Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
„Weltweit leiden unerträglich viele Menschen an Hunger. Das ist inakzeptabel in einer Welt, in der es eigentlich genug Essen für alle gibt. […] Der Kampf gegen Hunger ist und bleibt ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Diese Arbeit muss ausreichend finanziert sein.“
„Dafür setze ich mich mit aller Kraft ein.“
Das, meine Damen und Herren, sind nicht meine Worte. Das sind die Worte der Ministerin Alabali Radovan im Juli 2025.
Trotz dieser Aussage hat das BMZ dem Welternährungsprogramm 70 Prozent der Finanzierung gestrichen.
70 Prozent, mitten in einer der schwersten globalen Ernährungskrisen jemals! Das, meine Damen und Herren, sind keine abstrakten Kürzungen. Das sind Lebensmittel, die nicht mehr ankommen.
Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Durch die Blockade der Straße von Hormus können weitere 45 Millionen Menschen dazukommen. Das entspricht halb Deutschland. Diese Zahl muss man sich mal vor Augen führen: 45 Millionen Menschen mehr! Im Sahel, in Sudan, in Gaza oder in Afghanistan: Die Krisen häufen sich, die Not wächst. Wer jetzt kürzt, riskiert Leben.
Wer jetzt wegschaut, macht sich mitschuldig.
Eine aktuelle Studie zeigt, was der Rückzug der USA unter Trump aus der Entwicklungszusammenarbeit auslöst. Dort, wo Programme beendet wurden, nimmt Gewalt zu – also mehr bewaffnete Auseinandersetzungen, mehr Unruhe –, und das um 10 Prozent. Lebensmittelknappheit führt nachweislich zu Staatskrisen und bewaffneten Konflikten. Hunger ist der größte Treiber für Instabilität, und Instabilität verschärft den Hunger.
Der einzige Ausweg aus diesem Kreislauf ist die Ernährungssouveränität; denn ohne Essen ist alles nichts.
Das bedeutet ganz konkret, kleinbäuerliche Betriebe zu stärken, statt Großkonzernen immer mehr Macht zu überlassen, Saatgut als Gemeingut zu schützen und Land als Lebensgrundlage zu begreifen, statt es zum Spekulationsobjekt zu machen.
Und wir brauchen mehr Prävention. Denn das größte Versäumnis dieser Bundesregierung ist ihr Krisenreflex: Immer erst reagieren, wenn die Krise schon längst eingetroffen ist.
Das Welternährungsprogramm hat es durchgerechnet: Jeder Euro für Resilienzmaßnahmen bringt 5 Euro zurück. Wenn für diese Bundesregierung Menschlichkeit kein Argument ist, dann überzeugt vielleicht wenigstens die Wirtschaftlichkeit.
Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Es ist nicht verhandelbar. Und dieses Recht verpflichtet uns – nicht aus Mitleid, sondern weil Hunger kein Schicksal ist.
Hunger ist eine politische Entscheidung. Diese Entscheidung können wir gemeinsam ändern. Frau Ministerin – sie ist heute nicht mal da –, Sie sagen, Sie setzen sich mit aller Kraft für eine ausreichende Finanzierung der Ernährungsprogramme ein.
Dann tun Sie das auch endlich.
Vielen Dank.