Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist mir eine große Freude, dass wir heute das Humboldt-Jahr 2019 mit einer Debatte zum Thema Wissenschaftskommunikation abschließen und damit unseren weltweit geschätzten Universalwissenschaftler Alexander von Humboldt auch hier im Plenum des Deutschen Bundestages würdigen können. Denn Alexander von Humboldt war bekanntermaßen nicht nur ein exzellenter Naturforscher, sondern er war auch ein begnadeter Wissenschaftskommunikator. Er begeisterte mit seinen Kosmos-Lesungen, Artikeln und Essays ein breites Publikum; denn es war ihm besonders wichtig, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen, nicht nur seine Fachkollegen. Damit gilt er als Vorbild und auch als Vorreiter in der Wissenschaftskommunikation.
Heute leben wir in einer Zeit des rasanten Wandels. Digitalisierung, Globalisierung und technischer Fortschritt verändern unser Umfeld mit enormer Geschwindigkeit, und ohne ein besseres Verständnis der modernen Wissenschaft hat der Einzelne zunehmend Orientierungsprobleme in dieser Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund brauchen wir eine umfassende, eine hochwertige Wissenschaftskommunikation, die die Ergebnisse der Wissenschaft, die möglichen praktischen Anwendungen, die wissenschaftlichen Fragestellungen und auch die wissenschaftlichen Methoden einer breiten Öffentlichkeit vermitteln kann.
Nur so kann es im Übrigen gelingen, dass wir Akzeptanz schaffen für neue Technologien, zum Beispiel Biotechnologie, Quantenoptik usw.
Darüber hinaus müssen wir in Zeiten von steigendem Populismus, Fake News und lauter werdenden wissenschaftsskeptischen Stimmen das Vertrauen der Bürger in die Wissenschaft zurückgewinnen, und wir müssen die Wissenschaftsmündigkeit der Bürgerinnen und Bürger stärken; denn es gibt nicht wenige Stimmen, die wissenschaftsbasierte Informationen täglich infrage stellen. Ich nenne hier beispielhaft jene, die bis heute die Verantwortung der Menschen für die globale Erwärmung leugnen – auch heute wieder an diesem Rednerpult bei den nachmittäglichen Debatten –, Leute, die – so war es neulich in der „FAZ“ formuliert –
einerseits munter Handys nutzen, in Flugzeuge steigen und Navigationssysteme nutzen, die aber andererseits so tun, als wären die Wissenschaftler, ohne die es all diese Technologien letztlich gar nicht gäbe, ein korrupter Haufen gewissenloser Betrüger.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden diesen Leugnern, diesen Ignoranten und Blendern nicht das Feld überlassen. Wir dürfen es ihnen nicht überlassen.
Schon heute bringen zahlreiche Initiativen der Länder, des Bundes, der Hochschulen, auch der Wissenschaftsakademien und ‑organisationen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einen Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern. Ich nenne die Wissenschaftsjahre, Citizen-Science-Projekte, die Initiative „Wissenschaft im Dialog“ oder auch das hier in unmittelbarer Nähe gerade erst eröffnete Futurium. Aber das reicht noch nicht. Deshalb stellen die Koalitionsfraktionen im vorliegenden Antrag eine Liste von 13 konkreten Forderungen auf, die dem Ziel der Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation dienen sollen.
Was brauchen wir?
Wir brauchen effektive Instrumente gegen Fake News und Fehlinformationen. Die Stimme der Wissenschaft kann Sachlichkeit und Ausgewogenheit befördern, wenn sie denn verständlich ist und gehört werden kann. Daher wollen wir den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft weiter intensivieren, indem die Wissenschaftskommunikation, aber auch, liebe Kolleginnen und Kollegen, der Wissenschaftsjournalismus gestärkt werden.
Journalisten müssen mit den Informationen aus der Wissenschaft unter den heutigen Bedingungen im Medienbetrieb arbeiten können. Daher sind neue Vermittlungsformate zwischen Wissenschaft und Journalisten erforderlich. Wir setzen auch beim wissenschaftlichen Nachwuchs an und wollen schon im Studium stärker Kommunikationskompetenzen vermitteln, die später helfen, die Erkenntnisse auch verständlich darzustellen. Wir brauchen eine Bestandsaufnahme zur Situation der WiKo – das macht gerade der Wissenschaftsrat –, und es braucht ein enges Zusammenwirken von Forschungsorganisationen, Medieninstitutionen, journalistischen Instanzen und der Wissenschaft.
Ich darf in diesem Zusammenhang Bundesministerin Anja Karliczek herzlich danken, dass sie die Stärkung der Wissenschaftskommunikation zu einem ihrer Schwerpunktthemen gemacht hat und mit ihrem im November veröffentlichten Grundsatzpapier den strategischen Dialog über die Weiterentwicklung angeregt hat.
Danke, liebe Anja Karliczek auch, dass du heute hier bist und diesen Antrag unterstützt.
Last, but not least darf ich dem Kollegen Ernst Dieter Rossmann herzlich danken für die konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit bei der Erstellung unseres schönen Antrages.
Sie alle darf ich in vorweihnachtlicher Stimmung herzlich um Ihre Zustimmung bitten.
Danke sehr.
Das Wort hat der Abgeordnete Dr. Marc Jongen für die AfD-Fraktion.