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6. Sitzung der 21. Wahlperiode

Mittwoch, 21. Mai 2025 · Berlin

160 Reden in dieser Sitzung

160Reden43.963Wörter
608Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
8 Vermerkeca. 770 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe gestern im Rahmen einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten des BKA, Herrn Münch, die Statistik über politisch motivierte Kriminalität in Deutschland vorgestellt. Ich will in diesem Zusammenhang auf einige Punkte eingehen.

Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland hat im letzten Jahr einen Höchststand von über 84 000 registrierten Straftaten erreicht. Das ist eine enorme Steigerung zum Vorjahr und auch zu den Jahren davor. Wir stellen fest, dass bei den unterschiedlichen Phänomenbereichen, die identifiziert werden, der Phänomenbereich der politisch motivierten Kriminalität von rechts den wesentlichen Teil ausmacht, mit mehr als der Hälfte der registrierten Straftaten.

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass es gerade heute wieder eine Aktion gegen eine rechtsextremistische terroristische Vereinigung gegeben hat. Der Generalbundesanwalt hat in Zusammenarbeit mit dem BKA, den LfV und mit weiterer Unterstützung aus den Ländern eine terroristische Vereinigung ausgehoben. Diese terroristische Vereinigung nennt sich „Letzte Verteidigungswelle“. Diese terroristische Vereinigung zeichnet sich dadurch aus, dass sie Brandanschläge verübt hat, unter anderem gegen Asylbewerberheime, weitere Brandanschläge geplant hat und sich letztlich zu gemeinschaftlichem Mord verabredet hat.

Man sieht an dieser Stelle sehr deutlich, dass wir uns gegen diejenigen, die unsere demokratisch-freiheitliche Grundordnung angreifen, die das demokratische System zusammenbrechen lassen wollen, zur Wehr setzen und dass wir es schlichtweg nicht dulden, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass terroristische Vereinigungen in Deutschland an der Abschaffung der Bundesrepublik Deutschland arbeiten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der SPD

Ich habe gerade auf die Uhr geschaut – ich rede noch weiter –, aber sie läuft nicht.

Von ursprünglich vier Minuten, die ich hatte, habe ich noch fünf übrig. Herzlichen Dank.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Acht geteilt durch zwei ist vier!

Ich will der Kollegin Hubertz, die heute zum ersten Mal hier für die Bundesregierung vorträgt, natürlich die Chance geben, ausreichend Stellung zu nehmen. Ich möchte trotzdem noch auf die Situation, die sich im Bereich der Migration darstellt, eingehen.

Ich habe gestern ein Gespräch mit dem Kommissar für Migration, Herrn Brunner, geführt, der in Berlin zu Besuch war. Dabei habe ich noch mal sehr deutlich gemacht, dass unser Interesse darin besteht, auf zwei Ebenen gegen die illegale Migration vorzugehen:

Die eine Ebene ist die Europäischen Union. Es ist unser gemeinsames Interesse, dass das GEAS, das Gemeinsame Europäische Asylsystem, möglichst schnell in Kraft tritt, aber auch nachgeschärft wird, verbessert wird, optimiert wird. Wir haben unseren Kollegen in Europa und unseren Nachbarländern signalisiert, dass Deutschland dazu bereit wäre, auch im Rahmen von GEAS noch schneller und schärfer gegen die illegale Migration in Europa vorzugehen.

Die zweite Ebene, um die es geht, betrifft die nationale Seite. Was können wir hier dafür tun? Ich habe noch mal sehr deutlich gemacht, dass diese Bundesregierung bereit ist, alle Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind für eine Begrenzung der illegalen Migration. Wir werden den Familiennachzug für subsidiär Geschützte umgehend aussetzen. Wir werden die sogenannte Expresseinbürgerung abschaffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Wir werden dafür sorgen, dass die freiwilligen Aufnahmeprogramme, soweit möglich, beendet werden, und wir werden Straftäter umgehend nach Afghanistan und Syrien abschieben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Unverschämtheit! Das ist genau der Stil!

Dazu gehört auch – liebe Kollegin, letzter Satz –, dass wir an den Grenzen verstärkt kontrollieren und – so haben wir es im Koalitionsvertrag vereinbart – stärker zurückweisen, auch bei Asylgesuchen.

Ich will an dieser Stelle den Bundespolizistinnen und -polizisten, die da im Einsatz sind, herzlich dafür danken, dass sie jeden Tag dafür sorgen, dass wir gegen die illegale Migration noch stärker angehen als in der Vergangenheit. Auch das ist auf allen Ebenen mit unseren Nachbarn und auch mit der Europäischen Union abgesprochen. Deswegen: Herzlichen Dank dafür an die Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag ihren wertvollen Dienst tun!

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der SPD
Beifallder Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der SPD: Das ist so dreist!
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
2 Vermerkeca. 368 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Verehrte Frau Präsidentin! Lieber Kollege Dobrindt! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Start-up-Gründerin bin ich es gewohnt, ein bisschen schneller loszulegen, und fokussiere mich hier auf ein paar frische Denkansätze – auf Pragmatismus und Skalierung –, die wir auch im Baubereich brauchen.

In meiner Rede zur Regierungserklärung habe ich über drei Ts gesprochen, nämlich Tempo, Technologie und Toleranz.

Der erste Punkt, Tempo, betrifft die Baugesetzbuchnovelle, die wir in den ersten 100 Tagen vorlegen werden – das ist dringend notwendig –, einschließlich des sogenannten Bauturbos. Wir müssen einfacher und schneller bauen, auch mithilfe des Gebäudetyps E.

Zweiter Punkt: Technologie. Wir können einige Kosten einsparen, wenn wir seriell bauen, wenn wir KI nutzen, wenn wir modular bauen und wenn wir alle Innovationen, zum Beispiel aus dem Bundesforschungszentrum – hier wollen wir sozusagen ein Innovations-Hub fördern –, zur Verfügung stellen.

Zur Toleranz gehört auch, dass wir bauen wollen, und nicht jeder sagt: „Überall, aber nicht in meinem Hinterhof.“

Wir werden, wenn wir mehr bauen, auch die Wirtschaft ankurbeln; denn die Bauwirtschaft ist die Lokomotive unserer Volkswirtschaft. Und gemeinsam mit Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich noch ein paar Kohlen ins Feuer werfen.

Wenn wir über Wohnungen reden, dann müssen wir natürlich auch über den Markt reden. Das ist kein Markt wie jeder andere. Wir brauchen Regeln; wir brauchen die Mietpreisbremse. Und wir müssen dafür sorgen, dass wir in Städten wohnen, wo wir uns begegnen können, wo wir das Miteinander stärken und wo vielleicht der ein oder andere Angstraum eingedämmt werden kann. Beispiele dafür durfte ich letztens beim Tag der Städtebauförderung in Koblenz-Neuendorf besichtigen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ich freue mich, mit Ihnen weitere Projekte in ganz Deutschland zu entwickeln, die beispielhaft zeigen, was geht, wenn wir Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung zusammendenken, wenn wir an einem Strang ziehen, wenn wir neu denken und wenn wir alle miteinander beherzt anpacken.

Darauf freue ich mich, genauso wie auf Ihre Fragen, für deren Beantwortung ich ein bisschen mehr Zeit habe, als ich von Herrn Dobrindt für meinen einleitenden Bericht bekommen habe.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
2 Vermerkeca. 179 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Herr Innenminister, eines der größten innenpolitischen Probleme ist ja die ausufernde Zahl illegaler Migranten, die an der Grenze um Asyl nachsuchen. Nun war die niedrigste Monatszahl an Asylbewerbern letzthin 9 000. Das macht circa 2 000 pro Woche – einerseits. Andererseits wird berichtet, es seien jetzt an der Grenze in einer Woche 32 Asylsuchende zurückgewiesen worden. Man hört aus Berichten, dass die Bundespolizei sich auf Stichproben beschränkt. Es sind also gut 30 von gut 2000 Asylsuchenden – das heißt gut 1 Prozent – zurückgewiesen worden bei knapp 99 Prozent anscheinend erst gar nicht Aufgegriffenen oder nicht Zurückgewiesenen.

Meine Frage: Dürfen die Bürger in diesen Zahlen die Wende bei der Bewältigung der Asylmigration erkennen, so wie sie die Union versteht? Ist das die Einlösung von Merz’ Wahlversprechen „vom ersten Tag an ausnahmslos alle“?

36 000 Straftaten durch Rechtsextremisten!

Da hat die Präsidentin recht!

Wir sind nicht im Kindergarten! Das ist der Deutsche Bundestag, Herr Kollege!

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 175 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das, was wir gerade beschreiben, ist die Asylwende mit mehreren Maßnahmen.

1 Prozent!

Und dazu gehört eben auch die verstärkte Zurückweisung an den Grenzen. Diese verstärkte Zurückweisung passiert, indem wir das eingesetzte Personal der Bundespolizei deutlich erhöhen. Bisher sind rund 11 000 Polizistinnen und Polizisten an der Grenze im Einsatz; wir werden diese Zahl um weitere 3 000 auf 14 000 erhöhen, um noch mehr Zurückweisungen zu ermöglichen. Die Daten, die wir bisher haben, zeigen auch deutlich, dass die Zahl der Zurückweisungen ansteigt, und zwar erheblich. Und zum ersten Mal weisen wir auch Menschen zurück, die Asyl beantragen.

Die Zahlen, die Sie vortragen, beziehen sich auf Menschen, die schon vor Wochen oder Monaten nach Deutschland eingereist sind und jetzt in der Asylstatistik auftauchen. Deswegen sind diese Zahlen schlichtweg nicht mit dem, was zurzeit an der Grenze passiert, vergleichbar.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, ausgenommen von einer Zurückweisung sollen ja Angehörige vulnerabler Gruppen sein. Laut BAMF gibt es dazu ein Dutzend Unterkategorien. Wie wird die Zugehörigkeit an der Grenze rechtssicher festgestellt? Etwa Kranke: nur per Selbstauskunft oder per Attest? Von welcher vertrauenswürdigen Behörde? Etwa Minderjährige ohne Pass: per Selbstauskunft oder durch medizinische Altersfeststellung? Geschlechtsspezifisch Verfolgte? Wie geht das? Oder reicht generell schon die Behauptung, krank, minderjährig oder schwanger zu sein?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 124 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vorausschickend noch mal: Die Polizistinnen und Polizisten, die heute an der Grenze ihren Dienst tun, leisten herausragende Arbeit, teilweise in Zwölfstundenschichten. Ich habe höchstes Vertrauen in diese Polizistinnen und Polizisten. Sie gehen mit der infrage stehenden Weisung des Bundesinnenministers sehr sorgfältig, genau und konsequent um. Deswegen: Weil ich Vertrauen in die Polizisten in Deutschland habe, weiß ich, dass sie an dieser Stelle das Richtige an der Grenze tun.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber wie machen sie es denn? Wie denn?

Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
ca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe eine Frage an den Bundesinnenminister. Herr Minister, Sie haben in der letzten Woche, am 13. Mai, das sogenannte „Königreich Deutschland“ verboten. Als ich davon gelesen habe, war mein erster Gedanke: Da haben wohl einige zu viele alte Schlager gehört; wer wollte nicht schon mal König von Deutschland sein? Aber es ist kein Spaß, sondern es ist eine sehr ernste Sache. Und Sie haben sich dieser dann sehr konsequent angenommen. Was waren Ziel und Zweck dieser Maßnahme, Herr Minister?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege Oster, herzlichen Dank. – Die Reichsbürgervereinigung „Königreich Deutschland“ ist eine Vereinigung, die vom Umsturz geträumt hat, die einen Gegenstaat aufbauen wollte, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung Deutschlands gestellt hat und nach eigenen Angaben 6 000 Anhänger hat. Nach unserer Einschätzung sind es erheblich weniger; aber um die 1 000 werden es wohl gewesen sein. Diese kriminelle Vereinigung war nach ihrer Organisation darauf angelegt, ihre Anhänger auf betrügerische Art und Weise um ihr Geld zu bringen. Es gab beispielsweise eine Reichsbank, in der man sein Geld anlegen konnte, und es gab auch eine Reichsversicherungsanstalt, die angebliche Versicherungen an die sogenannten Anhänger verkauft hat.

Diese Organisation hat den Umsturz in Deutschland vorbereitet, und deswegen wird sie bei uns verboten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben in Ihrem Eingangsstatement die gestern von Ihnen vorgestellte Statistik der politisch motivierten Kriminalität erwähnt, die eine deutliche Zunahme dieser Kriminalität ausweist. Das ist besorgniserregend. Sie nehmen das sehr ernst. Was planen Sie, was plant Ihr Ministerium angesichts der Zunahme dieser Kriminalität?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 130 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben es mit einer sehr vielfältigen Form der Kriminalität zu tun. Es sind leichte bis sehr schwere Straftaten zu verzeichnen. Und deswegen muss man auch mit verschiedenen Maßnahmen darauf reagieren. Uns geht es um eine Doppelstrategie.

Wir wollen zum einen die Polizei mittels neuer Ermittlungsmöglichkeiten stärken, um dagegen vorzugehen. Zum anderen braucht es schlichtweg auch Strafverstärkungen an dieser Stelle. Wir müssen mit allem, was uns zur Verfügung steht, und mit maximaler Härte gegen Personen vorgehen, die sich schlichtweg gegen diesen Staat stellen. Dazu gehören auch alle neuen Möglichkeiten im Digitalbereich.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
1 Vermerkca. 123 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin Hubertz, wir hätten gern mehr von Ihnen gehört. Ich hoffe, das war jetzt kein schlechtes Omen für die Zusammenarbeit in der neuen Bundesregierung.

Sie haben gerade das Thema „Bauen, bauen, bauen“ angesprochen. Doch während die Bagger rollen, steigen auch die Mieten. Das belastet vor allen Dingen einkommensschwache Haushalte. Immer mehr Menschen müssen einen immer größeren Beitrag ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufwenden. Deswegen ist meine Frage an Sie: Was tun Sie neben dem Neubau gerade für einkommensschwache Haushalte, dass die Mieten nicht mehr so stark steigen, dass es wieder mehr bezahlbaren Wohnraum gibt und nicht immer mehr Menschen Angst vor Verdrängung haben müssen?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 190 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Kollegin Steinmüller, vielen Dank für die Frage. – Bauen bedeutet ja nicht immer nur Neubau; es kann auch Umbau bedeuten. Leerstehende Büro- und Gewerbeflächen können zu Wohnraum umgebaut werden. Neubau wollen wir auch kostengünstiger hinbekommen. Penthäuser haben wir genug. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Aber natürlich müssen wir uns auch den Markt anschauen. Es braucht neue Antworten. Zum Beispiel haben wir die neue Wohngemeinnützigkeit schon in der letzten Legislatur gemeinsam vorangetrieben. Daran können wir anknüpfen.

Das Thema Mietrecht ist ein großer Brocken. Neben der Mietpreisbremse ist aber der Markt auch ein bisschen differenzierter anzuschauen. Es wird gerade in Berlin viel Humbug betrieben – Ihr Wahlkreis ist davon betroffen –, wenn zum Beispiel jemand eine Couch in die Wohnung stellt und sie dann als möbliert für 30 Euro pro Quadratmeter vermietet. Diesen Missbrauch und Wucher müssen wir verhindern. Meine Kollegin, Justizministerin Stefanie Hubig, hat das alles schon in petto. Sie arbeitet daran mit Hochdruck. Da müssen wir den Instrumentenkasten in Gänze öffnen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
1 Vermerkca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir werden weiter darauf achten, dass im Mietrecht etwas passiert. Dafür sind Sie aber leider nicht zuständig. Von daher hake ich bei der neuen Wohngemeinnützigkeit nach, die Sie gerade erwähnt haben. In Ihrem Koalitionsvertrag steht, dass Investitionszuschüsse kommen sollen. Können Sie eine konkrete Aussage machen, wann sie kommen und in welcher Höhe, um gemeinnützigen Wohnungsunternehmen auch Planungssicherheit zu geben?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Investitionszuschüsse sind ein ganz zentraler Baustein, damit Bauen einfach auch attraktiv ist. Wir sind gerade in zwei sehr sportlichen Verfahren für den Haushalt 2025 und den Haushalt 2026. Die Gespräche dazu darf ich noch nicht vorwegnehmen. Aber ich habe das ganz oben auf meiner Liste. Damit wollen wir so schnell wie möglich loslegen. Wir kommen gern zu weiteren Beratungen in den Ausschuss und können uns dort alle miteinander noch mal konkret darüber unterhalten.

Beifallbei der SPD
Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Ministerin Hubertz, ich begrüße sehr, dass Sie den beschleunigten Wohnungsbau in den Vordergrund stellen. Da würde mich konkret interessieren: Welche einzelnen Vorhaben sind vorgesehen, um den Wohnungsbau insbesondere dort, wo die Wohnungsmärkte sehr angespannt sind, tatsächlich voranzutreiben?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 206 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Kollegin Glöckner, für Ihre Frage. – Wir wollen mit dem BauGB mehrere Maßnahmen einführen wie den Bau-Turbo, der nicht nur auf angespannten Wohnungsmärkten besonders gebraucht wird, sondern auch in anderen Bereichen. Um zu verhindern, dass Mietwohnungen in Eigentum übergehen, müssen wir den sogenannten Umwandlungsschutz stärken.

Wenn wir über Beschleunigung sprechen, dann müssen wir alle hier im Bundeskabinett uns an die Nase fassen und zugeben: Wir sind einfach zu langsam, wir sind zu kompliziert, und wir müssen die Interessen und die Lagen zusammenbringen. Wir müssen die Planung allgemein beschleunigen; denn wir ersticken in diesem Land in Normen. Es wird eine gesamtheitliche Aufgabe dieser Bundesregierung sein, Deutschland wieder nach vorne zu bringen. Das merken wir dann im Bau, aber auch in anderen Bereichen.

Als ich über Normen sprach, hatte ich schon kurz den Gebäudetyp E genannt. Das bedeutet einfaches, entbürokratisiertes Bauen, auf den Schnickschnack zu verzichten, dessen Mehrwert man auch nicht richtig spürt. Dann kommt man auch zu Baupreisen von 2 000 bis 3 000 Euro pro Quadratmeter anstatt wie jetzt zu 5 000 bis 6 000 Euro.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
ca. 37 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der soziale Wohnungsbau wurde als eine sehr wichtige Säule für den Wohnungsbau generell dargestellt, aber auch für barrierefreien, bezahlbaren Wohnraum. Wie können Sie das aus Ihrer Sicht realisieren? Was sind die Vorhaben Ihres Hauses?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
2 Vermerkeca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der soziale Wohnungsbau macht einen großen Teil meines Haushalts aus. Wir haben 3,5 Milliarden Euro dieses Jahr dafür vorgesehen. Das wollen wir schrittweise verstärken; denn wir brauchen noch mehr bezahlbare Sozialwohnungen. Gerade viele gemeinwohlorientierte Unternehmen bewerben sich auf entsprechende Projekte in den Ländern. Das wollen wir fortsetzen und noch mehr sozialen Wohnraum bauen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Katalin Gennburg
Foto: Die Linke, LV Berlin / Andreas Domma
1 Vermerkca. 140 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Ministerin, reden wir doch mal über illegale Ferienwohnungen. Durch die Umwandlung in solche Wohnungen geht Wohnraum massiv verloren und schießen die Mieten in die Höhe. Die spanische Regierung hat jetzt die Vermietung von 65 935 Wohnungen über das Onlineportal Airbnb gestoppt. Insbesondere aus größeren Städten und Tourismusregionen wissen wir, dass durch Airbnb und viele Ferienwohnungen Innenstädte veröden, dass die Mieten massiv steigen, dass Wohnungen verloren gehen und Zwangsräumungen an der Tagesordnung sind.

Sie sagen immer: Bauen, bauen, bauen! – Mit Blick auf Airbnb und die Wohnraumkrise möchte ich wissen: Was tun Sie ganz konkret, um Zehntausende Wohnungen – es fallen ja auch hier in Deutschland tagtäglich Wohnungen aus der Vermietung heraus, weil Leute sie lieber über Airbnb vermieten – auf den Mietwohnungsmarkt zurückzuholen und sie als Mietwohnungen zu schützen?

Beifallbei der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 198 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank für Ihre Frage. – Ich kenne die Diskussion auch sehr gut aus meiner Heimatstadt Trier. Da hat sich der Stadtrat ganz konkret mit der Frage beschäftigt, wo das ermöglicht werden soll. Wir können das nicht alles von Berlin aus entscheiden. Wichtig ist mir als erster Schritt, das Vermieten von sogenannten möblierten Wohnungen zu verbieten, die eigentlich gar nicht möbliert sind, sondern dauerhaft zu Wucherpreisen vermietet werden. Eine Wohnung, in der eine alte Ikea-Couch steht und für die man 30 Euro und mehr pro Quadratmeter zahlt, hat einfach nichts mit gutgemeintem Vermieten von möbliertem Wohnraum zu tun.

Das Airbnb-Thema müssen wir aber differenziert betrachten. Die Situation stellt sich je nach Stadt unterschiedlich dar. Aber nicht alles, was neu ist – das gilt für Innovationen generell –, ist auch schlecht. Ich selbst bin auch ab und zu gern in einer solchen Wohnung. Aber wir müssen natürlich schauen, dass es genug Wohnungen gibt und dass wir nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch in den Städten und auch im ländlichen Raum gewährleisten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Katalin Gennburg
Foto: Die Linke, LV Berlin / Andreas Domma
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Frau Ministerin, es ist schade, dass Sie in einer Airbnb-Wohnung wohnen.

Rednerwechsel

Ich war da schon mal im Urlaub.

Aber was tun Sie konkret, um dieses Problems Herr zu werden? Sie haben darüber gesprochen, dass man den Umwandlungsschutz stärken muss. Wenn Leute Wohnungen kaufen, die vorher Mietwohnungen waren, und diese dann über Airbnb anbieten, dann müssen Sie doch eingestehen, dass wir dieses Problem nicht mit „Bauen, bauen, bauen“ lösen können.

Beifallbei der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
2 Vermerkeca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erst mal muss ich kurz klarstellen: Ich war schon mal im Urlaub in einer Airbnb-Wohnung. Jeder kann ja Urlaub machen, wo und wie er will. Ich freue mich, wenn jeder – vom Campingplatz bis zum Hotel – etwas für ihn Geeignetes findet.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Natürlich ist „Bauen, bauen, bauen“ nicht die einzige Antwort. Deswegen habe ich eben skizziert: Wir brauchen den Umwandlungsschutz, der verhindert, dass ein Investor ein Mehrfamilienhaus kauft und dann seine privaten Interessen verfolgt und diese Wohneinheiten dem Wohnungsmarkt entzieht. Wir werden im Ministerium Ideen dazu entwickeln.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU]
Porträt von Otto Strauß
Foto: Otto Strauß
1 Vermerkca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie haben vorhin gesagt, dass Sie auch einen Mietpreisdeckel einführen wollen. Wie sollen Sie denn Investoren dazu bewegen, zu bauen, wenn sie davon ausgehen müssen, dass sie Verluste machen statt Gewinne? Man baut ja privat, um Gewinne zu erzielen. Wie viele Milliarden wollen Sie denn eventuell an Subventionen ausgeben, damit mehr gebaut wird? Das kann nicht der Sinn der Sache sein.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Wie möchten Sie preiswerter bauen, und wie wollen Sie dafür sorgen, dass private Investoren wirklich bereit sind, auch in den Bau zu investieren?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 138 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zur Klarstellung: Ich habe nicht über den Mietpreisdeckel, sondern über die Mietpreisbremse gesprochen. Die haben wir schon. Die gilt – das finden Sie im Gesetz – nicht für Neubauten, und deswegen ist die Sorge der Investoren, die natürlich auch ich immer wieder höre – „dann baut doch keiner mehr eine Wohnung“ –, an der Stelle unbegründet.

Was wollen Investoren? Verlässliche Rahmenbedingungen und ein gutes Umfeld, also dass sie hier schnell bauen können, dass wir die Rahmenbedingungen so setzen, dass das in diesem Land auch kostengünstig gelingt. Und dann kann man hier sogar als neuer Investor preisgünstig eine Wohnung bauen und findet sogar noch Mieterinnen und Mieter, die darin auch gerne und gut wohnen wollen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Otto Strauß
Foto: Otto Strauß
ca. 57 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, habe ich. – Der Staat ist für ungefähr 40 Prozent der Baukosten verantwortlich. Also, das ist die Staatsquote, die der Staat gerne hat, wenn gebaut wird. Jetzt meine Frage: Wie wollen Sie die Baukosten nach unten drücken, damit die Vorstellung von 15 Euro pro Quadratmeter wirklich umgesetzt werden kann? Bitte mal eine konkrete Antwort.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben ja schon selbst auf den großen Anteil, den wir als Staat haben, hingedeutet. Da müssen wir durch diesen Wald durch und dürfen wirklich nichts aufeinander liegen lassen. In der letzten Legislatur hatten wir das Bündnis bezahlbarer Wohnraum, das über 170 Maßnahmen entwickelt hat, wo eben alle an einem Strang ziehen müssen.

Bei den 15 Euro pro Quadratmeter müssen wir an andere Stellschrauben ran, nämlich an die sogenannten Finanzierungskosten. Hier kann der Staat mit seinem Baukasten an Garantien auch die gute Bonität zur Verfügung stellen und diesen großen Kostenblock runterbekommen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
ca. 171 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – In meinem Wahlkreis Neukölln wird massiv mit Wohnungen spekuliert. Menschen werden ganz häufig aus ihren Wohnungen vertrieben, um die Wohnungen zu sanieren und sie dann teuer zu verkaufen. In einem anderen Fall wird möbliert vermietet, um Mieten durch die Decke schießen zu lassen. Vor Ort tun wir alles, um das zu verhindern, und es wurde auch gerade untersagt, aber der Baustadtrat ist in einer Grauzone. Wann wird das ganz konkret geregelt?

Der zweite Fall ist, dass die Frage des Vorkaufsrechts auch nicht mehr klar geregelt ist. Auch dort ist der Baustadtrat –

– vor Ort in einer Grauzone, –

– und auch da brauchen wir eine klare Regulierung, –

– dass das Vorkaufsrecht möglich ist. Wann kommt es?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 166 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Einige Vorhaben mietrechtlicher Natur haben wir im Koalitionsvertrag sehr konkret ausbuchstabiert. Aber wir haben auch miteinander vereinbart, dass es eine sogenannte Expertenkommission geben wird, die meine Kollegin Stefanie Hubig einsetzt. Die wird bis Ende nächsten Jahres noch mal konkrete Vorschläge erarbeiten und sich natürlich auch mit der Bandbreite der Problemlage, wie Sie sie gerade für Neukölln beschrieben haben, beschäftigen. Da gucken wir uns aber auch zum Beispiel noch mal das große Problem der Indexmieten an. Da werden all die Dinge adressiert.

Wir alle sind hier konstruktiv gewillt, die beiden Interessen übereinanderzubekommen: einen starken Mieterschutz, aber auch Vermietende, die natürlich Lust haben, –

Rednerwechsel

– zu investieren und Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
2 Vermerkeca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Sie haben gerade gesagt: Ja zur Mietpreisbremse, nein zum Mietendeckel. Letzteres finde ich sehr bedauerlich; denn der Berliner Mietendeckel war das einzige Instrument in den letzten Jahren, das den Mietenanstieg wirklich wirkungsvoll gestoppt hat.

Das sind die Fakten: 3 Milliarden Euro an Einsparungen für Berliner Mieterinnen und Mieter. Die Mietpreisbremse hingegen wirkt nicht. Wie wollen Sie konkret nachbessern, damit sie den Mietenanstieg wirklich eindämmen kann? Das ist meine Frage.

Beifallbei der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
3 Vermerkeca. 158 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Kollegin Lay, erst mal möchte ich widersprechen: Die Mietpreisbremse wirkt natürlich; denn wenn wir sie nicht hätten, dann hätten wir ganz andere Situationen überall im Land.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Deswegen ist es auch dringend erforderlich, dass wir sie verlängern.

Wir haben aber natürlich einen Markt, der Daseinsvorsorge bedeutet. Ein Dach über dem Kopf ist nicht wie ein Auto, das ich mir kaufe, oder ein neues Handy. Deswegen müssen wir uns anschauen: Wie schaffen wir mehr gemeinwohlorientierten Wohnraum?

Wie senken wir die Nachfrage?

Stichwort „soziale Wohnungen“, die wir fördern, Stichwort „neue Wohngemeinnützigkeit“, aber eben auch dadurch, dass die Expertenkommission noch mal wirklich die ganze Bandbreite der regulatorischen Möglichkeiten auf den Prüfstand bringt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, bei der Mietpreisbremse sind sich die Experten einig, dass sie gar nichts bringt. Seit Einführung der Mietpreisbremse sind die Mieten in Deutschland – egal ob auf dem Land oder in der Stadt – im Schnitt um 45 Prozent gestiegen. In Städten wie Berlin beispielsweise sind die Mieten seit Einführung der Mietpreisbremse um über 100 Prozent gestiegen.

Warum glauben Sie denn, dass sich jetzt mit der Fortsetzung der Mietpreisbremse daran etwas ändert? Was werden Sie tun, damit sie wirklich greift? Denn im Moment sind sich die Experten alle einig und die Zahlen sprechen ganz klar dafür, dass sie nichts bringt.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
3 Vermerkeca. 157 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ihre Experten finde ich sehr spannend.

Die Zahlen!

Denn das Problem ist nicht behoben; da stimme ich Ihnen zu. Aber die Mietpreisbremse ist ein ganz essenzielles Puzzleteil, damit wir überhaupt etwas gegen diese steigenden Mieten tun und den Preisanstieg dämpfen.

Die bringt doch nichts!

Wir haben auch Bewertungen dessen. Wir sind ja kein Land, wo man sagt: Jetzt machen wir mal mit und mal ohne. – Es gibt aber auch die Betrachtung und die Berechnungen, die eben sagen: Die Mietpreisbremse wirkt. – Und dass Sie nicht immer an Fakten glauben, wundert mich jetzt auch nicht.

Die Fakten waren die Zahlen!

Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 247 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin Hubertz, ich möchte ganz gerne wieder zu Ihrem Geschäftsbereich zurückkommen und nicht nur zum Geschäftsbereich der Justizministerin sprechen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Ich möchte vorwegschicken, dass wir als Union es sehr begrüßen, dass eine Bauministerin sagt: Bauen, bauen, bauen! – Das ist aus unserer Sicht genau das, was wir brauchen: Wir dürfen uns nicht so stark alleine mit Regulierungsfragen auseinandersetzen, sondern wir müssen am Ende das Problem an den Wurzeln packen. Deswegen müssen wir die Märkte wieder in einen Ausgleich bringen, und deswegen ist Bauen das Richtige.

Ich möchte darauf zurückkommen, dass Sie gesagt haben: Wir brauchen Tempo. – Das unterstreichen wir ausdrücklich. Den Wohnungsbau-Turbo haben Sie genannt. Da gab es ja schon Vorgängerideen, Entwürfe, die die Ampel entwickelt hatte. Wir haben im Koalitionsvertrag sehr klar gesagt, dass wir das in den ersten 100 – bzw. jetzt sogar 70 – Tagen, bis zur Sommerpause, bringen wollen.

Wir sind der Auffassung: Es muss vor allen Dingen ein umfassender Bau-Turbo sein. Er muss maximale Wirkung entfalten. Das heißt, er muss bundesweit gelten, nicht nur auf den angespannten Märkten – das hatten Sie gerade schon angedeutet –, und er muss den Kommunen überlassen, zu entscheiden, was da genau gebaut werden kann.

Deswegen würde ich mich freuen, wenn Sie noch einmal ganz kurz Ihre Ideen, Ihre Überlegungen skizzieren könnten, wann wir mit einem solchen Vorschlag rechnen könnten.

Zurufvon der AfD: Tolle Frage!
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 211 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Kollege Luczak. Wir sind jetzt gerade bei den vorbereitenden Maßnahmen, sodass wir schnell in die Ressortabstimmung und in die Frühkoordinierung gehen können. Also, da ist schon einiges geleistet. Der Kollege Bartol betreut das mit mir zusammen im Bauministerium, und auch wir wollen das maximal Mögliche. Wir müssen jetzt nicht irgendwie alles lange zurückhalten, was denn auch ginge. Wir wollen auf jeden Fall einen mutigen, proaktiven Ansatz wählen. Ich möchte aber jetzt hier noch nicht zu sehr aus dem Gesetzestext zitieren, um auch dem Prozess in der Regierung erst mal Raum zu geben.

Wichtig ist aber: Das hat mehrere Facetten. Neben dem Bau-Turbo brauchen wir im BauGB auch noch ein paar andere Dinge, die Lärmregulierungen zum Beispiel: Wie nah darf eine Wohnung an einem Gewerbe oder an einem Volksfest sein? Wir müssen uns an der Stelle mal mit der TA Lärm beschäftigen und da dann auch pragmatisch lösen, womit sich alle mit Kenntnislage beschäftigen. Daneben ist natürlich auch das Thema Umwandlungsschutz direkt mit zu adressieren. Aber das BauGB bietet noch mehr. Deswegen machen wir irgendwann in der Legislatur einen zweiten Schritt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 146 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr gerne. Vielen Dank. – Noch mal zurückkommend auf das Thema Tempo: Wir haben ja einen sehr großen Bauüberhang in Deutschland: viele Hunderttausend Wohnungen, wo wir Genehmigungen haben, wo aber nicht gebaut wird. Das hat vor allen Dingen auch etwas damit zu tun, dass in den letzten Jahren die Verlässlichkeit und Planbarkeit bei den Förderbedingungen nicht ausreichend gewährleistet waren.

Deswegen ist für uns ganz wichtig – das haben wir im Koalitionsvertrag ja festgelegt –, dass wir den EH55-Standard wieder förderfähig machen wollen, damit eben möglichst schnell aus diesen Bauüberhängen tatsächlich auch Wohnungen werden, in denen die Menschen zu bezahlbaren Konditionen wohnen können.

Hört! Hört!

Ich würde mich freuen, wenn Sie vielleicht kurz sagen könnten, wo wir da aktuell stehen.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der Bauüberhang ist eine tolle Reserve; denn wir haben über 800 000 Baugenehmigungen, wo in großen Teilen der Bau einfach noch nicht begonnen wurde. Das heißt: Wenn die schnell angereizt werden können, haben wir richtig was gewonnen, weil alles Formale schon erledigt ist. Und den Prüfauftrag aus dem Koalitionsvertrag mit der Frage „Wie kann man das vielleicht auch finanziell anreizen?“ schauen wir uns jetzt gerade im Rahmen des Haushaltsaufstellungsverfahrens an.

Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
ca. 132 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, wir sind uns einig, dass die steigenden Mieten zum sozialen Problem in Deutschland geworden sind. Sie reden jetzt hier über den Bau-Turbo. Und ja, wir sind uns einig: Es muss gebaut werden; denn es fehlen Wohnungen. Wir wissen aber auch, dass die Regulierung und die steigenden Baupreise zum Problem auf dieser Seite führen. Also, neues Angebot an Wohnungen schaffen ist ein Problem in Deutschland. Haben Sie sich mal darüber Gedanken gemacht, dass wir auch auf der Nachfrageseite – nach Wohnungen – operieren könnten?

Rednerwechsel

Denn wir haben beispielsweise die höchste Einwohnerzahl Deutschlands aktuell.

Rednerwechsel

Also, was machen Sie für die Nachfrageseite?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Na ja, jeder, der gerne in unserem Land leben möchte und sich an unsere Spielregeln hält, der ist hier auch herzlich willkommen. Deswegen werde ich jetzt nicht die Nachfrage hier im Land kontrollieren oder in irgendeiner Weise steuern. Wer hier wohnt, hat auch ein Recht auf ein Dach über dem Kopf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Clara Bünger [Die Linke]
Porträt von Stephan Stracke
Foto: Tobias Koch
ca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Sie wollen ja beim Thema Bauen aufs Tempo drücken; das ist auch richtig. Dazu gehören ja auch eine Straffung und Vereinfachung der Planungs- und Genehmigungsverfahren, beispielsweise ein Verfahren für alle. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie denn gerade, um die Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich zu beschleunigen?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Kollege Stracke. – Wir müssen standardisierter werden, wir müssen einfacher werden. Und wenn wir uns das Land anschauen: Wir haben 16 Landesbauordnungen. In einigen Ländern wird schon total Gutes gemacht, wie zum Beispiel in Hamburg. Die haben den sogenannten Hamburg-Standard. Warum nehmen wir den nicht und sagen in der Bauministerkonferenz: „Den packen wir jetzt mal auf die anderen Bundesländer, und wir suchen Mitmacher“? Wenn wir über Standardisierung reden, geht es auch über die Digitalisierung, aber beim Umweltschutz auch über Kataster. Also, jedes Ressort muss wirklich gucken: Wo wird jetzt Zeit verbraucht, und wie kriegen wir möglichst schnell einen Entscheidungsprozess und die Probleme gelöst?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
3 Vermerkeca. 215 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an den Bundesinnenminister. Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt, am ersten Tag in Ihrem Amt haben Sie der Bundespolizei die Weisung erteilt, Schutzsuchenden die Einreise zu verweigern. Weder aus dem Text der Weisung noch aus öffentlichen Stellungnahmen ist bisher klar, auf welche Grundlage sich die Bundesregierung hierbei rechtlich stützt.

Zurufvon der CDU/CSU: Oah!

Vor genau einer Woche haben Sie im Interview im „Morgenmagazin“ auf Artikel 72 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verwiesen und es damit gerechtfertigt. Ein paar Stunden später habe ich hier an Ort und Stelle den Kanzleramtschef Frei und den Vizekanzler Klingbeil gefragt, die sich ausweichend dazu verhalten haben

Das stimmt gar nicht! Er hat es doch beantwortet!

und gesagt haben: Artikel 72 AEUV wird nicht benutzt. – Und das ist wirklich eine große Unklarheit, ein heilloses Durcheinander in dieser Frage. Haben Sie da jetzt einen Rechtsbruch ohne Rechtsgrundlage oder einen Rechtsbruch mit Rechtsgrundlage? Also, beziehen Sie sich auf Artikel 72 AEUV, ja oder nein?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das ist gar kein Rechtsbruch!

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
3 Vermerkeca. 202 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege Emmerich, herzlichen Dank für die erwartbare Frage. Aber erster Hinweis: Warum haben Sie eigentlich meine Pressekonferenz damals am ersten Tag nicht angeschaut?

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]

Frage beantworten! Die Frage!

Das wäre ganz interessant gewesen. Ich glaube, man kann es sogar noch nachholen. Da habe ich sowohl darauf hingewiesen, dass etwas vereinbart worden ist, was meine Weisung anbelangt, die an die Bundespolizei gegangen ist, was die Rücknahme einer alten Weisung anbelangt. Und auch da ist die Rechtsgrundlage klar formuliert. Wir beziehen uns auf nationales Recht, § 18 Absatz 2 Asylgesetz, in Verbindung mit Artikel 72 AEUV. Das ist da schon genannt worden in der Pressekonferenz.

Ja, das hat der Regierungssprecher wieder eingesammelt! Und der Bundeskanzler auch!

Zurufvon der SPD: Aha!

Daran habe ich auch danach nichts geändert, und dabei bleibt es. Diese Rechtsgrundlage ist bestehend, und die ist eigentlich doch nachvollziehbar, wenn man bereit ist, zuzuhören. – Herzlichen Dank dafür.

Beifallbei der CDU/CSU

Volltreffer, Marcel!

Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
3 Vermerkeca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Schön, also sagen Sie, dass die sogenannte Notlage gezogen wurde. Es liegt der Verdacht nahe, dass das Ihre Einzelmeinung ist und nicht die Meinung der Bundesregierung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Denn Ihre Kollegen im Kabinett haben anderes hier ausgesagt und auch der Regierungssprecher.

Ich möchte aber noch auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen, nämlich die Belastung der Bundespolizei. Sie haben von Zwölfstundenschichten gesprochen. Wir haben auch jetzt die Situation, dass es da eine große Kündigungswelle gibt, eine hohe Belastung, Fortbildungen finden nicht mehr statt. Meine Frage an Sie: Ist Ihnen klar, dass Sie die Verantwortung dafür tragen, dass wir ein Sicherheitsrisiko bekommen?

Widerspruchbei der CDU/CSU

Und woher kommen eigentlich diese 3 000 neuen Stellen bei der Bundespolizei?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 111 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Erstens. Herr Kollege, da war jetzt in Ihrer Frage eine Unterstellung dabei, die ich natürlich zurückweise. Sie haben von einer Notlage gesprochen. Eine nationale Notlage gibt es hier nicht, sondern letztlich die Anwendung von nationalem Recht, eingebettet in europäisches Recht.

Gegen Europa!

Das ist das, was wir hier machen. Deswegen würde ich Ihnen empfehlen, auch bitte den Versuch der Missinterpretation hier mit einer nationalen Notlage schlichtweg nicht zu tätigen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Filiz Polat
Foto: Filiz Polat/ Annette Koroll
1 Vermerkca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich frage den Bundesminister des Innern. Apropos „europäisches Recht“: Der Bundesfachverband Minderjährigkeit verurteilt zu Recht die von Ihnen am 7. Mai angeordnete Zurückweisung schutzsuchender Menschen an den deutschen Grenzen, da Ihre Anordnung zwar Ausnahmen für sogenannte vulnerable Personen vorsieht – wie Minderjährige, Familien oder Schwangere –, aber nicht alle vulnerablen Gruppen erfasst, wie zum Beispiel Menschen mit Behinderung, –

Rednerwechsel

– Betroffene von Menschenhandel oder Personen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige schwere Formen von Gewalt erlitten haben.

Rednerwechsel

Wieso haben Sie diese Gruppen ausgenommen?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
3 Vermerkeca. 149 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kollegin Polat, erst mal bin ich Ihnen dankbar, dass Sie darauf hinweisen, dass es uns ein wichtiges Anliegen war, dass wir bei der Anwendung von § 18 Absatz 2, den Zurückweisungen, vulnerable Gruppen an der Stelle ausgenommen haben. Ich halte das auch ausdrücklich für richtig an dieser Stelle.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir nehmen unsere humanitäre Verantwortung wahr.

Ich weise weiterhin darauf hin, dass die Polizei vor Ort das in einer hervorragenden, sensiblen Art und Weise macht.

Das war nicht meine Frage!

Alles, was mir an bisherigen Berichten dazu vorliegt, bestätigt, dass genau das passiert: dass die vulnerablen Gruppen hier von Zurückweisungen ausgenommen sind. – Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
1 Vermerkca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesinnenminister, auch an unserer nördlichsten Grenze zu Dänemark wird ja seit Ihrer Amtsübernahme verstärkt kontrolliert. Die Gewerkschaft der Polizei hat mitgeteilt, dass man diesen Aufwand nur noch wenige Wochen durchhalten kann. Es fehle den Kolleginnen und Kollegen an moderner Ausrüstung. Eine ähnliche Frage gab es eben schon. Deshalb jetzt noch mal meine Nachfrage: Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen und werden Sie ergreifen, um dieser Überlastung Ihrer Beamtinnen und Beamten entgegenzutreten? Und wie rechtfertigen Sie eigentlich die Verhältnismäßigkeit dieser Kontrollen an der dänischen Grenze?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, die Kontrollen finden seit letztem Jahr bereits an allen unseren Grenzen statt, den Binnengrenzen zu unseren europäischen Nachbarn. Wir haben sie verstärkt, das heißt, auch gegenüber Dänemark finden diese Kontrollen statt. Wir sind im besten Einvernehmen übrigens mit den dänischen Kolleginnen und Kollegen, die ihrerseits ja die Kontrollen an der dänisch-deutschen Grenze vornehmen. Und deswegen ist es richtig, auch dort mit einer Polizeipräsenz dafür zu sorgen, dass Zurückweisungen theoretisch möglich sind. Ich muss aber dazu sagen, dass es nicht der Hauptfokus der Grenzen in Deutschland ist, –

– aber auch da findet das statt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Ferat Koçak
Foto: Ferat Koçak/ Die Linke
2 Vermerkeca. 125 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Dobrindt, Sie haben ja Erfahrung mit dem Brechen von EU-Recht. Als Verkehrsminister haben Sie 2015 Regelungen zur Pkw-Maut vorgelegt und behauptet, das sei mit EU-Recht vereinbar.

Das hat mit der Frage nichts zu tun!

Es kam bekanntlich anders, und am Ende musste der Steuerzahler 243 Millionen Euro an einen österreichischen Mautbetreiber überweisen.

Rednerwechsel

Neben dem materiellen Schaden durch das Mautdesaster verursachen Sie jetzt auch noch immateriellen Schaden durch den Rechtsbruch im Umgang mit Schutzsuchenden. Werden Sie diesmal zurücktreten, wenn die Gerichte bestätigen, dass Sie in Sachen Migration wieder EU-Recht verletzt haben?

Beifallbei Abgeordneten der Linken
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
4 Vermerkeca. 203 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, herzlichen Dank. – Ich habe ja auf die Rechtsnorm verwiesen, die wir an dieser Stelle anwenden, möchte aber die Chance nutzen, den zweiten Teil der Frage, die ich nicht beantworten konnte, jetzt mit diesen 20 Minuten noch zu füllen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Schade, Frau Präsidentin. Das wäre schön gewesen. – Dann: mit diesen 20 Sekunden zu füllen; jetzt sind es noch 10.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es geht schlichtweg darum, dass wir der Bundespolizei durchaus Zumutungen auferlegen, aber in engem Austausch mit ihr sind. Der Bundespolizeipräsident hat heute noch mal bestätigt: Die Bundespolizei ist in der Lage, alles Notwendige zu tun, –

– temporär, aber auch über einen längeren Zeitraum.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Sonja Eichwede [SPD]
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
1 Vermerkca. 68 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister Dobrindt, wir haben im Koalitionsvertrag auch vereinbart, den Zivilschutz, also die zivile Verteidigungsfähigkeit unseres Landes, weiter zu stärken. Gerade angesichts der außenpolitischen, aber auch innenpolitischen Lage ist das sehr wichtig. Deshalb meine Frage: Wie sehen die Pläne Ihres Hauses aus, den Zivilschutz in Deutschland schnell und effektiv zu stärken? – Vielen Dank.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 166 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Der Zivil- und Bevölkerungsschutz wird in dieser Wahlperiode eine der Hauptaufgaben im Sicherheitsbereich sein – übrigens eng vernetzt mit dem militärischen Schutz. Das ist etwas, was wir in der Vergangenheit so nicht gesehen haben und wofür auch nicht die Notwendigkeit bestand. Die Zeitenwende hat es mit sich gebracht, dass es hier richtigerweise eine neue Betrachtung gibt.

Wenn wir jetzt über den Zivil- und Bevölkerungsschutz reden, dann wird klar, dass es uns um eine deutliche Stärkung derjenigen Organisationen geht, die dafür hohe Zuständigkeiten haben, beispielsweise des THWs und der Feuerwehren. Wir brauchen die notwendige finanzielle Ausstattung, damit es zu einer Modernisierung genau dieser Organisationen kommt. Ich werbe dafür, dass wir die Möglichkeit, die es gibt, auch außerhalb der Schuldenbremse Zivil- und Bevölkerungsschutz zu finanzieren, auch nutzen, um sehr schnell in eine Modernisierung genau dieser Organisationen – THW, Feuerwehr und andere – zu kommen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
1 Vermerkca. 63 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr gerne, Frau Präsidentin. – Herr Bundesinnenminister, wir haben auch einen großen Katalog an Sicherstellungs- und Versorgungsgesetzen, in denen durchaus Reformbedarf zum Schutz der Bevölkerung besteht. Sie haben hierfür die federführende Koordinierung. Können Sie uns sagen, wann hierzu Gesetzesreformen aus Ihrem Haus angedacht sind? Ich denke, es ist wichtig, hierauf eine Priorität zu setzen. – Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir gehen hier, Frau Kollegin Eichwede, in die Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen, um genau das zu ermöglichen: dass wir noch in diesem Jahr eine sehr schnelle parlamentarische Umsetzung erreichen. Das ist etwas, was in dem Gesamtkonzept eines Zivil- und Bevölkerungsschutzes auch dringend notwendig ist. Deswegen: Mein Anliegen wäre, dass wir uns im Herbst im Deutschen Bundestag damit befassen können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
1 Vermerkca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Herr Minister, Sie haben das Thema Bevölkerungsschutz gerade schon angerissen. Wir als Abgeordnete wissen ja alle, dass das Thema in Deutschland vor allen Dingen vom Ehrenamt lebt. Und all die Millionen Ehrenamtlichen in Deutschland, die sich in diesem Bereich einsetzen, erwarten, dass wir endlich das Thema der Helfergleichstellung angehen. Wir haben hier immer noch eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Helferinnen und Helfer in verschiedenen Organisationen, und meine Frage ist, ob Sie gedenken, daran etwas zu ändern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jan Köstering [Die Linke]
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Benner, ich kann Ihnen darauf keine abschließende Antwort geben, bin aber bereit, mir das im Detail anzuschauen. Ich kann Ihnen aber heute nicht sagen, inwieweit diese Unterscheidung bei den Helfern eine Grundlage auf einer Rechtsbasis hat oder ob es sich hier schlichtweg um unnötige Unterscheidungen handelt. Ich bin aber bereit, dem Thema entsprechend nachzugehen und dann auch Ihnen darüber zu berichten. – Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Katrin Fey
Foto: Katrin Fey
4 Vermerkeca. 184 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt, Sie betonen, die CSU unterscheide sich klar von der AfD. Doch wenn man sich Ihre Rede vom 16. Mai anschaut,

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

wird dieser Unterschied zunehmend unklar.

AfD: dauerhafte stationäre Grenzkontrollen an allen Außengrenzen Deutschlands. – Sie: Einführung zusätzlicher stationärer Grenzkontrollen mit über 1 000 Bundespolizisten und Zwölfstundenschichten. – AfD: Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte vollständig stoppen. – Sie: Ankündigung, den Familiennachzug für bestimmte Gruppen auszusetzen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Zurufdes Abg. Martin Hess [AfD]

AfD: Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan. – Sie: Wir werden nach Afghanistan und Syrien abschieben. – AfD: Einführung von Ausreisezentren oder Ausreisehaft zur schnelleren Abschiebung. – Sie: „Haft oder Heimflug“.

Wenn ich das lese, klingt es so, als gebe es da keinen großen Unterschied. Ihnen wird ja auch häufig vorgeworfen, dass die Union bei der AfD abschreibt.

Beifallbei der AfD

Können Sie mir jetzt noch einmal deutlich den Unterschied –

Rednerwechsel

– zwischen Ihrer Migrationspolitik und der AfD erklären? – Danke schön.

Beifallbei der Linken
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
4 Vermerkeca. 173 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Kollegin, ich hoffe, Ihnen ist aufgefallen, woher der Applaus für Ihre Wortmeldung kam.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Da möchte ich Ihnen an dieser Stelle einfach mal sagen: Überraschen tut mich diese Wortmeldung schon; denn wenn ich an die Nähe zu Putin denke, würde ich mal sagen: Sie haben Gemeinsamkeiten mit denen und wir nicht.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der Linken

Und dann würde ich Ihnen empfehlen, sich auch weiter damit zu beschäftigen. Die CSU ist eine proeuropäische Partei. Die Parteien der Mitte in diesem Parlament zeichnen sich dadurch aus, dass sie proeuropäische Parteien sind.

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Da kann man bei Ihnen Zweifel haben und bei denen sowieso.

Porträt von Katrin Fey
Foto: Katrin Fey
1 Vermerkca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie bezieht sich noch mal auf die Rechtsstaatlichkeit zur Abschiebehaft. Der Rechtsbeistand für Geflüchtete soll abgeschafft werden. Das heißt, diese Menschen werden bei freiheitsentziehenden Maßnahmen nicht mehr anwaltlich vertreten, was ich als zutiefst rassistisch empfinde. Ich frage Sie: Wo ist hier die Rechtsstaatlichkeit? Wie stellen Sie sich das vor Gericht vor?

Beifallbei der Linken
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir werden diesen Rechtsbeistand in der Abschiebehaft abschaffen; das ist auch folgerichtig.

Beifallbei der CDU/CSU

Wer sich in Abschiebehaft befindet, hat alle rechtlichen Maßnahmen negativ durchlaufen und steht vor der Abschiebung, und deswegen muss die durchgeführt werden, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 88 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – In der Ausgangsfrage ging es ja um Gemeinsamkeiten mit der oder Abgrenzung zur AfD, Herr Dobrindt. Im März 2018 haben Sie Ihren damaligen Parteichef Horst Seehofer verteidigt und wörtlich geäußert: „Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland“ – 20. März 2018. Und Sie haben gesagt, bei der Debatte über den Islam in Deutschland gäbe es einen Maulkorb. Wie steht der heutige Bundesinnenminister zu seiner Aussage aus dem Jahr 2018 – ich zitiere –: „Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland“?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
4 Vermerkeca. 152 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Brandner,

Herr Dobrindt!

es ist eine zulässige Aussage: Der Islam gehört zu Deutschland.

Nicht zu Deutschland!

Darf ich ausreden?

Es ist eine zulässige Aussage: „Der Islam gehört zu Deutschland“, und es ist eine zulässige Aussage: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Ich will Ihnen an der Stelle unmissverständlich mitteilen: Menschen, die muslimischen Glaubens sind in Deutschland, die gehören auch zu diesem Land, wenn sie in dieser Gesellschaft gerne leben, sich integrieren wollen und mit uns leben wollen. Das ist unsere Haltung an dieser Stelle.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das passt aber mit der Aussage nicht zusammen!

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
ca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, die Kollegin der Linken hat ja auf angebliche Gemeinsamkeiten zwischen der CDU/CSU und der AfD verwiesen. Sie hat dabei insbesondere angeblich dauerhafte Grenzkontrollen benannt. Vielleicht können Sie einmal das Ziel und vor allem die Dauer von Grenzkontrollen darstellen; denn wir wollen die Freizügigkeit für die Freizügigkeitsberechtigten erhalten, gleichzeitig aber darauf drängen, dass dies nur im Rahmen des Notwendigen erfolgt.

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, dass ich noch einmal die Gelegenheit bekomme, darauf einzugehen. – Auch in dieser Frage war eine Unterstellung enthalten. Wir reden nicht davon, dass wir dauerhafte Grenzkontrollen an den Binnengrenzen Europas wollen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir wollen, dass Grenzkontrollen an den Binnengrenzen entfallen, indem wir das Migrationsgeschehen an den Außengrenzen der Europäischen Union bearbeiten.

Beifallbei der CDU/CSU

Für den Weg dahin brauchen wir die Binnengrenzkontrollen; aber langfristig müssen diese in Europa wieder entfallen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Chantal Kopf
Foto: Chantal Kopf/ Dominik Butzmann
1 Vermerkca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesinnenminister Dobrindt, Sie haben eben klargestellt, dass Sie sich auf Artikel 72 AEUV berufen. Da dieses Land ja nicht immer die besten Erfahrungen mit Ihrer freihändigen Interpretation von europäischem Recht gemacht hat, wollte ich noch mal nachhaken, auf welcher genauen Fakten- und Datenbasis Sie die Aktivierung von Artikel 72 AEUV hier in Betracht ziehen.

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 146 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Schauen Sie, ich habe Ihnen die Normenkette noch mal verdeutlicht, weil ja Zweifel daran gehegt worden sind, ob ich sie genannt hätte; deswegen auch noch mal der Hinweis an dieser Stelle, um was es geht.

Ich will Ihnen auch sagen, dass wir uns in unserer Debatte hier im Deutschen Bundestag in der letzten Woche genau darüber unterhalten haben. Ich habe davon gesprochen, dass Deutschland mit der Migration, die seit zehn Jahren in erheblichem Maße stattfindet, an vielen Stellen am Limit ist. Und dieses Limit rechtfertigt es schlichtweg, dass wir Maßnahmen ergreifen wie andere Länder auch. Österreich beispielsweise bezieht sich beim Aussetzen des Familiennachzuges auch auf den Artikel 72 AEUV. Deutschland tut das eben auch.

Beifallbei der CDU/CSU

Herzlichen Dank, Herr Minister. – Für die nächste Hauptfrage erteile ich das Wort dem Abgeordneten Martin Hess von der AfD.

Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
ca. 158 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister, die Messerkriminalität in Deutschland nimmt stark zu. Im Jahr 2024 hatten wir 29 014 Delikte zu verzeichnen, das bedeutet 79 pro Tag. Es gab also alle 18 Minuten ein Messerdelikt. In der Folge sehen sich auch Polizeibeamte in ihrem Einsatzgeschehen immer häufiger mit Messertätern konfrontiert und sind aufgrund des Versagens des Pfeffersprays leider meist gezwungen, die Schusswaffe einzusetzen.

Die Alternative für Deutschland fordert seit Jahren, dass auf diese Entwicklung reagiert wird und die Bundespolizei endlich mit dem DEIG, dem Distanzelektroimpulsgerät, umgangssprachlich „Taser“ genannt, ausgestattet wird. Ihre Vorgängerin von der SPD, Frau Faeser, hat sich dieser Ausrüstung beharrlich verweigert. Sie hat einen Prüfauftrag erteilt, obwohl die Unbedenklichkeit und die Effektivität des Tasers als Einsatzmittel längst nachgewiesen sind. Meine Frage an Sie: Werden Sie, notfalls auch gegen den Widerstand Ihres Koalitionspartners, der SPD, die Bundespolizei mit dem Taser ausstatten, und, wenn ja, bis wann konkret ist mit einer Ausstattung zu rechnen?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens. Ich bin in einem engen Austausch mit unserem Koalitionspartner, und wir verständigen uns auf gemeinsame Projekte, die wir umsetzen wollen. So ist es auch in diesem Fall.

Zweitens. Ich bin ein überzeugter Anhänger des Tasers. Ich bin der Überzeugung, dass der Taser eingesetzt und eingeführt werden soll. Wir werden das auch möglichst schnell tun, indem wir dafür sorgen, dass es in der Koalition eine Mehrheit für die Einführung des Tasers bei der Polizei gibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Hess, haben Sie eine Nachfrage? – Bitte schön.

Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, ich nehme zunächst erfreut zur Kenntnis, dass auch Sie die Auffassung der AfD-Fraktion teilen, dass Taser Bestandteil der Ausstattung der Bundespolizei sein müssen. Allerdings ist die Antwort, die Sie mir im Hinblick auf den zeitlichen Aspekt gegeben haben, natürlich nicht zufriedenstellend. Ich bitte Sie deshalb noch mal, darzustellen, mit welchem Zeithorizont bezüglich dieser Ausstattung grob zu rechnen ist: 6 Monate, 12 Monate, 24 Monate? Sehen Sie darüber hinaus, dass weitere Ausstattungsinstrumente erforderlich sind, insbesondere zum Beispiel stich- und schnitthemmende Schutzkomponenten?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 137 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Grundlage zur Einführung des Tasers wird in meinem Haus gerade vorbereitet. Ich kann Ihnen heute keinen zeitlichen Rahmen geben, wann das möglich sein wird. Der Hinweis, dass wir das umsetzen wollen, sollte für heute mal reichen.

Zu Ihrem weiteren Hinweis, was die Ausstattung der Bundespolizei anbelangt, will ich Ihnen sagen: Wir haben größtes Interesse daran, dass die Bundespolizei gerade unter diesen Bedingungen die bestmögliche Ausstattung bekommt. Daran werden wir auch arbeiten. Ich sage aber: Bestmögliche Ausstattung ist das eine, maximale Rückendeckung aus der Politik das andere. Und das bekommt die Polizei von uns.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank, Herr Minister. – Nachfragen liegen uns nicht vor.

Damit kommen wir zu nächsten Hauptfrage. Für diese erteile ich dem Abgeordneten Stefan Seidler das Wort.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Bundesinnenminister, es wird Sie nicht wundern, dass ich Sie zum Thema Minderheiten frage. Bereits in der Plenardebatte letzte Woche war es mir wichtig, die Zusammenführung der Minderheitenpolitik in Ihrem Haus anzusprechen. Grundsätzlich begrüße ich ja die Entscheidung, dass die Kulturförderung unserer nationalen Minderheiten aus dem Bundeskanzleramt ins BMI überführt wird. Bisher liegen mir aber keine Informationen vor, ob und in welchem Maße die Haushaltsmittel aus den Töpfen des BKM in Ihren Einzelplan überführt werden. Können Sie dazu etwas sagen? Und können Sie vielleicht auch sagen, ob das in gleicher Höhe vorgesehen ist, wie es bereits im Zuge der Aufstellung des Haushalts 2025 geschehen sollte?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 104 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, Herr Kollege, darauf kann ich Ihnen keine abschließende Antwort geben. Die Umsetzung des Organisationserlasses ist gerade in Arbeit, das heißt, sie wird zwischen den Häusern abgestimmt. Was das im Detail bedeutet, auch bezüglich der Finanzen, kann ich jetzt nicht vorwegnehmen. Die Bundesregierung ist in Abstimmung mit dem Finanzministerium gerade dabei, die Beratung der Haushalte 2025 und 2026 im Kabinett und dann im Deutschen Bundestag vorzubereiten. Sobald der Organisationerlass entsprechend der Vereinbarung umgesetzt ist, können wir auch über die Finanzzahlen bessere Auskunft geben als heute.

Beifallbei der CDU/CSU

Kollege Seidler, haben Sie eine Nachfrage?

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, ich habe eine Nachfrage. – Danke schön, Herr Minister, wir sind dann gespannt auf die Antwort. – Die vorläufige Haushaltsführung stellt viele unserer ehrenamtlichen Organisationen, auch die Minderheitenorganisationen, vor enorme Herausforderungen. In einem Rundschreiben des BMF vom Montag wird darauf hingewiesen, dass die im Rahmen des Haushaltsverfahrens zum ersten Regierungsentwurf gemachten Beschlüsse des Haushaltsausschusses verbindlich berücksichtigt werden sollen. Gilt das analog auch für die in Ihr Haus überführten Titel? Vielleicht können Sie dazu schon etwas sagen.

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 116 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, auch dazu kann ich an dieser Stelle keine Aussage treffen. Aber es werden zurzeit Bedarfe identifiziert, die im Haus dann nicht nur angemeldet, sondern im bilateralen Verfahren mit dem BMF besprochen werden. Ich darf deswegen auch die Gelegenheit wahrnehmen: Wir sehen dringendsten Bedarf bei den Integrationsprogrammen, die aus unserer Sicht für dieses Jahr nicht ausreichend mitfinanziert werden. Wir stehen deswegen in einem engen Austausch mit dem BMF, um sicherzustellen, dass ausreichende Finanzierungen dafür noch in diesem Jahr bereitgestellt werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Danke, Herr Minister. – Für eine weitere Nachfrage erteile ich das Wort dem Abgeordneten Mirze Edis von der Linken.

Porträt von Mirze Edis
Foto: Mirze Edis
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister, bei einem Gespräch mit Menschen aus der Politik hat Herr Merz mal gesagt, dass Sie vernünftige Menschen an den Grenzen nicht anhalten werden, nur die unvernünftigen. Wie unterscheidet man zwischen vernünftigen und nicht vernünftigen Menschen? – Danke sehr.

Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
ca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Dobrindt, Sie haben in verschiedenen Beiträgen gerade die hohe Wertschätzung gegenüber den Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei kundgetan. Ich glaube, wir sind uns in diesem Hause alle einig, dass sie in einer herausfordernden Situation große Arbeit leisten. Jetzt ist Wertschätzung das eine; Sie sind auch hingefahren; einer Ihrer ersten Termine im Amt war bei der Polizei. Das andere ist, eine moderne taugliche Rechtsgrundlage für die Arbeit der Bundespolizei zu schaffen, aber auch der Sicherheitsbehörden insgesamt. Deswegen die Frage: Was planen Sie konkret im Hinblick auf die Modernisierung der Grundlage für die Arbeit der Bundespolizei, aber auch für die Sicherheitsbehörden insgesamt in Deutschland?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 215 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, dass Sie darauf hingewiesen haben, dass ich an einem meiner ersten Tage im Amt die Gelegenheit wahrgenommen habe, die Polizistinnen und Polizisten der Bundespolizei im Einsatz an der Grenze zu besuchen. – Ich darf darauf hinweisen, dass ich auf eine hochmotivierte Gruppe von Polizistinnen und Polizisten gestoßen bin, die ihren Dienst sehr gerne und aus Überzeugung tun und auch sehr dankbar sind, dass sie diesen Dienst so tun dürfen; und wir dürfen dankbar sein, dass sie den zum Schutz und zur Sicherheit der deutschen Bevölkerung tun. Sie haben es formuliert: Es geht auf der einen Seite um Wertschätzung. Auf der anderen Seite geht es darum, dass wir auch die notwendigen Rahmenbedingungen für die Polizistinnen und Polizisten schaffen müssen.

Wir wollen das Bundespolizeigesetz reformieren. Das ist aus meiner Sicht dringend notwendig. Es ist von 1994. Daran sieht man, dass digitale Möglichkeiten damals noch gar keine Berücksichtigung finden konnten. Mit der vorgesehenen Modernisierung im Bundespolizeigesetz wollen wir die Nutzung digitaler Möglichkeiten einbauen, zum Beispiel die Nutzung von Quellen-TKÜ, von künstlicher Intelligenz bei Nachverfolgungen. Das ist das, was wir umgehend umsetzen wollen, um die Bundespolizei auf einen modernen Stand zu bringen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herzlichen Dank. – Haben Sie eine Nachfrage? – Bitte.

Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
ca. 45 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Stichwort „digitaler Raum“: Vieles hat sich verlagert. Sie haben Instrumente angesprochen; die IP-Adressen-Speicherung ist ein weiteres. Was konkret versprechen Sie sich in diesem Zusammenhang in Richtung Einsatzmöglichkeiten, aber vielleicht auch in Richtung Effizienzsteigerungen bei den Sicherheitsbehörden?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch die IP-Adressen-Speicherung ist ein wesentliches Element. Es ist allerdings ein Element, das im Bereich des BMJ angesiedelt ist. Aber wir befinden uns in enger Abstimmung mit dem BMJ über diese Frage; denn ich bin der Überzeugung, dass das ein dringend notwendiges Mittel ist, um dafür zu sorgen, dass wir Täter identifizieren können. Heute ist es oftmals das einzige Mittel und die einzige Möglichkeit, um Verbrechen im digitalen Raum nachzuverfolgen und aufzudecken. Deswegen ist das eine der notwendigsten Maßnahmen, die wir gemeinsam umsetzen sollten.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Minister. – Die nächste Nachfrage hat Konstantin von Notz, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Konstantin von Notz
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister, ich will noch mal nachhaken; denn der Kollege Henrichmann hat meiner Ansicht nach die Frage anders gemeint. Es geht um Cybersicherheit. Und die Frage ist: Was tun Sie für die Cybersicherheit? Die Union hat im letzten Jahr die Gespräche zur Umsetzung von NIS 2 und zur Erhöhung der Cybersicherheit leider verweigert. Jetzt sind Sie sehr spät dran. Die Hütte brennt lichterloh. Was tun Sie wann, um die Cybersicherheit in Deutschland endlich zu erhöhen?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr von Notz, meiner Erinnerung nach war es die vergangene Regierung, die es nicht geschafft hat, dass KRITIS-Dachgesetz umzusetzen.

Beifallbei der CDU/CSU

16 Jahre CDU-geführte Regierung!

Von daher sind wir nicht spät dran. Wir sind sehr früh dran, das, was Sie versäumt haben, nachzuholen, und das ist genau die Aufgabe, die wir wahrnehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wann? Wann, Herr Dobrindt? Die Frage ist nicht beantwortet!

Herr von Notz, es sind keine weiteren Nachfragen Ihrerseits möglich. – Es gibt eine letzte Nachfrage; dann kommen wir zur nächsten Hauptfrage. Kollegin Mihalic.

Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
2 Vermerkeca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Innenminister Dobrindt, ich will da noch mal nachhaken. Sie haben die Frage des Kollegen Konstantin von Notz nicht beantwortet.

Er hat auf die noch nicht erfolgte Umsetzung der NIS-2-Richtlinie hingewiesen. Sie haben auf die vergangene Bundesregierung verwiesen. Aber jetzt sind Sie an der Regierung, und wir haben Sie gefragt, was Ihre Bundesregierung und was Sie ganz speziell als Innenminister dafür tun, beabsichtigen und bereits geplant haben, um die Cybersicherheit in Deutschland zu erhöhen, auch angesichts der Umstände, in denen wir uns befinden.

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
4 Vermerkeca. 154 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank für die erneute Nachfrage.

Ja, konkret bitte!

– Ich habe sehr konkret mich darauf bezogen,

dass es unsere Aufgabe ist, die Versäumnisse der Regierung, der Sie angehört haben, jetzt zu korrigieren.

Also Sie haben keine Pläne!

Sie hatten die Chance, Sie haben es nicht gemacht. Wir werden NIS 2 und KRITIS-Dachgesetz umsetzen. Wir sind im Haus schon in der Vorbereitung, das ins Kabinett und in den Deutschen Bundestag zu bringen. Das ist selbstverständlich. Sie hätten es machen können. Sie haben es nicht geschafft. Wir werden es umsetzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Minister. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Dafür erteile ich das Wort der Abgeordneten Sandra Detzer, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr verehrter Herr Präsident! Ich frage den Bundesminister nach der Bedeutung seiner Grenzkontrollen für den europäischen Binnenmarkt. Der europäische Binnenmarkt ist zweifelsohne die Topdestination für europäische Unternehmen. Sie befinden sich momentan in einer wirtschaftlichen Schwäche und sind darauf angewiesen sind, dass der Warenfluss funktioniert. Aber das tut er gerade nicht. Wir haben erhebliche Probleme an den deutschen Grenzen aufgrund Ihrer Politik. Ich frage Sie deswegen kurz und bündig: Warum gewichten Sie die Aspekte aus dem CSU-Parteiprogramm, aber auch die europarechtswidrigen Grenzkontrollen höher als die Interessen der deutschen Wirtschaft und der deutschen Unternehmen? Aus Ihren bisherigen Ausführungen zu den innenpolitischen Herausforderungen habe ich keine Antwort entnehmen können.

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Kollegin, ich muss jetzt schon noch mal darauf hinweisen: Diese Grenzkontrollen wurden in der vergangenen Wahlperiode an allen deutschen Grenzen eingeführt. Zugegebenermaßen: Sie haben lange gebraucht, bis Sie verstanden haben, dass das ein notwendiges Mittel gegen die illegale Migration ist; aber Sie wurden von Ihnen – spät, aber immerhin – eingeführt.

Das, was wir an dieser Stelle machen, ist, diese Grenzkontrollen jetzt zu verstärken. Diese Grenzkontrollen dienen dazu, illegale Migration zurückzudrängen. Sie dienen nicht dazu, den Binnenmarkt in irgendeiner Weise übermäßig zu stören. Vielmehr achten wir durch intelligente Maßnahmen sehr darauf, dass der Warenverkehr funktioniert. Wir haben zum Beispiel stichprobenartige Kontrollen eingeführt, die dafür sorgen, dass der Warenverkehr bestmöglich läuft, aber auch ein Optimum an Aufklärung bei der illegalen Migration stattfindet. Von daher haben wir das, was Sie eingeführt haben, schlichtweg verbessert.

Beifallbei der CDU/CSU

Frau Kollegin Detzer, eine Nachfrage?

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da Sie die Bedeutung für die Wirtschaft nicht erwähnt haben, gehe ich auch nach Ihrer Antwort weiter davon aus, dass Sie Ihre anderen Interessen über das Interesse der deutschen Wirtschaft stellen.

Deswegen möchte ich an der Stelle konkret nachfragen – Sie haben drei Maßnahmen skizziert –: Was werden Sie konkret unternehmen, um die Belastung für die deutsche Wirtschaft so gering wie möglich zu halten?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir sind in einem engen Austausch. Ich halte nicht sehr viel davon, dass man die politisch notwendigen Ziele, die diese Bundesregierung vertritt – auf der einen Seite illegale Migration zu bekämpfen, auf der anderen Seite Wirtschaftswachstum wieder zu ermöglichen –, gegeneinander ausspielt. Wir bringen das gut zusammen: Wir haben einen funktionierenden Binnenmarkt, und gleichzeitig gehen wir den Kampf gegen die illegale Migration an.

Mich überrascht, dass diese Frage von Ihnen kommt. Nach drei Jahren Rezession ist Ihnen zur Stärkung der Wirtschaft nichts anderes eingefallen, als eine Ampel zum Bruch zu bringen. Deswegen ist es nicht sehr ernst zu nehmen, wenn Sie über Wirtschaftswachstum in Deutschland reden.

Beifallbei der CDU/CSU

Die nächste Nachfrage kommt von Sandra Stein, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Sandra Stein
Foto: Milena Radatz
2 Vermerkeca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Innenminister Dobrindt, da Sie die Frage meiner Kollegin nicht beantwortet haben, frage ich noch mal nach.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mir wird gerade aus dem produzierenden Mittelstand von großen Sorgen berichtet. Die Unternehmen machen sich Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Transportkosten sind schon jetzt eine enorme Belastung für die Unternehmen. Lange Standzeiten werden diese Transportkosten noch mal in die Höhe treiben. Wie rechtfertigen Sie diese Belastungen für den deutschen Mittelstand?

Das sollten wir besser die Wirtschaftsministerin fragen!

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
3 Vermerkeca. 101 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Gespräche mit dem produzierenden Mittelstand zeigen ein anderes Bild:

Beifallbei der CDU/CSU

Es zeigt sich als Erstes ziemlich viel Hoffnung, weil man das Gefühl hat, mit einer neuen Wirtschaftsministerin in Deutschland könnte wieder etwas vorwärtsgehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und als Zweites. Ich wohne in einer Grenzregion, bin im engen Austausch aber auch mit allen anderen Ländern an unseren Grenzen, und deswegen kann ich Ihnen versichern: Ihre Bedenken sind unbegründet.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank. – Zur nächsten Nachfrage erteile ich das Wort dem Kollegen Throm.

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, zunächst: Die Grünen sprechen offensichtlich mit ganz anderen Vertretern der Wirtschaft als wir. Ich bekomme sogar Lob für die Maßnahmen, die wir an der Grenze durchführen, insbesondere weil das Ganze auch so stattfindet, dass eben Rücksicht auf die Bedürfnisse genommen wird.

Aber eine andere Frage – es geht um den sicherheitspolitischen Gewinn durch diese Grenzkontrollen; das beschäftigt uns neben dem Thema „irreguläre Migration und Grenzübertritt“ –: Welchen weiteren Vorteil haben denn die Grenzkontrollen, die bereits im letzten Jahr eingeführt wurden, Stichwort „Beifang“?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 159 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Im Rahmen der Grenzkontrollen stellen wir fest, dass es zu einem erheblichen Beifang kommt. Das heißt, es werden andere Straftaten aufgedeckt: Das ist im Bereich der Drogendelikte, das ist im Bereich des Waffenbesitzes, das ist im Bereich der nicht umgesetzten Strafbefehle, Haftbefehle. Man ist manchmal überrascht, was es alles an Aufgriffen dort an der Grenze gibt. Allein deswegen ist es notwendig, dass wir diese Kontrollen in der aktuellen Situation fortführen.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Übrigens setzen auch unsere europäischen Nachbarn – es wird ja immer so getan, als sei Deutschland das Land der Grenzkontrollen – gerade jetzt auf die Verlängerung der Grenzkontrollen, auch deswegen, weil man hiermit gegen Kriminalität vorgehen kann, nicht nur gegen die illegale Migration.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Minister, aufgrund der Fülle der Nachfragen, die es jetzt noch gibt, würde ich noch eine zulassen und dann zur nächsten Hauptfrage voranschreiten.

Konstantin von Notz hat das Wort.

Porträt von Konstantin von Notz
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 160 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Herr Minister, zweite Regierungsbefragung, und Sie sagen: Bei den Grenzkontrollen mache ich eigentlich gar nichts anders als Nancy Faeser. – Das ist schon mal ganz lustig.

Das hat er nicht gesagt!

Aber jetzt mal, um auf den Kern der Sache zu kommen: Wir haben Ihnen ja am Montag letzter Woche 18 Fragen gestellt. Sie haben bei praktisch allen die Fristen gerissen und haben das Parlamentsrecht, hier zu fragen, nicht ernst genommen. Und da wollte ich fragen: Ist das einfach der Holprigkeit Ihres Starts im Bundesinnenministerium geschuldet, oder liegt es daran, dass die Fragen doch etwas diffiziler sind, sodass Sie nicht in der Lage sind, die Fragefristen einzuhalten?

Das hat nichts mit der Hauptfrage zu tun!

Das hat nicht sehr viel mit der Hauptfrage zu tun, Herr Minister. Sie müssen das nicht beantworten.

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 129 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, aber es ist ja ein guter Hinweis. Also, wir wollen ja alle hier gut zusammenarbeiten, und deswegen: Fristen sollte man einhalten.

Ich kenne aus meinem Haus nur die Bitte, dass man bei Ihnen um Verlängerung ersucht hat. Ich gehe mal davon aus – weil auch das ja hier zum guten Miteinander gehört –, dass man diese Verlängerung, wie üblich, zugesteht. Von daher glaube ich, dass wir das für mögliche weitere Fragen, die vielleicht im Laufe der nächsten Wochen und Monate von Ihnen noch kommen, dann so hinbringen, dass wir beide zufrieden sind.

Beifallbei der CDU/CSU

So wollen wir es versuchen!

Herzlichen Dank, Herr Minister. – Die nächste Hauptfrage kann stellen Hendrik Bollmann, Fraktion der Sozialdemokraten.

Porträt von Hendrik Bollmann
Foto: DBT / Stella von Saldern
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Meine Damen und Herren! Das Thema „Schrott- und Problemimmobilien“ spielt vor allen Dingen in Ballungsräumen, wie beispielsweise im Ruhrgebiet, eine erhebliche Rolle. Es vergiftet teilweise die Atmosphäre in Quartieren, manchmal in ganzen Stadtteilen. Jetzt ist deswegen dankenswerterweise im Koalitionsvertrag das Thema „Stärkung des Vorkaufsrechts für Kommunen“ verankert. Vielleicht, Frau Ministerin, könnten Sie skizzieren, welche Bedeutung das Ganze hat und in welcher Form das stattfinden würde.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 145 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, Sie sprechen da ein ganz wichtiges Thema an. Wenn wir uns in Städten aufhalten, in Nachbarschaften, und uns dort umschauen, dann möchten wir, dass es schön ist und dass dort nicht Problem- und auch nicht Schrottimmobilien das Umfeld prägen.

Deswegen ist es wichtig, dass wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben, dass wir das Vorkaufsrecht der Kommunen stärken. Es gibt ja jetzt auch schon ein theoretisches Vorkaufsrecht. Aber in der Praxis ist es eben sehr schwer, das dann auch umzusetzen, weil teilweise die Immobilie betreten werden muss. Und deswegen wollen wir dieses Recht stärken, sodass die Kommune auch zum Zuge kommt und dann eine Stadt entsteht, eine Nachbarschaft, in der man gut und gerne lebt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Möchten Sie eine Nachfrage stellen, Kollege? – Bitte.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist eine sehr gute Idee. Da muss man sich im Einzelfall das Programm anschauen: Ist es ein europäisches, ist es ein nationales, ein regionales? Dabei sollte man sich ganz detailliert die Förderbedingungen anschauen. Wir unterstützen Sie gerne dabei, wenn Sie eine konkrete Frage zum Ruhrgebiet haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Für eine weitere Nachfrage erteile ich das Wort der Kollegin Mirow.

Porträt von Sahra Mirow
Foto: Sahra Mirow/ Joe Pohl
1 Vermerkca. 39 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Da würde ich gerne nachfragen. Haben Sie denn vor, dieses kommunale Vorkaufsrecht zum Beispiel auch in Milieuschutzgebieten künftig zu stärken? Denn gerade dort sehen wir auch dringenden Handlungsbedarf.

Beifallbei der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke für Ihre Nachfrage. – Ja, das Vorkaufsrecht allgemein müssen wir stärken, und auch in den Milieuschutzgebieten haben wir das vor. Wir werden uns das mit den Schrottimmobilien gemeinsam anschauen, damit die Kommune einfach einen Baukasten hat, dort auch zu reagieren und proaktiv tätig zu werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Kollegin, Sie könnten auch, wenn Sie mögen, stehen bleiben; denn für die nächste Hauptfrage erteile ich das Wort der Kollegin Mirow von der Linkspartei. Frau Mirow, wenn Sie mögen, können Sie jetzt die nächste Hauptfrage stellen. Bitte.

Porträt von Sahra Mirow
Foto: Sahra Mirow/ Joe Pohl
1 Vermerkca. 82 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke. – Meine Frage richtet sich an Ministerin Hubertz. Sehr geehrte Frau Hubertz, Wohnungslosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das dringend und entschlossen angegangen werden muss. Teilen Sie diese Einschätzung, und was planen Sie, um der steigenden Wohnungslosigkeit zu begegnen, gerade auch mit Blick auf die Dunkelziffer von wohnungslosen Menschen? Und wie wollen Sie insbesondere junge wohnungslose Menschen und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Wohnungslosigkeit, die allzu oft aus den Hilfsstrukturen herausfallen, künftig besser unterstützen?

Beifallbei der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 177 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin meiner Vorgängerin Klara Geywitz und dem Ministerium sehr dankbar, dass wir dies erstmals in der letzten Legislatur mit einem Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit adressiert haben. Wir verfolgen da den sogenannten Housing-First-Ansatz. Er besagt, dass jeder und jede die Möglichkeit eines Dachs über dem Kopf bekommen sollte. Wir müssen aber auch schauen, dass man gar nicht erst in der Wohnungslosigkeit landet, dass also eine Zahlung, die man verpasst, nicht zum Kündigen der Wohnung führt und dass dann eben der Hinauswurf auf die Straße der nächste Schritt ist.

Das Thema „Wohnungslosigkeit von Jugendlichen und von Migranten“ ist eins, das wir ebenfalls in dem Aktionsplan adressieren. Da brauchen wir auch eine starke Zusammenarbeit, weil die Dunkelziffer oftmals gar nichts besagt. Da sprechen Sie etwas sehr Wichtiges an. Das ist etwas, woran wir arbeiten und worauf wir auch aufbauen werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Herzlichen Dank. – Für eine Nachfrage erteile ich Ihnen ein weiteres Mal das Wort.

Porträt von Sahra Mirow
Foto: Sahra Mirow/ Joe Pohl
ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Lassen Sie mich da nachhaken; denn es ist ja so, dass rund ein Drittel aller Menschen ohne Unterkunft keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, und gerade der von Ihnen angesprochene Nationale Aktionsplan sieht an der Stelle lediglich Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt vor, aber nicht in den Wohnungsmarkt. Und da wäre für mich die Frage, wie Sie diese Lücke künftig schließen wollen.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
ca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für mich verdienen die Menschen Unterstützung, die sie wirklich brauchen. Ich kenne das zum Beispiel aus dem Benedikt-Labre-Haus in Trier – es wird von der Caritas betrieben; es liegt in einer Grenzregion –, wo vielen geholfen wird, die aus anderen Ländern kommen. Deswegen müssen wir Einrichtungen wie genau diese dabei unterstützen. Für Menschen, die so viele Probleme zu lösen haben, um wieder einen geregelten Alltag zu haben, ist der Eintritt in den Arbeitsmarkt vielleicht nicht direkt das erste Ziel.

Herzlichen Dank. – Die nächste Nachfrage geht an Caren Lay, Linkspartei.

Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
1 Vermerkca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Viele der kleineren Maßnahmen im Nationalen Aktionsplan unterstützen wir; aber entscheidend wird es ja sein, ob es gelingt, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Investitionsprogramm, das beschlossen wurde, ist bisher aber kein Sondervermögen für bezahlbaren Wohnraum vorgesehen, obwohl es der Deutsche Mieterbund und auch die Gewerkschaften fordern. Werden Sie sich also dafür einsetzen, dass aus diesem Investitionsprogramm ein Sondervermögen für bezahlbaren Wohnraum geschaffen wird und deutlich mehr in sozialen gemeinnützigen Wohnungsbau investiert werden wird?

Beifallbei der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin unserem Kanzler und auch dem Vizekanzler und Finanzminister sehr dankbar, dass alle adressiert haben: Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Und wie wir das in welchem Programm wie lösen, das müssen wir jetzt in den Haushaltsberatungen miteinander hinkriegen. Wichtig ist, wir müssen massiv investieren. Wichtig ist, wir müssen mehr investieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Die geht an Marc Bernhard von der AfD-Fraktion.

Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
ca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, in Deutschland fehlen 800 000 Wohnungen. Eigentlich müssten jedes Jahr 400 000 Wohnungen neu gebaut werden. In den dreieinhalb Jahren, die Ihre Vorgängerin amtierte, ist die Fertigstellungsquote bei neugebauten Wohnungen jedes Jahr zurückgegangen: von ursprünglich 300 000 bei Amtsübernahme auf nur noch 150 000 bis 175 000, die in diesem Jahr erwartet werden.

Jetzt ist meine konkrete Frage: Wie viele Wohnungen wollen Sie denn in den nächsten Jahren während Ihrer Amtszeit bauen? Und vor allem: Was werden Sie anders machen als Ihre Vorgängerin, um nicht auch an diesem Thema zu scheitern?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
2 Vermerkeca. 162 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ja, so richtig Lust habe ich nicht, darauf zu antworten.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der AfD

Wir haben ja in den letzten drei, vier Jahren nicht im luftleeren Raum Politik gemacht. Wir hatten Inflation, wir hatten die Energiepreiskrise, wir hatten Krieg in der Mitte unseres Kontinents. Deswegen ist es nicht richtig, dass wir eine Zahl in Stein meißeln und ihr vier Jahre hinterherlaufen, sondern wir brauchen regionale, wir brauchen bedarfsorientierte Prognosen. Und wir müssen so viel Tempo an den Tag legen, dass jetzt alles dafür getan wird, Bauüberhang abzubauen und schnell zu bauen, und wir müssen alles in die Waagschale werfen, damit wir bei den Zahlen wieder hochkommen. Und ich darf Sie beruhigen: Ganz so schlimm, wie Sie immer alles skizzieren, wird es dann auch nicht.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU
Zurufvon der AfD: Kommt noch was Konkretes?
Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
ca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau, irgendetwas Konkretes habe ich jetzt nicht gehört. Konkrete Maßnahmen wären einmal angesagt! Was wollen Sie jetzt eigentlich konkret tun?

Eines ist doch klar: Warum wird in Deutschland nicht gebaut? Weil die Baukosten zu hoch sind. – Wir haben vorhin schon gehört, dass 40 Prozent der Baukosten staatlich verursacht sind. Und das sind im Wesentlichen: Energievorschriften, Dämmvorschriften und steuerliche Belastungen.

Jetzt frage ich Sie: Was werden Sie in diesen Bereichen tun, um Bauen in Deutschland wieder bezahlbar zu machen? Und bitte konkret antworten und hier nicht irgendwelche wolkigen Märchen erzählen! Was werden Sie konkret tun, um an diesem Thema nicht genauso zu scheitern wie Ihre Vorgängerin?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
2 Vermerkeca. 115 WörterReaktionswert: niedrig
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Sie haben in den letzten 90 Minuten irgendwie nicht richtig zugehört. Wir haben hier über sehr viele sehr konkrete Maßnahmen gesprochen:

Zurufvon der AfD: Echt?

vom Bau-Turbo bis zum Gebäudetyp E. Ich sage hier ganz klar für die Regierung, für mein Haus, aber auch für die Sozialdemokratie: Wir werden nie die Menschen und den Klimaschutz gegeneinander ausspielen. Denn es geht beides zusammen: ein nachhaltiges Bauen und ein bezahlbares Bauen. Daran können Sie mich am Ende meiner Amtszeit messen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Es gibt eine erste Nachfrage von Michael Kießling, Union.

Porträt von Michael Kießling
Foto: DBT/ Stella von Saldern
ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie haben ja in Ihren Ausführungen zu Anfang der Regierungsbefragung das Thema „nachhaltiges Bauen/Bauen mit Holz“ herausgestellt. Wie sehen Sie das Potenzial des Holzbaus? Beim Wohnungsbau liegt der Anteil bei ungefähr 5 Prozent. Welche Auswirkungen könnte der Holzbau auf den mehrgeschossigen Wohnungsbau haben? Und natürlich auch: Wie stehen Sie zur Technologieoffenheit im Bereich des Materialeinsatzes?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
2 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 159 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herzlichen Dank für die progressive Nachfrage, über die ich mich sehr freue.

Zurufevon der AfD: Oh!

Es werden schon Hochhäuser aus Holz gebaut, zum Beispiel in Kaiserslautern. Aus Holz kann man alles bauen, sogar Feuerwachen. Aber wir dürfen uns, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, natürlich nicht auf ein Material versteifen. Es gibt viele nachwachsende Rohstoffe, die übrigens dann auch für die Landwirtschaft noch mal neue Erlösmodelle bieten.

Deswegen sage ich: Wir müssen uns den kompletten Lebenszyklus anschauen, den kompletten CO2-Fußabdruck. Da hilft Holz natürlich gewaltig dabei mit, CO2 zu speichern und den Gebäudesektor, der ja noch kein großer Treiber bei der Dekarbonisierung ist, schrittweise klimaneutral zu gestalten. Und man kann schön und gerne in Holzhäusern wohnen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank.

Die nächste Nachfrage kann Sylvia Rietenberg von Bündnis 90/Die Grünen stellen.

Porträt von Sylvia Rietenberg
Foto: Sylvia Rietenberg/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Ministerin, die Preise am Wohnungsmarkt steigen; das haben wir gerade schon gehört. Mich würde interessieren, was Sie vorhaben, dagegen zu unternehmen. Und da geht es ja nicht nur um die Baukosten, sondern auch die steigenden Bodenpreise stellen ein erhebliches Hemmnis dar. Welche Maßnahmen planen Sie also für eine Senkung der steigenden Bodenpreise?

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 145 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank für Ihre Nachfrage. – In der Tat dürfen wir nicht nur über die Hülle und die Energie sprechen, sondern müssen auch über Grund und Boden sprechen, die einen sehr großen Anteil ausmachen. Mein Haus arbeitet an dem Thema Erbbaurecht/Erbpacht. Also: Muss ich eigentlich Grund und Boden per se besitzen? Oder können wir auch über Pacht durch kommunale Hand oder andere Stiftungen und Trägerschaften neue Modelle des Wohnens erarbeiten? Das ist ein sehr interessanter Ansatz, den ich auch weiter vertiefen und verfolgen will. Wir arbeiten zum Beispiel daran, dass unser Ministerium einen Mustererbpachtvertrag zur Verfügung stellt, damit sich nicht jede Kommune aufs Neue mit dem Thema beschäftigen muss.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage kann Wilhelm Gebhard von der Union stellen.

Porträt von Wilhelm Gebhard
Foto: Wilhelm Gebhard / Tobias Koch
1 Vermerkca. 145 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Herzlichen Dank, dass ich diese Frage stellen kann. – Frau Ministerin, erst mal merkt man, dass mit Ihnen ein neuer Drive in der Sache ist; darüber freuen wir uns. Viel Erfolg bei Ihrer Aufgabe!

Beifallder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Aber ich habe noch mal konkret eine Nachfrage. Ich bin ein Kind des ländlichen Raums, und der ländliche Raum fehlt mir an dieser Stelle, wenn wir über sozialen Wohnungsbau sprechen. Der ländliche Raum bietet unglaublich viel Potenzial. Denn dort sind sehr viele Leerstände zu beklagen; das weiß ich aus meiner langjährigen Tätigkeit.

Deshalb die Frage an Sie: Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie ergreifen, welche Förderprogramme, welche Anreizprogramme möchten Sie zum Beispiel gestalten, um tatsächlich den ländlichen Raum zu stärken, um auch das dortige Potenzial zu nutzen? Dann müssten wir auch weniger über sozialen Wohnungsbau in den Großstädten sprechen. – Danke.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 161 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie diesen Aspekt hier noch mal nach vorne bringen. Auch ich komme aus dem ländlichen Raum und weiß sehr gut, was Sie meinen. In den Dörfern gibt es ja die Situation: Es gibt ein Neubaugebiet und den Dorfkern, wo dann irgendwie keiner so richtig das Bauernhaus oder ein altes Gebäude übernehmen will. Deswegen haben wir das Programm „Jung kauft Alt“. Wir gucken uns gerade auch noch mal an, wie wir das ein bisschen besser anpassen und weiterentwickeln können.

Städtebauförderung, das klingt immer sehr groß; aber sie adressiert auch die kleinen Regionen, die kleinen Gemeinden. Da kann man jede Menge machen, wenn es darum geht, wie das Miteinander organisiert wird. Die ländlichen Regionen werden also in meinem Haus nicht vergessen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die letzte Nachfrage zu diesem Themenkomplex hat Pascal Meiser für die Linksfraktion.

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
1 Vermerkca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Klimaschutz und Wohnungspolitik müssen zusammengedacht werden. Wir haben momentan aber die Situation, dass die klimaschutzorientierte Sanierung des Wohnungsbestands zulasten der Mieterinnen und Mieter geht. Also die Mieten explodieren auch aufgrund der Umlagefähigkeit der entsprechenden Kosten. Können Sie garantieren, dass es im Zuge dieser notwendigen klimaneutralen Sanierung des Wohnungsbestandes nicht zu einer weiteren Erhöhung der Warmmieten kommt? Und was halten Sie davon, die Warmmieten entsprechend auf der Höhe zu deckeln, auf der sie sind, wenn es zu entsprechenden Modernisierungsmaßnahmen kommt, und die darüber hinausgehende Umlage der Kosten zu untersagen?

Beifallbei Abgeordneten der Linken
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
1 Vermerkca. 164 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben noch vor, eine richtige Mammutaufgabe anzugehen, nämlich wie wir Vermieter dabei unterstützen, dass sie die Maßnahmen ausführen, aber die Mieter/-innen dabei nicht überfordern. Bei dem Heizungsgesetz, über das man viel schimpfen kann, finde ich, ist uns eine gute Sache gelungen: Wir haben zwar eine neue Modernisierungsumlage eingeführt, die haben wir aber bei 50 Cent gedeckelt. Grüße an Kevin Kühnert; der hat das für uns verhandelt.

In diese Richtung müssen wir denken, damit die Kosten dann nicht zu einer Überforderung führen. Aber wir müssen natürlich auch Unterstützungsangebote machen, damit die Sanierung überhaupt angegangen wird. Und da brauchen wir kluge Ideen, damit beide Interessen dann auch zusammengeführt werden können und man nachher in einer gut sanierten Wohnung wohnt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Die voraussichtlich letzte Hauptfrage, die wir heute schaffen, kann Siegfried Walch für die Fraktion CDU/CSU stellen.

Porträt von Siegfried Walch
Foto: Siegfried Walch/ Christoph Leonhardt
2 Vermerkeca. 133 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an den Bundesinnenminister. Ich bin sehr, sehr froh, dass mittlerweile illegale Migration konsequent bekämpft wird.

Ich bin sehr froh, dass Extremismus aller Arten konsequent durch den Bundesinnenminister und die Bundesregierung bekämpft wird.

Ich möchte aber auf einen Themenkomplex zu sprechen kommen, der in den letzten Jahren in Deutschland an Qualität und Quantität stark zugenommen hat – Stichwort „Clankriminalität in Deutschland“. Mich würde interessieren: Was hat das Bundesinnenministerium, was hat die Bundesregierung vor, und welche Prioritätensetzung genießt das Thema Clankriminalität?

Wir müssen alles dafür tun, dass dieser Form der Organisierten Kriminalität in Deutschland der Boden entzogen wird und dass Deutschland hier wieder sicherer wird. Mich würden Ihre Ausführungen hierzu interessieren. – Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 172 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lieber Kollege Sigi Walch, herzlichen Dank dafür. – Die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und der Clankriminalität ist auch in dieser Wahlperiode eine der Hauptaufgaben in der Sicherheitspolitik.

Uns geht es vor allem darum, dass wir die Möglichkeit haben, die Clankriminalität finanziell auszutrocknen. Wir haben ja die Situation, dass unglaubliche Summen an Geld durch kriminelle Machenschaften, durch kriminelle Energie generiert werden. Dadurch, dass wir in jedem Einzelfall von staatlicher Seite den Nachweis erbringen müssen, dass es sich hierbei um Geld handelt, das kriminell erwirtschaftet worden ist, haben wir oftmals die Schwierigkeit, dass diesen Systemen das Geld nicht entzogen werden kann.

Deswegen werbe ich sehr dafür, dass wir eine Beweislastumkehr einführen und damit die Möglichkeit schaffen, den Clans, den kriminellen Banden ihre finanziellen Mittel zu entziehen. Das ist der empfindlichste Punkt, an dem wir die Clankriminalität treffen können, um gegen sie vorzugehen, wenn wir ihr die finanzielle Grundlage für ihr kriminelles Handeln entziehen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Herzlichen Dank, Herr Minister. – Haben Sie eine Nachfrage?

Porträt von Siegfried Walch
Foto: Siegfried Walch/ Christoph Leonhardt
ca. 53 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lieber Herr Minister, es wurde ja schon die Frage nach der IP-Adressen-Speicherung gestellt. Die würde ich hier jetzt gerne noch konkret im Zusammenhang mit Clankriminalität anschließen: Welche Rolle spielt sie hier und wie wichtig ist sie, damit das Bundesinnenministerium handlungsfähig ist und hier Sicherheit herstellen kann?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
1 Vermerkca. 120 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich würde die Speicherung von IP-Adressen und die Quellen-TKÜ in einem Zusammenhang sehen. Es ist klar, dass wir hier mit normalen Ermittlungsmethoden im Bereich der Telekommunikationsüberwachung nicht mehr weiterkommen; die Clanstrukturen haben sich schon lange darauf eingestellt. Deswegen ist es auch ein zentraler Bestandteil des Kampfes gegen das Verbrechen, bei solchen kriminellen Strukturen die Quellen-TKÜ anwenden zu können und Zugriff auf IP-Adressen zu bekommen, um ein klares Stoppsignal zu setzen und zu zeigen: Wir gehen den Kampf gegen die Clankriminalität an.

Beifallbei der CDU/CSU

Herzlichen Dank. – Zu einer letzten Nachfrage in der heutigen Befragung der Bundesregierung erteile ich das Wort Marlene Schönberger, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Marlene Schönberger
Foto: Marlene Schönberger/Elias Keilhauer
ca. 82 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister, im Kontext „Extremismus und Clankriminalität“ möchte ich noch mal über das bereits thematisierte Verbot des sogenannten „Königreichs Deutschland“ sprechen. Das war ein längst überfälliger Schlag gegen die sogenannte Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Das Weltbild dieser Szene ist zutiefst von Antisemitismus geprägt, und dieses Weltbild verbreitet sich in der ganzen Gesellschaft, bis weit in die Mitte hinein. Daher würde ich gerne fragen: Was plant die Bundesregierung, um gegen diese Verbreitung vorzugehen?

Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
2 Vermerkeca. 131 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank auch für diese Nachfrage. – Ich habe gestern bei der Vorstellung der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität längere Ausführungen darüber gemacht, weil die Kriminalität in dem Bereich, den Sie angesprochen haben, also was Judenhass und Antisemitismus anbelangt, leider massiv steigt, übrigens sowohl im rechtsradikalen Bereich als auch in Bereichen des importierten Antisemitismus. Deswegen muss von uns immer das klare Signal ausgehen: Antisemitismus, egal welcher Art, egal aus welcher Richtung, hat in Deutschland keinen Platz und wird massiv bekämpft.

Erklären Sie das mal Frau Roth!

Wir werden dafür sorgen, dass Menschen, die in Deutschland mit antisemitischen Straftaten auffallen, obwohl sie keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, dieses Land wieder verlassen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Achim Köhler [AfD]
Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
9 Vermerkeca. 828 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Messerkriminalität in Deutschland explodiert. Die aktuellen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2024 sprechen eine brutale Sprache: 29 014 Messerangriffe wurden bundesweit registriert; das sind 79 Messerdelikte an jedem einzelnen Tag. Alle 18 Minuten wird in Deutschland ein Mensch mit einem Messer bedroht, verletzt oder getötet. Der Befund ist eindeutig: Der Staat hat offensichtlich die Kontrolle über die innere Sicherheit verloren. Das ist inakzeptabel und muss schnellstens korrigiert werden.

Beifallbei der AfD

Hier nur einige Beispiele der letzten Tage: In Bielefeld sticht ein islamistischer Terrorist auf junge Leute ein – vier werden schwer verletzt, zwei davon lebensgefährlich. In Halle attackiert ein Kosovare spielende Kinder und Erwachsene mit einem Messer. Auch hier: Gott sei Dank keine Toten. Aber dieser Gewaltverbrecher wird wieder nach Hause entlassen, weil der Staatsanwalt weder Wiederholungs- noch Fluchtgefahr erkennen will. Zwischen Bodelshausen und Hechingen, meiner Geburts- und Heimatstadt, wird eine 17-Jährige am helllichten Tag von einem Mann mit sogenanntem dunklem Teint mit einem Messer angegriffen; der Täter ist bis dato flüchtig. – Was sich da draußen auf unseren Straßen, in unseren Zügen, auf unseren Schulhöfen und öffentlichen Plätzen abspielt, ist ein sicherheitspolitisches Desaster, das es in Deutschland in diesem Ausmaß bisher noch nicht gegeben hat und das von Jahr zu Jahr immer größer wird. Es gibt nur eine Kraft, die sich dem tatsächlich entschlossen entgegenstellt, und das ist und bleibt die Alternative für Deutschland.

Beifallbei der AfD

Anstatt die wahre Ursache, nämlich eine völlig verfehlte Migrationspolitik, klar zu benennen und entschlossen zu handeln, wird von den Altparteien verharmlost, relativiert und abgestritten. Statt der Opfer zu gedenken, stellt man die Täter in den Mittelpunkt, debattiert man über Integration, Ursachenforschung und soziologische Theorien. Dabei ist die Faktenlage glasklar: Messerkriminalität ist überwiegend importierte Kriminalität. Im Sicherheitsbericht Baden-Württembergs ist der Anteil ausländischer Tatverdächtiger bei Messerdelikten von 55 auf 57 Prozent gestiegen, darunter der Anteil sogenannter Flüchtlinge von 33 auf 37 Prozent, bei einem Anteil von nur 2 Prozent an der Bevölkerung. Bundesweit sieht die Lage ähnlich aus. Wer das nicht endlich zur Kenntnis nimmt, meine sehr verehrten Damen und Herren, darf zu Recht als ideologisch verblendet und verantwortungslos bezeichnet werden. Sie werden dafür vom Bürger die Quittung erhalten.

Beifallbei der AfD

Denn die Opferzahl steigt kontinuierlich und immer weiter an, und dabei handelt es sich immer öfter um die Schwächsten unserer Gesellschaft: Kinder, Frauen, Senioren – Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Wenn ein Staat nicht mehr in der Lage ist, selbst die hilfsbedürftigsten Bürger zu schützen, dann kann das nur als eine Kapitulation vor importierten Schwerverbrechern interpretiert werden. Der Rechtsstaat verliert dadurch seine moralische Legitimation. Diese Entwicklung müssen wir endlich stoppen.

Beifallbei der AfD

Die CDU/CSU ist mit großen Versprechungen angetreten und setzt leider nahezu nichts davon um. Migrationswende? Fehlanzeige! Der angebliche Grenzschutz der Regierung entpuppt sich als große Luftnummer: 32 Asylbewerber wurden in einer Woche abgewiesen, 1 535 Asylbewerber haben im gleichen Zeitraum einen Asylantrag gestellt. Es werden also nur 2 Prozent der Asylbewerber an unseren Grenzen zurückgewiesen. Und dann hört man aus der CDU/CSU doch tatsächlich, die Grenzkontrollen zeigten Wirkung – ich zitiere –: „Deutschland ist nicht mehr der Magnet für Migration in Europa.“ Also, liebe Kollegen von der CDU/CSU, bei allem zu Gebote stehenden Respekt und mit Verlaub, aber für diese Aussagen gibt es nur zwei mögliche Erklärungen. Entweder haben Sie von der tatsächlichen Lage an der deutschen Grenze keine Ahnung – wovon ich jetzt nicht ausgehe –, oder Sie kennen die Zahlen ganz genau, sagen aber gegenüber dem Bürger bewusst die Unwahrheit, um einen positiven Effekt für sich selbst zu erzielen.

Verschwörungstheorie!

Egal wie: Mit der Realität hat das alles nichts zu tun.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der Linken: Genau wie die Rede!

Also hören Sie auf, den Bürgern einen Bären aufbinden zu wollen. Ihre Maßnahmen sind vollkommen wirkungslos. Sie machen sich damit – glauben Sie mir das bitte – bei den Bürgern unseres Landes komplett lächerlich.

Wenn wir in Deutschland Sicherheit schaffen wollen, dann müssen wir jetzt endlich die Maßnahmen umsetzen, die die AfD-Fraktion seit 2015 fordert.

Ein effektiver Grenzschutz mit Zurückweisung ausnahmslos aller sogenannter Schutzsuchender ist zwingend erforderlich, um einen Dominoeffekt in Europa auszulösen und andere Länder dazu zu bewegen, ebenfalls ihre Grenzen für illegale Migration zu schließen. Nur so ist die Festung Europa umsetzbar. Wir brauchen diese sichere europäische Außengrenze, wenn wir perspektivisch wieder offene Binnengrenzen haben wollen. Die Abschiebung krimineller und illegal aufhältiger Ausländer versteht sich von selbst. Dieser seit 2015 fortdauernde Rechtsbruch ist endlich zu beenden. Und selbstverständlich sind Geldleistungen konsequent auf Sachleistungen umzustellen. Erst dann – und, liebe Kollegen von der Union, nur dann – ist Deutschland nicht mehr der Magnet für Migration in Europa. Also lassen Sie Ihren Worten endlich Taten folgen!

Beifallbei der AfD

Die nächste Rede hält Marc Henrichmann für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt kommt Sachkompetenz!

Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
17 Vermerkeca. 1.053 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Natürlich sind die Messerangriffe der letzten Tage, Wochen und Monate ein ernstes Sicherheitsproblem, vor allem, wenn sie Unschuldige treffen. Dieses Unsicherheitsgefühl können und werden wir nicht akzeptieren.

Das ist kein Gefühl! Das sind Tatsachen!

Und wenn Rettungs- und Sicherheitskräfte in diesem Land wie in Mannheim attackiert oder gar getötet werden, dann haben wir den Auftrag, die zu schützen, die uns schützen. Den Auftrag nehmen wir ernst.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen ist es auch gut und richtig, dass der Innenminister Alexander Dobrindt relativ schnell klargemacht hat, dass ein Messerangriff kein Vergehen mehr, sondern zukünftig ein Verbrechen ist. Allen muss klar sein: Wir dulden diese Taten nicht. Wir bestrafen die Täter hart, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber es war irgendwie so klar wie erwartbar, dass diese Aktuelle Stunde der AfD kommt. Die Parole „Alle Migranten sind schuld; wenn wir keine mehr haben, dann sind alle Probleme gelöst“ ist ja Schwachsinn.

Ehrlicherweise: Wenn Sie mal in die Kriminalstatistiken gucken – der Umgang mit Zahlen und Fakten ist nicht Ihre Sache; mir ist das schon klar –, dann sehen Sie, dass 80 Prozent der Taten aufgrund der schieren Verfügbarkeit von Messern im häuslichen Bereich immer noch mit Brotmessern und Co stattfinden.

Vor allem sähen Sie, wenn Sie die Taten mal zur Kenntnis nehmen würden, dass wir genau diese Debatten – über Tatmittel und Messer – schon im Jahre 2003 und im Jahre 2008 hatten. Das Problem der Messerkriminalität ist älter als Ihre Erzählung von vermeintlich illegalen Grenzöffnungen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen liegen Sie falsch. Sie streuen den Menschen Sand in die Augen. Sie haben keine Konzepte, meine Damen und Herren.

Ich sage aber auch selbstkritisch:

Wir haben zu lange den Ansatz von Klein-Klein beim Waffenrecht gefahren.

Beifallder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich habe vor vielen Jahren ein Praktikum in einer Justizvollzugsanstalt gemacht. Am ersten Tag gab es den Fall eines Insassen, der ein profanes Frühstücksmesser an seiner Fensterbank scharf gemacht und zu einer tödlichen Waffe geformt hatte; er wollte damit seine Verlegung verhindern. Wir müssen erkennen: Waffen und gefährliche Gegenstände

sind leider unendlich in dieser Gesellschaft verfügbar.

Aber umgekehrt gilt auch: Wir haben hier vor wenigen Monaten noch das Sicherheitspaket der Ampel diskutiert, mit dem Verbot, im öffentlichen Personennahverkehr Messer mitzuführen. Wenige Tage später saß eine Frau in der Bahn neben mir, packte Äpfel aus und legte ein Messer daneben – eigentlich genau der Fall, worüber alle sagen: Das ist eine Alltagssituation; das ist eine Art des Gebrauchs, die man tolerieren könnte. Aber soll denn der Vollzugsbeamte entscheiden, ob jemand ein Messer nur für einen Apfel in der Tasche hat, bevor er die Verfolgung aufnimmt? Das ist absurd. Wir haben beim Vollzug des Waffenrechts wirklich den Überblick verloren. Deswegen ist es gut, dass dieser Koalitionsvertrag deutlich benennt: Wir kämpfen a) gegen illegale Gegenstände und Waffen und evaluieren b) bis hin in die Vollzugsebene: Was läuft schief?

Gar nichts!

Die Vollzugs-PS gehören auf die Straße. Wir wollen die Illegalen packen, wir wollen Straftäter verfolgen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Und ja, wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Waffenrecht – digitale und gut vernetzte Behörden.

Reden Sie doch über die Täter!

Aber wir müssen vor allem und zuallererst die Täter und weniger die Tatmittel in den Blick nehmen.

Sie haben genau das Gegenteil eben getan!

Ein Beispiel habe ich selber mal erlebt: Eine Hochzeitsgesellschaft, offenbar sehr mobil, fährt mit Karacho und lauter Musik und hupend über den Pariser Platz. Irgendwann kommt ein mutiger Polizist, diskutiert, hält die Kolonne an; und wenig später fährt sie weiter, hupt noch mal, spielt noch lautere Musik und fährt unter lautem Getöse Unter den Linden davon. – Ich habe später einen Polizeigewerkschafter gefragt: Warum ist das so? Warum hat man denen nicht sofort den Führerschein entzogen und das Auto stillgelegt? – Er sagte mir: Na ja, der gute Polizist wird wahrscheinlich um seine Reputation gefürchtet haben. Er muss sich mit der Beweislastumkehr beim Thema Diskriminierung auseinandersetzen; er fürchtet um seine Beförderung. – Aber gleichzeitig filmen Hunderte von Touristen dieses Vorführen des Rechtsstaates. Es ist das fatale Signal an die Täter: Du gewinnst am Ende, wenn du nur dreist genug bist. – Und genau da müssen wir ansetzen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die neue Bundesregierung hat hier Lösungen im Köcher. Wir haben als Erstes festgehalten: Wir wollen unseren Sicherheitsbehörden vertrauen. Kontrollquittungen und Kennzeichnungspflichten müssen der Vergangenheit angehören. Wir brauchen Polizeibeamte, die gegen Kriminelle vorgehen, ohne Angst haben zu müssen, selber zum Opfer zu werden. Wir brauchen den Kampf gegen illegale Waffen, aber zuallererst müssen wir Täter in den Blick nehmen statt Tatmittel. Wir brauchen individuelle Waffenführverbote für Straftäter und Gefährder. Unsere Polizeibeamten kennen doch ihre Pappenheimer. Wenn bei ersten Straftaten sofort Waffenverbote über 10, 15, 20 Jahre verhängt werden, verbunden mit robusten Kontrollmöglichkeiten, damit man diesen Tätern auf die Pelle rücken kann, und mit harten Strafen bei Verstößen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Innenminister Dobrindt hat hier mit der Verbrechenseinstufung den richtigen Weg beschritten.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Wenn Eltern ihre Kinder abends wieder mit gutem Gefühl in die Klubs dieser Stadt gehen lassen können, dann wächst das Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat. Und das ist das allerbeste Mittel gegen hasserfüllte und konzeptlose Populisten in diesem Land.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Konzeptlosigkeit ist bei der CDU/CSU!

Vielen Dank Ihnen. – Die nächste Rede hält Lukas Benner für Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
18 Vermerkeca. 795 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erst einmal möchte ich allen Opfern der schrecklichen Messerattacke in Bielefeld am vergangenen Wochenende schnelle und gute Genesung wünschen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Dieser feige und menschenverachtende Angriff auf Menschen, die vor einer Bar gefeiert haben, muss schnellstmöglich aufgeklärt werden. Ich danke den Sicherheitsbehörden, dass sie so schnell den mutmaßlichen Täter festnehmen konnten. Inzwischen hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen, weil sich ein terroristisches Motiv verdichtet. Und ich denke, wir hoffen alle, dass die Hintergründe dieser Tat schnellstmöglich aufgeklärt werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, Bars wie die in Bielefeld, Klubs wie das „Pulse“ in Florida, in dem vor neun Jahren 49 Menschen aus queerfeindlichen Motiven getötet wurden,

Dafür sind wir nicht zuständig!

oder Konzerthallen wie das „Bataclan“ in Paris, das wir alle als Ort eines grauenvollen Anschlags kennen, all diese Orte sind ein Symbol für Freiheit, für Lebenslust, für Vielfalt und für Weltoffenheit.

Haben Sie das Thema der Aktuellen Stunde gelesen?

Und genau deswegen sind sie Zielscheibe geworden von jenen, die Freiheit, Vielfalt und Weltoffenheit verachten.

Es gehört zur bitteren Realität, dass unsere offene Gesellschaft von vielen Seiten in Gefahr ist. Dazu zählen der Islamismus und islamistische Gruppen wie der sogenannte „Islamische Staat“, aber eben auch der Rechtsextremismus.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der AfD: Oh!

Wie groß die Gefahr des Rechtsextremismus ist, haben wir erst gestern bei der Vorstellung der Zahlen zur Kriminalitätsstatistik gesehen. Fast 50 Prozent mehr rechtsextreme Straftaten innerhalb eines Jahres,

Aber das Messerattentat ist von einem Syrer!

das ist zutiefst erschreckend und eine Mahnung an uns alle. Die Razzia von heute Morgen bei Mitgliedern einer mutmaßlich terroristischen Vereinigung, der vor allen Dingen junge Menschen angehören, muss uns warnen. Die beiden jüngsten Beschuldigten sind noch keine 16 Jahre alt – noch keine 16 Jahre alt! – und sollen bereits einen Anschlag auf ein Kulturhaus verübt haben.

Hier stehen wieder die Täter im Mittelpunkt!

Meine Damen und Herren, das schockiert mich. Wir dürfen in diesem Land keinen zweiten NSU, kein zweites Hanau und kein zweites Halle zulassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken sowie des Abg. Felix Schreiner [CDU/CSU]

Wir Demokratinnen und Demokraten müssen uns dem entgegenstellen, und wir müssen die Ursachen dieser Probleme bekämpfen. Gut ausgestattete Sicherheitsbehörden und eine gut funktionierende Justiz sind eine Grundvoraussetzung. Aber wer glaubt, dass man mit Law and Order und einfach nur harten Sprüchen etwas erreicht, der täuscht sich; denn es braucht auch Prävention, es braucht Perspektiven und es braucht mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Menschenverachtende Hetze,

…, wie sie von der SPD häufig betrieben wird!

Hass und Gewalt sind das Geschäft der Feinde unserer Demokratie. Und genau da treffen sich Islamisten und Rechtsextreme in ihrem Gedankengut.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

– Dass Sie lachen, ist erschreckend genug. Es zeigt, wo Sie sich einsortieren in dieser Frage.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es zeigt doch, wo Sie sich sehen. Oder was ist daran zum Lachen? Sagen Sie mir, was daran zum Lachen ist!

Weil es lächerlich ist!

Ihre Instrumentalisierung von Taten wie der in Bielefeld, indem Sie sich hierhinstellen und nur über Grenzen reden, das ist rassistisch und verhöhnt die Opfer von Gewalt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das ist Ihre Politik! Sie haben die direkte Verantwortung! Was erlauben Sie sich eigentlich!

Ihr Geschäft ist die Spaltung in diesem Land. Das Gift, das Sie säen, ist Ihre Lebensversicherung.

Wir Demokraten werden uns Ihnen entgegenstellen. Und ich sage allen, die in diese Rhetorik des Überbietens einsteigen: Lassen Sie es sein!

Sie stellen sich hin und erzählen Lügen!

Drehen Sie diese Spirale nicht weiter! Denn sie führt nur an einen Ort: Sie führt in den Abgrund, wo die uns haben wollen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie haben keine Antwort darauf!

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Rasha Nasr für die Sozialdemokraten.

Beifallbei der SPD
Porträt von Rasha Nasr
Foto: Photothek Media Lab
23 Vermerkeca. 1.043 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD will heute über Sicherheit sprechen.

Von wem denn? Von dem Märchengutachten von Frau Faeser!

Das ist genau mein Humor.

Zurufevon der AfD

– Beruhigen Sie sich doch mal! Meine Güte!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Dass Sie sich selbst nicht peinlich sind, ist echt ein Wunder.

Sie wollen also über Messerkriminalität sprechen, einen Begriff, der bestens dafür geeignet ist, Menschen Angst zu machen. Und genau darum geht es der AfD: Angst statt Aufklärung. Die AfD tut hier so, als wolle sie über Sicherheit sprechen. In Wahrheit geht es ihr aber um etwas ganz anderes: Sie sucht sich irgendein Thema, das sich emotional aufladen lässt, und instrumentalisiert es dann, um Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten zu machen. Das kennen wir ja schon.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie des Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]

Ja, es gibt Gewalt in diesem Land, und es gibt auch Taten, bei denen Messer eine zentrale Rolle spielen.

Zurufvon der AfD: 80 am Tag!

Das ist ein vielschichtiges Phänomen. Wer ernsthaft über Gewalt sprechen will, der muss bereit sein, mehr als nur die Teile zu sehen, die ins eigene Weltbild passen.

Jetzt sind wir wieder bei dem Punkt „Verharmlosen und Relativieren“, Frau Kollegin!

Aber dazu sind Sie nicht bereit; das wissen wir.

Was die AfD tut, ist das genaue Gegenteil. Sie betreibt geistige Brandstiftung. Sie zielt auf Menschen, auf Menschen mit Migrationsgeschichte, auf Geflüchtete, auf alles, was nicht in ihr geschlossen völkisches Weltbild passt.

Zurufvon der AfD: Lügen!

Die AfD tut immer so, als sei sie die letzte Verteidigerin der öffentlichen Ordnung.

Beifallbei der SPD und der Linken

Sind wir auch! Wissen Sie eigentlich, warum die SPD mal 40 Prozent hatte und heute nur noch 15?

– Meine Güte, ich habe noch nicht mal die Hälfte meiner Rede gehalten,

Reicht doch!

und Sie kriegen hier Schnappatmung. Kommen Sie doch mal runter!

Ernsthaft jetzt, es ist doch peinlich, was Sie hier machen.

Zurufvon der AfD: Dann lassen Sie sich doch nicht verunsichern!

– Ja, dann lassen Sie mich doch mal reden. Sie brüllen hier die ganze Zeit rein. Es ist total lächerlich, was Sie hier machen.

Während Rechtsextreme Netzwerke aufbauen, Polizistinnen und Polizisten sowie Journalisten bedroht werden und unsere Demokratie von innen unter Druck gerät, ruft die AfD: Das Problem sind die Ausländer. – So einfach ist das in Ihrer Welt. Sie verwechseln Ursache und Wirkung, Täter und Opfer, und das nennen Sie dann „Sicherheitskonzept“. Nein, meine Damen und Herren, das ist kein Konzept. Das ist ein Screenshot aus der Telegram-Verschwörungsgruppe.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wenn wir hier schon über Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit reden, dann ist es doch längst an der Zeit, die AfD als das zu benennen, was sie ist: ein Risiko für unsere Demokratie. Im März letzten Jahres erfuhren wir, dass die letzte AfD-Fraktion und ihre Abgeordneten mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigte, die in Organisationen aktiv sind, die von deutschen Verfassungsschutzämtern als rechtsextrem eingestuft wurden.

Hört! Hört!

Bei dieser nun angewachsenen AfD-Fraktion, die Leute in ihren Reihen hat, die unter anderem Landesverrat begangen haben

Und wie viele sind das bei der Linken?

oder sich haben bestechen lassen oder die sich als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnen, können wir schon davon ausgehen, dass mittlerweile viel mehr Rechtsextreme hier im Hohen Haus unterwegs sind.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Die AfD ist ein Sicherheitsrisiko für Deutschland.

Die SPD ist ein Sicherheitsrisiko!

Sie hat kein Interesse an Lösungen, sondern nur an Eskalation. Man kann keine Politik für die innere Sicherheit machen, wenn man Polizei und Justiz verachtet, wie es die AfD regelmäßig tut.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Man kann keinen Rechtsstaat stärken, wenn man das Recht nur dann achtet, wenn es der eigenen Agenda dient. Die AfD hat keine Lösungen, aber dafür immer einen Sündenbock parat. Ihre Antwort auf komplexe gesellschaftliche Probleme ist immer dieselbe: Schuld sind immer die anderen, die Ausländer, die Arbeitslosen usw. Wir kennen das.

Und für Sie sind immer die Rechten schuld! Das ist Ihr Problem!

Das ist nicht konservativ. Das ist nicht kritisch. Das ist billig.

Wir lassen uns dieses Land nicht von Ihnen kaputtreden, einer Partei, die von einer autoritären Zukunft träumt, die lieber gegen Minderheiten hetzt, als sich für Sicherheit einzusetzen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Wer Messergewalt wirklich bekämpfen will, der muss bereit sein, auf Ursachen zu schauen: auf Armut, auf Perspektivlosigkeit, auf mangelnde Prävention, auf patriarchale Strukturen. All das sind Herausforderungen, die sich eben nicht mit Fremdenfeindlichkeit lösen lassen.

Wenn Sie von der AfD behaupten, Sie wollten das Land sicherer machen, dann erinnere ich Sie gerne an folgenden Satz: Geht es Deutschland schlecht, geht es der AfD gut.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Das ist kein Ausrutscher. Das ist Ihr Geschäftsmodell. Wir sagen: Nicht mit uns! Nicht mit denen, die dieses Land zusammenhalten, statt es auseinanderzureißen, nicht mit denen, die Verantwortung übernehmen.

Sie haben noch 15 Prozent! Wovon sprechen Sie denn?

Sie handeln verantwortungslos!

Wir stehen für einen handlungsfähigen Staat, der für die Sicherheit aller Menschen in diesem Land sorgt, und nicht für den Klamauk, den Sie hier veranstalten.

Vielen Dank.

Ich erteile das Wort für die nächste Rede der Abgeordneten Clara Bünger für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
23 Vermerkeca. 1.094 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Mann hat am Wochenende in einer Bar in Bielefeld Menschen angegriffen und teils schwer verletzt. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen dieser schrecklichen Tat und ihren Angehörigen. Wir wünschen ihnen eine schnelle Genesung.

Beifallbei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es muss an dieser Stelle aber auch gesagt werden, dass es widerwärtig ist, wie die AfD das furchtbare Verbrechen von Bielefeld politisch ausschlachtet,

Och nee! „Ausschlachtet“!

Zurufdes Abg. Steffen Janich [AfD]

um gegen Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten zu hetzen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mit Ihrer Instrumentalisierung zeigen Sie, dass Sie keinerlei Empathie mit den Opfern von Bielefeld haben. Das Einzige, was Sie können, ist, Hetze zu betreiben auf dem Rücken der Betroffenen.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufvon der AfD: Ja, selber!

Was kann denn eine syrische Mutter, die mit ihren Kindern vor dem IS flieht, dafür, dass ein anderer Syrer ein Verbrechen begeht? Genau, gar nichts. Und trotzdem stellen Sie hier alle Geflüchteten unter Generalverdacht. Damit schüren Sie Angst und Hass in unserer Gesellschaft.

Was für ein Quatsch!

Dabei sind es auch viele Menschen muslimischen Glaubens, die vor dem IS fliehen. Das ist eine Realität, die wir alle anerkennen sollten.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der Mitbewohner vom Täter aus Bielefeld hat mitgeteilt, dass sich der Täter in den vergangenen sechs Monaten stark verändert hat. Da war er aber schon lange in Deutschland.

Da sind wir dran schuld, ne?

Das zeigt doch vor allem eine Sache: dass es endlich Investitionen in psychosoziale Betreuung geben muss.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD: Oh!

Warum sprechen wir nicht darüber? Warum sprechen wir nicht über Deradikalisierung, über Programme gegen islamistische Radikalisierung?

Jesus Maria! Weil das nicht leistbar ist! Weil Sie das Land überfordern! Und weil Sie unser Land und die Gesellschaft spalten! Deshalb!

Was Sie fordern, sind Massenabschiebungen selbst in Länder, in denen islamistische Gruppen wie der IS oder die Taliban herrschen. Und dann noch diese Erzählung, weniger Migration mache das Land sicherer. Das ist kompletter Unsinn, was Sie da erzählen.

Zurufdes Abg. Martin Hess [AfD]

Gewalt ist nicht migrationsbedingt.

Sie ist vor allem eines: männlich,

Lachendes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

sozial bedingt und oft Ausdruck von Ausgrenzung.

Wer keine Perspektive hat, keine Chance auf Teilhabe, kein soziales Netz, wird eher straffällig, und genau dieses System der sozialen Isolation bauen Sie von der AfD mit auf.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Zahl politisch motivierter Straftaten ist in Deutschland insgesamt auf einem Rekordhoch. Der größte Anteil sind rechte Straftaten: über 42 000 allein im Jahr 2024, mehr als jemals zuvor in der Statistik vorkamen.

Zurufdes Abg. Steffen Janich [AfD]

Das heißt: alle zwölf Minuten eine rechte Straftat.

Beifallbei Abgeordneten der Linken
Zurufdes Abg. Hannes Gnauck [AfD]

Laut Opferberatungsstellen gibt es täglich durchschnittlich neun körperliche Angriffe mit rechter, rassistischer oder antisemitischer Motivation – Angriffe, bei denen Menschen verletzt werden, weil sie eben nicht ins Weltbild der Täter passen. Erst heute Morgen fanden Razzien und Festnahmen gegen eine Gruppe junger Neonazis statt. Sie sollen Anschläge auf Geflüchtete und politische Gegner durchgeführt und geplant haben. Fünf Festnahmen, Sprengstoffpläne, Ziel: der Umsturz der Demokratie – kein Wort von Ihnen, kein Antrag, kein Aufschrei. Dabei zeigen die Zahlen vor allem eines: Die größte Gefahr in diesem Land geht vom Rechtsextremismus aus.

Beifallbei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das Schweigen von der AfD hat genau einen Grund: Ihre Hetze und Rhetorik tragen zur Radikalisierung bei.

Denn während Sie gerne über kriminelle Ausländer reden wollen, sitzen die Kriminellen doch längst in Ihren eigenen Reihen: Mehrere AfD-Abgeordnete wurden wegen Straftaten verurteilt, darunter Körperverletzung, Volksverhetzung, gefährliche Angriffe, Waffenbesitz – Waffenbesitz bei der AfD! Ich könnte die Liste noch fortführen. Wäre die Kriminalitätsrate der Gesamtbevölkerung so hoch wie bei der AfD, wie bei Ihren Mandatsträgern, hätten wir ein massives Sicherheitsproblem in diesem Land.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Ihre Fraktion hat übrigens mal Christian Klar beschäftigt! Wollte ich Ihnen nur mal mitteilen!

Und dass Sie die Chuzpe haben, hier von Recht und Ordnung zu sprechen, ist doch komplett absurd.

Meine Damen und Herren, dabei haben Islamisten und Neonazis doch viel gemeinsam: Sie sind antisemitisch, rassistisch, autoritär,

frauenfeindlich. Sie glorifizieren Gewalt, denken in Feindbildern, geben sich als Opfer und wollen entscheiden, wer leben darf und wer nicht. Kein Wunder, dass Biografien existieren, in denen Neonazis zu Islamisten werden oder umgekehrt.

Die Antwort auf islamistischen Terror kann niemals sein, AfD-Positionen zu übernehmen; das macht die Brandstifter nämlich nur noch stärker. Wir sagen: Schaffen Sie Perspektiven! Dann reden wir über Bildung, Deradikalisierung, Prävention und nicht über populistische Ablenkung. Denn wer Geflüchtete entrechtet, raubt am Ende uns allen die Rechte, und wer Faschisten hinterherläuft, bereitet ihnen den Weg.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen Dank. – Ich erteile für die nächste Rede das Wort dem Kollegen Stephan Mayer für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Ich bin der Meinung: Bei allem berechtigten Streit um die richtige politische Position in dieser Aktuellen Stunde sollten unsere Gedanken bei den Opfern, bei den Betroffenen des schrecklichen und verwerflichen Messerattentats vom vergangenen Wochenende in Bielefeld sein. Denn ich habe den Eindruck, dass die überwiegende Mehrheit unserer Bevölkerung kein Verständnis dafür hat, dass wir uns hier in parteipolitisches Gezänk begeben und die Opfer leider außer Acht lassen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, natürlich ist diese Phalanx von Messerattentaten – Brokstedt, Mannheim, Solingen, jetzt Bielefeld – in keiner Weise akzeptabel. Ich habe persönlich auch sehr viel Verständnis dafür, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger jetzt zu Recht die Politik in die Verantwortung nehmen, dafür zu sorgen, dass man sich wieder sicher in den Stadtpark begeben kann, dass man sicher und getrost auf einen Weihnachtsmarkt gehen kann, dass man auch eine Aufstiegsfeier, wie am vergangenen Wochenende in Bielefeld, besuchen oder an einer Demonstration, an einer Versammlung wie in München teilnehmen kann. Wir als politische Mandatsträger sind wirklich in der Verantwortung, hier im Deutschen Bundestag dafür zu sorgen, dass sich das oft zitierte subjektive Sicherheitsgefühl unserer Bevölkerung wieder verbessert. Da helfen uns aus meiner Sicht weder populistische Anklagen und Vorwürfe, noch hilft uns, glaube ich, wenn wir bestimmte Dinge einfach verharmlosen.

Es ist einfach ein Faktum, dass die Anzahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikte, bei denen Messer eine Rolle gespielt haben, von 2023 auf 2024 um 10,8 Prozent gestiegen sind. Und es ist auch ein Faktum, dass über 50 Prozent der Straftäter, bei denen Messer eine Rolle spielen, nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das ist zur Kenntnis zu nehmen, und es ist aus meiner Sicht auch entsprechend darauf zu reagieren.

Hört! Hört!

Deswegen bin ich dem Bundesinnenminister sehr dankbar, dass er sehr schnell nach der Aufnahme seiner Amtsgeschäfte eine Migrationswende ins Werk gesetzt hat. Und ich kann Ihnen, meine lieben Kollegen von der AfD, nur sagen – Sie werden das sehen und dann auch immer leiser werden –: Diese Migrationswende wirkt.

Ich würde mir wünschen, wir würden leiser!

Die Anzahl der illegalen Einreisen nach Deutschland nimmt deutlich ab; die Anzahl der Zurückweisungen nimmt deutlich zu. Wir werden wesentlich intensiver Gefährder und Straftäter abschieben – und ich sage ganz deutlich hinzu: auch nach Afghanistan und Syrien.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich bin dem Bundesinnenminister auch sehr dankbar, dass er nicht nur eine Migrationswende, sondern auch eine Sicherheitsoffensive ausgerufen hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich, was die Gewährleistung der inneren Sicherheit anbelangt, in den kommenden vier Jahren hier in Deutschland vieles verändern und – um es deutlich zu sagen – verbessern wird. Ich begrüße außerordentlich, dass im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ganz dezidiert steht, dass wir die gefährliche Körperverletzung zum Verbrechenstatbestand erheben, sprich: mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr belegen, und dass wir bei gefährlichen, staatswohlgefährdenden Straftaten nach § 89a StGB die Verwendung von Messern, aber auch von Pkws als Tatmittel einbeziehen. Das sind zwei ganz konkrete, wichtige strafrechtliche Maßnahmen, die wir hoffentlich schnell in die Tat umsetzen werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Ingo Vogel [SPD]

Liebe Frau Bünger, Sie haben noch ein Thema angesprochen, nämlich dass man die psychosozialen Angebote erweitert, dass man Prävention und Deradikalisierung stärker in den Blick nimmt. Ich bin ja gar nicht dagegen. Aber wenn ich mir zum Beispiel den Täter vom vergangenen Wochenende in Bielefeld anschaue – zumindest nach dem, was jetzt bekannt ist –, bin ich der Meinung: Da hätte die beste psychosoziale Prävention nicht geholfen.

Zurufvon der SPD: Weil Sie Psychologe sind?

Deswegen muss eines klar sein: Wer Böses im Schilde führt, wer nicht bereit ist, sich in Deutschland nach deutschem Recht und Gesetz zu benehmen und aufzuhalten, der hat in Deutschland nichts verloren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Deswegen bleibt es dabei: Wir werden wesentlich intensiver an der deutschen Außengrenze zurückweisen, bis die Zahlen wirklich signifikant nach unten gehen. Wir werden wesentlich intensiver abschieben. Wir werden wesentlich mehr Länder zu sicheren Herkunftsstaaten ausrufen. Und wir werden natürlich auch die Themen des Abschiebe- bzw. des Ausreisegewahrsams stärker in den Blick nehmen.

Ich bin der festen Überzeugung: Dieser schreckliche Vorfall, dieses schreckliche Attentat vom vergangenen Wochenende in Bielefeld, muss der allerletzte Weckruf sein und dazu führen, dass sich die Sicherheitspolitik in Deutschland wirklich signifikant verändert.

Der wievielte allerletzte Weckruf ist das denn?

In diesem Sinne kann ich Ihnen und vor allem den Bürgerinnen und Bürgern eines klar zusagen: Wir machen Ernst mit der Politikwende, wir machen Ernst mit der Migrationswende, und wir machen Ernst mit der Sicherheitsoffensive.

Beifallbei der CDU/CSU

Na, dann macht mal los!

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort zu seiner ersten Rede im Hohen Haus dem Abgeordneten Sascha Lensing von der AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Sascha Lensing
Foto: Sascha Lensing
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauer auf den Tribünen! Für mich persönlich polarisiert kein Satz in der deutschen Innenpolitik stärker als der Satz „Wir schaffen das“ – ein jetzt schon geschichtsträchtiger Satz. Dieser hätte falscher nicht sein können, und jeder echte Sicherheitsexperte wusste dies bei der Grenzöffnung.

Beifallbei der AfD

Der Beginn der „Herrschaft des Unrechts“, wie Horst Seehofer, der damalige Bundesinnenminister es richtigerweise nannte, ist die Ursache. Und heute sehen wir die Wirkung, leider aktuell auch in Bielefeld.

Die Wahrheit ist: Wir haben es nicht geschafft. Die innenpolitischen Folgen des verhängnisvollen Satzes „Wir schaffen das“ sind dramatisch: islamistische Terroranschläge, Massenvergewaltigungen als neues, importiertes Kriminalitätsphänomen, ausgelassene Feiern der Party- und Eventszene mit Tumulten und selbstgebauten Sprengmitteln in deutschen Innenstädten, eine Mocro-Mafia, die sich durch Nordrhein-Westfalen bombt, ausufernde Messergewalt bundesweit, Drogenkriminalität an nahezu allen Schulen und ein Anstieg der Gewalt- und Tötungsdelikte. Zudem steht die nächste Freibadsaison erst noch ins Haus.

Beifallbei der AfD

In Ihrer Ausbildung haben Sie nicht so gut aufgepasst im Recht, was?

Der innenpolitische Kontrollverlust ist polizeilich nicht mehr zu lösen.

Sie sind ja auch bei der Polizei!

Hier müssen andere politische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das zeigen exemplarisch die letzten Taten allein in Nordrhein-Westfalen schonungslos: 23.06.2024, Kurpark Bad Oeynhausen: Der 20-Jährige Philippos wird von einem Syrer zu Tode geschlagen und getreten. 23.08.2024, Solingen: Ein 26-jähriger Syrer ermordet ausgerechnet auf dem Festival der Vielfalt drei Menschen. Wie später bekannt wurde, hätte der Täter schon längst nach Bulgarien rücküberstellt werden müssen.

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Zuständige Ministerin: Josefine Paul von den Grünen, die von der „Süddeutschen“ nicht zu Unrecht als „Gesicht des Versagens“ bezeichnet wurde.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Hört! Hört!

07.05.2025: Die Chefin einer „New Yorker“-Filiale in Krefeld wird von einem 25-jährigen afghanischen Mitarbeiter abgestochen.

Und jetzt, 18.05.2025:

Ein Syrer versuchte in Bielefeld, mit einem Messer – einem Stockdegen – fünf Fußballfans abzustechen. Vier Männer und eine Frau werden teils schwerst verletzt.

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Der Täter konnte zunächst flüchten. Einem Spezialeinsatzkommando der Polizei NRW gelang am 19.05. in Heiligenhaus die Festnahme. Den Einsatzkräften gilt unser herzlichster Dank.

Beifallbei der AfD

All dies sind nur kleine Ausschnitte, die exemplarisch zeigen, was unseren Bürgern zugemutet wird. Und ja, nicht immer, aber allzu oft wiederholt sich hier leider ein gewisses Muster:

Zurufvon der AfD: Genau wie bei den Grünen!
Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Täter männlich, jung, muslimisch, Asylbewerber, oftmals bereits abgelehnt und ausreisepflichtig; Tatmittel Messer.

Beifallbei der AfD

Und ich sage Ihnen das nicht als Theoretiker, sondern als Praktiker mit 30 Jahren Berufserfahrung in der Kriminalitätsbekämpfung. Was wir schaffen müssen, ist ein konservativer Politikwechsel, den es nur mit der Alternative für Deutschland gibt.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Was Sie hier geschafft haben, ist ein innenpolitisches Staatsversagen erster Klasse, und das trifft die Bevölkerung, unsere Polizei, unsere Rettungskräfte gleichermaßen. Islamistischer Terror wird hier seit Jahren kleingeredet. Nur, die Taten können nicht länger ignoriert werden. Der rosarote Elefant der importierten Terroristen und der Antisemiten steht nicht länger nur im Raum, sondern er trompetet laut.

Beifallbei der AfD

Kein Polizist, kein Bürger hat diesen Kontrollverlust verdient. Er ist politisch hausgemacht.

Für die erste Rede ziemlich das Letzte!

Ich sage Ihnen: Die Anzahl der Bürger, die diesen Zustand nicht länger hinnehmen wollen, wird jeden Tag und mit jeder Tat größer. Ihre berühmten Einzelfälle fallen Ihnen in immer kürzeren Abständen auf die Füße. Messerkriminalität entwickelt sich längst zum Massenphänomen. Stoppen Sie diese Gewaltorgien! Schließen Sie die Grenzen! Veranlassen Sie endlich Abschiebungen im großen Stil, und schützen Sie die Bürger unseres Landes!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Was für eine Schande!

Zu seiner ersten Rede darf ich dem Kollegen Ingo Vogel von der SPD das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Porträt von Ingo Vogel
Foto: Ingo Vogel/ Olaf Schwickerath - Fotostudio Lichtschacht, Essen
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Trotz örtlich zum Teil und insgesamt sinkender Zahlen der Gesamtkriminalität ist bei den Gewalttaten mit dem Tatmittel Messer seit Jahren nach wie vor ein Anstieg zu verzeichnen und zu beklagen. Vorneweg möchte ich betonen, dass – über jede Statistik hinaus – jede einzelne Gewalttat, insbesondere mit dem Tatmittel Messer, eine Gewalttat zu viel ist.

Beifallbei der SPD

Angriffe mit Messern sind besonders gefährlich und führen oftmals zu erheblichen Verletzungen oder enden tödlich. Dies führt nicht nur zu einer starken Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls der Menschen in unserem Land, sondern stellt auch eine echte, konkrete Gefahr dar. Messer können sehr gefährliche Waffen sein, sind allerdings überall verfügbar und dürfen grundsätzlich mitgeführt werden. Dies ist insbesondere bei Großveranstaltungen und Volksfesten gefährlich, aber eben auch im Alltag im öffentlichen Raum.

Viele Maßnahmen haben Bund, Länder und Kommunen bereits auf den Weg gebracht, um diesem Gewaltphänomen entgegenzuwirken – mal mehr und mal weniger erfolgreich. Die aktuellen Fälle und der weitere Anstieg der Fallzahlen zeigen jedenfalls, dass dies alles noch nicht ausreicht.

Von Änderungen – also Verschärfungen – im Waffenrecht über Waffenverbotszonen bis hin zu Regelbeispielen, welche Personen charakterlich nicht geeignet sind und daher keine Messer und Waffen besitzen und führen dürfen, sind diverse Maßnahmen auf den Weg gebracht worden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Maßnahmen und auch die kleinteilige Ausarbeitung zur Art eines Messers oder zur Klingenlänge allein den gewünschten Erfolg bringen können, nämlich in der Form, dass solche Taten verhindert werden; denn es gibt nicht die eine Ursache, warum Messer als Waffe eingesetzt werden. Zum Teil reichen nichtige Anlässe und kleinere Streitereien aus, sodass es zu einer Messertat kommt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Unser gemeinsames Ziel muss es an der Stelle sein und bleiben, die Zahl der Angriffe mit Messern zu reduzieren, und zwar am besten auf null. Dies kann aus unserer Sicht letztlich nur durch ein komplettes Messerverbot gelingen – wenn diese Waffen im öffentlichen Raum einfach nicht mehr vorkommen und eine gesetzliche Grundlage für polizeiliche Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Beschlagnahme des Messers, besteht. Einzelne Waffenverbotszonen dienen bereits als Rechtsgrundlage für Maßnahmen, aber enden eben örtlich ein paar Meter weiter. Und das ist offenbar nicht ausreichend und zielführend genug.

Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht diejenigen vergessen, die zum Beispiel aus beruflichen Gründen ein Messer benötigen: im Handwerk, in der Gastronomie, auf den Wochenmärkten, bei den Schaustellern, bei den Jägern und anderswo. Hier können begründete Ausnahmen bei einem Verbot direkt mitformuliert werden, sodass keine beruflichen Einschränkungen zu erwarten sind.

Wir brauchen ergänzend dazu einen umfassenden und flächendeckenden Dreiklang von Prävention, Repression und gezielten Antigewaltkampagnen, der gesamtgesellschaftlich getragen wird.

Beifallbei der SPD

Es muss in die Köpfe der Menschen hinein, dass man privat kein Messer im öffentlichen Raum benötigt, und ich meine hier nicht das bereits angesprochene kleine Werkzeug, zum Beispiel zum Schälen eines Apfels.

Noch ein Punkt ist mir sehr wichtig: Es geht nicht allein um religiös oder politisch motivierte Gewaltkriminalität und Anschläge. Die gibt es natürlich, die sind auf das Schärfste zu verurteilen, und die müssen wir am besten von vornherein verhindern. Das ist gar keine Frage. Aber es geht auch um den Alltag in unserem Land, und der fängt beim Thema Messer bereits auf unseren Schulhöfen an. Für manche ist morgens der Griff nach einem Messer neben dem Griff nach Portemonnaie, Schlüssel und Handy offenbar normal. Das ist es aber eben nicht. Es ist nicht normal, und hier muss ein Umdenken stattfinden.

Beifallbei der SPD

Ich möchte darüber hinaus auch ganz kurz auf die letzten Demonstrationen und Versammlungslagen eingehen. Ich bin sehr froh, dass unser Grundgesetz die Versammlungsfreiheit und die Freiheit der Meinung als hohes Gut schützt; denn das ist in dieser Welt nicht selbstverständlich. Aber klar ist auch, dass Versammlungen friedlich und ohne Waffen zu erfolgen haben. Gewalt und auch Messerangriffe gegen Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdienste sind völlig inakzeptabel; sie sind ein Angriff auf den Staat, ein Angriff auf die Gesellschaft und auf uns.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen in aller Konsequenz dafür sorgen, dass die Menschen, die in Ausübung ihrer dienstlichen Tätigkeit im Dienst der Gesellschaft stehen, bestmöglich geschützt und beschützt werden. Wer andere, ob Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte oder Dritte, verletzt, beleidigt oder sonst wie schädigt, demonstriert eben nicht mehr friedlich und ohne Waffen und muss die Konsequenzen des Rechtsstaates für sein persönliches Handeln tragen. Hierfür braucht es weiterhin einen gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Michael Donth [CDU/CSU] und Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zum Abschluss möchte ich noch einmal betonen: Uns allen geht es besser ohne Messer. – Gewalt, Spaltung, Hass und Hetze nehmen in unserem Land leider zu. Lassen Sie uns aus diesem gewalttätigen Gegeneinander wieder ein soziales Miteinander machen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich darf für Bündnis 90/Die Grünen Frau Dr. Lena Gumnior aufrufen.

Porträt von Lena Gumnior
Foto: Lena Gumnior/ Stefan Kaminski
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Demokratinnen und Demokraten!

Zurufvon der AfD: Oah!

Das hatten wir schon mal!

Zuallererst: Ich bin in Gedanken bei den Opfern der Tat vom vergangenen Sonntag in Bielefeld und ihren Angehörigen. Ich wünsche allen eine schnelle Genesung!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Worte der Anteilnahme stehen für sich.

Ich möchte an dieser Stelle etwas Grundsätzliches sagen: Unsere Gesellschaft hat ein Kriminalitätsproblem in einem Ausmaß, wie es hier heute noch gar nicht angesprochen wurde. Ich finde, das muss man mal tun. Wir als Parlament müssen uns einmal ganz genau anschauen, wo in diesem Land jeden Tag Menschen von schwerster Kriminalität bedroht sind und Opfer von ihr werden.

938 Mädchen und Frauen sind im vergangenen Jahr zu Opfern von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten geworden. Die Täter waren ihre Ehepartner, ihre Freunde oder ihre Ex-Freunde, aber vor allem waren es Männer.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt ist Alltag. Sie wurzelt in Sexismus, in ungleichen Machtverhältnissen, in Geschlechterstereotypen, und daraus wird tagtäglich tödlicher Hass.

Allein in den letzten Wochen: Ein Mann überfährt seine Ehefrau und tötet sie; ein Mann übergießt seine schlafende Frau mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündet sie an; ein Mann erschießt seine Ex-Freundin und dann sich selbst mit seiner Dienstwaffe; am selben Tag ersticht ein Mann seine Ex-Partnerin.

Zurufvon der AfD: Wir reden hier über Messer!

Ich werde hier nichts zur AfD sagen. Die ist ein Fall für den Verfassungsschutz; damit soll sich das oberste Gericht in Karlsruhe befassen.

Aber was mich wirklich wütend macht, ist diese Ignoranz der Union. Sie haben den Innenausschuss nach schweren Taten immer wieder zusammenrufen lassen, nach Solingen, nach Magdeburg – völlig zu Recht, weil wir uns als Parlament mit solchen Taten befassen müssen. Aber es ist Ihnen nicht im Traum eingefallen, nach vier Femiziden in zwei Wochen eine politische Befassung zu beantragen.

Ich habe auch heute genau zugehört: Von Ihnen kommt nichts zu diesem Thema. Warum verschließen Sie die Augen, wenn die Gewalt von Tätern ausgeht, die Thomas, Michael oder Mark heißen?

Wir haben heute unsere Ausschüsse konstituiert; wir sind arbeitsfähig. Setzen Sie Femizide mit uns zusammen auf die Tagesordnung! Dafür hätten Sie meinen großen Respekt.

Das ist nicht die einzige Art von Kriminalität, die in diesem Haus unterm Radar fliegt. Wir haben in diesem Land neben Femiziden noch einen weiteren Anstieg im Bereich Kriminalität. Auch diese Art von Kriminalität betrifft Menschen in ihrem Alltag:

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

auf den Straßen, beim Einkaufen, zu Hause mit ihrer Familie. Sie betrifft Menschen in unseren Kommunalparlamenten, Menschen, die bei uns Schutz suchen. Sie betrifft unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Kollegen und unsere Kinder.

Sie meinen den Linksextremismus!

Im letzten Jahr sind die Taten von Rechtsextremisten um fast 50 Prozent gestiegen. Jede zweite Tat mit politischem Motiv wird von Nazis begangen! Diese Zahlen machen doch eins deutlich: Wir haben ein Rechtsextremismusproblem in Deutschland. Nazis sind zur größten Sicherheitsbedrohung in unserem Land geworden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das sind zum erheblichen Teil Propagandadelikte! Wenn Linke ein Hakenkreuz anschmieren, ist das ein rechtes Delikt! Das muss man eben mal wissen!

Und nein, Herr Dobrindt, der Linksextremismus und der Rechtsextremismus sind nicht gleichermaßen ein Problem. Im rechten Spektrum haben wir Parallelwelten aus NSU, aus Reichsbürgern, aus Menschen, die sich über TikToks des parlamentarischen Arms des Rechtsextremismus radikalisieren und dann zu Tätern werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Wen meinen Sie denn?

Aber wir sind all dem nicht schutzlos ausgeliefert. Wenn Sie von Union und SPD hier heute rausgehen und sagen: „Das kann so nicht bleiben“, dann suchen Sie die Lösung bitte nicht im Strafgesetzbuch oder bei den bösen Ausländern,

Bei den bösen Grünen!

sondern machen Sie sich gerade! Verbessern Sie die Sicherheit in unserem Land! Finanzieren Sie Melde-, Anlauf- und Beratungsstellen für Opfer von Gewalt!

Das hat echt toll funktioniert die letzten zehn Jahre! Toll!

Was gibt es denn da dazwischenzurufen?

Setzen Sie die Istanbul-Konvention endlich vollumfänglich um!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Bilden Sie Richter/-innen und Staatsanwältinnen und -anwälte im Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt fort! Fördern Sie die Bildungsarbeit in Schulen und Kindergärten zu Geschlechterstereotypen!

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Stärken Sie die Zivilgesellschaft mit einem Demokratiefördergesetz!

Sie haben jahrelang die Gelder in das linkskriminelle und linksextreme Vorfeld gesteckt!

Mit verfassungsfeindlichem Vorfeld kennen Sie sich aus!

Und vollstrecken Sie die mehr als 800 ausstehenden Haftbefehle gegen Rechtsextremisten! Dann wird dieses Land für uns alle sicherer werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion erhält das Wort Herr Josef Oster.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
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Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben eine angespannte sicherheitspolitische Lage im Land; das kann niemand ernsthaft bestreiten.

Was aber heute in dieser Debatte wieder deutlich wird: Weder der ganz rechte Rand noch der ganz linke Rand kann und wird ein Teil der Lösung sein, sondern sie sind ein Teil des Problems.

Einen Beitrag, der von Vernunft oder gar Sachlichkeit geprägt wäre, habe ich jedenfalls am heutigen Nachmittag von diesen beiden Seiten nicht gehört.

Klar ist aber: Nach den Attentaten und Anschlägen der letzten Monate sind die Zahlen, die wir am gestrigen Tag gehört haben, ein erneuter Weckruf. Sie machen deutlich, wie groß der sicherheitspolitische Handlungsbedarf in unserem Land ist.

Sie sind doch nach Hunderten Weckrufen nicht wach geworden!

Und sie machen klar: Wir brauchen eine entschlossene Sicherheitsoffensive in unserem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Gewalt in unserer Gesellschaft nimmt zu, und damit geht eine zunehmende Bedrohung für unsere gesamte Bevölkerung einher. Das dürfen wir als politisch Verantwortliche natürlich nicht hinnehmen.

Ganz besonders, verehrte Kolleginnen und Kollegen, steigt dadurch aber auch die Bedrohung für unsere Einsatzkräfte. Der Messerangriff auf einen Polizisten kürzlich hier in Berlin-Neukölln hat das erneut auf tragische Weise gezeigt. Er reiht sich ein in eine erschreckende Serie von Gewalttaten, eben auch gegenüber unseren Sicherheitskräften. Deshalb muss und wird gerade auch hier ein Schwerpunkt der neuen Regierung liegen: Wer uns schützt, hat die uneingeschränkte Rückendeckung der politisch Verantwortlichen verdient.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Was wir, verehrte Kolleginnen und Kollegen, aber nicht brauchen, sind die typischen Verhaltensmuster der AfD. Irgendwo geschieht eine Gewalttat oder ein Anschlag, und die AfD versucht postwendend, politisches Kapital daraus zu schlagen.

Zurufvon der AfD: Ihr seid doch die Ursache für alles!

Das ist ein ebenso vorhersehbares wie schäbiges Verhalten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Lassen Sie uns über neue Wege reden, die Sie aber andererseits möglichst nie beschreiten! Das ist doch das Motto der CDU!

Die AfD verdrängt dabei offensichtlich, dass die Bundesregierung gewechselt hat. Wir haben einen anderen Bundeskanzler, und wir haben vor allen Dingen einen anderen Bundesinnenminister, der andere Schwerpunkte setzen wird und – das ist unübersehbar – das in den ersten Tagen seiner Amtszeit schon entschlossen und entschieden gemacht hat.

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Das ist gut so, und das war auch überfällig. Was dieser Bundesinnenminister ganz gewiss nicht braucht, sind Aktuelle Stunden der AfD, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es gibt einen weiteren Aspekt in Sachen innere Sicherheit, der jedenfalls mich durchaus zuversichtlich stimmt: Die wirklichen Bremser der letzten Jahre in Sachen innere Sicherheit gehören der neuen Bundesregierung nicht mehr an. Das waren unbestritten die FDP und eben auch insbesondere die Grünen.

Und die SPD! Und die CDU!

Weitere Zurufe von der AfD

Die Kultur des Misstrauens gegenüber unseren Sicherheitsbehörden ist damit zu Ende, und das ist gut so, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Zu einer solchen Debatte gehört aber auch die Erkenntnis und die Feststellung, dass es in einer offenen und freien Gesellschaft niemals absolute Sicherheit geben kann. Jedem seriösen Politiker ist das bewusst, und wer etwas anderes behauptet, argumentiert nicht redlich.

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Dennoch muss ein Staat, muss eine Regierung das Bestmögliche tun, um die eigene Bevölkerung zu schützen.

Zurufvon der AfD: Zurücktreten!

Mit dieser Bundesregierung und mit diesem Bundesinnenminister beginnt eine neue Sicherheitskultur in unserem Land. Es wird einen echten Politikwechsel in der inneren Sicherheit geben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt auf jeden Fall nicht!

Diese neue Kultur beginnt, ganz unabhängig von gesetzgeberischen Maßnahmen, mit Rückendeckung für und Vertrauen in die Arbeit unserer Sicherheitsbehörden.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich darf das Wort erteilen an Herrn Dr. Christian Wirth, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christian Wirth
Foto: Dr. Christian Wirth/ Hagen Schnauss
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Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Mitdemokraten! Herr Oster, Sie und Ihre Partei haben 2015 die Grenzöffnung verantwortet. Uns jetzt vorzuwerfen, wir würden das instrumentalisieren, nachdem Sie im letzten Jahr unsere Position, die wir seit zehn Jahren vertreten, abgeschrieben haben und jetzt wieder rückwärtslaufen, finde ich ein bisschen stramm.

Beifallbei der AfD

Bei den Rednern – Frau Nasr von der SPD, Frau Bünger von den Linken und Herrn Benner von den Grünen –

Aber keinen einzigen Namen richtig ausgesprochen! Respekt! Das muss man erst mal hinkriegen! Die deutsche Sprache ist schwer!

möchte ich mich ausdrücklich für den Werbeblock bedanken. Relativierung und Verharmlosung von Kriminalität ist schon ein starkes Stück. Aber wer kennt das nicht: Frauen, Juden, Homosexuelle, die sich abends nicht mehr auf Straßen und in öffentliche Verkehrsmittel trauen, weil sie Angst haben, sie könnten einem AfD-Unterstützer begegnen? Vielen Dank für diese Ausführungen! Ich kann den Zuschauern und Zuhörern nur sagen: Nein, wir bezahlen sie nicht für diese Werbung. Das machen sie ganz alleine.

Beifallbei der AfD

Herr Henrichmann, nicht die Messer sind das Problem, sondern die Personen, die sie als Tatwaffe einsetzen. Das ist das Problem, das wir haben.

Beifallbei der AfD

Hier ist eindeutig das Problem – das zeigt auch die Statistik –, dass wir zu viele arabische und afrikanische Migranten illegal ins Land gelassen haben. Das hat Helmut Schmidt schon in den 2000er-Jahren vorhergesagt; das will hier niemand zur Kenntnis nehmen. Aber Helmut Schmidt würde heute auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden; davon gehe ich mal aus.

Beifallbei der AfD

Wir müssen uns ehrlich machen und der Realität ins Auge blicken. Seit mindestens zwölf Jahren haben wir einen Kontrollverlust über unsere Grenzen. Jeder kann illegal einreisen, niemand muss wieder gehen, und so gut wie jedem steht mittelfristig sogar die Einbürgerung in Aussicht. Wenn wir nur die 3 Millionen Asylanträge nehmen – dazu kommen noch Familiennachzug und Schutzbedürftige – und nur ein Bruchteil davon neigt zur Gewalt, was wir bei kulturfremden Leuten aus gewissen sozialen Schichten leider annehmen müssen, ist die Masse so riesig, dass sich dieser winzige Bruchteil deutlich bemerkbar macht. Wenn von 1 000 Asylanten auch nur 1 Promille zur Gewalt neigt, zum Messer greift,

Das ist weniger als bei der AfD!

reden wir bei 3 Millionen Asylanten über 3 000 Personen. Und die Messerkriminalität ist nicht das einzige Feld. Wir haben die Felder des Islamismus, des islamischen Antisemitismus, der Frauenfeindlichkeit, der Homophobie,

Ja! Bei der AfD!

der Zwangsehen und Frauenbeschneidungen – alles Themen, die im linken Bereich gar nicht mehr vorkommen, die als Kollateralschäden in Kauf genommen werden, damit Ihre Klientel hier in Deutschland bleiben kann.

Als ob Sie die Rechte der queeren Community interessieren! Als ob!

Sie sollten mal den Titel Ihrer Aktuellen Stunde übernehmen!

Kanzler Merz hatte vor der Wahl groß verkündet, er wolle einiges anders machen als die Vorgängerregierung. Wie wenig davon nach der Wahl im Koalitionsvertrag übrig blieb, haben wir schon letzte Woche festgestellt. Herausgreifen möchte ich nur zwei Äußerungen aus jüngster Vergangenheit:

Der CDU-Generalsekretär Linnemann sagte, die Migrationsabstimmung mit der AfD in der vergangenen Wahlperiode sei ein Fehler gewesen – obwohl Sie unsere Themen übernommen haben.

Sie sollten mal den Titel Ihrer Aktuellen Stunde übernehmen!

Ich bin gespannt, wie die Migrationsbestimmungen mit Ihrem Wunschkoalitionspartner SPD ablaufen werden und welche Änderungen Sie mit denen erreichen werden. Ich befürchte, keine. Sie werden sehen: Die NGOs werden bereits in Stellung gebracht; sie werden klagen. Allein die Notlage wird die Grenzschließungen nicht auf eine sichere Rechtsgrundlage stellen. Ich habe dazu bereits ausgeführt und bin gerne zu Gesprächen bereit.

Die zweite Äußerung tätigte Bundeskanzler Merz. Er versprach, Deutschland werde ein tolerantes, offenes und ausländerfreundliches Land bleiben. Ich sage Ihnen: Sie werden genau das nicht erreichen, wenn Sie so weitermachen; denn wir haben Probleme mit genau der Klientel, die eben nicht weltoffen, freundlich, divers und sonst was ist.

Das sagt ein AfDler!

Die Saat ist in den Schulen bereits aufgegangen. Wenn bereits an Gymnasien Schüler aus Angst konvertieren, wenn Frauen an Gymnasien nicht mehr anziehen dürfen, was sie wollen – an Gymnasien! –,

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Quatsch!

dann haben wir ein ernstes Problem.

Sie können nicht mal ablesen!

Ich nenne noch ein Beispiel von der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Moabit. Da hat sich ein Lehrer als homosexuell geoutet. Er wird diskriminiert, körperlich angegriffen und hat sich krankschreiben lassen müssen. Da fallen Worte wie: Du Schwuler, geh weg! Der Islam ist hier der Chef! Er sei eine Familienschande, eine Schande für den Islam, unrein, ekelhaft und kein Mann. Er werde in der Hölle landen. Die Christen würden bald zerstört werden.

Anekdotische Evidenz!

Wenn man diese Signale nicht beachtet, dann gnade uns Gott.

Beifallbei der AfD

Für die AfD ist klar: Wir werden den millionenfachen Asylmissbrauch beenden und endlich zu einer geregelten Einwanderungspolitik zurückkehren. Diese hat sich an unserem Bedarf zu orientieren. Die Einwanderer müssen integrationswillig sein und haben auf legalem Weg einzureisen. Alles andere ist mit einer Nulltoleranzpolitik zu beantworten. Gewaltkriminalität ist entschlossen zu begegnen: bei Deutschen mit der vollen Härte des Rechtsstaates, bei Ausländern mit Abschiebungen, auch nach Afghanistan.

Vielen Dank und Glück auf!

Beifallbei der AfD

Ich darf für die CDU/CSU aufrufen: Frau Christina Stumpp.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Christina Stumpp
Foto: Christina Stumpp / CDU / Steffen Boettcher
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Nacht von Samstag auf Sonntag kam es in der Bielefelder Innenstadt zu einem brutalen Messerangriff auf junge Menschen, die gerade gefeiert haben und sich im Außenbereich einer Bar aufhielten. Der mutmaßliche Täter, ein Syrer, wählte seine Opfer anscheinend wahllos aus. Fünf von ihnen wurden verletzt, vier davon schwer. Ich wünsche den Verletzten gute und schnelle Genesung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Diese Tat macht mich fassungslos. Und diese Tat reiht sich ein in eine viel zu lange Serie von Messerangriffen. Das Problem bei dieser Gewalt ist nicht die Frage der Messerlänge oder ob es ein Messerverbot geben darf oder soll, das Problem ist ein überproportional gewaltbereiter Anteil an Personen zum Beispiel aus dem arabischen Raum, die irregulär zu uns nach Deutschland gekommen sind.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Genau! Da klatscht die CDU nicht!

Die Bürgerinnen und Bürger sind nicht mehr bereit, diese Missstände zu akzeptieren. Sie sind zu Recht empört und erwarten jetzt schnelles Handeln und Veränderungen im Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Vorsichtig, sonst schickt man Ihnen den Verfassungsschutz!

Sie erwarten sichere Innenstädte, damit sich alle, insbesondere Frauen, Kinder und Jugendliche, wieder sicher fühlen können. Sie erwarten, dass ausländische Straftäter konsequent unser Land verlassen müssen. Und sie erwarten, dass Deutschland ein freiheitliches, weltoffenes Land bleibt, das gleichzeitig klare Kante zeigt, wenn es um den Schutz unserer Sicherheit geht.

Deshalb haben am 23. Februar die Menschen in unserem Land den Politikwechsel gewählt

Genau! Und Sie haben ihn verhindert!

und damit die Wende in der Migrationspolitik. Es ist mir wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen: Dieser Politikwechsel hat am ersten Tag des Regierungswechsels begonnen, und er geht entschlossen weiter, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Haben Sie die Reden von der SPD gehört? Da habe ich ernste Zweifel, dass da was weitergeht!

Ich bin Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sehr dankbar, der am ersten Tag im Amt nicht nur verstärkte Grenzkontrollen, sondern auch Zurückweisungen an den deutschen Grenzen angeordnet hat, Zurückweisungen auch dann, wenn es sich um Asylgesuche von Personen aus unsicheren Herkunftsstaaten handelt.

Ohne Rechtsgrundlage!

Die Wirkung war unmittelbar spürbar. In den ersten zehn Tagen wies die Bundespolizei 1 200 Personen an der deutschen Grenze zurück. Dass Alexander Dobrindt der Sicherung der Grenzen höchste Priorität einräumt, zeigt auch sein Besuch am Grenzübergang Kiefersfelden am vergangenen Donnerstag. Die eingesetzten Bundespolizistinnen und Bundespolizisten leisten unter hoher Belastung eine hervorragende Arbeit. Ihnen gilt unser aller Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es gelten wieder klare Regeln. So wie es Bundeskanzler Friedrich Merz versprochen hat, so geht der Politikwechsel in Deutschland, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Dabei sind die bereits getroffenen Maßnahmen erst der Anfang. Mit einem Bündel an Maßnahmen werden wir die irreguläre Migration wirksam zurückdrängen. Freiwillige Aufnahmeprogramme wie das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan werden wir beenden. Den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte werden wir aussetzen. Wir werden eine Rückführungsoffensive starten, um all jene wieder aus Deutschland abzuschieben,

…, die Merkel reingeholt hat!

die hier nicht sein dürfen. Das gilt als Allererstes für diejenigen, die hier eine Straftat begehen. Und wir werden die Bundespolizei mit den Kompetenzen ausstatten, die sie dringend benötigt. Zum Beispiel werden wir die sogenannte Quellen-TKÜ ermöglichen und ihr die Kompetenz geben, für ausreisepflichtige Ausländer vorübergehend Haft- oder Ausreisegewahrsam zu beantragen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das sind – nur kurz angerissen – Beispiele für das, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Die Bundesregierung wird die notwendigen Entwürfe dafür schnellstmöglich auf den Weg bringen, und wir werden sie hier im Deutschen Bundestag verabschieden.

Wir tun dies im Übrigen auch, weil wir nicht zulassen möchten, dass die Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die in unserem Land leben, in Mithaftung für Taten wie in Bielefeld genommen werden. Deutschland ist ein offenes, ein vielfältiges und ein tolerantes Land. Darin liegt kein Widerspruch zu einer konsequenten Migrationspolitik. Im Gegenteil: Konsequentes Handeln bei irregulärer Migration ist die Voraussetzung dafür, dass wir weiter ein offenes und wirklich sicheres Land sein können.

Sagen wir seit 2015!

Diese Koalition zeigt und wird zeigen: Die Probleme bei Migration und innerer Sicherheit werden aus der politischen Mitte heraus gelöst. Packen wir es gemeinsam an für mehr Sicherheit im Land!

Beifallbei der CDU/CSU

Bei der SPD klatscht übrigens niemand! Wenn das für die zukünftige Politik steht!

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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrter Herr Bundesminister Pistorius! Danke, ganz herzlichen Dank, dass heute zum Abschluss meiner Amtszeit als Wehrbeauftragte der Jahresbericht 2024 im Plenum diskutiert werden kann. Darüber freue ich mich.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Lage ist ernst. Es gibt Kriege, Krisen, Konflikte überall in der Welt. Unser Frieden, unsere Freiheit, unsere Demokratie sind gefährdet, auch hier bei uns in Europa, auch in Deutschland. Und deshalb ist es wichtiger denn je, dass wir eine vollständig einsatzbereite Bundeswehr haben – für glaubhafte Abschreckung und für wirksame Verteidigung.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist der Auftrag der neuen Bundesregierung und des Deutschen Bundestages.

Ich beginne mit dem Wichtigsten, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete: Unseren Soldatinnen und Soldaten sind spitze.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Sie leisten jeden Tag einen verantwortungsvollen Dienst. Sie erfüllen ihren Auftrag. Sie sind immer da, wenn sie gebraucht werden. Auf unsere Bundeswehr ist Verlass. Wir sind stolz und dankbar, dass sie ihren Dienst so leisten.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Auch 2024 war unsere Bundeswehr wieder sehr gefordert. Nur stichwortartig: die Unterstützung der Ukraine – der wichtigste Auftrag unserer Bundeswehr –, der Aufbau der Brigade Litauen, der Einsatz Aspides der Fregatte „Hessen“ im Roten Meer, die Präsenz an der NATO-Ostflanke, unzählige Übungen und Strukturreformen. Das fordert unsere Bundeswehr ganz enorm.

Ich habe im Jahresbericht 2024 dargestellt, dass das wichtigste Thema Personal ist. Genügend und vollständig einsatzbereites Personal ist der Schlüssel für die Verteidigungsfähigkeit unserer Bundeswehr.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Und gut ausgerüstet!

Leider wird unsere Bundeswehr immer älter, und sie schrumpft. Diese Entwicklung muss dringend gestoppt und umgekehrt werden.

Es gab im Jahr 2024 viele sehr gute, richtige und wichtige Maßnahmen zur Personalgewinnung und Personalbindung. Wir hatten 18,5 Prozent mehr Bewerbungen. Es gab 8 Prozent mehr Einstellungen und sogar 25 Prozent mehr Weiterverpflichtungen. Das ist richtig gut. Weiter so! Aber dem Ziel, 203 000 aktive Soldatinnen und Soldaten bis zum Jahr 2031 zu haben, sind wir leider immer noch nicht nähergekommen. Zum Jahresende hatten wir 181 174 Soldatinnen und Soldaten; das waren sogar noch weniger als im Jahr 2023.

Das liegt daran, dass immer noch zu viele Stellen, 20 Prozent, unbesetzt sind. Es gibt einen Beförderungsstau, und die Abbruchquote von 25 Prozent ist auch zu hoch. Deswegen möchte ich Sie ganz herzlich bitten, dass wir das Thema Personal als das Topthema ansehen und alle Anstrengungen unternehmen, um die Bundeswehr personell gut aufzustellen.

Jetzt wird es mehr Geld für die Bundeswehr geben, und das ist gut. Es wird in Material investiert und in die Infrastruktur. Aber bitte investieren Sie das Geld auch in Personal; denn die Bundeswehr braucht Frauen und Männer, die dort ihren Dienst leisten.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der AfD

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, lieber Herr Minister, denken Sie bitte auch an die Frauen. Sie hören das von mir öfter: Wir brauchen genügend Frauen bei der Bundeswehr. Nur ein Mix aus ganz vielen verschiedenen Biografien, Geschlechtern usw. macht ein gutes Team, und deswegen muss der Frauenanteil auch noch steigen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Bundeswehr ist sehr gefordert – das habe ich gesagt –, und wir müssen aufpassen, dass sie nicht zu sehr belastet ist. Deswegen ist nicht nur das fehlende Personal, sondern auch die Tatsache, dass es immer noch zu wenig Material gibt und dass wir auch weiterhin kräftig in die Infrastruktur investieren müssen, natürlich etwas, wo dringend was verbessert werden muss. Unsere Soldatinnen und Soldaten brauchen die allerbesten Rahmenbedingungen, damit sie ihren Dienst und ihren Auftrag erfüllen können.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Neben Personal, Material und Infrastruktur werbe ich auch dafür – ich weiß, dass das schwierig ist –, die Aufgaben zu reduzieren. Es werden der Bundeswehr immer mehr Aufgaben erteilt, die unsere Soldatinnen und Soldaten auch wunderbar erfüllen; aber wir brauchen auch eine Aufgabenkritik.

Und bitte reduzieren Sie auch die Bürokratie für die Bundeswehr. Bauen Sie die Digitalisierung aus, beschleunigen Sie sie, und unterstützen Sie die Familien unserer Soldatinnen und Soldaten! Das hilft, die Belastung abzubauen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der AfD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir das Jahr 2024 in den Blick nehmen, dann muss ich sagen: Es hat sich sehr viel verbessert; es ist sehr viel erreicht worden. Wir sind aber noch nicht am Ziel; es gibt weiterhin noch viel zu tun. Deswegen sage ich: Bitte nicht nachlassen und unter Hochdruck weiter daran arbeiten, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden!

Ich möchte drei sehr positive Themen hervorheben, die insbesondere auch das Parlament hier beschäftigt haben, und Danke sagen:

Erstens: Die Einführung des Veteranentages. Wir werden dieses Jahr das erste Mal am 15. Juni einen Veteranentag begehen und feiern. Das war eine ganz tolle Entscheidung des Deutschen Bundestages, und dafür sage ich von Herzen Danke; denn ich weiß, dass das unserer Truppe guttut.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens. Sehr wichtig, meine Damen und Herren, war die Aufarbeitung des Einsatzes in Afghanistan, sowohl in der Enquete-Kommission als auch im Untersuchungsausschuss. Ich hoffe sehr, dass diese wichtige Aufarbeitung, diese wichtigen Erkenntnisse nicht in Schreibtischschubladen oder auf Datenspeichern verschwinden, sondern Ausgangspunkt für künftige Einsätze sind und auch als Kriterium genommen werden für weitere Überlegungen, was Auslandseinsätze angeht. Das war eine sehr wichtige Aufarbeitung.

Und das Dritte ist – und auch dafür sage ich herzlichen Dank; eine wichtige Entscheidung für die Brigade in Litauen – das Artikelgesetz. Es wurde im Januar verabschiedet, aber in 2024 schon diskutiert; deswegen nenne ich es im Zusammenhang mit 2024. Viel Gutes für die Brigade in Litauen steht da drin, zum Beispiel Verbesserungen der Rahmenbedingungen. Aber auch über die Brigade Litauen hinaus ist das eine ganz wichtige gesetzliche Verbesserung.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn ich heute hier zu meiner letzten Rede vor Ihnen stehe, dann nehme ich natürlich auch die letzten fünf Jahre in den Blick und möchte hervorheben – das wissen Sie; aber ich möchte das noch mal betonen –, wie sehr sich alles verändert hat in diesen fünf Jahren. Als ich im Mai 2020 angefangen habe, steckten wir mitten in der Coronapandemie und waren dankbar für die grandiose Amtshilfe unserer Soldatinnen und Soldaten, die uns geholfen hat, so durch die Pandemie zu kommen. Das war stark, und das werden wir nicht vergessen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Andreas Paul [AfD]

Wir haben in diesen fünf Jahren die großen Einsätze in Afghanistan und Mali beendet. Wir haben noch immer diesen entsetzlichen Krieg in der Ukraine und damit verbunden jetzt natürlich eine stärkere Aufmerksamkeit auf Bündnis- und Landesverteidigung. Positiv möchte ich erwähnen, dass unsere Bundeswehr jetzt endlich wieder das Interesse bekommt – die Aufmerksamkeit, den Respekt, die Anerkennung –, die sie immer verdient hätte, die aber in den Jahren zuvor verloren gegangen war. Es tut der Truppe sehr gut, dass sie dieses Interesse bekommt, und das hat sie auch verdient.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Es gibt eine große Übereinstimmung – und das finde ich auch sehr gut –, dass wir in die Truppe investieren müssen, dass wir Geld in die Hand nehmen müssen, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. Das sind keine leichten Entscheidungen; aber das ist gut investiertes Geld in unseren Frieden und unsere Freiheit. Und deswegen sage ich auch dafür Danke und wünsche alles Gute für die weiteren schwierigen Entscheidungen. Das Geld ist gut und richtig investiert in unsere Soldatinnen und Soldaten.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Andreas Paul [AfD]

Ein Thema hat mich fünf Jahre lang beschäftigt, und auch da ist viel passiert. Als ich angefangen habe, am 25. Mai 2020, hatte General Kreitmayr, der damalige Kommandeur des KSK, unserer Spezialkräfte in Calw, gerade einen offenen Brief geschrieben und gesagt: „Wir haben Handlungsbedarf beim Thema Rechtsextremismus“; Sie erinnern sich. Ich habe jetzt am Montag meinen letzten Truppenbesuch beim KSK gemacht. Das war der Verband, in dem ich am häufigsten war – 13 Besuche. Ich habe den Verband eng begleitet, und ich muss Ihnen sagen: Dieser Verband ist in den fünf Jahren zu einem spitzenmäßigen Verband geworden, der eine gute Zukunft hat und auf den wir sehr stolz sein können.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Danke schön. – Ich hatte von Anfang an immer im Blick, dass wir diejenigen unterstützen, die mit Rechtsextremismus nichts zu tun haben, sondern täglich ihren Dienst leisten, dass alle mithelfen, die Vorfälle aufzuarbeiten, und dass wir viel in Prävention investieren.

Meine Damen und Herren, Rechtsextremismus bleibt eine Daueraufgabe in unserer Gesellschaft, aber auch in der Bundeswehr. Es ist aber ein gutes Beispiel, dass in den fünf Jahren nicht nur im KSK, sondern in der ganzen Truppe das Bewusstsein dafür geschärft wurde, dass wir Rechtsextremismus konsequent bekämpfen müssen und dass er in der Bundeswehr keinen Platz hat.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Herr Präsident, ich spute mich. – Ganz schnell ein Dankeschön oder ein paar Dankeschöns:

Fünf Jahre waren mir – ich glaube, Sie wissen das auch – eine Ehre und eine große Freude, und deswegen sage ich Danke Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, für Ihr Vertrauen und, wenn ich das als Hilfsorgan so sagen darf, auch für die gute Zusammenarbeit. Vielen, vielen herzlichen Dank dafür!

Ich danke sehr herzlich dem Ministerium und dem Minister. Lieber Boris, für guten Austausch und tolles Miteinander herzlichen Dank!

Ich danke auch den Medien und der Öffentlichkeit. Ich sagte es eben schon: Das ist wichtig für das Interesse – gar nicht mal an der Arbeit der Wehrbeauftragten, sondern vor allen Dingen an der Aufgabe unserer Bundeswehr.

Und ich danke dem wunderbaren Amt – dort sitzen die Kolleginnen und Kollegen –, dem Amt der Wehrbeauftragten, für herausragende Zusammenarbeit, für tolle Unterstützung und Begleitung. Es hat fünf Jahresberichte erstellt, 400 Truppenbesuche vorbereitet und begleitet, pro Jahr 2 500 Eingaben bearbeitet und sich vor allen Dingen jeden Tag mit Sorgfalt und Herzblut um die Anliegen unserer Soldatinnen und Soldaten gekümmert. Herzlichen Dank, das war spitze!

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Hannes Gnauck [AfD] und Dr. Dietmar Bartsch [Die Linke]

Gleich werden Sie meinen Nachfolger wählen, meine Damen und Herren, und ich wünsche meinem Nachfolger Henning Otte von Herzen alles Gute für die Wahl, ein gutes Ergebnis. Das ist wichtig für das Amt der Wehrbeauftragten und auch als Signal an unsere Bundeswehr. Ich wünsche ihm einen guten Start im Amt und viel Freude bei der Aufgabe. Ich hatte sie jeden einzelnen Tag.

Ist der schon gewählt?

Gegenrufvon der AfD: Ja, im Hinterzimmer!

Ich wünsche ihm viel Erfolg und Gottes Segen.

Ich sage am Ende noch mal: Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, wünsche ich immer eine glückliche Hand bei notwendigen und wichtigen Entscheidungen, immer ausreichende Mehrheiten in ernster Lage für unsere Bundeswehr.

Und ich sage – ganz zum Schluss, Herr Präsident, und dann bin ich fertig – das allerletzte Dankeschön unseren Soldatinnen und Soldaten für ihren herausragenden Dienst. Ich danke auch für tolle Gespräche, für wunderbare Begegnungen.

Und ich sage: „Ich bin stolz auf unsere Bundeswehr“ – ich glaube, wir alle können sehr stolz sein –, und sage von Herzen: Danke schön, alles Gute!

Anhaltender Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei Abgeordneten der AfD
Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte, liebe Eva Högl! Unsere Soldatinnen und Soldaten leisten sehr, sehr viel für unser Land. Die massiven sicherheitspolitischen Umbrüche und Herausforderungen verlangen ihnen sehr viel ab. Und du, liebe Eva, sagtest bereits in deinem Jahresbericht 2022 sehr treffend: Russlands Krieg „ändert alles. Auch und vor allem die Bundeswehr“. Im Jahresbericht 2024 sprichst du zu Recht von einer „völlig neuen Dimension“ der Anforderungen an unsere Bundeswehr.

Fest steht – da sind wir einer Meinung –: Wir müssen unser Möglichstes tun, unser Allerbestes leisten, die Männer und Frauen der Bundeswehr zu unterstützen. – Liebe Eva, dafür wusste ich dich immer zuverlässig und vertrauensvoll an meiner Seite und der Seite der Bundeswehr.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eva Högl hat sich als Wehrbeauftragte die letzten fünf Jahre mit großem Engagement, mit Kompetenz und Empathie für unsere Soldatinnen und Soldaten eingesetzt. Das ist gerade in diesen Zeiten von unschätzbarem Wert. Und Eva, du hast gerade den Weg, den die Bundeswehr zurückgelegt hat in den letzten Jahren, was ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft angeht, was ihre Rolle in der Mitte derselben angeht, zutreffend beschrieben, und deswegen verdienst du die Bezeichnung: Du bist die Wehrbeauftragte der Zeitenwende, liebe Eva. Ich danke dir sehr für deinen unermüdlichen Einsatz für unsere Soldatinnen und für unsere Soldaten.

Und ich darf erwähnen – für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben –: 400 Truppenbesuche in fünf Jahren sind eine erkleckliche Zahl, und das zeigt, wie nahe sie bei der Truppe war. Sie hat die Soldatinnen und Soldaten gesehen, sie hat sie wahrgenommen, sie hat ihnen zugehört, und sie hat ihre Interessen in bestmöglicher Manier vertreten. Dafür danke ich dir – und ich hoffe, im Namen des ganzen Hauses.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Eva, deine Jahresberichte haben uns unterstützt, sie haben uns begleitet, sie haben uns aufgezeigt, wo Schwachstellen sind und wo zu handeln ist. Auch der Jahresbericht 2024 ist wieder ein wertvoller Gradmesser, wie gut wir gewappnet sind, um Sicherheit und Freiheit im Ernstfall verteidigen zu können. Zu Recht unterstreicht er die Notwendigkeit von Bürokratieabbau, von Beschleunigung von Beschaffung, von ausreichendem sowie einsatzbereitem Personal und verweist er auf dringende Modernisierungsbedarfe.

Der Bericht zeigt aber auch – und dafür, das aufzuzeigen, bin ich dir dankbar –: Wir sind auf einem guten Weg, auf einem sehr guten Weg. Vieles, was über Jahrzehnte gefordert wurde, was vernachlässigt wurde, steht seit meinem Amtsantritt vor mehr als zwei Jahren – wir haben viel gemeinsam daran gearbeitet, das Hohe Haus auch – ganz oben auf unserer Agenda. Wir haben wahnsinnig viel geschafft, aber wir sind noch nicht fertig.

Wir arbeiten mit Hochdruck an einem ambitionierten Verteidigungshaushalt, einem umfassenden Beschaffungs- und Beschleunigungsgesetz, an der Einführung eines Wehrdienstes, einem noch attraktiveren Dienst in der Bundeswehr sowie einer deutlichen Priorisierung der Bauvorhaben. Und das ist nur ein Ausschnitt dessen, worum es geht und was wir erreichen wollen – und was wir angesichts der Bedrohungslage auch erreichen müssen.

Meine Damen und Herren, ich bleibe bei meinen Worten von vor einer Woche: Sicherheit ist ein Auftrag und eine Verantwortung, eine Verantwortung, die wir auch für die Menschen tragen, die in der Bundeswehr unseren Frieden, unsere Freiheit und unsere Sicherheit verteidigen.

Ich freue mich darauf, den eingeschlagenen Weg in diesem Sinne mit dem neuen Wehrbeauftragten, der ja gleich hoffentlich einmütig und mit großer Mehrheit gewählt werden wird, lieber Henning Otte, gemeinsam fortzusetzen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ich darf das Wort erteilen für die AfD-Fraktion Herrn Hannes Gnauck.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hannes Gnauck
Foto: Hannes Gnauck
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Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Meine Damen und Herren! Wir sprechen heute über den Jahresbericht der Wehrbeauftragten, den mittlerweile fünften und zugleich letzten Bericht der Amtsinhaberin, deren Mandat nun nach fünf Jahren endet. Im Namen meiner Fraktion danke ich der Wehrbeauftragten ausdrücklich und aufrichtig für ihren engagierten, sachlichen und stets unparteiischen Dienst an unserem Land und insbesondere an unseren Soldaten.

Beifallbei der AfD

Frau Dr. Högl hat es in den vergangenen fünf Jahren verstanden, über politische Gräben hinweg mit allen Fraktionen des Hauses zu sprechen, Missstände schonungslos offenzulegen und dabei stets das Wohl der Truppe im Blick zu behalten. Und auch wenn wir politische Unterschiede natürlich nicht verschweigen: Die Wehrbeauftragte hat es verstanden, parteipolitische Interessen aus ihrem Amt herauszuhalten – und das in einer Zeit, in der das keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Beifallbei der AfD

Wir wünschen Ihnen, Frau Dr. Högl, alles Gute und viel Soldatenglück für Ihren weiteren beruflichen und persönlichen Weg.

Kommen wir aber nun zum inhaltlichen Teil des Berichtes und direkt zum drängendsten Problem, der katastrophalen Personallage in der Bundeswehr. Trotz der im Bericht angesprochenen 64 umgesetzten Maßnahmen der Task Force Personal, trotz höherer Bewerberzahlen, trotz politischer PR-Offensiven hat sich der Personalstand in der Bundeswehr im Jahr 2024 weiter verschlechtert, konkret: minus 340 Soldaten im Vergleich zum Vorjahr. In absoluten Zahlen bedeutet das: Von den angestrebten 203 000 aktiven Soldaten bis zum Jahr 2031 sind wir Stand heute meilenweit entfernt.

Die vielleicht beunruhigendste Zahl: Rund 24 000 Dienstposten bei den Offizieren und Unteroffizieren sind nicht besetzt. In einzelnen Verwendungen liegt der Ausfall bei bis zu 48 Prozent; Stabsunteroffiziere fehlen mit bis zu 30 Prozent besonders deutlich. Die Truppe altert, ist unterbesetzt und zunehmend überfordert. Und hinzu kommt: Jährlich scheiden etwa 20 000 Soldaten aus dem aktiven Dienst aus. Das heißt, wir müssen allein diese Anzahl jedes Jahr ersetzen, um überhaupt nur den Status quo zu behalten – ein Ding der Unmöglichkeit bei gleichbleibenden Strukturen.

Während es zwar bei den Bewerbungen einen signifikanten Anstieg gibt, bricht fast jeder Vierte innerhalb der ersten sechs Monate wieder ab. Das Verhältnis von Bewerberzahl und tatsächlich diensttauglichem Personal ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Das, meine Damen und Herren, ist keine erfolgreiche Personalgewinnung; das ist einfach nur Schönfärberei.

Beifallbei der AfD

Ein weiteres gravierendes Problem in der Personalstruktur ist der zunehmende Bürokratieanteil, der immer mehr Soldaten von ihren eigentlichen Aufträgen abhält. Die Wehrbeauftragte beschreibt völlig zu Recht, wie hochqualifizierte Kräfte, etwa Piloten, Ärzte oder Führungspersonal, heute zu einem erheblichen Teil mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt sind. Ein Offizier schilderte im Bericht, dass bereits 30 Prozent seiner eigentlichen Tätigkeit aus bürokratischem Klein-Klein bestehen.

Wenn militärische Dienstposten mit Verwaltungsaufgaben belegt werden, verliert die Bundeswehr ihre Schlagkraft. Wir brauchen klare Zuständigkeiten, klare Strukturen und vor allem weniger Bürokraten und mehr Kämpfer. Wir brauchen keine CEOs mit Genderbeauftragten in jeder Stabskompanie, sondern Männer und Frauen, die führen, kämpfen und ihr Land verteidigen können.

Beifallbei der AfD

Kommen wir nun zur Infrastruktur. Die Zustände an vielen Standorten sind immer noch desaströs. Der Investitionsstau beläuft sich mittlerweile auf 67 Milliarden Euro – 24 Milliarden Euro davon alleine für Bauleistungen. Der Großteil dieser Bauleistungen bezeichnet leider eben nicht Gefechtsstände, Schießbahnen oder Sanitätsversorgungszentren. Nein, es sind größtenteils energetische Gebäudesanierungen,

Wieso dürfen Sie die Kaserne nicht betreten?

barrierefreie Neubauten und – ich zitiere – klimafreundliche Stubengestaltung.

Können Sie mal beschreiben, wieso Sie die Kaserne nicht mehr betreten dürfen?

Die Stuben werden Sie von innen nicht mehr sehen, Herr Gnauck!

Meine Damen und Herren, Klimaschutz statt Gefechtsbereitschaft: Das ist Irrsinn grüner Ideologie in Reinkultur!

Beifallbei der AfD

Ein besonders empörendes Beispiel: Soldaten, die mangels Unterkunft unter der Woche im Auto schlafen müssen oder in Hotels einquartiert werden. Der Komfortanspruch nach zivilen Maßstäben wird über alles gestellt. Jeder Soldat hat eine Einzelstube, WLAN, einen Fernseher, aber keinen Raum für Kameradschaft.

Woher wissen Sie das denn alles? Sie dürfen doch da gar nicht rein!

Wir sagen: Soldaten sind keine Hotelgäste. Wer sich für den Dienst an der Waffe entscheidet, der braucht keinen Wellnessbereich, der braucht funktionierende Waffen, Fahrzeuge und eine Gemeinschaft, auf die man sich verlassen kann. Zwei- oder Viermannstuben fördern das Kameradschaftsgefühl, stärken die psychische Widerstandskraft und sind schlichtweg effizienter.

Beifallbei der AfD

Wieso dürfen Sie denn nicht mehr Teil der Gemeinschaft sein?

Ein weiteres großes Thema: die Objektüberwachung durch private Sicherheitsfirmen – früher eine Aufgabe für Wachsoldaten, heute ausgelagert an einen Dienstleister. So geht nicht nur militärische Grundausbildung verloren, sondern auch Einsatznähe, und dabei wird uns das noch als kostensparend verkauft.

Abschließend müssen wir uns die Frage stellen: Wofür ist diese Bundeswehr eigentlich da? Unsere Antwort ist klar: für die Verteidigung Deutschlands, nicht für geostrategische Abenteuer im Nahen und Fernen Osten, nicht für endlose Auslandseinsätze und erst recht nicht für Stellvertreterkriege.

Beifallbei der AfD

Die AfD lehnt Waffenlieferungen in Kriegsgebiete wie die Ukraine ab. Deutschland darf nicht Kriegspartei werden, und die Bundeswehr darf nicht ausgeblutet werden, um die Interessen fremder Mächte zu bedienen.

Mit Interessen fremder Mächte kennen Sie sich ja aus!

Wir brauchen eine souveräne Außenpolitik, die auf Diplomatie, Friedenserhalt und nationale Interessen ausgerichtet ist. Unsere Soldaten müssen wissen, wofür sie dienen. Und dieser Dienst darf nicht bedeutungslos, verwaltet und zerredet werden. Er muss sinnvoll, glaubwürdig und sicher sein. Wir stehen für eine Bundeswehr, die wieder stolz macht – als Bollwerk für unser Volk, unsere Freiheit und unseren Frieden.

Wir danken der Wehrbeauftragten für ihre Arbeit, aber wir appellieren an die Bundesregierung: Hören Sie endlich auf, die Bundeswehr als Experimentierfeld für Bürokratie, Ideologie und Konzernlogik zu missbrauchen! Eine AfD-geführte Bundesregierung wird aus unserer Bundeswehr wieder eine verteidigungsfähige, kampfbereite und vor allem kameradschaftliche Armee machen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD

Am Arsch!

Ich darf für die CDU/CSU Thomas Erndl aufrufen. Sie haben das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Thomas Erndl
Foto: CSU-Landesleitung / Christian Kaufmann
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Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte Eva Högl, in dieser Debatte wollen wir Ihre Arbeit der letzten fünf Jahre würdigen, die sicher die ungewöhnlichsten in der Geschichte dieses Amtes waren. Seit dem zweiten Jahr Ihrer Amtszeit herrscht Krieg in Europa. In dieser Zeit haben Sie als Wehrbeauftragte eine wichtige Aufgabe übernommen – mit offenem Ohr vor Ort, mit kritischem Blick hinter die Kasernentore und als Stimme unserer Soldatinnen und Soldaten im Parlament. Dafür möchte ich Ihnen unseren herzlichen Dank aussprechen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihr aktueller Bericht zeigt das große Bild, aber eben auch den Blick auf den einzelnen Soldaten, auf die Menschen in der Bundeswehr. Und der zeigt: Drei Jahre nach dem Beginn der Zeitenwende bleiben zentrale Herausforderungen ungelöst. Munition, Ersatzteile, Großgerät – vieles fehlt noch immer dort, wo unsere Soldatinnen und Soldaten es im täglichen Dienst dringend benötigen. Das zeigt der Bericht, und das können und das dürfen wir uns nicht länger leisten. Denn klar ist: Deutschland braucht schnellstmöglich eine glaubhafte und wirksame Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit.

Der Bundeskanzler hat den Kurs vorgegeben: Deutschland soll über die stärkste konventionelle Armee Europas verfügen. Mit der Grundgesetzänderung und den Sondervermögen haben wir die finanzielle Grundlage dafür gelegt. Aber Geld allein reicht hier nicht aus. Verteidigungsfähigkeit bedeutet auch: mehr Beweglichkeit, mehr Ideen, Bereitschaft zu neuen Wegen bei der Organisation und den Prozessen, bei der Beschaffung, bei der Ausrüstung und auch im Denken. Vor allem Innovationsfähigkeit wird ein wichtiger Schlüssel sein: unbemannte Systeme, KI, Weltraumtechnologien, Präzisionswaffen und robuste Softwareplattformen. Wir müssen verstehen, dass technologische Fähigkeiten integraler Bestandteil unserer Sicherheit sind.

Doch selbst die beste Technologie nützt nichts ohne die Menschen, die sie einsetzen. Fakt ist aber: Auch in diesem Jahr verfehlt die Bundeswehr ihre Personalziele; Sie haben es angesprochen, Frau Wehrbeauftragte. Wir haben Mühe, die 203 000, die wir uns als Ziel gesetzt haben, zu erreichen. Und aus den neuen NATO-Fähigkeitszielen leiten sich Schätzungen von weitaus mehr Soldatinnen und Soldaten ab.

Deswegen wird sich der neue Wehrdienst an klaren Zielzahlen messen lassen müssen. Angesichts der Größenordnung der Herausforderungen ist auch klar: Ohne eine Form von Pflicht wird es nicht gehen. Ich bin sehr dankbar, Frau Wehrbeauftragte, dass Sie das selbst regelmäßig offen angesprochen haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ob Berufssoldat, Zeitsoldat, Wehrdienstleistender oder Reservist: Deutschland zu dienen, muss attraktiv sein. Dazu gehören nicht nur moderne Ausrüstung, sondern auch zeitgemäße Infrastruktur, soziale Angebote und vor allem die Wertschätzung der Truppe in der Gesellschaft. Denn der Dienst in unserer Armee ist kein Beruf wie jeder andere. Er ist ein Dienst an unserem Land und für uns alle. Unsere Soldatinnen und Soldaten leben unsere Werte und das Bekenntnis zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht nur vor; sie verteidigen sie im Ernstfall mit dem höchsten persönlichen Einsatz. Dafür verdient unsere Truppe höchsten Respekt und unseren Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dafür verdient unsere Truppe auch die besten Bedingungen, die wir ihr geben können.

Dafür, dass Sie, Frau Wehrbeauftragte, das für unsere Soldatinnen und Soldaten immer wieder eingefordert haben und Ihre Aufgabe mit Herz und klarem Kompass übernommen haben, danken wir Ihnen und Ihrem Team sehr herzlich. Als Parlament werden wir Ihren Bericht als unseren Auftrag sehen. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

Ich hoffe, dass auch Ihr Nachfolger in diesem wichtigen Amt nachher mit einem großen Rückhalt dieses Hauses ausgestattet wird. Das ist eine wichtige Grundlage für dieses wichtige Amt, für diese Aufgabe. Ich bitte Sie alle um Ihre Unterstützung und danke Ihnen noch mal, Frau Högl, für Ihre wichtige Arbeit. Herzlichen Dank und alles Gute!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Kollegin Sara Nanni das Wort erteilen.

Porträt von Sara Nanni
Foto: Sara Nanni/ Nina Runge
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Lieber Herr Bundeskanzler! – Oh, jetzt ist er gerade wieder weg; er war aber eigentlich da bei der Debatte.

Zurufvon der AfD: Wegen der Rednerin!

Ist vielleicht was Persönliches!

Sehr geehrter Herr Minister! Die fünf Jahre, die Eva Högl Wehrbeauftragte war, waren eine Zeit der Umbrüche. Wir haben erlebt, wie der Einsatz in Afghanistan zu Ende ging, wie der Einsatz in Mali zu Ende ging. Und wir haben den Anfang der Zeitenwende erlebt. Die Wunden nach Afghanistan und Mali sind noch nicht ganz verheilt, da stellen sich schon wieder ganz neue Fragen für die Truppe; das scheint auch im Jahresbericht auf.

Wir haben in dieser Zeit auch ein neues Kapitel im Verhältnis von Gesellschaft und Bundeswehr aufgeschlagen, und darüber bin ich sehr dankbar; Sie hatten gerade selber schon den Veteranentag angesprochen. Aber auch die Tatsache, dass wir bald mit einer ganzen Brigade nach Litauen gehen werden – morgen ist die Aufstellung –, macht einen großen Unterschied für diese Truppe.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Falko Droßmann [SPD]

Der Jahresbericht benennt neue, aber auch alte Herausforderungen. Eine aus diesem Jahr betraf die Frage, ob man es noch schafft, nachdem so schnell Neuwahlen anberaumt wurden, die Briefe mit den Wahlunterlagen rechtzeitig zur Wahl nach Deutschland zu schicken. Eine weitere betrifft die Frage, was eigentlich mit einer Brigade Litauen passiert, die zwar politisch gewollt ist, operativ aber viele Umsetzungsprobleme mit sich bringt. Wie gehen wir um mit Überstunden, die sich durch eine hohe Einsatzlast ergeben haben? Und nach wie vor ein Dauerbrenner: der Schutz der Soldatinnen und Soldaten im Einsatz.

Ein anderer Dauerbrenner ist die Frage nach der Qualität der Liegenschaften.

Und das größte Problem – Sie haben es selber angesprochen – ist die Frage des Personals. Das ist die größte Herausforderung der Zeitenwende, die wir vor uns haben. Im Juni werden wir aus Den Haag offiziell die neuen Zahlen zur Truppengröße in Deutschland bekommen. Da fragt man sich wirklich: Woher sollen all diese Soldatinnen und Soldaten kommen? Ja, es ist richtig: Wir müssen Soldatinnen und Soldaten neu gewinnen, aber wir müssen auch die ertüchtigen und halten, die schon in der Truppe sind. Und eins muss klar sein: Werbung von Mund zu Mund ist die beste Werbung für die Bundeswehr.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]

Deswegen ist der Jahresbericht, der ja auch ein bisschen eine Mängelliste ist, so wichtig. Kein anderer Organismus, der so groß ist wie die Bundeswehr, lässt sich so tief ins Innere gucken, weil der Wunsch nach Verbesserung so groß ist.

Aber ich will auch sagen: Nicht alles kann mit mehr Geld gelöst werden. Insbesondere beim Personal geht es auch ganz viel um Haltung. Es geht um die Haltung der Vorgesetzten, die eine sehr große Verantwortung dafür tragen, dass Soldatinnen und Soldaten sich wohlfühlen, dass Wehrdienstleistende sich in der Truppe wohlfühlen. Sie fühlen sich wohl, wenn es ein Raum ohne Chauvinismus und ohne Rassismus ist, in dem Kameradschaft gelebt wird, auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Falko Droßmann [SPD]

Und Soldatinnen und Soldaten fühlen sich dann wohl, wenn sie das Gefühl haben, dass Vorgesetzte sie als Mensch im Blick haben und ihre Bedürfnisse ernst nehmen.

Zurufvon der AfD

Jetzt komme ich zu Ihnen, Frau Högl. Das ist etwas, das Sie allen, die sich mit der Truppe beschäftigen, gut vorgelebt haben. Sie hatten ein tiefes, ernsthaftes Interesse für die Belange der Bundeswehr. Sie hatten die Neigung, ich sage mal so, uns Parlamentarierinnen und Parlamentariern und der Regierung freundlich, aber auch deutlich die Leviten zu lesen und Forderungen aufzustellen. Trotzdem ist das alles nicht zu einer Erzählung à la „Pleiten, Pech und Pannen der Bundeswehr“ verkommen. Das ist ein schmaler Grat, den Sie perfekt gemeistert haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Bleibt mir nur zu sagen: Danke für die gute Zusammenarbeit! Alles Gute für Sie persönlich! Wir bleiben dran, jetzt aus der Opposition. Wir werden die Truppe in der Breite sehen, ernst nehmen und Bürokratie, ich sage mal so, aktivieren. In diesem Sinne: Weiter geht’s!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Zu ihrer ersten Rede darf ich aufrufen für die Fraktion Die Linke die Kollegin Zada Salihović.

Beifallbei der Linken
Porträt von Zada Salihović
Foto: Zada Salihović/ Olaf Krostitz
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Damen und Herren, die nicht gesichert rechtsextrem sind!

Zurufvon der AfD: Oh!

Mensch, da hat sie aber lange dran gefeilt!

– Das sagt der Verfassungsschutz. – Ich komme aus Pirna, aus Sachsen, einer Region, in der viele junge Menschen nicht wissen, wohin mit sich. Ausbildung? Fehlanzeige, außer du pendelst in die nächste Stadt. Eigene Wohnung? Zu teuer, außer du bist schon ausgelernt, oder du gehst dann doch in eine WG. Perspektive? Dann halt doch die Bundeswehr oder Polizei. Und genau da beginnt das Problem.

Der Bericht der Wehrbeauftragten zeigt: 275 extremistische Vorfälle allein im letzten Jahr, die meisten davon rechtsextrem.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Das ist kein Betriebsunfall, das ist Alltag. Und was nicht gemeldet wird, ist oft noch viel schlimmer. Ein paar Beispiele gefällig? Ein Marineoffizier läuft auf einem Naziaufmarsch in Budapest mit. Soldaten teilen menschenverachtende Memes in Chatgruppen. Reservisten fantasieren über Umsturz. Das passiert nicht irgendwo im Internet, das ist mitten in der Bundeswehr. Und wenn ein Hakenkreuz mehr Kameradschaft erzeugt als die Verfassung, dann haben diese Truppe und das Land ein Problem.

Beifallbei der Linken

Und was macht das Ministerium? Studien zur politischen Bildung in der Bundeswehr werden seit 2021 nicht veröffentlicht. Vier Jahre Schweigen!

Diese Rede ist total daneben!

Wenn da nichts Kritisches drinsteht: Warum hält man sie zurück? Wer Transparenz vermeidet, schützt nicht die Truppe, sondern das System dahinter.

Während rechte Netzwerke sich in Ruhe organisieren, warten von Rassismus oder Sexismus Betroffene oft vergeblich auf Konsequenzen. Das BAMAD ist überlastet, Verfahren ziehen sich, manche werden eingestellt. Was bleibt, ist allerdings das Signal: Wer stört, fliegt! Wer hetzt, bleibt!

Beifallbei der Linken

Vielleicht werden sie auch eingestellt, weil nichts vorliegt!

Und währenddessen? Frauen in der Bundeswehr kämpfen nicht nur gegen Vorurteile, sondern auch gegen fehlende Schutzwesten, nicht vorhandene Duschen, zu große Uniformen und patriarchale Strukturen.

Es ist 2025, und die Bundeswehr hat es immer noch nicht geschafft, ihre eigene Realität auf weibliche Soldatinnen auszurichten. Weniger als 10 Prozent der Führungspositionen sind mit Frauen besetzt, und die, die da sind, müssen doppelt so viel leisten, um ernst genommen zu werden.

Zurufvon der AfD: Stimmt doch gar nicht!

Wer Gleichstellung nur ins Leitbild schreibt, aber sie nicht lebt, produziert Frust statt Fortschritt.

Beifallbei der Linken

Und ganz ehrlich: Wenn Boomer mehr Angst vor Gendersternchen haben als vor Nazis in der Bundeswehr, dann weiß man, warum wir ein Problem haben.

Ich bin Boomer? Das ist ja interessant! Ich bin jünger als du!

– Das glaube ich nicht; ich bin 25.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber Jahrgang 1993 ist auch kein Boomer!

Ich sage es klar: Die Bundeswehr hat ein Rechtsextremismusproblem, ein Gleichstellungsproblem, ein Führungsproblem. Und es ist nicht damit getan, ein paar Leute zu entlassen. Es geht um Strukturen, es geht um Macht. Es geht darum, wer mit der Waffe in der Hand für diesen Staat stehen darf und mit welcher Haltung. Wenn das Gewehr mehr Sicherheit verspricht als der Staat, dann läuft hier etwas gewaltig schief.

Beifallbei der Linken

Wir brauchen keine Aufrüstung. Wir brauchen Aufklärung, politische Bildung, unabhängige Forschung und echte Konsequenzen, und das nicht erst in fünf Jahren, sondern jetzt. Denn eine Armee, die sich abschottet, radikalisiert sich, und eine Demokratie, die das zulässt, verliert sich. Wir als Linke sagen klar: Keinen Fußbreit dem Faschismus – auch nicht im Bundestag, auch nicht in Uniform, auch nicht hinter Abgeordnetenpulten!

Die Linke will doch den Politoffizier!

Danke.

Lebhafter Beifallbei der Linken

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion aufrufen die Kollegin Kerstin Vieregge.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Wehrbeauftragte hat den klaren Auftrag, Anwältin unserer Soldatinnen und Soldaten zu sein, Missstände offen zu benennen, politischen Handlungsbedarf aufzuzeigen und, wenn nötig, den Finger in die Wunde zu legen.

Der aktuelle Bericht macht erneut deutlich: Es gibt leider viele dieser Wunden, zu viele. Stagnierende Personalzahlen, schleppende Beschaffung, fehlende Munition – altbekannte und weiterhin ungelöste Kernprobleme.

Zurufvon der AfD

Doch ein ebenso gravierendes Problem bleibt oft unter dem Radar: die marode Infrastruktur der Bundeswehr.

Wenn die Bundeswehr wachsen soll – und sie muss es –, dann reicht es nicht, Flecktarn und Gewehr bereitzustellen. Denn unsere Rekruten, Soldaten und Reservisten brauchen Unterkünfte, Standortübungsplätze, Lagerräume, Orte für Ausbildung, Kameradschaft und Zusammenhalt. Unsere Soldaten brauchen Kasernen: Mehr, modernere und besser ausgestattete Kasernen!

Beifallbei der CDU/CSU

Denn selbst der Zustand der vorhandenen Liegenschaften ist vielerorts schlicht inakzeptabel. Wenn Rekruten verschimmelte Sanitärräume vorfinden, wie etwa in der Südpfalz-Kaserne, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie eben nicht für uns da sind, sondern einen anderen beruflichen Weg einschlagen. Wir tragen die Verantwortung, Bedingungen zu schaffen, die einen wertschätzenden und sinnstiftenden Dienst ermöglichen. Dazu gehören eben auch saubere Duschen und funktionierende Toiletten.

Wir müssen schneller werden bei der Planung, Genehmigung und Umsetzung unserer Bauvorhaben – von Sanierung bis Neubau, bei jeder einzelnen Maßnahme. Einige Bundesländer machen es vor: Bayern mit dem Bundeswehr-Förderungsgesetz, Nordrhein-Westfalen mit einer eigenen Taskforce für sicherheitsrelevanten Bundesbau.

Und auch der Bund steht in der Pflicht: Es reicht nicht, überfällige Verbesserungen anzukündigen, sondern wir müssen entschlossen handeln, um das Notwendige möglich zu machen. Das Notwendige möglich zu machen: Das muss das Motto dieser Legislaturperiode werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Frau Dr. Högl, Ihnen gilt mein ganz persönlicher Dank für Ihr unermüdliches Engagement, Ihre klare Sprache und Ihren Mut, auch unbequeme Wahrheiten offen anzusprechen, dafür, dass Sie sich immer wieder für einen allgemeinen Gesellschaftsdienst ausgesprochen haben – ohne den wird es sicherlich nicht gehen –,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

und dafür, dass Sie immer wieder schonungslos aufgezeigt haben, wie weit Anspruch und Wirklichkeit in der Zeitenwende auseinanderklaffen. Dafür gebührt Ihnen nicht nur meine Anerkennung, sondern sicherlich der Dank des gesamten Hauses.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Lieber Henning Otte, du trittst in große Fußstapfen. Ich bin überzeugt, dass du diese wichtige Aufgabe mit deiner eigenen Handschrift prägen wirst. Und das Gute ist: Du kannst dich auf ein ganz tolles Team im Amt des Wehrbeauftragten verlassen, das dich bei deinem Wirken mit seiner herausragenden Expertise unterstützen wird. Dafür ganz vielen lieben Dank! Alles Gute! Und gleich erst mal ein ordentliches Wahlergebnis.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Ich darf für die SPD-Fraktion aufrufen Falko Droßmann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Falko Droßmann
Foto: Falko Droßmann / Maurice Weiss
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Liebe Kameradinnen und Kameraden auf der Tribüne! Lieber Oberst Wüstner als Vorsitzender des Deutschen BundeswehrVerbandes, der auch heute hier ist! Es ist das Wesen eines jeden Militärs, strenge Hierarchien zu beachten: Vorgesetzte, die Unterstellten Befehle erteilen und dabei den Anspruch auf Gehorsam erheben müssen; Unterstellte, die darauf vertrauen müssen, dass die Vorgesetzten nicht nur die Auftragserfüllung um jeden Preis, sondern auch die Verantwortung für ihre Unterstellten wahrnehmen.

Unsere Truppe ist schlagkräftig. Unsere Soldatinnen und Soldaten zählen zu den am besten ausgebildeten überhaupt. Das liegt daran, dass Soldatinnen und Soldaten alle Pflichten haben, die ihnen dieses Haus hier aufgegeben hat, aber es liegt auch daran, dass Soldatinnen und Soldaten dieselben Rechte wie andere Staatsbürgerinnen und Staatsbürger haben. Sie sind Staatsbürger in Uniform.

Ein Ausdruck dieser Rechte ist, dass sich alle Soldatinnen und Soldaten unmittelbar an jeder so wichtigen militärischen Hierarchie vorbei an die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages wenden können – wenn sie glauben, falsch behandelt zu werden, oder auf Missstände aufmerksam machen wollen. An der Hierarchie vorbei: Das ist in den Armeen dieser Welt einzigartig. Das kann nur dann funktionieren, wenn ich als Soldat weiß, dass mein Anliegen ernst genommen wird.

Im militärischen Alltag kann eine Eingabe Vertrauen unter Kameradinnen und Kameraden schwächen, aber sie kann auch Vertrauen stärken. Liebe Frau Dr. Högl, wer sich als Soldatin oder Soldat an Sie gewandt hat, wusste, dass Sie ganz persönlich die Eingabe lesen, der wusste auch, dass Sie nicht vorschnell verurteilen, sondern aufklären, analysieren, nachfragen und beraten, dass Sie nicht zuerst nach Schuldigen, sondern nach fehlerhaften Strukturen suchen. Durch Ihre Amtsführung wurde das Vertrauen in die Kameradschaft und damit auch die Schlagkraft der Truppe gestärkt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau Dr. Högl, in Ihrer ersten Rede als Wehrbeauftragte am 19. Juni 2020 haben Sie zuallererst unseren Soldatinnen und Soldaten, ihren Familien und auch den Zivilbeschäftigten der Bundeswehr für ihren Dienst gedankt. Heute, liebe Eva Högl, danken wir Ihnen. Danke schön!

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und es zeigt, wie gut diese Koalition funktioniert. Frau Dr. Högl, einer Ihrer Wünsche war: Vergessen Sie die Frauen nicht! – Die letzte Rednerin in dieser Debatte ist eine Frau, ist Berufsoffizierin und ist das Zeichen, dass Frauen in der Bundeswehr funktionieren, dass die Bundeswehr funktioniert. Insofern: Es hat funktioniert. Weiter so!

Danke.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Als Letzte in der Aussprache und zu ihrer ersten Rede darf ich Frau Kollegin Diana Herbstreuth von der CDU/CSU nach vorne bitten.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Diana Herbstreuth
Foto: Diana Herbstreuth/ Foto Opitz
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Sehr geehrter Herr Verteidigungsminister! Kameraden! Kameradinnen! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Auch von mir ein ganz herzliches Dankeschön! Liebe Frau Dr. Högl, Ihre Arbeit, Ihr Engagement in den letzten fünf Jahren: Als Soldatin weiß ich das zu schätzen. Danke!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch Ihrem Team gilt mein höchster Respekt. Danke!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich war 24 Jahre im Dienst bei der Bundeswehr, und ich weiß, wie wichtig das Amt der Wehrbeauftragten für alle Soldatinnen und Soldaten ist. Aber dieses Amt ist auch für uns in der Politik unheimlich wichtig. Es ist der Jahresbericht, der der Indikator für uns ist, wie die Truppe aufgestellt ist, was mit der Bundeswehr los ist. Und er zeigt ganz deutlich, wo die Bundeswehr heute steht. Ja, er zeigt auch, wo Anspruch und Realität noch auseinanderklaffen.

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, wir dürfen uns hier nichts vormachen, und die Lage ist auch ernst: Wir müssen handeln, und zwar jetzt. Es wurden bereits wichtige Schritte getan. Mit der Entkopplung der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse und dem milliardenschweren Sondervermögen für Infrastruktur wurden wirklich gute finanzielle Grundlagen gelegt. Aber das reicht nicht aus; denn die Zeit drängt.

Beim Bericht der Wehrbeauftragten liegt mir ein Thema ganz besonders am Herzen: Wir haben 12 Prozent Frauen – 12 Prozent Soldatinnen! – in der Bundeswehr. Und ich sage Ihnen ehrlich: Rechnen wir die Soldatinnen im Sanitätsdienst heraus, sinkt der Anteil auf 9 Prozent. Und ich sage Ihnen auch: Gucken wir noch genauer in die Tiefe, auf die weiblichen Führungskräfte, dann sehen wir, dass die Zahl von Soldatinnen in Führungspositionen deutlich geringer wird. Warum ist das so? Und warum verlassen die Frauen die Truppe auch wieder? Mit dieser Frage müssen wir uns in der zukünftigen Debatte ganz ehrlich auseinandersetzen und uns dabei auch selbst reflektieren.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Bericht der Wehrbeauftragten spricht strukturelle Barrieren an, aber auch fehlende Entwicklungsprognosen. Hier möchte ich eine Lanze brechen und etwas klarstellen: Die Bundeswehr ist ein attraktiver Arbeitgeber. Sie bietet faire Bezahlung für Mann und Frau. Sie hat abwechslungsreiche Tätigkeitsfelder und zahlenhaft viele Ausbildungsmöglichkeiten bei Berufen und bei Studiengängen. Wir müssen das unbedingt besser kommunizieren, um auch mehr Frauen für die Truppe zu gewinnen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Heute wird ein neuer Wehrbeauftragter gewählt. Ich freue mich sehr: Mein lieber und geschätzter Kollege Henning Otte, du bist ein erfahrener, kompetenter und engagierter Kandidat, der hier zur Verfügung steht.

Frau Kollegin, auch die erste Rede geht zu Ende.

Heiterkeit

Ich komme zum Schluss. – Du bringst mit, was man für das Amt braucht: verteidigungspolitisches Know-how, ein gutes Gespür für die Truppe und vor allem ein klares Bekenntnis zu parlamentarischer Verantwortung. Lassen Sie uns gemeinsam diese Herausforderung angehen!

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Paul Schmidt
Foto: Dr. Paul Schmidt/ Samuel Degen
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD und ihre Wähler machen es möglich, dass Menschen wie ich hier reden, deren Berufe Sie von CDU/CSU, SPD und den Grünen durch Ihre Politik der letzten 20 Jahre in Deutschland erschwert oder abgeschafft haben.

Beifallbei der AfD

Ich bin Kerntechniker in der zweiten Generation. Mein Vater hat im Kernforschungszentrum Karlsruhe eine Forschungsgruppe geleitet. Ich selbst habe nach der Promotion 25 Jahre in der Kerntechnik gearbeitet. Bis zur Abschaltung 2011 war ich Betriebsphysiker im Siedewasserreaktor KKP 1 in Philippsburg, danach bis zur Abschaltung Ende 2019 Betriebsphysiker im Druckwasserreaktor KKP 2. Seit 2014 bin ich zudem Betriebsrat in Philippsburg.

Betriebsphysiker waren in Deutschland in 25 Kernkraftwerksblöcken unverzichtbar. Jetzt kann man meinen Beruf in Deutschland gar nicht mehr ausüben. Ähnliches gilt für die Berufe vieler meiner Kollegen an den verschiedenen Kernkraftstandorten im Land. Wir alle hatten gehofft, dass Sie von der Union nun endlich das versprochene Rückbaumoratorium in Kraft setzen und der Albtraum des Kernenergieausstiegs beendet wird. Wir wurden bitter enttäuscht!

Beifallbei der AfD

Deutsche Kernenergie war immer sicher, immer günstig und daher immer sozial.

Beifallbei der AfD

Sie hat uns Wohlstand und Tausende anspruchsvoller Jobs gebracht, vor allem für Fachhandwerker, Meister und Techniker. Deshalb wurde sie von den 60er-Jahren bis in die 80er-Jahre hinein von allen großen Volksparteien unterstützt: von der SPD, die damals noch die Partei der Arbeitnehmer war, von CDU und CSU und, ja, auch von den Linken, die damals noch die SED waren; denken Sie nur an Greifswald.

Beifallbei der AfD

Doch die Interessen der Arbeitnehmer wurden seither mehrfach und nun endgültig verraten. Aufgrund der sich daraus ergebenden viel zu hohen Strompreise betrifft das nicht nur die Arbeitnehmer in der Kerntechnik und deren Zulieferer, sondern viele Hunderttausende mehr, die in energieintensiven Betrieben arbeiten.

Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg fehlt meinem Bundesland seit der Abschaltung von Philippsburg 2 und Neckarwestheim 2 fast die Hälfte des Stromes, den die gut 11 Millionen Einwohner und die Betriebe verbrauchen. Der fehlende Strom muss importiert werden und kommt unter anderem von französischen und Schweizer Kernkraftwerken. Das ist absurd!

Beifallbei der AfD

Kernkraftwerke werden international in großer Zahl neu gebaut. Wir dagegen reißen sie ab. Deutschland ist der Geisterfahrer der Nukleartechnik, und dafür sind Sie verantwortlich.

Beifallbei der AfD

Oijoijoijoi!

Ohne Kernkraft ist Ihre Energiewende unbezahlbar. Sie wird in den nächsten 20 Jahren nach einer aktuellen Studie der Energie Baden-Württemberg knapp 3 500 Milliarden Euro kosten. Das sind durchschnittlich 172 Milliarden Euro pro Jahr, und das für die nächsten 20 Jahre. Wie sollen wir dieses Geld bekommen? Wir müssen es uns leihen. Wie sollen wir Zins und Tilgung zahlen? Großbritannien lässt grüßen.

Beifallbei der AfD

Wie wollen Sie Atomkraftwerke bezahlen? Großbritannien lässt grüßen!

Unsere großen Vor-Konvoi- und Konvoi-Kernkraftwerksblöcke entsprechen in Bau und Auslegung bis auf den Core-Catcher dem aktuell neugebauten Europäischen Druckwasserreaktor EPR. Sie sind sicher.

Beifallbei der AfD

Gar nichts ist sicher! Sicher ist das nicht!

Herr Abgeordneter, ich darf Sie auf die Redezeit aufmerksam machen.

Rednerwechsel

Machen Sie dem widersinnigen Abreißen ein Ende, und unterstützen Sie unseren Antrag.

Dafür ist er zu schlecht!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich aufrufen Frau Dr. Saskia Ludwig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Saskia Ludwig
Foto: Laurence Chaperon
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Deutschland war einst ein Land der Ingenieure, des technischen Fortschritts und der Vernunft, und das wird es auch wieder. Es muss Schluss sein mit der ideologischen Debatte zum Thema Energie,

Beifallder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

und zwar meine ich damit beide Richtungen.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir debattieren heute einen Antrag, der fordert, die Rückbaugenehmigungen für stillgelegte Kernkraftwerke auszusetzen oder sogar zurückzunehmen.

Diesem Antrag werden wir nicht zustimmen – das wird Sie sicherlich nicht wundern –, aber nicht, weil wir die Kernenergie grundsätzlich ablehnen, sondern, weil dieser Antrag wirtschaftlich und technisch nicht vertretbar ist.

So ein Quatsch! Sie widersprechen sich selbst!

Weiterer Zurufvon der AfD: Das haben Sie doch selber gefordert!

Erlauben Sie mir, das näher zu erläutern. Mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kehren wirtschaftliche Vernunft und Realitätssinn in die deutsche Energiepolitik zurück. Unter ihrer Führung rückt endlich das Prinzip der Technologieoffenheit in den Mittelpunkt,

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jakob Blankenburg [SPD]

mit dem klaren Ziel, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zur Priorität zu machen.

Ein zentraler Punkt für künftige Investitionen lautet Verlässlichkeit.

Kettensägenmassaker in Wäldern! Zerstörte Flächen durch Solar! Sie machen alles kaputt! CDU, schuld bist du!

Dazu gehört auch, die bereits getätigten Investitionen in alternative Energieformen nicht leichtfertig zu entwerten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie wollen getätigte Investitionen kaputtmachen. Ob das eine Frage der Verlässlichkeit und vor allen Dingen der Ökonomie ist, darüber können wir gerne diskutieren.

CDU, schuld bist du!

– Ja, ist schon klar.

Franziska Hoppermann [CDU/CSU], an den Abg. Uwe Schulz [AfD] gewandt: Ein bisschen mehr Niveau!

Die Entscheidung, unsere modernsten Kernkraftwerke ausgerechnet inmitten multipler Krisen vom Netz zu nehmen, war zweifelsohne ein folgenschwerer Fehler.

Nein, war es nicht!

Vergegenwärtigen wir uns die Fakten: Mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 wurden im April 2023 drei der effizientesten und sichersten Kernkraftwerke Europas stillgelegt.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Unabhängige Gutachten bestätigten, dass diese Anlagen problemlos noch mehrere Jahre sicher hätten weiterbetrieben werden können,

Absolut richtig!

mit einer jährlichen CO2-freien Stromproduktion von rund 36 Terawattstunden, was den Strombedarf von mehr als 10 Millionen Haushalten gedeckt hätte. Ihr Weiterbetrieb hätte unsere energiepolitische Souveränität in der Krise spürbar gestärkt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Die Union hat einen Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen rund um die Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke initiiert.

…, der nichts rausgefunden hat!

Die Ergebnisse unterstreichen:

Eben nicht!

Die energiepolitische Realitätsverweigerung der vergangenen Jahre stellt ein massives Risiko für unsere Versorgungssicherheit und unseren Wirtschaftsstandort gleichermaßen dar.

Das glauben aber auch nur Sie! Alle anderen glauben das nicht!

– Sie können sich aber wieder beruhigen. Wir haben ja einen gemeinsamen Weg gefunden, aus dieser Krise herauszukommen.

Auch wenn die Fehler der Vergangenheit offenkundig sind: Mit dem vorliegenden Antrag werden unsere Energieprobleme nicht gelöst.

Doch, natürlich!

Allein für die Wiederinstandsetzung eines Reaktors wie Isar 2 liegen die geschätzten Kosten laut aktuellen Analysen bei bis zu 3 Milliarden Euro, und das ohne Brennstoff, ohne Personal oder sicherheitstechnische Nachrüstungen.

Sie haben doch 1,7 Billionen für Infrastruktur! Nehmen Sie doch was davon!

Der gesamte Prozess würde zudem vier bis acht Jahre in Anspruch nehmen.

Meine Damen und Herren, das ist bereits Ihr achter Antrag zu diesem Thema. Die letzte realistische Chance für einen sicheren Weiterbetrieb bestand im Jahr 2019, als die regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen erstmals ausgesetzt wurden. Keiner Ihrer Anträge fand eine parlamentarische Mehrheit, und heute ist es aus ökonomischer und technologischer Sicht für Ihren Antrag, was das Moratorium betrifft, und für den Weiterbetrieb dieser Anlagen bereits zu spät. Leider! Wir müssen uns auf die Zukunft konzentrieren.

Das fordern wir auch nicht erst seit heute!

– Habe ich gerade bestätigt.

Zur Zukunft gehört aber auch, dass wir den Strom, den wir jetzt schon produzieren, nutzbar machen. Es gehört aber genauso dazu, dass wir Kernreaktoren neuester Generation nicht aus dem Blick verlieren.

Das ist aber nicht umsetzbar mit den Linken von der SPD!

Was Deutschland dringend benötigt, sind eine konsequente Diversifizierung unserer Energiequellen, die Förderung zukunftsfähiger heimischer Technologien und die dauerhafte Sicherung bezahlbarer Strompreise für Industrie und Haushalte.

Beifallbei der CDU/CSU

Konkret bedeutet das für uns unter anderem: Verlängerung der Laufzeiten noch aktiver Kraftwerke, wo es technisch und sicherheitstechnisch vertretbar ist, massive Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für neue Energieinfrastruktur, Einrichtung eines energietechnologieoffenen Innovationsfonds und, wenn es unser Atommüllproblem lösen sollte, ein Blick auf die neuen Kernreaktoren.

Beifallbei der CDU/CSU

Deutschland braucht eine verlässliche Energiepolitik und den Mut zur Technologieoffenheit. Nur so sichern wir die Versorgungssicherheit und bezahlbare Energiepreise. An dieser Aufgabe müssen wir uns messen lassen. Einen ersten Schritt in diese richtige Richtung hat unsere Bundeswirtschaftsministerin, Frau Reiche, gemacht.

Frau Kollegin, ich darf auch Sie auf die Redezeit aufmerksam machen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf Harald Ebner für Bündnis 90/Die Grünen das Wort erteilen.

Porträt von Harald Ebner
Foto: Harald Ebner/ Laurence Chaperon
16 Vermerkeca. 649 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die AfD – allesamt Feinde Deutschlands – tippt wieder ihre alten Anträge ab

Zurufvon der AfD: Ist das langweilig!

und will wieder mal alte, stillgelegte Atomkraftwerke nicht abbauen, sondern stehen lassen. Garniert haben Sie Ihre immergleiche alte Leier noch mit ein paar Fake News zum Stromausfall in Spanien und zum gefloppten Atom-Untersuchungsausschuss der Union.

Der Blackout in Spanien hätte entgegen Ihren Märchen wohl kaum mit unflexiblen AKWs verhindert werden können.

Natürlich! Natürlich hätte er das!

Hä? Das ergibt doch gar keinen Sinn!

Und er hat mit der deutschen Energiewende schon gar nichts zu tun.

Und am Atom-Untersuchungsausschuss hatte ja die Unionsfraktion am Ende selber die Lust verloren, weil gar nichts dabei herausgekommen ist.

Ihr seid abgewählt! Hallo!

Viel Lärm um nichts also!

Sie wollen immer noch alte Atommeiler unter Verzicht auf elementare Sicherheitsstandards wieder anwerfen

Die sichersten Kernkraftwerke der Welt sind das!

und neues Risiko und neuen Atommüll erzeugen, und für beides haben Sie immer noch überhaupt keine Lösung. Also alles beim Alten! Woher sollen denn die Brennstoffe für Ihre Altreaktoren kommen?

Die stehen bereit, die Brennstoffe!

Die gibt es längst!

Wie bislang schon aus Russland? Die einzig wirklich unabhängige inländische Energie, die wir erzeugen können, ist und bleibt erneuerbar, meine Damen und Herren.

Zurufevon der AfD

Die schwarz-rote Schrotkoalition will mal wieder ins Gasgeschäft mit Putin einsteigen. Sie tönen von harten Sanktionen gegen Russland; aber in Sachen Gas und Atom sind Sie ganz still. Das ist zynisch gegenüber der Ukraine, und es ist auch zynisch gegenüber den Menschen hier im Land, die Sie in erneute Abhängigkeiten treiben.

Sie treiben sie in die Armut!

Die Union rüttelt schon wieder am Atomausstieg, wie wir gerade von Frau Dr. Ludwig gehört haben. Den Vogel schießt allerdings der bayerisch-fränkische Foodblogger und Ministerpräsident ab: 2010 noch für Atomkraft, war er 2021 dagegen, 2022 aber wieder dafür. Im April 2025 sagte er, Atomkraft sei jetzt wirtschaftlich wirklich gar nicht mehr darstellbar. Und im Mai 2025, also kürzlich, als Belgien die Laufzeit des Schrottreaktors Tihange verlängern wollte, sagte er plötzlich, alles sei ganz toll. Mir wird bei so vielen Umdrehungen wirklich schwindelig.

Ich zitiere hier gerne noch mal den Aufsichtsratschef von Siemens, Joe Kaeser, der letztes Jahr gesagt hat: „Es gibt kein einziges Atomkraftwerk [...], das sich ökonomisch rechnet“, weil eben Atomkraftwerke immer mit Steuergeldsubventionen realisiert werden.

Zurufevon der AfD

Bundeskanzler Merz will ja dennoch laut „Berliner Zeitung“ in der EU jetzt die Atomkraft pushen und deutschen Widerstand gegen angebliche Vorurteile gegen Atomkraft in den EU-Gesetzen abbauen.

Schauen Sie sich mal um in der Welt!

Ich frage mich da tatsächlich: Wo bleibt eigentlich das Veto der SPD und des Bundesumweltministers, Herrn Minister Schneider?

Zudem will die SchrotKo Milliarden in der Kernfusion versenken, die seit den 1960er-Jahren bekanntlich nicht aus den Kinderschuhen rauskommt und es auch in den nächsten 30 Jahren nicht schaffen wird. Bei ihr entsteht ebenfalls strahlendes Material und hoher Strahlenschutzbedarf. Deshalb muss Sicherheit auch innerhalb des nuklearen Regelwerks gewährleistet bleiben.

Werte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns nicht weitere Atommüllfässer aufmachen. Es reicht schon, das zu entsorgen, was bereits da ist. Da braucht es keinen Atompopulismus – nicht von ganz rechts und auch nicht aus der Mitte.

Danke schön.

Ich darf für die SPD-Fraktion Jakob Blankenburg das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Jakob Blankenburg
Foto: Jakob Blankenburg / Johann Floeter
25 Vermerkeca. 1.137 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als langjähriger Umweltpolitiker hätte ich nicht gedacht, dass es mal so weit kommt, aber die AfD recycelt. Sie recyceln hier einen Antrag von vor gut einem halben Jahr, und ich fasse den mal kurz zusammen: Man sollte aus Hass auf erneuerbare Energien und auf die Grünen sowie fehlendem politischen, wirtschaftlichen und physikalischen Verständnis zurückfallen ins Gestern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Gucken Sie sich mal um in der Welt!

Seit 767 Tagen sind die Atomkraftwerke in Deutschland nun abgeschaltet. Das bedeutet auch, 767 Tage verbringen Sie mit politischer Nostalgie und nicht mit der energiepolitischen Realität. Atomkraftwerke sind keine Lösung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Lassen Sie es sich von Frau Ludwig erklären!

Der Rückbau läuft schon lange. Der Wiederaufbau ist finanziell, technisch und sicherheitspolitisch unsinnig. Die Endlagerung ist unglaublich herausfordernd, und selbst die potenziellen Betreiber sind gegen Atomkraft.

So ein Schwachsinn!

So, abgeräumt! Wir alle sollten die faktische Realität anerkennen und politisch den Blick nach vorne richten. Wir müssen die erneuerbaren Energien weiter ausbauen; denn sie machen uns tatsächlich unabhängig. Sie sind es, die tatsächlich günstig sind, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD

Wir sind schon am Machen: 61,5 Prozent unserer Stromerzeugung stammen aus den Erneuerbaren. Denn damit lösen wir die tatsächlichen Probleme in unserem Land. Damit adressiert man die realen Ängste von Menschen um die Energieversorgung.

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Wer politische Debatten nur dazu nutzt, Windräder zu dämonisieren, dreht sich am Ende selbst nur im Kreis, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Wir dürfen nicht den Rückwärtseingang einlegen, sondern müssen auf die Überholspur der Energiewende.

Lachendes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Lassen Sie mich jetzt den Antrag im Detail noch einmal ein wenig aufschlüsseln. Die AfD möchte ein Moratorium für den Rückbau beschließen lassen,

Beifallbei Abgeordneten der AfD

also die Bagger zurückpfeifen und hoffen, dass aus Betonsilos plötzlich wieder Atomkraftwerke werden. Das ist kein energiepolitischer Realismus, das ist ein verzweifeltes Festhalten an Symbolen von gestern, weil für morgen keine Ideen mehr da sind.

Was dabei vergessen wird: Die Entscheidung ist längst gefallen. Über Risiken der Atomkraft, über ungelöste Fragestellungen der Endlagerung, über Sicherheitsprobleme und über die massiven gesellschaftlichen Konflikte dieser Technologie müssen wir heute hier gar nicht mehr viele Worte verlieren. Diese Diskussionen hat unser Land, diese Diskussionen hat unser Haus geführt über Jahrzehnte, und sie wurden vor Jahrzehnten abgeschlossen.

Vollkommen richtig!

Diese Diskussionen waren intensiv, sie waren demokratisch – einige Kolleginnen und Kollegen waren auch selbst noch mit dabei –, und sie haben zu einem klaren Ergebnis geführt: zum Atomausstieg.

Zu einem postfaktischen Ergebnis!

Als Folge dessen läuft der Rückbau bereits. Die Arbeiten sind weit fortgeschritten und in Teilen bereits irreversibel, so die klare Aussage der Atomkonzerne selbst.

Das stimmt ja gar nicht!

Es gibt kein Zurück vom Rückbau. Das müssen Sie verstehen. Man kann die Dinger nicht einfach wieder anschmeißen. Da steht ein bisschen Beton, der Rest müsste neu gebaut werden. Das will niemand.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

So ein Blödsinn!

Eine Wiederinbetriebnahme ist wirtschaftlich wie technisch eine Illusion und mit Sicherheitsstandards auch nicht mehr vereinbar. Ein Rückbaustopp ist wirtschaftlich wie technisch absurd. Die Reaktoren sind veraltet, Genehmigungen erloschen, Personalstrukturen abgebaut. Auch das hat der besagte Untersuchungsausschuss ergeben.

Beifalldes Abg. Johannes Schraps [SPD]

Aber selbst wenn all diese Hürden überwindbar wären – nehmen wir das mal an –, wäre Kernenergie am Markt schlicht nicht wettbewerbsfähig,

Widerspruchbei der AfD

Das stimmt doch nicht!

und das aus einem Grund – und auch das ist aus dem Untersuchungsausschuss klar hervorgegangen –: Eine Wiederinbetriebnahme, ein Weiterbetrieb würde keinen strompreissenkenden Effekt mit sich bringen. Und das ist es doch, worum es uns heute gehen sollte.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Eine weitere elementare Frage: Wer soll diese Atomkraftwerke Ihrer Meinung nach denn überhaupt betreiben?

Ingenieure am besten!

Die Betreiberunternehmen haben längst andere Wege eingeschlagen. Kein Konzern will die Verantwortung, die Kosten und die Risiken übernehmen. Soll das der Staat tun, die Rolle eines Quasieigners von Altreaktoren übernehmen, die niemand mehr will, die niemand mehr verantworten kann und die keiner mehr versichern würde?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser vorliegende Antrag ist reiner Protest, kein energiepolitisches Konzept. Lassen Sie uns lieber mit Versorgungssicherheit, mit Netzausbau, Speichertechnologien und sozialer Energiepolitik befassen

Das wäre das erste Mal!

und hier in diesem Haus keinen energiepolitischen Karneval betreiben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn das, was die alte Regierung begonnen hat, und das, was diese Koalition sich vorgenommen hat, ist doch viel wichtiger: die Arbeit an unserer Zukunft.

Rund 2 400 Windenergieanlagen wurden bundesweit neu genehmigt. Das ist eine Steigerung um 85 Prozent zum Vorjahr.

Alles nicht speicherbar!

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung lag im letzten Jahr erstmals bei über 60 Prozent,

Alles nicht speicherbar!

genau 61,5 Prozent aus Wind-, Solar-, Wasserkraft und Biomasse, hier in Deutschland produziert. Das soll sich bis 2030 noch mal auf mindestens 80 Prozent erhöhen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Unabhängigkeit. Das ist die Garantie für günstige Preise.

Wir sind auch noch lange nicht fertig. Im Koalitionsvertrag haben wir uns geeinigt, den Ausbau erneuerbarer Energien entschlossen voranzutreiben, unter Mitgestaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Wirtschaft und mit Blick auf Bezahlbarkeit, Effizienz, Entbürokratisierung und Versorgungssicherheit. Das ist Fortschritt. Das ist konkrete Politik. Das ist Verantwortung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Das ist das, was seit Jahren nicht funktioniert!

Der Rückbau ist jetzt der letzte notwendige Schritt auf einem Weg, den wir als Gesellschaft bewusst gegangen sind: ein demokratisch legitimierter Ausstieg aus einer Hochrisikotechnologie,

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

eine Befreiung aus der Abhängigkeit fossiler und nuklearer Energiequellen und wichtig für ein zukunftsfestes Wirtschaftssystem. Wir werden diesen Weg zu Ende gehen: konsequent, verantwortungsvoll und – ganz wichtig beim Gehen – mit einem klaren Blick nach vorn und nicht zurück.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD

Ich darf zu ihrer ersten Rede aufrufen Kollegin Mareike Hermeier von der Linken.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Mareike Hermeier
Foto: Mareike Hermeier/ Jennifer Kölker
12 Vermerkeca. 578 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Freunde der utopischen Atomromantik! Ich muss anfangen mit etwas Positivem zu diesem AfD-Antrag. Man muss es Ihnen lassen: Ihre Fähigkeit, Realitätsverweigerung mit ideologischer Beharrlichkeit zu verbinden, ist wirklich bemerkenswert.

Beifallbei der Linken

Nun zum Antrag. Sie behaupten darin, der Atomausstieg sei ein wirtschaftlicher Fehler gewesen. Na ja, das stimmt schlicht und einfach nicht, da aktuelle Studien von Fraunhofer und Agora zeigen,

Oh, Agora! Tolles Unternehmen!

dass ein Energiesystem, das ausschließlich auf erneuerbaren Energien baut, funktioniert; ich komme gleich zu Ihren Beispielen. Dazu ist es langfristig günstiger als jede andere Methode. Sonne und Wind schicken keine Rechnungen; Energiekonzerne tun das.

Beifallbei der Linken

Ihre Atomkraft jedoch ist die teuerste aller Möglichkeiten. Und Sie wollen eine Volkspartei sein? Das finde ich gut.

Zurufvon der AfD: Wir sind es!

Rechnet man ehrlich und beachtet Rückbau, Transport, Rohstoffe, Endlagerung und eben die ganzen Subventionen, wird uns schnell klar: Das ist nicht die Zukunft.

Sie führen den Stromausfall in Spanien am 28. April dieses Jahres als Beleg für die Unsicherheit der erneuerbaren Energien an und suggerieren damit, das wäre mit Kernkraft nicht passiert. Das sagt nichts über die spanische Stromversorgung aus, aber viel über Ihren Mangel an technischem und politischem Verständnis.

Beifallbei der Linken

Es waren ein technischer Defekt und ein Mangel der Netzregulierung. Ursächlich waren hier keine erneuerbaren Energien am Blackout beteiligt.

Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist auch nach dem Ausstieg aus der Kernenergie gewährleistet. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Entwicklung von Speichertechnologien tragen dazu bei, die Stromversorgung stabil zu halten.

Sie schlagen dazu vor, neun abgeschaltete Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Die Studie der Radiant Energy Group, auf die Sie sich beziehen, wurde von einer Organisation mit starkem Interesse an der Förderung der Kernenergie erstellt.

Zurufvon der Linken: Hört! Hört!

Also ist Unabhängigkeit für Sie auch kein wissenschaftliches Messinstrument.

Beifallbei der Linken

Unabhängige Experten weisen darauf hin, dass die Reaktivierung dieser Anlagen mit erheblichen technischen, rechtlichen und sicherheitstechnischen Herausforderungen verbunden wäre. Zudem würden die Kosten für die Wiederinbetriebnahme und den Betrieb dieser alten Anlagen den Nutzen weitaus übersteigen – dazu gibt es mehrere Studien –,

Zurufvon der AfD

abgesehen von der Unversicherbarkeit einer solchen Technik und den Folgen für das Umland und die Mitarbeiter dort.

Zudem verweisen Sie auf die sogenannte Atomallianz von 22 Staaten, die den Ausbau der Kernenergie vorantreiben wollen. Doch selbst die Internationale Energieagentur, die IEA, stellt fest, dass der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromerzeugung rückläufig ist und erneuerbare Energien weltweit auf dem Vormarsch sind, weil sie wirtschaftlicher sind. Das müssen auch Sie irgendwann mal einsehen. Ich helfe Ihnen gern dabei; so sind wir Linken.

Beifallbei der Linken

Zum Schluss. Ihr Antrag ist kein Moratorium für Kernkraft; er ist ein Mausoleum für gesunden Menschenverstand.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Ich weiß, Sie wollen bei vielerlei Themen am liebsten wieder in die Vergangenheit zurück – mit Ihren veralteten Annahmen und Ihrer Ideologie. Sie ignorieren aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse meist konsequent.

Frau Kollegin.

Ich hole Sie zurück in die Zukunft. Wenn Sie mich fragen, wird alles gut, mein Kind. Die Zukunft ist pink.

Ich danke Ihnen und bitte um Beachtung.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Herrn Alexander Engelhard aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt bin ich mal gespannt, wie das mit der Rede vom Kollegen Blankenburg übereinstimmt!

Porträt von Alexander Engelhard
Foto: Alexander Engelhard / Tobias Koch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Anhand dieses Antrags der AfD sieht man, wie gut die neue Regierung gestartet ist.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Lachendes Abg. Andreas Bleck [AfD]

Völlig hilflos versucht die AfD, mit alten Anträgen Stimmung zu machen. Mehr fällt Ihnen nicht ein.

Auch wir haben lange Zeit versucht, die bestehenden Kernkraftwerke am Laufen zu halten bzw. wieder in Betrieb zu nehmen. Im Gegensatz zu Ihnen ist unsere Politik in der Gegenwart angekommen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Auch wenn die Regierungszeit der Ampel verkürzt wurde, so waren die dreieinhalb Jahre für die bestehende Kernenergienutzung in Deutschland doch zu lange. Entscheidend ist jetzt, dass wir Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit finden, und das werden wir tun. Lassen Sie uns daher den Blick und unsere Kraft auf die Zukunft richten.

Wir müssen die bestehenden Ressourcen nutzen und die Zukunftstechnologien vorantreiben. Darin steckt ein enormes Potenzial für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Im Gegensatz zu den Oppositionsfraktionen sind wir in der Union offen für Technologien und haben keine ideologischen Scheuklappen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir gehen die Herausforderungen unserer Zeit an. Jetzt gilt es, nicht weitere Fehler zu machen, die uns Technologievorsprung und Wohlstand kosten.

Herr Abgeordneter, es gibt die Meldung zu einer Zwischenfrage von Dr. Gesenhues vom Bündnis 90/Die Grünen.

Bitte.

Herr Präsident! Herr Kollege Engelhard, vielen Dank, dass Sie die Frage annehmen. – Sie haben vorhin dargestellt, Ihre Politik sei in der Gegenwart angekommen. Jetzt frage ich mich, da ich gerade Ihrer Kollegin Frau Dr. Ludwig zugehört habe: Was ist denn eigentlich die Politik der Gegenwart der CDU/CSU-Fraktion im Atombereich? Frau. Dr. Ludwig hat gerade in ihrer Rede gefordert, die Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke zu verlängern,

Beifallbei Abgeordneten der AfD

was ich sehr interessant finde. Denn: Nachdem das in einem Entwurf des Koalitionsvertrages stand, ist es ja rausgeflogen. Kollege Blankenburg hat auch gerade gesagt, dass er dem eine Absage erteilt.

Sie hätten besser mitschreiben müssen!

Gegenrufvon der AfD: Er ist auch sehr gebildet in der Frage! Sehr gebildet!

Jetzt frage ich Sie: Was ist denn eigentlich die Position der CDU/CSU? Teilen Sie die Aussage von Frau Dr. Ludwig, dass die Laufzeit bestehender Atomkraftwerke verlängert werden soll und, wenn ja, welche Kraftwerksstandorte meinen Sie denn eigentlich damit?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nein, es geht nicht um Atomkraftwerke! Der junge Mann muss zuhören! Er hat falsch zitiert!

Herr Gesenhues, vielen Dank für die Frage. – Ich habe es gerade in der Rede schon erwähnt: Natürlich waren wir lange dafür; wir hätten die betreffenden Kernkraftwerke gern weiterbetrieben. Es wäre wirtschaftlich sinnvoll und für unsere Volkswirtschaft und den Strompreis von Vorteil gewesen.

Zurufvon der AfD: Aber halt lieber in die Regierung gegangen, ne?

Aber jetzt sind wir in der Gegenwart und müssen die Rahmenbedingungen zur Kenntnis nehmen. Wie gesagt, die dreieinhalb Jahre Ampel waren einfach zu lange. Zu verantworten hat die Situation die Ampel, vor allem natürlich auch die grüne Fraktion.

2011 ist es beschlossen worden!

Wir schauen jetzt in die Zukunft. Wie gesagt, eine andere Entscheidung wäre nach wie vor grundsätzlich sinnvoller gewesen. Aber wenn wir unseren Blick nach vorne richten, dann müssen wir einfach akzeptieren, dass es aktuell nicht mehr möglich ist, diese Kernkraftwerke zu reaktivieren.

Zurufvon der AfD: Wenn Sie in die Zukunft schauen, werden Sie feststellen, dass Sie bedeutungslos werden!

Trotzdem müssen wir schauen, wie wir mit der Atomenergie vernünftig weitermachen, was wir mit den Brennstäben machen, wie wir in die Zukunft gehen. Wenn Sie noch ein bisschen zuhören, dann führe ich es gerne weiter aus.

Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt gibt es noch eine Nachfrage von Frau Dr. Ludwig aus Ihrer Fraktion. Lassen Sie sie zu?

Natürlich.

Herzlichen Dank. – Herr Kollege Engelhard, ist Ihnen gerade bewusst gewesen, dass der Kollege, der die Frage gestellt hat, hier völlig falsch zitiert hat? Er behauptet, ich hätte die Verlängerung und den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken gefordert. Tatsächlich ist das nicht der Fall. Ihnen ist es ganz sicher aufgefallen, und ich frage mich, ob es den anderen aufgefallen ist

Können wir im Protokoll ja dann nachlesen!

– das werden Sie tun, ganz sicher –,

Das werden wir tun!

dass hier falsch zitiert wurde, um eine Zwischenfrage zu stellen. – Danke schön.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich bedanke mich für die Klarstellung, dass das jeder deutlich mitkriegt und unsere Position als Unionsfraktion kennt. Danke für die Ergänzung.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dann steigen wir wieder in Ihre Rede ein.

Wir gehen die Herausforderungen unserer Zeit an. Jetzt gilt es, keine weiteren Fehler zu machen. Wir müssen umdenken und die alten Brennstäbe als wertvolle Ressource begreifen. Dabei geht es nicht nur um die Stromproduktion, die zum Teil mit alten Brennelementen möglich ist, sondern auch darum, kritische Rohstoffe für Hightech in Medizin und Raumfahrt zu gewinnen. Der Koalitionsvertrag gibt das klare Ziel aus, dass der erste Fusionsreaktor in Deutschland – am liebsten in Bayern – stehen sollte; denn in Bayern sind wir Pioniere auf diesen Zukunftsfeldern.

Wo denn genau?

Ich freue mich, dass Dorothee Bär als Forschungs- und Raumfahrtministerin auch bundesweit wichtige Akzente in diesen Bereichen setzen wird. Die Forschung müssen wir spürbar stärken, damit wir das unschätzbare Wissen an unseren Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen im Bereich der Kerntechnologie nicht verlieren.

Natürlich verlieren wir das!

Das ist schon längst der Fall!

Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor und sollte nicht zuletzt im Hinblick auf die Endlagerfrage in unser aller Interesse liegen.

Auch sollten wir offen diskutieren, ob und wie die bestehenden Kraftwerkstandorte weiterhin sinnvoll genutzt werden können.

Die Standorte mit ihrer Infrastruktur sind wertvolle Ressourcen. Sie können zu Innovationszentren werden, die eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft bauen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich denke da konkret an die Transmutation oder – einfacher gesagt – an das Umwandeln von hochradioaktiven Abfällen in weniger gefährliche Stoffe und gleichzeitig an das Recycling der wertvollen Bestandteile ehemaliger Brennelemente. Das wäre im besten Sinne nachhaltig und könnte ein neuer Wirtschaftsfaktor für die Regionen werden. Sicherheit und Akzeptanz vor Ort haben dabei natürlich oberste Priorität.

Unser Ziel muss es sein, dass sich Deutschland bei Zukunftstechnologien nicht selbst ins Abseits stellt. Der neuen Bundesregierung geht es nicht um Ideologie, es geht um Verantwortung für unser Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn wir unsere wirtschaftliche Stärke und unseren Wohlstand bewahren und auch Klimaneutralität erreichen wollen, dürfen wir nicht zurückschrecken, schwierige, auch unbequeme Fragen zu stellen. Manchmal sind die Dinge unpopulär, die morgen entscheidend sein können. Stimmen Sie nicht mit der AfD für Vergangenheit, sondern gehen Sie mit uns in die Zukunft.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, zurück in die Zukunft!

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen!

„Belgien ist klüger als andere! Kernenergie wäre auch für den Industriestandort Deutschland der richtige Weg gewesen: Verfügbare und bezahlbare Energie für unsere Industrie.“

Das ist kein Zitat aus dem AfD-Grundsatzprogramm. Nein, das schrieb der CSU-Vorsitzende Markus Söder vergangene Woche. Wenn also die Belgier die Klugen sind, dann stellt sich logischerweise die Frage: Wer sind eigentlich die Dummen?

Beifallbei der AfD

Was haben denn die Belgier Kluges gemacht? Die Belgier haben den 22 Jahre alten Ausstiegsbeschluss aus der Kernkraft gekippt und sich für den Neubau von Kernkraftwerken geöffnet. Begründet wird dieser Schritt der belgischen Demokratie mit der Sicherstellung der Energieversorgung in Belgien. Das belgische Parlament erhört also die Hilferufe der belgischen Bürger und Industrieunternehmen nach preiswerter Energie und ist, anders als Sie, willens, seinem eigenen Volk beizustehen.

Beifallbei der AfD

Als wäre Ihr Scheitern damit nicht offensichtlich genug: Auch das angebliche Musterland der Energiewende – Dänemark – öffnet sich für eine Debatte über Kernkraft. Eine Nation, die nie ein Kernkraftwerk in Betrieb hatte, schlägt eine radikal andere Richtung ein, und der Grund ist offensichtlich: weil die Energiewende gescheitert ist!

Beifallbei der AfD

Und weil aller guten Dinge drei sind, hat auch die Bundesregierung beschlossen, ihren Widerstand gegen die Kernkraftmehrheit der EU-Staaten aufzugeben. Kernkraft wird das Rückgrat der europäischen Stromversorgung sein, weil die deutsche Regierung auf den Boden der Realität gezwungen wurde.

Beifallbei der AfD

Auch in Spanien wird an der Zukunft der Kernenergie gearbeitet, nachdem bei einem Blackout in zehn Stunden Milliardenschäden angerichtet wurden und vier Menschen ihr Leben verloren.

Das grüne Kasperletheater ist am Ende. Deutschland ist von der Wirklichkeit umzingelt. Kernkraft hat Zukunft, und das verdanken wir nicht zuletzt dem abschreckenden Beispiel der desaströsen deutschen Energiewende.

Beifallbei der AfD

Damit komme ich zur eingangs gestellten Frage zurück: Wer sind die Dummen, wenn die Belgier die Klugen sind? Das „Wall Street Journal“ hat diese Frage schon 2019 beantwortet: Die deutsche Energiepolitik ist die dümmste der Welt.

Beifallbei der AfD

Die SPD und die Grünen befürworten diese dumme Energiepolitik, und dafür sind Sie am 23. Februar abgestraft worden. Warum? Weil die Bürger keine dumme Energiepolitik wollen. Die Union hat – genauso wie die AfD-Fraktion – eine kluge Energiepolitik im Wahlkampf versprochen, und dafür sind beide gewählt worden. Die Bürger wollen eine kluge Energiepolitik. Das deutsche Volk ist genauso klug wie das belgische.

Beifallbei der AfD

Nach der Wahl aber hat die Union – und ja, auch Markus Söder – die kluge Energiepolitik an der Brandmauer zerschellen lassen. Bundeskanzler Merz hat sich mit fliegenden Fahnen der dummen Energiepolitik im Koalitionsvertrag angeschlossen.

Beifallbei der AfD

Nun ist geklärt, wer für Markus Söder der Dumme ist.

Es bleibt beim Fazit: Den Linken, der SPD, den Grünen und auch der Union darf man die deutsche Energiepolitik nicht in die Hände legen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Europäischen Union müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden.

Deshalb können wir uns entscheiden, sie zu kaufen oder nicht. Deshalb können die Gentechkonzerne in Europa weniger Geld verdienen, als sie wollen.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deshalb lobbyieren sie seit Jahren gegen die Kennzeichnungspflicht, und sie tun das mit Erfolg.

Zurufvon der AfD: Und die ukrainische Getreideeinfuhr? Was ist denn damit los?

Die Europäische Kommission möchte die Kennzeichnungspflicht für Gentechnik abschaffen. Fast alles, was mit den neuen Techniken wie CRISPR/Cas gemacht werden könnte, müsste nicht mehr gekennzeichnet werden. Die Verhandlungen in Brüssel dazu sind in den letzten Zügen. Wir stellen uns heute die Frage: Wie steht eigentlich die neue Bundesregierung dazu?

Das ist eine wichtige Frage!

Landwirtschaftsminister Alois Rainer hat am Freitag auf Instagram geschrieben – ich zitiere –: Bürgerinnen und Bürger entscheiden selbst, „was in den Einkaufskorb oder auf den Teller kommt“. Gilt das auch für Gentechnik, ja oder nein?

Beifalldes Abg. Niklas Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

SPD, CDU und CSU können sich da nicht wegducken. Man kann es natürlich machen wie die AfD: in Berlin und auf dem Land von der Freiheit der Verbraucher/innen sprechen und gegen – am besten ausländische – Konzerne schimpfen und dann in Brüssel mit den reichen Freunden der Chemieindustrie stimmen. Aber das lassen wir euch nicht durchgehen. Wir werden eh gleich darüber entscheiden, ob wir über unseren Antrag in der Sache heute noch abstimmen.

Ich sage euch: Wenn man bei den Verhandlungen in Brüssel eine Position vertritt, die man nicht auch hier im Plenum des Bundestags vertreten kann, weil sie gegen den Willen der großen Mehrheit der Menschen geht und weil sie vielleicht auch gegen die eigene Überzeugung geht, dann ist es nicht der richtige Weg, das in den Ausschuss, der nichtöffentlich tagt, zu schieben, bis die Debatte in Brüssel vorbei ist. Dann ist der richtige Weg, diese Haltung zu überdenken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Ich habe, ehrlich gesagt, nach den ganzen Versprechungen und der Bilanz der alten Gentechnik große Zweifel, dass die Hoffnungen, die in die neuen Technologien gesteckt werden, sich materialisieren. Wenn man sich anschaut, dass Niedersachsen dieses Jahr austrocknet, wo es letztes Jahr abgesoffen ist, dann wird auch dem Letzten klar, dass nur mehr Vielfalt in der Landschaft und mehr Vielfalt in der Landwirtschaft effektive Klimaanpassung ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das ist der Klimawandel! Alles der Klimawandel! Einmal nass, einmal trocken! Alles der Klimawandel!

Aber diese alte Debatte über Chancen und Risiken lege ich jetzt mal beiseite. Ich lege auch die Tatsache beiseite, dass diese Technologien das Einfallstor sind, um sich Tiere, Pflanzen oder Gene zu patentieren. Ein vom BMEL in Auftrag gegebenes Gutachten besagt, dass die Abschaffung der Kennzeichnungspflicht womöglich gegen internationales Recht verstößt. Es lohnt sich wirklich, das zu lesen. Es ist sehr differenziert. Die es gemacht hat, ist keine Gentechnikgegnerin. Der Vorschlag der Kommission ist einfach schlecht gemacht.

Ich lege das alles beiseite und stelle heute nur die Frage: Warum sollten Menschen nicht wissen dürfen, was sie essen?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Und was kann es für ein tolles Produkt sein, das nur dann eine Chance auf dem Markt hat, wenn derjenige, der es kaufen soll, nicht weiß, was er kauft?

Die Bundesregierung muss sich entscheiden: Stehen Sie auf der Seite der Menschen in Deutschland, oder stehen Sie auf der Seite von wenigen Konzernen, die damit Geld verdienen wollen?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Wir Grünen stehen auf der Seite der Menschen. Das tun wir auch, wenn wir regieren. Cem Özdemir hat als Landwirtschaftsminister diese Kennzeichnungspflicht immer hochgehalten, und das übrigens nicht nur wegen der Verbraucherwünsche, sondern auch wegen der Landwirtschaft selbst. Es gibt Zehntausende Biobetriebe. Die wollen und dürfen diese Techniken, weder die alten noch die neuen, nicht einsetzen.

Es gibt einen Umsatz von über 17 Milliarden Euro pro Jahr mit konventionellen Lebensmitteln, die das Siegel „Ohne GenTechnik“ tragen. Ohne eine Kennzeichnung vom Saatgut bis zur Supermarktkasse müssen diese Gruppen alle Abgrenzungskosten selbst tragen. Wer die Kennzeichnungspflicht ganz abschafft, der nimmt der heimischen Landwirtschaft hier Umsatz weg und ermöglicht mehr Importe, vor allem aus Süd- und Nordamerika.

Liebe Bundesregierung, Landwirtschaftsminister Alois Rainer, Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig, Umweltminister Carsten Schneider – die Staatssekretäre richten es euch aus –: Schützt die Verbraucher/-innen! Schützt die Biolandwirtschaft! Stellt euch an die Seite der großen Mehrheit der Menschen! Kämpft zusammen mit dem Europäischen Parlament für die Kennzeichnungspflicht auf Lebensmitteln!

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die AfD verboten werden muss.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Dr. Tanja Machalet [SPD]
Lachenbei Abgeordneten der AfD
Porträt von Christoph Frauenpreiß
Foto: Christoph Frauenpreiß/ Nina Duderstadt
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich sehr, dass ich meine erste Rede hier im Deutschen Bundestag zu einem zukunftsweisenden Thema wie den Neuen Genomischen Techniken halten darf. Es gibt Menschen, die halten es für die neue industrielle Revolution des 21. Jahrhunderts.

Ich finde es wunderbar, dass die Kolleginnen und Kollegen von den Grünen hier über ein so zukunftsweisendes Thema wie den Umgang mit neuen Züchtungsmethoden debattieren wollen. Denn mit der Einsetzung dieses Tagesordnungspunktes werden wir beurteilen können, ob und wie sehr Sie sich zu Wissenschaft und Innovation und damit zur Zukunft bekennen oder eben nicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jens Behrens [SPD]

Es geht um Kennzeichnung, nicht um Innovation!

Einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen haben das ja durchaus schon verstanden. So hatte sich neben anderen der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Habeck in der Vergangenheit auch öffentlich für diese Technologie eingesetzt. Doch wie so oft konnte er sich gegen verengte, fortschrittsfeindliche Strömungen nicht durchsetzen.

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auf den ersten Blick auf Ihren Antrag scheinen Sie sich ja endlich zu öffnen. Aber ich sage ausdrücklich „scheinen“; denn wenn wir genau hinschauen, sehen wir: Sie fordern eine Kennzeichnungspflicht für alle Produkte, die mit Neuen Genomischen Techniken gezüchtet wurden oder ebendiese enthalten. Dies geht weit über das hinaus, was die EU-Kommission vorschlägt.

Und ganz nebenbei: Wir wollen doch eigentlich Bürokratie abbauen. Schaffen wir jetzt doch bitte keine neue – gleich in der ersten „richtigen“ Plenarwoche!

Beifallbei der CDU/CSU

So ist es! Sehr gut!

Worum geht es genau? 2012 wurde unter anderem an Instituten hier in Deutschland ein Verfahren entwickelt – CRISPR/Cas –, mit dem man mit absoluter Präzision innerhalb der DNA gezielt und gewollt bestimmte Eigenschaften in sehr kurzer Zeit ändern kann, sei es das Größenwachstum, die Wasser- oder die Nährstoffaufnahme. Und wichtig dabei: Fremde DNA, wie bei klassischer Gentechnik, wird nicht eingebaut.

Neue Genomische Techniken werden auch genutzt, um den Nährwert von Nutzpflanzen zu verbessern. Ziel ist es, den Gehalt an Vitaminen und wichtigen Nährstoffen und Mikronährstoffen zu erhöhen. Beispiele hierfür sind Reis mit mehr Eisen, Sojabohnen mit einem höheren Anteil an gesunder Ölsäure oder Melonen, Reis und Bananen mit höherem Gehalt an Vitamin A. Wie Sie sicher alle wissen, gab es hierfür 2020 den Nobelpreis.

CRISPR/Cas ermöglicht präzise Genveränderungen an Kultur- bzw. Nutzpflanzen. So kann die Methode die oft langwierige Kreuzungszüchtung in vielen Fällen ersetzen oder ergänzen und den Züchtungsfortschritt beschleunigen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Vorteile sind vielfältig. Ein Beispiel: Mit der Genschere hat eine Forschergruppe des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung eine virusresistente Kulturgerste in zwei Jahren erzeugt. Das bundeseigene Julius-Kühn-Institut für Kulturpflanzen, bis vor Kurzem unter dem Grünen Cem Özdemir, forscht daran, Sorten zu entwickeln, bei denen man bis zu 60 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen muss.

Hört! Hört!

Durch einen normalen, konventionellen Züchtungsprozess würde man dies erst in 10 bis 20 Jahren erreichen. Das gilt auch für die Züchtungen zur Ertragssteigerung oder Salz- und Trockenresistenz durch den Klimawandel oder dafür, wie man teuren, klimaschädlichen Dünger durch bessere Stickstoffaufnahme aus der Atmosphäre ersetzen kann.

Weltweit wird an solchen Eigenschaften mit Erfolg geforscht. Führend sind hier – wie zu erwarten – China, die USA und Indien. Nur wir hier kommen nicht aus dem Knick.

Auf europäischer Ebene soll nach langem Hickhack dieses Jahr endlich entschieden werden, wie dieses Züchtungsverfahren reguliert werden soll.

Vor diesem Hintergrund fordern führende Forscher aus Deutschland schon seit Langem eine wissenschaftsbasierte Positionierung Deutschlands hierzu. Junge Forschende deutscher Institute formierten sich zudem unter der Initiative „Give Genes A Chance“ – also: „Geben wir Genen eine Chance“ –, um nach ihrer mit unser aller Steuergeld finanzierten wissenschaftlichen Ausbildung nicht das Land verlassen zu müssen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jens Behrens [SPD]

So ist es! Sehr gut! Guter Punkt!

Denn das tun bedauerlicherweise viele junge Wissenschaftler bereits. Wir verlieren den Anschluss an die Zukunft, nur weil hier Beharrungskräfte Angst vor Fortschritt haben und den Menschen Angst machen.

Hört! Hört!

Selbst innerhalb der Bio-Szene mehren sich die Stimmen, dass man dieser Technologie eine Chance geben soll; doch wissenschaftsferne Kritiker finden immer neue konstruierte Argumente, warum man dies eben nicht machen soll.

Wir brauchen diese Technologie. Wir brauchen einen regulativen Rahmen, der diese Technik ermöglicht und tatsächlich zur Anwendung bringt – für eine nachhaltigere Landwirtschaft, für züchterische Unternehmen in Deutschland, aber auch für die Ernährungssicherheit bei uns und anderswo.

Beifallbei der CDU/CSU

Solche Pflanzen könnten in Zukunft auch dazu beitragen, die in vielen Ländern grassierende Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen – „verborgener Hunger“ – zu bekämpfen und so die Ernährungssicherheit und Gesundheit weltweit zu verbessern. Wir brauchen und wir wollen kein abgekoppeltes, isoliertes Europa; denn diese Technologie ist außerhalb der EU bereits in Anwendung.

Früher oder später kommen Produkte, die mithilfe von Neuen Genomischen Techniken, NGT, gezüchtet wurden, auf unseren Markt. Wir sind dann die Dummen: unsere Landwirte, unsere Unternehmen und natürlich die Verbraucher.

Eine Studie der EU-Kommission aus dem Jahr 2021 sowie über 100 Wissenschaftsorganisationen kommen zu der Erkenntnis, dass das europäische Gentechnikrecht, das auf dem wissenschaftlichen Kenntnisstand der 90er-Jahre basiert, in diesem Punkt nicht mehr zeitgemäß ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Absolut richtig!

Laut führenden Wissenschaftsorganisationen bergen die mit NGT gezüchteten Pflanzen kein grundsätzlich höheres Risiko für Umwelt und Gesundheit als konventionell gezüchtete Sorten. Vielmehr bergen sie in der Regel weniger Risiken als Sorten aus der klassischen Mutagenese.

Ein altes Sprichwort sagt: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen. – Lassen Sie uns die Mauern einreißen, vor allem die in den Köpfen der Menschen!

Lassen Sie uns ihnen die Angst und die Sorge vor neuer Technologie nehmen, und lassen wir unnötige Warnhinweise!

Zurufdes Abg. Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Lassen Sie uns nicht den Anschluss aus wissenschaftsfernen Gründen verlieren!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Bravo! Großartig! Bester Mann!

Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
6 Vermerkeca. 487 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Die Grünen fordern in ihrem Antrag eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die mithilfe von neuen Züchtungstechniken hergestellt wurden oder werden. Was auf den ersten Blick nach mehr Transparenz klingt und aussieht, ist in Wahrheit nichts anderes als ein Verbot durch die Hintertür.

Denn was die Grünen verschweigen, ist, dass diese Produkte im Endprodukt überhaupt nicht von konventionellen Züchtungen zu unterscheiden sind.

Es gibt nämlich keine Nachweisverfahren, keine Laborwerte und keine Prüfsysteme, die verlässlich feststellen können, ob es sich um eine klassische oder eine neue Züchtung handelt.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eine Kennzeichnung ist also technisch schlicht und einfach nicht möglich, und das wissen die Grünen ganz genau. Das ist unehrlich, und damit streuen sie den Verbrauchern, den Landwirten und den Züchtern gezielt Sand in die Augen.

Man kann den direkten Einsatz der neuen Züchtungstechniken in der landwirtschaftlichen Praxis skeptisch sehen, ja, und auch wir sehen das durchaus kritisch. Die Technologie ist noch sehr jung, und es gibt noch sehr viele Fragen zu Risiken und Folgen. Und sie sind kein Wunderwerkzeug. Aber gerade deshalb braucht es intensive und unabhängige Forschung; denn auch ohne den direkten Einsatz in der Praxis helfen die Erkenntnisse aus diesen Techniken, die konventionelle Züchtung schneller, präziser und effizienter zu machen. Das ist ein echter Fortschritt, aber mit der nötigen Vorsicht und Verantwortung.

Zentral wichtig ist uns dabei die Frage der Biopatente. Es darf keine Patente auf Pflanzeneigenschaften geben, die auch in der Natur vorkommen oder entstehen könnten. Wenn wir hier nicht einen Riegel vorschieben, geraten unsere mittelständischen Züchter unter die Räder. Mit jedem neuen Patent auf natürliche Eigenschaften wächst die Marktmacht der großen Saatgutkonzerne und konzentriert sich der internationale Saatgutmarkt noch stärker. Genau das Gegenteil von dem, was Sie fordern, passiert.

Das müssen wir verhindern; denn es kann definitiv nicht im Interesse unserer Bauern sein, wenn sie künftig stark abhängig von wenigen multinationalen Großkonzernen sind, die die Preise und Bedingungen diktieren.

Deshalb ist es so wichtig, dass sie freien Zugang zum natürlichen Genpool für alle Züchter haben.

Dem Antrag auf Sofortabstimmung stimmen wir zu und hoffen, dass es auch dazu kommt, aber nur interessehalber, weil – wie schon angesprochen – unsere Regierung sich hier anscheinend nicht einig ist. Zumindest haben Sie im Europäischen Parlament gegensätzlich abgestimmt. Also würde es mich freuen, wenn wir heute abstimmen, und mal gucken, wie sich SPD und CDU/CSU dazu verhalten. Wenn es nicht dazu kommt, freue ich mich auf die Diskussion im Ausschuss.

Danke schön, meine Damen und Herren. Danke, Herr Präsident.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich aufrufen Frau Isabel Mackensen-Geis.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Isabel Mackensen-Geis
Foto: Isabel Mackensen-Geis/ Fionn Grosse
12 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.014 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Heute geht es um das Thema „Neue Genomische Techniken“, wie zum Beispiel CRISPR/Cas. Das sind moderne Verfahren, mit denen gezielt und schnell einzelne Gene in Pflanzen verändert werden können, ohne dabei fremde DNA zu verwenden.

Diese Methoden bieten Chancen, etwa für widerstandsfähigere Pflanzen. Gleichzeitig gibt es aber auch berechtigte Bedenken, etwa zu möglichen Risiken für Umwelt und Gesundheit sowie zur Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Stellen Sie sich vor: Eine junge Frau steht im Supermarkt vor dem Milchregal. In der einen Hand hält sie eine Bioweidemilch – sie weiß, das Biosiegel garantiert Gentechnikfreiheit –, in der anderen Hand eine konventionelle Milch mit dem bekannten „Ohne GenTechnik“-Label. Sie überlegt, liest auf der Verpackung, vergleicht. Sie will wissen, was drin ist.

Die Frau im Supermarkt ist keine Ausnahme. Sie steht für Millionen Menschen in unserem Land, die eines gemeinsam haben: Sie wollen selbst entscheiden, was sie kaufen, was sie essen und was nicht.

Und dafür brauchen sie verlässliche Informationen, sie brauchen Wahlfreiheit. Die überwiegende Mehrheit der Menschen wollen die Kennzeichnung von Neuen Genomischen Techniken bei Lebensmitteln. Genau dafür steht auch die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD

Wenn die Europäische Kommission jetzt vorschlägt, bei Lebensmitteln aus Neuen Genomischen Techniken auf die Kennzeichnung zu verzichten, dann ist das nicht modern, sondern ein Rückschritt. Wir sind davon überzeugt: Es geht um Transparenz und um das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Und dieses Vertrauen ist die Grundlage eines funktionierenden Marktes; denn Wahlfreiheit bedeutet auch Verantwortung, für unsere Gesundheit, für die Umwelt, für die Zukunft unserer Landwirtschaft.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen selbst wählen. Sie sind bereit, sich zu informieren. Dafür reicht es eben nicht aus, nur das Saatgut zu kennzeichnen, wenn niemand mehr sieht, was später auf dem Teller liegt. Der Vorschlag der EU-Kommission würde bedeuten, der Landwirt, der Futterpflanzen kauft, sieht nicht mehr, ob genomische Techniken im Spiel sind. Und die Verbraucherin im Supermarkt bleibt im Unklaren. So funktioniert keine moderne Verbraucherpolitik.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als SPD-Bundestagsfraktion sagen wir deshalb ganz klar: Die Kennzeichnungspflicht muss bleiben, auch bei neuen Gentechniken.

Doch es geht auch um unsere landwirtschaftlichen Betriebe. Viele wirtschaften seit Jahren gentechnikfrei, und sie wollen das auch weiterhin tun: ohne Risiko, ohne Haftungsfalle, ohne ungewollte Verunreinigung durch Nachbarfelder.

Beifallder Abg. Dr. Wiebke Esdar [SPD]

Wir als SPD stehen für Koexistenz statt Verdrängung. Wer ohne Gentechnik wirtschaften will, ob ökologisch oder konventionell, muss das auch in Zukunft sicher tun können. Und dafür braucht es klare Haftungs- und Schutzregelungen. Patente auf Tiere und Pflanzen lehnen wir ab.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir bekennen uns zu unserer starken mittelständisch geprägten Pflanzenzüchtung. Sie ist ein Rückgrat unserer Landwirtschaft.

Ich weiß aus vielen Gesprächen mit Landwirtinnen und Landwirten in meinem Wahlkreis: Auch sie wollen keine Abhängigkeit von patentiertem Saatgut. Sie wollen Vielfalt, Freiheit und faire Bedingungen in der Wertschöpfungskette.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Gentechnikfreie Lebensmittel sind längst ein bedeutender Markt in Deutschland und Europa.

Frau Kollegin, es gibt die Meldung zu einer Zwischenfrage vom Kollegen Harald Ebner.

Okay.

Rednerwechsel

Danke, Herr Präsident. – Danke, Frau Kollegin, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben gesagt, Sie lehnen den Einsatz der genomischen Techniken ab. Dann können Sie ja a) unserem Antrag auch sofort zustimmen.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich möchte Sie aber b) fragen, wie Sie denn gedenken, diese Position in der Koalition durchzusetzen, damit nicht das Bundeskanzleramt eine Weisung für die Entscheidung in Brüssel erteilt und am Ende keine Enthaltung, sondern ein Ja Deutschlands steht. Da ist die SPD jetzt in der Pflicht. Und ich möchte gerne wissen, wie Sie das durchsetzen wollen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen Dank; das ist tatsächlich die erste an mich gerichtete Zwischenfrage, also auch insoweit eine Premiere. – a) ist es so, dass ich nicht gesagt habe, dass wir das ablehnen, sondern wir haben da eine klare Vorstellung, und b) gibt es natürlich Diskussionen in der Koalition. Im Koalitionsvertrag ist das nicht festgelegt. Das heißt, es geht, wie Sie das ja auch aus der vorangegangenen Regierung noch kennen, Herr Ebner, diesen Weg, dass wir uns darüber austauschen.

Beifallbei der SPD

Da bin ich gespannt!

Gentechnikfreie Lebensmittel sind längst ein bedeutender Markt in Deutschland und Europa: Milliardenumsätze – und getragen von mittelständischen Unternehmen, Züchterinnen und Züchtern, Verarbeitern und Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern. Sie alle brauchen Planungssicherheit. Sie alle brauchen Transparenz.

Und wenn ich in die Reihen der CSU schaue, so weiß ich, dass wir hier Verbündete für diese wichtigen Anliegen haben. So unterstützt beispielsweise die bayrische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Position des EU-Parlaments zur Kennzeichnungspflicht von Pflanzen und Erzeugnissen aller NGT-Kategorien ausdrücklich.

Was wir brauchen, sind ausgewogene Lösungen, tragfähig, mehrheitsfähig und vertrauenswürdig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Alexander Engelhard [CDU/CSU]

Der Antrag der Grünen zitiert richtigerweise unser Verbraucherbild aus dem Koalitionsvertrag:

„Verbraucherinnen und Verbraucher sollen selbstbestimmt entscheiden können. Wir unterstützen sie durch starke Rechte, Transparenz und Information, Beratung und Bildung, Schutz und Vorsorge.“

Das war das Zitat aus dem Koalitionsvertrag. – Schutz und Vorsorge, Transparenz und Information, diese Anforderungen gelten auch für die Regulierung von neuen Gentechniken. Wenn sie nicht erfüllt sind, können wir auch nicht zustimmen.

Am Ende stehen wir wieder im Supermarkt; denn wir alle sind Verbraucherinnen und Verbraucher, und wir alle wollen wissen, was wir kaufen, was wir essen. Wir wollen selbst entscheiden und auswählen können. Wir haben das Recht darauf, zu wissen, was wir essen. Transparenz und Wahlfreiheit sind die Basis für selbstbestimmten Konsum; denn damit werden wir in die Lage versetzt, den Markt mitzugestalten. Das ist moderne Verbraucherpolitik.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich darf für die Fraktion Die Linke Frau Kollegin Ina Latendorf aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
6 Vermerkeca. 452 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Thema „Neue Genomische Techniken“ ist offenbar zu einem Dauerbrenner geworden. Die neue Wahlperiode setzt da an, wo die alte aufgehört hat. Man erhofft sich durch Neue Genomische Techniken – ich zitiere aus dem Vorschlag der EU – die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen im Agrar- und Lebensmittelsystem. Ob diese neuen Züchtungsmethoden eine nachhaltigere Landwirtschaft wirklich ermöglichen, muss doch sehr bezweifelt werden. Und dabei geht es sowohl um die Art und Weise der Züchtung als auch um die Kennzeichnung der NGT-Pflanzen und der daraus gewonnenen Lebensmittel.

Die Position der Linken hierzu ist eindeutig: Wir fordern eine klare Absicherung gentechnikfreier Landwirtschaft und die Ablehnung der Patentierung als Ursache für Monopolbildung im Saatgutbereich.

Beifallbei der Linken

Ich erinnere hier nachdrücklich an das EU-Vorsorgeprinzip. Es definiert über den Begriff der Risikovermeidung, womit Kriterien des Umweltschutzes Vorrang vor der Einführung technologischer Innovationen haben, sofern über Letztere kein wissenschaftlicher Konsens erzielt wurde. Dieses Prinzip muss weiterhin streng angewendet werden und für alle Formen der Gentechnik in der Landwirtschaft gelten, da die Risiken besonders mittel- und langfristig nach wie vor nicht abschätzbar sind.

Beifallbei der Linken

Das gilt aus Sicht der Linken auch für die sogenannten Neuen Genomischen Techniken. Es kommt also darauf an, die EU-Richtlinie über gentechnisch veränderte Organismen, GVO, konsequent einzuhalten und den Anwendungsrahmen bei Bedarf für die Erreichung von Ökozielen gegebenenfalls auszuweiten. Gerade hier versucht die EU, die GVO aufzuweichen. Dagegen hat sich die letzte Bundesregierung zu Recht gewehrt, und dagegen wehrt sich auch Die Linke.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, wichtig ist uns Linken eine klare Kennzeichnungspflicht für gentechnisch verändertes Saatgut und daraus erzeugte Lebensmittel. Eine Sicherstellung der Gentechnikfreiheit kann aber im Grundsatz nur dadurch erreicht werden, dass die gesetzlichen Regelungen zur Gentechnik in der EU klar und erhalten bleiben. Die Koexistenz mit und ohne Gentechnik muss rechtlich gesichert werden. Verunreinigungen durch alle Varianten gentechnisch veränderter Organismen müssen verhindert werden.

Beifallbei der Linken

Die geforderte Kennzeichnungspflicht sowie die Rückverfolgbarkeit für NGT-Pflanzen und für daraus gewonnene Lebens- und Futtermittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist das Mindestmaß für politisches Handeln, um Verbraucherinnen und Verbrauchern eine bewusste Entscheidung überhaupt zu ermöglichen.

Um die aktuellen Herausforderungen, die die EU ja aufgreifen will, zu bewältigen, brauchen wir in der Landwirtschaft eine verbesserte Bodenpflege, Humusaufbau und die Verbesserung der Wasserhalteeigenschaften des Bodens, damit sich die Wachstumsbedingungen für die Pflanzen verbessern. Wir brauchen Vielfalt und eine breite Basis des Produktionssystems und, wo immer es sinnvoll ist, auch eine Regionalisierung der Lebensmittelerzeugung und -verteilung. Das wäre unser Ziel.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Ich darf zu seiner ersten Rede aufrufen für die AfD-Fraktion Dr. Christoph Birghan.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christoph Birghan
Foto: Dr. Christoph Birghan/ Hagen Schnauß
7 Vermerkeca. 306 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gentechnik gehört zu den Themen, bei denen kritiklose Begeisterung ebenso falsch wäre wie undifferenzierte Verdammung. Die Veränderung des Erbgutes von Pflanzen mittels gentechnologischer Verfahren birgt Chancen und auch Risiken. Verantwortungsvolle Politik muss beides berücksichtigen.

Nur ein Beispiel: Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete vor drei Tagen, dass die in Deutschland bisher unauffällige Schilf-Glasflügelzikade

Das ist ganz schön unauffällig!

ihre Wirtspflanzen geändert hat und sich nun Rüben und Kartoffeln widmet,

Beifallbei Abgeordneten der AfD

ein Problem, über das man in manchen städtischen Milieus vielleicht müde lächelt. Die betroffenen Bauern finden das weniger witzig.

Zurufdes Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir beobachten Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent und einen Rückgang der Qualität; etliche Betriebe mussten bereits aufgeben.

Können die genomischen Techniken Pflanzen widerstandsfähiger dagegen machen? Das wissen wir nicht. Das wissen wir noch nicht. Aber darauf zu verzichten, es überhaupt zu erforschen, das wäre wirklich unverantwortlich.

Beifallbei der AfD

Natürlich werden Fragen aufgeworfen – bezüglich der Risiken dieser Technologie und der Gefahren für Mensch und Umwelt. Selbstverständlich gibt es auch Probleme hinsichtlich der Patentierung derart gentechnisch veränderter Pflanzen und der Verfahren zu ihrer Herstellung. Als Patentanwalt mit molekularbiologischem Hintergrund sind mir diese Probleme aus der Praxis wohl bekannt.

Der Antrag der Grünen geht jedoch am Kern der Sache völlig vorbei. Die von den Grünen geforderte verbindliche Kennzeichnungspflicht löst eben keines der genannten Probleme, sondern schafft ein neues Bürokratiemonster.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Grünen gefallen sich in einer zweckfreien Regulierungswut. Eine echte Verbesserung für Forschung, Erzeuger und Verbraucher ergibt sich dadurch gerade nicht.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion Alexander Engelhard aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alexander Engelhard
Foto: Alexander Engelhard / Tobias Koch
12 Vermerkeca. 638 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit Freude habe ich festgestellt, dass die Grünen sich in ihrem vorliegenden Antrag nicht mehr gegenüber den neuen genomischen Techniken versperren.

Nein! Das haben Sie falsch verstanden!

Missverständnis!

Ich glaube, in der Sache sind wir gar nicht mehr so weit voneinander entfernt; schließlich hat CRISPR/Cas die weltweite Pflanzenzucht revolutioniert. Nicht umsonst hat diese innovative Methode im Jahr 2020 den Chemie-Nobelpreis gewonnen. So funktioniert der Einsatz dieser sogenannten Genschere in nahezu allen lebenden Organismen. Er ermöglicht gezielte Veränderungen im Genom, die zu besseren Erträgen, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten oder Anpassung an den Klimawandel führen können.

Klarer Nutznießer ist am Ende auch eine nachhaltig ausgerichtete Landwirtschaft; schließlich werden weniger Flächen benötigt, welche für andere Zwecke eingesetzt werden können.

Zurufdes Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und der Wasserbedarf für die Pflanzen können deutlich reduziert werden.

Gleichzeitig helfen die neuen Züchtungsmethoden Pflanzen dabei, Nährstoffe aus dem Boden effizienter aufzunehmen. Hierdurch kann der Einsatz von Düngemitteln reduziert werden.

Dementsprechend wäre es falsch, sich den Möglichkeiten, welche die neuen genomischen Techniken ohne Zweifel mit sich bringen, zu verschließen. Den großen agrarpolitischen Herausforderungen können wir nur mit innovativen Ansätzen gerecht werden.

Erzählen Sie auch noch was zum Thema Kennzeichnung?

– Ich bin ja noch nicht fertig.

Wer neue Wege in der Pflanzenzucht bestreiten will, muss sich gleichzeitig über alle Konsequenzen bewusst sein. Zu einer ehrlichen und sachgerechten Debatte gehört daher immer eine ergebnisoffene Abwägung aller Vor- und Nachteile.

Uijuijui!

So hilft Polemik am Ende niemandem weiter. Häufig werden überhaupt keine Unterschiede zwischen den neuen genomischen Züchtungsmethoden und der alten Gentechnik gemacht, was dem Thema nicht gerecht wird. Auf die Spitze haben es die bayerischen Grünen mit ihrer Forderung nach einem grundsätzlichen Gentechnikverbot getrieben.

Nun haben wir Gott sei Dank in Bayern eine Staatsregierung, welche die Brücke zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft schlägt. So unterstützt unsere Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber explizit die sinnvolle Forderung, dass eine klare Abgrenzung

von neuen genomischen Techniken zur klassischen Gentechnik gewährleistet wird. Diese Auffassung spiegelt sich auch im vorliegenden Entwurf der Europäischen Kommission wider.

Es geht um die Kennzeichnung für die Verbraucher!

Entscheidend sind nun die Trilogverhandlungen zwischen Europäischem Rat, Kommission und Europaparlament, welche diesen Monat auf europäischer Ebene begonnen haben.

Da die Vorteile der neuen Züchtungsmethoden auf der Hand liegen, ist es nicht zielführend, diese zu verteufeln. Gleichzeitig muss eine Lösung angestrebt werden, die es der ökologischen Landwirtschaft ermöglicht, möglichst frei von den neuen genomischen Techniken zu arbeiten. Die konventionelle Landwirtschaft darf dabei nicht gegen die ökologische ausgespielt werden und umgekehrt ebenfalls nicht.

So hat die EU-Kommission in ihrem vorliegenden Entwurf ein Verbot im Ökolandbau vorgesehen, hinterlegt mit einer eindeutigen Kennzeichnungspflicht. Am Ende muss eine klare Regelung auf den Weg gebracht werden,

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

die den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Wahl lässt, was sie konsumieren wollen.

Eine Kennzeichnungspflicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette würde allerdings ein Bürokratiemonster schaffen.

Zurufeder Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

So schießen Sie leider mit Ihren Forderungen über das Ziel hinaus, weshalb wir Ihren Antrag in den Ausschuss zur weiteren Beratung verweisen müssen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf zu seiner ersten Rede aufrufen: für die AfD-Fraktion Pierre Lamely.

Beifallbei der AfD
Porträt von Pierre Lamely
Foto: Pierre Lamely/ Verity Vian Studio
5 Vermerkeca. 334 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte meine erste Rede für ein Geständnis nutzen. Ich habe im Wahlkampf ein bisschen grün geflirtet, nachzulesen in der „Fuldaer Zeitung“ vom 17. Februar dieses Jahres.

Zurufdes Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich habe dort gesagt: Die AfD ist keine Brandmauerpartei. Wir richten unsere Entscheidungen ganz allein darauf aus, welche Maßnahmen Deutschland dienen und unser Land vorwärtsbringen. – Und ich habe erklärt: Wenn die Wähler wollen und die Inhalte stimmen, dann kann ich mir sogar eine Regierung mit den Grünen zusammen vorstellen.

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Womit haben wir das verdient?

Dann schieben wir eben mit dem Elektroflugzeug ab, und die Messerstecher bekommen im Knast Sojabolognese. Da bin ich gerne kompromissbereit.

Beifallbei der AfD

Jetzt können Sie vielleicht ein bisschen besser einordnen, wenn ich Ihren grünen Antrag sogar begrüße – nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Zeitpunkts, auch wenn da vielleicht mehr Glück und Zufall eine Rolle gespielt haben.

Was hier nach Technik-Klein-Klein aussieht, ist in Wahrheit der nächste Belastungstest für diese Bundesregierung; denn die Grundlage, über die wir hier heute besprechen, ist die EU-Verordnung, die letztes Jahr in Straßburg nach hitziger Debatte und mit knapper Mehrheit entschieden wurde.

CDU und CSU stimmten geschlossen dafür; die SPD stimmte geschlossen dagegen. Und jetzt sitzen diese Parteien gemeinsam in der Bundesregierung. Deshalb unterstützen wir die Grünen bei ihrer Forderung nach einer sofortigen Abstimmung – nicht wegen des Inhalts, sondern weil wir und alle Bürger klare Verhältnisse im Bundestag sehen wollen.

Beifallbei der AfD

Wir wollen wissen: Hat diese Bundesregierung abseits von Posten und Ämtern auch inhaltlich einen gemeinsamen Kurs, oder ist die Kanzlermehrheit so instabil, dass Sie das Ganze lieber abseits der großen Bühne in einen Ausschuss verschieben wollen? Beweisen Sie, dass die Merz-Regierung jederzeit in diesem Haus eine Mehrheit hinter sich hat! Beweisen Sie es hier und heute!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD