Liebe Frau Präsidentin! Liebe Damen und Herren! Wir haben hier einen Antrag vorliegen, der sich in eine ganze Kette von Aktivitäten einreiht, die rein gar nichts dazu beitragen, dass wir Probleme in Deutschland lösen.
Ganz im Gegenteil: Sie tragen dazu bei, dass Fake News verbreitet werden, dass mehr Menschen in Deutschland erkranken und dass wir länger in dieser Pandemie feststecken, als es sein müsste. Das ist der reinste Unsinn, und deshalb lehnen wir diesen Antrag ab.
Ich versuche aber immer, selbst im Schlechten noch etwas Gutes zu finden. Deshalb nutze ich die Gelegenheit, unser Augenmerk auf drei Erfolgsfaktoren zu legen, die dabei helfen, gut durch die Krise zu kommen. Diese drei Erfolgsfaktoren sind erstens das Lernen, zweitens Dinge leichter machen und drittens Mitgefühl.
Starten wir mit dem Lernen. Ich höre oft die Forderung: Wir brauchen endlich einen klaren Kurs durch die Krise. – Aber dieser klare Kurs wird oft mit einem starren Kurs verwechselt. Ein starrer Kurs würde bedeuten, dass wir alte Maßnahmen beibehalten, obwohl sich die Lage schon wieder komplett verändert hat. Das macht keinen Sinn; das ist hochgefährlich. Deshalb brauchen wir die Wissenschaft. Stand heute wissen wir immer noch ganz viele Dinge überhaupt nicht. Deshalb brauchen wir jederzeit die neuesten Erkenntnisse, um unser Handeln immer wieder zu hinterfragen, immer wieder neu auszurichten. Das ist superanstrengend, weil es uns dazu bringt, den Kurs immer wieder zu korrigieren und neu auszurichten, aber es ist notwendig, wenn wir immer zielgerichtet und passgenau reagieren möchten.
Deshalb brauchen wir keinen starren Kurs, sondern permanentes Lernen.
Zweitens. Wir müssen Dinge leichter machen, und zwar für die Menschen, die jeden Tag für uns alle arbeiten. Dazu gehören viele Menschen, die in der Pflege arbeiten, die bessere Arbeitsbedingungen und Löhne, aber auch eine Entlastung von Bürokratie brauchen. Es geht immer noch sehr viel Arbeitszeit drauf, um zu dokumentieren, um bürokratische Vorgaben zu erfüllen. Das müssen wir zurückschneiden. Und wir müssen digitalisieren. Überall dort, wo es geht, Prozesse zu automatisieren, zu digitalisieren, um Menschen ihr Leben leichter zu machen, müssen wir das tun.
Dinge leichter machen bedeutet aber auch, dass wir uns die Gesundheitsämter anschauen müssen. Die Teams dort brauchen natürlich verlässlich genug Geld und Womanpower.
Sie brauchen aber auch funktionierende Software, und zwar Software, die gut mit anderen Systemen zusammenarbeitet, die gute Schnittstellen hat und am Ende nicht Arbeit macht, sondern Arbeit spart und es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leichter macht.
Dinge leichter machen bedeutet, dass wir den Rückstand, den wir in den letzten Jahren bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen an vielen Stellen aufgebaut haben, abbauen. Das ist eine harte Nuss; das wird nicht einfach werden. Aber ich sage Ihnen: Wir nehmen uns dieser Herausforderung an, und wir machen das Schritt für Schritt.
Drittens. Wir brauchen Mitgefühl – ja, genau. Das hört sich vielleicht kitschig an. Aber was meine ich damit? Ich meine damit zuerst, dass wir alle einen Schritt zurücktreten sollten, zurücktreten hinter die eigenen Interessen,
um einen neuen Blickwinkel einzunehmen, uns in andere hineinzuversetzen und Sorgen und Ängste zu verstehen,
und zwar von Menschen, die sich davor fürchten, krank zu werden, ins Krankenhaus zu müssen und zu sterben. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen.
Wir müssen auch mitfühlen mit den vielen Schülerinnen und Schülern und den Lehrerinnen und Lehrern, die seit fast zwei Jahren einiges mitmachen, um bei der Bildung nicht zurückzufallen.
Wir müssen mitfühlen mit denen, die jeden Tag arbeiten gehen und nicht im Homeoffice bleiben können, die für uns Lkw fahren und die Regale einräumen. Auch die müssen wir im Blick haben.
Das zeigt uns, wie wichtig Mitgefühl ist, und vor allem, was die Aufgabe dieses Hauses ist. Die ist es nämlich nicht, egoistische Eigeninteressen durchzuboxen,
sondern immer die gesamte Breite der Gesellschaft im Blick zu haben und einen Weg für alle zu finden.
Der Dreiklang aus Lernen, Dinge leichter machen und Mitgefühl drückt eine Haltung aus, eine Haltung, mit der diese Mannschaft durch die Krise gehen will und die uns am Ende in der Krise hilft und uns stärker macht – stärker als offene, fortschrittliche und vor allem herzliche Gesellschaft.
Ich danke Ihnen fürs Zuhören.