Herr Präsident! Sehr verehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit 2011 ist die Zinsentwicklung sehr gut für die Kreditnehmer, aber schlecht für Sparer; sehr schlecht für den Einzelnen, aber sehr gut für den Staat. Also da merkt man: Bei Zinsen muss man ein bisschen genauer hingucken. Trotz guter Regulierung können wir sagen, dass die Kunden auf gute Alternativen hingewiesen werden müssen usw. Trotz all dieser Regulierung gibt es eben ein Marktversagen.
Das sollte uns nicht wundern, denn Angebot und Nachfrage unterliegen asymmetrischen Kraftfeldern. Der Kunde einer Bank ist nicht so ganz frei, jetzt zu entscheiden, wo er morgen hingeht. Formal ist er frei, emotional nicht. Er ist als Kunde in einer gewissen Weise gebunden: Er hat schon einen Kredit. Übrigens nutzen die Hälfte aller Kunden Dispokredite, oft genug die, die in einer Notlage sind. Oft müssen die, die am 25. des Monats kein Geld mehr haben, einen Dispokredit in Anspruch nehmen. Deshalb müssen wir uns um diese Leute kümmern.
Wir haben das schon gehört: Der Zinssatz für Dispokredite liegt im Moment bei 10 Prozent, interessanterweise doppelt so hoch wie der Durchschnitt in Europa. Das wundert einen doch, warum er doppelt so hoch ist. Da, glaube ich, haben Markt und Moral versagt.
Der Bankenverband hat heute einen Brief geschrieben und sagt, wir sollten heute bedenken: Vertriebskosten sind höher, die Eigenkapitalsituation ist anders gestaltet, Verwaltungskosten sind hoch, Informationspflichten sind hoch. – Das stimmt, aber das gilt ja in ganz Europa.
Schauen wir mal, in welchem Zinsumfeld wir eigentlich sind: Guthabenzinsen, Zinsen auf dem Sparbuch, Zinsen für Tagesgeld und Festgeld liegen irgendwo zwischen 0 und 1 Prozent. Wenn die Bank ihr Geld bei der EZB parken will, muss sie 0,5 Prozent bezahlen. Wenn die Bank von der EZB Geld beim Hauptfinanzierungsgeschäft bekommt, muss sie 0 Prozent bezahlen. In der Spitzenrefinanzierungsfazilität muss sie 0,25 Prozent bezahlen. Ich war im Moment im Bereich von minus 0,5 bis plus 0,25 Prozent.
Jetzt muss man sich überlegen: Wenn das hier die Refinanzierungskosten der Bank sind, 5 Zentimeter, dann liegt der Dispokreditzins, ich will das mal sagen, bei – es braucht immer einen kleinen Moment – zwei Meter.
5 Zentimeter ist der Refinanzierungssatz und zwei Meter der Dispozins. Der Dispokreditzins ist für die Armen besonders dramatisch. Ich kenne die Refinanzierungskosten, die die Banken kleinreden. Ihre Verwaltung reden sie groß, und alles andere? Komischerweise zählt, wenn ich einen Kredit will, das alles nicht mehr in der Form – ganz schwierige Angelegenheit. Auch der Euribor ist bei minus 0,5 Prozent. Das heißt, wenn die Banken sich wechselweise Geld geben, gilt auch da 0,5 Prozent.
Die Zinsen sind absolut im Keller, mit einer Ausnahme: der Dispozins für die armen Leute, die mal kurzfristig überziehen müssen. Deshalb gilt es, da etwas zu tun.
Eine letzte Sache, zu Olaf Scholz. Ich finde es sehr gut, wenn der Olaf Scholz seinen Bürgern sagt: Kosten, Preise, Zinsen sollt ihr vergleichen, um das günstigste Angebot in Anspruch zu nehmen.
Vielen Dank.
Ich schließe die Aussprache.