Wissen Sie, ich glaube, wir befinden uns noch im Anfangsstadium. Jetzt hat die CDU am Dienstagabend, 21 Uhr – wenn ich das richtig kapiert habe –, nach stundenlangen Auseinandersetzungen diesen Vorschlag auf den Weg gebracht. Wir haben unseren auf den Weg gebracht, Sie haben Ihren schon im November eingebracht. Aber ich glaube, dass zwischen diesen unterschiedlichen Vorschlägen am Ende des Tages wahrscheinlich die Wahrheit liegen wird. Die Wahrheit liegt nicht am Freitagnachmittag, dem 3. Juli, um 14.15 Uhr. Die werden wir heute nicht finden.
Wir müssen uns zusammenhocken und das Gemeinsame finden, wenn wir draußen ernst genommen werden wollen.
Ich hätte mich gefreut, Sie hätten irgendetwas zur Position der Frauen gesagt. Schade.
Die Union meint: Die Frauen sollten sowieso erst einmal auf kommunaler Ebene politische Erfahrung sammeln. – Ich habe mir nicht die vier Vornamen derjenigen gemerkt, die heute für die Union sprechen. Aber es ist bezeichnend: Sie haben vier Redner und Rednerinnen zum Wahlrecht, und Sie schicken vier Männer in die Debatte.
Das hat etwas mit den Erlebenswelten von Frauen in den Parlamenten zu tun. Deshalb finde ich Ihre Argumentation so defizitär. Ich denke nicht, dass Frauen, wenn sie im Parlament sind, die besseren Menschen, die besseren Abgeordneten sind. Aber sie bringen einfach andere Erfahrungen mit: mit Kindererziehung, mit der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs, mit Teilzeit, einfach mit dem Leben. Dieses Leben gehört in dieses Parlament. Das zeigen doch auch die Erfahrungen mit Corona: die Verfestigung der Rollenbilder.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns bitte den Sommer 2020 nutzen, um für 2021 einen ordentlichen Vorschlag zu haben. Marie von Ebner-Eschenbach hat das ganz nett formuliert. Sie hat gesagt: „Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.“
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir können nicht nur, wir müssen. Ein Parlament mit über 800 Abgeordneten ist zu groß, und ein Parlament mit 30 Prozent Frauen ist falsch. Herr Heveling, wir dürfen die Debatte nicht erst im Juli 2021 führen. Lassen Sie uns den Sommer 2020 dazu nutzen, und dann bekommen wir auch noch eine Lösung hin.
Ich finde, dass auch die Bevölkerung an diesem Thema sehr interessiert ist. Deshalb sollten wir die Vorschläge der Union auch in der Bevölkerung breit diskutieren. Darauf freue ich mich, bedanke mich für die Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.