Herr Spangenberg, ich antworte Ihnen gerne, und ich erinnere an die Lage von Mitte März: Da betrug das tägliche Wachstum der Infektionen 30 Prozent. Bei einer Fortsetzung dieser Dynamik hätten wir zu Ostern eine völlige Überlastung aller gesundheitlichen Versorgungseinrichtungen in Deutschland erlebt. Wir hätten zu Ostern 10 Millionen Infizierte und einen gänzlich unerfüllbaren Bedarf an Intensivbetten von 140 000 gehabt. Und diese Gefahr bleibt, weil es ja jederzeit wieder mit einer vergleichbaren Dynamik in bestimmten Regionen oder auch flächendeckend losgehen kann.
– Noch nicht.
Lieber Herr Spangenberg, Sie selbst trauen ja Ihren eigenen Worten nicht. Denn in Ihrem Antrag – neben diesem Ganzen „Öffnerei, Öffnerei und Öffnerei“ und „Reproduktionsrate 1“ und „Wir müssen uns keine Sorgen mehr machen“ – fordern Sie unter Punkt 8, „die getroffenen Maßnahmen wöchentlich zu überprüfen“ und: „Der Bundestag ist dabei, in angemessener Weise zu beteiligen.“ Werter Herr Kollege Spangenberg, wenn Sie das wöchentlich überprüfen wollen, wie sehr trauen Sie denn dann Ihren eigenen Aussagen? Das wäre doch dann gar nicht nötig. Das ist doch nur nötig, wenn Sie befürchten, dass es total schiefgehen kann.
Dann muss ich – und das ist der letzte Teil der Antwort – zur wöchentlichen Überprüfung, lieber Herr Spangenberg, bei allem Respekt sagen: Wir haben eine Inkubationszeit, die eher bei über einer Woche als unter einer Woche liegt. Wir haben dann eine asymptomatische Erkrankungsphase, an deren Ende der Höhepunkt der Infektiosität liegt. Dann kommen zum ersten Mal Symptome, sodass Tests durchgeführt werden können. Dann wird es noch ein paar Tage dauern, bis die Tests ausgewertet sind.
Am Ende dieser Tests beginnt dann der Meldeverzug, bis wir es in den Erhebungen erleben.
Deswegen brauchen Sie eine längere Beobachtungszeit, um zu beurteilen, ob eine Maßnahme sich deletär und fatal auswirkt oder nicht.
– Nein, Herr Spangenberg. – Bitte, Herr Henke.