Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hin und wieder werde ich in meinem Wahlkreis gefragt, warum wir Anträge der AfD im Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit ablehnen, obwohl diese vorgeben, einen guten Zweck zu verfolgen.
Natürlich setze ich mich mit Anträgen inhaltlich auseinander, auch mit Ihren. Ihre Punkte zu älteren eCall-Systemen, die durch den Wegfall von 2G/3G bei den Hauptuntersuchungen zu Beanstandungen führen können, habe ich als zuständiger Berichterstatter für Zulassung und für Typgenehmigung in Arbeit. Das lösen wir im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Aber der vorliegende Antrag der AfD-Fraktion „Bestehende Verbrennerfahrzeuge wertschätzen – Günstige individuelle motorisierte Mobilität für alle Bürger erhalten“ ist ein gutes Beispiel dafür, warum Ihre Anträge ins Leere laufen. Drei Gründe dafür, warum dieser Antrag ein schlechter Antrag ist.
Erstens: Fakten auslassen. Die AfD schreibt, dass 2025 der Anteil der BEVs an den Neuzulassungen 19,1 Prozent betragen hat und 3,6 Prozent im Gebrauchtwagenmarkt. Daraus konstatieren Sie, dass die Deutschen keine Elektroautos wollen. Stattdessen fordern Sie wortwörtlich, „die Zukunft des Verbrennungsmotors in Deutschland dauerhaft und ohne Enddatum zu sichern“. Faktencheck: Im Mai 2026 ist der Anteil der reinen Elektroautos an den Neuzulassungen von 18 Prozent im Vorjahr auf 25 Prozent gestiegen, gleichzeitig sank der Anteil der Benziner von 28,4 auf 21,6 Prozent, und der Anteil der Dieselfahrzeuge sank sogar auf 12,8 Prozent. Wir erinnern uns: 2016 waren es noch 46 Prozent Diesel bei den Neuzulassungen. Damit machen heutzutage Elektrofahrzeuge, Plug-in-Hybride und Hybridfahrzeuge zwei Drittel der neuzugelassenen Fahrzeuge aus.
Natürlich laufen die Elektrofahrzeuge – Subventionen gibt es auch beim Diesel – im Gebrauchtmarkt nach, da der Anteil der Gesamtflotte auch nur von Jahr zu Jahr wachsen kann.
Aber auch da sind die Zahlen eindeutig. Im April 2026 lag der E-Auto-Anteil im Gebrauchtwagenmarkt bei rund 7,7 Prozent und damit schon doppelt so hoch wie im Vorjahresmonat.
Zweitens: Dampfplauderei. Sie möchten – ich zitiere – „gute und bezahlbare Mobilität zur obersten Maxime […] machen“. Da frage ich Sie: Was ist denn gute Mobilität? Und was ist schlechte Mobilität? Und was ist bezahlbar? Ich mache Ihnen mal eine Beispielrechnung auf. Mein Elektro-Golf aus Wolfsburger Produktion braucht 12 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Im Jahresdurchschnitt kann ich ihn inklusive Abschreibung der PV-Anlage für maximal 20 Cent pro Kilowattstunde laden und fahre also für 2,40 Euro 100 Kilometer. Dann kann ich einmal pro Jahr noch mein CO2-Zertifikat verkaufen. Dafür habe ich in der Spitze 193,50 Euro bekommen; das habe ich eben noch mal nachgeschaut.
Damit konnte ich dann 8 000 Kilometer kostenlos fahren. Auch in diesem Jahr werden es wieder circa 4 000 Kilometer sein, die ich kostenlos fahren kann. Das nenne ich bezahlbar.
Drittens: Märchen erzählen. Dann tun Sie so, als sei es die günstigste Option, einen alten Verbrenner zu fahren. Ich habe auch schon alte Verbrenner gehabt. Ich sage mal: Steuerkette oder Zahnriemen wechseln, defekte Wasserpumpe, defekte Zylinderkopfdichtung, undichter Turbolader, Getriebeschaden, defekter Anlasser, defekter Kat oder Ölverlust. Einen alten Verbrenner bezahlen Sie, wenn Sie Pech haben, doppelt.
Ich bin definitiv Autoenthusiast. Ich habe 20 Jahre Autos entwickelt, bin Mitglied des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut. Und falls Sie meine Eltern treffen sollten, was ich Ihnen nicht wünsche, werden die Ihnen glaubhaft versichern, dass mein erstes Wort „Auto“ war – kein Spaß! Ich freue mich über jeden Käfer, über jeden Karmann, über jede Ente, auch über jeden Trabi oder jede Simme, die ich im Straßenbild sehe; die könnte meinetwegen auch im Reimport 60 km/h fahren. Aber ich finde es gut, dass in den 70er-Jahren kein politischer Beschluss gefasst wurde, den technischen Fortschritt einzufrieren.
Ja, eine Technologie, in der wir weltmarktführend sind, sollten wir nicht einfach über Bord werfen. Und es gibt andere Regionen der Erde, die für uns als Exportmarkt wichtig sind. Alternative Kraftstoffe helfen uns, unabhängiger zu werden.
Und auch im militärischen Bereich und in der maritimen Wirtschaft ist die Verbrennungskraftmaschine, wie der Ingenieur sagt, unverzichtbar. Verzichtbar sind hingegen Ihre Anträge, und wir lehnen sie daher ab.
Danke schön.