Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Auch wenn ich nicht aus Ihrem Wahlkreis komme und mich einer anderen Partei zugehörig fühle, ist der Anschlag auf Sie auch ein Angriff auf mich und auf das gemeinsame Werteverständnis und das Versprechen, einander zu respektieren.
In einer anderen Nachricht an mich heißt es:
In unseren Gemeinde-Gottesdiensten beten wir fast jeden Sonntag für die, die in unserem Land Verantwortung tragen. Ich würde mir sehr wünschen, dass Sie sich besonders eingeschlossen fühlen von unserer Hoffnung, dass Gewalt niemals das Klima unserer Gesellschaft prägen darf.
In einer anderen Mail steht:
Trotz der anhaltend unerträglich hohen Frequenz solcher Taten gewöhne ich mich nicht daran, will es auch nicht; insbesondere wenn man bedenkt, dass manche Bürgermeister sich bereits zu ihrer Sicherheit und der ihrer Familie aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind nur einige der Tausenden von Nachrichten, die ich gestern und heute erhalten habe. Für diese Nachrichten und für die gestern angelaufene interfraktionelle Solidaritätsaktion möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.
Sie bestätigen für mich zwei Dinge: Erstens. Die überwältigende Mehrheit der Menschen will eine offene und solidarische Gesellschaft. Zweitens. Wir leben nicht in einem Zeitalter des Zorns, sondern in einem der Solidarität und des Mitgefühls.
Ich bin für jede einzelne Nachricht zutiefst dankbar. Sie alle geben mir und meinem Team Kraft und Mut.
Sie alle zeigen mir, dass wir uns gegenseitig unterstützen müssen. Das heißt: Respekt und Solidarität für alle Menschen, die vor Ort und im Alltag das Land am Laufen halten. Dazu gehört unter anderem die Arbeit in Krankenhäusern, Beratungsstellen, Bahnhofsmissionen, bei der Polizei, beim THW und bei der Feuerwehr und in der Kommunalpolitik.
Fest steht: Wir Demokratinnen und Demokraten stellen die überwiegende Mehrheit in diesem Land, und es ist wichtig, dass wir die Demokratie verteidigen. Wir alle können dazu etwas beitragen, jeden Tag.
Meine Damen und Herren, es muss klar sein, dass das Band zwischen Mensch und Mensch nicht zerreißen darf und Hass und Hetze nicht das Mittel unserer Zeit sein können.
Kolleginnen und Kollegen, wir müssen jetzt aktiv werden, wie ich es hier im Plenum auch schon öfter gesagt habe: Wir brauchen natürlich auch im Osten bessere Strukturen der Engagement- und Demokratieförderung. Wir brauchen eine Stärkung der politischen Bildung und Medienbildung in Schulen und Jugendeinrichtungen. Wir brauchen eine bessere Präventionsarbeit. Und wir brauchen endlich ein Demokratiefördergesetz.
Denn, meine Damen und Herren, Daueraufgaben gehören dauerhaft gefördert.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle, die wir hier sitzen, haben eine große Verantwortung. Wir haben es mit in der Hand, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegt. Die Sehnsucht nach Zusammenhalt ist größer denn je. Ich lade deshalb alle demokratischen Fraktionen dazu ein, dieses Ziel zu verfolgen; meine Fraktion ist voll dabei.
Danke schön.