Käse auch. Sie hören gut zu, Herr Präsident. Das finde ich gut.
Diese Tradition ist aber seit den 90er-Jahren immer mehr verschwunden.
Es gibt das Fleischerhandwerk, das ehrliche Fleischerhandwerk, noch. Wohl denen, die noch einen Fleischer um die Ecke haben.
Aber unser Hunger wird mittlerweile industriell von diesen großen Fleischfabriken gestillt. Ich konnte es nicht glauben; ich habe es vor ein paar Wochen selber gelesen: 30 000 Schweine werden in einer Fabrik an einem Tag geschlachtet, und das Tag für Tag. Das ist Wahnsinn, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wir müssen uns schon fragen: Was sind uns denn Mensch und Tier wert? Wir haben schon zweimal eingegriffen, und zwar 2014, als wir dafür gesorgt haben, dass Mindestlohntarifverträge für alle Beschäftigten in der Fleischwirtschaft gelten, und 2017, als wir mit der Einführung der Generalunternehmerhaftung dafür gesorgt haben, dass der Besitzer einer Fleischfabrik dafür verantwortlich ist, dass auch Subunternehmer Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Wir hier wissen es vielleicht bereits: Manches ist immer wieder umgangen worden. Aber jetzt weiß das auch die Öffentlichkeit; denn es ist durch die Coronapandemie deutlich herausgekommen. Jetzt gibt es eine breite Übereinstimmung darüber, dass Schluss sein muss mit Ausbeutung in dieser Branche.
Deswegen bin ich froh, dass Hubertus Heil diese zehn Eckpunkte vorgelegt hat. Der Kern ist das Verbot der Werkverträge, der Leiharbeit; es soll aber auch mehr und besser kontrolliert werden. Auch die Arbeitszeit soll digital aufgezeichnet werden. Dann werden wir dort zu Verbesserungen kommen. Das werden wir tun; das müssen wir tun, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wenn die Beschäftigten, die dort arbeiten, ausgenutzt werden, wenig Lohn bekommen, oftmals um ihren Lohn geprellt werden, in schlechten Unterkünften untergebracht sind und bis zur Erschöpfung arbeiten müssen, dann können und dürfen wir nicht zugucken. Wir müssen handeln. Wir sind es den Beschäftigten schuldig. Wir sind es uns allen als Verbraucherinnen und Verbraucher schuldig. Und wir sind es den Tieren schuldig, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Ich möchte sagen: Ja, Fleisch darf kein Luxusgut werden. Es darf aber auch keine Ramschware bleiben. Deswegen müssen wir anpacken. Deswegen werden wir anpacken, notfalls auch gern in einer Sondersitzung. Wir haben schon Sondersitzungen wegen anderer Themen in diesem Jahr gemacht.
Vielen Dank.
– Fleischkäse!
Das ist ein sehr guter Zwischenruf aus der SPD-Fraktion. Es ist ja nicht immer alles intelligent, was von dort kommt, aber heute war es eine Fortbildung.