Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Zuschauer auf der Tribüne und an den Fernsehbildschirmen! Es ist schade, wirklich schade: In beiden Anträgen sind viele gute Ansätze enthalten, die man in einem Ausschuss hätte diskutieren können. Dort, im Ausschuss, hätte man in einem Kompromiss eine gemeinsame deutsche Position gegenüber Russland erarbeiten können. Dann wäre man auch einig aufgetreten. Diese Zeit haben wir nun nicht mehr. Gerade hat das Eröffnungsspiel angefangen. So ist es eine Nachhilfestunde zum Thema „Was ist ein Schaufensterantrag?“.
Die Grünen stellen am 24. Mai 2018 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zur Fußball-WM, warten aber die Antwort nicht ab. Da wird erst mal geschossen – mit einem Antrag. Ist ja logisch: Heute beginnt die Fußball-WM. Da muss man die Gunst der Stunde nutzen, um sich zu profilieren. Fundierte Inhalte oder gar Antworten der Regierung sind da eher lästig. Genauso sieht oberflächliche Schaufensterpolitik aus.
Kommen wir zum Thema: Menschenrechte während und nach der Fußball-WM in Russland. Der Antrag der Grünen atmet Weltverbesserei kombiniert mit typisch deutscher Großmannssucht in der Tradition des Kaiserreiches: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.
In 21 Punkten – bleiben Sie doch mal ganz locker – werden Russlands Sportorganisationen und anderen Einrichtungen Vorschriften gemacht, was diese alles zu tun hätten. Werte und Normen werden einfach eins zu eins übertragen. Dass Russland auch eine eigene Meinung und Kultur haben könnte, kommt in Ihrem Denken gar nicht vor.
Probleme haben die Grünen auch in Erdkunde. Ich zitiere aus dem Antrag: „Klar ist: Russland gehört zu Europa.“ Ich zitiere aus demselben Antrag, zwei Absätze vorher: „Russland … ist Europas direkter Nachbar.“ Ja was denn nun?
Da sind Sie, liebe Grüne, Opfer Ihrer eigenen Sprachpanscherei geworden. Europa ist kein Synonym für die EU. Sie vergessen offensichtlich, dass Russland das größte und mächtigste Land in Europa ist.
– Das ist eine Unterstellung, die nicht zutrifft.
In den Bewerbungsbedingungen zur Vergabe im Jahr 2010 lag der Schwerpunkt nicht auf Transparenz und Menschenrechten. Es ist daher heute selbstgerecht, von einem 140 Millionen-Volk zu verlangen, Forderungen nachträglich umzusetzen. Wenn Sie, liebe Politiker, etwas dagegen tun wollen, dass immer häufiger Autokraten sportliche Großereignisse ausrichten, dann sollten Sie im Vorfeld Ihre Wünsche und Forderungen an Ausrichter und Sportorganisationen kommunizieren und nicht erst am Eröffnungstag.
Ich will deutlich klarstellen: Wir sind uns mit Ihnen einig, dass Transparenz und Menschenrechte zu zeitgemäßen Bewerbungsbedingungen für solche Großereignisse gehören.
Wir haben das auch so im Sportausschuss artikuliert.
Für die Fußball-WM 2022 ist noch genügend Zeit. Für das Ausrichterland Katar gilt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht; denn dort wird nur die islamische Kairoer Erklärung der Menschenrechte akzeptiert. Der entscheidende Unterschied: Es werden nur diejenigen Rechte anerkannt, welche im Einklang mit der mittelalterlichen Scharia stehen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ vom 6. Mai 2018 werden in Katar zum Tode Verurteilte mit dem Schwert einen Kopf kürzer gemacht. Dafür gibt es dort gut ausgebildete Henkerinnen und Henker.
Natürlich – nicht in diesem Sinne – freuen wir uns auf Ihre baldigen Anträge und darauf, dass die grüne Partei sich nun kritisch mit der grünen Religion auseinandersetzen wird. Unser Vorschlag: Wir erarbeiten gemeinsam zu Katar 2022 in den Ausschüssen eine deutsche Position.
Für heute schlagen wir aber Folgendes vor: Politisieren Sie nicht übermäßig den Sport. Lasst Russland doch einfach mal die Fußball-WM durchführen, und wir alle werden genießen.
Freuen wir uns auf guten Sport, spannende Spiele und ein fröhliches Fußballfest.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.