Sehr geehrter Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Weltweit kennen wir derzeit circa 200 Sprachfamilien mit insgesamt 6 500 Sprachen. 100 weitere Sprachfamilien sind in der letzten Zeit ausgestorben. Die meisten Sprachen existieren dort, wo Bevölkerungsgruppen weitestgehend isoliert von anderen Menschen leben, so im indopazifischen Raum oder auch in Afrika.
Bei den Ureinwohnern Nordamerikas existierte pro Stamm eine Sprache. Um stammübergreifend kommunizieren zu können, ist eine Zeichensprache entwickelt worden. Dies führte dazu, dass die Ureinwohner der höheren Bildungsschichten oft neben ihrer eigenen Sprache selbst in ihrem eigenen Stamm auch die Zeichensprache angewandt haben.
Zum Glück leben wir nicht mehr isoliert voneinander und damit auch nicht bedroht von den uns umgebenden Stämmen oder Ländern. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges haben wir die Vorteile eines Miteinanders auf Augenhöhe innerhalb Europas kennen- und schätzen gelernt. Unsere gemeinsame Zeichensprache ist das Englische geworden,
und das ist auch gut so. – Da könnte man eigentlich mal klatschen.
Nur circa 90 Millionen Menschen sprechen als Muttersprache Deutsch, weitere 80 Millionen als Zweitsprache. Im Vergleich dazu sprechen 370 Millionen Menschen Englisch als Muttersprache und fast 900 Millionen als Zweitsprache, und zwar kultur- und länderübergreifend.
Das Wichtigste in der GASP ist eine europäische Handlungsfähigkeit. Dazu ist zunächst eine gemeinsame, akzeptierte Lingua franca notwendig. Englisch ist die internationale Handelssprache geworden. Daher glauben wir von der FDP, dass eine dritte offizielle Arbeitssprache in der europäischen GASP nicht mehr notwendig ist.
Das Bewahren und das Fördern, ja das Pflegen der eigenen Sprache hingegen halte ich aber auch für unterstützenswert. Sprachenvielfalt gilt es zu erhalten und nachhaltig zu fördern, keine Frage. Aber die Begründung des Antrages der AfD zum Jahr der deutschen Sprache zeigt uns doch, welch Geistes Kind hier herrscht. Ja, Sprache bleibt nicht stehen; sie entwickelt sich und übernimmt ständig Wörter aus anderen Sprachen. Wie viele Wörter von den französischen Hugenotten sind ins Deutsche übernommen worden, wie viele deutsche Wörter ins Jiddische oder Wörter aus dem Jiddischen ins Deutsche? Sie werfen türkischstämmigen Mitbürgern unter anderem vor, unfähig zu sein, ein „ch“ von einem „sch“ zu unterscheiden. Die überwältigende Mehrheit unserer türkischstämmigen Mitbürgerinnen und ‑bürger spricht ein besseres Hochdeutsch als … – Na gut, das lasse ich jetzt mal, ansonsten kriege ich Ärger mit einigen anderen. – Stellen Sie sich einmal vor, die Engländer würden von uns Deutschen verlangen, das „th“ richtig auszusprechen. Na viel Spaß; da hätten wir hier alle kein Vergnügen mehr.
Übrigens hat Luther aus 20 indogermanischen Sprachen und Dialekten eine neue Sprache entwickelt.