Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es gibt einige Probleme in der Lehramtsausbildung. Durch den vorliegenden Antrag wird leider kein einziges davon gelöst. Wenn Sie wollen, denken Sie doch einmal an Ihre Schulzeit zurück. Ich bin mir sicher, Ihnen allen fällt auf Anhieb eine Lehrerin oder ein Lehrer ein, die oder der Sie ganz besonders geprägt hat. Das ist das Wundervolle an diesem Job. Das zeigt uns doch: Die wichtigste Kompetenz einer Lehrkraft steht in keinem Lehrbuch. Es ist die Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten, Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen. Wenn Unterricht scheitert, dann scheitert er selten daran, dass Lehrkräfte zu wenig über Mathematik, Deutsch oder Geschichte wissen oder die Kippe am Reck noch nicht gut genug beherrschen. Er scheitert häufiger daran, dass wir in der Ausbildung die Beziehungsarbeit, die Praxis und die Pädagogik noch immer unterschätzen.
Stichwort „Praxis“. Praxis muss direkt an den Anfang des Studiums. Viele Lehramtsstudierende jobben neben dem Studium, indem sie zum Beispiel im Supermarkt Regale einräumen. Gleichzeitig haben wir einen großen Personalmangel an unseren Schulen. Lasst die Studis doch ab dem ersten Semester direkt rein in die Schule für zumindest einen Tag in der Woche! Sie können dort die Lehrkräfte unterstützen. Die Lehrkräfte freuen sich über die Unterstützung. Die Studis sammeln direkt Praxiserfahrung, verdienen nebenher ein bisschen Geld, die Schülerinnen und die Schüler haben eine bessere Betreuungssituation – eine absolute Win-win-win-Situation.
Wenn wir über die Lehramtsausbildung reden, müssen wir auch über Unterrichtsbesuche als Prüfungsleistung sprechen. Wir dürfen uns schon fragen, ob wir Lehrkräfte für die Realität des Klassenzimmers ausbilden oder für die perfekte 45-Minuten-Inszenierung unter Beobachtung. Ein Unterrichtsbesuch als Prüfungsstunde ist für den Lehrerberuf ungefähr das, was ein Hochglanzfoto im Urlaub für eine Ehe ist: Es zeigt einen besonderen Moment, in dem vermeintlich alles stimmt. Das hat mit der Realität aber nur sehr bedingt etwas zu tun.
Wie schön, dass sich hier so viele Lehrer zu Wort gemeldet haben; denn, wie man so schön sagt: –