Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD hat gerade bewiesen, dass ihr Patriotismus und Heimatliebe fremd sind; denn wer wirklich seine Heimat liebt, der spricht nicht so über afghanische Ortskräfte, die uns gedient haben. Das sei einmal in aller Deutlichkeit hier formuliert.
Wir fragen uns ja manchmal: „Wofür machen wir das alles?“, und verlieren auch die Orientierung in all den Gremien und Verhandlungen, in denen wir sitzen. Aber heute ist, denke ich, ein Beispiel gegeben, bei dem wir genau wissen, was das, was wir tun, bedeutet und welche Verantwortung damit verbunden ist in Bezug auf Soldatinnen und Soldaten und eben auch auf die Ortskräfte.
In Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ gibt es unter anderem die Passage: „Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?“ Über diese Köche buchstäblich – wie übertragen reden wir heute! –, über die Ortskräfte, die als Dolmetscherinnen und Dolmetscher, als Kulturvermittler, als Berater, auch als Köchinnen und Köche die Truppen, aber auch die Zivilkräfte unterstützt haben und die dabei treu und verantwortungsvoll und exzellent zum Beispiel mit der Bundeswehr zusammengearbeitet haben. Beiden, den Soldatinnen und Soldaten und eben auch den Ortskräften, gebührt unser Dank an dieser Stelle.
Es gibt ja den heiß diskutierten Satz von Peter Struck, dass die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland auch am Hindukusch verteidigt wird. Was ist in diesem Zusammenhang besonders interessant? Wir sind ja gerade dabei, dafür zu sorgen, dass für die Ortskräfte zum Beispiel die Sicherheitsprüfung entbürokratisiert wird, auch in der Weise, dass sie in Deutschland stattfinden kann, damit diese Menschen schneller gerettet werden können, schneller in Sicherheit, aus der Gefahr kommen. Das ist berechtigt; denn sie haben sich für Deutschlands Sicherheit und für die Sicherheit ihres Landes und für die Demokratie in diesem Land eingesetzt. Das haben sie buchstäblich gemacht. Es ist auch ein Ausdruck von Respekt vor den Afghaninnen und Afghanen, die eben nicht nur Taliban sind, sondern die insbesondere auch diejenigen sind, die für Menschlichkeit in diesem Land seit Jahrzehnten kämpfen. Auch das gilt es an dieser Stelle zu würdigen.
Wenn wir uns das alles angucken, dann merken wir: Wir reden hier heute überhaupt nicht über Flucht und auch überhaupt nicht über Migration, sondern wir reden von Pflicht, Verantwortung und auch Schuld. Wir reden davon, dass es auch so was wie einen Kreis und eine Kaskade der Verantwortung gibt. Wir haben politische Entscheidungen getroffen. Die Folge der politischen Entscheidungen war der Dienst von Soldatinnen und Soldaten, die zum Teil ihr Leben geopfert haben. Diesen Soldatinnen und Soldaten und auch den zivilen Kräften standen Ortskräfte zur Seite. Sie haben zum Teil ihr Leben gerettet, und sie haben für sie gedient.
Jetzt wiederum, in einer neuen Sicherheitslage, sind sie besonders gefährdet. Nun haben wiederum zum Beispiel auch Soldatinnen und Soldaten für sie Verantwortung übernommen und haben in Deutschland das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte mit dem Vorsitzenden Marcus Grotian gegründet. Sie leben uns vor, wie wir politisch zu handeln haben. Wir müssen diesem Zirkel, dieser Kaskade der Verantwortung gerecht werden. Genau deshalb machen wir das.
Deshalb fällt jetzt die Zweijahresfrist, und eine Einreise für eine Tätigkeit kann rückwirkend bis 2013 beantragt werden. Deshalb verändert sich die Sicherheitsüberprüfung. Deshalb können künftig auch Erwachsene, Volljährige, die mit der Familie zusammen sind, Rettung finden. Deshalb ist auch das geänderte Sicherheitsüberprüfungsverfahren möglich und sinnvoll. Ich würde mich freuen, wenn wir es auch schaffen würden, in einem Zusammenspiel von Bund und Ländern die Finanzierung der Reisen zu übernehmen.
Darum geht es hier in dieser Stunde und in dieser Diskussion und im verantwortungsbewussten Handeln: dass diejenigen, die Verantwortung getragen haben, die sich für die Sicherheit von Soldatinnen und Soldaten und von uns allen eingesetzt haben, von uns nicht im Stich gelassen werden. Denn das wäre unanständig. So haben wir zu handeln, und so tun wir es gerade.
Vielen Dank.