Herr Dr. Schinnenburg, „jeder, der will“ ist aus meiner Sicht nicht die richtige Formulierung. Wenn jemand sagt: „Ich möchte jeden Tag, nur damit ich mich besser fühle, getestet werden“, dann muss ich sagen: So sollten wir nicht mit dieser Ressource umgehen. Vielmehr muss da, wo ein guter Grund besteht und wo ein Arzt oder ein Öffentlicher Gesundheitsdienst sagt: „Hier macht ein Test Sinn“, der Test bezahlt werden und schnell verfügbar sein. Das ist er seit einigen Wochen.
Ja, ich kenne auch die Situationsbeschreibung, dass mancher ein, zwei Tage auf die Testung wartet, weil sie nicht sofort verfügbar ist. Wenn man symptomfrei zu Hause ist und zwei Tage auf einen Test warten muss, dann ist das zwar nicht schön, aber es ist keine Gefährdung oder sonst irgendetwas. Deswegen müssen wir alle diese Stresssituationen, die entstehen, richtig einordnen und einander unter Stress vertrauen lernen.
Es gibt in einer solchen Lage, in der gleichzeitig viel passiert, oft Situationen, in denen es nicht so läuft, wie es soll. Die entscheidende Frage dabei ist aber: Kommt deswegen jemand in Gefahr? Wenn jemand Symptome aufweist, Probleme hat, Lebensgefahr besteht, dann wird natürlich sofort geholfen. Wenn aber jemand symptomfrei und ansonsten putzmunter zu Hause ist und unter Quarantäne bleibt, weil er zum Beispiel aus Italien zurückkommt und, was ich verstehen kann, gerne einen Test hätte und dieser Test erst drei Tage später durchgeführt wird, dann ist das nicht die bestmögliche Situation, aber es ist auch nichts Schlimmes. Ich finde, wir müssen bei allem Verständnis für die Sorgen und die Unsicherheiten, die damit verbunden sind, versuchen, die Ressourcen auf die richtigen Bedarfe zu lenken.