Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika, das ist das Jubiläum einer Idee: All men are created equal. Die USA mussten immer um die Einlösung dieses Versprechens aus der Unabhängigkeitserklärung ringen, selber ringen, mit sich selbst. Es gab eben nicht von vornherein dieses Versprechen, es wurde nicht gehalten von Anfang an für Frauen oder Afroamerikaner. Bis heute ist dieser Anspruch nur teilweise eingelöst.
Darin liegt eine zentrale Lehre. Demokratie ist kein fertiger Zustand. Sie muss von jeder Generation neu verhandelt und, ja, auch verteidigt werden. Deutschland verdankt dabei den Vereinigten Staaten viel. Nach 1945 haben sie entscheidend dazu beigetragen, dass unser Land den Weg zurück zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit gefunden hat, dass unsere Wiedervereinigung nicht nur ein Traum blieb. Aus Gegnern wurden Freunde und Partner. Diese transatlantische Partnerschaft gehört neben der europäischen Einigung zu unseren wichtigsten Erfolgen der Nachkriegsgeschichte.
Heute erleben wir in den Vereinigten Staaten eine intensive Debatte über ihre Rolle in der Welt. Ich habe das letzte Woche selbst wieder in den USA miterlebt. In der Republikanischen Partei ringen diejenigen miteinander, die Amerika weiter als führende Kraft in Bündnissen sehen, und diejenigen, die auf Rückzug und nationale Selbstbegrenzung setzen. Aus Ankara hören wir wieder vieles von Präsident Trump, was unsere Allianz offensichtlich herausfordert.
Auch die Demokratische Partei sucht nach einer Antwort auf die Frage: Wie verbindet man globale Verantwortung mit den Sorgen vieler Menschen im eigenen Land?
Diese Debatten gehören den Amerikanerinnen und Amerikanern, aber sie betreffen eben auch uns; denn nur transatlantisch gemeinsam werden wir gegen autoritäre Mächte, die unsere internationale Ordnung herausfordern, bestehen können.
Dass die an sich dringend notwendige transatlantische Einigkeit mit diesem Präsidenten nicht einfach wird, sehen wir gerade wieder. Aber die transatlantische Partnerschaft ist größer als Präsidenten, Wahlkämpfe oder politische Mehrheiten. Lassen wir sie uns nicht wegnehmen!
Vergessen wir nicht, was uns verbindet: unsere gemeinsamen Interessen und, ja, auch gemeinsame Werte.
Europa muss dabei mehr Verantwortung übernehmen. Das ist die Voraussetzung dafür, ein verlässlicher Partner zu bleiben. 250 Jahre USA erinnern uns daran: Freiheit und Demokratie sind niemals selbstverständlich. Sie brauchen Menschen, die für sie einstehen, gegen ihre Feinde von außen und im Innern, auf beiden Seiten des Atlantiks.
Deshalb gratulieren wir den Vereinigten Staaten zu ihrem 250. Geburtstag und bekräftigen zugleich unseren gemeinsamen Auftrag, die transatlantische Partnerschaft zu bewahren und für die Zukunft zu stärken.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.