Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Kollege Felser, erlauben Sie mir kurz ein Wort zu Ihnen. Sie haben behauptet, dass unsere Landwirte nicht in der Lage seien, in englischer Sprache verfasste Texte zu verstehen. Ich sage Ihnen eins: Sie sollten Ihr Bild von unserer Landwirtschaft und von den Menschen, die in ihr tätig sind, überprüfen. Das sind alles bestens ausgebildete Männer und Frauen; das sind keine Hinterwäldler, sondern mittelständische Unternehmer. Sie sollten sich fragen, ob Sie tatsächlich den richtigen Eindruck von unseren Landwirten haben.
Frau Ministerin, ich darf Ihnen ganz herzlich zu Ihrem Amt gratulieren, das Sie in einer Zeit antreten, die für unsere landwirtschaftlichen Betriebe nicht einfach ist. Vielen Betrieben geht es nicht gut. Es geht ihnen nicht gut, weil die Auflagen, die die Politik ihnen macht, ihnen häufig genug die Luft zum Atmen nehmen; es geht ihnen nicht gut, weil diese Betriebe beim Grundwasserschutz, bei der Luftreinhaltung, bei der Bekämpfung von Multiresistenzen häufig genug pauschal die Probleme in die Schuhe geschoben bekommen, die wir eigentlich gesamtgesellschaftlich angehen müssten und die übrigens ohne das Zutun des Verbrauchers gar nicht gelöst werden können; aber vor allem geht es ihnen nicht gut, weil sich, übrigens auch in den letzten vier Jahren, das Klima für unsere landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland zusätzlich verschlechtert hat. Ich appelliere an Sie, dass Sie in den kommenden vier Jahren unseren Landwirten bitte mit der Wertschätzung gegenübertreten, die sie verdienen.
Über eins müssen wir uns nämlich klar sein: Wenn Kinder von Landwirten in der Schule oder in der Kita wegen des Berufes ihrer Eltern gehänselt werden, wenn viele Verbraucher andere Standards fordern, aber nicht bereit sind, einen höheren Preis für diese Standards zu bezahlen, wenn schließlich sogenannte Aktivisten in Ställe einbrechen, Hausfriedensbruch begehen, Gesetze ganz bewusst überschreiten, Teile der Gesellschaft, aber auch Teile der Politik dies tolerieren, dann sind das massive gesellschaftliche Veränderungen. Frau Ministerin, wir werden Sie daran messen, ob Sie glauben, diese Probleme weglächeln zu können, oder ob Sie sich tatsächlich mit Rückgrat und mit Haltung gegen die systematische Stigmatisierung unserer landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland zur Wehr setzen.