Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 3. Mai 1904 wurde Lothar von Trotha zum Oberbefehlshaber der deutschen Truppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika ernannt, nachdem sich die Ovaherero gegen die rassistische Siedlungspolitik des Deutschen Reiches erhoben hatten. Er sagte ganz offen, was sein Ziel war – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: Man müsse die Nation der Herero vernichten. Er sah den Aufstand – Zitat – als Auftakt zu einem Rassenkampf. Er glaubte, dass die Herero nur vor krassem Terrorismus und Grausamkeit zurückweichen würden, und machte das zu seiner Politik. In seinen Worten: eine Politik der Vernichtung mit „Strömen von Blut und Strömen von Geld“.
Von Trothas Worte sind ein erschreckender Einblick in die rassistische, menschenverachtende und brutale Haltung, die der deutschen Kolonialherrschaft zugrunde lag. Diese Haltung mündete zwischen 1904 und 1908 im Völkermord an den Ovaherero und Nama. Tausende von Kindern, Frauen und Männern wurden von deutschen Soldaten erschossen, erschlagen oder mit voller Absicht in die Wüste getrieben, wo sie qualvoll verdursten mussten.