Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Ferlemann! Große Staatsmänner wie zum Beispiel der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt wurden nach ihrer Amtszeit oft als „Lotse“ bezeichnet, die ein Volk sicher durch Krisen und Unwägbarkeiten gelenkt haben.
Die deutschen Lotsen tun das heute an der Ostsee, an der Nordsee, den deutschen Meeren. Über 900 See- und Hafenlotsen geleiten die Schiffe auf deutscher See durch sichere Fahrt, durch flache, enge Gewässer. Sie arbeiten Tag und Nacht, bei jedem Wetter, bei Sturm und Eis. Sie haben keine leichte Tätigkeit; denn sie müssen mit den Schiffsbesatzungen aus allen Herren Ländern auf immer größeren Schiffen zusammenarbeiten und dabei auf unsere Infrastruktur zurückgreifen.
Lotsen haben im Gepäck ein Großes Patent. Sie haben Revierkenntnisse und eine sehr, sehr nachhaltige Seelotsausbildung. Sie sichern den internationalen Seeverkehr. Sie sichern den Verkehr an der Unterelbe, am Nord-Ostsee-Kanal. Sie sorgen dafür, dass der Welthandel funktioniert, dass unsere Bevölkerung und Industrie mit Waren versorgt werden. Dafür sagen wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Herzlichen Dank.
Aber die Entwicklung in der deutschen Seefahrt ist schwierig. Es gibt immer weniger deutsche Seeleute, immer weniger europäische Seeleute. Und es ist auch immer schwieriger, für den Seeberuf Nachwuchs zu finden. Das liegt zum Teil an uns, weil wir die Schiffsbesetzungsordnung nach unten gesetzt haben. Wir als Sozialdemokraten kritisieren das.
Wir sehen aber auch, dass der Weg über das höchste nautische Patent für die Qualifikation des Lotsen nicht immer das Zielführende ist. Daher haben uns schon vor zehn Jahren die Männer und zum Teil auch Frauen der Selbstorganisation der Lotsen, der Bundeslotsenkammer, darauf aufmerksam gemacht: Wir müssen an der Ausbildung für Seelotsen etwas verändern. Ich danke ausdrücklich meinem Kollegen Uwe Schmidt, der normalerweise hier als Berichterstatter geredet hätte und seinen Sachverstand deutlich in die Waagschale geworfen hätte.
Wir reformieren die Ausbildungswege mit einem eigenen Hochschulstudium an den Standorten Wismar und Flensburg mit einem sehr hohen Praxisbezug und auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau. Denn wir wissen, dass ab dem Jahr 2025 jährlich etwa 40 Seelotsen in den Ruhestand gehen; diese müssen ersetzt werden.
Wir müssen attraktiver werden für junge Menschen, die nicht monatelang zur See fahren wollen, die einen Beruf ergreifen wollen, mit dem Familie und Beruf etwas besser vereinbart werden können. Wir müssen auch daran denken, dass dieses Berufsbild von Männern dominiert wird. Nur 2 der 900 sind Seelotsinnen. Da müssen wir, glaube ich, noch mal deutlich zulegen.
Insgesamt vereinigt dieses Gesetz, ähnlich wie das bei der Sozialdemokratie ist, Tradition und Moderne. Wir haben weiterhin den alten Zugang über das Kapitänspatent, und wir haben einen neuen Weg mit einem Hochschulstudium mit hoher Qualität. Da bauen wir auf die Zukunft und auf gute Arbeitsbedingungen.
Vielen Dank.
Da die Kollegen Bernd Reuther, FDP-Fraktion, Jörg Cezanne, Fraktion Die Linke, der Kollege Dr. Christoph Ploß, CDU/CSU-Fraktion, und die Kollegin Dorothee Martin, SPD-Fraktion, ihre Reden zu Protokoll gegeben haben1 Anlage 13, hat das letzte Wort die Kollegin Claudia Müller, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.