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36. Sitzung der 21. Wahlperiode

Mittwoch, 5. November 2025 · Berlin

186 Reden in dieser Sitzung

186Reden52.500Wörter
639Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Unbekannt
1 Vermerkca. 648 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Das neue Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend trägt einen langen Namen, und es trägt große Verantwortung. Wir bündeln die Themen, die das Rückgrat unserer Gesellschaft bilden. Unser Leitmotiv ist dabei: bessere Bildung, starke Familien und resiliente Demokratie. Wir legen damit den Grundstein für ein starkes, für ein innovatives und für ein demokratisches Deutschland.

Bessere Bildung. Worum geht es? Erstmals betrachten wir in diesem Ministerium Bildung von der Kita über die allgemeine Bildung bis zum lebenslangen Lernen, wobei wir gleichzeitig an Familien und die Kinder- und Jugendhilfe denken.

Das ist auch dringend notwendig. Meine Damen und Herren, die demografische Entwicklung zeigt: Wir müssen alle Potenziale heben. Jedes Kind braucht gerechte Bildungschancen, und zwar ganz egal, woher es kommt. Das ist übrigens keine Sozialromantik, sondern das ist bittere Notwendigkeit. Das ist Zukunfts- und Standortpolitik.

Wir setzen dabei auf gemeinsame Standards. Wir setzen auf mehr und bessere Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Wir setzen dabei auf frühe Sprachförderung. Es bedarf hier einer nationalen Kraftanstrengung, um das Aufstiegsversprechen tatsächlich für alle Kinder zu erfüllen. Das sage ich auch und gerade mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends.

Dabei müssen wir früh anfangen. Es geht um eine gute, um eine bessere frühe Bildung. Mit dem KiTa-Qualitätsgesetz fördern wir frühe Bildung und schaffen vor allem mehr Betreuungsplätze. Mit dem Startchancen-Programm unterstützen wir Kinder, die eine schlechtere Ausgangslage haben. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung ab 2026 gehen wir entscheidende Schritte für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für mehr Bildungsgerechtigkeit. Im Rahmen des Digitalpakts 2.0 werden wir die Schulen weiterhin besser ausstatten und gleichzeitig in qualifiziertere Lehrkräfte und innovative Unterrichtskonzepte investieren.

Es geht auch um die berufliche Bildung, mit der wir, meine Damen und Herren, das individuelle Aufstiegsversprechen einlösen.

Es geht um starke Familien. Familien sind und bleiben die Keimzelle unserer Gesellschaft. Wir sorgen in diesem Bereich für weniger Bürokratie, für mehr Zeit für Kinder. Wir werden das Elterngeld Ende zu Ende digitalisieren und auch den Kinderzuschlag.

Meine Damen und Herren, Familien brauchen auch mehr Orientierung und Schutz in der digitalen Welt. Daran arbeiten wir mit der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ über die staatlichen Ebenen hinweg. In dieser Kommission sind Experten aus allen Bereichen, die betroffen sind.

Wir denken Familie aber auch generationenübergreifend. Mit 65 ist das Leben nicht vorbei. Mit 65, so sagen manche, fängt es erst richtig an. Wir haben einen riesigen Schatz an Erfahrung, an Wissen und Engagement, den die ältere Generation für diese Gesellschaft mitbringt.

Meine Damen und Herren, Familienpolitik ist natürlich auch Wirtschaftspolitik. Wir müssen das Fachkräftepotenzial in unserer Gesellschaft heben. Dafür brauchen wir Eltern, die auf verlässliche Kinderbetreuung setzen können. Damit geben wir auch den Kindern die Chance, Fachkräfte von morgen zu sein.

Schließlich geht es um resiliente Demokratie. Ja, wir brauchen eine Demokratie, die einen Schutzschild hat, die sich verteidigt, eine Demokratie, die Grundrechte verteidigt, die Freiheit verteidigt und auch unsere Art, zu leben, verteidigt. Dazu brauchen wir Demokratieförderung. Aber wir müssen hier neue Schwerpunkte setzen, und wir müssen auch die digitale Welt stärker in den Fokus nehmen. Wir brauchen einen 360-Grad-Blick, wenn es um die Bekämpfung des Extremismus geht; die Präsidentin hat eben zu Recht darauf hingewiesen.

Meine Damen und Herren, bessere Bildung, starke Familien, resiliente Demokratie: drei Ziele, ein Ministerium, eine Verantwortung. Die Zukunft Deutschlands stark, innovativ und chancengerecht gestalten, das ist die Aufgabe meines Ministeriums – in einem Miteinander, das das Land trägt.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Unbekannt
1 Vermerkca. 438 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ich komme heute hier mit wirklich guter Laune rein. Das hat einen wichtigen Grund: Wir hatten heute eine sehr wichtige Kabinettssitzung, und die war sehr, sehr erfolgreich. Wir konnten uns im Kabinett auf ein umfassendes Entlastungspaket einigen. Ich werde ganz kurz die Eckpunkte nennen, worum es da geht und was wir heute auf den Weg gebracht haben.

Ich möchte aber vor allem die Gelegenheit nutzen, den Mitarbeitenden in meinem Haus und auch all den Kolleginnen und Kollegen am Kabinettstisch zu danken. Ich denke, das war echt gutes Teamwork. Heute war insofern ein guter Tag. Natürlich: Mit dem Tag beginnt jetzt auch die weitere Arbeit; denn am Ende geht es immer um die Umsetzung.

Was haben wir konkret gemacht? Wir haben ein ganz wichtiges Paket entschieden. Es sind 50 Eckpunkte, ganz wichtige, große, mutige Vorhaben, die wir jetzt Stück für Stück in die Umsetzung bringen. Das bringt Entlastungen im substanziellen Milliardenbereich. Wir haben heute darüber hinaus ganz konkrete Gesetzesvorhaben – acht Stück an der Zahl – verabschiedet. Das bringt mindestens eine Entlastung von 100 Millionen Euro.

Lassen Sie mich auch noch rekapitulieren, was diese Regierung bereits auf den Weg gebracht hat: eine Bruttoentlastung von 3 Milliarden Euro. Das muss jetzt alles in die Umsetzung kommen und dann auch bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen.

Eine Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger ist mir auch ganz wichtig: Wir nehmen das sehr, sehr ernst. Wir machen Dinge anders. Gleichzeitig ist das auch ein anstrengender Prozess. Da gibt es nicht einfach einen Knopf, den man drücken kann, und alles wird wunderbar. Durch diesen Prozess arbeiten wir uns mit den einzelnen Häusern am Kabinettstisch durch.

Auch die föderale Modernisierungsagenda wird kommen und auch ambitioniert sein. Ich möchte mich da noch einmal herzlich bedanken und hier auch ganz klar sagen: Wir sind absolut entschlossen, das Stück für Stück umzusetzen; darauf können sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen. Und natürlich gehört auch die Digitalisierung dazu.

Ich freue mich auf den Austausch gleich. Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
1 Vermerkca. 115 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, Sie haben vor einiger Zeit in die Presse lanciert, Sie würden Deutschland verlassen, wenn die AfD den Kanzler stellt. Eine Umfrage der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hat ergeben, dass antisemitische Einstellungen im muslimischen Teil der Bevölkerung deutlich stärker vertreten sind als beim Rest. Wir haben die aus anderen Ländern importierten Konflikte mit Hassparolen und Antisemitismus hier in Berlin über die Straßen marschieren sehen. Wollen Sie vor diesem Hintergrund ernsthaft den Zusammenhang zwischen der von Ihrer Partei 2015 ausgelösten Masseneinwanderung aus extrem antisemitisch geprägten Kulturkreisen und dem Antisemitismus, der heute in Deutschland stark angestiegen ist, bestreiten?

Frau Präsidentin! Was hat das mit dem Thema zu tun?

Unbekannt
1 Vermerkca. 165 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Reichardt, vielen Dank für die Frage. Sie geben mir die Gelegenheit, zum Thema Antisemitismus ausführlicher etwas zu sagen. – Bedauerlicherweise ist es so, dass seit einigen Jahren der Antisemitismus, sowohl von rechter Seite als auch von linker Seite, der Antisemitismus der Mitte, aber auch der migrantisch geprägte Antisemitismus zunehmen. Das ist in Deutschland so, das ist weltweit so. Das hat nach dem 7. Oktober noch einmal einen deutlichen Anstieg erfahren. Das macht mir insgesamt große Sorgen. Deshalb lässt sich der Antisemitismus eben nicht auf eine politische Richtung zurückführen, sondern ist ein Phänomen, das wir tatsächlich auch im 360-Grad-Blick als Gesellschaft bekämpfen müssen. Insofern kann ich die Unterstellung, die in Ihrer Frage liegt, so nicht teilen, bin aber sehr wohl der Meinung, dass wir sehr genau hinschauen müssen, wo der Antisemitismus in Deutschland herkommt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Frau Ministerin, laut Statistischem Bundesamt hat sich die Zahl der antisemitischen Straftaten seit 2015 fast verfünffacht. Unsere Fraktion hat zur Bekämpfung dieses Antisemitismus mehrere Anträge gestellt, die von der CDU alle in Bausch und Bogen abgelehnt worden sind. Wollen Sie vor diesem Hintergrund den Antisemitismus in Deutschland weiter dadurch fördern, dass Sie die Zusammenhänge mit der Masseneinwanderung relativieren und weiterhin den Antisemitismus als Mittel im politischen Schlagabtausch der Parteien nutzen?

Unbekannt
1 Vermerkca. 137 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter, für die Frage. – Seitdem ich politische Verantwortung trage – schon als Schulministerin in Schleswig-Holstein, wo ich mich mit Religionsfragen beschäftigt habe –, ist die Bekämpfung des Antisemitismus ein Tätigkeitsfeld, auf dem ich mich besonders engagiere. Ich stütze mich dabei auf wissenschaftliche Studien. Ich betreibe diese Dinge grundsätzlich evidenzbasiert, und ich habe nie die Augen verschlossen vor einer politischen Richtung. Ich habe mich auch nie gescheut, beim Namen zu nennen, aus welcher Richtung Antisemitismus kommt.

Der Name ist nicht gefallen! Nicht ein Mal!

Ich darf aber feststellen – –

Porträt von Felix Döring
Foto: Felix Döring / Anna Voelske
1 Vermerkca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, die Angriffe, die unsere demokratische Zivilgesellschaft zu verzeichnen hat, die von autoritären Kräften ausgehen, sowohl in Europa als auch in Deutschland, nehmen zu. Wir werden am morgigen Donnerstag die neue Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgestellt bekommen, die ja bereits 2023 dokumentiert hat, dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zunimmt und das Vertrauen in demokratische Institutionen abnimmt. Vor diesem Hintergrund möchte ich Sie fragen, welche Rolle für Sie die Demokratieförderung spielt, die ja auch von Ihrem Haus ausgeht, beispielsweise über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, und welche Potenziale Sie dem beimessen. – Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Unbekannt
1 Vermerkca. 186 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, lieber Herr Döring, die Erfahrung der Weimarer Republik zeigt uns klar und deutlich, dass wir uns gegen die Feinde der Demokratie wehren müssen. Wir erleben zurzeit weltweit ein Erstarken autoritärer Ideen und Systeme. Wir erleben ein Erstarken sowohl des Rechtspopulismus als auch des Rechtsextremismus, aber auch – das ist wahrscheinlich ein gewisser Mechanismus, da das einander bedingt – ein Erstarken des Linksextremismus. Wir erleben auch ein Erstarken islamistischer Bestrebungen. Ich bin sehr froh, dass der Bundesinnenminister heute konsequent eine Gruppierung verboten hat, die auf diesem Feld, vor allem im digitalen Raum, tätig ist. Der digitale Raum macht mir da ganz, ganz besonders große Sorgen.

Und ja: „Demokratie leben!“ ist ein Programm, mit dem wir uns diesem Phänomen nähern, und ist daher von großer Bedeutung. Ich messe aber zum Beispiel auch der schulischen Bildung in diesem Kontext ganz, ganz große Bedeutung zu. Viele andere – die Bundeszentrale für politische Bildung und das, was auf Länderebene passiert – sind ebenso von großer Bedeutung.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Felix Döring
Foto: Felix Döring / Anna Voelske
ca. 52 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Jetzt ist es ja so, dass unsere demokratische Zivilgesellschaft sich vielen Angriffen ausgesetzt sieht, leider auch zunehmend aus dem parlamentarischen Raum. Vor diesem Hintergrund habe ich die Frage an Sie, welche Botschaft Sie an die Menschen haben, die sich tagtäglich deutschlandweit in den Demokratieprojekten ehrenamtlich und auch beruflich engagieren.

Unbekannt
1 Vermerkca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da bin ich sehr klar, Herr Döring: All die Menschen, die sich in Deutschland für unsere Demokratie engagieren, sei es in den Kommunalparlamenten, sei es in zivilgesellschaftlichen Organisationen, in Sportvereinen, in Gewerkschaften, all diese Menschen verdienen unseren Respekt und verdienen unsere Unterstützung. Wo ich das kann, werde ich den Menschen immer den Rücken stärken, und ich bin außerordentlich dankbar für dieses Engagement.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Ulle Schauws
Foto: Ulle Schauws/ Simon Erath
1 Vermerkca. 146 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, ich würde gerne eine Frage an Sie als Frauenministerin richten. Wir haben in den letzten Wochen eine Debatte über das Stadtbild geführt. Ich will es noch einmal erwähnen: Der Kanzler hat eine in gewisser Weise menschenabwertende Debatte über das Stadtbild angestoßen. Auf eine Nachfrage zu seiner rassistisch anmutenden Aussage – zumindest wurde das von vielen so verstanden –, wie sich das Stadtbild denn ändern müsse,

Herr Banaszak hat Angst!

hat er gesagt, man solle die Töchter fragen. Und da ist die Wut von ganz vielen Frauen hochgekocht. Sie sagen: Wir wollen uns nicht vom Kanzler instrumentalisieren lassen; wir teilen seine Einschätzung nicht. Meine Frage an Sie ist: Können Sie die Wut und die Empörung von Frauen verstehen, die sagen: „Wir wollen uns nicht instrumentalisieren lassen“, oder teilen Sie sie?

Unbekannt
1 Vermerkca. 191 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Ich bin in den letzten zwei Wochen im Ausland gewesen. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe mich über diese von Unterstellungen und Empörung getragene Debatte aus der Ferne wirklich sehr gewundert. Ich würde mir wünschen, dass wir sowohl über die Frage sprechen „Wie gehen wir mit den Folgen einer über mehrere Jahre intensiven und zum Teil ungesteuerten Zuwanderung in unserem Land um, und wie gehen wir mit den Menschen um, die nicht dauerhaft bei uns bleiben können?“, aber gleichermaßen immer wieder betonen, dass wir ein weltoffenes Land sind. Und ich würde mir wünschen, dass wir uns stärker um die Integration, gerade auch die Integration durch Bildung kümmern. Lassen Sie uns in dieser Frage eine sachliche Debatte führen und uns nicht gegenseitig Dinge unterstellen, für die es überhaupt keine Belege gibt.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Ulle Schauws
Foto: Ulle Schauws/ Simon Erath
1 Vermerkca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke. – Frau Ministerin, ich teile die Einschätzung, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen; das ist in Ordnung. Von der Antwort „Fragen Sie mal die Töchter“, mit der der Kanzler die Frage offengelassen hat, haben sich viele Töchter und Frauen dieses Landes angesprochen gefühlt. Darum noch mal konkret die Nachfrage. Sie sind Frauenministerin, ich bin die frauenpolitische Sprecherin. Der gefährlichste Ort für Frauen ist – das ist, glaube ich, unstrittig – das eigene Zuhause. An dieser Stelle würde ich gern einmal von Ihnen wissen: Was wollen Sie denn als besondere Maßnahme zum Schutz von Frauen hervorheben? Und vielleicht auch noch ein Satz dazu, ob Sie als Ministerium eine Maßnahme gegen Catcalling, –

Rednerwechsel

– wenn wir schon über den öffentlichen Raum reden, unterstützen. – Vielen Dank.

Unbekannt
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Problem unserer Debatte in Deutschland ist, dass wir immer nur über das eine oder über das andere sprechen wollen. Es ist tatsächlich so, dass es Frauen gibt, die in ihrem subjektiven und objektiven Sicherheitsempfinden manche Orte in Deutschland heute nicht gerne frequentieren. Andererseits ist es so, dass häusliche Gewalt natürlich ein großes Problem in unserer Gesellschaft ist, das wir aktiv und konsequent bekämpfen müssen. Das eine zu tun, heißt nicht, das andere zu lassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Catcalling! Kein Wort! Das ist sehr bedauerlich!

Porträt von Anja Weisgerber
Foto: Dr. Anja Weisgerber/Tobias Koch
ca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Prien, soziale Medien sind Plattformen zum Austausch und zur Information für uns alle. Studien zeigen aber: Über 1 Million Kinder und Jugendliche nutzen Social Media in einer riskanten und süchtig machenden Art und Weise. Endloses Scrolling, die ständige Verfügbarkeit und Pushnachrichten beeinträchtigen die Gesundheit und die Entwicklung unserer Kinder. Wir wollen sicherstellen, dass sich unsere Kinder und Jugendlichen in der digitalen Welt sicher bewegen können. Wir wollen keine pauschalen Verbote, aber wir wollen einen altersgerechten Zugang und Schutzräume für unsere Kinder und Jugendlichen. Was unternimmt die Bundesregierung, um dieses wichtige Ziel zu erreichen? Und warum ist die Einsetzung einer unabhängigen, breit und fachlich hochkarätig besetzten Expertenkommission genau der richtige Weg?

Unbekannt
ca. 184 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, liebe Anja Weisgerber, vielen Dank für die Frage. – Wir sprechen über das Thema „Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt“ in Deutschland ehrlicherweise relativ spät. In anderen Teilen der Welt ist diese Diskussion seit Jahren im Gange.

Wir haben hier ein massives Problem. Es geht um Gesundheitsschutz, es geht um Kinder- und Jugendmedienschutz. Es geht um die Frage: Können Kinder und Jugendliche noch vernünftig lernen, wenn sie sehr lange Bildschirmzeiten haben und sich sehr viel auf Social-Media-Plattformen aufhalten? Ich glaube, hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Es geht, wie Sie zu Recht gesagt haben, nicht nur um Regulierungen und Verbote, sondern natürlich auch um Befähigung und Teilhabe; beides müssen wir leisten. Damit wir in Deutschland eine gemeinsame, sachlich fundierte und auch empirische Grundlage erhalten, auf der wir fachlich entscheiden können, brauchen wir die Expertenkommission. Das ist aus meiner Sicht genau der richtige Weg, um zu einer differenzierten Debatte zu kommen, die wir an diesem Punkt brauchen.

Porträt von Anja Weisgerber
Foto: Dr. Anja Weisgerber/Tobias Koch
ca. 59 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, darunter auch Deutschland sowie Norwegen und Irland, haben die sogenannte Jütland-Erklärung unterschrieben und fordern einen ehrgeizigen Ansatz zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen. Wie kann sich Deutschland auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass auch der europäische Gesetzgeber weitere Maßnahmen zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen ergreift?

Unbekannt
1 Vermerkca. 123 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für die ergänzende Frage. – Selbstverständlich unterstütze ich im Rahmen meiner Gespräche mit der dänischen Ratspräsidentschaft mit meinen Ministerkolleginnen und -kollegen sowohl im Bildungsbereich als auch im Digitalbereich die Bemühungen, hier zu stärkeren, zu strengeren und auch zu gemeinsamen Regelungen zu kommen. Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn es uns gelingt, dieses wichtige Anliegen schnell, aber auch in gemeinsamer europäischer Verantwortung voranzubringen. Ich halte das für dringend geboten, sonst verlieren wir eine ganze Generation.

Porträt von Kathrin Gebel
Foto: Kathrin Gebel/ Nicklas Kurzweil
ca. 91 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Verehrte Frau Präsidentin! Frau Ministerin, alle zwei Minuten wird eine Frau in Deutschland Opfer von häuslicher Gewalt. Die Täter sind stark überwiegend Männer; das scheint hier das relevante Merkmal zu sein. Gleichzeitig fehlen uns in Deutschland 14 000 Frauenhausplätze. Einige Länder und Kommunen nehmen jetzt auch noch Kürzungen im Bereich Gewaltschutz vor, so zum Beispiel das Land Brandenburg, sodass Beratungsstellen schließen müssen und Projekte auslaufen. Halten Sie es angesichts dieser Tatsachen für angemessen, dass der Bund sich frühestens 2027 an der Finanzierung der Gewalthilfesysteme beteiligen will?

Unbekannt
1 Vermerkca. 211 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, ich glaube, in der Bestandsaufnahme sind wir relativ nah beieinander. Es ist deshalb von außerordentlich großer Bedeutung, dass es Anfang des Jahres gelungen ist, sich in diesem Hohen Haus auf das Gewalthilfegesetz zu verständigen. Das ist ein Meilenstein. Wir werden in diesem Land erstmals einen Sicherstellungsanspruch, dann einen Rechtsanspruch auf Beratung und auf Schutz in ganz Deutschland bekommen. Der Bund wird dieses Vorhaben in der Zeit zwischen 2027 und 2036 mit insgesamt 2,6 Milliarden Euro unterstützen. Das ist ein riesiger Fortschritt.

Zusätzlich sind den Ländern ja, wie Sie wissen, 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden, aus denen sie ihre eigenen Aufgaben – dazu gehört auch die Einrichtung von Frauenhäusern – finanzieren können. Ich würde mir sehr wünschen, dass mit diesen Mitteln tatsächlich auch in diesem Bereich investiert wird. Ich bin darüber hinaus froh, dass wir uns zum Thema Gewaltschutz in der Bundesregierung auf den Weg machen, weitere Maßnahmen zum Schutz von Frauen und –

Rednerwechsel

– gegen häusliche Gewalt zu ergreifen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Kathrin Gebel
Foto: Kathrin Gebel/ Nicklas Kurzweil
1 Vermerkca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, aber halten Sie es angesichts dessen, dass wir in den kommunalen Haushalten ein Rekorddefizit von 24,8 Milliarden Euro allein in diesem Jahr haben und dass wir gleichzeitig eine Bindung der Mittel für Aufgaben im Sozialbereich von 20 bis 30 Milliarden Euro im Jahr haben, wirklich für realistisch, dass Länder und Kommunen in der Lage sein werden, diese Finanzierungslücke auszugleichen? Und ist es in der Folge angemessen, dass sich der Bund hier der Verantwortung entzieht?

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Unbekannt
1 Vermerkca. 129 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, wie Sie wissen, ist die Schuldenbremse zugunsten der Länder deutlich gelockert worden. Dadurch entstehen für die Länder zusätzliche Finanzspielräume zwischen 14 und 15 Milliarden Euro. Man muss sich – so wie der Bund auch – auf Prioritäten konzentrieren. Und wie gesagt: Ich erwarte, dass die Länder hier auch entsprechende Investitionen tätigen. Wir steigen dort ab 2027 ein. Das ist eine gute Nachricht für unser Land. – Und ansonsten stehen die Mittel den Ländern und Kommunen insoweit ja zur Verfügung.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tobias Ebenberger
Foto: Tobias Ebenberger
ca. 180 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Dr. Wildberger, es ist ja erst vier Jahre her, dass eine CDU-geführte Regierung Bürgern ohne Impfnachweis – ob mit gelbem Büchlein oder am Ende des Tages auch mit QR-Code – den Zutritt zum gesellschaftlichen Leben versperrte. Beispiel: Tobias Hans, damaliger CDU-Ministerpräsident des Saarlands, sagte – Zitat –: „Es ist wichtig, den Ungeimpften eine klare Botschaft zu senden: Ihr seid jetzt raus aus dem gesellschaftlichen Leben.“

Und nun sollen mit Ihrer Modernisierungsagenda Bürger digitale Identitäten und Brieftaschen erhalten, die EUDI-Wallet, eine Technologie, die Grundlage für ein späteres Sozialkreditsystem sein könnte – laut Ihnen natürlich alles freiwillig. Weil auch die Coronaimpfung trotz eindeutiger und offensichtlicher Nötigung als freiwillig galt, bevor es schließlich sogar eine gesetzliche Impfpflicht geben sollte, frage ich Sie: Wie können Sie, Herr Dr. Wildberger, garantieren, dass die EUDI-Wallet wirklich freiwillig bleibt und dass ihre Einführung keinerlei direkten oder indirekten Zwang mit sich bringen wird, und zwar von den Rabatten im Supermarkt über den Behördengang bis hin zum Arbeitsplatz, –

– und das auch nach Ihrer Zeit als Minister?

Unbekannt
1 Vermerkca. 186 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Ebenberger, für Ihre Frage. Ich fasse Ihre Frage so auf, dass Sie mir dahin gehend einen Vorwurf machen. – Sie haben völlig recht: Wir sind „Team Zukunft“; wir stehen für Zukunft. Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2025 auch digital ertüchtigen. Ich setze dabei natürlich auch auf Freiwilligkeit. Sicherheit hat höchste Priorität bei der Entwicklung, und wir müssen vom Nutzen aus denken. Wir haben in dieser sehr kurzen Zeit nicht nur Dinge angestoßen; wir arbeiten auch sehr konkret an der Umsetzung, damit das Leben der Bürgerinnen und Bürger besser wird.

Wir sind im Jahr 2025, und Digitalisierung gehört einfach zum Lebensalltag dazu. Da sind wir mit voller Kraft dran. Dazu gehören viele Themen, nicht nur die Wallet. Es geht am Ende des Tages um Zukunft. Darauf mögen wir manchmal eine andere Sicht haben; aber wir wollen Wachstum, wir wollen die Menschen befähigen, sich auch im digitalen Raum sicher zu bewegen, weil das das Leben der Menschen einfacher macht.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tobias Ebenberger
Foto: Tobias Ebenberger
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen lieben Dank, Herr Minister. – Zum Thema Freiwilligkeit. Können wir Freiwilligkeit und echte Wahlfreiheit am Ende des Tages, auch wenn dies in Ihren Koalitionsfraktionen gern an der Stelle überhört wird, nicht absichern, indem wir ein Grundrecht auf analoges Leben einführen, und, wenn ja, würden Sie das Ganze unterstützen im Sinne der Bürger, denen Sie und wir als Abgeordnete dienen?

Unbekannt
1 Vermerkca. 164 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich führe vor allen Dingen gerne Debatten, die aus meiner Sicht aktuell besonders relevant sind. Die Frage ist doch erst mal: Wie bauen wir eine Lösung, die gut ist? Diese müssen wir beantworten, bevor wir über Pflichten und sonstige Dinge reden. Wir müssen uns doch erst mal dazu befähigen, dort hinzukommen, statt Diskussionen über „Digital only, digital first“ zu führen. Lassen Sie uns doch erst mal gute Lösungen bauen! Daran arbeiten wir mit ganzer Kraft. Der Rest ergibt sich von selber.

Und ich bin mir ganz sicher: Wenn die Bürgerinnen und Bürger den Nutzen erkennen, dann werden sie am Ende auch die Notwendigkeit sehen, das zu nutzen. Aber es geht darum: Es muss vor allen Dingen auch benutzerfreundlich sein. – Das ist meine Antwort darauf.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
ca. 66 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie haben ja gerade dargestellt, dass Sie mit der EUDI-Wallet daran arbeiten, ein attraktives Angebot zu machen. Meine Frage geht dahin: In welcher Form haben Sie auch das Ökosystem im Blick, um in die Wirtschaft und die Verwaltung hinein dazu beizutragen, dass diese EUDI-Wallet später auch Nachweise zu unser aller Nutzen in sich tragen wird?

Unbekannt
ca. 161 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, vielen Dank für diese Frage. – Wir haben das Projekt sehr professionell aufgesetzt mit Topunterstützung sowohl im technischen als auch im Sicherheitsbereich. Einer der Schwerpunkte ist: Wie befähigen wir die Wallet, dass wir wichtige Dokumente darin haben? Ein anderer Schwerpunkt ist, den Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger dadurch zu steigern, dass Unternehmen auch auf Basis der Wallet Lösungen bauen können. Beispielsweise: Wenn Sie sich bei der Bank identifizieren müssen, kann das über die Wallet passieren. Wenn Sie einen Mobilfunkvertrag abschließen, kann das über die Wallet passieren. Daran arbeiten zunehmend mehr Unternehmen, um auf Basis dieser Wallet –

Rednerwechsel

– bessere Produkte für die Bürger zu bauen.

Porträt von Johannes Schätzl
Foto: Johannes Schätzl/ Maximilian König
ca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Wildberger, wir begrüßen ausdrücklich Ihre Anstrengungen zur Modernisierung dieses Landes. Der Blick geht in die Modernisierungsagenda. Da haben Sie viele Themen zur Modernisierung der Verwaltung aufgeschrieben. Nicht im gleichen Umfang sprechen Sie aber in dieser Modernisierungsagenda auch von der digitalen Souveränität, obwohl wir wissen, dass Sie dieses Thema als Toppriorität ansehen und auch in Ihrem Haus zur Chefsache gemacht haben.

Meine Frage richtet sich daher auf die Kombination dieser beiden Punkte. Wie schaffen wir es, bei der Modernisierungsagenda und auch bei der Modernisierung unserer Verwaltung die digitale Souveränität – dazu gehört auch die technologische Souveränität – sicherzustellen? Wie schaffen wir es, diese beiden komplexen Themen zu kombinieren?

Unbekannt
1 Vermerkca. 228 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Schätzl, für diese Frage. – Digitale Souveränität ist, wie Sie sagen, ein ganz wichtiges Thema für mich. Es ist auch eine Herzensangelegenheit; denn das bedeutet, dass wir selber am Wachstum partizipieren, dass wir Innovationen wieder positiv begegnen und dass wir führend an wichtigen Technologien teilhaben.

Die Verwaltungsdigitalisierung, insbesondere die Automatisierung von sehr komplexen Prozessen, die wir geschaffen haben, ist dabei ein wichtiger Baustein. Das wird der Verwaltung helfen, Dinge schneller zu machen. Die Bürgerinnen und Bürger werden spüren, dass Genehmigungsverfahren schneller ablaufen. Auch dem Fachkräftemangel, den wir haben, können wir damit begegnen. Wir arbeiten ganz aktiv mit Unternehmen zusammen, Lösungen für die Verwaltung, insbesondere in der Verfahrensautomatisierung, zu erarbeiten. Ich bin mir ganz sicher, dass wir in dieser Legislaturperiode ein gutes Momentum aufbauen.

Das ist auch ein Baustein dafür, dass wir digital souveräner werden; denn wir bauen technische Lösungen, die wir heute gegebenenfalls woanders einkaufen würden. Insofern sind wir als Staat auch als Ankerkunde dabei. Das ist ein ganz wichtiges Thema.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Rebecca Lenhard
Foto: Grüne Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Rückfrage bezieht sich auch auf den Bereich „digitale Souveränität“. Ich freue mich, dass Ihnen das Thema genauso wichtig ist wie uns.

Wir sind in einigen Bereichen hochgradig abhängig von Microsoft, insbesondere in unserer Verwaltung. Wir haben jetzt mitbekommen, dass Datenabflüsse nicht sicher vermieden werden können. Deswegen zum einen meine Frage: Wann wird Deutschland endlich unabhängig von Microsoft?

Und die andere Frage: Wir haben jetzt ein Sondervermögen. Darauf können auch die Länder für Digitalisierungsprojekte zugreifen. Werden Sie sicherstellen, dass dieses Sondervermögen, das für Zukunftsinvestitionen gedacht ist, nicht in Lizenzen von Microsoft fließt, damit wir unsere Abhängigkeiten da nicht noch weiter verstärken? – Danke schön.

Unbekannt
1 Vermerkca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Zur digitalen Souveränität gehört natürlich auch, dass wir zu Produkten, beispielsweise im Office-Bereich, Alternativen haben. Deshalb haben wir in unserer Strategie sehr klar verankert, auf Alternativen zu setzen, wie zum Beispiel openDesk. Wir setzen auch sehr stark auf die Weiterentwicklung offener Standards. Das werden wir auch mit entsprechenden Geldern unterstützen.

Ich möchte aber auch betonen: Der Weg zur digitalen Souveränität ist ein Prozess. Man kann auch heute schon eine Office-Umgebung sicherer bauen als in der Vergangenheit. Das heißt aber nicht, –

Rednerwechsel

– dass wir nicht auch auf Alternativen setzen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Johannes Schätzl
Foto: Johannes Schätzl/ Maximilian König
ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist sehr nett; danke, Frau Präsidentin. – Sie haben beim Thema „digitale Souveränität“ von Blickwinkeln gesprochen. Da müssen wir auch den Blick zum ZenDiS richten. Das ZenDiS soll sich ja bis Ende 2026 selbst tragen. Das ZenDiS wird damit bis mindestens 2026 Mittel benötigen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass das ZenDiS bis 2026 – aber ehrlich gesagt auch darüber hinaus – entsprechende Mittel vom Bund erhalten wird?

Unbekannt
ca. 123 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Das ist eine wichtige Frage, die wir sicherlich auch in der Haushaltsdebatte noch mal thematisieren werden. Wir haben das ZenDiS entsprechend unserem Vorschlag mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Sie wissen, dass das ZenDiS ein ganz wichtiger Baustein in den nachgelagerten behördlichen Strukturen ist, auf die wir bei der Umsetzung setzen. Das werden wir auch weiterhin fortführen. Und Sie wissen auch, dass wir grundsätzlich an einer Struktur bezogen auf die Frage: „Wie kann am Ende eine Digitalagentur aussehen, die uns befähigt, Maßnahmen sehr kraftvoll umzusetzen?“ arbeiten. Dafür ist ZenDiS ein wichtiger Baustein.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
1 Vermerkca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, die digitale Souveränität wurde angesprochen. Wir sind hochgradig abhängig von Microsoft. Der Internationale Strafgerichtshof hat sich jetzt entschieden, aus der Nutzung von Microsoft auszusteigen und eine deutsche Lösung zu nutzen. Wenn Sie nach Schleswig-Holstein gucken, sehen Sie: Auch dort nutzt eine schwarz-grüne Regierung schon viele deutsche Techniken bzw. viel deutsche Software.

Ich frage Sie: Kennen Sie die Beispiele aus Deutschland, aus Schleswig-Holstein, und was machen Sie, um endlich auch auf Bundesebene mehr nichtamerikanische Software zu nutzen?

Unbekannt
1 Vermerkca. 170 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Was wir tun, ist sehr konkret: Wir kommen bei all diesen Themen nach sechs Monaten in die Umsetzung. – Die Thematik „digitale Souveränität“ ist nicht plötzlich, sondern in den letzten, sage ich mal, 15, 20 Jahren entstanden. Wir handeln ganz konkret.

Und was machen wir in unserem eigenen Haus? Wir nehmen die gleiche Software wie die, die auch in Schleswig-Holstein eingesetzt wird. Wir testen sie und rollen sie aus, und gleichzeitig sehen wir, wo wir weiterentwickeln müssen. Wir werden das auch mit entsprechenden Geldern unterfüttern; wir fördern das sehr. Wir haben dazu auch in einem sogenannten Deutschland-Stack technisch die Möglichkeiten geschaffen, dass wir eigenständig entwickeln. Das ist mir ein großes Anliegen, und da werden wir auch vorankommen.

Das ist doch nicht die Beantwortung der Frage, Herr Minister! Was ist denn das?

Porträt von Pierre Lamely
Foto: Pierre Lamely/ Verity Vian Studio
1 Vermerkca. 135 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Ich habe eine Frage an die Ministerin. Sie sprachen eingangs davon, Demokratie zu fördern, und von dem Programm „Demokratie leben!“. Ich komme aus Fulda. Die AfD hat dort einen Akteneinsichtsausschuss eingeleitet, um zu prüfen – –

Das ist keine Nachfrage!

Rednerwechsel

Ja.

Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an die Ministerin. Sie haben wiederholt betont, wie wichtig Ihnen auch die mentale Gesundheit ist. Letzte Woche gab es von der Bundesschülerkonferenz einen Alarmruf mit der Aussage, dass ein Fünftel aller Schülerinnen und Schüler von Problemen mit mentaler Gesundheit betroffen ist und dass sie sich einsam und allein fühlen. Das belegen auch sehr viele Studien.

Darum möchte ich Sie gerne fragen: Was sagen Sie den Betroffenen? Warum stellt die Bundesregierung das Modellprogramm „Mental Health Coaches“ ein, obwohl es so gut evaluiert wurde und noch kein eigenes Konzept vorliegt?

Und das Zweite: Werden Sie die Länder und die Kommunen dabei unterstützen, dass sie mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen bekommen?

Unbekannt
ca. 162 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Tatsächlich besorgt mich dieses Thema seit geraumer Zeit; es besorgte mich auch bereits in meiner Funktion als Schulministerin. Wir haben nicht nur durch Corona, aber auch durch Corona eine Schülergeneration, eine Generation von jungen Leuten, die offensichtlich mental stark belastet ist. Wir haben dazu nicht erst seit letzter Woche eine breite Studienlage. Alle Beteiligten auf Landes- und auf Bundesebene sowie in den Kommunen sind aufgefordert, dazu beizutragen, dass sich Kinder und Jugendliche in der Schule, aber auch darüber hinaus besser fühlen, damit sie besser lernen können.

Wir brauchen dafür eine Strategie, die tatsächlich ressortübergreifend ist. Die Mental Health Coaches sind ein Modellprojekt; sie waren auch nie was anderes als ein Modellprojekt. Jetzt brauchen wir eine übergreifende Strategie. Wir müssen die Mittel, die wir zur Verfügung haben, sehr klug einsetzen, um mehr Schülerinnen und Schüler zu erreichen.

Unbekannt
1 Vermerkca. 168 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wie Sie wissen, Frau Abgeordnete, ist das nicht die ureigene Aufgabe des Bundes, sondern es gibt ein breites Netzwerk von Unterstützung für Kinder und Jugendliche auf Landesebene und auf kommunaler Ebene, wo diese Aufgabe im Wesentlichen verortet ist. Trotzdem soll der Bund ein Konzept entwickeln, und das werden wir tun, gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium. Selbstverständlich arbeiten wir bereits daran, und insofern können Sie davon ausgehen, dass wir hier im nächsten Jahr ein entsprechendes Konzept vorlegen werden.

Das „Mental Health Coaches“-Programm ist ein kleines Programm, das nur wenige Schulen erreicht, –

Rednerwechsel

– und ich glaube nicht, dass wir damit das Problem lösen werden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin, vielen Dank. – Ich habe in der Tat eine Nachfrage zum Thema „mental health“. Sie haben gerade am Rande erwähnt, dass unter anderem Corona ein Problem gewesen ist. Es gab in der letzten Legislaturperiode auf Antrag der Union einen umfangreichen Bericht über die gravierenden Folgen, die die Coronakrise für die mentale Gesundheit gerade der jungen Leute gehabt hat. Genau genommen muss man sagen: Nicht Corona war das Problem für die Schüler, sondern die Coronamaßnahmen, der Lockdown.

Können Sie vielleicht einmal evaluieren, wie schwerwiegend die Probleme sind, die durch die von Ihnen zu verantwortenden Lockdown-Maßnahmen entstanden sind, –

– und mit welchen Folgen wir da heute zu kämpfen haben?

Meine Güte!

Unbekannt
ca. 143 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Kinder und Jugendliche haben unter den unter Grundrechtsabwägungen getroffenen Entscheidungen zu Schulschließungen tatsächlich in besonderem Maße leiden müssen; ich glaube, das ist inzwischen Konsens. Trotzdem waren es Abwägungsentscheidungen, die nach bestem Wissen und Gewissen zu dem jeweiligen Zeitpunkt getroffen worden sind. Wie Sie vielleicht wissen, gehörte ich sehr früh zu denen, die gesagt haben: Lasst uns die Schulen lieber länger offen lassen; lasst uns lieber mehr Kinder in die Schulen hineinholen!

Rednerwechsel

Dennoch waren es Abwägungsentscheidungen, die damals getroffen worden sind.

Porträt von Filiz Polat
Foto: Filiz Polat/ Annette Koroll
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, die Besonderheit in Ihrem Ministerium ist ja, dass Sie sowohl für Bildung als auch für die psychosoziale Versorgung von Geflüchteten zuständig sind. Meine Frage ist: Welche Notwendigkeit sehen Sie, welche Maßnahmen ergreifen Sie, beide Themen zusammenzudenken? Wir haben viele traumatisierte Kinder – Mädchen und Jungs – aus der Ukraine, Mädchen und Jungs aus Afghanistan, aber auch aus Syrien aufgenommen, und in den Schulen ist das Thema „Erkennung von psychosozialen Traumata“ noch nicht so verbreitet.

Rednerwechsel

Wie sehen Sie diese Aufgabe in Ihrem Haus?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Unbekannt
ca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Selbstverständlich ist es so, dass geflüchtete Kinder und Jugendliche aufgrund ihres Lebenswegs häufig und vielleicht auch häufiger als andere Kinder unter besonderen Traumata oder Beeinträchtigungen leiden. Selbstverständlich müssen diese im Rahmen des Regelsystems zunächst einmal behandelt werden.

Und es ist richtig, dass wir uns insgesamt mit der Frage beschäftigen, wie wir die Versorgung von Kindern und Jugendlichen, auch der geflüchteten Jugendlichen, in Deutschland verbessern können. Dazu müssen Bund, Länder und Kommunen und auch die Ressorts zusammenarbeiten und besser werden.

Porträt von Konrad Körner
Foto: Dr. Konrad Körner/ Julia Durmann
ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin, die mentale Gesundheit von jungen Menschen hängt vor allem auch an einem stabilen Umfeld und an einem stabilen Betreuungsumfeld. Wir haben mit der Ganztagsbetreuung erste Schritte gemacht. Könnten Sie vielleicht ganz kurz darauf eingehen, welche weiteren Schritte die Bundesregierung plant, um die Ganztagsbetreuung bzw. stabile Betreuungsverhältnisse für junge Menschen auf flexible Füße zu stellen, damit das wirklich bei allen Kindern ankommt?

Unbekannt
ca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Dr. Körner. – Ich will das einmal sehr deutlich sagen: Tatsächlich ist die Frage, wie Schule mit Kindern umgeht, für deren seelisches Wohlbefinden von großer Bedeutung. Wir brauchen im Übrigen auch noch sehr viel mehr Forschung an dieser Stelle.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung kommt zum 01.08.2026. Bund, Länder und Kommunen bilden hier eine Verantwortungsgemeinschaft. Der Bund unterstützt das mit Investitionsmitteln in Höhe von 3,5 Milliarden Euro, mit Betriebsmitteln in Höhe von 1,3 Milliarden Euro und mit vielen anderen begleitenden Maßnahmen. Es ist ein riesiger Gewinn für unser Land, dass der Ganztagsanspruch endlich kommt.

Porträt von Ronja Kemmer
Foto: Ronja Kemmer/ Tobias Koch
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Minister Wildberger, ich möchte noch mal unterstreichen, dass das heute, glaube ich, dank des „Entlastungskabinetts“ ein wirklich sehr guter Tag ist. Wir begrüßen ausdrücklich, dass das Kabinett heute ein so umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen hat.

Ich denke, wir sind uns hier einig: Gerade in wirtschaftlich und auch gesellschaftlich herausfordernden Zeiten müssen wir dafür sorgen, dass Bürger, dass Unternehmen, aber auch die Verwaltung selbst entlastet werden. Und deswegen würde ich jetzt gerne noch mal nachfragen: Welche Maßnahmen sind ganz konkret für die betroffenen Bürger, für Unternehmen geplant, und wann werden diese auch spürbar sein?

Unbekannt
ca. 184 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich gebe jetzt mal einige Beispiele, weil es sehr wichtig ist, das auch mal plastisch zu machen.

Das Energieeffizienzgesetz – wichtiges Thema; viele Berichtspflichten, die auch viele Unternehmen, den Mittelstand belasten – wird zurückgeführt auf den EU-Standard. Das heißt, die Sonderlocken, die wir einführten, werden zurückgenommen. Wichtiges Thema!

Zum Bereich des Baurechts. Wenn Privatpersonen bauen, sind die Kosten sehr, sehr hoch. Bei dem Gebäudetyp E besteht die Möglichkeit, nach anderen Standards zu bauen. Das macht das Bauen schneller und billiger. Ganz wichtiges Thema!

Nächstes Thema. Wir investieren in die Infrastruktur, gerade im Verkehrswesen. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ist dann natürlich der strategisch nächste Schritt, um zu sehen, wie wir das Geld schneller und besser auf die Straße bringen können. Und am Ende des Tages wird es dadurch natürlich auch etwas günstiger.

Und auch der Arbeitsschutz ist ein wichtiges Thema. Viele Betriebe, gerade mittelständische, leiden unter dem Beauftragtenwesen, und da schaffen wir Entlastung, indem wir über 120 000 Sicherheitsbeauftragte abschaffen.

Das sind sehr konkrete Vorhaben, die auch spürbar werden.

Porträt von Ronja Kemmer
Foto: Ronja Kemmer/ Tobias Koch
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, vielen Dank. – Der Schlüssel für viele Entlastungen liegt ja auch in Brüssel. Deswegen ist es, glaube ich, ganz entscheidend, dass die Bundesregierung jetzt auch zum digitalen Omnibus hier eine Position geeint hat, sodass es kein German Vote, also Enthaltungen, mehr geben wird. Welche Themen halten Sie denn für besonders wichtig mit Blick auf den digitalen Omnibus?

Unbekannt
1 Vermerkca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben heute auch vereinbart, dass wir uns in Brüssel weiterhin sehr aktiv einbringen, um dort auch unseren Einfluss stärker geltend zu machen, und ich bin sehr dankbar, dass wir uns in der Bundesregierung – CDU, CSU und SPD – zum digitalen Omnibus einigen konnten. Endlich haben wir eine geeinte Position zu den Themen. Wir haben uns aktiv eingebracht, um die Regulierung innovationsfreundlicher zu gestalten. Denn die Problematik ist nicht, dass wir die Risiken nicht adressieren wollen – natürlich wollen wir das –; aber so, wie es handwerklich gemacht ist, bremsen wir uns selber aus dem Markt. Und wir wollen einfach mehr Freiraum schaffen für Innovationen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
1 Vermerkca. 79 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister, Bürokratierückbau ist ein Dauerlauf. Bisher ging es allzu oft im Schneckentempo voran. Jetzt haben wir mit Ihnen jemanden auf der Regierungsbank – das merkt man heute –, der ein echter Pacemaker ist; Sie machen Tempo. Wir wollen dieses Tempo als Regierungsfraktion aufnehmen. Welche Vorhaben planen Sie jetzt, als Nächstes in die Umsetzung zu bringen,

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

und wie fügen sich diese Vorhaben in die Modernisierungsagenda des Bundes ein?

Unbekannt
1 Vermerkca. 154 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Nach dem heutigen Tag müssen wir die Dinge jetzt natürlich auch umsetzen. Ich möchte möglichst viel davon bis zum Ende des ersten Quartals 2026 mit den anderen Häusern gemeinsam machen.

Wir stimmen uns sehr stark mit den Ländern über eine föderale Modernisierungsagenda ab. Da wird, finde ich, sehr gute Arbeit geleistet. Was mich besonders freut, ist, dass auch die Messlatte der föderalen Agenda auf der Modernisierungsagenda Bund aufsetzt. Das heißt, Anfang Dezember können wir auch auf föderaler Seite eine ganze Menge erwarten.

Seit heute Mittag wird natürlich an den Themen weitergearbeitet; denn die Umsetzung ist kontinuierlich.

Aber das ist jetzt keine Hauptfrage, oder?

Das ist eine Nachfrage!

Porträt von Moritz Heuberger
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, vielen Dank. – Herr Minister, Sie haben die Entlastungen angesprochen, die Sie heute verkündet haben. Da habe ich vor allem Entlastungen in Millionenhöhe für Unternehmen gesehen. Das ist gut; das ist ein guter Schritt. Aber ich frage Sie: Wo bleiben die Entlastungen im großen Stil für die Bürgerinnen und Bürger, die stundenlang auf Ämtern warten, die sich teils Tage Urlaub nehmen müssen, um Behördengänge zu absolvieren? Wo kommt da die Entlastung, damit man nicht jedes Semester neu BAföG beantragen muss, damit man nicht bei jeder Geburt eines Kindes zu drei verschiedenen Behörden rennen muss?

Unbekannt
2 Vermerkeca. 165 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Heuberger, Sie geben mir die Gelegenheit, die Dinge, die wir in dem Bereich der Verwaltungsdigitalisierung machen, die den Bürgerinnen und Bürgern mit der Zeit direkt zugutekommen werden, noch mal ganz kurz holzschnittartig in 18 Sekunden darzustellen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir arbeiten mit den Ländern zusammen, damit wir digitale Dienste möglichst schnell ausgerollt bekommen. Wir haben das i-Kfz als zentrales Thema. 10 Millionen An- und Ummeldungen von Fahrzeugen pro Jahr: Das werden wir automatisieren. Und so können wir die Reihe fortsetzen.

Das wird auch die Sozialleistungen betreffen, die sehr komplex sind. Da organisieren wir uns gerade, wie wir das angehen wollen.

Also, es ist verdammt viel in Arbeit, und davon werden auch die Bürgerinnen und Bürger profitieren.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sonja Lemke
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
1 Vermerkca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau. – Anschließend an die Frage von Herrn Heuberger: Sie haben ja Entlastungen von Unternehmen angesprochen, unter anderem im Arbeitsschutz. Wie wollen Sie sicherstellen, dass diese Entlastungen nicht zulasten der Arbeitnehmer/-innen und ihrer Rechte gehen?

Beifallbei Abgeordneten der Linken und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Unbekannt
2 Vermerkeca. 212 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich glaube, dass wir – –

Unruheauf der Besuchertribüne
Rednerwechsel

Die Bundesregierung nimmt natürlich die Rechte und die Grundrechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bzw. der Bürgerinnen und Bürgern absolut ernst. Natürlich stehen wir hier im Austausch mit den Unternehmen, und wir überlegen uns auch, ob die Berichtspflichten und das Beauftragtenwesen, das wir in den letzten Jahren eingeführt haben, überhaupt Wirkung entfalten. Der „Luftdruckbeauftragte“ tut dies zum Beispiel nicht; also nehmen wir dergleichen zurück.

Man muss sich da mal mit den Unternehmen unterhalten, gerade im Mittelstand, und sie fragen, worunter sie ächzen. Das werden wir auch weiterhin tun. Natürlich gucken wir uns das genau an.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]
Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
1 Vermerkca. 188 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin Prien, die Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten an Schulen ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen. Vor wenigen Wochen hat ein Schulleiter in Brandenburg verhindert, dass ein Zehntklässler ein Praktikum bei der vom brandenburgischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch geführten AfD-Landtagsfraktion macht. Danach ist er von einer Welle aus Hasskommentaren und Drohungen erfasst worden. Ein Zitat lautete zum Beispiel „dreckiger Pädagoge“. Oder ein anderes Zitat:

„Namen und Adressen der Entscheider, dessen Ehepartner und Angehörige bekanntmachen! Der Rest erledigt sich von selbst.“

Mit solchen Kommentaren reagieren die Anhänger der AfD. Die Schulaufsicht musste die Polizei einschalten.

Frau Ministerin, ich denke, wir sind uns einig: Der Schulleiter hat völlig korrekt gehandelt. Lehrkräfte sollen natürlich für das Grundgesetz, für die Demokratie und die Menschenrechte Partei ergreifen.

Meine Frage an Sie lautet: Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Schulleitungen und Lehrkräfte vor rechten Einschüchterungsversuchen und Hasskampagnen zukünftig zu schützen?

Rednerwechsel

Wie schützen Sie die Lehrkräfte vor den AfD-Meldeportalen?

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Unbekannt
2 Vermerkeca. 186 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Liebe Frau Gohlke, ich beobachte wie Sie die Zunahme extremistischer Tendenzen, insbesondere extremistischer Tendenzen an unseren Schulen, mit großer Sorge.

Ich bin nicht unmittelbar zuständig; das wissen Sie auch. Es ist im Wesentlichen Aufgabe der Landesministerien und der Schulverwaltungen der Länder. Ich kann Ihnen aber sagen, dass ich ganz dezidiert der Auffassung bin: Schule ist kein neutraler Ort,

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

sondern Schule ist ein Ort, an dem das Grundgesetz mit seinen Wertentscheidungen, der Menschenwürdesatz und der Menschenwürdekern der Grundrechte nicht nur gelten, sondern an Schüler vermittelt werden müssen. – Schulverwaltungen und Schulleitungen haben sich hinter Lehrkräfte zu stellen. Ich werde das immer unterstützen, so wie ich das bei meinen Mitarbeitern auch mache.

Was wir tun können, ist, zur Forschung beizutragen. Wir können zur Fortbildung beitragen und auch mit den Ländern immer wieder gemeinsam beraten, wie wir eine wirksame Extremismusbekämpfung – auch an Schulen – gut miteinander hinbekommen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, vielen Dank für die Klarstellung und Ihre Haltung. Es ist aber natürlich schon so, dass die Schulen unter einem massiven Fachkräftemangel, unter zu großen Klassen und an Überlastung leiden.

Ich frage mich: Wie sollen die Lehrkräfte, die Schulsozialarbeiter, die Schulpsychologinnen und -psychologen diesen zusätzlichen Aufgaben gerecht werden in dem Wissen, dass bis 2030 alleine mehr als 100 000 Lehrkräfte fehlen werden? Wo sind die konkreten Maßnahmen der Bundesregierung, um auch von Bundesseite gegen den Personalmangel vorzugehen –

Vielen Dank.

Rednerwechsel

– und um pädagogische Berufe attraktiver zu machen?

Danke. – Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 245 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, Sie wissen, dass ich mich in meinem Bundesland leidenschaftlich für mehr Personal eingesetzt habe. Aber das ist nun wirklich nicht Aufgabe des Bundes, sondern es ist Aufgabe der Länder, für die angemessene Personalausstattung Sorge zu tragen.

Übrigens teile ich Ihre Einschätzung zu den 100 000 fehlenden Lehrern nicht. Wir haben in Teilen ja schon wieder rückläufige Schülerzahlen. Da würde ich eher sagen: Wichtig ist jetzt, die demografische Rendite, die durch rückläufige Schülerzahlen entstehen wird, zu sichern und vor allem die Lehrkräfte durch Fortbildung starkzumachen, damit sie qualifiziert in diese Auseinandersetzung gehen können.

Ansonsten unterstützen wir über das Startchancen-Programm –

Vielen Dank.

Rednerwechsel

– die Länder sehr intensiv. Wir unterstützen sie über den Digitalpakt, über das Ganztagsförderungsgesetz, über die zusätzlichen Mittel des Sondervermögens.

Frau Ministerin, Sie müssen zum Ende kommen.

Rednerwechsel

Insofern, glaube ich, wird hier seitens des Bundes ausreichend gearbeitet.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich bitte um Verzeihung. Die Zeiten sind hier sehr limitiert angesetzt. Dass das der Komplexität mancher Fragestellung und Antwort nicht gerecht wird, das weiß das Hohe Haus; es hat sich dennoch diese Regeln gegeben.

Die nächste Nachfrage kommt von Maik Brückner von der Linken.

Porträt von Maik Brückner
Foto: Maik Brückner/ Jannis Hutt
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Das Berliner Verwaltungsgericht hat im Juni entschieden, dass eine Regenbogenflagge im Hort einer Grundschule nicht gegen das staatliche Neutralitätsgebot verstößt. Die Urteilsbegründung empfehle ich einigen mal zu lesen.

Da mir diese unsägliche Sommerlochdebatte rund um Regenbogenflaggen auf dem Reichstag immer noch wie wild in den Ohren klingelt, frage ich Sie: Wie stärken Sie darüber hinaus Schulen den Rücken, die sich auf diese Art für die Vielfalt in den Schulen, aber auch in der Gesellschaft einsetzen?

Vielen Dank. – Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Noch mal: Ich zeige Haltung in diesen Fragen, aber ich bin nicht zuständig für die einzelne Schule vor Ort. Mir das anzumaßen, wäre in einem föderalen Staat schlicht falsch. Dafür ist die Zuständigkeit der Landesministerien und der Landesschulverwaltungen gegeben.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage ist von Nyke Slawik, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Nyke Slawik
Foto: Nyke Slawik/ Dominik Butzmann
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrte Ministerin Prien, Thema „rechtsextreme Gewalt“. Ich habe, ehrlich gesagt, Angst angesichts rechtsextremer Bedrohungen im Stadtbild. Ich war dieses Jahr auf etlichen CSDs zu Gast; kaum eines wurde nicht durch Neonazis bedroht. Gleichzeitig werden auch in Ihrer Fraktion Programme wie „Demokratie leben!“ infrage gestellt; queere Menschen wurden mit einem Zirkus verglichen.

Wie stehen Sie dazu, und welchen Beitrag werden Sie leisten, queere Menschen und ihre Angehörigen vor Angriffen und Gewalt zu schützen? – Vielen Dank.

Vielen Dank. – Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich beobachte wie Sie mit Sorge, dass Menschen, die sich zu anderen geschlechtlichen Identitäten bekennen, Angriffen und Übergriffen ausgesetzt sind. Das ist nicht hinnehmbar.

Der Schutz vor Diskriminierung hat auch für diese Bundesregierung hohe Priorität. Wir werden das Programm „Demokratie leben!“ – so wie im Koalitionsvertrag vereinbart – durch entsprechende Programme weiter fortsetzen. Dazu gehört natürlich auch, die Frage des Schutzes vor Diskriminierung in unserer Gesellschaft weiter voranzubringen.

Vielen Dank. – Die letzte Nachfrage zu dieser Hauptfrage hat die Kollegin Birgit Bessin von der AfD.

Porträt von Birgit Bessin
Foto: Birgit Bessin/ AfD-Fraktion
1 Vermerkca. 115 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Zum Thema „Gewalt an Schulen“ hatte Ihr Ministerium mir geantwortet, dass es 2024 fast 10 000 Gewalttaten und etwa 26 Körperverletzungen an Schulen gab; unter den Tatverdächtigen gab es einen überdurchschnittlichen Anteil an afghanischen, syrischen und irakischen Jugendlichen unter 14 Jahren.

Des Weiteren wurde zum Thema Kinderkopftuch von Berliner Lehrern erklärt, dass auf Schülerinnen Druck ausgeübt wird, muslimische Werte anzunehmen. Ich frage Sie: Welche Rahmenbedingungen wollen Sie schaffen, um die Länder dabei zu unterstützen, –

Vielen Dank.

Rednerwechsel

– den Schutz unserer Kinder in den Vordergrund zu stellen?

Tun Sie doch nicht so, als wäre Ihnen das ein Anliegen!

Danke. – Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 184 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Gewalt an Schulen ist nicht hinnehmbar, und zwar ganz egal, von wem sie ausgeübt wird. Ich habe mich als Schulministerin – da war ich nämlich zuständig; im Bund bin ich nicht zuständig – immer für eine Nulltoleranzpolitik ausgesprochen. Die Schule bleibt ein pädagogischer Ort. Das heißt, Konflikte müssen so ausgetragen werden, dass Schülerinnen und Schüler die Chance haben, sich zu entwickeln.

Mit Blick auf das Thema Kopftuch gibt es eine Rechtsprechung des Verfassungsgerichts, die an die Frage des Schulfriedens anknüpft.

Vielen Dank.

Rednerwechsel

Hier tragen die Schulleitungen eine große Verantwortung, und wenn man das richtig macht, so meine Erfahrung, dann klappt das auch.

Vielen Dank, Frau Ministerin.

Rednerwechsel

Insofern sind die Kollegen in den Ländern hier zuständig.

Herzlichen Dank. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Diese stellt Stephan Brandner, AfD.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 161 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Prien. – Ich habe ebenfalls eine Frage an Sie. Sie verantworten ja das Förderprogramm „Demokratie leben!“; das kam heute schon ein paarmal zur Sprache. Es ist ein Förderprogramm mit einem Volumen von ungefähr 200 Millionen Euro im Jahr für ganz bunten, linken Kulturkampf. Die Organisationen, die dadurch gefördert werden, bekämpfen steuergeldfinanziert deutschlandweit konservative Meinungen, inzwischen auch die CDU, wie im Nachgang zu der „Stadtbild“-Debatte auf den Straßen zu erleben war.

In Leipzig-Connewitz – linke Hochburg – werden Straßenterrorgruppen gefördert, die dafür verantwortlich sind, Straßenschlachten zu führen, und die Polizeistationen angreifen. In Heidelberg fand eine Werbemaßnahme für die islamische Verschleierung statt unter dem Motto: „Style mit Tuch: Dein Hijab, deine Geschichte“. Meine Frage ist: Warum fördern Sie solchen Unsinn und auch solche linksextremistischen Strukturen in Deutschland?

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Denken Sie sich mal was Neues aus!

Es geht um die Demokratie, und die ist gefährdet!

Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 170 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es wird Sie nicht wundern, dass ich die in Ihrer Frage enthaltenen Unterstellungen so nicht teile. Alles, was in diesem Jahr gefördert ist, habe nicht ich genehmigt, sondern das ist noch von der Vorgängerregierung genehmigt worden. Insofern können Sie mir daraus auch, glaube ich, keinen Strick drehen.

Mir ist wichtig, dass wir Demokratie in unserem Land fördern, dass Demokratiebildung und Extremismusbekämpfung in unserem Land stattfinden, und zwar in einer pluralistischen Art und Weise. Gehen Sie davon aus, dass ich darauf achten werde, dass das in Zukunft so geschieht. Und gehen Sie auch davon aus, dass ich darauf achten werde, dass zukünftig die Verfassungstreue von den Förderempfängern stärker in den Blick genommen wird. Ich halte das Programm aber nach wie vor für ein sinnvolles Programm und werde es in diesem Sinne auch weiter ausgestalten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]

Haben Sie eine Nachfrage? – Herr Brandner, bitte.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Es ist ja schön, dass Sie sich zumindest teilweise von Ihren Vorgängern und von den Umtrieben, die da stattgefunden haben, distanzieren. – Es gibt Publikationen, bei denen Sie uns vielleicht weiterhelfen können, um zu klären, was das sein soll: „Diqui: Demokratie ist queer und intersektional“. Was soll das bedeuten?

Es gibt die Dokumentation eines Webinars – das will ich mir jetzt gar nicht vorstellen – über „Queere Schwanger- und Elternschaft“ oder auch eine Publikation zur Detransition: „Perspektiven zu Transitionsverläufen von trans*“ -Sternchen – „und detrans Personen“. Vielleicht sagen Sie mal kurz was zu diesen drei Publikationen und Projekten und erläutern, was dahintersteckt.

Ist mal wieder für seinen Youtube-Kanal gemacht!

Frau Ministerin.

Unbekannt
4 Vermerkeca. 162 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Netter Versuch, Herr Brandner.

Nee, das ist meine Frage!

Aber Sie werden mir zugestehen, dass ich diese Publikationen nicht kenne

Ja, aber Sie haben die gefördert!

und dass ich darauf auch nicht weiter eingehen werde.

Ich will überhaupt nicht bestreiten, dass von einzelnen Förderempfängern Dinge publiziert werden – wobei ich es nicht verifizieren kann –, die mir inhaltlich wenig sagen oder die mir auch nicht gefallen. So ist das in einer pluralistischen Gesellschaft: Vieles muss man hinnehmen, was einem nicht gefällt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, an Abg. Stephan Brandner [AfD] gewandt: Das muss man aushalten, Herr Brandner!

Im Übrigen habe ich deutlich gemacht, wie ich mir die Administration und Ausrichtung des Programmes zukünftig vorstelle.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die erste Nachfrage hat die Kollegin Birgit Bessin, AfD.

Porträt von Birgit Bessin
Foto: Birgit Bessin/ AfD-Fraktion
2 Vermerkeca. 126 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, die Präsidentin hat am Anfang den Brandanschlag auf unseren PGF Baumann verurteilt. Wir alle wissen, dass über das Programm „Demokratie leben!“ Bands mit gewaltverherrlichenden Texten unterstützt werden. Wir wissen, dass deutschenfeindliche Veranstaltungen über das Programm unterstützt werden, dass Lügen, Hass, Hetze, Diffamierung gegen unsere AfD staatlich finanziell unterstützt werden.

Zurufdes Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich frage Sie: Wann stellen Sie solche Förderungen ein? Wann fordern Sie diese Gelder zurück? Wann agieren Sie?

Vielen Dank.

Rednerwechsel

Oder muss erst ein AfDler sterben, Frau Ministerin?

Oh, oh, oh! Jetzt wird’s aber ganz wild!

Zurufdes Abg. Timon Dzienus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank. – Frau Ministerin.

Unbekannt
2 Vermerkeca. 120 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für diese Frage. – Ich glaube, es ist richtig gewesen, dass die Präsidentin hier heute sehr klar und deutlich zu dem Brandanschlag Stellung genommen hat. Es gibt keine Differenzierung – und es darf sie nie geben – bei der Frage, wer von welcher Partei Opfer eines solchen Anschlags wird.

Das sieht der grüne Kollege anders!

Da gilt für alle die gleiche Regel. Insofern teile ich diese Einschätzung.

Ansonsten habe ich mich, glaube ich, abschließend zu der Frage geäußert, wie ich zukünftig mit dem Programm umzugehen gedenke.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage stellt Pierre Lamely.

Porträt von Pierre Lamely
Foto: Pierre Lamely/ Verity Vian Studio
2 Vermerkeca. 197 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Ministerin, auch in Fulda hat das Programm „Demokratie leben!“ einige Highlights produziert, zum Beispiel den Vortrag „Punks im Islam“ oder für 5 100 Euro ein Interkulturelles Feministisches Kino mit anschließender Buchbesprechung. Die Buchtitel waren „Vulva“, „Clit“, „Spritzen“ und „Sie hat Bock“. Zusätzlich gab es eine sogenannte Clitnight. 600 Euro hat die Referentin genommen. Im Programmheft heißt es: „[Wir] basteln zusammen eine Klitoris! Denn da gibt’s nichts zu schämen!“

„Wir haben einiges parat […]“, und: Bringen Sie „Strickzeug, Filz, Lego oder Dekokugeln“ mit!

Was hat das Ihrer Meinung nach mit Demokratieförderung und Extremismusbekämpfung zu tun?

Vielen Dank.

Rednerwechsel

Muss der Steuerzahler für so was wirklich Geld bezahlen?

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Da können Sie vielleicht noch was lernen!

Danke. – Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch da kann ich Ihnen nur antworten: Ich kenne diesen Einzelfall nicht. Er hat sich offensichtlich, wenn denn überhaupt, vor meiner Zeit abgespielt.

Ich habe deutlich gesagt, wie ich mir die neue Ausgestaltung und auch die Schwerpunktsetzung des Programms vorstelle, und das werde ich jetzt so machen. Ich glaube, viel mehr muss ich heute dazu nicht mehr sagen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Timon Dzienus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank. – Die letzte Nachfrage zu dieser Hauptfrage stellt Marvin Schulz, CDU/CSU. Bitte schön.

Porträt von Marvin Schulz
Foto: Marvin Schulz/ Lukas Nitschke
ca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Ministerin, vielen Dank für die Ausführungen. – Sie haben ja auch gesagt, dass das Programm auf Zielerreichung und Wirkung überprüft werden soll. Dass das in einem Rechtsstaat nicht von heute auf morgen möglich ist, sondern seine Zeit braucht, ist klar.

Ich will zum Abschluss den Blick mal in die Zukunft richten und dezidiert danach fragen – weil das hier heute ja die Befragung von Ihnen und dem Digitalminister ist –, welche Schwerpunkte Sie denn gerade bei der Extremismusprävention im digitalen Raum legen wollen.

Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Schulz, für die Frage. – Tatsächlich ist die Extremismusbekämpfung im digitalen Raum ein zukünftiger Schwerpunkt des Programms. Das ist auch bitter notwendig. Wir beobachten, dass die Radikalisierung von jungen Menschen stark zunehmend im digitalen Raum stattfindet. Da fehlen uns bisher die geeigneten Instrumente. Das ist ein außerordentlich ernstzunehmender Bereich, und deshalb wird hier eine Schwerpunktsetzung erfolgen.

Im Übrigen ist es mir wichtig, dass wir mit dem Programm stärker in den ländlichen Raum hineinkommen, dass wir insbesondere auch mehr junge Menschen erreichen. Dafür werden wir stärker an die Regelstrukturen anknüpfen.

Beifallbei der CDU/CSU

Herzlichen Dank. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Diese stellt Jasmina Hostert von der SPD.

Porträt von Jasmina Hostert
Foto: Jasmina Hostert/ Anna Voelske
ca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Liebe Ministerin Prien, ich würde gerne noch mal den Bildungsbereich ansprechen. Sie hatten ja in Ihrem Eingangsstatement den IQB-Bildungstrend angesprochen. Die Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend. Es ist offensichtlich so, dass Schülerinnen und Schüler mehr Unterstützung brauchen.

Wir haben ja wichtige Dinge auf den Weg gebracht; der Ausbau des Ganztags an Grundschulen und das Startchancen-Programm an Schulen sind wichtige Maßnahmen. Was planen Sie denn noch an Initiativen, um die Leistung und die Förderung der Schülerinnen und Schüler weiter zu verstärken?

Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 244 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Hostert. – Die Ergebnisse kann man nicht schönreden. Sie sind unterschiedlich in den Ländern, auch unterschiedlich besorgniserregend; aber sie sind so nicht hinnehmbar. Wir müssen, und zwar Länder und Bund gemeinsam – dazu habe ich ausdrücklich den Ländern meine Hand ausgestreckt –, jetzt eine Trendwende schaffen.

Die wesentlichen Stellschrauben dafür liegen für mich auf der Hand. Die eine ist eine bessere frühkindliche Bildung. Wir müssen bei der Sprachförderung ansetzen. Die frühe Sprachförderung ist wahrscheinlich der entscheidende Schlüssel auch für die Ergebnisse in der neunten Klasse in den Naturwissenschaften; das zeigt jedenfalls der IQB-Bildungstrend sehr deutlich.

Und wir müssen in Sachen datengestützter Schul- und Unterrichtsentwicklung deutlich vorankommen. Wir können da auch von föderal organisierten Ländern wie etwa Kanada lernen, wie man das macht.

Wir müssen einfach darauf achten, dass Kinder basale Kompetenzen zwingend bis Klasse 4 erlernen. Wir müssen darauf achten, dass der Schwerpunkt in der Schule tatsächlich auf Lesen, Schreiben und Rechnen liegt, und zwar so lange, bis die Kinder und Jugendlichen es können. Und dann kann man sich mit vielen anderen Dingen, die auch wichtig sind, beschäftigen.

Vielen Dank.

Rednerwechsel

In dieser Schwerpunktsetzung müssen wir vorangehen, und zwar gemeinsam.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Ihre Nachfrage.

Porträt von Jasmina Hostert
Foto: Jasmina Hostert/ Anna Voelske
ca. 32 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir – Bund, Länder und Kommunen – gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Bildungsziele zu verbessern. Welche Priorität hat das für Sie?

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 129 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das hat für mich absolute Priorität, und deshalb ist der Schwerpunkt meiner Arbeit in den letzten Monaten tatsächlich auch davon geprägt gewesen. Wir schaffen das nur gemeinsam, und zwar nicht nur als Bund, Länder und Kommunen, sondern nur dann, wenn wir auch ressortübergreifend zusammenarbeiten.

Deshalb ist auch die Reform der Kinder- und Jugendhilfe von Bedeutung. Wir müssen die Hilfesysteme stärker an die Schulen heranführen. Denn nur so können wir das, was die Wissenschaftler „Bildungskompensation“ nennen, tatsächlich erfolgreich betreiben, und das heißt am Ende mehr Unterstützung. Kinder müssen sich wohlfühlen in der Schule; sonst können sie nicht gut lernen.

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage kommt von Anja Reinalter, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
1 Vermerkca. 129 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Auch meine Frage geht an die Ministerin. Apropos Prioritäten: Wir möchten Sie gerne fragen, welche Priorität die berufliche Bildung für Sie hat. Dazu passt, dass der Berufsbildungsbericht, der eigentlich per Gesetz seit Mai dieses Jahres hätte veröffentlicht sein sollen, erst heute veröffentlicht wurde. Die Umstrukturierung anzuführen, ist irgendwie keine gute Begründung; denn wir wissen, dass der Bericht seit Mai fertig war. Warum kam er also erst heute ins Kabinett?

Und dann haben Sie bei der beruflichen Bildung vorhin davon gesprochen, –

Herzlichen Dank.

– dass Sie das Aufstiegsversprechen einlösen möchten. Wann kommt eine Reform des AFBG?

Danke. – Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 130 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Reinalter. – Erstens. Selbstverständlich ist mit dem Berufsbildungsbericht im Ministerium schon gearbeitet worden. Also: Keine Sorge, wir haben den nicht liegen lassen.

Zweitens. Wir haben ihn in dem Moment veröffentlicht, in dem die Verwaltungsvereinbarung vollzogen werden konnte; das war am 1. November. Heute war die erste Kabinettssitzung. Den Kabinettsbeschluss brauchten wir.

Und an der AFBG-Reform wird bereits gearbeitet. Gehen Sie davon aus, dass Sie in der ersten Hälfte des nächsten Jahres hierzu einen entsprechenden Gesetzentwurf sehen werden.

Vielen Dank. – Die nächste Frage stellt Stella Merendino für Die Linke.

Ich bin Mareike Hermeier!

– Ich bitte um Verzeihung! Dann habe ich es falsch aufgeschrieben. Ich kümmere mich.

Porträt von Mareike Hermeier
Foto: Mareike Hermeier/ Jennifer Kölker
ca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Auch meine Nachfrage richtet sich an Frau Ministerin Prien. Wir haben jetzt hier über die mannigfaltigen Belastungen der Jugendlichen und Kinder gesprochen, sei es die psychische Belastung, sei es die Belastung in Form der mangelnden Bildung in der Schule.

Eine weitere Belastung ist für junge Menschen und Kinder vor allem Armut. Kinder von Alleinerziehenden fallen überproportional darunter und laufen Gefahr, in riskante Erwerbsformen zu rutschen. Ich möchte wissen: Welche akuten Entlastungen legen Sie 2025/26 als Bundeshilfen für Alleinerziehende auf?

Vielen Dank.

Zum Beispiel zielgenauer Kinderzuschlag, Wohngeldschnittstellen, Schulden- und Mietschuldenhilfen.

Sie müssen zum Ende kommen.

Ich bitte um Startdatum, Mittelansatz und Zuständigkeiten. – Danke.

Danke schön. – Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Abgeordnete, für die Frage. – Wir werden Familienleistungen, insbesondere auch den Kinderzuschlag, vereinfachen. Wir werden sie modernisieren, und wir werden sie für die Familien und auch für die Alleinerziehenden leichter zugänglich machen. Das ist eine wichtige Entlastung für Familien. Wir werden das Elterngeld reformieren; auch hiervon sollen die Alleinerziehenden selbstverständlich profitieren.

Und im Übrigen glaube ich, dass wir, bevor wir jetzt über neue Sozialleistungen nachdenken, über die Wirksamkeit bereits vorhandener Sozialleistungen sprechen –

Vielen Dank, Frau Ministerin.

Rednerwechsel

– und unseren Sozialstaat reformieren müssen.

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Diese Nachfrage stellte die Abgeordnete Mareike Hermeier; auch fürs Protokoll. Ich bitte um Verzeihung, dass das hier durcheinandergerutscht ist.

Die nächste Nachfrage stellt Dr. Markus Reichel für die Union.

Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
ca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, Sie haben ja gerade vom Herrn Minister in einer sehr nachdrücklichen und eindringlichen Schilderung gehört, wie die EUDI-Wallet als digitale Briefbörse vorbereitet wird. Daher meine Frage an Sie: Wie arbeiten Sie daran, dass die dann auch zum Beispiel mit digitalen Bildungsnachweisen befüllt werden kann?

Unbekannt
1 Vermerkca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter, für diese wichtige Frage. – Wir sind zu dem Thema in sehr engem Austausch. Wir sind der Auffassung, dass die Frage der Speicherung, also der Ablage, aber auch der Übermittlung von Bildungsnachweisen einer der wichtigsten und ersten Anwendungsfälle für die EUDI-Wallet sein könnte. Ich würde das sehr begrüßen; wir brauchen das. Wir sind ja auch schon in der Phase der Erprobung mit Blick auf vorherige technische Lösungen.

Im Übrigen ist das EUDI-Wallet auch eine technische Lösung, –

Vielen Dank.

Rednerwechsel

– die wir im Kontext des Kinder- und Jugendschutzes in der digitalen Welt verwenden wollen.

Beifallder Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Die nächste Hauptfrage stellt Anna Lührmann für Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Anna Lührmann
Foto: photothek/ Trutschel
1 Vermerkca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister Wildberger, Ihnen liegt ja die digitale Souveränität sehr am Herzen. Sie ist für unsere öffentlichen Debatten besonders wichtig. Aktuell entscheiden chinesische und amerikanische Plattformen darüber, welche Nachrichten hier in Deutschland angezeigt werden und wie Debatten geführt werden. Sie halten sich dabei oft nicht an europäische Gesetze. Das muss sich dringend ändern. Deswegen meine konkrete Frage an Sie: Was tun Sie, um europäische Gesetze im Netz durchzusetzen, und was tun Sie konkret, um europäische Plattformalternativen zu stärken?

Herr Minister, bitte.

Unbekannt
ca. 216 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Thema „digitale Souveränität“ gehört, wie gesagt, zu den vielen Themen, die wir ganz konkret anpacken. Darunter fällt der DSA, der im Prinzip besagt: Das, was in der Offlinewelt gilt, müssen wir auch in der Onlinewelt durchsetzen. Ich will meine Meinung dazu Ihnen gegenüber sehr gerne zum Ausdruck bringen: Ich setze mich sehr stark dafür ein, dass wir das genau so beibehalten. Zur digitalen Souveränität gehört auch der DMA, der die Marktkonzentration im Plattformgeschäft regelt. Wie wir da agieren, ist ein wichtiges Thema. Das ist das regulatorische Besteck.

Die andere Frage ist mir mindestens genauso wichtig: Wie schaffen wir es endlich, Plattformen selber zu bauen? Da prüfen wir gerade – basierend auf offenen Standards –: Welche können wir fördern? Welche nutzen wir auch selbst? Mastodon ist ein Beispiel. Es braucht natürlich auch Kundinnen und Kunden, die diese Plattformen nutzen. Wir haben sichere Plattformen im Messaging-Bereich, wie zum Beispiel Wire. Da kann man eine ganze Menge machen. Wir arbeiten ganz konkret an Lösungen. Das ist eine gute Nachricht; denn ich glaube, das ist in den letzten Jahren einfach nicht ausreichend passiert.

Herzlichen Dank. – Haben Sie eine Nachfrage? – Dann stellt die erste Nachfrage zu dieser Hauptfrage Jeanne Dillschneider von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Jeanne Dillschneider
Foto: Jeanne Dillschneider / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 77 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister, ich habe noch eine Nachfrage zum Thema „digitale Souveränität“. Nach eigenen Angaben stehen Sie dem Einsatz von Palantir offen gegenüber, einem Unternehmen mit Verbindungen in das Umfeld von Donald Trump. Wie ist das aus Ihrer Sicht mit einer Strategie für digitale Souveränität vereinbar, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es auch Alternativen gibt?

Herr Minister.

Unbekannt
ca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin sehr dankbar für diese Frage; denn sie gibt mir noch mal Gelegenheit, dies in 28 Sekunden kurz einzuordnen. Die grundsätzliche Frage, um die es aus meiner Sicht geht, lautet: Wie setzen wir Technologie ein, um unsere Grenzen zu schützen und Sicherheit zu gewährleisten, damit die Bürgerinnen und Bürger sicherer leben? Denn wir werden auch von außen angegriffen, und dabei spielt Technologie eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund sind wir ganz aktiv dabei, mit europäischen Anbietern zu sprechen und zu arbeiten. Wir prüfen sehr intensiv. Auch hier hätte ich mir gewünscht, dass das schon in der Vergangenheit passiert wäre.

Letzter Satz – 3 Sekunden –: Dass wir die von Ihnen angesprochenen sicheren, souveränen Lösungen umsetzen können, ist auch mir ein wichtiges Anliegen. Aber wir setzen auch auf Alternativen.

Danke, Herr Minister. – Die nächste Nachfrage stellt Marvin Schulz für die Fraktion der CDU/CSU.

Porträt von Marvin Schulz
Foto: Marvin Schulz/ Lukas Nitschke
ca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister, vielfach scheint es ja in der politischen Debatte so, als wäre Deutschland im Hinblick auf digitale Souveränität im Hintertreffen. Gestern wurde der Bau eines großen Rechenzentrums in München angekündigt, bei dem ein deutsches Unternehmen eine große Rolle spielen wird. Der CEO eines amerikanischen Unternehmens hat gesagt: Deutschland ist ein besonderer Standort, weil wir hier eine besondere Datenschutzpolitik haben. Insofern die Frage an Sie: Müsste das Thema „digitale Souveränität“ nicht auch im Sinne der politischen Kommunikation mit stolzgeschwellter Brust vorangetragen werden?

Herzlichen Dank. – Herr Minister.

Unbekannt
1 Vermerkca. 193 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin sehr dankbar für diese Frage. Digitale Souveränität hat auch einen positiven Aspekt, nämlich die Möglichkeit, zu gestalten, selber Produkte zu entwickeln und Geschäftsmodelle aufzubauen, statt nur Kunde von anderen zu sein. Das verstehe ich auch unter digitaler Souveränität.

Das gestrige Ereignis war ein super Beispiel dafür: Wir stellen bereits Anfang des nächsten Jahres eine KI-Fabrik für industrielle Anwendungen scharf. Das ist ein Invest von mehr als 1 Milliarde Euro, privatwirtschaftlich finanziert. Wir waren erst vor Wochen in Heilbronn, wo ein riesiger KI-Park durch Investitionen in Milliardenhöhe entsteht. Und vor nicht allzu langer Zeit haben wir den JUPITER in Jülich eingeweiht.

Vielen Dank, Herr Minister.

Rednerwechsel

Das ist der leistungsfähigste Rechner in Europa. Da ist eine ganze Menge in Arbeit. Und ich glaube, wir kommen besser voran, wenn wir stärker an uns selber glauben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]

Vielen Dank, Herr Minister. – Die letzte Nachfrage zu der Hauptfrage stellt die Abgeordnete Beatrix von Storch, AfD.

Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
1 Vermerkca. 148 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister, Sie haben zum Thema DSA gerade gesagt: Das Ziel ist: Es muss online das gelten, was offline auch gilt. Offline sind Staatsanwälte zuständig, um Äußerungsdelikte zu verfolgen, und die Justiz dafür, das zu beurteilen.

Der Vorwurf, den wir machen, ist, dass eine private Plattform durch staatlichen Druck dazu gezwungen wird, Meinungen zu zensieren, die eben nicht durch die Justiz verboten werden. Das heißt, hier haben wir eine Privatisierung der Zensur durch staatlichen Druck. Können auch Sie das kritisch sehen?

Herzlichen Dank. – Herr Minister, bitte.

Unbekannt
ca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es ist ganz wichtig, dass wir die Instrumente, die wir dann zur Verfügung haben, zum Beispiel auch bei den amerikanischen Unternehmen zum Einsatz bringen, beispielsweise im DSA. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass es umso wichtiger ist, dass wir endlich anfangen, eigene Lösungen zu entwickeln; denn wir hätten gegebenenfalls ganz andere Instrumente, um dies zu bewerkstelligen.

Letzter Satz dazu. Auch Technologie wird uns in Zukunft eine wichtige Antwort auf die Frage geben, wie wir mit diesen Themen umgehen. Aber diese Technologie sollten wir selber bauen und nicht nur als Kunde nutzen.

Vielen Dank. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Diese stellt Stephan Albani, Union.

Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
1 Vermerkca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrte Bundesministerin Prien, seit diesem Wochenende ist die Verwaltungsvereinbarung mit dem Bundesforschungsministerium in Kraft. Die Bildungspolitik wächst nun mit Kinder-, Jugend- und Familienpolitik zusammen.

Heute war der Berufsbildungsbericht Thema; es wurde schon angesprochen. Eine Zahl erschreckt immer wieder: 2,9 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung. Wie kann es gelingen, dass wir wieder mehr Jugendlichen Aufstiegsperspektiven aufzeigen und ihnen zum Beispiel durch ein attraktives duales Ausbildungssystem einen formalen Berufsabschluss ermöglichen?

Beifallbei der CDU/CSU

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 229 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Das ist eine Aufgabe des gesamten Bildungssystems. Das fängt in der Kita und in der Grundschule an; ich hatte zum Thema der basalen Kompetenzen und der besseren Grundbildung schon etwas gesagt. Das ist eine Frage des Übergangs zwischen Schule und Beruf. Insbesondere die Frage der Passung zwischen den zukünftigen möglichen Auszubildenden und den Betrieben muss deutlich besser werden. Die Berufsorientierung muss besser werden. Hier müssen wir die Instrumente auf wissenschaftlicher Basis und evidenzbasiert noch mal nachschärfen. Dies gilt insbesondere auch für die Bildungsketten, die wir mit den Ländern vereinbaren.

Ich glaube aber auch, dass dies ein zentrales Thema für die Nationale Weiterbildungsstrategie ist. Wir haben uns mit unserem Partnerressort, dem BMAS, in dieser Frage darauf verständigt. Dabei ging es um genau diese Frage: Wie schaffen wir es, diese 2,9 Millionen Menschen mit nicht ausreichender Qualifikation in den Beruf zu bringen? Dazu gehören Schulabschlüsse, aber dazu gehört eben auch die Heranführung an die duale Ausbildung.

Vielen Dank.

Rednerwechsel

Ich glaube übrigens auch, dass wir in den Ländern noch mal sehr genau auf die Übergangssysteme schauen müssen; „Jugendberufsagentur“ ist ein weiteres Stichwort.

Vielen Dank. – Haben Sie eine Nachfrage, Herr Abgeordneter Albani?

Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
ca. 57 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Welche konkreten Maßnahmen plant das Ministerium? Wir haben ja zwei Systeme, die akademische und die berufliche Bildung, um am Ende zu einer qualifizierten Berufsausbildung zu kommen. Was plant das Ministerium an dieser Stelle, um die Gleichwertigkeit in der Wahrnehmung und letzten Endes auch in der Umsetzung konkret zu unterstützen, Stichwort „DQR“?

Unbekannt
ca. 148 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das habe ich mir gedacht. – Die Systeme sind andersartig und gleichwertig. Wir werden in der ganzen Welt dafür bewundert, dass wir dieses duale Ausbildungssystem haben. Wenn es im eigenen Land darum geht, auch wenn Eltern ihre Kinder beraten, ist es oft anders. Wir müssen gerade auch Menschen, die zugewandert sind, davon überzeugen, dass die duale Ausbildung eine wichtige Alternative ist.

Die DQR-Frage prüfen wir gerade rechtlich. Ganz so einfach ist das nicht. Das ist ein bildungsinstitutionenübergreifendes Transparenzinstrument. Wir sind nicht alleine zuständig, –

Vielen Dank.

Rednerwechsel

– aber wir suchen gerade durch Rechtsprüfungen nach Wegen, wie wir diesen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag verwirklichen können.

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Frau Reinalter hat eine weitere Nachfrage.

Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
1 Vermerkca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Jetzt frage ich doch noch mal. – Sie sagen, dass Sie schon seit einem halben Jahr mit dem Berufsbildungsbericht arbeiten. Welche konkreten Maßnahmen leiten Sie ab, und was haben Sie im letzten halben Jahr für die berufliche Bildung schon gemacht?

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, Sie wissen sehr genau, dass ich im letzten halben Jahr mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im anderen Ministerium tätig waren, nicht wirklich arbeiten konnte, sodass wir erst jetzt wirklich mit voller Kraft loslegen. Aber natürlich ist die Analyse des Berichtes bereits erfolgt.

Die Schlussfolgerung ist, dass wir die Instrumente, die wir haben, nutzen werden. Das ist zum einen die Allianz für Aus- und Weiterbildung, das sind die Bildungsketten, die wir weiterentwickeln wollen, zum anderen aber auch die anderen Beratungs- und Informationsinstrumente. Und es geht immer wieder um die Frage: Wie schaffen wir eine bessere Passgenauigkeit für junge Menschen? Denn wir haben ja immer noch mehr Angebote bei den Ausbildungsplätzen als interessierte Jugendliche.

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage stellt Oliver Pöpsel für die Union.

Porträt von Oliver Pöpsel
Foto: Oliver Pöpsel/ Tobias Koch
ca. 37 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, die berufliche Weiterbildung ist ein wichtiges Thema. Welche Strategie verfolgt Ihr Ministerium, damit erwachsene Quereinsteiger wieder stärker qualifiziert werden und für die Fachkräftesicherung dem Markt zur Verfügung stehen?

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Das AFBG ist natürlich ein wirklich wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung, gerade für Menschen, die auch über den Weiterbildungsweg insbesondere im Bereich der Erziehungs- und Gesundheitsberufe tätig werden wollen. Da sind wir sehr erfolgreich. Mehr als ein Drittel der Förderfälle des AFBG sind diesem Bereich zuzuordnen. Und wir wollen das AFBG reformieren. Wir wollen nicht nur die Leistungen weiter ausbauen, sondern auch weitere Fallgruppen berücksichtigen. Wir müssen auch da flexibler werden.

Vielen Dank. – Die nächste Hauptfrage stellt Mandy Eißing für Die Linke.

Porträt von Mandy Eißing
Foto: Mandy Eißing
ca. 40 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Verehrter Herr Präsident! Verehrte Frau Ministerin, gab es in Ihrem Ministerium Beratungen dazu, welche Kosten mit der Einführung eines Pflichtjahres verbunden wären und welche Konsequenzen diese Einführung für die Freiwilligendienste hätte?

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Ich bin zwar ein großer Fan eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres, aber das ist nicht Gegenstand der Verabredungen zwischen den Koalitionspartnern. Deshalb hat es auch keine entsprechende Prüfung gegeben. Dessen ungeachtet bereiten wir uns auf die Eventualitäten im Kontext der Wehrdienstmodernisierung und eines möglichen Wiederinkrafttretens der Wehrpflicht vor. Das hat natürlich Auswirkungen sowohl auf einen möglichen Ersatzdienst im Rahmen der Kriegsdienstverweigerung als auch auf die Freiwilligendienste. Insofern sind das Themen, die uns beschäftigen. Aber zum Thema „verpflichtendes Gesellschaftsjahr“ haben wir keine Kosten ausgelöst.

Vielen Dank. – Haben Sie eine Nachfrage?

Porträt von Mandy Eißing
Foto: Mandy Eißing
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja.

Bitte schön.

Rednerwechsel

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt hat in der Sitzung des Sport- und Ehrenamtsausschusses am 08.10. gesagt, die Einführung eines Pflichtjahres werde 15 Milliarden bis 20 Milliarden Euro kosten und die Einsatzstellen überfordern. Wie bewertet die Bundesregierung diese Einschätzung der ihr unterstellten Bundesstiftung, und warum hält sie dennoch an Überlegungen zu einem Pflichtjahr fest?

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es tut mir leid, aber ich kann Ihre Frage nicht beantworten; denn wir als Bundesregierung halten an dieser Stelle im Moment an gar nichts fest. Wir haben zwar Parteitagsbeschlüsse in einzelnen Parteien und Parteigliederungen dazu; aber es ist keine Strategie der Bundesregierung. Insofern kann ich Ihre Frage, ehrlich gesagt, nicht wirklich nachvollziehen oder gar beantworten.

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage stellt Maik Brückner für Die Linke.

Porträt von Maik Brückner
Foto: Maik Brückner/ Jannis Hutt
1 Vermerkca. 83 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Die militärischen Planspiele in Deutschland haben ja sogar seinerzeit unter der Ampel Einzug ins Selbstbestimmungsgesetz gefunden. Dort ist zum Beispiel eigens festgeschrieben, dass die Zuordnung von Menschen zum männlichen Geschlecht in zeitlicher Nähe zum Kriegsfall auch gegen deren Willen bestehen bleibt. Kann ich davon ausgehen, dass auch unter dieser Bundesregierung das verfassungsmäßig garantierte Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung zu Kriegszwecken mit Füßen getreten wird?

Lachender Abg. Stephan Brandner [AfD] und Beatrix von Storch [AfD]

Frau Ministerin.

Unbekannt
2 Vermerkeca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch dies ist wieder, mit Verlaub, keine sachlich gestellte Frage.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich kann Ihnen sagen, dass wir das Selbstbestimmungsgesetz, wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben, in einer ersten Stufe bis Mitte nächsten Jahres evaluieren werden und in einer zweiten Stufe so, wie es im Gesetz vorgesehen ist. Und das betrifft grundsätzlich alle Teile dieses Gesetzes.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage stellt Felix Döring für die SPD.

Porträt von Felix Döring
Foto: Felix Döring / Anna Voelske
ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, ich vermute, uns eint der neidvolle Blick darauf, welche Finanzmittel im Rahmen des neuen Wehrdienstgesetzes in Bewegung gesetzt werden. Darauf gucken wir aus der Perspektive der Befürworter der Freiwilligendienste ein bisschen neidisch: 2 300 Euro netto direkt nach der Schule, Vergünstigungen beim Führerschein, kostenloses Bahnfahren; das dürfen Soldatinnen und Soldaten ja bereits. Ich weiß, die Finanzmittel sind begrenzt, und es gibt auch schon einen finanziellen Aufwuchs im Bereich der Freiwilligendienste, was wir sehr begrüßen. Können Sie sich darüber hinaus weitere Erleichterungen, Vergünstigungen oder Attraktivitätssteigerungen für Freiwilligendienstleistende vorstellen.

Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 178 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Döring, für die Frage. – Ich glaube, wir täten gut daran, in der Debatte den Wehrdienst und die Freiwilligendienste gemeinsam in den Blick zu nehmen; denn am Ende geht es darum, einen Dienst an unserer Gesellschaft zu leisten. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Dienstformen; die müssen auch Berücksichtigung finden. Die Freiwilligendienste haben auch einen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Das ist schon etwas anderes. Wir haben an der Stelle tatsächlich eine Anerkennungsvergütung. Insofern gibt es da Unterschiede. Aber ich würde mich freuen, wenn wir die Debatte etwas ausweiten, zumal die Bedrohung unseres Landes ja hybrid stattfindet, auch in Bereichen, in denen wir Resilienz in der Gesellschaft brauchen.

Herzlichen Dank, Frau Ministerin.

Rednerwechsel

Insofern müssen wir die Debatte weiten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die nächste und letzte Nachfrage zu dieser Hauptfrage stellt Dr. Anja Weisgerber von der Union.

Porträt von Anja Weisgerber
Foto: Dr. Anja Weisgerber/Tobias Koch
ca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, daran anknüpfend: Ich denke, dass die Diskussion um den neuen Wehrdienst auch die Chance bietet, die Freiwilligendienste mehr in den Blick zu nehmen. Welche Möglichkeit sehen Sie, dass auch in den Musterungsschreiben, die ja Frauen und Männern zugeschickt werden, die Freiwilligendienste aufgenommen werden und auf sie hingewiesen wird und dass wir vielleicht dadurch einen Schub erzeugen –

Vielen Dank.

– sowohl für den neuen Wehrdienst als auch im Hinblick auf die Freiwilligendienste?

Danke schön. – Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich kann da, liebe Frau Weisgerber, gut an das eben Gesagte anschließen. Ich glaube, dass die Debatte wahrscheinlich eine neue Dynamik bekommt, wenn wir insgesamt über die Dienste an unserer Gesellschaft sprechen. Wir sind mit dem Verteidigungsministerium im Gespräch darüber, wie und wo wir Hinweise auf die Freiwilligendienste und die Modalitäten des Ersatzdienstes am besten unterbringen können. Ich glaube, dass das Schreiben selber nicht Gegenstand des Gesetzgebungsverfahren sein wird; aber wir werden die Gespräche darüber fortsetzen. Ich persönlich erachte es für sinnvoll, das an prominenter Stelle zu platzieren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Wir kommen zur dritten Runde. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Ich weiß nicht, wie viele Hauptfragen wir noch werden bearbeiten können. Die erste stellt Adam Balten für die AfD.

Porträt von Adam Balten
Foto: Adam Balten / Tobias Ebenberger
ca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin Prien, der IQB-Bildungstrend besagt: Die Kernkompetenzen der Schülerinnen und Schüler erreichen einen Tiefstand. Auch PISA attestierte 2022, dass die Kompetenzen in allen Kernbereichen fallen, genauso wie IGLU 2021. Die ICILS bescheinigte 2023, dass 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland bei den Digitalkompetenzen abgehängt wurden – das ist sozusagen das Werk der Altparteien –, wie ich vermute, unter anderem aufgrund der Sprachprobleme, resultierend aus Massenmigration, und als Folge der desaströsen politisch motivierten Coronamaßnahmen.

Jetzt frage ich als Vater von zwei kleinen Kindern Sie als Mutter in politischer Verantwortung: Welche drei konkreten Maßnahmen werden Sie umsetzen, um den weiteren Bildungsverfall zumindest zu stoppen? Nicht nur ich bin auf die Antwort sehr gespannt, sondern auch alle Eltern in Deutschland.

Frau Ministerin.

Unbekannt
ca. 202 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter. Die Eltern in unserem Land haben übrigens auch ein Recht darauf, das zu erfahren. Ich will Ihnen Folgendes benennen:

Erstens: eine Stärkung der frühkindlichen Bildung, die gewährleistet, dass Kinder eine gute Sprachförderung vor der Einschulung erhalten und auch ihrem Entwicklungsstand entsprechend gefördert werden. Denn in Wahrheit geht es nicht nur um die Frage, ob man Deutsch schon zu Hause erlernt hat; denn Kinder leiden heute häufig unter Entwicklungsverzögerungen, denen wir früh begegnen müssen.

Zweitens: datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung auf allen Ebenen, auf der Schulebene, auf der Ebene der Lerngruppe und auch auf der Systemebene. Evidenzbasiertes Arbeiten: Wir müssen das in der Schule tun, was wirkt, und dürfen nicht das tun, was wir schon immer gemacht haben.

Das Dritte ist: Wir müssen Schulen in besonders herausfordernden Lagen und mit besonders vielen Kindern, die es schwerer haben, anders unterstützen. Das tun wir mit dem Startchancen-Programm.

Wenn wir diese drei Maßnahmen konsequent umsetzen und immer evaluieren, ob das, was wir machen, wirkt, dann haben wir eine gute Chance, die Trendwende zu schaffen.

Vielen Dank. – Haben Sie eine Nachfrage, Herr Balten? – Bitte schön.

Porträt von Adam Balten
Foto: Adam Balten / Tobias Ebenberger
1 Vermerkca. 50 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Als Nachfrage: Wenn Sie dabei versagen und es weiterhin abwärtsgeht, werden Sie dann persönliche Konsequenzen ziehen und zurücktreten? Oder werden Sie bis zu einem möglichen Regierungswechsel – wenn wir in Regierungsverantwortung kommen – weiterhin am Ministerstuhl kleben? – Vielen Dank.

So ein Käse, wirklich!

Frau Ministerin.

Unbekannt
2 Vermerkeca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Niveau der Regierungsbefragung hat nach hinten hin, glaube ich, ein bisschen Schlagseite bekommen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich werde jedenfalls mit allem, was ich kann und was ich weiß, für dieses Land weiterarbeiten – das gilt insbesondere für die Bildungspolitik –, und ich habe nicht so schrecklich viel Angst davor, dass ein künftiger Regierungswechsel mich davon abhalten wird.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Was für eine schwachsinnige Frage!

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage stellt Martin Reichardt, AfD.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
1 Vermerkca. 82 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, unlängst veröffentlichte Studien zeigen, dass das Bildungsniveau insbesondere in Schulklassen mit hohem Migrantenanteil absinkt.

Im Bundestag sinkt es durch die AfD! Das ist schlimm!

Das hat etwas damit zu tun, dass Menschen, die auch über frühkindliche Bildung gar nicht erreicht werden können, weil sie erst in einem gewissen Alter nach Deutschland einwandern, in die Klassen kommen und dann die entsprechenden Sprachkenntnisse nicht haben. Welche Maßnahmen sollten hier ergriffen werden?

Frau Ministerin.

Unbekannt
1 Vermerkca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Gefragt wurde ich nach den drei wichtigsten Maßnahmen. Selbstverständlich bleibt Sprachförderung, Herr Abgeordneter, auch in späteren Jahren wichtig. Und ja, wir müssen uns um diese Kinder und Jugendlichen besonders kümmern. Aber ich habe auch deutlich in meinen Eingangsausführungen gesagt: Schon die demografische Entwicklung zwingt uns dazu, uns um jedes Kind zu kümmern; denn jedes Kind braucht die Förderung im Bereich Sprache, unter anderem macht das die Zuwanderung nach Deutschland nun mal erforderlich. Das müssen wir als System leisten. Ich bin optimistisch, dass uns das in Zukunft besser gelingen wird.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an den Abg. Martin Reichardt [AfD] gewandt: Lernen Sie mal die Sprache der Demokratie!

Vielen Dank. – Wir kommen zur nächsten und letzten Hauptfrage – das kann ich schon einmal ankündigen – von Carolin Wagner, SPD.

Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
ca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrter Herr Minister Wildberger, der Digital-Omnibus wird gerade auf europäischer Ebene diskutiert, und die Position der Bundesregierung dazu ist jetzt auch entsprechend geeint. Mich würde interessieren, was diese Einigung für die Umsetzung der KI-Verordnung bedeutet.

Herr Minister.

Unbekannt
ca. 199 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für diese Frage. – Dass wir als Bundesregierung uns einigen konnten – ich will das betonen –, ist sehr wichtig. Es ist uns zum ersten Mal gelungen, in den wichtigen Fragen des Datenschutzes und insbesondere seiner Umsetzung im Hinblick auf die KI-Verordnung eine gemeinsame Position zu formulieren, die wir auch in Brüssel eindringlich vortragen können. Am 19. November will die Kommission ihre Vorlage machen. Wir haben uns dazu ganz konkret eingebracht.

Was heißt das? In der Datenschutz-Grundverordnung gibt es beispielsweise sehr viel begriffliche Verwirrung, weil Datenbegriffe anders definiert sind. Wir haben hier für definitorische Klarheit gesorgt. Wir sprechen uns auch dafür aus, dass anonymisierte Daten endlich auch in Deutschland und Europa verwendet werden, um Medizinthemen mithilfe der KI zu trainieren. Bislang musste man dafür in die USA gehen, was aus meiner Sicht absurd ist. Das müssen wir einfach zulassen, damit wir die Entwicklung hier leisten. Und wir schaffen deutliche Klarheit auch im Bereich der industriellen Anwendungen von Daten. Das sind ganz wichtige Themen, die unsere Zukunftsfähigkeit sichern.

Sie haben keine Nachfrage. Dann kann ich noch die von Dr. Konrad Körner von der Unionsfraktion zulassen.

Porträt von Konrad Körner
Foto: Dr. Konrad Körner/ Julia Durmann
ca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank. – Sehr geehrter Herr Minister, in der Stellungnahme der Bundesregierung zum EU-Digital-Omnibus wurden auch wichtige Entlastungen für kleine Unternehmen sowie für unsere Vereine und Ehrenamtlichen angekündigt. Insbesondere beim Datenschutz sind diese oft mit Bürokratie überlastet. Könnten Sie kurz darstellen, was die Bundesregierung plant, damit sich auch in der EU beim Datenschutz für unsere kleinen Unternehmen und unsere Vereine vieles vereinfacht?

Unbekannt
ca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke für diese Frage. – Auf den kleinen Unternehmen, Vereinen, dem Mittelstand, jungen Unternehmen und Start-ups liegt ein besonderer Fokus dieser Bundesregierung. Es gilt, Dinge zu vereinfachen. Natürlich ist es im EU-Recht, gerade bei der KI-Verordnung und im Datenschutz, unverhältnismäßig – auch was die Risikobetrachtung angeht –, dass wir es jungen und kleinen Unternehmen viel zu schwer machen, Vorsorge betreiben zu können, da sie einen erheblichen Kostenanteil haben, um dem Rechnung zu tragen. Wir haben vorgetragen, dass es uns darum geht, insbesondere die Entlastung für junge Unternehmen bei den anstehenden Verordnungen zu berücksichtigen.

Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
13 Vermerkeca. 998 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit einiger Zeit schon wabert eine Debatte durch die Parlamente der Republik, die das zumindest unklare Verhältnis der AfD zu Putins Russland zum Gegenstand hat. Der Innenminister in Thüringen hat vor Kurzem die Frage aufgeworfen, ob man sich die Thematik nicht mal genauer anschauen müsste, weil innerhalb von nur zwölf Monaten 47 Anfragen, sehr detailliert und konkret, zur kritischen Infrastruktur gestellt worden sind.

Jetzt könnte man sagen: Das ist Teil parlamentarischer Arbeit. Schaut man sich allerdings an, was diese Anfragen zum Gegenstand haben, und legt sie mal nebeneinander, wird ein Bild daraus. Da möchte man sehr konkret wissen, wie durch Thüringen – logistisches Drehkreuz für Waffen- und Munitionslieferungen in die Ukraine nach entsprechenden Presseberichterstattungen – militärische Güter transportiert werden: Über die Straße, die Schiene? Wie viele Durchfahrten gibt es? Wo halten diese Transporte?

Oder weiter hier auf Bundesebene: Welche Kraftwerke haben wir in Deutschland?

Oh, das weiß doch kein Mensch!

Wie können wir im Notfall unser Stromnetz wieder hochfahren? Wie können diese Kraftwerke helfen? Gefragt wird getrennt nach Art, Nennleistung und Ort dieser Kraftwerke.

Auch bei der Drohnenproduktion ein ähnliches Muster: Wie viele Bodenkontrollstationen hat eigentlich die Bundeswehr? Welche Unternehmen liefern Drohnentechnologie, und welche Produktionskapazitäten haben sie?

Parlamentarische Arbeit ist das eine. Nur, was hat dieses detaillierte Nachfragen mit parlamentarischer Arbeit zu tun?

Ja, das ist genau die parlamentarische Arbeit! Exakt dafür sind wir gewählt!

Oder umgekehrt: Will ein feindlicher Staat nicht eigentlich genau das von seinen Feinden wissen? Ich glaube schon.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Bürger wollen das wissen!

Die unklaren Verhältnisse tauchen ja immer wieder auf, auch bei den Personen. Ihr Chefdiplomat in Sachen Russland, frisch ernannt, Markus Frohnmaier – in entsprechenden Strategiepapieren des Kremls soll es heißen, man habe diesen Mann absolut unter Kontrolle – gründet ein Deutsches Zentrum für Eurasische Studien. Wenig später wird in Warschau sein Vizevorsitzender wegen mutmaßlicher Spionage für China und Russland festgenommen.

Der Europaabgeordnete Petr Bystron trifft sich nach Medienberichterstattung – übrigens nicht nur deutscher Medien, sondern auch italienischer und britischer Medien – mit russlandtreuen Geschäftsleuten, und einer davon wiederum mit dem Putin-Freund Wiktor Medwedtschuk; wir kennen ihn von der Propagandaplattform „Voice of Europe“.

Und ganz drollig wird es dann bei dem Kollegen Tillschneider, Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. Der schreibt für eine Moskauer Zeitung und feiert fröhlich die Verleihung der „Patriot Wladimir Putin“-Medaille. Das ist übrigens der Abgeordnetenkollege, der mit zwei anderen Kollegen offenbar auf Kosten der Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt in die Ostukraine reist, um sich da zu vergewissern – das alles wohl mit Kolleginnen und Kollegen aus dem ehemaligen Flügel rund um den Kollegen Björn Höcke.

Alles ungeheuerlich!

Und die Connections hören nicht auf. Gerade dieser Tage gab es die Berichterstattung über versagte Hausausweise für den Deutschen Bundestag. Ein Mitarbeiter eines AfD-Abgeordneten, übrigens ehemaliger MdB, kriegt keinen Hausausweis wegen enger Verbindungen zu einem russischen Staatsangehörigen, der wiederum sehr intensive Beziehungen zum russischen Geheimdienst unterhält

Kontaktschuld, ne?

Sippenhaft!

und mit dem er sogar ein Institut in Moskau gründet. Enger könnten die Verflechtungen gar nicht sein. Es ist mindestens eine russlandtreue Schläferzelle, die Sie da in Ihren Reihen haben; und dies ist Grund zur Sorge in diesem Haus.

Sie sagen ja immer, Sie wollen das Beste für Deutschland. Sich am Halsband vom Kreml durch die Manege führen zu lassen, ist sicherlich nicht das Beste. Wenn ich jetzt lese und höre, dass jetzt der Eindruck erweckt wird, als würde Russland sozusagen Frieden anbieten und die Deutschen wären sozusagen der Aggressor, dann muss ich sagen: Sie sind zumindest einigermaßen naiv. Der Schulhofschläger, der Ihnen wiederholt ins Gesicht schlägt und Ihnen immer wieder verspricht „Ich tue es nie wieder“, dem glaubt keiner mehr.

Zurufvon der AfD

Wladimir Putin, der das Budapester Memorandum ignoriert, der das Minsker Abkommen ignoriert, der die Ukraine überfällt, der als Kriegsverbrecher zu brandmarken ist, dem vertrauen Sie in Sachen Zusagen an Deutschland und Europa! Sie sind mit dem Klammerbeutel gepudert, ganz im Ernst, meine Damen und Herren!

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das Durcheinander rund um die Russlandreise des besagten Kollegen Frohnmaier ist ja einigermaßen aberwitzig. Man weiß ja gar nicht mehr, wer bei Ihnen das Sagen hat. Die einen wollen die Wehrpflicht, die anderen nicht.

Wie ist das in Ihrer Koalition denn? Erklären Sie mal! Die einen wollen, die anderen wollen nicht!

Wenn ich Wladimir Putin wäre, würde ich mich freuen über eine Partei in Deutschland, die meine Narrative ungefragt teilt, die die politische Mitte in Deutschland zerstören will, –

Herr Kollege, Sie müssten zum Ende kommen.

– die versucht, Deutschland politisch zu lähmen.

Was für ein Glück für Wladimir Putin, dass es in Deutschland die AfD gibt!

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Robin Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Markus Frohnmaier für die AfD.

Beifallbei der AfD
Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
32 Vermerkeca. 1.174 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Herr Kollege Henrichmann, dafür geht man in Klausur, oder? Wahnsinn, was Sie da auf die Beine gestellt haben!

Beifallbei der AfD

Während in Deutschland Woche für Woche Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, Bürger ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können,

Erklären Sie doch den Leuten mal Ihre Russlandbezüge! Reden wir doch mal über Bystron oder Krah!

Ihr Außenminister ankündigt, Syrer, die illegal in Deutschland sind, nicht mehr nach Syrien abzuschieben,

Sie verfehlen das Thema gerade! Sie müssen doch zum Thema reden! Sie sind das Problem! Das Problem redet über Probleme!

Zurufevon der SPD

diese Woche hier in Berlin ein Syrer einen Terroranschlag begehen wollte, während all das in Deutschland passiert,

Das interessiert Sie doch gar nicht!

macht die CDU eine Aktuelle Stunde zu ihrem Lieblingsthema: Moskau, Moskau, Moskau.

Ja, da fühlen Sie sich doch wohl! Sie sind doch einer der Lieblinge von Putin!

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Um die inszenierte Empörung zu verstehen, ein Blick zurück: Friedrich Merz und die CDU-Spitze trafen sich vor zwei Wochen. Thema: Was tun gegen die eigene extreme Unbeliebtheit, und was tun gegen die große Beliebtheit der AfD?

Sagen Sie doch mal was zu Ihren Verflechtungen mit Russland!

Hören Sie doch mal zu!

Sogar ein Psychologe war dabei, um die CDU zu beraten. Dafür schon mal meine Anerkennung. Bekanntlich ist ja der erste Schritt zur Besserung, sich Hilfe zu holen, liebe Kollegen von der CDU.

Dann machen Sie mal!

Nur leider ist der Behandlungserfolg bisher nicht eingetreten.

Reden Sie doch mal über sich und Russland und Putin und Bystron und Ihre ganzen Russlandfreunde!

Im Gegenteil: Die CDU hat beschlossen, die nächsten vier Jahre, nachdem die Nazikeule nicht mehr zieht, nur noch über Russland und die AfD zu reden.

Sie kennen sich da so gut aus, oder?

Dabei könnten Sie auch ohne psychologische Hilfe schnell wieder beliebt werden, und den entsprechenden Ratschlag gibt es von mir heute sogar kostenlos: Kümmern Sie sich endlich um die Probleme in unserem eigenen Land!

Beifallbei der AfD

Sorgen Sie dafür, dass die Menschen wieder in Arbeit sind! Sorgen Sie dafür, dass die Bürger am Ende des Monats wieder etwas in ihrer Tasche haben!

Was wollten Sie eigentlich in Russland?

Und sorgen Sie bitte dafür, dass illegale Syrer endlich nach Syrien abgeschoben werden!

Beifallbei der AfD

Aber die kommen doch wegen Migration als Waffe!

Das ist nämlich das Geheimnis der AfD: Wir sind die beliebteste Partei in Deutschland,

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Ja, ganz sicher! Sie vorneweg! Beliebteste Partei in Russland!

nicht wegen Herrn Putin, sondern weil wir uns um die Sorgen des deutschen Volkes, unserer Bürger, kümmern – anders als Sie, liebe Freunde von der Union.

Wir sind nicht Ihre „Freunde“! Ihre Freunde sitzen in Moskau!

Sie behaupten heute hier, die AfD sei ein Sicherheitsrisiko. Wenn das stimmte, dann würden wir doch von den regierungskontrollierten Sicherheitsorganen endlich Beweise bekommen – stapelweise –: illegale Aktivitäten, Anklagen, Prozesse, Urteile. Wenn wirklich irgendwas dran wäre,

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

hätten Sie uns – seien wir doch mal ehrlich! – schon lange eingekerkert. Aber findet irgendwas davon statt? Nein. Also wissen wir, was davon eigentlich zu halten ist: gar nichts.

Beifallbei der AfD
Zurufevon der SPD

Sie können nichts belegen, weil Sie nichts belegen können. Darum machen Sie heute hier im Bundestag eine Bühne für Ihre Version von Russiagate.

Sie haben es ja schon angesprochen: Reden wir doch mal über meinen Fall! Seit Jahren wärmen Sie hier im Bundestag, im Plenum, auf, ich stünde unter der absoluten Kontrolle Moskaus.

Schreibt der Kreml ja selber!

Das sagt der Kreml!

Ihre Behauptungen stützen Sie auf ein paar windige E-Mails,

… aus dem Kreml, aus der Administration!

Das sagt der Kreml über Sie, Herr Frohnmaier!

gestohlen von der NGO des kriminellen Ex-Oligarchen Chodorkowski. Darin lästern irgendwelche Russen, die ich gar nicht kenne, über mich.

Zurufvon der SPD

Wenn das reicht, um jemanden als Sicherheitsrisiko zu markieren, dann gute Nacht!

Beifallbei der AfD

Was hier heute stattfindet, ist so durchsichtig; es ist bösartig. Und ich sage Ihnen ganz klar: Das wird Ihnen in den Umfragen auch nicht weiterhelfen. Denn die Bürger da draußen sind intelligent, und sie wissen ganz genau, was sie von solchen peinlichen Wahlkampfmanövern zu halten haben.

Reden wir doch über das wahre Sicherheitsrisiko in Deutschland:

Spionage, Sabatoge!

die CDU. Die CDU ist eine Partei, die eine Karin Strenz – hören Sie gut zu! – in ihren Reihen hatte, die als Bundestagsabgeordnete 150 000 Euro Bestechungsgeld

aus dem Ausland kassierte,

Zurufvon der AfD: Aha!

gerichtsfest nachgewiesen, lieber Kollege. Ihr eigener Staatssekretär Philipp Amthor hat sich mit Aktienoptionen im Wert von 250 000 Euro von einem ausländischen Sicherheitsunternehmen schmieren lassen.

Herr Bystron!

Und Herr Hirte, Ihr ehemaliger Ostbeauftragter, soll einen Agenten beschäftigt haben. Ihre Parteistiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, hat auch mit einer Agentengeschichte zu kämpfen.

Zurufdes Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]

Liebe Freunde, kehren Sie erst mal vor der eigenen Haustür, bevor Sie mit dem Finger auf die AfD zeigen.

Beifallbei der AfD

…, die das immer noch macht!

Sie handeln in der Praxis ständig gegen die Interessen Deutschlands.

Oh, oh, oh! Dünnes Eis!

Zuletzt will ich Ihnen eines noch sagen: In Polen sitzt einer der ukrainischen Drahtzieher des Terroranschlags auf Nord Stream. Ein polnisches Gericht hat sogar bestätigt: Ja, das ist wahrscheinlich der Täter. – Polen lässt ihn trotzdem laufen.

Sie müssen jetzt zum Ende kommen.

Begründung: Er habe nur sein eigenes Land verteidigt – offenbar gegen uns, gegen Deutschland. Und was macht die CDU, was machen der Bundeskanzler und der Außenminister?

Herr Frohnmaier, Sie müssen zum Ende kommen, bitte.

Ruft jemand in Warschau an und sagt: „Liefert den Terroristen aus!“? Nein. Das tut keiner von Ihnen.

Zurufdes Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]

Ich sage Ihnen ganz klar: Von Ihnen brauchen wir keine Lehrstunde über Patriotismus.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]

Ihre Redezeit ist um, Herr Frohnmaier.

Sorgen Sie erst mal dafür, dass es in Deutschland wieder besser wird.

Beifallbei der AfD
Zurufevon der CDU/CSU

Die nächste Rednerin ist Sonja Eichwede für die SPD.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
26 Vermerkeca. 1.086 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

Weitere Zurufe von der AfD!

Die Bedrohungslage unseres Landes ist ernst – innen und außen. Dabei spielt die Bedrohung durch Russland eine erhebliche Rolle. Russland ist heute eine fremde Macht, die gezielt das Vertrauen in unseren Rechtsstaat, in unsere Demokratie unterminieren will und die damit auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung in unserer Bevölkerung angreift. Die Bedrohungslage verschärft sich seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine zunehmend.

Auch wir hier in Deutschland erleben zunehmend hybride Angriffe, digitale Sabotage und Desinformation mit gezielter Einflussnahme aus Russland.

Nicht alles, was der SPD widerspricht, ist Desinformation!

Nein! Aber vieles, was Sie machen!

Es geht darum, dass gezielt das Vertrauen in unseren Staat untergraben werden soll und Institutionen ausgespäht werden sollen, um unsere Demokratie zu destabilisieren, um unsere Gesellschaft zu spalten und um die Resilienz unseres Staates und auch unsere Verteidigungsfähigkeit zu schwächen.

Sie haben noch 10 Prozent Stimmen! Sie sind überhaupt kein relevanter Akteur mehr!

Genau das müssen wir hier klar benennen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Doch was macht die AfD? Die AfD agiert auch hier im Parlament als Handlanger russischer Interessen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Damit nimmt sie eine gefährliche Rolle in Putins geopolitischem Machtspiel ein,

Wie viele Millionen hat Frau Schwesig bekommen für ihre Stiftung? 20 Millionen! Damit wurden Sie geschmiert!

und sie richtet sich gegen die Sicherheitsinteressen Deutschlands.

Zurufvon der AfD: Grüße an Herrn Gerhard Schröder!

Das ist kein Patriotismus; das ist eine veritable Gefahr für unsere Demokratie, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Dies äußert sich auch in zahllosen Reden hier im Deutschen Bundestag, die den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verharmlosen,

Sie sind ein Nebelgranatenwerfer, Herr Frohnmaier! Das hat getroffen!

die das autoritäre Regime Putins mit seinen Menschenrechtsverletzungen glorifizieren, ebenso in den Reisen von AfD-Abgeordneten nach Russland. Ja, gerade diese Woche hat doch die AfD-Fraktion wieder entschieden, dass die Abgeordneten Kotré und Rothfuß nach Russland fahren können,

…, was Außenpolitiker machen sollten, wenn Ihr Auswärtiges Amt so was nicht mehr hinbekommt!

um die Kontakte mit Russland wieder zu intensivieren. Und was tut die Fraktionsführung? Sie bittet, keine Fotos von den Terminen vor Ort zu machen

Sie treffen sich lieber in Aserbaidschan, oder?

und auch nicht darüber zu reden, was sie denn eigentlich machen, nämlich deutsche Sicherheitsinteressen unterminieren.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Was sagt Herr Stegner dazu?

Sie, Herr Frohnmaier, reisen auch nach Russland oder planen dies zumindest.

Ja! Wollen Sie mitkommen? Die SPD fährt auch gerne nach Russland!

Halte doch mal deinen rechten Mund! Verdammt noch mal!

Hier am Rednerpult bezeichnen Sie Michail Chodorkowski als einen Kriminellen.

Frau Kollegin, eine Sekunde, bitte. – Ich bin ein großer Fan von leidenschaftlichen Diskussionen und finde, dass es hier auch mal lauter und kontroverser zugehen darf; aber der Zuruf „Halten Sie den Mund!“ ist jetzt nicht die Art des parlamentarischen Umgangs miteinander.

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Ich bitte alle Seiten, sich an die Regeln, die wir alle kennen, zu halten.

Frau Abgeordnete, setzen Sie bitte fort.

Das ist doch absurd!

Rednerwechsel

Danke, Herr Präsident. – Sie, Herr Frohnmaier, bezeichnen hier Michail Chodorkowski als einen Kriminellen,

Ja, ist er! EuGH!

also jemanden, der vom russischen Regime auf Grundlage eines schon vorher durchgeführten Verfahrens, eines eben nicht rechtsstaatlichen Verfahrens, sondern eines Verfahrens, mit dem die Rechtsstaatlichkeit unterminiert wurde,

Korruption!

Schauen Sie mal, welche Verfahren Innenministerin Faeser in diesem Land eingerichtet hat! Das sind Verfahren, die die Demokratie gefährdet haben!

in Lagerhaft gesperrt worden ist, also jemanden, der sich für Demokratie, für Bildung in Russland jahrelang eingesetzt hat. Das ist kein Krimineller. Das ist jemand, der den Mut hatte, sich in Russland gegen das Putin’sche Regime zu stellen.

Hier sprechen wir über Punkte, die unsere Demokratie gefährden, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährden.

Zurufevon der AfD

Haltet doch einmal den rechten Rand!

Und Sie reden darüber, wie ein Regime, das Menschenrechte unterdrückt, das Meinungsvielfalt unterdrückt,

Zurufvon der AfD: Sie doch auch!

gestärkt werden kann. Sie geben Informationen weiter.

Welche Informationen?

Mein Kollege Henrichmann hat darauf hingewiesen, dass jüngst der thüringische Innenminister Georg Maier gesagt hat, dass es sehr viele strategisch gestellte Anfragen im Thüringischen Landtag gibt – innerhalb von zwölf Monaten 47 Anfragen –, die ganz klar auf die Ausspähung der Infrastruktur vor Ort und die Offenlegung von Informationen hindeuten, die das deutsche Sicherheitsinteresse berühren. Die Fragen werden nicht im politischen Interesse gestellt, was ganz klar ein Oppositionsrecht ist, sondern im strategischen Interesse des Ausspähens der deutschen Infrastruktur.

Und heute ist im Verteidigungsausschuss von Ihrer Fraktion die Frage gestellt worden, was denn die Bundesregierung über die militärischen Fähigkeiten Russlands weiß. Ja, warum denn? Warum wollen Sie so was wissen?

Weil wir ein Verteidigungsausschuss sind!

Weil man mal eine Frage stellen darf!

Wenn man das alles nebeneinanderlegt, ergibt sich ein klares Bild:

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Sie arbeiten gegen die Sicherheitsinteressen unseres Landes. Sie arbeiten gegen die wehrhafte Demokratie unseres Landes. Sie arbeiten gegen die Bevölkerung unseres Landes. Und das ist alles andere als Patriotis- – patriotisches Handeln.

Sie können ja „Patriotismus“ nicht mal aussprechen!

Sie müssen bitte zum Ende kommen.

Rednerwechsel

Sie handeln gegen die Interessen dieses Landes und gegen die Verfassung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herzlichen Dank. – Nächste Rednerin ist Dr. Irene Mihalic, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
24 VermerkeZwischenfrageca. 1.130 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Zunächst einmal möchte ich den Abgeordneten der Koalition danken, dass sie diese Aktuelle Stunde hier aufgesetzt haben.

So ein Zufall!

Denn die AfD ist nicht nur rechtsextrem und verfassungsfeindlich, meine Damen und Herren, sondern auch eine ganz reale Gefahr für unser Land.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Ihr Hass und ihr Rassismus haben jeden Tag Konsequenzen für viele.

Menschen mit Migrationsgeschichte soll vermittelt werden, dass dieses Land nicht ihr Land sei. Diese Menschen haben berechtigte Angst und fühlen sich konkret von Vertreibung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt jeden Tag bedroht.

Zurufevon der AfD

Queere Menschen fühlen sich nicht mehr sicher, weil sie immer brutaler von Rechtsextremisten angegriffen werden und die AfD mit ihrer Agitation genau dazu anstachelt, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Die jüdische Bundesbildungsministerin Frau Prien sagt klar: Wenn die AfD an die Macht kommt, dann verlässt sie dieses Land. Und Martin Hess von der AfD fordert sie auch noch auf, die Koffer zu packen!

Lachenbei Abgeordneten der AfD
Zurufevon der SPD

Meine Damen und Herren, es kann doch nicht sein, dass hier, mitten in Deutschland, mit unserer Geschichte, solche Ängste wieder um sich greifen! Das dürfen wir niemals akzeptieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD

Die AfD missachtet das Parlament. Sie zweifelt die Unabhängigkeit von Gerichten an.

Sie diskreditiert unsere Sicherheitsbehörden und die Nachrichtendienste und verunglimpft tagtäglich die freie Presse. Es wird immer plastischer: Die AfD möchte dieses Land in vorgrundgesetzliche Zeiten zurückführen, und dabei wird sie von Autokratien wie Russland unterstützt, weil diese ein Interesse daran haben, unser Land, unser Deutschland, zu destabilisieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Im Gegenzug hält die AfD dem Aggressor Putin die Einfallstore sperrangelweit auf.

Da sind die Grünen ja die richtige Partei! Wer hat denn Deutschland destabilisiert? Ihr habt Deutschland kaputtgemacht!

– Herr Frohnmaier, eine Hand wäscht die andere; so könnte man es sagen angesichts der engen Verbindungen zwischen den Autokraten dieser Welt und den Abgeordneten der AfD und deren Mitarbeitern. Die Fälle kann man schon gar nicht mehr an zwei Händen abzählen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Dann nehmen Sie die Zehen!

Das Ganze hat System: Sie, Herr Frohnmaier, Herr Bystron und Herr Krah, Sie sind doch nur die prominenten Spitzen des Eisbergs.

Manchen Mitarbeitern wird der Zugang zum Deutschen Bundestag verweigert. Sie bekommen gar keinen Hausausweis mehr wegen ihrer engen Kontakte zu russischen staatlichen Stellen.

Warten Sie mal ab, bis wir Ihre Mitarbeiter genauer überprüfen!

Dazu sagt das Verwaltungsgericht Berlin: „[…] Risiken für die Funktions- und Arbeitsfähigkeit des Deutschen Bundestages“.

Sie dürfen nicht mal nach Amerika einreisen!

Das muss man sich mal vorstellen, meine Damen und Herren!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Frau Abgeordnete, erlauben Sie eine Zwischenfrage?

Rednerwechsel

Nein, ich lasse keine Zwischenfrage zu.

Bitte schön, dann setzen Sie fort.

Rednerwechsel

Herr Kotré und Herr Rothfuß – das konnten wir heute erst nachlesen – wollen wieder nach Russland reisen, um die Kontakte zu intensivieren,

Was Außenpolitik halt so tun muss!

natürlich mit freundlicher finanzieller Unterstützung der Fraktionskasse.

Die AfD leugnet den hybriden Krieg, den Russland auch gegen Deutschland führt, und Herr Chrupalla nimmt den Aggressor auch noch in Schutz. Drohnenüberflüge, Sabotage der kritischen Infrastruktur, Cyberangriffe: Es ist ganz offensichtlich, meine Damen und Herren, dass Russland es auf unsere Sicherheit abgesehen hat. Und die AfD lässt sich als Trojanisches Pferd für die Interessen des Kremls einspannen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufvon der AfD: Märchenstunde!

Im Onlineshop des „Compact“-Magazins – ich konnte es gar nicht glauben, als ich es gesehen habe – werden schon silberne Medaillen verkauft, wahlweise mit dem Kopf von Alice Weidel drauf oder die sogenannte „Patriot Wladimir Putin“-Siegermedaille. Das muss man sich mal vorstellen! Also, ich habe keine Zweifel daran, dass Wladimir Putin und Alice Weidel Patrioten desselben Landes sind, aber dieses Land ist nicht Deutschland.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD

Und was hat jetzt die AfD damit zu tun? Grüne Missinformation!

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, Empörung allein reicht nicht aus. Es ist längst an der Zeit, zu handeln. Wenn diese Partei, die sich seit ihrer Gründung immer mehr radikalisiert hat,

Nein, sie wird immer erfolgreicher!

eine Gefahr für die Menschen in unserem Land ist und für unsere Sicherheitsinteressen und wenn relevante Personen dieser Partei mit dem Kreml kooperieren, um unser Land systematisch zu schwächen, dann dürfen wir nicht tatenlos zusehen, sondern müssen die Grundlage für ein mögliches Verbotsverfahren beim Bundesverfassungsgericht legen.

Wir haben den demokratischen Fraktionen hier im Haus dazu auch ein Gesprächsangebot gemacht. Wir wollen, dass Bund und Länder entsprechendes Material der Nachrichtendienste zusammentragen, um die Verfassungswidrigkeit der AfD auf allen Ebenen nachzuweisen. Die SPD findet das richtig. Sie von der Union haben sich da noch nicht klar positioniert, Herr Henrichmann. Wir alle hier haben die Gefahren, die von der AfD ausgehen, thematisiert, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union. Ihnen ist das alles sehr bewusst. Sie haben nicht umsonst diese Aktuelle Stunde hier angemeldet. Und deshalb fordere ich Sie auf, endlich diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn sonst bleibt Ihre Empörung nicht nur folgenlos, sondern im Kern unaufrichtig.

Die AfD ist keine Alternative für Deutschland. Sie ist Deutschlands Albtraum.

Zurufvon der AfD: Ihr Albtraum höchstens!

Es ist Zeit, aufzuwachen!

Zurufevon der AfD

Sie müssen bitte zum Ende kommen.

Rednerwechsel

Schauen wir nicht länger zu, wie Verfassungsfeinde mit Putins Unterstützung unser Land zerstören!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken

Vielen Dank. – Für eine Kurzintervention erteile ich das Wort Martin Reichardt von der AfD.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
14 Vermerkeca. 453 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Also, diese letzte Rede erinnerte ja stark an McCarthy-Zeiten, von der Hetze her.

Zurufevon der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich möchte Sie hier in aller Deutlichkeit fragen: Sie als Grüne – –

Herr Abgeordneter, ich habe Sie gerade akustisch nicht verstanden. Ich will aber darauf hinweisen, dass wir bei historischen Vergleichen zu Diktaturen, auch der deutschen Geschichte – –

Lachenbei der AfD
Rednerwechsel

McCarthy war in den USA.

Ich habe Sie akustisch nicht verstanden. Deshalb bitte ich Sie, einfach noch mal zu präzisieren, was Sie gesagt haben.

Rednerwechsel

Es ging um Herrn McCarthy in den USA.

Der kann kein „th“!

Also, erst mal habe ich mich bei der Rede und von der ganzen Diktion her an solche Zeiten erinnert gefühlt.

Das Zweite ist: Als Russland noch eine kommunistische Diktatur war, war es Ihre Partei, die Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat und sich für Russland eingesetzt hat.

Widerspruchbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Gehen Sie doch nach Hause! Sie wissen ja gar nichts darüber! Was ist das für ein Dummschwätz!

Seitdem das vorbei ist, seitdem Ihre kommunistischen Freunde dort vom Volk abgewählt und in die Wüste geschickt worden sind, seitdem haben Sie sich geändert!

Und jetzt stelle ich Ihnen folgende Frage: Sie tun hier so – –

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Frau Haßelmann, würden Sie mal aufhören, ständig dazwischenzuquatschen! Das ist furchtbar.

Lachenbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Müssen Sie sagen!

Ich möchte – –

Zurufevon der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Darf ich noch aussprechen? Ich habe immerhin das Wort.

Ich glaube, dass es sinnvoll ist, wenn wir einander auch verstehen. Setzen Sie jetzt bitte gerne fort.

Der Mann ist ja interessant!

Rednerwechsel

Danke. – Ich möchte gerne von Ihnen wissen: Wie können Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren, heute gegen unsere friedlichen Bemühungen um Gespräche mit Russland zu hetzen, während Sie selber – –

Sie haben keine Ahnung von der Geschichte von Bündnis 90/Die Grünen!

Zurufder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Wo ist denn Ihr Wandel hergekommen, dass Sie von einer russlandfreundlichen Pazifistenpartei

Zurufevon der Linken

zu einer kriegstreiberischen Russlandhasserpartei geworden sind?

Beifallbei der AfD

Frau Mihalic, möchten Sie erwidern? – Bitte.

Was denn jetzt? Von McCarthy über …?

Mirze Edis [Die Linke], an die AfD gewandt: Jetzt aber reden lassen! Nicht dazwischenrufen!
Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
11 Vermerkeca. 554 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich weiß überhaupt nicht, womit ich jetzt anfangen soll. Also, ganz ehrlich, das, was Sie hier gerade vom Stapel gelassen haben, ist einfach ungeheuerlich. Haben Sie sich mal die Fälle angeguckt, wo Sie ganz enge Verstrickungen zu Russland haben? Alle dokumentiert!

Die gibt es gar nicht!

Ich kann ja mal anfangen: Zum Beispiel hätten wir da einen gewissen Herrn Guillaume P., ein ehemaliger Mitarbeiter des Abgeordneten Maximilian Krah. Er war der erste Mitarbeiter, den Krah, als er Europaabgeordneter wurde, einstellte. Er pflegte übrigens vitale Kontakte zu einem Mann, der derweil in Polen in Untersuchungshaft sitzt wegen des Verdachts der Tätigkeit für einen russischen Geheimdienst. Dem hat er nicht nur Zugang zum Europäischen Parlament, sondern sogar zum Deutschen Bundestag verschafft.

Dann hätte der deutsche Geheimdienst da handeln müssen, aber doch nicht Herr Krah!

Andere Fälle hat der Kollege Henrichmann eben angesprochen.

Oder Wladimir Sergijenko – ich glaube, ein ehemaliger Mitarbeiter des Abgeordneten Eugen Schmidt –, dem laut einer Mitteilung des Europäischen Rats ebenfalls vorgeworfen wird, an der Destabilisierung von EU-Mitgliedstaaten beteiligt gewesen zu sein.

Jetzt werden sie ganz leise!

Weiterer Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hört! Hört!

Ich weiß nicht, wann die grüne Partei jemals unterwegs war, die EU-Mitgliedstaaten zu destabilisieren, wie Sie uns das hier vorwerfen.

Ich werfe Ihnen gleich auch noch was vor!

Da geht es um aktive Zusammenarbeit mit russischen Nachrichtendiensten. Da geht es um Informationsweitergabe. Da geht es um Informationsbeschaffung. All das wollen Sie jetzt irgendwie leugnen oder von sich weisen?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Der Geheimdienst hätte uns da schützen müssen!

Das ist ungeheuerlich!

Ich könnte noch weitermachen. Herr Rainer Rothfuß, der sich demnächst auch wieder auf den Weg nach Russland macht – ich hoffe, dass wir nicht wieder Bademantelvideos vor dem dampfenden Pool zu Gesicht bekommen –, traf sich mit dem ehemaligen russischen Präsidenten Medwedew.

Oder hoffen Sie es vielleicht doch? Die Fotos scheinen Ihnen ja zu gefallen!

Entschuldigung! Das Prinzip, das wir einander verstehen, gilt in alle Richtungen.

Rednerwechsel

Ich könnte jetzt endlos so weitermachen.

Nein, können Sie nicht!

Ich will das alles hier aber nicht überstrapazieren. Es gibt eine ganze Menge dokumentierte Fälle, wo Sie engste, vitalste Verbindungen zu Mitarbeitern der russischen Administration pflegen, zu Nachrichtendiensten, über andere Kontakte und dergleichen.

Davon haben Sie noch keinen genannt!

Nur Bademäntel! Der verfassungsfeindliche Bademantel!

All das ist ein Sicherheitsrisiko für unser Land.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken

Und es ist ungeheuerlich, dass Sie das hier einfach so abstreiten, ohne mit der Wimper zu zucken, und sich hier auch noch als Friedenspartei stilisieren.

Es gibt einen Weg zum Frieden in der Ukraine – ja, den gibt es –, und zwar, wenn Wladimir Putin den Krieg beendet.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Wir setzen die Redeliste fort. Der nächste Redner ist Jan Köstering für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jan Köstering
Foto: DBT/ Inga Haar
16 Vermerkeca. 836 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie die AfD ihren Einfluss im Sinne Russlands und Putins einsetzt: hier im Bundestag, in unseren Landesparlamenten und auch im Europäischen Parlament. Dass dies geschieht, liegt klar auf dem Tisch, seien es die Anschuldigungen gegen den ehemaligen Bundestagsabgeordneten und jetzigen Europaabgeordneten Petr Bystron: Er soll im Zusammenhang mit dem russischen Propagandaportal „Voice of Europe“

„Er soll“!

Geld erhalten haben, um im Sinne Russlands zu handeln. Oder nehmen wir den mittlerweile ausgebürgerten Wladimir Sergijenko. Er war beim ehemaligen AfD-Abgeordneten Eugen Schmidt beschäftigt

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

und unterhielt Kontakte mit dem russischen FSB. Oder der verstorbene Rechtsextremist Manuel Ochsenreiter – den kennen Sie noch.

Er registrierte mit dem heutigen AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier, dessen Ausführungen wir leider horchen mussten,

Was macht eigentlich Christian Görke?

das sogenannte deutsche Zentrum für Eurasische Studien. Ein gemeinsames Arbeitsverhältnis musste bereits nach vier Monaten gekündigt werden. Der Grund: Er soll einen Brandanschlag in der Ukraine in Auftrag gegeben haben.

Zurufvon der Linken: Hört! Hört!

Diese Liste ließe sich lange fortführen, aber meine Redezeit würde bei Weitem nicht ausreichen.

Beifallbei Abgeordneten der Linken
Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Viel wichtiger ist es, darauf hinzuweisen, dass die bereits genannten Fälle noch viel mehr sind als mutmaßliche Spionage oder politische Einflussnahme eines ausländischen Staates mittels korrumpierbarer Politiker. Das ist schon Problem genug; und hier müssen wir dringend unsere Parlamente und Institutionen noch besser schützen.

Beifallbei der Linken

Aber es geht hier nicht einfach nur darum, dass Staaten Agenten und Spitzel in Parlamente und Institutionen platzieren. Es ist nicht so, dass die russische Führung unwissende und unbescholtene Abgeordnete der AfD ausnutzt. Das Verhältnis der AfD zur russischen Staatsführung beruht vielmehr auf Gegenseitigkeit, auf gemeinsamen Wertevorstellungen und gemeinsamen Interessen. Gemeinsam ist ihnen die Verachtung des demokratischen Rechtsstaates und der liberalen Bürgerrechte. Sie sind getrieben von einem aggressiven Nationalismus

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

und träumen von einem Europa der Nationen. Sie teilen, vernetzen und bauen ihre autoritären Weltanschauungen weltweit mit Ihren rechten, teils milliardenschweren Kameraden aus: von Elon Musk und Trump über Evangelikale in Südamerika bis zu Ihren rechtsextremen Partnern in Europa und Russland.

Seit ihrem Bestehen ist die AfD Dauerstaatsgast in Russland. Ebenso lange kursieren Strategiepapiere aus dem Umfeld der russischen Staatsführung, in denen Überlegungen angestellt werden, wie Europa gespalten werden kann. In einem dieser Papiere von 2013 vom Moskauer Zentrum für politische Konjunktur ist die Rede von Massenmigration und Konflikten zwischen den Volksgruppen als Schwachpunkt der EU. Ins gleiche Horn blasen heute US-Präsident Trump und seine Administration, wenn sie vor der UN oder der Münchner Sicherheitskonferenz von der angeblichen Massenmigration und ihren Gefahren warnen.

Und ins gleiche Horn blasen leider auch Sie von der Union, wenn Sie diese Punkte aufgreifen, die letztlich die Spaltung unserer Gesellschaft vorantreiben werden. Ausgerechnet Sie solidarisieren sich, indem Sie die Stadtbilddebatte führen und Abschiebeverhandlungen mit dem syrischen Staatsoberhaupt mit den Inhalten des AfD-Wahlprogramms führen.

„Stadtbild“ ist von der CDU losgetreten worden! Die ist sicherlich richtig, aber nicht von uns!

Mit dieser unsäglichen rassistischen Stadtbilddebatte bedienen Sie letztlich aber ebenso die Strategie des Kremls.

Beifallbei der Linken

Im neuen Zentrum der autoritären Rechten im Westen ist die AfD mittlerweile ebenso Dauergast und betreibt ihre Schattenaußenpolitik,

Wo denn? Was?

zum Beispiel als Frau von Storch im September in Washington zu Besuch war exakt zu dem Zeitpunkt,

Washington ist aber nicht Russland! Das wissen Sie schon!

als zahlreiche Rechtsextremisten und Faschisten weltweit in die USA pilgerten, um dem getöteten Rechtsextremisten Charlie Kirk zu huldigen.

Widerspruchvon der AfD

Schämen Sie sich!

Die Vertreterin der gesichert rechtsextremen Partei präsentierte sich bei einem Termin mit Vertretern des U.S. Department of State und im Büro des Vizepräsidenten J. D. Vance – und das alles exklusiv begleitet von einem Mitarbeiter des rechten Portals „Nius“ – nicht der „taz“, nur damit da keine Verwechslungsgefahr besteht.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, geheimdienstliche Tätigkeiten, Spionage und willige Partner in Form der AfD sind nicht nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um die Gefahren der Sicherheitspolitik geht. Jeder weitere Schritt hin zu einer autoritären und nationalistischen Politik gefährdet die Sicherheit hier im Land. Wenn wir die Desinformationskampagnen und die Zersetzungsarbeit Russlands tatsächlich bekämpfen und aufhalten wollen, müssen wir der rechtsextremen AfD den Nährboden entziehen.

Darum hören Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, auf, im gleichen populistischen Fahrwasser zu fahren und die Positionen leider zu übernehmen. Besinnen Sie sich auf Ihre christlichen und demokratischen Werte. Schließen Sie sich allen anderen demokratischen Fraktionen in diesem Hause an. Lassen Sie uns gemeinsam einen Verbotsantrag in dieses Haus bringen und die AfD endlich verbieten.

Beifallbei der Linken

Damit irgendwelche Versagerparteien noch über 5 Prozent kommen!

Der nächste Redner in der Debatte ist für die Unionsfraktion David Gregosz.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von David Gregosz
Foto: David Gregosz/ Ilona Szymanska
8 VermerkeZwischenfrageca. 919 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einem Monat haben unsere Nachrichtendienste – Bundesnachrichtendienst, Militärischer Abschirmdienst, Verfassungsschutz – in einer öffentlichen Befragung über die Gefährdungslage in und für Deutschland öffentlich informiert. Die Warnungen vor Putins Russland waren mehr als deutlich. Russlands Handeln heute sei darauf angelegt, europäische Demokratien zu destabilisieren, unsere Gesellschaften zu spalten, die NATO zu unterminieren, sagen uns unsere Experten. Die Bedrohungen unserer Freiheit sind also konkret.

Für unsere europäischen Partner in Nord- und Osteuropa war das keine neue Erkenntnis. Auch deutsche und internationale Journalisten in Moskau berichten seit Jahren von der Konsolidierung eines autokratischen Regimes. Unsere deutsche Botschaft vor Ort, unsere politischen Stiftungen in Nachbarländern, seriöse Wissenschaftler und Akademiker: Sie alle beschreiben einen tragischen Entwicklungsweg Russlands seit den frühen 2000ern, der leider auf Begriffe wie Imperialismus und Revisionismus zuläuft.

Karl Schlögel, einer der renommiertesten deutschen Historiker, sagte jüngst in der Paulskirche – Zitat –:

„Es ist erstaunlich, wie lange es in Deutschland gedauert hat, gewahr zu werden, womit man es mit Putins Russland zu tun hat.“

Ich füge hinzu: Es ist noch erstaunlicher, dass sich politische Kräfte in diesem Haus bis heute mit Putins Regime gemeinmachen. Es sind ja nicht nur durchgeführte oder angekündigte Reisen von AfD-Politikern oder in von Russland besetzte Gebiete. Die systematische Orientierung hin nach Russland wird in Ihren Programmen, in Anträgen, in Reden und insbesondere in Anfragen immer deutlicher. Ihre Methode bei Kleinen Anfragen in Thüringen ist thematisiert worden. Auf Bundesebene sind Ihre Kleinen Anfragen ebenfalls interessant bis gefährlich.

Ein Beispiel: In der Drucksache 21/2422 erbaten Sie Ende Oktober vom Digitalministerium Informationen zur Cybersicherheit.

Herr Kollege, es gibt eine Zwischenfrage aus der AfD.

Ich habe schon gedacht, dass getroffene Hunde bellen. Aber ich möchte sie nicht zulassen.

Feige ist er auch noch!

Gut.

Sie fragten nach Ministeriumsstandorten, in denen die kritischen IT-Dienste georedundant, also ortsunabhängig, verfügbar gehalten werden. Die Bundesregierung soll also öffentlich erklären, wo unsere Datensicherheit besonders angreifbar wäre. Sie fragten zudem nach Standorten mit einer funktionsfähigen Notstromversorgung, die auch langfristige Krisenlagen abdecken kann. Und als Krönung fragten sie nach internen Notfall- und Reaktionsplänen im Digitalministerium für den Fall von Cyberangriffen. Meine Damen und Herren, eine bessere Vorbereitung für digitale Sabotageakte kann ich mir kaum vorstellen – und Putin, Lukaschenko und Co auch nicht.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Das ist eine Unterstellung!

Mit dieser durch Anfragen hergestellten Öffentlichkeit betreiben Sie hoffentlich nur unbewusst oder naiv die Destabilisierungspolitik aus dem Kremlhandbuch. Das parlamentarische Fragerecht ist sehr, sehr wichtig. So wie Sie es nutzen, wirft es sehr viele Fragen auf. Wäre Ihnen wirklich am Aufdecken bestehender Sicherheitslücken gelegen, hätten Sie das in Ausschusssitzungen oder im Schriftverkehr mit den Ministerien klären können.

Aber das ist nicht alles. Sie verstärken in Ihrer politischen Arbeit russische Propaganda und Desinformationen. Vielleicht mag der eine oder andere bei Ihnen einwenden: Das mache ich doch gar nicht. – Da kann ich nur sagen: Sie lassen Kräfte in Ihrer Partei wirken, die genau das tun.

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass bei Ihnen widerstreitende Gruppen existieren. Die Gruppe um den Abgeordneten Lucassen distanziert sich von Putin und Russland. Die Gruppe um den Abgeordneten Chrupalla versucht, Putins Verantwortung zu relativieren. Und die dritte Gruppe rechtfertigt russische Positionen. Aus dieser Gruppe sprechen ja auch hier viele Leute.

Wir sehen in jeder Sitzungswoche, wer sich hier durchsetzt. Deswegen sollten auch Sie – wie das BSW – über eine Namensänderung nachdenken: Alternativa dlya Rossii, „Alternative für Russland“. Warum sage ich das? Alle Parteien im demokratischen Spektrum haben spätestens nach dem Beginn des Angriffskrieges einen Reflexionsprozess durchlaufen. Nur Sie verstärkten in den letzten Jahren die Annäherung an autoritäre Regime. Damit unterscheiden Sie sich nicht nur von uns, Sie unterscheiden sich auch von allen anderen rechten Parteien in Europa. Die Frage, ob es nun reiner Opportunismus ist, gezielte Provokation oder wirklich Überzeugung, spielt fast gar keine Rolle.

Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Im Ergebnis ist es schlicht unpatriotisch, das eigene Land in dieser Form zu verraten.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie verbinden mit Ihrem Verhalten die Hoffnung, unsere Demokratie ins Wanken zu bringen, und das verbindet Sie eben mit Wladimir Putin.

Meine Damen und Herren, die Geisterfahrer der deutschen Außenpolitik werden wir nicht ans Lenkrad lassen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Für meine Partei, die Union, sind die transatlantischen Beziehungen, die NATO und die Europäische Union Teil unseres Selbstverständnisses.

Herr Kollege.

Sie sind eine Alternative für Russland. Diese Koalition ist dem deutschen Volk verpflichtet.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

So, jetzt halten wir hier mal fest, dass Kolleginnen und Kollegen, die eine Zwischenfrage nicht zulassen möchten, das auch nicht tun müssen. Das sieht die Geschäftsordnung so vor. Sie sind damit weder feige noch sonst was.

Zum Zweiten hat der Kollege Maximilian Kneller, der die Zwischenfrage stellen wollte, jetzt die Möglichkeit zur Kurzintervention.

Frohnmaier!

Zurufvon der CDU/CSU: Der hat schon geredet!

– Herr Frohnmaier hat schon geredet.

Ich bin davon ausgegangen, dass derjenige, der die Zwischenfrage stellen wollte, auch die Kurzintervention halten wird und nicht ein Kollege, der schon geredet hat; denn er hatte ja schon Redezeit.

Herr Kneller, bitte.

Die SMS schön ablesen von Herrn Frohnmaier!

Porträt von Maximilian Kneller
Foto: Maximilian Kneller/ Tobias Ebenberger
8 Vermerkeca. 344 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Dafür stehe ich natürlich gerne bereit. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werter Kollege, ich kenne die „Talking Points“ der Konrad-Adenauer-Stiftung bezüglich „Russland-Partei AfD“ schon. Vielen Dank.

Meine Frage geht in eine andere Richtung. Am heutigen Abend haben wir einen der Topberater des US-Präsidenten Donald Trump hier zu Gast im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus.

Beifallbei der AfD

Sie sind übrigens alle herzlich eingeladen, ihn nach unserem Verhältnis zu Russland zu fragen.

Jetzt lesen Sie die Frage schon vor!

Der US-Außenminister verurteilt explizit die Beobachtung der AfD durch den Geheimdienst. Das ist auch weltweit einzigartig: in einer entwickelten Demokratie die inländische Opposition durch den Geheimdienst beobachten zu lassen.

Zersetzen zu lassen!

Der US-Senator Tom Cotton forderte US-Nachrichtendienste sogar auf, keine Informationen mehr an den deutschen Geheimdienst zu liefern mit der Begründung, dass man diese missbrauche, um die AfD zu diskreditieren.

Beifallbei der AfD

Wieso reden Sie jetzt über die USA?

Inwiefern, meinen Sie, gefährdet Ihr Gebaren das US-deutsche Verhältnis? Und denken Sie, dass – vielleicht sind Sie ja einer großen Sache auf der Spur, von der wir noch nichts wissen –

Darauf muss man erst mal kommen!

Das war ja ein netter Versuch!]

der US-Außenminister vielleicht mit Putin unter einer Decke stecken könnte bei diesem riesigen Unterfangen?

Beifallbei der AfD

Da wäre ich auf Ihre Erkenntnisse sehr gespannt.

Ansonsten: Kann es vielleicht sein, dass Sie einfach merken, dass Ihre Scholle schmilzt und Ihre Deutungshoheit langsam abnimmt und Sie deswegen jetzt ein bisschen Panik kriegen und die ganze Zeit anhand von irgendwelchen stellvertretenden Mitarbeitern, die nie Parteimitglied waren,

die irgendwann mal irgendwas gemacht haben sollen – das ist ja immer die Formulierung –, versuchen, irgendwelche Scheinzusammenhänge herzustellen? Glauben Sie nicht, dass das der Würde dieses Hauses unangemessen ist?

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Damit hat jetzt der Kollege die Möglichkeit, zu antworten.

Porträt von David Gregosz
Foto: David Gregosz/ Ilona Szymanska
5 Vermerkeca. 209 WörterReaktionswert: lebhaft
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Werter Kollege, ich bin jetzt nicht sicher, ob Sie die Frage, die Sie gerade vorgetragen oder vorgelesen haben, selbst verstanden haben.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich weiß auch gar nicht, wer die Ihnen gerade geschickt hat; vielleicht kam sie aus Moskau oder so. Ich kann Ihnen nur versichern, dass der Bundeskanzler die besten Beziehungen zu Donald Trump pflegt und versucht, das deutsch-amerikanische Verhältnis in gute Bahnen zu lenken. Sie haben kein Wort zum Zollkrieg

„Zollkrieg“!

der Amerikaner gesagt oder zu all den anderen Themen, die uns in diesem Zusammenhang beschäftigen. Daher würde ich sagen: Diese Frage lassen Sie mal lieber stecken; das war gar nichts.

Beifallbei der CDU/CSU

Also, die CDU spricht von Zollkrieg!

Können wir die Zwischenrufe wieder runterfahren? Dann hat auch die Kollegin Sara Nanni von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen noch die Möglichkeit zu einer Kurzintervention.

Warum das denn?

– Warum das? Weil sich die Kollegin genauso gemeldet hat, wie sich die AfD-Fraktion gemeldet hat. Diese Möglichkeit steht hier jeder Fraktion offen. Das gilt für den einen wie für den anderen.

Ganz entspannt!

Bitte, Frau Kollegin.

Porträt von Sara Nanni
Foto: Sara Nanni/ Nina Runge
3 VermerkeZwischenfrageca. 154 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an den Kollegen Gregosz. Sie haben ja hier gerade noch mal sehr deutlich veranschaulicht – ich habe mit meinem Wunsch nach einer Zwischenfrage extra bis zum Ende Ihrer Rede gewartet, um zuzuhören, was Sie alles aufzählen –, was für eine große Gefahr die AfD für die Bundesrepublik ist, und zwar insbesondere auch aufgrund der Verbindung zu Russland.

Können Sie das noch mal wiederholen?

Wie Sie wissen, bin ich Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Sie verstehen doch von Verteidigung gar nichts!

Seitdem ich Mitglied im Deutschen Bundestag bin, ist die Bedrohung aus Russland mein Thema Nummer eins – wie auch Ihrer Kollegen im Verteidigungsausschuss. Ich frage mich, ob Sie in Anbetracht der Tatsachen, die sich gerade auch in den letzten Monaten gezeigt haben, Ihre politische Einschätzung bezüglich eines AfD-Verbotsverfahrens revidieren.

Porträt von David Gregosz
Foto: David Gregosz/ Ilona Szymanska
2 Vermerkeca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, ich halte ein Parteiverbotsverfahren nicht für den richtigen Weg, um sich einer inhaltlichen und sachlichen Debatte zu stellen.

Beifallbei der CDU/CSU

Damit ist jetzt der nächste Redner in der Debatte für die AfD-Fraktion Stefan Keuter.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stefan Keuter
Foto: DBT/ Inga Haar
21 Vermerkeca. 885 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir stehen heute hier, weil im Namen von Sicherheit und Patriotismus durch die Regierung eine Grenze überschritten wird.

Denn wenn Sie berechtigte parlamentarische Kontrolle, wenn Sie das Offenlegen politischer Fehler und Fehlentscheidungen durch die Opposition pauschal als Gefälligkeit für fremde Mächte, gar Spionage oder Landesverrat denunzieren, betreiben Sie nicht den Schutz unserer Sicherheit – Sie verlassen endgültig den argumentativen politischen Wettbewerb und betreiben populistische, plumpe Ablenkung von eigener Verantwortung und eigenem Versagen sowie die Aushöhlung der Grundregeln unserer Demokratie.

Beifallbei der AfD

Denn kritische Fragen im Parlament sind kein Vergehen, sie sind kein Verrat, sie sind das Herzstück des Parlamentarismus. Transparenz schaffen, Fehler aufdecken, Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen – das würden Sie gerne verhindern; das kann ich schon verstehen, das kann manchmal schmerzhaft sein.

Beifallbei der AfD

Und anders als Sie uns unterstellen, stellen wir keine Fragen für Russland, sondern zu allem, was deutsche Sicherheit betrifft, also auch zu Russland oder zu Nord Stream 2,

Und wo schicken Sie die dann hin? Wer ist denn der Empfänger?

wo die Regierung der Bevölkerung immer noch die Wahrheit schuldig ist.

Beifallbei der AfD

Aber gerade weil unsere Außen- und Sicherheitspolitik in den letzten Jahren Belastungsproben ausgesetzt war, ist es unsere Pflicht als Opposition, kritisch zu prüfen und zu hinterfragen, ob die Regierungspolitik tatsächlich die Sicherheit unseres Landes stärkt oder ob sie sie schwächt. Doch ausgerechnet jene, die Verantwortung tragen für strategische Fehlentscheidungen und mangelhafte Vorsorge, versuchen nun mit einem peinlichen rhetorischen Trick, die Aufmerksamkeit umzulenken:

Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nicht die Regierung soll sich erklären, stattdessen werden kritische Abgeordnete und ihre Fragen stigmatisiert. Der schwere Vorwurf des Landesverrates wird in die Debatte geworfen wie eine Nebelgranate, um die Realität zu verschleiern.

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

Das ist populistisch, billig und zutiefst undemokratisch.

Beifallbei der AfD

Ihr Verhalten ist hochgefährlich, weil es gleich zweifach unserer Demokratie schadet.

Erstens. Es untergräbt das parlamentarische Kontrollrecht. Parlamentarier sollen fürchten, wegen kritischer Nachfragen in die Nähe fremder Interessen, gar des Landesverrates gerückt zu werden. So sollen sie gezwungen werden, künftige Fragen zweimal zu überdenken oder gleich ganz zu lassen. Das ist kein Demokratieschutz, das wäre Regierungsschutz.

Beifallbei der AfD

Und zweitens. Es entpolitisiert die Auseinandersetzung weiter. Statt Wettbewerb der Argumente, statt Überzeugung der Wähler verlegen Sie sich auf reine Verunglimpfung der Opposition. Ihr Verhalten erinnert an die letzten Tage der DDR, und das erklärt auch Ihre immer größere Verzweiflung. Das ist hochnotpeinlich, das ist kein demokratischer Stil der Auseinandersetzung, das ist bloß ein weiteres verzweifeltes Manöver zur Erhaltung Ihrer Macht.

Beifallbei der AfD

Doch ich sage Ihnen: Egal was Sie gegen uns, die AfD, in der Zukunft noch ins Felde führen werden, es wird nicht mehr verfangen.

Das sehen wir dann!

Der Bürger hat Sie längst durchschaut. Wer heute also applaudiert, wenn Regierungskritik mit dem Vorwurf der Gefälligkeit für fremde Mächte verhindert werden soll, hat die Demokratie nicht verstanden.

Beifallbei der AfD

Schauen wir doch einmal, womit wir uns im Rahmen unseres parlamentarischen Fragerechtes beschäftigt haben: Sanktionen gegen Russland, die mehr die deutsche als die russische Wirtschaft schädigen. Gaslieferungen aus Russland; wir kaufen jetzt russisches Gas über Indien und lassen Flüssiggas um den halben Globus schippern – Fracking-Gas übrigens. Auswirkungen des Ölembargos gegen Russland; auch dazu haben wir Informationen eingeholt. Denn es liegt im ureigensten deutschen Interesse, wenn Heizöl- und Benzinkosten nicht durch die Decke gehen. Auch angebliche Drohnensichtungen über Deutschland beschäftigen uns.

Zurufevon der CDU/CSU: „Angebliche“?

Das war der Beweis!

Sie sollten vielmehr Angst vor unseren guten US-Kontakten als vor unseren Russlandkontakten haben. Dass Sie unsere Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz verhindert haben, ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass Vizepräsident J. D. Vance unsere Fraktionsvorsitzende trotzdem in München getroffen hat.

Wer hat denn die Ukraine überfallen?

Ihre undemokratischen Methoden gegenüber der größten Opposition in Deutschland interessieren nicht nur White House und State Department, sondern auch die Nachrichtendienste.

Was sagen Sie denn zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine? Leugnen Sie den auch?

Als Sie ankündigten, die deutschen Nachrichtendienste gegen uns in Stellung zu bringen, haben die Amerikaner eine Ansage gemacht: Sollte das passieren, schneiden sie Sie vom Nachrichtenfluss ab.

Das haben Sie ganz falsch verstanden!

Damit war die Diskussion dann auch beendet.

Beifallbei der AfD

Abschließend. Die Bundesregierung – und damit demaskiert sie sich selber –

Demaskiert haben Sie sich mit Ihrer Rede!

hat unsere Fragen beantwortet. Die Drucksachen sind öffentlich verfügbar. Glauben Sie, dass die Bundesregierung Staatsgeheimnisse veröffentlichen würde, nur weil die AfD anfragt? Im Leben nicht.

Nein! Wir glauben, dass Sie russische Kontakte haben!

Also: So geheim können die Informationen doch gar nicht sein, die wir erbeten haben und über die Sie sich hier echauffieren. Also halten wir fest: Sie haben wieder nur heiße Luft produziert.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Nicht gut fürs Klima, Frau Haßelmann!

Der nächste Redner in der Debatte: für die SPD-Fraktion Hubertus Heil.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Hubertus Heil
Foto: Photothek/ Thomas Imo
26 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.335 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn es Ihnen wehtut: Wir müssen über konkrete Fälle reden.

Da haben Sie ja nichts!

Dazu hat die deutsche Öffentlichkeit, dazu hat dieser Deutsche Bundestag alles Recht.

Wir sollten zum Beispiel über den Fall des AfD-Abgeordneten Petr Bystron reden. Er steht unter dem Verdacht, Zehntausende Euro russisches Schmiergeld erhalten zu haben; so berichtet es der „Spiegel“.

Verdacht! Dazu haben Sie doch schon zwei Aktuelle Stunden gemacht! Das ist langweilig!

– Es tut ein bisschen weh, ne?

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Oder reden wir über den Fall des Mitarbeiters des AfD-Politikers Maximilian Krah.

Dieser Mitarbeiter hat für China spioniert

China ist aber nicht Russland! Gucken Sie auf das Thema der Stunde!

und wurde deshalb für geheimdienstliche Agententätigkeit in besonders schwerem Fall verurteilt. Dieser AfD-Spion hat fünf Jahre für Herrn Krah gearbeitet.

Zurufdes Abg. Stefan Keuter [AfD]

Oder reden wir über den Fall des ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten und späteren AfD-Mitarbeiters Ulrich Oehme – übrigens jemand, den Sie vielleicht kennen, der früher zehn Jahre lang SED-Mitglied war und sich treu geblieben ist. Er hat aus guten und gerichtlich bestätigten Gründen keinen Hausausweis für den Deutschen Bundestag bekommen, weil er offensichtlich über enge Kontakte zum russischen Geheimdienst FSB verfügt, meine Damen und Herren. Er ist Mitarbeiter des AfD-Abgeordneten Edgar Naujok.

Zurufeder Abg. Stefan Keuter [AfD] und Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Herr Kollege.

Rednerwechsel

Oder reden wir über den Fall im Büro des AfD-Abgeordneten Eugen Schmidt.

Herr Kollege Heil.

Rednerwechsel

Dessen Mitarbeiter hat versucht, durch arglistige Täuschung die deutsche Staatsangehörigkeit zu erschleichen. Dieser mutmaßliche russische Spion hat einfach beim Einbürgerungsverfahren seine russische Staatsangehörigkeit verschwiegen.

Zurufvon der AfD: Einzelfälle!
Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Nicht zuletzt, Herr Frohnmaier – das kann ich Ihnen nicht ersparen –, ist das zu nennen, was über Ihre Kontakte und Ihren ehemaligen Mitarbeiter Manuel Ochsenreiter bekannt ist, der sogar hinter einem russischen Terroranschlag in der Ukraine gesteckt haben soll.

Zurufevon der AfD: „Soll“!

Ich könnte diese Liste fortsetzen.

Herr Kollege Heil, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage.

Rednerwechsel

Ich würde gerne im Zusammenhang reden und später darauf zurückkommen.

Also keine Zwischenfrage?

Rednerwechsel

Nein, danke.

Gut.

Rednerwechsel

Ich könnte weitermachen. Die Liste ist leider noch viel länger. Dafür ist heute nicht die Zeit.

Aber, meine Damen und Herren von der AfD, es verdeutlicht vor allen Dingen eins: Die AfD ist nicht nur ein Sammelbecken für Rechtsextreme in Deutschland. Sie hat in ihren Reihen einflussreiche Agenten fremder Mächte, die gegen die Interessen der Bundesrepublik Deutschland arbeiten.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren von der AfD, wer solche Leute in den eigenen Reihen hat, der kann sich nicht Patriot nennen; er schadet der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Ulrich Thoden [Die Linke]

Wenn vor diesem Hintergrund nun im Thüringer Landtag und im brandenburgischen Landtag und auch hier im Deutschen Bundestag AfD-Abgeordnete Dutzende von auffällig detaillierten Fragen über Routen von Bundeswehrtransporten, von Drohnenabwehrsystemen, von sicherheitsrelevanten Anlagen stellen, dann stellt sich doch die Frage: Haben Landtags- oder Bundestagsabgeordnete das im Interesse der Bürgerinnen und Bürger ihres Wahlkreises getan? Oder geht es vielleicht vielmehr darum, sicherheitsrelevante Informationen auf diese Weise zu veröffentlichen? Die konkrete Frage ist: Wem nützen diese Fragen?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Antwort liegt auf der Hand: denjenigen, die die Sicherheit dieses Landes unterminieren wollen.

Deshalb auf gut Deutsch: Offenbar arbeiten zahlreiche AfD-Politiker für Putin und nicht für Deutschland. Sie sind das Trojanische Pferd des Kremls.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das muss man in Deutschland auch mal offen ansprechen, auch wenn es Ihnen wehtut.

Zurufdes Abg. Stefan Keuter [AfD]

– Dafür schreien Sie ganz schön viel dazwischen, mein Herr.

Sie können einem leidtun!

– Wie bitte?

Sie tun mir leid!

Dann stellen Sie doch eine Zwischenfrage. Was tut Ihnen denn leid?

Sie haben doch gerade abgelehnt!

– Bitte schön. Ich wollte im Zusammenhang reden. Sie können sich gerne noch einmal melden. Bitte, wenn Sie wollen und die Frau Präsidentin es zulässt: Stellen Sie Ihre Frage.

Wahlkreis Moskau!

Rednerwechsel

Zunächst mal stelle ich fest, dass ich eigentlich gar keine Zwischenfrage stellen wollte; aber wenn Sie es mir anbieten, stelle ich natürlich gerne eine.

Ich frage Sie ganz einfach etwas; das ist gerade in unserer letzten Rede schon gesagt worden. Die Regierung hat zu allen Fragen ein Auskunftsverweigerungsrecht, wenn es die nationalen Interessen betrifft. Das heißt, wir können sowieso überhaupt keine Frage über Dinge stellen, die im nationalen Sicherheitsinteresse liegen.

Sie haben von gar nichts Ahnung!

Insofern ist diese ganze Rede, alles, was Sie hier erzählen, Unsinn. Ich möchte Sie fragen, warum Sie hier solche Unwahrheiten verbreiten, dass über Anfragen im parlamentarischen Betrieb derartige Geheimnisse herauskommen können?

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Das strotzt ja von Unkenntnis, Ihr Beitrag! Der weiß gar nichts!

Rednerwechsel

Dann würde ich Sie im Gegenzug fragen: Warum wollen Sie das denn wissen? Warum stellen Sie denn Fragen über Bundeswehrtransporte in der Bundesrepublik Deutschland? Welchen sachlichen Grund gibt es, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes solche Fragen zu stellen, wenn es nicht russische Interessen sind, solche Dinge öffentlich zu machen?

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dass eine Bundesregierung und dass eine demokratisch gewählte Landesregierung in Thüringen und übrigens auch eine solche in Brandenburg

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, an den Abg. Martin Reichardt [AfD] gewandt: Stehen bleiben!

Der antwortet doch gar nicht mehr!

vernünftigerweise so antwortet, wie es den Sicherheitsinteressen dieses Landes entspricht, ist ein Gebot der demokratischen Vernunft, meine Herren; das will ich Ihnen sagen. Das ist meine Antwort auf Ihre Frage.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Jetzt will ich Ihnen Folgendes sagen: Wer dieses Land liebt, der muss seine Demokratie verteidigen, gegen äußere Feinde und auch gegen innere Saboteure, die in diesem Deutschen Bundestag in den Reihen der AfD sitzen. Das ist eine ganz klare Ansage.

Ich will Ihnen aber auch noch eins sagen: Mit all dem, was Sie hier versuchen – davon bin ich überzeugt –, werden Sie am Ende des Tages in Deutschland nicht durchkommen,

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

weil die demokratischen Parteien und die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dieses Land verteidigen. Sie werden scheitern. Damit kommen Sie nicht durch, weil wir unser Land lieben.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie wissen gar nicht, was das ist!

Das ist der Unterschied zwischen uns und Leuten, die Nationalisten sind und die fremde Einflüsse in diese Demokratie einbringen. Wir verteidigen unsere Demokratie gegen sie. Sie werden scheitern.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Ich lasse jetzt noch eine Zwischenintervention zu, und zwar die des Kollegen Boehringer, und danach keine mehr. Ich kündige das jetzt schon an. Ich lasse auch keine Zwischenfrage mehr zu, weil die Aktuelle Stunde nach wie vor aus 60 Minuten besteht und wir jetzt schon 15 Minuten drüber sind. Ich sage das nur, dass es jetzt klar ist.

Herr Boehringer ist jetzt noch mit einer Zwischenintervention dran.

Porträt von Peter Boehringer
Foto: Peter Boehringer
9 Vermerkeca. 312 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Kollege Heil, immerhin kann man Ihrem letzten Satz zustimmen: Sie werden mit dieser Show nicht durchkommen. – Da stimmen wir zu. Wir stimmen auch der Aussage zu, dass wir dieses Land lieben.

Zuruf: Sie meinen aber Russland!

Insofern kommen wir wirklich zusammen.

– Die Frage, natürlich.

Nehmen Sie bei dem Beispiel, Herr Heil, das Sie genannt haben, zur Kenntnis, dass der Ex-Kollege Petr Bystron

Wollen Sie den jetzt in Schutz nehmen?

inzwischen 26 Hausdurchsuchungen in der gleichen Sache hinter sich hat – 26! –,

Aus Gründen!

Ohne Erkenntnisse!

auf der Basis eines Audiotapes, auf dem nichts, aber auch gar nichts zu hören ist,

Aus Gründen!

und dennoch irgendeine ehemalige Ostblock-Connection hergestellt wird?

Jetzt verteidigt er auch noch den Bystron!

„Ostblock“ meine ich im zeitlichen Sinne, als Sie noch Freunde des kommunistischen Ostblocks waren. 26 Hausdurchsuchungen gab es ohne jedes Ergebnis. Nehmen Sie das bitte mal zur Kenntnis, dass nichts, aber auch gar nichts dabei herausgekommen ist.

Der Bystron darf doch noch nicht mal mehr als Abgeordneter kandidieren, weil er Ihnen unangenehm war!

Bis heute ist das Verfahren skandalöserweise nicht eingestellt worden. Es gab 26 Hausdurchsuchungen. Das bitte ich Sie zur Kenntnis zu nehmen.

Zweitens sollten Sie Folgendes bitte auch – und auch das formuliere ich als Frage – in Ihre Erkenntnisse miteinfließen lassen:

Wollen Sie auch noch über Eugen Schmidt reden? Nur zu!

Haben die Zahlungen, die in den letzten Tagen und Monaten von der Firma Rheinmetall an Abgeordnete unter anderem Ihrer SPD geleistet wurden, nicht irgendwie einen Hautgout, ein Geschmäckle?

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Herr Kollege Heil.

Porträt von Hubertus Heil
Foto: Photothek/ Thomas Imo
9 Vermerkeca. 394 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Kollege, zu Ihrer ersten Bemerkung zum Thema Patriotismus. Sie haben mich akustisch vielleicht nicht ganz verstanden, deshalb übersetze ich Ihnen das mal. Es gibt eine Sache, die Sie nicht verwechseln dürfen – das hat der frühere Bundespräsident Johannes Rau 2000 sehr deutlich gemacht –: Man darf niemals Patriotismus mit Nationalismus verwechseln.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das hat einen Grund: Patriotismus ist die Liebe zu seinem Land,

Zurufvon der AfD: Die haben Sie nicht!

und Nationalismus ist der Hass auf andere Nationen. Das ist der Unterschied zwischen Ihnen und uns.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie hassen doch Russland!

– Nein. Ich sage Ihnen zu Ihrer Zwischenbemerkung: Ich hasse Russland nicht. Ich hasse autoritäre Regime wie das in Russland, die Menschen zu ertragen haben. Das ist der Unterschied.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Wir hassen nicht Russland, wir hassen nicht die Menschen, die in Russland leben. Aber wir hassen ein autoritäres Regime, das die völkerrechtswidrigen Angriffskriege zu verantworten hat, zu denen Sie heute keinen Takt gesagt haben. Das ist schon verräterisch an dieser Stelle.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Deshalb: Es tut Ihnen weh. Und was machen Sie, liebe Kollegen von der AfD, den ganzen Tag in dieser Debatte hier, wenn Ihnen berechtigte Vorhaltungen gemacht wurden, zum Teil Verdächtigungen geäußert wurden, die in der Öffentlichkeit zu klären sind, und es rechtsstaatliche Verurteilungen von Menschen aus Ihren Reihen mit nachrichtendienstlichen Hintergründen gibt?

Weitere Zurufe von der AfD

Was machen Sie? Nebelgranaten werfen, täuschen, tricksen, tarnen! Das ist das, was Sie machen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Aber damit kommen Sie nicht durch, das sage ich Ihnen. Sie werden aus dieser Debatte nicht rauskommen. Sie sind keine Patrioten. Sie haben Menschen in Ihren Reihen, die für fremde Mächte in diesem Land wirken.

Frau Schwesig!

Das müssen Sie sich vorhalten lassen. Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
23 Vermerkeca. 1.247 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Nützliche Idioten“ – das ist ein Begriff aus der sowjetischen politischen Rhetorik. Nützliche Idioten sind Menschen, die unwissentlich, aus Naivität oder aus politischer und ideologischer Nähe ein Regime unterstützen, ohne dessen langfristige Ziele wirklich zu verstehen.

Sind die bei Ihnen zu Hause?

Dass die AfD das russische Regime unterstützt, dürfte für jeden offensichtlich sein. Aber warum tun Sie das? Wenn ich mir die AfD angucke, dann komme ich dabei nur auf die Gründe „Korruption“ und „ideologische und politische Nähe zum russischen Regime“.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Denn genau wie der russische Gewaltherrscher Wladimir Putin wollen Sie für die Menschen keine Zukunft in Freiheit, Fortschritt und Wohlstand. Sie träumen gemeinsam mit Putin von einer Vergangenheit, die stinkt – nach dem finsteren Mief von Unterdrückung, von Verfolgung, von Diktatur.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit Mief kennt man sich ja bei den Grünen aus, oder?

Wladimir Putin sagt das immer sehr deutlich und beschreibt den Untergang der Sowjetunion als die größte Katastrophe. Und ehrlich gesagt: Darüber, welcher Diktatur und welcher Zeit Sie hinterhertrauern, will ich hier gar nicht spekulieren.

Wer hat denn die Sowjetunion unterstützt? Das war doch Ihre Partei! Wer waren denn die Kettenhunde Russlands in den 80er-Jahren? Die sitzen doch da!

Zurufdes Abg. Steffen Janich [AfD]

Klar ist, meine Damen und Herren: Die AfD ist ein Sicherheitsrisiko für Deutschland.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD und des Abg. Jan Köstering [Die Linke]

Die Rednerliste der AfD ist ja gerade das Who’s who der russischen Assets. Über Markus Frohnmaier sagt selbst der Kreml, dass er „unter absoluter Kontrolle“ des Regimes steht.

Das stimmt doch gar nicht! Was erzählen Sie denn da?

Wir haben in den Reihen der AfD Maximilian Krah, dessen Mitarbeiter zu mehreren Jahren Gefängnis wegen Spionage verurteilt wurde. Wir haben in den Reihen der AfD Mitarbeiter, die den Deutschen Bundestag nicht betreten dürfen aus Sicherheitserwägungen wegen zu großer Nähe zu russischen Geheimdiensten. Ihre parlamentarischen Anfragen im Bundestag und in den Landtagen wirken wie Auftragsarbeiten aus Russland.

Mitglieder dieses Hauses – das sage ich ehrlich –, denen Deutschlands Sicherheit am Herzen liegt, überlegen in Sitzungen sicherheitsrelevanter Ausschüsse, in geheimen Briefings schon genau, welche Fragen sie stellen, damit Sie die nicht gleich an Ihre Freunde in Russland verraten.

Denn dass die AfD es nicht nur mit dem Grundgesetz nicht hat, sondern auch mit anderen Regeln in diesem Land nicht, ist hinreichend bekannt. Die AfD hat mehr Strafverfahren an der Backe als parlamentarische Initiativen in diesem Haus:

Unglaublich! Das ist doch hier eine Verleumdung!

Das ist doch eine Unwahrheit! Das ist doch eine Verleumdung! Das sind doch Lügen! Also ganz ehrlich!

Bestechlichkeit, Spionage, Geldwäsche, Beleidigung, Urheberrechtsverletzungen, Subventionsbetrug, Körperverletzung, Drogenschmuggel, Raubüberfall, Volksverhetzung.

Zurufdes Abg. Markus Frohnmaier [AfD]

Da fragt man sich: Ist das noch Politik oder schon Organisierte Kriminalität, was da stattfindet?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Die AfD, meine Damen und Herren, ist keine Alternative, sie ist eine Schande für Deutschland!

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Koalition und insbesondere von der Union, ich muss auch noch auf Sie zu sprechen kommen. Ich danke Ihnen, dass Sie diese Aktuelle Stunde angesetzt haben, und ich danke Ihnen für die sehr klaren Worte zur AfD. Die Frage ist aber: Was folgt daraus? Es ist ja eindeutig, dass diese Partei gegen das Deutschland des Grundgesetzes arbeitet, für fremde Mächte arbeitet, eine Gefahr für Deutschland ist.

Das ist überhaupt nicht eindeutig! Das erfinden Sie! Das erfinden Sie, genauso wie die Lügen, die Sie eben gerade erzählt haben!

Ich glaube nicht, dass das bei den Umfragen hilft!

Das Verbotsverfahren aus den Reihen des Bundestages oder jedenfalls aus der Politik muss dringend angestrengt werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Wenn man genau hinschaut – insbesondere Ihnen von der Union sollte das am Herzen liegen –, erkennt man, was die AfD tut.

Zurufvon der AfD: Was ein Charakterloser!

Die AfD will Sie zerstören, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union.

Stimmt doch gar nicht!

Dagegen können Sie sich nicht wehren, indem Sie in Teilen AfD-Politik aufgreifen. Im Interesse unseres Landes: Passen Sie bitte auf! Wer seinen Wertekompass vergisst,

…, der wird ein Grüner!

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

der droht leicht politisch verloren zu gehen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Migration als Waffe ist Teil der russischen Kriegsstrategie; das hat das russische Regime hinlänglich bewiesen. Das haben die Russen in Syrien gezeigt, als sie das Land zu Schutt und Asche bombardiert haben. Das beweisen sie mit ihrer Zusammenarbeit mit ihrem Lakaien Lukaschenka, wenn sie Migranten an die belarussische Grenze zwingen, um damit Druck auszuüben. Das beweisen sie jeden Tag, indem sie in der Ukraine Krankenhäuser, Kindergärten, zivile Infrastruktur bombardieren, um Menschen zum Fliehen zu zwingen. Das ist Teil russischer Kriegsstrategie. Aber wenn jetzt Carsten Linnemann und Markus Söder AfD-Propaganda aufgreifen und gegen ukrainische Geflüchtete wettern, wenn Dobrindt kaltherzig und zynisch die Familie des Tiergarten-Mordopfers nach Georgien abschiebt,

Unmöglich!

wenn Sie mit islamistischen Terroristen des Talibanregimes zusammenarbeiten, nur um abschieben zu können, und wenn Sie sich intern darüber zerlegen, wie man denn am besten nach Syrien abschieben kann, dann sollte sich die Union Gedanken machen, dass sie sich unfreiwillig instrumentalisieren lässt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Meine Damen und Herren, die Union hat andere Lösungen als die Grünen.

Die Grünen sind auch nicht mehr so wichtig!

Sie spricht anders, und das ist auch in Ordnung so. In der Demokratie ringen wir um Lösungen. Sie haben Ihre Aufgaben als Regierung, wir haben unsere als Opposition. Aber passen Sie auf! Tun Sie das mit eigenen Werten, mit einem demokratischen Kompass, mit Maß und Mitte! Damit nehmen Sie die Sorgen der Menschen wirklich ernst. Dann sind Sie auch Führungsfigur im politischen Spiel und nicht Werkzeug von Verfassungsfeinden und Diktatoren aus dem Ausland.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Herr Kollege, Sie müssen jetzt zum Schluss kommen.

Rednerwechsel

Ich komme zum Ende. – Meine Damen und Herren, wir stehen nicht nur gegen die AfD – wir stehen gemeinsam für Deutschland, für unsere Verfassung, für das Vertrauen in die Demokratie. Die Geschichte zeigt klar: Appeasement bringt keine Befriedung, sondern Eskalation. Deswegen müssen wir wehrhaft bleiben gegen Putin und gegen seine Helfer im Bundestag.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

So sieht’s aus!

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die Unionsfraktion Heiko Hain.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Heiko Hain
Foto: Heiko Hain
17 Vermerkeca. 858 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Debatte heute ist wieder sehr erhellend. Und nicht nur sie zeigt: Es ist höchste Zeit, dass wir die engen Verbindungen der AfD zu Russland und anderen autoritären Staaten klar, offen und unmissverständlich benennen.

Beifallbei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Der jüngste Fall, der Fall des ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme – wir haben es heute schon gehört –, spricht Bände. Das Verwaltungsgericht Berlin hat bestätigt, dass ihm jetzt in seiner Funktion als Mitarbeiter der Mitarbeiterausweis und damit der Zutritt zum Deutschen Bundestag zu Recht verweigert wurde – wegen seiner Nähe zu russischen Akteuren. Da geht es nicht um Verdächtigungen oder politisches Theater, sondern um klare, belegte Verbindungen, welche ein Sicherheitsrisiko für Deutschland darstellen.

Und das ist kein Einzelfall. Greifen wir uns doch exemplarisch einige Ihrer Parteifreunde heraus.

Ja, Herrn Hirte zum Beispiel! Oder was ist mit der KAS?

Da gibt es einen Abgeordneten – er meldet sich gerade zu Wort –,

der offenbar keine Gelegenheit auslässt, nach Russland zu reisen,

Wann war ich da denn zum letzten Mal?

und der in einem Strategiepapier der russischen Präsidialverwaltung als – Zitat – „ein unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter“ bezeichnet wird,

…, der zuletzt vor sieben Jahren in Russland war!

Vor sieben Jahren war ich da mal!

auch wenn Sie das hier relativieren wollen. Und wenn Ihr Fraktionsvorsitzender die westlichen Sanktionen gegen Russland infrage stellt, mitten im Angriffskrieg gegen die Ukraine, dann zeigt das, auf wessen Seite die AfD steht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wie kann das mit den Interessen Deutschlands und Europas vereinbar sein, liebe Kolleginnen und Kollegen?

Wir haben es mit einer Partei zu tun, die sich von russischen Propagandamedien feiern lässt, deren Landtagsabgeordnete Geburtstagsfeiern für Putin in der russischen Botschaft besuchen und dabei dem Botschafter zur Weitergabe an den Kreml eine goldene Gedenkmünze mit dem Titel „Patriot Wladimir Putin“ überreichen, deren Abgeordnete Besuchergruppen in die russische Botschaft geleiten.

Und als wären die russischen Kontakte nicht genug, erleben wir hier in diesem Haus auch Kollegen, die bei der Personalauswahl – Stichwort: „chinesische Spione“ – ein doch eher unglückliches Händchen beweisen. Es geht hier um Geld, Einfluss und Loyalität, aber sicher nicht um deutsche Interessen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Sie als AfD orientieren sich systematisch an autoritären Staaten – in Ihren Programmen, in Ihren Abstimmungen und in Ihren öffentlichen Auftritten. Sie wollen ein schwaches Deutschland, ein Deutschland, das gespalten, isoliert und von außen manipulierbar ist. Eine Partei, die sich von fremden Mächten – sei es Russland oder China – nicht distanziert, sondern sich mit ihnen verbündet, verrät das eigene Land.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Wenn Putin Flüchtlinge als Waffe einsetzt, wenn er Europas Stabilität untergräbt und der AfD damit ihr Kernthema überhaupt liefert, dann drängt sich doch die Frage auf: Wie viele Kleine Anfragen bekommt er als Gegenleistung?

Die AfD ist wie eine schwarz-rot-gold angemalte Matroschka-Puppe:

So sieht’s aus!

außen schön patriotisch, aber innen verstecken sich lauter kleine vaterlandslose Gesellen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, noch nie in der Geschichte dieses Landes hat es eine Partei, die sich als konservativ und als rechts bezeichnet, gewagt, unser Vaterland so an fremde Mächte zu verkaufen. Sie sollten sich schlichtweg schämen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich würde mich schämen, wenn wegen mir jede Woche 200 Unternehmen dichtmachen würden!

Ich sage Ihnen ganz deutlich:

Was Sie uns sagen, interessiert uns nicht!

Unser Land, unsere Werte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung lassen sich nicht verteidigen, wenn die Hintertüren offen sind für Einflussnahme aus Moskau oder Peking.

Für wen Sie offene Hintertüren haben, wollen wir nicht wissen!

Und Ihre Reaktionen in dieser Debatte zeigen doch einmal mehr: Getroffene Hunde bellen, auch wenn sie nur noch ein Bettvorleger in Putins Datscha sind.

Wer sich in Positionen begibt, die den Interessen unseres Landes entgegenstehen, der spielt mit der Sicherheit und der Zukunft unseres Landes, der ist – ich sage es ganz deutlich – kein Volksvertreter, sondern schlicht ein Volksverräter, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der AfD: Der hat es uns aber gegeben!

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Stephan Brandner.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
23 Vermerkeca. 1.148 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Fast eine Stunde Debatte, fast eine Stunde Panik und Popanz der Kartellparteien, die nicht mehr so genannt werden dürfen. Diese Debatte läuft deshalb so aus dem Ruder, weil Sie genau gemerkt haben, was Sie mit dieser Aktuellen Stunde angerichtet haben: Sie haben sich selbst entlarvt.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Eigentor!

Fast eine Stunde lang Geschwurbel vom Feinsten, Beleidigungen, Lügen, Unterstellungen. Es wurde gesagt, es wäre der Verdacht, es hätte, es könnte, es sollte –

Soll, soll, soll!

und es kam kein einziger Beweis.

Beifallbei der AfD

Dann distanzieren Sie sich doch jetzt von Russland!

Welch erbärmliches Ergebnis dafür, dass Sie seit Jahren die Alternative für Deutschland von Tausenden Geheimdienstlern bespitzeln lassen, dass Sie 18 Geheimdienste auf uns angesetzt haben,

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

Milliarden Euro rausgehauen haben für den Versuch, unsere Partei zu zersetzen und zu zerspitzeln.

Sie sind aber ganz schön nervös, Herr Brandner! Herr Brandner ist getroffen!

Nichts ist davon übrig geblieben. Gar nichts!

Und warum machen Sie das Ganze? Weil Sie Deutschland in einen Zustand versetzt haben, wie ihn 20 Putins nicht hätten herbeiführen können. Sie haben Deutschland ruiniert.

Beifallbei der AfD

Genau das ist die Verharmlosung eines autoritären Regimes!

Sie haben die Wirtschaft ruiniert, Sie haben die Energieversorgung ruiniert, Sie haben die Menschen in Deutschland ruiniert. Die Felle schwimmen Ihnen weg.

Was haben Sie schon wieder so schlechte Laune? Sie reden unser Land schlecht!

Sie regieren schlecht!

Dann hatten Sie Ihr Strategietreffen. Bei welcher Stiftung war das? Wir haben gar keine Stiftung, aber Sie haben eine, die mit Millionen Euro gefördert wird. Sie hatten Ihr Strategietreffen und meinen jetzt, sie müssten irgendetwas machen. Die Alternative für Deutschland war zehn, zwölf Jahre lang die ganz böse, rechte, nationale Partei, und jetzt sagen Sie: Mensch, das zieht nicht mehr, die Leute lassen sich nicht mehr belügen und hinters Licht führen; wir machen einfach mal eine 180-Grad-Wende und sagen, das sind Vaterlandsverräter.

Dann distanzieren Sie sich doch von Putin! Jetzt haben Sie die Chance!

Meinen Sie, diese Pirouette, die Sie da gedreht haben, glaubt auch nur ein Mensch in diesem Land?

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie sind diejenigen, die unser Land zugrunde gerichtet haben. Sie sind diejenigen, die sich an Russland rangewanzt haben. Sie sind diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass Deutschland von Russland abhängig war, und die mit ihrer Politik letztendlich genau das Gegenteil gemacht haben. Von Bundespräsident Steinmeier gibt es Fotos mit Putin. Von Bundeskanzler Gerhard Schröder gibt es Fotos mit Putin. Ich nenne außerdem Manuela Schwesig, Christian Hirte – inzwischen Parlamentarischer Staatssekretär; er wurde mehrfach erwähnt –, Matthias Platzeck, SPD, ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg, Ralf Stegner.

Herr Stegner, heute mal nicht in Aserbaidschan? Was ist denn mit Ihrer geheimen Russlandverschwörung in Baku?

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Immerhin traut er sich und setzt sich hierhin. Herr Stegner, erzählen Sie was zu Baku,

Maximilian Krah ist nicht da! Warum eigentlich?

zu den Geheimtreffen in Baku hinter dem Rücken der Regierung; ich hoffe, die wusste davon nichts.

Herr Stegner ist einer derjenigen, die ganz vorne sind.

Privatreise mit Diplomatenpass!

Söder, Merkel, Merz: Das sind diejenigen, die bei Putin, die bei den Russen ein und aus gingen. Wissen Sie, es gibt keinen einzigen AfD-Politiker, der jemals bei Putin war. Es gibt kein einziges Foto von einem AfD-Politiker, der bei Putin war. Das waren immer nur Sie, und jetzt versuchen Sie, das Ganze umzudrehen.

Beifallbei der AfD

So weit sind Sie nicht gekommen! Da sind Sie traurig drüber, oder, Herr Brandner?

Axel Fischer, Mark Hauptmann, Thomas Bareiß, Olav Gutting – alle CDU –, Nikolas Löbel, Joachim Pfeiffer, Marcus Held, Ronald Pofalla – alles Leute, für die der Begriff „Kaviar-Diplomatie“ erfunden wurde, weil sie so gerne in Russland unterwegs waren. Wer weiß, was sie da alles gemacht haben.

Aha! Interessant!

Jetzt kommen Sie und sagen, die Alternative für Deutschland stelle so viele Anfragen. Es geht um die Eurodrohne – schlimme Frage, oder? –, um Kampfhubschrauber, das Waffensystem Tiger, Stückzahlen, das Lenkwaffensystem HOT, Aufklärungs- und Wirkmöglichkeiten der Bundeswehr,

Lies mal die CDU/CSU-Anfragen dazu vor!

Verteidigung im Cyberraum, IT-Hardware für die Ukraine, Zivilschutz, zivile Verteidigung. Es geht um die Frage, welche Dienstposten beim Bundesnachrichtendienst sich mit Russland beschäftigen. Nur: Diese Anfragen waren nicht von uns. Sie waren alle von der CDU/CSU in der letzten Wahlperiode.

Beifallbei der AfD

Gucken Sie mal in Ihre eigenen Drucksachen, um zu sehen, wo Sie da nachgebohrt haben, was Sie alles wissen wollten – und was Sie dann möglicherweise über Ihre Kanäle der Kaviar-Diplomatie nach Russland geschafft haben.

Markus Frohnmaier [AfD], an die CDU/CSU gewandt: Schon blöd, oder?

Sie müssen immer daran denken: Wenn man mit einem Finger auf jemanden zeigt, dann zeigen mindestens drei Finger auf einen zurück. Bei Ihnen ist es so, dass Dutzende von Fingern auf Sie zurückzeigen.

Ich finde auch interessant, dass Herr Spahn nicht da ist. Herr Spahn hat deutliche Aufklärung von der Alternative für Deutschland verlangt und hat gesagt, Alice Weidel würde sich sozusagen zur Mittäterin des Vaterlandsverrates machen, wenn sie nicht nachbohren würde in der Alternative für Deutschland.

Wo ist sie eigentlich?

Ich könnte Herrn Merz fragen, warum er sich nicht mal mit dem dunklen Geschäftsgebaren des Herrn Spahn beschäftigt; denn als Chef der CDU und als Chef des Herrn Spahn

Der Maskenschieber!

macht sich Herr Merz ansonsten möglicherweise mitschuldig an der Vertuschung krimineller Umtriebe, an der Vertuschung hinsichtlich der Frage, wie sich Herr Spahn zu Coronazeiten Luxusvillen leisten konnte, usw. usf.

Also: Ball flachhalten. Machen Sie einfach bessere Politik! Hören Sie auf, die Alternative für Deutschland mit Dreck zu bewerfen! Das bringt Ihnen nichts, auch mit Blick auf Ihre Umfrageergebnisse nicht. Das hilft am Ende nur uns. Die Menschen draußen sind nicht ansatzweise so dumm, wie Sie glauben; fast hätte ich gesagt: wie Sie hier.

Heiterkeitbei der AfD

Die Menschen draußen denken mit. Sie wissen genau, wer Politik für Deutschland macht. Sie entlarven sich mit solchen Spielchen nur selbst.

Trojanisches Pferd, Herr Brandner! Aber so was von! Aber Mühe haben Sie sich gegeben!

Sie sollten sich für diese Aktuelle Stunde schämen. Ich bin mir sicher: In zwei, drei Jahren, wenn das Verhältnis zu Russland wiederhergestellt ist, werden Sie genau das auch tun.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Der abschließende Redner in dieser Debatte ist für die Unionsfraktion Knut Abraham.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Knut Abraham
Foto: CDU Elbe-Elster/Andreas Egeresi
19 Vermerkeca. 902 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was mir, Herr Brandner, bei Ihnen schon öfter aufgefallen ist, ist, dass Sie den Unterschied zwischen einer Kabarettshow und einem Parlament offensichtlich nicht so genau kennen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie sind doch nur neidisch, weil Sie rhetorisch nicht annähernd so stark sind!

Nach diesem Dauergewitter des Rechtspopulismus möchte ich auf die Diplomatie schauen. Ich glaube, die beiden in der jüngsten Zeit am meisten missbrauchten Worte der deutschen Sprache bilden die Floskel „Gesprächskanäle offenhalten“. Ja, das ist in der Diplomatie nötig. Aber genauso nötig ist, wenn man Gesprächskanäle nutzt, eine klare Differenzierung und eine Distanzierung von Propagandathesen. Nur wer Propaganda von Wahrheit unterscheiden kann, kann Gesprächskanäle sinnvoll nutzen.

Zurufvon der AfD: Das können Sie anscheinend nicht!

Daran hapert es bei Ihnen in der AfD. So sagte der Kollege Jan Nolte von der AfD der russischen Zeitung „Iswestija“ im vergangenen Jahr klipp und klar, die Entsendung deutscher Soldaten nach Litauen sei – hören Sie jetzt genau zu – eine Folge der langjährigen und fehlgeleiteten Aggression des Westens gegen Russland. Das, meine Damen und Herren, ist nicht die Nutzung eines Gesprächskanals, sondern das ist Propaganda.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD, Sie hätten sich hier und heute von Putin distanzieren können.

Sagen Sie doch einfach mal geradeheraus: Putin, beenden Sie diesen Krieg! –

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jan Köstering [Die Linke]

Das habe ich noch nie von Ihnen gehört. Noch nie!

Lesen Sie doch mal! Können Sie nicht lesen?

Oder probieren Sie es mal mit: Lassen Sie die politischen Gefangenen in Russland frei! – Probieren Sie es mal!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Noch nie habe ich jemanden von Ihnen hier sagen gehört: Oberbefehlshaber Putin, geben Sie den Befehl, die russischen Angriffe zu stoppen! Geben Sie den Befehl, die Waffen schweigen zu lassen! – Warum kommt Ihnen das nicht über die Lippen? Weil Sie für ihn einstehen. Hier und heute war die Gelegenheit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bekennen Sie sich eigentlich zur westlichen Wertegemeinschaft? Offensichtlich nicht.

Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die AfD gewandt: Eine Aggressorpartei sind Sie!

Denn das geht nur, wenn man sich von den Verbrechen Putins distanziert. Sie wollen ein von Russland und Deutschland dominiertes Eurasien.

Lachenbei der AfD
Zurufvon der AfD: Alter Schwede!

Der blanke Horror für alle übrigen Europäer! Doch für die AfD erklärt der Kollege Thomas Dietz bei abgeordnetenwatch.de, übrigens nach Kriegsausbruch, wir Deutsche sollten sehr deutlich darauf bedacht sein, einen russlandfreundlichen Kurs zu fahren. Er sagte, wenn Russland und Deutschland friedlich zusammengearbeitet haben, ginge es uns gut in Europa. Welche Zeit meinen Sie denn da?

Die letzten 200 Jahre!

Sie unterstützen das ja durch Ihr Geraune.

Meinen Sie die DDR?

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

War das eine gute, friedliche Zusammenarbeit, als russische Besatzungssoldaten in der DDR dafür gesorgt haben, das völlig illegitime SED-Regime an der Macht zu halten?

Stellen Sie sich doch nicht blöd!

Na, mit den Rechtsnachfolgern arbeiten Sie doch heute überall zusammen! Sie arbeiten doch mit den Rechtsnachfolgern der SED zusammen! Wir doch nicht!

War es nicht so – Herr Dietz, Sie sind aus dem Erzgebirge –, dass unsere Bevölkerung erleichtert, froh und glücklich war, die Rote Armee nach der Wiedervereinigung weit weg zu wissen?

Dieser Partei, meine Damen und Herren, geht es nicht um Patriotismus, sondern um Putin. Und das kann ich belegen. In der Sitzungswoche des Europarats im Oktober gab es eine längere Debatte – sehr interessant – zu Russland und zu den demokratischen Kräften, die dort in der Opposition zu Putin und zum Krieg gegen die Ukraine stehen – eine würdige und für die Ukrainer ziemlich schwierige Debatte um die Zukunft Russlands und dessen Vertretung. Nimmt man der AfD ab, Sie interessiere sich für das Land Russland, könnte man meinen, ihre Abgeordneten würden sich dementsprechend in die Debatte einbringen.

Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die AfD gewandt: Ach, habt ihr gar nicht?

Doch was geschah? Keiner, wirklich kein einziger Abgeordneter der AfD hat an der Debatte physisch überhaupt teilgenommen.

Nein, das gibt’s doch nicht!

Was? Warum denn nicht? Ich dachte, Sie wollen über Russland reden!

Sie interessieren sich in Wahrheit nämlich gar nicht für Russland; Sie interessieren sich für Putin.

Mit Ihrer Politik sind Sie Teil der Destabilisierungsstreitkräfte des Kreml.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Tatsache ist: Sie handeln gegen Deutschland. Sie handeln gegen die deutschen Interessen. Kein deutscher Patriot ist bei Ihnen an der richtigen Adresse.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]
Porträt von Jakob Blankenburg
Foto: Jakob Blankenburg / Johann Floeter
8 Vermerkeca. 550 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zehn Jahre nach Paris merken wir: Das Klima ist nicht nur ein Thema für politische Gipfel, sondern auch für unseren Alltag. Wir sehen es anhand vertrockneter Wälder, des Hochwassers, das Keller flutet, der Ernten, die Landwirtinnen und Landwirten Sorgen machen. Es geht also nicht um abstrakte Szenarien, sondern darum, ob Kinder heute noch unbeschwert draußen spielen können und ob wir morgen noch die gleichen Möglichkeiten haben werden wie unsere Eltern.

Um Gottes willen! Ob Kinder noch unbeschwert draußen spielen können?

Wenn die draußen spielen gehen, verbrennen die! Das glaubt die SPD!

Vor zehn Jahren haben die Staaten der Welt versprochen, die Erderwärmung zu begrenzen – nicht weil es gut klingt, sondern weil es um unser gemeinsames Zuhause geht. Und dieses Versprechen gilt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Als Land, das wirtschaftlich stark ist und technologisch viel kann, haben wir die Verantwortung, zu zeigen: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke passen zusammen, wenn wir Politik nicht nur für Märkte machen, sondern auch für die Menschen.

Beifallbei der SPD

Und genau hier, liebe Kolleginnen und Kollegen, wird unser gemeinsamer Antrag konkret.

Wir sagen erstens: Versprechen müssen eingelöst werden. Viele Länder im Globalen Süden tragen kaum zur Erderwärmung bei und stehen trotzdem bis zum Hals im Wasser. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Industriestaaten die zugesagten Mittel für Klimaschutz und Anpassung endlich gemeinsam mobilisieren – nicht als Wohltat, sondern als Frage von Verantwortung und Respekt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir sagen zweitens: Der Weg raus aus Kohle, Öl und Gas muss gerecht sein. Das heißt: Wir unterstützen Länder, die ihre Industrie umbauen wollen – mit Technologie, mit Ausbildungsangeboten, mit Partnerschaften, die auf Augenhöhe funktionieren. Kein „Wir wissen es besser“, sondern ein „Wir machen es gemeinsam“.

Wir sagen drittens: Wir schützen das, was uns schützt. Die Regenwälder am Amazonas und im Kongobecken sind nicht nur ferne Landschaften; sie sind Klimaanlage, Wasserspeicher und Heimat für Millionen von Menschen. Wir sagen deshalb ausdrücklich: Der Schutz der Regenwälder geht nur mit denen, die dort leben – mit indigenen Gemeinschaften, nicht gegen sie.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Wir sagen viertens – liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist an diesem Tag aktueller denn je –: Europa muss stark bleiben, wenn wir überzeugen wollen. Ein EU-Klimaziel für 2040 wird nur funktionieren, wenn wir es so gestalten, dass gute Arbeit erhalten bleibt, Wertschöpfung in unseren Regionen entsteht und niemand Angst haben muss, abgehängt zu werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Deshalb legen wir Wert darauf, dass Einnahmen aus Klimaschutzmaßnahmen in Entlastung, in Investitionen vor Ort und in Zukunftsarbeitsplätze fließen. Das ist der Kern: Wir verbinden internationale Verantwortung mit sozialer Sicherheit zu Hause. Die Klimakonferenz in Belém wird deshalb nicht nur daran gemessen, welche Zahl am Ende im Papier steht, sondern auch daran, ob wir einander etwas zutrauen. Es ist ein Moment, in dem wir zeigen können: Wir lassen niemanden allein – nicht die Länder im Globalen Süden, nicht die Menschen bei uns zu Hause. Darauf kommt es an.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Karsten Hilse.

Beifallbei der AfD
Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
15 Vermerkeca. 767 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Selbstverständlich: Werte Zweifler am natürlichen Klimawandel! Der nächste Klimakirchentag steht an, diesmal in Brasilien.

Es ist ein gut gewählter Ort, da sich dort so deutlich wie wohl in keinem anderen Land die Heuchelei der Klimahysteriker zeigt. Extra für den Kirchentag wird eine 13 Kilometer lange und 24 Meter breite Schneise in den Regenwald getrieben, um den circa 50 000 Gläubigen eine angenehme Anreise zu dieser quasireligiösen Veranstaltung zu ermöglichen.

Beifallbei der AfD

Ach herrje!

Da die Hotelplätze in Belém nicht ausreichen, sollen zwei Luxuskreuzfahrtschiffe die Unterbringung der Teilnehmer der wichtigsten Veranstaltung der Klimasekte sicherstellen. 26 Prozent der Brasilianer leben unter der nationalen Armutsgrenze.

Warum fahren Sie denn hin? Beantworten Sie das doch einmal!

Aber sie werden diese Armut gern ertragen, wenn dafür die Mitglieder der Klimasekte auf Luxuskreuzfahrtschiffen untergebracht werden. Was für eine Heuchelei!

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Jakob Blankenburg [SPD]

Brasilianische Forscher prangerten im Fachmagazin „Science“ an, dass während der Konferenz zwischen 7 000 und 12 000 Menschen auf den Luxuskreuzfahrtschiffen übernachten werden. In dem Brief heißt es – Zitat –: Bei einer Konferenz, die sich auf Klimaziele konzentriert, sollten die logistischen Planungen und Werte wie Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit übereinstimmen. – Sie berechneten, dass circa 30 000 Tonnen Kohlendioxid zusätzlich entstehen, wenn nur 7 000 Teilnehmer auf Kreuzfahrtschiffen übernachten statt in Hotels. Uijuijui! Offensichtlich sind die Forscher von der Heuchelei der Klimasekte überrascht.

Haben Sie auch was zum Thema zu sagen?

Uns überrascht diese Heuchelei nicht.

Beifallbei der AfD

Die Klimasekte besteht vorwiegend aus Heuchlern, die den Menschen vorschreiben, wie sie leben sollen, die ihnen ihre Mobilität und ihr eigenes Heim nehmen wollen, die sie gnadenlos ausplündern und Millionen Menschen verarmen lassen – und das alles, um vermeintlich das Klima zu retten. Gleichzeitig leben viele von ihnen in Saus und Braus, fliegen Privatflugzeuge, bauen Villen an Stränden, von denen sie behaupten, dass sie eigentlich bald dem rasanten Meeresspiegelanstieg zum Opfer fallen würden. Wie schon gesagt: Heuchelei pur.

Die Lügen, die uns diese Sektenmitglieder auftischen, werden von Tag zu Tag dreister. Jeden Tag wird, auf Deutsch gesagt, eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Früh, mittags, abends werden die Menschen mit Horrormeldungen zugeballert. In den Nachrichten, eingebaut in Spielfilme und in Dokumentationen, immer und überall heißt es: Die Welt geht unter, und du bist schuld daran. Du kannst die Welt aber retten, wenn du nur freiwillig Ablass zahlst, wenn du stillschweigend hinnimmst, dass deine Heimat zerstört wird, dass du deinen Arbeitsplatz verlierst, dass die Zukunft deiner Kinder auf dem Altar der Klimasekte geopfert wird.

Zurufder Abg. Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir werden dir alles nehmen: dein Auto, dein Haus, deinen Job, deine Würde. Nur den Fernseher lassen wir dir, damit du teilhaben kannst an der täglichen Propaganda und der Hetze, die du dann auch noch zwangsfinanzieren darfst.

Zurufvon der SPD: Mit Propaganda kennen Sie sich sehr gut aus!
Zurufdes Abg. Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die AfD wird diese Zwangsfinanzierung beenden.

Beifallbei der AfD

Glücklicherweise dreht sich der Wind. Der US-Präsident bezeichnet den Klimaschwindel als das, was er ist: der größte Betrug, der jemals an der Menschheit begangen wurde.

Das ist aber auch der einzige!]

Fast 1 000 Konzerne weltweit verabschieden sich von ihren selbstgesteckten Klimazielen. Und Bill Gates, einer der schrillsten Propagandisten, hat die Zeichen der Zeit erkannt, wendet sich vom Klimaalarmismus ab und appelliert stattdessen, gegen Armut auf der Welt vorzugehen.

Und die Armut bekämpft man eben nicht, indem man Industriestaaten wie Deutschland deindustrialisiert.

Die Klimakrise macht Millionen Menschen arm!

O Gott! Frau Roth, Sie glauben auch alles!

Wir als AfD werden, sobald wir in Regierungsverantwortung sind, nicht nur dafür sorgen, dass sich das Stadtbild zum Positiven wendet,

Zurufder Abg. Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

wir werden dafür sorgen, dass Wissenschaftler wieder frei von den Zwängen der Klimasekte forschen und veröffentlichen können.

So wie Herr Trump das macht, oder wie haben Sie das vor?

Wir werden eine Wirtschafts- und Energiepolitik betreiben, die auf Wachstum, technischen Fortschritt und auf Wohlstand für die Bürger ausgerichtet ist. Wir werden, so wie Donald Trump in den Vereinigten Staaten, den Klimaschwindel beenden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Der nächste Redner in der Debatte ist für die Unionsfraktion Mark Helfrich.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Mark Helfrich
Foto: Mark Helfrich/ Steven Vangermain
8 Vermerkeca. 613 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Schutz unseres Klimas ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Auch vor unserer Haustür ist der fortschreitende Klimawandel längst angekommen. In anderen Teilen der Welt sind die Auswirkungen schon viel spürbarer: Der Meeresspiegel steigt. Die Bewohner von Pazifikinseln müssen ihre Siedlungen ins Binnenland verlagern. – Der Klimawandel ist real,

Der real existierende Sozialismus!

und er bedroht Existenzen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir als Union – ich kann es gar nicht oft genug wiederholen – stehen klar zu unseren Klimazielen. Bis 2045 wollen wir in Deutschland klimaneutral sein.

Ein paar Maßnahmen wären gut!

Und für 2040 gilt ein ambitioniertes Zwischenziel von minus 91 Prozent an Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990. Das haben wir in unserem gemeinsamen Antrag noch einmal bekräftigt. Ich möchte den Kolleginnen und Kollegen der SPD an dieser Stelle einmal für die wirklich konstruktiven Antragsberatungen danken. Wer mich kennt, weiß, dass Norddeutsche nicht so häufig loben. Also, das war wirklich sehr, sehr gut.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Unser Bundesumweltminister Carsten Schneider hat mit unserer Unterstützung in Brüssel beim Umweltrat für ein ambitioniertes europäisches Klimaziel 2040 von minus 90 Prozent geworben. Ich freue mich, dass die EU, dass Sie, Herr Minister, und auch unser Bundeskanzler nun mit diesem Ziel nach Brasilien fahren und selbstbewusst unsere globale Führungsrolle unterstreichen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Wahrheit gehört auch, dass wir nun an einem Punkt angekommen sind, an dem uns der Klimaschutz etwas abverlangt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wirtschaftsstandort Europa zu kämpfen hat. Wir haben es mit Handelskonflikten und Lieferengpässen zu tun. Die Energiepreise in Europa sind höher als bei der Konkurrenz in China oder in den USA.

Wer hat’s gemacht?

Gleichzeitig produzieren unsere Unternehmen unter den weltweit strengsten Umwelt- und Klimaschutzauflagen. Das setzt die europäischen Unternehmen massiv unter Druck. Deshalb ist es für mich mehr als nachvollziehbar, dass die Umweltminister bis zuletzt intensiv um das europäische Klimaziel für 2040 gerungen haben. Und es ist für mich auch nachvollziehbar, dass die EU-Mitgliedstaaten ein so ehrgeiziges Klimaziel von minus 90 Prozent nur mittragen in Verbindung mit Instrumenten zur Flexibilisierung, etwa durch die Anrechnung von CO2-Gutschriften aus Drittländern oder von Negativemissionen. Ich wehre mich an dieser Stelle vehement gegen den Vorwurf der Verwässerung des Klimaziels durch CO2-Gutschriften. Unter dem Strich ist es dem Klima egal, wo die Emissionen gemindert werden, solange die Projekte hochqualifiziert, zertifiziert und permanent sind.

Zurufvon der AfD: … und Geld kosten!

Wir schaffen mehr Flexibilität im europäischen Emissionshandel für Industrie und Energie. So stellen wir sicher, dass europäische Unternehmen nicht abwandern, und vor allem, dass sie bei uns in Europa weiterhin Wertschöpfung generieren. Nur eine wirtschaftlich erfolgreiche EU wird andere Länder überzeugen, selbst ehrgeizigen Klimaschutz zu betreiben. Wir brauchen also die anderen Staaten der Welt beim globalen Klimaschutz.

Zehn Jahre ist es nun her, dass sich nahezu die gesamte Weltgemeinschaft in Paris auf ein völkerrechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen geeinigt hat. Wir müssen jetzt an dieses historische Paris-Momentum anknüpfen. In diesem Sinne hoffe ich auf eine erfolgreiche 30. Weltklimakonferenz in Belém, dem Tor zum Amazonas mit seinem tropischen Regenwald. Es muss uns gelingen, die grünen Lungen unseres Planeten zu bewahren. Verschwindet der Regenwald, geht uns im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Deswegen macht man so eine Konferenz mitten im Regenwald!

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Lisa Badum.

Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
14 Vermerkeca. 777 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Herren von den Regierungsfraktionen, es ist wirklich Wahnsinn, was Sie hier an Schönrednerei betreiben. So drastisch hätte ich das nicht erwartet. Die Realität ist eine andere. Wir haben einen Kanzler, der die EU geschwächt hat, der den Klimaschutz geschwächt hat und der die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft geschwächt hat.

Das war Herr Habeck!

Das ist die Realität, in der wir leben.

Die deutsche Regierung war der Vorreiter beim

… Wirtschaftswachstum!

wochenlangen Eiertanz um das EU-Klimaziel. Sie haben dazu beigetragen, weil Sie alles verschoben haben, weil Sie den Prozess aufgehalten haben. Heute haben wir ein katastrophales Ergebnis zu beklagen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so schlimm wird. Dem Greenwashing, dem Ablasshandel haben Sie Tür und Tor geöffnet. Der ETS II, der europäische CO2-Preis auf Kohle, Öl und Gas, wird um ein Jahr verschoben, was selbst der Verband der Automobilindustrie kritisiert, weil ihm das nicht ambitioniert genug ist.

Herr Helfrich, Tatsache ist: Wir haben jetzt ein 2040-Ziel; das ist wahr. Aber wir haben keinerlei Maßnahmen mehr, um dieses Ziel zu erreichen.

Zurufvon der AfD: Weil es zu teuer ist!

Es ist eine leere Hülle. Und Sie haben China die Gelegenheit gegeben, sich weltweit als Vorreiter zu profilieren. Das ist die Bilanz, mit der Sie zur Klimakonferenz fahren. Gute Reise! Versprochen, gebrochen!

Wie reden Sie sich und uns das noch schön? Die Floskeln, die ich heute noch nicht, aber fast gehört habe, sind: „Klimaschutz ja, aber mit Augenmaß“ oder „Na ja, wir stehen zu unseren Klimazielen, aber …“. Schauen wir uns Ihr Augenmaß doch mal an! In Zeiten, wo sich die ganze Welt auf den Weg gemacht hat und in diesem Jahr mehr Strom aus Solarenergie erzeugt wurde als aus Kohle, in Zeiten, wo Indien und China die Erneuerbaren ausbauen wie Wahnsinnige, haben Sie eine Katherina Reiche im Wirtschaftsministerium sitzen, die den Menschen die Solaranlagen von den Dächern reißen will. Das ist doch absurd.

In dem Moment, wo der Bau von Flüssiggasterminals in Europa drastisch eingebrochen ist, weil die Gasnachfrage sinkt und die Heizungsbauer uns anschreiben, wir sollten das Gebäudeenergiegesetz retten,

Lachenbei Abgeordneten der AfD

wollen Sie dieses Gesetz abschaffen. Sie sind komplett in die falsche Richtung abgebogen.

Fakt ist: Batteriezellen, Elektroautos, Solarzellen, das alles ist schon nach China abgewandert. Wir haben vielleicht noch eine Chance bei Batteriespeichern und Wasserstoff. Aber was machen Sie? Den europäischen Emissionshandel, der uns starkgemacht hat und ein großer Erfolg ist, schwächen Sie. So weit der Blick auf Ihre – ich muss sagen: leider – desaströse Bilanz, die Sie aktuell vor sich hertragen.

Was lässt sich bei der COP30 noch retten? Den Ausblick darauf müssen wir machen. Die Weltgemeinschaft hat schon vor einigen Jahren beschlossen, dass wir gemeinsam aus Kohle, Öl und Gas aussteigen und die erneuerbaren Energien verdreifachen, auch wenn Frau Reiche das nicht mitbekommen hat.

Nein, das haben die nicht! Das behaupten Sie nur! Niemand hat das beschlossen!

Deswegen: Unterstützen Sie die brasilianische Präsidentschaft bei der Roadmap zum Ausstieg aus den fossilen Energien bei dieser COP! Halten Sie unsere langjährigen Zusagen und Verpflichtungen zur Klimafinanzierung ein! Deutschland ist eine Exportnation,

die auf der Grundlage von Handel, Vertrauen und guten Beziehungen gewachsen ist. Sie müssen dieses Vertrauen stärken.

Wir sind jetzt im zehnten Jahr nach dem Pariser Klimaabkommen. Warum hat es damals funktioniert?

Hat es noch nie! Es hat noch nie funktioniert!

Das lag an der Zusammenarbeit von Obama und Xi. Warum kam das Abkommen zustande? Die USA und China als die größten CO2-Emittenten der Welt haben sich zusammengesetzt. Wie ist der Stand jetzt? Die USA haben sich mittlerweile selbst ins Aus geschossen.

Nein, die haben sich gerettet! Sie haben Deutschland ins Aus geschossen!

Jetzt wäre es für die EU an der Zeit, selbstbewusst und auf gleicher Augenhöhe mit China auf Grundlage gemeinsamer Interessen zu verhandeln. Was sind unsere gemeinsamen Interessen? Sowohl die EU als auch China sind extrem von Kohle-, Öl- und Gasimporten abhängig. Wenn wir diese gemeinsam reduzieren, sparen wir Geld, das wir in unsere grüne Wirtschaft stecken können und in die Unterstützung der Schwellenländer, die unter den Folgen der Klimakrise leiden. Das war der Schlüssel zu Paris. Das könnte der Schlüssel zu Belém sein.

Vielen Dank.

Vielen Dank. Frau Badum. – Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist jetzt für die Fraktion Die Linke Violetta Bock.

Beifallbei der Linken
Porträt von Violetta Bock
Foto: Violetta Bock/ Beatrice Wagner
7 Vermerkeca. 506 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Verehrte Abgeordnete! Die Klimakrise ist kein ferner Albtraum mehr, sie ist unsere Realität. Sie brennt, sie vertreibt, sie tötet.

„Sie brennt!“

Zehn Jahre nach Paris – und wir haben es versäumt, den Kurs zu ändern. Die 1,5-Grad-Grenze ist nicht mehr zu halten. Die Klimakatastrophe ist eingeleitet. Aber: Wir sind nicht alle gleich verantwortlich. Die wahren Verursacher dieses Desasters sitzen nicht in den Dörfern des Globalen Südens. Sie sitzen hier, in den Konzernzentralen, in den Regierungsstuben, in den Parlamenten, und haben nicht den Mut zum strukturellen Wandel.

Beifallbei der Linken

Während Superreiche mit Privatjets um die Welt fliegen und auf Luxusjachten feiern, verlieren Millionen ihre Heimat durch Dürren und Fluten.

Genau! Mit Privatjets zur Klimakonferenz!

Die einen verbrauchen, die anderen zahlen – mit ihrem Land, mit ihrem Leben.

Warum wollten Sie dann mit nach Botswana?

Oxfam hat es belegt: Die Klimafrage ist eine Klassenfrage, und sie ist eine Machtfrage; denn auch hier in Europa wächst die Kluft zwischen oben und unten.

Sie haben gerade die Versprechen aus Ihrem Antrag wiederholt. Im ersten Satz ist die Rede von „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel“; aber an dieser Haushaltslage wollen Sie nichts ändern. Die Regierung redet von Wettbewerbsfähigkeit, meint aber Profitfähigkeit für Konzerne. Die Rüstungsausgaben steigen; das Geld ist kein Problem. Klimaschutz bleibt Nebensache. Der angeblich grüne Wandel ist ein Mythos, solange die Menschlichkeit weiterhin dem Markt geopfert wird.

Ein Beispiel ist Wintershall DEA. In meiner Stadt Kassel wurde das Unternehmen jahrelang bejubelt. Letztes Jahr, kurz vor Weihnachten, hat es die Beschäftigten abgewickelt und wurde geschlossen. Folgt man der Lieferkette dieses Unternehmens, landet man in Vaca Muerta in Argentinien, einem der größten Fracking-Gebiete der Welt. Was dort geschieht, ist kein Fortschritt; es ist Zerstörung. Mauern reißen, Häuser brechen, das Trinkwasser wird vergiftet. Das Gas, das uns hier als „grün“ verkauft wird, ist in Wahrheit mit Blut befleckt. Diese Form des Kapitals, dieses neokoloniale Fracking im grünen Gewand, ist keine Energiewende, sondern Ausbeutung.

Beifallbei der Linken

Bei dieser COP mitten im Amazonas wird ein besonderer Fokus auf dem Schutz der Wälder liegen. Die vorgeschlagene TFFF, Tropical Forest Forever Facility, darf nicht ein weiteres Mittel für Spekulanten werden. Ja, wir brauchen wirksame Instrumente. Die heißen: Schuldenschnitt statt Knebelverträge. Denn es geht um Gerechtigkeit, es geht um Landrechte, es geht um Vetorechte, um die Anerkennung historischer Schuld, um eine Transformation, die sozial und ökologisch zugleich ist. Deswegen liegt die Hoffnung vor allem auf dem Alternativgipfel, in dem die indigenen Gemeinschaften ihre Stimme laut erheben. Wir werden an deren Seite stehen genauso wie an der Seite der pakistanischen Bäuerinnen und Bauern, die letzte Woche eine Klage gegen RWE eingereicht haben, weil sie Schadensersatz fordern. Und sie haben recht.

Wir werden so lange Widerstand leisten, bis diese Welt nicht mehr in der Hand von Konzernen ist, sondern uns allen zurückgegeben wurde.

Beifallbei der Linken

Der nächste Redner in dieser Debatte ist Manuel Krauthausen für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Manuel Krauthausen
Foto: AfD Fraktion im Bundestag/ Nick Becker
9 Vermerkeca. 556 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In wenigen Wochen werden sich rund 70 000 Menschen aus aller Welt auf den Weg machen, um sich dieses Mal in Belém – das ist in Brasilien – mitten im Amazonasgebiet zu treffen.

Eine neue Pilgerstätte!

Und wofür? Für die nächste große Weltklimakonferenz, bei der man dann über Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Reduzierung von CO2 sprechen möchte. Da wandert also eine mittelgroße Stadt, so groß wie meine Heimat Eschweiler – oder wer sie nicht kennt: das ist eine Stadt, die ungefähr so groß wie Gießen ist –, einmal um den Globus, um zu erzählen, wie schrecklich es doch um das Weltklima bestellt ist. Klingt idiotisch – ist es auch.

Beifallbei der AfD

Doch kaum jemand traut sich, das Offensichtliche auch auszusprechen: Diese Weltklimakonferenzen gehören zu den größten CO2-Verursachern überhaupt.

Dann fahren Sie doch nicht hin! Wir können gerne auf Sie verzichten!

– Ich komme nicht mit. Da könnt ihr alleine hinfliegen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Laut den offiziellen Nachhaltigkeitsberichten der Vereinten Nationen verursachte die COP25 in Madrid 51 000 Tonnen CO2, die COP26 in Glasgow 131 500 Tonnen CO2 und die COP27 in Ägypten 62 600 Tonnen CO2. Rechnet man das mal konservativ hoch, haben die bisherigen 29 Weltklimakonferenzen zusammengenommen zwischen 2 und 3 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen, nur damit Politiker, Funktionäre und Lobbyisten über die Rettung des Klimas diskutieren können. Das ist fast so, als würde einer von der freiwilligen Feuerwehr jedes Jahr einen Großbrand legen, damit er im Dorf überhaupt Arbeit hat.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Während also Zehntausende Delegierte, von denen mit Sicherheit keiner mit dem Fahrrädchen, zu Fuß oder mit dem Segelbötchen anreist, während 70 000 Mann nach Brasilien fliegen und dafür Hunderte Hektar des Regenwaldes abgeholzt wurden, damit dort Straßen und Hotels entstehen, wird gleichzeitig überlegt, wie man den grünen Ökosozialismus nutzen kann, um den Menschen in den Industriestaaten noch mehr sinnlose Gesetze zu diktieren und neue Steuern zu erfinden, welche angeblich den Planeten retten. Das ist kein Klimaschutz; das ist ein Klimatheater. Das ist die Champions League der grünen Doppelmoral.

Beifallbei der AfD

Und was passiert bei uns in Deutschland? Hier werden unsere Bürger mit immer neuen Vorschriften, Heizungsverboten und CO2-Steuern drangsaliert. Hier zerstört man unsere Industrie, unsere Energieversorgung und die deutsche Wettbewerbsfähigkeit im Namen einer Politik, die dem Klima weltweit gar nichts bringt, sondern nur massive Schäden bei uns anrichtet.

Beifallbei der AfD

Sehr verehrtes Publikum, die Bundesregierung will uns Deutschen den Gürtel enger schnallen, während sie selbst auf Kosten des Steuerzahlers einmal um die Welt fliegt

Ihr Kollege auch!

Von uns fährt keiner mit!

und sich dann selber auf Klimakonferenzen feiert, die mehr CO2 freisetzen als ganze Städte bei uns in Deutschland.

Die AfD sagt: Wer über den Schutz unseres Klimas reden will, der sollte das Weltklima erst mal verstehen und dann bei sich selber anfangen.

Herr Kollege, Sie müssten bitte zum Schluss kommen.

Ich bin sofort durch.

Die Redezeit ist aber schon vorbei.

Alles klar. – Ich sage es mal so: Schützen Sie die Natur und die Umwelt, aber lassen Sie den Quatsch mit dem Klima!

Vielen Dank für Ihre aufgeregte Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
8 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 925 WörterReaktionswert: hoch
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Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Präsidentin, es passt, was Sie gerade sagten; denn die Nähe und die gute Zusammenarbeit zwischen Union und SPD in der Klimaschutzpolitik, die der Kollege Helfrich betont hat, betrifft die gesamte Bundesregierung.

Ich hatte gestern im EU-Umweltrat ein starkes Mandat für starken Klimaschutz in Europa. Es ist mit Unterstützung des Bundeskanzlers sowie der Bundeswirtschaftsministerin und der jeweiligen Fraktionen von SPD und CDU/CSU gelungen, dass nicht nur wir in Deutschland 2045 klimaneutral sein wollen und 2040 die Treibhausgasemissionen um 90 Prozent reduzieren wollen, sondern auch Europa. Wir konnten unsere Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern überzeugen, gemeinsam mit uns dafür zu kämpfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Der Bundeskanzler fliegt morgen nach Belém. Europa wird mit einem starken Mandat kommen, einem starken Mandat für nachhaltige Umwelt- und Klimaschutzpolitik. Es war in der Tat ein enges Ringen. Es ging um langfristige Entscheidungen. Aber wir konnten die Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen, dass es nicht nur gut ist, in Klimaschutz zu investieren, sondern dass es sich auch wirtschaftlich lohnt. Neue Technologien entstehen, und die weltweite Zusammenarbeit führt dazu, dass der Multilateralismus erfolgreich ist und nicht der Nationalismus.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Bundesregierung steht zu ihrer Verantwortung auch gegenüber den Ländern des Globalen Südens. Wir werden uns an der Tropical Forest Forever Facility des brasilianischen Präsidenten beteiligen, weil insbesondere der Regenwald als Lunge unserer Erde geschützt werden muss. Alle Konzepte, um dafür auch privates Kapital zu hebeln, werden wir nutzen und auch umsetzen.

Die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Ländern, mit großen und kleinen, mit aufstrebenden Inselstaaten, und mit ganzen Kontinenten, führt dazu, dass wir – –

Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Gerne.

Frau Kollegin Badum.

Rednerwechsel

Sehr geehrter Herr Minister, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie loben das EU-Ergebnis. Ich würde gerne erfahren: Wie wollen Sie eine Minderung der Emissionen um 90 Prozent bzw. 85 Prozent – Sie haben vergessen, hier zu erwähnen, dass es bis 2040 nur noch 85 Prozent Minderung sind – erreichen, wenn Sie alles verschieben? Sie verschieben den CO2-Preis um ein Jahr. Sie wollen beim Emissionshandel für die Industrie mehr freie Zuteilungen haben. Sie haben das Verbrenner-Aus abgeschwächt. Wie wollen Sie das Klimaziel erreichen mit einer leeren Hülle, in der keine Maßnahmen verblieben sind?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Lorenz Gösta Beutin [Die Linke]

Sehr geehrte Frau Kollegin, die Treppe wird von oben gekehrt. Als Erstes wird das Ziel festgelegt, dann folgen die jeweiligen Schritte. Wir hatten bisher kein festes Ziel für 2040 innerhalb der Europäischen Union, jetzt haben wir eins. Das ist vor allen Dingen ein Ziel, das kongruent ist mit den Zahlen, die wir in Deutschland haben. Das ist wirtschaftsfreundlich; denn eine unterschiedliche Entwicklung zwischen Deutschland und den anderen europäischen Ländern hätte dazu geführt, dass wir kein Level Playing Field hätten. Wir haben es aber jetzt, und wir werden dadurch vor allen Dingen Anreize setzen, dass Zukunftstechnologien auch tatsächlich umgesetzt werden, sei es im Bereich der Elektromobilität, sei es im Bereich der Batteriespeicher, die Sie zu Recht erwähnt haben, oder sei es im Bereich der erneuerbaren Energien. Von daher: Das Ziel ist stark, und die Erfolge in den jeweiligen Ländern, das Ganze mit Politiken zu unterlegen, folgen dem Ganzen.

Wenn ich das noch kurz ergänzen darf, Frau Kollegin: Es gab in der Tat den Wunsch Polens und auch von Rumänien, den ETS II für 2027 zu verschieben; sie haben dafür mehrere Gründe angeführt. Dem ist die Kommission gefolgt. Und mir steht es fern, liebe Frau Kollegin, den Kolleginnen und Kollegen in Polen vorzuschreiben, wie sie zu arbeiten haben. Wir haben unsere Bepreisung; das wird auch so bleiben. Aber wir laufen nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ein Weiteres. Der Kollege der AfD, der vor mir gesprochen hat, Herr Krauthausen, und der Herr Kollege Hilse haben sich über die COP lustig gemacht, sie ins Lächerliche gezogen, sie als Geldverschwendung bezeichnet.

Ist ja auch geisteskrank, dahinzufahren!

– Genau, Herr Kollege Krauthausen. Wissen Sie denn, wer von der AfD-Fraktion dorthin fährt?

– Genau, Sie haben richtig geguckt. Am 09.10.2025 ist seitens der AfD-Fraktion eine Mail im Umweltausschuss und danach auch bei mir im Bundesministerium für Umwelt und Klimaschutz eingegangen. Darin wurde mir der Kollege Hilse als Teilnehmer der Delegationsfahrt gemeldet.

Abg. Karsten Hilse [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Ich kann nur sagen: Reisen bildet. Ich freue mich sehr, wenn Sie diese Einladung annehmen.

Nachdem Herr Hilse direkt angesprochen worden ist, darf er sich noch mal äußern.

Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
3 Vermerkeca. 235 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Minister, in den letzten Jahren – ich bin jetzt seit acht Jahren in diesem Haus – bin ich mehrere Male zur Klimakonferenz mitgefahren. Normalerweise ist es so gewesen, dass es vom Ministerium einen Plan gab, wann die Delegation des Umweltausschusses bzw. des Klima- und Energieausschusses fährt, und dann der Arbeitskreisleiter gefragt wurde, wer dort mitfährt.

Ich möchte keine Absicht unterstellen, aber diesmal bin ich von allen Informationen, die das betreffen, abgeschnitten worden. Die Anfragen meiner Büroleiterin, wann die anderen Abgeordneten des Ausschusses fahren, wurden lapidar beantwortet mit: Sie fahren zu verschiedenen Zeiten.

Ja! Es ist keine Delegationsreise, Herr Hilse!

Es gab also keine Information darüber, wann die Kollegen des Umweltausschusses fahren. Bisher war es immer so gewesen, dass wir eine gemeinsame Delegation hatten, gemeinsame Treffen mit verschiedenen anderen Delegationen, mit den Amerikanern, den Chinesen oder afrikanischen Staaten. Von diesen Informationen bin ich abgeschnitten worden. Deswegen habe ich gesagt: „Es macht keinen Sinn, wenn ich allein dahinfahre und nicht Teil dieser Delegation bin“, und habe abgesagt. Das war der Grund. Ich möchte keine Absicht unterstellen. Aber so war es.

Das ist die gelebte Demokratie der Kartellparteien!

Für die weitere Klärung ist ja der Ausschuss zuständig.

Dann kommen wir zur nächsten Rednerin in dieser Debatte: Für die Unionsfraktion ist das Anna Aeikens.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Anna Aeikens
Foto: Anna Aeikens / Sophie Weise-Meißner
9 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 827 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wir beraten hier heute gleich mehrere Anträge zur anstehenden Weltklimakonferenz in Belém. Zu Recht wurde auch mir die Frage gestellt: Warum braucht man denn eigentlich eine so große Konferenz? Die Antwort darauf ist eigentlich relativ simpel: Wir als Deutschland können die Klimakrise nicht alleine lösen. Deswegen brauchen wir internationale Formate wie die Klimakonferenz, die so unglaublich wichtig sind.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Es geht in Belém und auch in unserem Antrag am Ende um internationale Partnerschaften und die Verknüpfung dieser Partnerschaften mit dem Ziel, klare Regeln für den Klimaschutz zu vereinbaren. Die Inhalte wurden von meinen Kollegen schon vorgetragen. Um diese Ziele und Inhalte auch durchzusetzen, ist es unglaublich wichtig, dass wir als Deutschland, als Europa ein Vorbild bleiben. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir uns heute früh in Brüssel einigen konnten. Das ist ein klares Zeichen, ein Ausdruck dieses Vorbilds. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Sie, Herr Schneider, für Ihren Einsatz!

Denn zur Wahrheit gehört auch, dass wir mehr oder weniger kurz davorstanden, komplett ohne Klimaziel nach Belém zu fahren. Ich glaube, das wäre wesentlich schlimmer gewesen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Alle unsere europäischen Partner jetzt an unserer Seite zu wissen, ist ein Zeichen des Erfolges.

Frau Kollegin, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage.

Rednerwechsel

Ja.

Ich muss allerdings sagen, Frau Badum: Sie haben zu diesem Tagesordnungspunkt auch schon geredet. Danach ist bitte wirklich Schluss mit Zwischenfragen. – Bitte.

Rednerwechsel

Vielen Dank, Frau Präsidentin, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. Vielen Dank, Frau Aeikens, dass Sie sie zulassen. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Die zweite Zwischenfrage wird auch nicht besser!

Stellen Sie aber auch eine nette Frage jetzt!

Da Sie die europäischen Partner angesprochen haben, muss ich auf eine Sache wirklich hinweisen, damit das hier nicht falsch hängen bleibt. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn die deutsche Bundesregierung die Schuld für das verwässerte Klimaziel und für die Verschiebung des CO2-Preises allein auf Polen und Rumänien schiebt, obwohl wir genau wissen, dass sowohl Italien als auch Frankreich das wollten und auch Herr Merz das befördert hat. Ich finde es nicht fair, Europa zu spalten und die Osteuropäer als diejenigen, denen man die Schuld in die Schuhe schieben kann, nach vorne zu schieben. Das finde ich nicht in Ordnung. Stehen Sie doch zu der Verantwortung, die Sie als Regierung und Regierungsfraktionen haben! Sie haben zu dieser Verwässerung beigetragen. Stehen Sie dazu!

Rednerwechsel

Herzlichen Dank für die Zwischenfrage. – Ich war bei den Verhandlungen nicht dabei, aber ich hatte vorher häufig die Gelegenheit, mich mit Herrn Schneider auszutauschen. Ich bin mir sehr sicher, dass er das Beste im Sinne dieser Regierung gegeben hat, sich auf europäischer Ebene einzusetzen. Ich kann nur mutmaßen, wie schwierig und kompliziert das in der derzeitigen Lage ist. Deswegen stehe ich dazu, dass Herr Schneider sein Bestes auf europäischer Ebene gegeben hat.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Meine Damen und Herren, Klimaschutz ist nicht nur eine Frage von Technik und Geld. Er ist auch eine Frage von Zusammenhalt, nicht nur auf europäischer Ebene, sondern weltweit. Wenn wir erwarten, dass andere Länder mitziehen, dann müssen wir selbst auch klar Haltung zeigen: im Handeln, in der Sprache und natürlich auch in unserer Haltung nach außen. Nur so kann Deutschland Allianzen schaffen und Brücken bauen: von Nord nach Süd, zwischen ambitionierten Zielen und realistischen Wegen, zwischen Klimaschutz und Vernunft.

Die Klimakonferenz ist dafür der richtige Ort. Denn dort geht es nicht nur um das reine Verhandeln von Paragrafen, sondern um den Schutz der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Deshalb freut es mich auch, dass wir uns in unserem Antrag so klar zum Schutz der Regenwälder bekannt haben, wie der Minister bereits erwähnt hat. Das zeigt eben auch, dass für guten Klimaschutz nicht immer nur neue Ziele gebraucht werden, sondern auch gute Mechanismen, die marktwirtschaftlich funktionieren, ein wichtiger Ansatz sind.

Wie der Emissionshandel!

Ich weiß, meine Redezeit ist vorbei. – Wenn uns das in Belém gelingt, dann zeigt Deutschland, dass Klimapolitik weder ideologisch noch bürokratisch sein muss, sondern pragmatisch, partnerschaftlich und wirksam sein kann.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Der abschließende Redner in dieser Debatte ist Christian Moser für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Christian Moser
Foto: Christian Moser/ Birgid Allig
5 Vermerkeca. 424 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Klimakonferenz in Belém steht vor der Tür, und eines kann man allen Unkenrufen zum Trotz feststellen: Multilateralismus funktioniert immer noch, auch beim Klimaschutz.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Helmut Kleebank [SPD]

Auch wenn sich momentan einige abkapseln: Klimaschutz ist in der Welt angekommen. Kanada will bis 2050 klimaneutral werden, auch Japan und Australien. Auch in den USA – auch wenn Sie das immer als Beispiel anführen – haben sich ungefähr die Hälfte der Bundesstaaten strenge Klimagesetze und Klimaziele gegeben. Selbst China will bis 2060 CO2-neutral werden. Die Behauptung, dass sich Deutschland und Europa auf einem Irrweg befinden, ist nichts anderes als eine populistische Mär.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch industriepolitisch – das muss man sich vor Augen halten – würde ein Rollback mittlerweile langfristige Strategien und Investitionen vieler Industrieunternehmen zunichtemachen. Klimaschutz wird in den nächsten Jahren noch viel stärker als jetzt schon zum Business Case werden, und die Chance müssen wir doch weltweit nutzen.

Natürlich müssen wir diesen Prozess kritisch überwachen und gegebenenfalls korrigieren. Der Bundeskanzler hat sich klar zu den europäischen Zielen bekannt, aber der Weg dorthin – das sieht man, wenn man sich zum Beispiel die chemische Industrie anschaut – ist mitunter nicht ganz einfach. Es bringt nichts, wenn wir in Deutschland und in Europa kalte Dekarbonisierung betreiben, nach dem Motto „Hier abbauen, woanders mit fossiler Infrastruktur wieder aufbauen“.

Zurufvon der AfD: Passiert aber!

Änderungen sind deshalb dort richtig, wo ein Umstieg schwierig ist oder Überforderung droht. Deshalb – und da danke ich auch Umweltminister Schneider – ist die heutige Entscheidung der EU-Umweltminister – die Beratungen begannen schon gestern – ein kluger Kompromiss auf dem Weg zu Klimaneutralität, der Wirtschaft und Klimaschutz gerecht wird.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Die Devise ist: Korrekturen „mit dem Skalpell, nicht mit dem Totschläger“. Dieses Zitat stammt nicht von mir, sondern es stammt von Markus Steilemann, dem Präsidenten des Verbandes der Chemischen Industrie, der den europäischen Emissionshandel übrigens ausdrücklich unterstützt.

Bei der anstehenden Klimakonferenz geht es wahrscheinlich um das Endspiel um die grünen Lungen. Die verbliebenen feuchten tropischen Wälder in Amazonien, im Kongobecken und in Südostasien leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den Klimaschutz. Zudem beherbergen sie etwa 80 Prozent der globalen terrestrischen Biodiversität. Tag für Tag verlieren wir hier Flächen. Deswegen ist es auch im Sinne der Bewahrung der Schöpfung, wenn wir den brasilianischen Vorschlag eines Regenwaldinvestitionsfonds unterstützen. Danke, dass Deutschland das macht. In diesem Sinne: Packen wir’s an!

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Anna Lührmann
Foto: photothek/ Trutschel
14 Vermerkeca. 672 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die amerikanischen Digitalkonzerne sind zu mächtig. Sie sind zu groß, sie sind zu dominant, sie verdienen in Deutschland „Milliarde um Milliarde“, sie sind ein Risiko geworden – nicht nur für die politische Kultur, sondern auch für die Meinungsvielfalt.

Da können Sie ruhig klatschen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU. Das ist ein wörtliches Zitat Ihres Kulturstaatsministers Wolfgang Weimer.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Lukas Krieger [CDU/CSU]

Hört! Hört! Recht hat er!

– Recht hat er.

Die Digitalkonzerne dominieren den Werbemarkt. Riesige Finanzströme fließen aus Deutschland in die Taschen von Musk, Zuckerberg und Co. Die Einnahmen fehlen dem unabhängigen Journalismus, sie fehlen der Kultur. Welche Nachrichten wir hier in Deutschland angezeigt bekommen, das wird in den USA und China entschieden. Das kann doch nicht sein!

Doch! Ihr habt gepennt!

Deswegen brauchen wir dringend eine Digitalabgabe auf Werbeumsätze, bevor es zu spät ist und die Lokalzeitungen sterben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Martin Rabanus [SPD]

Herr Weimer, Sie haben einen Gesetzesvorschlag für den Herbst angekündigt. Als ich heute Morgen hierhergekommen bin, lagen die Blätter schon auf dem Boden, der Geruch von Zimt und Nelken lag in der Luft, Weihnachten steht vor der Tür: Wo ist denn Ihr Gesetzesvorschlag?

Wir brauchen nicht nur leere Worte, wir brauchen eine konkrete Handlung, konkrete Taten.

Ich kann Ihnen auch sagen, warum Sie bisher nicht liefern. Sie werden von Ihren Kolleginnen und Kollegen im Regen stehen gelassen. Absagen kamen von Reiche, von Spahn und zuletzt auch – das hat mich sehr überrascht – vom SPD-Vorsitzenden Klingbeil. Er hat auf seiner USA-Reise gesagt, die Digitalsteuer kommt mit ihm nicht. Und warum, frage ich mich, warum?

Kann ich Ihnen sagen! Ich war drüben!

Vorauseilender Gehorsam, das ist der Grund. Sie trauen sich nicht, Donald Trump zu verärgern. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Sie sehen doch in den USA, was passiert, wenn die Techkonzerne zu viel Macht bekommen. Wollen Sie etwa amerikanische Verhältnisse hier bei uns? Das kann doch nicht das Ziel sein. Wir müssen handeln. Andere Länder zeigen da deutlich mehr Mut und Rückgrat – Frankreich, Österreich.

Was haben Sie denn gemacht?

Selbst die CDU-regierten Bundesländer haben eine Initiative in den Bundesrat eingebracht. Davon sollten Sie sich eine Scheibe abschneiden und handeln, bevor es zu spät ist.

Warum haben Sie dann nicht gehandelt?

Und was ist eigentlich die Haltung des Bundeskanzlers zur Digitalabgabe? Herr Weimer, wird Ihr Golffreund Friedrich Merz Sie auch im Regen stehen lassen? Ich hoffe nicht; denn er würde damit nicht nur Sie im Regen stehen lassen, sondern unsere Demokratie insgesamt. Unsere Demokratie braucht eine vielfältige Presselandschaft, braucht eine vielfältige Kulturlandschaft wie die Luft zum Atmen. Die Digitalabgabe ist ein Schutzschirm für unsere Demokratie. Wir brauchen sie jetzt und nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag.

Linke Ideologie!

Liebe Koalition, wir müssen hier als Demokratinnen und Demokraten gemeinsam handeln. Deswegen haben wir heute einen Antrag auf den Tisch gelegt. Da steht ziemlich genau das drin, was Sie im Koalitionsvertrag vereinbart haben: eine Digitalabgabe auf Werbeumsätze. Die Einnahmen sollen verwendet werden, um den Medienstandort und auch Kultur und Medienkompetenz zu stärken.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Gute Sache!

Unsere Hand ist ausgestreckt. Lassen Sie uns gemeinsam an einem Konzept arbeiten und es noch vor Weihnachten hier in den Deutschen Bundestag einbringen.

Das können wir dann beschließen. Gemeinsam schützen wir unsere Demokratie vor den Techkonzernen.

Der nächste Redner in der Debatte ist Pascal Reddig für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Pascal Reddig
Foto: Pascal Reddig/ Tobias Koch
7 Vermerkeca. 716 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin erst mal froh, dass wir heute dieses Thema auf der Tagesordnung haben. Dann können wir nämlich darüber sprechen.

Natürlich ist es auch uns wichtig, dass wir die Digitalkonzerne stärker in die Verantwortung nehmen; das ist richtig, und das ist auch an der Zeit. Aber dass ausgerechnet die Grünen sich hier plötzlich so vehement diesem Thema widmen, ist bemerkenswert,

Hauptsache, Sie machen überhaupt etwas!

nachdem sie, jedenfalls meines Wissens, dreieinhalb Jahre die Kulturstaatsministerin gestellt haben. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass in dieser Zeit eine Digitalabgabe hier im Bundestag zur Abstimmung stand, die von der Bundesregierung vorgebracht und am Ende beschlossen wurde. Dass gerade Sie das heute machen, ist natürlich ziemlich bezeichnend. Denn es ist genau so, wie Sie sagen: Wir haben es im Koalitionsvertrag geregelt. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir uns darum kümmern. Der Kulturstaatsminister hat das Thema immer wieder vorangetrieben. Wir haben gesagt: Wir prüfen das jetzt, wir kümmern uns darum. Und dass Ihnen, nachdem Sie es dreieinhalb Jahre nicht geschafft haben, sich um das Thema zu kümmern, jetzt ein halbes Jahr zu lang ist, ist jedenfalls ziemlich bemerkenswert.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir können ja mal in den Antrag der Grünen reinschauen. In der Begründung vermischen Sie nahezu alles, was man zu dem Thema vorbringen kann. Sie sagen, die großen Plattformen – das kann man ihnen auch alles vorwerfen – haben eine zu geringe Steuerlast, dass es undurchsichtige Algorithmen sind, dass es bis hin zur Beeinflussung der Meinungsbildung geht. Sie schreiben unter anderem – ich zitiere –: „Onlineplattformen […] greifen maßgeblich in öffentliche Debatten und Meinungsbildungsprozesse ein.“ Das kann man so sehen. Ich sehe das auch so. Das sind aber, ehrlich gesagt, sachfremde Erwägungen für den Antrag, weil es da um die Frage geht: Steuerlast, ja oder nein?

In dem Zusammenhang ist ein Aspekt übrigens sehr bemerkenswert: Frau Dr. Lührmann, Sie haben in Ihrer Rede gesagt, es könne nicht angehen, dass man die Taschen der Konzerne, die Taschen von Meta und Zuckerberg weiter vollmacht. Laut einer interessanten Recherche des „Magazins für Kommunikation“, das analysiert hat, wer eigentlich im letzten Bundestagswahlkampf am meisten Geld auf diesen Plattformen ausgegeben hat,

Lachenbei Abgeordneten der AfD

flossen 1,2 Millionen Euro von den Grünen allein an die Meta-Plattformen – für über 6 000 Anzeigen. Sie waren damit Spitzenreiter! Also, die Plattformen zu kritisieren und gleichzeitig Millionen in deren Dienstleistungen zu stecken, das ist, liebe Kolleginnen und Kollegen, mindestens unglaubwürdig.

Dann können wir auch gerne über die Frage sprechen, was wir denn konkret machen. Wir prüfen jetzt, was am Ende richtig ist.

Ich habe jetzt noch immer nicht ganz verstanden, was Sie eigentlich wollen. Sie schreiben einerseits in dem Antrag an ganz vielen Stellen, man brauche mehr Besteuerung. Dann haben Sie eben von der Digitalabgabe gesprochen. Ich glaube, die Digitalabgabe wäre der richtige Weg, weil mehr Steuern das Problem nicht lösen. Die fließen im Zweifel in den allgemeinen Haushalt, ohne Zweckbindung, ohne klare Zielrichtung.

Unsere Idee ist, dass wir das zielgerichtet ausgestalten, sodass es am Ende auch Kultur- und Medienschaffenden zugutekommen kann. Das ist die Idee, die der Kulturstaatsminister mehrfach vorgetragen hat und die jetzt auch hoffentlich bald in die Umsetzung geht.

Aber am Ende, liebe Kolleginnen und Kollegen, trägt Deutschland innerhalb der Europäischen Union eine Verantwortung. Das, was wir hier machen, der deutsche Weg muss deshalb rechtssicher, praktikabel und europarechtskonform sein. Einfach so einen Wischiwaschi-Antrag hier vorzulegen, der nicht mehr ist als Schaufensterpolitik,

Oijoijoi! Ganz schöne Fallhöhe!

ist jedenfalls nichts, womit man hier dem Thema gerecht wird und das Thema voranbringt. Deswegen: Lieber das machen, was wir vereinbart haben – Sie hatten dreieinhalb Jahre dafür Zeit –, sorgfältig, gründlich und mit Blick auf Rechtssicherheit und Wirksamkeit. Daran arbeiten wir jetzt. Das ist verantwortungsvolle Politik und keine Symbolpolitik, meine Damen und Herren.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Die nächste Rednerin in der Debatte ist für die AfD-Fraktion Iris Nieland.

Beifallbei der AfD
Porträt von Iris Nieland
Foto: Iris Nieland
4 Vermerkeca. 495 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Jeder Satz dieses grünen Antrags atmet nach meiner Wahrnehmung den Geist linker Ideologie, von Dirigismus und Unfreiheit.

Widerspruchbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kollegen, ich will es Ihnen noch einmal mit ganz einfachen Worten erklären: Steuern beteiligen den Staat am erfolgreichen privaten unternehmerischen Handeln, damit er seinen genuinen Aufgaben nachkommen kann, und dafür braucht Deutschland endlich ein einfaches und verständliches Steuersystem, ein Steuersystem, das sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit orientiert.

Und nun liegt hier ein grüner Antrag vor, der eine neue Steuer, eine Abgabe auf Werbeumsätze digitaler Plattformen und Suchmaschinen fordert, begründet mit dem Ziel, Medienpluralismus und unsere Demokratie zu retten; „unsere“, man beachte das Possessivpronomen.

Sehr geehrte Kollegen, wir müssen die entscheidende Frage stellen: Bringt eine solche Besteuerung tatsächlich den erhofften Nutzen? Ich sage Ihnen ganz klar: Nein. Dieser Antrag, diese Digitalsteuer ist unnötig. Sie würde nur neue Bürokratie und neue Umverteilungsmechanismen erzeugen.

Beifallbei der AfD

Denn die großen Plattformen, die Sie treffen wollen, weil Sie ja deren und jeden wirtschaftlichen Erfolg per se für moralisch verwerflich halten, haben ihre weltweite Steuerbelastung legal erheblich reduziert. Ja, legal; das muss man mal in aller Deutlichkeit sagen.

Es gibt berechtigterweise Wettbewerb auch zwischen Staaten. Ohne Zweifel – und ich betone das ausdrücklich – enthebt uns das nicht der Notwendigkeit, zum Beispiel über die Frage einer Mindestbesteuerung zu debattieren. Schauen wir dazu einmal in die USA und auf die selbstbewusste Souveränität, mit der Präsident Trump bereits 2017 den Tax Cuts and Jobs Act einführte. Einfache und klare Regeln, das ist gute Standortpolitik. Einfache und klare Regeln, so geht gute Standortpolitik, und dafür steht hier die Alternative für Deutschland.

Und noch ein Aspekt Ihres Antrags: Einnahmen. Selbst wenn man nach Ihrem linksideologischen Modell Geld eingenommen hätte, wohin soll es nach Ihrem Antrag fließen? In Förderprogramme, die der Staat nach eigenen Kriterien vergibt. Es entschiede also die Politik, welche Medien förderwürdig sind und welche nicht. Das ist Ihre Freiheit der Medien? Sie beklagen in Ihrem Antrag die „Ausdünnung des Angebots“ bei diversen Nachrichtenmedien – Zitat.

Sehr geehrte Kollegen, dass die etablierten Medien ihre Auflage verlieren, das ist nicht die Schuld der Techkonzerne. Die Bürger finden diese Produkte unattraktiv. Der mündige Bürger kauft dort ein, wo er einen Nutzen hat. Das ist Markt, das ist Wettbewerb.

Sehr geehrte Damen und Herren, es ist Zeit, allerhöchste Zeit: Wir müssen unser Steuersystem vereinfachen, und dafür steht die Alternative für Deutschland. Wir müssen unseren Standort wieder attraktiv machen und Unternehmen unabhängig von ihrer Branche maßvoll und transparent besteuern. Nur so entsteht auch für die gesamte Breite der Medienlandschaft wieder ein Markt, auf dem sie durch Leistung, Glaubwürdigkeit und Vertrauen ein starker Player und ein international beachteter Marktteilnehmer sind.

Wir brauchen keine Digitalsteuer, keine Digitalabgabe, und diesen unbrauchbaren Antrag lehnen wir ganz klar ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Der nächste Redner in dieser Debatte ist Martin Rabanus für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Martin Rabanus
Foto: Martin Rabanus
4 Vermerkeca. 448 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will gerne beim Kollegen Reddig anknüpfen, der völlig zu Recht gesagt hat: Wenn wir als Koalition über dieses Thema reden, dann reden wir über eine Digitalabgabe, liebe Anna Lührmann. Deswegen ist es auch überhaupt kein Widerspruch, wenn Lars Klingbeil sich gegen eine Digitalsteuer ausspricht. Das geht in eurem Antrag und leider auch in dem Antrag der Linken alles ein bisschen durcheinander. Deswegen müssen wir uns, glaube ich, fokussieren auf das, worüber wir sprechen.

Keine Frage: Eine europäische Regelung oder gar eine auf OECD-Ebene wäre etwas, was wir uns auch wünschen würden. Nur, ehrlicherweise ist das heute oder morgen nicht zu erwarten. Trotzdem arbeitet diese Koalition natürlich daran, dieses Ziel zu erreichen. Daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Tatsächlich ist es aber so, dass die großen Onlineplattformen den Werbemarkt dominieren, dass sie Milliardengewinne einfahren. Sie haben inzwischen eine – ich sage das auch – bedrohlich marktbeherrschende Stellung erreicht, die uns auf den unterschiedlichen Ebenen fordert: Jugendschutz, Urheberrecht, Verantwortung für die Inhalte – Stichwort „Fake News“ –, Desinformation, Plattformprivileg, Transparenz von Algorithmen. All diese Themen werden uns an anderer Stelle beschäftigen.

Heute ist der Fokus auf einer anderen Frage, nämlich: Können und wollen wir es uns länger gefallen lassen, dass die Onlineplattformen mit ihren Geschäftsmodellen auf der einen Seite Milliarden verdienen, die auf der anderen Seite spiegelbildlich unserer Medienlandschaft fehlen? Und weil die Abgaben der großen Onlineplattformen so gering sind – Schätzungen gehen von 2,5 bis 5 Prozent aus; so genau wissen wir das ja nicht –, weil also die Abgabenlast für die Onlineplattformen so minimal ist, verschärft sich der Kampf David gegen Goliath immer weiter.

Deswegen ist es richtig, die Digitalabgabe jetzt anzupacken, und es ist auch richtig, eine zweckgebundene Abgabe anzustreben; denn nur so können wir die Erträge auch wieder dem Mediensystem zugutekommen lassen, und das ist das Ziel, das wir im Koalitionsvertrag gemeinsam formuliert haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Und das muss man sorgfältig machen; denn der Rahmen für solche Sonderabgaben – das wissen wir – ist durch das Verfassungsgericht völlig zu Recht relativ eng gesteckt. Beide Anträge sind – ich will das mal vorsichtig formulieren – uns ein bisschen wenig elaboriert. Aber ich möchte trotzdem sagen: Ich würde es gerne als eine Unterstützung des Kurses werten, den die Koalition sich vorgenommen hat, eine Unterstützung des Weges, den wir konsequent weitergehen wollen. Aber Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit, und ich bin froh, dass wir im Ziel im Bundestag sehr einig sind.

Herzlichen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die Fraktion Die Linke Doris Achelwilm.

Beifallbei der Linken
Porträt von Doris Achelwilm
Foto: Die Linke Bremen/ Jaroslaw Gomon
4 Vermerkeca. 441 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir alle hier und vor den Bildschirmen nutzen die Dienste der Internetimperien so selbstverständlich und zwangsläufig, wie wir unsere Straßen und Geschäfte nutzen. Ob soziale Medien, Bezahlsysteme, Streaming oder Bestellportale: Es gibt praktisch kein Entrinnen.

Aber diese digitale Hyperwirtschaft hat einen hohen Preis, und die mächtigsten Treiber und Player, die Techmonopole, zahlen ihn definitiv nicht. Im Gegenteil: Die Herren Musk, Thiel und Co beuten Daten und andere Ressourcen hemmungslos aus und maximieren ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit. Diese – man muss es so sagen – ultrakapitalistische Parallelökonomie braucht demokratische Gegenstrategien und dringend andere Regeln.

Beifallbei der Linken

Ganz meine Meinung!

Die Digitalindustrie ist bekannt dafür, ein Geflecht aus Firmen zu unterhalten, damit Gewinne am Ende in Steueroasen möglichst wenig belangt werden. Es gibt kaum eine Branche, die in Deutschland auf legalem Wege weniger Steuern zahlt als jene, bestehend aus Google, Apple, Microsoft und Meta, dem Mutterkonzern von Instagram und Facebook. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit geht davon aus, dass diese Milliardenkonzerne gerade mal 3,4 Prozent Steuern auf in Deutschland erwirtschaftete Gewinne zahlen. Das ist grotesk und hat, wirtschaftlich betrachtet, durchaus heftige Folgen.

Der lokale Einzelhandel, der zudem mit hohen Mieten zu kämpfen hat, geht vor Konkurrenten wie Amazon in die Knie. Auch gemeinnützige Plattformen oder unabhängige Medien brauchen dringend faire Bedingungen, wenn sie sich – und sei es in einer Nische – gegen Big Tech und ihren Konkurrenzdruck behaupten wollen. Wir müssen dahin kommen, dass hier konsequent reguliert statt wild lobbyiert wird und dass ein ernsthafter Steuervollzug greift.

Beifallbei der Linken

Letztlich muss eine internationale Lösung für die angemessene Besteuerung von Digitalkonzernen erreicht werden. Das ist richtig und klar, und es sind auch schon einige Jahre ins Land gegangen, in denen das versucht wurde. Solange es diese Regelung aber nicht gibt, darf Deutschland nicht abwarten und Tee trinken. Länder wie Spanien und Frankreich haben bereits erfolgreich eine Digitalsteuer eingeführt – es geht also –, mit der jährlich durch Steuerflucht verlorene Milliarden wieder zurückgeholt werden. Das wollen wir auch.

Eine Digitalabgabe für Onlinewerbung, wie sie die Fraktion der Grünen vorschlägt, kann ein Schritt in die richtige Richtung sein und Nachteile für den vom Algorithmus bedrohten Journalismus überbrücken. Als Linke schlagen wir eine breiter angelegte Digitalsteuer auch für Plattformen, Onlinemarktplätze und KI-Anwendungen vor. Wir denken, eine solche Digitalsteuer würde die Schließung der Gerechtigkeitslücke angemessen in Angriff nehmen. Es ist auf jeden Fall Zeit, dass sich was bewegt. Gut, dass wir hier einen Anfang gemacht haben, um entsprechend voranzukommen!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die Unionsfraktion Lukas Krieger.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lukas Krieger
Foto: Tobias Koch
7 VermerkeZwischenfrageca. 474 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zunächst möchte ich mich bei den Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke bedanken. Mit ihren Anträgen unterstützen sie das Ziel, das auch unser Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verfolgt: eine faire Beteiligung großer Digitalkonzerne an der Finanzierung unserer Medien- und Kulturlandschaft. Darauf sind wir allerdings auch ohne ihre Anträge gekommen.

Ja, machen!

Warum habt ihr es denn nicht gemacht?

Unternehmen wie Alphabet und Meta erzielen Milliardengewinne mit ihren digitalen Geschäftsmodellen, die sie auch in Deutschland vermarkten.

Abg. Dr. Anna Lührmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Doch durch legale Gewinnverschiebung in Niedrigsteuerländer

Wie Irland! EU-Mitglied!

zahlen sie hierzulande kaum Steuern. Gleichzeitig schöpfen sie einen Großteil der Werbeeinnahmen ab und investieren zu wenig in Deutschland –

Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

– nein –, während bei unseren regionalen Zeitungen, Radiosendern und Kulturschaffenden immer weniger ankommt.

Diese Ungleichgewichte müssen wir korrigieren. Es geht nicht um Ideologie, sondern es geht um faire Wettbewerbsbedingungen und den Erhalt der Meinungsvielfalt und kulturellen Stärke unseres Landes.

Beifallbei der CDU/CSU

Wer von der Infrastruktur, der Kreativität und der Vielfalt unserer Medienlandschaft profitiert, muss sich auch an ihrer Refinanzierung beteiligen. Wir bekennen uns zu offenen Märkten und internationalem Wettbewerb; aber dieser Wettbewerb muss fair sein. Ja, es wäre besser, auf eine OECD-Lösung zu hoffen; aber seitdem sich die USA unter Trump aus den Bemühungen zu einer globalen Mindestbesteuerung zurückgezogen haben, liegen diese Pläne auf Eis. Es wäre auch besser, eine EU-Lösung zu finden; aber seit dem Scheitern der Initiative der EU-Kommission im März 2019 gibt es auch keine Aussicht auf eine baldige europäische Lösung.

Egal wie die Lösung aussieht: Wir sollten keine Angst vor Donald Trump haben. Europa muss seine Interessen mit Selbstbewusstsein vertreten – partnerschaftlich, aber entschlossen und gut ausgestaltet.

Beifallbei der CDU/CSU

Eine plumpe Steuerlösung, wie Die Linke sie in ihrem Antrag beschreibt, würde die Einnahmen im allgemeinen Haushalt versickern lassen, ohne dass sie gezielt der Medienvielfalt zugutekämen. Eine zweckgebundene Abgabe hingegen kann transparent ausgestaltet werden und sorgt dafür, dass die Mittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden: bei Medien, Kultur und Kreativen.

Ich bin froh, dass Staatsminister Weimer ein solides, tragfähiges Konzept vorlegen wird und nicht die Grünen und die Linken. Auf die parlamentarischen Beratungen auf einer solchen fundierten Grundlage freue ich mich. Wir lehnen die Anträge von Grünen und Linken ab.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zu einer Kurzintervention hat sich jetzt die Frau Kollegin Dr. Lührmann gemeldet.

Die hat doch schon geredet!

– Das spielt jetzt an dieser Stelle keine Rolle. Ich habe die Kurzintervention zugelassen.

Porträt von Anna Lührmann
Foto: photothek/ Trutschel
2 Vermerkeca. 195 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank dafür. – Ich bin etwas verwundert. Sie sind jetzt schon der zweite Redner von der CDU, der betont, dass es eine klare Einigkeit in der CDU/CSU zum Thema Digitalabgabe gibt. Wenn man die Presse liest, dann klingt das etwas anders. Sie haben ja zwei sehr einflussreiche Mitglieder. Jens Spahn ist Ihr Fraktionsvorsitzender, wenn ich das richtig sehe.

Der hat im Juli gesagt: Es ist offen, ob so was kommt. – Die Wirtschaftsministerin Frau Reiche – auch sie halte ich für relativ einflussreich, vielleicht für einflussreicher als Herrn Weimer – hat gesagt, sie hält davon gar nichts.

Also, von daher: Ich würde mich freuen, wenn Sie, Herr Weimer, sich am Ende bei diesem internen Ringen in Ihrer Koalition durchsetzen. Aber bisher stehen für mich die Zeichen darauf, dass das hier alles auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll. Das darf nicht passieren, weil wir diese Digitalabgabe dringend brauchen, auch für den Schutz unserer Demokratie und vielfältigen Presselandschaft.

Würden Sie noch stehen bleiben? Der Kollege hat jetzt die Möglichkeit, darauf zu erwidern.

Porträt von Lukas Krieger
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Kollegin. – Das hier ist ja das Plenum des Deutschen Bundestages. Nehmen Sie zur Kenntnis, wie wir uns zur Digitalabgabe äußern: Wir wollen das, wir finden das gut, und wir unterstützen Herrn Weimer. Das ist doch schon mal eine Sache, bei der wir zusammen an einem Strang ziehen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Ronald Gläser.

Beifallbei der AfD
Porträt von Ronald Gläser
Foto: Ronald Gläser / Vadim Derksen
4 Vermerkeca. 592 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! An alle Vorredner, die jetzt die Marktmacht der großen US-Konzerne kritisiert haben: Solange die zeitgeistig und im Gleichschritt mit Ihnen unterwegs waren, hat Sie das nicht gestört. Jetzt entdecken Sie plötzlich, wie gefährlich das ist. Das macht es etwas schwierig für mich, zu glauben, dass es Ihnen damit wirklich ernst ist.

Beifallbei der AfD

Herr Rabanus, ich teile Ihre Auffassung zum Antrag der geschätzten Kollegen von den Grünen. Da geht wirklich alles durcheinander, und ich weiß immer noch nicht, ob die jetzt eigentlich eine Steuer oder eine Abgabe haben wollen. Aber es stehen auch gute Sachen drin. Ich zitiere mal den einen Satz, den wir sofort unterschreiben würden: „[…] eine pluralistische und freie Medienlandschaft ist zentral für eine funktionierende Demokratie.“ Das ist völlig richtig. So weit, so gut. Aber leider folgt dann eine ganze Argumentationskette der Unvernunft.

Beginnen wir mal mit dem Begriff „Gatekeeper“. Was sind Gatekeeper? Das sind Leute in Redaktionen, die entscheiden, was gesendet wird und was unter den Teppich gekehrt werden kann. Das sind die Leute, die die Verantwortung dafür haben, was gesendet wird, was geschrieben wird. Aus Sicht der Wahrheit und der mündigen Kunden haben Sie eigentlich kein Interesse daran, dass es Gatekeeper gibt, oder?

Die Grünen hingegen idealisieren diese Rolle, die die Mainstream-Medien in der alten Welt gespielt haben. Sie schreiben es recht offen gleich im zweiten Satz des Antrags. Da heißt es: Große Konzerne werden ihrer gesellschaftlichen Rolle als Gatekeeper nicht mehr gerecht; deswegen müssen sie bestraft werden. – Das sagen die Grünen. Das sagt auch der Herr Kulturstaatsminister.

Die Grünen gehen sogar noch weiter. Sie sagen, die Besteuerung oder halt auch Abgabe soll nur der erste Schritt sein. Es geht darum, künftig auch E-Commerce-Unternehmen und Cloud-Dienste einzubeziehen. Die Einnahmen sollen dann nicht nur dem deutschen Steuersäckel dienen, nein, sie sollen auch gleich noch nach Brüssel umverteilt werden – als hätten wir da nicht schon genug Verbindlichkeiten! –, und das, was im Inland verbleibt, soll dann an links-grüne NGOs ausgeschüttet werden unter dem Deckmantel der Förderung von Kulturschaffenden und Medienkompetenz. Damit ist dieser Antrag reine grüne Klientelpolitik, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Ein Theater ist keine NGO! Eine Oper ist keine NGO!

Der Antrag der Linkspartei ist ebenso unvernünftig. Ja, Sie kritisieren zu Recht die große Marktmacht der Amerikaner; aber Sie haben auch keine adäquate Antwort. Steuern sind keine Lösung. Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit dem Versuch, Deutschland im Bereich der KI wettbewerbsfähig zu machen, wenn Sie da mit einer 10-prozentigen Sondersteuer kommen. Das ist alles unvernünftig und kann nicht unterstützt werden. Schauen Sie nach Österreich! Die haben diese Steuer eingeführt und sind nicht wirklich glücklich damit. Die Einnahmen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Obendrauf gab es wegen dieser Steuer gratis Ärger mit den Amerikanern. Der Standort ist geschwächt worden.

Am Ende – das ist doch der entscheidende Punkt – zahlen dafür die Kunden. Die großen Firmen geben die Kosten an ihre Kunden weiter, und die geben sie weiter an ihre Kunden. Am Ende ist es so: Die Regierung, die sowieso nicht weiß, wohin mit dem ganzen Geld, wird immer reicher. Die Bürger werden ärmer. Die amerikanischen Großkonzerne machen genauso viel Umsatz und Reibach wie vorher.

Das ist nicht das, was wir unter sozialer Marktwirtschaft verstehen. Deswegen sagen wir zusammen mit Bitkom Nein zu dieser Steuer.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die SPD-Fraktion Parsa Marvi.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Parsa Marvi
Foto: Parsa Marvi/ photothek.net
3 VermerkeZwischenfrageca. 517 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Medienlandschaft steht in der Tat unter Druck – wirtschaftlich, strukturell und gesellschaftlich. Immer weniger Werbegelder bleiben bei den Redaktionen, bei Journalistinnen, bei Kulturschaffenden, die unser demokratisches Gemeinwesen tragen. Stattdessen fließen Milliarden an globale Digitalkonzerne, die mit Inhalten, Daten und Aufmerksamkeit enorme Gewinne erzielen, häufig, ohne hierzulande einen fairen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Diese Schieflage betrifft uns alle und geht an den Kern des demokratischen Gemeinwesens.

Beifallbei der SPD

Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung bei diesem Thema entschlossen, reflektiert und verantwortungsvoll vorgeht. Ich begrüße es ausdrücklich, dass Staatsminister Wolfram Weimer die Relevanz einer Plattformabgabe regelmäßig mit sehr großer Deutlichkeit – mangelnde Deutlichkeit kann man ihm jedenfalls nicht vorwerfen – in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Wir teilen mit ihm, mit den Grünen und mit weiten Teilen der Gesellschaft ein gemeinsames Ziel: Wir wollen eine faire Besteuerung digitaler Wertschöpfung und deutlich mehr Steuergerechtigkeit im digitalen Zeitalter erreichen.

Aber ebenso klar ist für mich – und wir befinden uns derzeit noch in der Prüfung; das haben die Kollegen schon gesagt –: Zu einer ordentlichen Prüfung gehört eine Reflexion der Risiken. So habe ich zum Beispiel früher immer auch Robert Habeck verstanden, den ich geschätzt habe. Er ist reflektierend an die Sache herangegangen. Und es gibt natürlich Risiken, die wir ansprechen müssen.

Eine nationale Plattformabgabe wäre kein Allheilmittel. Sie birgt natürlich ein ökonomisches und ein politisches Risiko. Die Risiken liegen auf der Hand: Politisch könnte ein solcher Weg – und das ist in der internationalen Diplomatie ja wichtig – als exterritoriale Besteuerung verstanden werden, mit der realen Gefahr in der Welt des Jahres 2025 – nicht der Jahre 2019 und 2020, als Frankreich und Österreich hier aktiv wurden –, dass es zu Retorsionsmaßnahmen und weiter gehenden Handelskonflikten kommen kann.

Abg. Kay Gottschalk [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Wir kennen ja alle die Situation in diesem Sommer, als US-amerikanische Strafzölle von mehr als 30 Prozent zur Debatte standen. Das hätte nicht die großen Techgiganten getroffen, sondern unsere Unternehmen, unseren Standort und unsere Arbeitsplätze.

Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?

Rednerwechsel

Nein. – Ökonomisch würde ein immer größerer Flickenteppich drohen, wenn es immer mehr nationale Regelungen gäbe, die die Komplexität erhöhen. Wir wollen ja die Komplexität eindämmen. Und wir dürfen nicht vergessen: Die Kosten einer solchen Abgabe könnten eventuell an Medienhäuser, an kleinere Anbieter und auch an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden. Auch das muss man ehrlicherweise reflektieren.

Ich kann meine aktuelle Grundüberzeugung äußern: Ich komme eher zu dem Schluss, dass die Lösung auf der internationalen, auf der europäischen Ebene liegen muss – möglicherweise als richtiges Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten und Trump. Dort sind die Debatten richtig angesiedelt – beim Thema „EU-Eigenmittel“, beim Thema „globale Mindestbesteuerung“, bei den Marktbesteuerungsrechten.

Ich bin davon überzeugt: Die Sache ist richtig, die Idee ist richtig. Dafür können wir gesellschaftliche Mehrheiten gewinnen. Lassen Sie uns auf diesem Weg miteinander weiter in der Diskussion bleiben!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Bevor ich den nächsten Redner aufrufe, lasse ich eine Kurzintervention des Abgeordneten Kay Gottschalk zu.

Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
2 Vermerkeca. 341 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Kollege Marvi, ist Ihnen eigentlich bekannt, dass Mitglieder Ihrer Regierung auf der Reise zur Jahrestagung der Weltbank und des IWF in Washington, D.C. nicht dabei waren, weil Sie innerkoalitionären Stress haben? Dann wäre Ihnen vielleicht auch bekannt, dass dem US-amerikanischen Finanzministerium, dem Treasury, ganz klar gesagt wurde: Es besteht nicht die Gefahr einer Digitalsteuer oder -abgabe. – Da sollte sich Herr Weimer vielleicht klugmachen, anstatt sich in der Öffentlichkeit über Alice Weidels Ausführungen herzumachen und sie falsch zu zitieren oder wiederzugeben. – Die Einführung einer solchen Steuer oder Abgabe würde als eine Art Kriegserklärung wahrgenommen werden.

Ist Ihnen eigentlich bekannt, dass Sie durch eine völlig wettbewerbsfeindliche Steuer- und Bürokratiepolitik Konzerne und Entwicklungen in diesem Bereich plattgemacht haben? Es gab in Deutschland mal studiVZ und andere Unternehmen mit sehr guten Ansätzen. Sie sind aufgrund Ihrer Überregulierungswut pleitegegangen.

Ich bin Facebook dankbar, dass es die unsäglichen und schlimmen Vorgänge in der Silvesternacht 2015/2016 transparent gemacht hat, während die Massenmedien und Ihre gleichgeschalteten Medien sie erst mal zwei Tage lang geleugnet haben.

Widerspruchbei der SPD

Ist Ihnen bekannt, dass die EU bei den Steuern ein „race to the bottom“ möglich macht? Denn Google, Amazon, eBay und viele andere Konzerne sitzen in Irland. Es wäre also schon längst an Ihnen gewesen, das Steuerdumping, das Sie hier gerade mit Krokodilstränen beklagt haben, zu unterbinden, für einheitliche Standards in der EU zu sorgen und diesen ruinösen Steuerwettbewerb nicht zuzulassen.

Des Weiteren ist es an Ihnen, dafür zu sorgen, dass eine mögliche Kulturabgabe, von der Herr Weimer spricht, auch rechten Medien und Andersdenkenden zugutekommt. Ich sehe nicht, dass die Kulturschaffenden unsere Demokratie stützen. Das tun die Menschen da oben auf der Tribüne,

Vielleicht sitzen ja Kulturschaffende auf der Tribüne! Vielleicht sitzen da ja Leute, die Kultur machen! Also wirklich!

das tun die Parteien, die hier entsprechend dafür wirken, und das tun vielleicht auch Ihre NGOs, aber sicherlich in der Form nicht Ihre Kulturschaffenden.

Vielen Dank.

Sie haben die Möglichkeit, zu antworten.

Porträt von Parsa Marvi
Foto: Parsa Marvi/ photothek.net
3 Vermerkeca. 225 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Kollege, wenn Sie bei meiner Rede etwas genauer zugehört hätten, dann hätten sich möglicherweise manche Punkte aus Ihrer Intervention erledigt oder Sie hätten sie unterlassen. Ich will auf zwei Punkte eingehen.

Zum einen finde ich es hochinteressant, dass Sie von ruinösem Steuerwettbewerb sprechen, der durch uns ausgelöst wird. Sie, die Sie ja morgen einen Antrag zu einer Flat Tax à la Kirchhof stellen und alle möglichen Steuern – kommunale Steuern, die Erbschaftsteuer usw. – abschaffen wollen, sind doch die Meister des ruinösen Steuerwettbewerbs. Von daher verstehe ich diese Bemerkung überhaupt nicht.

Beifallbei der SPD

Zweiter Punkt. Es unterscheidet Sie ganz massiv von uns, dass Sie mit der Europäischen Union auf Kriegsfuß stehen. Sie wollen die Europäische Union so, wie sie ist, nicht haben. Sie setzen nicht auf die Macht der internationalen und der europäischen Ordnung. Wir dagegen haben starke Regulierungen auf den Weg gebracht: Wir haben die globale Mindeststeuer, wir haben in der Europäischen Union eine starke Digitalregulierung, die auch die Big-Tech-Konzerne trifft.

Wenn einer für gemeinsame Standards, gemeinsame Normen, gemeinsame Werte kämpft, dann ist das die demokratische Mitte dieses Hauses und garantiert nicht die AfD.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Jetzt rufe ich den nächsten Redner auf. Das ist für die CDU/CSU-Fraktion der Abgeordnete Dr. Florian Dorn.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Florian Dorn
Foto: Dr. Florian Dorn / Matthias Baumgartner
2 Vermerkeca. 458 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich denke – und das wurde heute auch klar –, dass wir uns bei der Problemanalyse mit den zwei antragstellenden Fraktionen einig sind. Die Konzerne verdienen Milliarden in Europa, jedoch zahlen sie hier wenig Steuern. Das ist der Vorwurf vor allem an die Internetgiganten wie Amazon, Google, Facebook bzw. ihre jeweiligen Mutterkonzerne. Insbesondere Werbeerlöse der großen Digitalkonzerne bleiben bei uns oft weitgehend steuerfrei, während unsere kleinen Medienhäuser zunehmend in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind.

Ja, wir haben hier eine Wettbewerbsverzerrung im digitalen Markt. Deswegen war ich vorhin auch sehr verwundert, als ich gehört habe, dass sich die AfD eigentlich gegen einen fairen Markt wendet, weil sie hier für einen freien Markt plädiert und die angesprochene Schieflage nicht wirklich benennt.

Wir haben das erkannt und daher auch im Koalitionsvertrag ganz klar benannt, dass wir den Auftrag haben, die Einführung einer Abgabe für Onlineplattformen, die Medieninhalte nutzen, zu prüfen. Hierbei, meine Damen und Herren, ist eine sorgfältige Prüfung der rechtlichen Anforderungen sowie der fiskalischen und administrativen Fragen erforderlich. Es ist schon wichtig, alles ganz gründlich abzuwägen.

Mit Blick auf die Aussagen von den Grünen möchte ich noch mal auf Folgendes eingehen:

Zurufder Abg. Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Risiken. Es geht hier vor allem um ausländische Unternehmen, die, wenn es um eine Digitalsteuer geht, dort besteuert werden, wo sie ihre sogenannte Betriebsstätte haben. Gerade digitale Großkonzerne haben es natürlich besonders leicht, ihre Gewinne dorthin zu verlagern, wo sie sie besonders niedrig versteuern können. Bei den digitalen Angeboten handelt es sich ja um einen Markt ohne physische Präsenz.

Die Besteuerung der Umsätze der Großkonzerne aus der Onlinevermarktung kann durch Profit Shifting natürlich weiter geschmälert werden. Deswegen ist vor allem die Gewinnverlagerung das eigentliche Problem, und das können wir nicht mit einer schnellen Lösung auf nationaler Ebene beseitigen. Es ist schon so, dass wir die globalen Risiken – auch handelspolitischen Risiken – in unserer Abwägung und bei der genauen Ausgestaltung einer solchen Abgabe mitberücksichtigen müssen. Gerade bei den Diskussionen über die globale Mindeststeuer hat die USA ja auch schon angekündigt, dass sie überlegen, Vergeltungsmaßnahmen gegen Frankreich und Österreich zu ergreifen, obwohl diese ihre Digitalabgabe deutlich vor der zweiten Amtszeit Trumps eingeführt haben.

Vor allem mit Blick auf die aktuell angespannte Lage unserer Exportwirtschaft würden Vergeltungsmaßnahmen der USA, die sie im Rahmen der One Big Beautiful Bill und ihrer Section 899 schon angekündigt haben, zu einer weiteren Eskalation des Handelskonflikts führen. Das müssen wir berücksichtigen, ebenso wie die daraus resultierenden Verluste für Wirtschaft und Fiskus. Daher müssen wir insgesamt genau abwägen, wie wir diese Digitalabgabe einführen, damit das nicht zulasten unserer übrigen Wirtschaft geht.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
3 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir biegen in die Schlusskurve der Beratungen zu einem Gesetz, das im Wesentlichen nicht wirklich umstritten ist. Es geht um den wirklich besorgniserregenden Anstieg der Zahl der Geldautomatensprengungen, der seit 2021 massiv zu beobachten ist. Die Gesamtschäden bewegen sich mittlerweile im deutlichen dreistelligen Millionenbereich.

Es geht um viel mehr als nur um das Bargeld im Geldautomaten. Es geht auch um das Sicherheitsgefühl der Menschen, gerade im ländlichen Raum. Das ist teilweise auch der Grund für den Rückzug von Banken oder zumindest Bankterminals aus dem ländlichen Raum. Insofern ist es gut, dass sich die Bundesregierung hier auf den Weg gemacht hat.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Im Mai dieses Jahres erst ist eine international tätige Bande krimineller Automatensprenger ausgehoben worden – 18 Tatverdächtige. Man ging skrupellos vor, ohne Rücksicht auf Verluste, vor allem auf Gesundheit und das Leben von Menschen. Beachtlich ist: Die Schadensumme ist noch viel höher als der sogenannte Ertrag, die Beute – 1,5 Millionen Euro Schaden zu 1,2 Millionen Euro Beute. Und gerade erst vorgestern wurde im Landkreis Esslingen ein Geldautomat gesprengt. Die ganze Fassade ist weg. Die Menschen sind verunsichert. Das darf nicht sein.

Ehrlicherweise fragt man sich: Warum erst jetzt? Gott sei Dank, wie gesagt, macht sich die neue Bundesregierung hier jetzt schnell auf den Weg. Bislang haben die Täter die Situation in Deutschland ausgenutzt. In den Niederlanden, die schon deutlich weiter waren als wir bei Maßnahmen gegen solche Täter, führten diese Maßnahmen zu einem Verdrängungswettbewerb. Kriminelle fuhren über die Grenze, sprengten hier Automaten und waren wieder weg. Deswegen ist es gut, den § 308 Strafgesetzbuch, das Sprengstoffgesetz und das Ausgangsstoffgesetz anzupacken.

Wir schließen Strafbarkeitslücken im Strafgesetzbuch und im Sprengstoffgesetz, und wir gehen an die organisierte Bandenkriminalität, gerade was das Thema „Banden und gewerbsmäßige Taten“ betrifft. Wir geben damit auch – und das ist wichtig – den Ermittlungsbehörden die notwendigen Werkzeuge an die Hand. Immer mehr dieser kriminellen Banden verabreden sich über digitale Telekommunikationsmittel. Daher ist es nur richtig und auch dringend geboten – andere Länder in Europa haben dies schon längst getan –, diese Taten in den Katalog für die entsprechenden Telekommunikationsüberwachungsinstrumente aufzunehmen.

Wir signalisieren der Organisierten Kriminalität: Fühlt euch nicht länger sicher in Deutschland! Wir nehmen das Unsicherheitsgefühl in diesem Bereich sehr ernst. Wir wollen die Menschen schützen. Wir wollen das Sicherheitsgefühl stärken. Und wir wollen mit diesem Gesetz vor allem auch das Signal setzen: Wir bekämpfen die Organisierte Kriminalität in Deutschland und Europa ganz entschieden.

Deswegen kann ich eine Zustimmung zu diesem Gesetz nur empfehlen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion hat jetzt das Wort der Abgeordnete Steffen Janich.

Beifallbei der AfD
Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Seit dem Jahr 2016 veröffentlicht das Bundeskriminalamt jährlich das Bundeslagebild „Angriffe auf Geldautomaten“. Der vorliegende Gesetzentwurf legt die Fallzahlen des Jahres 2022 zugrunde. Damals hatten die verursachten und vollendeten Sprengungen von Geldautomaten mit 496 Fällen ihren Höhepunkt erreicht. Im Jahr 2024 kam es hier zu einem Rückgang auf 269 verübte Sprengungen. Ein Grund zur Entwarnung ist dies jedoch nicht.

Wer das Buch „12 Strong“ gelesen hat, der kennt vielleicht die Redewendung „Eine Bombe diskriminiert nicht“. Gemeint ist, dass die Herbeiführung einer Explosion sich nicht auf die Objekte beschränkt, welche der Täter zerstören will. Die überwiegend eingesetzten Festsprengstoffe zerstören alles in ihrem Wirkungskreis. Jedem Euro Bargeldschaden stehen 2 bis 3 Euro Sachschaden gegenüber. Und vor allem wird Leib und Leben unschuldiger Bürger riskiert, wenn man gegen diese Sprengungen von Geldautomaten nicht vorgeht. Aus diesem Grund ist der Gesetzgeber hier zum Handeln verpflichtet, und das sehen wir genauso.

Auffallend ist, dass besonders die deutschen Länder nahe der holländischen Grenze, vor allem Nordrhein-Westfalen, am meisten von Geldautomatensprengungen betroffen sind. Das ist auch kein Zufall; denn seit 2015 hat Holland verstärkte Präventionsmaßnahmen und eine verschärfte Strafverfolgung zum Schutz von Geldautomaten vorangetrieben. Jeder Geldautomat in Holland wird rund um die Uhr bewacht. Hinzu kommt: In ganz Holland stehen ungefähr 1 000 Geldausgabeautomaten, in Deutschland gibt es circa 50 000; davon stehen allein in NRW rund 10 000. Da wundert es auch nicht, dass seit Jahren mehr als die Hälfte der tatverdächtigen Geldautomatensprenger einen holländischen Pass besitzen.

Noch ein Aspekt muss hier genannt werden: Vor allem in Köln wurden im letzten Jahr mehrfach Bomben gezündet. Es geht hier mutmaßlich um Verteilungskämpfe im Drogenbereich. Kriminelle Banden haben hier bewusst junge, überwiegend ungebildete Täter aus Holland angeheuert, welche die Sprengungen für sie verüben. Hier kann und hier darf der Staat nicht untätig zusehen.

Der vorliegende Gesetzentwurf trägt diesen Umständen Rechnung. Aus der bisherigen Strafbarkeit wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und dem schweren Fall des Diebstahls wird nun ein neuer Straftatbestand. Wer Sprengstoff zur Explosion bringt, um einen Diebstahl zu begehen, darf mit einer Mindeststrafe von zwei Jahren rechnen, und das ist auch gut so. Nur im absoluten Ausnahmefall ist hier noch eine Bewährungsstrafe möglich. Wer bei der Tat andere Menschen an der Gesundheit schädigt, der hat zukünftig mindestens fünf Jahre lang Zeit, seinen Fehler zu bereuen.

Das sendet das richtige Signal einer negativen Generalprävention. Wir als AfD unterstützen es, wenn Straftäter dadurch von der Tat abgeschreckt werden.

Beifallbei der AfD

Auch die Strafschärfungen im Sprengstoffgesetz sind konsequent. Verbesserte Ermittlungsbefugnisse für die Polizei runden einen guten Gesamteindruck ab.

An dieser Stelle darf man auch mal sagen: Das ist eine gute Gesetzesänderung. Die AfD stimmt dem Gesetzentwurf zu.

Beifallbei der AfD

Für die SPD hat nun das Wort der Abgeordnete Helge Lindh.

Beifallbei der SPD
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 476 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind gut geübt darin, manchmal ganz grundsätzliche, große Debatten zu führen, ohne wirklich auf das vermeintlich Kleine zu achten. Dabei könnte es sein, dass im vermeintlich Kleinen, im Alltäglichen, das ganz Große schlummert. Und das hier ist so ein Fall; denn so simpel es klingen mag: Der hinreichende strafrechtliche Umgang mit Geldautomatensprengungen betrifft ganz grundsätzlich Fragen von Gerechtigkeit.

Was tun wir? Wir verändern insbesondere im Strafgesetzbuch, im Sprengstoffgesetz, in der Strafprozessordnung Qualifikationstatbestände, um dem Phänomen der Organisierten Kriminalität – gewerbs- und bandenmäßig – besser als bisher gerecht zu werden, und wir ermöglichen auch die Telekommunikationsüberwachung, um die Ermittlungsbehörden stärker als bisher zu ermächtigen. Ganz notwendig und absolut richtig!

Aber warum machen wir das? Es geht hier nicht einfach nur um erhebliche finanz- und versicherungswirtschaftliche Schäden und auch nicht nur, was schwerwiegend genug ist, um Eigentumsdelikte, sondern es geht hier um gemeingefährliche Straftaten. Allein in meinem Wahlkreis gab es in einer überschaubaren Zeit sieben Sprengungen, teilweise mehrere Geldautomatensprengungen in denselben Stadtteilen. Und das macht etwas mit den Menschen in diesen Stadtteilen; denn Personen im Umfeld, Unbeteiligte, werden erheblich gefährdet, Einsatzkräfte werden gefährdet, das Wohnumfeld und das Geschäftsumfeld sind gefährdet. Häufig kommt es bei diesen Fällen zu waghalsigen Fluchten, teilweise mit Todesfällen. Das heißt, es geht hier elementar und ganz konkret um die Sicherheit von Menschen. Deshalb ist es absolut richtig und notwendig, dass wir heute diese Entscheidung treffen werden.

Wer besucht denn zum Beispiel solche SB-Stellen? Wer geht in Filialen? Wer nutzt Geldautomaten? Das sind häufig ältere Menschen, die nicht komplett auf Digitalisierung umgestellt haben. Wer einmal in einem Bürgerverein war, hat erlebt, wie wichtig es vielen Menschen ist, auch noch Bargeld abheben zu können. Darüber haben wir bei aller Digitalisierung nicht zu richten. Das haben wir zu akzeptieren, und wir haben dafür zu sorgen, dass auch diejenigen Sicherheit erfahren.

Wer sich einmal anguckt, wer solche SB-Stellen besucht, Geld abhebt, stellt fest: Das sind oft Leute, die nicht besonders starke finanzielle Ressourcen haben, im Querschnitt der Gesellschaft also eher die Mitte der Gesellschaft und Leute mit geringerem Einkommen. Und wenn die einmal erlebt haben, dass in ihrer Nachbarschaft die halbe Straße wegfliegt, dass der Ort, den sie aufsuchen, ein Ort der Unsicherheit geworden ist, dann wissen wir, dass es zutiefst asozial ist, wenn solche Banden auftreten. Und deshalb gehören sie bestraft.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wir brauchen deswegen das Strafrecht. Wir brauchen Prävention, und wir sind es den Ermittlungsbehörden, die es im letzten Jahr ohne Gesetzesbesserung, also allein durch ihre gute Arbeit geschafft haben, die Zahlen runterzubringen, schuldig, diesen Schritt zu vollziehen, um der Gerechtigkeit und um der Sicherheit im Alltag willen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun das Wort der Abgeordnete Marcel Emmerich.

Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität dürfen wir nicht eine Sekunde nachlassen, sondern wir müssen den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität im Gegenteil massiv verstärken. Es ist auch insgesamt höchste Zeit, dass das Sprengstoffgesetz reformiert wird; aber leider geschieht das nicht ausreichend und zu großen Teilen auch an den falschen Stellen.

Was die Bundesregierung hier vorlegt, ist leider ein Stück Symbolpolitik ohne echten Sicherheitsgewinn.

Die Zahl der Geldautomatensprengungen ist bereits stark zurückgegangen. Banken haben ihre Automaten aufgerüstet, Sicherheitsbehörden haben in den letzten Jahren stark ermittelt, hatten viele Ermittlungserfolge – gerade auch durch die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Niederlanden.

Kriminelle sind abgeschreckt, wenn ihre Beute nichts mehr wert ist. Kriminelle sind abgeschreckt, wenn sie schnell gefasst werden. Sie sind aber nicht abgeschreckt, wenn in Gesetzen, die sie eh nie gelesen haben, irgendwelche Strafen erhöht werden.

Super Argument!

Was aber noch viel schlimmer ist: dass Sie bei Ihrer Reform nicht dagegen vorgehen, dass Sprengstoff in die falschen Hände geraten kann. Wer es mit der Sicherheit ernst meint, muss auch den Zugang zu Sprengstoff strenger regeln.

Im März 2023 war bei einer Razzia gegen die rechtsextreme Reichsbürgerszene eine Durchsuchung in Reutlingen eskaliert. Ein mutmaßlicher Reichsbürger schoss auf einen SEK-Beamten und verletzte diesen am Arm. Nach Angaben des Innenministeriums besaß der Sportschütze vier Waffenbesitzkarten, einen kleinen Waffenschein und eine Erlaubnis zum Besitz von Sprengstoff. Er durfte Schwarzpulver und Böllerpulver lagern und damit hantieren. Das muss man sich mal vor Augen führen!

Und was man sich auch vor Augen führen muss: Diese Person war Mitglied der Gruppe Reuß. – An dieser Stelle kann ich Ihnen nicht ersparen, darauf hinzuweisen, dass Ihre ehemalige AfD-Kollegin, AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann, auch Teil dieser rechtsterroristischen Gruppierung war und ist und seit über 1 000 Tagen in Untersuchungshaft sitzt und Sie sich davon nicht distanzieren.

Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?

Wie absurd ist das denn? Jemand mit einer Neigung zur Gewaltanwendung, der die Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennt, plant Gewalttaten gegen den Staat und erhält zugleich Zugang zu hochexplosiven Stoffen.

In Remscheid ist erst letzte Woche eine große Menge an Sprengstoff, Kriegswaffen und Munition gefunden worden: 400 Waffen, 38 Handgranaten. Das muss man sich auch noch mal vorstellen! Und auch sonst gibt es immer wieder Waffenfunde.

Letztes Jahr hatten wir über 35 Verstöße gegen das Waffengesetz. Wir haben ein massives Problem mit der Bewaffnung von Gruppen der Organisierten Kriminalität. Das ist auch gerade im aktuellen Lagebild des BKA zur OK noch einmal deutlich geworden. Und wir müssen feststellen: In der kriminellen Szene werden Waffen hin- und hergereicht, als wären es irgendwelche Pokémon-Karten. – Das, was wir dagegen tun, ist zu wenig.

Statt sich darum zu kümmern, macht der Innenminister Deals mit den Taliban, und die Union beschäftigt sich tagelang mit der Reise des Außenministers nach Syrien. Kümmern Sie sich endlich um die Sicherheit in diesem Land, statt solche Scheindebatten zu führen!

Für mehr Sicherheit braucht es ein verschärftes Sprengstoffrecht, das den Zugang zu gefährlichen Stoffen erschwert, Zuverlässigkeitsprüfungen und mehr Kontrollen, Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Wir brauchen, ganz klar, auch ein stärkeres Tun gegen die Organisierte Kriminalität und auch – nicht zu vergessen – eine Verschärfung des Waffengesetzes; denn auch hier gibt es große Gefahren, weil gerade

Stimmt doch gar nicht! Das haben wir doch gerade gesagt! Sie sollten das endlich mal verstehen! Das ist peinlich!

– werden sie nicht so laut – Verfassungsfeinde immer wieder mit Waffen auffallen. Und deswegen müssen wir auch dieses Thema auf dem Schirm haben. Ich erwarte, dass auch der Innenminister dieses Thema ernst nimmt und etwas gegen die Bewaffnung in diesem Land tut – gerade auch von Rechtsextremen wie aus Ihren Reihen.

Kommt hier mit dem Waffengesetz! Also!

Für die Fraktion Die Linke hat das Wort die Abgeordnete Katrin Fey.

Beifallbei der Linken
Porträt von Katrin Fey
Foto: Katrin Fey
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Ja, der Einsatz von Sprengstoff ist brandgefährlich. Geldautomatensprengungen sind gefährlich. Sie gefährden Leben und schaffen Unsicherheit. Niemand hier verharmlost das. Aber die Frage ist doch: Wie reagieren wir richtig?

Schon heute gilt: Wer Geldautomaten sprengt, kann hohe Strafen erwarten. Aber was macht die Bundesregierung? Sie greift reflexhaft zu Verschärfungen im Strafrecht. Sie nutzt die Gelegenheit, die Befugnis zur Telekommunikationsüberwachung nochmals auszuweiten. Die Zahl der Katalogstraftaten, die heimliche Grundrechtseingriffe ermöglichen, wächst immer weiter. Die Bundesregierung setzt darauf, Strafbarkeit vorzuverlagern, indem sie die Versuchsstrafbarkeit ausweitet. Sie will Strafrahmen erhöhen. Und all das ist Symbolpolitik.

Der Gesetzentwurf soll Handlungsfähigkeit demonstrieren. Er hat aber keinen nachhaltigen Effekt auf die Sprengung von Geldautomaten; denn härtere Strafen schrecken nicht ab, sie verhindern keine Straftat. Das ist in der Kriminologie längst unbestritten. Und wir alle wissen es: Nicht die Strafhöhe verhindert die Straftat, sondern allenfalls die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Um Geldautomatensprengungen in den Griff zu bekommen, braucht es keine Vorverlagerung der Strafbarkeit, keine Schaffung von Qualifikationstatbeständen und keine erhöhten Strafandrohungen.

Schauen wir in die Niederlande! Dort setzt man auf Prävention. Automaten wurden gesichert, Bargeldbestände reduziert, die Zusammenarbeit zwischen Banken und Polizei ausgebaut. Das war wirksam. Und genau das hat die Zahl der Sprengungen gesenkt, nicht ein neues Strafrecht.

Beifallbei der Linken

Wir brauchen Prävention; denn Prävention funktioniert, Symbolik nicht. Auch wir wollen den Umgang mit Sprengstoffen unterbinden, schon mit Blick auf ganz andere Kriminalitätsphänomene. – Übrigens hätten wir uns an dieser Stelle auch gewünscht, dass die Bundesregierung endlich ein Böllerverbot ermöglicht; denn das fordern auch große Teile der Bevölkerung.

Beifallbei der Linken

Dieser Gesetzentwurf geht an der Sache vorbei und geht gleichzeitig zu weit. Er schafft symbolisches Strafrecht und schränkt Grundrechte ein, ohne auch nur andeutungsweise an den Ursachen der Kriminalität anzusetzen. Deswegen können wir den Gesetzentwurf nicht mittragen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Für die Bundesregierung hat das Wort der Parlamentarische Staatssekretär Christoph de Vries.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Christoph de Vries
Foto: DBT/ Inga Haar
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erfolgreiche Innenpolitik braucht offene Augen und keine blinden Flecken. Das gilt vor allen Dingen auch für den Kampf gegen die organisierte Sprengstoffkriminalität und für kriminelle Geldautomatensprenger. Das sind in der Regel professionell organisierte Banden aus dem In- und Ausland. Sie nutzen hochgefährliche Explosivstoffe, die sie häufig selbst nicht wirklich kontrollieren können. Diese Täter handeln kalt, kalkuliert und kriminell. Sie gefährden Leib und Leben. Sie hinterlassen nicht nur Schutt und Schaden, sondern häufig auch Schock bei den Betroffenen.

Deswegen beschließen wir heute diesen Gesetzentwurf und setzen ein klares Zeichen: Wir führen den Kampf gegen das Sprengstoffunwesen unvermindert weiter, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn – auch das ist schon vom Kollegen Lindh angesprochen worden – Geldautomatensprenger reißen nicht nur Automaten in Stücke. Sie sprengen auch das Sicherheitsgefühl unserer Gesellschaft. Und deswegen werden wir diesen Kriminellen das Handwerk legen: pragmatisch, professionell und präzise.

Meine Damen und Herren, wir fangen bei der Bekämpfung der Sprengstoffkriminalität aber nicht bei null an. Wir haben Erfolge vorzuweisen, weil unser Kurs der klaren Kante gegen die Organisierte Kriminalität schon Früchte trägt. Im letzten Jahr wurden 41,6 Prozent weniger Automaten gesprengt als im Vorjahr. Wir haben damit den niedrigsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Dies haben wir vor allen Dingen auch der erfolgreichen Repression und auch den präventiven Maßnahmen unserer Polizeien in Bund und Ländern zu verdanken. Deswegen gilt ihnen an dieser Stelle auch mein ausdrücklicher Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Aber klar ist auch: Es werden immer noch zu häufig Geldautomaten gesprengt, Menschenleben gefährdet und Schäden in Millionenhöhe verursacht; das ist gesagt worden. Wir haben es also weiterhin mit einem ernsthaften Sicherheitsproblem zu tun, dem wir entschlossen entgegentreten müssen. Die Botschaft, die von unseren Maßnahmen ausgeht, ist eindeutig: Wir entziehen dem Sprengstoffunwesen die Grundlage. Wer plant, wird gestoppt; wer sprengt, wird gestellt; und wer flieht, wird gefasst: Das ist unser Sicherheitsversprechen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir werden uns auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. Deshalb sorgen wir dafür, dass ab jetzt Geldautomatensprengungen mit Diebstahlsabsicht mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren und bei schweren Gesundheitsschädigungen sogar mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft werden können. Außerdem schaffen wir Strafschärfungen für bandenmäßige und gewerbsmäßige Sprengstoffkriminalität und schließen damit auch bestehende Strafbarkeitslücken.

Gleichzeitig – das will ich als letzten Punkt nennen – geben wir den Ermittlungsbehörden die Möglichkeit, in Fällen der gewerbs- und bandenmäßigen Sprengstoffkriminalität auch Telekommunikationsüberwachung einzusetzen. Dadurch können wir Täter leichter ermitteln und zur Verantwortung ziehen.

Ich will zum Schluss kommen. Meine Damen und Herren, Sicherheit ist kein garantierter Zustand. Sie ist eine ständige Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken müssen. Diese Bundesregierung liefert, damit in diesem Land niemand Angst vor der nächsten Nacht haben muss.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Sascha Lensing.

Beifallbei der AfD
Porträt von Sascha Lensing
Foto: Sascha Lensing
5 Vermerkeca. 413 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die AfD-Fraktion wird diesem Gesetzentwurf zustimmen. Und ja, das ist richtig so, weil wir hier über reale, massive Sicherheitsrisiken sprechen, die seit Jahren eskalieren. Geldautomatensprengungen sind kein Randphänomen mehr: Sie sind ein Symbol für den fortschreitenden innenpolitischen Kontrollverlust in Deutschland.

Beifallbei der AfD

Wir reden über Taten mitten in unseren Städten und Dörfern, nicht im Darknet, sondern direkt neben unseren Schlafzimmern, neben unseren Tankstellen, neben unseren Sparkassenfilialen. 2023 gab es laut BKA 461 Angriffe auf Geldautomaten. Die Täter erbeuteten 28,4 Millionen Euro. Aber der eigentliche Schaden war viel größer: 95 Millionen Euro Sachschaden. 2022 waren es sogar über 110 Millionen Euro. Für jeden Euro Beute entstehen zudem schwerste Schäden an Gebäuden, Technik, Infrastruktur. Das ist die Realität; und das ist der Grund, warum wir hier handeln müssen.

Beifallbei der AfD

Und das sind nicht nur Zahlen, das ist echte Schwerstkriminalität: Offenbach, Mai 2023: Automat gesprengt, eine Person verletzt, rund 220 000 Euro Beute, der Sachschaden belief sich auf über 360 000 Euro. Wächtersbach in Hessen, Januar 2024: Rund 1 Million Euro Schaden, die Beute betrug 106 000 Euro. Eine einzige Tat verursachte in einer Kleinstadt einen siebenstelligen Gesamtschaden. Das ist kein Ausreißer, das ist ein Muster.

Wir reden über hochmobile Täter, über professionelle Vorbereitung, über feste Explosivstoffe, über Flucht mit hochmotorisierten Fahrzeugen ohne Rücksicht auf Verluste. Und – das steht sogar in der Regierungsbegründung – wir reden darüber, dass ohne Telekommunikationsüberwachung viele dieser Strukturen überhaupt nicht mehr aufzuklären sind. Deshalb ist die Anpassung im § 308 StGB im Hinblick auf Mindeststrafen richtig, die Versuchsstrafbarkeit im Sprengstoffgesetz längst überfällig und die Einordnung banden- und gewerbsmäßiger Sprengstoffkriminalität als TKÜ-fähige Delikte zwingend notwendig.

Aber – und das sage ich hier auch sehr deutlich – dieser Gesetzentwurf löst das Grundproblem nicht. Er ist nur ein Baustein. Der mittlerweile eingetretene Kontrollverlust beim Thema „innere Sicherheit“ ist größer als dieses Gesetz.

Beifallbei der AfD

Wir brauchen verbindliche technische Sicherheitsstandards, wir brauchen länderübergreifende Fahndungsgruppen, und wir brauchen eine kompromisslose Anwendung der Strafrahmen, die wir hier heute beschließen. Unsere Bürger wollen nachts keine Explosionen hören. Sie wollen endlich wieder in Sicherheit leben.

Wir stimmen dem Gesetzentwurf zu, sagen aber gleichzeitig: Dieses Gesetz muss der Startpunkt sein, nicht der Endpunkt. Wir müssen den Rechtsstaat wieder in die Realität zurückführen. Das ist unsere Verantwortung.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion hat nun das Wort die Abgeordnete Carmen Wegge.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Carmen Wegge
Foto: Carmen Wegge/ Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 400 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Im Jahr 2025 wurden allein in meinem Heimatbundesland Bayern bereits mindestens 16 Geldautomaten gesprengt. Im Landkreis Ansbach sprengten beispielsweise Mitte Juli mehrere Täter in den frühen Morgenstunden einen Geldautomaten in einer Bank am Marktplatz, was bei Anwohnerinnen und Anwohnern für großen Schrecken sorgte. Die Täter flüchteten und hinterließen einen hohen Sachschaden. Intensive Fahndungsmaßnahmen einschließlich Hubschrauberunterstützung wurden eingeleitet. Der Fall ist exemplarisch für die Gewalt und Professionalität der Täter und steht stellvertretend für die anhaltende Bedrohungslage durch organisierte Sprengstoffkriminalität.

Dank intensiver Ermittlung gelingt es zwar immer wieder, Täter festzunehmen, doch die Gefahr und die Verunsicherung in der Bevölkerung bleiben hoch. Diese aktuellen Vorfälle verdeutlichen eindrücklich, warum unser Gesetzentwurf nötig ist. Er ist ein klares Signal gegen diese organisierten Tätergruppen und stattet unsere Strafverfolgungsbehörden mit wirksamen Instrumenten aus, um der Sprengstoffkriminalität wirkungsvoll zu begegnen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Christian Moser [CDU/CSU]

Die Sprengstoffkriminalität, allen voran die Geldautomatensprengungen, gefährdet nicht nur unser Gemeinwesen, sondern vor allem Menschenleben von Unbeteiligten und Einsatzkräften gleichermaßen. Mit dem vorliegenden Entwurf reagieren wir auf den stark gestiegenen Missbrauch explosiver Stoffe und die immer perfideren Methoden der Täter.

Neu ist der eigenständige Qualifikationstatbestand im Strafgesetzbuch. Das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion zum Zweck des Diebstahls wird mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren deutlich schärfer bestraft. Für banden- und gewerbsmäßige Taten, zum Beispiel beim Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen, wird der Strafrahmen ebenfalls angehoben. Damit bestrafen wir solche Taten angemessen und stärken gezielt die Handlungsfähigkeit von Polizei und Justiz.

Begrüßenswert ist auch die Einführung der Versuchsstrafbarkeit für unerlaubten Umgang, Erwerb, Einfuhr oder Verbringen dieser gefährlichen Substanzen. Denn damit kann nicht mehr nur die vollendete Tat sanktioniert werden, sondern bereits der Versuch – ein wichtiger Schritt zur Prävention und zum Schutz der Allgemeinheit.

Ein weiteres Element ist die Erweiterung der Strafprozessordnung, die künftig die Telekommunikationsüberwachung bei gewerbs- oder bandenmäßiger Sprengstoffkriminalität ermöglicht. Diese Maßnahme gibt der Polizei und den Staatsanwaltschaften ein entscheidendes Instrument an die Hand, um Täternetzwerke frühzeitig aufzudecken und aufzulösen. Gleichzeitig gewährleisten wir, dass diese Eingriffe in Grundrechte stets durch richterliche Kontrolle und verhältnismäßig erfolgen.

Insgesamt sendet dieser Gesetzentwurf ein richtiges Signal. Wir schützen unsere Bürger/-innen, stärken die Rechtsstaatlichkeit und sorgen für mehr Sicherheit, ohne die Balance zum Schutz unserer Grundrechte zu verlieren. Ich kann nur um Zustimmung werben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Christian Moser
Foto: Christian Moser/ Birgid Allig
2 Vermerkeca. 286 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem heutigen Gesetzesbeschluss führen wir einen kräftigen Schlag gegen Organisierte Kriminalität und international agierende rücksichtslose Täter. Geldautomatensprenger nehmen auf perfide Art und Weise billigend in Kauf, dass es zu erheblichen Personen- und Sachschäden kommt.

Wo solche Taten passieren, wirkt das Ereignis noch lange nach. Die Menschen im betroffenen Dorf oder Viertel fühlen sich noch lange unsicher. Durch den Einsatz fester und teilweise äußerst instabiler Explosivstoffe wird eine Bedrohungslage geschaffen, die nicht kontrollierbar ist. Die Schäden – wir haben es heute schon häufiger gehört – durch Geldautomatensprenger pro Jahr sind mittlerweile im dreistelligen Millionenbereich angelangt, wobei die Begleitschäden bei Weitem die Beuteschäden übersteigen. Das muss aufhören.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

– Ich muss an meiner Pausensetzung arbeiten.

Dagegen gehen wir nun konsequent vor.

Erstens. Wir führen einen neuen Qualifikationstatbestand gegen bandenmäßige und gewerbsmäßige Taten im Sprengstoffgesetz ein und nehmen damit die Organisierte Kriminalität ins Visier.

Zweitens. Wir führen eine Versuchsstrafbarkeit ein, zum Beispiel beim unerlaubten Erwerb von Sprengstoff, und schlagen damit als Staat konsequent bereits in der Tatvorbereitung zu.

Drittens. Wir verschärfen die Strafen. Es ist nur recht und billig, dass Geldautomatensprengern nun von 2 Jahren bis zu 15 Jahren Haft drohen. Wird die Gesundheit eines anderen Menschen geschädigt, wird es zukünftig für die Täter keine Chance auf Freiheit geben.

Viertens – das ist für mich die wichtigste und effektivste Änderung –: Wir erweitern den Straftatenkatalog für die TKÜ in der Strafprozessordnung. Wir versetzen dadurch unsere Strafverfolger in die Lage, diese Sprenger von der Straße zu holen und auch hier Deutschland wieder sicher zu machen. Ich bitte deshalb um Zustimmung zu diesem Gesetzentwurf.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Matthias Helferich
Foto: Matthias Helferich
9 Vermerkeca. 581 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kulturstaatsminister! Bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Verlagspreises erklärte der Kulturstaatsminister Weimar:

„Es sind Verlage, die die literarische Vielfalt in Deutschland beleben und denen wir besondere Bücher verdanken. Bücher, die den demokratischen Diskurs stimulieren, zum kritischen Denken anregen und die eigene Gedanken- und Gefühlswelt bereichern.“

Zu Recht!

Ich frage Sie, Herr Kulturstaatsminister: Stimuliert der Unrast Verlag den demokratischen Diskurs, wenn in der dort erschienenen Broschüre „Tipps und Tricks für Antifas und Antiras“ der Einsatz von Elektroschockern, Teleskopschlägern und Gaspistolen als Diskursverstärker angeraten wird,

Unglaublich!

wenn jugendliche Leser verklausulierte Anleitungen zum Straßenkampf gegen das imperialistische System der Bundesrepublik erhalten, wenn Antifa-Arbeit aus feministischer Perspektive beleuchtet wird, wenn Fanartikel über den Sowjetrevolutionsführer Lenin vertrieben werden, wenn ganz unverhohlen in Werken dieses Verlages erklärt wird: „Antifa heißt Angriff“ und: „Antifa ist der Kampf ums Ganze“?

Regt der Verbrecher Verlag zum kritischen Denken an, wenn die dort verlegte Szeneliteratur von Autorenkollektiven zum Outing von Andersdenkenden oder zur Selbstjustiz aufruft? Und bereichert es Ihre eigene Gedanken- und Gefühlswelt, Herr Kulturstaatsminister, wenn der Verlagspreis an den Edition-Nautilus-Verlag geht, der mit seinem Werk „Spritzen. Geschichte der weiblichen Ejakulation“ überzeugen will?

Hunderttausende Euro Steuergeld fließen in eine Staats- und Deutschenfeindlichkeit, den publizistischen Linksextremismus, in Anleitungen zu konkreten Straftaten und feministische Selbstbestätigung. Was in den USA gerade verboten wird, nämlich die Antifa, erhält in Deutschland Preise vom Kulturstaatsminister.

Beifallbei der AfD

Dass der Deutsche Verlagspreis lediglich linke Preisträger vorsieht, überrascht derweil nicht; denn auch die Jury entstammt eben wenig vielfältig dem linken bis linksextremen Milieu. Die Juroren machen aus ihrem Hass auf AfD und FPÖ und sogar Friedrich Merz und alles Deutsche keinen Hehl. Eine Jurorin ist sogar selbst Autorin von ebenjenen Preisträgern. Es hätte mich also nicht überrascht, wenn auch die Weimer Media Group selbst zu den ausgezeichneten Medienhäusern gehört hätte, gelang es ihr doch, ein Magazin zu vertreiben, welches Brad Pitt, den Papst und sogar Dr. Alice Weidel zu seinen Autoren zählen durfte. Das war echte Vielfalt, Herr Kopierstaatsminister.

Beifallbei der AfD

Wir fordern daher nun, den Deutschen Verlagspreis so lange auszusetzen, bis Jury und Auswahlverfahren transparent, ausgewogen und nachvollziehbar gestaltet sind. Gewaltverherrlichende und verfassungsfeindliche Verlagsprogramme sind von der Prämierung auszuschließen.

Es ist in der Bundesrepublik nicht unüblich, dass Linke Linken Preise verleihen.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist nicht überraschend, wenn Linke linken Strukturen Steuergeld zuleiten. Aber ein selbsternannter konservativer Herr Kulturstaatsminister, der den Kulturkampf verweigert, verwundert dann schon – zumindest bis vor ein paar Wochen, bis wir erfahren durften, dass der Kulturstaatsminister Weimer Geisel seiner eigenen Geschäftspraktiken ist. Dies erklärt, warum der Kulturstaatsminister jede Konfrontation mit dem linken Establishment vermeidet, sich Böhmermann als Streitgenosse gegen die rechten Brüder andient und vor der linken Dominanz kapituliert.

Zurufder Abg. Saskia Esken [SPD]

Sie hofften, Herr Kulturstaatsminister, dass Ihre Amigowirtschaft, Ihre Urheberrechtsverletzungen und Ihre steuerfinanzierten Tegernseer Festspiele nicht in den Fokus der etablierten Medienmacht gerieten, verhielten Sie sich nur systemkonform. Jetzt aber haben Sie jene Medien ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt, die eben niemals einen Verlagspreis erhalten und auch kein Steuergeld verschlingen,

Zurufevon der SPD

jene alternativen Medien wie das „Freilich“-Magazin und „Nius“, die den Kulturkampf gemeinsam mit uns gewinnen werden, für den der Kulturstaatsminister zu feige und zu erpressbar ist.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU hat nun das Wort die Abgeordnete Dr. Ottilie Klein.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Ottilie Klein
Foto: Michael Bennett
6 Vermerkeca. 529 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wieder eine neue Ausgabe des kruden Kultur- und Gesellschaftsbildes der AfD.

Um uns geht es gar nicht!

Nicht genug, dass die AfD bei der Debatte zu 35 Jahren deutscher Einheit offen unser freiheitlich-demokratisches Deutschland mit der SED-Diktatur gleichgesetzt hat. Jetzt kommt auch noch der Generalangriff auf die Kunstfreiheit. Wie wir es von der AfD nicht anders kennen, werden auch diesmal wieder fragwürdige Einzel- und Randaspekte herausgegriffen, um das Gesamtbild zu verzerren. Damit soll der bewährte und wichtige Verlagspreis diskreditiert werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Deutsche Verlagspreis soll Exzellenz und Vielfalt in der deutschen Literatur fördern, und er macht genau das.

Muss einem dabei jede Publikation gefallen? Ganz sicher nicht. Das liegt bei Kunst in der Natur der Sache. Wir brauchen auch keine Lehrstunden zur Demokratie von einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei. Denn die Grenzen der Kunstfreiheit werden allein durch das Strafrecht definiert, nicht durch persönliche Präferenzen und schon gar nicht durch die Befindlichkeiten des rechten Randes dieses Hohen Hauses.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Gewaltverherrlichung ist keine Kunstfreiheit, Frau Kollegin!

Für uns als CDU/CSU ist klar: Der Deutsche Verlagspreis erfüllt eine wichtige Aufgabe zum Erhalt der Medienvielfalt in Deutschland, die gerade jetzt teils massiv unter Druck steht. Insbesondere kleine Verlage werden durch den Preis gefördert. Hier entstehen wichtige Buchprojekte, die nicht auf den Bestsellerlisten zu finden sind und die doch von großer Bedeutung für die Reichhaltigkeit der deutschen Literatur sind.

Die gesamte Bandbreite der Mitte unserer Gesellschaft soll hier gezeigt werden: Sachbücher, Nischengenres oder auch die Literaturstars von morgen werden hier verlegt. Damit leistet der Deutsche Verlagspreis auch einen wichtigen Beitrag für die Zukunftsförderung der deutschen Literatur, der in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen ist.

Und selbst wenn wir uns einmal auf das Gezeter der AfD einlassen, bleibt von der Kritik nur wenig übrig; denn schon jetzt schließen die Teilnahmebedingungen alle Verlage aus, die Bücher – ich zitiere – „mit jugendgefährdenden, gewaltverherrlichenden, verfassungsfeindlichen oder strafbaren Inhalten“ herausbringen.

Das sorgt dafür, dass nicht nur linksextreme Verlage von dem Preis ausgeschlossen werden, sondern im Zweifelsfall eben auch AfD-nahe Verlage.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, als CDU/CSU lassen wir nicht zu, dass die AfD den Deutschen Verlagspreis in Misskredit bringt. Als Partei der politischen Mitte werden wir weiterhin für Kunstfreiheit und Medienvielfalt in Deutschland eintreten, und wir werden alles dafür tun, dass die politischen Ränder keine Deutungshoheit über unsere Kultur bekommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Doch! Genau dafür sorgen Sie!

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun das Wort der Abgeordnete Sven Lehmann.

Porträt von Sven Lehmann
Foto: Sven Lehmann/ Nils Leon Bauer
13 Vermerkeca. 771 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man die Überschrift dieses Antrags der AfD liest, dann denken vielleicht einige: Die AfD ist da einer ganz großen Sache auf der Spur. – Aber ich kann alle beruhigen: Nichts an diesem Antrag ist groß; nichts an diesem Antrag ist interessant. Es sind immer nur dieselben Tatsachen, Verdrehungen und Feindbilder, die wir von der AfD gewohnt sind. Es geht Ihnen nicht um die Steuergelder; es geht Ihnen nicht um den Schutz der Demokratie. Es geht Ihnen um den Einstieg in die Zensur; und das werden wir mit aller Kraft verhindern.

Denn die eigentliche Gefahr für unsere Demokratie entsteht nicht durch Verlage, die streitbare Bücher veröffentlichen, sondern durch politische Kräfte, die die Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt attackieren, genau wie die Kollegin Ottilie Klein das gerade gesagt hat. Das heißt, wenn Sie beginnen, künstlerische Arbeit danach zu bewerten, ob sie Ihnen politisch passt oder nicht, dann höhlen Sie den Kern der Kunstfreiheit aus.

Zurufvon der AfD: Genau das machen Sie!

Wohin das führt, das sehen wir gerade bei den langen Buchzensierungslisten in den USA, und das kann doch kein Vorbild für Deutschland sein. Ich bitte Sie!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Ottilie Klein [CDU/CSU]

Ich habe mir mal durchgelesen, was Sie da als so anstößig empfinden. Erstes Beispiel: der Verbrecher Verlag.

Nomen est omen!

Er publiziert seit Langem antifaschistische und antirassistische Texte, etwa das Buch „Aufklären und Einmischen“ über den sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund. Dieses Buch beschreibt die Morde des rechten Terrors und klärt uns auf, wie so etwas passieren konnte. „Gut so!“, sage ich dazu. Mehr davon! Herzlichen Glückwunsch an den Verbrecher Verlag.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Zweites Beispiel. Anstößig finden Sie ein Buch der Edition Nautilus mit dem Titel: „Die Geschichte der weiblichen Ejakulation“. In Ihrem Antrag bezeichnen Sie das als Fetischlektüre. Ich finde, das klingt erst mal nach einem interessanten Buch über die Anatomie des weiblichen Körpers und über Lust.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Das glaube ich!

Das heißt, wenn das in Ihren Augen schon Fetischlektüre ist, dann sagt das mehr über Sie aus als über dieses Buch.

Meinetwegen lesen Sie den ganzen Tag „Compact“, Ihr Stichwortgeberportal „Nius“ oder welche Blut-und-Boden-Literatur auch immer.

Das ist so unter Ihrem Niveau, Herr Kollege! Das grenzt ja an Niedertracht, was Sie hier machen!

Aber lassen Sie anderen Menschen die Freiheit, die Dinge zu lesen, die sie lesen wollen! Das ist Freiheit, und auf die sollten wir stolz sein in diesem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Unser Grundgesetz garantiert genau diese Freiheit von Kunst, von Presse, von Meinungen. Diese Freiheit gilt nicht nur für die, die Ihnen ideologisch genehm sind. Diese Freiheit schützt auch gerade die Stimmen, die unbequem sind, die andere Perspektiven zeigen. Der Deutsche Verlagspreis mit den ausgezeichneten Verlagen und einer tollen fachkundigen Jury steht für diese Freiheit und Vielfalt, und genau deshalb ist er Ihnen ein Dorn im Auge.

Ich war auf der Frankfurter Buchmesse und habe gesehen, wie breit gerade das Spektrum der Kleinverlage ist und wie viel Mut, Haltung und Arbeit dahintersteckt. Deswegen ist es auch genau richtig, dass Staatsminister Weimer diese Arbeit ausgezeichnet hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Am schlimmsten – das als letzter Gedanke – finde ich tatsächlich aber, dass Ihnen zum Thema „Buchhandel und Verlage“ nichts Besseres einfällt als diese dünne Suppe, die Sie uns hier vorsetzen. Wenn Sie mal mit den Buchhandlungen und Verlagen sprechen würden, dann wüssten Sie, was die Themen der Branche sind, zum Beispiel das Sterben der kleinen Buchhandlungen, die ungezügelte Entwicklung von KI oder die Zukunft der Buchpreisbindung. Das sind die Themen, die die Buchbranche beschäftigen.

Zurufdes Abg. Sven Wendorf [AfD]

Auf Ihren Antrag hingegen hat niemand gewartet. Deswegen werden wir ihn natürlich ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die SPD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Holger Mann.

Beifallbei der SPD
Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
4 VermerkeZwischenfrageca. 621 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Als Verleger braucht man vor allen Dingen eins: Haltung;

Zurufdes Abg. Steffen Janich [AfD]

Haltung nicht nur bei der Auswahl literarischer Stimmen, für die man sich in seiner Arbeit einsetzt. Nein, es benötigt auch Haltung dafür, einen Verlag am Leben zu halten. Denn – das kam gerade zur Sprache – der Druck steigt, nicht nur auf die kleinen Verlage, sondern auf die gesamte Branche. Deutschland liest gerne und liest viel, und so blieben die Auflagen in den vergangenen Jahren stabil.

Doch Inflation, steigende Produktionskosten und Gewerbemieten und nicht zuletzt die harte Konkurrenz der Großplattformen wie Amazon führen zu immer geringeren Gewinnen für die Verlage. Diese Situation spitzt sich mit der Fortentwicklung von KI zu. Insbesondere kleine und unabhängige Verlage sind in ihrer Existenz bedroht.

Dafür, die Vielfalt im deutschen Verlagswesen zu erhalten, ihr Engagement zu fördern, steht der Deutsche Verlagspreis. Seit er 2019 durch die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters ins Leben gerufen wurde, hat er so 500-mal Verlage ausgezeichnet und praktisch unterstützen können. Der Preis hat sie in ihrer Arbeit und Programmvielfalt sichtbarer gemacht, und das – das ist wichtig in dieser Debatte – ohne Instrumentalisierung – bis zum heutigen AfD-Antrag, den wir nun debattieren müssen.

Denn diesem Antrag fehlt jede sachliche Grundlage. Er folgt einzig einer digitalen Hetzkampagne, die das Portal „Nius“ dem diesjährigen Verlagspreis vorausschickte. Herzstück dieser Kampagne ist die Instrumentalisierung des Debattenraums, den die prämierten Verlage öffnen. Werke, die sich – das kam gerade schon zur Sprache – mit Antifaschismus in Deutschland beschäftigen, werden von „Nius“ als Gewaltaufruf entfremdet. Einzelne Jurymitglieder, die in diesen Verlagen publizieren, werden pauschal als linksextrem bezeichnet.

Auffällig ist dagegen die Auswahl und Selektivität von „Nius“. Da wird zwar breit aus dem sächsischen Verfassungsschutzbericht zitiert, aber verschwiegen, dass die einzigen Verlage, die dort unter „politisch extrem“ gelistet sind, drei rechtsextreme Verlage sind.

Beifallbei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, das zeigt: Mit diesem Antrag und jener Kampagne wird sich nicht für einen offenen Debattenraum und schon gar nicht für eine demokratische Verlagskultur eingesetzt. Hier offenbaren Sie von der AfD Ihren rechten Kulturkampf, dessen Ziel nur eines ist: Die publizistischen Stimmen, die sich gegen Ihre Ideologie stellen, zum Verstummen zu bringen.

Denn würde es der AfD wirklich darum gehen, verfassungsfeindliche Inhalte aus der Verlagsszene zu bannen, so würden Sie sich zuerst gegen Götz Kubitscheks Antaios-Verlag stellen. Dieser gilt seit letztem Jahr als gesichert rechtsextrem. Der Verfassungsschutz sagt, es bestehe kein Zweifel mehr für ihn, dass der Antaios-Verlag verfassungsfeindliche Ziele verfolge.

Abg. Dr. Götz Frömming [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Zu den Autoren dieses Verlages – hört! hört! – gehören ein gewisser Alexander Gauland, zahlreiche AfD-Landtagsabgeordnete und auch Mitarbeitende der AfD-Fraktion im Bundestag.

Herr Kollege, erlauben Sie – –

Rednerwechsel

Ich würde meine Rede gerne beenden.

Okay.

Rednerwechsel

Wenn es Ihnen also wirklich darum gehen würde, die demokratischen Grundpfeiler zu verteidigen, dann wäre Ziel dieses Antrags nicht der Deutsche Verlagspreis. Die Maßnahmen, die Sie für den Verlagspreis fordern, sind ein weiterer Versuch, grundlegend in die kulturelle und künstlerische Freiheit einzugreifen und diese weiter auszuhöhlen.

Der Verlagspreis – und davon sind wir zutiefst überzeugt – verdient unsere Anerkennung, so wie auch dessen prämierten Verlage. Sie sind es, die mit ihrer Haltung und ihrem Engagement literarische Stimmen hörbar machen, die uns eine kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen abverlangen und damit aus unserer Sicht den demokratischen Diskurs bereichern.

Deshalb: Diese Verlage gilt es zu schützen, wenn der Druck ideologischer Kulturkämpfe sie zum Schweigen bringen will. Wir lehnen Ihren Antrag daher ab.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich gebe nun zu einer Kurzintervention das Wort dem Abgeordneten Götz Frömming.

Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
1 Vermerkca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin, für das Wort. – Sehr geehrter Herr Kollege Mann, Sie haben sich ja eben mehrfach auf den Verfassungsschutz berufen. Ich möchte Sie fragen: Ist Ihnen bekannt, dass einer der prämierten Verlage, nämlich der Verbrecher Verlag, in seinem Autorenteam mehrere Autoren hat, deren Namen schon seit Jahren im Verfassungsschutzbericht auftauchen? Wie finden Sie das denn? Finden Sie es richtig, dass Verlage ausgezeichnet werden, die Autoren in ihren Reihen haben, die von dem von Ihnen eben genannten Verfassungsschutz beobachtet werden? Was sagen Sie dazu?

Beifallbei der AfD

Herr Mann, Sie haben die Möglichkeit, zu antworten.

Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 170 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege Frömming, ich glaube, gerade Ihrer Fraktion – Sie sind gegen Einstufungen des Bundesverfassungsschutzes und der Landesbehörden für Verfassungsschutz mehrfach juristisch vorgegangen – ist sehr wohl bewusst, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei und einzelnen Akteuren, die in Verlagen veröffentlichen. Daraus konstruieren Sie, auch mit diesem Antrag, die Behauptung, diese Verlage seien politisch linksextrem. Genau das tut auch „Nius“. Das verbietet sich, weil es in einem Rechtsstaat geordnete Verfahren gibt, um diesen Beweis zu erbringen. In einem Rechtsstaat kann man gegen diesen Vorwurf des Verfassungsschutzes klagen; das haben Sie auf Landesebene mehrfach erfolglos getan. Genau deswegen lasse ich mich nicht auf Ihr Spiel ein und sage Ihnen ganz ehrlich: Was Sie hier zusammen im Pingpongspiel mit „Nius“ versuchen, ist infam, und es ist eine Diskreditierung von Demokraten in unserem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Wort hat für die Fraktion Die Linke der Abgeordnete David Schliesing.

Beifallbei der Linken
Porträt von David Schliesing
Foto: Nancy Glor
7 Vermerkeca. 563 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Vorgehen der rechten Empörungsindustrie folgt seit Monaten demselben Muster: Rechtsextreme Schnüffler tragen angeblich skandalöse Informationen zusammen, Portale wie „Nius“ greifen diese auf und fluten die Social-Media-Kanäle. Die AfD schreibt dann fleißig ab mit dem Ziel, öffentliche Aufmerksamkeit für rechte Positionen zu erzeugen und konservative Politiker dazu zu bringen, Themen und Spin aufzugreifen, ihnen somit gesellschaftliche Relevanz zu verleihen und die Politik im Sinne der AfD zu beeinflussen. Leider hat das in letzter Zeit zu oft funktioniert.

Der aktuelle Versuch, Druck auf Kulturstaatsminister Weimer aufzubauen, weil dieser im Rahmen des Deutschen Verlagspreises auch Verlage prämiert habe, die dezidiert links seien, zielt darauf ab, Stimmung gegen diesen Preis und gegen die Verlage zu machen. Wer ihn verliehen bekommt, soll zum Verfassungsfeind gemacht und der Preis am besten gleich ganz abgeschafft werden. Warum? Weil die AfD bei den Verlagen das Gleiche stört wie bei Zivilgesellschaft und Kultureinrichtungen: deren Unabhängigkeit und Vielfalt.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wolfram Weimer hat sich bei der Frankfurter Buchmesse in seiner Weise genau dazu bekannt und den Zusammenhang zwischen Vielfalt, Demokratie und Unabhängigkeit der Verlage gesehen.

Die Linke lobt Herrn Weimer!

Für eine Partei wie die AfD, die natürlich alle, die antifaschistische Bücher verlegen, abgrundtief hasst, ist das Grund genug, dem Kulturstaatsminister den Kampf anzusagen. Die meisten der angeblich linksextremen Verlage, von denen die AfD schwadroniert und die völlig zu Recht mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet wurden, sind im Übrigen in etwa so linksextrem wie Lars Klingbeil.

Heiterkeitbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Wolfram Weimer hat in den vergangenen Wochen jede Menge Gründe für deutlich linke Kritik geliefert. Ich nenne nur das Beispiel des massiven Interessenkonflikts durch den Besitz seiner Firmenanteile. Was ich ihm aber durchaus anrechne: Er hat in dieser Situation Partei ergriffen für die kleinen und unabhängigen Verlage, die finanziell seit vielen Jahren immer knapp vor dem Aus stehen. Diesen müsste eigentlich auch noch ganz anders geholfen werden, nämlich mit struktureller Förderung anstelle von Preisen, mit denen man vielleicht zwei Buchprojekte finanzieren kann. Aber in dieser Debatte ist wichtig: Er hat dem rechten Druck nicht nachgegeben. Und was war die Folge? Die Kampagne ist ins Leere gelaufen. Das zeigt: Wenn die AfD und ihr Vorfeld zur Jagd blasen, lohnt es sich, dem Druck standzuhalten.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das sollte für den Umgang mit rechten Kampagnen in der Zukunft beispielhaft sein, und zwar auch dann, wenn es gegen eine liberale Juristin, eine queere Kita oder ein antirassistisches Stadtteilzentrum geht. Denn klar ist: Diese Kampagnen werden nicht enden, wenn es keine linken Verlage oder keine liberalen Richterinnen mehr gibt. Diese Kampagnen enden in einer autoritären Diktatur,

Aus der kommen Sie doch mit Ihrer Partei!

in der es auch für demokratische Konservative nicht mehr sicher sein wird. Ich bin überzeugt, dass unsere Demokratie nur dann Bestand haben wird, wenn auch die bürgerlichen Konservativen das verstehen und entsprechend handeln.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Welche? Wo sind die denn?

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Johannes Volkmann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Johannes Volkmann
Foto: Johannes Volkmann/Tobias Koch
5 Vermerkeca. 416 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was die AfD uns hier vorlegt, ist kein Reformvorschlag, kein konstruktiver Beitrag zu einer eigentlich wichtigen Debatte. Der Antrag pauschalisiert, er unterstellt, er arbeitet mit Begriffen, die sich eher für Kampagnen als für Gesetzgebungsprozesse eignen. Deswegen werden wir diesen Antrag ablehnen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Kollege Helferich, mit Blick auf die persönlichen Schmähungen, die Sie unserem Kulturstaatsminister heute haben angedeihen lassen – Sie haben sich ja in der Vergangenheit selbst immer wieder als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnet –, muss ich sagen: Am „freundlich“ müssen Sie noch arbeiten,

Ich nehme mir ein Vorbild an Ihnen!

der Rest gelingt Ihnen heute ganz gut.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Dabei wäre eine differenzierte Debatte ja durchaus möglich. Es gibt Entscheidungen der Jury des Deutschen Verlagspreises der vergangenen Jahre, mit denen auch ich nicht immer d’accord bin. Es gibt Verlage, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Deswegen ist es wichtig, dass wir eine sachliche Diskussion über die Kriterien des Verlagspreises führen. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – diese Debatte führen wir innerhalb der Grenzen unseres demokratischen Rechtsstaats. Wir führen sie auf der Grundlage von Fakten, nicht von Unterstellungen. Wir führen sie mit Augenmaß und nicht mit ideologischer Abrissbirne.

Wer uns zur Beratung vorlegt, was die AfD uns zur Beratung vorgelegt hat, dem fehlt ernsthafter parlamentarischer Gestaltungswille. Wer andere Maßstäbe für den Verlagspreis fordert, der muss auch benennen, welche, und er muss erklären, wie diese mit Kunstfreiheit, Meinungsvielfalt und auch mit dem Haushaltsrecht vereinbar sein sollen. All das bleiben Sie uns in Ihrem Antrag schuldig.

Wer Regeln ändern will, ohne sie zu benennen, der macht keine Politik, sondern der schürt Stimmung. Wer so handelt, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass Kunst- und Kulturfreiheit nur im Rahmen der eigenen weltanschaulichen und – ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen – vielleicht auch geistigen Schranken gelten sollen, so wie es eben autoritäre und illiberale Systeme weltweit handhaben. Wir als Union verteidigen die offene Gesellschaft und echten Pluralismus. Deshalb werden wir den Antrag ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für die AfD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Ronald Gläser.

Beifallbei der AfD
Porträt von Ronald Gläser
Foto: Ronald Gläser / Vadim Derksen
9 Vermerkeca. 610 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich hatte ja gehofft, dass es hier eine sachliche Debatte gibt,

Lachenbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Bei dem Antrag!

so wie wir das eben gehört hatten, Herr Kollege Volkmann. Wenn es so eine sachliche Debatte über den Verlagspreis in Ihren Reihen geben sollte, dann kann es nur ein Ergebnis geben; dazu gleich mehr.

Herr Lehmann, Sie haben uns den Einstieg in die Zensur vorgeworfen. Ich weiß nicht, ob Sie vorhin bei der Debatte über die Digitalsteuer schon anwesend waren. Da habe ich aus dem Antrag Ihrer Fraktion zitiert. Ich habe den einzigen richtig guten Satz wiedergegeben. Dieser lautet: „[…] eine pluralistische und freie Medienlandschaft ist zentral für eine funktionierende Demokratie“. Das ist genau unsere Position.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir sagen das, weil es die Wahrheit ist, weil wir die einzige Partei für Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und für die Kunstfreiheit sind. Entschuldigung, aber wenn Sie das sagen, dann ist das halt einfach Heuchelei und ein Lippenbekenntnis, dem keine Taten folgen.

Beifallbei der AfD

Lassen Sie mich Ihnen von Naomi Seibt erzählen.

Lachendes Abg. Johannes Volkmann [CDU/CSU]

Das ist eine deutsche Influencerin, die jetzt in den Vereinigten Staaten um Asyl gebeten hat. Warum? Wegen ihres Kampfes für die Meinungsfreiheit in diesem Land. Sie fühlt sich verfolgt von den Behörden hier. Sie sagt: Ihre Kommunikation wird angezapft, Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender stalken sie, und Morddrohungen der Antifa sind von den Sicherheitsbehörden nicht angemessen geahndet worden.

Damit bin ich beim Verlagspreis. Wann immer jemand aus unseren Reihen in der Vergangenheit gesagt hat: „Die Antifa wird vom Staat finanziert, sie ist in dessen Auftrag unterwegs“, dann haben Sie gesagt – je weiter links Sie stehen, mit umso mehr Leidenschaft –: Das ist doch eine rechtspopulistische Verschwörungstheorie, Desinformation. – Ich wollte, es wäre so. Aber leider haben wir es jetzt schwarz auf weiß: Die Antifa wird von diesem Staat mit diesem Buchsubventionsprojekt unterstützt. Wir haben Lenin-Poster, die bezahlt werden, Antifa-Taschenkalender und Leitfäden zum Verfassen von Bekennerschreiben. Welchen Beweis brauchen wir noch, meine Damen und Herren?

Beifallbei der AfD

Die CDU hat kein Problem damit!

Ein wichtiger Punkt aus unserem Antrag ist, dass wir fordern, dass diejenigen, die zu Unrecht diese Förderung bekommen haben, sie auch zurückzahlen müssen. Denn die Verantwortung trägt ja nicht nur die Regierung. Klar, sie und die Jury, die die Regierung berufen hat, haben die Hauptverantwortung. Aber diese Vereine kannten die Regeln. Frau Dr. Klein, es sind klare Regeln, und gegen sie wird offensichtlich verstoßen. Denn nicht teilnahmeberechtigt ist, wer Dinge in seinem Produktportfolio verbreitet, die jugendgefährdend, extremistisch und gewaltverherrlichend sind. All das steht da drin.

Sie finden auch, dass wir in einer Diktatur leben!

Wenn Sie eine sachliche Diskussion führen, können Sie nur zu diesem Ergebnis kommen.

Das entscheiden aber nicht Sie, was jugendgefährdend ist und was nicht! Da gibt es Prüfstellen!

Deswegen: Unterstützen Sie unseren Antrag! Stoppen Sie diese Förderung! Sorgen Sie dafür, dass die Antifa in diesem Land nicht weiter unterstützt wird. Die Antifa ist keine freundliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Leute mit abgebrochenem Soziologiestudium und marxistischem Hochschulhintergrund. Nein, das ist eine Terrororganisation. Sie gehört verboten und nicht mit Steuermitteln unterstützt.

Vielen Dank.

Für die SPD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Martin Rabanus.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Martin Rabanus
Foto: Martin Rabanus
9 Vermerkeca. 398 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Als Erstes einmal: Herzlichen Glückwunsch allen ausgezeichneten Verlagen! Denn Sie, die Verlagsvertreterinnen und Verlagsvertreter, machen eine ganz hervorragende Arbeit in Ihrem Bereich. Sie zeigen das breite Spektrum und die Vielfalt unserer Verlagslandschaft.

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Das ist ganz großartig, und das wird auch weiter unsere Unterstützung erfahren.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Und dann kommt die AfD daher und entdeckt, dass viele Verlage sich aktiv für unsere Demokratie einsetzen, dass sie gegen Faschismus, dass sie gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit arbeiten. Schließlich macht die AfD noch ein paar Publikationen aus, die ihr nicht gefallen, unter anderem eine Broschüre, die ihr besonders ein Dorn im Auge ist: „Tipps & Tricks für Antifas und Antiras“.

Das gefällt Ihnen, was?

Weiterer Zurufvon der AfD: Sie scheinen das ja gut zu finden!

So was bringt Ihr Blut in Wallung; das ist mir schon klar.

Und nun wird ein Bild gezeichnet – das geht recht schnell –: In vermeintlich investigativen Recherchen wird ein Skandal aufgedeckt. Nein, kein Skandal, möglicherweise sogar eine ausgemachte Verschwörung wird aufgedeckt. Da gibt es nämlich offensichtlich einen linksradikalen Staatsminister.

Heiterkeitbei der SPD

Und dieser linksradikale Staatsminister ist in einem völlig intransparenten Verfahren gemeinsam mit einer linksradikalen Kurt Wolff Stiftung und einem freilich sowieso linksradikalen Börsenverein des Deutschen Buchhandels dabei,

eine linksradikale Jury einzusetzen, um linksradikale Verlage auszuzeichnen.

Sie sagen es!

Weiterer Zurufvon der AfD: Jetzt hat er es selbst gesagt!

Und die Erde ist eine Scheibe.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD, hören Sie sich eigentlich selber mal zu bei dem, was Sie sagen? Nein, lassen Sie das! Ersparen Sie uns in Zukunft solche Anträge. Dann und nur dann würden Sie zum ersten Mal etwas Konstruktives zum deutschen Parlamentarismus beitragen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Das sehen die Wähler Gott sei Dank anders, Herr Kollege! Immer mehr Wähler sehen es anders!

Für die CDU/CSU-Fraktion hat als letzter Redner das Wort der Abgeordnete Pascal Reddig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Pascal Reddig
Foto: Pascal Reddig/ Tobias Koch
6 Vermerkeca. 570 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Deutsche Verlagspreis ist im Grundsatz erst mal eine gute Initiative. Er dient der Unterstützung kleiner unabhängiger Verlage, jener Akteure, die mit Mut und Idealismus die Vielfalt unserer Kulturlandschaft garantieren.

So weit die Theorie!

Diese Vielfalt, die Sie auch immer wieder benennen, aber nicht leben, ist ein essenzieller Bestandteil unserer demokratischen Kultur.

Und natürlich sprechen wir hier auch über staatliche Gelder. Deswegen muss immer klar sein und unmissverständlich gelten, dass die Vergabe nach transparenten, nach nachvollziehbaren, nach strikt neutralen Kriterien zu erfolgen hat. Es darf nie der Verdacht aufkommen, dass bestimmte politische Milieus besonders gefördert werden, gleich welcher Ausrichtung im Übrigen. Manchmal hat man bei Ihren Reden das Gefühl, Ihnen wäre es lieber, es wären rechtsradikale Verlage, die hier Preise bekämen.

Natürlich geht es aber auch darum, dass wir die politische Richtung nicht bestimmen wollen.

Also sind sie linksradikal!

Und all das wird immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Das kann man natürlich auch beim Deutschen Verlagspreis tun, und man sollte es natürlich tun. Aber es ist absolut inakzeptabel, das so zu machen, wie Sie es hier machen: sich einzelne Verlage herauszupicken und dann den gesamten Deutschen Verlagspreis zu diskreditieren. Das zeigt wieder, worum es Ihnen geht: um Populismus und nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber die wurden doch ausgezeichnet! Um die geht’s!

Und wir sollten auch an der Stelle nicht die Natur des Preises verkennen. Er richtet sich natürlich an kleine Verlage, an Verlage, die per Definition vielleicht etwas experimentierfreudiger, liberaler sind. Manches, was Sie vorgetragen haben, wird sicherlich nicht meine Standardlektüre sein. Und ich finde es auch nicht immer gut, dass so etwas ausgezeichnet wird. Aber wenn Sie davon sprechen, dass wir für Meinungsfreiheit und Demokratie kämpfen müssen, dann sollten Sie nicht vergessen, dass zur Demokratie auch dazugehört, andere Meinungen auszuhalten, genauso wie den Umstand, dass auch mal Verlage prämiert werden, die vielleicht nicht der eigenen politischen Haltung entsprechen.

Zum Schluss möchte ich mir eine Bemerkung erlauben. Ich habe mir noch mal den Antrag angeschaut, den Sie als Allererstes verschickt hatten. Sie haben danach ja noch mal Änderungen am Antrag vorgenommen. Im Ursprungsantrag war noch ein Absatz enthalten, der lautete – ich zitiere aus dem Ursprungsantrag –: Der unabhängige Verleger Götz Kubitschek wertet den Deutschen Verlagspreis als Produkt eines um sich selbst kreisenden Milieus. – Und dann bezeichnet Götz Kubitschek das auch noch als staatliche Förderung linksradikaler Verlage.

Recht hat der Mann! Recht hat er! Der ist unabhängig!

Der ist nur sauer, dass er den Preis noch nicht bekommen hat!

Sie haben das offensichtlich herausgenommen, weil Sie sich selbst dafür geschämt haben. Aber Sie haben hier als Kronzeugen für Ihren Antrag jemanden genommen, der vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, dessen Institut, das er gegründet und dann wieder geschlossen hat, als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde.

Und er ist beleidigt, dass er den Preis noch nicht bekommen hat!

Jemand, der als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde, sagt: Hier sind linksextreme Verlage. – Das überrascht mich jedenfalls nicht. Und es ist vielleicht auch kein so guter Kronzeuge für Ihren Antrag. Deswegen lehnen wir ihn ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN