren. Herzlichen Glückwunsch!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.