Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Zuschauer hier im Saal und an den digitalen Endgeräten! Wir haben uns dieses Thema in der Unionsfraktion aufgeteilt. Der Kollege Zimmer hat unser Wertekonzept erläutert, das ich ausdrücklich teile. Meine Kolleginnen haben über die unerledigten Dinge bei der Gleichberechtigung der Frauen gesprochen. Auch das teile ich selbstverständlich.
Die Liste des Unerledigten ist leider noch lang. Ein Aspekt in dieser Debatte ist mir allerdings zu kurz gekommen, und über den möchte ich reden: Es fehlt an Optimismus bei der Arbeit im Wandel, wie unser Thema heute heißt. Natürlich müssen wir den sozialen Schutz den neuen Bedingungen anpassen; das ist hier vielfach gesagt worden, und dem widerspreche ich ausdrücklich nicht. Aber wir sollten das nicht in der Art und Weise tun, dass wir den Menschen vor allen Dingen Angst vor der Transformation machen.
Angst ist kein guter Ratgeber und schafft gerade keine Nachhaltigkeit.
Denn, meine Damen und Herren, die neue Arbeit, die Arbeit im Wandel schafft viele Chancen. Sie entlastet eher von Routine, sie reduziert körperliche Fehlbelastungen, sie schafft größere Flexibilität. Die neue Arbeit verlangt höherwertige Qualifikationen. Sie verlangt mehr soziale Qualifikation, mehr Kommunikationstalent, mehr Planung, mehr Steuerung und übrigens auch mehr Kompetenz im Team – alles Aufgaben, die dann auch auf unsere Bildungssysteme zukommen werden. All das kommt natürlich den Beschäftigten in unserem Land auch entgegen. Höherqualifikation ist eine Chance und aus meiner Sicht keine Belastung.
Insofern habe ich es sehr bedauert, dass Frau Ferschl nach ihrer Rede nun nicht mehr da ist.
– Dann nehme ich das zurück. Das war mir nicht bekannt.
– Wenn es nicht anders geht, soll es mir recht sein. – Frau Ferschl hat in den Mittelpunkt ihrer Rede aber vor allem die Begriffe „Katastrophe“, „Leidtragende“, „Zukunftsängste“, „unsichere Arbeitsplätze“ etc. gestellt. Ich halte es, ehrlich gesagt, für viel zu einseitig, wenn man nur auf die Gefahren abstellt. Es kommt mir so vor, als wenn man einem Sporttreibenden sagt, er könne verletzt oder gefoult werden, er könne sich überanstrengen, aber nicht darüber redet, welche guten Seiten der Sport hat. Die Arbeit im Wandel ist insgesamt eine Chance und keine Belastung für unser Land.
Dann hat hier keiner etwas zu den Äußerungen der AfD gesagt.
Deswegen will ich die letzte Minute meiner Redezeit darauf verwenden.
Ehrlich gesagt, Herr Springer – mit Ihnen fange ich an; das ist aber das kleinere Problem –, dass ausgerechnet Sie die Rente kritisieren,
das habe ich nicht verstanden. Wir alle hier in diesem Raum wissen doch, dass ausgerechnet Sie von der AfD gar kein Konzept haben, weil Sie sich auf nichts einigen können.
Besonders geärgert habe ich mich mal wieder über Sie, Herr Sichert. Sie haben eine ganz besondere Milchmädchenrechnung vorgelegt, aber das hätte ich vielleicht gar nicht erwähnt. Aber dass in diesem Hohen Haus jemand so offen für puren Egoismus plädiert, dafür habe ich mich, ehrlich gesagt, geschämt.
Denn Egoismus ist gerade nicht nachhaltig, sondern kurzsichtig. Wenn jeder nur an sich selbst denkt, dann geht es eben nicht allen besser, sondern allen schlechter.
Das bringe ich meinen vier Kindern bei, und das ist doch eigentlich kulturelle Selbstverständlichkeit in diesem Land.