Ich verstehe, dass es diese Frage und die Debatte darüber gibt. Ich bin da nur zurückhaltend. Warum? Weil sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft der Verzicht auf Großveranstaltungen unendlich viel leichter zu verkraften ist als der Verzicht auf Kindergarten und Schule. Für die Pflegekräfte, Ärzte, Polizisten, Busfahrer, für viele, die das öffentliche Leben aufrechterhalten, sind es wahnsinnig tiefe Einschnitte, wenn die Schulen geschlossen werden und die Kinder somit keine Betreuung haben, und die Frage ist, ob sie dann überhaupt noch arbeiten gehen können. Das ist sozusagen das, was das fürs praktische Leben bedeutet.
Aber auch aus Infektionsminimierungssicht ist zu sagen: Wenn die Eltern dann für die Betreuung auf die Großeltern ausweichen – und das sind ja die praktischen Lösungen, die man dann sucht; denn die Frage ist, wo man die Kinder unterbringt, wenn sie auf einmal nicht mehr in die Kita gehen können –, dann ist das gerade mit Blick auf die Frage, wo wir das größte Risiko haben, glaube ich, nicht die beste Variante. Das gilt auch für die Lösung, in der Nachbarschaft eine Kleingruppe zu bilden, zu zehnt irgendwo zu Hause, weil man sich irgendwie organisieren muss.
Ich nehme das ernst. Ich bin auch dafür, dass man regional – wie in Heinsberg, also dort, wo wir Ausbruchsgeschehen sehen –, sobald sich etwas entwickelt, Einrichtungen schließt. So ist es ja auch geschehen, nachdem Schüler aus Südtirol und anderen Regionen Italiens zurückgekehrt sind. Dort hat man gesagt: Im Zweifel sollen diese Schüler nicht am Unterricht teilnehmen. – Aber flächendeckend Schulen zu schließen, hat deutlich weiter gehende Auswirkungen auf das gesamtgesellschaftliche, öffentliche Leben in Deutschland als die Absage von Großveranstaltungen. Das gilt auch mit Blick auf die medizinische Versorgung. Denn man kann darüber streiten, ob es die Infektionsrisiken an anderer Stelle nicht sogar noch erhöht.