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64. Sitzung der 21. Wahlperiode

Mittwoch, 18. März 2026 · Berlin

235 Reden in dieser Sitzung

235Reden43.786Wörter
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Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
Friedrich MerzCDU/CSU· Bundeskanzler· MdB
54 Vermerkeca. 3.804 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Darf ich mir zu Beginn dieser Regierungserklärung erlauben, zu sagen: Vielen Dank für die Worte, Frau Präsidentin, die Sie gerade an diesem heutigen Tag gefunden haben zum Wert von Freiheit, Rechtsstaat, Frieden und Demokratie. Der 18. März ist ein Tag, der nach meinem Empfinden in der Reihe der Gedenktage unseres Landes – bisher jedenfalls – nicht den richtigen Stellenwert bekommen hat.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In dieser Welt, in der wir leben, kommt es auf Frieden und Freiheit, auf Rechtsstaat und Demokratie mehr an, als manch einer von uns sich dies zu Beginn seiner politischen Arbeit vielleicht vorgestellt hat. Deswegen noch einmal herzlichen Dank! Ich erlaube mir, das auch dem Bundespräsidenten zu sagen, der diesen Tag bestimmt hat als den Tag unserer Demokratie. Herzlichen Dank!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wo wir nicht mehr frei handeln können, geht eben Freiheit verloren. Und genau das ist das Grundgefühl vieler Menschen in unserem Land. Sie spüren es und sie empfinden, dass uns in unserer Gesellschaft auch Handlungsspielräume verloren gehen. Wir erleben geopolitische und geoökonomische Verwerfungen wie lange nicht. Wir erleben einen Reformstau in der Europäischen Union und auch bei uns in Deutschland.

Dies alles hat Folgen. Es verengen sich die Entfaltungsspielräume für den Staat, aber vor allem für die Menschen, für Unternehmen, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für jeden Einzelnen von uns. Wir erleben das durch in diesen Tagen wieder steigende Lebenshaltungskosten, auch an den Tankstellen. Wir erleben dies durch eine stagnierende Volkswirtschaft. Wir erleben dies durch schwindende Planungssicherheit und durch Lieferengpässe, die neu entstehen – dies alles begleitet durch ein Übermaß an Bürokratie, die Kraft raubt.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind mit dieser Bundesregierung angetreten, die Handlungsspielräume für Deutschland wieder zu öffnen und zu weiten – Handlungsspielräume nicht für den Staat, sondern Handlungsspielräume für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, für unsere Unternehmen, vom Handwerksbetrieb bis zum Industriebetrieb. Darum geht es vor allem in diesen Tagen, Wochen und Monaten.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Wir wollen mit der Politik der Bundesregierung dafür sorgen, dass es diese Entfaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten für alle in unserem Land wieder gibt, dass es Raum gibt für Mut, für Investitionen, für Innovationen, für Experimente und vor allem für die vielen Potenziale, die nach wie vor in unserem Land stecken. Dieses Ziel haben wir uns gegeben, und an diesem Ziel werden wir mit großer Beharrlichkeit weiterarbeiten.

Wir sorgen dafür auf der internationalen Bühne, indem wir neue Spielräume schaffen für unsere exportorientierte Wirtschaft. Wir sorgen dafür mit einem umfassenden Reformprogramm im Inneren, indem wir wirtschaftliche Handlungsspielräume wieder neu eröffnen für mehr Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft, indem wir Staat und Gesellschaft digitalisieren und modernisieren, indem wir unsere sozialen Sicherungssysteme überprüfen und, wo notwendig, grundlegend reformieren, indem wir die irreguläre Migration zurückdrängen, indem wir unsere Sicherheitsbehörden und vor allem unsere Bundeswehr für die neue Zeit befähigen. All denjenigen, die an diesen Anstrengungen teilnehmen – und es sind große Anstrengungen –, möchte ich von dieser Stelle aus herzlich danken.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sorgen dafür, dass es neue Handlungsspielräume auch in Europa gibt. Die Welt entwickelt sich in eine für uns schwierige Lage einer Ordnung großer Mächte. Wir spüren, wie die Akteure dieser neuen Machtordnung unser Leben beeinflussen und unsere Möglichkeiten eingrenzen. Ich will es zu Beginn dieser Regierungserklärung hier sehr deutlich sagen: Unter diesen Bedingungen ist mehr als je zuvor ein vereintes Europa für uns in Deutschland die einzige Garantie und die wichtigste Garantie, die wir für unsere Zukunft haben.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das war niemals besser zu spüren als in diesen Tagen und Wochen. Vereint, aber eben nur vereint, haben wir europäische Staaten auch ein Machtpotenzial in unseren Händen in dieser anbrechenden neuen Epoche. Dieses Machtpotenzial ist groß. Aber wir müssen uns dessen bewusst werden, und wir müssen es auch gemeinsam nutzen.

Ich stelle fest: Bei unseren europäischen Partnern gibt es inzwischen einen ausgeprägten Willen, dass wir dieses Machtpotenzial auch dafür nutzen, nicht zuletzt Regeln und Fairness zwischen den Staaten dieser Welt zur Geltung zu bringen, zu erhalten, wo es möglich ist, und wieder zu erneuern, wo wir es können. Davon profitieren wir alle. Davon kann die ganze Welt profitieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es ist eine uralte Erkenntnis, aber deshalb nicht falsch; wir spüren in diesen Monaten vielleicht besonders, wie richtig diese Erkenntnis ist: Wenn etwas zu schwinden beginnt, was einem wichtig war und vielleicht nicht immer jeden Tag bewusst, dann wächst auch der Wille, sich zu behaupten, einzustehen für das, was man plötzlich als wesentlich und unverzichtbar erkennt, einzustehen auch im Sinne einer größeren Selbstachtung. Und genau an diesem Punkt stehen wir heute.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Ich will es noch etwas deutlicher sagen: Wir wollen uns in dieser Europäischen Union der 450 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner – 100 Millionen mehr als in den Vereinigten Staaten von Amerika – nicht länger unter Wert verkaufen. Wir identifizieren unsere Interessen und identifizieren zugleich die Machtmittel, um diese Interessen auch durchzusetzen. Wir lernen: Die anderen sind auch von uns abhängig, nicht nur wir von ihnen. Und wir lernen, dass wir das auch einsetzen können, ja einsetzen müssen. Wir entdecken neu den eigentlich altbekannten Zusammenhang von Freiheit und Macht, von Sicherheit und wirtschaftlicher Stärke.

Ich habe es an dieser Stelle schon einmal gesagt und wiederhole es heute: Wir Europäer müssen geschlossen und zielstrebig unsere Sicherheit und die Verteidigung unserer Freiheit selbst in die Hand nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Und wir müssen nicht zuletzt geschlossen und zielstrebig auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft wiederherstellen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben das verstanden hier in Berlin – die meisten jedenfalls – und in der Europäischen Union. Wir beginnen in dieser Europäischen Union, entsprechend zu handeln.

Ich reise heute Nachmittag zum Europäischen Rat nach Brüssel, wo Sie nicht gebraucht werden, meine Damen und Herren von der AfD.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich reise nach Brüssel, um dort über Sicherheit und unsere Wirtschaftskraft intensiv zu sprechen. Wir werden unseren Fokus diesmal vor allem auf die Frage der Wettbewerbsfähigkeit legen. Es waren wir, es war die Bundesregierung, die dieses Thema in das Zentrum der europäischen Debatte gerückt hat. Wir haben auf meinen Vorschlag im vergangenen Monat, im Februar, im Kreis der Staats- und Regierungschefs intensiv beraten über gute Ideen und gute Vorschläge zur Weiterentwicklung des europäischen Binnenmarktes.

Jetzt geht es morgen darum, zu konkreten Beschlüssen zu kommen. Angesichts der geopolitischen Lage und ihrer Auswirkungen auf uns in Europa ist das eine ehrgeizige Agenda für die europäische Wettbewerbsfähigkeit, und dies ist ein Schlüssel für unsere Stärke. Den ersten Teil dieser Agenda wollen wir bereits im Jahre 2026 umsetzen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Sie ist gleichzeitig die Leitlinie für den Mehrjährigen Finanzrahmen, den wir bis zum Ende des Jahres in Brüssel beschließen werden.

Das ist eine Erwartung, mit der ich nach Brüssel fahre: Wir legen jetzt selbstangelegte Fesseln ab und setzen Impulse für eine neue Wachstumsdynamik frei. Und wir machen die entscheidenden Schritte zur Stärkung und Vertiefung des europäischen Binnenmarktes.

Lassen Sie mich ein sehr konkretes Beispiel sagen: Mit dem sogenannten 28. Regime liegt seit heute – genau seit heute – endlich der lange erwartete Vorschlag für eine einheitliche europäische Gesellschaftsrechtsform vor. Gerade für die jungen innovativen Unternehmen, für die Start-ups, die in Europa an der Bürokratie und an 27 unterschiedlichen Rechtsordnungen verzweifeln, ist dies eine große Chance. Mit diesem 28. Regime haben wir jetzt eine Lösung, und ich werde mich dafür einsetzen, dass wir sie bis zum Jahresende auch verabschieden.

Europa, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist eine Gemeinschaft des Rechts. Wenn sich unsere Firmen jetzt auf eine einheitliche Rechtsordnung und auf eine einheitliche Rechtsform verlassen können, dann entfesseln wir gerade bei jungen und kleineren Unternehmen neue Kräfte. Genau das wollen wir auch erreichen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Wir haben einen Fahrplan entworfen für das doppelte Ziel: Wir wollen eine gemeinsame Spar- und Investitionsunion oder auch eine Kapitalmarktunion und einen vollständig integrierten europäischen Energiebinnenmarkt. Private Investitionen und langfristig bezahlbare Energiepreise sind gleichermaßen Schlüssel für nachhaltiges Wachstum und für die strategische Unabhängigkeit Europas.

Auch der Rückbau der Bürokratie wird beim Europäischen Rat erneut auf der Tagesordnung stehen. Ich habe darauf sehr gedrungen. Es ist nämlich sehr einfach: Je länger unsere Unternehmen, je länger vor allem der Mittelstand, das Handwerk über diese Wachstumshürden steigen müssen – und nichts anderes ist diese Bürokratie: überflüssige Wachstumshürden –, desto mehr Energie vergeuden wir und sie mit uns. Wir verschenken einen Wettbewerbsvorteil, den wir noch haben und den wir jetzt auch einsetzen sollten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Ich nenne in diesem Zusammenhang ein weiteres sehr konkretes Beispiel: die künstliche Intelligenz. Wenn wir mehr industrielle künstliche Intelligenz made in Europe haben wollen – und wir haben die Akteure dieser Innovation dafür in Europa –, dann müssen wir die Regeln auf der europäischen Ebene schlanker und einfacher gestalten und auch hier mehr Freiräume schaffen. Europa reguliert auch im Bereich der künstlichen Intelligenz zu viel. Das bremst Wachstumspotenziale und lässt uns die Möglichkeiten, die wir haben, nicht ausreichend ausschöpfen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Ich erwarte deshalb nicht mehr und nicht weniger, als dass die Kommission die Gesamtheit des gültigen EU-Rechts durchforstet. Zwei simple Fragen muss die Kommission dabei beantworten: Wo lassen sich bestehende Gesetze vereinfachen, und wo können Überregulierungen ersatzlos gestrichen werden?

Ich erwarte, dass die Kommission mit der gleichen Rigorosität, mit der sie in der Vergangenheit neue Regeln erlassen hat, heute prüft, wo und wie bestehende Gesetze und Gesetzesvorschläge zurückgenommen werden können, die unsere Bürgerinnen und Bürger, die unsere Unternehmen in Europa belasten. Was wir an Regulierung nicht brauchen, muss weg, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Also, es muss sich etwas bewegen in dieser Frage in Europa, und zwar im Grundsätzlichen. Deshalb ist die Rolle der deutschen Bundesregierung in Europa ganz wesentlich und konsequent die Rolle eines Antreibers in Sachen Bürokratierückbau. Inzwischen hat sich ein gewisses Momentum dafür auch aufgebaut. Ich habe, wie Sie vermutlich alle wissen, im Oktober des letzten Jahres einen Brief an den Präsidenten des Europäischen Rates geschrieben. Diesem Brief, der Bürokratierückbau zum Inhalt hatte, haben sich spontan 21 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union angeschlossen.

Im Februar dieses Jahres haben wir in der deutschen Bundesregierung gemeinsam mit Italien und Belgien erneut eine Initiative dafür auf den Weg gebracht. Auch hier ist die große Mehrheit der Mitgliedstaaten unseren Vorschlägen gefolgt. Dies ist ermutigend. Aber ich sage auch: Es ist noch ein langer steiniger Weg, auch gegen die Beharrungskräfte in der europäischen Bürokratie in Brüssel anzukommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Er ist Kanzler und schreibt einen Brief!

Es kommt in dieser Zeit einer neuen Weltordnung darauf an, dass wir Handlungsspielräume sichern und erweitern; auch die Handelspolitik ist dafür ein zentrales Instrument. Die regelbasierte internationale Ordnung, die regelbasierte globale Handelsordnung, war eine Voraussetzung für unseren Wohlstand, den wir heute in Deutschland haben. Es ist also in unserem ureigensten Interesse, dass sie weiter Bestand hat. Das heißt: Wir wollen sie stützen, und wir wollen sie weiterentwickeln, indem wir weltweit bestehende Partnerschaften vertiefen, indem wir neue Partnerschaften knüpfen, indem wir neue Freihandelsabkommen schließen.

Hier gab es, liebe Kolleginnen und Kollegen, in den letzten Monaten, so würde ich es formulieren, eine steile Lernkurve in Europa. Die Kommission arbeitet mit großer Entschlossenheit an neuen Freihandelsabkommen. Das Abkommen mit den südamerikanischen Mercosurstaaten ist nun von allen unterzeichnet trotz Ihres Widerstandes, und das Interimsabkommen wird schon bald vorläufig angewendet werden. Mit Indien, Mexiko und Indonesien sind die Abkommen abgeschlossen und auf dem Weg, in Kraft gesetzt zu werden. Auf der Zielgeraden sind die Verhandlungen mit Australien.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Politik, die Handlungsspielräume schafft. Jedes dieser Abkommen bedeutet neue Gestaltungsmöglichkeiten für europäische Unternehmen, bedeutet für den deutschen Mittelstand, für das deutsche Handwerk, für die deutsche Industrie neue Chancen.

Neue Chancen?

Jedes Abkommen bedeutet ein geringeres Risiko von Ausfällen der Lieferketten durch mehr Diversifizierung, bedeutet mehr Widerstandsfähigkeit, bedeutet mehr Absicherung gegenüber geoökonomischen Verwerfungen, mit denen wir weiterhin rechnen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch dies will ich hinzufügen: Wir arbeiten in der deutschen Bundesregierung trotz aller Herausforderungen zugleich an der Stabilisierung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa. Ich habe dem amerikanischen Präsidenten bei meinem Besuch vor zwei Wochen in Washington auch persönlich gesagt, dass ich erwarte, dass die Zollvereinbarung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika bald in Kraft gesetzt wird.

Zurufvon der Linken: Und was hat er gesagt?

Das betrifft übrigens auch die Kolleginnen und Kollegen im Europäischen Parlament, die ich herzlich bitte, auf europäischer Ebene den Weg für dieses Abkommen freizumachen.

Ich habe genauso deutlich unterstrichen, wie dringlich und wie essenziell es ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Europa mit vereinten Kräften jetzt auch auf einen gerechten Frieden in der Ukraine hinwirken. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist eine Frage der Sicherheit, der Freiheit und des Friedens des gesamten transatlantischen Raums und nicht etwa nur eine Frage der territorialen Integrität eines großen europäischen Landes. Es ist eine Frage der Humanität und der Gerechtigkeit. Es ist auch eine Frage der Selbstbehauptung dessen, was wir in dem Teil der Welt, in dem wir leben, mit einigem Stolz die freie Welt nennen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Auch dies sei hinzugefügt: Die Ukraine steht schon lange für Friedensverhandlungen bereit. Russland dagegen untergräbt bisher alle Friedensbemühungen systematisch, und die brutalen russischen Angriffe vor allem gegen die ukrainische Zivilbevölkerung, gegen die ukrainische Energieinfrastruktur dauern unvermindert an.

Es ist deshalb ein Gebot der Stunde, dass wir den Druck auf Moskau erhöhen, und zwar die USA und die europäischen Partner gemeinsam. Wir haben sichere Erkenntnisse, dass die russische Wirtschaft massiv unter diesem Krieg und unter unseren Sanktionen leidet, und genau das ist der Hebel, an dem wir weiterarbeiten.

Unsere nicht?

Das Schlimme ist, dass unsere auch leidet!

– Ja, dass Sie andere Erkenntnisse haben, das mag bei Ihren luxuriösen Besuchen in Moskau in der Tat der Fall sein.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie andere Erkenntnisse haben. Vielen Dank für diese Zwischenrufe von Ihnen. Die Lebenswirklichkeit der Menschen in der Ukraine ist eine andere als die, die Sie, meine Damen und Herren, bei Ihren Cocktailempfängen in der russischen Botschaft hier in Berlin erleben.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Lebenswirklichkeit dort ist: Bombardements von Kinderkrankenhäusern, Zerstörung der Energieinfrastruktur, ein Land, das bei minus 15 bis minus 20 Grad den Winter überdauert hat – ohne ein einziges Wort des Mitgefühls aus dieser Fraktion hier im Deutschen Bundestag zu erfahren –,

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Janina Böttger [Die Linke]

das ist die Lebenswirklichkeit, meine Damen und Herren.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Und das heißt ganz praktisch – und das wollen wir morgen entscheiden –: Wir müssen in der EU jetzt schnell zu einer Einigung über das sogenannte 20. Sanktionspaket kommen,

Zurufevon der AfD

und wir müssen auch dringend den bereits vereinbarten Kredit über 90 Milliarden Euro für die Ukraine zur Auszahlung bringen. Dafür setze ich mich morgen mit Nachdruck ein. Und wir dürfen dabei auch keine Rücksicht nehmen auf ein einziges Land der Europäischen Union, das jetzt aus innenpolitischen Gründen, wegen des dort geführten Wahlkampfs, diese Blockade in Europa gegenwärtig aufbaut.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Erlauben Sie mir auch diese Bemerkung, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen: Ich habe dem amerikanischen Präsidenten auch gesagt, dass für den Fall, dass es in der Ukraine zu einer dauerhaften Friedensordnung kommt und dass ein Beitrag der Europäer erwartet wird – und er wird zu Recht erwartet –, wir natürlich von Anfang an mit am Tisch sitzen und die Verhandlungen führen, wie denn etwa Sicherheitsgarantien für die Ukraine aussehen könnten. Es kann nicht sein, dass über den Kopf der Ukraine und über den Kopf der Europäer hinweg zwischen Russland und den USA allein verhandelt wird; das ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, eng verbunden mit unseren Anstrengungen zur euroatlantischen Sicherheit sind die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten. Der fortdauernde Krieg dort bereitet uns allen große Sorgen.

Über Jahre und Jahrzehnte hat das iranische Regime Regel um Regel gebrochen,

Zurufvon der AfD

die Welt mit Terror überzogen und die Nachbarschaft destabilisiert. Dieses Regime trägt die Verantwortung für die gegenwärtige Krise der Region.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir, die Bundesregierung, teilen mit Israel und den Vereinigten Staaten das Ziel, dass Iran in Zukunft keine Bedrohung mehr darstellen kann, weder für Israel noch für die benachbarten Staaten in der Region. Die Zeiten, in denen das iranische Regime andere Staaten destabilisieren und bedrohen konnte, diese Zeiten müssen enden.

Wir wünschen dem iranischen Volk, dass es sein Schicksal auch selbst in die Hand nehmen darf und kann und auch mit demokratischen Wahlen eine legitime Regierung herbeiführt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gleichzeitig haben wir aber auch klargemacht, dass wir unverändert viele Fragen zu diesem Krieg haben. Es gibt bis heute kein überzeugendes Konzept, wie diese Operation gelingen könnte. Washington hat uns nicht zurate gezogen

Lachenbei Abgeordneten der AfD

und die europäische Hilfe nicht für notwendig erklärt. Meine Damen und Herren, wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen, wie er gegenwärtig gegangen wird.

Zurufevon der AfD

Deswegen haben wir erklärt: Solange der Krieg andauert, werden wir uns daran nicht beteiligen, in der Straße von Hormus etwa mit militärischen Mitteln freie Schifffahrt zu gewährleisten. Dazu fehlt bislang ein Plan, und dazu fehlt auch ein Mandat der Vereinten Nationen, der Europäischen Union oder der NATO.

Zurufvon der AfD

Das schließt ausdrücklich nicht aus, dass wir mit diplomatischen Mitteln auf eine schnelle Beendigung des Krieges hinwirken; wir tun es, meine Damen und Herren. Ich will an dieser Stelle dem Bundesaußenminister sehr herzlich danken, dass er der Erste und einer der wenigen war, der nach Ausbruch der Kampfhandlungen in die Region gereist ist und die europäischen Interessen dort vertreten hat.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Was ich hier sage, schließt auch nicht aus, dass wir nach Ende der Kampfhandlungen unseren Beitrag dazu leisten, eine Friedensordnung in der Region aufzubauen. Ich habe dazu auch früher schon Vorschläge gemacht. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann werden wir uns auch einer Debatte über freie Schifffahrt, etwa in der Straße von Hormus, nach Kriegsende nicht verschließen.

Wir wollen dabei immer den bestmöglichen Schulterschluss mit den europäischen Nachbarn; mit Emmanuel Macron, Keir Starmer und Giorgia Meloni stehe ich dazu fast täglich in Kontakt.

Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

Wir stehen an der Seite unserer Partner in der Region, auch in den Golfstaaten, die der Iran rücksichtslos und brutal in diesen Krieg hineinzuziehen versucht.

Wir wollen nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass dieser Krieg zur Belastung für die transatlantische Partnerschaft wird; diese Partnerschaft wollen wir, und wir brauchen sie. Deshalb sprechen wir auf allen Ebenen mit Washington. Dabei tun wir, was ich vor einem Monat auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt habe: Wir suchen transatlantische Übereinstimmungen. – Deshalb habe ich immer deutlich gemacht: Wichtige Ziele der USA teilen wir; aber wir dürfen und wir werden uns auch nicht scheuen, unseren Partnern ehrlich zu sagen, wo wir Dinge anders sehen und wo wir andere Interessen haben. Das muss eine solche Partnerschaft aushalten; sonst ist es keine Partnerschaft, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Genau dies darf ich deshalb auch im Namen der Kolleginnen und Kollegen in der Europäischen Union sagen: Europa hat ein Interesse an einem baldigen Ende des Krieges. Eine weitere regionale Eskalation oder eine Desintegration der Staatlichkeit des Iran – übrigens ein Szenario, wie wir es in Libyen, im Irak oder in anderen Staaten der Region erlebt haben – würde auch uns massiv schaden. Es würde auch unsere Sicherheit massiv beeinträchtigen. Es würde negative Auswirkungen auf unsere Energieversorgung bedeuten. Und es würde möglicherweise auch massive Migrationsbewegungen auslösen.

Deshalb wirken wir auf eine regionale Friedens- und Sicherheitsordnung hin, in der weder Israel noch andere Partner bedroht sind und in der Teheran seine nuklearen Ambitionen ebenso aufgibt wie seinen Terror, mit dem es die ganze Welt überzieht.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir brauchen Stabilität im Nahen und Mittleren Osten, zu der wir nach einem Friedensabschluss, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch aus Deutschland beitragen werden.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Schließlich: Die Entwicklung auf dem Energiemarkt zeigt, wie dringlich diese Aufgabe ist. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Dieser Krieg schadet uns allen, übrigens auch den USA. Niemand kann sich diese wirtschaftlichen Verwerfungen erlauben, die wir in diesen Tagen immer stärker spüren.

Wir werden eingreifen, wo wir es aus nationaler Kompetenz heraus können und wo wir Handlungsspielräume sehen. Wir haben die Erdölreserven zum Teil freigegeben. Und wir sorgen für mehr Transparenz und Kontrolle bei den Preisen an den Tankstellen.

Lassen Sie mich aber auch sagen – und dies mit allem Ernst –:

Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

Wir müssen die Risiken dieser Welterschütterung auch gemeinsam tragen. Wir dürfen nicht so tun, als ob man die Vorhänge zuziehen und den Sturm da draußen einmal an uns vorbeiziehen lassen könnte. Nein, meine Damen und Herren, dies ist der Moment der Klarheit. Wir wollen und wir werden uns schützen vor diesen Disruptionen, die uns alle erfassen.

Deshalb müssen wir den Mut haben, gemeinsam mit unseren europäischen Partnern klar und differenziert zugleich unsere eigenen Interessen zu benennen und sie auch zu verfolgen. Wir müssen uns den Krisen stellen, wir müssen sie bekämpfen, und wir müssen gemeinsam anpacken, damit wir sogar stärker aus diesen Krisen hervorgehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum Abschluss noch einen kurzen Blick auf die Arbeit der Bundesregierung im Innern richten. Wir wollen, dass unser Land wieder das Beste aus sich herausholen kann.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Wir sind darum mit einem Erneuerungsprogramm für Deutschland angetreten und haben sofort, im vergangenen Mai, vor zehn Monaten, begonnen, es umzusetzen. Ich könnte Ihnen viele Beispiele aufzeigen; ich will es aus Zeitgründen nicht tun.

Lachenbei der AfD

Wir haben schon vieles auf den Weg gebracht.

Zurufevon der AfD

– Na ja, gut, wenn Sie es hören wollen.

Wir haben die Staatsmodernisierung begonnen, genauso wie den Bürokratierückbau. Wir haben eine Hightech Agenda auf den Weg gebracht.

Mensch, Hightech!

Weitere Zurufe von der AfD

Wir haben die Wende in der Migrationspolitik vollzogen, meine Damen und Herren,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Haben Sie überhaupt nicht! Hohle Phrasen! Gar nichts! Nichts!

und Ihnen damit ein wichtiges Thema genommen, das Sie doch nach Aussage von Herrn Gauland so gerne weiter behalten hätten. Wir haben diese Entscheidungen getroffen.

Und wir werden weitere Entscheidungen treffen.

Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

Wir haben einen klaren Fahrplan für die dringend notwendigen Reformen bei Rente, Krankenversicherung und Pflege. Wir werden noch in diesem Monat die ersten konkreten Vorschläge für die Reform der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung bekommen, Ende Juli für die Reform der Rentenversicherung.

Die ersten Vorschläge!

Zurufdes Abg. Sebastian Münzenmaier [AfD]

Trotzdem, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehen wir, dass unsere Entscheidungen insgesamt in Deutschland noch zu langsam zu wirken beginnen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Das kann man wohl sagen!

Die Konjunktur nimmt langsam Fahrt auf; ja, das ist richtig. Das vergangene Jahr war übrigens ein Rekordjahr bei der Gründung von jungen Unternehmen und Start-up-Unternehmen. Wir haben im letzten Jahr erstmalig seit langen Jahren wieder eine positive Investitionsbilanz.

Zurufvon der AfD: Was?

Die ausländischen Investitionen in Deutschland sind seit langen Jahren das erste Mal wieder größer gewesen als der Kapitalabfluss aus Deutschland.

Die Investitionen sind minimal!

Weitere Zurufe von der AfD

Deutschland wird übrigens vom Ausland – wenn Sie sich nicht gerade in Moskau aufhalten – viel, viel positiver gesehen als von manch einem, der hier im Inland unser eigenes Land bewertet.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Von wem denn?

Aber wir wissen zugleich: Das reicht noch nicht. Denn der Sturm, der gerade in der Welt tobt, wird nicht einfach an uns vorbeiziehen. Das heißt auch: Es ist keine Option, dass wir abwarten, uns ducken oder verkriechen. Ich sage das allen: Es kommt jetzt und in den nächsten Jahren auf unseren Willen zur Gestaltung, auf unseren Willen zu grundlegenden Reformen an.

Ja! „Herbst der Reformen“!

Es kommt auf unsere Bereitschaft zur Veränderung an, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Weil Sie immer nur Briefe schreiben!

Wir werden in der Bundesregierung mit allem, was uns an Kraft und Fantasie zur Verfügung steht, dafür sorgen, dass Deutschland und Europa aus diesen Jahren des Umbruchs gestärkt hervorgehen. Wir wollen das im besten Fall so klug und so gut tun, dass kommende Generationen im Rückblick eines Tages sagen: Hier sind die Dinge vorausschauend richtig entschieden worden.

Hier ist regiert worden, um in Deutschland auf Jahrzehnte wieder Freiheit, Frieden, Rechtsstaat und Demokratie zu sichern – so, wie es unsere Landsleute im Osten am 18. März 1990 zu Recht erwartet haben. Diesen Erwartungen unseres ganzen Landes werden wir entsprechen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD
Porträt von Tino Chrupalla
Foto: Robert Rösler
21 Vermerkeca. 893 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Landsleute! Unsere Position zum neuen Krieg im Nahen Osten hat sich als richtig herausgestellt. Immer mehr Politiker im In- und Ausland teilen unsere Sorge, unter anderem der Bundeskanzler. Es gilt, die Bevölkerung und zivile Einrichtungen zu schützen sowie den Krieg schnellstmöglich zu beenden.

Herr Merz, von dieser Stelle aus habe ich schon Ihrem Vorgänger im Amt, Herrn Scholz, dafür gedankt, dass er keine Taurus-Marschflugkörper in die Ukraine geliefert hat. Ich sehe und hoffe, dass Sie ihm in dieser Hinsicht nachfolgen und Schaden vom deutschen Volk abwenden.

Beifallbei der AfD

Denn eines muss alle hier im Deutschen Bundestag unbedingt einen: Es braucht nur ein Bekenntnis, welches wir als Parlamentarier und Politiker jedem abgeben; das ist das Bekenntnis zu unserem Land und zu unseren Bürgern.

Das fällt Ihnen ja schwer!

Zurufvon der SPD: Ich dachte schon: „… zur Vetternwirtschaft“!

Von diesen wurden wir gewählt, und in deren Interesse müssen wir Politik machen.

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

Deutschland wurde weder am Hindukusch verteidigt, noch wird es an der Straße von Hormus verteidigt.

Und es soll auch nicht aus Russland regiert werden!

Diejenigen, die Kriege beginnen, müssen sich die Frage nach ihren Zielen und Exitstrategien gefallen lassen. Ebenso sollten diejenigen, die fortwährend Kriege beginnen, die Beweise für ebendiese vorlegen können.

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Es gelten für alle die gleichen Standards und Regeln. Herr Merz, Sie haben es gesagt: Nur so kann man das Vertrauen der Weltbevölkerung erhalten. Dieses ist auch in diesem Fall in weiten Teilen erschüttert.

Zurufdes Abg. Metin Hakverdi [SPD]

Meine Damen und Herren, für uns muss es nun zuallererst darum gehen, die Sicherheit innerhalb der deutschen Grenzen zu gewährleisten. Dazu gehört, dem immer wieder aufflammenden Islamismus hier in Deutschland konsequent zu begegnen.

Beifallbei der AfD

Das ist aber ein Widerspruch, das haben Sie gemerkt, nicht wahr?

Die Forderungen meiner Partei sind dabei, das geltende Recht in vollem Umfang anzuwenden und es vor allem umzusetzen. Stoppen Sie proaktive Migration potenzieller Straftäter, und schieben Sie straffällig gewordene ausländische Staatsbürger endlich in ihre Länder ab!

Beifallbei der AfD

Asyl ist Aufenthalt auf Zeit und muss auch so behandelt werden. Diese Maßnahmen widersprechen nicht der Menschenwürde und verurteilen auch nicht pauschal die eine oder die andere Gruppe; sie sind vielmehr von in Deutschland geltendem Recht gedeckt.

Sie sehen, dass die Diskussionen auf europäischer Ebene längst fortgeschritten sind. Die Forderung nach Asylzentren außerhalb europäischer Grenzen ist mittlerweile eine gemeinsame der Union und der Alternative für Deutschland. Und, Herr Merz: Wer gebraucht wird – auch auf europäischer Ebene –, das entscheiden nicht Sie, das entscheidet das Volk.

Beifallbei der AfD

Herr Bundeskanzler, üben Sie in dieser Hinsicht auch Druck auf unsere Nachbarn aus, gerade in Osteuropa. Die Dublin-Abkommen sind nicht nur Vereinbarungen, sondern müssen endlich eingehalten werden. Wir brauchen verlässliche Partner in allen Fragen, auch in der Migrationsdebatte.

Meine Damen und Herren, wenn wir als Deutsche etwas gelernt haben, dann ist das, dass wir uns für keinen Krieg der Welt von anderen vor den Karren spannen lassen sollten,

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Markus Töns [SPD]

von niemandem, und auch nicht für Interessen, die nicht unsere sind. Wir wissen besser, wie es ist, ein durch Krieg zerstörtes Land wiederaufzubauen. Es waren unsere Vorfahren und wir selbst, die diese Narben für immer behalten werden. Das werden und können wir keinem anderen Land zumuten.

Zurufdes Abg. Metin Hakverdi [SPD]

Dafür sollte deutsche Politik im Jahr 2026 stehen. Dazu gehört ganz sicher nicht, Konflikte und Kriege durch Geld- und Sachleistungen auf Kosten der deutschen Steuerzahler zu verlängern.

„Deutsche“! „National“!

Der Ukrainekrieg ist ebenso wenig unser Krieg wie der im Nahen Osten.

Sie bräuchten noch ein paar Geschichtskurse!

Deshalb muss endlich Schluss sein mit Finanzpaketen und militärischer Unterstützungsleistung!

Zurufdes Abg. Metin Hakverdi [SPD]

Denn gerade in dieser neuen, gefährlichen Weltlage müssen wir das Wohl und die Probleme hier in Deutschland in den Mittelpunkt unserer Politik rücken.

Beifallbei der AfD

Ja, das machen Sie dann auf einer einsamen Insel!

Zur inneren Sicherheit habe ich schon ausgeführt. Gerade bei diesem und allen Vorhaben, die im Interesse Deutschlands stehen, können Sie auf die Unterstützung der Alternative für Deutschland zählen.

Auf die können wir gut verzichten!

Wo Sie mit Gegenwind rechnen müssen, ist bei Ihren Sonderschulden oder, wie Sie sie nennen, Sondervermögen. Nicht nur, dass diese die Zukunft unserer Kinder und Enkel massiv belasten, nein, es ist genau das passiert, was wir hier in vielen Debatten schon vor einem Jahr prophezeit haben: Diese Bundesregierung peitscht immer mehr Sondervermögen durch den Deutschen Bundestag, weil damit die Grundausgaben abgesichert werden müssen. Sie, Herr Merz, und Ihr sozialdemokratischer Finanzminister Klingbeil schaffen es nicht, mit den Milliarden an Steuereinnahmen zu haushalten. Deswegen brauchen Sie die teuren Sonderschulden, um den Kernhaushalt abzusichern. Das ist weder sozial noch gerecht.

Beifallbei der AfD

Kein Cent kann damit in die marode Infrastruktur von Straßen, Schienen, Bildung oder Gesundheit fließen. Nicht einen Euro investieren Sie langfristig in das Wohl der deutschen Bürger.

Ihnen läuft die Zeit davon. Anstatt beständig zu mauern und sich in Parteipolitik zu verlieren, müssen Sie doch nun endlich bereit sein, einen Kassensturz zu machen, Ihre Ausgaben zu priorisieren und die deutsche Wirtschaft, den Mittelstand und das Handwerk vor Ort so weit zu entlasten, dass diese uns nicht davonlaufen, wie wir es jeden Tag sehen. Setzen Sie endlich den Rotstift an, und streichen Sie überflüssige Steuern und Vorhaben, die alle belasten! Ich verlange von Ihnen ja keine Weltwunder, aber ein zügiges Handeln bei den hohen Energie- und Kraftstoffpreisen.

Und ja, wir müssen thematisieren, weshalb diese in Deutschland stärker ansteigen als im angrenzenden Ausland. Die Bürger und Unternehmen brauchen aber jetzt, hier und heute, eine Entlastung. Deshalb: Weg mit der CO2-Abgabe! Diese Entscheidung ist relativ schnell umsetzbar.

Beifallbei der AfD

Deshalb, Herr Bundeskanzler: Zeigen Sie sich offen für Vorschläge! Sie haben sich in Ihren Positionen zum Nahen Osten uns bereits angenähert.

Lachendes Bundeskanzlers Friedrich Merz sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sorgen Sie nun für Frieden in Europa und gehen Sie auf Russland zu!

Das sind Wahnvorstellungen!

Im Kauf von russischem Öl und Gas kann auch wieder unser Wettbewerbsvorteil liegen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
11 Vermerkeca. 840 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Vor kurzer Zeit habe ich ein früheres Mitglied des Deutschen Bundestages getroffen. Er sagte zu mir: Mensch, was waren das eigentlich für Zeiten in der Politik, als wir drei Monate darüber gestritten haben, ob die Praxisgebühr eingeführt werden soll oder nicht! – Die Zeiten, in denen wir heute Entscheidungen treffen müssen, sind anders, sie sind herausfordernd. Und seien wir ehrlich: Eine Frage „10 Euro, ja oder nein?“ ist heute gefühlt eine Entscheidung von fünf Minuten.

Weil die SPD zu lange regiert!

In dieser Situation, in der wir – das will ich zu Beginn meiner Rede noch einmal betonen – außen- und innenpolitisch massiven Herausforderungen ausgesetzt sind, ist unsere entscheidende Rückversicherung dafür, dass wir weiter erfolgreich sein können, dass wir als Bundesrepublik Deutschland weiter wahrgenommen werden können, eine starke Europäische Union. Die brauchen wir, und wir müssen alles dafür tun, dass die Europäische Union in diesen Zeiten zusammenhält, dass sie selbstbewusst auftritt. Wenn sie das tut – das haben wir in der Grönlandfrage gesehen –, dann kann sie auch sehr deutlich machen, wo ihre Interessen sind. Da müssen wir dranbleiben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Gerade in diesen Zeiten gibt es viele, die von außerhalb Europas auf Europa schauen und sagen: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, diese Werte Europas sind wichtig, sind entscheidend, sind ein Gewinn. – Vor diesem Hintergrund will ich darauf aufmerksam machen, dass in einer beeindruckenden Verleihung am vergangenen Samstag in Aachen die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava den Karlspreis bekommen hat, weil sie mit vielen Menschen in Belarus auf die Straßen gegangen ist für Demokratie, für Freiheit, für Rechtsstaatlichkeit; sie sagen: Europa ist die Zukunft und nicht ein autokratisches, autoritäres System.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe gerade den einleitenden Worten der Bundestagspräsidentin und auch des Bundeskanzlers zum Tag der Demokratiegeschichte sehr aufmerksam zugehört. Dieser wichtige Tag zeigt noch mal die Bedeutung der Demokratie für unser Zusammenleben. Lassen Sie mich aber auch betonen: Gerade vor diesem Hintergrund müssen wir doch alles dafür tun, die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich vor Ort – da, wo Demokratie in Gefahr ist, da, wo es schwierig ist – für Demokratie einsetzen, zu unterstützen; das stärkt Demokratie vor Ort. Das ist das Ziel der SPD-Bundestagsfraktion. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass diese Organisationen vor Ort wirken können, dass sie die Demokratie vor Ort starkmachen können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich will mit Blick auf die außenpolitische Lage auch sehr deutlich sagen: Ich bin dem Bundeskanzler, Vizekanzler Lars Klingbeil, aber auch Boris Pistorius für die klaren Worte sehr dankbar: Das im Nahen Osten ist nicht unser Krieg.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Es ist richtig, dass die Bundesrepublik Deutschland und auch die NATO sich daran nicht beteiligen.

Aber: Die Auswirkungen merken wir unmittelbar. Wir sehen es an den steigenden Preisen, die wir momentan erleben. Darum ist es richtig, dass die Bundesregierung diese Woche erste Maßnahmen auf den Weg bringt. Ich will aber für meine Fraktion sehr deutlich sagen: Wir nehmen – je nach Lage, je nachdem, wie es sich weiterentwickelt – keine Option vom Tisch. Ich glaube, wir müssen hier unterstützen, wenn die Lage schwieriger wird. Aber es ist richtig, diese Woche die ersten Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung; das will ich ausdrücklich unterstreichen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Herr Chrupalla, ich habe Ihrer Rede gerade zugehört.

Jetzt kommt Russland!

Ich will noch einmal ganz kurz deutlich machen: Höhere Spritpreise an den Tankstellen, es sind immer Ihre politischen Freunde – Putin, Trump –, die sind verantwortlich für die steigenden Preise. Deren Interessen vertreten Sie hier im Deutschen Bundestag.

Gleichzeitig, während die Bürgerinnen und Bürger merken, dass die Preise steigen, machen Sie sich die Taschen voll und geben das Geld an Ihre Familienangehörigen. Was Sie in den letzten Wochen gemacht haben, ist völlig inakzeptabel. Der Clan von Chrupalla und Weidel ist einfach nur noch eine Peinlichkeit, ein Selbstbedienungsladen auf Steuerzahlerkosten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will auch deutlich machen, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit im Blick haben. Herr Bundeskanzler, ich bin Ihnen dankbar, dass Sie auch hier noch mal den Blick auf Europa gerichtet haben. Aber wir müssen als Koalition auch dafür sorgen, dass wir das Leben der Menschen bei uns im Land einfacher machen. Es ist vieles zu kompliziert geworden, es ist vieles schwierig geworden; die Bürokratie ist angesprochen worden. Wir handeln bei diesem Thema bereits.

Aber umso wichtiger ist es auch, Strukturreformen anzugehen, nicht einfach nur über Kürzungen zu reden, sondern hinzuschauen, wo Strukturen verändert werden müssen. Ich bin Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas dankbar, dass sie die Kommission zur Sozialstaatsreform auf den Weg gebracht hat. Die Kommission hat ihre Arbeit abgeschlossen. Die Maßnahmen, die in ihrem Bericht empfohlen werden, die wir umsetzen werden, sind wichtig; sie werden das Leben der Bürgerinnen und Bürger einfacher machen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in diesen Zeiten, in denen die regelbasierte Ordnung unter Druck steht, ist es gut, dass es Staaten auf der Welt gibt, die nach Europa schauen. Die Freihandelsabkommen, die wir abschließen, die Staaten, die sagen: „Wir müssen mit Europa kooperieren“, das sind positive Signale. Die gilt es auch auf dem Europäischen Rat zu betonen. Es gibt viel mehr Staaten auf der Welt, die mit uns in Europa zusammenarbeiten wollen, als diejenigen, die dieses Europa kaputtmachen wollen. Das macht Mut für die weitere Zukunft Europas.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
28 Vermerkeca. 1.712 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die vergangenen Monate haben eines klar gezeigt: Unser Kanzler führt unser Land durch turbulente Zeiten, er hält die Staats- und Regierungschefs Europas zusammen, er spricht auf Augenhöhe mit den Präsidenten der USA und Chinas.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

„Augenhöhe“! Er spricht von „Augenhöhe“!

Und, Frau Dröge, das, was zu besprechen ist, ja, das bespricht diese Bundesregierung, das bespricht dieser Bundeskanzler hinter verschlossenen Türen mit unseren Partnern.

Sie sind mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Welt gereist, haben aber wenig erreicht. Sie haben immer nur zu Hause die Moral gespielt, in der Welt aber nichts erreicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Diese Bundesregierung macht es anders – das stimmt –, und sie ist erfolgreich, anders als Sie.

Bei alldem geht es nie nur um Sicherheitspolitik; es geht auch um die wirtschaftliche Stärke unseres Landes. Wir sind Exportnation; das internationale Geschäft ist keine Nebensache. Für unsere Sicherheit und für unseren Wohlstand ist die starke Stimme unseres Kanzlers in der Welt unser größtes Ass im Ärmel, und bei dieser Politik hat er die ausdrückliche Unterstützung der Fraktion der Union und der Koalition, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wie eng Außen-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik verzahnt sind, zeigt sich auch beim Krieg gegen den Iran. Das ist eine Lage voller Dilemmata und schwieriger Optionen. Um es einerseits klar zu sagen: Wir weinen toten Mullahs keine Träne nach. Das Regime in Teheran ist zutiefst menschenverachtend; es verfolgt und ermordet die eigenen Bürger brutal. Die iranischen Terror-Proxys – die Hamas, die Hisbollah, die Huthis – bringen Leid und Tod. Sie destabilisieren ihre Nachbarschaft; der 7. Oktober wäre nicht denkbar gewesen ohne die Unterstützung des Iran. Sie gefährden die Sicherheit der Region, die Existenz Israels und auch unsere Sicherheit hier in Europa. Die USA und Israel sind unsere engsten Verbündeten außerhalb Europas. Wir stehen an ihrer Seite; wir teilen viele Interessen, auch im Nahen Osten.

Andererseits haben wir von Anfang an auch gesagt, dass das Vorgehen Israels und der USA nicht ohne Risiken und mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Militärische Interventionen im Nahen Osten sind immer hoch riskant. Wir erwarten von unseren beiden wichtigsten Partnern ein umsichtiges Vorgehen. Und, ja, man darf erwarten, wir dürfen erwarten, dass wir als Bündnispartner in strategische Überlegungen einbezogen werden und auch gemeinsam die weiteren Schritte entwickelt werden. Wir wollen eine enge Partnerschaft; aber eine enge Partnerschaft bedeutet eben nicht blinde Gefolgschaft.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch das ist ein wichtiger Unterschied, auf den der Bundeskanzler hingewiesen hat.

Dieser Krieg sollte bald enden – je früher, desto besser –, aber nicht um jeden Preis; auch das muss klar sein. Falls sich das iranische Terrorregime hält, muss es am Ende des Krieges deutlich schwächer sein als vorher. Man stelle sich vor, dieser Krieg endete, das Mullah-Regime überlebte und wäre mit der Erfahrung dieses Krieges noch entschlossener, nach der Atombombe zu streben. Wenn das Regime bliebe und das hochangereicherte Uran weiter in seiner Hand wäre, dann würde es sein Waffenprogramm wieder starten, mit der Unterstützung Russlands und Chinas. Wenn das Regime sich und der Welt gezeigt hätte, dass es die Straße von Hormus schließen und so die Welt erpressen kann, dann wäre es strategisch gestärkt. Mit dieser neuen Stärke würde es weiterhin und dauerhaft Frieden und Stabilität in der ganzen Region gefährden, weiter Terror finanzieren und – auch das – Russland weiter in seinem Krieg gegen die Ukraine unterstützen.

Ja, der Krieg sollte keinen Tag länger gehen als nötig; aber nachdem er nun begonnen ist, liegt es ganz klar nicht in unserem nationalen Interesse, dass das iranische Regime gestärkt aus diesem Krieg hervorgeht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch das muss klar sein bei allen Gesprächen, die zu führen sind.

Wir sehen also: Es ist eine Welt voller Dilemmata. Einfache Programmsätze helfen da nicht weiter. Es braucht in dieser volatilen Lage die Klarheit im Ton und die Besonnenheit, die Differenziertheit in der Sache, wie sie der Bundeskanzler, wie sie die Bundesregierung anschlägt. Und auch hier möchten wir Ihnen, Herr Bundeskanzler, sagen: Auch für die Gespräche, die jetzt in Brüssel anstehen, bei diesem Kurs, haben Sie unsere ausdrückliche Unterstützung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Damit Deutschland und Europa bei alldem auf Dauer überhaupt eine Rolle spielen können, braucht es wirtschaftliche Stärke. Morgen steht beim Europäischen Rat auch die Wettbewerbsfähigkeit der EU im Fokus. Ich beteilige mich nicht an den Abgesängen auf Europa. Wir sind stärker, als wir oft glauben. Wir brauchen ein neues Bewusstsein für unsere Stärke. Der EU-Binnenmarkt ist einer der größten der Welt mit 450 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von insgesamt 18 Billionen Euro. Wir haben nicht nur Marktmacht, wir können damit die Dinge auch in unserem Sinne beeinflussen.

Das Einzige, was uns in Europa zu oft fehlt, ist der gemeinsame Wille zur Macht. Es fehlt oft der unbedingte Wille – der Bundeskanzler hat es gerade „Machtpotenzial“ genannt –, den Hebel, den wir haben, als Machtpotenzial zu nutzen. Die Welt hat das Tempo erhöht. Die Politik der Großmächte ist hart, hektisch und hitzig. Europa fährt zu oft noch im alten Gang. Wenn ein einzelner Mitgliedstaat wie Ungarn beim Ukrainehilfspaket ganz Europa ausbremsen kann, müssen wir unsere Entscheidungsmechanismen ändern. Wenn einer politisch ausfällt, müssen wir in anderem Format vorangehen können, als Koalition der Willigen,

Das macht die AfD!

als ein Europa der Pioniere.

Die USA sind in den letzten sechs Jahren wirtschaftlich 50-mal so stark gewachsen wie Deutschland – 50-mal so stark! Das zeigt: Wir brauchen wirtschaftlich eine echte Aufholagenda. Der Europäische Rat setzt hier die richtigen Prioritäten. Die Vollendung des Binnenmarktes gehört ebenso dazu wie die Energieunion 2030, die lang diskutierte Kapitalmarktunion, eine Notbremse für Bürokratie und der schnelle Abschluss von Handelsabkommen. Dass all diese Themen auf der Agenda des Europäischen Rates stehen, ist unserer Bundesregierung zu verdanken. Sie hat Partner in Europa gesucht, um diese Punkte zum Thema zu machen, und wir unterstützen sie dabei, diese Punkte jetzt auch gemeinsam mit unseren Partnern in Europa umzusetzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

In Deutschland sind wir bereits auf diesem Reformweg unterwegs. Und ja, wir haben schon viel entschieden und viel erreicht, aber es reicht eben noch nicht. Wir sind noch nicht am Ziel. Wir sind der zentrale Wirtschaftsfaktor der EU, fiskalische Schutzmacht für den Euro, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und eines der wenigen Länder mit einem Triple-A-Rating – das einzige der G7. Aber wir werden diesen Status ohne zügige, tiefgreifende und strukturelle Reformen verlieren. Das sagen uns alle Volkswirte des Landes klipp und klar. Es steht dabei weit mehr auf dem Spiel als unser nationaler Wohlstand, nämlich auch die Freiheit unseres Kontinents und die Art und Weise, wie wir leben. Wachstum, Wachstum, Wachstum: Das ist das Ziel. Von der Frage, wie und ob das hier in Deutschland gelingt, hängt viel ab, auch für Europa. Zaudern ist nicht!

Sie bei der AfD dagegen reden hier Woche für Woche den Niedergang herbei.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Sie wollen ein schwaches Deutschland, ein schwaches Europa. Das ist auch gerade wieder deutlich geworden. Dabei hören wir immer in den Reden von Frau Weidel, auch jetzt bei Herrn Chrupalla: Alle anderen beschimpfen Sie als überfordert, verlogen, unfähig; nur Sie können es.

Beifallbei der AfD

– Ja, ja, warten Sie mal ab. – Das ist das, was Sie hier mit bebender Stimme sagen. Nur, wenn man genau hinschaut, wird klar: Sie träumen davon, Deutschland zu regieren. Aber Sie, Herr Chrupalla, haben ja nicht mal Ihren eigenen kleinen Laden, Ihre Partei, im Griff.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Unter Ihrer Führung hat sich in Ihrer Partei auf allen Ebenen eine Selbstbedienungsmentalität breitgemacht.

Widerspruchbei der AfD

Das sagt der Richtige!

– Ja, ich weiß; es tut weh. – Beschäftigst du meine zwei Schwestern, stelle ich deinen 80-jährigen Vater ein, und der Kollege im Landtag beschäftigt noch seinen Halbbruder. – Das ist das Motto, mit dem Sie hier mit System unterwegs sind. Das ist Betrug am Steuerzahler, und das lassen wir Ihnen hier nicht durchgehen. So billig kommen Sie hier nicht aus der Debatte heraus.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Widerspruchbei der AfD

In der Folge überziehen Sie sich gegenseitig mit den übelsten Vorwürfen und Ausschlussverfahren. Das Verrückte bei Ihnen ist nur: Da werden nicht die ausgeschlossen, die die Missstände begangen haben. Bei Ihnen werden die ausgeschlossen, die auf die Missstände hinweisen. Sie sind schlicht hilflos und überfordert.

Deswegen: Wenn man nicht mal seine eigene kleine Partei bei einer so objektiven, klaren Lage zu klaren und richtigen Entscheidungen bringen kann, dann sollte man vielleicht aufhören, großschnäuzig hier allen anderen die Welt zu erklären. Das wäre vielleicht mal ein Anfang für Ihre künftigen Reden hier im Deutschen Bundestag.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Und mit Blick auf Iran – wir haben es gerade schon wieder von Ihnen gehört – und darauf, dass Teheran mit seinem Terrorexport in der Region seit Jahren einer der Hauptverantwortlichen für die Fluchtbewegung auch nach Deutschland ist, frage ich Sie: Wie kann man irreguläre Migration

Zurufvon der AfD: Illegale!

und Islamismus bekämpfen wollen, aber kein Interesse am Sturz des Mullah-Regimes haben?

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Sie sind und bleiben eine Putin-Partei – das ist deutlich geworden –, und nun stützen Sie auch noch die islamistischen Terroristen in Teheran. Sie haben sich völlig verirrt zwischen Mao, MAGA, Moskau, Teheran, Terrorismus und all den Dingen, die Sie sonst so erzählen.

Zurufeder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Verrat am Vaterland und Betrug an den Steuerzahlern: Das sind im Kern die beiden Punkte, die Sie ausmachen, und das ist deutlich geworden in diesen Tagen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Widerspruchbei Abgeordneten der AfD

Leider muss ich an dieser Stelle wieder – und Frau Reichinnek wird ja gleich reden – den Blick von ganz rechts nach ganz links richten; es wäre gut, wenn Sie etwas dazu sagen würden. Die Linke feiert sich in Niedersachsen damit, den Zionismus zu bekämpfen und Israel als – Zitat – „genozidalen Staat“ zu bezeichnen. Auch Sie haben sich inzwischen verloren

Zurufder Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke]

zwischen Hammer, Sichel, Palästinensertuch und Wassermelone. Wenn ein Antisemitismusbeauftragter aus Ihrer Partei austritt, weil er es nicht mehr aushält, dann bleibt nur eine Frage: Wie tief muss der Morast an Judenhass bei Ihnen in der Partei mittlerweile sein?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Islamismus und linker Lifestyle-Antisemitismus sind heute die besten Verbündeten. Offenkundig wird Ihre Partei systematisch von Hamassympathisanten unterwandert –

Zurufvon der CDU/CSU: Genau so ist es!

mehr als Sie es wahrhaben wollen. Das alles zeigt mal wieder: Am Ende waten die Extremen rechts und links gemeinsam im Morast des Antisemitismus.

Widerspruchbei der AfD

Frau Reichinnek, es wäre gut und richtig, wenn Sie hier gleich sehr klar was dazu sagen würden. Die Erwartung habe ich an Sie.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufder Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind anders. Wir setzen uns auch künftig davon ab. Wir haben ein diametral anderes Verständnis von Politik. Wir stehen ohne Wenn und Aber an der Seite der Ukraine. Der morgen beginnende Europäische Rat erinnert uns daran, dass wir in Europa vor einer Richtungsentscheidung stehen. Noch sind wir ein starker Kontinent.

Europaparlament!

Wir können den relativen Bedeutungsverlust unseres Kontinents verwalten oder eine echte Aufholagenda starten. Die Bundesregierung hat sich für Letzteres entschieden. Wir unterstützen Sie dabei.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufeder Abg. Dr. Christoph Birghan [AfD] und Jörn König [AfD]
Beifallbei der Linken
Porträt von Reinhard Brandl
Foto: Reinhard Brandl/ Stefan Bösl
2 Vermerkeca. 63 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kollegin Reichinnek, wir haben am Wochenende eine Veranstaltung, einen Parteitag der Linken in Niedersachsen, erlebt, und wir mussten fassungslos mit ansehen, wie in der Linken sich antisemitische Strömungen breitmachen, dementsprechende Anträge gestellt worden sind und ein Antisemitismusbeauftragter zurückgetreten ist.

In Ihrer Rede heute zur Regierungserklärung haben Sie kein Wort zu diesen Vorwürfen, zu diesem Thema gesagt.

Es geht um den Europäischen Rat!

Ich bitte Sie, das jetzt nachzuholen.

Beifallbei der CDU/CSU
Jens Spahn [CDU/CSU], an die Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke] gewandt: Sie waren ja sogar da!
Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
7 Vermerkeca. 194 WörterReaktionswert: hoch
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Meines Wissens ist dieser Tagesordnungspunkt eine Aussprache zum Europäischen Rat.

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Aber wenn Sie unbedingt mit mir über unseren Parteitag reden wollen, dann können wir das sehr gerne tun. Ich finde es ein bisschen billig und auch traurig, dass Sie keine anderen inhaltlichen Fragen haben. Aber das ist ja jetzt auch nichts Neues bei der Union.

Wenn Sie mal die Frage beantworten!

Ich sage Ihnen ganz klar: Meine Partei hat auf dem Bundesparteitag in Halle einen klaren Beschluss gefasst. Wir stehen fest an der Seite der Menschen in Israel und Palästina, die für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen. Wir benennen einen Völkermord, wenn wir ihn sehen,

egal, von wem er ausgeht. Und wir sagen ganz klar: Die Hamas ist eine Terrororganisation, die entwaffnet gehört. Wir sagen ganz klar: Israel hat ein Existenzrecht, aber Palästina ebenso.

Und dass Sie das nicht anerkennen können, dass es auf beiden Seiten Leid gibt, dass beide Völker in Frieden leben wollen, das sagt über Sie deutlich mehr als über meine Partei aus.

Beifallbei der Linken

Deswegen würde ich Ihnen empfehlen, anstatt sich auf irgendwelche Presseskandale zu stürzen,

einfach mal mit den Leuten ins Gespräch zu kommen; dann wüssten Sie auch, worum es wirklich geht.

Also vielen Dank an der Stelle.

Beifallbei der Linken

Warum ist er denn zurückgetreten?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Roland Theis
Foto: Roland Theis/ Carsten Simon
8 Vermerkeca. 571 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Europäische Rat findet in Zeiten statt, die uns Europäer die Abhängigkeiten vor Augen führen, in denen wir leben. Und es zeigt, dass Paul-Henri Spaak recht hatte mit seinem Satz – ich zitiere –:

„In Europa gibt es nur zwei Typen von Staaten: kleine Staaten und Staaten, die noch nicht verstanden haben, dass sie klein sind.“

Richtig ist aber auch: Wir Europäer sind nicht schwach und erst recht nicht zur Ohnmacht verdammt. Denn die letzten Monate haben eben auch gezeigt – und das ist ein Verdienst des deutschen Bundeskanzlers –, dass eine geeinte europäische Position Dinge in Europa und der Welt zum Besseren verändern kann, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Einigkeit – und das wird auch dieser Europäische Rat zeigen – ist nicht immer leicht zu erreichen. Aber unser Ziel ist europäische Ge- und europäische Entschlossenheit. Das gilt vor allem für die Verteidigung der Ukraine. Dort, wo die Ukrainer ihr Land und damit auch den Frieden für Deutschland und für Europa verteidigen, muss Europa heute helfen, und Herr Bundeskanzler, es ist ein gutes Zeichen, dass es eine breite Mehrheit in diesem Haus gibt, die Sie bei Ihrem Weg nach Brüssel unterstützt. Wir wünschen viel Erfolg. Die Ukraine braucht einen erfolgreichen Europäischen Rat, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Markus Töns [SPD]

Und ich will das an die Adresse derjenigen richten, die immer vom „nationalen Interesse“ faseln. – Herr Chrupalla, sind Sie wenigstens noch da? – Natürlich.

So ist es!

Wenn Sie nach vier Jahren Krieg immer noch nicht wahrhaben wollen, dass Herr Putin nicht nur Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten in der Ukraine zerstören will – das ist Ihnen wahrscheinlich egal; denn es geht dabei für Sie nicht um unser nationales Interesse –, sondern dass das eigentliche Ziel die Zerstörung der europäischen Friedensordnung ist, innerhalb derer wir Deutsche zum ersten Mal in unserer Geschichte für so lange Zeit auf Basis der europäischen Idee in Frieden und Freundschaft mit unseren Nachbarn haben leben können, dann haben Sie entweder nichts verstanden oder Sie wollen genau diese europäische Friedensordnung zerstören, weil Sie die europäische Idee ablehnen.

Beifalldes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Beides wäre schlecht für Deutschland, und beides ist mit uns nicht zu machen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist Unsinn!

Ich will auf noch ein Thema eingehen, das mir wichtig ist; denn vor dem Hintergrund dieser europäischen Friedensordnung wird von Deutschland, auch jetzt beim Europäischen Rat, Verantwortung und Führung erwartet. Der polnische Außenminister Sikorski hat es auf den Punkt gebracht:

Gerade der!

Ich fürchte nicht deutsche Macht, sondern deutsche Untätigkeit. – Für uns ist klar: Auf Deutschland muss Verlass sein. Das ist nicht nur unsere europäische Verantwortung, sondern das ist unser nationales Interesse, wenn wir in einer Welt im Jahr 2026 nicht ohnmächtig sein wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Europa hat sich auf den Weg gemacht. Wir investieren gemeinsam massiv in Frieden und Freiheit: seit einigen Jahren 65 Prozent Mehrausgaben für Verteidigung; 150 Prozent mehr Investitionen in Verteidigung seit 2020. Wir sind in den Mitgliedstaaten und in der Europäischen Union auf einem guten Weg. Geht manches nicht schnell genug? Sicherlich. Leisten alle europäischen Nationen bereits genug? Sicher nicht. Und das gilt es dann auch anzusprechen, meine sehr verehrten Damen und Herren, aber die Richtung in Europa stimmt.

Europa ist auf dem richtigen Weg, weil Deutschland unter der Führung dieser Bundesregierung endlich vorangegangen ist. Und deshalb lassen wir uns von denen, die Europa scheitern sehen wollen, nicht von diesem Weg abbringen. Wir verteidigen die europäische Idee. Wir verteidigen Europa. Dafür steht diese Bundesregierung.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Katharina Dröge
Foto: Katharina Dröge/ Dominik Butzmann
26 Vermerkeca. 1.347 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, es gibt einen zweiten Jahrestag, den wir heute miteinander begehen können, und dass Sie zu diesem schweigen, das ist bezeichnend. Heute jährt sich zum ersten Mal die Entscheidung des Deutschen Bundestages, unser Grundgesetz zu ändern, die Schuldenbremse zu reformieren – für mehr Investitionen, für mehr Sicherheit und für mehr Klimaschutz in diesem Land. Herr Merz, ich sage Ihnen ganz klar: Es war die große Chance Ihrer Kanzlerschaft, dass der Deutsche Bundestag diese Entscheidung getroffen hat.

Dass Sie hier heute nicht mit Stolz, mit Selbstbewusstsein stehen und dem Deutschen Bundestag und vor allen Dingen den Menschen in diesem Land eine Bilanz präsentieren können, das hat einen Grund: Sie haben diese Chance verzockt,

Sie haben diese Chance jämmerlich verspielt, und das wird der bislang größte Fehler Ihrer Kanzlerschaft sein.

Wir Grünen haben Ja gesagt, Ja zu 500 Milliarden Euro, die dieses Land besser machen sollten.

Schön drauf reingefallen!

Ich bin Wirtschaftspolitikerin. Ich hätte nicht vor den Unternehmen in diesem Land stehen wollen und sagen wollen: „Eure Wachstumschancen haben wir verhindert“; diese Verantwortung wollte ich nicht haben. Dafür habe ich Ihnen die Möglichkeit gegeben, das Richtige zu tun. Und Sie sind jetzt in der Verantwortung, den Menschen zu sagen, Sie haben sich für die Wachstumsbremse entschieden, Sie haben sich gegen die Jobs in diesem Land entschieden.

Kinder in Köln-Chorweiler, in meinem Wahlkreis, haben mich gefragt: Frau Dröge, ist unsere Zukunft Ihnen als Politikern eigentlich so wenig wert, dass Sie uns in Schulen lernen lassen, die so marode sind, dass Sie als Erwachsene selbst niemals darin arbeiten wollten? – Ich wollte diesen Kindern sagen: Nein, wir als Deutscher Bundestag haben die Entscheidung getroffen, dass eure Zukunft uns wichtig ist.

Wir wollten investieren in Schulen in diesem Land, um euch zu zeigen: Ihr seid uns wichtig. – Auch dagegen haben Sie sich entschieden, und das ist ein bitteres Signal an die Menschen in diesem Land, die unsere Zukunft sind.

Sie haben sich für einen Weg entschieden, der im Endeffekt Schwäche war, Herr Merz; das muss ich Ihnen so hart sagen. Es gibt einen Mann in diesem Land, der sich wirklich freut über das, was Sie aktuell tun, und das ist Markus Söder. Markus Söder läuft mit breitgeschwellter Brust durchs Land und sagt: Super, wie ich die da in Berlin abgezogen habe. – Ich verstehe, dass Markus Söder nervt; ich verstehe das wirklich. Ich glaube, fast niemand versteht besser als wir Grünen, dass Markus Söder hart nerven kann.

Aber, ehrlich gesagt, Herr Merz, dieser Mann, der hat doch nicht mehr politische Substanz als ein aufgeblasener Luftballon.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es wäre Ihr Job als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Führung zu zeigen gegenüber einem Mann, der aus Langeweile und Frust über eine gescheiterte Bundeskarriere jetzt jedem auf der Bundesebene das Leben schwer macht. Davon dürfen Sie Ihre Politik nicht bestimmen lassen!

Zurufder Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]

Das haben die Menschen in diesem Land anders verdient. Sie haben verdient, dass wir einen Kanzler haben, der in der Lage ist, Führung zu zeigen.

Ich sage Ihnen trotz dieser verheerenden Bilanz, die Sie im Umgang mit dem Sondervermögen bislang gezeigt haben, ganz klar: Wir Grünen würden wieder zustimmen,

Lachenbei Abgeordneten der AfD

und zwar aus zwei Gründen:

Erstens. 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz waren wichtig,

Zurufdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

weil wir damit verhindern konnten, dass Sie eine der zentralen Säulen der deutschen Klimaschutzpolitik schreddern – und das hatten Sie vor.

Zweitens. Angesichts der Unzuverlässigkeiten von Donald Trump, angesichts der Drohungen, die Putin ausspricht, angesichts des mörderischen Krieges, der weiterhin gegen die Menschen in der Ukraine geführt wird, hätte ich niemals hier stehen und den Menschen in der Ukraine sagen wollen: Ich habe euch Hilfe verweigert. – Das macht Bündnis 90/Die Grünen nicht.

Wir übernehmen Verantwortung für die Sicherheit in diesem Land.

Ich sage an dieser Stelle in Richtung der Linken: Wir hätten es wirklich gerne mit euch gemacht.

14 Tage hättet ihr warten müssen! 14 Tage!

Zwei Wochen warten!

Ich halte es für den fatalsten Irrweg der Politik der Linken, dass ihr nicht in der Lage seid, einmal über einen ideologischen Schatten zu springen.

Die Menschen in der Ukraine sagen euch nichts anderes als: Bitte helft uns, uns selbst zu schützen!

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Ich verstehe nicht, wie man dieser flehenden Bitte nach der Möglichkeit auf Selbstverteidigung einfach nur aufgrund einer alten Ideologie eine Absage erteilen kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]

Macht nicht das, was wir hier machen, einen Unterschied? Wir haben die Möglichkeit, Menschenleben zu schützen. Darum geht es bei der Frage, ob die Ukraine sich selbst verteidigen kann. Ich verstehe nicht, dass ihr hier nicht umkehren könnt.

Alles für Rüstung und nichts für Soziales! Das sind die Grünen! Herzlichen Glückwunsch!

Sie, Herr Merz, haben jetzt in Brüssel eine Aufgabe. Wir haben Ihnen schon einmal gesagt: Die 90 Milliarden Euro für die Ukraine sind wichtig. Ich stand hier am Rednerpult des Deutschen Bundestages und habe gesagt: Wenn Sie damit nach Hause kommen, unterstützen wir Sie. – Und ich sage Ihnen wieder: Sie haben hier gerade klare Worte gefunden, dass Viktor Orbán an dieser Stelle die EU nicht erpressen darf. Wir werden Sie daran messen – auch das ist Führung, Herr Merz –, dass Sie das hinkriegen.

Das Zweite ist: Der Taurus ist jetzt wichtig. Sie haben ihn den Menschen in der Ukraine versprochen, als Sie in der Opposition waren. Handeln Sie jetzt, wo Sie in der Regierung sind!

Und ja, die außenpolitischen Krisen sind gerade brutal, und die Menschen im Iran sind verzweifelt. Wenn man sich anschaut, unter welchem furchtbaren Schicksal die Menschen dort gelitten haben – ein Regime, das mit so bestialischer Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vorgeht; Männer, die jungen Frauen mit einer Schrotflinte ins Gesicht schießen –, findet man ja keine Worte mehr für das Leid der Menschen im Iran

Das haben Sie aber schön auswendig gelernt!

und die verzweifelte Hoffnung auf Besserung. Gleichzeitig muss man sagen: Es sieht aktuell nicht danach aus, dass dieser Weg gerade eine wirkliche Chance auf Besserung birgt.

Deswegen, Herr Merz, sage ich Ihnen ganz klar: Es ist nicht leicht, in dieser Zeit Außenpolitik zu machen. Ich sage Ihnen auch nicht, dass es einen klaren Königsweg gibt. Es gibt keinen klaren Königsweg, der eindeutig die Sicherheit der Menschen im Iran garantiert, der eindeutig die Sicherheit Israels garantiert und gleichzeitig verhindert, dass es zu einer vollständigen Eskalation in der Region kommt. Jeder, der das behauptet, macht es sich einfach zu leicht. Deswegen erkenne ich an, dass das schwer ist, was Sie gerade tun.

Trotzdem hätte ich anderes von Ihnen erwartet, weil Sie, Herr Merz, der erste europäische Regierungschef waren, der die Gelegenheit hatte, mit Donald Trump in Washington zu sprechen. All die Worte, die Sie hier am Rednerpult des Deutschen Bundestages gefunden haben, die haben Sie dort nicht gefunden, und das ist ein Fehler.

Das ist ein Fehler, Herr Merz. Ich erwarte von einem deutschen Bundeskanzler, dass er bei Donald Trump diese Werte vertritt und verteidigt.

Macht er doch!

Und von einem deutschen Bundeskanzler erwarte ich vor allen Dingen, dass er gegenüber dem Mann, der die internationale Ordnung in Sekundenschnelle schreddert, nicht zum Völkerrecht schweigt. Das ist der riesige Fehler, Herr Merz, den Sie wiederholt gegenüber Donald Trump begangen haben.

Es ist in unserem eigenen Interesse als Bundesrepublik Deutschland, es ist in unserem eigenen Interesse als Europäische Union, dass Sie die internationale Ordnung verteidigen.

Infolge dieser Eskalation im Iran, dieses Kriegs im Nahen Osten sehen wir wie im Brennglas eine weitere Entwicklung, zu der Sie, Herr Merz, keine Worte finden: Das fossile Zeitalter ist vorbei, Herr Merz.

Das fossile Zeitalter ist vorbei. Eine Europäische Union, die ihr Wirtschaftsmodell auf dem Verbrennen von fossilem Öl und Gas aufbaut, wird nicht mehr funktionieren.

Das, was Sie gerade in dieser Bundesregierung machen, dass Sie in so einer Zeit, wo die Preise schon wieder durch die Decke gehen – und sie gehen mittlerweile infolge jeder internationalen Krise durch die Decke; internationale Kriege in dieser Zeit werden auch um fossile Energie geführt; deswegen war es absehbar, dass das wieder passiert –, den Menschen sagen: „Kauft wieder Öl- und Gasheizungen! Fahrt wieder mit Diesel und Benzin!“,

ist so, als würden Sie den Leuten sagen: „Kauft immer mehr von der Droge, die euch kaputtmacht!“ Das ist Irrsinn! Sie können das Scheitern Ihrer Ideologie an dieser Stelle nicht anerkennen.

Dabei wäre die Antwort so klar: Wir müssen raus aus der fossilen Energie. Das ist sicherheitspolitisch relevant, das ist für die Zukunft unserer Kinder relevant, und das macht das Leben für die Menschen bezahlbar.

Zurufvon der AfD: Sieht man ja!

Das wäre Ihr Job.

Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
15 VermerkeZwischenfrageca. 1.060 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Über Jahrzehnte musste die iranische Bevölkerung unter einem grausamen Regime leiden. Die mutigen Demonstrationen Hunderttausender Iranerinnen wurden mit unfassbarer Brutalität niedergeschlagen. Überfüllte Gefängnisse, Hinrichtungen: Diese Gewalt ist unvorstellbar. Es ist daher nur zu verständlich, dass die Menschen zunächst auf den Straßen tanzten, nachdem der Mann, der das seit Jahrzehnten maßgeblich verantwortet hat, endlich weg war.

Aber die anfängliche Erleichterung hat sich bei vielen inzwischen gewandelt. Die Menschen im Iran wollen Freiheit und Demokratie, doch sie bekommen Bomben, Angst und Schrecken. Der Angriff der USA und Israels ist ein Bruch des Völkerrechts. Mutmaßlich sind weit mehr als 1 000 Menschen getötet worden. Es gab einen Angriff auf eine Mädchenschule und auf zivile Infrastruktur. Nein, es geht bei den Angriffen nicht um Menschen, es geht nicht um Freiheit und Demokratie; es geht um Macht, es geht um Ressourcen.

Beifallbei der Linken

Doch das Völkerrecht ist die Basis für unsere internationale Ordnung. Ob im Iran oder in Venezuela: Nichts ist rechtlich gesehen komplex an dem, was passiert. Aber wenn das Völkerrecht nicht nur für Autokraten, sondern auch für demokratische Staaten keinen Wert mehr hat, dann bewegen wir uns auf ganz düstere Zeiten zu. Und egal wie sehr einige von Ihnen sich das wünschen: Wir als Linke werden dazu niemals schweigen.

Beifallbei der Linken

Und ganz sicher schweigen wir auch nicht dazu, dass im Schatten all dieser Kriegsangriffe die USA Kuba aushungern. Seit Wochen blockiert Trump die Öllieferungen, seit Jahrzehnten wird Kuba dämonisiert, nur weil sich das Land weigert, sich den USA zu unterwerfen. Aktuell ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Generatoren, die gerade noch die Krankenhäuser versorgen können, nicht mehr arbeiten, bis Lebensmittel nicht mehr dahin transportiert werden können, wo sie gebraucht werden. Und nun auch noch die offene Drohung Trumps, Kuba zu übernehmen. Doch auch hierzu aus der Regierung nur Schweigen. Verurteilen Sie das endlich! Nehmen Sie sich ein Beispiel an Spanien, und liefern Sie über die Vereinten Nationen humanitäre Hilfe, um die drohende Katastrophe in Kuba zu verhindern.

Beifallbei der Linken

Und Spanien zeigt nicht nur hier, wie man es besser machen könnte. Ihr spanischer Amtskollege Sánchez, Herr Merz, hatte völlig recht damit, spanische Militärbasen nicht für die Angriffe auf Iran zur Verfügung zu stellen. Die darauffolgende öffentliche Hetze Trumps gegen unseren europäischen Partner hätten Sie nicht unbeantwortet lassen dürfen. Aber offensichtlich sind Sie solidarischer mit Trump als mit Pedro Sánchez. Das ist ein politisches Statement, aber kein gutes.

Beifallbei der Linken
Zurufevon der CDU/CSU

Denn unser Grundgesetz verpflichtet uns, dafür zu sorgen, dass Militärstützpunkte nicht für völkerrechtswidrige Kriege genutzt werden. Deswegen: Schließen Sie die Militärbasis in Ramstein! Es darf für amerikanische Streitkräfte keine Überflugrechte für diesen Krieg geben.

Beifallbei der Linken

Ob Trump oder Putin, ob Iran, Venezuela, Kuba oder Ukraine – wo das Völkerrecht mit Füßen getreten wird, werden Menschen zum Spielball imperialistischer Interessen. Wie sonst ließe es sich erklären, dass jemand wie Trump zwar immer davon redet, Putin unter Druck zu setzen, bei der erstbesten Gelegenheit aber russisches Öl kauft und so Putins Kriegskasse füllt?

Um Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen, müssen Sanktionen das Regime treffen und schmerzhaft sein. Gehen Sie also endlich entschlossen gegen die Oligarchen vor, die Putins Machtapparat stützen, und beschlagnahmen Sie deren Immobilienvermögen in Deutschland! Worauf warten Sie eigentlich? Warum passiert das nicht?

Beifallbei der Linken

Aber statt diese Hintermänner endlich unter Druck zu setzen, feiern Sie sich lieber dafür, dass Sie ukrainische Geflüchtete wieder ins Asylbewerberleistungsgesetz geschickt haben. Das nimmt ihnen jede Chance auf Integration. Ist das Ihre Art, zu sagen, dass die Menschen, die zu uns fliehen müssen, hier nicht willkommen sind? Für mich ist das ein klares Zeichen von Entsolidarisierung, und für die sollten Sie sich wirklich schämen.

Beifallbei der Linken
Zurufevon der AfD

Doch nicht nur die ukrainischen Geflüchteten nehmen Sie ins Visier. Mit dem Innenminister an der Spitze verschärft die Regierung die Asylgesetze massiv und feiert sich dafür. Der Familiennachzug wurde ausgesetzt; vor allem Frauen und Kinder bleiben in Kriegs- und Krisengebieten zurück. In Zukunft sollen selbst Kinder an den Außengrenzen der EU in Lager gesteckt werden.

Und im Europaparlament hat die EVP das Asylrecht massiv verschärft, in enger Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen. Wieder einmal hat auch die Union den Schulterschluss mit den Faschisten gesucht. Und wofür? Um Menschen, die Hilfe brauchen, dahin zurückzuschicken, wo ihnen Verfolgung und Tod drohen.

Sie sagen, niemand braucht die AfD in Europa?

Zurufvon der AfD: Die Schwarzen!

Niemand braucht eine Partei, die mit der AfD zusammenarbeitet und genau ihre Politik macht, Herr Merz.

Beifallbei der Linken
Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Gerade verweigert Italien der „Sea-Watch 5“ die Einfahrt in einen sicheren Hafen. Mehr als 50 Menschen harren auf dem Schiff aus, die vor dem sicheren Tod im Mittelmeer gerettet wurden, dem Mittelmeer, das mittlerweile zum Massengrab geworden ist. Seenotrettung ist kein Verbrechen.

Beifallbei der Linken

Bekämpfen Sie endlich Fluchtursachen und nicht die Geflüchteten!

Beifallbei der Linken

Zu diesen Fluchtursachen gehört übrigens auch die Klimakatastrophe. Die ist schon längst da; doch Klimaschutz, das ist kein Thema für diese Regierung. Die kleinen, zaghaften Schritte der letzten Jahre drehen Sie auch noch zurück. Sie ketten uns weiter an fossile Energieträger.

Kurz vor dem Irankrieg haben Sie stolz die Einigung beim Heizungsgesetz verkündet. Mit diesem Gesetz machen Sie den Gaskonzernen ein richtig großes Geschenk und sichern auf Kosten der Menschen und der Umwelt einigen Wenigen fette Profite. Besonders betroffen: mal wieder Mieter/-innen. Die können sich nämlich nicht aussuchen, wie ihre Wohnung geheizt wird.

Und jetzt? Die Öl- und Gaspreise schießen weltweit durch die Decke. Seit zwei Wochen verzweifeln die Menschen an den Tankstellen. Die Spritpreise fressen einen immer größeren Teil der Gehälter auf. Und wer auf das Auto angewiesen ist, weil er zur Arbeit muss oder das Kind in die Kita bringen muss, ja, der ist zu Recht vollkommen wütend: wütend auf die Preisgelder der Großkonzerne, wütend auf die Abzocke und wütend auf eine Bundesregierung, die viel zu spät viel zu wenig liefert und damit all die Menschen im Stich lässt.

Beifallbei der Linken

Ihr Stuhlkreis mit den Konzernbossen – –

Sagen Sie mal was zum Antisemitismus in Ihrer Partei! Wir warten immer noch!

– Liebe Herren der Union, ich lasse mir von Ihnen ganz sicher nicht sagen, was ich in meiner Rede zu sagen habe und was nicht.

Ganz schwach!

Ja, ich bin keine von Ihren Frauen, die auf Sie hört, sondern eine Selbstständige. – Danke schön an der Stelle.

Also: Ihr Stuhlkreis mit den Konzernbossen, die das zu verantworten haben, und die Ansage, dass der Preis nur ein Mal am Tag erhöht werden darf, das kann wirklich nicht Ihr Ernst sein. Sie haben es ja mittlerweile auch begriffen. Sie wollen das Kartellrecht schärfen, aber das ist viel zu zaghaft.

Der Markt regelt einen Dreck. Wir müssen das regeln.

Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
2 Vermerkeca. 276 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Da sie uns inhaltlich nicht weiterführt:

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Nein, vielen Dank. – So.

Also, wir brauchen endlich eine Übergewinnsteuer, damit diese Spirale der Gier durchbrochen wird, damit sich die Abzocke nicht mehr lohnt, damit wir Geld haben für das 9-Euro-Ticket und ein Energiekrisengeld, damit wir die Menschen entlasten können. Denn ja, Herr Merz, das ist ja schön, dass das Ausland einen guten Blick auf Deutschland hat. Aber jeder fünfte Rentner ist armutsgefährdet, jedes siebte Kind ebenfalls.

Zurufder Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]

Jede vierte Person hat keinen Cent mehr am Ende des Monats, den er oder sie zurücklegen kann. Die Schulen vergammeln, die Brücken stürzen ein, die Kliniken schließen. Das ist doch die Realität, und an der muss man was ändern. Das ist Ihre Aufgabe!

Und bei den Energiekosten hört es nicht auf. Die Preise für Lebensmittel liegen jetzt schon 37 Prozent über dem Niveau von vor fünf Jahren. Was glauben Sie, was passiert, wenn die Energiekosten auch hier voll durchschlagen und die großen Lebensmittelkonzerne auch noch ihre Chance auf Übergewinne wittern?

Noch ein Stück weiter am Horizont rollt bereits die nächste Welle auf uns zu, die die Lebensmittelpreise weiter steigen lassen wird. Düngemittel sind seit Beginn des Krieges massiv teurer geworden. Die Auswirkungen für Landwirte und Verbraucher/-innen werden erheblich sein, bis hin zu drohenden Hungersnöten in Entwicklungsländern. Auch hierzu wieder kein Wort.

Für diese Krisen müssen wir jetzt vorsorgen. Also unterstützen Sie landwirtschaftliche Betriebe dabei, ihre Abhängigkeit von Düngemitteln zu reduzieren. Nehmen Sie endlich den Bericht der Monopolkommission ernst, und brechen Sie die Marktmacht der großen Lebensmittelkonzerne, und führen Sie eine Preisbeobachtungsstelle ein. Streichen Sie die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Zeigen Sie endlich, dass Sie die wirklichen Alltagsprobleme der Menschen verstanden haben, –

Porträt von Markus Töns
Foto: Markus Töns/ Benno Kraehahn
7 Vermerkeca. 740 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Vielleicht noch eine Vorbemerkung: Frau Reichinnek, zum Europäischen Rat und zu den Themen, die auf dem Rat eine Rolle spielen, haben Sie eigentlich auch nicht geredet. Also, ich wollte das an dieser Stelle nur einmal feststellen.

– Ich habe sehr gut zugehört, und ich will Ihnen sagen, worum es eigentlich geht. Und das ist der Punkt, über den wir hier reden müssen.

Die Bundestagspräsidentin hat heute mit der Eröffnung unserer Sitzung sehr deutlich auf den 18. März als wichtigen demokratischen Tag hingewiesen: Freiheit, Recht und Demokratie. Und genau das ist es, worum es eigentlich auf europäischer Ebene geht, nämlich um die Frage, ob die 450 Millionen Einwohner der Europäischen Union, die den größten Binnenmarkt zu verantworten haben, dies auch mit Werten tun. Und das tun wir. Wir haben sie verankert in unseren europäischen Verträgen. Wir haben die demokratischen und die freiheitlichen Werte verankert, und das macht eine starke, demokratisch verfasste Europäische Union aus. Und das ist der zentrale Punkt, um den es geht auf diesem Rat: Wir brauchen Geschlossenheit, weil wir in einer weltpolitischen, einer geopolitischen Lage sind, die uns deutlich zeigt, dass wir alleine noch weniger erreichen können als früher. Wir brauchen diese Geschlossenheit. Und deshalb ist es enorm wichtig, dass wir diese Geschlossenheit auf dem Europäischen Rat zeigen. Und da stehen eine Menge Themen auf der Agenda.

Ich kann an dieser Stelle aber leider auch nicht verhehlen, dass mich die Nachrichten über die Netzwerke, die es im Europäischen Parlament gab, schon ein wenig,

Guter Mann, der Herr Töns!

ja, schon ganz deutlich verärgern. Ich bin Ihnen dankbar, Herr Bundeskanzler, dass Sie dazu klare Worte gefunden haben, weil es richtig und wichtig ist, dass wir hier deutlich machen, worum es geht. Eines ist doch klar: Mit der AfD und dieser Truppe, die hier sitzt, werden wir keine demokratischen Werte auf europäischer Ebene durchsetzen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD
Zurufevon der AfD

Wir würden keinen Wohlstand schaffen. Wir würden uns davon verabschieden, auch von der Bedeutung. Und am Ende würden wir wahrscheinlich zum Vasallenstaat Moskaus. Herzlich willkommen! – Mit mir nicht! Das kann ich Ihnen jetzt schon einmal verraten.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Aber auf dem Rat geht es auch um andere Dinge: Es geht um Wettbewerbsfähigkeit,

Guter Mann!

und es geht um die Frage, wie auch unser Industrieland gestärkt wird, und zwar innerhalb der Europäischen Union. Deshalb wird es auch darum gehen, dass wir beim Industrial Accelerator Act Verbesserungen vornehmen.

Ich glaube nicht, dass das, was da im Moment aufgeschrieben ist, im Sinne Deutschlands ist. Wir müssen hier ran. Ich bitte Sie, sich auf dem Rat für unsere Interessen und das Interesse Gesamteuropas einzusetzen. Wir brauchen übrigens auch einen Schutz unserer Industrie, der Stahl- und der Chemieindustrie innerhalb Europas, weil wir diese Grundstoffe brauchen – auch um resilient zu sein und uns am Ende gegenüber denen verteidigen zu können, die sich auf den Weltmärkten nicht fair verhalten. Das ist ein ganz entscheidender Punkt.

Und jetzt kommen wir zu dem Mehrjährigen Finanzrahmen. Im Entwurf ist auch von einer Wettbewerbssäule die Rede. Wir müssen sehr aufpassen, dass es diese Wettbewerbssäule zukünftig auch gibt; denn damit werden die Regionen gestärkt, die sich in die Zukunft bewegen. Und diese Entwicklung brauchen wir. Deshalb kann ich nur dafür werben, beim Mehrjährigen Finanzrahmen nicht in alte Strukturen zurückzufallen. Wir haben einen Entwurf, über den sicherlich gestritten wird, und es wird auch bei diesem Rat noch keine Entscheidung geben. Aber in die Zukunft zu gehen, heißt, auf diesem Rat Wege zu finden, um dieses Ziel zu verwirklichen. Auch das ist ein entscheidender Punkt.

Und dann wird es auch um die Senkung der Energiepreise gehen. Ich glaube, dass unsere Vorstellungen in Deutschland nur gemeinsam mit den europäischen Partnerinnen und Partnern umgesetzt werden können. Wir werden uns sicherlich auch anschauen müssen, warum die Energiepreise in anderen Ländern nicht ganz so steigen wie bei uns; das ist sicherlich richtig.

Ja, genau! Interessant!

Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.

Das ist gar nicht so schwer!

Aber diese Hausaufgaben werden wir mit Sicherheit auch auf europäischer Ebene machen.

Lassen Sie mich zum Schluss noch eines erwähnen, was aus meiner Sicht absolut wichtig ist – Sie haben es angesprochen –: Es kann nicht sein, dass man sich im Dezember auf dem Europäischen Rat darauf einigt, einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine bereitzustellen – das war einstimmig; zumindest war es so, dass wir es vereinbart haben –, und sich plötzlich ein Mitgliedsland komplett aus dieser Verantwortung verabschiedet. Das ist nicht hinnehmbar. Das dürfen wir einfach nicht zulassen, und ich bitte Sie ausdrücklich, mit Nachdruck auf eine Lösung hinzuwirken; denn diese 90 Milliarden Euro brauchen wir, egal wie wir es zustande bringen, –

Porträt von Markus Töns
Foto: Markus Töns/ Benno Kraehahn
2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dringend für die Verteidigung der Ukraine. Das ist in unserem Interesse.

Glück auf!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Porträt von Alice Weidel
Foto: Dr. Alice Weidel/Hagen Schnauss
1 VermerkZwischenfrageca. 78 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Irankrieg hat mit gnadenloser Härte eine Hauptursache des katastrophalen Niedergangs unseres Landes und seiner Wirtschaftskraft offengelegt. Der irrationale Glaube an Kernkraftausstieg und Klimaschutz hat die sichere und bezahlbare Energieversorgung zerstört und unser Land zum Spielball fataler Abhängigkeiten gemacht.

Die explodierenden Kraftstoffpreise sind ein Fieberthermometer. Sie könnten die Spritpreise auf einen Schlag halbieren, wenn Sie die CO2-Steuer abschaffen und auf die horrenden Energiesteuern verzichten würden.

Beifallbei der AfD
Porträt von Alice Weidel
Foto: Dr. Alice Weidel/Hagen Schnauss
19 VermerkeZwischenfrageca. 842 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Nein.

Sie machen es nicht. Warum schaffen Sie die CO2-Abgabe nicht ab?

Sie können noch nicht einmal Fragen beantworten! Sie sind nicht sprechfähig! Das ist das Problem!

Haben Sie doch mal den Mumm, eine Frage zuzulassen!

Warum verringern Sie die Energiesteuern nicht, die überall in Europa höher sind als hier in Deutschland?

Umgekehrt! Sie zocken den Verbraucher ab. Über die Hälfte des Spritpreises, fast 60 Prozent, besteht aus CO2-Abgabe und Energiesteuern. Und Sie tun genau nichts!

Und jetzt rächt sich der hochmütige Irrglaube, auf günstiges russisches Gas und Erdöl verzichten zu können und stattdessen teures Flüssiggas zum Tagespreis einkaufen zu müssen. Durch die Straße von Hormus kommt kein LNG mehr – und kein Golföl, keine Düngemittelvorprodukte. Niemand weiß, wie lange diese Lebensader der Weltwirtschaft gesperrt bleibt. Die verbliebenen Flüssiggasproduzenten dirigieren ihre Tanker zu den aufsteigenden Wirtschaftsmächten Asiens um. Und Sie sitzen auf leeren Gasspeichern und fantasieren davon, den fehlenden Strom der gesprengten Kernkraftwerke aus Gaskraftwerken zu beziehen, die Sie nicht einmal gebaut haben.

Beifallbei der AfD

Der deutsche Sonderweg des Kernkraftausstiegs war eine schwere, fatale Fehlentscheidung.

Beifallbei der AfD

Und doch erklären Sie das Kernkraft-Aus für irreversibel – das muss man sich mal vorstellen: irreversibel –, anstatt endlich mal die Haftung und Verantwortung dafür zu übernehmen, die teuerste Energieinfrastruktur unseres Landes einfach in die Luft gesprengt zu haben.

Beifallbei der AfD

Vielleicht noch mal ein bisschen Geschichte – das kennen Sie sicherlich auch nicht –:

Helmut Schmidt

… dreht sich im Grabe um, wenn Sie das hier sagen!

hat während der ersten und der zweiten Ölkrise den Kernkraftausbau vorangetrieben. Das hat Helmut Schmidt getan. Aber wie wir sehen, ist ein Friedrich Merz kein Helmut Schmidt.

Beifallbei der AfD

Die Verweigerung von dringend notwendigen Reformen gefährdet Deutschlands ökonomische Existenz. Stattdessen schreibt der Herr Bundeskanzler, wie er eben angeführt hat, lieber Briefe. Einen Brief hat er geschrieben. Donnerwetter!

Heiterkeitbei der AfD

Die deutsche Wirtschaft leidet unter der Last von Bürokratie, erdrückenden Steuern und explodierenden Energiepreisen. Aber Sie, Herr Merz, lassen den Mittelstand im Stich. Alle 20 Minuten geht eine deutsche Firma pleite. Arbeiter und Steuerzahler zittern um ihre Arbeitsplätze und wissen nicht, ob sie, ihre Kinder, ihre Enkel in Deutschland überhaupt noch eine Zukunft haben. Sie haben ihnen nicht mehr zu bieten als noch höhere Steuern und Abgaben – Stichwort: Spitzensteuersatz – und weltfremde Appelle, noch mehr zu arbeiten.

Sagt die, die in der Schweiz lebt!

Während Sie über die Weltpolitik schwadronieren, kollabiert die deutsche Industrie. Im Januar sind die Industrieaufträge weiter eingebrochen. Dazu kein Wort von Ihnen! Volkswagen verzeichnet einen Gewinneinbruch um rund die Hälfte, Daimler Truck um mehr als ein Drittel, Porsche um über 90 Prozent. Der Exodus ist in vollem Gange. Die produzierende Industrie sucht ihr Heil in der Flucht. Hunderttausende einheimische Fachkräfte verlassen jedes Jahr unser Land. VW streicht in den nächsten Jahren 50 000 Stellen, Mercedes bis zu 20 000. Verbände warnen vor dem Verlust von weiteren 150 000 Stellen. Auch dazu kein einziges Wort von Ihnen, Herr Merz!

Die gutbezahlten Jobs, die Wohlstand und materielle Sicherheit gebracht haben, sind im Übrigen nicht weg. Sie sind demnächst woanders, in Ungarn, in China, in den USA,

Beifallbei der AfD

weil die deutschen Schwergewichte dort weiter investieren, nur in Deutschland nicht. Die Schicksalsfrage lautet also – hören Sie genau zu! –: Wird Deutschland als Industrienation weiter bestehen?

Deutschland hat keine Zeit und keinen Bedarf für hohle Phrasen und großmännische Weltmachtrhetorik.

Warum reden Sie dann so lange? Reden Sie kürzer, dann haben Sie mehr Zeit für einen Faktencheck!

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deutschland braucht einen sofortigen Kurswechsel. Das ist das, was unser Land braucht.

Beifallbei der AfD

Wir müssen die Lage realistisch einschätzen und unsere eigenen nationalen Interessen definieren. Israel führt Krieg gegen den Iran und begründet dies mit Sicherheitsinteressen. Die USA führen Krieg – unter anderem, um den geopolitischen Rivalen China zu schwächen. Wo aber liegt unser nationales Interesse?

Dauert der Irankrieg noch länger an, werden die Erschütterungen verheerend sein: unterbrochene Versorgungswege für Erdöl, Erdgas und Chemieprodukte, explodierende Rohstoffpreise, galoppierende Inflation durch exogene Angebotschocks, eine Verschärfung der ohnehin schon schweren, selbstverschuldeten Wirtschaftskrise, nicht zuletzt anschwellende Flüchtlingsströme. Ein schnelles Kriegsende und die Vermeidung eines Flächenbrands im Nahen und Mittleren Osten sind daher im deutschen Interesse.

Beifallbei der AfD

Und das hat die AfD sofort, vom Beginn des Krieges an, sehr deutlich gemacht.

Auf das globale Schachspiel der Großmächte haben wir sowieso nur bedingt Einfluss, und wir müssen deshalb alles daransetzen, unsere Energieversorgung zu sichern. Es stellen sich deshalb weitere Fragen:

Welches Ziel verfolgt Ihre Ukrainepolitik? Ihre Regierung steht – Sie haben es immer wieder betont – eben auch fest an der Seite der Ukraine. Wollen Sie weiter eines der korruptesten Länder der Welt mit Abermilliarden finanzieren, um einen aussichtslosen Krieg zu verlängern, damit die Ukraine vielleicht doch noch ein paar Prozent mehr vom Donbass behalten kann? Ist das im deutschen Interesse, was Sie hier machen? Oder ist es nicht vielmehr an der Zeit, wieder das Gespräch mit Russland zu suchen,

Führen Sie doch die ganze Zeit schon, Frau Weidel! Was kriegen Sie denn gesagt?

auf ein Ende des Krieges hinzuwirken und über die Wiederaufnahme von Gaslieferungen über die Nord-Stream-Leitung zu verhandeln?

Beifallbei der AfD

Sie führen doch die ganze Zeit schon Gespräche! Wo sind denn die Antworten? Oder fragen Sie nicht?

Sie schulden den Bürgern eine Antwort auf diese Fragen, Herr Merz. Davon haben wir nichts gehört.

Wann beenden Sie das gescheiterte Experiment Energiewende? Wann schaffen Sie endlich die CO2-Abgabe und die Energiesteuern ab? Wie lange wollen Sie noch warten mit dem Wiedereinstieg in die Kernkraft? Was tun Sie, um die abgerissenen Gesprächsfäden mit Russland wieder aufzunehmen und die Sanktionspolitik zu beenden, wie es die USA gerade tun? Und welche Vorkehrungen treffen Sie, um neue Migrationswellen zu verhindern?

Handeln Sie! Eine Regierung, welche die Antwort auf existenzielle Fragen verweigert und die Interessen des eigenen Landes ignoriert, verspielt ihre Glaubwürdigkeit.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Alexander Hoffmann
Foto: Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann
13 VermerkeZwischenfrageca. 643 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Heute vor 36 Jahren, am 18. März 1990, gab es die erste und einzige freie Wahl der Volkskammer der DDR. Es war ein Moment vollkommener Freiheit, ein Moment vollendeter Demokratie und ein Moment des Erfolges einer friedlichen Revolution. Wir verneigen uns vor den Männern und Frauen, die das damals so mutig auf den Weg gebracht haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gerade deshalb denken wir heute auch an die Menschen im Iran, die auch unter einem Willkürregime, unter einem totalitären Regime leiden. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied; denn das Regime im Iran hat die absolute Bereitschaft zur totalen Vernichtung von allem und auch von jedem Einzelnen, der sich ihm in den Weg stellt. Deshalb, mit Verlaub, ist es ein naiver Trugschluss, die Friedliche Revolution von damals als Blaupause heranzuziehen für einen hoffentlich kommenden Machtwechsel im Iran. Denn dort werden aus Mahnwachen Massaker; das hat gerade der Beginn dieses Jahres gezeigt.

Darum sage ich klar, liebe Kolleginnen und Kollegen: Es ist gut, wenn das Regime nach diesem Angriff empfindlich getroffen ist. Es ist gut, wenn die militärische Infrastruktur des Regimes empfindlich zerstört ist. Und es ist gut, wenn der größte Exporteur des Terrors in der Welt endlich Grenzen aufgezeigt bekommt. Das ist auch ein Gewinn für unsere Sicherheit, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der Angriff hat Folgen für unser Land. Diese Koalition hat sich vom ersten Tag an zum Ziel gesetzt, dass wir diese harten Folgen für die Menschen und für die deutsche Wirtschaft abwenden. Wir handeln entschlossen mit unserem Spritpreispaket, mit dem österreichischen Modell, mit der Freigabe der Ölreserven, mit der Beweislastumkehr und auch mit der Möglichkeit, im Einzelfall Preissprünge frühzeitig untersagen zu können. Deshalb sage ich: Diese Koalition liefert kraftvoll, klar und entschlossen.

Da klatscht nicht mal die eigene Fraktion!

Deswegen, Frau Dröge, will ich Ihnen jetzt schon mal sagen: Sie haben in diesen Tagen zur Freigabe der Ölreserven gesagt, das sei ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ich habe mir das Lachen nicht verkneifen können. Ich sage es hier noch mal: Ich halte das für einen Treppenwitz der Geschichte. Es ist das erste Mal in der Zeit des Bestehens der Grünen, dass die Grünen angeblich für bezahlbare Spritpreise in diesem Land eintreten.

Lassen Sie mich, Frau Dröge, zu Ihrer Rede noch eins sagen: Diese ständige Diffamierung des bayerischen Ministerpräsidenten, diese Obsession, die Sie gegenüber Markus Söder hegen,

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es hat einigen gefallen! Ich bin mir sicher!

lässt den Eindruck entstehen, dass Sie zunehmend die Vorsitzende einer populistischen grünen Pöbelpartei sind.

Wir liefern ein Spritpreispaket. Damit drehen wir genau an der richtigen Schraube; denn die Wahrheit ist doch, dass man, wenn man an der Zapfsäule steht, sich des Eindrucks der Willkür eben nicht erwehren kann. Denn steigt der Ölpreis, rast der Benzinpreis steil in die Höhe; sinkt aber der Ölpreis, dann bleibt der Benzinpreis wie einbetoniert auf dem oberen Niveau hängen.

Jetzt kommen dann die AfD und andere Populisten und sagen, sie haben die einfache Lösung: Einfach die Spritsteuern weg, und das Problem ist weg.

Im Übrigen ist auch Frau Weidel weg.

Vorhin hat sie ihre Rede gehalten und keine Frage zugelassen. Und jetzt komme ich genau an den Punkt, an dem ich Frau Weidel gerne gefragt hätte – vielleicht haben Sie die Möglichkeit, es ihr auszurichten –; denn Sie bedenken in Ihrer populistischen Eindimensionalität drei Dinge nicht.

Erstens. Wie wollen Sie eigentlich sicherstellen, dass die Senkung, die Sie durch den Wegfall von Spritsteuern erreichen, nicht durch willkürliche Preissteigerungen der Konzerne aufgefressen wird?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die zweite Frage, die Sie Frau Weidel bitte auch mit auf den Weg geben, ist:

Schreiben Sie doch einen Brief! Am besten, Sie schreiben einen Brief!

Gegenrufeder Abg. Jens Spahn [CDU/CSU] und Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]

Sie reißen ein Loch in den Bundeshaushalt im zweistelligen Milliardenbereich. Dort fehlen Gelder, die in die Infrastruktur fließen könnten. Dort fehlen Gelder, die in Kindergärten fließen könnten. Und am Ende muss dieses Loch doch der Steuerzahler stopfen. Also, wie erklären Sie das dem Steuerzahler?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der dritte Punkt – der ist ja vorhin auch noch angeklungen –: Sie haben offensichtlich überhaupt kein Problem mit größter Gewinnmaximierung von Ölkonzernen in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Maximilian Kneller
Foto: Maximilian Kneller/ Tobias Ebenberger
1 Vermerkca. 115 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das ist sehr höflich. Vielen Dank, Herr Hoffmann. Die Zusammenarbeit mit der CDU läuft ja in den letzten Wochen überragend.

Zurufevon der CDU/CSU: Oh!

Meine Frage ist die folgende: Wenn die Spritpreise steigen, dann werden Sie ja sicher auch zur Kenntnis nehmen, dass entsprechend der gesteigerten Spritpreise auch die Steuereinnahmen absolut steigen, weil sie sich ja auf die gesteigerten Spritpreise beziehen. Sind Sie da nicht mit mir der Meinung, dass Sie dann, wenn man die Steuern quasi um den Faktor kürzen würde, um den die Spritpreise gestiegen sind, die gleichen absoluten Einnahmen wie vorher haben, obwohl Sie prozentual weniger Steuern veranschlagen? Verstehen Sie? Können Sie mir da folgen, und würden Sie mir da rein mathematisch recht geben? – Vielen Dank.

Porträt von Alexander Hoffmann
Foto: Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann
7 VermerkeZwischenfrageca. 339 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Bevor ich zu den mathematischen Feinheiten komme, will ich mal so anfangen: Ich habe jetzt gerne Ihre Zwischenfrage zugelassen, allein um die Fraktion, die hier die meisten Zwischenfragen stellt – im Übrigen auch die unverschämtesten und die aggressivsten –, zu beschämen. Denn Sie haben eine Vorsitzende, die jetzt wieder nicht da ist, eine Vorsitzende, die keine Zwischenfragen zulässt, eine Vorsitzende, die eine Angsthasenrhetorik hier an den Tag legt.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie kommt nämlich aus ihrem Hasenbau gekrochen, kommt hierher, liest eine Rede vor, lässt keine Zwischenfragen zu und verkriecht sich danach wieder in ihrem Hasenbau, ohne einen ernsthaften politischen Dialog zuzulassen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, genau so ist es!

Und jetzt zu Ihrer Frage. Wir waren ja gerade beim Prozent- bzw. Kopfrechnen; beides scheint nicht Ihre Stärke zu sein.

Heiterkeitbei der CDU/CSU

Denn ich darf Sie darauf hinweisen, dass Italien und Frankreich eine ähnliche Steuerbelastung beim Sprit haben. Die Wahrheit ist aber, dass der Preissprung in Deutschland im Vergleich zu Italien oder Frankreich teilweise doppelt so hoch oder sogar höher war, was das Ergebnis Ihres billigen Kopfrechenversuchs ziemlich deutlich widerlegt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wir arbeiten an der richtigen Lösung und eben nicht an einer Scheinlösung. Während wir das Land stabil halten und liefern, bleibt sich die AfD am Ende selber treu. Sie sind wirtschaftspolitisch planlos – das haben wir gerade gesehen –, Sie sind innenpolitisch orientierungslos, und außenpolitisch sind Sie verantwortungslos.

Moralisch bankrott!

Heute ist der Tag der Demokratie, und deswegen will ich schon auch noch was zum linken Rand sagen, der in diesen Tagen eindrucksvoll gezeigt hat, dass er eigentlich auch keinen Platz bei uns im demokratischen Spektrum haben sollte. Ihr Landesparteitag in Niedersachsen ist schon angeklungen. Frau Reichinnek, ich weiß nicht, ob er schon so lange her ist, aber gerade eben haben Sie sich offenkundig nicht mehr an die Beschlüsse erinnern können. Da gibt es eine Relativierung von Hamasterror, Sie setzen in Ihren Beschlüssen Schlächter der Hamas mit der gewählten Regierung Israels gleich, und Sie stellen das Existenzrecht Israels sehr wohl infrage. Ich habe es Ihnen schon einmal von dieser Stelle gesagt: Sie sind antibürgerlich, Sie sind antikapitalistisch, und, ja, Sie sind auch antisemitisch.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Adis Ahmetovic
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
4 Vermerkeca. 589 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Präsident! Meine Damen und Herren! Raketen fliegen täglich über die Köpfe von Menschen im Nahen und Mittleren Osten. Wenig haben wir darüber heute gesprochen, wenig davon gehört. Für uns sind das irgendwie stumpfe Bilder aus den Nachrichten, aus Social Media. Für die Menschen vor Ort ist es pure Realität: Angst, Unsicherheit, der Verlust von Zuhause und Zukunft. Kinder wachsen im Lärm von Explosionen auf, in Asche, in Trümmern, in Zerstörung. Familien wissen nicht, ob sie den nächsten Tag erleben. – Das ist keine ferne Krise, das ist menschliches Leid – jeden Tag, sehr konkret.

Deshalb sagen wir klar und unmissverständlich – und ich danke dem Bundeskanzler sehr für diese deutlichen Worte –: Der neue Krieg gegen den Iran ist nicht unser Krieg, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Deutschland wird sich daran militärisch nicht beteiligen. Und ich wiederhole von diesem Redepult meine Aussage von vor zwei Wochen: Als SPD-Fraktion werden wir alles dafür tun, dass Europa sich nicht in diesen Krieg hineinziehen lässt. Denn die Entscheidung der USA und Israels, diesen Angriff am 28. Februar zu beginnen, war ein Fehler. Und auch die iranischen Gegenangriffe treiben die Eskalation weiter voran.

Dieser Krieg bringt keine Sicherheit. Dieser Krieg bringt nicht mehr Stabilität in diese Welt. Und dieser Krieg, meine Damen und Herren, steht nicht im Einklang mit dem Völkerrecht.

Beifallbei der SPD

Das ist nicht ein subjektives Bauchgefühl von mir, sondern das benennen alle Expertinnen und Experten im deutschsprachigen Raum, die wir alle sehr schätzen. Auch viele unserer europäischen Partner benennen das sehr deutlich. Das offen auszusprechen, auch gegenüber Verbündeten, ist kein Bruch von Partnerschaft. Das zu benennen, ist auch keine Relativierung von irgendwelchen Verbrechen des iranischen Terrorregimes; das zu benennen, ist ein Ausdruck von Verantwortung und Glaubwürdigkeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, ich will es hier noch einmal sehr deutlich machen: Dieser Krieg im Iran, so wie er gerade geführt wird, ist nicht nur falsch, er ist verantwortungslos – ohne klares Ziel, ohne Plan für das Danach, ohne Perspektive für Stabilität. Die Verantwortlichen haben sich verkalkuliert. Den Preis zahlen aber andere, vor allem die mutigen Iranerinnen und Iraner, die in Frieden und Freiheit leben wollen. Ein Angriff auf eine Mädchenschule mit mehr als 150 Toten ist kein Kollateralschaden, ist kein Sharepic auf Instagram. Meine Damen und Herren, warum haben wir nicht den Mut, hier mal deutlich zu sagen, dass das ein Kriegsverbrechen ist?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ja, warum nicht?

Gleichzeitig weitet sich dieser Konflikt aus. Über den Libanon kein einziges Wort heute hier in dieser Debatte! Der Libanon ist nicht nur ein Kriegsnebenschauplatz; dort ist gerade ein Krieg für sich. Über 1 Million Menschen – ich habe gerade noch mal nachgeguckt – fliehen aktuell; sie sind auf der Flucht. Viele sind getötet oder verletzt worden, darunter Zivilisten – wieder einmal auch Frauen und Kinder. Das zeigt: Eine ganze Region brennt.

Und während die Welt auf den Nahen Osten guckt, droht ein anderer Krieg vor unserer eigenen Haustür in den Hintergrund zu geraten: der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der sich schon im vierten Kriegswinter befindet und in dem derzeit aufgrund der US-Lockerungen der Energiesanktionen Putins Kriegskasse gefüllt wird. Mit dieser vollen Kriegskasse greift er erneut und weiter nicht nur militärische Ziele, sondern auch zivile Ziele in der Ukraine an.

Meine Damen und Herren, beide Kriege – so nüchtern muss man es sagen – sind nicht in unserem Interesse. Beide Kriege schaden Europa, beide Kriege schaden der regelbasierten Weltordnung, beide Kriege schaden unserem Land, und beide Kriege schaden der zivilen Bevölkerung. Denn zu einem Ergebnis führen beide Kriege: mehr Instabilität, mehr Unsicherheit, mehr Leid auf diesem Globus.

Deshalb, Herr Bundeskanzler: Es ist richtig, dass Sie nach Brüssel reisen.

Porträt von Adis Ahmetovic
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
ca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
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Nehmen Sie den Mut auf, eine diplomatische Initiative zu starten, sodass wir es hinbekommen, den Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit Diplomatie so schnell wie es geht zu beenden –

Porträt von Adis Ahmetovic
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
2 Vermerkeca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und endlich wieder den Fokus auf den Krieg in der Ukraine zu lenken! Wir müssen fest an der Seite der Ukraine stehen. Beides hängt miteinander zusammen.

Viel Erfolg! Unsere Unterstützung haben Sie dafür.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Beifallbei der CDU/CSU
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 388 WörterReaktionswert: ruhig
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben derzeit eine Welt im Stresstest. Alte Gewissheiten brechen weg, neue Machtzentren entstehen, und die globalen Konflikte treffen unsere Wirtschaft unmittelbar: in Energiepreisen, in Lieferketten und in der Sicherheit. Unsere Unternehmen finden sich inmitten von tektonischen Verschiebungen, von geopolitischen Brüchen. Und wer kein Spielball in dieser Weltlage sein will, der muss wirtschaftlich stark und technologisch ebenso stark sein.

Noch sind wir Europas größter Wirtschaftsraum. Wir sind Stabilitätsanker in der Eurozone, und wir sind Innovationsmotor in Schlüsseltechnologien. Diese Stärke wollen wir behaupten. Wir können diese Stärke nur behaupten, wenn wir uns anstrengen. Dafür haben wir in den vergangenen zehn Monaten die Weichen gestellt: Wir haben die Gasspeicherumlage abgeschafft. Wir haben die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft auf das europarechtliche Minimum reduziert. Wir haben die Netzentgelte gesenkt durch 6,5 Milliarden Euro Zuschüsse.

Wir führen rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres den zugesagten Industriestrompreis ein, und wir haben erfolgreich die Ausweitung der Stromkompensation verhandelt. Wir haben beim Bau, bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren Tempo gemacht. Der Wohnungsbauturbo läuft. Eine schnellere Beschaffung bei der Bundeswehr ist angestoßen. Und mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz gehen wir die nächsten Schritte. Parallel dazu verbessern wir die Abschreibungsbedingungen für Unternehmen. Wir bereiten die Senkung der Körperschaftsteuer vor und reizen damit Investitionen in Wertschöpfung an. Ja, die ersten Reformschritte sind getan, aber es sind nur die ersten Schritte.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit Kommissionen die sozialen Sicherungssysteme fitzumachen. Die Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung geben uns jetzt ein schmales Wachstumsfenster. Das Wachstumsfenster ist in der Tat schmal, wenn wir sehen, wie externe Konflikte das Wirtschaftswachstum schmälern können.

Zu unseren Aufgaben gehört, Ausgaben infrage zu stellen, Wirtschaftskraft zu stärken, Fehlanreize zu beseitigen und kleinteilige bürokratische Lasten zu entfernen. Das ist anstrengend, das ist kleinteilig, und es wird auch anstrengend bleiben. Man muss wohl mit dem Blick nach außen feststellen, dass uns nichts geschenkt wird; aber wir haben alles in der Hand.

Deutschland kann, will und muss ein Land sein, in dem man sich Unternehmern, Gründern und Menschen, die den Mut haben, etwas auf die Beine zu stellen, nicht in den Weg stellt, sondern ihnen neue Wege eröffnet, damit aus Ideen Produkte, aus Produkten Geschäftsmodelle, aus jenen wiederum Märkte entstehen und aus Märkten Wachstum, das wir dringend brauchen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
3 Vermerkeca. 588 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Heute vor 36 Jahren konnten die Menschen in der DDR zum ersten Mal frei wählen. Dieses Datum erinnert uns daran, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind. Wir müssen sie immer wieder gemeinsam gestalten und schützen. Demokratie braucht Verlässlichkeit, Sicherheit und Zuversicht.

Die Verkehrswege in Deutschland müssen ebenso zuverlässig und sicher sein. Genau hier spielt unsere Infrastruktur eine zentrale Rolle. Wenn Infrastruktur zerfällt, bröckelt auch das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Staates. Gute Verkehrswege sind die Grundlage dafür, dass Deutschland leistungsfähig und lebenswert bleibt. Sie ermöglichen Mobilität und Freiheit, sichern wirtschaftliche Stärke und machen unser Land in Krisenzeiten handlungsfähig.

Die Aufgabe des Bundesverkehrsministeriums ist es, Mobilität für all diese Bedürfnisse zu sichern: auf Straßen, Schienen, zu Wasser und in der Luft. An vielen Stellen ist das derzeit allerdings noch nicht der Fall. Wir haben hier massiven Nachholbedarf. Sie kennen die Beispiele: Brücken, Tunnel und Straßen, die jahrelang auf Sanierung warten; Bahnstrecken, deren Ausbau sich über Jahrzehnte zieht; Autobahnlücken, die dringend geschlossen werden müssen. Deshalb hat diese Bundesregierung ein klares Ziel: Wir bauen den Sanierungsstau konsequent ab und investieren umfangreich. Mehr noch: Wir haben uns vorgenommen, die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur dauerhaft zu sichern.

Dafür schaffen wir die notwendigen politischen, finanziellen und rechtlichen Grundlagen. Wir arbeiten an einem Comeback der Infrastruktur, zum Beispiel mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz. Damit gehen wir einen längst überfälligen Schritt. Wir schaffen einen modernen, rechtssicheren Rahmen, damit Deutschland schneller und effizienter bauen kann – ohne Abstriche bei Umwelt- oder Beteiligungsrechten. Wir stellen klar, dass alle wichtigen Infrastrukturvorhaben – auf der Straße, auf der Schiene und auf dem Wasser – künftig im überragenden öffentlichen Interesse liegen. Damit zeigen wir, dass es ein starkes öffentliches Interesse daran gibt, diese Projekte schnellstmöglich umzusetzen.

Künftig werden außerdem Planfeststellungsverfahren vollständig digital geführt: vom Antrag über die Beteiligung der Öffentlichkeit bis zur finalen Entscheidung. Kurzum: Brücken, Straßen, Schienen und Wasserwege können künftig schneller und verlässlicher geplant und modernisiert werden als bisher. So hilft das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, dass wir mit vorhandenen Mitteln mehr Projekte umsetzen und Kosten reduzieren können. Bürger und Unternehmer werden spüren: Deutschland bewegt sich wieder nach vorne. Wir reden nicht nur über Fortschritt, wir gestalten ihn.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Isabel Cademartori [SPD]

Wir kümmern uns zudem ganz besonders um die Schiene. Bahnfahren in Deutschland muss wieder zuverlässiger und besser werden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Hier setzen wir mit unserer „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ an, die wir Schritt für Schritt konsequent umsetzen. Zwei Sofortprogramme aus der Agenda hat die Bahn angestoßen. Die Taskforce „Zuverlässige Bahn“ tagt derzeit, und wir gehen davon aus, dass wir bis Ende der Woche Ergebnisse präsentieren können.

Mobilität muss außerdem für alle bezahlbar bleiben, auch für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind. Deshalb hat die Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt, die Kosten für den Führerschein zu senken. Damit das gelingt, wollen wir die Fahrausbildung grundlegend modernisieren – ohne Abstriche bei der Sicherheit. Wir bauen Bürokratie ab, machen die Ausbildung einfacher und günstiger. Mehr Transparenz sorgt dafür, dass Preise vergleichbar werden und der Wettbewerb fairer wird. All das setzen wir gemeinsam mit allen Beteiligten um: nachvollziehbar und Schritt für Schritt.

Mit dem Digitalen Fahrzeugschein tragen wir zudem dazu bei, dass Alltag und Verwaltung bürgerfreundlicher werden: weniger Papier, weniger Bürokratie. Bisher wurden die App sowie der Fahrzeugschein mehr als 1,5 Millionen Mal digital heruntergeladen.

All diese Maßnahmen zeigen: Wir setzen da an, wo es die Bürgerinnen und Bürger von uns erwarten. Wir handeln dort, wo Politik wirkt: ganz konkret im Alltag der Menschen und in der Realität unserer Wirtschaft. Wer Mobilität stärkt, stärkt Freiheit, Teilhabe und Zusammenhalt. Und genau daran arbeiten wir.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Roloff [SPD]
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 64 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, wir reagieren mit einem Dreiklang. Erstens. Wir werden Tankstellen nur noch erlauben, einmal am Tag die Preise zu erhöhen, damit die Kunden Transparenz haben. Zweitens. Wir schärfen das Kartellrecht und werden die Entstehung der Preise und die intransparenten Preisstrukturen einer Überprüfung unterziehen. Drittens. Wir beteiligen uns an einer internationalen Aktion zur Freigabe von Ölreserven, um damit auf den Märkten Entlastung zu schaffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Isabel Cademartori
Foto: Photothek Media Lab
ca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
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Meine Frage geht an den Verkehrsminister. – Sehr geehrter Herr Verkehrsminister Schnieder, die Eskalation rund um den Irankrieg und insbesondere die Sperrung der Straße von Hormus verursachen eine sehr prekäre Lage in der Wirtschaft. Insbesondere steigende Energiepreise belasten Privatpersonen sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland stark, aber auch die Logistikbranche, die wir als Verkehrspolitiker besonders im Blick haben.

Angesichts dieser Herausforderungen ist meine Frage: Wie blicken Sie auf die Lage und insbesondere auf das Geschäftsgebaren der Mineralölkonzerne? Wenn wir dem Umstand Rechnung tragen, dass die Steuern und Abgaben beispielsweise in Italien höher sind als in Deutschland und gleichzeitig die Spritpreise um 30 Cent niedriger: Wie monitoren Sie die Lage, und wie bewerten Sie sie?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, ich kann an das anschließen, was Kollegin Reiche vorgetragen hat. Wir sehen vor allem auch im Unterschied zu anderen Ländern viel deutlichere Preissprünge in Deutschland, unabhängig vom Rohölpreis. Offensichtlich gibt es Mechanismen, die nicht vergleichbar sind mit der Lage anderswo.

Deshalb müssen wir den Fokus darauf richten, diese Mechanismen hier zu unterbinden. Da geht es um eine stärkere Kontrolle und gegebenenfalls ein Einschreiten nach dem Kartellrecht, aber auch um den Versuch preisdämpfender Maßnahmen, sei es durch die Vorgabe, nur einmal am Tag den Preis erhöhen zu dürfen, oder sei es, wie die Bundesregierung es schon getan hat, durch Freigabe der Ölreserven, damit die Mengen erhöht und dieser besondere Preisanstieg bei uns in Deutschland aufgefangen werden kann.

Porträt von Isabel Cademartori
Foto: Photothek Media Lab
ca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben festgestellt, dass der Preisanstieg in Deutschland besonders gravierend und auch nicht ganz erklärbar ist. Sehen Sie die Möglichkeit, gegen potenzielle Übergewinne von Mineralölkonzernen vorzugehen, um diese Abzocke der Fahrenden zu beenden?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Hier müssen wir vor allen Dingen den Wettbewerb in den Blick nehmen: Funktioniert der Wettbewerb auf dem Markt, oder funktioniert er nicht? Das sind gerade die Aufgaben des Kartellamts. Da greift das Kartellrecht.

Wir müssen alle Instrumente nutzen, die wir haben, um solche nicht erklärbaren bzw. ganz offensichtlich ohne Substanz vorgenommenen Preiserhöhungen zu unterbinden.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
2 Vermerkeca. 164 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Frage geht an Frau Ministerin Reiche. – Nachdem 2022 Wladimir Putin die Ukraine überfallen hat, hat es nur wenige Tage gedauert, bis damals Robert Habeck einen Maßnahmenkatalog vorgelegt hat. Sie haben die ersten Wochen erst mal beobachtet. Robert Habeck hat damals 2,5 Milliarden Euro an Übergewinnen bei den fossilen Konzernen abgeschöpft, auch um die Preise an den Tankstellen zu senken. Unter Robert Habeck ist das 9-Euro-Ticket eingeführt worden.

Das muss ja ein toller Typ gewesen sein!

Unter Robert Habeck sind große Milliardenbeträge an Entlastung an die Menschen gegangen. Sie sollten die Krise jetzt managen. Ansonsten laufen Sie Gefahr, zum Gesicht der Krise zu werden.

Deswegen die ganz konkreten Fragen an Sie: Wann kommt die Initiative für eine Übergewinnsteuer? Wann kommt die Initiative für ein 9-Euro-Ticket? Wann kommt die Initiative, endlich ganz konkret die Stromsteuer für alle in Deutschland zu senken?

Sie haben das lange angekündigt, aber nie umgesetzt. Es wäre jetzt an der Zeit, dass Sie zur Managerin der Krise und nicht zum Gesicht der Krise werden.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter, für Ihre Fragen. – Zum Managen einer Krise gehört, Krisen miteinander zu vergleichen. Nach dem Wegfall von Gasmengen – physischen Mengen – aus Russland quasi über Nacht haben wir uns Gott sei Dank schnell freigeschwommen.

Das, was wir jetzt sehen, ist etwas anderes. Wir haben in Deutschland keine physischen Engpässe, wir haben Preissprünge. Und auf physische Engpässe muss man anders reagieren als auf Preissprünge. Deswegen beschäftigen wir uns mit jenen Preissprüngen und gehen da hin, wo es wehtut.

Mein Vorgänger im Amt und auch Ihre damalige Koalition sind nämlich nicht weit genug gegangen. Sie haben versucht, das Kartellrecht zu schärfen. Sie sind allerdings auf halber Strecke stehen geblieben. Nun verhindern laufende Verfahren beim OLG Düsseldorf das Weiterführen von Sektoruntersuchungen. Hätten wir die nicht, wären wir schon weiter mit der Preistransparenz.

Das Thema Stromsteuer haben wir uns vorgenommen. Es wird behandelt, sobald die Möglichkeiten im Haushalt dazu da sind.

Beifallbei der CDU/CSU
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
3 Vermerkeca. 58 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Die gesamte Bundesregierung, Herr Abgeordneter, ist dabei, diese Krise zu managen; jeder in seinem Ressort. Sie können sich darauf verlassen, dass mein ganzer Einsatz dem Wohle unseres Landes gilt.

Das sind Stasimethoden! Tut mir leid!

Der Unterschied zwischen Ihnen und uns ist: Wenn wir feststellen, dass der Koalitionsvertrag nicht ausreicht, gehen wir neue Wege, und das ist mit der Schärfung des Kartellrechts nun geschehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Roloff [SPD]

Und die E-Mails?

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Porträt von Michael Kießling
Foto: DBT/ Stella von Saldern
ca. 44 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Frage richtet sich an Frau Reiche. Frau Reiche, der Tourismus ist bei uns in Deutschland ein starker Faktor. Er schafft viele Arbeitsplätze und trägt stark zum Bruttoinlandsprodukt bei. Wie bewerten Sie die Rolle des Tourismus im Rahmen Ihrer Wirtschaftsstrategie?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter, für die Frage. – In der Tat ist der Tourismus eine wichtige Branche. Er ist häufig durch kleine und mittelständische Familienunternehmen, aber auch durch große Unternehmen geprägt. In der Tourismuswirtschaft wird für 2026 ein Umsatz von 86 Milliarden Euro erwartet – eine Wachstumsbranche.

Die Branche steht allerdings auch vor Herausforderungen. Darauf haben wir reagiert, unter anderem mit dem Absenken der Mehrwertsteuer. Wir arbeiten an der Flexibilisierung der Arbeitszeit hin zu einer Wochenarbeitszeit, was für diesen Sektor wichtig ist; denn Familienfeiern oder Hochzeiten dauern auch mal länger. Insgesamt spielt die Branche eine wichtige Rolle in der Fläche und in den Regionen. Die ganz unterschiedlichen Angebote bereichern unser Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Michael Kießling
Foto: DBT/ Stella von Saldern
1 Vermerkca. 37 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Ich habe noch eine Nachfrage. Es sind ungefähr 6,8 Prozent der Erwerbstätigen im sehr arbeitsintensiven Tourismus tätig. Wie schaffen wir es, weitere Menschen für die Arbeit im Bereich Tourismus zu gewinnen und zu begeistern?

Einfach nach Tarif bezahlen!

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 62 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Die Tourismusstrategie und die Deutsche Zentrale für Tourismus sind sozusagen die zwei Säulen, auf die unsere Tourismuspolitik beruht. Wir können gut für unser Land werben. Die Tourismusbranche ist eine attraktive, sehr vielfältige Branche. Die Deutsche Zentrale für Tourismus leistet hier eine gute Arbeit, um für unseren Standort und für Tätigkeiten in der Branche zu werben. Wir werden diese auch weiter auskömmlich fördern.

Beifallbei der CDU/CSU

Das wirkt aber nach außen und nicht nach innen! Das hat nichts mit den Mitarbeitern zu tun!

Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
1 Vermerkca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, Deutschland hat zu lange auf Gas und Verbrenner gesetzt. Und die aktuelle Energiekrise zeigt wieder, dass diese Abhängigkeit von fossilen Energien, also von Öl und Gas, ein riesiges Problem ist.

Die Verbraucher und die Wirtschaft leiden unter den explodierenden Preisen. Wir wissen, dass die Preisschwankungen in Zukunft zunehmen werden. Aber statt die Energiewende wirklich konsequent voranzubringen, würgen Sie sie ab. Sie würgen die Solarbranche ab. Sie bremsen die Windkraft aus. Sie bekämpfen die Wärmepumpen. Sie haben das Aus vom Verbrenner-Aus mitbeschlossen. Und Sie wollen die Gaskraftwerke ausbauen. Damit zementieren Sie die Abhängigkeit von Öl und Gas, statt uns daraus zu lösen. Das halte ich für unverantwortlich, und zwar sowohl klimapolitisch als auch ökonomisch als auch sozial, weil es die Menschen und die Wirtschaft sind, die unter den steigenden Preisen leiden.

Deshalb ist meine Frage: Warum zementieren Sie diese fossilen Abhängigkeiten, statt die Energiewende endlich zu beschleunigen?

Beifallbei der Linken
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 154 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete Wissler, diese Behauptung muss ich hier zurückweisen, weil wir an den Ausbauzielen für die erneuerbaren Energien nichts zurückgenommen haben, weil wir aber auch dafür sorgen, einen Fehler der Vergangenheit zu beheben. Wir sorgen nämlich für gesicherte Leistung.

Wir haben eine Unterdeckung mit gesicherter Leistung. Denn der Kohleausstieg schreitet planmäßig voran; wir nehmen den Klimaschutz nämlich sehr ernst. Auf Kernkraft können wir nicht mehr zurückgreifen. Insofern brauchen wir gesicherte Leistung, um unseren Industrieunternehmen die Sicherheit zu geben, weiter hier produzieren zu können.

Wir brauchen einen guten Mix in der Erzeugung. Wir werden weiter auf Solarenergie setzen, auch auf Windenergie. Wir arbeiten an einem Offshore-Paket. Wir werden den Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit dem Netzausbau zusammenbringen. Warum ist das wichtig? Die Akzeptanz der Energiewende wird entscheidend daran hängen, ob sie bezahlbar bleibt. Wir werden hier sozusagen die Entwicklung wieder vom Kopf auf die Füße stellen, um Strom in Deutschland bezahlbar zu halten.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
3 Vermerkeca. 93 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, Sie sprechen von der Akzeptanz der Energiewende. Ich würde gerne mal über die Akzeptanz Ihrer Energiepolitik sprechen.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es gibt eine repräsentative Umfrage, wonach fast 70 Prozent Ihre Energiepolitik ablehnen, und zwar über alle Parteigrenzen hinweg.

Die wollen bestimmt mehr Windräder!

Zurufdes Abg. Henning Rehbaum [CDU/CSU]

Die Änderungen beim Gebäudeenergiegesetz bedeuten „‚mehr“ oder „eher mehr“ Verunsicherung; das sagen 57 Prozent.

Besonders hart treffen diese Kostensteigerungen beim Gebäudeenergiegesetz die Mieterinnen und Mieter, die Menschen mit geringen Einkommen, die überhaupt keinen Einfluss auf ihre Heizungsform haben, weil sie es nicht entscheiden können. Wie genau will die Bundesregierung diese Mehrkosten für die Menschen sozial ausgleichen?

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lars Haise
Foto: AfD Kreisverband Rems-Murr
ca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Meine Frage richtet sich an den Verkehrsminister Schnieder. Herr Schnieder, wie Sie vielleicht wissen, bin ich selbst elf Jahre Eisenbahner gewesen. Wie viele meiner ehemaligen Kollegen im Kundenkontakt habe ich mit Spannung den Sicherheitsgipfel bei der Deutschen Bahn verfolgt und wie viele meiner Kollegen feststellen müssen, dass sehr viel über Symptome gesprochen wurde, aber wenig über die Ursachen für die Gewalt in Zügen und an Bahnhöfen.

Deswegen meine Fragen an Sie: Wurde im Rahmen des Bahn-Sicherheitsgipfels am 13. Februar auch thematisiert, ob ein auffälliges Täterprofil bei Gewalttaten gegen Bahnmitarbeiter festzustellen ist? Und falls ja, können Sie für die Bürger und die vielen Eisenbahner da draußen, die jeden Tag dafür sorgen, dass die Züge in Deutschland rollen, erläutern, welches Täterprofil Sie beim Sicherheitsgipfel diskutiert haben?

Porträt von Lars Haise
Foto: AfD Kreisverband Rems-Murr
ca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Minister. – Ihre Antwort ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht jedes Eisenbahners. Ich helfe Ihnen ein bisschen auf die Sprünge: Erkennen Sie an, dass über die Hälfte aller Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten gegenüber Bahnmitarbeitern ausländische Tatverdächtige sind? Erkennen Sie an, dass in diesem Zusammenhang Asylbewerber aus den Hauptherkunftsländern in der Polizeilichen Kriminalstatistik überproportional stark vertreten sind? Und erkennen Sie an, dass die Folgen der illegalen Massenmigration auch dazu führen, dass die Bahn als Arbeitsplatz und als Verkehrsmittel immer mehr an Attraktivität verliert? Antworten Sie bitte mit Ja oder Nein.

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, es handelt sich um eine ganze Vielzahl von Maßnahmen, bei denen wir zwischen Fernverkehr, für den Bund und Bahn zuständig sind, und Regional- und Nahverkehr differenzieren müssen. Wir wollen Mitarbeiter mit Bodycams ausstatten. Wir wollen die Videoüberwachung in Zügen, aber auch an Bahnhöfen verstärken. Wir wollen Präventionsmaßnahmen wie die Durchführung von speziellen Trainings ergreifen. Wir wollen prüfen, wie es organisiert werden kann, dass eine Kontrolle am besten von zwei Personen durchgeführt wird.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Ich muss auch noch mal zu dem Sicherheitsgipfel fragen. Wir alle haben zur Kenntnis genommen, dass die Gewalt gegenüber Zugpersonal massiv zunimmt. Jetzt versuchen Sie, den Eindruck zu vermitteln, das sei immer schon so gewesen, und drucksen beim Täterprofil herum. Wir sehen also eine Gewaltzunahme in den Zügen, und jetzt hätte ich mir gedacht, dass die Gewalt bekämpft wird. Aber Ihr Lösungsvorschlag war: Wir kontrollieren weniger. – Das könnte ja jetzt zum Geschäftsmodell werden: Ich gucke ein bisschen aggressiv und werde nicht mehr kontrolliert. – Was genau sind denn jetzt die Vorgaben für die Zugbegleiter? Bei welchem Verhalten des zu Kontrollierenden sollte lieber doch keine Kontrolle durchgeführt bzw. darauf verzichtet werden?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, ich habe es gerade schon gesagt: Wir müssen das ein bisschen differenzierter betrachten. Im Fernverkehr sind Züge durchgehend mit zwei oder vier DB-Mitarbeitern besetzt; da muss keiner alleine im Zug sein. Im Nahverkehr kontrolliert in den allermeisten Zügen – auch spätabends – nur eine Person. Da muss man sich überlegen, wie man das intelligenter gestalten kann. Es gibt nicht nur „kontrollieren oder nicht kontrollieren“. Man kann es stichprobenartig machen wie in der U-Bahn – da fährt auch nicht dauernd einer mit – oder am Bahnsteig, man kann Zweierteams bilden. Das muss man diskutieren, und dann kommt man zu Ergebnissen.

Porträt von Maximilian Kneller
Foto: Maximilian Kneller/ Tobias Ebenberger
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister, auch ich muss Ihnen da noch mal ein bisschen auf die Sprünge helfen. Ich habe im letzten Monat, als das Thema „Gewalttäter in der Bahn“ aufkam, beim Innenministerium nachgefragt. Es war ja auch bei uns im Ausschuss Thema. Auch dort wurde schon von Ihrem Haus die Linie vertreten, es gebe kein eindeutiges Täterprofil und keine Signifikanz. Ich frage Sie, warum mir dann das Innenministerium antwortet, dass der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen bei exakt 51 Prozent liegt, und das bei einem Bevölkerungsanteil von nur 17 bis 18 Prozent. Erkennen Sie darin eine Signifikanz, oder erkennen Sie diese nicht?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
2 Vermerkeca. 70 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, ich darf noch mal darauf hinweisen: Wir müssen die ganze Breite der Delikte sehen. Es kommt eine ganze Reihe von Delikten vor,

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

und es handelt sich um unterschiedlichste Gruppen von Tätern. Es geht darum, die Kriminalität, die Gewalt zu bekämpfen. Darum geht es, und dafür wollen wir zutreffende Maßnahmen ergreifen. So haben wir uns verabredet. Nicht alles ist von heute auf morgen umsetzbar; wir werden es schrittweise angehen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Luigi Pantisano
Foto: Luigi Pantisano / Sophie Tichonenko
2 Vermerkeca. 97 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister Schnieder, ich möchte alle hier daran erinnern, dass das Opfer Serkan ein Beschäftigter der Deutschen Bahn mit Migrationsgeschichte war.

Das macht die Sache doch auch nicht besser oder schlechter!

Wenn wir schon über den Ausländeranteil sprechen, dann sollten wir auch über den hohen Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte unter den Beschäftigten der Bahn sprechen.

Da wir bei den Beschäftigten sind: Die EVG und die Beschäftigten fordern ganz klar eine doppelte Belegung beim Servicepersonal. Sind Sie bereit, die dazu notwendigen Gelder zur Verfügung zu stellen, Herr Minister, damit die Sicherheit dort besser wird und steigt, wo es sich auch die Beschäftigten wünschen?

Beifallbei der Linken
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, ich habe gerade schon darauf hingewiesen, dass wir differenzieren müssen. Für den Fernverkehr sind der Bund und die Deutsche Bahn zuständig. Dort stellt sich dieses Problem in aller Regel nicht. Ein Problem stellt sich dort, wo wir Einzelbesatzungen haben. Das ist im Regional- und Nahverkehr der Fall, und dafür ist der Bund nicht zuständig. Das müssen die Länder klären. Da sind wir miteinander im Gespräch – so haben wir es auch beim Sicherheitsgipfel vereinbart –, wie wir Lösungen dafür finden, dass niemand mehr alleine kontrollieren muss.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
ca. 130 WörterReaktionswert: ruhig
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Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin Reiche, die EU-Kommission hat jetzt endlich ihren Plan vorgelegt, wie sie die europäische Industrie schützen und ausbauen will. Wichtiger Teil davon sind die europäischen Präferenzregeln, über die wir gelegentlich diskutieren. Staatliches Geld, das ausgegeben wird, muss also der heimischen Wirtschaft zugutekommen.

Stahl ist von dieser Vorgabe aktuell ausgenommen, was nicht nur in Anbetracht der Schwemme von subventioniertem Stahl zum Beispiel aus Fernost ein fatales Signal ist. Es führt weiterhin zu einer Bedrohung von Zehntausenden Arbeitsplätzen. Jenseits dessen ist Stahl Grundstoff für Autos, Maschinenbau und auch in der Sicherheitstechnik. Der Bundeskanzler hat sich klar dazu bekannt, dass Stahl Teil der europäischen Präferenzregeln sein sollte, die SPD sowieso schon länger. Wird sich die Bundesregierung weiterhin dafür einsetzen, dass das auf europäischer Ebene so geregelt wird?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, vielen Dank für Ihre Frage. – Sie wissen, dass das Auswärtige Amt die Positionierung der Bundesregierung zum ER federführend koordiniert.

Zu der von Ihnen angesprochenen Situation im Stahlbereich. Es ist in der Tat so, dass einzelne Länder durch unfaire Handelspraktiken unsere Märkte mit stark subventionierten Produkten überschwemmen. Insofern ist es wichtig, entsprechende Instrumente zu stärken und den Schutz vor unfair hergestellten Produkten anzuheben. Das trifft insbesondere auf Stahl zu. Wir werden in Teilbereichen, unter anderem bei Flachstählen, Schutzverfahren anstreben.

Zur Präferenz haben wir uns darauf geeinigt, nicht „Made in Europe“, sondern „Made with Europe“ anzustreben, um Partner, mit denen wir Freihandelsabkommen haben, nicht auszuschließen, sondern zu inkludieren.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Antwort. – Die Bundesregierung nimmt ja 500 Milliarden Euro in die Hand, um unsere Infrastruktur wieder fitzumachen. Das soll natürlich auch der heimischen Industrie zugutekommen. Dafür sind die Vorgaben aus Brüssel, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen, natürlich relevant. Wann rechnet die Bundesregierung aktuell mit einer Umsetzung der Brüsseler Regeln in nationales Recht? Und gibt es auch Vorkehrungen, das zeitnah ins nationale Vergaberecht zu übertragen?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir wollen alles dafür tun, um diese Regeln schnell umzusetzen. Sie wissen, dass wir daran arbeiten. Und wir sind mit den dafür relevanten Häusern in der Vorbereitung.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Präsident. – Ich habe eine Nachfrage zu IAA. Frau Ministerin, Sie hatten sich ja skeptisch gegenüber „Made in Europe“ bzw. „Made with Europe“ gezeigt. Nun ist – Stand jetzt – insbesondere der Chipbereich „Made in Europe“, also die Halbleiterproduktion, herausgefallen. Ich frage Sie: Sind Sie der Meinung, dass auch die Halbleiterproduktion wieder vermehrt in Europa stattfinden sollte? Und setzen Sie sich dafür ein, dass die Chipherstellung auch im IAA berücksichtigt wird?

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, zurück zum Stahl. Die Vorgängerregierung hat deutschen Stahlkonzernen sehr hohe Fördergelder in Aussicht gestellt bzw. auch ausgezahlt für die Herstellung von grünem Stahl im Inland. Exemplarisch seien nur die 500 Millionen Euro an thyssenkrupp genannt. Diese Empfänger, unter anderem auch thyssenkrupp, haben allerdings öffentlichkeitswirksam Abstand von diesen Projekten genommen aus wirtschaftlichen Gründen. Ich möchte Sie daher fragen, inwiefern Ihr Haus erfolgreich dabei ist, die ausgezahlten Fördergelder wegen Nichterfüllung wieder zurückzuholen.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 55 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die schwierige Situation der deutschen Stahlindustrie beschäftigt uns und lässt uns nicht kalt, ganz im Gegenteil. Aber es gibt auch erfolgreiche Projekte, wie zum Beispiel das Projekt von Salzgitter Stahl. Der Stahlkonzern investiert vermehrt in grünen Stahl und arbeitet dabei mit Regionalversorgern zusammen. Insofern stellen wir hier sicher, dass die Fördermittel auch ausgezahlt werden können.

Porträt von Agnes Conrad
Foto: Agnes Conrad/ Karl-Ludwig Reuter
1 Vermerkca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sie hatten schon indirekt Kritik daran geäußert, dass prekäre Arbeitsbedingungen in anderen Ländern die Preise drücken. Entsprechend frage ich Sie zum Industrial Accelerator Act: Studien etwa der Hans-Böckler-Stiftung haben bereits darauf hingewiesen, dass soziale Konditionen wie Tarifbindung oder Beschäftigungssicherung bisher gar nicht vorgesehen sind. Warum setzt sich die Bundesregierung auf EU-Ebene nicht dafür ein, dass öffentliche Industriepolitik an soziale Kriterien und gute Arbeit gebunden wird?

Beifallbei Abgeordneten der Linken
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wir tun innerhalb der Bundesregierung einiges dafür, dass das passiert,

unter anderem indem wir das Gesetz zur Tariftreue verhandeln. Das ist insbesondere für meine Partei nicht ganz einfach. Aber wir fühlen uns an den Koalitionsvertrag gebunden und haben ein Interesse an guten Arbeitsplätzen.

Der Industrial Accelerator Act – wenn ich mir das noch erlauben darf – wird wahrscheinlich nicht zu einer Beschleunigung der europäischen Beschaffung führen. Er ist zu kompliziert und erfährt Kritik. Wir müssen uns für eine wirksame Beschleunigung von Vergaben einsetzen.

Porträt von Franziska Brantner
Foto: Dr. Franziska Brantner/ Florian Reichelt
3 Vermerkeca. 134 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herzlichen Dank. – Frau Reiche, Sie wurden 1973 geboren, als die Bundesrepublik ihre erste Ölkrise erlebte.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Seither haben die fossilen Abhängigkeiten von Scheichs, von Putin, von den Launen eines US-Präsidenten unserem Land mehrfach geschadet. Wir sind wieder in einer fossilen Krise. Und Sie versuchen, das sinkende Schiff zu retten, indem Sie ein Loch reinbohren, nach dem Motto: „Drill, baby, drill!“ Dabei haben Sie Experten gefragt. Der Monitoringbericht hat klar gesagt: Machen Sie weiter mit Sonne, mit Wind, Digitalisierung, Elektrifizierung, Speicherstrategie.

Die strategischen Windreserven können wir ja freigeben!

Aber Sie machen das Gegenteil.

Daher meine Frage an Sie: Wie viele Kriege braucht es noch, bis Sie verstehen, was die Bürgerinnen und Bürger täglich in unserem Land an den Tankstellen erleben? Wann hören Sie auf, auf Öl und Gas zu setzen, und sorgen mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie für unsere Unabhängigkeit?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete Brantner, wir verfolgen eine ganz klare Strategie. Wir halten am Ausbau der Erneuerbaren fest und werden dennoch dafür sorgen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien kosteneffizienter umgesetzt werden kann. Wir holen nach, was Sie versäumt haben, nämlich für gesicherte Leistung der Kraftwerke zu sorgen. Allein im letzten Winter standen an bis zu elf Tagen am Stück weder Wind noch Sonne zur Energiegewinnung zur Verfügung, und unsere Energieversorgung war auf gesicherte Leistung angewiesen.

Sie haben dieses Problem ignoriert. Wir haben es zusammen mit der Expertenkommission gelöst. Wir setzen weiter auf den Fernwärmeausbau und halten an der BEW-Förderung fest. Und wir fördern auch weiter den Wärmepumpeneinbau. Wir sorgen dafür, dass das Heizungsgesetz des Vorgängers repariert wird, dass wieder Vertrauen in Investitionen und in andere nachhaltige Wärmelösungen entsteht. Ein Gesetz, das Sie zu verantworten hatten, hatte das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher nachhaltig zerstört.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Franziska Brantner
Foto: Dr. Franziska Brantner/ Florian Reichelt
1 Vermerkca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Reiche, nur der Fakten halber: Den Bau neuer Gaskraftwerke haben Sie ungefähr um ein Jahr verzögert.

Zu dem, was Sie gerade gesagt haben. Mit Blick auf die Heizkosten: Haben Sie Berechnungen, um wie viel sich die Heizkosten für einen durchschnittlichen Haushalt erhöhen werden aufgrund der steigenden Grüngasquote in den Jahren 2030, 2040 und folgende? Wie viel teurer wird es für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens würden uns die Kernenergie und insbesondere SMR in dieser Situation nicht helfen, weil sie gerade entwickelt werden. Zweitens ist es sinnvoll, sich für alle Technologien zu interessieren und diese zu verstehen. Drittens ist es wichtig, sich darauf zu konzentrieren, was jetzt ansteht. Es ist ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket aus Kraftwerkssicherheitsgesetz, Reform des Kapazitätsmarkts, Novelle des EEG, Netzanschlusspaket und Offshore-Windenergie-Paket. Damit wollen wir Energiesicherheit, Bezahlbarkeit und die Energiewende in Deutschland voranbringen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lorenz Gösta Beutin
Foto: Lorenz Gösta Beutin / Alexander Klebe
3 Vermerkeca. 75 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Ministerin, Sie sprechen hier sehr viel von Bezahlbarkeit. Ich möchte Sie gerne darauf hinweisen, dass Sie an dieser Stelle leider Fake News verbreiten. Angesichts aktueller Berechnungen sieht es ein bisschen anders aus. Sie wollen ja weiterhin Öl- und Gasheizungen erlauben; das ist aber ein Problem. Nach aktuellen Berechnungen hat man, wenn man einen Biomethananteil von 10 Prozent beimischt,

Zurufvon der CDU/CSU

bei einem Einfamilienhaus Mehrkosten von etwa 429 Euro.

Das heißt, Sie fördern Unbezahlbarkeit mit Ihrer Politik.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
2 Vermerkeca. 67 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Erstens nehmen wir die Angst der Verbraucherinnen und Verbraucher, dass sie Technologien nicht mehr nutzen können und dass sie mit ihren Investitionen überfordert und allein sind, ernst. Wir geben dem Markt wieder Sicherheit zurück. Zweitens kenne ich andere Studien.

Zurufdes Abg. Lorenz Gösta Beutin [Die Linke

Aber es nützt jetzt nichts, wenn wir uns hier über Studien unterhalten. Wir werden jedenfalls bis zum Sommer verlässliche Berechnungen vorlegen, so wie es die Koalitionsarbeitsgruppe beschlossen hat.

Porträt von Henning Rehbaum
Foto: Henning Rehbaum/ Tobias Koch
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Schnieder, die große Mehrheit der Menschen in unserem Land ist im Alltag auf das Auto angewiesen. Sie brauchen das Auto für die Arbeit, für das Familienleben, für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, für ihr Ehrenamt. Für junge Menschen ist der Führerschein die Eintrittskarte ins Berufsleben.

Sie haben sich zu Beginn Ihrer Amtszeit an die Spitze der Bewegung gesetzt. Sie wollen den Führerschein moderner und günstiger machen und entwickeln gerade gemeinsam mit den Bundesländern entsprechende Maßnahmen. Was wird dort gerade entwickelt, und können Sie ungefähr voraussagen, wann wir hier im Parlament einen entsprechenden Gesetzentwurf beraten können?

Porträt von Henning Rehbaum
Foto: Henning Rehbaum/ Tobias Koch
ca. 34 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Nach Verabschiedung dieses Gesetzes wird es möglicherweise nicht abrupt zu einer deutlichen Kostensenkung kommen. Warum ist das so? Und was empfehlen Sie jetzt den jungen Menschen, die vorhaben, einen Führerschein zu machen?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe das von Anfang an kommuniziert und bin auch im Herbst mehrfach aktiv an die Presse gegangen. Wer jetzt den Führerschein machen will, der soll ihn machen; er soll nicht abwarten. Mobilität ist ein Grunderfordernis, gerade für die Menschen im ländlichen Raum; da sind sie auf den Führerschein angewiesen. Sie sollen ihn jetzt machen. Warum wirkt das nicht sofort? Die Möglichkeiten, die wir mit dem Abbau von Vorschriften und Bürokratie bieten, brauchen eben eine gewisse Zeit, bis sie sich am Markt niederschlagen.

Porträt von Harald Orthey
Foto: Harald Orthey/ Simone Reichelt
ca. 32 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrter Herr Minister Schnieder, Kritiker führen aus, dass die Verkehrssicherheit unter der geplanten Reform leiden werde. Wie gewährleisten Sie, dass die Reform nicht zulasten der Sicherheit geht?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben uns, Herr Abgeordneter, zusammen mit den Ländern vorgenommen, dass wir das einfacher gestalten wollen und damit auch günstiger. Aber das darf nicht zulasten der Verkehrssicherheit gehen; das berücksichtigen alle Vorschläge, die wir machen. Ich will das nur ganz kurz erläutern: Wenn man den Fragenkatalog für die theoretische Prüfung von 1 169 auf vielleicht 800 Fragen herabsenkt, muss das nicht mit dem Verlust an Verkehrssicherheit einhergehen. Ganz im Gegenteil: Wenn man sich auf die Basics konzentriert, die für die Verkehrssicherheit notwendig sind, ist damit, glaube ich, mehr getan.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Isabel Cademartori [SPD]
Porträt von Julian Joswig
Foto: Julian Joswig / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 108 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Bundesminister Schnieder, seit dieser Woche wissen alle Menschen im Land, dass diese Bundesregierung nicht mit Geld umgehen kann.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufevon der AfD

Laut dem ifo-Institut wurden 95 Prozent des Sondervermögens zweckentfremdet. Jetzt wollen Sie als Regierung eine neue E-Auto-Förderung auf den Weg bringen – 3 Milliarden Euro aus dem KTF, aus dem Klimatopf, nicht nur für E-Autos, sondern auch für Range Extender und Plug-in-Hybride. Klimapolitisch ein Wahnsinn! Sie haben das nicht mal an Autos made in Europe geknüpft; es können auch Autos aus China subventioniert werden. Wie wollen Sie den Fabrikarbeitern bei Opel in Kaiserslautern erklären, dass ihre Steuergelder für chinesische Autos versubventioniert werden?

Zurufevon der CDU/CSU und der AfD
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
2 Vermerkeca. 60 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Abgeordneter, zunächst darf ich an den Beginn Ihrer Frage zurückgehen und möchte festhalten, dass 2025 in meinem Ressort fast alle Mittel aus dem Sondervermögen, insbesondere wenn ich alle Verkehrsinvestitionen zusammennehme, abgeflossen sind.

– Das ist einfach ein Fakt; das können Sie nicht wegdiskutieren. – Fast alle Mittel sind abgeflossen. Insofern war diese Unterstellung schon mal falsch.

Und zur Frage?

– Die Zeit ist leider um.

Porträt von Maximilian Kneller
Foto: Maximilian Kneller/ Tobias Ebenberger
ca. 91 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Bundesminister, Sie haben es eben schon vorsichtig kosmetisch angedeutet: Alle Fahrschulen haben flächendeckend massive Rückgänge bei den Anmeldezahlen zu verzeichnen. – Das ist eine Marktunsicherheit, die Sie durch Ihre Ankündigungen geschaffen haben, in denen nebulös gesagt wird: Das alles wird günstiger und einfacher. – Junge Leute, die den Führerschein aufschieben können, tun dies momentan. Deswegen gehen die Anmeldezahlen zurück.

Welchen verbindlichen Zeitrahmen können Sie den mittelständischen Fahrschulen nennen, damit sie endlich wieder ein bisschen Sicherheit gewinnen und damit nicht noch mehr Fahrschulen schließen müssen und noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen?

Porträt von Ricarda Lang
Foto: Grüne Fraktion/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister, Sie haben gerade gesagt: „Mobilität ist ein Grunderfordernis.“ Das heißt auch: Sie darf kein Luxus werden. – Gerade sind die Preise sehr hoch. Wir hatten eine vergleichbare Situation 2022. Damals hat die Regierung Millionen von Bürgern mit dem 9-Euro-Ticket entlastet. Jetzt könnten Sie dasselbe machen, sogar finanziert durch die Übergewinne der Ölkonzerne, die sich an dieser Krise bereichern. Meine Frage an Sie ist: Warum wollen Sie den Bürgern diese Entlastung vorenthalten?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, wir haben ein Deutschlandticket, und dieses Deutschlandticket ist hoch attraktiv. Wir haben daneben überhaupt die Möglichkeit des ÖPNV, der gerade bei einer solchen Preissituation seine Vorteile sogar noch ausgestalten kann. Die Menschen haben, was den ÖPNV betrifft, alle Möglichkeiten, die man sich wünschen kann. Insofern bedarf es dieser Maßnahmen im Moment jedenfalls überhaupt nicht.

Porträt von Luigi Pantisano
Foto: Luigi Pantisano / Sophie Tichonenko
2 Vermerkeca. 91 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das passt sehr gut im Anschluss daran. – Herr Minister Schnieder, seit gut zwei Wochen explodieren die Benzinpreise, Mineralölkonzerne machen sich auf unsere Kosten ordentlich die Taschen voll, und von Ihnen als Verkehrsminister höre ich keine konkreten Maßnahmen zur Entlastung privater Haushalte. Wann führen Sie endlich das 9-Euro-Ticket wieder ein?

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Für Millionen von Menschen hat das Ticket 2023 den Geldbeutel nämlich ganz konkret entlastet und damit den Weg zur Arbeit oder Schule sicherer gemacht. Oder sind Ihnen die Bosse der Mineralölkonzerne etwa wichtiger als die arbeitenden Menschen hier im Land?

Beifallbei der Linken
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, das ist eine Situation, in der wir mit dem Deutschlandticket nach wie vor ein hochattraktives Instrument haben, dessen sich die Menschen bedienen können. Wir haben es gerade erst bis 2030 verlängert, haben da Ruhe hineingebracht. 14 Millionen Kundinnen und Kunden in Deutschland nutzen das Deutschlandticket. Es ist noch mal deutlich günstiger als andere Fahrkarten im ÖPNV. Insofern brauchen wir im Moment kein 9-Euro-Ticket. Wir haben das Deutschlandticket, und das können die Menschen gut und gerne nutzen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
4 Vermerkeca. 83 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Kollege, Sie haben zu Beginn Ihrer Frage einen Zusammenhang hergestellt zwischen schnellem Fahren, hohen Spritkosten und kleinen Geldbeuteln.

Damit haben Sie hier gleich eine Lösung angedeutet, und ich will das durchaus bekräftigen. Ich kann Menschen nur empfehlen, mit angemessenem Tempo über die Autobahn zu fahren: 120 oder 130 km/h. Das spart auch Sprit.

Und damit schont es den Geldbeutel. Das liegt genau auf der Linie, die Sie hier verfolgen. Dem kann ich mich nur anschließen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufvon der AfD: Ich will das nicht!

– Sie haben auch einen großen Geldbeutel.

Kann man vielleicht Schilder aufstellen: „Der Verkehrsminister empfiehlt“!

Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Verkehrsminister, in der Ausgangsfrage ging es ja um das Deutschlandticket. Deshalb meine Frage dazu: Wie bewerten Sie denn den Erfolg bei der Gewinnung von Neukunden, von zusätzlichen Kunden, die wir in den ÖPNV bringen wollen? Und welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht dabei die Entlastung der Bürger von der Inflation?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben, Herr Abgeordneter, mit der Verlängerung der Finanzierung des Deutschlandtickets bis 2030 jetzt endlich die Zeit, uns verstärkt um Neuakquise, um Vertrieb, aber auch um effizientere Strukturen zu kümmern. Und da sind sicherlich die ersten Erfolge zu verzeichnen, wenn ich sehe, dass einzelne Branchen das Deutschlandticket in Tarifverträgen schon inkludieren. Wir wollen auch beim Jobticket zu mehr Nutzerzahlen kommen. Das alles wird auf das Konto des Deutschlandtickets einzahlen.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
1 Vermerkca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister, ein Tempolimit – darum ging es in der Nachfrage des Hauptfragestellers – würde nicht nur Kraftstoff sparen, es würde auch das Klima schützen. Seit Jahren reißt Ihr Haus konstant die Klimaziele, und Sie tun nichts dagegen. Meine Frage ist: Was wollen Sie den Menschen weiterhin erzählen? Dass es nicht möglich sei, auch mit Maßnahmen im Verkehrsbereich das Klima zu schützen? Warum kommen Sie da nicht ins Handeln?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
3 Vermerkeca. 83 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Abgeordneter, wenn Sie die Themen „Sicherheit“ und „Weniger Verkehrstote“ hier in den Mittelpunkt stellen, dann möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die unsichersten Straßen in Deutschland die Landstraßen sind, nicht die Autobahnen.

Da können wir auch ein Tempolimit machen!

Dort passieren die meisten schweren und tödlichen Unfälle. Und wenn Sie sehen, dass in Europa viele Länder ein Tempolimit haben, dort aber die Zahl der schweren Unfälle und Verkehrstoten deutlich höher ist als in Deutschland,

Aber wir könnten weniger haben!

Jeder ist einer zu viel!

dann möchte ich diesen Zusammenhang nicht einfach so stehen lassen, wie Sie ihn geschildert haben.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tarek Al-Wazir
Foto: Tarek Al-Wazir
2 Vermerkeca. 66 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Schnieder, um noch mal genau an das anzuschließen, was Sie nicht beantwortet haben: Ein Tempolimit würde die Sicherheit auf den Autobahnen erhöhen,

Am sichersten wäre es, gar nicht Auto zu fahren!

es würde den Geldbeutel schonen, und es würde das Klima schonen. Und wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie eigentlich auch dafür und empfehlen es den Bürgerinnen und Bürgern. Wird es also Teil Ihres Maßnahmenpakets zur Erreichung der Klimaschutzziele im Verkehrsbereich sein?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
2 Vermerkeca. 82 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Kollege Al-Wazir, das haben Sie richtig festgestellt. Ich empfehle Menschen, mit angepasster Geschwindigkeit und auf der Autobahn gerne maximal mit Richtgeschwindigkeit unterwegs zu sein. Aber es besteht da, wo das Tempo nicht limitiert ist, eben die Freiheit, es zu tun oder nicht zu tun.

Ja, das ist das Problem!

Genau das ist Ihr Problem! Richtig! Mit Freiheit haben Sie ein Problem!

Was wir im Klimaschutzprogramm vorfinden werden, das werden wir nächste Woche sehen. Wir haben eine ganze Fülle von Vorschlägen dort eingebracht. Das ist in der Abstimmung in der Bundesregierung, und das werden wir nächste Woche finalisieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind gespannt!

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
ca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin Reiche, meine Frage ist nicht, ob wir wieder in die Kernenergie einsteigen, sondern wann.

Die EU-Chefin von der Leyen hat gerade ganz klar gesagt: Es war ein schwerer strategischer Fehler, ausgestiegen zu sein. Ähnlich hat sich Bundeskanzler Merz geäußert. Wenn ich die letzten Monate hier im Plenum Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass immer mehr Ihrer Kollegen von der Union sagen, dass es ein Fehler gewesen ist. Sie haben ja bis zum Schluss in den Koalitionsverhandlungen darum gekämpft, dass das Thema im Koalitionsvertrag auch präsent ist. Deswegen die Frage: Was hindert Sie daran, wieder in die Kernenergie einzusteigen?

Wir sehen: Wir haben auf EU-Ebene 15 Staaten, die sich zu einer Nuklearallianz zusammengeschlossen haben, die also weiterhin auf Atomenergie setzen. Wir haben die verschiedensten Initiativen. Der bayerische Ministerpräsident Söder sagt, er möchte Minikernkraftwerke haben. Also überall hier in Europa und auf der Welt steht das Startsignal dafür. Warum nicht hier in Deutschland?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 144 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zum einen haben wir einen Koalitionsvertrag, der uns ein Maßnahmenset vorgibt.

Zurufvon der AfD

– Herr Kollege, lassen Sie mich doch bitte die Antwort zu Ende führen. – Zum Zweiten habe ich auch gesagt, dass es wichtig ist, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen. Dazu gehören SMR, dazu gehört Fusion, dazu gehören aber auch andere Technologien, die sich immer in einer Entwicklung befinden.

Für uns ist es wichtig, zu verstehen, was dort passiert, ohne eine Entscheidung zu treffen, ob es einen Einstieg in dieselbe gibt. Außerdem braucht man dann noch Unternehmen, die das Ganze auch umsetzen. Diese Signale habe ich noch nicht bekommen.

Wichtig ist, dass wir in anderer Hinsicht das Thema Kernenergie nicht aus dem Auge verlieren, weil es immer noch um die sichere Verbringung und Endlagerung geht oder auch den sicheren Rückbau. Hier sind wir nicht nur mit Expertise dabei, sondern in der Pflicht, diese Arbeiten fortzuführen.

Porträt von Julian Joswig
Foto: Julian Joswig / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 102 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Ministerin Reiche, ich möchte auch gerne auf Ihre Energiepolitik zu sprechen kommen.

Teile Ihres Zehn-Punkte-Plans zur Energiewende stammen laut Recherchen von Table Media fast wortgleich aus Lobbypapieren von RWE und EON, und auch im Netzpaket ist ein vermutlich EU-rechtswidriger Redispatch-Vorbehalt vorgesehen, der ebenfalls auf Vorschläge aus dem EON-Konzern zurückgeht.

Deshalb möchte ich Ihnen eine Frage stellen, die ganz viele Menschen in diesem Land aktuell umtreibt: Für wen machen Sie eigentlich Energiepolitik?

Das ist aber nicht so nah an der Ausgangsfrage!

Für die Menschen in diesem Land, für die Handwerksbetriebe, für die Mittelständler oder für Ihren alten Arbeitgeber? Das möchte ich Sie gerne fragen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 97 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Die von Ihnen angesprochenen Mittelständler, Herr Abgeordneter, die Industriebetriebe leiden vor allem darunter, dass die Stromkosten zu hoch sind, weil es Minister vor mir waren, die ignoriert haben, dass nicht nur der Ausbau der erneuerbaren Energien kostet, sondern auch die Systemkosten. Auf die Systemkosten hat keiner geschaut. Diese sind nicht mehr wegzudiskutieren, und Systemkosten kommen daher, dass der Ausbau der Erneuerbaren einhergehen muss mit dem Ausbau gesicherter Leistung und mit dem deutlichen Ausbau von Stromnetzen, mit Abregelung, mit der wir derzeit zu tun haben.

Sie haben eine ungeordnete Energiewende hinterlassen. Wir bringen da jetzt wieder Ordnung rein.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Stromsteuer können Sie trotzdem mal senken! Das haben Sie versprochen!

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
1 Vermerkca. 63 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, Sie sagen, dass Sie Atomkraft prüfen. Ihr Regierungschef sagt zu Atomkraft: Nein danke. – Der Ministerpräsident in Bayern, der selbst kein Atommüllendlager bei sich in Bayern möchte, sagt: Woanders könnten aber auf jeden Fall Atomkraftwerke stehen. – Warum bekommen Sie diesen Herren, der ja auch in den Koalitionsrunden mit dabei ist, nicht eingehegt? Wie gehen Sie mit ihm um?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Saskia Ludwig
Foto: Laurence Chaperon
3 Vermerkeca. 81 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herzlichen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, Deutschland war schon vor der Ukraine und auch vor dem Irankrieg eines der Hochpreisstandorte für Energie.

Doch nicht Habeck schuld!

Das liegt daran, dass der Atomausstieg beschlossen wurde, aber natürlich auch an der speziellen Eigenart unserer Energiewende. Sie sind noch nicht einmal ein Jahr im Amt, aber da ist einiges passiert.

Zurufvon der Linken: Ja, leider!

Können Sie bitte noch mal erklären, welche strukturellen Maßnahmen ergriffen wurden, damit die Energiepreise nicht so weit nach oben gingen, wie es eigentlich zu erwarten war? – Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das war eine harte Frage!

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
2 Vermerkeca. 82 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Wir haben zunächst Symptome kuriert, indem wir die Stromsteuer abgesenkt haben. Wir haben die Übertragungsnetzentgelte gesenkt, und wir haben die Gasspeicherumlage abgeschafft.

Wir haben mit Brüssel erfolgreich verhandelt, dass wir gesicherte Leistung haben, weil wir nicht zugucken konnten, dass Energie knapp ist. Gesicherte Leistung muss angeboten werden, sonst reagieren die Märkte mit hohen Preisen. Und wir planen jetzt ein ganzes Maßnahmenpaket, das wir hoffentlich kurz vor Ostern – wahrscheinlich wird es kurz nach Ostern werden – ins Kabinett bringen werden.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Doch!

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Ausstieg aus der Kernenergie: Die AfD ist ja seit Bestehen eigentlich dafür gewesen, die Kernenergie beizubehalten, weiter zu erforschen und auch weiter auszubauen. Sie alle anderen, wie Sie hier sitzen oder was auch immer Sie hier tun, waren dagegen. Inzwischen ist ein bisschen Schlauerwerden angesagt. Von der Leyen hat sich geäußert. Friedrich Merz hat sinngemäß auch gesagt: ein schwerer strategischer Fehler. Jens Spahn hat sich so geäußert.

Jetzt muss ich Sie fragen: Ist es damit getan, zu sagen: „Das war ein schwerer Fehler. Wir haben aus Versehen Hunderte Milliarden Euro Volksvermögen in die Luft gesprengt“? Oder sollte das Konsequenzen für diejenigen haben, die jahrelang einen völlig falschen Weg in der Energiepolitik gegangen sind?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, wir haben uns ja gerade mit Lars Klingbeil auf das vorliegende Maßnahmenpaket geeinigt, und das ist erst mal ein wichtiger Schritt. Es ist jetzt am Parlament, zügig dazu zu beraten.

Zum Kartellamt: Es ist richtig; die Sektoruntersuchung lag vor. Das Kartellamt ist auch tätig geworden. Nur enthält das existierende Gesetz die Einschränkung, dass, wenn es laufende Gerichtsverfahren gibt, die Sektoruntersuchung nicht weitergeführt werden kann. Aber wir müssen ja weiterkommen. Deswegen schärfen wir die Missbrauchsaufsicht an dieser Stelle. Wir kehren die Beweislast um.

Ich schlage vor, dass wir dieses Paket wirken lassen und dann über weitere Maßnahmen beraten – hoffend, dass diese kriegerische Auseinandersetzung nicht allzu lange dauert.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 63 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke schön. – Spritpreise runter, da sind wir uns einig. Die AfD sagt: durch die Senkung oder Abschaffung von Steuern und Abgaben. Sie gehen einen anderen Weg. Jetzt bin ich ja nur ein schlichter Bundestagsabgeordneter

„Schlicht“ trifft es ganz gut!

Also, „schlicht“ stimmt!

und kein Bundeswirtschaftsminister. Deshalb meine Frage: Wie erklären Sie mir, dass der Spritpreis strukturell dadurch sinken soll, dass der Preis demnächst nur noch einmal am Tag erhöht werden darf?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir schaffen Markttransparenz und Übersichtlichkeit für die Kunden. Wir hatten die Situation, dass sich die Preise an der Tankstelle bis zu 22-mal am Tag veränderten. Der Kunde bekam also auf seiner App den Hinweis: „Es ist gerade preiswert“, und als er ankam, waren die Preise schon wieder anders. Das werden wir ändern, indem einmal am Tag das Preissignal erfolgt.

Ich weise darauf hin, dass das Kartellrecht das schärfste Schwert ist, das das Bundeswirtschaftsministerium hat, nämlich um Wettbewerb und Markt zu organisieren und dafür zu sorgen, dass es keine Absprachen und Preisintransparenzen gibt. Das ist gelebte soziale Marktwirtschaft.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Marcel Bauer
Foto: Marcel Bauer/ Fotostudio Studioline Ettlinger Tor
1 Vermerkca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin Reiche, die steigenden Energie-, Kraftstoff- und Ölpreise betreffen direkt die energieintensive Düngemittelproduktion und darüber auch die Lebensmittelpreise. Die Energie- und Düngemittelkonzerne werden bei den steigenden Preisen noch mal zusätzlich aufschlagen, Übergewinne abgreifen und die Bauern und Bäuerinnen weiter auspressen. Wir alle werden dann beim Wocheneinkauf an den Kassen noch mehr für die Lebensmittel bezahlen müssen.

Was gedenken Sie zu tun, um zu verhindern, dass dieser Preistsunami direkt auf die ohnehin schon strapazierten Geldbeutel der Verbraucher/-innen durchschlägt?

Beifallbei der Linken
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Raffinerien, die Düngemittelproduktion, aber zum Beispiel auch Teile der Nahrungsmittelindustrie wie Mühlen zählen zu den energieintensiven Industrien. Das wirksamste Mittel ist, hohe Energiepreise zu bekämpfen, und das tun wir unter anderem mit dem Industriestrompreis und der Strompreiskompensation, die wir ausweiten. Wir schaffen damit Möglichkeiten, den Strompreis um den von uns im Koalitionsvertrag festgelegten Betrag von circa 5 Cent pro Kilowattstunde zu senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Victoria Broßart
Foto: Victoria Broßart / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Verkehrsminister Schnieder, Sie haben jetzt selber schon mehrfach die Vorzüge des Deutschlandtickets in der aktuellen Krise gelobt und gesagt, dass es die Menschen durch den günstigen Preis von 63 Euro entlastet. Wir wissen aber beide, dass viele Menschen kaum Zugang zu einem guten ÖPNV haben, und selbst da, wo der ÖPNV fährt, wird er aufgrund der klammen Kassen der Kommunen ausgedünnt. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag einen Modernisierungspakt versprochen und angekündigt, die ÖPNV-Finanzierung auf eine neue gesetzliche Grundlage zu stellen.

Ich frage Sie jetzt: Wann kommt dieser Modernisierungspakt? Wann setzen Sie sich mit den Ländern und den Kommunen zusammen? Und wann können wir da mit Ergebnissen rechnen?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, wir reden schon eine geraume Zeit über einzelne Maßnahmen eines solchen Modernisierungspaktes; das Deutschlandticket ist sicherlich ein Bestandteil davon. Wir reden darüber, dass wir in absehbarer Zeit das GVFG modernisieren wollen. Dazu liegt derzeit eine einzelne Maßnahme zu dessen Änderung vor, aber sie ersetzt keine grundlegende Revision. Und wir sind an vielen Stellen dabei, zu Verbesserungen im Angebot des ÖPNV und in den Abläufen zu kommen. Das alles gehört zu einer Modernisierung und zu dem, was wir unter einem Modernisierungspakt verstehen.

Porträt von Victoria Broßart
Foto: Victoria Broßart / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 66 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben die Novelle des GVFG angesprochen. Ich höre von Ihrem Parlamentarischen Staatssekretär Hirte, dass die Novelle erst 2027 kommen soll. Darum würde ich jetzt gerne von Ihnen wissen: Stimmt das? Werden Sie sie so weit nach hinten verzögern? Werden wir in der GVFG-Novelle mehr sehen als nur die Magnetschwebebahn? Werden Sie auch auf die tatsächlichen, reellen Probleme der Kommunen bei der ÖPNV-Infrastruktur eingehen?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 80 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, wir haben Erhalt vor Neubau vereinbart – das entspricht, glaube ich, auch Ihrer politischen Haltung –, und genau diese Maßnahmen sind im Sondervermögen veranschlagt. Aus den Mitteln des Sondervermögens kann ich nur Erhalt und Modernisierungsmaßnahmen finanzieren und keine Neu- und Ausbauprojekte.

Ich teile Ihre Auffassung, dass wir auch bei Neu- und Ausbau – auch und gerade bei der Schiene – vorankommen müssen, und deshalb werden wir uns bei den Projekten, die baureif werden, dann darum kümmern, dass wir die Finanzierungen gestemmt bekommen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 59 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir werden mit den Ländern ein breites Maßnahmenpaket besprechen. Es gibt viele Vorschläge von Länderseite; es gibt Vorstellungen, die wir haben. Wir werden das gemeinsam entwickeln. An eine Grundgesetzänderung habe ich derzeit nicht gedacht. Aber vielleicht kommen andere auf die Idee.

Noch mal: Wir werden das breit besprechen, viele Vorschläge dort einbringen und dann schauen, was wir umsetzen können.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Daniel Kölbl
Foto: Daniel Kölbl/ Uwe Hüttner
ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Verkehrsminister, letztes Jahr hat in Schleswig-Holstein ein Gutachtenentwurf zum Deutschlandtakt für Aufschrei gesorgt, laut dem zahlreiche Schienenprojekte in Schleswig-Holstein nach hinten verschoben werden sollten, beispielsweise die Marschbahn oder der Umbau des Elmshorner Bahnhofes. Ich wollte Sie fragen: Ist das auch Meinung des Ministeriums, was in dem Gutachtenentwurf steht? Müssen die Schleswig-Holsteiner in Sorge sein, dass tatsächlich jetzt all diese Vorhaben um Jahre oder Jahrzehnte später realisiert werden?

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege Kölbl, vielen Dank für diese Frage, weil ich noch mal etwas klarstellen kann, was ich im letzten Jahr schon klargestellt habe. Da ist aus einem in der Entstehung befindlichen Gutachten etwas nach außen gedrungen, was noch nicht fertig ist; das Gutachten ist noch nicht finalisiert. Wir werden das in diesem Jahr finalisieren. Wir werden dann die Etappierung des Deutschlandtakts vornehmen. Erst dann wird feststehen, in welcher Reihung einzelne Projekte dort angegangen werden. Da gibt es noch keine Entscheidungen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tarek Al-Wazir
Foto: Tarek Al-Wazir
2 Vermerkeca. 86 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister, Ihre Antwort auf Herrn Gastel hat meine Frage herausgefordert. – Die Aussage des Kanzlers war: Alles, was baureif ist, wird gebaut. –

Ich habe Sie in der letzten Regierungsbefragung gefragt, ob das nicht nur für die Straße, sondern auch für die Schiene gilt. Sie haben gesagt: Ja.

Wie kann es sein, dass momentan für kleine und mittlere Maßnahmen im Neu- und Ausbau die vergleichsweise kleine Summe von 350 Millionen Euro von Ihnen nicht bereitgestellt werden kann, obwohl es doch ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro gibt?

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hört! Hört!
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
3 Vermerkeca. 75 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Kollege Al-Wazir, ich darf das noch mal wiederholen: Im Sondervermögen sind alleine Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen veranschlagt.

Ja, das ist ja der Fehler!

Daraus kann ich keinen Neu- und Ausbau bezahlen, sondern ich brauche dafür Haushaltsmittel. Und deshalb hat der Koalitionsausschuss übereinstimmend im Oktober letzten Jahres beschlossen: Was baureif ist, wird gebaut. – Damit ist aber noch keine Finanzierung hinterlegt. Die muss ja im Haushalt vorhanden sein.

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es wird gebaut, aber ohne Geld!

Und dann, wenn ein Projekt baureif wird, werde ich mich um die Finanzierung kümmern.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage richtet sich an die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Wir haben im Moment eine Welt, die von Unsicherheit geprägt ist, und wir haben ja vorher auch schon viele Fragen diesbezüglich gehört. Das heißt, wir müssen mehr investieren in Sicherheit, mehr investieren in Resilienz. Und dazu brauchen wir eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Das heißt: Vorfahrt für Wettbewerbsfähigkeit.

Mich würde interessieren: Welche Maßnahmen wurden für mehr Wettbewerbsfähigkeit mittlerweile schon umgesetzt? Und welche Maßnahmen würden Sie sich persönlich wünschen, die entsprechend bald auf die Schiene gebracht werden?

Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
1 Vermerkca. 86 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank dafür. – Wir haben ja Gott sei Dank in Deutschland noch einen industriellen Kern.

Zurufvon der AfD: Noch!

Und wir werden auch alles machen, wie Sie gesagt haben, dass er auch in Deutschland weiterhin eine Zukunft hat.

Die chemische Industrie ist ja ein besonders wichtiger Teil genau dieses industriellen Kerns. Da würde mich interessieren: Welche Bedeutung hat die chemische Industrie Ihrer Meinung nach gerade auch für die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands? Und was müssen wir hier machen, damit die chemische Industrie besonders gut aufgestellt ist für die Zukunft?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, Sie sprechen eine ganz wichtige Verschiebung an, die wir sehen. Der Handel mit den Vereinigten Staaten geht aufgrund der Zollabkommen zurück. Dafür haben wir tatsächlich ein signifikantes Handelsdefizit mit China.

Ich hatte vorhin schon angesprochen, dass wir die Importe – Stichworte: Außenschutzzölle, Bekämpfung von unfairen Praktiken – dringend stärken müssen. Da sind wir dabei. Vor allem muss es aber darum gehen, in Kerntechnologien führend zu werden, um die Abhängigkeiten zu reduzieren, Stichwort: Chips.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Vanessa Zobel
Foto: DBT/ Inga Haar
ca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Verehrter Herr Präsident! Liebe Ministerin! Unser wirtschaftlicher Erfolg hier in Deutschland hängt ja maßgeblich von unserem starken Mittelstand ab – anders als in vielen anderen Ländern. Zudem verfügen wir auch über viele Hidden Champions. Jetzt ist ja bei Ihnen das ZIM angesiedelt, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, und das ist ja mittlerweile mit das wichtigste Instrument für die Innovationsförderung. Nun ist meine Frage: Wie können wir das noch weiter nutzen, und welche Bedeutung messen Sie diesem Programm für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Mittelstands bei?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, mit 500 Millionen Euro ist das ZIM eine unserer wesentlichen Säulen zur Förderung des Mittelstands. Es ist insofern auch voraussetzungslos; denn Anträge, die gestellt werden, werden schnell geprüft, um möglichst breite Innovationslust in den Unternehmen zu fördern. Wir sind dazu übergegangen, über ein Digitalportal die Antragstellung einfacher zu machen, und bieten eine digitale End-zu-End-Bearbeitung zusammen mit dem Digitalministerium. Der Mittelstand braucht aber vor allem weniger Bürokratie. Das ist die große Last, unter der er ächzt und an deren Reduzierung wir weiterarbeiten müssen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin Reiche, eine Industrie, die auch kräftig im internationalen Wettbewerb steht, ist die Düngemittelindustrie. Die Herstellung von künstlichem Stickstoff braucht viel Energie. Die EU-Kommission hat jetzt vorgeschlagen, den CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM bei Düngemitteln auszusetzen. Das setzt natürlich die Werke zum Beispiel in Piesteritz, in Ludwigshafen und an der Küste in Brunsbüttel, in denen in Deutschland Dünger hergestellt wird, unter kräftigen Druck. Sind Sie wie ich der Auffassung, dass es nicht schlau wäre, CBAM speziell bei Düngemitteln auszusetzen?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

CBAM, Herr Abgeordneter, muss sowieso überhaupt erst mal umsetzbar gestaltet werden. Das ist eine große Sorge, die nicht nur ich habe, sondern auch viele meiner EU-Ministerkollegen. CBAM in der heutigen Form ist weder administrierbar noch zielführend. Wenn wir einen Grenzausgleichsmechanismus haben, muss der tatsächlich wirksam sein. Solange das nicht erfolgt ist – hier muss die Kommission nachlegen –, brauchen wir die kostenlose Zuteilung der Zertifikate. Das wird Ihnen Piesteritz auch sagen, dass Sie sich dafür einsetzen mögen, die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten mit zu unterstützen.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
1 Vermerkca. 65 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin Reiche, eine funktionierende Wirtschaft ist wichtig für unseren Wohlstand, ganz ohne Frage. Aber Wohlstand ist mehr als nur Wirtschaftswachstum. Warum haben Sie dieses Jahr alle sozialen und ökologischen Indikatoren aus Ihrem Jahreswirtschaftsbericht herausgestrichen? Sind Ihnen soziale Indikatoren oder auch ökologische Indikatoren so egal? Und sind Sie nicht der Meinung, dass auch soziale Infrastruktur und Ökologie Teil von Wohlstand sind?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst einmal ist ohne Wirtschaft alles nichts, und zu Wirtschaftswachstum zurückzukommen, ist unser erklärtes Ziel; und dafür arbeiten wir.

Wichtig ist, dass die Indikatoren, die in einem Bericht genannt werden, eine klare Aussagekraft haben. Ob die von Ihnen genannten dazu beigetragen haben, tatsächlich die erwünschte Wirkung zu erzielen, das wage ich zu bezweifeln. Unabhängig davon sind wir allen EU- und internationalen Standards verpflichtet, wozu auch ein effektiver Klimaschutz und das Sichern gut bezahlter Tätigkeiten in unserem Land gehören.

Porträt von Agnes Conrad
Foto: Agnes Conrad/ Karl-Ludwig Reuter
2 Vermerkeca. 109 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an Frau Ministerin Reiche. Frau Ministerin, in einer der letzten Fragerunden hatte ein Kollege von mir eine aktuelle Berechnung von Verivox erwähnt, laut der durch Ihr fatales neues Heizungsgesetz auf eine Familie in einem Einfamilienhaus Mehrkosten von 492 Euro im Jahr zukommen. 492 Euro!

Wieso das denn jetzt?

Sie sagen, Sie kennen die Zahlen nicht, aber Sie möchten das bis zum Sommer erforschen lassen.

Wie kann es sein, dass Sie jetzt ein Gesetz mit weitreichenden Folgen machen wollen, dessen Folgen und Kosten Sie noch nicht kennen? Kurz gefragt: Warum arbeiten Sie jetzt schon an einem Gesetz, für das Sie Zahlen brauchen, die Sie aktuell nicht haben?

Beifallbei der Linken
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
2 Vermerkeca. 153 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Abgeordnete, wahrscheinlich sind Sie und ich regelmäßig auf Verivox unterwegs, um zu schauen, ob man noch einen attraktiven Tarif hat. Das ist Wettbewerb. Dann wird Ihnen möglicherweise auch aufgefallen sein, dass Sie heute schon 100-Prozent-Biogastarife haben, die günstiger sind als klassische Erdgastarife. Was zeigt uns das? Wo es einen Markt gibt, gibt es ein Angebot. Und es gibt offensichtlich ein Angebot von Biogas im Markt, das durch die Kundinnen und Kunden nachgefragt wird. Sonst würden wir die auf Verivox nicht finden.

Zurufvon der Linken

Was die Quote betrifft, reden wir allerdings von einem völlig neuen Modell. Hier geht es um die Beimischung auf Erzeugerebene – dasselbe oder ein ähnliches Modell, wie wir es von E10 kennen oder von der Anpassung der THG-Quote über die 37. BImSchV in Umsetzung der RED III. Damit tun wir übrigens den eben schon angesprochenen Raffinerien etwas Gutes, indem wir nämlich eine Wasserstoffunterquote einführen und damit grüne Moleküle fördern.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Agnes Conrad
Foto: Agnes Conrad/ Karl-Ludwig Reuter
ca. 26 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Vielen Dank. Daraus erschließt sich mir aber noch nicht, wie Sie jetzt konkret Mieterinnen und Mieter entlasten wollen. Könnten Sie darauf bitte noch einmal eingehen?

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wer sich entschließt, sein Heizungssystem zu erneuern, kann auf eine umfangreiche Förderung zugreifen. Die BEG-Förderung ist hierfür das Mittel der Wahl, bei der Sie sich als Verbraucher für verschiedene Technologien entscheiden können.

Für diejenigen, die nicht selber bauen können, werden wir – und das ist in der Koalition verabredet – das Mietrecht so anpassen, dass Investitionen in kommunale Wärmenetze nicht zu Überforderungen führen, auf der anderen Seite aber auch so, dass auf kommunaler Ebene auch Fernwärme ausgebaut werden kann. Auch die Fernwärme ist ein wesentlicher Bestandteil der Wärmewende.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
ca. 155 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an unsere Wirtschaftsministerin. Frau Reiche, Deutschland ächzt unter der Last der explodierenden Spritpreise. Transportunternehmer schlagen Alarm und warnen vor der nächsten Insolvenzwelle. Millionen Pendler fragen sich morgens auf dem Weg zur Arbeit: Kann ich überhaupt noch tanken fahren, bzw. lohnt sich der Weg zur Arbeit überhaupt noch? Ich kenne das selber aus meiner Heimat, dem Pendlerland Mecklenburg-Vorpommern, wo viele Menschen weite Wege fahren für sehr wenig Geld.

Von der Bundesregierung kommt allerdings keine Hilfe. Sie haben gerade gesagt, Sie wollten neue Wege eröffnen. Es kommt aber keine Entlastung. Und die brauchen die Menschen jetzt dringend. Deswegen fordern wir schon lange die Senkung der Energiesteuer auf das Minimum. Wir fordern die Abschaffung der CO2-Abgabe. Aber von Ihnen hören wir diesbezüglich nichts. Stattdessen kassiert Finanzminister Klingbeil jetzt 200 Millionen Euro – 200 Millionen Euro pro Monat! – über den größeren Brocken der Umsatzsteuer, der angewachsen ist durch den hohen Spritpreis.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

„Der Staat darf nicht zum Krisenprofiteur werden“, sagt Kanzler Stocker aus Österreich.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 136 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger und der Unternehmer sind uns alles andere als egal. Und deswegen reagieren wir, und zwar in einem Eilverfahren in dieser Woche. Sie haben völlig recht: Die Kraftstoffpreise – darauf haben Redner eben hingewiesen – sind im europäischen Vergleich bei uns höher angestiegen und sinken weniger schnell. Deswegen tun wir das, was wehtut, nämlich das Kartellrecht stärken. Es gibt zu wenig Transparenz hinsichtlich der Preise. Wir werden in die Preise schauen. Das tun nicht wir, sondern das Bundeskartellamt.

Wir ermöglichen dem Kartellamt, Sektoruntersuchungen schneller durchzuführen, wir kehren die Beweislast um und beschleunigen bei Gericht anhängige Verfahren. Es ist wichtig, hinter die Preisstrukturen zu schauen, um Preisabsprachen aufdecken zu können. Dass dies marktwirtschaftlich ein sehr scharfes Schwert ist, zeigt die Reaktion der Mineralölkonzerne, die sich offensichtlich besorgt zeigen ob der anstehenden Transparenz.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Insofern setzen wir auf die Wirksamkeit. – Danke.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Antwort. – Allerdings: Das ist nicht das, was die Menschen vor Ort brauchen. Natürlich sind Maßnahmen zur Stärkung des Kartellrechts richtig. Aber die Menschen brauchen eine Entlastung. Mit der AfD bekämen sie Entlastung.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
1 Vermerkca. 68 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Klar ist: Mit einer gesenkten Energiesteuer, mit einer gesenkten bzw. gestrichenen CO2-Abgabe hätten die Menschen jetzt einen niedrigeren Energiepreis an der Tankstelle. Mit der AfD läge der Energiepreis bei 1,50 Euro.

So ein Quatsch! Das glaubst du doch selber nicht!

Das wäre ein Preis, der jetzt in der Krise niedriger wäre als mit Ihnen vor der Krise.

Die Menschen brauchen dringend diese Entlastung. Folgen Sie doch wenigstens dem Vorschlag von Gabriel Felbermayr, Ihrem künftigen Wirtschaftsweisen, –

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
ca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– der klar sagt, dass man wenigstens die Mehreinnahmen aus der Umsatzsteuer –

Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
1 Vermerkca. 78 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich darf daran erinnern, dass Sie laut Ihrem Wahlprogramm viele Reformen, etwa die Verschärfungen des Kartellrechts, die wir gemacht haben, zurückdrehen wollten; aber das nur am Rande.

Zurufvon der CDU/CSU: Das war was anderes!

Sie haben Ihr Ministeramt in letzter Zeit für private Zwecke genutzt, zum Beispiel beim „Moving MountAIns“-Gipfel in Österreich. Sie haben gerade einen großen Teil Ihres Leitungsstabes entlassen und suchen jetzt ausweislich der verschiedenen Ausschreibungen viele neue Mitarbeiter/-innen.

In der Zeit von Robert Habeck ist das Ministerium zu einem Krisenministerium –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wichtig ist, dass Leben und Wirtschaft in unserem Land so organisiert wird, dass noch gewirtschaftet werden kann. Die hohen Energiepreise belasten unsere Unternehmen. Hohe Energiepreise führen zurzeit dazu, dass energieintensive Unternehmen unser Land verlassen. Das ist ein Zustand, den wir nicht hinnehmen können.

Deswegen müssen wir wieder mehr Wettbewerb in den Energiemarkt bringen. Erneuerbare Energien müssen als „erwachsen geworden“ gelten und mehr Verantwortung für das Gesamtsystem übernehmen. Netzausbau und erneuerbare Energien müssen besser zusammenkommen, damit wir die Systemkosten, die uns explodiert sind, wieder in den Griff bekommen. Die kommunale Wärmeplanung werden wir fortführen.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 12 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Und der Wärmepumpe steht überhaupt nichts im Weg; dort wird weiter gefördert.

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 132 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, wir haben beim Sicherheitsgipfel, aber auch bei den vorbereitenden Runden und im Anschluss alle Aspekte, die die Sicherheit in Zügen, in Bahnhöfen, an Bahnsteigen betreffen, besprochen. Das ist eine Vielzahl, und wir haben dazu auch eine ganze Vielzahl von Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten miteinander besprochen und abgewogen.

Ein besonderes Täterprofil ist dabei nicht erkennbar, jedenfalls nicht, wenn ich die Situation insgesamt betrachte. Wir haben zum Beispiel – um das zu erläutern – überall da, wo Kontrollen stattfinden, wo zum Beispiel ein Personalausweis vorgezeigt werden muss, ein besonderes Aggressionspotenzial zu verzeichnen, das sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht,

Gab es also schon immer!

das Sie in der ersten und in der zweiten Klasse sehen, das Sie bei Jungen und bei Alten sehen, das Sie – ich sage es noch mal – in allen Gesellschaftsschichten sehen. Da können Sie also keine Besonderheiten herauskristallisieren.

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
3 Vermerkeca. 77 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, Sie stellen die Fragen, und ich gebe die Antworten so, wie ich sie für richtig halte.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ganz unabhängig von dem, was Sie hier ausschnittweise dargelegt haben,

Das sagt die PKS!

bleibe ich dabei: Es gibt eine ganze Bandbreite von einzelnen Taten; ich habe vermisst, dass Sie hier besonders auf die Messertaten abstellen. Es gibt eine ganze Bandbreite von Aggression, von Gewalttaten, von verbaler Gewalt, von körperlicher Gewalt, die sich durch die gesamte Gesellschaft zieht.

Zurufdes Abg. Lars Haise [AfD]

Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, –

Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 79 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Mir scheint, es ist gut, dass der Herr Haise nicht mehr bei der Bahn tätig ist, sondern jetzt hier im Parlament sitzt. Das ist gut für die Fahrgäste.

Damals war die Bahn noch pünktlich!

Herr Minister, der Gipfel hat ja insofern Ergebnisse gebracht, als Bund, Länder und die Aufgabenträger vereinbart haben, Maßnahmen für die Sicherheit der Fahrgäste zu ergreifen. Können Sie vielleicht noch mal darstellen, welche konkreten Schritte geplant sind, um die objektive, aber auch die subjektive Sicherheit der Menschen in unseren Zügen –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, nur noch mal zur Klarstellung: Meine Position war und ist, dass wir uns nicht nur auf „Made in Europe“ fokussieren sollten, sondern stattdessen auf „Made with Europe“. Ich glaube, es ist wichtig, dieses Signal an unsere Handelspartner auszusenden.

Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass der IAA auf besonders kritische Produkte zielt. Ohne Zweifel sind Chips besonders kritische Produkte. Deshalb fahren wir erstens unsere Mikrochipstrategie nicht nur hoch, sondern investieren auch signifikant in unsere Cluster.

Zweitens. Wir bewerben uns bei den großen europäischen Projekten wie IPCEI, das unter anderem darauf abzielt, die Halbleiterindustrie in Europa zu stärken.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin schon fertig, Herr Präsident.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens, Frau Abgeordnete Brantner, haben wir nichts verzögert. Wir haben das umgesetzt, woran der Vorgänger gescheitert ist.

Zweitens. Zurzeit sorgen die hohen Strompreise auch für eine Verteuerung des Wärmepumpenstrompreises für Verbraucherinnen und Verbraucher. Jetzt muss es zuerst darum gehen, die hohen Stromkosten langsam, aber sicher wieder in den Griff zu bekommen.

Für das Quotenmodell arbeiten wir bis zum Sommer ein Konzept aus; das ist der Auftrag aus der Koalitionsarbeitsgruppe. Schon heute bekommen Sie übrigens, wenn Sie auf Verivox schauen, preiswerte Biogastarife. Also, die Branche ist schneller und schlauer als so manch politischer –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 1 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Vorschlag.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin Reiche, mit einem Jahr Verzögerung kam das Eckpunktepapier, das viel Verunsicherung in der Branche verursacht hat. Laut Medienberichten soll der Kabinettsbeschluss zum GMG, der nächste Woche vorgesehen war, verschoben werden. Der Zeitplan ist sehr ambitioniert und unrealistisch. Sie haben gesagt, die Details zur Grüngasquote kämen erst später. Können Sie uns bitte einen klaren Zeitplan nennen, –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens. Wichtig für die Wärmewende ist, zu wissen: Wir führen die kommunale Wärmeplanung fort, damit Planungssicherheit herrscht.

Zweitens. Das GMG ist nicht unkomplex. Wir werden das mit den Fraktionen beraten. Wir werden den Verbraucherinnen und Verbrauchern schnell Sicherheit geben. Wir arbeiten an der Novellierung der Fernwärmeverordnung. Wir ändern das Mietrecht für mehr Schutz für Mieterinnen und Mieter. Es muss also ein ganzer Komplex von Gesetzen erarbeitet werden. Sie können sicher sein, dass wir das vor dem 01.07. –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 4 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– beschließen werden, damit wir –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Sicherheit für den Markt haben.

Porträt von Malte Kaufmann
Foto: Dr. Malte Kaufmann/Nils Rauber
ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Kollegin Brantner hat die Ölkrise 1973 angesprochen. Damals war die Antwort Deutschlands der Einstieg in die Kernenergie, um sich unabhängiger zu machen vom Öl, und auch die Erschließung neuer Gasquellen, zum Beispiel in Russland.

Gerade hat die EU beschlossen, ein Förderprogramm für Small Modular Reactors aufzulegen. Da wollte ich Sie fragen: Was ist Ihre persönliche Meinung? Würden auch Sie befürworten, dass wir jetzt aufgrund dieser Krise –

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, die Menschen im hohen Norden haben die Energiewende vorangebracht. Sie haben Flächen bereitgestellt und Akzeptanz geschaffen. Gleichzeitig zahlen sie heute mit die höchsten Strompreise und tragen hohe Kosten durch die Abregelung, weil der Netzausbau von Nord nach Süd hinterherhinkt. Mit den geplanten Maßnahmen Ihres Netzpaketes drohen jetzt ausgerechnet solchen Vorreiterregionen mit viel Windkraft wie im Norden und Solarenergie weiter benachteiligt zu werden. Künftig sollen Anlagen in netzschwachen Gebieten nicht einmal mehr entschädigt werden, wenn sie durch Netzengpässe abgeschaltet werden. Wie erklären Sie den Menschen und den Unternehmen, –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie beklagen zwei Dinge in Ihrer Fragestellung und schlagen ganz unterschiedliche Sachverhalte vor. Erstens müssen wir den Netzausbau beschleunigen, um ebenjene hohen Netzkosten und Redispatch-Kosten zu senken. Wir werden weiter an der Beschleunigung des Ausbaus von Netzen arbeiten; das ist auf allen Spannungsebenen wichtig. Zweitens ist Wind eine wichtige Quelle für erneuerbare Energien. Und drittens werden wir den Offshore-Standort stärken. Erinnern Sie sich an den Nordsee-Gipfel, auf dem wir beschlossen haben, im Verbund mit anderen Anrainerstaaten die Nordsee zum energiewirtschaftlichen Powerhouse auszubauen.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 1 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke.

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, wir haben eine Reihe von Vorschlägen und Eckpunkten unterbreitet, die wir im Moment mit den Ländern besprechen. Zieldatum – das ist im letzten Sommer schon benannt worden – ist die Verkehrsministerkonferenz in der nächsten Woche. Dann wollen wir eine Einigung zwischen Bund und Ländern über das Maßnahmenpaket hinbekommen. Und daraus werden wir dann einen Gesetzentwurf entwickeln, den wir sehr zeitnah in den Bundestag einbringen wollen.

Was sind im Moment die diskutierten Punkte? Wir haben uns eigentlich alles angeschaut, was den Führerschein ausmacht. Es ist im Wesentlichen ein reines Bürokratieabbauprogramm. Es wird einfacher, es wird unkomplizierter, es schafft Möglichkeiten, es schafft Optionen. Das fängt an bei der Transparenz. Wir wollen die Fahrschulpreise und auch die Durchfallquoten im Internet nachlesbar machen. Wir wollen die Theorie entrümpeln und die Anzahl von derzeit 1 169 Fragen deutlich absenken. Wir wollen die Anzahl der Pflichtstunden und der Sonderfahrten absenken.

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
1 Vermerkca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, nicht alle Fahrschulen und alle Verbände haben das so gesagt. Auch darauf sollten Sie einen differenzierten Blick werfen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Im Deutschlandfunk hat zum Beispiel ein Vertreter des Landesverbands Sächsischer Fahrlehrer ausgeführt, dass er das nicht beobachtet hat.

Wir haben ein sehr transparentes Verfahren gewählt, und es geht auch gar nicht anders bei einem Gesetzgebungsverfahren. Zudem: Da wir auf die Länder angewiesen sind, ist von Anfang an kommuniziert worden, dass wir genau diesen Ablauf wählen und dass es so auch laufen muss. Ich hoffe, dass wir das Gesetzgebungsverfahren bis Ende des Jahres, wenn es ganz schnell und gut geht, abgeschlossen haben.

Porträt von Luigi Pantisano
Foto: Luigi Pantisano / Sophie Tichonenko
1 Vermerkca. 93 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Dann sind Ihnen die Mineralölkonzerne und deren Bosse anscheinend wichtiger, wenn Sie den Preis von 63 Euro statt 9 Euro passend finden.

Die hohen Spritpreise, Herr Minister, treffen besonders Menschen mit wenig Geld. Während die Porschefahrer weiter gedankenlos über die Autobahn heizen können,

Zurufdes Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

fahren viele Menschen nun bewusst langsamer. Ohnehin besteht seit Langem eine gesellschaftliche Mehrheit für ein Tempolimit, weil es rund 4,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen und rund 60 Menschen im Jahr das Leben retten würde. Angesichts der desaströsen Klimabilanz im Verkehrsbereich und 44 mehr Verkehrstoten, seitdem Sie im Amt sind, –

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
2 Vermerkeca. 41 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Diese Bundesregierung wird nächste Woche das Klimaschutzprogramm vorlegen.

Rechtzeitig nach den Wahlen!

Dafür hat mein Ressort eine Fülle von Vorschlägen unterbreitet, die allesamt auf das Klimaziel einzahlen werden. Und Sie werden nächste Woche sehen, dass gerade auch der Verkehrsbereich einen signifikanten Beitrag dazu leisten wird.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lorenz Gösta Beutin
Foto: Lorenz Gösta Beutin / Alexander Klebe
4 Vermerkeca. 72 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Lieber Kollege Schnieder,

Er ist immer noch Minister!

es ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes, ein Tempolimit einzuführen. Und wann, wenn nicht jetzt? Denn es spart Benzin, es sorgt dafür, dass weniger Familien um gestorbene Angehörige – beispielsweise auf Autobahnen – weinen müssen, und es nützt auch dem Klima – das haben wir eben auch gehört.

Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Deswegen: Geben Sie sich endlich einen Ruck! Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand, und lassen Sie uns gemeinsam ein Tempolimit einführen!

Benutzen Sie doch Ihren!

Was sagen Sie dazu?

Zurufvon der AfD: „Ihre Redezeit ist um“, das sage ich!
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine Nachfrage. Meine Fraktion und ich, wir haben so ein bisschen das Gefühl, dass Sie ganz genau wissen, dass die Kernenergie eine gute Sache ist, aber Sie setzen das nicht um. Wir ahnen natürlich alle den Grund. Warum setzen Sie sich nicht in der Koalition durch? Sie haben doch die Kraft, das zu tun. Denn das ist eine Schicksalsfrage. Gerade weil wir aus der Kernenergie ausgestiegen sind und nur noch teure Energie haben, verlässt die energieintensive Industrie unser Land.

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Über einen Koalitionsvertrag kann doch das Schicksal Deutschlands nicht entschieden werden. Da muss man doch handeln.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 79 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: In Europa machen sich viele Staaten auf, in die Kernenergie zu investieren. Und es bleibt richtig, dass die Kernenergie CO2-frei ist und das Abschalten auch der verbleibenden drei Reaktoren ein schwerer Fehler ist.

Zurufvon der AfD: Bravo!

Gleichwohl ist es so, dass wir uns bei der Umsetzung der jetzt anstehenden Fragen und in der Situation – wir haben keinen Reaktor, der da wäre – darauf konzentrieren müssen, was möglich ist. Und das ist ein Zweiklang aus –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Kraftwerkssicherheitsgesetz durchbringen und Erneuerbare ausbauen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
2 Vermerkeca. 76 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zunächst einmal ist es insbesondere der Freistaat Bayern, der Fusionsenergie, Fusionsdemonstratoren und -kraftwerke unterstützt. Das ist ein wichtiger Beitrag, sich auch eine Option und Lösung offenzuhalten,

Stimmt nicht! In 20 Jahren!

und diese Start-ups sind unter anderem in Bayern.

Was die Positionierung der Bundesregierung angeht, habe ich dazu alles gesagt. Entscheidungen sind in Verantwortung der Ampel getroffen worden. Hätten wir die Kraftwerke noch, hätten wir ein Stück preiswertere Strompreise.

Widerspruchdes Abg. Lorenz Gösta Beutin [Die Linke]

Gas wird teurer!

Wir hätten einen Klimabeitrag. Diese Option steht uns nicht zur Verfügung.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen gehen wir jetzt einen anderen Weg.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
2 Vermerkeca. 79 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zunächst einmal müssen wir mit dem Ist leben und mit einer Situation umgehen, die wir jetzt haben.

Ja, aber die haben Sie verursacht!

Ich habe jetzt mehrfach ausgeführt, dass wir uns mit neuen Technologien beschäftigen müssen, was wir auch tun. Wir fördern Fusionsforschung, und wir werden uns mit SMR beschäftigen.

Zurufder Abg. Dr. Nina Scheer [SPD]

Dass diese aber nicht übermorgen verfügbar sind und es übrigens auch in den Vereinigten Staaten oder in Kanada noch keine fertige Technologie gibt, inklusive Genehmigungssicherheitsstandards, gehört zur Wahrheit dazu. Sich damit zu beschäftigen, ist richtig.

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 13 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Und schon kommt der Gong. Der Herr Präsident hat mir das Wasser abgedreht.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Beifallder Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD] und Dr. Nina Scheer [SPD]
Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
ca. 142 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Frage richtet sich an die Ministerin Frau Reiche.

Sehr geehrte Frau Reiche, ich bedanke mich bei Ihnen sehr, dass Sie dem Vorschlag unseres Vizekanzlers Lars Klingbeil nachgekommen sind, dass die Kraftstoffpreise nur einmal am Tag verändert bzw. erhöht werden dürfen. Das ist vor allen Dingen für unsere Verbraucherinnen und Verbraucher, für den Mittelstand und für die Logistikbranche sehr wichtig.

Dennoch hat das Bundeskartellamt bereits im letzten Jahr erkannt, dass einige Kraftstoffgroßhandelskonzerne den Markt, sage ich mal, in der Hand haben. Das Bundeskartellamt sollte doch auch die Möglichkeit haben, da noch mal etwas besser zu regulieren; denn letztendlich sollte der Wettbewerb den Preis und den Markt regulieren und nicht nur einzelne Unternehmen. Ich finde es wichtig, dass wir jetzt mit den Möglichkeiten, die geschaffen worden sind und die natürlich aus Ihrem Haus kommen, –

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– die Missbrauchsaufsicht stärken.

Meine Frage wäre: Wären Sie dafür, den Spritpreis an den Rohölpreis zu binden, –

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
ca. 61 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe eine Nachfrage. Unabhängig davon, ob das Kartellamt jetzt tätig wird, haben wir auch schon in der Ampelregierung vor drei Jahren ein Instrument geschaffen, um den Wettbewerb mehr zu regeln, also um diese Gestörtheit zu verhindern, auch wenn keine illegalen Aktivitäten vorliegen. Aufgrund der FDP war das damals mit vielen Hürden versehen. Haben Sie die Möglichkeit, da noch mal nachzuschärfen, –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 66 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da Sie den Gesetzentwurf ja sicherlich haben, werden Sie die Antworten auf Ihre Fragen dort finden. Wir schauen nicht nur nach Marktbeherrschung, sondern auch nach Marktmacht. Also, wir schauen nicht nur auf Monopolisten, sondern wir schauen zum Beispiel auf den Großhandel, wo es große Unternehmen gibt, die wir jetzt durchs Kartellamt stärker untersuchen lassen. Ich glaube, die von Ihnen angesprochenen Punkte finden sich sowohl in § 29 –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– als auch in § 32f GWB wieder.

Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
Patrick SchniederCDU/CSU· Bundesminister BMV· MdB
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ein genaues Datum für die große GVFG-Novelle – im Gegensatz zu dem, was wir jetzt noch nachschieben – kann ich nicht nennen. Aber das Jahr 2027 ist durchaus realistisch, weil wir natürlich sorgfältig und intensiv auch und gerade mit den Ländern vorbereiten wollen und müssen, was wir in der GVFG-Novelle vornehmen.

Sie haben die Magnetschwebebahn angesprochen. Ihre Förderung war nicht nur eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag, sondern ist auf ausdrücklichen Wunsch der Länder auch möglichst schnell vorangetrieben worden. Es sind deren mögliche Projekte, die –

Porträt von Matthias Gastel
Foto: Matthias Gastel / Olaf Nagel
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ein guter öffentlicher Nahverkehr hängt auch von der Infrastruktur ab. Herr Bundesminister, Sie hatten das ja vorhin angesprochen, und Sie hatten gesagt, dass die Bahn wieder zuverlässiger werden muss. Deswegen möchte ich das Thema Infrastruktur ansprechen. Es besteht ein enormer Investitionsbedarf, damit mehr Kapazität im Netz ist; nur dann können die Züge pünktlicher fahren. Aber es wird in diesem Jahr höchstwahrscheinlich keine einzige Baufinanzierungsvereinbarung für Aus- und Neubau erfolgen können, weil Sie kein Geld bereitstellen, –

Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Verkehrsminister, zurück zur Ausgangsfrage, nämlich dem GVFG. Wenn ich den Tenor der Fragen der Kolleginnen und Kollegen hier höre – vor allem von den Grünen –, muss ich doch nachfragen: Ist denn bei den Gesprächen mit den Ländern womöglich daran gedacht, das Grundgesetz zu ändern? Denn nach dem Grundgesetz ist ja die Zuständigkeit für den Nahverkehr bei den Ländern. Damals bekamen die ja im Übrigen auch Steuermittel. Also gehen Ihre Überlegungen so weit, die Zuständigkeit etwa an den Bund zurückzuholen, –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für die Schiene ist der Kollege zuständig, Herr Abgeordneter, aber für die Wettbewerbsfähigkeit wir alle zusammen. – Wir haben gehandelt, indem wir begonnen haben, die Energiepreise zu senken. Wir haben mit Brüssel erfolgreich verhandelt, um einen Industriestrompreis und eine Strompreiskompensation umsetzen zu können, um die Unternehmen zu entlasten. Wir haben eine schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer angelegt, und wir haben die Einkommensteuer reformiert. Wir haben mit der Flexibilisierung verschiedener Regelungen dafür gesorgt, dass im Alter Anreize da sind, über die Regelaltersgrenze hinaus zu arbeiten. Unsere Hightech Agenda ermöglicht es uns, strategisch in Zukunftsfelder zu investieren. Wir haben die Abschreibungsmöglichkeiten für Anlageninvestitionen verbessert.

Das wird uns hoffentlich in die Situation versetzen, zu Wirtschaftswachstum zu kommen. Jedenfalls reicht es nicht, nur auf öffentliche Ausgaben zu setzen. Hier braucht es dann eben –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 3 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– ein Gesamtpaket. – Danke.

Beifalldes Abg. Henning Rehbaum [CDU/CSU]
Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die chemische Industrie ist eine unserer Kernindustrien, die Basis für ganz viele andere Sektoren, die Basis und der Beginn tiefer Wertschöpfungsketten. Gott sei Dank haben wir noch eine Industriequote von knapp 20 Prozent. Sie war aber auch schon mal höher; dennoch liegen wir mit diesen knapp 20 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Für die chemische Industrie ist wichtig, dass kostenlose Emissionszertifikate weiterhin zur Verfügung stehen. Für sie ist wichtig, dass die Industrieemissions-Richtlinie verträglich umgesetzt wird. Die chemische Industrie – –

Katherina ReicheCDU/CSU· Bundesministerin BMWK· kein MdB
1 Vermerkca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich muss jetzt leider aufhören, weil es da oben schon wieder blinkt. Herr Abgeordneter, es tut mir leid.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 82 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, wir hatten gerade über Wettbewerbsfähigkeit gesprochen. Ein ganz wesentlicher Teil von Wettbewerbsfähigkeit ist auch, fairen Wettbewerb zu sichern. Wir haben jetzt ganz aktuelle Zahlen, auch in einem wunderbaren Bericht Ihres Hauses nachzulesen, gehört, laut denen die Exporte von China nach Deutschland um 30 Prozent gestiegen sind. Unsere Interpretation ist, dass das ein ganz merkliches Merkmal des sogenannten zweiten Chinaschocks ist, den Deutschland und Europa gerade erfahren. Nun wird in Brüssel verhandelt, was dagegen zu tun ist.

Stefanie Hubig· Bundesministerin BMJV· kein MdB
12 Vermerkeca. 1.141 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Im Iran herrscht Krieg. Wir haben diesen Krieg nicht begonnen. Aber die direkten Auswirkungen spüren wir hier in Deutschland, und deshalb betreffen sie uns. Der Umgang mit den Auswirkungen ist eben auch unsere Aufgabe. Und wir werden diese Aufgabe angehen, indem wir die Betroffenen unterstützen – die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Wirtschaft und die Industrie – und indem wir Deutschland unabhängiger von fossilen Energien machen.

Beifallbei der SPD

Über 100 Euro für die Tankfüllung ist für viele Menschen hierzulande schlicht nicht mehr zu leisten. Ich rede von denen, die auf dem Land wohnen und nicht einfach auf den Nahverkehr umsteigen können, die für ihren Betrieb auf ihr Auto angewiesen sind, die ihre Kinder aus der Kita oder aus der Schule abholen müssen oder die viele Kilometer weit zur Arbeit pendeln. Zusätzlich zu den hohen Spritpreisen kommen dann eben auch noch die anderen Preise, die gestiegen sind, mit dazu: fürs Heizen, für die Lebensmittel, für die Miete.

Ich möchte hier allen sagen: Wir sehen Sie, und wir sehen Ihre Sorgen und Nöte. Als Bundesregierung ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Leben bezahlbar bleibt. Dafür setze ich mich natürlich als Verbraucherschutzministerin ein.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Die Bundesregierung bestimmt zwar nicht die Ölpreise am Weltmarkt, aber die Möglichkeiten, die wir haben, werden wir nutzen. Und diese Bundesregierung wird alles tun, damit unter dem Deckmantel der Krise nicht noch zusätzliche Gewinne auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher eingefahren werden, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Schon nachdem Putin im Februar 2022 seine Panzer in Richtung Kyjiw losgeschickt hatte, haben wir Preissprünge erlebt. Damals mussten wir lernen, dass von manchen Maßnahmen für Verbraucherinnen und Verbraucher am Ende nicht allein diese profitierten. Das darf nicht wieder passieren. Das Ausnutzen einer Krise zulasten von Verbraucherinnen und Verbrauchern wollen wir stoppen; denn es ist einfach unanständig, aus einem Krieg Profit zu schlagen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben deswegen sehr schnell die „Einmal am Tag“-Regel beschlossen: Tankstellen dürfen künftig ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen; senken dürfen sie sie natürlich so oft, wie sie möchten. Aber wenn die Zahlen auf den Anzeigetafeln heute bis zu 50-mal am Tag klettern – man kann sich das überhaupt nicht vorstellen –, dann macht es einen Preisvergleich für die Verbraucherinnen und Verbraucher einfach unmöglich.

Deshalb schaffen wir mehr Transparenz und Verlässlichkeit. Spekulationen im Stundentakt auf dem Rücken der Verbraucherinnen und Verbraucher dürfen nicht mehr möglich sein. Wir verhindern mehrere Preiserhöhungen pro Tag, erhalten aber durch die Möglichkeit von Preissenkungen den Wettbewerb um den günstigsten Preis. Wir sehen in Österreich, dass dies eine Regelung ist, die gut ist, die sogar jetzt noch mal verlängert worden ist und die greift. Auch wir werden uns nach sechs Monaten angucken, ob diese Regelung wirkt, und werden dann unsere Schlüsse daraus ziehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist ein erster Schritt. Staatliche Eingriffe in die Preisfestsetzung lindern aber natürlich nur die Symptome; das ist uns klar. Wir werden deshalb umfassender vorgehen. Wir verschärfen das Wettbewerbsrecht, und wir stärken das Bundeskartellamt. Denn auffällig ist ja vor allem, dass zum einen die Spritpreise deutlich stärker gestiegen sind als die Rohölpreise und zum anderen der Anstieg in Deutschland – Herr Abgeordneter Kuban hat es eingangs gesagt – im Vergleich zu anderen EU-Ländern besonders hoch war – und das liegt nicht an der Steuer. Das kann einfach nicht sein, und auch die Energiekonzerne haben uns in dieser Woche keine stichhaltige Erklärung dafür geliefert.

Das Bundeskartellamt wacht über die Preise, und es hat bereits Anfang 2025 grundlegende Wettbewerbshindernisse beim Handel mit Kraftstoffen identifiziert, und zwar auf allen Ebenen, insbesondere aber auf der Großhandelsebene. Diese Hindernisse begünstigen ein unerlaubtes Zusammenwirken der eigentlich konkurrierenden Unternehmen bei der Preisfestsetzung. Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus.

Deshalb ziehen wir jetzt die erste Konsequenz: Mineralölunternehmen müssen ihre Preisgestaltung künftig gegenüber den Wettbewerbsbehörden offenlegen, und sie müssen ihre Preisgestaltung erklären. Denn Transparenz ist das Mindeste, was die Menschen erwarten können. Ungerechte Preisaufschläge können die Unternehmen dann nicht mehr verstecken.

Zweitens. Das Bundeskartellamt wird besser und einfacher gegen Unternehmen vorgehen können, die den Wettbewerb stören. Auch hier gilt: Gesunder Wettbewerb ist Verbraucherschutz, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wenn es notwendig ist, müssen wir denen zur Seite stehen, die die Lasten der Krise nicht tragen können. Der Tankrabatt 2022 war gut gedacht, aber nicht alle Steuererleichterungen sind dann auch als Rabatte an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden. Und wenn die AfD hier versucht, ein anderes Bild zu malen, dann ist das einfach eine Milchmädchenrechnung. Das zeigt, dass Sie einfach keine Ahnung haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufevon der AfD

Denn egal, was kommt: Wenn wir weitere Maßnahmen angehen, dann muss es uns darum gehen, die Härten für diejenigen abzufedern, die von der Krise am stärksten betroffen sind, und nicht darum, einfach nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen.

Wir behalten die Preise insgesamt im Blick, nicht nur an der Tankstelle. Das gehört nämlich auch zur Wahrheit. Wir gucken auf die Mieten und sehen, dass die Mietenkrise längst die Mittelschicht erreicht. Und wir handeln: Wir haben gleich nach Beginn dieser Legislaturperiode die Mietpreisbremse verlängert. Und vor wenigen Wochen habe ich ein zweites Mietenpaket vorgestellt, das die Phänomene, die zum Teil für überteuerte Mieten sorgen, angeht.

Auch beim Gebäudemodernisierungsgesetz werden wir darauf achten, dass dieses Gesetz ausdrücklich auch für Mieterschutz steht. Anstehende Sanierungen und daraus folgende höhere Heizkosten dürfen nicht einseitig auf Mieterinnen und Mieter abgewälzt werden. Es kann nicht sein, dass Mieterinnen und Mieter die steigenden Energiekosten allein tragen. Heizen darf auch für Mieterinnen und Mieter nicht zur Kostenfalle werden. Heizen muss bezahlbar bleiben, und das heißt: Wohnen muss bezahlbar bleiben, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Um von den Auswirkungen der Kriege und Krisen dieser Welt unabhängig zu werden, müssen wir besser vorsorgen; ich glaube, das hat diese Krise erneut gezeigt. Kurzfristig geschieht das, indem wir die vorhandenen Ölreserven nutzen. Das ist wichtig, weil sich der Ölpreis über die Preisbindung in den Verträgen der Energieproduzenten auch auf die Gas- und Strompreise auswirkt. Der Beschluss der G7-Staaten war daher richtig.

Noch besser aber wäre es, wenn wir gar nicht erst in dem Maße auf Öl angewiesen wären, wie wir es sind. Deshalb stellt sich mir schon die Frage: Wie viele Krisen brauchen wir eigentlich noch, bis wir begreifen, dass der beste Verbraucherschutz die Energiewende ist?

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Erneuerbare Energien sind der Schlüssel. Sie sind Sicherheitsenergien und bieten Standortvorteile für unsere Industrie.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wind und Sonne liefern eben Energie auch dann, wenn kein einziger Tanker mehr die Straße von Hormus passieren kann.

Mehr als 80 Milliarden Euro haben wir zuletzt für fossile Energien ins Ausland überwiesen. Dieses Geld wäre hier in Deutschland viel besser angelegt. Damit könnten wir in Arbeitsplätze und in unsere Energieversorgung investieren. Deshalb gilt: Windkraft- und Solaranlagen, Elektroautos und Wärmepumpen schützen uns vor Abzocke. Sie sind Teil einer Wachstumsstrategie für unsere Volkswirtschaft, sie machen uns unabhängiger von Ölkrisen und Preisschocks, und damit sind sie am Ende der beste Schutz für unsere Verbraucherinnen und Verbraucher.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
32 Vermerkeca. 833 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Viele Menschen sind heute wieder an eine Tankstelle gefahren und haben nicht gewusst, wie sie am Ende den Preis für den vollen Tank zahlen sollen. Und die Menschen haben nicht nur Angst vor einer immer weiter steigenden Tankrechnung, sondern gleichzeitig auch Angst davor, dass sie im Laufe dieses Jahres die Kosten für das Heizen nicht mehr zahlen können, weil erwartbar ist, dass auch die Heizkosten bei fossilen Energien durch die Decke gehen werden.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Das ist das zentrale Problem, das die Menschen im Moment haben.

Frau Reiche, Sie sind nicht schuld daran, dass Donald Trump den Iran überfallen hat.

Zurufdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Aber Sie tragen mit Ihrer falschen Politik die Verantwortung dafür, dass viele Menschen im Moment in einer so schwierigen Lage sind.

Was es jetzt bei der Union bräuchte, Frau Reiche, wäre eine Ministerin,

Was ist denn mit Robert Habeck? War der nicht lange Wirtschaftsminister?

die agiert, wie Robert Habeck agiert hat,

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

die tatsächlich Entlastung schafft und an die fossilen Konzerne herantritt.

Sie trauen sich nicht. Offensichtlich trauen Sie sich nicht, an der Seite der Menschen zu stehen; sonst würden Sie die Abzocke, die an den Tankstellen gerade passiert, nämlich beenden, sonst würden Sie das angehen.

Und der Tankrabatt für die Mineralölkonzerne?

Zurufdes Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]

Robert Habeck hat 2022 Übergewinne von 2,5 Milliarden Euro abgeschöpft –

2,5 Milliarden Euro! –, weil wir gesagt haben: Es ist nicht fair, dass irgendwelche Mineralölkonzerne eine solche Abzocke betreiben.

Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Gut zuhören! Dann können Sie noch was lernen!
Zurufdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Wir haben dieses Geld den Menschen zurückgegeben. Wir haben das 9-Euro-Ticket eingeführt. Wir haben die Menschen damals finanziell mit Milliarden Euro entlastet, und zwar ganz direkt.

Warum haben Sie Ihre Koalition denn nicht weitergeführt, wenn sie so toll war?

Wo ist es denn geblieben?

Und wo sind Sie, Frau Reiche? Was machen Sie? Die Öl- und Gaskonzerne ziehen den Menschen das Geld aus den Taschen, und Sie weigern sich, eine Übergewinnsteuer einzuführen. Gehen Sie voran! Holen Sie dieses Geld zurück!

Die Menschen brauchen Entlastung – jetzt! Senken Sie die Stromsteuer! Es ist so oft angekündigt worden. Geld für Markus Söder, Geld für irgendwelche fossilen Traumtänzereien ist immer da. Aber wenn es darum geht, die Stromsteuer für die Menschen zu senken, ist plötzlich kein Geld mehr da.

Sehr richtig!

Das ist erbärmlich.

Erbärmlich ist Ihre Unkenntnis!

Wenn Sie es damit ernst meinen würden, eine Entlastung in der Krise auf den Weg zu bringen – wir haben damals Krisenpolitik gemacht und das 9-Euro-Ticket aus der Taufe gehoben;

Das mussten Sie auch, nachdem Sie die Krise heraufbeschworen hatten!

damit haben wir Menschen entlastet und auch noch eine Revolution im Verkehrssektor auf den Weg gebracht –, wäre es das einzig Plausible, jetzt einen solchen Weg zu gehen. Wo sind Ihre Initiativen? Sie haben nichts dergleichen vorgelegt, Frau Reiche.

Das Problem geht aber deutlich über diese akute Krise hinaus. Sie als Union haben Deutschland in die Abhängigkeit von russischem Gas getrieben,

Nee, das waren Sie! Das waren Sie!

über Jahre und Jahre, bis 2022. Wir hatten die Krise 2022.

Wer hat denn Nord Stream 1 ins Leben gerufen? Vielleicht Trittin und Schröder?

Und jetzt, in dem Moment, wo Sie wieder an der Regierung sind, fangen Sie an, Deutschland wieder in die Gasabhängigkeit zu führen,

Waren es nicht Trittin und Schröder, die Nord Stream 1 gebaut haben?

wieder in die Ölabhängigkeit zu führen.

Trittin und Schröder! Nord Stream 1!

Wenn man den gleichen Fehler immer wieder macht, dann ist es irgendwann kein Versehen mehr;

Sie machen den gleichen Fehler immer wieder! Hören Sie doch mal zu!

dann handelt man irgendwann mit böswilligem Vorsatz gegen die Menschen in Deutschland. Und man muss Ihnen ankreiden, dass Sie das tun.

Ist das populistisch!

Es ist absurd und kaum zu erklären, dass wir auf der einen Seite die nächste große Öl- und Gaskrise haben und Sie auf der anderen Seite eine Politik machen, die Menschen und Unternehmen wieder in die Abhängigkeit von Gas und Öl bringt. Darum ist es so unfassbar, dass Sie genau jetzt ein Heizungsgesetz vorlegen,

Wir schaffen es ab!

das Millionen Menschen wieder in die Öl- und Gaskostenfalle treibt. Wie absurd, jetzt Gas- und Ölheizungen einbauen zu dürfen!

Machen sie doch heute schon! Machen die Leute!

Niemand versteht mehr, warum das jetzt sinnvoll sein soll.

Sie treiben Millionen Mieterinnen und Mieter in die Kostenfalle. In den kommenden Wintern wird die Rechnung auf dem Tisch liegen, und es wird Ihre fossile Rechnung sein.

80 Prozent der Menschen – das hat eine aktuelle Umfrage ergeben – haben Angst und Sorge davor, dass die Heizkosten durch die Decke springen werden. Sie wissen ganz genau: Ihre Politik mit diesen absurden Grüngasquoten führt nirgends hin außer zu einer teuren Rechnung, und es ist Ihre Schuld,

dass die Heizkosten dann nicht mehr zu finanzieren sein werden.

Das haben Sie alles durchgerechnet, Herr Audretsch, ne? Das haben Sie alles durchgerechnet, was dann passieren wird! Zeigen Sie uns mal Ihre Rechnung!

Wie teuer das ist, sehen wir gerade bei Ihnen!

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Wir könnten den Weg raus aus der Falle und rein in die Erneuerbaren gehen. Aber genau in dieser Zeit machen Sie, Frau Reiche, eine Politik, in der Sie die Erneuerbaren abwürgen.

Nix wird hier abgewürgt!

Wenn das kommt, was Sie vorgesehen haben, dann wird in weiten Teilen Deutschlands keine Windenergie mehr ausgebaut.

Ja, weil keine Netze da sind! Die Leute sollen nicht für stillstehenden Redispatch zahlen!

Wenn Sie das durchsetzen, was Sie vorhaben, dann werden Menschen nicht mehr investieren, dann werden keine Solaranlagen mehr auf die Dächer gebaut, dann werden keine Balkonkraftwerke mehr angeschlossen. Wir haben gesehen, dass es zum ersten Mal in den letzten Jahren wieder durch die Decke geht mit den Erneuerbaren. Kaum sind Sie dran, planen Sie, das abzuwürgen. Das ist absurd.

Und das ist vor allem absurd vor dem Hintergrund dessen, was wir gerade sehen, nämlich dass Öl und Gas uns abhängig machen und Preissprüngen unterworfen sind,

Die Menschen zahlen für stillstehende Windräder an Ihre grünen Investoren! Die machen sich auch die Tasche voll!

dass diese Abhängigkeit Donald Trump und Putin in eine Machtposition bringt und dass China mit neuen Technologien davonzieht. Diese absurde Politik ist das größere Problem und muss beendet werden.

Beifallbei der Linken
Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
9 Vermerkeca. 653 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 21 Millionen Euro an Extragewinnen pro Tag ziehen uns die Ölkonzerne derzeit aus der Tasche. Meine Damen und Herren, das ist Abzocke höchster Potenz.

Beifallbei der Linken

Schauen wir mal über die Grenze meines Bundeslandes Brandenburg nach Polen: Dort stieg der Spritpreis in den ersten Tagen nach Kriegsbeginn um 4 Cent. Bei uns stieg er um 41 Cent, also um das Zehnfache. Übrigens wird auch Westpolen von der deutschen Raffinerie in Schwedt, der PCK, versorgt. Das Rohöl wird zum gleichen Sprit verarbeitet; aber auf dem Weg zum Zapfhahn zocken uns die deutschen Konzerne regelrecht ab. Dieser Selbstbedienungsladen auf Kosten Tausender Pendler, die jeden dritten Tag die Zapfsäule aufsuchen müssen, muss gestoppt werden, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Die Koalition will jetzt ein Gesetz im „Schnellboot“ auf den Weg bringen. Aber was wir sehen, ist kein Schnellboot, Herr Kuban, sondern ein Kanu, welches im Sturm der steigenden Preise praktisch schon längst gesunken ist. Und was wir jetzt an den Tankstellen sehen, meine Damen und Herren, liebe Kollegen, ist nur der Anfang. Wir müssen uns klarmachen: Die heutige Krise ist schon jetzt viel größer als die im Jahr 2022. Was wir an Preissteigerungen bei Düngemitteln und bei Nahrungsmitteln sehen, ist nur der Anfang und wird sich in alle Bereiche ausweiten.

Es braucht, um der Krisenspekulation nicht noch weiteren Zucker zu geben, jetzt unverzüglich ein Gesetz zur Abschaffung der Übergewinne in Deutschland. Dafür stehen wir als Linke.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, liebe Koalitionäre, das ist kein Teufelswerk. Ihr müsst nur das alte Gesetz von 2022 aktivieren und – ganz wichtig – die Prämissen ändern. Denn damals hatten wir einen laschen Steuersatz von 33 Prozent. Der muss auf 50 Prozent angehoben werden, um der Abzocke wirkungsvoll zu begegnen.

Und noch ein Fehler, der behoben werden muss: Damals waren reine Mineralölvertriebsgesellschaften bei dieser Übergewinnregelung außen vor; sie konnten diese Steuer vermeiden. Diese Lücke, meine Damen und Herren, dürfen wir nicht mehr zulassen. Wenn man das ordentlich macht, dann ist auch deutlich mehr zu holen als die damaligen 2,4 Milliarden Euro, die wir dann in den Bundeshaushalt überführen konnten.

Apropos „ordentlich machen“: Wo ist denn eigentlich der SPD-Finanzminister? Er ist ja heute nicht zu sehen. Beim Thema Übergewinnsteuer haben wir ihn aber überhaupt noch nicht gehört.

Zurufder Abg. Isabel Cademartori [SPD]

Dagegen war ja selbst Christian Lindner mit seiner damaligen Übergewinnsteuer fast schon ein Robin Hood; das muss man sich mal vorstellen!

Heiterkeitund Beifall bei der Linken

Meine Damen und Herren der Koalition, was nichts bringt, sind windelweiche Prüfabläufe zur Nachvollziehbarkeit der Preise. Was die Ölkonzerne von den Darlegungspflichten halten, das haben sie Ihnen in der Taskforce am letzten Montag doch wohl wirklich vor Augen geführt.

Und, Frau Ministerin, was auch nichts bringt – das sage ich Ihnen jetzt schon –, ist, wenn Tankstellen nur einmal am Tag die Preise erhöhen können. Dann erhöhen sie sie einmal am Mittag, aber dafür ordentlich und sieben Tage hintereinander; das wird so sein.

Zurufvon der Linken: Ja!

Meine Damen und Herren, es handelt sich hier schon um ein Marktversagen. Was wir jetzt brauchen, sind eine echte Preisaufsicht, eine Übergewinnsteuer und vor allen Dingen eine Entlastung der Menschen, und zwar sofort. Deshalb schlagen wir als Linke ein Energiekrisengeld von 150 Euro für alle vor

und die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets, welches 2022 für viele Menschen eine extreme finanzielle Erleichterung war. Die Menschen können nicht warten, bis das Kartellamt die Preise geprüft hat.

Aber nicht nur bei der Soforthilfe versagen Sie als Koalition, Sie versagen auch dabei, uns dauerhaft aus dieser fossilen Energieabhängigkeit zu lösen. Sie sabotieren den Ausbau der Erneuerbaren. Ich sage nur: Windkraftanlagen. Das Heizungsgesetz ist zerschossen. Und der Ausbau des Nahverkehrs kommt nicht voran. Mit der Rolle rückwärts beim Verbrenner-Aus schießen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht ins Knie. Die Quittung dafür bekommen wir jetzt an der Tankstelle – bzw. an der E-Tankstelle: Ein E-Auto tankt jetzt für 40 Cent. Damit ist, glaube ich, alles gesagt. Diese Koalition ist und bleibt sowohl sozial- als auch energiepolitisch ein Totalausfall.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
8 Vermerkeca. 684 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die zuletzt stark gestiegenen Benzinpreise in Deutschland sorgen verständlicherweise für Verärgerung und auch Kritik. Vor allem ist die Frage laut geworden, ob hier Marktversagen eine Rolle spielt. Dazu möchte ich vor allem zwei Punkte anmerken.

Erstens. Der Kraftstoffmarkt befindet sich seit Jahren im Fokus unserer Aufsichtsbehörden. Der Befund ist – leider, muss man sagen – recht eindeutig: Grundsätzlich ist der Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt nicht so hoch, wie es aus Sicht der Verbraucher wünschenswert wäre.

Dann tun Sie doch was!

Darauf hat das Bundeskartellamt in seiner Sektoruntersuchung vom Februar 2025 auch hingewiesen. Insbesondere im Bereich der Raffinerien, aber auch im Bereich des Kraftstoffgroßhandels haben sich Hinweise für einen unzureichenden Wettbewerb ergeben.

Hinzu kommt, dass Bemühungen um mehr Transparenz des Marktes durch das Preissetzungsverhalten effektiv unterlaufen werden; das klang hier auch schon an. Neu geschaffene digitale Preismeldesysteme gibt es, sie ermöglichen auch Preisvergleiche in Echtzeit, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher eigentlich gezielt die günstigsten Anbieter ansteuern könnten. Schlecht ist nur, wenn dieses Verhalten dadurch erschwert wird, dass sich die Preise an den Tankstellen so häufig ändern und neue Preise gelten, noch bevor die Kunden die Tankstelle erreicht haben. Damit wird echter Wettbewerb massiv beeinträchtigt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, grundsätzlich stehen in Deutschland Institutionen bereit, die eingreifen, wenn Marktmissbrauch vorliegt. Wichtig ist dabei vor allem eines – das möchte ich noch mal betonen –: Eingriffe müssen evidenzbasiert erfolgen! Willkürliche Eingriffe stehen ganz klar im Widerspruch zur sozialen Marktwirtschaft. Deshalb braucht es tiefgehende Analysen und harte empirische Evidenz.

Mit Schnellschüssen – davon hört man hier jede Menge –

Zurufder Abg. Janine Wissler [Die Linke]

würde nur der Populismus befeuert, und davon, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben wir aktuell bereits mehr als genug in diesem Parlament. Da muss ich nur mal nach ganz rechts oder ganz links schauen; mehr Populismus

Wir nennen es „Gute Politik für Deutschland“!

Kennt der nicht!

brauchen wir an dieser Stelle ganz bestimmt nicht.

Liegt aber Evidenz für Marktmissbrauch vor, können wir das gesichert sagen, dann müssen die Behörden natürlich eingreifen, und zwar im Interesse der Verbraucher schnell und mit Entschlossenheit. Hier sehen wir tatsächlich durchaus noch Verbesserungsbedarf.

Aber lassen Sie mich die Gelegenheit auch nutzen, den aktuellen Anstieg der Benzinpreise historisch einzuordnen. Wenn man Herrn Audretsch hört, denkt man, er berichtet über Kuba und nicht über Deutschland.

Beifalldes Abg. Dr. Andreas Lenz [CDU/CSU]

Ja, die Preise an der Zapfsäule sind in nominaler Rechnung deutlich gestiegen. In realer Rechnung, also inflationsbereinigt, befindet sich der Ölpreis heute trotz des Anstiegs aber noch auf einem eher moderaten Niveau.

Da kriegt man noch Geld raus auf einmal!

Da hatten wir schon ganz andere Preisschübe. Wenn ich dann noch die gestiegene Kaufkraft hinzunehme, sind Öl und auch Benzin im historischen Vergleich aktuell noch nicht besonders teuer. Mit anderen Worten: Der aktuelle Preisanstieg schmerzt; aber er bewegt sich im Rahmen historischer Erfahrung und ist gemessen an der heutigen Einkommenssituation vieler Haushalte zum Glück, sage ich mit Ausrufezeichen, noch moderat.

Trotzdem hat diese Regierung bereits für Entlastung gesorgt, und zwar dadurch, dass die Pendlerpauschale zum Jahresbeginn angehoben wurde. Zugegeben, das stand nicht im Zusammenhang mit dem Irankonflikt. Aber es hilft jetzt, und zwar gerade denen, die beruflich auf das Auto angewiesen sind. Ich habe das mal durchgerechnet: Für einen Fernpendler fallen aktuell 400 Euro Mehrkosten pro Jahr an. Allein mit der Pendlerpauschale kann er sich bis zu 150 Euro jährlich zurückholen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, leider kann niemand garantieren, dass der Irankonflikt schnell vorbei ist. Sollte die Lage eskalieren und insbesondere die Straße von Hormus erkennbar für längere Zeit nicht passierbar sein – und das droht ja –, dann drohen weitere Preisschübe auf den internationalen Energiemärkten. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Genau dafür müssen wir auch etwas fiskalisches Pulver trockenhalten, denn gerade heute gilt: Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Isabel Cademartori [SPD]

Es ist richtig und wichtig, steigende Preise kritisch zu hinterfragen, vor allem, wenn die Preisschübe hier in Deutschland – das klang schon mehrfach an – stärker ausfallen als bei unseren europäischen Nachbarn. Genau hier muss das Bundeskartellamt seine Analysen nachschärfen.

Die Bundesregierung jedenfalls handelt mit Entschlossenheit und Geschwindigkeit. Bereits morgen werden wir an dieser Stelle das Kraftstoffmaßnahmenpaket beraten. Darin enthalten ist eine Reihe von Maßnahmen, die geeignet sind, für mehr Transparenz und Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt zu sorgen. Ich freue mich auf die Debatte morgen und idealerweise auf die Verabschiedung des Gesetzes schon nächste Woche.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der AfD
Porträt von Isabel Cademartori
Foto: Photothek Media Lab
1 VermerkZwischenfrageca. 142 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Kollege Stephan, schade, dass Sie meine Zwischenfrage nicht zugelassen haben und Ihr Vorredner ebenfalls nicht. Deshalb diese Kurzintervention.

Ist denn der AfD bekannt, dass die CO2-Abgabe und die Energiesteuer fixe Steuern sind, die nicht steigen, wenn der Spritpreis steigt? Dementsprechend steigen, wenn die Spritpreise steigen, die Einnahmen des Staates durch diese Steuern ebenfalls nicht.

Ist Ihnen weiterhin auch bekannt, dass die Abgaben und Steuern in Italien 7 Cent höher sind als in Deutschland und die Spritpreise dort trotzdem 30 Prozent niedriger? Wie erklären Sie sich diese Preisunterschiede?

Letzter Punkt. Wie erklären Sie sich – Ihre Aussage –, dass sich der Staat an diesen Spritpreisen bereichern würde, wenn ein Großteil der Steuern fix ist und die Bundesregierung erklärt hat, dass sie infolge der höheren Preise einen sinkenden Verbrauch und dadurch niedrigere Einnahmen durch diese Steuern erwartet aufgrund der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage?

Beifallbei der SPD
Porträt von Thomas Stephan
Foto: Thomas Stephan/ Tobias Adam
5 Vermerkeca. 133 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herzlichen Dank für Ihre Frage. Sie gibt mir die Gelegenheit, das noch einmal klarzustellen. Fakt ist: Wir sind der Bundestag, wir können Gesetze ändern, wir können die CO2-Steuer abschaffen.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich weiß, das ist bei Ihnen unpopulär; aber wir könnten das machen.

Beifallbei der AfD

Sie verstehen die Frage nicht!

Der Staat verdient laut verschiedenen Berechnungen an diesen erhöhten Spritpreisen – Sie können den Kopf schütteln oder nicht; das sind Fakten – über 200 Millionen Euro! Und durch die Mehrwertsteuer, die auf die anderen Abgaben noch draufkommt, wird das Ganze expotentiell nach oben getrieben.

Zurufevon der SPD

Wie heißt das, wie nennt man das noch?

Ganz einfach. Fakt ist: Wir als Bundestag könnten die Bürger monetär entlasten. – Die Koalition will das nicht. Die Grünen wollen es aus ideologischen Gründen nicht. Also, wir können es machen; nur, Sie wollen es nicht. Ich bin froh, dass die Bürger in diesem Land das heute mitbekommen.

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
5 Vermerkeca. 752 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben das Glück, hierzulande in Frieden zu leben, aktuell zumindest. Aber selbstverständlich spüren wir die wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankriegs in den letzten Tagen ganz massiv. Die Spritpreise sind rasant gestiegen: um 26 Cent bei Benzin, um 41 Cent beim Diesel. Das ist eine enorme finanzielle Belastung insbesondere für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Krankenschwester, die morgens zur Arbeit muss, aber auch den Handwerksbetrieb oder das Logistikunternehmen, die natürlich ihren Fuhrpark betanken müssen und ihr Fahrverhalten nicht sonderlich verändern können.

Der wirtschaftliche Aufschwung, der für dieses Jahr endlich prognostiziert wurde, läuft Gefahr, einen empfindlichen Dämpfer zu bekommen, und die Situation ist durch die internationale Handelssituation und den Zollkrieg schon herausfordernd genug.

Für uns als Regierungskoalition war klar, dass wir diesen Entwicklungen nicht tatenlos zusehen können. Deswegen haben wir diese Woche – es ist schon gesagt worden – die Mineralölkonzerne zum Gespräch gebeten und sie vor allem mit der relativ einfachen Frage konfrontiert, wie es denn sein kann, dass die Spritpreise in Deutschland deutlich stärker angestiegen sind als im Rest der EU.

Es ist nicht so, dass die Ölmanager darauf eine befriedigende Antwort hatten. Sie konnten den Verdacht nicht ausräumen, dass sie sich im Windschatten des steigenden Ölpreises noch mal eine gehörige Extramarge, zum Beispiel getarnt als Risikoaufschlag, gegönnt haben. Das geht auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher. Hier müssen wir einen Riegel vorschieben.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ähnliches haben wir schon nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gesehen: Als die Ampelregierung als Reaktion auf die drastisch gestiegenen Spritpreise den Tankrabatt einführte, wurde dieser nur anteilig an die Menschen im Land weitergegeben. Den größeren Teil haben die Mineralölkonzerne in die eigene Tasche gesteckt; ihre Gewinne haben sich im Krisenjahr prompt verdoppelt, auf mehr als 200 Milliarden Dollar.

Zurufdes Abg. Christian Görke [Die Linke]

Das zeigt einmal mehr ganz deutlich – es ist schmerzhaft –: Wir haben ein Problem auf dem Kraftstoffmarkt. Der Wettbewerb ist erheblich gestört. Und das sage nicht nur ich, das sagte zum Beispiel auch das Bundeskartellamt im letzten Jahr.

Man darf nämlich nicht vergessen, dass BP, Shell und Co nicht nur eigene Tankstellen haben, sondern auch Raffinerien. Dazu kontrollieren sie Teile des Großhandels. Sie haben also eine enorme Marktmacht und dementsprechend Einfluss auf die Preise bzw. können diese bestimmen. Das sieht man allein daran, dass höhere Preise bei Rohöl an der Zapfsäule immer sofort, teilweise auch schon vorbereitend weitergegeben werden, sinkende Preise aber erst Wochen später.

Deshalb bin ich froh, dass die Bundesregierung auf Vorschlag von Lars Klingbeil sehr zeitnah eine Verschärfung des Kartellrechts auf den Weg gebracht hat. Mit dem vorliegenden Kraftstoffmaßnahmenpaket greifen wir diese Vorschläge auf. Wir sorgen einerseits dafür, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen können.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Auf der anderen Seite schärfen wir das Kartellrecht nach, weil wir das Ziel – einen funktionierenden Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt – nicht aufgeben dürfen. Das Kartellamt kann zukünftig einfacher gegen marktbeherrschende oder marktmächtige Unternehmen im Kraftstoffbereich vorgehen, insbesondere wenn es Hinweise auf unangemessen hohe Preise gibt. Und das Bundeskartellamt kann auch schneller tätig werden, wenn es eine Störung in einem Sektor gibt, im Übrigen auch ohne Hinweise auf illegale Preisabsprachen. Damit kann das Bundeskartellamt auch schneller strukturelle Verbesserungen auf den Weg bringen, nicht nur, aber vor allem im Kraftstoffbereich.

Es wird natürlich auch eine abschreckende Wirkung auf die Mineralölkonzerne haben, wenn sie wissen, dass zukünftig schneller und nicht erst ex post durch das Amt reagiert werden kann.

Grüße gehen raus an die FDP, ohne die wir das als geltendes Recht jetzt schon haben könnten. Aber ich freue mich, dass wir diese Schritte jetzt, drei Wochen nach Kriegsbeginn, vollziehen.

Ich freue mich auch sehr, dass wir mit den Kolleginnen und Kollegen der Union da an einem Strang ziehen. Danke auch Ihnen, Frau Ministerin Reiche. Sonst sind wir uns immer nicht ganz so schnell einig – umso schöner, dass es in diesem Fall gut funktioniert hat. Diesen konstruktiven Dialog werden wir fortsetzen müssen. Wenn sich diese Situation nicht entschärft, wenn der Krieg und seine Folgen andauern, werden wir über weitere Entlastungen nachdenken müssen.

Wir haben nach dem Beginn des Ukrainekriegs gute Erfahrungen mit einer Übergewinnsteuer gemacht. Mit den daraus erzielten Mitteln könnte der Staat Entlastungen gegenfinanzieren. Ich glaube, zum Beispiel eine befristete Erhöhung der Pendlerpauschale für das laufende Jahr wäre ein mögliches Mittel der Wahl, über das wir sprechen müssen.

Dementsprechend habe ich kein Verständnis, wenn liberale Ökonomen immer gegen Markteingriffe sind und behaupten, hohe Preise seien ein notwendiges Signal der Knappheit. Das macht mich und die Menschen, die morgens tanken wollen, wahnsinnig. Das werden wir nicht akzeptieren und unsere Politik nicht daran ausrichten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
12 Vermerkeca. 757 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Krieg im Iran führt uns erneut vor Augen, wie gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energien ist.

Diese Abhängigkeit macht uns nicht nur krisenanfällig, sondern bedeutet ganz konkret – das ist heute schon von verschiedenen Vorrednerinnen und Vorrednern angesprochen worden –, dass Menschen sich Sorgen machen müssen an den Tankstellen, dass sie jetzt wieder Sorgen haben müssen im Hinblick auf ihre Gas- und Stromrechnungen und dass sie Sorgen haben müssen, dass sie sich das alltägliche Leben schlechter leisten können, als es noch vor Beginn des Krieges der Fall war.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Wir wissen eigentlich seit Jahrzehnten, wie es geht, nämlich weg von den Fossilen, weg von den Abhängigkeiten, weg von den autoritären Herrschern, die uns das Gas und das Öl verkaufen und damit ihre Kriegskasse füllen, wie es gerade wieder in Russland der Fall ist. Das ist der falsche Weg.

Also: Weg mit den Abhängigkeiten, her mit den fossilfreien Lösungen!

Es ist ganz einfach; denn wir haben diese Technologien. Und wir Grünen sagen nicht, dass jeder sofort ein E-Auto kaufen kann, absolut nicht. Aber es ist möglich, dass mittel- und langfristig insbesondere günstige E-Autos den europäischen Markt erobern und dass sie aus Deutschland und Europa kommen.

Dafür muss man aber aufhören, immer wieder über das Aus vom Verbrenner-Aus zu diskutieren.

Man muss Planungssicherheit geben, man muss den Unternehmen Sicherheit bieten, wohin die Reise geht. Dann sind wir erfolgreich bei Klimatechnologien, E-Autos, Wärmepumpen aus Deutschland, aus Europa. Das muss die Stoßrichtung sein und dafür wollen wir Grüne uns immer wieder starkmachen.

Ich will an der Stelle ganz besonders betonen: Es wird momentan in Brüssel über den sogenannten IAA, über ein Industriegesetz, verhandelt, das genau diese Klimatechnologien aus Europa bevorzugen will. Die Europäische Kommission hat einen starken Vorschlag gemacht, damit wir die Abhängigkeiten von fossilen Technologien reduzieren.

Und die deutsche Bundesregierung stoppt dieses Gesetz, nimmt die von der Kommission vorgeschlagenen Anforderungen zurück, verlangsamt die Entscheidungsfindung. Das ist aus unserer Sicht Quatsch, das darf nicht sein! Wir müssen bei Klimatechnologien schneller sein. Auch das zeigt diese fossile Energiekrise, die wir jetzt haben: „Schneller und nicht langsamer“ ist das Gebot der Stunde.

Jetzt will ich einen zweiten Punkt bringen, der mir besonders wichtig ist, weil ich ein großer Fan des Kartellrechts, des Wettbewerbsrechts in Deutschland und in Europa bin.

Zuruf: Was?

Herr Kollege Roloff hat gerade die letzte GWB-Novelle angesprochen, die wir unter der Ampel verabschiedet haben. Ich selbst war Berichterstatterin für dieses Gesetz.

Dann kann es nichts taugen!

Ich habe es mit Herrn Roloff in vielen Stunden verhandelt. Wir haben uns viele Gedanken dazu gemacht, wie wir den Wettbewerb stärken, weil wir fairen Wettbewerb als zentralen Kern der sozialökologischen Marktwirtschaft sehen.

Hat ja gut geklappt bis jetzt!

Deswegen haben wir ganz bewusst diese Instrumente, die jetzt auch die Bundesregierung schaffen will, in dieses Gesetz hineinverhandelt. Deswegen haben wir ganz bewusst gesagt: Das Kartellamt muss gestärkt werden, es müssen Marktbeobachtungen gemacht werden, es müssen neue Instrumente her, die wirklich Zähne und Klauen haben; das Kartellamt muss Instrumente an die Hand kriegen, um gefährlichen Wettbewerbsverzerrungen entgegenwirken zu können.

Das war ganz interessant. Wir von grüner Seite waren sehr begeistert. Es ist ja kein Geheimnis: Der Wirtschaftsminister hieß Robert Habeck und sein Staatssekretär Sven Giegold; die waren wirklich hinterher, den fairen Wettbewerb zu stärken. Aber dann gab es eine Fraktion, die fand diese Stärkung des Kartellamts überhaupt nicht lustig. Herr Wiener, ich schaue Sie als CDU/CSU ganz konkret an. Ich habe mit Ihrem Vorgänger, Herrn Durz – er war Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion –, oft auf Podien gesessen. Die CDU/CSU-Fraktion hat gesagt: Finger weg von dieser GWB-Novelle, das ist des Teufels! Was haben wir denn da für einen Eingriff des Staates in den Markt? Das wollen wir nicht, das lehnen wir ab! – Sie von der CDU/CSU sind sogar so weit gegangen, dass Sie in Ihrem Wahlprogramm geschrieben haben, dass Sie unsere Novelle, das Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs, das wir verabschiedet haben, wieder rückabwickeln wollen. Das war die Position der CDU/CSU.

Deswegen ist Ihr Bekenntnis zum fairen Wettbewerb momentan, ganz ehrlich, doch ein bisschen schwach. Aber – das will ich ganz klar sagen – ich finde es schön, dass auch Sie jetzt für fairen Wettbewerb sind.

Ich finde es schön, dass auch Sie sich jetzt einsetzen für ein Kartellamt, das Zähne und Klauen hat. Ich finde es auch schön, dass Sie das GWB weiter stärken wollen. Und Ihre Aussagen jetzt gerade im Plenum interpretiere ich so, dass wir zusammen auf einem guten Weg sind.

Sie sind nicht auf unserem Weg, da können Sie sicher sein!

Sie sind die Letzten, die für Wettbewerb sind, Sie nicht, Sie nicht!

Herzlich willkommen im Klub der Marktwirtschaftler/-innen! Ich freue mich darüber.

Herzlichen Dank.

Porträt von Iris Nieland
Foto: Iris Nieland
19 Vermerkeca. 609 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Ja, ich stelle fest, wenn ich Ihnen so zuhöre, von schwarz bis links: Mit Ihrer Regierung sind Sie auf Kollisionskurs mit der Wirklichkeit.

Aber beginnen möchte ich, mit Erlaubnis der Präsidentin, mit einem Zitat: Wir würden die Steuer- und Abgabenlast auf Energie senken, also die Stromsteuer, die Netzentgelte und alle weiteren staatlichen Abgaben. – Das war Ihr Versprechen, Herr Kanzlerkandidat. Das war Ihr Versprechen, sehr geehrte Kollegen von der CDU, im Wahlkampf.

Um von Ihren massiven Fehlentscheidungen abzulenken, führen Sie heute diese Scheindebatte im Parlament. Ich will Ihnen ein paar Zahlen nennen, und dann zeige ich Ihnen, worum es hier wirklich geht.

Beifallbei der AfD

15 Milliarden Euro: Allein über die Energiesteuer auf Benzin nimmt der Staat jedes Jahr 15 Milliarden Euro ein. Eine zweite Zahl: 18 Milliarden Euro. Beim Diesel sind es sogar mehr als 18 Milliarden Euro. Das ergibt über 33 Milliarden Euro Steuereinnahmen auf Kraftstoffe, und das ist nur die Energiesteuer. Dazu kommen die Mehrwertsteuer und die CO2-Bepreisung. Bei jedem getankten Liter klingelt es in der Staatskasse von Herrn Klingbeil.

Beifallbei der AfD

Was erzählen Sie hier? Das ist doch selbstverständlich! Wir müssen doch auch Straßen bauen, oder nicht?

Sehr geehrte Damen und Herren, was bieten Sie denn den Menschen dafür? Sie bieten jeden Tag neue Ausreden der Bundesregierung. Sie wissen nicht weiter. Sie wissen nicht zu handeln. Sie handeln nach dem Motto: Wenn ich nicht weiterweiß, dann gründe ich einen Arbeitskreis.

– Herr Kollege.

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Wer so einen Quatsch erzählt!

Sie bieten nur Ausreden. Sie schieben es auf die Ölkonzerne, auf die internationalen Märkte und nun auf den fehlenden Wettbewerb an Tankstellen. Sie wissen nicht weiter. Sie gründen einen Arbeitskreis. Nein, Sie gründen eine Taskforce. Aber was hilft das den Menschen im ländlichen Raum in Rheinland-Pfalz, die jeden Tag ihr Auto brauchen, bei diesen explodierenden Kosten? Was bringt das den Menschen?

Und um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Bei jeder Tankfüllung werden Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO2-Steuer erhoben. Da steigen die Einnahmen des Staates automatisch mit.

Ich frage Sie: Wo ist die Entlastung, die Sie dem Bürger geben? Was bieten Sie dem Bürger? Ich sage bei dieser Regierung: Fehlanzeige. Warum auch? Wenn die Regierung bei jedem Liter abkassiert,

Sollen wir für die Ölkonzerne noch sammeln? Kommt das noch als Vorschlag?

dann tritt sie eben ungern auf die Bremse, selbst wenn der Aufprall längst absehbar ist. Diese Regierung ist auf Kollisionskurs mit der Wirklichkeit.

Beifallbei der AfD

Das passiert in einer Zeit, sehr geehrte Damen und Herren, in der viele Menschen ohnehin kaum noch über die Runden kommen. In vielen Haushalten schmilzt die finanzielle Substanz in dramatischem Tempo dahin.

Und heute, in dieser extremen Krisensituation, da führen Sie diese pure Ablenkungsdebatte. Sie, diese Bundesregierung, Sie schieben den Schwarzen Peter hin und her. Aber über Steuern und Abgabenlast, über die Belastung der Menschen wollen Sie nicht sprechen.

Wir als AfD sagen Ihnen deshalb ganz klar, was zu tun ist.

Dass die Menschen bis 77 arbeiten sollen!

Erstens. CO2-Steuer abschaffen.

Beifallbei der AfD

Zweitens. Die Energiesteuer auf Kraftstoffe deutlich senken.

Drittens. Deutschland braucht wieder eine Energie- und Steuerpolitik, die die Menschen aus Ihrem Würgegriff befreit, und die Möglichkeiten, den Bürgern wirklich zu helfen, sind da. Wir haben sie ihnen ganz klar aufgezeigt.

Unsere AfD-Steuerreform, unser AfD-Plan für Deutschland: Mit unserem Konzept

Welches Konzept?

entlasten wir Arbeitnehmer, Familien und Pendler ganz massiv.

Beifallbei der AfD

Wir wollen bezahlbare Mobilität. Das ist Voraussetzung für Stärke und Stabilität, für wirtschaftliche Stärke und soziale Stabilität. Deshalb fordern wir als AfD: Stellen Sie endlich wieder die Interessen der Deutschen an erste Stelle.

Wer gehört da nicht dazu?

Senken Sie die staatlichen Belastungen auf Energie und Mobilität. Sorgen Sie dafür, dass die Menschen wieder Luft zum Atmen haben. So stärken wir Bürger und Unternehmer.

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Regierung ist auf Kollisionskurs mit der Wirklichkeit. Es ist höchste Zeit, diese Irrfahrt zu beenden. Dazu haben die Bürger in Rheinland-Pfalz Gelegenheit.

Können Sie uns mal erklären, wer da nicht dazugehört?

Wir regeln das. Die Chance ist da. Wählen Sie die AfD in Rheinland-Pfalz!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Tilman Kuban
Foto: Tilman Kuban/ Steffen Böttcher
16 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer dieser Tage an die Tankstelle fährt, erlebt jedes Mal die gleichen zwei Dinge: erst der gespannte Blick und dann der große Schock. Noch vor drei Wochen konnte man für 1,60 Euro in Deutschland tanken. Heute werden schnell mal 2,20 Euro aufgerufen. Viele fragen sich zu Recht: Wieso kann ich eigentlich in den Nachbarländern viel günstiger tanken? Sind die Märkte nicht gleich? Läuft da nicht in Deutschland gehörig etwas schief?

Denn in Deutschland sind in den letzten Wochen die Preise um 44 Prozent gestiegen, während wir im europaweiten Vergleich nur einen Anstieg um 29 Prozent sehen. Da wird man durchaus den Verdacht nicht los: Hier machen sich die Mineralölkonzerne die Taschen voll.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Nein, der Staat! Es ist der Staat! Das können Sie im Kopf rechnen!

Was wird dann gefordert? Spritpreisbremse jetzt! Tankrabatt sofort!

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Klingt gut. Am Stammtisch bekommt man dafür durchaus Applaus.

Steuern runter! Ganz einfach!

Aber was bringt das denn wirklich? Ist das nicht das falsche Signal an den Markt, wenn dieser gegen Deutschland wettet? Denn es gibt momentan gar keinen Engpass. Deswegen gilt es, den Markt jetzt wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. So wie Sie es versuchen wollen, würde Steuergeld für die Mineralölkonzerne versenkt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Österreich macht’s doch auch!

Schauen wir uns doch mal den Tankrabatt vom letzten Mal an! Der hat den Steuerzahler in drei Monaten 3 Milliarden Euro gekostet. 70 Prozent davon sind am Ende in die Taschen der Mineralölkonzerne geflossen. Ein solcher Tankrabatt ist keine Hilfe. Ein solcher Tankrabatt ist Konzernförderung. Abzocke stoppt man nicht mit Steuergeld, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb agieren wir anders: Wir werden erstens dafür sorgen, dass die Kartellbehörden nicht mehr nachweisen müssen, dass die Preise unberechtigt gestiegen sind. Durch die Beweislastumkehr sorgen wir dafür, dass in Zukunft die Ölkonzerne nachweisen müssen, warum sie hier so viel höhere Preise nehmen als beispielsweise in Frankreich oder Italien.

Zweitens werden wir in einer weltweit abgestimmten Allianz dafür sorgen, dass Ölreserven von 400 Millionen Barrel Rohöl Stück für Stück auf den Markt kommen, damit mehr Kapazitäten im Markt sind.

Ich denke, es ist kein Mangel!

Drittens werden wir dafür sorgen, dass der Irrsinn der Preiserhöhungen – in den letzten Tagen hat man gesehen, dass sich die Preise bis zu 50-mal am Tag verändert haben – an der Zapfsäule gestoppt wird. Wir werden das österreichische Modell einführen, sodass nur noch einmal am Tag die Preise erhöht, sie aber jederzeit gesenkt werden können.

Wir reagieren klug, besonnen und marktwirtschaftlich. Das, was Sie fordern, ist populistisch, planwirtschaftlich

CO2-Steuer weg!

Das ist eine Hilfe für die Autofahrer und die Unternehmer!

und fließt eins zu eins in die Tasche der Konzerne. Noch mal: Die Abzocke stoppt man nicht mit Steuergeld.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Ich weiß, Sie werden hier gleich sagen: Deutschland hat aber so hohe Steuern und so hohe CO2-Abgaben auf Kraftstoffe. – Dazu sage ich Ihnen: Ja, das ist richtig. Deswegen kann man seit jeher in Polen, Belgien, Österreich und andernorts günstiger tanken. Aber das in einer Krise ohne Mangellage verändern zu wollen, ist schlichtweg der zweite Schritt vor dem ersten.

Wenn wir keinen Mangel haben, warum geben Sie dann die Reserven frei? Sie widersprechen sich ja in einem Satz fünfmal!

Das führt nur zu weiteren Mitnahmeeffekten – Mitnahmeeffekte, die Sie scheinbar für die Mineralölkonzerne wollen.

Apropos Mitnahmeeffekte – da kennen Sie sich ja sehr gut aus –: Sie von der AfD wollen jetzt Ihr öliges Süppchen

„Öliges Süppchen“?

auf den Flammen des Irankriegs kochen,

Zurufdes Abg. Leif-Erik Holm [AfD]

indem sich Alice Weidel hier in diesem Hohen Hause hinstellt und erklärt – ich zitiere –: „Es rächt sich der Irrglaube, auf günstiges russisches Öl und Gas verzichten zu können.“

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Sie wollen, dass wir weiterhin den Kreml finanzieren. Sie wollen frisches Geld in den Kreml bringen für seine Bomben auf ukrainische Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser.

Widerspruchbei der AfD

Sie wollen, dass Deutschland, dass Europa von diesem Kreml weiterhin bedroht werden kann. Ich zitiere Ihnen dazu Edmund Stoiber: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufeder Abg. Maximilian Kneller [AfD] und Marcel Queckemeyer [AfD]

– Ja, vielleicht denken Sie mal darüber nach.

Deswegen sage ich Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Viele Menschen machen sich jeden Tag auf den Weg zur Arbeit –

Porträt von Tilman Kuban
Foto: Tilman Kuban/ Steffen Böttcher
1 Vermerkca. 18 WörterReaktionswert: niedrig
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– oder zur Kita. Ihnen werden wir helfen

Zurufdes Abg. Steffen Janich [AfD]

mit unserem Paket. Ihnen hilft nicht ein Philosophieren über E-Autos.

Porträt von Tilman Kuban
Foto: Tilman Kuban/ Steffen Böttcher
3 Vermerkeca. 18 WörterReaktionswert: niedrig
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Denen hilft nur eine klare politische Marschroute. Die haben wir als Koalition.

Die haben Sie eben nicht!

Darauf können sich die Menschen verlassen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der AfD
Porträt von Bernd Schattner
Foto: Bernd Schattner
6 VermerkeZwischenfrageca. 331 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Diese Aktuelle Stunde ist mal wieder eine klassische Nebelkerze der Koalition, um von den Tatsachen abzulenken; das haben wir ja gerade in Reinkultur gehört. Stellen Sie sich doch zu Hause mal eine ganz einfache Frage: Wer ist denn der größte Profiteur der aktuellen Preise?

Die Mineralölkonzerne!

Ganz genau: der bekannte Antifa-Freund und Finanzminister Klingbeil. Aktuell beträgt die Energiesteuer rund 65 Cent je Liter Benzin,

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

47 Cent je Liter Diesel, die ideologisch bedingte CO2-Steuer mit rund 19 Cent kommt obendrauf.

Und auf all diese Steuern kommt noch mal die Mehrwertsteuer.

Hört! Hört!

Bei Preisen von 2 Euro sind mittlerweile rund 1,16 Euro für den Staat. Und die 2 Euro haben wir schon lange überschritten. Das muss man sich mal vorstellen: Rund 60 Prozent der Kosten an der Tankstelle fließen direkt auf die Konten des Finanzministeriums. Da sitzen doch die Mitarbeiter in ihren Büros und freuen sich wie Dagobert Duck über die sprudelnden Mehreinnahmen,

Das hat doch nichts mit dem Irankonflikt zu tun! Das ist doch schon viel länger so!

aktuell jeden Monat 200 Millionen Euro mehr allein durch die gestiegenen Preise!

Aber es ist ja nicht so, dass es dazu keine Alternativen gäbe. Ich komme aus der schönen Pfalz. Dort fährt man mittlerweile einfach über die Grenze nach Frankreich. Und siehe da: Super unter 1,80 Euro. Die Trierer Freunde fahren nach Luxemburg: Super rund 1,60 Euro. Und in Ungarn gibt es den Liter für rund 1,50 Euro.

Der Treppenwitz der Geschichte ist aber die Situation in Polen. Die Raffinerie in Schwedt produziert Sprit, liefert ihn über die Grenze ins Nachbarland, und die Deutschen fahren zum Tanken hinterher. Das ist aber auch nachvollziehbar. Rund 40 Prozent billiger kann man da seinen Tank vollmachen.

Übrigens: Seit Jahren heißt es ja, Grenzschutz gegen Illegale ist nicht möglich. Aber ganz genau kontrollieren, ob jemand vielleicht einen Kanister Sprit zu viel im Kofferraum hat, das geht. Dem Staat könnten ja 2 oder 3 Euro Steuern entgehen.

Sie haben davon getrunken

könnte man meinen, wenn man Ihre Rede hört!

Und wer ist schuld an der ganzen Misere? Die Politik versucht mal wieder, den Schwarzen Peter den Ölkonzernen zuzuschieben.

Porträt von Bernd Schattner
Foto: Bernd Schattner
11 Vermerkeca. 473 WörterReaktionswert: hoch
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Und ja, da steckt sich bei den Mineralölkonzernen der eine oder andere auch einen Extra-Euro in die Tasche. Die Hauptschuldigen für die Preise sitzen aber auf der Regierungsbank und mir hier direkt gegenüber in den Reihen der Grünen.

Beifallbei der AfD

Wer hat die Energiekosten in Deutschland in unermessliche Höhen getrieben? Es waren Sie alle hier im Parlament, mit Ausnahme der AfD-Fraktion. CO2-Steuer, Emissionshandel, Energiesteuer, all das haben doch Sie zu verantworten. Ihre maßlose Steuer- und Abgabenlast belastet jeden einzelnen Bürger hier im Land und treibt die Industrie ins Ausland. Aus der Kugel Eis für die sogenannte Energiewende ist schon lange für jeden Bürger ein ganzer Eiswagen geworden, den er hier zu finanzieren hat.

Aber die Krönung ist ein Umweltminister, der frei nach Marie Antoinette sagt: Wenn ihr euch keinen Verbrenner leisten könnt, so schafft euch doch ein Elektroauto an.

Beifallbei der AfD

Aber die Geschichte hat gezeigt, wohin so was führt. Über die Anschaffungskosten sagen Sie kein Wort, zu den horrenden Strompreisen auch nichts.

Im Gegensatz zu Ihnen sind wir von der AfD auf den Dörfern und im ländlichen Raum unterwegs,

dort, wo die Grünen vermutlich schon lange nicht mehr waren, dort, wo die Menschen auf ihr Auto angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen, wo das Auto gebraucht wird, um zum Supermarkt zu fahren oder um die Kinder zum Sport oder zu Freunden zu bringen. Ich sage Ihnen eins: Dort steigt immer mehr die Wut, und das zu Recht.

Die Menschen sind nicht dumm. Sie schauen nach Frankreich, nach Polen, Österreich und Ungarn. Überall um uns herum sind die Preise deutlich günstiger als bei uns, und die Menschen wissen ganz genau, wer daran schuld ist:

Beifallbei der AfD

nicht in erster Linie die Konzerne, sondern Sie mit einer verantwortungslosen Energiepolitik, die den Menschen das Geld mit klebrigen Fingern, mit Steuern und Abgaben aus der Tasche zieht.

Aber die meisten Bürger haben genug von Ihren Phrasen. Die Menschen wollen keine Ausreden mehr hören. Sie wollen keine Arbeitskreise, keine Prüfaufträge und keine neuen Abgaben. Sie wollen endlich echte Entlastungen – spürbar, sofort und ehrlich. Denn es ist doch ganz einfach: Wenn der Staat weniger kassiert, bleibt den Bürgern mehr im Geldbeutel. So einfach kann das funktionieren.

Beifallbei der AfD

Aber genau davor schrecken Sie zurück, weil Sie sich längst daran gewöhnt haben, immer tiefer in die Taschen der Menschen zu greifen. Und genau deshalb braucht dieses Land einen politischen Wechsel, einen Wechsel hin zur Vernunft, hin zu bezahlbarer Energie

Hin zu „Friends and Family“!

und hin zu einer Politik, die wieder für die eigenen Bürger gemacht wird und nicht gegen sie.

Zurufvon der CDU/CSU: Hin nach Russland!

Aber zum Glück haben die Menschen eine Wahl. Bereits diesen Sonntag werden Sie Ihr nächstes blaues Wunder erleben.

Heute minus 3 Prozent!

Am Sonntag wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Rheinland-Pfalz wird blau.

Das ist zu lang für ein Tiktok-Video! Sie müssen mal zum Schluss kommen!

Das ist gut für dieses Land und die Menschen vor Ort. Sie hatten Jahrzehnte Zeit und haben es nicht geregelt bekommen. Jetzt werden wir das für Sie regeln.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Thomas Stephan
Foto: Thomas Stephan/ Tobias Adam
9 VermerkeZwischenfrageca. 453 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist schon sehr erstaunlich, dass ausgerechnet die Koalition dieses Thema auf die Tagesordnung setzt. Aber ich muss sagen, nachdem ich den ersten Redner heute gehört habe, der in ein und demselben Satz gesagt hat: „Wir haben keine Mangellage, und deswegen geben wir die Ölreserven frei“, wundert mich hier überhaupt nichts mehr.

Denn während die Preise an der Tankstelle explodieren, während Pendler und Betriebe bald nicht mehr wissen, wie sie das alles bezahlen sollen, und während Familien und Hausbesitzer Angst vor der nächsten Heizölrechnung haben, verhält sich diese Bundesregierung mal wieder wie das Kaninchen vor der Schlange: planlos, hilflos und konzeptlos. Dabei trifft die aktuelle Tankabzocke unsere Bürger und Unternehmen bis ins Mark. Und was macht diese Bundesregierung dagegen? Ha, sie bildet einen Stuhlkreis namens Taskforce und verspricht dadurch mehr Transparenz.

Meine Damen und Herren, das zeigt auf erschreckende Weise: Diese Bundesregierung ist unfähig, in der Krise die richtigen Maßnahmen zu treffen, und lässt unsere Bürger mal wieder im Stich.

Beifallbei der AfD

Was sind denn „die richtigen Maßnahmen“?

Und das sagen nicht nur wir, nein, das sagt auch der größte Automobilklub Europas, der ADAC. Laut ADAC sind die Kraftstoffpreise in Deutschland teilweise doppelt so stark gestiegen wie in anderen europäischen Ländern. Das ist für den ADAC der Beweis: Das Problem ist hausgemacht.

Meine Damen und Herren, wenn die Preise bei uns stärker steigen als im Ausland, wenn unsere Bürger eine CO2-Abgabe bezahlen und zusätzlich eine überzogene Energiesteuer tragen müssen, dann liegt das nicht an mangelnder Transparenz, dann liegt das am politischen Versagen dieser Bundesregierung.

Beifallbei der AfD

Aber schauen wir uns die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung mal genauer an. Unglaublich: Die Benzinpreise sollen nur noch einmal täglich erhöht werden. Das Kartellrecht soll verschärft werden, und man will Untersuchungen beschleunigen.

Was auch immer das bedeutet; das weiß ja kein Mensch bei Ihnen.

Aber das hilft keinem einzigen Bürger beim Tanken. Sie machen mal wieder Symbolpolitik. Sie verabreichen ein Placebo. Sie täuschen wieder einmal die Wähler.

Beifallbei der AfD

Nee, wir sagen vorher, was wir machen!

Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie sinnlos diese Maßnahmen sind, dann liefern ihn ausgerechnet die Grünen. Unglaublich, aber wahr – Sie haben richtig gehört –: Selbst die grüne Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Nordrhein-Westfalen, nennt das Ganze eine „politische Beruhigungspille“ und einen kosmetischen Eingriff.

Da kennt sie sich ja auch aus!

Meine Damen und Herren der Koalition, wenn selbst die wirtschaftsfeindlichen Grünen das sagen, dann muss man doch wissen, wie schlecht dieses Maßnahmenpaket wirklich ist.

Beifallbei der AfD

Was ist denn Ihr Vorschlag?

Und über eines haben wir ja noch gar nicht gesprochen: darüber, dass dieser Staat, dass diese Bundesregierung an den hohen Spritpreisen mitverdient. Mehr als die Hälfte des Benzinpreises sind Steuern und Abgaben. CO2-Abgabe: 10 Prozent. Energiesteuer: 40 Prozent. Darauf noch mal 19 Prozent Mehrwertsteuer. Während unsere Bürger leiden, stopft sich dieser Staat die Taschen voll. Meine Damen und Herren, dieser Zustand ist eine Schande!

Beifallbei der AfD

Wer stopft sich denn die Taschen voll? Fragen Sie mal nach Vetternwirtschaft! Wer stopft sich denn die Taschen voll? Wen beschäftigen Sie denn? Unverschämt!

Porträt von Thomas Stephan
Foto: Thomas Stephan/ Tobias Adam
6 Vermerkeca. 200 WörterReaktionswert: hoch
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Und diese Spritpreise haben weitere massive Folgen: Der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung wird ausbleiben, Investitionen werden zurückgestellt, und unsere Unternehmen verlieren noch mehr an Wettbewerbsfähigkeit.

Meine Damen und Herren, diese Bundesregierung fährt unsere Volkswirtschaft sehenden Auges und mit Vollgas gegen die Wand.

Beifallbei der AfD

Durch die falschen Maßnahmen der Bundesregierung werden wir insgesamt noch weniger Wachstum, noch weniger Steuereinnahmen und eine höhere Verschuldung erleben. Meine Damen und Herren, wenn diese Politik so weitergeht, laufen wir tatsächlich auf den Staatsbankrott zu.

Jetzt aber!

Zurufvon der CDU/CSU: Mensch!

Und während all das passiert, hören wir vom SPD-Umweltminister Carsten Schneider den superschlauen Satz: Dann fahren Sie doch ein Elektroauto! – Das zeigt die ganze Arroganz dieser Bundesregierung. Anstatt für die Bürger in unserem Land da zu sein, will diese weiterhin belehren und bevormunden.

Dabei liegen die Lösungen doch wirklich auf der Hand:

Setzen Sie einfach unsere Forderungen um! – Hören Sie zu, können Sie was lernen!

Lachendes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Setzen Sie die CO2-Abgabe aus! Senken Sie die Energiesteuer! Und reduzieren Sie die Mehrwertsteuer!

Liebe Bürger, diese Krise ist politisch gemacht. Aber diese Krise wäre lösbar. Dazu brauchen wir einen Kurswechsel. Und genau darüber wird entschieden am kommenden Wochenende in meiner Heimat in Rheinland-Pfalz. Am 22. März, liebe Bürger, in Rheinland-Pfalz die AfD wählen!

Zurufvon der Linken: Besser nicht!
Porträt von Thomas Stephan
Foto: Thomas Stephan/ Tobias Adam
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Denn wir regeln das.

Ganz sicher nicht!

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
6 Vermerkeca. 704 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die Stärkung des Wettbewerbs ist richtig, die Stärkung des Wettbewerbs ist gut für die Verbraucherinnen und Verbraucher im Land. Der Wettbewerb ist Teil der sozialen Marktwirtschaft. Wir stehen für Wettbewerb und wir stehen für die soziale Marktwirtschaft, die Koalition, insbesondere aber auch die CDU/CSU-Fraktion, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn das endlich so ist, dann ist es ja gut!

Es wurde angesprochen: Die Lage ist wirklich angespannt. Ursächlich ist natürlich der Konflikt im Iran. Die Auswirkungen der Lage in der Straße von Hormus sind für jedermann spürbar: für die Verbraucherinnen und Verbraucher, für die Pendlerinnen und Pendler und auch für die Unternehmen, für den Mittelstand, für das Handwerk; alle leiden unter den hohen Spritpreisen, alle sind entsprechend betroffen.

Aber ich möchte an dieser Stelle auch sagen: Es handelt sich um einen externen Schock, um ein Ereignis, das außerhalb Deutschlands stattfindet, das nicht national bedingt ist. Deswegen verbitte ich mir von Herrn Audretsch Schuldzuweisungen, dass wir an der aktuellen Situation schuld seien. Das ist wirklich infam und in aller Form zurückzuweisen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das habt ihr täglich gemacht mit Robert Habeck! Hast du Gedächtnisverlust?

Wir haben ja auch nicht gesagt, dass irgendjemand von Ihnen am Krieg in der Ukraine schuld sei.

Doch, ganz genau das haben Sie die ganze Zeit gesagt! Die ganze Zeit waren wir schuld an der Wirtschaftsflaute!

Widerspruchdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Es ist wirklich nur noch bizarr, wie Sie hier argumentieren.

Wir zeigen Handlungsfähigkeit. Wir bringen morgen das Kraftstoffmaßnahmenpaket in den Deutschen Bundestag ein. Es sei auch erwähnt, dass die Formulierungshilfen – wir waren ja am Wochenende dabei – vom Bundeswirtschaftsministerium kamen. An dieser Stelle herzlichen Dank an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, dass die entsprechenden Vorschläge gemacht wurden und auch wirklich Geschwindigkeit aufgenommen wurde. Danke, auch persönlich, an die Ministerin!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir werden nächste Woche schon die zweite und dritte Lesung im Bundestag durchführen. Der Gesetzentwurf wird dann rechtzeitig am 27. März in den Bundesrat kommen, sodass das Kraftstoffmaßnahmenpaket vor Ostern in Kraft gesetzt werden kann. Das zeigt die Handlungsfähigkeit dieser Koalition, meine Damen und Herren, und das ist ein gutes Zeichen.

Wenn wir über die Maßnahmen sprechen, dann möchte ich an dieser Stelle auch betonen, dass die Maßnahmen zielgerichtet sind. Die Preise steigen natürlich überall in der EU, aber in Deutschland besonders stark. Es wurde schon angesprochen: In Deutschland ist der Dieselpreis um 44 Prozent gestiegen, in der EU im Schnitt nur um 29 Prozent. Beim Benzin waren es in Deutschland 29 Prozent, EU-weit nur 16 Prozent. Das deutet natürlich schon auf Beeinträchtigungen des Wettbewerbs hin. Wir wollen aber Wettbewerb; Wettbewerb ist gut für die Verbraucher. Die Mineralölkonzerne müssen zukünftig begründen, wie die Preissteigerungen zustande kommen. Das werden wir durch eine Beweislastumkehr bewerkstelligen.

Es gibt – das sei an dieser Stelle noch mal erwähnt – kein Recht auf Abzocke. Deshalb wollen wir, dass das Kartellamt ganz genau hinschaut. Das stärken wir durch eine Vereinfachung der Sektoruntersuchung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Grünen, dann müssen Sie uns auch erklären, warum nach der jetzigen Gesetzeslage diese Sektoruntersuchung, wenn ein Rechtsstreit anhängig war, nicht möglich war. Das ist die Gesetzeslage, die wir nach Ihrer Regierungszeit vorgefunden haben, meine Damen und Herren.

Wir wollen das jetzt vereinfachen und dadurch die Marktteilnehmer disziplinieren und den Wettbewerb stärken.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir führen das österreichische Modell ein; es wurde schon angesprochen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass dieses Modell wirksam sein kann, dass die Preise dadurch nach unten gehen können. Das sind insgesamt gute Maßnahmen, die auf den Weg gebracht werden.

Noch ein Punkt zur AfD. Die Freigabe der Reserven – 400 Millionen Barrell Rohöl –, ist eine international konzertierte Aktion, die wichtig ist und die auch ein Signal an die Märkte sendet. Das hat nicht unmittelbar unbedingt etwas mit Knappheiten zu tun. Man kann mit Freigaben von Reserven auch Märkte beeinflussen, und das ist das Ziel dieser Aktion.

Ich habe es gesagt: Die Unsicherheit treibt die Preise. Das Basisszenario ist natürlich nach wie vor, dass wir eher von einem kurzfristigen Konflikt, von einem kurzfristigen Krieg ausgehen können. Aber natürlich kann es auch sein, dass es länger dauert, und dann sind die Implikationen entsprechend umfassender. Da geht es dann um Preise von Produkten, um Preise von Transport, aber auch um die Beeinträchtigung von Lieferketten, um die Steigerung von Lebensmittelpreisen.

Wir müssen uns an der Stelle natürlich auch weitere Maßnahmen vorbehalten. Die weiteren Maßnahmen müssen dann aber überlegt, zielgerichtet, klug und wirksam sein. Dazu werden wir uns jetzt schon Gedanken machen.

An der Stelle vielleicht noch ein letzter Punkt zur AfD.

Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
ca. 19 WörterReaktionswert: ruhig
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Sie haben Mitnahmeeffekte beschrieben. Da kennen Sie sich ja mit Ihren Überkreuzbeschäftigungen ganz gut aus. Wir ergreifen wirksame Maßnahmen.

Porträt von Isabel Cademartori
Foto: Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 777 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land stehen an der Zapfsäule und fühlen sich nicht nur belastet, sie fühlen sich geradezu ausgeliefert. Sie fragen sich, wie lange sie sich den Weg zur Arbeit eigentlich noch leisten können. Und sie haben eine weitere, einfache und berechtigte Frage: Wer verdient eigentlich daran, dass mein Alltag immer teurer wird?

Der Staat!

Jetzt sind wir gespannt!

Schauen wir auf die Fakten. In Deutschland stieg der Spritpreis am stärksten in ganz Europa: im Februar durchschnittlich plus 13,8 Prozent pro Liter Super und plus 24,8 Prozent pro Liter Diesel. In Deutschland kostet 1 Liter Benzin momentan durchschnittlich 2,08 Euro, während er in Italien zum gleichen Zeitpunkt 1,78 Euro kostet. Das sind 30 Cent Unterschied, meine Damen und Herren, für dasselbe Produkt im selben Binnenmarkt. Das ist einfach dreist!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und wie erklären das die Konzerne? Na ja, seltsamerweise haben sie dieselbe Erklärung wie die AfD. Also, es gibt eine unheilige Allianz zwischen Mineralölkonzernen und AfD an dieser Stelle.

Lachendes Abg. Steffen Kotré [AfD]

Denn beide verweisen Richtung Staat und auf die Steuern.

Aber jetzt wird es unbequem. In Italien zahlt der Kunde aktuell 73 Cent Steuern pro Liter, in Deutschland 66 Cent. Und dennoch ist der Benzinpreis in Italien 30 Cent billiger. Wie erklären Sie und Ihre Freunde, die Ölkonzerne, das?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Hört! Hört!

Noch ein Fakt für die AfD, die hier Fake News verbreitet: Die Energiesteuer und die CO2-Abgabe sind fixe Abgaben. Sie steigen nicht, wenn der Spritpreis steigt. Der Staat bereichert sich nicht an steigenden Spritpreisen.

Und bei der Mehrwertsteuer?

Im Gegenteil: Die Einnahmen sinken. Warum? Wenn die Sprit- und die Energiepreise steigen, können viele Menschen weniger fahren, weniger ausgeben, sie können weniger verbrauchen. Und dadurch sinken die staatlichen Einnahmen beträchtlich, weshalb wir von dieser Krise überhaupt nicht profitieren. Weder der Staat noch die Bürgerinnen und Bürger profitieren. Die Einzigen, die profitieren, sind die Mineralölkonzerne.

Beifallbei der SPD

Und was ist mit der Mehrwertsteuer? Die haben Sie vergessen!

Die Mineralölkonzerne und ihre Aktionäre sind die Gewinner dieser Krise. Die Aktien von Shell und BP sind im letzten Monat um 20 Prozent gestiegen. Wissen Sie, was noch im letzten Monat um 20 Prozent gestiegen ist? Sie haben es erraten: ihre Spritpreise.

Wenn jetzt aus der Mineralölwirtschaft und der AfD der Ruf nach Steuersenkungen kommt, will ich alle an das Jahr 2022 erinnern. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind die Energiepreise in die Höhe geschossen. Die Bundesregierung hat die Steuern und Abgaben auf Sprit gesenkt, Stichwort „Tankrabatt“. Etliche Studien, die hinterher gemacht wurden, haben gezeigt, dass die Konzerne nur bis zu 70 Prozent dieser Steuersenkung überhaupt weitergegeben haben. 30 Prozent haben sie schön einbehalten. Und sie haben mehr einbehalten in den Bundesländern, in denen die Menschen hohe Einkommen haben, und weniger in denen, in denen sie niedrige Einkommen haben. Sie haben genau geguckt: „Wo können wir höhere Spritpreise verlangen?“, und diese Steuersenkung selbst mitgenommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Etliche Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Gewinne im Jahr 2022 massiv nach oben gegangen sind. Die Konzerne der Mineralöl- und Gasindustrie haben fast 500 Milliarden Dollar verdient, rund 65 Prozent mehr, als Analysten in diesem Jahr erwartet hatten.

Also: Wenn sich Konzerne bei den Preisen absprechen, wenn sie 50-mal am Tag den Preis verändern, um abgesprochene Anstiege zu verschleiern, dann ist das kein funktionierender Wettbewerb. Deshalb richte ich heute ganz bewusst einen Appell an die Konzernspitzen: Sie tragen Verantwortung – nicht nur für Ihre Aktionäre, sondern auch für Millionen von Menschen, die Ihre Preise jeden Tag bezahlen müssen.

Aber, meine Damen und Herren, der zweite Teil der Wahrheit ist: Auch die Politik trägt eine Verantwortung – sie hat dem etwas entgegenzusetzen –, und die nehmen wir wahr. Dass Ölmultis rücksichtslos viel Geld verdienen wollen, ist keine Überraschung. Mit der FDP in der Ampel waren Kartellrechtsverschärfungen unmöglich. Ich bin sehr froh, dass wir in dieser Koalition jetzt gemeinsam diesen dysfunktionalen Energiemarkt endlich angehen.

Wir haben zu lange zugeschaut. Wir haben Märkte als gegeben hingenommen, obwohl sie offensichtlich nicht funktionieren. Wir haben auf Wettbewerb gesetzt, wo in Wahrheit längst Oligopole herrschen. Die Menschen erwarten von uns, dass wir handeln; denn ein Markt, in dem Spritpreise sofort steigen, wenn der Ölpreis steigt, aber ganz langsam sinken, wenn der Ölpreis wieder sinkt, sind keine funktionierenden Märkte.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Diese Woche gehen wir erste Schritte: mehr Transparenz bei Preisen, damit Verbraucher wirklich vergleichen können und es einen echten Wettbewerb zwischen Tankstellen gibt. Denn wer kann eine fundierte Kaufentscheidung treffen, wenn die Preise sich bis zu 50-mal am Tag verändern? Die Regelung, dass der Spritpreis nur ein Mal am Tag geändert werden darf, gibt es bereits in Österreich, und sie hat sich bewährt.

Weiterhin werden wir das Kartellamt stärken und die Beweislast umkehren, sodass die Konzerne beweisen müssen, dass sie keine Preisabsprachen treffen. Und ich sage: Ja, wir müssen auch über eine Übergewinnsteuer sprechen, –

Porträt von Wilhelm Gebhard
Foto: Wilhelm Gebhard / Tobias Koch
14 VermerkeZwischenfrageca. 690 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Zunächst einmal stelle ich fest und bin sehr dankbar und froh, dass wir eine Bundeswirtschaftsministerin haben, die hoch konzentriert und hoch fokussiert auf die Situation in der Welt reagiert und in puncto Wirtschaft vor allem auch agiert und sich nicht von den Massenmails beeinflussen lässt, die – gezielt gesteuert – uns jeden Tag ins Haus schwappen. Nein, machen Sie bitte genau so weiter, liebe Frau Wirtschaftsministerin Reiche! Sie machen einen Topjob.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]

Oh, oh, oh!

Es drängt sich der Eindruck auf, dass einige in diesem Land jede Gelegenheit nutzen und politisch ausschlachten. Bei manchen Parteien wird jede Krise, jede Katastrophe, jedes Problem, jede Sorge zum Geschäftsmodell. Ruhe und Besonnenheit sind jetzt das Gebot der Stunde.

Ja, klar!

„Ein Liter Sprit kostet mehr als zwei Euro – und die Nation rastet aus“ – so der Titel eines Kommentars in der „Süddeutschen Zeitung“ am 12. März. Und ganz ehrlich: Wenn man manche Beiträge hier hört, dann hat man fast das Gefühl, dass genau dieses Ausrasten einigen ganz gut ins Konzept passt. Während viele Menschen im Alltag spürbar unter den hohen Preisen leiden, wird hier an manchen Stellen eher darüber nachgedacht, wie man daraus das eigene politische Narrativ stricken kann. Das hilft niemandem; das ist nur entlarvend.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn die Ausgangslage ist klar: Die Preise an den Tankstellen sind für alle eine reale Belastung, gerade auf dem Land. Als Wahlkreisabgeordneter für gleich zwei große Landkreise weiß ich, wovon ich spreche und was für Belastungen die Menschen im ländlichen Raum täglich hinzunehmen haben. Wer auf das Auto angewiesen ist, kann eben nicht einfach ausweichen, und genau deshalb müssen wir uns anschauen, was hier konkret vorgeschlagen wird und vor allem von wem.

Von grüner Seite hören wir zwar einen, vielleicht auch zwei interessante Vorschläge, aber natürlich auch wieder die alte Leier: mehr ÖPNV,

ein günstigeres Deutschlandticket oder – wie heute Vormittag zu hören – gar die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets.

Ja! Das war eine gute Idee!

Noch mal: Der Ausbau des ÖPNV ist richtig; aber er löst nicht das Problem, das wir hier jetzt gerade haben, und schon gar nicht im ländlichen Raum, wo der ÖPNV noch ausgebaut werden muss. Darüber sind wir uns hier einig. Aber das schaffen wir eben nicht jetzt und sofort.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist Politik für eine bestimmte Klientel, für gut angebundene Städte. Für große Teile der Bevölkerung, insbesondere im ländlichen Raum, ändert sich dadurch kurzfristig gar nichts.

Zurufdes Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist keine Antwort für die Menschen, die heute auf ihr Auto angewiesen sind. Das ist Politik nach dem Motto „Wenn sie keinen Sprit haben, dann sollen sie doch mit der Bahn fahren“. Ich sage nur: Elfenbeinturm.

Und dann kommen die Vorschläge von der linken Seite, Stichwort „Übergewinnsteuer“.

Ich frage mich wirklich, wie Sie auf so was kommen. Gerade in einer solchen Situation nichts Besseres zu tun zu haben, als nach noch mehr Steuern zu rufen – mehr und mehr –,

Nur für die Reichen, die Superreichen!

ist genau das, was dieses Land im Moment am wenigsten braucht. Im Jahr 2022 haben ähnliche Eingriffe in den Markt zu juristischen Klagen geführt,

Alle gewonnen!

und es hat sich gezeigt, dass die Effekte nicht bei den Bürgern ankamen. Schon die zentrale Frage „Was ist überhaupt ein Übergewinn?“ ist ungeklärt. Wo ziehen Sie die Grenze, und wer entscheidet das?

Das steht im Gesetz!

Übergewinne nur für Sprit oder auch für Strom oder weitere Felder? Sie öffnen die Büchse der Pandora.

Die Folge ist absehbar: enorme Bürokratie, rechtliche Unsicherheit und am Ende oft ein Ergebnis, das hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das ist keine gezielte Entlastung; das ist vor allem mehr Staat, und davon haben wir gerade genug. Dass Sie mit solch einer Forderung auch einen Großteil der Ökonomen und Wissenschaftler dieses Landes ignorieren, überrascht mich nun auch nicht wirklich.

Und während wir hier über solche Vorschläge sprechen, erleben wir gleichzeitig etwas anderes von der AfD. Zwar gibt es hier einige Vorschläge, die in bestimmten Punkten lohnen, diskutiert zu werden; aber die Art und Weise, wie Sie mit der Verunsicherung der Menschen umgehen,

sie teilweise sogar befeuern und Ängste schüren, ist unwürdig.

Posts, beispielsweise erst kürzlich wieder in Social Media zu sehen, in denen man mit den Botschaften suggeriert, dass man zukünftig im Ausland nicht mehr tanken dürfe, sind unredlich.

Das ist üble Meinungsmache, die mit den Ängsten der Bürgerinnen und Bürger spielt.

Porträt von Wilhelm Gebhard
Foto: Wilhelm Gebhard / Tobias Koch
ca. 42 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, keine mehr. – Sie wissen genauso gut wie wir, dass der Zoll andere Dinge zu tun hat, als über Spritschmuggel nachzudenken oder dem nachzugehen.

Deshalb ist der Dreiklang der Koalition jetzt das Gebot der Stunde; meine Vorredner haben dazu ausgeführt.

Danke schön.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
11 Vermerkeca. 561 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Vielen Dank für die Gratulation. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Alle Menschen möchten im Krankheitsfall gut, schnell und wirkungsvoll behandelt werden; doch viel zu oft geraten sie in ein System ohne Kompass: zu viele ärztliche Kontakte, wenig Koordination, lange Wartezeiten. Das ist nicht nur frustrierend, das ist oft auch teuer und ineffizient.

Deswegen braucht es dringend ein verlässliches Primärversorgungssystem

mit haus- und kinderärztlichen Praxen als Erstanlaufstellen und Lotsen, wie es andere Länder längst haben, aber kein halbherziges Primärarztsystem, wie es in Ihrem Koalitionsvertrag steht.

Die Behandlung muss interprofessionell durch Teams erfolgen. Längst nicht immer ist ein Arztkontakt notwendig. Hochqualifizierte Praxisteams können und sollen mehr Verantwortung übernehmen,

und auch digitale Kontaktaufnahmen sind sinnvoll; das entlastet Ärztinnen und Ärzte und schafft Zeit für die komplexen Fälle. Das Prinzip muss sein: digital vor ambulant vor stationär.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Serdar Yüksel [SPD]

Sie von der Regierung haben aber immer noch kein Konzept und offensichtlich auch keine klaren Vorstellungen; Sie beziehen wichtige Verbände nicht mal in Ihre Beratungen ein. Das alles ist beunruhigend.

5 000 Hausarztsitze sind unbesetzt; in über 100 Planungsbereichen besteht oder droht Unterversorgung.

Deswegen muss zunächst einmal die Möglichkeit geschaffen werden, sich überall freiwillig in eine Hausarztpraxis einzuschreiben. Praxen müssen erreichbar sein. Deswegen braucht es auch kleinere Planungseinheiten. Als Anreize für die Einschreibung dienen vor allem Termingarantien, wenn Facharztüberweisungen nötig sind. Hausärztinnen und Hausärzte können aber über 80 Prozent der medizinischen Probleme selbst abschließend lösen.

Primärversorgungssysteme reduzieren unnötige Facharztkontakte, unnötige stationäre Einweisungen und Medikationsfehler, und sie legen einen Schwerpunkt auf Gesunderhaltung und Prävention. So wird Versorgung verbessert, und mittelfristig lassen sich auch Kosten sparen.

Die hausarztzentrierte Versorgung, HZV, ist die Blaupause für diese Reform. Aber zur HZV haben Sie von der Regierung sich noch nicht einmal alle nötigen Informationen verschafft, wie unsere Kleine Anfrage gezeigt hat. Ganz wichtig sind eine neue teambasierte Vergütung, ein Leistungsverzeichnis für die Praxen durch die Selbstverwaltung und eine patientenorientierte Qualitätssicherung.

Wir haben keine Zeit zu verlieren. Deswegen gilt: Nehmen Sie unseren Antrag auf, und legen Sie im Interesse der Patientinnen und Patienten endlich einen Gesetzentwurf vor.

Genauso klar müssen wir bei Medizinischen Versorgungszentren, MVZ, sein. Sie bieten Ärztinnen und Ärzten Anstellungsmöglichkeiten und sind eine bewährte Versorgungsform. Aber es gibt erkennbar Fehlentwicklungen. Investoren, meist Private-Equity-Firmen, gründen über den Erwerb eines Krankenhauses in zunehmendem Maße MVZ ohne fachlichen oder regionalen Bezug zum Krankenhaus. Nicht selten konzentrieren sich diese MVZ in Ballungsgebieten und spezialisieren sich auf einzelne lukrative Leistungen. Patientinnen und Patienten ist der Eigentümer oft gar nicht bekannt. Deswegen braucht es Transparenz, etwa auf einem Praxisschild und im Arztregister, und neue Regeln. Krankenhäuser sollen MVZ nur noch mit regionalem und fachlichem Bezug gründen können.

Ärztinnen und Ärzte müssen in allen MVZ weisungsungebunden arbeiten können, und die ärztliche Leitung muss gestärkt werden. Der Fokus darf in unserem Solidarsystem nirgendwo auf Gewinnmaximierung liegen, und seine Mittel dürfen nicht in internationale Finanzmärkte abfließen.

Hören Sie auf den Bundesrat und den Freistaat Bayern, die zu Recht auf eine Regulierung der MVZ drängen, und setzen Sie unseren Antrag zügig um.

Gleichzeitig wollen immer mehr, vor allem ländliche Kommunen, Verantwortung übernehmen und MVZ gründen, wenn die ärztliche Versorgung bedroht ist. Hier braucht es dringend Erleichterungen und spezielle Förderung, so wie wir Grünen das jetzt in Rheinland-Pfalz vorschlagen. In Ihrem Koalitionsvertrag steht dazu leider gar nichts. Nehmen Sie Erleichterungen für Kommunen mit in ein MVZ-Gesetz auf, und beschließen Sie rasch ein solches Gesetz.

Vielen Dank.

Porträt von Hans Theiss
Foto: Prof Dr. Hans Theiss/ Wilfried Wulff
4 Vermerkeca. 505 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Grau, auch von meiner Seite alles Gute zum Geburtstag, Gottes reichen Segen, viel Gesundheit! Ihnen zu Ehren entschärfe ich jetzt meine Rede.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Einführung des Primärversorgungssystems wird das schwierigste und weitreichendste gesundheitspolitische Gesetzesvorhaben in dieser Legislaturperiode werden. Es handelt sich um nichts weniger als eine Revolution im ambulanten Gesundheitswesen. Deshalb muss man sich diesem Vorhaben mit Gründlichkeit und Seriosität widmen. Ich danke unserer Bundesministerin Nina Warken, dass sie sich, basierend auf dem Koalitionsvertrag, mit Ihrem Haus hier schon auf den Weg gemacht hat. Das Auftaktgespräch für den Fachdialog zum Primärversorgungssystem fand bereits im Januar statt und war ein großer Erfolg – mit Beiträgen aller Spitzenakteure des Gesundheitswesens. Derzeit erfolgt der vertiefende Austausch mit den Verbänden, und im Sommer dieses Jahres soll ein Referentenentwurf zum Primärversorgungssystem vorgelegt werden.

Aus meiner Sicht sind folgende Punkte besonders wichtig:

Erstens. Das Prinzip der freien Arztwahl muss auf Hausarztebene erhalten bleiben. Die Primärversorgung muss die Patienten besser steuern. Das heißt, dass ihnen effizienter und zielgerichteter geholfen wird. Eine noch bessere Behandlung wird das Ergebnis sein. Das kann, das haben wir gerade gehört, in 80 Prozent der Fälle fallabschließend über den Primärkontakt erfolgen. Die Fachärzte haben dann mehr Kapazitäten, um gezielt den Patienten zu helfen, die eine weiter gehende fachärztliche Diagnostik und Therapie benötigen.

Zweitens. Die Patienten müssen schneller Termine bekommen. Das kann ein klug gestaltetes, faires Primärversorgungssystem leisten, und das muss unser politischer Anspruch sein. Hierfür muss allerdings zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern noch Vertrauen wachsen.

Drittens. Es darf durch das Primärversorgungssystem kein Flaschenhals auf Primärarztebene entstehen. Deshalb muss überlegt werden, welche Aufgaben beispielsweise an speziell geschulte Pflegekräfte oder Apotheken delegiert werden können. Hier sollte sich aber keiner der Akteure selbst überschätzen, weder die Hausärzte noch die Apotheker noch die Pflegekräfte.

Viertens. Wir müssen über Mindestvorhaltung wie Sonografie, EKG und Labor in Hausarztpraxen reden. Derzeit sind nicht alle Praxen gut genug gerüstet, um die zugedachte Lotsenfunktion im Primärversorgungssystem zu erfüllen.

Fünftens. Wir brauchen einen substanziellen Sprung in der digitalen, KI-basierten Ersteinschätzung. Diese kann sich von derzeit kleinteiligen Insellösungen hin zu einem hocheffektiven Instrument entwickeln, wenn wir Datenschutzbedenken und Partikularismus überwinden. Klar ist aber auch: Wir dürfen niemanden zum digitalen Kontakt zwingen.

Sechstens. Es muss auch im ambulanten Bereich ein neues Vergütungssystem entwickelt werden, das dem Prinzip der Grundvorhaltung Rechnung trägt.

All diese Maßnahmen stellen in Summe einen echten Paradigmenwechsel in der ambulanten Versorgung dar. Es wäre unklug, sie übers Knie zu brechen, sie über Nacht einzuführen und auf einen Schlag scharfzuschalten. Das Primärversorgungssystem wird nur dann Erfolg haben, wenn es eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung findet, sonst wird das Feld der Gesundheitspolitik zum nächsten Einfallstor für Hetzer, die nur nach einem angeblichen Systemversagen gieren. Deshalb muss man die einzelnen Schritte klug abwägen, ohne nervöse Hyperventilation, ohne hysterischen Diskussionsstil und ohne spaltende Angstmacherei gegenüber den Patienten.

Beifalldes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Wir als Regierungskoalition werden uns dem Thema Primärversorgung mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Seriosität widmen, so wie es die 83,5 Millionen Patientinnen und Patienten in diesem Land verdienen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Joachim Bloch
Foto: Joachim Bloch
7 Vermerkeca. 315 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Wir sprechen heute über die Reform der Medizinischen Versorgungszentren. In unserem Gesundheitssystem steht nicht mehr der Mensch und seine Gesundheit im Mittelpunkt, sondern vielmehr Kostenersparnis und Rendite. Dies zeigte sich in der Coronazeit, wo Kliniken auf schamlose Weise bei den Bettenbelegungen getrickst haben, um Pauschalen abzukassieren.

Es hat seine Folgen, wenn renditeorientierte Träger sich auf lukrative Eingriffe spezialisieren und die Grundversorgung vernachlässigen. Der vorliegende Antrag ist aber nicht die Lösung. Transparenzregister, monatliche Aktualisierungen, neue Meldepflichten, Genehmigungsvorbehalte etc. schaffen nur Bürokratiemehraufwand.

Beifallbei der AfD

90 Prozent der Ärzte sind durch den Bürokratiewahnsinn überlastet. Über 60 Arbeitstage im Jahr stehen der eigentlichen Patientenversorgung deshalb nicht zur Verfügung.

Eine weitere Gefahr besteht in der Verdrängung freiberuflicher Arztpraxen. Wer die freie ärztliche Berufsausübung nicht schützt, gefährdet die medizinische Grundversorgung insbesondere im ländlichen Raum.

Beifallbei der AfD

Die Versorgungsrealität in einem schwäbischen Landkreis ist eine völlig andere als die in Berlin. Kurzum: Sie wollen mehr Zentralstaat, mehr Bürokratie, mehr Kontrolle und damit links-grüne Planwirtschaft auch im Gesundheitswesen. Diese hat bereits unsere Energieversorgung, unsere Industrie und unser Bildungswesen ruiniert.

Beifallbei der AfD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nein!

Für kommunale MVZs gilt: Der Staat springt da ein, wo der Markt versagt, nicht aber dort, wo er funktioniert. Während dieser Antrag kommunale gegen kapitalgetragene MVZs und die klassischen Arztpraxen ausspielt, werden die eigentlichen Probleme der Ärzteschaft gerade nicht gelöst. Die Lösung wäre: deutliche Reduktion von Dokumentationspflichten; einheitliche Formulare für alle Krankenkassen; Digitalisierung effektiv umsetzen – diese bereitet derzeit mehr Aufwand statt weniger –; die Probleme der Telematikinfrastruktur lösen; das Abrechnungssystem vereinfachen; die Kommunikation mit den Kliniken, Kassen und Laboren deutlich verbessern; Rückkehr zu einer guten ärztlichen Versorgung; mehr Zeit für die Patienten;

Beifallbei der AfD

Darum geht es ja!

Patienten nicht als Fälle diskriminieren, sondern als Menschen einer Solidargemeinschaft wertschätzen; keine uferlose Ökonomisierung des Systems dulden und deutlich schnellere Arzttermine für gesetzlich Versicherte.

Darum geht es doch!

Die Alternative für Deutschland würde diese Punkte sofort umsetzen, und zwar durch eine von den Altparteien über Jahrzehnte verweigerte, aber unausweichlich bevorstehende revolutionäre Gesundheitsreform.

Herzlichen Dank.

Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
10 Vermerkeca. 762 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Unsere Hausarzt- und Kinderarztpraxen sind weit mehr als nur ein Teil des Gesundheitswesens. Sie sind für Millionen Menschen die erste Adresse, wenn es ernst wird. Sie entscheiden darüber, ob Versorgung gelingt, und sie sind der Ort, an dem Vertrauen entsteht. Sie sind der Ort, an dem Gesundheit konkret wird, und sie sind oft der Ort, an dem unser Sozialstaat auch im Alltag spürbar ist. Gerade deshalb ist die Primärversorgung das Rückgrat einer guten, gerechten und verlässlichen Gesundheitsversorgung.

Aber wir müssen auch ehrlich sein: Dieses Rückgrat steht unter Druck. Zu viele Menschen warten viel zu lange auf Termine, zu viele erleben ein System, das unübersichtlich ist, das sie alleinlässt, das sie von Praxis zu Praxis schickt – ohne Orientierung, ohne Verlässlichkeit, ohne echte Steuerung.

Und genau deshalb ist für uns als SPD-Bundestagsfraktion klar: Wir wollen die Primärversorgung stärken –

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

mit Augenmaß, mit Sachverstand und mit dem klaren Ziel einer besseren gesundheitlichen Versorgung für die Menschen in unserem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Eines sage ich hier ganz klar: Ein Primärversorgungssystem darf niemals ein Instrument sein, um Menschen vom Arztbesuch abzuschrecken. Es darf kein System sein, dass Patientinnen und Patienten bestraft, weil sie sich in einem komplexen System nicht perfekt zurechtfinden.

Gesundheit, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist keine Strafgebühr, Gesundheit ist keine Sparmaßnahme, Gesundheit ist Daseinsvorsorge. Und wer ernsthaft darüber diskutiert, Zahnersatz zu streichen oder Strafgebühren für Arztbesuche einzuführen, der verkennt den Kern unseres Sozialstaats. Solche Vorschläge sind nicht nur sozial blind, sie sind auch gesundheitspolitisch falsch.

Denn was passiert, wenn notwendige Behandlungen ausbleiben? Erkrankungen verschlimmern sich, sie chronifizieren, Medikamente werden aus Kostengründen nicht genommen. Am Ende werden Menschen kränker, und das System wird noch teurer. Das ist nicht klug, das ist nicht nachhaltig, und vor allem ist es nicht gerecht. Ein gutes Gesundheitssystem nimmt Menschen an die Hand. Es bestraft sie nicht dafür, dass das System selbst zu kompliziert geworden ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und ja, natürlich kann ein besser gesteuertes Primärversorgungssystem auch Kosten dämpfen, wenn Doppeluntersuchungen vermieden werden, wenn Fehlmedikation früher erkannt wird, wenn Behandlungen besser koordiniert sind. Aber das ist für uns nicht das primäre Ziel eines Primärversorgungssystems, sondern das ist ein positiver Nebeneffekt. Das Ziel ist ein anderes: bessere Versorgung, mehr Verlässlichkeit und am Ende auch mehr Gerechtigkeit. Was heißt das konkret?

Erstens: eine verbindliche Koordination für diejenigen, die sie am dringendsten brauchen. Patientinnen und Patienten brauchen keine zusätzlichen Hürden, sie brauchen Begleitung, sie brauchen Kontinuität, sie brauchen ein System, das Verantwortung übernimmt.

Zweitens: eine echte Termingarantie. Wer krank ist, der braucht Sicherheit – Sicherheit, dass Hilfe erreichbar ist, Sicherheit, dass aus einem Verdacht zügig eine Abklärung wird, Sicherheit, dass man mit Sorgen und Ängsten nicht wochenlang alleine bleibt. Verlässliche Primärversorgung heißt deshalb auch zeitnahe Termine in der hausärztlichen Versorgung und da, wo nötig, eine zügige Weiterleitung in die fachärztliche Versorgung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Drittens: ein modernes Verständnis von Primärversorgung. Primärversorgung ist mehr als Hausarztmedizin; Pflegefachpersonen mit erweiterten Kompetenzen, Community Health Nurses, Apothekerinnen und Apotheker, Hebammen, therapeutische Berufe, psychosoziale Beratung und auch der Öffentliche Gesundheitsdienst gehören dazu. Gute Versorgung entsteht heute im Team, und die Forschung zeigt klar: Dort, wo Angehörige der Gesundheitsberufe gut zusammenarbeiten, profitieren die Patientinnen und Patienten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Viertens: mehr regionale Verantwortung. Wo Unterversorgung droht, müssen Kommunen mehr Gestaltungsspielraum bekommen. Primärversorgungszentren, multiprofessionelle Teams und regionale Gesundheitsnetzwerke sind keine theoretischen Modelle mehr. Sie funktionieren vielerorts bereits. Wir sollten dafür sorgen, dass dieser Weg auch flächendeckend gangbar ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und fünftens: Digitalisierung als Unterstützung, nicht als Ersatz menschlicher Zuwendung. Digitale Ersteinschätzung, Gesundheitsportale und Telemedizin können helfen, Wege zu verkürzen und Orientierung zu geben, immer unter der Prämisse: Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Technik.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, wir sind uns wahrscheinlich einig: Eine so grundlegende Reform gelingt nicht mit hektischen Schnellschüssen. So ein Umbau muss gut vorbereitet sein, er muss auf fachlicher Expertise beruhen, und er muss gemeinsam mit denjenigen entwickelt werden, die Versorgung jeden Tag tragen – mit den Gesundheitsberufen, mit den Praktikerinnen und Praktikern und mit den Patientinnen und Patienten. Genau deshalb ist es richtig, dass Frau Ministerin Warken hierfür ein Gesprächsformat angestoßen hat, um die Expertise aus Versorgung und Patientenverbänden systematisch einzubeziehen; denn eine Reform dieser Größenordnung braucht Substanz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wer die Primärversorgung reformieren will, der braucht keine Schlagzeilen. Er braucht Sachverstand, er braucht Verantwortung und ein klares Ziel: bessere Versorgung für die Menschen. Wenn wir diesen Weg richtig gehen, dann stärken wir nicht nur die Arztpraxen, die Abläufe und die Strukturen, dann stärken wir auch das Vertrauen der Menschen in ihre Versorgung, in den Sozialstaat und am Ende in die Handlungsfähigkeit des Staates insgesamt. Genau darum geht es uns als SPD und in dieser Koalition.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Julia-Christina Stange
Foto: Julia-Christina Stange/ Foto Rimbach, Mainz
7 Vermerkeca. 329 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Liest man den Antrag der Grünen, klingt es erst mal gut: Primärversorgung stärken, Fachkräfte entlasten, Versorgung steuern. – Nur leider gilt im Gesundheitswesen: Die Überschriften werden immer besser, aber die Versorgung nicht. Praxen schließen, Wartezeiten steigen, Fachkräfte arbeiten seit Jahren am Limit. – Als Arbeiterin aus dem Gesundheitswesen sage ich: Nicht die Beschäftigten sind das Problem, das Problem ist ein Versorgungssystem, das ständig reformiert, aber erstaunlich selten ehrlich überprüft wird.

Beifallbei der Linken

Wo sind die Daten zur regionalen Unterversorgung? Wo ist die systematische Evaluation der bisherigen Reformen? Eine Frage steht doch seit Jahren im Raum: Wie kann es eigentlich sein, dass trotz steigender Ausgaben die Wartezeiten für die Versorgung zunehmen? Ohne Transparenz gibt es keine Steuerung, und ohne Steuerung gleicht Gesundheitspolitik einem Blindflug, nur leider mit echten Menschen.

Beifallbei der Linken

Ich komme aus Rheinland-Pfalz, einem Flächenland. Dort bedeutet Versorgungslücke ganz konkret: Der Hausarzt geht in Rente, und niemand übernimmt die Praxis; die nächste ist 40 Kilometer entfernt. Ohne Auto wird ein Arztbesuch zur Tagesplanung. – Das ist keine abstrakte Strukturfrage, das ist Alltag für viele Menschen.

Und ich sage auch: Anstatt über die Lösungen für alltägliche Probleme zu diskutieren, wird hier in letzter Zeit über das Gesundheitswesen gerne unter dem Stichwort „Resilienz“ debattiert. Krisenfestigkeit ist wichtig; aber ein System, das im Alltag kaum funktioniert, wird im Katastrophenfall nicht besser laufen.

Beifallbei der Linken

Resilienz, werte Kolleginnen und Kollegen, beginnt beim Hausarzttermin und nicht beim Krisenplan. Der Antrag der Grünen enthält zwar richtige Ansätze, aber er verharrt im Unsolidarischen.

Solange der Versicherungsstatus darüber entscheidet, wie schnell jemand einen Termin bekommt, haben wir eine Zweiklassenmedizin. Und solange das so bleibt, fehlt es dieser Politik an einem entscheidenden Punkt: dem Mut zur Gerechtigkeit.

Beifallbei der Linken

Ach Gott! Meine Güte! Wahlkampf in Rheinland-Pfalz!

Meine Damen und Herren, verehrte Kolleginnen und Kollegen, es geht am Ende nicht um Strukturen, es geht um Menschen, die krank sind und Hilfe brauchen. Ein solidarisches Gesundheitssystem darf nicht nach Geldbeutel sortieren, und genau dafür kämpfen wir als Linke auch in Rheinland-Pfalz.

Um Gottes willen! Meine Güte!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Anne Janssen
Foto: Anne Janssen/Tobias Koch
4 Vermerkeca. 334 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einigen Wochen war ich beim Kongress des Bundesverbandes medizinische Versorgungszentren. Dort habe ich mit vielen Ärztinnen und Ärzten gesprochen, aber natürlich auch mit Gründerinnen und Gründern, mit Menschen, die jeden Tag in der Versorgung arbeiten, die das Personal halten, die Digitalisierung vorantreiben und die trotz Bürokratie tagtäglich dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten Termine bekommen. Genau dieser Alltag zeigt, worum es heute geht.

Medizinische Versorgungszentren sind seit 2004 ein wichtiger Teil der ambulanten Versorgung. Sie ermöglichen Zusammenarbeit, flexible Arbeitszeitmodelle und eine bessere Vernetzung der verschiedenen Fachrichtungen. Sie spiegeln die Entwicklung der letzten 20 Jahre wider: mehr Anstellungen, weniger eigene Niederlassungen. Wer Versorgung gerade im ländlichen Raum sichern und junge Ärztinnen und Ärzte gewinnen will, der weiß: Medizinische Versorgungszentren sind hierfür ein wichtiger Baustein.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Gleichzeitig gilt aber auch: Unser Gesundheitssystem wird solidarisch finanziert. Die Beiträge der Versicherten sind eben kein Spielgeld. Wenn also Renditeinteressen medizinische Entscheidungen beeinflussen sollten, dann müssen wir handeln. Das Wohl der Patientinnen und Patienten muss also immer an erster Stelle stehen.

Beifalldes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, ein Gesetz zur besseren Regulierung von iMVZ, also von investorengetragenen Medizinischen Versorgungszentren, auf den Weg zu bringen. Das soll mehr Transparenz über Eigentümerstrukturen schaffen und sicherstellen, dass die Beitragsmittel verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Auch bei der Nachfolgeregelung besteht Handlungsbedarf. Viele Gründerinnen und Gründer von MVZs sorgen sich nach nun fast 20 Jahren um den Weiterbetrieb ihres Unternehmens. Investorengruppen dürfen hierbei nicht automatisch der einfachste Weg sein. Ein geordneter Übergang entscheidet darüber, ob Standorte in der Fläche erhalten bleiben.

Der Antrag der Grünen stellt vor diesem Hintergrund die richtigen Fragen, liefert aber noch nicht immer die passenden Antworten. Auch die Sachverständigen der öffentlichen Anhörung kamen zu dem Ergebnis, dass der Antrag sehr breit, sehr kleinteilig ist und am Ende problematisch werden könnte – gerade da, wo wir es uns nicht leisten können. Im Rahmen der vereinbarten Gesetzgebung werden wir passende Maßnahmen erarbeiten. Wir dürfen nicht immer mehr Regeln ins System schieben, sondern wir müssen das System alltagstauglich gestalten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Nicole Hess
Foto: Nicole Hess / Karl-Heinz Schiffer
3 Vermerkeca. 390 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Stellen Sie sich vor, Sie haben Knieschmerzen und wollen zum Orthopäden oder Sie haben Tinnitus und brauchen einen HNO-Arzt oder Ihre Tochter hat Neurodermitis und Sie wollen mit ihr zum Dermatologen. Nun, der Antrag der Grünen will daraus künftig einen Hindernislauf machen: Erst Einschreibung in eine Primärversorgungspraxis – das wird in der Regel der Hausarzt sein –, und falls dort eine Überweisung ausgestellt wird, dürfen Sie dann zum Facharzt. Mit der Einschreibung soll der Versicherte einen „verbindlichen Überweisungsvorbehalt […] anerkennen“. Das heißt: Außer für einige wenige Ausnahmen gibt es für Fachärzte ohne Überweisung keine Abrechnungsmöglichkeit mehr. Das ist die endgültige Abkehr von der freien Arztwahl.

Beifallbei der AfD

Denn Terminkontingente bei Fachärzten sollen eingeschriebenen Patienten vorbehalten sein. Das bedeutet: Je stromlinienförmiger man sich verhält, desto eher kommt man dran. Sind Sie weniger systemkonform, dann warten Sie eben länger.

Selbst die entsprechende medizinische Fachgesellschaft, die einer stärkeren hausärztlichen Koordination grundsätzlich offen gegenübersteht, knüpft das an harte Bedingungen. Sie verlangt Bürokratieabbau, klare Aufgabenverteilung in Praxisthemen, verlässliche digitale Informationsflüsse, angemessene Vergütung und eine gestufte, transparente Umsetzung mit Evaluation – eben eine Entlastung der Hausärzte.

Genau daran fehlt es in diesem Antrag. Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass etwa 25 Millionen Menschen in Deutschland gar keinen Hausarzt haben und zudem knapp 14 000 Hausärzte die Absicht haben, innerhalb der nächsten fünf Jahre ihre Tätigkeit einzustellen? So sieht die Wirklichkeit aus.

Besonders heikel sehen die Fachleute dann auch den digitalen Teil. In den vorliegenden Stellungnahmen heißt es ausdrücklich: Digitale Ersteinschätzungen ja, aber nur eingebettet in ärztliche Verantwortung, mit klaren Qualitätsstandards, mit Monitoring und Schutz vor Benachteiligung älterer, multimorbider oder kommunikationsschwacher Patienten. Digitale Vorfilter dürfen gerade keine autonome Steuerung übernehmen. Auch in diesem Punkt werden die Grünen mit ihrem Antrag leider nicht konkret.

Wir lehnen Ihren Antrag heute ab. Er ist nichts weiter als ein Flaschenhals, den man vor eine Versorgungslücke setzt, weil Politik glaubt, man könne die immensen Wartezeiten mithilfe von absolut unnötigen Umwegen bekämpfen.

Wenn man Versorgung stärken will, muss man Kapazitäten stärken, nicht Wege verlängern, Hausärzte entlasten, statt sie zu überfrachten, und Bürokratie abbauen. Hören Sie endlich auf, die Menschen zu gängeln und wie kleine Kinder zu behandeln! Sorgen Sie stattdessen besser dafür, dass Ärzte keine Selbstverteidigungskurse besuchen müssen und Rettungskräfte nicht angegriffen werden! Das wäre der erste, wenn auch nicht der letzte Schritt hin zu einer Versorgungssicherheit.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hendrik Streeck
Foto: Hendrik Streeck/ David Peters
2 Vermerkeca. 405 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer krank wird, stellt sich keine Systemfrage. Er stellt sich eine ganz simple Frage: Wohin soll ich jetzt gehen? Die Entscheidung fällt dann meist nach Verfügbarkeit, nach Gelegenheit, manchmal auch nach Zufall. Ob Hausarzt, Facharzt oder Notaufnahme, entscheidet dann nicht mehr die medizinische Logik, sondern das, was gerade erreichbar ist. Das hat natürlich Konsequenzen: Untersuchungen wiederholen sich, Einweisungen erfolgen unnötig, Diagnosen verzögern sich, und Praxen und Notaufnahmen geraten unter Druck. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis eines Systems, das falsche Anreize setzt.

Deshalb gehen wir in der Koalition den nächsten Schritt zu einem Primärversorgungssystem. Für Patientinnen und Patienten heißt das, einen festen Ansprechpartner zu haben, wenn kein Notfall vorliegt, einen Arzt, der den Überblick behält, der koordiniert und der durch den Verlauf führt. Für Hausärztinnen und Hausärzte heißt das, Verantwortung für den gesamten Versorgungspfad zu übernehmen und nicht nur für einzelne Kontakte.

Damit das gelingen kann, müssen wir die Rolle des Hausarztes weiter stärken – mit besseren Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie, mehr Befugnissen und einer Vergütung, die dieser Verantwortung auch gerecht wird. Denn unser System belohnt heute vor allem Kontakte, nicht den Verlauf einer Behandlung, nicht die Koordination und auch nicht das Ergebnis.

Das Primärversorgungssystem kann hier nur der erste Schritt sein, und wir müssen jetzt schon an die nächsten Schritte danach denken. Wir müssen die Ausrichtung des Systems verändern: weg von der Vergütung von Krankheit, hin zu Prävention und Erhaltung von Gesundheit,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

weg von der Quartalslogik, hin zu einer Vergütung, die den gesamten Versorgungspfad stärkt, weg von starren Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, hin zu einer enger verzahnten Zusammenarbeit. Nicht das Mehr darf im Mittelpunkt stehen, sondern das Richtige.

Ich habe diese Woche wieder in der Notaufnahme des Urban-Krankenhauses in Berlin-Kreuzberg gearbeitet, und da war sehr konkret zu sehen, worüber wir gerade sprechen: Menschen, die nicht wussten, wohin sie sich wenden sollten, Menschen, die mit schweren Erkrankungen zu spät ins Gesundheitssystem gekommen sind, und Teams, die unter enormem Zeitdruck Erkrankungen behandelt haben, für die man eigentlich sehr viel Zeit braucht.

Wenn wir das System verändern, dann muss es genau dort auch spürbar sein – für die Patientinnen und Patienten, für Ärztinnen und Ärzte, für die Pflege und für die Solidargemeinschaft, die dieses System trägt. Ein starkes Primärversorgungssystem und eine Reform des Notfall- und Rettungsdienstes, wie wir es im Koalitionsvertrag vorgesehen haben, sind dafür die ersten und richtigen Schritte.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Peter Boehringer
Foto: Peter Boehringer
13 VermerkeZwischenfrageca. 895 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Das deutsche Staatsgold stammt aus Außenhandelsüberschüssen der jungen Bundesrepublik. Die Bundesbank verwaltet dieses goldene Vermögen treuhänderisch für seine Erwirtschafter, die deutschen Bürger. Der Buchwert unserer 3 350 Tonnen steigt seit Jahrzehnten an und hat sich allein seit 2024 auf 450 Milliarden Euro verdoppelt.

Gold ist ein wichtiger psychologischer und materieller Stabilitätsgarant unserer Währung. Allein sein Aufwertungsgewinn beträgt mehr als das 150-Fache des Eigenkapitals der Deutschen Bundesbank. Gold ist die einzige substanzielle Position auf der Bilanz. Ohne sie wäre die Bundesbank mit dem Zehnfachen ihres Eigenkapitals überschuldet.

Nach einer erfolgreichen Bürgerinitiative und Heimholung von großen Teilen unseres Auslandsgoldes lagern heute 51 Prozent des Horts in Frankfurt. Noch immer jedoch befinden sich Bestände im Wert von über 220 Milliarden Euro im Ausland. 60 Jahre lang haben wir schon dieses Fremdlagerungsrisiko getragen. Spätestens seit dem Ende des Kalten Kriegs gab es dafür keine Begründung mehr, auch keine militärische.

Hören Sie mal dem Bundesbankpräsidenten zu!

In diesen 60 Jahren hat sich der Preis um 15 000 Prozent erhöht.

Wir bringen unseren Antrag heute allerdings nicht deshalb ein, weil Gold die Anlageklasse mit der besten Rendite ist, und wir beraten den Antrag auch nicht deshalb, weil Donald Trump in Sachen Vertragstreue und Honorierung von Eigentums- und Völkerrecht tatsächlich keine gute Bilanz aufweist. Zum Teil stimmt das durchaus.

Das haben auch Kollegen aus anderen Fraktionen erkannt, etwa Stephan Mayer von der CSU: „Der […]finanzminister muss den Deutschen die Frage beantworten, ob unser Gold in den USA noch […] sicher […] ist.“ Ja, Herr Mayer, diese Frage ist berechtigt, und sie wird seit 15 Jahren gestellt, aber aus Sicht der Union irgendwie von den Falschen.

Beifallbei der AfD

Sogar die finanzpolitische Sprecherin der Grünen fordert inzwischen die Goldverwahrung in Deutschland. Zeigen Sie bitte, dass Sie das ernst meinen, Kollegin Beck!

Trump ist dabei zwar nicht das primäre Problem – das besteht unabhängig von ihm –, wir freuen uns aber in jedem Fall, wenn die Kollegen nun endlich zum richtigen Schluss kommen.

Gold begründet seit Jahrhunderten Souveränität. Es ist frei vom Risiko eines Schuldnerausfalls und kann nicht politisch entwertet werden. Es ist ein Instrument strategischer Absicherung, um sich gegen Verschuldungs-, Inflations- und Systemrisiken zu schützen, die oft, wie derzeit, auch noch mit geopolitischen Krisen verbunden sind.

Fast jeder zweite Staat stockt aktuell seine Goldvorräte auf. Immer mehr Zentralbanken fürchten, dass sie ihr fremdgelagertes Edelmetall nicht zurückbekommen. Der Verbleib der goldenen Währungsreserve im Ausland ist nicht zu rechtfertigen.

Beifallbei der AfD

Das Dauergegenargument der Bundesbank, wonach man im Krisenfall das Metall ausgerechnet in New York oder London in Devisen tauschen können müsse, ist seit Jahren absurd. Gerade im Fall einer globalen Währungskrise will niemand Papiergeld haben. Gerade dann streben die Marktteilnehmer zum physisch Greifbaren, wie man es derzeit fast täglich im Gold- und Silbermarkt sieht.

Und die Bundesbank? Sie will im Ernstfall ausgerechnet die einzige Vermögensposition ohne Drittparteienrisiko in Papierforderungen umtauschen, also genau in solche Papiere, die bei Weltwährungsturbulenzen jede andere Partei loswerden will. Niemand versteht das. Es ist ahistorisch und irrational.

Beifallbei der AfD

Zudem wäre Gold übrigens auch in Frankfurt handelbar, wenn man im Krisenfall wirklich ernsthaft das Staatsgold verkaufen wollte, was natürlich keiner ernsthaft wollen sollte.

Auch die Sorgen der Bundesbank um einen – Zitat – „psychologischen Schaden für das deutsch-amerikanische Verhältnis“ im Fall einer Heimholung sind absurd. Wir reden von deutschem Eigentum, über das wir volle Verfügungsgewalt haben müssen.

Beifallbei der AfD

Leider steht die Bundesbank damit in schlechter Tradition. Schon 1928 wollte Reichsbankpräsident Schacht bei einem vergeblichen Versuch, das Weimarer Gold im Tresor der US-Fed zu finden, dieses plötzlich gar nicht mehr sehen und stellte Fed-Chef Strong ohne jede Not vom Nachweis dieses Goldes frei. 100 Jahre später sind wir keinen Millimeter weiter.

Beifallbei der AfD

Auch der eigentlich durchaus geschätzte Bundesrechnungshof muss an einer Stelle kritisiert werden: wenn er der „Bild“-Zeitung suggeriert, eine Überprüfung des Goldes sei 2025 noch nicht erfolgt. Nein, eine vollständige Überprüfung des deutschen Auslandsgolds ist seit 1951 noch nie erfolgt!

Das stimmt doch gar nicht! Ist doch völlig falsch!

– Stellen Sie gerne eine Zwischenfrage, Frau Kollegin; dann kann ich das ausführlich beantworten.

Ja, so weit kommt es noch!

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nein!

Die Bundesbank verlässt sich auf Inventarangaben aus dem Ausland, auf minimale Stichproben. Schmelzchargen und Inventarnummern ersetzen keine Barrennummern. Abgekürzte Nummern widersprechen ordnungsgemäßer Buchführung. Doppelerfassungen von Barrennummern sind nicht ausschließbar, Vollprüfungen wurden nie durchgeführt. Kurzum: Es gibt keine sauberen Barrenlisten.

Beifallbei der AfD

Die Bundesbank betont stets, sie habe volles Vertrauen in die Auslandsbanken. Blindes Vertrauen ist aber keine Prüfstrategie. Im Krisen- oder Spannungsfall ist das Eigentumsrecht ohne gleichzeitigen Besitz nicht gewährleistet.

Vertrauen ersetzt auch keine Souveränität. Gold ist ein strategischer Wertanker. Seine Verfügbarkeit im Inland ist Voraussetzung dafür, dass unser Land bei internationaler Instabilität oder Systemkrisen währungspolitisch handlungsfähig bleibt.

Das alles ist Verantwortungsbewusstsein. Das ist keine Panikmache, wie in den letzten Tagen von Ihnen in die Presse diktiert wurde.

Viele Staaten wollen seit 2013 ihre Goldbestände aus New York und London heimholen. Blindes Vertrauen ist in Zeiten schwindender völker- und finanzrechtlicher Gewissheiten heute nicht mehr angebracht. Die AfD begrüßt darum, dass diese uralte Debatte um die überfällige Heimholung des Goldes nun wiederbelebt ist, wenn auch teilweise aus falschem Grund.

Beifallbei der AfD

Keine Panikmache – Verantwortungsbewusstsein! Also streichen Sie es gleich aus Ihren Skripten, wo Sie wahrscheinlich wieder das Wort „Panikmache“ drin haben.

Zurufder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Streichen Sie es raus! Liebe Zuschauer, es ist nicht wahr. Nur das, was wir machen, ist verantwortlich.

Zeigen Sie heute, dass Ihre Sorgen ums Gold, die Sie alle in den letzten Monaten ja in die Blöcke diktiert haben, echt sind und es keine Krokodilstränen waren! Stimmen Sie unserem Antrag zu! Und falls Ihr Brandmauerfetisch das verbietet, dann bringen Sie einfach einen eigenen ein!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
21 Vermerkeca. 744 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mir fiel in den letzten Wochen etwas auf, und ich hätte nicht gedacht, dass wir das in diesem Haus einmal erleben würden, nämlich, dass wir jede Woche einen echten Comicantrag der AfD zu einem Bestandteil dessen bekommen, was lebenswichtig für diese Bundesrepublik ist.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es ist ihr Stabilitätsfeld, auf dem Finanz- und Kapitalmarkt – auch bei Währungsschwankungen – die stabile Ankerwährung zu haben. Darauf kann die AfD anscheinend nur damit reagieren, dass sie solche Witzanträge stellt, bei denen sie hofft, dass die Schlichtheit der Gemüter auf sie hereinfällt. Das wird nicht passieren.

Nur weil Sie es nicht verstehen, ist es kein Witz!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Goldreserven sind – das weiß jeder Private, und das weiß auch jeder andere – ein echter strategischer Stabilitätsanker. Deswegen halten wir sie vor, auch in Zeiten, in denen wir massivste Finanznot haben, Knappheit haben und froh wären um alles, was wir noch erheben könnten. Unsere Goldreserven werden wir aber nicht anfassen.

Wollen wir doch gar nicht!

Sagt doch keiner! Wollen wir doch überhaupt nicht! Was soll das?

Deswegen werden wir sie auch nicht preisgeben, sodass das hier von denjenigen verwendet werden könnte, die glauben, dieses Land destabilisieren zu können.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Das ist doch Quatsch! Wir wollen doch kein Gold verkaufen!

Wir brauchen neben der Stabilität unserer Währung, die eben auch durch unsere Goldreserven garantiert wird, für den absoluten Notfall etwas, was wir heute mehr denn je sehen und ablesen können, nämlich die Absicherung kritischer Importe. Wir werden niemals so unabhängig sein, dass wir diese nicht brauchen. Und niemals wird es so sein, dass wir dafür nicht ein ganz stabiles Ankerwährungsinstrument brauchen, das weltweit anerkannt ist und den gleichen Wert hat. Deswegen sind die Goldreserven unser wahrer Schatz. Den werden wir Ihnen nicht preisgeben.

Sagt doch keiner was dagegen! Was reden Sie denn?

Meine sehr verehrten Damen und Herren, deswegen geht man mit diesen Reserven eben nicht mit Alarmismus, nicht mit Schlagworten, nicht mit ideologischem Bling-Bling und schon gar nicht politisch fahrlässig um,

Zurufvon der AfD: Was reden Sie da?

sondern wir wollen das Gut, das nicht uns gehört, sondern allen unseren Bürgerinnen und Bürgern, nüchtern, professionell und verantwortungsvoll verwalten.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Weder liegt Deutschlands Gold vollständig im Ausland, noch geben wir sehenden Auges irgendwelche Reserven aus der Hand. Tatsächlich lagert mehr als die Hälfte unserer Goldreserven

Gerade eben!

hier bei uns in Deutschland.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Wir haben den Rest in vernünftiger Art und Weise verteilt, nämlich an unseren europäischen Partner – immer noch, Gott sei Dank – und Ankerpunkt London und dessen Finanzmärkte, die wir zum Funktionieren unserer Finanzmärkte brauchen. Und ja, es liegt auch genug in New York; denn bei der New York Fed wissen wir es außerordentlich gut aufgehoben.

Was ist denn das für ein Satz? Das gibt’s? Ist das die CDU? Das ist irre!

Wir haben die Goldlagerung in den letzten Jahren strategisch neu geordnet und genau so gestaltet. Wir haben beispielsweise den Standort Paris geschlossen, weil es sich im Rahmen der europäischen Währungseinheit so einfach nicht mehr angeboten hat. Das bedeutet, mit dem Thema strategisch umzugehen.

Im Ernstfall erfüllen diese Goldreserven für die Zentralbank zwei Funktionen: das Vertrauen im Inland zu sichern und die Handlungsfähigkeit im Krisenfall zu gewährleisten. Und was mir ganz wichtig ist: Die Goldreserven sind kein Politikum. Die Goldreserven werden von unserer unabhängigen Notenbank verwaltet, und da sollten wir auch nicht politisch eingreifen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das sagt doch keiner!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, gerade wegen der weiterhin absolut herausgehobenen Stellung des US-Dollars ist es sachlich auch begründet, dass wir dort einen Teil unserer Reserven anlagern. Denn wer alles auf einen einzigen Lagerort verengen würde, der würde nationale Engstirnigkeit mit echter strategischer Resilienz verwechseln.

Das ist doch Quatsch!

Deutschland ist groß! Man kann das auch verteilen!

Es geht eben nicht darum, alles an einem Ort zu lagern, sondern im Ernstfall handlungsfähig zu sein.

Die USA haben auch alles bei sich! So ein Quatsch!

– Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn Sie die doppelte Redezeit brauchen, dann müssen Sie den ersten Redner kürzer reden lassen.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Die Rolle der Bundesbank bei der ganzen Geschichte – ich habe es gerade schon gesagt – ist eine unabhängige. Wir wollen garantieren, dass unser Gold, unsere Währungsreserven und alles, was werthaltig ist

… in Deutschland ist! Das wollen wir!

– das wissen wir jetzt besser als je zuvor, und auch Sie haben es erlebt –, frei von Tagespolitik bewirtschaftet wird. Nichts wäre schlimmer, als unsere Reserven dem täglichen – auch ideologisch geprägten – Wollen der Tagespolitik auszuliefern. Deswegen ist diese Balance für uns entscheidend: die Unabhängigkeit der Notenbank zu gewährleisten und gleichzeitig das staatliche Interesse an Sicherheit und Verfügbarkeit zu wahren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]

Wer die Bundesbank, meine sehr verehrten Damen und Herren, zum Objekt parteipolitischer Kampagnen macht, der schwächt die zentrale Stabilitätsunion in unserem Lande.

Machen wir doch gar nicht! Das ist doch völlig falsches Thema!

Da werden wir niemals mitmachen!

Sie bauen hier lauter Strohmänner auf, die Sie dann erschlagen!

Deswegen ist das, was wir haben, keine Brandmauer, sondern schlicht und ergreifend die Erkenntnis, dass mit denen einfach nicht zu arbeiten ist und nie gearbeitet wird.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Das ist die schwächste Rede, die ich je gehört habe! Unglaublich!

Wir stehen für ein geordnetes Zusammenspiel von notenbanklicher Unabhängigkeit und parlamentarischer Verantwortung. Genau diese nehmen wir mit dieser Aufteilung wahr. Ich bin dankbar, dass wir das heute noch einmal bestätigen können.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Zurufvon der AfD: Das war eine Witzrede!
Porträt von Sebastian Schäfer
Foto: Sebastian Schäfer/ Stefan Kaminski
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch in der letzten Debatte des Tages sollten wir hier keine Scheindebatten führen, auch wenn sie uralt sind. Schlimm genug, dass die sogenannte Alternative ständig versucht, diese Scheindebatten vom Zaun zu brechen. Das Gold der Bundesrepublik Deutschland ist auch in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York City sicher.

Woher wissen Sie das?

Sie führen hier, wie so oft, eine Ablenkungsdebatte.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Haha! Haha! Deswegen hatten wir ja auch 2008 die Bankenkrise! Weil alles sicher ist, was in Amerika ist!

Deutschland verfügt mit über 3 300 Tonnen Gold über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Die deutschen Goldreserven befinden sich nach einer Verlagerung in den 2010er-Jahren zu über 50 Prozent in Frankfurt, zu knapp 37 Prozent in New York und zu circa 13 Prozent in London.

Macht kein anderes Land so!

Es macht absolut Sinn, eine gewisse Diversifizierung in der Aufbewahrung

Ja, zwischen Hamburg und München!

dieser Goldbestände aufrechtzuerhalten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Die beiden Lagerungsorte neben Frankfurt erfüllen im Falle einer Krise wichtige strategische Ziele. In New York wäre es möglich, das Gold in Dollar einzutauschen, der auf absehbare Zeit die wichtigste Reservewährung der Welt bleibt.

Das ist in Frankfurt auch möglich!

In London befindet sich der global wichtigste Handelsplatz für Gold. Im Krisenfall geben diese beiden Orte der Bundesregierung strategische Möglichkeiten, zu handeln.

Das muss da aber nicht lagern deswegen! Das ist doch alles Quatsch!

Soll die Deutsche Telekom – nach wie vor zu über 25 Prozent im Besitz des Bundes – auch ihre Mehrheitsbeteiligung an der T-Mobile US abbauen, weil sie enteignet werden könnte?

Das ist doch Quatsch! Das ist doch kein Vergleich!

Wo sind wir denn jetzt wieder gelandet?

Soll Hensoldt – auch hier hat der Bund eine Sperrminorität – seine Standorte in den USA schließen?

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!

Soll Volkswagen – zum Teil im Besitz des Landes Niedersachsen – in den USA zusperren? Das würde den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen in unserem Land bedeuten. Das würde die Strukturkrise in unserem Land weiter verschärfen.

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Unsere Aufgabe ist nicht, deutsche Eigentumswerte nach Deutschland zu holen. Unsere zentrale Aufgabe ist, an entscheidenden Stellen eine strategische Unabhängigkeit Deutschlands und Europas zu erreichen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Da geht es um Zukunfts- und Klimatechnologien, um Verteidigung, um Rohstoffe und um die Techmonopole. Unser globales Wirtschaftssystem basiert auf funktionierenden Eigentumsrechten. Wenn die amerikanische Regierung diese missachten sollte,

…, dann ist das Gold weg!

hätten wir ganz andere Probleme, als das deutsche Gold nach Deutschland zu holen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb ist es beim Gold genauso wie mit vielen anderen Scheindebatten, die Sie anzetteln: Sie spielen mit Ängsten und gaukeln einfache Lösungen vor, weil Sie unser Land zerstören wollen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Wir werden das niemals zulassen.

Herzlichen Dank.

Porträt von Philipp Rottwilm
Foto: Dr. Philipp Rottwilm/ Barbara Schneider
11 Vermerkeca. 403 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland verfügt über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Ihr Wert betrug zum letzten Bewertungsstichtag fast 400 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa den Steuereinnahmen des Bundes in einem Jahr. Dieses Gold liegt zu mehr als der Hälfte in Frankfurt – das haben wir eben schon gehört –, zu 12 Prozent liegt es in London, dem wichtigsten Goldhandelsplatz der Welt, und zu 37 Prozent in New York, dem Dreh- und Angelpunkt des Dollarraums.

Dieses Gold halten wir nicht, weil es einen inhärenten Wert besäße, sondern um es theoretisch, im absoluten Krisenfall, gegen Güter oder Devisen eintauschen zu können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Sascha Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

So ist es nämlich!

Nehmen wir ein fiktives drastisches Beispiel. In den USA kommt es zu einer schweren Finanzkrise. US-Papiere fallen im Wert, die Clearinghäuser verlangen höhere Sicherheiten. Deutsche Institute müssen auf einmal Geld nachschießen, und es kommt zum sogenannten Margin Call. Und jetzt stellt sich heraus: Den deutschen Banken fehlen dafür die US-Dollar. Alle anderen Mittel sind ausgeschöpft. Die Bundesbank muss Gold verkaufen, um Dollar zu beschaffen.

Meine Damen und Herren, wir wissen, wie schnell sich Finanzkrisen heutzutage abspielen. Heute, im aktuellen System, könnte die Bundesbank ihr Gold innerhalb von wenigen Stunden in US-Dollar umwandeln; denn das Gold liegt bereits in den USA. Würden wir aber den Antrag der AfD umsetzen, dann müsste das Gold erst verladen, versichert und mühselig in die USA verschifft werden.

Total mühselig!

Bis dahin wäre es für den deutschen Finanzmarkt längst zu spät.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Oliver Pöpsel [CDU/CSU]

Ihr Antrag, meine Damen und Herren von der AfD, ist impraktikabel. Er zeugt aber darüber hinaus auch von Unkenntnis über die Größenordnungen unserer Weltwirtschaft.

Und hier kommt wieder Ihr altes Geschäftsmodell zum Vorschein: Sie wollen die Angst schüren, die USA könnten unsere Goldreserven in New York enteignen,

Dann ist es halt weg!

sich also räuberisch Gold im Wert von circa 150 Milliarden Euro verschaffen.

Die USA sind doch sowieso schon pleite! Die brauchen das dringend!

Das muss man sich mal vorstellen!

Was wäre die Konsequenz? Wenn die USA einen solchen Rechtsbruch begingen, dann wäre das Dollarsystem, auf dem der Wohlstand der USA basiert, innerhalb eines Tages zerstört.

Jens Behrens [SPD], an die AfD gewandt: So nämlich! Zuhören! So ist es!

Unsere Weltwirtschaft würde am Boden liegen.

Frauke Heiligenstadt [SPD], an die AfD gewandt: Kann man noch was lernen!

Die USA selbst wären der größte Leidtragende. Sie würden weit mehr als den Wert des Goldes verlieren. Und wir, meine Damen und Herren, hätten ganz andere Probleme als unser verlorenes Gold.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]

Ich hatte beim Lesen Ihres Antrags die ganze Zeit darauf gewartet, dass Sie unser ganzes Gold nun zu Ihrem Kuschelpartner nach Russland verschiffen wollen.

Jetzt wird’s auch noch lächerlich!

Ihr Antrag ist mal wieder die nächste Nebelkerze in einer Reihe von ganz vielen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr richtig! Sehr gut!

Porträt von Doris Achelwilm
Foto: Die Linke Bremen/ Jaroslaw Gomon
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Anwesende! Vor einem halben Jahr noch war überall zu lesen, dass die AfD 107 Kilogramm geerbtes Gold außer Landes nach Liechtenstein gebracht hat.

Wenn Sie hier vor diesem Hintergrund dreisterweise das Thema „Rückholung von deutschen Goldreserven aus den USA“ anmelden, können Sie uns auch gleich einweihen, was es mit Ihrem Liechtenstein-Gold eigentlich auf sich hat.

Wir haben kein Liechtenstein-Gold!

Das wäre ein Erkenntnisgewinn für alle, Herr Boehringer.

Beifallbei der Linken

Holen Sie erst mal Ihr eigenes Gold zurück!

Ja, die Goldobsession der AfD, sie reicht lange zurück. Seit Ihren Anfängen als Partei wünschen Sie sich eine goldkursgebundene D-Mark und andere archaische Systeme, die vorbei sind.

Die aber viel besser funktionieren als das, was heute da ist!

Dann haben Sie als Partei zur Umsatzsteigerung selber Goldmünzen vertrieben, indem Sie eine Lücke im Parteiengesetz nutzten, und haben über diesen Dreh mehr Steuergeld abgegriffen, als Ihnen eigentlich zustand.

Nein, nein, nein! Das passt überhaupt nicht, was Sie da erzählen!

Und heute stellen Sie einen Antrag voller Goldsorgen gegenüber den von Ihnen doch eigentlich so oft verehrten USA. Es ist alles einigermaßen absurd: Einerseits wollen Sie Teil von Trumps MAGA-Club sein; andererseits befürchten Sie dann heute mit diesem Antrag, dass Ihr Idol deutsches Staatsgold klaut. Haben Sie das eigentlich mit Ihren Freunden abgesprochen? Man weiß es alles nicht. Es ist wirklich absolut abstrus.

Korrekt ist: Ein beträchtlicher Teil der Goldreserven der Bundesbank lagert seit Jahrzehnten weitgehend unverändert in den Tresoren der Fed in New York, also bei der amerikanischen Notenbank. Früher erfüllte das zum Beispiel den Zweck, den Wechselkurs zur goldgebundenen Weltwährung Dollar stabilisieren zu können. Das ist so nicht mehr nötig, weil es die Goldbindung des Dollars nicht mehr gibt.

Man kann darüber diskutieren, ob die enormen Anlagen der Bundesbank in dieser Größenordnung – ungefährer Gesamtwert des Goldes: 450 Milliarden Euro – noch nötig und sinnvoll sind oder ob nicht besser von diesem Gold bei den aktuellen Rekordständen ein relevanter Teil verkauft werden sollte. Aber die komplexe Finanzwelt mit der paranoiden Gedankenwelt dieses sechsseitigen AfD-Antrags zu kreuzen, das lassen wir auf jeden Fall besser sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Oliver Pöpsel
Foto: Oliver Pöpsel/ Tobias Koch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei den Anträgen der AfD fragt man sich ja immer: In welchem Interesse werden sie gestellt? Im Interesse Putins oder im Interesse der MAGA-Bewegung, Ihrer Freunde in den USA?

Zurufevon der AfD: Oha!

Aber dieser Antrag ist zur Abwechselung mal im ganz persönlichen Interesse von Peter Boehringer. Er hat in einem sehr aufschlussreichen Gespräch bei Youtube mit „GoldSilberShop.de“ dargelegt, warum er diesen Antrag geschrieben hat.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD

In der ersten Hälfte des Gesprächs legt Boehringer seine Theorie dar, dass die deutschen Goldreserven bei der Fed in New York vielleicht gar nicht da sind.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Hat ja keiner geprüft; das haben wir eben auch schon hier gehört. Seine Theorie: Da liegen wahrscheinlich gar keine Goldbarren, alles nur

... Schokolade!

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Buchwerte. Beweisen könne er es leider nicht, sagt er selbst.

Dann beschimpft Peter Boehringer die Deutsche Bundesbank in typischer Weise. Der übliche Angriff der AfD auf die Institutionen der Bundesrepublik Deutschland darf ja in keinem Antrag fehlen.

Am Ende kommt er dann zur Sache. Sein eigentliches Ziel ist es nicht, das Gold etwa vor dem Zugriff von Trump zu schützen; Trump bereitet ihm nämlich gar keine Sorgen. Ihm geht es darum, dass Deutschland alle Goldreserven heimholt, als Golddeckung für die nationale Währung nach dem Euro.

Seit Jahrzehnten ergeht sich Boehringer in immer neuen Untergangserzählungen zum Euro. Er träumt von einer deutschen Posteurowährung mit Golddeckung, wie damals im Kaiserreich. Passt ja genau zu Ihren Freunden von den Reichsbürgern. Darum soll das Gold nach Deutschland!

Herholen und dann verscherbeln!

Zurufvon der AfD: Jetzt werden Sie mal nicht unverschämt!

Aber darum geht es Peter Boehringer.

Sie schaufeln gerade das Grab für den Euro mit Ihrer Schuldenpolitik!

Trump ist nur ein willkommener Vorwand. Deshalb die ganze Angstmacherei mit Trump und den USA, deshalb das Verächtlichmachen der Bundesbank. Alles ein Vorwand!

Was Sie verschweigen: Es gibt gewichtige Gründe, einen Teil der deutschen Goldreserven in New York und London zu belassen; das haben meine Kollegen eben schon ganz deutlich erklärt. Das Gold muss an den Goldhandelsplätzen verfügbar sein, wie eben in New York und London. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass die USA Eigentumsrechte der Bundesrepublik nicht respektieren. Neben Deutschland lagern über 30 Staaten Gold im Umfang von rund 6 000 Tonnen in den USA.

Würden wir jetzt eine spektakuläre Heimholaktion starten, dann würden die USA das zu Recht als unfreundlichen Akt werten. In den im Augenblick durchaus schwierigen Beziehungen zu den USA wäre das sicherlich das Unklügste, was einem einfallen kann. Ein Riesenschaden für Deutschland!

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aufschlussreich ist auch die Forderung, die Bundesbank solle einen jährlichen Bericht an den Deutschen Bundestag vorlegen: über Bestand, über Lagerorte, vollständige Barrennummern und deren Feingewichte, Transaktionen oder Verleihungen der deutschen Goldreserve. Das erinnert stark an die Ausforschung der AfD zur kritischen Infrastruktur.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Der ganze Antrag ist ein schamloser Bluff. Die AfD nutzt die momentane Nervosität rund um Trump, um uns Boehringers wirren Traum unterzujubeln. Seien Sie ehrlich, Herr Boehringer: In Wahrheit wollen Sie doch nur Ihr Buch verkaufen.

Damit wenden Sie sich über zahlreiche Interviews bei Youtube und ähnlichen Kollegen an die Öffentlichkeit.

Mehr Werbung!

Aber wir sagen eines: Buchverkaufsanträge lehnen wir ab.

Ja, genau, das braucht man! Gut gemacht!

Vielen Dank.

Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn man den Antrag der AfD liest, merkt man sehr schnell: Es geht hier nicht um verantwortungsvolle Finanzpolitik. Es geht mal wieder um Stimmungsmache, um Misstrauen, um den nächsten Versuch, die Menschen mit Krisenrhetorik zu verunsichern.

Ja, natürlich kann man nachvollziehen, dass sich Bürgerinnen und Bürger möglicherweise besorgt fragen, ob die deutschen Goldreserven in diesen unruhigen Zeiten auch tatsächlich sicher sind. Aber seriöse Politik lebt nicht von Panik und dem Schüren von Angst, sondern sie lebt von Fakten; dazu hat mein Kollege Philipp Rottwilm schon einiges ausgeführt.

Unsere Goldreserven sind gut verteilt. Gut die Hälfte lagert in Deutschland, weitere Bestände in New York und London. Diese Verteilung sichert unsere Handlungsfähigkeit, und diese seit Jahren ausgeübte Praxis ist auch finanzpolitisch sinnvoll.

Macht kein Land der Welt so!

Und vor allem: Auch der Präsident der Bundesbank sieht keinen Anlass für Alarmismus. Die Bundesbank, also die zuständige Institution mit der fachlichen Expertise für diese Fragestellung und übrigens auch mit der Zuständigkeit für die Entscheidung über diese Fragestellung, sieht keine akute Gefahr. Und was macht die AfD? Sie stellt sich mal wieder gegen die Expertinnen und Experten, weil ihr das politisch besser in den Kram passt.

Sachverstand stört Sie offenbar nur beim Empörungsgeschäft.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sicher ist sicher! Haben ist besser als brauchen, oder?

– Sie machen das ja gerade, Herr König. Empören Sie sich mal weiter! Die Spirale ist noch nicht hoch genug.

Ich empöre mich nicht! Ich sage nur: Haben ist besser als Brauchen!

Besonders absurd ist dabei die widersprüchliche Haltung der AfD auch zu Donald Trump. Sonst feiern Sie den Präsidenten der USA regelmäßig: Sie feiern seine merkwürdigen Nationalismus- und Rassismusthesen.

Ich bitte Sie: Wir haben eine eigene Meinung! Zu jedem Thema!

Sie bewundern ihn, Sie himmeln ihn geradezu an, Sie verteidigen jede abstruse Äußerung von ihm. Aber wenn es ums deutsche Gold geht, dann tut dieselbe AfD plötzlich so, als könne man den USA überhaupt nicht mehr trauen.

Wir vertreten halt deutsche Interessen!

Die von Russland!

Das ist nicht konsequent, das ist eher grotesk, meine Damen und Herren!

Beifallbei der SPD

Das ist das Allerletzte!

Und diese Doppelmoral, die hört ja nicht auf. Während die AfD – meine Damen und Herren, hier auch auf den Zuschauerrängen – großspurig die Heimholung des deutschen Goldes fordert, gibt es Berichte, auch noch im September letzten Jahres, dass sie selbst 107 Kilogramm Gold aus einer Erbschaft nach Liechtenstein gebracht haben soll.

Ausgerechnet nach Liechtenstein! Warum lassen Sie das denn da liegen, das Gold?

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie des Abg. Sascha Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ja, ja, deutsche Interessen!

Und auf Nachfragen bei der AfD: Kein Kommentar.

Wir haben kein Gold in Liechtenstein!

Wer Transparenz, nationale Verantwortung, saubere Vermögensverwaltung predigt, sollte vielleicht zuerst einmal in seinem eigenen Laden aufräumen!

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Holen wir das doch gemeinsam! Sagen Sie mal, wo das denn ist!

Also, der Antrag ist kein Beitrag zur Stabilität unseres Landes, sondern ein weiterer Versuch, Unsicherheit zu schüren, und deshalb nur abzulehnen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie des Abg. Sascha Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]