Nichts davon ist im Interesse der arbeitenden Menschen. Die Rente ist abhängig vom Lohn. Eine stabile Rente gibt es also nur, wenn der Lohn endlich steigt, damit man von seiner Arbeit auch im Alter anständig leben kann. Das ist doch nicht zu viel verlangt.
Es wird nicht besser. Der nächste Vorschlag der Kürzungskommission sieht so aus: Wir sollen länger arbeiten, weil wir länger leben. – Auch das ist eine massive Rentenkürzung; denn was Sie verschweigen: Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeigt sich nicht nur im Vermögen, er zeigt sich auch bei der Lebenserwartung. Wer hart arbeitet und wenig verdient, der stirbt früher.
Erst vor ein paar Tagen ist im Hamburger Hafen wieder ein Kollege gestorben. Er war 56 Jahre alt. Er war 20 Jahre Nachtschichtler und früher Lascher. Für diejenigen, die diesen Beruf nicht kennen: Das sind die Menschen, die Container auf Schiffen sichern und lösen – ein Knochenjob, Arbeit bei Wind und Wetter, in Schichten, oft nachts unter hohem Zeitdruck. Der Kollege wurde nur 56 Jahre alt.
Viel zu viele Menschen erzählen uns von Müttern, Vätern, Kolleginnen und Kollegen, die das Rentenalter gar nicht erst erreichen, die von ihrer Rente nichts haben, weil sie vorher sterben. Was haben Sie diesen Menschen zu sagen, Frau Bas? Was sagen Sie Menschen, die so hart arbeiten, dass sie es gesund nicht bis zum Rentenalter schaffen? Mit der Kapitalrente machen Sie der Börse ein großes Geschenk; aber all den arbeitenden Menschen haben Sie nichts anzubieten.
Traurigerweise wollen auch die Grünen uns zwingen, mit Teilen von unserem Geld an der Börse zu zocken. Was für eine Form von Oppositionspolitik soll das bitte sein? Kein Wunder, dass Ihre Partei niemals von denen gewählt wird, die im Hamburger Hafen hart arbeiten.
Die gesetzliche Rente beruht auf Zusammenhalt statt auf Börsenkursen, auf Verlässlichkeit statt auf Spekulation.
Millionen Menschen haben erlebt, wie Finanzkrisen Ersparnisse vernichtet haben. Wer kurz vor dem Ruhestand steht, kann einen Börsencrash nicht einfach aussitzen.
Wir brauchen jetzt eine Entscheidung: Wollen wir wirklich, dass steigende Mieten und Rüstungsgewinne zur Grundlage der Altersvorsorge werden? Wir als Linke nicht.
Wir wollen eine Gesellschaft, die dem Hafenarbeiter, der Pflegekraft und dem Gerüstbauer nach einem harten Arbeitsleben eine sichere Rente garantiert. Wir sagen Nein. Wir sagen Nein zum Zocken mit unserer Rente.
Wir brauchen stattdessen eine Rentenversicherung, in die alle einzahlen: Beschäftigte, Selbstständige, Abgeordnete, Minister/-innen
und auch Beamte, deren Sonderbehandlung endlich aufhören muss.
Für die langfristige Finanzierung gibt es einen Vorschlag der Linken, über den die Rentenkommission schweigt: die Verdopplung der Beitragsbemessungsgrenze. Wir wollen, dass auch Spitzenverdiener auf jeden Euro ihres Einkommens in die Rente einzahlen, so wie alle anderen Beschäftigten auch. Während eine Kassiererin auf ihren vollen Lohn Rentenabschläge hinnehmen muss, zahlt ein Manager ab 8 000 Euro einfach nichts mehr ein. Das ist eine Frechheit.
Wir fordern zusätzlich einen Deckel für unverschämte Luxusrenten im Alter.
Mit diesem Geld könnten wir das Rentenniveau für die breite Mehrheit anheben. Das wäre einmal eine echte, mutige Reform, die den Namen auch verdient.