Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Die AfD legt uns einen Antrag vor mit dem Ziel, die Geschlechterforschung in der Wissenschaft, die Gender Studies, finanziell auszutrocknen und so zum Erliegen zu bringen.
Inmitten der vielen zähen Kämpfe um Gleichberechtigung, für gleiche Rechte von Frauen,
will die AfD das Rad der Zeit wieder zurückdrehen und verhindern, dass Wissenschaft sich im Dienst von Pluralität und Gleichberechtigung versteht.
Das ist angesichts des ergrauten und durchweg männlichen Bildes, das die AfD-Fraktion da abgibt, natürlich auch wenig verwunderlich.
Die Wahrheit ist aber, dass der Antifeminismus, mit dem Sie heute daherkommen – es geht nämlich hier um Antifeminismus –,
genauso wie Ihr Rassismus, das einzig wirklich Verbindende ist in Ihrer extrem rechten Seilschaft.
Immer dann, wirklich immer dann, wenn ansonsten gar nichts mehr zusammengeht bei Ihnen, weil Sie sich intern mal wieder völlig zerlegen, wie Sie es ja gerade wieder vor drei Wochen auf Ihrem Parteitag getan haben, weil die AfD nämlich bei den wirklich wichtigen Fragen unserer Gesellschaft, bei Fragen wie steigenden Mieten, sinkenden Renten
gar keine Antworten hat, muss der Hass auf andere oder auf Minderheiten herhalten
als inszeniertes Zusammengehörigkeitsgefühl und Bindemittel Ihrer Partei. Das ist einfach nur billig und absolut erbärmlich.
Der Antifeminismus gehört wie der Rassismus zur DNA der extremen Rechten. Entstanden ist er als Reaktion auf die politische Idee von gleichen Rechten und als Abwehr der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert, und er ist der Bruder im Geiste von Nationalismus, Antisemitismus und Faschismus. Von Deutschnationalen wurde damals gehetzt, dass Frauenbewegung, Sozialdemokratie und Judentum miteinander verwandt seien. Die Nationalsozialisten behaupteten, Frauenemanzipation sei nur ein vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort; deutsche Frauen bräuchten sich nicht zu emanzipieren. Von diesem menschenverachtenden Mist, von diesem Mist hat sich die AfD keinen Millimeter entfernt.
Das ist die Wahrheit, und das stellen Sie hier gerade wieder unter Beweis.
Und Sie reihen sich im Übrigen nicht nur ein in die Frauenverachtung dieser alten Nazis. Sie sind auch Stichwortgeber der rechtsterroristischen Attentäter von heute. Breivik zum Beispiel, der Attentäter von Oslo, fantasierte von einer Kriegsführung gegen den europäischen Mann. Das ist die Gesellschaft, in der Sie sich befinden; dafür sollten Sie sich schämen.
Dann tun Sie auch noch so, als würde es Ihnen hier um Wissenschaft gehen. Ganz ehrlich: Das ist wirklich lachhaft, wenn Sie damit daherkommen – eine Fraktion, die jeden Tag in der Coronakrise beweist, dass sie weder auf dem Boden der Aufklärung noch dem der Wissenschaft steht, sondern dass sie sich gemeinmacht mit Verschwörungsmythen und Fake News.
Niemand nimmt Ihnen das Anliegen einer ernstzunehmenden Wissenschaftskritik ab. Sie sitzen im Glashaus.
Wenn Sie davon reden, die Wissenschaft – angeblich – von Ideologie befreien zu wollen, dann geht es Ihnen in Wahrheit um die Abwehr und das Mundtotmachen anderer Standpunkte als Ihres eigenen.
Was Sie hier aufführen, ist die pure Demagogie; aber das durchschauen wir.
Vielen Dank.