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106. Sitzung
Donnerstag, 25. Mai 202320. Wahlperiode, 106. SitzungVersorgung von Patientinnen und Patienten mit Long- und Post-COVID sowie Post-Vac-Syndrom jetzt verbessern – Gesundheitliche Pandemiefolgen ernst nehmen
11 VermerkeReaktionswert: hoch754 Wörter Im Protokoll lesen

Herr Sorge, vielen Dank für das ewig lange Statement. Ich habe, glaube ich, eineinhalb Minuten geredet, und Sie haben mich unterbrochen.

Sie haben die Frage doch zugelassen! Entschuldigung, dann muss ich sie doch auch stellen können!

– Warum soll ich sie denn nicht zulassen?

Aber dass wir mit unseren Stellungnahmen die Kranken verhohnepipeln, weise ich wirklich zurück. Ich finde, das ist diskriminierend uns gegenüber.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Jeder von uns, auch meine Wenigkeit, aber auch der Gesundheitsminister, auch wenn er jetzt nicht anwesend ist, haben sich vom ersten Tag an für alle Patienten mit Post-Covid mehr als intensiv eingesetzt. Die Unterstellung, ich oder die Ampel würde Patienten verhohnepipeln, weise ich strikt von mir.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Also, so einfach, wie Sie es sich vorstellen, ist es nicht, auch nicht mit bestimmten Vorhaben. Ich finde, ehrlich gesagt, es ist fast eine Unverschämtheit, solche Worte in den Mund zu nehmen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Also keine Antwort! Danke!

Sie haben tatsächlich nur das „Deutsche Ärzteblatt“ dreimal zitiert, mehr haben Sie nicht gemacht. Sie haben kein wissenschaftliches Statement abgegeben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]

Ich wollte nur klarmachen, dass es keine einfachen Lösungen gibt, wie Sie das immer glauben. Mit ein paar Netzwerken ist es nicht getan. Und es wird auch nicht helfen, tausend Projekte nach dem Gießkannenprinzip anzustoßen, nach dem Motto: Viel hilft viel. Das haben wir schon; darauf komme ich noch zurück. Vielmehr müssen wir ehrlich sein, was Post-Covid und die ganzen Folgeerscheinungen, die ich geschildert habe, betrifft. Es sind noch so viele Probleme in der Grundlagenforschung zu lösen, dass wir nicht erwarten können, dass wir in einem Hauruckverfahren die Problematik vom Tisch fegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das muss man einmal ganz klar sagen. Wir haben biomedizinisch, biologisch erhebliche Unkenntnisse, die wir nicht von heute auf morgen beheben können.

Ich sage Ihnen auch ehrlich: Alles, was bisher erschienen ist, sind zum Teil Preprints, also keine ausgegorenen Konzepte. Ich gebe Ihnen recht: Das muss besser koordiniert werden. Wenn wir die Studien genauer anschauen, dann sehen wir, dass es mehrheitlich Studien sind, die ohne Kontrollgruppen angelegt werden. Wir müssen also, wenn wir Gelder ausgeben, darauf achten, dass das Studiendesign auch wissenschaftlich kompetent angelegt ist. Sonst passiert gar nichts.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich empfehle Ihnen das „Journal of Medical Virology“ vom 6. November 2022. Da gibt es eine super Übersichtsarbeit. In dieser Arbeit werden sage und schreibe 230 Veröffentlichungen und 628 in Arbeit befindliche Studien untersucht. Aber ich gehe davon aus, dass Sie diese Studien nicht kennen. Und die meisten Studien erfolgten mit bisher bekannten Wirkstoffen; das ist also überhaupt nichts Innovatives. Wir müssen doch, wenn wir Studien fördern, davon ausgehen, dass wir nicht eine Studie mit einem Betablocker fördern, wie es bisher getan wurde – mit Prednisolon, also Cortison, mit Psychopharmaka –, sondern wirklich an die Grundlagen dieser Erkrankung herangehen und auf diese Art und Weise Wirkstoffe finden.

Ich fasse zusammen: Wir haben eine extrem hohe Studienlage. Wenn man genauer liest, werden pro Woche – Herr Sorge, das scheint nicht mehr so interessant für Sie zu sein – ungefähr tausend Studien veröffentlich. Daran sehen Sie, wie schwierig es ist, gezielt Forschung zu betreiben.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich sage Ihnen eines: Wir nehmen die Betroffenen sehr ernst. Wir wissen auch, dass vermehrt Schindluder getrieben wird; aber die Betroffenen dürfen nicht ausgenutzt werden. Wir wissen mittlerweile, dass es diverse IGeL-Anbieter mit sehr fraglichem Nutzen gibt. Es ist ja verständlich: Wer schwer krank ist und wem nicht richtig geholfen werden kann, der greift nach jedem Strohhalm.

Haben Sie sich mit den Betroffenen überhaupt mal unterhalten? Also, was Sie hier rumstammeln, das ist doch unterirdisch!

– Ja, das letzte Mal vor zwei Stunden, mein lieber Herr Sorge. Ich hätte Sie gern eingeladen, aber Sie waren woanders.

Ich habe mich mit Betroffenen unterhalten!

Es ist schon ziemlich arrogant, zu behaupten, dass wir mit niemandem reden!

Ich sage: Wir müssen Betroffene davor schützen, dass sie Schindluder ausgesetzt sind

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

mit unseriösen Angeboten, die fälschlicherweise als wissenschaftlich fundiert verkauft werden. Das ist ein Politikum, mit dem wir umgehen müssen. Ich möchte auch davor warnen, zu sagen: Es wird schnelle und einfache Lösungen geben, wenn wir statt 10 Millionen Euro 100 Millionen Euro in den Topf legen. – Das muss nicht passieren. Wir können auch 100 Millionen Euro für die Krebsforschung ausgeben; dennoch werden in zehn Jahren immer noch Menschen an Krebs sterben. Das muss einem bewusst sein.

Wir haben am 12. Mai 2022 die Nationale Klinische Studien-Gruppe Post-Covid-Syndrom und ME/CFS freigegeben; diese ist in Arbeit. Und ich möchte auch darauf hinweisen, dass wir am 20. Dezember 2022 im Krankenhauspflegeentlastungsgesetz, dem Sie, glaube ich, nicht zugestimmt haben, § 92 eingepflegt haben, der den Gemeinsamen Bundesausschuss dazu verpflichtet, bis Ende des Jahres – das ist schnell für den G-BA – Versorgungsrichtlinien für Menschen mit Post-Covid und Erkrankungen ähnlicher Symptomatik bereitzustellen. Das ist in Arbeit. Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst oder spätestens zum Winter die Beschlüsse des G-BA haben und damit verlässliche Methodenbewertungen, sodass wir diese bei der Versorgung der kassenärztlichen Patienten anwenden können.

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