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146. Sitzung
Donnerstag, 13. Februar 202019. Wahlperiode, 146. SitzungAktuelle Stunde
27 VermerkeReaktionswert: sehr hoch651 Wörter Im Protokoll lesen

Herr Präsident! Meine Kolleginnen und Kollegen! In Thüringen hat ein Freier Demokrat für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren wollen, um für seine fünfköpfige Fraktion ein Signal für die politische Mitte zu setzen.

Er ist gewählt worden!

Er wurde gewählt mit Stimmen der FDP, der CDU und vor allem Stimmen der AfD. Dadurch wurden die Motive dieser Kandidatur in ihr Gegenteil verkehrt.

Beifallbei der FDP

Was für eine Märchenstunde! Der wusste das vorher!

Wir sind verletzt, weil wir Zweifel an unserer klaren Haltung als demokratische Partei der Mitte geweckt haben. Und wir sind beschämt, weil wir der AfD ermöglicht haben, uns und darüber hinaus die parlamentarische Demokratie zu verhöhnen.

Sie haben Herrn Kemmerich Glück gewünscht!

Dafür entschuldige ich mich namens der Freien Demokraten.

Beifallbei der FDP, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN

Die Freien Demokraten tragen Verantwortung für den Schaden von Thüringen. Dieser Verantwortung haben wir uns aber gestellt und binnen 24 Stunden die notwendigen ersten Konsequenzen gezogen.

Umfaller Lindner! Sie sind ein Hasenfuß, Herr Lindner!

Anders als hier von der Kollegin der Linken und dem Kollegen der SPD gesagt worden ist und anders als die AfD zuruft: Ich habe am Mittwoch in meiner ersten Reaktion nicht „viel Glück“ gewünscht.

Sie haben Kemmerich Glück gewünscht!

Ich habe mein Amt als Parteivorsitzender an die klare Abgrenzung der FDP von jeder Kooperation mit der AfD gebunden.

Beifallbei der FDP

Dabei allein wird es nicht bleiben. Wir arbeiten grundlegend auf; wir unterziehen uns einer Prüfung.

Das ist gut!

Dazu setzen wir eine Arbeitsgruppe

Ja, das ist immer richtig! Arbeitsgruppe!

unter Leitung unseres Experten für Rechtsextremismus Benjamin Strasser ein. Sie wird neue Narrative und Methoden der AfD sowie deren Einfluss und unsere Reaktion darauf untersuchen. Dazu werden wir auch Ratschläge von außen hören.

Erfurt war ein Fehler, aber wir unternehmen alles, damit er sich nicht wiederholen kann.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Entscheidung im Thüringer Landtag war nicht Ausdruck einer neuen Position der FDP, sondern Anlass für eine Bestätigung unserer Haltung. Mit einer Partei wie der AfD kann es keine Kooperation geben.

Haben Sie aber gemacht!

Wir sind nicht Ihr Steigbügelhalter zur Macht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Herr Gauland, Sie haben hier heute von „bürgerlichen Regierungen“ und einem „bürgerlichen Lager“ gesprochen. Das passt ja in einen neuen Erzählstrang der AfD. Waren es früher die Altparteien, so sprechen Sie jetzt von einem angeblichen bürgerlichen Lager mit CDU und FDP.

Trotzdem Altparteien!

Die AfD vertritt in Wahrheit ein Denken völkischer Überlegenheitsfantasien, das auf Ausgrenzung und Antiliberalität basiert.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Völliger Unfug!

In Thüringen, Herr Gauland, versucht sich die AfD in Anknüpfung an den Nationalsozialismus.

Die AfD ist nicht, war nicht und wird nie Teil eines bürgerlichen Lagers sein, im Gegenteil. Wenn Sie von Bürgerlichkeit sprechen, dann wollen Sie sich nur selbst verharmlosen, und Sie entwerten den Begriff des Bürgersinns damit.

Beifallbei der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das hat der 5. Februar doch gezeigt: Ihn loben Ihre Vordenker als neue, feine Variante im taktischen Arsenal der AfD.

Ihr öffentliches Angebot einer Beteiligung an der Regierung haben Union und FDP abgelehnt. Im Thüringer Landtag haben Sie dann einen eigenen Kandidaten vorgeschlagen, und zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus haben Sie diesen Kandidaten dann selbst nicht gewählt, sondern stattdessen im Geheimen einen anderen Kandidaten.

Das haben Sie doch gewusst!

Weitere Zurufe von der AfD

Sie sprechen hier von Normalität und Demokratie, Herr Gauland. In Wahrheit war es Destruktion,

Lachendes Abg. Dr. Alexander Gauland [AfD]

und das ist nicht fein und taktisch, das ist verschlagen und ehrlos.

Verehrte Anwesende, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind mit Kritik konfrontiert, und wir nehmen Kritik an.

Dann treten Sie zurück!

Wenn aber FDP und AfD gleichgesetzt werden, wenn jüdische Kommunalpolitiker der FDP in Frankfurt als Nazi beschimpft werden,

Da sehen Sie mal, wie schnell es geht, Herr Lindner!

wenn Parteibüros diffamiert und beschmiert werden, wenn Kinder von FDP-Mitgliedern angegangen werden, dann werden wir uns zur Wehr setzen.

Beifallbei der FDP, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN
Zurufvon der AfD: Genauso wie wir!

Wir haben einen Fehler gemacht, den wir aufarbeiten. Wenn aber der Versuch unternommen wird, diesen Fehler zu instrumentalisieren, um uns auch in anderen Fragen mundtot zu machen, dann werden wir uns nicht einschüchtern lassen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben uns vorführen lassen – mein letzter Gedanke – von ganz rechts, und nun wird von ganz links dasselbe versucht. Alles, was man schon immer an der FDP abgelehnt hat, kommt nun in einen Topf mit Erfurt, von Jamaika bis zur Klimapolitik. Da darf sich niemand täuschen: Auch in polarisierten Zeiten werden wir weiter für Freiheit, den Rechtsstaat, unser Verständnis von Marktwirtschaft und die politische Mitte unsere Stimmen erheben.

Beifallbei der FDP
Zurufevon der AfD: Ui!

– Unterlassen Sie bitte diese albernen Zwischentöne,

die Sie da gerade äußern!

Beifallbei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN- Jürgen Pohl [AfD]: „Nazi“ und „Faschist“ geht, und das hier ist „albern“!

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