– Sie haben jetzt eine Sozi-Überdosis; das müssen Sie aushalten.
Ich habe auch manchmal eine Überdosis anderer Leute hier im Haus.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Präsidentin! Ich möchte heute die Lage der Fischerei beleuchten. Wir haben im Agrar- und Ernährungsbereich eine ganze Menge Themen zu beleuchten, aber heute hat keiner über Fischerei gesprochen. Ich glaube, es ist an der Zeit, darüber zu sprechen.
– Herr Haase, Entschuldigung. Aber keiner der Berichterstatter hat über Fischerei gesprochen. – Es fand in der Vergangenheit aus meiner Sicht überhaupt viel zu wenig Bedeutung. Deswegen gehört es in diese Debatte hinein. Die Fischerei gehört nämlich generell nicht gerade zu einer Branche, die verwöhnt ist. Oft mussten die Fischer und deren Familien mit wenig auskommen. In Ostfriesland sagt man: Een lüttje Fisch up Disch is beter, as’n groot Fisch in’t Deep.
Aber die Fischerei ist wichtig, meine Damen und Herren – wichtig als Wirtschaftsfaktor über die einzelnen Wertschöpfungsstufen, wichtig für gesunde Ernährung in Deutschland, aber auch wichtig – um das nicht zu vergessen – für den Tourismus. Stellen Sie sich zum Beispiel vor: Sie haben einen Fischerhafen, und am Ende gibt es dort überhaupt keine Fischerei mehr. Die Touristen würden nicht mehr kommen. Von daher ist es wert, dass wir uns darum kümmern.
Aktuell ist die Lage schwieriger denn je und mit ganz vielen Ungewissheiten verbunden. Der Brexit hängt wie ein Damoklesschwert nun schon seit Jahren über der Fischerei in der Nordsee. Am 12. Dezember dieses Jahres sind Neuwahlen in Großbritannien. Abgesehen davon, dass das ganze Verfahren zum Brexit einer Demokratie eigentlich unwürdig erscheint,
wissen unsere Fischer nicht, ob und wie lange sie 2020 noch in britischen Gewässern fischen können.
Gleichzeitig mussten die Fangquoten für die Ostsee massiv gekürzt werden. Beim Dorsch ist die Sterblichkeit aufgrund von Umweltbelastungen dreimal so hoch wie die fischereiliche Sterblichkeit. Kein anderer Fischbestand in europäischen Gewässern befindet sich in einer solchen Lage. Die Fangmöglichkeit für die nächsten Jahre beträgt fast null. Der Dorschbestand bräuchte Jahre, um sich wieder davon zu erholen. Viele Fischereibetriebe in der Ostsee stehen vor dem Aus. Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist eine Tragödie an der Küste.
Mit dem vorliegenden Haushalt wollen wir die massiven Veränderungen wenigstens finanziell abfedern. Aber auch um andere Fischerei, nicht nur um Dorsch- und Heringsfischerei, werden wir uns kümmern müssen. In Zukunft werden wir die Unbilden auch von der Krabbenfischerei abhalten müssen. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei unseren Haushältern, insbesondere bei Ulli Freese, dafür bedanken, dass es uns gelungen ist, hier eine Abfederung vorzunehmen und für die Menschen finanzielle Sicherheit zu schaffen.
Wir unterstützen das Landwirtschaftsmuseum
– das Landwirtschaftsministerium dabei, dass die Gelder auch sinnvoll verwendet werden können. Bislang gab es nur einen Vorschlag für die Hilfe beim Ostdorsch.
– Haben Sie sich noch nie versprochen in Ihrem Leben?
– Sie können ja gerne eine Zwischenfrage stellen, wenn Sie wollen, Herr Protschka.
Bislang gab es nur einen Vorschlag für die Hilfe beim Ostdorsch. Die Ministerin
hat sich persönlich in Brüssel dafür eingesetzt, dass das erweitert wird. Letzte Woche haben wir den Bescheid bekommen, dass es auch auf den Westhering und den Westdorsch übernommen wird.
Wir sind ja nicht in allen Themen einer Meinung, Frau Klöckner – das kann man, glaube ich, so sagen –, aber an dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen und auch bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihren Einsatz für die Fischer in Deutschland.