Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wenn man aus den zehn Seiten MINT-Antrag den üblichen FDP-Sprech heraussiebt, dann sind doch etliche Forderungen übrig, die aus unserem Antrag zum Thema „Guter Ganztag“ entliehen sein könnten, zum Beispiel die Entlastung der Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams, Raum für individuelle Förderungen – was vor allem Kindern aus benachteiligten Familien zugutekommt –, die zügige Digitalisierung von Schulen durch digitale Grundausstattung, DigitalPakt Plus und die Einrichtung einer Bundeszentrale für digitale und Medienbildung.
Der wesentliche Unterschied ist: Wir denken von den Bedürfnissen der Kinder her, die FDP von den Bedürfnissen der Wirtschaft her. Im Bereich MINT wird vor allem ein Mangel beklagt. Unter anderem schreiben Sie: Sie wollen bezogen auf das fehlende Interesse insbesondere von Mädchen die Rollen der Elternhäuser untersuchen. – Dazu gibt es schon lange und viele Studien. Natürlich hat die Familie einen Einfluss, vor allem das elterliche Vorbild. Aber was soll Ihrer Meinung nach daraus folgen? Sollen in Zukunft die Mütter den Rechner aufschrauben, wenn die Festplatte kollabiert ist, damit sich das Rollenbild der Kinder weitet?
Liebe Freie Demokraten, solange unsere Gesellschaft immer noch fest in Rollenstereotypen verhaftet ist, was Frauen und Technik angeht, so lange gibt es für Mädchen eine besondere Hürde beim Zugang zu MINT.
Als ich im fünften Semester geheiratet habe, wurde ich von einem Professor vor versammelter Mannschaft gefragt, warum ich denn immer noch zur Vorlesung käme, ich hätte doch mein Ziel erreicht und auf dem für Frauen attraktivsten Heiratsmarkt der Region einen Mann gefunden. Noch im achten Semester musste ich mich fragen lassen, wie ich mich denn in Zukunft nennen wollte: „Ingenieuse“ oder „Ingenieurin“? Auch heute kann es mir noch passieren, dass mir ein TÜV-Prüfer ungefragt erklären will, wie die Abschaltautomatik meines Motorrades funktioniert.
Angesichts solcher Erlebnisse verwundert es nicht, dass gerade im Westen Deutschlands der Frauenanteil, insbesondere in den harten Technikberufen, niedrig bleibt. Da wirkt das unselige Mutterverdienstkreuzdenken und das brachiale Zurückdrängen der Frauen aus Führungspositionen und Männerberufen in der Nachkriegszeit immer noch nach.
In vielen Teilen der Welt ist der Frauenanteil gerade in den harten technischen Berufen deutlich höher; es wurde gerade genannt. Wenn ein Schub im Westen bei Studienanfängerinnen zu verzeichnen war, dann war das oft ein Wiedervereinigungseffekt.
Im Übrigen setzen sich Frauen im Alltag ständig mit Technik auseinander. Aber sobald diese „weiß“ ist, wird sie verweiblicht und nicht mehr als Technik wahrgenommen. Ich habe mal in meinem früheren Kollegenkreis, alles Ingenieure, gefragt, wer seine Waschmaschine bedienen oder seinen Geschirrspüler programmieren könne. Es folgte peinliches Schweigen.