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112. Sitzung
Donnerstag, 22. Juni 202320. Wahlperiode, 112. SitzungPläne der Bundesregierung zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die mehr als 200 000 hauptberuflich Beschäftigten in der Wissenschaft gehören zu den tragenden Säulen des Wissenschaftssystems. Die Art ihrer Beschäftigung wird ihnen und ihrer Aufgabe aber seit Jahren nicht gerecht. 80 Prozent dieses Personals sind befristet beschäftigt. Damit verbunden sind große Unsicherheiten in der Lebens- und Karriereplanung. Ohne sie aber wären weder qualitativ hochwertige Lehre noch exzellente Forschung und verlässliche Betreuung von Abschlussarbeiten möglich.

Beifallbei der SPD

Und doch wird von ihnen selbst erwartet, dass sie sich ihre eigene Qualifikation nebenbei aus der Rippe schneiden.

Es ist eindeutig: Die Lasten im derzeitigen System sind einseitig den befristet Beschäftigten aufgebürdet. Nur so bleibt das Wissenschaftssystem funktional. – Dieser Zustand treibt uns als Ampel um, und dieser Zustand treibt die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes an.

Aber da wird doch gar nichts angetrieben!

Denn mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Notwendigkeit, Erkenntnisse und Erfindungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden und zu erhalten, müssen wir heute die Weichen für einen attraktiven Wissenschaftsstandort Deutschland stellen. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist hierfür für uns als SPD ganz besonders wichtig.

– Ich habe noch über zwei Minuten, Herr Rohwer. Warten Sie mal.

Zurufvon der CDU/CSU: Warten tun wir schon seit einem Jahr!

Wir warten auf die Kurve zu dem Gesetz, das hier vorliegt!

Nun behandeln wir heute eine Große Anfrage der Union zu den Plänen der Reform des WissZeitVG.

Wo nichts beantwortet worden ist!

Zurufdes Abg. Thomas Jarzombek [CDU/CSU]

Allerdings sind diese Fragen nur bedingt dazu geeignet, eine funktionierende Lösung zu finden. Nehmen wir etwa Ihre Frage 10. Da scheint mir bei der Union die Fantasie zu bestehen, der Bund könne Dauerstellen schaffen, indem er einfach bestimmte Stellenkategorien vorgibt, die nur unbefristet sinnvoll zu besetzen wären.

Deswegen müssen Sie mit den Ländern reden!

Die verfassungsrechtliche Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern in dieser Frage ist aber glasklar: Der Bund darf nicht in das Hochschulpersonalrecht der Länder hineinregieren!

So ist es!

Warum reden Sie mit den Ländern nicht?

Stellenprofile unterhalb der Professur liegen in Länderhand; das wird nicht über das WissZeitVG geregelt.

Oder die Frage 13. Da fragen Sie nach der Möglichkeit, über Zielvereinbarungen festzulegen, dass etwa der Anteil an Dauerbeschäftigungen steigt; das wäre doch ein wunderbares Instrument. Ja, nun sollte man aber wissen, dass zwei der großen Bund-Länder-Vereinbarungen – nämlich der Pakt für Forschung und Innovation und der Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken – noch in der letzten Legislaturperiode festgeschrieben wurden, federführend vom CDU-geführten Bundesministerium.

Die redet gar nicht zu dem Gesetzentwurf, der vorliegt!

Und da war es Ihnen allem Anschein nach nicht sehr wichtig, diese Themen dort wirkungsvoll hineinzuschreiben. Denn so, wie sie aktuell in den Vereinbarungen stehen und bis 2027 und länger gelten, sind sie wachsweich formuliert und verfehlen jegliche Wirkung. Leider ist dies ein weiteres Erbe aus 16 Jahren unionsgeführtem Bildungsressort, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Sie sollten doch zum Gesetzentwurf sprechen und nicht zu anderen Themen!

Wir als Ampel machen mit der Reform des WissZeitVG

Welche Reform denn?

in Sachen „gute Arbeitsbedingungen für die Wissenschaft“ viel größere Schritte nach vorne.

Ewig lange Berichterstatterrunden, aber keine Ergebnisse!

Vielleicht mal Leitplanken!

Das zeigen wir schon jetzt mit den Vereinbarungen im Referentenentwurf: So etwas wie Mindestvertragslaufzeiten oder eine Ausweitung des Nachteilsausgleichs für Drittmittelbeschäftigte in der Qualifizierung wären mit der Union doch nie zustande gekommen. Das können wir ganz ehrlich festhalten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Bei der FDP klatscht niemand bei den ganzen Sachen!

Ja, es gibt noch Punkte, bei denen wir uneins sind. Etwa zur Tarifsperre und auch zur genauen Ausgestaltung der Postdocphase bestehen grundsätzlich verschiedene Ansichten.

Jetzt wäre mal ein Zeitplan interessant, wann wir mit einem Gesetz rechnen können!

Einfach mal zuhören!

Nichtsdestotrotz haben wir als Ampel bewiesen: Wir gehen die notwendigen Verbesserungen beherzt an.

Beherzt? Das dauert ja!

Wir entwickeln auch neue Instrumente wie die Anschlusszusage, die wir als SPD sehr begrüßen; denn sie hat einen individualarbeitsrechtlichen Charakter und gibt somit Sicherheit für die Beschäftigten hinsichtlich einer Dauerstelle nach Zielerreichung. So verbessern wir die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft ganz konkret und nachhaltig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich lade die Opposition herzlich ein, sich jetzt ins parlamentarische Verfahren mit konstruktiven Vorschlägen einzubringen.

Ein Referentenentwurf ist aber kein parlamentarisches Verfahren!

Wenn Sie aber lediglich das Ziel verfolgen, die Regierungskoalition vorzuführen,

Zurufdes Abg. Thomas Jarzombek [CDU/CSU]

dann, Herr Rohwer, sollten Sie einen besser durchdachten Fragenkatalog vorlegen als diesen hier.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD

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