Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien will die GroKo verwirklichen. Klingt gut, beruht aber auf einem Etikettenschwindel.
Der Begriff „Geschlechtergerechtigkeit“ ist ein geschicktes Framing für radikalfeministische Forderungen wie die 50-Prozent-Frauenquote und den Kampf – wir haben es gehört – gegen obskure Männernetzwerke, die es Frauen angeblich verwehren, ihr kreatives Potenzial zu entfalten.
Ob Honorare und Gehälter, Auftritts- und Ausstellungsmöglichkeiten, Preise und Führungspositionen – überall stehen angeblich die Männer im Wege, die die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen verhindern und Chancengleichheit verunmöglichen.
Der Antrag der Grünen sagt der großen Männerverschwörung den Kampf an – ich zitiere –:
Wenn wir zulassen, dass der Kulturbetrieb weiterhin Männern-dominiert bleibt und einseitig gefördert wird, behindern wir die kulturelle Vielfalt und die Pluralität der Perspektiven und verwehren der Hälfte der Gesellschaft ihre Chancen.
Und weil man die angebliche einseitige Förderung ablehnt, die man im Übrigen nur behauptet, will man jetzt ganz offiziell Frauen einseitig fördern. Das ist grüne Logik. Das ist trotzdem widersinnig, meine Damen und Herren.
Ich habe es vor Kurzem hier gesagt und wiederhole es: Sie verwechseln – und zwar natürlich mit Absicht – Chancengleichheit mit Ergebnisgleichheit. Aber gleiche Chancen heißt eben längst nicht gleiche Ergebnisse, eher im Gegenteil. Daher berufen Sie sich auch zu Unrecht auf das Grundgesetz, das Gleichberechtigung einfordert. Diese ist in Deutschland längst verwirklicht. Was Sie wollen, ist nicht Gleichberechtigung und auch keine Gerechtigkeit, sondern so ziemlich das Gegenteil, nämlich positive Diskriminierung, das heißt Bevorzugung von Frauen und Benachteiligung von Männern aufgrund des Geschlechts.
Das ist nicht nur kulturfeindlich, es ist auch grundgesetzwidrig, jedenfalls nach unkorrumpiertem Rechtsverständnis.
Mit der Beseitigung der Männerdominanz ist das feministische Ressentiment aber noch nicht befriedigt. Im Antrag der GroKo wird angemahnt, in kulturellen Bildungsangeboten klischeefreie, positive Rollenbilder für beide Geschlechter zu etablieren.
Sie maßen sich also an, darüber zu befinden, wann ein Rollenbild klischeefrei ist und wann nicht.
Wir warten dann nur noch auf eine Bundesrollenbildbeauftragte, die umgehend einschreitet, wenn angebliche Geschlechterklischees verbreitet werden. Und ich sage Ihnen: In Zeiten, wo 007 von einer schwarzen homosexuellen Frau gespielt wird, gibt es nichts Klischeehafteres als die Frau mit dem harten Punch und den sensiblen Mann mit der Babytrage aus der Patchworkfamilie.
Man muss ja fast schon dankbar sein, wenn man irgendwo noch auf ein älteres Rollenmuster stößt, das von Ihrer Erziehungsarbeit unberührt geblieben ist.
Eine Folge Ihres Quotensozialismus ist die hypermoralische Dauerempörung über die Realität, die sich Ihnen nicht fügt. Ein gutes Beispiel sind die vorliegenden Anträge, in denen minutiös aufgeführt wird, wo Frauen überall unterrepräsentiert sind. Jede noch so geringe Abweichung von der Geschlechterparität in den kreativen Berufen wird zum Skandal dramatisiert, der für immer weitgehendere Forderungen ausgeschlachtet wird.
Bei den Frauenquoten wird es daher auch nicht bleiben: Weitere Quotenforderungen werden sich anschließen, um Minderheiten sichtbarer zu machen, wie es heißt, seien es die People of Color, LGBT-Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund usw. Die Folge sind Filme, Bücher, Stücke von einer sterilen politischen Korrektheit, die in Wahrheit kein Mensch sehen will, meine Damen und Herren.
Die Zahl von Männern und Frauen sollte im Kultur- und Medienbetrieb – wie überall sonst auch – von einer Bestenauslese, unabhängig vom Geschlecht, bestimmt sein und nicht von ideologisch motivierten Prozentsätzen. Diesen Grundsatz, auf dem die Leistungsfähigkeit unseres Landes beruht und den im Übrigen auch die Kunstfreiheit gebietet, wollen Sie außer Kraft setzen. Die AfD wird diese Gesellschaftstransformation im quasisozialistischen Sinn nicht mitmachen. Wir lehnen die vorliegenden Anträge, den der GroKo, aber auch die der Grünen und der Linken, ab.
Vielen Dank.