Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die heutige Debatte gibt uns Parlamentariern noch einmal die Gelegenheit, auf Projekte hinzuweisen, die uns besonders wichtig sind. Das will ich für meinen Bereich, Ernährungspolitik und gesundheitlichen Verbraucherschutz, gerne tun.
Zuerst aber möchte ich der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Frau Klöckner, zu ihrer Ernennung ganz herzlich gratulieren. Ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Ihnen und hoffe, dass die Ernährungspolitik in Ihrem Hause einen höheren Stellenwert bekommt, Frau Ministerin. Nach Ihrer Einstiegsrede bin ich fast sicher, dass das so sein wird.
Der Koalitionsvertrag sieht eine Reihe von guten Ansätzen für den Bereich Ernährungspolitik und gesundheitlicher Verbraucherschutz vor. Noch vor zwei Monaten habe ich anlässlich der Debatte zur Internationalen Grünen Woche klare Regelungen für eine nationale Reduktionsstrategie gefordert. Nun steht genau das im Koalitionsvertrag. Darüber freue ich mich wirklich sehr. Ich hoffe, dass die Strategie nun zügig ausgearbeitet und umgesetzt wird.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle wissen aus persönlichen Erfahrungen, wie schwierig es ist, unser Ernährungsverhalten zu verändern. Daher begrüße ich den Weg hin zu gesünderen Produkten, den das Max-Rubner-Institut vorgeschlagen hat. Das Institut regt an, die Rezepturen verarbeiteter Lebensmittel zu verändern – verändern deshalb, weil das Weglassen bestimmter Zutaten nicht so einfach funktioniert, da Zucker, Salz und Fett in den Produkten durchaus eine Funktion haben. Am einfachsten wäre die Reduzierung beim Salz, habe ich mir sagen lassen. Einige Unternehmen sind auch schon dabei, die Rezepturen entsprechend zu ändern, oder haben es sogar schon getan. Das sollten wir als Politiker unterstützen und fördern.
Ich bin auch sehr froh darüber, dass wir im Koalitionsvertrag die ersten tausend Tage eines Menschen in den Blick nehmen. Viele Experten weisen gerade auf die Bedeutung dieses Lebensabschnittes hin. In dieser Phase werden nämlich die entscheidenden Weichen für die Entwicklung der Kinder gestellt. Eine falsche Ernährung, das Fehlen von Vitaminen und Spurenelementen, kann die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder beeinträchtigen. Deshalb ist es so sinnvoll, dass wir dieses Thema im Rahmen des Aktionsplanes IN FORM in den Koalitionsvertrag aufgenommen haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil fördern, wenn wir ernährungsbedingte Krankheiten bekämpfen und wenn wir den gesundheitlichen Verbraucherschutz stärken wollen, dann müssen wir das Wissen um die Ernährung verbessern. Am sinnvollsten wäre es, wenn wir damit in den Kitas und Schulen anfangen. Ernährungsbildung gehört für mich einfach in die entsprechenden Lehrpläne. Ich habe sehr gern gehört, was Sie zu diesem Thema gesagt haben, Frau Ministerin. Es wäre doch gelacht, wenn wir da nichts hinbekommen würden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, niemand von uns kann den Zusammenhang zwischen Armut und ungesunder Ernährung noch leugnen. Es ist auch keine neue Erkenntnis, dass mit sinkendem sozialem Status sowohl die Erkrankungshäufigkeit als auch die vorzeitige Sterblichkeit ansteigen. Die Ursachen sind wie immer sehr vielschichtig. Aber wer wenig Geld hat, ist eben auf billige Produkte angewiesen und verschleppt sogar manchmal den Gang zum Arzt. Man kann als Politiker vor diesen Tatsachen nicht mehr die Augen verschließen. Man muss auch im Interesse einer gesunden Ernährung die Armutsbekämpfung ganz oben auf die Agenda setzen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir über den Ganztag in Kitas und Schulen sprechen, dann müssen wir das Thema Ernährung gleich zwingend mitdenken. In meiner Heimatstadt werden in einer Grundschule die Mahlzeiten von einer Landfrau zubereitet. Sie kauft regional ein, kocht gesund und ausgewogen. Die Kinder bestimmen mit. Alle sind rundum zufrieden. Ich rege an, darüber nachzudenken, ob man die Zusammenarbeit zwischen Landfrauen und Schulen nicht als Projekt auf den Weg bringen kann.
Ebenso sollte man darüber nachdenken, eine Kampagne zum Verzehr von Gemüse zu starten.
Gesundes Essen positiv zu vermarkten, das muss doch unser Ziel sein. Verbote und Vorschriften sind nicht der richtige Weg.
Für mich gehört die Ernährungsbildung ohne Wenn und Aber zur Verbraucherbildung. Bürgerinnen und Bürger müssen in die Lage versetzt werden, Wissen zu erwerben, auch um gute Konsumentscheidungen treffen zu können. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten gesunde Produkte auf einen Blick erkennen können. Ich erinnere hier noch einmal an die Lebensmittelampel.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser aller Leben wird immer hektischer. Die vielen Fertigprodukte, die wir in den Regalen und in den Tiefkühltruhen sehen, spiegeln das wider. In unserer schnelllebigen Zeit scheint Essen lediglich der reinen Nahrungsaufnahme zu dienen. Das ist wirklich schade und kein guter Trend. Essen, zumal gemeinsames Essen, besitzt einen kulturellen und sozialen Aspekt. Es ist wichtig, dass man sich Zeit für gemeinsame Mahlzeiten nimmt. Dies gilt gerade für Familien. Gemeinsame Mahlzeiten mit guten Gesprächen, das ist sinnvoll miteinander verbrachte Zeit.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.