Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jeder, der oder die über eine Entziehung der Freiheit von Menschen entscheidet, sollte sich auch einmal die Mühe machen, eine Haftzelle anzuschauen, um zu wissen, was Haft eigentlich bedeutet; gerade bei Herrn Seitz konnte man wieder sehen, wie über Haft teilweise geredet wird.
Als Gesetzgeber dürfen wir deswegen nicht aus dem Auge verlieren, für welche Fälle wir Freiheitsentziehung androhen und welchen Zweck wir damit verfolgen.
Wie keine Koalition vor uns, hat sich die Fortschrittskoalition das Thema Freiheit auf die Fahnen geschrieben.
Deswegen erwarte ich von uns allen, dass wir genau hinsehen, wo Freiheit entzogen wird. Wir wollen doch nicht Menschen die Freiheit entziehen, nur weil sie ihre Geldstrafe nicht bezahlen können, weil sie arm sind. Das lehnen wir ab.
Das kann aber nur ein erster Schritt sein.
Viel wichtiger noch ist die Entrümpelung des Strafrechts. Wir müssen ganz genau prüfen, welche Handlungen wir unter Strafe stellen wollen. Das Fahren ohne Fahrschein oder der Besitz von Cannabis sollten in Zukunft nicht mehr dazu gehören.
Wofür auch niemand bestraft werden sollte, ist das Aufdecken von Missständen. Aber genau das passiert gerade Julian Assange. Wenn seine Auslieferung jetzt nicht gestoppt wird, drohen ihm 175 Jahre Haftstrafe in den USA. Für die Enthüllung von Kriegsverbrechen und das Ausüben der Pressefreiheit sollte kein Mensch seine Freiheit verlieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Insoweit erwarte ich auch von unserem Justizminister, Herrn Buschmann, der sich früher oder später unsere Debatte bestimmt anschauen wird: Setzen Sie sich ein für die Freiheit von Julian Assange! Stoppen Sie seine Auslieferung, und verhelfen Sie ihm so zu der Freiheit und der Gerechtigkeit, die er verdient!