Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die grüne Branche wandelt sich. Das hat sie übrigens schon immer getan. Aber der Zweck der grünen Branche wandelt sich nicht.
Wir müssen uns klarmachen: Die Digitalisierung der Landwirtschaft, zu der übrigens die FDP-Fraktion vor anderthalb Jahren den ersten Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht hat – aber geschenkt, Frau Connemann –, macht doch vielen Menschen Angst.
Für viele klingt das schrecklich. Sie erkennen gar nicht die Chancen, die darin liegen. Es ist die Aufgabe von uns allen, diese Chancen in den Vordergrund zu stellen und nicht immer nur vorrangig über die Probleme zu reden.
Mein Großvater hat damals angefangen: Der erste Traktor bei uns auf dem Hof war ein 15er Deutz. Das ist noch keine 50 Jahre her. Seitdem hat sich der Betrieb revolutioniert. Meine Eltern haben investiert und haben den Deutz damals schon als Oldtimer behandelt, was er heute definitiv auch ist. Heute sind digitale Anwendungen bei uns im Einsatz, ohne dass irgendjemand den Einsatz der digitalen Anwendungen gewollt hätte. Doch sie wurden eingesetzt, weil sie einen Nutzen bringen. Das muss im Vordergrund stehen: Es muss ein spürbarer Nutzen für die Betriebe da sein. Dann gibt es auch ein großes Interesse daran, diese digitalen Anwendungen in den Betrieben einzusetzen. Aber es ist wichtig, dass jeder der Akteure auch seine Rolle im Spiel erkennt. Die Politik muss ihre Rolle im Spiel genauso erkennen wie die Anwender und die Hersteller. Mir ist nicht klar, ob dies immer der Fall ist.
Die Wertschöpfung bei den Betrieben muss gegeben sein, weil sonst das Geld fehlt, um sich die Technik überhaupt zu kaufen. Doch die Agrarpolitik, die hier insgesamt betrieben wird, zieht Wertschöpfung aus den Betrieben heraus, und das oft, ohne dass dadurch ein wirklicher Nutzen entsteht. Die Digitalisierung erlöst Sie nicht von den Hausaufgaben, die Sie allgemein in der Agrarpolitik zu machen haben, sondern sie gibt Ihnen neue auf. Die Koalition hat der Bundesregierung heute eigentlich nichts anderes als eine To-do-Liste vorgelegt. Das ist wichtig, und das kann man erst mal nur begrüßen.
Doch es gibt viele offene Fragen: Was ist mit dem Netzausbau? Autonomes Fahren auf dem Acker geht schon; Herr Spiering hat eben die Testfelder erwähnt. Das ist möglich; aber bei uns fehlt vielerorts das Netz dafür, sodass es überhaupt nicht in die Anwendung kommt. Diese Technik ist auch teuer, und es braucht bestimmte Flächenstrukturen, damit sie in die Anwendung kommt.
Roboter helfen in der Tierhaltung, damit der Landwirt sich aufs Tier fokussieren kann; das bringt viel fürs Tierwohl. Aber auch da braucht es bestimmte Betriebs- und Herdengrößen. Genau die werden aber in den Debatten von den Grünen überwiegend infrage gestellt. Es fallen Kampfbegriffe wie „Massentierhaltung“ oder „Gülleflut“.
Deshalb müssen wir da auch ein bisschen normal werden und ruhiger damit umgehen.
Herr Spiering hat die Drohnen angesprochen. Es gibt heute große Drohnen, die Pflanzenschutzmittel sehr genau ausbringen können. Das kann eine Riesenerleichterung für den Sonderkulturanbau und vor allen Dingen auch für den Weinbau sein. Wir hatten vor Kurzem eine Debatte über die Schutzanzüge im Weinbau; die Frage ist immer noch nicht geklärt. Winzer müssen jetzt mit Schutzanzügen durch den Wingert laufen, um Pflanzenschutzmittel aufzusprühen. Drohnen sind hier die Lösung; aber die Flugrechtefrage ist noch alles andere als ungeklärt.
Die Drohnen wurden in der Hochschule Geisenheim entwickelt, fliegen aber in der Schweiz; das ist eigentlich ein Armutszeugnis.
Auch die Masterplattform muss die Aufgabe erfüllen, das Spannungsfeld, welches zwischen Verbrauchern und Landwirten entstanden ist, zu überbrücken; das muss ihr Zweck sein. Sie muss dabei helfen, dass die Rolle und Daseinsberechtigung von Nahrungsmittelerzeugung in diesem Land wieder den Stellenwert bekommt, den sie verdient.
Vielen Dank.