Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Für die Union ist berufliche Bildung immer ein wichtiges Thema.
Noch in Regierungsverantwortung haben CDU/CSU die Novelle zum Berufsbildungsgesetz, das Aufstiegs-BAföG und Projekte für attraktive Qualifizierungsangebote auf den Weg gebracht. Und auch in der Opposition sind wir die Partei der beruflichen Bildung. Noch im letzten Juni haben wir die Regierung aufgefordert, die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Qualifikationen deutlich zu stärken und die Durchlässigkeit zwischen den Berufsbildungssystemen weiter zu fördern. Stephan Albani hat die Bedeutung des Deutschen Qualifikationsrahmens eindringlich geschildert.
Sehr geehrte Damen und Herren, der Fachkräftemangel ist längst im Mittelstand angekommen. Er ist eine Gefahr für das Fortbestehen vieler Unternehmen. Ursache des Fachkräftemangels ist vor allem der demografische Wandel. Wenn ich Betriebe in meinem Wahlkreis besuche, werde ich immer mit einem Problem konfrontiert: Der Weiterbildungsbedarf ist offensichtlich, doch gleichzeitig sind die Auftragsbücher voll, und jede helfende Hand wird im Betrieb gebraucht. Junge Handwerker wiederum fragen mich, wie das mit der Selbstständigkeit klappen soll, wenn es so schwer ist, geeignete Mitarbeiter zu finden.
Was können wir tun, um das Arbeitskräftepotenzial zu erhöhen? Da gibt es einiges: die Schulabbrecherquote reduzieren, die Berufsorientierung verbessern, die Weiterbildung stärken und die Prozesse entbürokratisieren, um den Menschen wieder Zeit für den Beruf zu geben, für den sie sich entschieden haben.
All das und 18 weitere sinnvolle Maßnahmen können Sie in unserem Antrag zur Gewinnung von Fach- und Arbeitskräften im Inland aus dem vergangenen Oktober gerne nachlesen.
Für die Anwerbung von beruflich Qualifizierten aus Drittstaaten wurden die Einreiseregeln bereits 2020 deutlich erleichtert. Hier braucht es Sprachkenntnisse und die schnelle Bearbeitung von Visaanträgen, anstatt die Hürden immer weiter zu senken und Asyl und Arbeitsmigration zu vermischen.
Ein weiterer Punkt. Die Fachleute, die wir haben, gilt es so gezielt wie möglich einzusetzen. Ein Beispiel aus meiner Heimatregion: Heidelberg ist eine von 112 Modellstädten der EU, die bis 2030 klimaneutral werden sollen. Das ist ambitioniert, das braucht Anpacker. Unsere Agentur für Arbeit sieht die Herausforderung und konzipiert gerade ein Pilotprojekt. Dabei werden Quereinsteiger qualifiziert, um Meister bei der Installation von Solarmodulen oder dem Einbau von Wärmepumpen zu unterstützen. Oder wie der Leiter der Agentur, ein kompetenter Macher, es ausdrückt: Der Elektriker rodet nicht den Vorgarten, er schachtet nichts aus und gießt auch nicht das Fundament. Er kommt nur zum Anschließen der Wärmepumpe oder der Solarmodule. Dann schafft er nicht nur zwei Pumpen in der Woche, sondern 20.
Meine Damen und Herren, das sind kluge Lösungen vor Ort für die Entlastung von ausgebildeten Fachkräften und für die Qualifizierung von Ungelernten. So könnte es vielleicht sogar mit der Wärmewende funktionieren, egal welche Familie in Habecks Wirtschaftsministerium gerade das Sagen hat.
Schließlich müssen wir jungen Menschen zeigen, wie viel Spaß ein handwerklicher Beruf macht. Auf Instagram und TikTok ist nicht der cool, der am Schreibtisch Zahlen in den PC tippt, sondern der, der mit seinen Händen etwas baut oder zum Laufen bringt. Dieser Trend ist doch auch eine Chance. Dafür muss die Regierung aber die richtigen Maßnahmen treffen.
Wir haben viele kreative und talentierte junge Menschen in unserem Land. Zeigen wir, warum berufliche Bildung das Erfolgsmodell „made in Germany“ ist, egal ob für Azubis, Quereinsteiger oder Meister! Wir brauchen sie alle.
Vielen Dank.