Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Forschung sind wir alle Bürgerinnen und Bürger einer Welt. Forschung ist – wie viele andere Teilbereiche unseres Lebens auch – ein global vernetztes Gebiet, auf dem es mittlerweile ohne internationale Zusammenarbeit praktisch keine Weiterentwicklung mehr gibt. In diesem Zusammenhang möchte ich die Gelegenheit nutzen, meine Freude darüber auszudrücken, dass wir Großbritannien wieder im Europäischen Forschungsraum begrüßen dürfen.
Das kommt nicht von ungefähr. Der Europäische Forschungsraum ist seit vielen Jahrzehnten ein Erfolgsmodell. Nicht umsonst sind auch Nicht-EU-Staaten wie Norwegen oder Israel mit der EU in diesem Rahmen assoziiert. Mit der Schweiz kommt hoffentlich bald ein weiterer Partner dazu. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn es uns gelingt, dass auch noch weitere Wertepartner dazukommen.
Daher ist es aus meiner Sicht gut und richtig, dass die Bundesregierung mit dem vorliegenden Nationalen Aktionsplan für den Europäischen Forschungsraum ein Gerüst vorlegt, innerhalb dessen künftig Forschungskooperationen auf europäischer Ebene gedacht, organisiert und durchgeführt werden können.
Dass dies notwendig ist, hat auch mit der Größe der Vorhaben zu tun. Mehr und mehr Forschungsprojekte erreichen eine Dimension, die für einzelne europäische Staaten mit Blick auf Kompetenzen, Risiken und Realisierung nicht mehr allein händelbar sind.
Nur ein Beispiel: Momentan steht Deutschland im weltweiten Vergleich im Bereich der KI-Forschung auf Platz drei. Aufgrund der Bedeutung, die KI künftig haben wird, taucht immer wieder die Idee auf, eine Art CERN für künstliche Intelligenz zu errichten. Ich teile die Forderung der Forscherinnen und Forscher ausdrücklich, ein solches europäisches Forschungszentrum für KI einzurichten; denn wir wissen derzeit noch viel zu wenig über KI. Unsere Forschung konzentriert sich zu sehr auf die Aktivitäten der kommerziellen Big Player in diesem Feld, weswegen viele spannende Ansätze noch gar nicht beleuchtet sind.
Ein solches CERN für KI braucht – wie jede andere Großforschungsstruktur – fähige und kompetente Menschen, die dort arbeiten.
Die kommen nicht alle aus Deutschland. Für diese Menschen muss es attraktiv und einfach werden, nach Deutschland bzw. nach Europa zu kommen, um hier zu forschen und zu arbeiten.
All diese Dinge hat der Europäische Forschungsraum als Ziel. Diesen Vorhaben müssen wir auf nationaler Ebene zuarbeiten.
Deshalb ist es wichtig, dass Deutschland seinen eigenen Prozess für die sogenannte Roadmap der nationalen Forschungsinfrastruktur auf den Weg bringt. Da sind wir gerade dabei.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, abschließend noch zwei Bemerkungen: Wer Forschung auf europäischer Ebene koordinieren und organisieren will, der tut immer gut daran, die dahinterliegenden Prozesse schlank und effizient zu halten. Hier gilt es, auf nationaler Ebene anzusetzen und von Förderanträgen der Projektbearbeitung bis hin zur Anerkennung von ausländischen Studienleistungen und Studienabschlüssen Vereinfachungen zu forcieren. Denn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen tun, was sie am besten können: forschen und nicht stundenlang Formulare mit drei Durchschlägen ausfüllen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, als letzter Redner dieser ereignisreichen Sitzungswoche möchte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, Ihnen eine gute Heimreise, ein angenehmes Wochenende und einen schönen ersten Advent zu wünschen.
Vielen Dank.