Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem natürlich: Liebe Schüler auf der Zuschauertribüne! Cola, Eistee, Capri-Sonne, Pick up, Pizzateilchen, Schokocroissant und natürlich bei dem schönen warmen Wetter: Calippo Cola, bretthart gefroren: Das waren die Dinge, die ich als Lehrer in meinem Schulkiosk im Angebot hatte und die richtig gut liefen. Da habe ich natürlich viel zur guten Stimmung an der Schule beigetragen und auch für das Budget gesorgt und dem Schulleiter geholfen.
Aber, natürlich: Der Jugendgesundheit habe ich damit keinen guten Dienst erwiesen. Deswegen muss ich sagen: Ihr Antrag ist ja gar nicht so ganz aus der Welt; denn es ist ja klar: Adipositasfolgen bekämpft man nicht mit Prinzenrolle und ADHS auch nicht mit Eistee. Geben Sie mal einem verhaltensauffälligen jungen Mann 4 Liter Eistee bis zur zweiten großen Pause. Dann werden Sie feststellen: Die Aufmerksamkeitsspanne wird dann ungefähr so groß wie hier in diesem Deutschen Bundestag.
Also, vernünftige Ernährung ist eine gute Sache, zumal die Familien auch nicht mehr in der Lage sind, regelmäßig und frisch zu kochen. Familie ist ja da, wo ein Kühlschrank ist, und so wird sich dann auch ernährt. Also, Schulmittagessen könnte schon dafür sorgen, dass wir den IQB-Bildungstrend quasi kulinarisch in die richtige Richtung lenken. Aber mit diesem Antrag wird es nichts.
Sie wollen Kinder und Jugendliche mit einbeziehen bei der Planung der Mensen und bei der Auswahl des Essens. Wissen Sie, was Sie dann bekommen? Dann kriegen Sie die Dönerbude auf den Schulhof. Und weil Sie das selber schon ahnen, möchten Sie Ernährung jetzt auch noch zum Schulfach machen: noch mehr Prävention, noch weniger Fachunterricht. Dann haben wir nicht nur die Sexualerziehung, die Gewaltprävention, die Drogenprävention, sondern auch noch die Ernährungsberatung und noch weniger Deutsch, Mathe und Englisch.
Und kostenfrei soll es natürlich auch sein. „Alles für alle, und das umsonst“ ist ja Ihr Motto. Wer soll das bezahlen? Wollen Sie wieder Milliardäre enteignen oder gar erschießen? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich wird es am Ende der Steuerzahler sein.
Und was machen unsere Schüler? Sie sehen: Heute gibt es Erbsensuppe. Sie haben sie nicht bezahlt, sie haben keinen Bock darauf. Dann bestellen sie einfach das Pizzataxi mit der ganzen Klasse. Es wird ja nicht wertgeschätzt, was nicht auch – zumindest teilweise – bezahlt wird.
Ach ja, und dann Ihre tolle Idee, Wasserspender in Schulen aufzubauen. Schüler lieben Wasser, aber nicht zum Trinken. Sie mögen lieber Red Bull und Eistee. Mit Wasser machen sie ganz andere Dinge
– fragen Sie mal die Hausmeister –, und dann werden die Wasserspender auch wieder abgebaut. Das ist nicht so wie hier im Deutschen Bundestag, wo alle nett drum herumstehen.
Also, bei Ihnen ist immer alles ideologisch. Machen Sie es doch einfach pragmatisch und vernünftig: ein vernünftiges Mittagessen zum kleinen Preis an allen Schulen. Dann gibt es Tofu für die Waldorfschüler, Zigeunerschnitzel für die Zerspanungsmechaniker an den Berufskollegs. Wir brauchen mehr Handwerker, weniger Sozialarbeiter, Frau Reichinnek. „Deutschland. Aber normal“, das gibt es nur mit der Alternative für Deutschland.
Vielen Dank.