Zunächst mal können Sie durch eine Verdopplung der Tests nicht die Verdopplung der Inzidenz erreichen; das ist nicht richtig.
– Der Inzidenzwert ist der beste Wert, den Sie haben können, um die Zahl der Neuinfektionen möglichst präzise zu bestimmen. Dazu muss man andere Faktoren betrachten, und das haben wir als Bundesregierung im Vorfeld des Gesetzes stark gemacht, zum Beispiel: Wie hoch ist der Anteil unserer positiven Tests insgesamt? – Das spielt bei dieser Frage eine ganz erhebliche Rolle, und das ist in den letzten Monaten immer in einer Größenordnung von 8 bis 12, 13, 14 Prozent gewesen.
Das Zweite ist: Wenn wir auf das Infektionsgeschehen im Land reagieren wollen, dann muss man sich deutlich machen: Das Erste, was passiert, sind Neuinfektionen. Wenn die hoch sind, dann ist dies das erste Alarmsignal. Wenn Sie weitere Faktoren mit berücksichtigen, zum Beispiel die Zahl der Krankenhausaufnahmen, die Zahl der Intensivstationsaufnahmen, so sehen Sie: Die folgen sozusagen im statistischen Mittel in einem gewissen zeitlichen Abstand – nach sieben Tagen etwa typischerweise Krankenhausaufnahme, nach weiteren zwei Tagen Intensivstationsaufnahme, so lange, bis dann Krankenhausentlassungen, Genesungen oder möglicherweise eben auch Todeszahlen eine Folge einer solchen Neuinfektionszahl sind.
Deshalb können Sie zu einem gegebenen Zeitpunkt – wir haben die Notbremse ja auch bis zum 30. Juni begrenzt – anhand von Neuinfektionen sehr gut vorhersagen, was Sie in den nächsten Wochen im Gesundheitswesen erleben werden. Das eine folgt aus dem anderen. Wir brauchen einen Frühindikator, wenn es hochgeht; so hat auch das RKI es gesagt. Wenn es runtergeht, dann kann man zum Beispiel auch die Entlastungen auf den Intensivstationen hinzuziehen. Da habe ich gar nichts dagegen. Aber wir brauchen einen Frühindikator. Das sind die Neuinfektionen, und die werden repräsentiert durch die Inzidenzen.