Lieber Herr Bystron, mein ehemaliger Professor an der Universität Bremen ist der ehemalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments und ein enger Freund von Herrn Kaczynski. Der hat vor ein paar Jahren in einem „Welt“-Interview über den Charakter Ihrer Partei gesagt, sie sei zutiefst revisionistisch, antisemitisch und deswegen antipolnisch eingestellt. Ich glaube, das reicht als Antwort auf Ihren Beitrag.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, was ich gerade sagen wollte: Die junge Generation in Polen, wie zum Teil auch bei uns, erinnert sich schon nicht mehr an diese Versöhnungsgeschichte. Umso wichtiger ist es, dass wir, wenn wir auch die jungen Menschen erreichen wollen, Orte schaffen, Gelegenheiten schaffen, aufzuarbeiten, zu lernen, aber auch ritualisiert zu gedenken.
Ich denke, dass wir wirklich auch in der bilateralen Zusammenarbeit mit unserem Nachbarn Polen staatliche Rituale in Deutschland brauchen, anstatt immer nur auf Einladung der polnischen Freunde in Polen zu gedenken, und dass wir so auch eine neue Bezugsgruppe schaffen können, einen neuen Bezug zu der Versöhnungsgeschichte, der in die Zukunft reicht.
Dafür die Gedenklandschaft in Berlin weiterzuentwickeln, mit einem Denkmal für die Opfer in Polen, mit dem Dokumentationszentrum, das vor zwei Wochen auf den Weg gebracht wurde, und meiner Ansicht nach auch mit einem Doppelmuseum, das ist der richtige Weg.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Europa scheitern wird, wenn die deutsch-polnische Freundschaft nicht gelingt,
so wie Europa ohne die Ukraine, Belarus, Russland oder Griechenland nicht vollkommen sein kann. Ich bin aber auch der Meinung, dass wir Deutschen in unserer deutsch-polnischen Geschichte und unserer deutsch-polnischen Freundschaft uns selber erkennen können. Zu einem selbstbewussten Deutschland gehört ein Platz für Polen, ein eigener Platz für Polen in unserem Gedenken.
Vielen Dank.