Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Meine Damen und Herren auf der Tribüne und an den digitalen Endgeräten! Gerade vorgestern bin ich von Schülern wieder, wie so oft, gefragt worden, wie die Arbeit denn nun sei, seit die AfD im Deutschen Bundestag ist, und wie die Debatten laufen. Meine Antwort ist dann immer: Es ist fast egal, um welches Thema es geht, die Flüchtlinge sind das Problem. Das ist die Monopartei der AfD.
Wie zur Bestätigung haben Sie jetzt eilig diese Aktuelle Stunde beantragt, zu der es noch nicht mal einen vernünftigen Antragstext gibt. Und wie zur Bestätigung, Herr Sichert, haben Sie heute in einem unsäglichen Beitrag alle möglichen sozialen Probleme und auch alle vorgetäuschten sozialen Probleme aufgezählt und in einen Zusammenhang gebracht, den es doch ehrlicherweise gar nicht gibt.
Die Flüchtlinge sind nicht an anderen sozialen Problemen in unserem Land schuld. Ich finde es unerhört, dass Sie dennoch immer und immer wieder einen Zusammenhang darstellen. Das bedient nicht nur alle Klischees. Es ist auch sehr ärgerlich, weil die Rechtslage falsch wiedergegeben oder, wie heute, gleich ganz weggelassen wird – das haben meine Vorredner ja schon gesagt –, weil Sie die wahren wirtschaftlichen Zusammenhänge leugnen und weil Sie die Motive von Flüchtlingen – vorsichtig formuliert – grob verzerren.
Zu den wirtschaftlichen Zusammenhängen würde ich gerne kurz etwas sagen. Es gibt Untersuchungen dazu. Im Schnitt kostet die Flucht aus dem Herkunftsland hierher über 7 000 Euro pro Flüchtling. Glauben Sie im Ernst, die mickrigen Sozialleistungen, die wir hier bezahlen, sind ein echter Return?
60 Millionen Menschen sind auf der Flucht, aber nur ein Bruchteil kommt hierher. Glauben Sie im Ernst, dass ihre Selbstbezogenheit auf das Asylbewerberleistungsgesetz der wahre Grund dafür ist, dass sich Menschen aus ihrem Heimatland hierher aufmachen?
Das Gegenteil ist doch die Wahrheit.
Sie leugnen auch die wahren Motive, warum Menschen nach Deutschland kommen. Selbstverständlich gibt es auch dazu Untersuchungen. Es ist die Wirtschaftskraft, es ist der Aufschwung,
es ist die Tatsache, dass wir nach dem Zweiten Weltkrieg unser Land wieder aufgebaut haben, es ist die erfolgreiche deutsche Einheit, und es sind insbesondere die Bildungsmöglichkeiten, die Deutschland für Flüchtlinge attraktiv erscheinen lassen. Ich finde, wir sollten uns die wahren Motivlagen ansehen und nicht von Taschengelderhöhungen faseln, die so gar nicht beschlossen sind.
Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage der Schüler: „Warum wiederholen sie eigentlich ihre einfachen und populistischen Behauptungen immer wieder?“ bin ich auf das in der Psychologie wissenschaftlich untersuchte Phänomen der sogenannten manipulativen Opferrollen gestoßen. Laut dieser Wissenschaft gibt es fünf Faktoren, die kennzeichnen, wenn Menschen manipulativ sind und sich in eine Opferrolle begeben. Ich will Ihnen die fünf Faktoren kurz vortragen:
Erstens. Menschen, die solche Rollen einnehmen, schieben die Schuld immer auf andere. – Wie bei den Rentnern in Nürnberg, Herr Sichert!
Zweitens. Sie respektieren keine abweichenden Auffassungen. – Sie lachen, wenn Max Straubinger völlig zu Recht sagt, dass die Flüchtlingszahlen zurückgegangen sind und wir eine erstaunlich positive Integration in den Arbeitsmarkt hinbekommen haben. Das sind doch schlicht Tatsachen. Wieso lachen Sie da eigentlich, obwohl Sie keine Argumente haben?
Abweichende Auffassungen darf es bei Ihnen nicht geben.
Drittens zeichnen sich solche Menschen dadurch aus, dass sie Sorgen und Ängste verstärken und ausnutzen.
Nichts anderes tun Sie hier auch, indem Sie sagen: Alle Probleme, die wir in Deutschland haben, werden kleiner, wenn wir keine Flüchtlinge haben oder ihnen kein Geld zahlen.
Viertens reden sie respektlos über andere. – Auch dafür haben Sie heute ein beredtes Beispiel abgegeben.
Fünftens – das ist sehr interessant; ursprünglich hat es ja gar nichts mit der AfD zu tun, es handelt sich, wie gesagt, um eine wissenschaftliche Untersuchung über manipulative Leute, die sich in eine Opferrolle begeben –: Diese Menschen sagen das eine und tun das andere. – Sie behaupten hier, eine Lösung zu wollen, erfreuen sich aber daran, das Thema immer wieder aufwärmen zu können.
Das ist es doch bei Ihnen, was zynisch und respektlos ist.
Wenn man Sie so reden hört, muss man feststellen, dass Sie zu diesen manipulativen Populisten gehören, und das lehnen wir ab.
Ich fasse zusammen. Ihre Behauptungen sind sachlich falsch, juristisch abenteuerlich bis nicht begründet und wirtschaftlich ahnungslos. Sie gehen mit den wahren Motiven unserer Flüchtlinge nicht ordentlich um.
Ich bedaure sehr, dass Sie eine solche Ein-Thema-Partei sind und finde es sehr bedauerlich, dass Sie für diese mangelhafte Arbeit sehr viel mehr Geld bekommen als nur ein Taschengeld.