Dazu muss man sich vergegenwärtigen, ob es um Gefährdungen geht oder um bereits eingetretene Lagen, verehrte Frau Kollegin Aschenberg-Dugnus. In einer sich dynamisch entwickelnden Ausbruchssituation besteht die Gefahr des Eintritts einer erheblichen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit in der gesamten Bundesrepublik, und diese Gefahr ist angesichts der Entwicklung des dortigen Ausbruchs – und das ist ja nicht der einzige – gegeben. Denn wir müssen uns klar darüber sein, dass die Mitarbeiter dieses Betriebes – – Ich will jetzt nicht diese Firma und nur den einen Betrieb ansprechen. Wir haben ja andere Betriebe erlebt. Wir haben das Thema „Deutscher Paketdienst“ erlebt, wir haben Kirchengemeinden gehabt, wir haben Chortreffen gehabt. In diesem Fall leben viele Kinder und Familienangehörige verteilt über zahlreiche Liegenschaften rund um das Unternehmen herum und auch in zahlreichen Nachbarkreisen. Vor diesem Hintergrund kann Ihnen keiner prognostizieren, wie sich jetzt die Ausbreitung angesichts der Situation in Schulen und Kindergärten entwickeln wird. Deswegen, glaube ich, ist es einfach vermessen, zu sagen: Weil wir akut so niedrige Zahlen haben, geben wir uns jetzt mal damit zufrieden.
Ja, es mag sein, dass ein solcher Ausbruch handhabbar ist. Aber das Nachverfolgen von 7 000 in Absonderung befindlichen Menschen, die Notwendigkeit, sie alle zu testen, die Notwendigkeit, dann wieder deren Kontaktpersonen nachzuverfolgen, bringt, so glaube ich, auch dort ein Gesundheitsamt an die Grenzen, weswegen wir ja auch eine Eingreiftruppe des RKI haben, weswegen wir in der epidemischen Lage von nationaler Tragweite sogar zusagen, dass wir mit Kräften der Bundeswehr helfen, wenn es nötig ist. Jetzt stellen Sie sich mal vor, so was passiert gleichzeitig an vier oder fünf oder sechs Stellen in der Bundesrepublik. Dann ist die Lage in Deutschland schlimmer als zu dem Zeitpunkt, zu dem wir die epidemische Lage festgestellt haben,
und das ist, glaube ich, das Kriterium.
Ein zweiter Punkt ist, dass dieser Gefährdungslage für die öffentliche Gesundheit nur begrenzt auf Landesebene begegnet werden kann. Das ist eben nicht der Fall. Vielmehr brauchen wir weiterhin eine nationale Strategie.
Sie liegt doch auch der Tatsache zugrunde, dass sich gestern die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Bundesländer – sämtlicher Bundesländer! – wieder auf viele Punkte verständigt haben, die man in einem nationalen Konsens tragen will.
Es tut mir leid, aber wenn wir jetzt vor der Öffnung von Schulen und Kindergärten in den Regelbetrieb hinein stehen, dann macht mich auch eine Nachricht wie die aus Düsseldorf unruhig, wo seit Anfang Juni an elf verschiedenen Schulen zwölf Kinder positiv getestet worden sind.
Die Zahl der Schulen, in denen solche Dinge passieren, ist ja nicht klein, und es gibt schon die ersten Schulen, die nach ihrer Öffnung von den örtlichen Gesundheitsämtern wieder geschlossen worden sind. Das zeigt mir: Wir sind mittendrin in der Pandemie, und wir sind mittendrin in der nationalen Ausbreitung.
Für das Land Schweden, das immer so gerne als Beispiel dafür genommen wird, wie toll das mit der Entwicklung der Herdenimmunität sei, gibt es aktuelle epidemiologische Befunde zur Frage: Wie weit ist denn die Seuche durch Schweden durch? – Da hat man Antikörperuntersuchungen gemacht, und da findet man bei den Älteren und Betagten zwischen 65 und 95 eine Quote von 2,9 Prozent, wenn ich es richtig erinnere. Bei den jungen Leuten, also in unserem Alter, bei denen zwischen 20 und 64,
findet man eine Quote von 6,5 Prozent, und bei den Kindern eine Quote von 7,5 Prozent an Antikörpern.
Das ist mehr, als wir es bei uns erwarten können. Aber es zeigt selbst für Schweden, dass natürlich von einer Gruppenimmunität, von einer Kohortenimmunität, von diesem Herdenschutz bei Weitem nicht die Rede sein kann. Deswegen: Wir sind mittendrin, und ich finde das schwierig.
Als letzte Bemerkung auch noch ein paar Hinweise darauf, dass wir natürlich auch etwa eine Regelung haben wie die, dass Studierende, die jetzt pandemiebedingt Tätigkeiten übernommen haben, –