Geschätzter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich wurde in Kamerun geboren. Das ist ein Land in Zentralafrika. Ich bin dann im Alter von zwölf Jahren nach Halle an der Saale gezogen, habe dort mein Abitur machen dürfen und habe anschließend auch im Ausland studiert. Ich bin 2015 nach Frankfurt am Main gezogen und darf seit 2021 diesen wunderschönen Wahlkreis als direkt gewählter Abgeordneter hier vertreten.
Sie werden sich fragen: Warum erzählt er hier im Schnelldurchlauf seine Biografie? Ich erzähle sie Ihnen, weil ich zu Beginn meiner Rede gleich eines klarstellen möchte: Die Debatte um die deutsche Einheit ist, finde ich, keine Frage, die allein die ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger oder die westdeutschen Mitmenschen, die die Wiedervereinigung damals miterlebt haben, betrifft, sondern es ist eine gesamtgesellschaftliche Debatte, in der es um eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung geht.
Deswegen ist es wichtig, dass auch die Generation, die die Wiedervereinigung selbst nicht bewusst erlebt hat, und auch die Zugezogenen, die heute deutsche Staatsbürger sind oder die hier leben und nicht deutsche Staatsbürger sind, ihren Teil beitragen und dieser Verantwortung gerecht werden, damit alle gemeinsam daran arbeiten, dass die deutsche Einheit weiterentwickelt wird. Wir haben es heute vielfach gehört: Die deutsche Einheit ist ein Prozess. Wir haben schon manches erreicht; aber es bleibt noch viel zu tun.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will noch mal auf das Thema Vermögensungleichheit eingehen, weil ich davon ausgehe, dass dies eines der wichtigsten Themen ist, wenn es darum geht, gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost- und in Westdeutschland zu schaffen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat letztens eine Studie veröffentlicht, in der sich eine Zahl findet, die sehr besorgniserregend ist. Wenn man sich die Erbschaften anschaut, stellt man fest, dass Menschen in Bayern oder in Baden-Württemberg durchschnittlich etwa 250 000 Euro pro Erbschaft bekommen. In den neuen Bundesländern, in Ostdeutschland, sind es lediglich 10 000 Euro.
Diese Vermögensungleichheit, die vielfältige Gründe hat – meine Kollegin hat bereits darauf hingewiesen –, ist aber auch eine Gefahr für die Demokratie und auch eine Gefahr für das Miteinander. Am Ende geht es nicht darum, dass es in schwierigen, in unsicheren Zeiten keine Ersparnisse mehr gibt, um dafür zu sorgen, dass man noch durch den Monat kommt. Nein, am Ende geht es darum, dass privates Kapital, Vermögen dafür sorgt, dass in der Gemeinde, in der Gemeinschaft lokal vor Ort tatsächlich Leben entstehen kann, dass lokal vor Ort in Unternehmen investiert werden kann, dass lokal vor Ort Vereine, Initiativen, Kultur entstehen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir dafür sorgen wollen, dass die blühenden Landschaften endlich kommen, die jahrelang versprochen wurden, dann gehört auch dazu, dass wir dafür kämpfen und dafür sorgen, dass die Vermögensungleichheiten zwischen Ost und West beseitigt werden.
Meine Fraktion und diese Regierung stehen dafür zur Verfügung. Wir werden daran arbeiten.
Vielen Dank.