Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich zitiere mal aus dem Antrag der Union: Zur Bekämpfung des Klimawandels soll „einer wissenschaftsorientierten Agrar- und Ernährungspolitik … Vorrang“ gegeben werden.
Liebe Union, wir sind dabei; aber es gibt ein grundsätzliches Problem. Die Union erkennt eine Tatsache, die wissenschaftlich fundiert ist, nicht an: Die Tierhaltung ist der größte Treiber landwirtschaftlicher Emissionen, die wir haben.
Deswegen gerne noch mal die Frage an Sie in dieser Runde: Erkennen Sie das an? Erkennt das irgendjemand von Ihnen an? Niemand?
Deswegen ist es schon eine schwierige Debatte. Wenn wir wissenschaftsorientierte Politik machen wollen, dann müssen wir diesen grundsätzlichen Fakt doch alle anerkennen.
Er muss uns nicht gefallen. Aber Tatsache ist: 25 Prozent der globalen Emissionen kommen aus der Landwirtschaft, mehr als die Hälfte davon aus der Tierhaltung. Das ist mehr als der internationale Flugverkehr zusammen.
Das können wir doch nicht ignorieren.
Was Sie betreiben, ist Realitätsverweigerung. In Ihrem Antrag sagen Sie sogar, Sie wollen den Konsum von Fleisch, von tierischen Produkten künstlich aufrechterhalten.
Wir erinnern uns an die Debatte von Dienstag: Friedrich Merz hat noch mal betont, er wünsche sich Politik aus den 90ern.
Man sieht hier: Auch die Landwirtschaftspolitik der Union ist in den 90er-Jahren hängen geblieben.
Das ist wirklich ein Problem. Sie haben nicht gemerkt, dass die Welt sich weiterentwickelt hat. Die größte Gruppe der Menschen in Deutschland bezeichnet sich mittlerweile als flexitarisch.
Wir sehen ein zunehmendes Interesse an pflanzenbasierter Ernährung. Und was Sie tun, ist: In jeder Debatte von Bayern bis Berlin erklären Sie: Wir lassen uns das Schnitzel nicht verbieten. – Das Gegenteil ist doch der Fall. Sie drängen den Menschen das Schnitzel auf.
– Sie müssen gar nicht so schreien. Sie wissen, dass es so ist. Ruhe in der Aufregung! Es ist, wie es ist.
Ähnliches beobachten wir beispielsweise in den Bundesländern. Schauen Sie mal nach Bayern! Da wird das Schulmilchprogramm als ein großer Punkt dargestellt. Das ist da, um einen Absatzmarkt für ein Produkt zu finden, das sich so auf dem freien Markt in der Menge nicht mehr verkaufen lässt.
Deswegen müssen unsere Kinder jetzt mit dem Schulmilchprogramm konfrontiert werden. Das ist doch unehrlich. Die Union betreibt eine Fleischzwangpolitik, und damit machen wir Schluss.
Liebe Union, Sie haben selber erkannt: Unser Selbstversorgungsgrad im Bereich „Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte“ ist lächerlich gering. Daran arbeiten wir. Das ist wirklich Ernährungssicherung, das ist resilient, das ist klimagerecht.
Darum stellen wir jetzt auch Geld in den Haushalt ein, um endlich ein pflanzenbasiertes Ernährungssystem nach vorne zu bringen. Wir bieten den Landwirten Perspektiven und Chancen für pflanzliche Produktion.
Liebe Union, ich will nicht zurück in die 90er, auch wenn ich da aufgewachsen bin. Es gab gute Punkte, aber es war nicht alles perfekt.