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209. Sitzung der 20. Wahlperiode

Mittwoch, 29. Januar 2025 · Berlin

168 Reden in dieser Sitzung

168Reden36.131Wörter
699Vermerke
2 namentliche Abstimmungen in dieser SitzungAnzeigen

„Angenommen“ oder „Abgelehnt“ leitet OpenPlenum aus den Ja- und Nein-Stimmen ab. Bei Abstimmungen, die eine qualifizierte Mehrheit verlangen, kann die amtliche Feststellung des Bundestages abweichen.

Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Olaf Scholz
Foto: SPD/ Photothek
Olaf ScholzSPD· Bundeskanzler· MdB
101 Vermerkeca. 2.757 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dem, was wir heute von Roman Schwarzman gehört haben, fällt es nicht leicht, zur Tagesordnung überzugehen. Wir verneigen uns vor ihm und vor allen Opfern des Holocaust. Roman Schwarzmans Worte hallen nach: „Menschlichkeit und Gerechtigkeit dürfen keine leeren Worte sein“, hat er uns ins Stammbuch geschrieben. Ich sage: Menschlichkeit und Gerechtigkeit sind Versprechen unserer demokratischen Verfassung. Menschlichkeit und Gerechtigkeit finden ihren Ausdruck in den Grundrechten, darunter das Recht auf Asyl, das Schutz vor Gewalt, Krieg und Terror bietet.

Wenn wir heute über die bestürzende, grausame Tat von Aschaffenburg und ihre Folgen diskutieren, dann möchte ich eines voranstellen: Das Recht auf Asyl ist fester Bestandteil unserer Rechts- und Werteordnung. Daran dürfen wir nicht rütteln.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das Recht auf Asyl ist die unmittelbare Antwort auch auf das Grauen der NS-Herrschaft. Damals waren es deutsche und europäische Juden, die an fremden Grenzen abgewiesen wurden. Das, so die Lehre der Geschichte, darf nie wieder passieren. Das darf gerade Deutschland nie wieder zulassen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir also heute, 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, hier im Bundestag über Asyl, Flucht und Migration diskutieren und auch über alle Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, dann gehört das Bekenntnis zum Recht auf Asyl für politisch Verfolgte dazu.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Denn es gebietet der Anstand, dass wir klar unterscheiden zwischen denen, die sich auf den Schutz des Asylrechts berufen können, und jenen, für die das nicht gilt.

Meine Damen und Herren, was in Aschaffenburg passiert ist, ist ein abscheuliches, ein monströses Verbrechen. Zwei Menschen wurden brutal getötet: ein zweijähriger Junge und ein Mann, der sich dem Angreifer mutig in den Weg stellte. Wer sticht auf ein zweijähriges Kind ein?

Zurufvon der AfD

Solch eine Tat sprengt die eigene Vorstellungskraft. Den Schmerz der Eltern kann man sich kaum ausmalen. Ich denke oft an die Opfer und ihre Familien und Freunde. Wir trauern mit ihnen und mit den Bürgerinnen und Bürgern von Aschaffenburg.

In Aschaffenburg und an vielen Orten im Land ist neben großer Anteilnahme und Mitgefühl auch zu spüren, wie tief verunsichert viele Bürgerinnen und Bürger sind. Mannheim, Solingen, Magdeburg, jetzt Aschaffenburg:

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Wieder war der Täter jemand, der unseren Schutz missbraucht hat. Wieder war es jemand, der gar nicht mehr hier oder zumindest nicht auf freiem Fuß sein sollte. Wieder stellt sich die dringende Frage, ob und wo Behörden versagt haben.

Geben Sie doch mal Antworten, Herr Scholz! Stellen Sie keine Fragen! Geben Sie lieber Antworten!

Ich verstehe jeden, der sagt: Mir reicht es! Und ich sage auch: Es reicht! Auch ich bin empört.

Sie regieren doch!

Zurufevon der CDU/CSU

Ich bin empört, wenn Behörden in Bund und in den Ländern und den Kommunen nicht alles tun, was rechtlich möglich ist. Deshalb sage ich bewusst: Wir haben ein Vollzugsdefizit;

In der Regierung!

denn alle vier Straftaten – in Mannheim, in Solingen, in Magdeburg und in Aschaffenburg – hätten mit den bestehenden und von uns verschärften Gesetzen verhindert werden können.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD

Deshalb ist es gut und anständig, dass neben dem Bund auch die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt Aufklärung versprochen und sich darum gekümmert haben.

Aufklärung nützt keinem Toten was!

Umso irritierender ist es dagegen, wie sich die Bayerische Staatsregierung aus der Affäre ziehen will,

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

indem sie mit dem Finger auf andere zeigt, anstatt zu fragen: Was ist eigentlich hier bei uns schiefgegangen, hier bei uns in Bayern? Denn es sind Dinge schiefgelaufen im Freistaat Bayern.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der CDU/CSU

Ja, auch das BAMF, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, hätte schneller sein müssen. Das habe ich noch am Tag des Verbrechens mit dem Präsidenten des BAMF geklärt; denn das ist nicht akzeptabel.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Vollzug des Ausländerrechts, die polizeiliche Gefahrenabwehr, die Durchführung von Abschiebung, der Schutz der Allgemeinheit vor psychisch kranken Gefährdern: Das alles ist in unserem Staat Aufgabe der Länder. So steht es im Grundgesetz. Und ich bin die Nebelkerzen leid, die nach solchen Straftaten geworfen werden, um eigene Missstände zu kaschieren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Hallo? Hallo?

Der Bund kann den gesetzlichen Rahmen setzen für eine bessere Steuerung von Migration, für ein schärferes Asylrecht und für mehr Abschiebungen. Das haben wir getan, und das werden wir weiter tun.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Aber ich erwarte, dass Gesetze überall konsequent angewandt werden.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Wir haben die Asylverfahren gestrafft, damit unsere Behörden schneller entscheiden können. Wir haben für strengere Regeln bei der Versorgung und Unterbringung von Asylbewerbern gesorgt, damit die Länder sie nutzen können: Stichwort „Bezahlkarte“, Stichwort „Sachleistungen“ und vieles mehr.

Ja, Bezahlkarte!

Grenzkontrollen an allen Binnengrenzen: Wir haben sie durchgesetzt, anders als die CDU- und CSU-Innenminister vor uns. Weit über 40 000 Personen haben wir dadurch allein im vergangenen Jahr an der Grenze zurückgewiesen.

Zehn Jahre zu spät!

Längere Abschiebehaft und Abschiebegewahrsam: Wir haben die Möglichkeiten dafür ausgeweitet und verschärft. Diese Möglichkeiten müssen jetzt auch überall in Deutschland in allen Ländern vollständig genutzt werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, und wir brauchen mehr Abschiebehaftplätze; ich fordere das seit Langem. Auch Dublin-Center zur Rückführung von Asylbewerbern, für die ein anderes EU-Land zuständig ist, brauchen wir in allen Ländern und nicht nur in Hamburg.

Bei all dem geht es darum, Abschiebungen auch effektiv durchzusetzen,

Zurufvon der AfD: Wir brauchen weniger Einschiebungen!

weil wir nur dann die Akzeptanz für legale Zuwanderung erhalten, wenn wir unser Recht durchsetzen. Und wir haben die Zahl der Abschiebungen erheblich gesteigert: um fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr und sogar um 70 Prozent gegenüber 2021.

Sagen Sie doch mal die richtigen Zahlen! Nicht nur die Prozente!

Wir sind das einzige Land in Europa, dem es in den letzten Jahren überhaupt gelungen ist, Straftäter nach Afghanistan abzuschieben.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ja, vor der Landtagswahl!

Das ist verdammt schwierig mit einer Taliban-Regierung, aber wir haben es geschafft.

Beifallbei der SPD

Nur eine Woche vor der Wahl! Sonst nicht!

Der nächste Flug ist in Vorbereitung.

Wir schauen uns auch die Entwicklungen in Syrien sehr genau an. Sobald die Lage vor Ort es zulässt, werden wir auch dorthin Abschiebungen von Straftätern vornehmen – nach Recht und Gesetz, so wie es sich in einem Rechtsstaat gehört. Darüber reden wir mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder, so wie wir auch in den vergangenen Jahren in diesem Kreis immer wieder weitgehende Beschlüsse gefasst haben.

Ja, Bezahlkarte!

Ich bin bereit, jeden, auch jeden neuen Vorschlag durchzusetzen, der unseren Behörden die Arbeit weiter erleichtert.

Dann können Sie ja zustimmen!

Aber noch einmal: Die Taten von Mannheim, Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg hätten durch die konsequente Anwendung bestehender Gesetze verhindert werden können – allesamt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielleicht sind es einfach zu viele!

Das ist, was besser werden muss. Am Montag haben die Innenministerinnen und Innenminister genau darüber beraten. Ich unterstütze ausdrücklich, dass die Innenministerinnen und Innenminister vereinbart haben, Gewalttaten psychisch Kranker wirksamer zu verhindern,

Sie wollen sie erfassen, mehr nicht!

damit auch solche Gefährder, die keine Terroristen sind, früher erkannt und besser überwacht werden. Und ich begrüße ihren Beschluss, den Datenabgleich und den Informationsaustausch zwischen allen Sicherheitsbehörden zu intensivieren und biometrische Daten zur Gefahrenabwehr noch stärker zu nutzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit einigen unserer Maßnahmen sind wir hart an die Grenze dessen gegangen, was unsere Verfassung und die europäischen Verträge erlauben.

So ein Unsinn!

Das gilt besonders für die temporären Grenzkontrollen, die alle sechs Monate neu begründet und verlängert werden müssen. Das tun wir und werden wir weiter tun. Aber klar ist auch: Über geltendes Recht hinaus kann, über geltendes Recht hinaus darf man nicht gehen.

Schaden vom deutschen Volk abzuwenden: Das heißt, alles zu machen, was rechtlich möglich ist – als Rechtsstaat, als größter Mitgliedstaat der Europäischen Union.

Man kann auch die Verfassung ändern!

Was dem deutschen Volke hingegen schadet, sind Scheinlösungen, die unseren Rechtsstaat und unsere Verfassung beschädigen,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Untätigkeit schadet dem Staat!

die Deutschlands Ansehen in Europa und der Welt zerstören,

Das machen Sie doch schon! Oder haben Sie das vergessen?

die das Fundament der Europäischen Union untergraben, die wir gerade in diesen Zeiten brauchen und für die wir als Deutsche besondere Verantwortung tragen. Genau das aber tun Sie, Herr Merz, wenn Sie sagen: Wir wenden europäisches Recht an unseren Grenzen einfach nicht mehr an.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das ist doch Unsinn!

Das ist die Antwort der Populisten!

Sie verstehen es wahrscheinlich nicht!

Die katholische und die evangelische Kirche haben gestern in einem Brandbrief eindringlich vor Ihren Vorschlägen gewarnt, Herr Merz.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Unsere Gerichte wären gezwungen, solch ein rechtswidriges Vorgehen sofort zu kassieren. Sie würden es sofort kassieren.

Wie bigott!

Genau das würde schon nach wenigen Tagen im Eilverfahren passieren.

Sie wollen einen Notlagenartikel in den EU-Verträgen nutzen. Dabei wissen Sie genau: Der Europäische Gerichtshof hat das noch nie akzeptiert und würde das auch nicht akzeptieren.

Woher wissen Sie das denn?

Das größte Land der EU würde offen EU-Recht brechen, so wie das bislang nur Viktor Orbán in Ungarn wagt,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie brechen doch permanent Verfassungsrecht!

mit fataler Signalwirkung für andere Staaten.

Zurufvon der AfD: Was ist mit Dänemark, Herr Scholz?
Weiterer Zurufvon der AfD: Niederlande!

So etwas hätte kein deutscher Bundeskanzler je getan, Konrad Adenauer nicht, Willy Brandt und Helmut Schmidt nicht, Helmut Kohl nicht und auch Angela Merkel nicht. Das muss man hier festhalten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie alle wussten um Deutschlands Verantwortung. Und sie wussten: Unsere Wirtschaft profitiert wie keine zweite vom europäischen Binnenmarkt. Aber auch der lebt vom Respekt vor dem europäischen Recht. Eine Erosion des Rechtsstaates zerstört Vertrauen und Stabilität,

Vertrauen ist schon weg!

und das in einer Zeit, in der unsere Demokratie und ihre Institutionen ohnehin von Rechtsextremisten angegriffen und ausgehöhlt werden. In einer solchen Zeit ist Stabilität gefragt und nicht noch mehr Verunsicherung.

Zurufvon der CDU/CSU: Also Ende der Ampel!

Was würden unsere Unternehmen, Krankenhäuser oder die vielen Grenzpendlerinnen und Grenzpendler sagen, wenn der Lkw- und Personenverkehr an der Grenze kollabiert? Die beschweren sich jetzt schon über die Mühen, die mit den von meiner Regierung eingeführten Grenzkontrollen verbunden sind. Was würden der polnische Premierminister und der französische Präsident wohl sagen, wenn Deutschland mit Ankündigung europäisches Recht bricht?

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Der österreichische Bundeskanzler hat bereits klargestellt, dass sein Land Personen nur nach den geltenden europäischen Regeln zurücknimmt. Das heißt ja, Ihre großspurig angekündigten Maßnahmen würden auch rein praktisch gar nicht funktionieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Deutschlands Rolle in Europa muss eine andere sein. Sie folgt aus unserer Geschichte. Sie ist in unserer Verfassung festgeschrieben. Gerade in dieser Zeit, wo Russland unsere Friedensordnung bedroht, wo Präsident Trump einen neuen politischen Kurs einschlägt, ist die Einigkeit Europas wichtiger denn je.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das gilt auch und gerade in der Migrationspolitik, die so lange ein Spaltpilz war. Uns ist es nach acht Jahren des Stillstands gelungen, dass die Europäische Union sich endlich auf ein gemeinsames Asylsystem geeinigt hat. Nächstes Jahr wird es überall umgesetzt. Dadurch werden die Außengrenzen besser geschützt und viele Rückführungen direkt von dort aus stattfinden. Länder, die bisher Flüchtlinge einfach durchgewunken haben, werden künftig alle Ankommenden elektronisch registrieren müssen.

Ganz bestimmt!

Länder, die sich jahrelang aus der Affäre gezogen haben, haben einer solidarischen Verteilung von Geflüchteten zugestimmt.

Stimmt doch gar nicht!

Funktioniert ja wunderbar!

Und was gerade für Deutschland wichtig ist: Wir können Asylbewerber künftig viel leichter in das europäische Land rückführen, das für diese Personen zuständig ist, weil diese Länder ihre Zuständigkeit nicht so einfach abstreiten können. Damit beheben wir einen der größten Geburtsfehler im Dublin-System für die Zukunft, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das alles sind Zugeständnisse, für die wir jahrelang gekämpft haben,

Sie sind ja ein richtiger Kämpfer, Herr Scholz!

Zugeständnisse, die wir anderen mühsam abringen mussten. All das wäre gefährdet; denn wenn wir aus den europäischen Regeln aussteigen, steigen auch andere aus.

Zurufvon der CDU/CSU: Die sind schon ausgestiegen!

Daher haben gerade wir größtes Interesse daran, dass die neuen Regeln überall angewandt werden. Wir können hier im Bundestag noch vor der Wahl das Gesetz beschließen, das zur Umsetzung dieser großen Reform hier in Deutschland nötig ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch diese große europäische Einigung im Sinne Deutschlands setzen Sie mit Ihren undurchdachten Ankündigungen und rechtswidrigen Vorschlägen aufs Spiel. Es gibt Grenzen, die darf man als Staatsmann nicht überschreiten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die sollte man schützen!

Der Amtseid eines Bundeskanzlers – und nicht nur dessen Amtseid – fordert, die Verfassung und das Recht zu wahren und zu verteidigen.

… und Schaden vom deutschen Volke zu wenden!

Das ist der Maßstab, den unser Grundgesetz vorgibt.

Sie sagen, Sie würden mit Ihren Vorschlägen „all in“ gehen, so wie man das beim Pokerspielen dahinsagt. Aber Politik in unserem Land ist doch kein Pokerspiel!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Zusammenhalt Europas ist doch kein Spieleinsatz, und ein deutscher Bundeskanzler darf kein Zocker sein; denn er entscheidet im schlimmsten Fall über Krieg oder Frieden.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie haben gesagt, es wäre Ihnen gleichgültig, wer Ihren rechtswidrigen Vorschlägen zustimmt. Aber es ist nicht gleichgültig, ob man mit den extremen Rechten zusammenarbeitet. Nicht in Deutschland!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Seit Gründung der Bundesrepublik vor über 75 Jahren gab es immer einen klaren Konsens aller Demokratinnen und Demokraten: In unseren Parlamenten machen wir mit extremen Rechten nicht gemeinsame Sache.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie haben diesen Grundkonsens unserer Republik im Affekt aufgekündigt.

Und Sie haben als Allererstes klargestellt: Sie werden über Ihre Vorschläge mit den demokratischen Parteien gar nicht mehr verhandeln. Damit bleiben Ihnen als Partner ja nur diejenigen, denen Recht und Gesetz schon immer egal waren: die extremen Rechten.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Die Sozis!

Das wissen Sie.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Mehr noch: Darauf legen Sie es an. Sie nehmen die Unterstützung der AfD für Ihre rechtswidrigen Vorschläge offen in Kauf,

Ach, uns meinen Sie! Jetzt kommt es aber hier raus! Ich habe schon gedacht: Worüber faseln Sie die ganze Zeit?

Weiterer Zurufvon der AfD

die Unterstützung derer, die unsere Demokratie bekämpfen, die unser vereintes Europa verachten,

Sie verachten Menschenleben! Menschenverachtend, was Sie hier machen!

die das Klima in unserem Land seit Jahren immer weiter vergiften.

Machen Sie doch gerade!

Das ist ein schwerer Fehler, das ist ein unverzeihlicher Fehler!

Bisher kannten wir Ihre Umfaller und Zickzackkurse nur von anderen Stellen:

Die Toten von Aschaffenburg und Magdeburg sind Ihre Toten, Herr Scholz!

aus der Außenpolitik – ich sage nur: Taurus-Ultimatum – oder beim Renteneintrittsalter, wo Sie den Leuten etwas anderes erzählen, als in Ihrem Parteiprogramm steht.

Hören Sie mal auf, zu lügen!

Aber in einer für unser Land so zentralen Frage, nämlich der Frage, ob man als Demokrat mit den extremen Rechten gemeinsame Sache macht, hatte ich Ihren Zusicherungen wirklich geglaubt.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Heul doch!

Am 12. November hatten Sie gesagt: Ich will keine Mehrheiten im Parlament mit der AfD.

Es sind Wahlen! Haben Sie doch Verständnis für Herrn Merz!

Am 13. November haben Sie das hier an diesem Rednerpult wortreich bekräftigt.

Sie haben mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD fest vereinbart, alles zu unterlassen, wofür Sie auf Stimmen der AfD angewiesen sind.

Mimimimimi!

Zurufvon der SPD: Hört! Hört!

Noch vor drei Wochen haben Sie im Fernsehen Ihr Wort gegeben, die CDU werde ihre Seele nicht verkaufen durch eine Zusammenarbeit mit der AfD.

Sie haben Ihr politisches Schicksal damit verbunden. Viele Bürgerinnen und Bürger haben darauf und auf Ihr Wort vertraut. Aber was sind diese Worte jetzt noch wert?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das tröstet die Opfer sehr, Ihre Rede!

Was sind diese Worte jetzt noch wert?

Wir erleben das doch gerade in Österreich.

Auch dort hatten alle demokratischen Parteien vor der Wahl ganz klar gesagt: Wir regieren auf keinen Fall mit der FPÖ, dem dortigen Pendant zur AfD.

Da wird Kickl jetzt Kanzler! Gott sei Dank!

Gerade die Konservativen haben das hoch und heilig versprochen.

Dann hat der Wähler was anderes gewollt!

Und jetzt, nach der Wahl? Jetzt sind die österreichischen Konservativen plötzlich bereit, einen extrem rechten Kanzler der FPÖ zu wählen und mit ihm zu regieren.

Das hat die SPÖ noch nie gemacht!

Zurufevon der AfD

Für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ist jedenfalls nun vollkommen klar: Es darf nach der Bundestagswahl keine Mehrheit für CDU/CSU und AfD geben.

Es darf nach der Bundestagswahl keine Mehrheit für CDU/CSU und AfD geben; sonst droht uns eine schwarz-blaue Regierung in Deutschland.

Denn wer sagt: „Mir ist gleichgültig, wer für meine Anträge stimmt“, der sagt am Ende auch: Mir ist gleichgültig, wer für mich stimmt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Nee! Nee! Die Frau Präsidentin hat um Anstand gebeten! Und da ist null Anstand! Null Anstand! Das ist eine moralische Bankrotterklärung!

Und programmatische Überschneidungen zwischen Ihnen und denen von der AfD gibt es ja nicht nur bei den rechtswidrigen, europafeindlichen Vorschlägen zur Begrenzung der irregulären Migration.

Die Steuerpläne von CDU und AfD würden ausgerechnet die Allerreichsten am stärksten entlasten. Und einig sind Sie sich auch, dass in Deutschland angeblich viel zu wenig gearbeitet wird und man den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern deshalb mehr Druck machen müsse.

So richtig arm war der Olearius aber auch nicht, oder?

Zurufvon der FDP: In welcher Realität lebt dieser Bundeskanzler?

Aber die Bürgerinnen und Bürger können am 23. Februar dafür sorgen, dass es keine Mehrheit gibt für eine solch falsche Politik in Deutschland.

Die Bürgerinnen und Bürger können dafür sorgen, dass es keine Mehrheit gibt für Schwarz-Blau in unserem Land.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden aus der demokratischen Mitte heraus für mehr Ordnung und Steuerung und Humanität in der Migrationspolitik sorgen, so wie wir das gemeinsam mit den Ländern in den zurückliegenden Jahren gemacht haben.

Weiter so!

Wichtige Vorschläge zur Stärkung der inneren Sicherheit liegen entscheidungsreif hier im Bundestag oder im Bundesrat.

Gar nichts haben Sie auf die Kette gekriegt!

Das Gesetz zur Umsetzung der europäischen Asylreform habe ich eben schon erwähnt. Je schneller das kommt, desto besser können sich die Länder darauf vorbereiten. Wir wollen das Bundespolizeigesetz modernisieren; auch das liegt hier im Bundestag.

Misstrauen gegenüber der Polizei! Das nennen Sie „mehr Sicherheit“?

Es geht darum, der Bundespolizei eine bessere Ermittlungsarbeit zu ermöglichen, auf dem aktuellen Stand der Technik.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das können wir diese Woche gemeinsam auf den Weg bringen.

Sie haben es in den letzten drei Jahren nicht geschafft! Drei Jahre hatten Sie Zeit!

Und auch die Gesetzesverschärfungen, die wir nach dem Anschlag von Solingen beschlossen haben, liegen weiter auf dem Tisch. Dazu zählen zum Beispiel neue Befugnisse, auf die unsere Sicherheitsbehörden dringend warten, etwa beim biometrischen Datenabgleich im Internet. Ich habe kein Verständnis dafür,

Das glaube ich!

dass diese Änderungen von den unionsgeführten Ländern im Bundesrat weiter blockiert werden.

Worauf warten wir denn noch?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Worauf warten Sie? Sie können den Vermittlungsausschuss anrufen und machen es nicht!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, noch ein Wort zum Schluss.

Gott sei Dank!

Gott sei Dank!

Am Tag nach dem Attentat von Aschaffenburg war ich in Erfurt unterwegs. Am Rande dieser Bürgerveranstaltung ist ein junger Mann auf mich zugekommen und hat zu mir gesagt: Herr Scholz, ich komme aus Afghanistan, genauso wie der Täter von Aschaffenburg, und ich möchte Ihnen und allen Deutschen sagen: Wir sind nicht alle so.

Danach waren Sie im Paulanergarten, oder?

Paulanergarten!

Was da geschehen ist, das erschüttert mich genauso wie alle anderen hier im Land.

Meine Damen und Herren, fast ein Drittel von uns in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Viele von ihnen haben große Angst, unter Generalverdacht zu geraten.

Zurufvon der SPD: Genau!

Dabei leiden sie unter Hass und Gewalt genauso wie alle anderen von uns.

Das sind die, die AfD wählen, wenn sie können!

Unter den Opfern von Aschaffenburg waren ein kleiner Junge aus Marokko und ein kleines Mädchen aus Syrien. Und deshalb dürfen wir uns nicht spalten lassen.

Maximale Konsequenz

In was denn?

gegenüber denjenigen, die unser Land und unseren Schutz ausnutzen, ohne den Rechtsstaat aufzugeben,

Haltet den Dieb!

und zugleich keinen Fußbreit denen, die Hass und Hetze säen,

Machen Sie doch gerade!

das ist der richtige Kurs für unser Land.

Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
63 Vermerkeca. 2.278 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie auch mir eine Vorbemerkung zu der Gedenkstunde, die wir heute über die Mittagszeit hatten, und eine Erinnerung an die Rede von Roman Schwarzman, die uns ja alle sehr bewegt hat. Ich will es einfach an die Adresse dieser Fraktion hier rechts sagen und an Ihre, Herr Gauland: Das war Ihr Fliegenschiss, von dem Sie vor Jahr und Tag gesprochen haben.

Meine Damen und Herren, vier Tage vor dem letzten Weihnachtsfest rast ein seit Jahren behördenbekannter Mann aus Saudi-Arabien mit einem geliehenen Auto durch einen Weihnachtsmarkt in Magdeburg und tötet dabei sechs Menschen. Über 300 werden zum Teil schwer verletzt. Viele von den verletzten Kindern, Heranwachsenden, Männern und Frauen jeden Alters werden nie wieder ein uneingeschränkt normales Leben führen können. Und heute vor einer Woche werden ein kleines Kind aus einer Kindergartengruppe und ein zufällig anwesender Mann, der den Kindern helfen wollte, von einem ebenfalls behördenbekannten Afghanen erstochen. Ein weiteres Kind und ein weiterer Mann, der gleichfalls zu Hilfe geeilt war, erleiden durch den Angreifer schwere Verletzungen.

Wir haben auch hier im Deutschen Bundestag den Opfern und ihren Angehörigen unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme ausgedrückt.

Ihre Brandmaueropfer, Herr Merz!

Ich will es sehr deutlich sagen: Wenn unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme wirklich ernst gemeint sein sollen, wenn Mitgefühl und Anteilnahme nach solchen Anschlägen nicht immer mehr zum politischen Ritual verkommen sollen, dann müssen spätestens nach Magdeburg und nach Aschaffenburg jetzt endlich wirksame Entscheidungen gegen den Zustrom illegaler Flüchtlinge nach Deutschland und gegen den illegalen Aufenthalt der Flüchtlinge in Deutschland getroffen werden.

Wir haben in Deutschland ein massives Problem mit der Ausländerkriminalität, vor allem unter den Asylbewerbern. Dieser Hinweis auf die Asylbewerber ist mir besonders wichtig, meine Damen und Herren. Denn wir haben zugleich eine große Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland zum Teil seit Jahrzehnten leben, in zweiter, dritter und vierter Generation. Diese Menschen sind Teil unseres Landes. Es sind Menschen, die Deutsche sind, die mit uns leben und arbeiten, die Familien haben und ohne die unser Land einfach nicht bestehen könnte.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP
Zurufvon der SPD: Hört! Hört!

Es sind Menschen, die einen Anspruch darauf haben, dass sie nicht in einem Atemzug mit den straffälligen Asylbewerbern genannt werden. Es sind Menschen, die sich zum Teil sogar für eine sehr viel härtere Asyl- und Einwanderungspolitik einsetzen,

… und deshalb AfD wählen!

weil sie vielleicht noch klarer sehen, welche Probleme wir in unserem Land haben, weil sie selbst mittlerweile zur Zielscheibe des Hasses und der Gewalt werden, eines Hasses und einer Gewalt, die vor allem aus rechtsradikalen Kreisen geschürt wird,

Dazu gehören Sie ja jetzt neuerdings auch!

die mit der AfD auch hier im Deutschen Bundestag mittlerweile ihren Platz eingenommen haben.

Herr Bundeskanzler, Sie geben heute nun bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit eine Regierungserklärung ab zu den tödlichen Angriffen der letzten Monate. Sie haben, wie wir das von Ihnen kennen, in großen Worten gelobt, was Sie alles in den letzten Jahren getan haben, und haben die ungelösten Probleme ganz überwiegend bei einem Vollzugsdefizit der Länderbehörden gesehen. Herr Bundeskanzler, der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hat heute Morgen letztmalig – nicht zum ersten Mal, aber heute Morgen erneut – im Innenausschuss des Deutschen Bundestages eine Überlastungsanzeige abgegeben, von einem Amt, dem Sie in Ihrem Haushaltsentwurf für das Jahr 2025 10 Prozent der Mittel kürzen wollten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Glauben Sie im Ernst, dass wir ein Vollzugsdefizit haben, und alles andere, was Sie bis jetzt gemacht haben, ist in Ordnung?

Ich will Ihnen ein weiteres Beispiel nennen. Sie haben mit den Ministerpräsidenten mehrfach getagt, intensiv beraten, einvernehmliche Vorschläge gemacht. Darunter war die Einführung einer bundesweit einheitlichen Bezahlkarte für die Asylbewerber. Diese Verabredung steht bis zum heutigen Tag nicht im Asylbewerberleistungsgesetz.

Muss sie ja auch nicht!

Einige Länder haben sie für sich eingeführt, zum Beispiel der von Ihnen hier so kritisierte Freistaat Bayern. In Bayern organisieren die Grünen

Ja! Missbrauch!

den systematischen Missbrauch dieser Karte, indem sie Warengutscheine einkaufen lassen und diese Warengutscheine in den Kreisgeschäftsstellen der Grünen gegen Bargeld eintauschen, meine Damen und Herren. Das ist der Erfolg Ihrer Politik mit den Ministerpräsidenten in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Sie beklagen, dass die Länder Ihnen bisher die Zustimmung für ein Sicherheitspaket im letzten Jahr nicht gegeben haben. Herr Bundeskanzler, dieses Sicherheitspaket kam schon ohnehin abgespeckt aus dem Deutschen Bundestag heraus, weil Sie in Ihren eigenen Fraktionen nicht durchsetzen konnten, was Sie vorher im Kabinett beschlossen haben.

Und Sie werden das mit denen da regeln, ne?

Jetzt haben Sie im Bundesrat noch nicht einmal den Vermittlungsausschuss angerufen, weil Sie befürchten, dass ein verbessertes Ergebnis aus dem Vermittlungsausschuss erneut die Zustimmung Ihrer Fraktionen, vor allen Dingen der Sozialdemokraten und der Grünen, nicht finden wird.

Genau so ist es!

Genau! Genau! So ist es!

Herr Bundeskanzler, es ist zu einfach – um nicht zu sagen: sehr billig –, hier den Vollzug bei den Behörden als das eigentliche Problem anzusehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Nun unterstellen Sie mir, ich machte hier rechtswidrige Vorschläge. Das ist ein ernstzunehmender Vorwurf,

Und der stimmt!

und ich nehme diesen Vorwurf ernst. Bevor ich darauf zu sprechen komme, möchte ich Ihnen aber auch noch einen Satz sagen. Hier zu beklagen, dass die Rechtslage so sei, wie sie ist, ist doch nicht die Aufgabe des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland.

Ja! Aber wirklich!

Sie sind doch nicht der oberste Notar dieser Republik, Sie sind der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Und wenn die Gesetze nicht ausreichend sind, dann müssen Sie Vorschläge machen, die Gesetze zu ändern, und doch nicht erklären, was alles mit den bestehenden Gesetzen angeblich nicht geht.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Unser wichtigster Vorschlag, mein wichtigster Vorschlag ist, jetzt endlich Grenzkontrollen dauerhaft durchzuführen und Zurückweisungen zu ermöglichen.

Das ist unser Vorschlag!

Meine Damen und Herren, dieser Vorschlag ist, nachdem die gesamte europäische Einwanderungs- und Asylpolitik dysfunktional geworden ist – und sie ist dysfunktional –, ein Vorschlag, der schon nach einfachem europäischen Recht zulässig ist.

Das haben wir 2017 schon gefordert!

Ich stelle Ihnen mal die Frage: Was machen Dänemark, Schweden, Finnland, Italien, die Niederlande, viele andere Länder in der Europäischen Union denn anders, als ich es hier vorschlage?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Diese Länder sind in derselben Europäischen Union wie wir.

Nun zur Inanspruchnahme des Artikels 72 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Professor Hans-Jürgen Papier, und mehrere ehemalige Richter des deutschen Bundesverfassungsgerichtes sagen Ihnen: Die Anwendung dieses Artikels ist nicht nur möglich, sie ist geboten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Dieser Artikel eröffnet dem nationalen Recht den Vorrang bei einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Und jetzt will ich Sie einmal fragen: Was muss eigentlich in Deutschland noch passieren? Wie viele Menschen müssen noch ermordet werden?

Sie wollten nicht mal darüber reden im Wahlkampf!

Wie viele Kinder müssen noch Opfer solcher Gewalttaten werden, bevor Sie auch der Meinung sind, dass es sich hier um eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung handelt? Was muss eigentlich noch geschehen?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Warum haben Sie das denn nicht vorher gemacht?

Im Übrigen: Ihr Hinweis auf das deutsche Asylrecht trifft mittlerweile nur noch auf weniger als 3 Prozent der Asylbewerber zu.

Mittlerweile? Von Anfang an!

Zu Ihrer Erinnerung: Im Jahr 1993 ist das Grundgesetz – einvernehmlich zwischen den Sozialdemokraten und meiner Fraktion – geändert worden, und zwar mit einer Bestimmung genau in Artikel 16a Absatz 2 des Grundgesetzes,

Wusste das Frau Merkel auch?

der seitdem ausdrücklich regelt, dass diejenigen, die aus einem Mitgliedsland der Europäischen Union kommen oder aus einem Land, in dem die Europäische Menschenrechtskonvention gilt, keinen Anspruch haben, das deutsche Grundrecht auf Asyl in Anspruch zu nehmen.

Sensationell! Das gilt seit 2015!

Weiterer Zurufvon der AfD: Das hat aber schon vor zehn Jahren gegolten!

Das trifft für alle zu, die auf dem Landweg nach Deutschland kommen, für ausnahmslos alle, meine Damen und Herren. Wo liegt in dem, was ich Ihnen hier vorschlage, der Verstoß gegen das deutsche Grundrecht auf Asyl?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich einige wenige Bemerkungen zu unserem Gesetzentwurf machen, der hier am Freitag zur Abstimmung stehen wird. Dieser Gesetzentwurf wird seit September im Deutschen Bundestag beraten. Das ist nichts, was wir Ihnen plötzlich und über Nacht vorgelegt haben. Es ist ein Gesetzentwurf, den wir nach den Anschlägen in Solingen in den Deutschen Bundestag eingebracht haben. Sie haben diesen Gesetzentwurf mit Ihrer damals noch bestehenden Mehrheit am Tag des Auseinanderbrechens der Koalition, am 6. November 2024, im Innenausschuss mehrheitlich abgelehnt.

Jetzt will ich Ihnen kurz sagen, was in diesem Gesetzentwurf steht, der am Freitag dieser Woche in zweiter und dritter Lesung zur Abstimmung steht. Es stehen drei Punkte darin: erstens die Wiederaufnahme des Begriffs „Begrenzung“ als Zweck des Aufenthaltsgesetzes; zweitens die Beendigung des Familiennachzuges nur für diejenigen, denen subsidiär Schutz gewährt wird, also für diejenigen, die kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland haben, und drittens eine Erweiterung der Kompetenzen der Bundespolizei, damit diese mit eigenen Zuständigkeiten für aufenthaltsbeendende Maßnahmen sorgen kann.

Zurufder Abg. Katja Mast [SPD]

Jetzt stelle ich Ihnen mal die Frage: Was ist daran europarechtswidrig? Was ist daran verfassungswidrig? Und was hält Sie davon ab, diesen drei Vorschlägen am Freitag hier im Deutschen Bundestag zuzustimmen?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Norbert Kleinwächter [AfD], Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Was hält Sie davon ab? Wenn Sie diesen Vorschlägen nicht zustimmen, meine Damen und Herren – Sozialdemokraten, Grüne, FDP –, dann dokumentieren Sie am Freitag endgültig,

Haben Sie dem Bundeskanzler nicht zugehört?

dass Sie eine Änderung des Zustroms in die Bundesrepublik Deutschland in Wahrheit nicht wollen. Das ist dann das Ergebnis, das wir am Freitag von Ihnen bekommen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der AfD

Wenn Sie eine Koalition ausschließen, dokumentieren Sie, dass Sie gar nichts ändern wollen!

Und jetzt erlauben Sie mir, meine Damen und Herren, dass ich zum Abschluss noch etwas sehr Persönliches sage. Ich habe das, was ich Ihnen jetzt sage, nach meiner Erinnerung in den über 18 Jahren, die ich diesem Parlament angehöre, von dieser Stelle aus noch nie getan; aber ich sage es Ihnen heute: Ich kann es spätestens nach dem furchtbaren Anschlag in Magdeburg und den tödlichen Messerangriffen in Aschaffenburg persönlich, aber auch als Vorsitzender dieser Bundestagsfraktion mit meinem Gewissen einfach nicht mehr vereinbaren.

– Vielen Dank für diese Zurufe. Wenn bei dem Wort „Gewissen“

Ja, weil es nicht stimmt! Das glaubt Ihnen keiner! Niemand glaubt Ihnen das!

Zurufevon der SPD

solche Reaktionen Ihrerseits erfolgen, dann weiß man, was das Wort „Respekt“ in Ihrer Fraktion und in Ihrer Partei wirklich bedeutet.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Ich wiederhole: Ich kann es mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, dass angeblich formale Absprachen mit Ihnen, der SPD und den Grünen, nach dem Auseinanderbrechen der Ampelregierung dazu führen sollen, dass wir hier im Deutschen Bundestag nur die Entscheidungen zur Abstimmung bringen dürfen, die vorher Ihre Zustimmung gefunden haben.

Nein, meine Damen und Herren, ich sage Ihnen genau das aus genau diesem Grund:

Das war doch Ihr Versprechen!

Ich dachte, das war Ihr Wort!

Wir sind es den Menschen in unserem Land und nicht zuletzt den Opfern der Gewalttaten der letzten Monate

Jahre! Zehn Jahre!

einfach schuldig, jetzt wirklich jeden Versuch zu unternehmen,

Warum haben Sie das nicht vorher gemacht?

die illegale Migration zu begrenzen, die ausreisepflichtigen Asylbewerber in Gewahrsam zu nehmen und endlich abzuschieben, meine Damen und Herren. Wir sind es den Menschen schuldig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Warum vier Wochen vor der Wahl?

Ich bedauere, Herr Bundeskanzler, dass alle Versuche, mit Ihrer Koalition hier zu gemeinsamen Lösungen zu kommen, in den letzten drei Jahren gescheitert sind.

Sie sind doch vom Tisch aufgestanden!

Es liegt in dieser Woche daher letztmalig in dieser Wahlperiode allein bei Ihnen, den Sozialdemokraten und den Grünen, ob es für unsere Vorschläge in der Mitte des Deutschen Bundestages noch eine parlamentarische Mehrheit gibt oder nicht.

Sie sind keine Mitte, Sie sind ganz unten, Herr Merz!

Sie sind doch aufgestanden in den Verhandlungen!

Es ist Ihre Entscheidung, meine Damen und Herren.

Wir haben – das sollte klar werden – mit der AfD im Deutschen Bundestag keine Mehrheit. Wir haben sie nicht.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Es müssen schon andere dazukommen. Es kann sein, dass die AfD hier im Deutschen Bundestag am Freitag erstmalig die Mehrheit für ein notwendiges Gesetz ermöglicht.

Die Bilder, die wir gegebenenfalls von jubelnden und feixenden AfD-Abgeordneten sehen werden, werden unerträglich sein, und der Gedanke daran bereitet mir schon jetzt größtes Unbehagen.

Sie haben Ihre Anträge von uns abgeschrieben!

Zum Haareraufen bei Ihnen, oder?

Aber, meine Damen und Herren, vor die Wahl gestellt, weiter ohnmächtig zuzusehen, wie die Menschen in unserem Land bedroht, verletzt und ermordet werden,

Hätten Sie verhandelt, Herr Merz!

vor die Wahl gestellt, der rot-grünen Minderheit hier im Deutschen Bundestag weiterhin die Deutungs- und Entscheidungshoheit in der Asyl- und Einwanderungspolitik zu überlassen

Zurufdes Abg. Dr. Joe Weingarten [SPD]

oder jetzt aufrechten Ganges das zu tun, was unabweisbar in der Sache notwendig ist, vor diese Wahl gestellt, entscheide ich mich und entscheiden wir uns für diesen letztgenannten Weg.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos]

Ohne Zweifel, meine Damen und Herren: Die Demokratie ist in Gefahr,

Richtig, durch Sie!

Weitere Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

wenn Radikale an die Macht kommen. Deshalb werden wir und deshalb werde ich alles tun, um genau das zu verhindern.

Zurufder Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]
Weiterer Zurufvon der SPD: Brandstifter!

Die Vermutungen und die Spekulationen, die Sie, Herr Bundeskanzler, hier angestellt haben – Sie kennen mich gut genug –, sind niederträchtig, und sie sind infam.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich werde alles tun, um zu verhindern, dass es zu dem kommt, was Sie hier gerade gesagt haben.

Ich füge einen zweiten Satz hinzu, meine Damen und Herren: Die Demokratie gerät auch in Gefahr, wenn eine gesellschaftliche und politische Minderheit – und Sie, SPD und Grüne, sind eine kleiner werdende gesellschaftliche und politische Minderheit –

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der SPD: Welche Arroganz!

die Radikalen als Werkzeug benutzt, um den Willen der Mehrheit der Bevölkerung dauerhaft zu ignorieren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der AfD und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Was für ein Demokratieverständnis! Ich bin entsetzt!

Deshalb lassen wir uns von Ihnen, von SPD und Grünen, nicht mehr sagen, was wir zu tun und was wir nicht zu tun haben. Auch Sie haben am Freitag die Wahl. Sie können Ihre Entscheidung treffen. Und möglicherweise wird jetzt auch ohne Sie und in der Sache trotzdem richtig entschieden.

Gemeinsam mit den Rechten!

In der Sache richtig! Darum geht es, Herr Merz!

Um es deutlich zu sagen: Eine richtige Entscheidung wird nicht dadurch falsch, dass die Falschen zustimmen. Sie bleibt richtig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Ziehen Sie von den Grünen und der SPD daraus nicht die falschen Rückschlüsse, auch wenn Sie jetzt in bewährter Weise versuchen werden, in diesem Wahlkampf – und es geht ja schon los – gegen mich persönlich auszuteilen.

Zurufevon der SPD: Oh!

Ich kann das gut aushalten.

Ja, das merken wir!

Selbst aus der Mitte dieser Bundesregierung wird zum wiederholten Mal von einem Ihrer Ressortminister, Herr Bundeskanzler, die Nazikeule gegen mich geschwungen.

Ja, unmöglich!

Ist ja ganz was Schlimmes!

Beim ersten Mal habe ich die Entschuldigung angenommen, beim zweiten Mal nicht mehr. An dieser Stelle ist jede Konversation beendet, Herr Lauterbach, um Ihnen das hier sehr klar und sehr deutlich zu sagen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich werde mich von diesen Angriffen nicht beirren lassen, und ich werde allen Versuchen, die Sie da unternehmen, entschieden widersprechen. Damit weiß ich mich einig mit der großen Mehrheit der Bevölkerung, übrigens auch mit der Mehrheit der sozialdemokratischen Wählerinnen und Wähler.

Was für ein arroganter Vogel! Ehrlich!

Stellen Sie sich eigentlich mal die Frage, warum Sie bei der Bundestagswahl im Jahr 2025 im Ruhrgebiet und in Nordhessen Wahlkreise an die AfD verlieren werden? Stellen Sie sich hin wieder mal die Frage, warum das so ist, meine Damen und Herren von den Sozialdemokraten?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Egal was Sie tun, ich will es nur noch einmal sagen: Ich werde nach der Bundestagswahl alles dafür tun,

Sagen Sie was zu den Wahlkreisen in Thüringen oder in Sachsen!

dass wir nie wieder in eine solche Lage kommen, wie wir sie heute zu meinem allergrößten Bedauern hier im Deutschen Bundestag diskutieren müssen.

Ich danke Ihnen.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei Abgeordneten der FDP
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
47 Vermerkeca. 1.779 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Politische Schicksalstage erkennt man meistens im Nachhinein. Erst im Rückblick der Geschichte wird manchmal deutlich, welche Debatten und welche Entscheidungen zu welchen Konsequenzen geführt haben.

Wahlkampffotos in Auschwitz zum Beispiel!

Das gilt nicht für diese Debatte. Das gilt nicht für diese Woche. Das gilt nicht für diese Tage.

Ich glaube, jeder spürt es hier im Plenarsaal des Deutschen Bundestages und in den Debatten auf der Straße,

Und am Küchentisch!

dass wir hier nicht irgendeine Sachfrage entscheiden oder diskutieren, sondern die grundsätzliche Ausrichtung der Politik, der politischen Kultur, dass das, was wir demokratische Mitte in Deutschland nennen,

Aber nur Sie!

hier infrage steht, verhandelt und abgestimmt wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr geehrte Damen und Herren, weil das so ist, muss man genau hinhören, welche Worte gesagt werden. Und ich werde darauf nachher noch mal im Gang der Argumentation zurückkommen.

Lieber Herr Merz, ich glaube Ihnen die Betroffenheit, das Engagement und den Einsatz für Sicherheit in Deutschland. Aber auch der Bundeskanzler steht nicht über Recht und Gesetz in Deutschland und muss sich an Recht halten.

Außer bei Cum-ex!

Auch das Ausweichen auf das Gewissen entbindet nicht von politischer Verantwortung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Ich sage das mit Respekt vor jedem, der sagt: Das ist für mich eine Gewissensentscheidung. – Aber das ist für uns im parlamentarischen Raum der Grund, warum nicht weiter diskutiert wird, weil Menschen zu bestimmten Einstellungen zu Leib und Leben eine so fundamentale moralische Position haben, dass sie sich jeder politischen Argumentation entzieht. Und das respektiere ich natürlich. Aber es heißt auch, dass für sie dann das Argument der politischen Analyse an der Stelle nicht mehr gilt. Und das kann ich für mich nicht akzeptieren, weil die Entscheidungen hier so gewichtig sind.

Das interessiert aber niemanden, Herr Habeck, was Sie da akzeptieren oder nicht!

Deswegen nehme ich es zur Kenntnis, aber damit entziehen Sie Ihre Argumente der politischen Debatte. Und das halte ich für falsch an dieser Stelle.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will drittens sagen, dass das Argument, das so nebenbei vorgetragen wurde mit Blick auf die noch regierungstragenden Fraktionen – dass das eine politische Minderheit ist –,

Das ist die harte Wahrheit!

befürchte ich, uns an irgendeiner Stelle demnächst wieder begegnen wird mit der Begründung, dass die politische Mehrheit der Bevölkerung dann auch in der Regierung abgebildet wird. Ich will nicht zu Verschwörungstheorien neigen

und greifen. Aber dieses Argument, das ich in verschiedenen Formulierungen in den letzten Tagen und Wochen auch aus den Reihen der CDU immer wieder gehört habe, dass jetzt Mehrheit wird, was die Mehrheit im Volk ist, das schließt die AfD mit ein, sehr geehrte Damen und Herren. Das schließt die AfD mit ein!

Natürlich!

Weitere Zurufe von der AfD

Ich will das alles nicht wirklich glauben. Ja, aber das ist der eigentliche Punkt der Debatte.

Dass wir unterschiedliche Auffassungen haben bei politischen Inhalten, ist ja jetzt kein Wunder. Das, was hier heute diskutiert wird, ist: Stimmt die Union – und die FDP – mit der AfD in so einer entscheidenden und wichtigen Frage gemeinsam ab, und wird sie am Freitag gemeinsam abstimmen? Und wenn sie in dieser so wichtigen Frage mit der AfD gemeinsam abstimmt: Bei welcher Frage soll sie denn dann bitte nicht mehr mit der AfD gemeinsam abstimmen?

Lebhafter Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Das ist richtig!

Sehr geehrte Damen und Herren, Sicherheit ist die Bedingung für Freiheit. Und jenseits von unserer Debatte hier müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Sicherheit bedroht wird, dass es hinter den verschiedenen Mordanschlägen von Mannheim, von Solingen, von Magdeburg, von Aschaffenburg möglicherweise Muster gibt,

Ach! Welche denn? Klären Sie uns mal auf!

Es sind immer Männer!

Muster, die erkannt werden und dann auch geahndet werden müssen.

Ein kleiner Junge marokkanischer Herkunft und ein deutscher Familienvater, der sich in den Weg gestellt hat, sind erstochen worden. Ein syrisches Mädchen und ein deutscher Rentner sind schwer verletzt worden. Wir müssen also – ich gehe gleich darauf ein – die Frage der Erhöhung der Sicherheit wieder und wieder aufrufen. Bei alldem, was in der Vergangenheit getan wurde

Sie sollen Antworten geben, Herr Habeck, keine Fragen aufrufen!

– ich gebe Ihnen gleich Antworten –, müssen wir das tun.

Aber diese Schicksalstage fragen nicht nur danach, was wir tun oder mit wem wir es möglicherweise tun, sondern auch, wie wir die Debatte führen. Und wie muss in den Ohren der Eltern des erstochenen marokkanischen Jungen, wie muss in den Ohren der Eltern des syrischen Mädchens oder wie muss in den Ohren der Pflegerin, die nach Magdeburg eingegriffen hat, die Verletzte betreut hat und danach rassistisch beleidigt und geschlagen wurde, diese Remigrations- und Rassismussprache der AfD klingen? Auch diese Menschen haben Ohren und hören, was passiert.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken

Herr Merz und FDP, stimmen Sie in dieser entscheidenden Frage nicht mit denen ab, die Rassismus zum Programm machen!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt hören Sie auf zu heulen!

Es entkräftet alle Ihre Argumente, wenn Sie an dieser Stelle mit Rassisten gemeinsam abstimmen.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Es ist nicht nötig,

Was ist denn eure Schlussfolgerung?

und es ist auch geboten, es nicht zu tun.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Was wir tun sollten, sehr geehrte Damen und Herren, ist tatsächlich: in der Umsetzung stärker und schärfer werden. Das schließt natürlich auch gesetzliche Änderungen mit ein.

Lassen Sie mich kurz mit ein paar Punkten beginnen – die Liste ist natürlich nicht abschließend –:

Wir haben in Deutschland 170 000 nicht vollstreckte Haftbefehle – 37 000 davon in Bayern, 14 000 davon sind gegenüber Gewalttätern oder Straftätern, die Gewaltverbrechen begangen haben. Eine Vollstreckungsoffensive würde das Land sofort sicherer machen. Es ist bisher nicht gelungen, diese Umsetzung zu tun.

Nichtdeutsche Gefährder sollten zügig und prioritär abgeschoben werden, und die deutschen Gefährder sollten engmaschig überwacht werden. Dass die Behörden eine Kooperationspflicht bekommen, dass sie also miteinander ihre Daten austauschen müssen, scheint mir nach Magdeburg dringend geboten zu sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Dass wir die Gefährderpotenziale früher erkennen, dass wir also psychische Profile erstellen, wenn wir bei den Menschen, die zu uns kommen, Gesundheitstests machen, ist ebenfalls eine naheliegende Konsequenz, die die Gewerkschaft der Polizei vorgeschlagen hat. Dass wir dem Sicherheitspaket, wie es vorliegt, zustimmen sollten, hat der Bundeskanzler bereits gesagt. Die automatisierte Datenanalyse und der biometrische Abgleich wären dann schneller möglich.

Dass wir Europarecht umsetzen müssen, Europarecht durchsetzen müssen, ist ebenfalls richtig. Das gilt gegenüber den Dublin-Ländern, die dann die Menschen, die zu uns gekommen sind, aufnehmen müssen. Es gilt, GEAS aufzusetzen und dann zu verabschieden. Und es gilt auch, dass wir außerhalb von Europa Migrationsabkommen schließen, um die Menschen wieder in ihre Heimatländer zurückzubringen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben also eine Reihe von Dingen zu tun, die dann auch getan werden müssen. Aber: Europarecht umsetzen, diese Forderung kann man nur erheben, wenn man sich an Europarecht hält.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Man kann es auch ändern!

Wenn man das Europarecht zerstört, dann wird man dort keine Alliierten mehr finden.

Ich sage dies in dieser Woche noch einmal – ich habe es wiederholt gesagt – mit großer Dringlichkeit: Wir sind nicht alleine auf der Welt. Während wir hier diesen Bundestagswahlkampf und diese Debatte führen, warten die anderen nicht auf uns. Und man darf unterstellen, dass es die US-Administration mit Donald Trump, China und erst recht natürlich Russland nicht gut mit Europa meinen. Spätestens, wenn es um Zölle geht, wird Deutschland darauf angewiesen sein, dass es eine europäische Solidarität gibt; denn wir werden ja die Hauptbetroffenen sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Solidarität ist aber keine Einbahnstraße. Solidarität bedeutet, dass wir uns miteinander abstimmen und nicht Wildwest aus Deutschland heraus nach Europa bringen.

Wo wir beim Abstimmen sind: Lieber Herr Merz, Sie kritisieren manchmal den Bundeskanzler dafür, dass er zu wenig mit seinen Partnern redet. Das ist gar nicht der Punkt der Debatte: Aber haben Sie eigentlich mal mit Ihren Parteifreunden in der Regierung geredet,

Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

mit den Österreichern, mit den Griechen? Als ich mit ihnen geredet habe, haben sie gesagt: Macht es bloß nicht!

Sie waren ja noch nie in Brüssel, Herr Habeck!

Damit bin ich bei dem Hauptpunkt dieser Debatte. Herr Merz, Sie haben gesagt, Sie gucken jetzt nicht mehr links und rechts, Sie gucken nur noch geradeaus.

Unabhängig davon, dass man, glaube ich, in einem Auto, wo der Fahrer nicht mehr rechts und links guckt, nicht gerne Beifahrer sein möchte,

weise ich darauf hin, dass Sie zumindest in den Rückspiegel gucken und sich umdrehen sollten. Ein kleiner Schulterblick würde an dieser Stelle wahrscheinlich schon helfen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen: Auch wenn Sie es eben gerade einkassiert haben mit Verweis auf Ihr Gewissen, was ja – ich sagte es schon – immer bedeutet, dass man die politische Debatte nicht mehr weiterführen will –

Natürlich! Wer sagt das denn?

eine Gewissensentscheidung ist ja der politischen Argumentation entzogen –, möchte ich diesen Schulterblick mit Ihnen einmal wagen; denn es war weise gesprochen.

Sie haben hier im Deutschen Bundestag gesagt – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –, dass

„weder bei der Bestimmung der Tagesordnung noch bei den Abstimmungen in der Sache hier im Haus auch nur ein einziges Mal eine zufällige oder tatsächlich herbeigeführte Mehrheit mit denen da von der AfD zustande kommt. Diese Verabredung“

– so Herr Merz weiter –

„möchte ich Ihnen ausdrücklich vorschlagen … Denn das hätten diese Damen und Herren von rechts außen doch gerne, dass sie plötzlich die Mehrheiten besorgen …“

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das haben Sie hier im Deutschen Bundestag gesagt, und es ist richtig gesprochen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Sie sagten ebenfalls, dass die AfD wie eine Natter ist, die sich um den Hals der Union legt.

Ich glaube, es ist eher eine Viper, eine Giftschlange: Das Gift träufelt langsam ein.

In der Sache allerdings – und das ist das, was hier zur Abstimmung steht; deswegen mag es kein Zufall sein, dass Sie diese Mehrheit nur mit der AfD bekommen –

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

folgen Sie einer Logik, die Recht brechen will, um Recht zu verändern: das Europarecht und das deutsche Grundgesetz.

Wenn wir als potenzielle Regierung oder als Deutscher Bundestag aber so mit dem Rechtsstaat umgehen, dass wir Recht brechen, um Recht zu verändern, dann stellen wir uns über den Rechtsstaat.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Das ist doch falsch, was Sie erzählen!

Das sage ich für meine Fraktion, das sage ich für mich persönlich. Das ist der steile Weg in den Abgrund. Diesen Weg sollten wir nicht gehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Liebe FDP, ich möchte ein Zitat von Marco Buschmann vorlesen, den ich persönlich und als Kollegen immer sehr geschätzt habe. Wir hatten diese Debatte ja schon einmal. Lieber Marco Buschmann, ich darf zitieren, was Sie damals öffentlich gesagt haben. Sie haben gesagt, persönlich-politisch hätten Sie eine Vorliebe für das, was die Union jetzt zur Abstimmung stellt. Aber Sie sagten dann – Zitat des ehemaligen Justizministers –:

„Rechtlich haben deutsche Gerichte aber seit 2019 immer wieder entschieden, dass das nicht zulässig sei. … Daher halte ich eine völker- und europarechtliche Änderung der Rechtslage für zwingend.“

Darüber kann man in der Sache streiten, aber die Position ist ja richtig. Sie als FDP können doch heute nicht – wenn Ihr ehemaliger Justizminister sagt, dass die Gerichte schon dagegen geurteilt haben – sich über die Gerichtsentscheidungen wissentlich hinwegsetzen. Das ist doch nicht richtig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Haben Sie das Zitat verstanden, Herr Habeck?

Sehr geehrte Damen und Herren, Schicksalstage erkennt man manchmal erst im Rückblick.

Das sagten Sie schon!

Das haben Sie schon gesagt!

Dies ist so ein Schicksalstag heute,

Er hat doch gerade gesagt, es ist keiner, am Anfang der Rede!

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

und ich hatte gehofft, dass ich das noch einmal begründen kann.

Sie können ja zustimmen!

Heute steht mehr zur Debatte als eine Sachentscheidung. Heute steht zum ersten Mal an,

… das Ende der links-grünen Dominanz in Deutschland!

Nein, es geht nur um Sachentscheidungen! Nur um Sachentscheidungen!

ob aus der parlamentarischen Mitte heraus ein Bruch mit der Tradition dieser Republik passiert, weil Union und möglicherweise FDP unnötigerweise und

… weil die Grünen feige sind!

aus meiner Sicht falsch argumentierend ein Bündnis mit den Rechtspopulisten hier im Parlament eingehen.

Zurufdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

Sie können doch nicht mit den Russlandfreunden und den Europaverächtern einen Europarechtsbruch durchführen. Ich bitte Sie noch einmal herzlich, das heute nicht zu tun.

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Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Debatte heute hat eine große Bedeutung, wie verschiedentlich schon gesagt worden ist. Diese Debatte entscheidet aber nicht über unsere politische Kultur.

Zurufevon der SPD: Oh!

Über unsere politische Kultur entscheidet der Umgang mit dem Thema dieser Debatte.

Beifallbei der FDP

Der Bundeskanzler hat über Europa gesprochen. Der Bundeskanzler hat den Blick nach Österreich gerichtet, wo jetzt eine blau-schwarze Koalition gebildet wird.

Das hört sich nicht schlecht an!

Das darf es in Deutschland niemals geben; denn dadurch droht der Charakter der Demokratie selbst sich zu verändern:

Genau, Österreich ist ja jetzt keine Demokratie mehr, nicht wahr? Ist jetzt eine Diktatur!

von einer liberalen zu einer autoritären Demokratie.

Beifallbei der FDP

Aber wenn wir den Blick auf Europa richten, dann nicht nur nach Süden, sondern auch nach Norden. Der Bundeskanzler hat doch gestern die dänische Ministerpräsidentin empfangen, eine sozialdemokratische Parteifreundin. Unsere Nachbarn verfolgen dort eine konsequente Politik der Steuerung und Begrenzung von Migration.

Das ist vernünftig!

67 Kilometer Grenze! Möchte Herr Lindner das vergleichen mit Deutschland?

Dennoch würde niemand bezweifeln, dass unsere Nachbarn ein liberales und weltoffenes Land sind. Dort regieren nicht Rechtspopulisten, Herr Bundeskanzler, dort regiert eine sozialliberale Regierung. Die dänischen Sozialdemokraten haben eine Wahl nach der anderen an die Rechten verloren, und dann haben sie sich auf ihre Wähler zubewegt – mit Erfolg. Die Migrationsfrage spaltet die dänische Gesellschaft nicht mehr, und die Rechten sind dort an der Stelle, wo sie hingehören, nämlich ganz am Rand.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Messermord von Aschaffenburg hat uns alle tief erschüttert. Ein kleiner Junge wurde aus dem Leben gerissen.

Er wurde ermordet!

Und ein Mann wurde erstochen, weil er heldenhaft zu Hilfe geeilt ist. Aschaffenburg reiht sich leider ein in eine Reihe von entsetzlichen Ereignissen, und zu oft gibt es ein Muster aus Herkunft, früherer Auffälligkeit und nicht vollzogener Ausreisepflicht.

Der Bundeskanzler hat im Herbst 2023 angekündigt, dass im großen Stil abgeschoben werde. Dem ist zu wenig gefolgt. Aschaffenburg ist eine Form des Staatsversagens, für das die Innenministerin der SPD in besonderer Weise die politische Verantwortung trägt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben einen überdehnten Staatsapparat,

Den haben Sie ja selber eingerichtet!

der einerseits das Leben der Menschen bis ins Detail bürokratisiert und erwachsene Bürger bevormundet. Auf der anderen Seite aber haben wir einen Staat, der bei seiner wesentlichen Aufgabe zu oft versagt, nämlich für Sicherheit zu sorgen. Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht auf einen Staat, der ihnen im Alltag nicht im Weg steht, der sie aber bei den großen Fragen nicht länger im Stich lässt.

Beifallbei der FDP
Zurufder Abg. Saskia Esken [SPD]

Seit den Entscheidungen von Frau Merkel 2015 mit einer CDU/CSU-geführten Regierung vor fast einem Jahrzehnt hat sich unser Land verändert.

Frau Göring-Eckardt freut sich darauf!

Das Gefühl, sicher in unserem Land aufgehoben zu sein, ist vielfach verloren gegangen. Die Migration in unseren Sozialstaat beansprucht Milliarden Euro Steuergeld jedes Jahr – Mittel, die für Bildung, Infrastruktur, Bundeswehr oder Steuerentlastungen fehlen.

Hat die FDP allem zugestimmt!

Wir haben eingewanderten Antisemitismus. Und die liberalen Werte unseres Landes und unser Rechtsstaat werden offen verhöhnt wie in der Silvesternacht. Gerade die gut integrierten Einwanderer spüren, wie sich das Klima in unserem Land verändert. Die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland – egal ob eingewandert oder hier schon seit Generationen zu Hause – sagt: Es reicht!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es ist – das lehrt der Vergleich mit Dänemark und Österreich – im Interesse der Stabilität unserer Demokratie, die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger zu respektieren. Denn wenn die Demokratie hier nicht liefert, dann suchen sich die Menschen im Zweifel eine autoritäre Alternative zur Demokratie. Und dazu darf es nicht kommen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Durch die Politik früherer Bundesregierungen haben wir es viel zu lange denjenigen schwer gemacht, zu kommen, die wir dringend im Arbeitsmarkt brauchen.

Die Ampel zum Beispiel, da waren Sie doch dabei!

Und viel zu lange haben wir es denjenigen leicht gemacht, zu bleiben, die irregulär und illegal in unseren Sozialstaat eingewandert sind. Umgekehrt ist es richtig.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es konnten in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen erreicht werden: vom Fachkräfteeinwanderungsgesetz über mehr sichere Herkunftsländer zu längerem Abschiebegewahrsam, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind reduziert worden und Weiteres mehr. Und dennoch sind wir nicht dort, wo wir sein müssten. Zum Beispiel hat der Bundeskanzler am 6. Juni 2024 angekündigt, dass die Bestimmungen für die Abschiebung verschärft werden sollen. Am 24. Juni 2024 hat das Bundeskabinett eine entsprechende Formulierungshilfe beschlossen. Sie wurde niemals vom Deutschen Bundestag beschlossen, wegen des Widerstands der Grünen.

Zurufvon der CDU/CSU: Hört! Hört!

Beispielsweise hat die Innenministerin am 10. September des vergangenen Jahres angekündigt, dass sie modellhaft eine Form der Zurückweisung an den deutschen Grenzen erproben wolle. Dazu ist es nie gekommen.

So ist es!

Rot-Grün hält sich nicht einmal an die eigenen Ankündigungen.

Wenn auf Ankündigungen aber keine Taten folgen, dann beschädigt das die Glaubwürdigkeit der Politik insgesamt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben als Freie Demokraten hier einen Antrag vorgelegt, der europarechtlich und verfassungsrechtlich im Detail geprüft ist und der viele weiter gehende Maßnahmen enthält, die wir brauchen. Beispielsweise sind Drittstaatenverfahren nötig, um Asylbegehren außerhalb der Europäischen Union zu prüfen.

So ist es!

Leider ist dies de facto nicht möglich, weil auf Verlangen der Grünen ein sogenanntes Verbindungselement in das Europäische Asylsystem aufgenommen werden musste. Für eine Änderung gäbe es eine Mehrheit in der EU, wenn Deutschland zustimmen würde.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben in den vergangenen drei Jahren 1 Milliarde Euro Entwicklungshilfe an Afghanistan gezahlt. Partnerschaft basiert auf Gegenseitigkeit. Solche Hilfe sollte nur gezahlt werden, wenn die Empfänger Verantwortung für ihre Staatsangehörigen übernehmen.

Ausreisezentren an Flughäfen, mehr Abschiebehaftplätze, Reduzierung von Geldzahlungen, Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzbedürftige: Wir müssen all das unternehmen, was wir brauchen, um Konsequenz und Kontrolle zurückzugewinnen, damit wir die Weltoffenheit und Toleranz unseres Landes verteidigen können.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Solche Maßnahmen sind in der Ampelkoalition zu oft an der SPD und vor allen Dingen den Grünen gescheitert. Wenn zum Beispiel Frau Göring-Eckardt sagt, Migration habe – so wörtlich – mit dem „Alltag der Menschen verdammt wenig zu tun“,

oder wenn Frau Kollegin Esken sagt, man solle nicht so viel über Migration reden, dann zeigt das den Grund, warum wir nicht zu mehr Konsequenz gefunden haben:

Haben wir doch! Haben wir!

Es ist ein Realitätsverlust. Solche Äußerungen sind ein Konjunkturprogramm für die AfD.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Kinder, die morgens auf dem Weg zur Schule überlegen, welchen Weg sie wählen, um nicht abgezogen zu werden, wissen es besser. Senioren, die abends nicht mehr auf dem Bahnsteig sein wollen, wissen es besser.

Was ist bloß aus der FDP geworden?

Eltern, die die Teenagertochter abends nicht mehr alleine in die Stadt gehen lassen, wissen es besser. Diese Form der Selbstzensur des eigenen Handelns, weil man sich nicht mehr sicher fühlt, ist die schlimmste Form der Freiheitseinschränkung.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Wir brauchen wieder einen Rechtsstaat, der zu jeder Zeit und an jedem Ort die öffentliche Ordnung garantiert.

Solange die politische Linke unter Realitätsverlust leidet, werden sich die Menschen dagegen wehren. Die Grünen haben am Wochenende sogar noch die Erleichterung des Familiennachzugs beschlossen. Die Grünen wollen weiter Aufnahmeprogramme. Die Grünen haben im Europäischen Parlament die Asylreform GEAS abgelehnt. Auf Druck der Grünen finanziert der deutsche Steuerzahler Organisationen, die Schlepperkriminalität im Mittelmeer erleichtern.

So gut wie alles, was in der früheren Ampel erreicht wurde, musste gegen die Grünen durchgesetzt werden.

So war das!

Diese Politik steht gegen die Mehrheit unserer Gesellschaft. Die Grünen sind damit ein Steigbügelhalter der AfD.

Am Freitag, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir dem Gesetzentwurf der Fraktion der CDU/CSU zustimmen. Das fällt uns leicht; denn wir haben keine Rücksicht mehr zu nehmen auf frühere Koalitionspartner. Beispielsweise die Aussetzung des Familiennachzugs ist eine langjährige Forderung meiner Fraktion. Schon während der gescheiterten Sondierungen über eine Jamaika-Koalition 2017 war dies unsere Forderung.

Auch dem heutigen Antrag der Fraktion der CDU/CSU werden wir zustimmen; aber wir haben uns damit schwergetan.

Zurufdes Abg. Dr. Joe Weingarten [SPD]

Denn er enthält Unschärfen und Auslassungen. Die Freien Demokraten stimmen dennoch zu, um eine wichtige politische Botschaft zu senden: Kontrolle und Begrenzung der Einwanderung nach Deutschland ist ein Anliegen der politischen Mitte. Wir dürfen es nicht den Rändern überlassen.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Was ist nur aus der FDP geworden?

Aus der heutigen Abstimmung wollen SPD und Grüne einen Dammbruch machen. Freie Demokraten werden niemals einer antiliberalen und wirtschaftsfeindlichen Partei wie der AfD die Hand reichen.

Macht ihr doch!

Zurufdes Abg. Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber wir lassen uns von der Unterstützung einer richtigen Botschaft nicht dadurch ablenken, dass die AfD auch zustimmt; sonst hätte die AfD Macht über uns. Sie entlarvt ja ihren Zynismus dadurch, dass sie einem Antrag zustimmt, in dem sie selbst politisch verurteilt wird.

Ich komme zum Schluss. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Problem ist nicht, dass die AfD diesem Antrag zustimmt. Das Problem ist, dass Sozialdemokraten und Grüne es nicht tun.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Immerhin haben die Bürgerinnen und Bürger damit Klarheit, wer wo steht. Mit Ihnen gibt es keinen Richtungswechsel in der Migrationspolitik.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Da hat jemand seinen Wertekompass verloren!

Porträt von Alice Weidel
Foto: Dr. Alice Weidel/Hagen Schnauss
19 Vermerkeca. 895 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Scholz, Sie haben eine ungeheuerliche Rede gehalten. Das ist Demokratie ohne Volk. Das ist Demokratie ohne Wähler. Wer so autoritär denkt, sollte nicht Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sein.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Ihre rot-grüne Restregierung auf Abruf ist ein Konzentrat all jener negativen Kräfte, die unser Land zugrunde richten. Das auf die Spitze getriebene Migrationschaos, das Sie zu verantworten haben, übertrifft noch die katastrophalen Auswirkungen der willkürlichen Aufgabe der Kontrolle über unsere Grenzen durch die frühere CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Dieser politisch gewollte Kontrollverlust kostet Menschenleben und hinterlässt verletzte, geschundene, traumatisierte Körper und Seelen Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, nunmehr seit zehn Jahren.

Die extremistischen Fanatiker der schrankenlosen Migration kümmert es nicht, dass die Opfer dieser kriminellen Politik leiden und die Angehörigen weinen: in Aschaffenburg, in Magdeburg, in Solingen, in Mannheim und in unzähligen anderen Orten in West und Ost, Nord und Süd, Stadt und Land.

Sie veranstalten geschmacklose Kundgebungen gegen rechts auf dem Rücken der Opfer, und grüne Spitzenfunktionäre feiern sich dabei noch mit grinsenden, selbstgefälligen Fotos. Wo waren eigentlich Ihre Demos gegen die Messerattentäter? Wo war Ihr Gedenken an die Opfer?

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Die AfD Hildesheim habe ich schon angezeigt!

Was für ein Hohn für die Menschen dieses Landes, für einheimische Bürger ebenso wie für rechtstreue und gut integrierte eingebürgerte Deutsche mit Migrationshintergrund, die von der Politik vor allem eins erwarten: die illegale Migration und Rechtlosigkeit beenden, Straftäter und rechtswidrig ins Land Gekommene abschieben, Sicherheit im öffentlichen Raum wiederherstellen, schlicht: die Durchsetzung von Recht und Gesetz.

Beifallbei der AfD

Glauben Sie im Ernst, Herr Merz, Sie könnten den Bürgern vormachen, dass mit Ihnen irgendetwas besser würde, wenn Sie sich gleichzeitig immer noch bei den Grünen und der SPD anbiedern und sich darauf festlegen, mit diesen Parteien auch zu koalieren? Denn genau darauf läuft Ihr im Grundgesetz gerade nicht vorgesehenes Dogma der undemokratischen Brandmauer hinaus. Die sogenannte Brandmauer ist nichts anderes als eine antidemokratische Kartellabsprache, um den Wählerwillen auszuhebeln, um Millionen von Wählern auszuschließen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Sie soll den Grünen und der SPD – wir haben sie hier gehört – den Verbleib an der Macht garantieren, obwohl sie die Zustimmung der Mehrheit längst verloren haben für ihre ruinöse Politik der Massenmigration und Wirtschafts- und Energiezerstörung.

Sie haben Ihre Chance gehabt, echtes Kanzlerformat zu beweisen. „Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ Das haben Sie noch bei der Vorstellung des Fünf-Punkte-Plans gesagt.

Sie schauen aber gar nicht geradeaus.

Sie schauen nach links, und Sie schauen nach hinten in Ihre eigenen Reihen. Ihr CDU-Ministerpräsident Günther aus Schleswig-Holstein hat schon angekündigt, Gesetze zur Migrationsbegrenzung im Bundesrat scheitern zu lassen, wenn sie mit den Stimmen der AfD hier angenommen werden. Das ist Ihre CDU.

Beifallbei der AfD

Was ist das für ein erbärmliches Demokratieverständnis! Als gäbe es die toten Kinder nicht, werden parteipolitische Spielchen über das Leben unschuldiger Bürger gestellt. Mit dieser Union ist tatsächlich kein Staat zu machen.

Beifallbei der AfD

Ihren Fünf-Punkte-Plan, den Sie heute vorlegen, haben Sie von uns kopiert.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ein unverbindlicher Entschließungsantrag – das wissen Sie auch – ist noch lange keine Migrationswende. Abschreiben statt abschieben, das hat bei Ihnen Methode. Denn in den Ländern, in denen Sie in der Regierung sitzen – ob in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein –, ist die Abschiebebilanz genauso miserabel oder sogar noch schlechter als in den SPD-regierten Bundesländern.

Beifallbei der AfD

In Baden-Württemberg ist sie um 37 Prozent gestiegen!

Dass die Union nach dem entsetzlichen Messerangriff eines Afghanen auf Kleinkinder die Begründung ihres Antrages dazu missbraucht, sich an der AfD abzuarbeiten, ist verstörend und zeigt, dass sie die Zeichen der Zeit immer noch nicht verstanden hat.

Beifallbei der AfD

Wir wollen keine weiteren toten Kinder betrauern müssen. Verstehen Sie das?

Lachendes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

– Sie lachen, Herr Frei.

Ja, ganz genau!

Ihre verantwortungslosen und infantilen Manöver – infantil! –

Ja, schon klar!

werden uns nicht davon abhalten, das Richtige zu tun und jeder vernünftigen Initiative zuzustimmen. So haben wir es immer gehalten.

Beifallbei der AfD

Denn das Wohl des Landes und seiner Bürger hat bei uns immer Vorrang vor egoistischer Parteitaktik, und das unterscheidet uns von der Union.

Beifallbei der AfD

Auch dem Zustrombegrenzungsgesetz, das Sie ebenfalls von uns abgeschrieben haben, werden wir zustimmen. Vor wenigen Wochen haben Sie dieses Gesetz ja noch von der Tagesordnung genommen, aus Angst vor Zufallsmehrheiten. Jetzt haben Sie es wieder aufgesetzt – nachdem wir nämlich angekündigt haben, es selbst zur Abstimmung zu stellen. Das Gesetz hätte längst beschlossen sein können.

Wir werden weiter für eine wirkliche Migrationswende mit Schließung der Grenzen, Zurückweisung und Abschiebung von illegalen Ausländern eintreten. Und je länger Sie sich dagegen sträuben, die notwendigen Gesetze gemeinsam zu beschließen, desto größer wird der Schaden. Sie schaden damit nicht der AfD, Sie schaden auch nicht mir; Sie schaden damit dem ganzen Land und seinen Bürgern, jedem Kind, das deswegen noch sterben muss, jedem unschuldigen Menschen, der deswegen noch verletzt, vergewaltigt oder ermordet wird.

Die Unaufrichtigkeit der Union lässt sich am besten an der Zahl der AfD-Anträge zur Migrationsbegrenzung und zu Grenzkontrollen ablesen, die Sie die vergangenen Jahre – sieben Jahre! – hier in diesem Hause abgelehnt haben. So sieht es nämlich aus.

Beifallbei der AfD

Die lehnen wir auch weiterhin ab!

Das ist unaufrichtig.

Solange Sie sich an Ihre Brandmauer klammern, so lange wird es auch weitere Brandmauertote geben.

Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Ihr seid in die Falle der Nazis geraten! Das ist ein schwerer Fehler, den ihr heute macht!

So kann es nicht weitergehen. Es ist schon viel zu lange viel zu viel. Die Zeit der Symbolpolitik muss nach den Morden von Aschaffenburg endgültig vorbei sein. Dieses Land liegt am Boden. Deutschland kann nicht länger warten. Die Migrationswende und die Wirtschaftswende müssen kommen, und diese werden nur kommen mit der Alternative für Deutschland.

Ich bedanke mich.

Anhaltender Beifallbei der AfD
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
13 Vermerkeca. 818 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach den bestialischen Morden an einem zweijährigen Kind und einem zu Hilfe eilenden 41-jährigen Familienvater in Aschaffenburg haben Sie, Herr Bundeskanzler, gesagt – wörtlich –: „Ich bin es leid, wenn sich alle paar Wochen solche Gewalttaten bei uns zutragen. … Es reicht nicht, zu reden.“

Heute, Herr Bundeskanzler, haben Sie wieder geredet, und zwar nicht über das, was Sie jetzt tun müssten, sondern darüber, was wir Ihrer Meinung nach nicht tun sollen. Herr Bundeskanzler, ich will Ihnen sagen: Ich bin es leid. Die Bürger sind es leid. Es ist das immer gleiche Ritual, das immer wiederkehrende Ritual bei schwersten Verbrechen: erst Betroffenheitsrhetorik, dann Warnung vor Reaktionen, dann Übergang zur Tagesordnung. Die Menschen in unserem Land sind es leid, und deswegen gehen wir nicht mehr über zur Tagesordnung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Herr Bundeskanzler, Sie haben das Wort „Zeitenwende“ geprägt. Aber Sie erkennen die Zeitenwende im eigenen Land nicht, wenn sie direkt vor Ihnen steht. Und dann reden Sie, Herr Klingbeil, hier über Tabubruch. Ich sage Ihnen: Es ist kein Tabubruch, das Richtige zu tun. Der Tabubruch ist, das Richtige zu erkennen und dennoch das Falsche zu tun, Herr Klingbeil. Das ist der Tabubruch.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind ein weltoffenes Land. Wir werden und wir wollen dieses weltoffene Land bleiben. Menschen, die sich hier integrieren, arbeiten und Teil dieser Gesellschaft sein wollen, sind willkommen. Aber gegen die, die genau das nicht wollen, muss sich eine Gesellschaft auch schützen können. Das erwarten übrigens die Menschen in unserem Land ohne Migrationshintergrund gleichermaßen wie die Menschen mit Migrationshintergrund. Sie alle wollen geschützt werden vor Gewalt, vor Terror, vor Sicherheitsverlust, vor Überforderung unseres Landes.

Die Überforderung unserer Gesellschaft ist Teil des Alltagserlebens von vielen Menschen in unserem Land – sie ist Teil des Alltagserlebens. Man kann versuchen, das zu leugnen, Frau Göring-Eckardt, wie Sie es auch öffentlich getan haben; aber das treibt die Polarisierung unserer Gesellschaft immer weiter voran. Sie können auf Ihrem Parteitag, dem der Grünen, am Wochenende die Ausweitung der Migration durch ausgeweiteten Familiennachzug beschließen und damit weitere Pullfaktoren setzen. Sie können das alles tun; aber Sie treiben die Polarisierung unserer Gesellschaft damit immer weiter voran. Und über die Brandmauer reden die, die die letzten drei Jahre am meisten Öl ins Feuer gegossen haben. Sie haben die Polarisierung im Land weiter vorangetrieben.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe an meiner Haltung gegenüber rechts außen überhaupt nichts zu korrigieren.

Nach heute wahrscheinlich schon!

Ich sage Ihnen auch das: Ich habe hier schon mehrfach gegenüber der AfD von „Vaterlandsverrat“ gesprochen.

Daran hat sich schlichtweg nichts geändert. Aber Sie, liebe SPD, Grüne, FDP, müssen Ihre Politik korrigieren. Wenn Sie rechts außen bekämpfen wollen, müssen Sie Ihre Politik korrigieren, damit die Polarisierung zurückgeht in diesem Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Erfolg unserer Demokratie basiert darauf, dass wir in der politischen Mitte Probleme lösen, damit die Ränder nicht stark werden. Aber wenn Sie den Konsens aufgeben, dass Sie die Probleme mit uns lösen wollen, dann begehen auch Sie, Herr Klingbeil, den Tabubruch. Die Handlungsverweigerung der Restampel, das ist der Tabubruch an diesem Tag.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dabei muss ich Ihnen sagen: Wir hatten schon einmal gemeinsam die Kraft, eine Asylkrise zu lösen. In den 1990er-Jahren hatten wir eine hohe, hohe Zahl an Asylanträgen. Die Kommunen waren überfordert. Die Menschen hatten Sorgen, und eine Rechtsaußenpartei, die Republikaner, hat große Wahlerfolge gefeiert. Damals waren es CDU, CSU, FDP und SPD, die sich auf den Asylkompromiss geeinigt haben. Die Asylzahlen gingen zurück, die gesellschaftliche Polarisierung nahm ab, die Republikaner verschwanden aus den Parlamenten. Damals hat ein SPD-Fraktionsvorsitzender gesagt:

„Dennoch gibt es bei vielen Menschen eine zunehmende Angst vor Überforderung … durch die massenhafte missbräuchliche Inanspruchnahme des Asylrechts. … Die Menschen hier wollen, dass wir dies und die ungebremste Zuwanderung stoppen.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD, damals hatten Sie die Kraft, das Richtige zu tun. Anstatt hier Vorwürfe zu verteilen, fragen Sie sich doch lieber mal, warum Sie heute nicht mehr die Kraft haben, im Parlament das Richtige zu tun, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Herr Bundeskanzler, Ihre Migrationspolitik ist eine Politik der leeren Versprechen. Ich sage das auch sehr deutlich: Sie haben Abschiebungen im großen Stil versprochen. Dieses Versprechen haben Sie gebrochen. Sie haben eine Beschleunigung der Asylverfahren versprochen. Dieses Versprechen haben Sie gebrochen. Sie haben Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern nach Afghanistan und Syrien versprochen. Dieses Versprechen haben Sie gebrochen. Das ist Ihre Bilanz, und mit dieser Bilanz wollen Sie so umgehen, dass Sie die Schuld jetzt auf ein Behördenversagen schieben.

Meine Damen und Herren, was in Aschaffenburg, in Magdeburg, in Solingen an schrecklichen Gewalttaten stattgefunden hat, hätte überall passieren können.

Schlimm genug! Sie regieren ja fast überall!

Deswegen gibt es Verunsicherung, Sorgen, Trauer, Wut überall im Land. Und die Menschen? Sie sprechen nicht über Behördenversagen. Sie sprechen über Politikversagen. Deswegen an SPD und Grüne: Hören Sie auf, zu lamentieren, dass die Falschen hier etwas Richtigem zustimmen!

Sie stimmen ja nicht was Richtigem zu! Das ist ja das Problem!

Fangen Sie endlich an, das Richtige zu tun!

Beifallbei der CDU/CSU

Das Problem ist nicht die Zustimmung der AfD. Das Problem ist Ihre Verweigerung, die von SPD und Grünen, zu unseren Anträgen.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP
Porträt von Niklas Wagener
Foto: Stefan Kaminski
8 Vermerkeca. 450 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit Mittwoch letzter Woche befindet sich meine Heimatstadt Aschaffenburg in tiefer Trauer; es ist auch die Heimatstadt von Andrea Lindholz, von Karsten Klein. Die Angehörigen der Opfer und ihre Unterstützung stehen in Aschaffenburg – leider anders als in so manchen Reden, die wir bisher gehört haben – im Mittelpunkt der Arbeit zahlreicher Seelsorgerinnen und Seelsorger, denen ich für ihre wichtige Arbeit danken möchte, genauso wie den vielen Einsatzkräften, die Leben gerettet haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, der FDP und der Linken

Und auch unserem Oberbürgermeister Jürgen Herzing, der in seinen Reden stets die richtigen Worte gefunden hat und unsere Stadt zusammenhält, möchte ich danken.

Ein sehr bedrückender Moment der vergangenen Tage war die Rede der 12-jährigen Fatima aus Afghanistan. Sie sagte vor 3 000 Trauernden in Aschaffenburg: Ich entschuldige mich bei allen. Ich wollte nur sagen, dass nicht alle Afghanen böse sind, nur manche. – Dass ein 12-jähriges Mädchen glaubt, sich für das Verbrechen eines 28-jährigen, psychisch erkrankten Asylbewerbers entschuldigen zu müssen, weil beide aus dem gleichen Land kommen, ist tragisch und vor allem grundfalsch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken

In vielen Gesprächen ist mir deutlich geworden – und da bin ich wirklich stolz auf unsere Stadt –, dass die Aschaffenburger keinen Rassismus, keinen Hass, keine Hetze als Antwort auf ihre drängenden Fragen nach dem Warum akzeptieren werden, sondern konkrete Lösungen erwarten, mit denen wir tatsächlich dafür sorgen, dass kriminelle Gefährder nicht mehr durchs Raster fallen. Die Behörden von Bund und Ländern müssen enger und besser zusammenarbeiten. Um es mit den Worten meiner Aschaffenburger CSU-Kollegin Andrea Lindholz zu sagen: „Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Vollzugsproblem.“ Auch in Bayern! Deshalb erwarten die Bürger, dass die demokratische Mitte gemeinsam Vorschläge vorlegt und nicht mit dem Finger aufeinander zeigt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Meine Damen und Herren, die vielen Aschaffenburger, die dieser Tage im Bündnis „Aschaffenburg ist bunt!“ gemeinsam trauern, die mutigen Menschen, die verhindert haben, dass ein Faschist seinen vergifteten Trauerkranz am Ort des Gedenkens niederlegen konnte,

Wie? Herr Scholz war auch da?

die Hunderttausenden in ganz Deutschland, die gerade wieder auf die Straße gehen, sie eint die Wut über die Art und Weise, wie viele in diesem Hohen Haus über Migration sprechen, oft genug Migration für alles Schlechte verantwortlich machen. Von manchen wird das furchtbare Verbrechen in Aschaffenburg für den eigenen Wahlkampf missbraucht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken

Die Aschaffenburger erwarten zu Recht eine Migrationspolitik, die Humanität und Ordnung verbindet. Sie erwarten zu Recht eine Sicherheitspolitik, die das Leben aller Kinder, egal welcher Herkunft, schützt. Und sie erwarten zu Recht von uns Abgeordneten, dass wir über den Weg dorthin vernünftig miteinander sprechen. Die Art, wie Sie, Herr Merz, die Debatte nun wieder geführt haben und Ihre Forderungen diesem Parlament diktieren wollen, ist das Gegenteil von lösungsorientierter demokratischer Zusammenarbeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Damit werden Sie den Bürgerinnen und Bürgern in Aschaffenburg nicht gerecht.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken

Schade, dass die Rede mit dem letzten Satz so schlecht geworden ist!

1 Vermerkca. 183 WörterReaktionswert: ruhig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Mitbürger! Um es kurz zu machen: Als fraktionsloser Abgeordneter stimme ich dem Fünf-Punkte-Plan zu, weil er mindestens seit 2015 notwendig und ebenfalls rechtssicher ist.

Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union mit Artikel 72 gilt primärrechtlich vor sekundären und nur teilweise exekutierten Verordnungen wie Dublin III. Die Umsetzung nationaler Souveränität bei der inneren Sicherheit ist in Europa kein Einzelfall, sondern die Regel. Die rot-grüne Minderheitsregierung will also einfach illegale Einwanderer nicht zurückweisen und die Bundespolizei nicht befähigen, Abschiebehaftbefehle auch im Inland auszustellen.

Auch wenn der Antrag rechtlich nicht bindet, bin ich allen Abgeordneten des Hauses dankbar, die trotz der Provokationen zustimmen. Die Wähler sehen dann erstens, dass sich Scholz und Habeck nicht an demokratische Beschlüsse halten, und zweitens, dass Herr Merz wegen der fallenden Umfragewerte die Wähler nur besser täuschen wollte. Eine gesetzliche Migrationswende zum Schutz unserer Kinder am ersten Tag als Kanzler werden Sie, ähnlich wie in Österreich auch, nur mit Duldung der AfD schaffen. An der Brandmauer steht aber: Wer CDU/CSU wählt, bekommt am Ende Rot und/oder Grün.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Matthias Helferich [fraktionslos] und Thomas Seitz [fraktionslos]
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
18 Vermerkeca. 833 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Wenn man am Ende einer Debatte zu Wort kommt und die Reden von Friedrich Merz und Alexander Dobrindt heute vielleicht in einem Satz zusammenfassen soll, dann muss man sagen: Auf den Punkt gebracht ist das Ihr Inhalt: Der einzigste Weg, die AfD zu bekämpfen,

Der einzige! „Einzigste“ ist übrigens grammatikalisch falsch! Das gibt es gar nicht, das Wort! Wirklich solider Wortschatz!

ist, mit ihr in dieser Woche eine Mehrheit zu bilden. – Ich halte das für komplett falsch,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

und ich kann vor diesem Weg, den Sie diese Woche einschlagen wollen, nur noch mal ausdrücklich warnen.

Ja, was wir in Aschaffenburg erlebt haben, das wühlt uns auf, das macht uns wütend. Ja, es ist eine Situation, in der schnell Forderungen erhoben werden. Aber das Entscheidende in solchen Situationen ist,

Aber! Aber!

trotz allem, was uns aufwühlt, was uns wütend macht, einen kühlen Kopf zu bewahren, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen, klare Prinzipien zu haben. Das umfasst für uns als SPD Humanität und Ordnung und die Durchsetzung des Rechtsstaates. Was wir nicht brauchen, ist, dass jemand aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft, und das insbesondere, wenn er für das höchste Amt in diesem Land kandidiert. Das ist unwürdig.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Er will doch gar nicht Bundespräsident werden!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich nehme durchaus wahr, was draußen debattiert wird. Ich nehme durchaus das Unsicherheitsgefühl bei vielen Bürgerinnen und Bürgern wahr. Aber ich nehme auch wahr, dass viele Bürgerinnen und Bürger ganz klar sagen: Wir leben in einem Rechtsstaat. Wir wollen nicht Regeln auf den Weg bringen, die rechtswidrig sind. Das, was in dem Fünf-Punkte-Plan vorgeschlagen wird, die pauschalen Zurückweisungen an den Binnengrenzen – das sagen viele in diesem Land, die sich tagtäglich damit befassen und sich damit auskennen –, ist nicht mit unserer Verfassung in Einklang zu bringen, das verstößt gegen Europarecht. Und ich finde es schlimm, dass eine Partei wie die CDU, die sich selbst Europapartei nennt, das vorschlägt. Das ist etwas, was ich vor zwei Wochen noch nicht gedacht hätte.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Schauen wir einfach mal genau hin, was diejenigen sagen, die diese Regelung täglich umsetzen müssten. Es gibt erhebliche Warnungen vonseiten der Gewerkschaft der Polizei, insbesondere aus dem Bereich der Bundespolizei, die genau die entscheidende Frage stellt: Wie soll es denn letztendlich gehen? – Das ist etwas, was nicht praktikabel ist, ganz abgesehen von der Tatsache, dass es rechtswidrig ist.

Zurufdes Abg. Marc Bernhard [AfD]

Lassen Sie uns mit Blick auf die Bundespolizei lieber dafür sorgen, dass wir diese Woche das Bundespolizeigesetz auf den Weg bringen. Das wären rechtliche Verbesserungen, die tatsächlich helfen würden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber nein! 2021 ist es auch schon gescheitert, übrigens am bayerischen Innenminister Joachim Herrmann.

Ich nehme es übrigens sehr ernst, was uns aus der evangelischen Kirche, aus der katholischen Kirche und übrigens auch aus der Alevitischen Gemeinde heute an Zuschriften erreicht hat. Ich will zitieren:

„Zeitpunkt und Tonlage der aktuell geführten Debatte befremden uns zutiefst. Sie ist dazu geeignet, alle in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten zu diffamieren, Vorurteile zu schüren“

Beifallder Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]

„und trägt unserer Meinung nach nicht zur Lösung der tatsächlich bestehenden Fragen bei. Die nun vorgeschlagenen Verschärfungen“

– der CDU –

„sind nicht zielführend, vergleichbare Taten zu verhindern und tragfähige Antworten auf das öffentliche Sicherheitsbedürfnis zu geben.“

Ich nehme das sehr ernst. Was twittert Steffen Bilger aus der CDU? „Überrascht nicht, interessiert nicht.“ Das macht mich sprachlos; das sage ich Ihnen ganz offen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Lieber Herr Dobrindt, Sie haben vorhin angesprochen, dass es 1993 einen großen Asylkompromiss gegeben hat. Was Sie aber vergessen haben, ist Folgendes: Wir saßen mit Ihnen im Herbst im Bundesinnenministerium zusammen. Wir haben über Vorschläge gesprochen, wir haben Lösungen diskutiert, die rechtswidrig sind.

Sie haben uns schlichtweg angelogen! Die Ministerin hat uns angelogen, Herr Wiese! Nichts anderes! Sie wissen es genau!

Und wissen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, was passiert ist? Thorsten Frei kam in den Raum rein und suchte schon den Notausgang, weil Ihnen nicht an einer gemeinsamen Lösung gelegen ist.

Dafür kritisiere ich Sie: dass Sie das hier heute nicht erwähnt haben.

Ich kann nur warnen vor diesem Tabubruch, den Sie diese Woche letztendlich machen wollen. Sie öffnen damit die Tür in Richtung einer rechtsextremistischen Partei. Eine Band bei mir aus Nordrhein-Westfalen, die Broilers, haben es in einem Zitat auf den Punkt gebracht. Sie haben über Alice Weidel gesungen: „Sie redet, wie ein Nazi denkt.“ – Dem ist nichts hinzuzufügen. Sie öffnen diese Tür in Richtung AfD.

Sie machen sie salonfähig und koalitionsfähig. Sie gehen den österreichischen Weg.

Dirk Wiese, der Obernazi!

Sie sollten sich schämen! Schämen Sie sich!

Zu den Zurückweisungen, die Sie vorgeschlagen haben, möchte ich noch einmal – Gott sei Dank ist er noch im Amt – den aktuellen Bundeskanzler unserer österreichischen Nachbarn, Alexander Schallenberg, zitieren. Er hat gesagt:

„Wir brauchen – das wissen wir alle – gemeinsame Lösungen. Wenn jeder von uns jetzt einzeln einfach die Zugbrücken hochzieht, dann sind wir alle ärmer und keiner ist sicherer.“

Lieber Kollege Lindner, Sie haben die Debatte schon verlassen, aber ich will zu Ihnen noch einen Satz sagen.

Widerspruchbei der FDP

– Ich sehe Sie. Ich entschuldige mich.

Für Ihre ganze Rede am besten!

Zurufvon der AfD: Eine Blamage!

Wenn wir über mehr Sicherheit bei uns im Land reden, dann ist klar: Wir brauchen mehr Befugnisse für unsere Sicherheitsbehörden. Es war Ihre Partei, es waren Sie höchstpersönlich mit Marco Buschmann, die unseren Sicherheitsbehörden immer wieder Fesseln anlegen wollten,

Zurufedes Abg. Dr. Marco Buschmann [FDP]

die Befugnisse verhindert haben und die blockiert haben. Sie tragen die Verantwortung dafür, dass unsere Behörden diese Befugnisse heute nicht haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Eine schlechte Rede!
1 Vermerkca. 179 WörterReaktionswert: ruhig
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Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Drei Tage nach den Morden von Aschaffenburg grinst die Führungsspitze der Grünen samt Bundestagsvizepräsidentin und Familienministerin für Selfies in Kameras. Die SPD-Innenministerin fordert 560 Millionen Euro mehr für Integrationskurse und die Grünen leichteren Familiennachzug und freiwillige Rückkehr statt Abschiebungen. Meine Damen und Herren, was stimmt mit Ihnen nicht? Wie viel Verachtung wollen Sie den Bürgern da draußen eigentlich noch entgegenbringen? Wie viele tote Kinder sind in Ihren Augen eigentlich notwendig, um zu erkennen, dass sich in Deutschland etwas ändern muss?

Zwei Drittel der Bevölkerung möchten die Wende in der Asylpolitik – zwei Drittel! Und was machen Sie, was macht die Restampel? Sie sieht überall nur noch Nazis. Sie sind blank, meine Damen und Herren, völlig blank. Und Sie werden die Wahlen krachend verlieren. Deutschland ist kein linkes Land mehr. Die Bürger holen sich ihre Sicherheit zurück; und das ist gut so.

Und zur Union: Nicht umfallen, stehen bleiben! Aber geben Sie bitte jeglichen Versuch der Massenüberwachung auf. Nicht Lieschen Müller ist das Problem; und das wissen Sie. Privatsphäre ist kein Verbrechen, werte Kollegen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der AfD und bei fraktionslosen Abgeordneten
Porträt von Matthias Helferich
Foto: Matthias Helferich
2 Vermerkeca. 168 WörterReaktionswert: ruhig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das postmoderne Zeitalter wird mithin als Ära bezeichnet, die keine Helden mehr kenne. Als ein Afghane in Aschaffenburg dazu ansetzte, auf eine Gruppe kleiner Kinder einzustechen, wird ein Familienvater auf den Blutrausch des Fremden aufmerksam. Er stellt sich dem Mörder entgegen, wehrt weitere tödliche Stiche gegen die Kinder mit seinem eigenen Leib ab. Übersät von Verletzungen, sackt er zusammen und greift mit letzter Kraft zum Kinderwagen, wo sein eigenes Kind dem Tod des Vaters beiwohnt. Dieser Mann wollte mit seinem Kind spazieren gehen und fand den Tod als Held.

Es ist Zeit für Helden, Zeit für Verantwortung, aber auch Zeit für gerechten Zorn. Zeit für eine Kanzlerin, die sich ihres Eides bewusst ist. Und auch wenn ich nicht an Sie glaube, Herr Merz, glaube ich daran, dass es Zeit ist, Verantwortung zu übernehmen und das barbarische Morden in unserem Land endlich zu stoppen. Ich stimme für Ihren Fünf-Punkte-Plan, auch wenn Ihre Zeit schon lange vorbei ist, obwohl Sie Kanzler werden.

Beifallbei Abgeordneten der AfD und bei fraktionslosen Abgeordneten
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
15 Vermerkeca. 657 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

Lachenund Beifall bei Abgeordneten der AfD

Deutsche demokratische Altfraktionen heißt das!

Seit der Tat von Aschaffenburg ist unser Land tief geschockt und in tiefer Trauer. Man kann sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen; das sage ich auch als Mutter eines zweijährigen Kindes. Deshalb möchte ich erst mal den Familien mein herzliches Beileid aussprechen: der Familie des Jungen, der ermordet worden ist, und der Familie des heldenhaften Mannes, der versucht hat, die Kinder zu schützen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]

Dabei gilt es auch zu erwähnen, dass der Junge, der ermordet worden ist, marokkanische Wurzeln hatte und dass das verletzte Mädchen syrische hat. Wenn wir an die Eltern und an die Familien denken, dann müssen wir doch auch daran denken, wie sie sich bei dieser Debatte, die wir hier jetzt führen, fühlen müssen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir reden über Migration als Problem, und gleichzeitig haben Kinder mit Migrationshintergrund gerade diesen Angriff erlebt bzw. wurden ermordet.

Das widerspricht sich überhaupt nicht!

Das dürfen wir nicht in einen Topf werfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das wird den Opfern nicht gerecht, das wird den Angehörigen nicht gerecht, das wird der Schwere dieser Tat nicht gerecht. Das spaltet unser Land, und das instrumentalisiert auch diese schreckliche Tat. Das dürfen wir nicht zulassen. Und ich bin sehr froh, dass die Zivilgesellschaft und die Kirchen sich hier so klar positioniert haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als Richterin und als sozialdemokratische Abgeordnete sage ich aber auch ganz, ganz klar: Es gilt, Straftaten zu verhindern. Es gilt, richtig aufzuklären. Es gilt, konsequent hart zu bestrafen. Es gilt, Recht durchzusetzen. Regeln, die bestehen, müssen angewendet werden. Jegliche Vollzugsfehler müssen aufgeklärt werden. Und ja, da, wo es Lücken im Strafrecht gibt, müssen sie auch geschlossen werden. – Wir sind dazu bereit. Wir sind dazu auch gesprächsbereit. Aber wir können nicht mit neuen Vorschlägen reagieren, die gegen Recht verstoßen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen uns selbst an unser Recht halten. Wir müssen uns an das Europarecht halten. Der Fünf-Punkte-Plan der Union tut das eben nicht. Und wenn Sie, Herr Dobrindt, sagen, es sei kein Tabubruch, das Richtige zu tun: Es ist eben nicht das Richtige, wenn man mit den eigenen Vorschlägen gegen Europarecht, gegen das Grundgesetz, gegen höherrangiges Recht verstößt. Und es ist auch nicht das Richtige, etwas mit denjenigen beschließen zu wollen, die immer wieder gegen diese Regeln, gegen das Grundgesetz und gegen die Würde des Menschen eintreten, auftreten und hetzen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es wurde mehrfach in der Debatte gesagt: Die fünf Punkte können nicht umgesetzt werden, und sie würden auch nicht mehr Sicherheit schaffen. Wir können nicht an den Grenzen zurückweisen. Es gibt dafür ein europäisches System, ein geordnetes Verfahren. – Ja, das muss reformiert werden. Das machen wir auch mit GEAS. Aber wir müssen dann doch das Recht ändern und nicht gegen das Recht verstoßen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und Sie, Herr Merz, als Vorsitzender der CDU, als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, als einer, der in seinen Ämtern in den Fußstapfen von Konrad Adenauer und von Helmut Kohl steht, zwei großen Europäern, können doch nicht die Sicherheit in Europa und den Zusammenhalt in Europa durch Ihr Handeln so gefährden.

Das Gegenteil ist richtig!

Denn wenn wir uns nicht mehr an europäisches Recht halten, dann tun es alle anderen auch nicht mehr, und dann gefährdet das auch die Sicherheit unseres Landes.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist auch als CDU-Vorsitzender nicht richtig.

Zurufvon der CDU/CSU: Oijoijoi!

Die Europäische Union hat uns Sicherheit und Einigkeit gebracht. Das ist an keinem Tag so deutlich wie am heutigen, nach der Gedenkstunde, die wir eben hatten. Nach dem Gedenken an die Shoah. An welchem Tag ist es deutlicher, dass Demokraten für Recht und Rechtsstaatlichkeit eintreten müssen? An welchem Tag ist es deutlicher, dass Demokraten bereit sein müssen, mit Demokraten Kompromisse einzugehen, statt zu sagen: „Es ist das oder nichts anderes“? An welchem Tag ist es deutlicher, dass Demokraten mit Demokraten stimmen müssen, weil sie sonst diejenigen, die unsere Demokratie kaputtmachen, normalisieren?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

Wir streiten für einen gut ausgestatteten Rechtsstaat. Wir wollen ihn stärken. Wir wollen bessere Regeln schaffen. Aber wir wollen das auf der Grundlage des Rechts und des Rechtsstaates, wie wir ihn haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der CDU/CSU: Schau mal ins Gesetzbuch!
2 Vermerkeca. 194 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Jetzt, im Jahr 2025, reden wir über die schrecklichen Gewalttaten wie die in Mannheim, Solingen, Magdeburg oder Aschaffenburg. Warum wurde diese Debatte nicht schon 2018 geführt, nach dem Mord an der 14-jährigen Susanna durch einen Iraker oder 2017 nach dem Mord an der 15-jährigen Mia durch einen Afghanen oder 2016 nach dem Mord an der 19-jährigen Maria durch einen Afghanen? Die Antwort: Heute gärt es in der Bevölkerung, und die Zustimmung zur AfD steigt und steigt. Denn die Altparteien reagieren nicht, weil zu viel Blut geflossen ist, sondern weil die Wahl bevorsteht.

Jetzt geben sich die Altparteien betroffen und erschüttert. Dabei ist das Erstaunliche am Terror von Magdeburg nicht, dass er passiert ist, sondern dass es acht Jahre gedauert hat, bis der Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt einen Nachahmer gefunden hat.

Die Mitschuld am Blut der Opfer trifft die Altparteien, die den Kurs von Frau Merkel, Deutschland mit Migranten zu fluten, mitgetragen haben, ganz egal, ob aus Überzeugung oder aus Opportunismus. Wer der Union ihr lautes „Haltet den Dieb!“ glaubt und Herrn Merz wählt, ist selbst schuld, wenn das Morden weitergeht.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Schön, wenn man mit Ihnen gemeinsame Mehrheiten hat!
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
7 Vermerkeca. 207 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Wahlkampf erlebt in diesen Tagen eine gefährliche Entwicklung. Die berechtigten Sorgen der Menschen um die Sicherheit in unserem Land werden zum Spielball populistischer Wahlkampfrhetorik. Tragische Vorfälle werden instrumentalisiert, um mit unwürdigen Schnellschüssen die Umfragewerte zu verbessern. Das ist unverantwortliche Symbolpolitik.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Die Union übernimmt die Forderungen von rechts außen nach dauerhaften Kontrollen an allen deutschen Grenzen, mehr Abschiebehaft und pauschalen Zurückweisungen.

Zurufvon der AfD

Unterm Strich: Das ist die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. Dabei ist doch klar: Statt Panikmache und Abschottungsfantasien müssen wir endlich unser Asylsystem besser aufstellen

Zurufvon der CDU/CSU

und eine Politik gestalten, die Sicherheit und Menschlichkeit vereint,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

eine Politik, die Integration ermöglicht, schwierige Fälle frühzeitig erkennbar macht und Sicherheits- und Asylbehörden stärkt, statt sie mit Aufgaben zu überlasten.

Die Flüchtlingsarbeit der Kommunen und Länder muss endlich besser finanziert werden, damit eben die schwierigen Fälle nicht durch das Raster fallen. Also die Ursachen vor Ort bekämpfen statt Placebos.

Beifalldes Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Statt unnötiger Grenzkontrollen müssen wir unsere Bundespolizei vernünftig ausstatten. Da müssen wir doch investieren: in moderne Polizeizusammenarbeit in Europa.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Menschen erwarten, dass Staat und Politik sich für die Sicherheit aller in unserem Land einsetzen. Lassen Sie uns für Lösungen einstehen, die rechtlich sauber, pragmatisch und vor allem menschenwürdig sind.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Thorsten Frei
Foto: Thorsten Frei / Tobias Koch
9 Vermerkeca. 276 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nur weil man etwas Falsches ständig wiederholt, wird es nicht richtig und nicht besser.

Sie kennen sich ja aus!

Die Frau Präsidentin hat es angekündigt: Unsere Fraktion wird einer Teilung der Frage nach § 47 der Geschäftsordnung des Bundestages widersprechen. Die Anträge, die wir heute zur Abstimmung stellen, sind ein Gesamtkonzept, mit dem wir eine Wende in der Migrations- und Sicherheitspolitik erreichen wollen.

Deshalb geht es jetzt nicht um Stückwerk, sondern es geht jetzt um Entschlossenheit.

Beifallbei der CDU/CSU

Es geht hier nicht nur um ein Gesamtkonzept in der Sache, sondern es geht auch um ein Gesamtkonzept in der politischen Zielrichtung. Eines muss ich hier einfach zitieren; deshalb lese ich mal kurz die Passage vor, worum es der AfD geht und weswegen sie eine Teilung der Frage beantragt:

„Wer die illegale Migration bekämpft, entzieht auch Populisten ihre politische Arbeitsgrundlage. Die AfD nutzt Probleme, Sorgen und Ängste, die durch die massenhafte illegale Migration entstanden sind, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren und Verschwörungstheorien in Umlauf zu bringen.“

Blödsinn! Blödsinn!

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

„Sie will, dass Deutschland aus EU und Euro austritt und sich stattdessen Putins Eurasischer Wirtschaftsunion zuwendet. All das gefährdet Deutschlands Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Deshalb ist diese Partei kein Partner, sondern unser politischer Gegner.“

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufevon der AfD

Das ist Bestandteil unseres politischen Gesamtkonzeptes.

Das sind unsere Programmpunkte!

Es zeigt unsere Haltung und unser Ziel. Wir werben um Zustimmung aus der Mitte dieses Hauses und nicht um Ihre Zustimmung.

Deswegen möchte ich den Kollegen der SPD sagen: Wer die Probleme nicht löst, der schafft den Nährboden für Populisten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Und die, die die Probleme sehenden Auges verschärfen, so wie es die Grünen machen, die schütten Öl ins Feuer. Damit tragen Sie Verantwortung für all das,

Sie tragen Verantwortung!

was Sie uns vorgeworfen haben.

Herzlichen Dank.

Porträt von Lars Klingbeil
Foto: SPD/ Maximilian König
28 Vermerkeca. 1.006 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute ist ein bedeutender Tag im Parlament. Ich will für mich persönlich sagen: ein Tag, der aufwühlt. Wir haben heute Mittag an die schrecklichen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und des Naziregimes erinnert und der Opfer des Holocausts gedacht. Wir haben heute Nachmittag die Regierungserklärung des Bundeskanzlers zum brutalen und feigen Mord am zweijährigen Yannis in Aschaffenburg gehört – ein Mord, der uns alle erschüttert hat. Wenn ich in der aufgewühlten Situation eine Bitte an alle demokratischen Parteien formulieren darf: Wir sollten uns nicht gegenseitig unterstellen, dass uns diese Tat nicht bis heute aufwühlt, erschüttert und tief betroffen macht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer tut das denn?

Dieser Mord muss zu ernsthaften Konsequenzen führen. Es muss schnell aufgeklärt werden, wo und wieso Behörden versagt haben.

Ich will aber für uns, für mich hier deutlich formulieren: Ich hätte mir gewünscht, dass die Debatte heute im Parlament ein Moment des Zusammenrückens wird.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Widerspruchbei der CDU/CSU und der AfD

– Ehrlicherweise spricht die Reaktion von Union und AfD Bände.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Viele Menschen in diesem Land wünschen sich, dass die demokratische Mitte zusammenhält. Viele Menschen in diesem Land wünschen sich Stabilität und eine starke demokratische Mitte, sie wünschen sich, dass die demokratischen Parteien zusammen Lösungen finden,

Dann tun Sie es endlich!

auch wenn es herausfordernde Zeiten sind, auch wenn Wahlkampf ist. Das ist doch der Wunsch der Menschen in diesem Land:

Ihr wollt doch gar keine Lösung!

ein kraftvolles Signal, dass wir uns als demokratische Mitte nicht spalten lassen.

Herr Merz, um es klar zu benennen: Es ist Ihre bewusste Entscheidung, heute, an diesem Tag, die demokratische Mitte hier im Parlament zu spalten

Das ist eine Unterstellung!

und in Kauf zu nehmen, dass Sie erstmals mit der AfD gemeinsame Sache machen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das, was Sie heute und am Freitag vorhaben, ist eine tektonische Veränderung des Miteinanders hier im Parlament. Das ist eine massive Veränderung der politischen Landschaft.

Werden Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst!

Sie persönlich, Herr Merz, tragen dafür Verantwortung, was heute und am Freitag passiert.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich sage Ihnen: Sie begehen einen historischen Fehler.

Zurufvon der CDU/CSU: Schauen Sie mal nach Amerika!

Sie brechen mit der Politik von Helmut Kohl und Angela Merkel.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich sage Ihnen auch: Mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, ist kein Zeichen von Stärke. Das ist Schwäche.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Stärke wäre gewesen, ernsthaft nach einem demokratischen Miteinander zu suchen, Mehrheiten zu suchen, Erklärungen und Kompromisse zu finden hier im Parlament.

Drei Jahre!

Sie sind doch aufgestanden und weggegangen!

Aber – um mit allen Legenden aufzuräumen, die ich in den letzten Tagen hören musste – die Union hat die Gespräche abgebrochen. Die Union ist vom Tisch aufgestanden. Die Union hat Entscheidungen blockiert. Die Union hat nicht die Kraft gehabt, hier gemeinsame Kompromisse zu finden.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Weil Sie sich nicht bewegen wollten! Völlige Verweigerung bei Ihnen! Das war das Problem!

Und – das will ich sagen – das gilt auch für die Anträge heute und den Gesetzentwurf am Freitag: kein Anruf, kein Versuch, etwas zusammen hinzubekommen. Es gab eine Pressekonferenz mit starken Worten und eine E-Mail, aber keinen Versuch.

Alles abgesagt!

Stattdessen das Signal an die AfD: Notfalls machen wir es mit euch. – Das ist nicht konservativ. Das ist nicht bürgerlich. Das ist unanständig, Herr Merz, was Sie hier in diesen Tagen aufführen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das ist unverschämt, was Sie hier bieten! Meine Güte!

Es gab zwischen den Fraktionen der Mitte die Absprache, dass nur noch Anträge durch dieses Parlament gehen, die in der demokratischen Mitte hier im Parlament eine Mehrheit haben. Sie brechen hier Wort, und Sie stoßen die Tür zur AfD auf. Und, Herr Merz: Wer in diesem Land soll Ihnen künftig eigentlich noch glauben, wenn Sie sich hart von der AfD abgrenzen? Wer soll Ihnen noch glauben?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wollen Sie wirklich als der CDU-Vorsitzende in die Geschichtsbücher eingehen, der in der deutschen Nachkriegsgeschichte der erste ist, der die Türen zur AfD aufstößt,

Lachenbei Abgeordneten der AfD

zu einer Partei, in der Höcke, Weidel, Krah und andere Rechtsextreme das Sagen haben? Mit denen wollen Sie ab heute Politik machen? Herr Merz, stoppen Sie diesen Weg. Es ist nicht zu spät.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und dann: Zur Sache muss man ja auch sagen, Sie legen hier Vorschläge auf den Tisch, die rechtswidrig sind – gegen das Grundgesetz, gegen das Europarecht, gegen das Völkerrecht.

Welche denn? Sagen Sie doch mal, welche!

Was ist denn unsere Freiheit, unsere Demokratie wert, wenn wir uns nicht an diese Grundsätze halten?

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie sind bereit, mit Ihren Anträgen zentrale Grundsätze unseres Landes über den Haufen zu werfen, um vielleicht ein paar Prozentpunkte mehr bei der Bundestagswahl zu bekommen. Das sind doch Grundsätze, die wir seit 1949 hier zusammen hochhalten. Und ich frage Sie: Ist es das wirklich wert?

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und diese Frage, liebe Kolleginnen und Kollegen, richte ich an alle in der Union. Ich kenne viele von Ihnen aus den letzten Jahren und aus der Zusammenarbeit. Ich kenne viele, und ich schätze viele. Und ich weiß, da sind ordentliche Konservative, die nichts gemein haben wollen mit den Rechtsextremen hier im Parlament. Aber Sie sagen kein Wort. Sie sitzen da und schweigen und nehmen das alles hin.

Und gucken Sie doch, wer sich alles äußert. Die Kirchen, die Gewerkschaften, die Zivilgesellschaft. Unternehmerinnen und Unternehmer sagen: Hört auf, mit dem Feuer zu spielen. – Daniel Günther hat heute im Parlament in Schleswig-Holstein dafür geworben, dass es eine Mehrheit, ein Bündnis der Demokratinnen und Demokraten gibt, dass nicht mit der AfD zusammengearbeitet wird. Das ist doch die Wahrheit. Hören Sie auf diese Leute, die an Sie als Bundestagsfraktion appellieren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie sind verantwortlich für die Situation, in der wir sind!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist eine verständliche Wut über die brutalen Morde und die Gewalttaten. Wir brauchen konsequente Antworten; ich bin da klar.

Über Ihre Politik!

Wir haben Vorschläge auf den Tisch gelegt. Ich sage hier aber auch in aller Deutlichkeit: Diese Wut darf nicht zur Enthemmung und zur Radikalisierung führen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es geht um Recht und Ordnung, und ich hoffe, wir sind uns da einig. Wir haben in der Migrationspolitik vieles verändert. Die Zahlen gehen runter. Die Rückführungen werden mehr. Wir haben die Kontrollen an den Grenzen. Und ich bin hier auch sehr klar: Die nächste Regierung muss weitere Schritte gehen.

Es mag ja so sein, dass „Ausländer raus!“ oder „Keine Ausländer mehr rein!“ gerade wieder salonfähig in Deutschland wird und einige, die hier sitzen, versuchen, damit Wahlen zu gewinnen. Aber für die SPD sage ich als Vorsitzender sehr klar: Wir werden die Probleme dieses Landes lösen. Aber Feindseligkeiten gegenüber Menschen, die in dieses Land gekommen sind, die ihre neue Heimat hier gefunden haben, die unsere neuen Nachbarn, unsere Freunde, unsere Arbeitskollegen, unsere Kumpels im Fußballverein geworden sind, werden wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht zulassen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lars Klingbeil
Foto: SPD/ Maximilian König
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ein letzter Satz. Auch diese Menschen gucken heute auf das, was hier im Parlament passiert, ob es den Tabubruch gibt und erstmals mit einer ausländerfeindlichen Partei Mehrheiten gefunden werden. Dieser Weg ist falsch. Und ich fordere die Union auf: Kehren Sie um! Lassen Sie ab von diesem Weg!

Anke Rehlinger· Ministerpräsidentin (Saarland)· kein MdB
27 Vermerkeca. 901 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben heute hier im Hohen Hause der Opfer des Holocaust gedacht. Wir haben am Montag – viele waren mit dabei – im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz am Gedenken teilgenommen. Der Name „Auschwitz“ steht dabei für die Verantwortung, die jeder von uns hat, nämlich dafür zu sorgen, dass sich so etwas niemals wiederholt.

Wir müssen aber leider feststellen: Für „Wehret den Anfängen!“ ist es schon zu spät. Antisemitismus, Antiziganismus und Menschenfeindlichkeit in jeder Form zeigen sich mittlerweile wieder in absoluter Schamlosigkeit.

Zurufvon der AfD: Bei der SPD!

Nie war in der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit so viel Schutz für jüdische Gemeinden notwendig wie heute, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Zurufvon der AfD: Woran das wohl liegt!

Das ist eine Schande für unser Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und wer sind die Täter?

Und ich komme auch nicht umhin, an dieser Stelle zu sagen, dass ich hier mit einigermaßen Unbehagen stehe, nachdem wir gemeinsam hier die Gedenkstunde abgehalten haben und uns jetzt, zu diesem Zeitpunkt, in dieser Debatte über dieses Thema und mit diesen Ausführungen befinden. Denn diese Debatte hat ja bereits einen gesellschaftlichen Eindruck erzeugt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir müssen und wir können gemeinsam verhindern, dass die Feinde der Demokratie noch mehr Sitze in diesem Parlament erlangen.

Und wir können und wir müssen auch verhindern, dass die Feinde der Demokratie Macht in unserem Staat bekommen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufvon der AfD: Was für eine Hetze!

Mit „wir“ meine ich die vernünftige, demokratische Mitte in diesem Land.

Dazu gehört die SPD lange nicht mehr!

Und darin besteht, wie ich finde, das Hauptrisiko des politischen Harakiris, das wir gerade hier erleben. Denn die Union spaltet exakt diese politische Mitte,

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

und das, wie wir hören müssen, zum Jubel von rechts außen. Das kann keine kluge Politik für Deutschland sein.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und ich fürchte, es wird sich rächen. Ich fürchte, es wird sich nicht nur für die Union rechnen – – rächen, sondern es wird sich für alle Demokraten in Deutschland rächen.

„Rächen“ oder „rechnen“?

Es wird sich für unsere Gesellschaft rächen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Dabei wäre es anders möglich. Es wäre auch mit Blick auf meine Kolleginnen und Kollegen in der Ministerpräsidentenkonferenz anders möglich. Wir haben schon oft unter Beweis gestellt – auch bei unterschiedlichen Meinungen, die wir hatten –, dass es im Kreise der Regierungschefs – der CDU, der SPD, der CSU, der Grünen und vor Kurzem noch der Linkspartei – möglich war,

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

gemeinsam weitreichende Beschlüsse, auch zur Migrationspolitik, zu fassen.

Im Kreise der SPD-Ministerpräsidenten haben wir auch in einem Brief noch einmal deutlich gemacht, dass die ausgestreckte Hand der Vergangenheit auch in Zukunft ausgestreckt bleibt.

Ich habe keinen Brief bekommen!

Wir sind dazu bereit, im Kreise der demokratischen Mitte nach Mehrheiten zu suchen und das zu tun, was unser Arbeiten in der Politik ausmacht, nämlich auf Kompromisse einzugehen,

Das machen Sie doch gar nicht!

ohne dass man auf die Falschen setzt, um sich Mehrheiten in diesem Land zu beschaffen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nach der furchtbaren Tat von Solingen hat die Bundesregierung ein Sicherheitspaket auf den Weg gebracht. Und niemand bestreitet, dass das sinnvolle Maßnahmen sind; trotzdem wurden sie von der Union im Bundesrat blockiert: nicht nur das Sicherheitspaket, auch andere, ich nenne die Stichworte „GEAS-Reform“, „Begrenzung der irregulären Migration“, „Bundespolizeigesetz“. Gerade nach der weiteren abscheulichen Tat in Aschaffenburg ist mir deshalb wichtig, zu sagen: Es gab und es gibt die Möglichkeit, durch tatsächlich entscheidungsreife Gesetzentwürfe

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

substanzielle Verbesserungen mit Stimmen der gesellschaftlichen Mitte auf den Weg zu bringen. Die Union hat das nicht gewollt. Sie will es nicht. Stattdessen setzt sie auf die Gefahr von Stimmen aus der AfD, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich stelle mir darüber hinaus die Frage,

Sie reden für den Bundesrat oder für die Juso-Kampfgruppe Saarbrücken?

in Richtung Union blickend: Wie wollen Sie eigentlich in Ihrer Partei, in den Ländern,

Die zweite Bewerbungsrede als SPD-Vorsitzende!

in den Kommunen noch die Brandmauer halten, wenn Sie sie höchstselbst hier im Bundestag niedergerissen haben,

Zurufeder Abg. Stephan Brandner [AfD] und Dr. Rainer Rothfuß [AfD]

meine sehr verehrten Damen und Herren?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Insofern geht es bei den Abstimmungen am heutigen Tag und auch bei dem, was am Freitag ansteht, nicht nur um einen Tabubruch in diesem Hause, sondern es ist, wie ich fürchte, auch ein Dammbruch zulasten der gesamten Demokratie in Deutschland, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Geht es auch eine Nummer kleiner?

Mindestens genauso schwer wiegt dabei, dass mit den Forderungen, die im Raum stehen und diskutiert worden sind, Erwartungen geschürt werden, die niemand in der Lage ist zu erfüllen – auch nicht Herr Merz, auch nicht die Union –, weil sie eben gegen die Verfassung verstoßen.

Sie haben eben nicht Vorschläge vorgelegt, wie das Recht geändert werden kann, damit dieser Verstoß nicht zum Tragen kommt.

Ich sage es bezogen auf einen Punkt, der politisch zu bewerten ist: Ausgerechnet im 40. Jahr des Schengener Abkommens wollen Sie die Grenzen schließen. Die Schlagbäume sollen runtergehen. Sie werden damit quasi mit einem Federstreich die Europapartei CDU zur Geschichte machen.

Jetzt geht es um Zurückweisungen! Verstehen Sie das gar nicht?

Will man sich wirklich von diesen Grundwerten, auch den Grundwerten Ihrer Partei, an dieser Stelle auf diesem Weg verabschieden, meine sehr verehrten Damen und Herren?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie wissen aber schon, wer Grenzkontrollen macht, oder?

Und es ist gefragt worden: Was sagt Europa dazu? Ich kann es Ihnen sagen. Ich habe mit dem Luxemburger Premierminister zusammengesessen – Ihr Parteifreund –,

und er hat sehr, sehr, sehr geschimpft auf das, was jetzt schon stattfindet;

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nein! Bei uns nicht!

und das, was geplant ist, würde er mit eigenen Worten entsprechend belegen; Sie können es gern in der Presse nachlesen. Zehntausende Pendler sind unterwegs, nicht nur im Saarland und der Großregion, auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Meine sehr verehrten Damen und Herren, bei uns ist ein Riesenanteil des Einzelhandels davon abhängig, dass die Französinnen und Franzosen ungehindert zu uns kommen können. Ihre Grenzschließungspläne sind eine Gefahr für unsere Wirtschaft

und die Arbeitsplätze der Saarländerinnen und Saarländer und noch deutlich darüber hinaus, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Anke Rehlinger· Ministerpräsidentin (Saarland)· kein MdB
1 Vermerkca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir stehen an einem historischen Scheideweg. Wie tief unsere Gesellschaft von den Vorgängen hier getroffen ist, das zeigt der Appell der Kirchen, der evangelischen und der katholischen. Er zeigt, dass es hier eben nicht um ein übliches, im Wahlkampf gelegentlich auch mal so stattfindendes Parteiengezänk geht, meine sehr verehrten Damen und Herren, sondern um eine sehr, sehr grundsätzliche Frage unserer Gesellschaft. Hören wir den beispiellosen Ruf der Kirchen, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Anke Rehlinger· Ministerpräsidentin (Saarland)· kein MdB
2 Vermerkeca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir müssen dafür sorgen, dass wir unserer historischen Verantwortung gerecht werden. Rechts darf niemals die Macht in unserem Land erhalten.

In diesem Sinne: Herzlichen Dank und Glück auf!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das entscheidet der Wähler!

Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
13 Vermerkeca. 576 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Tat von Aschaffenburg war grausam und abscheulich. Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Betroffenen.

Das merkt man!

Aber nur wenige Stunden nach der Tat sprachen Sie, Herr Scholz, von Terror, ohne die Hintergründe zu kennen. Warum betreiben Sie das Geschäft der AfD,

Alle betreiben das Geschäft der AfD!

statt in dieser schweren Situation zu versuchen, den Menschen ihre Ängste zu nehmen?

Und warum schwingen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von SPD und Grünen, immer Reden gegen Rechtsextremismus, aber lassen sich genau von diesen Rechtsextremisten hier im Bundestag treiben?

Beifallbei der Linken

In den letzten Jahren haben Sie eine Asylrechtsverschärfung nach der nächsten durchgewunken. Der Höhepunkt ist jetzt GEAS. Damit können selbst Kinder an den EU-Außengrenzen in Haftlager gesperrt werden. Bezahlkarte, Leistungskürzung, Schikane: Denken Sie wirklich, gegen die AfD hilft AfD-Politik?

Beifallbei der Linken

Die steht aktuell bei 20 Prozent. Da müssen doch selbst Sie begreifen, dass Ihre Taktik gescheitert ist. Aber gut, Sie wetteifern ja gerade vor allem darum, wer am Ende Friedrich Merz dann doch zum Kanzler wählen darf.

Herr Merz plakatiert gerade überall im Land: „Recht und Ordnung wieder durchsetzen“. Recht! Gleichzeitig schmeißen Sie uns hier Anträge vor die Füße, die gegen EU-Recht, gegen die Verfassung, gegen Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte oder die Genfer Flüchtlingskonvention verstoßen. Das ist Ihre Politik! Ihre Vorschläge sind nicht nur rechtlich hochproblematisch und menschlich wirklich erbärmlich; sie sind schlicht auch nicht umsetzbar.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Das sage ich gar nicht mal als Linke; das sagt die Gewerkschaft der Polizei selbst. Die ganzen Behörden brauchen nicht noch mehr Befugnisse, sie brauchen eine bessere Vernetzung und Ausstattung. Darüber müssen wir doch reden.

Keiner Ihrer 27 Punkte spricht von Prävention. Doch nur so können weitere Taten wirklich verhindert werden.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Es braucht dringend eine bessere psychosoziale Betreuung für alle Menschen in diesem Land und mehr Integrationsangebote für Geflüchtete, vor allem auch durch Arbeit. Das fordern Migrationsforscher/-innen, Juristinnen und Juristen und Sicherheitsexpertinnen und -experten. Die beklagen nämlich, dass in der Politik die ganze Zeit Scheindebatten geführt werden, die am Kern des Problems vorbeigehen. Warum hören Sie denen nicht mal zu?

Beifallbei der Linken

Ihre Vorschläge werden nämlich rein gar nichts an der Sicherheitslage in Deutschland verändern – außer für Migrantinnen und Migranten; für die wird es immer unsicherer. Die haben Angst vor der Stimmung im Land, vor zunehmenden Angriffen. Und genau diese Menschen wollen Sie jetzt zu Menschen zweiter Klasse machen und drohen ihnen mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft. Sie wollen nach Afghanistan und Syrien abschieben. Warum wollen Sie die junge Mutter bestrafen, die vor den Taliban fliehen musste, warum die Familie aus Syrien, die vor Assads Folterschergen flüchtete? Herr Merz, auch wenn Sie jetzt nicht da sind, frage ich mich: Wohin treiben Sie die Union, und wo, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, die Sie hier alle frenetisch applaudiert haben, ist der Aufstand der Anständigen in Ihren Reihen?

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

Denkt irgendjemand von Ihnen noch an Walter Lübcke? Sagt Ihnen der Name noch was?

Beifallbei der Linken

Für die Hoffnung auf ein paar Prozentpunkte mehr planen Sie, Herr Merz, einen Pakt mit der AfD. Sie alle setzen den Hammer an die gesellschaftliche Brandmauer. Aber eins sage ich Ihnen: Die werden Sie nicht zu Fall bringen –

Beifallbei der Linken

ich komme zum Schluss –; denn die Brandmauer in diesem Land, das sind wir: wir alle, die sich nicht am Montag hinstellen und sagen,

Zurufdes Abg. Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]

dass Auschwitz nie wieder sein darf, nur um zwei Tage später denen die Hand zu reichen, die die Erben dieser Ideologie sind;

Was für eine Frechheit!

wir alle, die immer wieder aufstehen und laut und deutlich sagen: „Menschenrechte sind unteilbar“; –

Sie sind die Erben der SED!

Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und wir alle, die diese Demokratie verteidigen werden gegen die AfD und im Notfall auch gegen Sie.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbeim BSW

… die heute in der Gedenkstunde schon falsch gekleidet war!

5 Vermerkeca. 304 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wieder sind Menschen gestorben. Wieder wurde unendliches Leid über Familien gebracht. Und wieder war der Täter ein Mann, der nach geltendem Recht gar nicht mehr hätte in Deutschland sein dürfen. Und was folgte nach dieser schrecklichen Tat? Ein trauriges Gezänk, ob man im Bundestag Anträge einbringen darf, denen auch die AfD zustimmt. Unwürdiger geht es kaum.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

SPD und Grüne haben offenbar immer noch nichts begriffen. Nicht gemeinsame Abstimmungen im Bundestag haben dazu geführt, dass die Umfragewerte der AfD durch die Decke gehen, sondern das jahrelange kollektive Versagen der alten Parteien in der Migrationspolitik.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos]

Und gerade die Grünen, die mit Lächel-Selfies sich jetzt als große Vorkämpfer gegen rechts inszenieren, gerade die tragen eine Hauptverantwortung dafür, dass die Leute hier am rechten Rand vor Kraft nicht mehr laufen können. Sie sind die Hauptverantwortlichen dafür!

Beifallbeim BSW

Wir nehmen jedes Jahr Hunderttausende auf, während in Deutschland Zigtausende Wohnungen fehlen, Ärzte fehlen, Lehrer fehlen, in den ärmeren Wohnvierteln Schulen und Klassen Normalität sind, in denen die Mehrheit der Kinder kein Wort Deutsch kann. Und Sie haben über Jahre jeden, der gewarnt hat, jeden, der auf diese Probleme hingewiesen hat, in die rechte Ecke gestellt. Und was ist jetzt Ihre Antwort? Ein Abschiebeflug vor jeder Wahl,

ein bisschen Symbolik. Das ist Ihre Antwort auf die Ängste der Menschen.

Aber auch Ihre Anträge, Herr Merz, sind zu weiten Teilen Symbolik. Der Fünf-Punkte-Plan, ja, enthält Richtiges. Aber ich muss schon sagen: Über Fluchtursachen zu reden und die Kriege der USA in Afghanistan, im Irak und in Libyen noch nicht einmal zu benennen, das ist doch wirklich peinlich.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Das kann man doch nicht machen! Diese Schaufensteranträge werden auch nichts bewegen in unserem Land. Der einzige Antrag, der reale Veränderungen bewirken wird, das Zustrombegrenzungsgesetz – ja, da werden wir zustimmen. Das sind wir auch den Millionen rechtschaffenen, –

ca. 4 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– gut integrierten Zuwanderern schuldig, –

ca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– die wegen des vergifteten Klimas in unserem Land –

2 Vermerkeca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– zunehmend Angst um ihre Sicherheit haben.

Beifallbeim BSW
4 Vermerkeca. 156 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die heutige Diskussion ist sehr interessant, wenn man bedenkt, wer die Misere herbeigeführt hat, dass man in unserem Land nicht mehr sicher leben kann und Angst haben muss, wenn man Kinder hat, dass sie nicht mehr heil nach Hause kommen, weswegen sie abends nicht mehr rausgehen dürfen. Daran sind Sie von SPD, von Grünen, von CDU,

kurz und gut: Sie alle von den etablierten Parteien, schuld, und zwar gemeinsam.

Beifalldes Abg. Matthias Helferich [fraktionslos]

Ich freue mich, dass Herr Merz mal ein paar richtige Sätze gesagt hat.

Kommt selten genug vor!

Er hat nämlich gesagt, dass das so nicht weitergehen kann. Das hat er wahrscheinlich jetzt endlich mal kapiert.

Aber ich sage auch: Er sagt das nur deshalb, weil seine Umfragewerte wieder zurückgehen und er darum kämpfen will, so schnell wie möglich Kanzler zu werden, um mit Taurus-Raketen durch die Gegend schießen zu lassen – wie ein Selenskyj, der auch vor Familien, vor Kindern und Eltern nicht haltmacht.

ca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– in den CDU-Ländern, in den SPD-Ländern, –

3 Vermerkeca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und machen Sie Abschiebungen! Sie reden nur darüber

Das Mikrofon wird abgeschaltet

und belügen – –

Beifallbei Abgeordneten der AfD und der Abg. Matthias Helferich [fraktionslos] und Thomas Seitz [fraktionslos]
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
7 Vermerkeca. 218 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Seit wir im Parlament sind als AfD, fordern wir eine strikte Wende in der Migrationspolitik, vor allem umfassende Grenzkontrollen und eine Zurückweisung aller Asylmigranten an unseren Grenzen,

Beifallbei der AfD

dazu umfassende Abschiebehaft, stärkere Befugnisse für die Bundespolizei und anderes mehr.

Die Union hat all diese Punkte immer strikt abgelehnt. Heute, vier Wochen vor der Bundestagswahl, legt sie plötzlich diese Forderungen selbst zur Abstimmung vor. Meine Damen und Herren, wir stimmen all diesen Punkten zu; denn es sind und waren ja schon immer unsere Punkte.

Beifallbei der AfD
Dr. Joe Weingarten [SPD], an die CDU/CSU gewandt: Das sind eure neuen Freunde!

Und was macht die Union jetzt? Sie bauen in Ihren Antrag einen Passus ein, mit dem Sie die AfD übelst verleumden und diffamieren sowie aktiv Falschmeldungen verbreiten. Sie schmähen damit genau die Partei, von der Sie ja abgeschrieben und alles übernommen haben. Wie armselig ist das denn?

Beifallbei der AfD

Die Bürger draußen müssen jetzt aber wissen, warum wir diesem Antrag trotz aller Herabsetzung zustimmen. Der Grund dafür ist einfach: Er heißt: Deutschland.

Beifallbei der AfD

Wir gehen anders an die Dinge heran als Union, SPD und Grüne. Uns geht es nicht um niederträchtige Parteitaktik.

Lachenbei der SPD

Uns geht es um Deutschland, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Nur durch unsere Zustimmung können hier endlich neue Mehrheiten entstehen – Mehrheiten, die eine echte Migrationswende durchsetzen können; Mehrheiten, die Morde, Vergewaltigungen und andere Straftaten verhindern können; Mehrheiten, die gut sind für Deutschland.

Beifallbei der AfD
Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
1 Vermerkca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Damen und Herren von der Union, Sie mögen uns beschimpfen, erniedrigen, dämonisieren – wir stimmen für Deutschland!

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
3 Vermerkeca. 74 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ihren zweiten Antrag mit den 27 Punkten lehnen wir ab. Hier vermischen Sie sinnvolle Maßnahmen mit einem Einstieg in den Überwachungsstaat. Das machen wir nicht mit.

Beifallbei der AfD

Sie haben uns hier die getrennte Abstimmung über die sinnvollen und die schädlichen Teile verweigert. Die Gewährung getrennter Abstimmungen ist aber parlamentarischer Brauch seit Jahrzehnten. Den brechen Sie. Das zeigt doch, wes Geistes Kind Sie sind. Sie täuschen, tricksen, verbreiten Lügen, und dafür wird der Wähler Sie bestrafen.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der CDU/CSU
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 612 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Legislatur war und ist von großen Herausforderungen geprägt. Der schreckliche Krieg in der Ukraine zeigt, wie eng Ernährungssicherheit und Friedenspolitik zusammenhängen. Extremwetter haben viele Betriebe nicht nur bei uns im Land an ihre Grenzen gebracht. Die Bauernproteste vor einem Jahr haben verdeutlicht, wie wichtig Verlässlichkeit in der Agrarpolitik ist.

Derzeit fordert uns unter anderem die Maul- und Klauenseuche kräftig heraus. Zusammen mit Brandenburg und dem Friedrich-Loeffler-Institut arbeiten wir daran, eine Ausbreitung zu verhindern, Gott sei Dank bislang erfolgreich. Eines ist klar: Präventive Keulungen sind tragisch für die Tiere. Sie sind eine ökonomische, aber auch emotionale Belastung für die Tierhalter, aber leider notwendig, um die Risiken zu vermeiden.

Wir sehen bereits massive Belastungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und beim Export. Darum bin ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen im Gespräch, um die Exportfreiheit für unsere Produkte möglichst schnell wiederherzustellen, und habe natürlich auch die Grüne Woche dafür genutzt. Positiv ist, dass für deutsche Produkte im EU-Binnenmarkt das Regionalisierungsprinzip gilt. Das zeigt übrigens einmal mehr, wie wichtig und auch wie wertvoll die Europäische Union gerade in der Agrarpolitik ist.

Es ist kein Geheimnis, dass die Zusammenarbeit in der Regierung, auch in der Landwirtschaftspolitik, ich sage mal, nicht gerade einfach war. Ich habe, wie Sie wissen, immer auf Kompromisse gesetzt. Das haben mir manche auch zum Vorwurf gemacht. Ich glaube allerdings, dass man mit der reinen Lehre genauso wenig vorwärtskommt wie mit bloßem Dagegensein. Das werden auch die noch merken, die derzeit sehr bestimmt ihre Position vertreten. Probleme löst man in der Demokratie nur, wenn man gute Kompromisse findet. Ich sage das gerade am heutigen Tag und nach der vorausgegangenen Debatte. Das und nur das stärkt auch das Vertrauen der Menschen in die demokratischen Parteien und in unser Land.

Angesichts der Umstände – der Ukrainekrieg – und eines Partners in der Koalition, der oft quer im Stall stand, kann sich die Bilanz meines Erachtens durchaus sehen lassen. Wir haben Dinge angepackt, die in der Vergangenheit liegen geblieben sind. Wir fördern jetzt eine zukunftsfähige Tierhaltung, nachdem das Thema früher nicht angepackt wurde, obwohl Geld dafür da war. Wir haben beim Abbau unnötiger Bürokratie endlich den Schalter umgelegt; zusammen mit Brüssel und unseren Bundesländern haben wir unnötige Berichtspflichtenauflagen gestrichen. Und wir haben die Grundlagen für eine wirkungsvolle Gemeinsame Agrarpolitik in der EU geschaffen. Daran kann die künftige Bundesregierung anknüpfen. Leistungen unserer Landwirte für mehr Umwelt-, Natur-, Klima-, Tierschutz sollen künftig besonders gefördert werden.

Uns allen ist aber auch klar: Es bleibt auch in Zukunft noch genug übrig. Das Feld ist gut bestellt. Es gilt, die Arbeit fortzusetzen. Dazu müssen die Vorarbeiten der Zukunftskommission Landwirtschaft umgesetzt werden, außerdem aber auch die Ergebnisse des strategischen Dialogs zur Landwirtschaft in der EU mit Leben gefüllt werden.

Es ist höchste Zeit, dass wir gemeinsam, parteiübergreifend, den Schalter umlegen, damit die Leistungen der Landwirte für Tierwohl, Artenvielfalt, Klimaschutz auch auf dem Betriebskonto sichtbar werden. So sichern wir nicht nur die Ernten von morgen, die Ernährung unserer Kinder und Enkel, sondern geben den Höfen auch eine ökonomische Perspektive.

Eins sollte selbstverständlich sein: Es muss sich rechnen, ein landwirtschaftliches Unternehmen zu führen. Wenn wir als Gesellschaft von unseren Bauern mehr erwarten, muss das Mehr auch vergütet werden.

Meine Damen, meine Herren, es ist nicht ganz einfach, an dem heutigen Tag – nicht nur wegen der Debatte gerade eben, sondern auch nach der Rede von Roman Schwarzman – ganz normal in den Alltag zurückzukehren. Für mich ist das ja die letzte Regierungsbefragung. Insofern will ich die Gelegenheit auch nutzen, Danke zu sagen für die Zusammenarbeit, aber auch noch mal zu sagen, dass das, was wir da gehört haben, auch eine Verpflichtung für uns alle bleiben wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
8 Vermerkeca. 461 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin, herzlichen Dank. – Wir haben hier gerade eine intensive Debatte um die Regierungserklärung des Bundeskanzlers hinter uns. Die grausame Gewalttat in Aschaffenburg ist wirklich furchtbar. Es ist furchtbar, wenn ein psychisch kranker Mensch ein Kind tötet, Yannis, und ein weiteres verletzt und wenn ein Mann bei dem Versuch stirbt, die Kinder zu retten. Das muss aufgeklärt werden, und es muss alles getan werden, dass solche Taten in der Zukunft verhindert werden.

Ich finde es aber auch erschreckend, wie die Debatte insgesamt geführt wird. Wenn hier diese furchtbare Tat genutzt wird, um pauschal allen Menschen, die zu uns fliehen mussten, das Recht auf Asyl abzuerkennen, wenn Parteien grundsätzlich das Grundrecht auf Asyl infrage stellen, dann ist das wirklich geschichtsvergessen. Ich bin sehr froh, dass unser Bundeskanzler auch noch mal klargestellt hat, dass das Recht auf Asyl ein Teil unserer Werteordnung und ein Teil unserer historischen Erfahrung ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß als Entwicklungsministerin, wie furchtbar die Situation in den Ländern ist, aus denen die meisten Menschen fliehen müssen. Es flieht niemand ohne einen guten Grund. Ich weiß, was das für Herausforderungen für die Länder sind, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen müssen – das sind die Nachbarländer –; ich weiß aber auch, welche Herausforderung das für uns ist.

Ich bin aber fest davon überzeugt, dass demokratische Lösungen da die richtige Antwort sind. Wir in dieser Regierung sind es doch, die endlich dafür gesorgt haben, dass es wieder ein Gemeinsames Europäisches Asylsystem gibt. Nancy Faeser ist die Ministerin, die den Stillstand, der dort seit Jahren geherrscht hat, endlich beendet hat.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir sind es, die die entwicklungspolitische Arbeit vorangetrieben haben,

Das ist nur ein Gerücht!

sodass endlich die Ursachen der Flucht bekämpft werden, und das ist etwas, was mir hier in der Debatte fehlt.

Die Menschen fliehen vor Kriegen, vor furchtbaren Situationen vor Ort. Deswegen braucht es eine starke Entwicklungspolitik, und es braucht mehr internationales Engagement und nicht weniger, wie ja einige konservative Politikerinnen und Politiker hier im Haus gefordert haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will hier aber auch noch mal sagen, dass ich es einen wirklichen Tabubruch finde, wenn hier im Parlament darauf gesetzt wird, dass man gemeinsam mit anerkannt Rechtsradikalen Mehrheiten organisiert.

Ich will das noch einmal deutlich sagen: So eine Gewalttat darf nicht zu Enthemmung, darf nicht zu Radikalisierung führen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was hat denn das jetzt mit dem Geschäftsbereich zu tun?

Ich will da ausdrücklich hervorheben, was uns die beiden großen Kirchen, die evangelische und die katholische Kirche, geschrieben haben. Das muss uns insgesamt nachdenklich stimmen. Es darf hier keine Zusammenarbeit mit gesichert Rechtsextremen geben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich sage das ganz bewusst als Entwicklungsministerin.

Ich sehe in so vielen Ländern der Welt, wie es den Feinden der Demokratie gelingt, Staaten zu verändern. Deswegen appelliere ich von hier aus auch noch mal an alle Demokratinnen und Demokraten, unsere Demokratie zu schützen und den Feinden der Demokratie hier keine Plattform zu bieten.

Danke sehr.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
2 Vermerkeca. 110 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Ich möchte meine Frage an Cem Özdemir, unseren Bundeslandwirtschaftsminister, stellen. – Eine Sache haben wir ja gemeinsam: Wir waren auf der Grünen Woche unterwegs; wir haben dort viele Stände besucht – auch Friedrich Merz war an vielen Ständen zugegen –,

und immer wieder kam das Thema „Mindestlohn 15 Euro“ auf.

Meine Frage an Sie als Fachpolitiker: Wie schätzen Sie den Einfluss ein, den ein Mindestlohn von 15 Euro insbesondere im Obst- und Gemüsebau hat, wo wir ja 70 Prozent der Gesamtkosten im Lohnkostenbereich haben? Was denken Sie, was macht das mit der Wettbewerbsfähigkeit unserer Obst- und Gemüsebauern, aber was macht das eben auch mit der Versorgungssicherheit in unserem Land?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, das klingt jetzt erst mal interessant; denn ich habe doch vernommen, dass sowohl die Grünen als auch die SPD für einen politischen Mindestlohn von 15 Euro sind. Ich war damals selbst im Ausschuss für Arbeit und Soziales bei der Schaffung einer Mindestlohnkommission dabei, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch die Wissenschaft mit am Tisch sind, damit eben kein politischer Überbietungswettbewerb stattfindet. Wie bringen Sie das jetzt mit Ihrer getätigten Aussage zusammen?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 116 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ganz so, wie ich es in meinem Eingangsstatement gesagt habe: Ich schaue mir immer erst mal die Probleme an und nicht die Parteiprogramme. Ich bin Landwirtschaftsminister des Landes. Sie haben den Landwirtschaftsminister gefragt, und ich antworte hier auf die Fragen wahrheitsgemäß. Und es ist nun mal so, dass wir es gerade ja auch mit Krankheiten zu tun haben – auch mit anderen Dingen –, aber was Sie sagen, ist ebenfalls ein Faktor.

Gleichzeitig sind wir natürlich auch im Wettbewerb. Wir haben ein Interesse daran, dass wir Arbeitnehmer, Saisonarbeitskräfte bekommen. Auch da gab es Skandale in der Vergangenheit. Wir müssen also auch dafür sorgen, dass wir attraktiv sind. Das ist ein Spannungsverhältnis; ich will da gar nicht drum herumreden.

Wunderbar! Vielen Dank!

Porträt von Sanae Abdi
Foto: Sanae Abdi/SPD-Fraktion
ca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. Ich möchte meine Frage gerne an Bundesministerin Svenja Schulze richten. – Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie waren erst kürzlich in Syrien, um sich vor Ort ein Bild zu machen, wie Deutschland zu einem friedlichen und stabilen Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes beitragen kann. Ich möchte Sie gerne fragen, wie Sie sich vorstellen, dass die deutsche Bundesregierung Syrien beim Wiederaufbau des Landes unterstützt, insbesondere auch im Hinblick auf die große Diaspora hier in Deutschland und unter Hinzuziehung ebendieser wichtigen Expertise und Ressource. – Danke.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 210 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, herzlichen Dank für die Frage. – Die Situation in Syrien ist gerade wirklich sehr schwierig. Es ist der syrischen Bevölkerung gelungen, nach vielen Jahren eine Diktatur zu beenden. Das ist erst mal eine Leistung, vor der ich einen enormen Respekt habe. Aber wie sich das Land jetzt weiterentwickelt, ob es wirklich gelingt, dass all die unterschiedlichen Religionsgruppen, die verschiedenen Gruppen, die im Land sind, jetzt an der neuen Regierung beteiligt werden, ist noch nicht ganz klar abzusehen.

Wir – die Außenministerin und ich – haben erste Gespräche geführt. Wir werden jetzt zu Beginn erst mal auf der lokalen und regionalen Ebene Partnerschaften aufbauen. Wir haben ja sehr viele Syrerinnen und Syrer hier in Deutschland, die zum Beispiel im Gesundheitsbereich arbeiten, die gerne helfen wollen, das Land wieder aufzubauen. Deswegen sind ganz konkrete Krankenhauspartnerschaften das Erste, was wir jetzt in Angriff nehmen wollen. Wir wollen zusammen mit den Organisationen der Vereinten Nationen helfen, das Bildungssystem wiederaufzubauen, und dann Schritt für Schritt gucken, was vielleicht noch mehr möglich ist. Es wäre gut, wenn Deutschland diesem zentralen Land im Nahen Osten beim Wiederaufbau hilft.

Ich weise Sie alle darauf hin, dass die Zeit für die namentliche Abstimmung in einer Minute vorbei ist. Diese Minute nutzen wir dafür, dass Till Mansmann seine Frage stellen kann.

ca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage geht an Bundesministerin Schulze. Frau Ministerin Schulze, anders als die humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes ist unsere Entwicklungszusammenarbeit immer an Bedingungen geknüpft; denn es ist ja eine Zusammenarbeit. Sie erfordert ein Mindestmaß an Kooperation. Die Wahrung deutscher Interessen darf dabei keine Ressortangelegenheit einzelner Häuser bleiben. Stattdessen ist ein strategisch vernetzter Ansatz nötig, der neben der Außenpolitik auch die Entwicklungszusammenarbeit einschließt. Vor diesem Hintergrund meine Frage – Syrien ist schon angesprochen worden –: Planen Sie im aktuellen Kontext, auch gegenüber den aktuellen De-facto-Machthabern in Syrien darauf hinzuwirken, dass die Aufnahme ausreisepflichtiger Staatsbürger zur Bedingung für Entwicklungszusammenarbeit wird, sollten die dafür übrigen Voraussetzungen gegeben sein?

ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin Schulze, ich hatte ja gesagt: wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. – Ich nehme ein anderes Beispiel, Gambia. Wir haben 9 000 ausreisepflichtige Bürger aus Gambia in Deutschland. Schließen Sie aus, dass wir mit Gambia im Entwicklungszusammenarbeitskontext über diese Frage sprechen? Oder halten Sie es nicht auch für sinnvoll, dass in diesem Zusammenhang mit der gambischen Regierung über ausreisepflichtige Bürger gesprochen wird?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
2 Vermerkeca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, ich halte es für absolut sinnvoll, dass mit den Regierungen darüber gesprochen wird, dass ausreisepflichtige Menschen aus Deutschland zurückgenommen werden. Was ich nicht richtig finde, ist, die entwicklungspolitische Arbeit daran zu binden und zu sagen: Wenn ihr euch nicht anständig benehmt, dann unterstützen wir die Frauen bei euch nicht mehr. – Ich glaube, das würde die Taliban nicht sonderlich beeindrucken.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Positive Anreize zu geben, wie wir das mit den Migrationsabkommen machen, und zum Beispiel zu sagen: „Wir verstärken die Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Ausbildungen, und dafür wird dann in dem Abkommen auch vereinbart, dass Menschen zurückgenommen werden, die nicht in unserem Land bleiben können“, das finde ich genau den richtigen Ansatz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Meine Frage geht an Ministerin Schulze. Leider ist es auch so, dass es Kern einer faschistischen und antidemokratischen Politik ist, die finanziellen Mittel für humanitäre Hilfe als auch für Entwicklungszusammenarbeit infrage zu stellen, sie sogar zu bekämpfen. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump wurde direkt ein Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation erlassen, ein Austritt aus dem Übereinkommen von Paris, und es wurde die Entwicklungsfinanzierung vorerst gestoppt. Welche Auswirkungen wird dies global haben? Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung deshalb treffen? Und welche Verantwortung haben wir im Parlament, gegen diese faschistische Politik gegen humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zu stehen?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 133 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, herzlichen Dank für die Frage. – Ja, die USA haben bedauerlicherweise entschieden, aus dem Klimaabkommen auszusteigen und die Weltgesundheitsorganisation zu verlassen. Das wird massive Auswirkungen auf die Welt haben. Es kann kein Land auf der Welt alleine auffangen, was aus den USA jetzt alles fehlen wird.

Aber wir sind diesmal besser darauf vorbereitet. Es ist vollkommen klar, dass die Antwort darauf lauten muss, dass wir noch besser zusammenarbeiten müssen, dass wir mehr gemeinsame Projekte in der Welt voranbringen müssen, um das aufzufangen. Gerade der Klimaschutz braucht jetzt eben mehr Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen Ebenen in den USA, die im Klimaschutz aktiv sind. Wir werden auch noch mehr tun müssen, um private Investoren dafür zu gewinnen, in den Klimaschutz zu investieren. Aber es wird eine Lücke reißen; das ist vollkommen klar.

ca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Am Beispiel der eskalierenden Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo: Welche Rolle werden Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe hier spielen, um zukünftig eine Befriedung als auch eine Stärkung der Sicherheit zu gewährleisten?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, die Situation im Ostkongo ist wirklich bedrückend. Das ist eine Region – sowohl im Kongo als auch in Ruanda –, die nach Jahren des Krieges immer noch mit enormer Armut kämpft. Dass es ausgerechnet dort jetzt wieder zu eskalierender Gewalt kommt, ist etwas, was uns alle beunruhigen muss, weil das Hunderttausende von Menschen zwingt, aus dieser Region zu fliehen; die werden dort nicht bleiben können. Deswegen ist es absolut klar, dass die Gewalt dort enden muss, dass wir endlich auch in dieser Region eine Anerkennung der Grenzen haben. Wir setzen uns weltweit dafür ein, dass Grenzen eben nicht verletzt werden. Das tun wir auch an der Grenze zwischen Ruanda und dem Kongo.

Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
ca. 120 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! – Danke, Herr Minister Özdemir. Sie haben in Ihrem Eingangsstatement erwähnt, wie wichtig Ihnen die Landwirtschaft ist, vor allem in Bezug auf die Ernährungssicherung in Krisenzeiten wie diesen, verursacht durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Bei Ihrer Amtseinführung haben Sie gesagt, dass Sie sich – ich zitiere – „als obersten Anwalt der Landwirte“ sehen; das war Ihr Eingangsstatement. Doch die Bilanz Ihrer Amtszeit ist eher verheerend: Während Ihrer Amtszeit mussten mindestens 3 700 Höfe schließen. In der Landwirtschaft gab es im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch um 30 Prozent.

Zu den massiv eingebrochenen landwirtschaftlichen Einkommen im vergangenen Jahr warten wir leider immer noch vergeblich auf eine Stellungnahme aus Ihrem Haus. Bis wann können wir denn mit der Stellungnahme rechnen? – Danke schön.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter! Zur Bilanz. Wir haben sicherlich nicht alle Vorhaben umgesetzt. Mit Blick auf die verkürzte Legislaturperiode wird aber deutlich, dass sich die Gesamtvorhabenliste im Vergleich zur vorherigen Legislaturperiode nicht verstecken muss. Das zur quantitativen Frage.

Zur qualitativen Frage. Wir haben beispielsweise endlich mit dem Umbau der Tierhaltung angefangen – wenn Sie sich mit Landwirtschaft beschäftigen, wissen Sie, dass da die Not mit am größten ist –: von der Ausweitung der Herkunftskennzeichnung bis zur Frage der Finanzierung bei den Schweinehaltern. Es bleibt sicherlich noch einiges zu tun. Wir haben auch bei der Entbürokratisierung endlich den Schalter umgelegt.

Mit Blick auf die Uhr – es blinkt schon gelb – will ich sagen: Ich habe mir mal die Zahlen zur Einkommenssituation angeschaut. Die letzten Jahre waren wirtschaftlich mit die besten Jahre. Die Zahl der Betriebsaufgaben ist immer noch viel zu hoch; aber sie geht immerhin leicht zurück. Also, das kann sich schon sehen lassen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
ca. 91 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Minister, man kann alle Zahlen schönreden; aber ein Verdiensteinbruch um 30 Prozent ist relativ hoch. Wir haben die Staatssekretärin schon im Dezember im Ausschuss darauf angesprochen, und sie hat uns versichert, dass die Zahlen so bald wie möglich veröffentlicht werden.

Jetzt stehen in drei Wochen Wahlen ins Haus. Werden Sie die Zahlen noch vor den Wahlen veröffentlichen, oder wollen Sie Ihren Wahlkampf nicht gefährden und die Zahlen, die belegen, dass das, was zurzeit in der Landwirtschaft los ist, katastrophal ist, erst nach dem Wahlkampf veröffentlichen? – Danke schön.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, mein Haus arbeitet so schnell wie möglich. Allerdings haben Sie sicherlich Verständnis dafür, dass die Maul- und Klauenseuche bei uns gerade die höchste Priorität hat. Und wenn Ihnen die Landwirtschaft am Herzen liegt – so wie, denke ich, allen hier –, dann wissen Sie: Da brennt gerade der Kittel, und in diesem Bereich müssen wir alles tun.

Ansonsten arbeiten wir alles ab, und was immer vor der Wahl geht, werden wir tun. Aber geben Sie mir – mit Blick auf die Uhr – die Gelegenheit, noch mal zu sagen: Der Strukturwandel der Landwirtschaft hat sich Gott sei Dank endlich verlangsamt. Es bleibt noch genug übrig für die künftige Hausführung; aber wir werden das nur umsetzen können, wenn wir nicht mit 51 Prozent gegen 49 Prozent arbeiten. Planungssicherheit gibt es nur, wenn alle hier zusammenarbeiten.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Porträt von Wolfgang Stefinger
Foto: Prof. Dr. Wolfgang Stefinger/ Nils Schwarz
ca. 65 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an Frau Bundesministerin Schulze. Frau Schulze, wenn ich Ihre Amtszeit in einem Satz zusammenfassen müsste, dann wäre es dieser: weniger Hilfe, aber immer mehr Beamte. Während Ihrer Amtszeit ist das Personal im Entwicklungsministerium um 15 Prozent angewachsen, während die Haushaltsmittel um 25 Prozent gesunken sind. Ich möchte Sie daher fragen: Wofür braucht immer weniger Hilfe immer mehr Verwaltung?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, herzlichen Dank für die Frage. – Was wir verändert haben in der laufenden Legislaturperiode, ist, dass wir uns in den internationalen Gremien viel stärker eingemischt haben. Wir wollen die großen internationalen Geldflüsse mitbeeinflussen, zum Beispiel bei der Weltbank. Das geht nur, wenn man da wirklich präsent ist, wenn man mit Personal in die Diskussionen hineingeht. Wenn wir unsere Rolle international wirklich wahrnehmen wollen, dann müssen wir auch mit dem entsprechenden Personal dort vertreten sein. Gerade wenn man weniger Geld hat, muss man ganz besonders darauf achten, dass man einen möglichst großen Hebel ansetzt. Ich habe in dieser Legislaturperiode an vielen Stellen gezeigt, dass ich das geschafft habe.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Wolfgang Stefinger
Foto: Prof. Dr. Wolfgang Stefinger/ Nils Schwarz
1 Vermerkca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, aufgrund der Erklärung, die Sie gerade gegeben haben, können Sie mir bestimmt erklären, wie es sein kann, dass ein SPD-Mitglied ohne jegliche entwicklungspolitische Vorkenntnis von Ihnen ins Haus geholt wurde – er steht Ihnen für Ihre persönliche Kommunikation zur Verfügung – und dessen befristeter Vertrag jetzt plötzlich, am Betriebsrat vorbei, entfristet werden soll.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Hört! Hört!
Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
2 Vermerkeca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, wir werden hier im Parlament einzelne Personalfragen nicht öffentlich diskutieren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich kann Ihnen aber sagen: Es gibt niemanden, der für meine persönliche Kommunikation zuständig ist. Es gibt eine Pressestelle des Ministeriums, die die Kommunikation organisiert und auch absolut notwendig ist.

Ich kann Sie nur darauf hinweisen, was DEval vor Kurzem im Meinungsmonitor noch mal deutlich gemacht hat: Noch nicht einmal die globalen Nachhaltigkeitsziele sind schon überall in Deutschland wirklich durchgedrungen. Deswegen: In die Kommunikation in Deutschland zu investieren, ist absolut richtig.

Beifallbei der SPD
1 Vermerkca. 70 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Schönen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Sie haben gerade das Thema Multilateralismus angesprochen. Nach Donald Trumps angekündigter Abkehr vom Multilateralismus würde ich ganz gerne von Ihnen hören: Welche Rolle spielt der Multilateralismus aus Ihrer Sicht? Würden Sie mir zustimmen, wenn ich sage, dass es angesichts der Entwicklung in Amerika umso wichtiger wird, dass wir als Bundesrepublik Deutschland den Multilateralismus stärken und alle Ressourcen, die wir haben, in diesen Bereich investieren?

Das hat doch mit der Ausgangsfrage nichts zu tun, Frau Präsidentin!

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 163 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, ich kann dies nur bestätigen. Wir müssen in den internationalen Gremien, wir müssen in den multilateralen Organisationen aktiver sein. Sie schauen sehr stark auf Deutschland, und von Deutschland wird Leadership erwartet. Es wird erwartet, dass wir vorangehen, dass wir zusammenführen, wie wir das zum Beispiel beim großen Thema Hunger getan haben. Dort haben wir ein internationales Bündnis zusammengebracht, das die Hilfe besser koordiniert hat und dann auch zielgerichteter zu den Menschen bringen konnte.

Wir haben das auch bei der Weltbank geschafft. Wir haben den Auftrag der Weltbank verändert. Wir konnten durch neue, innovative Methoden deutlich mehr Geld für die Entwicklungshilfe organisieren. Das ist ein wirklicher Schritt nach vorn. Wenn es uns gelingt, so etwas wie das Hybridkapital, das wir mit der Weltbank entwickelt haben, noch stärker voranzubringen, dann können wir mit jedem Dollar, jedem Euro, den wir einsetzen, acht bewegen. Das ist dann wirklich effizient eingesetztes Geld, und das ist es, was man in diesen multilateralen Organisationen sehr gut umsetzen kann.

ca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, ich will noch einmal auf die Frage von Herrn Stefinger zurückkommen. Das Bundesministerium hat jetzt zum Schluss der Wahlperiode einen überproportionalen Stellenaufbau, aber auch eine überproportionale Anzahl an Beförderungen hingelegt. Darüber kann man denken, wie man will. Aber ich will Sie auf eines ansprechen: Wir hatten angefragt, ob es nicht einen BMZ-Scout in Kinshasa für die Demokratische Republik Kongo gibt. Das Land hat wegen der Rohstoffe, aber auch hinsichtlich der Produktion von grünem Wasserstoff ein enormes wirtschaftliches Potenzial für Deutschland. Für diese eine Stelle in Kinshasa war kein Geld da. Wie können Sie das erklären?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
2 Vermerkeca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, Sie haben angedeutet, ich hätte außer der Reihe Leute befördert. Das ist nicht der Fall. Es werden alle zwei Jahre Regelbeurteilungen gemacht, und danach werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Leistungen – und sie haben enorme Leistungen erbracht – ganz normal befördert. Diese Regelbeförderungen habe ich nicht ausgesetzt; denn niemand hat die Wahl vorhergesehen. Und warum sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses – das Haus ist übrigens lange von FDP und CSU geprägt worden – eigentlich auf ihre Beförderung verzichten?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen habe ich das ganz normal weiterlaufen lassen.

Jetzt ist die Zeit knapp. – Sie fragten, warum es für diese eine Stelle dann kein Geld gab. Das Geld ist insgesamt weniger geworden. Deswegen musste leider bei Projekten eingespart werden, mussten Stellen abgebaut werden. Es war nicht die Zeit, noch viel über zusätzliche, neue Projekte nachzudenken. Ich hätte es gerne anders gehabt. Der Bundestag hat ja noch die Möglichkeit, den Etat des BMZ zu erhöhen. Das wäre eine wirklich sinnvolle Investition.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Vorsitzende. – Frau Ministerin, Sie haben gerade den DEval-Meinungsmonitor erwähnt; auf ihn möchte ich auch gerne eingehen. Und zwar hat der Meinungsmonitor 2024 ergeben, dass 63 Prozent der Befragten der Entwicklungszusammenarbeit positiv gegenüberstehen. Wenn man sich Daten von früher, von Anfang 2023, anguckt, so waren es damals noch 71 Prozent. Also hier gibt es einen Rückgang. DEval selbst sagt, dass da die ungewöhnlichen Aufmerksamkeitsspitzen in der öffentlichen Debatte eine Rolle spielen. Frage an Sie ist: Hat sich in der Zeit in der praktischen Umsetzung der EZ irgendetwas verändert? Oder gehen Sie auch davon aus, dass das vor allem an der inländischen Debatte hängt?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 157 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, die Debatte in Deutschland war nicht ganz einfach. Es gab Kräfte, die hier behauptet haben, dass wir bei der internationalen Zusammenarbeit besser einsparen sollten, dass wir uns in unser Schneckenhaus zurückziehen sollten und nicht mehr in solche Dinge investieren sollten. Die Radwege in Peru waren mehrfach Thema im Parlament, ein Projekt, das mein Vorgänger eingestielt hat und das sehr sinnvoll ist, weil wir so in der Welt CO2 einsparen und deutsche Firmen auch Arbeitsplätze sichern können. Aber ich glaube, dass diese Debatte eben auch dazu geführt hat, dass wir Entwicklungspolitik in Deutschland noch mal erklären müssen, dass wir nicht nur erklären müssen, warum es uns aus Menschlichkeit, aus Solidarität nicht egal sein darf, ob unsere Nachbarn auf dem Nachbarkontinent verhungern, sondern auch die wirtschaftlichen Vorteile für uns darstellen müssen. Wir können diese wirtschaftlichen Vorteile darstellen, und das tun wir jetzt verstärkt. Die Zahlen aus dem DEval-Meinungsmonitor zeigen mir aber auch, dass das notwendig ist.

Porträt von Thomas Rachel
Foto: Thomas Rachel/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! – Frau Ministerin, ich möchte Bezug nehmen auf die Frage des Kollegen Stefinger. Er hat angesprochen, dass ein SPD-Mitglied ohne entwicklungspolitische Vorerfahrung vor gut einem Jahr erst befristet, danach unbefristet eingestellt worden ist. Jetzt ist er kurz vor Toresschluss noch von B 3 auf B 6 befördert worden. Meine Frage an Sie, Frau Ministerin, ist: Halten Sie trotz dieses merkwürdigen Vorgangs an der Beförderung Ihres Parteifreundes aus dem Willy-Brandt-Haus auf die äußerst hohe Besoldungsstufe B 6 fest?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
3 Vermerkeca. 100 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, es ist etwas unüblich, einzelne Personalfragen in einer öffentlichen Sitzung im Parlament zu diskutieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber ich sage Ihnen noch mal sehr deutlich: Es hat Regelbeförderungen gegeben. Es gibt ein System der Beurteilung, das Ihnen als ehemaliger Staatssekretär ja sehr bekannt ist.

Aber nicht vier Wochen vor der Bundestagswahl!

Das findet alle zwei Jahre statt. Und im Rahmen dieser Regelbeurteilung werden dann auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befördert, und zwar für die guten Leistungen, die sie dort bringen. Das ist eine leistungsbezogene Beförderung. Diese Leistungen sind nicht abhängig von dem Parteibuch. In den meisten Fällen weiß ich überhaupt nicht, welche politische Orientierung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
ca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, es ging gerade auch darum, dass die finanziellen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit geschrumpft sind und immer weniger Mittel bereitstehen bei einer gleichzeitigen Überzeugung in der deutschen Bevölkerung, dass wir Mehrausgaben machen sollten und auch Mehrausgaben machen müssen, weil die Weltlage so ist, wie sie ist. Sie haben das eingangs dargestellt. Insofern würde mich noch mal interessieren, wie Sie rückblickend auf die Hamburg Sustainability Conference im Juni schauen, wo vom Ministerium der Versuch unternommen wurde – und auch sehr erfolgreich, wie ich es wahrgenommen habe –, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 140 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, ganz herzlichen Dank, dass Sie noch mal die Hamburg Sustainability Conference erwähnen. Diese Konferenz war der Versuch, die Aufholjagd um die globalen Nachhaltigkeitsziele noch mal zu verstärken, also diejenigen zusammenzubringen, die Lösungen finden müssen. Und das ist auf dieser Konferenz gelungen. Wir haben uns endlich nicht nur Ziele gesetzt, sondern diejenigen, die die Ziele verwirklichen können, an einen Tisch gebracht, zum Beispiel in der Schifffahrt. Diejenigen, die die Schiffe der Zukunft bauen können, diejenigen, die in den Häfen die Treibstoffe zur Verfügung stellen müssen, und diejenigen, die diese neuen Treibstoffe produzieren, sind dort an einen Tisch gekommen, haben ganz konkrete Verabredungen getroffen, sodass wir jetzt schneller auf den Weg kommen. Von dieser Art Vereinbarung gab es ein gutes Dutzend. Das zeigt, dass es Sinn macht, wenn wir Leadership übernehmen, wenn wir die verschiedenen Akteure an einen Tisch holen.

ca. 50 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich möchte direkt an die letzte Frage anschließen mit einer Frage zum neuen Klimafinanzierungsziel, das auf der letzten Weltklimakonferenz beschlossen wurde. Gleichzeitig erleben wir leider, dass wir die 1,5-Grad-Grenze erreicht haben. Welche Bedarfe werden auf die globale Weltgemeinschaft zukommen, und welchen fairen Anteil sollte Deutschland hier übernehmen?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 190 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, ganz herzlichen Dank. – Die Frage des Kampfes gegen den Klimawandel ist eine ganz entscheidende. Wir sehen, welche Herausforderungen diese Klimaveränderungen schon jetzt auf der Welt mit sich bringen, wie stark sich zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent die Landwirtschaft verändern muss, weil es mehr Dürren gibt, weil es mehr Überflutungen gibt. Die Frage, wie sich ein solcher Kontinent ernähren kann, stellt uns einfach vor große Herausforderungen. Deswegen bin ich froh, dass es auf der Konferenz überhaupt noch gelungen ist, Klimaziele miteinander zu vereinbaren.

Was uns jetzt gelingen muss, ist, dass aus diesen Zielen auch Realität wird, dass alle Staaten der Welt mehr für den Klimaschutz tun, und zwar nicht nur in der Frage der Vermeidung, sondern auch in der Frage der Anpassung. Für viele der Entwicklungsländer wird es darum gehen, dass sie sich jetzt schon an nicht mehr rückgängig zu machende Veränderungen in der Welt anpassen müssen. Deswegen ist es mir so wichtig, dass wir beides betonen und sowohl in die Vermeidung als auch in die Anpassung investieren, verbunden mit Investitionen für den Schutz der Biodiversität. Das müssen wir zusammendenken. Das ist etwas, was im Fokus stehen muss.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
1 Vermerkca. 154 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage richtet sich an den Minister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir, dem ich zunächst einmal, auch weil das heute seine letzte Regierungsbefragung ist, ganz herzlich im Namen meiner Fraktion für die hervorragende Zusammenarbeit danken möchte.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD: Oh!

Ich will die Gelegenheit aber gerne nutzen, noch mal das Thema „Unsicherheit und Verunsicherung“ auf die Agenda zu setzen. Vor circa einem Jahr haben wir hier in Berlin und anderswo immense Bauernproteste erlebt. Das hat, glaube ich, mit der großen Unsicherheit zu tun, was die gesamte Branche angeht. Jetzt haben Sie, Herr Minister, eben die Maul- und Klauenseuche erwähnt sowie die Afrikanische Schweinepest, die insbesondere meinen Wahlkreis Mittelems und damit die Grafschaft und das Emsland ganz massiv bedroht hat. Und wir haben auch wieder neue Fälle der Vogelgrippe.

Wie können Sie Sicherheit in diese verunsicherte Branche bringen? Denn das, lieber Herr Minister, ist dringend notwendig. Welche Möglichkeiten auch der finanziellen Flankierung sehen Sie?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 221 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für die Frage, Frau Kollegin. – Zunächst mal, was die Bauernproteste angeht: Die Ursache dafür waren bekanntermaßen die damaligen Kürzungspläne im Rahmen der Haushaltssanierung; ich nenne die Stichworte „Kfz-Steuerbefreiung“ und „Agrardiesel“. Ich will mal in aller schwäbischen Bescheidenheit sagen: Es ist jetzt nicht nichts, dass es uns gemeinsam gelungen ist – ich glaube, einen kleinen Anteil daran hatte auch der Agrarminister –, dass die Kürzungen bei der Kfz-Steuerbefreiung vollumfänglich weggekommen sind und die Steuervergünstigung für Agrardiesel in drei Stufen ausläuft. Die künftige Regierung muss entscheiden, wie sie mit dem umgeht, was jetzt noch ansteht. Mein Eindruck war: Am Ende ging es nicht mehr um den Agrardiesel, sondern es ging um all die Versprechen, die in der Vergangenheit gegeben, aber nicht gehalten wurden. Die Zeit reicht jetzt nicht, um das ausführlich darzulegen.

Was die Krankheiten angeht: Insbesondere die Afrikanische Schweinepest dürfen wir angesichts der Maul- und Klauenseuche nicht vergessen. Auch da droht Ungemach. Die Schweine verfetten. Wir haben ein Problem bei der Schlachtung. Ich will mal sagen: Das Fleisch aus getesteten Betrieben, das nicht positiv getestet ist, ist das bestgetestete Fleisch, das wir in Deutschland haben. Es ist absurd, dass dieses Fleisch nicht abgenommen wird und nicht in den Handel kommt. Da müssen wir dringend etwas machen. Ich bin dazu gerade in Gesprächen; hoffentlich kann ich bald was verkünden.

Sehr gerne, wenn Sie diese zulassen!

– Bitte sehr.

ca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Bleiben wir bei der Verunsicherung und bei der Tierhaltung. Ich bin bekennende Fleischesserin, muss ich gestehen – anders als Sie, Herr Minister. Ich weiß, dass es auch diesbezüglich Verunsicherung gibt, beispielsweise was das Mercosur-Abkommen angeht. Wie können Sie unsere Landwirtinnen und Landwirte beruhigen, dass das eben kein massiver Einschnitt für sie ist – denn das befürchten sie ja –, sondern wirklich etwas, was für uns alle gewinnbringend ist?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 97 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zum Fleischessen nur ein Satz: Jeder nach seiner Fasson – das hat nicht der Landwirtschaftsminister zu entscheiden.

Vielen Dank, Herr Minister!

Und zu Mercosur oute ich mich mal: Ich bin Befürworter. Ich weiß, dafür gibt es nicht immer Applaus auf den landwirtschaftlichen Veranstaltungen. Aber wollen wir angesichts dessen, was da droht an Handelszöllen aus den USA, wirklich sagen, dass man mit uns keine Freihandelsabkommen mehr abschließen kann? Wir brauchen dieses Abkommen, und Teile der Landwirtschaft profitieren auch davon. Wir können nicht sagen: Wir sind Exportnation, aber andere dürfen nicht zu uns exportieren. Faire Bedingungen, ja; aber gleichzeitig auch ein Ja zum Freihandel.

ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. Ich habe eine Nachfrage an Herrn Minister Özdemir. – Herr Minister Özdemir, noch mal im Hinblick auf die Proteste im letzten Jahr: Sie hatten eben gesagt, es war auch Ihnen zu verdanken, dass der Wegfall der Kfz-Steuerbefreiung wieder zurückgenommen wurde. Wir alle wissen aber, dass die Gegenfinanzierung voll zulasten der Fischerei ging, nämlich durch eine Reduktion des Fischereifonds bzw. dadurch, dass weniger Gelder aus dem Windenergie-auf-See-Gesetz der Fischerei zugutekommen. Könnten Sie vielleicht noch mal in einigen Sätzen erklären, warum Sie das für angemessen hielten?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 123 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es gibt, glaube ich, kein Zitat von mir, das besagt, dass ich das für angemessen halte. Ich nehme immer gern Geld, und mit der Summe, die ursprünglich vorgesehen war aus den Offshoreversteigerungen, hätte ich viel Gutes tun können; aber die Lage ist so, wie sie ist. Nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil musste ein Beitrag geleistet werden, damit wir hier eine verlässliche Finanzierung haben. Ich würde mal sagen: Es ist ja nach wie vor so, dass ein Teil der Mittel unserer Fischerei zugutekommt. Sie kennen den runden Tisch und das, was wir da machen. Wichtig ist hier neben der Höhe vor allem die Verlässlichkeit – das heißt, dass die Finanzierung über die Jahre hinweg weiterläuft. Dafür setze ich mich ein. Meine Nachfolger werden es sicherlich auch machen.

Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
1 Vermerkca. 103 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Ich komme noch einmal zurück auf die Ursprungsfrage: Tierhaltung. Ich will noch mal auf das Förderprogramm eingehen, das sich nun ausschließlich auf die höchsten Tierwohlstufen bezieht. Ausschließlich die Tierhaltungsstufen 3 – im alten System – und 4 werden gefördert, obwohl wir nachweislich die Situation haben, dass damit nur 2 Prozent des Marktes abgedeckt werden. Die Nachfrage ist also nicht da.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir haben gesehen, dass in Zeiten der Inflation die Nachfrage nach höherpreisigen Lebensmitteln sogar zurückgegangen ist. Kann man hier nicht zumindest zu der Erkenntnis kommen, dass das BMEL eine – sagen wir mal – Marktferne entwickelt hat, dass sich das nicht am Markt platzieren lässt?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege Stegemann, ich glaube, Sie lesen wie auch ich in den Tageszeitungen die Anzeigen des LEH. Nur macht der LEH im Gegensatz zu mir nicht noch zusätzlich ein Programm dafür; er macht nicht noch zusätzlich ein Herkunftskennzeichen. Der LEH sagt einfach: Ab 2025 nur noch diese Haltungsstufen, ab 2030 ausschließlich. – Das ist der Weg des LEH; das ist das, was auf die Landwirtschaft zukommt. Mein Weg ist, gemeinsam mit der Landwirtschaft mit finanziellen Hilfen dafür zu sorgen, dass künftig nicht mehr die Tiere an die Ställe angepasst werden, sondern umgekehrt. Ich sage Ihnen noch was: Die Mehrzahl der Landwirte will das auch, sie ist bereit dazu; aber sie darf dabei nicht alleingelassen werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine Frage richtet sich ebenfalls an Herrn Bundesminister Özdemir. – Herr Özdemir, es ist unbestritten, dass die Bürokratie für die Landwirtschaft und auch für die vor- und nachgelagerten Industrien eine enorme Last darstellt. In unserer Kleinen Anfrage hatten wir nach der konkreten Höhe der Belastungen gefragt, allerdings keine Antwort bekommen. Deswegen möchte ich es hier noch mal gerne konkretisieren und frage Sie, welches Einsparpotenzial in dem Bereich möglich wäre, wenn Auflagen harmonisiert, notwendige Dokumentationen digitalisiert, unverhältnismäßige Auflagen und bürokratische Anforderungen abgeschafft würden und keine neue Bürokratie eingeführt würde – national und ebenso auf EU-Ebene.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 196 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Wir haben ja ein paar Sachen auf den Weg gebracht, auch manche alte Forderung der Landwirtschaft umgesetzt. Denken Sie an GLÖZ-8, die Stilllegung von 4 Prozent der Fläche. Das ist natürlich ein Beitrag, der an der Stelle hilft. Auch die Länder haben – dafür will ich mich ausdrücklich bedanken – gemeinsam mit dem Bund Vorschläge zur Entbürokratisierung gemacht. Wir haben die Liste abgearbeitet und mal geschaut, was direkt unseren Bereich, die Bundesebene, betrifft. Das sind 74 Vorschläge in unserem Bereich, 38 davon – also mehr als die Hälfte – sind bereits in kürzester Zeit umgesetzt worden; an den anderen sind wir dran. Wir haben aber auch die Verbände und den Handel aufgefordert, Vorschläge zu machen. Auch da sind wir gerade dran, die Regelungsdichte abzuschaffen.

Sie haben völlig recht: Die Digitalisierung ist unser Freund, unser Verbündeter. Und lassen Sie mich an der Stelle sagen: Das sind ja nicht nur die Erfolge des Bundeslandwirtschaftsministers; das haben auch Sie – zumindest am Anfang, als Sie noch in der Koalition waren – mitverfolgt. Erfolgreich wird es aber nur, wenn Länder, Bund und Europa zusammenarbeiten; auch das will ich an der Stelle sagen. Wenn man gegeneinander arbeitet, kriegt man nichts hin.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Bundestierschutzbeauftragte ist unabhängig. Das heißt, ich gebe ihr keine Weisungen oder Aufträge. Sie kritisiert manchmal auch die Arbeit von mir. Das liegt an der Unabhängigkeit einer Beauftragten.

Porträt von Artur Auernhammer
Foto: Büro Auernhammer / Christian Kaufmann
1 Vermerkca. 80 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesminister, ich möchte zum Thema Bürokratieabbau nachfragen. Es gab einen einstimmigen Beschluss der Agrarministerkonferenz aus Oberhof in Thüringen, dass die sogenannte Stoffstrombilanz abgeschafft werden soll; auch Sie haben das begrüßt. Wir haben in einem Vermittlungsverfahren versucht, das auf den Weg zu bringen. Leider war Ihr Haus dann der Meinung, man müsse eine Nährstoffbilanz einführen; wahrscheinlich aufgrund der Initiative von Frau Künast. Dabei wäre das ursprüngliche Vorhaben ein großer Beitrag zur Entbürokratisierung in der Landwirtschaft gewesen.

Nö, ZKL! Bauernverband und ZKL!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
2 Vermerkeca. 145 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke für diese Frage. Ich bin für die Frage wirklich dankbar, weil die Antwort mal so ein bisschen zeigt, was eigentlich auf dem Tisch lag. – Es geht um ein Verfahren aus Brüssel, im Zuge dessen uns Strafzahlungen von bis zu 1 Milliarde Euro drohten, weil die Vorgängerregierung das Thema nicht in Angriff genommen hatte.

So ist es!

Wir sind das Thema in der Koalition angegangen. Und am Ende lag ein Angebot auf dem Tisch, das einen Kompromiss vorsah – ich habe das Angebot aus Mecklenburg-Vorpommern gerade angesprochen –, nämlich dass wir die Stoffstrombilanzverordnung zurücknehmen. Hätten sich alle Seiten etwas bewegt, hätten wir am Ende unsere Vertragstreue gegenüber Brüssel und unseren Willen zur Entbürokratisierung gezeigt. Und das ist doch auch, was Sie wollen: die einzelbetriebliche Prüfung. Der einzige Grund, warum es nicht dazu kam, ist der Wahlkampf: weil Sie nicht wollten, dass es einen Kompromiss gibt. Das ist sehr bedauerlich.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
1 Vermerkca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. – Herr Özdemir, ich will daran erinnern, dass von der Bundesregierung im Vermittlungsausschuss ganz klar vorgeschlagen wurde, dass die Abschaffung der Stoffstrombilanz von einem Monitoring begleitet werden müsse. Sie sind beim Thema Monitoring aber so im Unklaren geblieben, dass uns vollkommen klar war, dass das Monitoring viel mehr an Bürokratie eingebracht hätte, als wir über die Abschaffung der Stoffstrombilanz an Entlastung gehabt hätten. Wir haben deswegen gesagt: Liebe Leute, wir können doch nicht die Katze im Sack kaufen! Können Sie dem zustimmen und nachvollziehen, dass wir Ihre Kritik nicht so stehen lassen können?

Beifallbei der CDU/CSU
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das kann ich sogar sehr gut verstehen; denn es ist Ihnen unangenehm, dass die Öffentlichkeit erfährt, dass aus Mecklenburg-Vorpommern der Vorschlag kam, die Stoffstrombilanzverordnung aufzuheben. Dieser Minister hat gesagt: Ich nehme das an, ich setze das um, lassen Sie uns ein Paket machen. – Jetzt werden Sie genau die Situation erben. Sie müssen von null anfangen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Spaß mit den CDU-geführten Bundesländern.

Wir verlieren wertvolle Zeit. Unsere Bauern verlieren wertvolle Zeit. Davon hat niemand etwas. Und das alles machen Sie nur aus Wahlkampfgründen; denn Sie wollen nicht, dass ich das als Erfolg mit nach Hause nehme. Dabei wäre es unser gemeinsamer Erfolg gewesen. Schade, wirklich schade!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Immer die Bauern im Stich lassen!

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
ca. 57 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Karl Bär ist mein Name. – Ich schließe direkt an die letzte Antwort von Herrn Özdemir auf die Frage von Albert Stegemann an. Ein Ärgernis im Düngerecht ist, dass es sich in den letzten Jahren ständig geändert hat, auch schon unter den Unionsregierungen. Was brauchen wir alles, um ein Düngerecht hinzukriegen, das auch für längere Zeit Bestand hat?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 132 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir brauchen ein Messstellennetz, das gut ausgebaut ist. Das liegt in der Verantwortung der Bundesländer. Einzelne Bundesländer haben das zum Beispiel schon gemacht; Baden-Württemberg ist eines. Das hilft, damit wir Verursachergerechtigkeit hinbekommen. Wir brauchen die Daten. Ich habe extra angeboten: Wir nehmen bestehende Daten, damit wir keine neuen erfassen müssen, damit das Verfahren bürokratiearm ist.

Ich habe sogar gesagt – das ist in der Protokollnotiz nachzulesen –, dass ich bereit bin, vom Vorschlag des Kollegen Hauk aus Baden-Württemberg ein paar Punkte aufzunehmen. Mehr Kompromissbereitschaft geht nicht. Ich glaube, Sie hätten auch Nein gesagt, hätte ich den CDU-Vorschlag eins zu eins umgesetzt, weil Sie das Ergebnis nicht wollten. Das ist einfach schade. Gerade an so einem Tag wird noch mal deutlich: Das hilft niemandem, auch Ihnen nicht. Das nützt nur den Falschen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
1 Vermerkca. 64 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, Ihr Haus hat Syrien – den neuen Herrschern in Damaskus, einem Al-Qaida-Ableger – 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Außenministerin war vor Ort und wurde im Anschluss auf Bildern verpixelt. Man hat ihr auch den Handschlag verweigert.

Ich kenne Sie jetzt seit einigen Jahren. Sie haben immer die sogenannte feministische Entwicklungs- und Außenpolitik propagiert. Ist das Ihre Vorstellung von feministischer Entwicklungszusammenarbeit?

Auf alle Fälle ist es besser als Rassismus!

ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, das gibt mir die Gelegenheit, nachzufragen und darauf hinzuweisen, dass wir ja wissen, dass der Gradmesser für die Freiheitlichkeit und auch den Frieden in einer Gesellschaft die Frauenrechte sind. Das sind die Rechte, die sowohl in Bezug auf die Repräsentanz als auch auf die Art und Weise, wie ansonsten mit Frauenrechten umgegangen wird, in der Regel von totalitären Regimen zuerst eingeschränkt werden. Insofern wäre meine Frage an Sie, welche Vorteile feministische Entwicklungszusammenarbeit hat, wenn wir also zum Beispiel dafür werben, dass mehr Frauen in Friedensprozesse eingebunden werden.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 119 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, die wissenschaftliche Evidenz ist da vollkommen eindeutig: Wenn Frauen beteiligt werden, wenn sie Rechte bekommen, wenn sie repräsentiert sind, wenn sie Zugang zu Ressourcen haben, dann entwickeln sich diese Gesellschaften deutlich besser. Auch sind die Ergebnisse von Friedensprozessen, an denen Frauen beteiligt werden, deutlich nachhaltiger und halten länger.

Aber ihre Beteiligung sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ich finde, dass diejenigen, die sagen, dass Frauen außen vor bleiben sollen, doch mal überlegen müssen, ob das ein wirklich vernünftiger Weg ist, um eine Gesellschaft zu entwickeln. Es ist doch selbstverständlich, dass man das Know-how, das Wissen und die Kompetenzen der gesamten Gesellschaft einbeziehen muss. Eigentlich ist es schade, dass das erst jetzt so in den Fokus gerückt ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Rainer Rothfuß
Foto: Dr. Rainer Rothfuß
1 Vermerkca. 77 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, meine Nachfrage bezieht sich auf die Aussage, die Professor Lauterbach getroffen hat, dass die 6 000 syrischen Ärzte, die nach Deutschland gekommen sind, nicht nach Syrien zurückgehen sollen.

Meine Frage bezieht sich auf die Möglichkeit, vielleicht Entwicklungszusammenarbeit darauf zu fokussieren, eine Remigration dieser Ärzte doch möglich zu machen, diese auch mit Entwicklungshilfegeldern zu fördern und damit zum Wiederaufbau Syriens beizutragen und das Krankenhaussystem dort nach vorne zu bringen,

Damit das Krankenhaussystem hier zusammenbricht, oder wie?

Zurufder Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]

was dringend notwendig wäre. – Danke.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Sie hatten gerade auf die Nachfrage der Kollegin der SPD gesagt, dass es evident wäre, dass die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen zu besseren Ergebnissen führt. Ich würde Sie einladen, am Beispiel von Afghanistan und der heutigen Situation dort klarzumachen, wo dort bessere Ergebnisse durch die Beteiligung von Frauen evident sein sollen, nachdem die westliche Staatengemeinschaft Hunderte von Milliarden Dollar in das Land gepumpt hat, damit dort Mädchen zur Schule gehen können, nachdem dort Tausende von Soldaten, von guten Männern, gestorben sind, um das möglich zu machen, und Sie das Land im Übrigen immer noch über das Büro in Dubai mit Geldern aus dem deutschen Bundesetat füttern.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, Afghanistan ist das Land, wo Frauen die wenigsten Rechte haben. Es ist das Land, das auf der Skala der Rechte der Frauen mit Abstand am schlechtesten abschneidet. Sie können ja jetzt nicht behaupten, dass das ein Land ist, das sich gut entwickelt.

Das alleine zeigt schon: Wenn man die Hälfte der Gesellschaft außen vor lässt, wenn man Frauen nicht beteiligt, wenn man ihnen keine Rechte gibt, dann wird sich so eine Gesellschaft auch nicht nach vorne entwickeln. Und es ist richtig, dass wir hier das wenige tun, was wir im Moment noch tun können, um Frauen in diesem Land zu unterstützen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie sind schon darauf eingegangen: die Sicherheitslage in Syrien. Und tatsächlich: Syrien ist noch längst nicht befriedet. Es gibt sehr viele Regionen, wo noch große Unsicherheit herrscht. Beispielsweise gibt es im Norden Syriens kurdische Gemeinden, die immer noch fast täglich Angriffe erleben müssen.

Welche Maßnahmen sind für die Bundesregierung gerade in der Entwicklungszusammenarbeit wichtig, um insbesondere progressive Akteure zu unterstützen, damit das Land einen Weg in die Stabilität finden kann?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, ja, die Situation in Syrien ist im Moment noch nicht stabil. Es gibt immer noch Kämpfe, und die Situation gerade im Norden und die Situation für die Jesidinnen und Jesiden ist noch sehr schwierig. Deswegen ist es wichtig, dass wir mithelfen, dass sich das Land stabilisiert, dass jetzt möglichst eine inklusive Regierung auf den Weg gebracht wird, die alle Religionsgemeinschaften, alle verschiedenen Gruppen aus dem Land mit in eine Regierung hineinnimmt.

Was wir in dieser sehr schwierigen Situation tun können, ist, zu helfen, das Gesundheitssystem aufzubauen; denn das geht lokal, regional. Da muss man nicht unbedingt mit der Regierung zusammenarbeiten. Das ist der erste Schritt, den wir jetzt gehen werden.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es gibt ja Berichte, dass nach der Machtergreifung dieser Al-Qaida-Truppe oder des Ablegers der Al-Qaida jetzt andere Religionen in Syrien verfolgt werden, unter anderem die Christen. Es gibt Berichte über geschändete und geplünderte Kirchen und Christenverfolgung. Was konkret können Sie uns dazu sagen?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
2 Vermerkeca. 110 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, die Situation in Syrien ist gerade noch sehr unübersichtlich. Wir haben noch keine eigene Botschaft vor Ort, wir haben noch wenige eigene Informationen.

Zurufvon der AfD: Geld schicken wir hin!

Wir haben die Situation, dass sich jetzt ein Zeitfenster öffnet, ein historisches Fenster, in dem Syrien vielleicht ein etwas demokratischeres Land wird, ein Land, das inklusiver ist. Ob es aber in diese Richtung geht, das wissen wir jetzt noch nicht. Deswegen können wir nur mithelfen, diese schwierige Region, in der so viele Menschen auf der Flucht sind, die ja dann auch zu uns fliehen, zu stabilisieren, also mit der Entwicklungszusammenarbeit zur Stabilisierung beizutragen, damit die Menschen dort bleiben können oder in ihre Heimat zurückkehren können.

Also was jetzt?

ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Ministerin, für Ihre Ausführungen. – Sie haben am Beispiel Syrien deutlich gemacht, dass sich hier der Fall Afghanistan nicht wiederholen darf. Müssen Sie nicht das, was Sie budgetär in die Entwicklungszusammenarbeit einfließen lassen, mehr als verdoppeln, gerade wenn es um die Rechte von Frauen geht? Und müssen Sie vielleicht auch deutlich machen, dass dies Männer ebenfalls betrifft? Denn diese sind ja oft die Täter, wenn Frauen sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind.

ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine Nachfrage stelle ich natürlich sehr gerne. Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, die Deutsche Welle hat berichtet, dass unter dem Assad-Regime circa 96 000 Personen verschwunden sind. Es gibt auch Berichte, dass die aktuelle Übergangsregierung noch nicht so richtig das Thema „Transitional Justice“ angenommen hat. Deswegen frage ich Sie, inwieweit die Bundesregierung oder das BMZ hier lebende Angehörige bei der Suche nach den verschwundenen Personen unterstützen.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, das ist ein Thema, das die Außenministerin bei ihrer Reise sehr stark in den Fokus gestellt hat. Sehr viele Menschen sind von diesem Regime in Gefängnisse gebracht worden und verschwunden. Man weiß nicht, wo sie ermordet wurden. Das ist eine ganz schlimme Situation. Das muss aufgeklärt werden, und es muss eine Verfolgung dieser Taten geben. Wir müssen auch hier mit der syrischen Diaspora zusammenarbeiten und helfen, dass es zu einem Friedensprozess in dem Land kommt. Zu einem Friedensprozess gehört eindeutig, dass solche brutalen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgeklärt werden. Das ist in einem Friedensprozess ein ganz wichtiger Punkt.

Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 139 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister, es gibt eine Auswertung der Bilanz der Bundesministerien in der ablaufenden Regierungszeit. Dem Koalitionstracker auf fragdenstaat.de können wir entnehmen, dass Sie im Bundeslandwirtschaftsministerium gerade mal 11 Prozent der Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag in Ihrem Zuständigkeitsbereich umgesetzt haben. Manche sagen: Zum Glück nur 11 Prozent! – Jetzt höre ich aus dem Bildungsbereich, dass es da nicht viel besser ist und Ihre Gesamtbilanz daher wahrscheinlich ähnlich ausfallen dürfte.

Das ist die Bilanz von Lindner!

Neben vielen Ankündigungen von Ihnen zu unterschiedlichsten Themen bleiben die Streichung beim Agrardiesel in Erinnerung – wir sprachen vorhin schon darüber – und Ihre Aussage in der letzten Regierungsbefragung, die finanziellen Belastungen für die Landwirte seien bereits überkompensiert. Denken Sie, Herr Minister, dass die Landwirte auf die drei Jahre der Ampel zurückblicken und sagen: „Der Minister Özdemir hat uns zwar den Agrardiesel genommen, aber insgesamt wurden wir doch überkompensiert“? Denken Sie das wirklich?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
4 Vermerkeca. 204 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für die Frage. – Es gab insgesamt bei uns 84 Vorhaben, die wir durchgeführt haben. Bei Frau Klöckner – ich habe extra nachgesehen, weil ich mit der Frage gerechnet habe; es ist immer ein bisschen erwartbar, was bei Ihnen kommt; dafür bin ich sehr dankbar – waren es 106. Wenn man es in Relation zur Länge der Legislaturperiode setzt, stellt man fest, dass wir ganz gut dastehen.

Jetzt gucken wir uns mal die Sachen im Einzelnen an, beispielsweise das Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes, das nun ein Verbot des Kükentötens vorsieht. Das hat meine Vorgängerin ganz zum Schluss noch durchgesetzt. Nur, leider mussten Fehler korrigiert werden, weil es sonst nicht umzusetzen war, Stichwort „Bruderhähne“; wir haben es korrigiert.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Oder nehmen wir als Beispiele das GAP-Konditionalitäten-Gesetz und das GAP-Direktzahlungen-Gesetz. Wir haben das kräftig entbürokratisiert, weil es ein Bürokratiemonster war,

Beifalldes Abg. Niklas Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Von Klöckner!

was Sie damals verabschiedet haben, und haben bei der Gelegenheit gleich noch Ihre Fehler mit korrigiert.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Sylvia Lehmann [SPD]

Beim Düngegesetz wollte ich für Entbürokratisierung und einzelbetriebliche Gerechtigkeit sorgen. Aber Sie haben das verhindert, nicht Sie persönlich, aber die Parteienfamilie, der Sie angehören. Sie machen leider lieber Wahlkampf, als parteiübergreifend die Dinge voranzubringen. Meine Bilanz kann sich durchaus sehen lassen; ich muss mich da nicht verstecken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 72 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister, jetzt haben Sie sich so gut vorbereitet und meine Frage trotzdem nicht beantwortet.

Heiterkeitbei der CDU/CSU
Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Doch!

Aber wenn Sie sich immer so gut vorbereiten und wissen, was ich frage, dann freue ich mich auf Ihre konkrete Antwort auf die folgende Frage: Die Belastung für die Landwirte durch die Streichung beim Agrardiesel beträgt im Schnitt 3 000 Euro. Bitte rechnen Sie uns doch mal konkret vor, wo da der Ausgleich, die Überkompensation sein soll.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 140 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ihre Frage war tatsächlich erwartbar. Deshalb sage ich Ihnen: Meine Position war ja sehr klar. Ich habe das nicht befürwortet; ich habe aber dafür gesorgt, dass von zwei Maßnahmen anderthalb zurückgenommen worden sind. Das kann man ja mal anerkennen. Und wir haben mit dazu beigetragen, dass es eine Kompensation durch eine steuerliche Tarifermäßigung gibt; das sind Pi mal Daumen 50 Millionen Euro. Seit diesem Jahr ist – ersatzlos bis zum Ende der Förderperiode – die 4-prozentige Flächenstilllegung abgeschafft. Das gilt ab dem ersten Hektar. Zusätzlich stärken wir durch die Novelle zum Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetz, Bürokratieabbau und GAP-Vereinfachungen die deutsche Landwirtschaft. Das lässt sich natürlich schwer quantifizieren, weil es von Hof zu Hof unterschiedlich ist. Die Agrardieselkürzung gilt ja erst mal nicht, sie kommt erst noch; aber die Maßnahmen der Entlastung gelten ab sofort. Das kann man ruhig mal anerkennen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

„Überkompensiert“!

ca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Özdemir, nun waren die letzten Wirtschaftsjahre ja wahnsinnig erfolgreich für die Landwirtschaft. Können Sie uns ausführen, wie sich die Einkommen der Betriebe entwickelt haben, während Sie Minister waren?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe schon vorher etwas dazu gesagt. Ich kandidiere ja nicht noch mal und muss deshalb keine Wahlkampfrede halten. Die positive Einkommensentwicklung ist nicht nur mein Erfolg, sondern zuallererst der Erfolg der deutschen Landwirtinnen und Landwirte. Sie sind diejenigen, die hart arbeiten – das kann man ruhig auch parteiübergreifend anerkennen –, unter schwierigsten Bedingungen während des Ukrainekrieges, der natürlich drastische Auswirkungen auf die Landwirtschaft hatte. Dass die Einnahmen hochgegangen sind, hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass die Preise gestiegen sind. Wie Sie sehen, stelle ich meine Bilanz sehr ausgewogen dar; ich muss nichts schönreden.

Wenn man aber diese Entwicklung mit der in den letzten zehn Jahren vergleicht, dann kann man mit Sicherheit nicht sagen, dass die Jahre, in denen ich verantwortlich war, die schlechtesten für die Landwirtschaft waren, das mit Sicherheit nicht. Das geben die Zahlen eindeutig nicht her.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, der Rahmen ist ähnlich. Ich bin mal gespannt, ob Sie sich darauf vorbereitet haben. Ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode: Ihre Ankündigungen. Sie haben vor Kurzem ein Forschungsrahmenprogramm für Schlüsseltechnologien angekündigt und insgesamt 1,6 Milliarden Euro zur Förderung ins Schaufenster gestellt. Sie sind gar nicht mehr in der Lage, dies mit einer solchen Summe umzusetzen, schon gar nicht 2025. Wir haben dafür keinen Haushalt.

Sie haben heute sehr richtig gesagt: Das Schlimmste, was Wissenschaft passieren kann, ist eine derartige Verunsicherung. Sie sind gar nicht mehr in der Lage – und es ist Ihnen zeitlich auch gar nicht mehr möglich –, dies umzusetzen. Daher: Wie sehen Sie die Auswirkungen?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Albani, ich habe ein Haus mit hoher Verunsicherung und eine Wissenschaftscommunity geerbt, die bezüglich des Hauses viele Fragezeichen hatte. Ich glaube, wenn Sie fair sind, erkennen Sie an, dass es mir gelungen ist, in kurzer Zeit – das war nicht ich alleine, sondern das ganze Haus – verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Wir haben den Digitalpakt 2.0, der davor jahrelang ohne Ergebnis verhandelt wurde, auch mit Ihren Ländern gemeinsam auf den Weg gebracht, das Forschungsschiff auf den Weg gebracht. Wir sind gerade dabei, noch andere Projekte auf den Weg zu bringen. Ich glaube, die Bilanz der kurzen Zeit, in der ich der zuständige Minister bin, kann sich mehr als sehen lassen.

Porträt von Artur Auernhammer
Foto: Büro Auernhammer / Christian Kaufmann
ca. 65 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesminister, ich möchte zur Einkommenssituation in der Landwirtschaft zurückkommen. Es gibt viele Milcherzeuger, die auf Biomilch umgestellt und ihre Ställe tierwohlgerecht umgebaut haben, bei denen aber leider Gottes aufgrund der Hoflage keine Weidehaltung möglich ist. Jetzt kommt die EU-Verordnung zur verpflichtenden Weidehaltung. Was sagen Sie diesen Milcherzeugern, die auf biologische Produktion umgestellt haben und nun keine Zukunftsperspektive mehr haben?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 133 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke für die Frage. – Damit sprechen Sie ein Problem an, das insbesondere uns im Süden betrifft. In Ihrem und auch in meinem Bundesland betrifft das einige Höfe. Für sie stellen sich grundsätzliche Fragen der Verlässlichkeit. Am Montag war ich im Rat in Brüssel, habe mit Kommissar Hansen unter anderem über genau diesen Punkt gesprochen und habe ihn dringend gebeten – er kennt uns ja –, sich dieses Themas anzunehmen. Aber ich freue mich auch über parlamentarische Unterstützung; er gehört ja Ihrer Parteienfamilie an. Lassen Sie uns gerne gemeinsam dafür kämpfen. In der Sache unterstütze ich das völlig. Aber unterstützen Sie gerne auch bei Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation, der dafür sorgen soll, dass die Milchbauern den Preis kennen, bevor sie an die Molkereien liefern. Auch da könnten wir gemeinsam noch etwas machen. Ich bin dabei.

Beifallder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
2 Vermerkeca. 112 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das kann ich Ihnen sagen: Ich glaube, die Länder, darunter auch unionsgeführte, hätten sich nicht darauf eingelassen, wenn ich nicht vorher mit dem Finanzminister gesprochen hätte; er ist jetzt hier leider nicht vertreten. Aber das Finanzministerium hat noch mal ausdrücklich bestätigt – die Pressekonferenz haben Sie sicherlich verfolgt –, dass die erste Stufe des Digitalpakts 2.0 finanziert ist. Natürlich muss die Folgefinanzierung – übrigens gerne auch mit der Möglichkeit, noch mehr Geld bereitzustellen; es wäre gut angelegtes Geld – in der künftigen Legislaturperiode verhandelt werden.

Strengen Sie sich an, Frau Schön!

Vergessen Sie nicht: CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Bund und Länder haben das gemeinsam beschlossen. Ich will die Bundesregierung sehen, die angesichts des Zustands unserer Schulen daran vorbeigeht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
ca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, ich komme zurück zu der ursprünglichen Frage von Herrn Bilger nach den nicht abgeschlossenen Projekten im Ministerium. Ich habe viele kleine Gesetze gesehen – zum Beispiel zu Agrarstatistik, Nutzhanfliberalisierung oder Digitalisierung im Bereich Pflanzenschutzmittelaufzeichnungen –, die jetzt nicht mehr fertig werden. Warum eigentlich werden diese kleinen bürokratischen Entlastungen für die Landwirtschaft nicht mehr fertig?

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister, Sie haben heute Morgen bei uns im Forschungsausschuss gesagt, wie wichtig das Thema „künstliche Intelligenz“ sei, und darauf verwiesen, dass die USA jetzt mit „Stargate“ ein großes Programm auflegen. Tatsächlich haben Sie in Ihrem Haushalt Umschichtungen bei der Batteriezellenforschung vorgenommen und den Haushaltstitel für künstliche Intelligenz gekürzt. Den Widerspruch würde ich gerne mal verstehen; denn bei den KI-Kompetenzzentren verlassen sich viele Akteure in der Forschung auf die Mittel, die gerade im Feuer stehen.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
3 Vermerkeca. 99 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Wir kürzen nicht bei der KI, sondern wir haben im Haushalt die Mittel, die verfügbar waren, zusammengelegt

Lachendes Abg. Thomas Jarzombek [CDU/CSU]

und kommen ungefähr auf 25 Millionen Euro. Aber Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass das drohende Auslaufen der Mittel für die Batteriezellenforschung dazu geführt hätte, dass wir in einem Bereich, der entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, bald weg gewesen wären: Software in den USA, Batterien im Südosten Chinas, und wir dürfen dann Blech biegen. Das wäre keine gute Nachricht für den Standort Deutschland. Sie sollten mir dankbar sein,

Dass Sie die KI kürzen? KI zusammenlegen, Entschuldigung, nicht kürzen!

dass wir, bis die neue Regierung kommt, den Übergang geschafft haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
1 Vermerkca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage hat schon einen wirtschaftlichen Hintergrund, Frau Präsidentin.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Herr Minister, bei den vielen Gesprächen auf der Internationalen Grünen Woche wurde uns verdeutlicht, dass der Pflanzenschutz einen hohen Stellenwert hat, um die Versorgungssicherheit insbesondere bei Obst und Gemüse, aber auch bei vielen anderen Früchten zu erbringen. Jetzt laufen bei über 70 Mitteln die Genehmigungen aus, und das liegt daran, dass das UBA in der Regel die Anwendung der Einvernehmensregelung verweigert. Was tun Sie dagegen, damit die Bauern sich wieder darauf verlassen können, Pflanzenschutz wirklich bewerkstelligen zu können?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Indem ich ganz pragmatisch entscheide, manchmal auch gegen die Kritik von Freunden aus der Umweltbewegung. Als es am Bodensee beim Obst- und insbesondere beim Apfelanbau darum ging, dass man kurzfristig aufgrund der Witterungsbedingungen eine Schnellzulassung brauchte, habe ich das gemacht, auf Bitte des baden-württembergischen Agrarministerkollegen.

Beispielsweise beim Bioweinbau haben wir ein riesiges Problem mit dem Kaliumphosphonat. Auch da bin ich sehr unideologisch und kämpfe in Brüssel für eine Lösung. Also, ich bin da sehr pragmatisch aufgestellt.

Es ist klar: Bestimmte Pflanzenwirkstoffe sind gefährlich, können beispielsweise Erbgut schädigen oder haben möglicherweise negative Folgen für das Wasser. Aber klar ist auch: Wenn wir Pflanzenschutzmittel vom Markt nehmen, braucht es einen vernünftigen Ersatz.

Porträt von Christina Stumpp
Foto: Christina Stumpp / CDU / Steffen Boettcher
ca. 37 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister, wie steht es um das Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz? Die Frage drängt sich auf. Wollen Sie nicht zugeben, dass Ihr Ansatz krachend gescheitert ist, oder fehlt Ihnen schlichtweg der Mut, das Scheitern hier einzugestehen?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
2 Vermerkeca. 130 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Nein, gar nicht. Das ist geradezu Rocket Science, was Sie da gerade zum Besten geben. Es steht in allen Zeitungen, und ich habe es bei vielen Reden gesagt. Danke, dass Sie es noch mal ansprechen. Ich bedauere das sehr. Das lag daran, dass ein Partner – um ein Bild aus der Landwirtschaft zu nehmen – quer im Stall stand.

So schlimm ist die SPD doch gar nicht!

Aber ich hoffe, wir beide sind uns einig – auch Sie haben ja ein Baby bekommen; Glückwunsch dazu –, dass wir ein riesiges Problem haben. 1,8 Millionen Kinder in Deutschland leiden unter Übergewicht oder Adipositas. Die gesundheitlichen Kosten belaufen sich auf 63 Milliarden Euro. Das ist doch absurd. Wir müssen dringend etwas tun, zum Beispiel eine Zuckersteuer einführen, was auch immer. Aber wir müssen ins Handeln kommen. Das kann man nicht so laufen lassen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 88 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Minister, ich wollte noch mal auf die Frage zu der Batterieforschung zurückkommen. Ich würde gerne von Ihnen wissen, in welchem Zustand Sie in Ihrem Haus die Förderung für eine so relevante Technologie vorgefunden haben. Die Förderung ist ja mitentscheidet, wenn es um die Frage geht, ob die Technologien der Zukunft – neue, recycelbare Batterien – aus Deutschland kommen und zur Erhöhung der Attraktivität des Standortes beitragen. Hier konnten Sie kurzfristig das notwendige Geld zur Verfügung stellen. Aber was ist die Perspektive, was wäre eigentlich nötig?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich fange mit dem Letzteren an: deutlich mehr. Deshalb meine Bitte an die künftigen Gesetzgeber – wer immer im Bundestag die Mehrheit hat –: Da muss man jetzt kräftig ran. Wir haben die Chance, dass wir das, was wir in den letzten Jahren bei der Batterieforschung verpasst haben, in der nächsten Generation aufholen.

Ich war bei den Unternehmen, und sie waren sehr dankbar, dass ich eine Überbrückungsfinanzierung möglich mache, um zu verhindern, dass Leute abwandern. Es drohte eine Abwanderung von Wissen aus Deutschland. Wir sehen doch gerade, in was für einem kritischen Umfeld wir in Deutschland sind. Aber auch in Europa werbe ich dafür, dort aktiv zu sein.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
1 Vermerkca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Kollegin, dass Sie dieses wichtige Thema ansprechen. – Auch mir geht es sehr nahe, wenn ich solche Bilder sehe, die unter anderem zeigen, wie die Tiere geschlachtet werden. Wir haben das, was in meinem Kompetenzbereich liegt, getan und die Zertifikate zurückgezogen. Das hat dazu geführt, dass die Exporte in Drittstaaten – wir reden über lebende Tiere, nicht über Samen – spürbar zurückgegangen sind.

Aber auch da will ich ehrlich sein: Ich habe das Problem nicht gelöst, weil die Verladung über Drittstaaten natürlich weiterhin stattfinden kann. Das kann ich gar nicht aufhalten. Ich habe das Problem: Ich kann das Problem nur in Brüssel wirksam lösen. Dabei müssen Sie mir helfen. In Brüssel müssen wir zusammen mit der neuen Kommission endlich eine Änderung herbeiführen, sodass Lebendtransporte von Drittstaaten in Staaten, wo die Tiere nicht nach unserem Recht oder europäischem Recht gepflegt, transportiert und geschlachtet werden, verhindert werden. Alles andere ist ethisch nicht verantwortbar.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, gerne. Vielen Dank. – Sie haben auf die Begrenzung des nationalen Rechts verwiesen. Allerdings gibt es mehrere juristische Gutachten – unter anderem auch vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages –, die dieser Aussage widersprechen und zeigen, dass wir schon national was regeln können. Kennen Sie diese Gutachten? Wenn ja, was sagen Sie dazu? Warum wird das von Ihnen nicht so bewertet? Und warum wird nicht zum Beispiel die erwähnte Checkliste mit einer Empfehlung des BMEL an die Veterinäre gegeben?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
3 Vermerkeca. 157 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wie gesagt, was sollte ich für ein Interesse daran haben, das nicht zu machen? Glauben Sie mir: Das ist nicht schön. Auch vor meinem Ministerium wird manchmal demonstriert. Ich gehe dann zu den Demonstranten und rede mit ihnen, weil ich ihr Anliegen in der Sache ja teile. Alles, was ich darf, habe ich gemacht. Aber ich muss mich an Recht und Gesetz halten. Ich heiße ja nicht Andreas Scheuer und kann eine Maut machen und sagen: Die Strafe zahlt der Steuerzahler.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Bravo! Bravo!

Ich halte mich an Recht und Gesetz. Das habe ich so gelernt, und ich gehe davon aus, dass das alle machen.

Das, was ich machen kann, habe ich gemacht. Und in Brüssel – das kann man nachlesen – kämpfe ich im Kollegenkreis mit anderen Verbündeten darum, dass sich endlich was ändert. Und vielleicht gehört auf die Vorhabenliste auch ein neues Tierschutzgesetz; das hat leider nicht mehr geklappt, weil ein Partner das nicht wollte.

Auch das brauchen wir dringend.

Es war aber immer derselbe quer im Stall!

Das ist nicht zutreffend, Frau Kollegin!

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 175 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Özdemir, ich glaube, Sie können sich ausrechnen, zu welchem Themenkomplex ich fragen möchte. Ich möchte mich übrigens für ein sehr konstruktives Miteinander im Bereich Küstenschutz bedanken.

Jetzt, über ein Jahr nach der verheerenden Sturmflut an der Ostseeküste, hat die Union endlich einen Küstenschutzantrag hier im Bundestag eingereicht, der nach der ersten Lesung an den Ausschuss überwiesen wurde und dessen weitere Beratung mit Blick auf das Ende der Wahlperiode ja eher fraglich ist. Ihr Haus wird da explizit als Ansprechpartner und Adressat in der ersten Forderung erwähnt. Dann soll merkwürdigerweise der Innenausschuss federführend sein, wo Sie ja eher selten Gast sind. Im Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, den Mittelansatz für den Küstenschutz in der GAK im Rahmen der verfügbaren Mittel „langfristig und systematisch zu erhöhen“. Eine gute Sache, wenn es ernst gemeint ist!

Mich würde interessieren: Haben sich die Kolleginnen und Kollegen der Union mit Ihnen zum Küstenschutzantrag ausgetauscht? Und können Sie uns sagen, ob die Union im Haushaltsverfahren für den Haushalt 2025 eine Erhöhung des Mittelansatzes für den Küstenschutz im Einzelplan eingefordert hat?

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Özdemir. – Die Länder melden Ihrem Haus ja immer bis zum 30. September, welche Maßnahmen für das folgende Jahr stattfinden sollen. Jetzt fragt der Schleswig-Holsteiner den Baden-Württemberger: Gibt es im Nachgang zu den Oktobersturmfluten einen Aufwuchs des Antragsvolumens durch Schleswig-Holstein? Gibt es Projekte im Rahmen des Haushaltstitels, die da nicht gefördert werden können?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe mich dafür eingesetzt, dass im Regierungsentwurf zum Haushalt 2025 die Mittel für den Küstenschutz erhalten werden und die Verpflichtungsermächtigungen bis 2030 sogar von 83,8 Millionen Euro auf 96 Millionen Euro erhöht werden.

Ich nutze die Gelegenheit, an die künftige Bundesregierung zu appellieren, daran anzuknüpfen und beim Küstenschutz nicht nachzulassen. Küstenschutzmaßnahmen sind essenziell, nicht nur zum Schutz von Leib, Leben und wirtschaftlichen Existenzen, sondern es geht auch um die Küstenregion insgesamt mit ihrer soziokulturellen, ökologischen und ökonomischen Bedeutung. Noch mal: Danke für Ihr Engagement!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 143 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir sind beim Obst- und beim Gemüseanbau in Deutschland weit von der Selbstversorgung entfernt; das ist auch nicht erreichbar. Aber wir sollten aufpassen, dass wir nicht weiter runtergehen, und da spielen viele Faktoren eine Rolle. Dazu, dass bei uns die Kosten höher sind, trägt der Mindestlohn bei, viele andere Faktoren sicherlich auch.

Ich glaube, dass wir aus übergeordneten Gründen uns ja zu Recht hier verständigt haben, dass wir einen Mindestlohn brauchen, dass eine Lohnuntergrenze Sinn macht, weil wir alle gemeinsam dafür sorgen wollen, dass Armut und Not bekämpft werden, dass Menschen von ihrer Arbeit menschenwürdig leben können.

Wenn wir den Mindestlohn jetzt quasi auf Zuruf erhöhen und nicht die Kommission, die wir eingesetzt haben – nämlich die Mindestlohnkommission, die ja genau dafür da ist –, ihre Arbeit machen lassen, dann trägt das natürlich dazu bei, dass die Wettbewerbsbedingungen für Obst- und Gemüsebau nicht besser werden.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 162 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, wir arbeiten in vielen Kontexten auf der Welt nicht unmittelbar mit den Regierungen zusammen, weil es einfach schwierige Regierungen sind. Ich habe hier heute auch die Forderung gehört, wir sollten mit der Regierung in Afghanistan verhandeln. Weder in Syrien noch in Afghanistan arbeiten wir mit der Regierung, sondern mit lokalen Organisationen, mit regionalen Organisationen, die dort die entwicklungspolitische Arbeit voranbringen, ein Gesundheitssystem aufbauen, helfen, Schulen aufzubauen.

Es ist sehr schwierig, mit lokalen NGOs Regierungsverhandlungen zu führen. Ich weiß nicht, wie das konkret gelingen soll. Ich weiß aber auch nicht, wie man mit Regierungen, die noch nicht anerkannt sind, die eigentlich keinen legalen Status haben, verhandeln soll. Das geht, glaube ich, in solchen Kontexten nicht. Ich halte den Weg der Migrationsabkommen, die diese Regierung angefangen hat, mit einem speziellen Beauftragten, Herrn Stamp, für einen sehr erfolgreichen Weg.

Die Entwicklungszusammenarbeit an solche Bedingungen zu binden, ist bisher noch nirgendwo auf der Welt erfolgreich gewesen und ist, glaube ich, nicht der richtige Weg.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, ich habe eine Nachfrage.

ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin, dass Sie uns alle noch mal verortet haben, wo wir sind und warum.

Ich habe eine Frage an beide, an Herrn Minister Özdemir und an Frau Schulze. Ich möchte wissen – wir reden ja über Bürokratieabbau –, in welchen Bereichen es eigentlich die größten bürokratischen Belastungen für unsere Landwirte gibt. Zum Beispiel haben wir über das Düngerrecht geredet, was die CDU/CSU immer so kritisiert hat, und über Lieferkettenrechte auf europäischer Ebene. Im Zusammenhang mit Düngerecht ging es auch um die Frage: –

ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Was bedeutet das für das Trinkwasser, und wie ist das mit den Kosten für die Verbraucher?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich will dazu sagen: Entwaldungsfreie Lieferketten – das kommt ja aus Brüssel – sind grundsätzlich ein richtiges Anliegen, aber die Art, wie es gemacht war, war extrem bürokratisch. Das hat dazu geführt, dass ich als grüner Minister in einer überwiegend schwarzen Kommission dafür werben musste, dass man den Anwendungsstart verschiebt, eben weil das Vorhaben in der Form einfach extrem bürokratisch und umständlich war.

Zum Düngegesetz will ich sagen: Ich bedaure es sehr, dass es uns nicht gelungen ist, eine vernünftige Lösung zu finden. Ein Kompromissangebot des SPD-Ministers aus Mecklenburg-Vorpommern lag vor. Ich weiß, dass viele in der CDU das annehmen wollten. Aber das ist aus parteipolitischen Gründen gescheitert – zum Nachteil der Landwirtschaft, zum Nachteil auch dessen, –

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– was wir in Brüssel versprochen haben.

Porträt von Dieter Stier
Foto: Dieter Stier / Tobias Koch
ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage passt zum Thema Tierhaltung. Herr Minister, ich habe von der Bundestierschutzbeauftragten einen Brief mit dem Kopfbogen Ihres Hauses mit Empfehlungen zu den Wahlprogrammen erhalten. Ich würde Sie gerne fragen: An welche Parteien hat denn die Bundestierschutzbeauftragte Kari seit dem 3. Dezember – also seit dem Tag, als das Bundesministerium des Innern vom Beginn der Vorwahlzeit ausging – tierschutzpolitische Empfehlungen für die Wahlprogramme zur Bundestagswahl versendet?

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 135 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, das sind ja mehrere Fragen. – Erst mal stimmt Ihre Unterstellung nicht. Wir geben kein Geld an diese syrische Regierung. Es ist eine Übergangsregierung; das habe ich eben in der Beantwortung der Frage auch schon sehr klar gesagt.

Es ist auch nicht so, als würde in Syrien Frauen nicht die Hand gegeben. Ich kann Ihnen aus vielfältigen Begegnungen vor Ort sagen, dass das eben doch der Fall ist. Auch wenn es in dem einen Fall nicht so war, bekommen Frauen sonst generell schon die Hand.

Weil es eben so wichtig ist, dass Frauen gleichgestellt werden, wenn eine Gesellschaft vorankommen soll, ist es auch absolut richtig, dies zu einer Priorität zu machen. Sie müssten mal begründen, warum eigentlich die Hälfte der Gesellschaft außen vor bleiben soll

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

und warum das dann eine Gesellschaft nach vorne bringt.

Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
1 Vermerkca. 82 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für Ihre Erläuterungen. – Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass Sie gerade gesagt haben, dass quasi alle Frauen in Syrien die Hand bekommen – außer unsere Bundesaußenministerin; das ist sehr bedauerlich.

Passt die Antwort nicht zu Ihrem Video, oder was?

Aber jetzt zur eigentlichen Frage. Wir haben 600 000 Syrer in Deutschland, die einen beschränkten Aufenthaltstitel haben. Nachdem Sie Syrien Geld gezahlt haben, müssen diese Leute jetzt eigentlich rückgeführt werden. Also meine Frage: Was machen Sie dafür, dass diese – über eine halbe Million – Syrer jetzt rückgeführt werden? Herr Trump zeigt ja, –

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 118 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, erst mal habe ich nicht das gesagt, was Sie gerade behauptet haben, sondern ich habe wiederholt, was die Außenministerin selber gesagt hat, nämlich dass ihr in weiteren Gesprächen die Hand gegeben wurde, was auch eine Selbstverständlichkeit ist.

Was ist mit den Syrerinnen und Syrern? Ich kann Ihnen nur empfehlen: Fahren Sie doch mal nach Damaskus.

Aber nicht auf unsere Kosten!

Fahren Sie in den Stadtteil Dschobar, den das Regime von Assad hat bombardieren lassen, wo alle Menschen rausmussten, wo nichts mehr steht außer die Gerippe von Gebäuden, wo selbst Kirchen, Synagogen, Moscheen geplündert wurden, wo es kein Wasser gibt, wo es keinen Strom gibt, wo es keine Schule gibt und keine Gesundheitsversorgung. Dorthin Leute zurückschicken zu wollen, das ist einfach unmenschlich.

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen ist das eine Forderung, die ich jedenfalls so nicht unterschreiben kann.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, erst mal verstehe ich Herrn Lauterbach, der sagt, dass wir bei dem Ärztemangel, den wir gerade haben, nicht so gut auf eine große Anzahl von Ärztinnen und Ärzten und Pflegekräften verzichten können und dass er als Gesundheitsminister darum wirbt, dass wir Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte behalten und sogar noch welche aus dem Ausland zu uns holen. Das braucht unser Gesundheitssystem.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was wir jetzt tun, ist, dazu beizutragen, dass die syrischen Ärztinnen und Ärzte, die wir hier haben, die hier gut integriert sind, die in Krankenhäusern arbeiten, trotzdem durch Klinikpartnerschaften helfen können, in ihrem Heimatland etwas wieder aufzubauen. Diese Klinikpartnerschaften helfen, das Know-how, das Wissen nach Syrien zu bringen. Diejenigen, die wollen und können, werden sicherlich, wenn die Situation in Syrien friedlicher geworden ist, –

Porträt von Svenja Schulze
Foto: Svenja Schulze/ Photothek Meida Lab
Svenja SchulzeSPD· Bundesministerin BMZ· MdB
ca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, wir waren ja eines von zwei Ländern – neben Großbritannien das einzige Land –, das im Norden Syriens noch vor Ort vertreten war. Deswegen haben wir Kenntnisse über diese Region und können jetzt daran andocken und darauf aufbauen. Natürlich wäre es sinnvoll, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um mitzuhelfen, die Situation zu stabilisieren. Das ist vollkommen klar: Wenn wir helfen, ein Gesundheitssystem aufzubauen, dann ist die Bedingung, dass alle dieses Gesundheitssystem nutzen können, Männer und Frauen, dass es inklusiv ist, dass alle Religionsgruppen gesundheitliche Leistungen bekommen. Das ist eine unserer ganz wichtigen Grundlagen. Alle wissen, dass das einer der zentralen Werte ist, wenn sie mit uns zusammenarbeiten

3 Vermerkeca. 108 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister, jetzt haben Sie sich gerade so schön selbst gelobt, dass Sie angeblich die Verunsicherung beseitigt haben. Also, ungedeckte Schecks zu verteilen, erhöht eher die Verunsicherung und beseitigt sie nicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie haben 1,6 Milliarden Euro für die Schlüsselinnovation ins Schaufenster gestellt, ohne Grundlage, und beim Digitalpakt haben Sie 2,5 Milliarden Euro versprochen. Aber wir haben keinen Haushalt. Sie haben das also auf keiner finanziellen Basis versprochen.

Haben Sie jetzt Angst, dass Sie das umsetzen müssen?

Die Grünen haben das noch nicht mal in ihr Wahlprogramm aufgenommen, und Sie selbst kandidieren auch gar nicht mehr für den Bundestag.

Ja, aber Minister ist Minister!

Daher frage ich Sie: Wo soll die Versicherung jetzt herkommen, dass all das, was Sie versprochen haben, –

1 Vermerkca. 3 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– auch tatsächlich kommt?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 143 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Das sind wirklich Sachen – danke, dass Sie darauf hinweisen –, die man oft nicht sieht. Manche Sachen überraschen übrigens auch mich. Ich denke zum Beispiel an die Ohrmarken. Sie als Milchbauer kannten das. Wir beide haben zusammen an der Hauptalmbegehung teilgenommen. Ich wusste das vorher nicht: Wenn beide Ohrmarken weg sind, fliegt man aus der Förderung. Wenn Sie aber mit den Landwirten reden und sie fragen, ob sie ihre Rinder kennen, dann nennen sie oft ihre Namen. Das heißt, es ist doch nachgerade absurd, dass die Förderung aufgrund fehlender Ohrmarken wegfällt. Wir haben das geändert. Das hätten wir gerne auch schon früher ändern können.

Dass man den Hofbesitz jedes Jahr nachweisen muss, ist nicht notwendig. Das haben wir abgeschafft. Wir haben bei den Blühstreifen für mehr Flexibilität gesorgt. Wir sind dabei, die Regelungen zum Agroforst – ich bin ein Riesenfan davon – zu ändern.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 1 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Okay.

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
2 Vermerkeca. 163 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an den Landwirtschaftsminister. Ich möchte mit einem Zitat von Mahatma Gandhi beginnen: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“ Nachdem wir vorhin aus meiner Sicht hier einen parlamentarischen und moralischen Tiefpunkt hatten,

Oh! Nennt sich „Demokratie“!

möchte ich eine Frage zum Tierschutz stellen.

Wir haben im letzten Jahr durch die Berichterstattung erfahren, dass 69 tragende Rinder wochenlang an der bulgarisch-türkischen Grenze festsaßen und Kälber unter bestialischen Umständen zur Welt gebracht haben. Immer wenn so was passiert, ist der moralische Aufschrei groß, und dann kommt wieder gar nichts.

Aus meiner Sicht wäre schon heute eine deutliche Einschränkung risikobehafteter Tiertransporte möglich, wenn die Einhaltung von EU-Rechtsvorschriften umfassend und aktiv geprüft würde. Dazu haben die Fachzeitschriften „Amtstierärztlicher Dienst“ und „Tier- und Artenschutz in Recht und Praxis“ eine sogenannte Checkliste für Genehmigungen von Tiertransporten veröffentlicht.

Auf die Zeit achten!

Dazu möchte ich wissen: Plant das BMEL, eine Empfehlung an die Länder auszusprechen, ihre Veterinärbehörde anzuweisen, –

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL sowie BMBF· MdB
ca. 186 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Letzteres ist mir nicht bekannt. Gespräche mit mir gab es leider auch nicht, sonst hätten wir sicherlich den einen oder anderen hilfreichen Tipp geben können. Ich habe die letzten Jahre damit verbracht – Sie wissen das; wir haben da oft miteinander gerungen; danke für die Unterstützung –, mich dafür einzusetzen, dass die GAK-Mittel stabil bleiben. Mir ist wichtig: Wir zahlen mehr als sonst. 70 Prozent zahlt der Bund, obwohl das eine Aufgabe der Kommunen und Länder ist. Es ist sehr gut angelegtes Geld. Denn das ist nicht nur Ihre Aufgabe. Es ist auch meine Aufgabe als Baden-Württemberger. Der Küstenschutz ist eine nationale Aufgabe. Deshalb ist es richtig, dass wir das über die GAK finanzieren.

Lassen Sie mich – da Sie mir gedankt haben – auch Ihnen danken, stellvertretend für alle Abgeordneten von den Küsten. Sie machen wirklich einen tollen Job, dass Sie das Thema hier immer wieder ansprechen. Ich glaube, wir unterschätzen manchmal, welche Bedeutung das für die Menschen vor Ort hat. Ich war dank Ihnen vor Ort und habe mir das angeschaut. Es ist alles andere als einfach, sich angesichts der Klimaveränderungen auf immer neue Herausforderungen einzustellen.

Tagesordnung8 RedenReaktionswert: hoch
Porträt von Rolf Mützenich
Foto: Rolf Mützenich / Photothek Media Lab
7 Vermerkeca. 131 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Im Namen der SPD-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantrage ich die Unterbrechung des Plenums.

Wir sind der Überzeugung, Herr Kollege Merz, dass wir nicht so einfach zur Tagesordnung des Plenums übergehen können –

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

nicht nach dieser Debatte, nach der Zäsur,

Das ist Demokratie!

nicht, nachdem die Union aus der politischen Mitte dieses Hauses ausgebrochen ist. Das geht nicht!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Das ist unfassbar!

Wir haben bis zum Schluss gewarnt.

Frau Präsidentin, ich möchte Ihnen ausdrücklich sagen: Wir kehren ins Plenum zurück, und wir werden hier unsere Arbeit machen.

Das ist das Mindeste!

Wir werden noch etwas für den Mutterschutz tun. Wir werden etwas zum Schutz von Frauen vor Gewalt tun.

Tun Sie was in der Migration!

Wir werden uns nicht verabschieden aus unserer Verantwortung – wie andere. Wir lassen nicht andere im Stich und schon gar nicht die Demokratie, meine Damen und Herren.

11 Vermerkeca. 182 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Haßelmann, ich hoffe, Sie haben für eine Sache Verständnis:

Nein! Bei Ihnen nicht mehr!

Meine Fraktion wird ihre Meinung zu Anträgen einer demokratischen Partei wie der CDU/CSU

Das sind zwei Parteien!

nicht von radikalen Parteien in diesem Haus abhängig machen. Demokratie heißt, eine freie, eigene, souveräne Entscheidung treffen zu können.

Zurufevon der SPD

Und das Gesprächsangebot an diese Hälfte des Hauses gab es im Sommer, als die Freien Demokraten noch Mitglied einer Ampelregierung waren. Damals haben wir den Schulterschluss mit der CDU gesucht, um nach Solingen aus der Mitte heraus eine Antwort auf die Migrationsprobleme, die wir in Deutschland haben, gemeinsam zu finden.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], auf die CDU/CSU zeigend: Die sind vom Tisch aufgestanden!

Und die SPD, der damalige Kanzler einer Ampelregierung, hat dieses Gesprächsangebot abgelehnt.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das stimmt nicht!

Die Probleme sind nicht weniger geworden, sie sind virulenter geworden, und deswegen suchen die Menschen eine Antwort in der Mitte.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Und für diese Antwort sind vor allem Sie alle gemeinsam verantwortlich.

Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], auf die CDU/CSU zeigend: Die sind vom Tisch aufgestanden!

Natürlich können Sie sich jetzt noch mal Gedanken machen, wie weiter zu verfahren ist.

Zurufevon der SPD

Es würde mich freuen, wenn Sie mal nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen würden, sondern Sie selber jetzt noch Lösungsvorschläge in dieses Haus einbringen würden.

Zurufvon der CDU/CSU: Ja, genau! Nicht nur Weiter-so!

Danke.

Beifallbei der AfD
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
8 Vermerkeca. 171 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das ist wahrlich ein historischer Moment.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Herr Merz, Sie haben geholfen, den hervorzubringen. Und jetzt gehen Sie ans Mikrofon und stehen hier mit schlotternden Knien

Lachendes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

und bibbern und entschuldigen sich und bedauern das.

Nee! Gar nicht!

Kanzlerformat war das nicht, Herr Merz!

Beifallbei der AfD

Wo waren Sie denn gerade?

Denn in allen westlichen Ländern – in allen westlichen Ländern! – gibt es diese Gegenbewegung gegen den links-grünen Mainstream: in den USA mit Trump, in Italien mit Meloni, in den Niederlanden mit Wilders, in Österreich mit Kickl. Überall, in allen westlichen Ländern, und jetzt auch in Deutschland. Das ist eine breite Bewegung des Bürgertums in allen westlichen Ländern.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Die ist heute und hier in Deutschland angekommen. Das bedeutet das Ende der rot-grünen Dominanz auch hier in Deutschland – für immer!

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Bravo!

Jetzt und hier beginnt eine neue Epoche. Jetzt beginnt was Neues, und das führen wir an, das führen die neuen Kräfte an. Das sind die Kräfte von der AfD. Sie können folgen, Herr Merz, wenn Sie noch die Kraft dazu haben.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Ihr Erbe, Herr Merz!
Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der AfD: Hoi!

– Mäßigen Sie sich bitte. Danke schön.

Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
10 Vermerkeca. 393 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Merz, allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei – eine christlich-demokratische Partei! – diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert. Das ist es, was Sie tun!

Beifallbei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und ich sage Ihnen: Sie haben die Mehrheit mit der AfD nicht in Kauf genommen. Das sind keine Zufallsmehrheiten. Sie haben diese Mehrheiten gesucht. Gemeinsam mit der FDP haben Sie diese Mehrheiten gezielt gesucht, und das ist das verdammte Problem, und Sie verstehen es bis jetzt noch nicht.

Beifallbei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und das nur zwei Tage, nachdem wir der Befreiung von Auschwitz gedacht haben. Zwei Tage, nachdem wir der Ermordeten und Gequälten gedacht haben, arbeiten Sie mit denen zusammen, die genau diese Ideologie jetzt weitertragen.

Zurufvon der Linken

Ihre Kommentare, die ich hier gerade höre, sagen verdammt viel über Sie aus. Der Jubel, den Sie die ganze Zeit bekommen, der zeigt doch, wem Sie hier gerade in die Karten gespielt haben.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir jubeln Ihnen zu, weil Sie eine tolle Rede halten!

Und die Menschen werden am Ende immer das Original wählen, immer. Und jetzt stellen Sie von der Union sich wirklich noch hierhin und sagen: Sie alle, Sie Demokratinnen und Demokraten hätten ja zustimmen können. – Abgesehen davon, dass Sie nie eine Zusammenarbeit angeboten haben, uns ja sowieso nicht! Bier trinken mit Rechtsextremen? Kein Problem! Aber mit Leuten zusammenarbeiten, die Menschenrechte für alle wollen? Da ist natürlich Ihre Grenze. Ist klar!

Beifallbei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Also! Das ist jetzt wirklich schäbig!

Abgesehen davon, dass es diese Gesprächsangebote nie gab, sagen Sie jetzt wirklich: Wir machen jetzt hier so einen rassistischen und rechtswidrigen Antrag, und wenn Sie jetzt alle nicht zustimmen, ja, dann können wir halt nicht anders, dann müssen wir mit den Rechtsextremen arbeiten! – Was ist das denn für eine erbärmliche Aussage?

Beifallbei der Linken und der SPD

Ich sage Ihnen, Sie machen sich damit zum Steigbügelhalter. Sie haben dieses Land heute zum Schlechteren verändert. Und ich wiederhole das, was ich in meiner Rede gesagt habe: Egal wie sehr Sie es versuchen, die Brandmauer in diesem Land, das sind immer noch wir.

Lachendes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Und wir alle werden auf die Straße gehen. Wir alle werden an die Wahlurnen gehen. Und das kann ich Ihnen versprechen: Wir werden dafür sorgen, dass das jetzt hier ein Ende hat.

Und ich sage auch an die Adresse von SPD und Grünen: Schließt eine Koalition mit dieser Union aus. Es kann euch nur schaden.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber ich sage auch den Menschen da draußen: Gebt nicht auf, sondern wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Faschismus im Land.

Lachenbei der AfD

Auf die Barrikaden!

Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
11 Vermerkeca. 330 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Wenn Sie so viel Wert legen auf die Einhaltung demokratischer Regeln,

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufevon der SPD

dann wäre ich dankbar, wenn Sie auch die Regel einhalten, dass wir uns hier gegenseitig wenigstens kurz zuhören.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich habe das bei Ihrem Kollegen Mützenich gemacht. Ich nehme das gleiche Recht auch für mich Ihnen gegenüber, gegenüber der SPD-Fraktion, in Anspruch.

Sie haben das Ergebnis der Abstimmung zur Kenntnis genommen. Wir auch. Wir haben am Freitag eine weitere Abstimmung vor uns. Diese Abstimmung betrifft einen Gesetzentwurf, der von uns im September des letzten Jahres in den Deutschen Bundestag eingebracht worden ist und der hier am Freitag zur Abstimmung steht.

Ich will wiederholen, was ich heute Nachmittag in meiner Rede gesagt habe: Ich suche in diesem Deutschen Bundestag keine anderen Mehrheiten als die in der demokratischen Mitte unseres Parlaments.

Und wenn es hier heute eine solche Mehrheit gegeben hat, dann bedaure ich das.

Ich unterbreite Ihnen aber für den kommenden Freitag das Angebot, dass wir – –

Sie glauben doch nicht, dass wir nach der Geschichte mit Ihnen jetzt noch zusammenarbeiten!

– Herr Klingbeil, ich unterbreite Ihnen ein Angebot. Das können Sie annehmen oder ablehnen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wenn Sie so viel Wert darauf legen, dass in der demokratischen Mitte dieses Parlaments gemeinsame Mehrheiten zustande kommen, dann fordere ich Sie auf, bis Freitag mit uns darüber zu sprechen,

Der Fritze wieder!

wie wir mit Ihnen zusammen eine Mehrheit für den von uns eingebrachten Gesetzentwurf hier im Deutschen Bundestag erzielen. Wenn Sie sich dieser Verantwortung entziehen, dann bleibt es Ihre Verantwortung, dass darüber keine Mehrheit zustande gekommen ist.

Sie können vieles tun, aber Sie können frei gewählten Abgeordneten dieses Deutschen Bundestages und auch meiner Fraktion nicht das Recht absprechen, Anträge zur Abstimmung zu stellen, die wir in der Sache für richtig halten, auch wenn es Ihnen mit Ihrer Minderheit von SPD und Grünen im Deutschen Bundestag nicht gefällt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das werden wir nicht zulassen. Das habe ich in meiner Rede heute begründet. Und dabei wird es auch bis Freitag bleiben, es sei denn, Sie kommen zur Vernunft. Das Gesprächsangebot von mir steht.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das Wort hat Britta Haßelmann für Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
22 Vermerkeca. 337 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute ist ein historischer Tag,

und zwar im negativen Sinne.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn in diesem Parlament sind heute – vor dem Hintergrund unserer Geschichte –

Zurufvon der FDP: Hätten Sie doch zugestimmt!

zum ersten Mal wissentlich und sehenden Auges – Herr Merz, Sie haben das zu verantworten,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Dramatisieren Sie doch nicht so!

Sie und Ihre Fraktion – Mehrheiten jenseits der demokratischen Mitte gesucht und billigend in Kauf genommen worden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Und das, meine Damen und Herren, verantwortet niemand anderes als Sie von CDU und CSU, die den Kurs so vorgegeben haben.

Gehen Sie einfach nach Hause, Frau Haßelmann!

Ich finde es bemerkenswert, dass Sie sich hierhinstellen und über Freitag reden.

Worüber sonst?

Ich rede über heute,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

und das schmerzt, meine Damen und Herren. Wer die feixenden Gesichter der AfD sieht,

Wir freuen uns halt ein bisschen! Das ist ein Zustand, der Ihnen völlig fremd ist!

des Rechtsaußen in diesem Parlament, der Rechten und zum Teil Rechtsradikalen und Rechtsextremen,

Das war es mit Pädophilen und Päderasten!

in deren Reihen Leute sind, die sogar sagen: „Ich bin das freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“ – Zitat Ende –,

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das ist doch Blödsinn! Das ist doch Quatsch! Das gibt es nicht in unserer Fraktion!

wer mit solchen Leuten Mehrheiten findet, kann doch nicht im Ernst so tun, als gingen wir jetzt zur Geschäftsordnung über, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Der Antrag der Union auf Drucksache 20/14698

Das hässliche Gesicht der Grünen!

hat abgegebene Stimmen 703,

Sie haben auch mitgeschrieben!

348 Jastimmen, das heißt eine Mehrheit, 345 Neinstimmen und 10 Enthaltungen.

Das ist Demokratie! Fertig!

Herr Merz, damit würde ich mich beschäftigen, statt einen Appell – weil Sie jetzt merken, was Sie hier verursacht haben –

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

und eine Drohung an SPD und Bündnis 90/Die Grünen zu richten.

Frau Haßelmann!

Meine Damen und Herren, ich kann nur eins sagen: Niemand hat uns das Gespräch zu den vorliegenden Anträgen angeboten.

Künstliche Empörung!

Nachdem ich von den Anträgen aus der Zeitung erfahren habe, habe ich eine E-Mail bekommen, in der stand: Prüfen, Bitte um Zustimmung. Da stand nicht: „Wir beraten“, wie wir, Rolf Mützenich, Katharina Dröge, es normalerweise in den Fraktionen der demokratischen Mitte machen.

Sie waren noch nie in der demokratischen Mitte, Frau Haßelmann!

So war die Ausgangssituation, und die haben Sie zu verantworten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Und wenn man in die Gesichter der AfD sieht, dann weiß man, was heute passiert ist. Und dafür tragen Sie die Verantwortung, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Eins will ich noch an die Adresse der FDP sagen:

Hat sie unbegrenzt Redezeit?

Wer sich rechts von der CDU/CSU und der AfD einsortiert, –

Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
1 Vermerkca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– muss nicht glauben, dass er für seine liberale Tradition rund um Gerhart Baum Zustimmung erfährt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
Zurufvon der AfD: Ihre grüne Hetze!
12 Vermerkeca. 897 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute ist der Wirtschaftswarntag: Heute haben uns 50 Unternehmensverbände davor gewarnt, dass der wirtschaftliche Zustand dieses Landes im Moment katastrophal ist. Das ist ein riesiges Problem, und das ist etwas, das wir hier sehr, sehr ernst nehmen müssen; denn von der Wirtschaft hängt in diesem Land vieles, wenn nicht alles ab. Zumindest ist ohne ein Wirtschaftswachstum, ohne eine funktionierende Wirtschaft in diesem Land kein Vorankommen möglich. Und deswegen lohnt es sich, darüber zu diskutieren, darüber zu streiten, was die richtige Lösung dafür ist, damit wir mit diesem Land endlich wieder nach vorne kommen.

Beifallbei der FDP

Was tun wir hier viel zu oft? Wir reden über Details von Wirtschaftspolitik, die in ihren Strukturen vielleicht wichtig sind, was aber die großen Fragen dieses Landes nicht beantwortet. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir jetzt darüber sprechen. Es ist aber vor allem wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes dahin gehend eine Richtungsentscheidung treffen können, zu einer echten Wirtschaftswende zu kommen und dafür zu sorgen, dass die strukturellen Probleme endlich aufgegriffen und gelöst werden.

Zurufdes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Zum einen braucht es sicherlich eine Debatte darüber, was der Kern des Problems ist. Der Kern des Problems ist – das hat sich in den letzten Jahren gezeigt –, dass der Deal, den es mal zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen Staat und Unternehmen gab, geplatzt ist. Wir hatten den Deal: Es gibt günstiges Gas aus Russland, es gibt Wirtschaftswachstum in China, es gibt Sicherheit exportiert aus den USA. All das gibt es heute nicht mehr. Gleichzeitig hatten wir hohe Unternehmensteuern und starkes Wirtschaftswachstum. Wenn der Deal auf der einen Seite, nämlich politisch, aufgelöst wurde, ist doch klar, dass es in der Wirtschaft nicht weitergeht. Und deswegen brauchen wir ein neues Versprechen.

Beifallbei der FDP

Dabei gibt es jetzt zwei Sichtweisen, wie man die Wirtschaft wieder nach vorne bringen kann. Es gibt die Sichtweise – ihr entspricht der Geist des Jahreswirtschaftsberichts, der hier morgen diskutiert werden wird –, dass der Staat eigentlich gar kein großes Standortproblem hat, sondern vor allen Dingen mehr Geld ausgeben muss.

Nein, der Staat hat ein Politikproblem!

Der große Diskurspunkt, der dabei immer wieder gesetzt wird, ist, dass der Staat am besten wüsste, was ihn durch Einzelsubventionen, durch Verbote, durch Einzelsteuerung der Wirtschaft jetzt wirklich und endlich wieder nach vorne bringen würde. Als ob das jemals funktioniert hätte, meine Damen und Herren!

Beifallbei der FDP

Diese Idee hat weder hier noch in irgendeinem anderen Staat jemals funktioniert.

Wir müssen die Debatte endlich auf die andere Seite dieses Lagers bringen, und das ist die Seite derjenigen, die sagen: Der Staat schafft nur den Rahmen. Der Staat trifft aber nicht die wirtschaftliche Entscheidung des einzelnen Unternehmens. Das kann der Staat gar nicht.

Beifallbei der FDP

Der Staat weiß nicht, welche Technologie die bessere ist. Der Staat kann das auch gar nicht wissen. Und deswegen sollten wir uns darauf konzentrieren, endlich wieder den Standort Deutschland nach vorne zu bringen.

Ich gebe mal ein Beispiel, weil wir hier in diesem Bundestag, wo wir viel miteinander ringen, viel darüber diskutieren, was das Richtige, was das Falsche ist, oft bei den kleinen Lösungen bleiben. Natürlich gehören zum Standort Deutschland günstige Energie, niedrige Steuern, gute Arbeitskräfte, gute Ausbildung, gute Infrastruktur. Aber es geht eben auch um Vertrauen darauf, dass Bürgerinnen und Bürger, dass vor allen Dingen aber auch Unternehmen endlich wieder selbst Verantwortung für sich übernehmen können.

Was ist das größte Misstrauensvotum, das wir einer Unternehmerin, einem Unternehmer geben können? Die Bürokratie! Das ist das Nachfragen zu Einzelzahlen, zu Fakten, zu Berichten. Das ist das, was Unternehmen in Deutschland lähmt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es schaffen, ob wir je die Kraft haben, nicht nur über einzelne Details zu sprechen, sondern endlich mal darüber zu sprechen, wie wir an die Wurzel des Problems herankommen, wie wir dazu kommen, Bürokratie radikal abzubauen.

Beifallbei der FDP

Warum schaffen wir denn nicht mal ein bürokratiefreies Jahr? Warum sagen wir nicht mal: „Es gibt ein Jahr lang – bis auf Steuererklärungen – keine Berichte“? Und dann schauen wir uns mal ganz genau an, was von der Bürokratie eigentlich notwendig ist. Dann schauen wir uns mal ganz genau an: Welche Berichte kann man sinnvoll zusammenfassen? Welche muss man überhaupt einbringen? Und warum geben wir den Behörden nicht endlich mal die Chance, sich komplett zu digitalisieren?

Wir sollten eine einheitliche Plattform schaffen, auf der dann das zusammenläuft, was heute jede Unternehmerin, jeden Unternehmer – vom Bäcker bis zum Großkonzern – quält, nämlich diese ganzen Berichte, das ganze Misstrauen, das wir ihnen entgegenbringen, weil wir nicht glauben, dass Kühlketten anständig funktionieren oder Lieferketten sinnvoll aufgestellt sind. Das ist doch das Problem, um dessen Lösung wir ringen. Damit verbunden sind die radikalen Lösungen, die dieses Land endlich braucht. Es braucht nicht das kleinliche Schrauben an einzelnen Maßnahmen; vielmehr geht es darum, wirklich mal zu überlegen, an welcher Stelle wir ansetzen können.

Beifallbei der FDP

Weil dies voraussichtlich – zumindest für eine Zeit, egal wie die Wahl ausgeht – meine letzte Rede in diesem Bundestag sein wird: Ich glaube, dass wir uns in diesen Reihen manchmal zu sehr auf das Klein-Klein

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und ein bisschen zu wenig auf die großen Linien fokussieren. Manchmal ringen wir ein bisschen zu wenig darum, was man in den Diskussionen wirklich nach vorne bringen kann, und ganz oft streiten wir zu viel über Details. Ich glaube, wir haben eine Verantwortung, den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes das Gefühl zu vermitteln, dass die großen Probleme hier angegangen werden.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich hoffe, das wird in den nächsten Jahren passieren, auch wenn Sie, Frau Künast, ganz viel reinschreien.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
9 Vermerkeca. 818 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Köhler, ich bin ja schon froh, dass Sie nicht wieder mit Milei oder mit Musk um die Ecke gekommen sind, gerade am heutigen Tag.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

„Milei“ war knapp!

Da bin ich ja schon mal begeistert. Das macht mich ein bisschen nervös, wenn Sie von radikalen Lösungen sprechen, ehrlich gesagt. Aber auch das werden wir uns im Detail angucken.

Das sollte Sie glücklich machen, dass endlich mal jemand den Mut hat, das anzusprechen!

– Zur Rolle der FDP in den letzten dreieinhalb Jahren, die ja in der Regierung anscheinend nicht so erfolgreich war, werden wir gleich noch kommen.

Es ist aber so, dass die Ampelkoalition, aus der Coronapandemie kommend, mit hehren Zielen und vielen Projekten gestartet ist. Wenn man es sich im Detail anguckt, sieht man: Uns ist deutlich mehr gelungen, als man bei der wirklich verbesserungswürdigen Außendarstellung wahrnehmen würde – im Übrigen gerade in der Wirtschaftspolitik. Hier muss man sich die herausfordernde Lage vergegenwärtigen.

Wir kennen die Erzählung der Union: Es gibt ein wirtschaftlich starkes Deutschland. Dann kamen die Ampel und der Habeck. Das hat alles runtergewirtschaftet, und jetzt ist alles ganz furchtbar. – Die FDP war ja drei Jahre im Finanzministerium jetzt auch nicht am Katzentisch der Wirtschaftspolitik tätig. Dementsprechend finde ich es spannend, dass man damit dann immer nichts mehr zu tun haben will.

Ja, es gab Fehler, über die man diskutieren kann. Das betrifft natürlich das Gebäudeenergiegesetz, die Frage des abrupten Stopps der Förderung von E-Autos etc. Aber die Analyse ist maximal unterkomplex, weil wir in diesen Debatten immer völlig ignorieren, dass die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine massiv sind, und zwar auf Deutschland deutlich mehr als zum Beispiel auf unsere Nachbarländer oder auf andere OECD-Staaten. Das liegt insbesondere an der energiepolitischen Abhängigkeit von Russland. Aber auch der bilaterale Handel mit anderen Wirtschaftsgütern war stärker. Das war hier – jenseits der Frage der Industriestruktur in Deutschland, die übrigens Teil unseres Erfolgs ist – maßgeblich.

Unter diesen Voraussetzungen kann sich das Erreichte durchaus sehen lassen. Wir haben uns in kürzester Zeit unabhängig von Gas aus Russland gemacht, und es gab keine Blackouts oder Zwangsabschaltungen, die sich zum Beispiel immer sofort auf Arbeitsplätze ausgewirkt hätten.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir haben die Inflation gedämpft und die Kaufkraft gestärkt. Wir haben allein 300 Milliarden Euro für Energiepreisbremsen zur Verfügung gestellt, und wir haben für Inflationsausgleichsprämien und die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro gesorgt. Gerade in der Fach- und Arbeitskräftegewinnung haben wir mit Qualifizierungsgeld, Ausbildungsgarantie, Jobturbo und Fachkräfteeinwanderungsgesetz große Fortschritte gemacht. Und – auch das ist etwas, worauf man stolz sein kann – wir haben Rekordinvestitionen in die Infrastruktur vereinbart,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Maik Außendorf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

trotz Schuldenbremse übrigens; es hätte alles noch viel mehr sein können. Allein im Jahr 2024 waren es 53 Milliarden Euro. Auch wenn wir da noch nicht am Ziel sind, ist festzuhalten: Wir haben Bürokratie abgebaut. Insbesondere der Praxischeck für Gesetze ist etwas, was sich etablieren sollte.

Wenn man fragt: „Reicht das?“, dann ist die Antwort: „Nein, natürlich nicht.“ Die wirtschaftliche Situation bleibt herausfordernd. Und hier begeistert mich die Chuzpe der FDP, heute mit dieser Aktuellen Stunde um die Ecke zu kommen. Wir könnten ja schon längst viel weiter sein – jenseits der Frage der Blockadehaltung bei dringend notwendigen Investitionen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, wenn ihr mitgemacht hättet! Ihr hattet die Chance, das alles mitzumachen!

Wir haben im Sommer die Wachstumsinitiative geeint. Laut Wirtschaftsinstituten – man konnte es dem „Handelsblatt“ entnehmen – hätten wir jetzt 0,5 Prozent mehr Wachstum haben können. Aber nein, Ihre Inszenierung des Endes der Ampel mit diesem peinlichen Theaterstück kostet uns im Ergebnis fast ein Jahr, in dem wir keine wirtschaftspolitischen Maßnahmen treffen können. Die FDP hat sich entschieden, 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum gegen ein paar Stimmen mehr bei der Bundestagswahl zu tauschen. Ich weiß nicht, ob das seriös ist. Die Wählerinnen und Wähler werden es entscheiden, und dementsprechend haben wir jetzt die Wahl.

Ich glaube, dass wir massive Investitionen in die Zukunft unseres Landes brauchen. Die SPD hat das mit dem Deutschlandfonds verbundene Programm vorgelegt. Wir haben da zwar ein paar Copyright-Themen zu bewältigen, Herr Minister, aber das werden wir noch klären. Wir brauchen weiter eine gezielte Förderung von Unternehmen. Wir müssen ein Investitionsumfeld schaffen. Wir dürfen nicht nur öffentlich investieren, sondern müssen auch private Investitionen heben. Ich glaube, der Ansatz des „made in Germany“-Bonus der SPD macht da Sinn. Wir brauchen eine langfristig planbare Senkung der Strompreise, und wir brauchen selbstverständlich Kaufanreize für bei uns gebaute E-Autos. Ich bin froh, dass die Initiative des Bundeskanzlers auf europäischer Ebene Früchte trägt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir brauchen einen höheren Mindestlohn für die Menschen, auch wegen der daraus resultierenden steigenden Nachfrage im Land, und wir brauchen eine steuerliche Entlastung von kleinen und mittleren Einkommen und von Unternehmen. Die Konzepte liegen auf dem Tisch, und ich glaube, die Frage wird am 23. Februar 2025 entschieden.

Trotz aller Kontroversen darf ich mich noch beim Kollegen Köhler und beim Kollegen Houben, mit denen wir zumindest persönlich immer gut zusammengearbeitet haben, bedanken, und ich darf ihnen alles Gute wünschen. Ich lobe euch jetzt aber nicht zu sehr, weil das eurem politischen Fortkommen schaden könnte.

Keine Sorge!

Dementsprechend persönlich alles Gute und vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nett, dass du an uns denkst!

Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
12 Vermerkeca. 716 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zur FDP muss ich jetzt einmal sagen: Es ist schon beachtlich, wie flexibel ihr seid!

Im Kopf immer!

Kein Jahr zurück habt ihr uns für die Worte, die wir jetzt gehört haben, in Grund und Boden geschimpft. Aber es ist ja ganz gut, dass ihr diese Entwicklung vollzogen habt und nicht die der SPD. Die glauben ja mantraartig, diese Politik war ein voller Erfolg des Bundeskanzlers. Der Bundeskanzler hatte uns ja versprochen, dass es ein Wirtschaftswunder wie direkt nach dem Krieg geben wird, und er glaubt das ja immer noch. Nur, der Rest der Republik glaubt es nicht, und die Zahlen und Daten sprechen dagegen. – Es ist kein Jahr her.

Beifallbei der CDU/CSU

Anfang des vergangenen Jahres musste auch die FDP anerkennen, dass die Wirtschaftspolitik in Deutschland verfehlt ist, also eine Politik, die sie mitgemacht hatte. Der Bundeskanzler sprach ja noch lange von der Klage als Gruß des Kaufmanns. Minister Habeck hielt bei einer Pressekonferenz große Grafiken aus der Frühjahrsprojektion in die Kamera, und er sprach von einer anziehenden Industrieproduktion und von Impulsen durch privaten Konsum. Ich kann nur sagen: Das war ein Holzweg. Das war völlig an der Realität vorbei.

Aber auch die FDP hat die Krise damals noch weiter verschlimmert: Heizungsgesetz, Energieeffizienzgesetz, verfassungswidriger Haushalt, Subventionitis.

Das Energieeffizienzgesetz kommt aus der EU!

Wider besseres Wissen wurde die verfehlte Wirtschaftspolitik noch monatelang mitgetragen. Das war ein Fehler, und es hat viele Chancen, Arbeitsplätze und vor allen Dingen Zuversicht gekostet, die wir gebraucht hätten in diesem Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie als FDP haben noch ziemlich lange mitgerumpelt; aber dann haben Sie es geschafft, da rauszukommen.

Nach dieser Erkenntnis ist aber was passiert? Nichts! Die Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung im Land wurden stetig nach unten korrigiert.

Und mit der AfD wird es besser?

Nun sind wir im zweiten Jahr in Folge in einer Rezession. Der Geschäftsklimaindex zeigt, dass der Abwärtstrend sich fortsetzt. Die Unternehmen bauten mehr und mehr Stellen ab; Aufträge fehlen bis heute. Man muss sich mal vorstellen: Jeden Monat werden 7 000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Von euch hört man hier überhaupt nichts davon. Es gibt nur Durchhalteparolen nach dem Motto: Irgendwie wird das schon was mit der transformativen Angebotspolitik. – Allein an dem Gedanken, dass eine Transformation Wirtschaftswachstum bringt, erkennt man, dass diese Logik nicht gutgehen kann. Denn es braucht Wachstum, damit die Transformation überhaupt finanziert werden kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Solange diese Einsichten nicht da sind, wird das hier nichts.

Der Streit innerhalb Bundesregierung wurde auf dem Rücken der Wirtschaft ausgetragen. Die Folge? Eine gelähmte Wirtschaftspolitik. Wir sind ärmer geworden in Deutschland. Deutschland ist durch die Ampelregierung ärmer geworden.

Zurufvon der SPD

– Einige haben damit jetzt schon wieder ein Problem.

Das große Problem ist: Sie haben ja wirklich Schmerzen, wenn es darum geht, Realitäten, Fakten, Zahlen anzuerkennen. Wir haben 30 Prozent mehr Insolvenzen. Wir haben ein historisches Hoch an Kapitalabfluss aus unserem Land heraus. Das dritte Jahr in Folge droht eine Rezession. Das hat es so noch nie gegeben. Und immer noch höre ich: Wir sind auf einem guten Weg. – Sie sind vielleicht auf einem guten Weg, was Ihre eigene Altersversorgung angeht, aber nicht die Bürgerinnen und Bürger, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Darum geht es. Dafür sind wir gewählt. Deshalb brauchen wir auch einen Politikwechsel.

Erstens. Deutschland braucht wieder eine Politik für die hart arbeitende Mitte, eine Agenda für die Fleißigen. Deshalb sind wir gegen das Bürgergeld. Wir müssen Anreize für die Aufnahme von Arbeit schaffen und nicht für die Nichtaufnahme von Arbeit.

Zweiter Punkt. Wir brauchen die Arbeitszeitflexibilisierung, und zwar nicht die Tageshöchstarbeitszeit, sondern die Wochenhöchstarbeitszeit.

Wir brauchen, drittens, einen Bürokratierückbau und eine Bürokratiebremse. Weg mit Regulierungen! Weg mit Überdokumentation und Statistikpflichten! „Vertrauen in die Unternehmerinnen und Unternehmer“ nennt man das. Das sind Unternehmer und eben keine Unterlasser.

Sprechen wir über die Steuerquote. Natürlich sind wir mit 29 bis 30 Prozent an der Spitze. In den USA kündigt Präsident Trump gerade an, auf 15 Prozent runterzugehen. Der Mittelwert bei uns in der EU sind 21 Prozent. Deshalb wollen wir runter mit der Steuerquote.

Trump ist das Vorbild!

– Seht ihr? Da ist es schon wieder. Das ist so schade und traurig. Man nennt ein Faktum, um zu zeigen, was ein evidenter Wettbewerbsnachteil für uns ist. Man beschreibt es einfach, und schon heißt es: Der „Trump ist das Vorbild“. Ihr könnt nur moralisierende Überheblichkeit, während das Land abschmiert.

Beifallbei der CDU/CSU

Es wird Zeit für einen Politikwechsel, und ich freue mich, dass meine Kollegen das gleich noch ein bisschen mehr vertiefen.

Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
19 Vermerkeca. 771 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Menschen da draußen! Liebe Zuschauerinnen auf den Tribünen! Frau Klöckner, Sie können ja auch einfach zuhören. Vielleicht erzähle ich ja von etwas anderem als vom russischen Angriffskrieg oder den 16 Jahren CDU/CSU, worauf Sie keine Lust mehr haben.

Mir fällt es ehrlicherweise gerade ein bisschen schwer, hier vorne zu sprechen, nachdem ich ja weiß, dass über die Hälfte des Hauses heute für eine ziemlich harte Politik gestimmt hat.

Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Oh!

– Ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie das nicht lächerlich machen; denn es war nicht lächerlich.

Wir machen nichts lächerlich! Ein zweijähriger Junge ist erstochen worden! Ein zweijähriger Junge!

Reden Sie mal über die Wirtschaft im Land!

– Ein zweijähriger Junge ist erstochen worden, und wir haben ein Sicherheitspaket vorgelegt,

Das ist ja wohl ein Witz!

dem die Union im Bundesrat nicht zugestimmt hat. Da sind Sie dagegen, und heute legen Sie Dinge vor – und wir reden hier über Wirtschaft –, die die Wirtschaft krass beeinträchtigen würden.

Ich weiß gar nicht, ob Sie das ifo-Institut kennen. Das sagt uns: Wenn man die Schengengrenzen wieder kontrolliert – wie es ja nach Ihrem Beschluss heute wieder sein soll –, würden wir auf 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum verzichten müssen. – Ein bisschen zuhören, wenn Sie schon vorhersagen, was ich sage, wäre ganz nett, Frau Klöckner.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Das lohnt sich überhaupt nicht! Bei der Europameisterschaft ist Deutschland zusammengebrochen!

Der Präsident des Außenhandelsverbands, Dirk Jandura, sagt:

„Einschränkungen der Personenfreizügigkeit wie von Friedrich Merz angekündigt,“

– und jetzt von Ihnen beschlossen –

„können für den Groß- und Außenhandel Verzögerung und damit auch Kostensteigerung bedeuten.“

Also wenn Sie schon Ihre Entscheidungen hier aus populistischen Gründen treffen, dann denken Sie diese bitte mal zu Ende.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Wenn am gleichen Tag, an dem hier über Wirtschaft gesprochen wird, solche Ängste geschürt werden: 25 Prozent der Menschen, jede vierte Person hier hat eine Migrationsgeschichte.

Wozu spricht die junge Frau?

In Thüringen beispielsweise, wo man schon Zustände kennt, wo die AfD sehr viel Einfluss hat, finden Kliniken teilweise keine Ärztinnen und Ärzte mehr.

Weil unsere Ärzte ins Ausland gehen! Unsere Ärzte gehen ins Ausland, weil sie hier nicht mehr arbeiten wollen!

Denn man braucht diese Personen mit Migrationsgeschichte, und die wollen dort nicht mehr sein. Die Charité sagt uns ebenfalls, dass das schwierig ist.

Thema verfehlt!

Auch die Gastro- und die Bäckereibetriebe – ich stamme ja aus einer Bäckereihandwerksfamilie; ich habe ein Unternehmen gegründet und finde immer lustig, wenn man mir erklären will, was eine Unternehmerin braucht –

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was Sie heute beschlossen haben, ist wirklich dramatisch im Hinblick auf dieses Topthema in der Wirtschaft, nämlich Fach- und Arbeitskräfte zu bekommen.

Ein anderes Topthema in der Wirtschaft ist die Energiepolitik. In Bezug auf diese Energiepolitik darf man sich schon auch auf die Fakten, die hier so besungen werden, berufen, nämlich dass der Industriestrompreis dank des Engagements von Robert Habeck, der ja nicht nur Wirtschaftsminister, sondern auch Energieminister ist, wieder auf dem gleichen Stand wie 2016 ist. In Hamburg, wo ich herkomme, hat Trimet, nachdem Robert Habeck die Strompreiskompensation unterschrieben hat, endlich wieder die Produktion hochgefahren. Sie sind gerade diesem Minister dankbar dafür.

Das ist aber eine sehr exklusive Meinung!

In Georgsmarienhütte wurde gerade abgeschaltet wegen der hohen Energiepreise, Frau Beck! Fragen Sie mal in Georgsmarienhütte nach! Die haben wegen der hohen Energiepreise abgeschaltet!

Deswegen: Lassen Sie sich da draußen bitte nicht erzählen, dass wir als Grüne uns hier nicht für die Produktion in Deutschland starkmachen würden. Denn es ist gerade in den aktuellen Zeiten, wo wir so unter Druck stehen zwischen Trump, der sich mit Zöllen abschottet, und China, die einen krassen Staatsdirigismus machen, wichtig, dass wir hier vor Ort produzieren; das ist uns extrem wichtig. Und lassen Sie sich nicht einreden, dass es hier nur zwei Positionen gibt: die eine Hälfte, die Staatsdirigismus wolle, und die andere Hälfte, die wirtschaftsfreundlich sei. Das stimmt einfach nicht. Vielmehr muss man das Ganze ganzheitlich denken. Natürlich brauchen wir Industrie und Produktion und die ganzen Arbeitsplätze hier in Deutschland.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist aber nichts Neues!

Wir hatten sogar einen 49-Punkte-Plan zusammen mit der FDP, mit dem wir auch das inländische Fachkräftepotenzial steigern wollten.

Hätten Sie doch machen können!

Wir haben sogar beschlossen, dass man sich einfacher Kinderbetreuung leisten kann. 4 Millionen Frauen in Deutschland – da schließe ich an die Fragestunde an, die wir eben auch zum Geschäftsbereich des Familienministeriums hatten – würden gerne mehr arbeiten, wenn Betreuungsverpflichtungen sie nicht davon abhalten würden. Diesen Frauen das zu ermöglichen und die Hürden abzubauen, ist knallharte Wirtschaftspolitik. Und auch dafür steht Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was haben Sie denn gemacht?

– Ich habe mich persönlich, Herr Kubicki, in den Verhandlungen – das kann Ihnen der Kollege Herbrand bestätigen –

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

dafür eingesetzt, dass wir die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten von nur zwei Drittel auf 80 Prozent erhöht haben. Und ich habe persönlich dafür gesorgt, dass die Grenze von 4 000 auf 4 800 Euro angehoben worden ist.

Zurufdes Abg. Bernd Westphal [SPD]

Das sollte sogar noch viel weiter ausgeweitet werden. Dafür habe ich gekämpft. Da sind Sie als FDP nicht mitgegangen. Dafür werde ich in der nächsten Legislatur aber noch sehr hart kämpfen, und ich hoffe, ich finde tolle, wirtschaftsfreundliche Mehrheiten dafür.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

So, und jetzt gehe ich meinen Betreuungsverpflichtungen nach. Ich kann leider den anderen Rednerinnen und Rednern nicht mehr zuhören; denn wegen der Verzögerung der Debatte muss ich jetzt nach Hause zu meinem Kind.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
Porträt von Malte Kaufmann
Foto: Dr. Malte Kaufmann/Nils Rauber
17 Vermerkeca. 626 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Bürger! Die wirtschaftliche Lage im Land ist dramatisch; Frau Klöckner hat eben auch darauf hingewiesen. Für dieses Jahr droht ein weiteres Jahr der Rezession. Das wäre dann das dritte Jahr in Folge. Und so was hat es in unserer Nachkriegsgeschichte noch nie gegeben.

Rufen Sie doch mal Putin an!

Das ist das Werk dieser unsäglichen Ampel, und das ist auch, meine Damen und Herren von der FDP, mit Ihr Werk.

Beifallbei der AfD

Und jetzt beantragen Sie auf einmal eine Aktuelle Stunde zum Ergebnis Ihrer eigenen desaströsen Politik. Das ist eigentlich aberwitzig.

Zurufdes Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes befindet sich im freien Fall. Das ifo-Institut hat kürzlich festgestellt, dass sich die Wettbewerbsposition in den letzten beiden Jahren so stark verschlechtert hat wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung. Davon gibt es eine logische Folge: Letztes Jahr stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um sage und schreibe 25,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Ist das das grüne Wirtschaftswunder, das uns die Herren Scholz und Habeck versprochen haben? Die Stimmung ist am Boden. Ausländische Investoren machen einen großen Bogen um Deutschland, und einheimische Unternehmer planen die Verlagerung ihrer Werke ins Ausland. Das ist die Realität.

Was sind die Ursachen? Gestern gab es einen Wirtschaftsgipfel der Zeitung „Die Welt“. Und da kam genau das heraus, was wir von der AfD-Fraktion seit Langem sagen: Deutschland leidet an rot-grünem Fieber, vor allem an überbordender Bürokratie, hohen Energiepreisen und falschen Anreizen auf dem Arbeitsmarkt, Stichwort „Bürgergeld“. Eine absolut toxische Mischung, eine Mischung, vor der wir hier im Deutschen Bundestag seit Jahren laut und deutlich warnen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Das grüne Hirngespinst der sogenannten Energiewende kann niemals funktionieren. Experten rechnen allein für den erforderlichen Umbau des Stromnetzes mit Kosten in Höhe von 1 000 Milliarden, also 1 Billion Euro, die letzten Endes von Bürgern und Unternehmen des Landes geschultert werden müssen.

Das reicht nie! Das wird noch teurer!

Und dann wundern Sie sich über die schlechte Stimmung im Land. Fragen Sie doch mal einen durchschnittlichen Hauseigentümer, was er mittlerweile für Existenzängste hat, weil Sie von der FDP Habecks Heizungsgesetz mitgetragen haben, anstatt es zu verhindern.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Das ist einfach: Gar keine!

Oder fragen Sie die vielen Millionen Unternehmer, Arbeitnehmer, Rentner in Deutschland, die nicht mehr wissen, ob ihre Einkünfte ausreichen, um über die Runden zu kommen. Nein, liebe Kollegen von der FDP, Sie sind nicht Teil der Lösung. Sie sind Teil des Problems.

Beifallbei der AfD

Für ein paar Ministerposten haben Sie unser Land den rot-grünen Ideologen preisgegeben.

So ist es!

Das war ja eine intellektuelle Speerspitze gerade!

Was muss also getan werden, um diesen Wahnsinn zu stoppen? Wir als AfD wollen zuallererst an das irrwitzige Bürokratiedickicht ran. Ganz konkret: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz muss abgeschafft werden! Wenn ich mir mal die Teilnahme gerade hier im Plenum anschaue, stelle ich fest, dass wir jetzt und hier das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz abschaffen könnten. Wir hätten eine Mehrheit dafür. Warum machen Sie da nicht mit?

Das ist europäische Gesetzgebung! Das können wir nicht abschaffen!

Berichtspflichten für links-grüne Weltenrettung müssten abgeschafft werden.

Zurufdes Abg. Wolfgang Kubicki [FDP]

Das Heizungsgesetz, von dem ich gerade gesprochen habe, der Heizungshammer – ersatzlos streichen! Steuergeldsubventionswahnsinn für erneuerbare Energien – weg damit!

Keine Ahnung!

Stattdessen brauchen wir eine vernünftige Energiequelle, einen vernünftigen Strommix – natürlich inklusive Kernenergie.

Beifallbei der AfD

Wer soll das denn bezahlen?

Es ist schon aberwitzig, wenn Herr Scholz jetzt sagt, dass er Kernkraft aus Frankreich gerne in Kauf nimmt, um sogenannten grünen Wasserstoff zu erzeugen. Hier schalten Sie die Kernkraftwerke ab, aus anderen Ländern importieren Sie. Das ist eine irrsinnige Politik, und die muss revidiert werden.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Ganz wichtig für den Industriestandort: Weg mit dem Verbrennerverbot! Ein ökonomischer und ökologischer Unsinn sondergleichen, der auch noch einen unserer wichtigsten Industriezweige kaputtmacht. Wir werden dafür kämpfen, dass dies gestoppt wird, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Deutschland braucht eine echte Wirtschaftswende. Die ist mit Ihnen, mit der FDP, nicht zu machen. Das geht nur mit einem echten Kurswechsel. Und dieser echte Kurswechsel geht nur mit unserer Bürgerpartei, der freiheitlichen Partei, die für die soziale Marktwirtschaft steht:

Für Ausländerfeindlichkeit!

mit der AfD.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
Zurufeder Abg. Marianne Schieder [SPD]

– Stellen Sie doch eine Frage, statt hereinzurufen!

7 Vermerkeca. 551 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Beitrag des Vertreters der AfD zeigt: Mit der AfD kann man nun wirklich keine Wirtschaftspolitik für dieses Land machen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD

Anlässlich des heutigen Wirtschaftswarntags haben zahlreiche Verbände und Unternehmen klare Forderungen an die Politik gestellt. Diese decken sich in großen Teilen mit denen der FDP. Am Montag hat das Präsidium der FDP ein liberales Sofortprogramm zur Wirtschaftswende vorgelegt und damit ein Bekenntnis zum zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes.

Erst das Kind in den Brunnen schmeißen und sich dann feiern lassen!

Werfen wir einen Blick zurück: Wir hatten einen wirklich schwierigen Start – das ist beschrieben worden – in der Ampelkoalition. Der russische Angriffskrieg und die Nachwirkungen der Coronapandemie haben der deutschen Wirtschaft schwer zugesetzt. Es wurde aber mit der Zeit auch deutlich, dass die Schwäche der deutschen Wirtschaft strukturell ist. Diese Erkenntnis ist im Grunde auch von Sozialdemokraten und Grünen anerkannt worden. Dennoch haben Sie sich im Herbst geweigert und weigern sich nach wie vor, eine echte Strukturreform anzugehen. Das war auch einer der Gründe für das Aus der Ampelregierung. Sie wollen nur noch mehr Geld auf die Probleme werfen – einige Vorschläge haben wir eben ja schon gehört –, damit Sie keine schmerzhaften Reformen machen müssen. Aber damit belasten Sie die zukünftigen Generationen doppelt: einmal mit den dadurch entstehenden Schulden, noch schlimmer aber mit einem Standort Deutschland, der einfach nicht wettbewerbsfähig ist, weil er subventioniert statt reformiert wird. Die Lösung liegt nicht im Verteilen von mehr Geld. Sie liegt in einer klugen Politik, welche die richtigen Prioritäten setzt.

Beifallbei der FDP

In wenigen Wochen, meine Damen und Herren, können die Bürgerinnen und Bürger über die wirtschaftliche Ausrichtung der Bundesrepublik Deutschland entscheiden. Eine echte Wirtschaftswende wird es nur mit den Freien Demokraten geben.

Aber, meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch zu einem anderen Thema kommen. Ich möchte mich heute von Ihnen verabschieden.

Was bleibt nach knapp zwei Legislaturperioden hier im Deutschen Bundestag? Man kann Politik, meine Damen und Herren, nicht auf der Schule erlernen oder an der Universität studieren. Politik muss man machen. Daher bin ich persönlich dankbar, erst eine Legislaturperiode in der Opposition gewesen zu sein. Dann erst war ich gerüstet, in einer regierungstragenden Fraktion Politik zu gestalten.

Ich hoffe, meine Damen und Herren, durch mein Verhalten deutlich gemacht zu haben, dass ich die Leistungen der Kolleginnen und Kollegen der unterschiedlichen Fraktionen respektiert und anerkannt habe. Ich bedanke mich auch bei einigen Kolleginnen und Kollegen. Ich hoffe aber auch, deutlich gemacht zu haben, welche Verhaltensweise und politische Meinung ich zutiefst ablehne. Und ich bewundere diese große Demokratiemaschine Deutscher Bundestag und alle, die in dieser Maschine ihren Beitrag leisten.

Ich hoffe, gerade auch mit Blick auf die Debatte von vor ein paar Stunden, dass unsere Gesellschaft und damit auch das Hohe Haus weiterhin die Kraft hat, die großen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Probleme so zu lösen, dass Deutschland weiterhin aus der politischen Mitte regiert wird.

Dazu gehört immer eine liberale Partei, meine Damen und Herren, für die die persönliche Freiheit das höchste Gut ist. Dazu gehören aber auch Parteien, die auf dem Boden der Verfassung stehen und damit potenziell koalitionsfähig und koalitionswillig untereinander bleiben.

Zum Schluss stelle ich als rheinischer Optimist fest: Konrad Adenauer wurde mit 73 Jahren erstmals Mitglied des Deutschen Bundestages. Ich möchte ja nicht Bundeskanzler werden. Aber als alter weißer Mann habe ich vielleicht dann doch noch eine Chance.

Vielen Dank. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
9 Vermerkeca. 795 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen! Meine Herren! Lieber Reinhard Houben, auch ich möchte mich erst mal für die Zusammenarbeit mit dir in dieser Legislatur bedanken. Ich bin auf der einen Seite völlig bei dir: Es darf und es kann keine Zusammenarbeit mit der AfD geben. Aber gerade nach den Äußerungen, die es heute gegeben hat, wünsche ich mir, dass es auch bei anderen Themen abseits der Wirtschaftspolitik keine Zusammenarbeit mit der AfD gibt. Das muss man leider heute immer wieder betonen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir stehen hier heute und diskutieren mal wieder über die wirtschaftliche Lage dieses Landes, diesmal auf Verlangen der FDP unter dem Titel „Sorgen von Wirtschaft und Menschen ernst nehmen …“. Die Sorgen ernst nehmen! Jede Wirtschaftspolitikerin und jeder Wirtschaftspolitiker muss die Sorgen von Wirtschaft und Menschen ernst nehmen. Da bin ich voll bei Ihnen, liebe FDP. Aber ich frage mich schon: Wenn Sie sich so viele Sorgen machen, warum haben Sie sich in den vielen Monaten Ihrer Regierungsbeteiligung nicht um diese Dinge gekümmert, sondern haben da eher die Koalition blockiert, Abmachungen aufgekündigt und in letzter Konsequenz im Hinterzimmer Pläne geschmiedet, wie man aus dieser Koalition herauskommt? Ob das wirklich verantwortungsvoll ist, das mögen die Bürgerinnen und Bürger am 23. Februar selbst entscheiden. Ich persönlich hätte mir von Ihnen auf alle Fälle in dieser Situation ein bisschen mehr Verantwortung für das Land gewünscht, meine Damen, meine Herren.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist richtig: Unsere Wirtschaft hat derzeit mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Die von Donald Trump in den Raum gestellten Importzölle kommen möglicherweise sogar noch obendrauf. Trotzdem darf man an dieser Stelle nicht darüber hinwegsehen, dass auch viele Sachen richtig laufen. Besonders deutlich wird das beispielsweise beim voranschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien. 62 Prozent unseres Stroms stammten im letzten Jahr aus Windkraft, Solar und Co. Das war so viel wie noch nie zuvor.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir machen uns damit Schritt für Schritt unabhängiger von klimaschädlichen fossilen Brennstoffen und auch unabhängiger von Importen aus Ländern wie Russland. Das ist doch genau das, was unsere Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Land zu Recht von uns erwarten und was sie auch erwarten dürfen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Thyssenkrupp hat noch vor wenigen Wochen klargestellt: Die Stahlindustrie zählt auf grüne Energie, obwohl man doch so ein energieintensives Unternehmen ist. Da fragt man sich: Haben die denn alle keine Ahnung? Na ja, mehr Ahnung als Friedrich Merz haben sie sicherlich in vielen Dingen; denn der hat uns ja schon mitgeteilt, wie er zum grünen Stahl steht. Ich zitiere Friedrich Merz an dieser Stelle mal wortwörtlich – Zitatbeginn –: „Wo soll der Wasserstoff denn herkommen? Den haben wir nicht.“ Und sinngemäß weiter: Selbst dann wäre der Stahl anschließend teurer als konventioneller Stahl. „Wo soll das Geld dafür herkommen?“ Liebe Union, die Antwort ist ganz einfach: aus erneuerbaren Energien. Grüne Energie ist günstig, klimaneutral und effizient. Alle, die sich einmal ernsthaft damit beschäftigt haben, werden das an dieser Stelle auch bestätigen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Natürlich wird das alleine nicht reichen. Unsere Unternehmen brauchen jetzt mehr Unterstützung. Und da sichern wir ihnen als SPD auch viel zu: der Deutschlandfonds mit mindestens 100 Milliarden Euro, um gezielte Fördermaßnahmen für die Wirtschaft einzurichten, ein „made in Germany“-Bonus, um Anreize für Investitionen in Deutschland zu schaffen und damit Perspektiven für unsere Industrie aufzuzeigen, die Deckelung von Netzentgelten, um bei der Energieversorgung schon heute spürbar zu entlasten. Das alles sind Maßnahmen, die unsere Unternehmen auf direktem Weg unterstützen, die für sichere Arbeitsplätze sorgen und für die Olaf Scholz und wir als SPD einstehen.

Beifallbei der SPD

Wir müssen aber an dieser Stelle auch mal über das Thema Schuldenbremse reden, die man vielleicht sogar besser als „Wachstumsbremse“ betiteln könnte. Um die Modernisierung kommen wir nicht herum. Das weiß – davon gehe ich aus – auch die Union, und das weiß auch die FDP. Wir dürfen notwendige Investitionen nicht länger an diesen Bremsklotz hängen, den wir uns selbst ans Bein gebunden haben. Wir dürfen uns nicht länger mit dem Status quo bei der Infrastruktur, bei den Schulen und beim Schienenausbau abfinden. Dass wir die Schuldenbremse reformieren müssen, sagt übrigens auch der BDI, und das ist immerhin einer unserer einflussreichsten Wirtschaftsverbände in Deutschland. Ich gehe da voll mit und kann nur appellieren: Liebe Union, liebe FDP, fassen Sie sich ein Herz, und hören Sie endlich auf die Wirtschaft!

Beifalldes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Meine Damen, meine Herren, Deutschland hat die besten Voraussetzungen, seiner wichtigen Rolle in der Weltwirtschaft gerecht zu werden. Unsere Wirtschaft ist stabil und resilient. Das zeigt die Rekordbeschäftigung, die wir gerade haben. Das zeigt der ifo-Geschäftsklimaindex, der im Januar wieder leicht gestiegen ist. Und das zeigt auch, wie gut wir durch die Krise kommen und sie aktuell meistern – trotz düsterster Prognosen führender Ökonomen.

Aber noch mal ein ganz klarer Appell: Meine Damen, meine Herren, gehen Sie in den nächsten Wochen und Monaten weiter verantwortungsvoll mit dieser Wirtschaft um! Wir werden es tun.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
14 Vermerkeca. 722 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland braucht in der Tat eine Wirtschaftswende, und zwar dringend. Lange hat die Ampel die immer größer werdenden wirtschaftlichen Probleme schlicht geleugnet. Aber die Daten sprechen inzwischen eine sehr deutliche Sprache – vieles klang ja auch schon an –: Das Bruttoinlandsprodukt fällt jetzt schon zwei Jahre in Folge, sodass inzwischen auch sehr gute Industriearbeitsplätze verloren gehen. Der Welthandel wächst, aber unsere Unternehmen profitieren davon nicht mehr. Und der private Verbrauch enttäuscht alle Erwartungen, und das trotz deutlich gestiegener Realeinkommen.

Nahezu das Einzige, was unter der Führung der Ampel in den letzten drei Jahren gestiegen ist, das sind die Preise – das merken die Menschen immer noch schmerzlich –,

Die Preise wollen Sie uns jetzt in die Schuhe schieben, oder was? Meinen Sie das ernst? Das ist ja eine Unverschämtheit!

das ist die Zahl der Firmenpleiten – die Zahlen hatten wir schon gehört –, und das sind leider auch die Staatsausgaben. Und, ach ja – das will ich an der Stelle auch mal deutlich sagen –: Auch die Schattenwirtschaft wächst, und zwar ordentlich.

Woher kommen alle diese Probleme, die es in den Jahren zuvor nicht gegeben hat? Na ja, zu einem erheblichen Teil liegt es schlicht daran, dass es eine echte Zeitenwende in der Wirtschaftspolitik mit der Ampel nie gegeben hat. Bestes Beispiel hierfür – es gibt viele, aber das ist das für meinen Geschmack beste – ist der Weiterbetrieb von bis zu sechs Kernkraftwerken, die uns im Frühjahr 2022, also inmitten der größten Energiekrise der Nachkriegsgeschichte, bei gutem Willen noch zur Verfügung gestanden hätten.

Ich bin Mitglied des Untersuchungsausschusses, der sich gerade mit der Frage beschäftigt, ob ein Weiterbetrieb, wie von Robert Habeck explizit versprochen, wirklich ergebnisoffen geprüft wurde.

Kein gegenteiliges Ergebnis! Nichts gefunden! Völlig umsonst, der ganze Ausschuss!

Nach 120 Stunden Befragung von 40 Zeugen glaube ich inzwischen mit Bestimmtheit sagen zu können: So eine Prüfung hat es nie gegeben.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein bisschen weniger Theater wäre gut!

Ich will das an zwei Dingen festmachen:

Erstens an der Dauer der Prüfung.

Zurufeder Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Martin Rosemann [SPD]

Keine zwei Wochen hat es gebraucht, bis der richtungsweisende Prüfvermerk im März 2022 fertig war. Experten haben uns bestätigt: In der Kürze der Zeit war das seriös gar nicht zu machen.

Und zweitens haben das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium den Prüfungsgegenstand derart eingeengt,

Das ist so von vorgestern: Atomkraft als Antwort!

dass ein Weiterbetrieb in den einschlägigen Modellen nur einen sehr geringen Nutzen anzeigen konnte. Geprüft wurde nämlich immer nur, was das für den Winter 2022/2023 bedeutet hätte,

Und wohin mit dem Atommüll? In Ihren Wahlkreis?

nie wirklich darüber hinaus. Und es wurden ausschließlich die Folgen für die Netzstabilität analysiert. Preiseffekte, die für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft so bedeutsam sind, wurden nicht beleuchtet; das sehen wir inzwischen auch an unserer Exportbilanz. Auch die Konsequenzen für die deutsche Klimabilanz wurden in der Analyse – ich zitiere hier wörtlich aus der Zeugenvernehmung von Herrn Habeck – „hintenangestellt“. Na ja, für jemanden, der Minister für Wirtschaft und Klimaschutz ist, ist das für meinen Geschmack ein erstaunliches Amtsverständnis.

Beifallbei der CDU/CSU

Kommen eigentlich noch Vorschläge oder wieder nur die alte Leier?

Was braucht es also jetzt, um unsere Wirtschaft wieder flottzukriegen? Allem voran müssen natürlich die Preise für Energie sinken, und zwar – Frau Beck ist ja jetzt weg – nicht nur auf dem Handelsparkett, sondern bei den Unternehmen und den Menschen vor Ort;

Sie hätten ja zustimmen können!

Zurufdes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

da sind sie nach wie vor hoch. Es darf auch keine neuen Steuern und Abgaben geben. Wann verstehen Sie das endlich hier auf der linken Seite im Parlament? Deutschland ist bereits Hochsteuerland. Deshalb müssen wir die Menschen und die Unternehmen entlasten und dürfen sie nicht belasten,

Zurufdes Abg. Sebastian Roloff [SPD]

so wie Sie das zu Jahresbeginn mit den deutlich gestiegenen Sozialversicherungsbeiträgen wieder wunderbar hinbekommen haben. Es gibt nun deutlich höhere Beiträge.

Weil Spahn die Sozialkassen geplündert hat! Das ist Ihr Gesundheitsminister gewesen!

Gerade die Mittelschicht in Deutschland weiß nur zu gut, dass es vor der Wahl immer heißt: Wir besteuern die – in Anführungsstrichen – „Reichen“. Aber weil die Masse der Steuer- und Abgabenzahler nun mal in der Mitte der Gesellschaft sitzt, wird nach der Wahl genau dort zugegriffen. Hier reiht sich dann auch der Vorstoß von Herrn Habeck ein, Kapitaleinkünfte zur Finanzierung der Sozialversicherungen heranzuziehen. Klar, jetzt reden Sie noch von Milliardären; aber wenn das System einmal steht, dann werden Sie auch der Mittelschicht und den kleinen Sparern ungeniert ins Vorsorge-Portemonnaie greifen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es braucht jetzt dringend eine Wirtschaftswende. Aber diese einzuleiten, ist nicht mehr Aufgabe dieser Regierung; das muss die kommende machen. Wie die aussehen wird, werden wir am 23. Februar sehen.

Zurufdes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Die Wählerinnen und Wähler werden entscheiden. Wir haben mit der Agenda 2030 einen klaren Plan für mehr Wachstum und vor allem auch für gute und sichere Jobs vorgelegt. Ich bin überzeugt: Nur unter Führung der Union und mit Friedrich Merz als Bundeskanzler wird es gelingen, Deutschland wirtschaftlich wieder flottzukriegen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU