Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Verabschiedung des Gesetzes über die jüdische Militärseelsorge bedeutet einen historischen Schritt, für den wir alle hier im Haus vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sehr dankbar sind.
Mir ist aber wichtig, zu betonen: Mit der Einrichtung der jüdischen Militärseelsorge wird nicht nur ein neues Kapitel aufgeschlagen. Vielmehr ist das heute zu verabschiedende Gesetz auch die konsequente Antwort darauf, dass in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten junge Menschen jüdischen Glaubens im Bewusstsein der Geschichte unseres Landes ganz persönlich für sich die Entscheidung getroffen haben: Das ist mein Land, das ist meine Wertordnung, das sind meine Mitbürgerinnen und Mitbürger, kurzum: Das ist die Freiheit, der ich dienen möchte, die ich verteidigen will und für die ich auch bereit bin, wenn es zum Äußersten kommt, mein Leben zu geben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in einer Zeit, in der die Stimmen in unserer Gesellschaft lauter werden, die die Verantwortung, die aus der deutschen Geschichte erwächst, kleiner reden wollen, erinnern uns jüdische Bundeswehrsoldatinnen und ‑soldaten daran, wie nicht trotz, sondern gerade mit und aus unserer Geschichte Identität, Identifikation und Verantwortung erwachsen können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, als Zweites möchte ich betonen: Militärseelsorge in der Bundeswehr richtet sich in ihrem Selbstverständnis, sei sie christlich oder in Zukunft auch jüdisch, immer an alle Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien. Und in dieser Tradition und Verpflichtung wird auch die jüdische Militärseelsorge stehen: im Lebenskundlichen Unterricht, aber auch in den vielen Begegnungen und Gesprächen, die zwischen Seelsorgern und Soldatinnen und Soldaten geschehen werden. Die jüdische Militärseelsorge wird das Leben in der Bundeswehr reicher machen, und sie ist ein Angebot – weit über die jüdischen Soldatinnen und Soldaten hinaus – für alle in unserer Bundeswehr, egal wessen Glaubens sie sind und welche Haltung sie haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich sehr gefreut, dass in der ersten Lesung der Arbeit der Militärseelsorge von vielen Seiten Dank ausgesprochen wurde. Als jemand, der selbst als Militärseelsorger gearbeitet hat, möchte ich den Dank zurückgeben an alle, die dieses Gesetz für die Einrichtung der jüdischen Militärseelsorge möglich gemacht haben. Denn es ist auch Ausdruck der Wertschätzung des Gedankens der Militärseelsorge als solcher und damit auch Ausdruck des Bewusstseins, dass der Soldat ein Mensch ist – ein Mensch, der Orte und Zeiten braucht, wo er ganz vorbehaltlos das sein darf, was er ist: nämlich ein Mensch mit Hoffnungen, mit Sorgen, mit Fragen, mit Ängsten, mit Nöten, aber auch mit Momenten des Glücks.
Und ein weiterer Dank gilt all den Soldatinnen und Soldaten auf allen Ebenen: den Kommandeuren, den Kommandanten, den Chefs und Einheitsführern in der Bundeswehr, die die Arbeit der Militärseelsorge durch ihre unterstützende, offene und wertschätzende Haltung in der Vergangenheit haben immer gut gelingen lassen, die im Sinne der ihnen anvertrauten Soldatinnen und Soldaten, Kameradinnen und Kameraden durch ein offenes Ohr und Verständnis und helfende Hände die Arbeit der Militärseelsorge immer erleichtert haben. Die jüdische Militärseelsorge wird in der Bundeswehr auf ein ihr freundlich gesonnenes Umfeld treffen. Wir setzen heute die Struktur; denjenigen, die sie mit Leben füllen werden, wünschen wir alles Gute.