Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir beraten gerade darüber, ob es noch mehr Flexibilität in der Arbeitswelt braucht und ob es Beschäftigten und Familien durch mehr Freiheit besser geht.
Wenn man die Debatte und auch den Beitrag meiner Vorrednerin verfolgt hat, dann stellt man fest: Es steht sehr viel auf dem Spiel. Wir diskutieren darüber, in welche Richtung wir gehen: Bleiben wir beim Bewährten, oder wählen wir ein neues System, das den Menschen viel Freiheit und Flexibilität vorgaukeln soll? Wir im Ausschuss für Arbeit und Soziales sind aber Fachleute, und als Fachleute schauen und hören wir genauer hin.
Egal ob es Arbeiter oder Arbeiterinnen, Kollegin Wulf, oder Angestellte sind oder auch Beamte: Die allermeisten Menschen verbringen sehr viel Lebenszeit auf der Arbeit. Deswegen muss die Arbeitswelt human sein. Eine wichtige Voraussetzung für eine humane Arbeitswelt ist, dass sie abgegrenzt ist – Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps –, also dass man Privates vom Dienstlichen trennen kann,
dass die Arbeitszeit erfasst wird und auch entsprechend bezahlt wird. Das ist die Voraussetzung.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht; auch ein Bibelzitat, lieber Carl-Julius Cronenberg, ich habe mich an deinem erfreut.
– Eben nicht; es wäre besser, wenn es drinstehen würde. – Wer zu lange arbeitet, der wird krank. Und egal, in welchem Beruf die Menschen arbeiten, ob am Pflegebett, auf dem Führerstand einer Lokomotive, im Büro oder ob sie Pakete austragen: Durch zu lange Arbeitszeiten leidet die Gesundheit. Zuerst sind es Kopfschmerzen. Es passieren mehr Fehler, man ist unaufmerksam, die Unfallgefahr steigt. Langfristig leidet das Herz-Kreislauf- und auch das Muskel-Skelett-System. Und auch das Privatleben leidet. All das haben uns die Sachverständigen in der Anhörung gesagt.
Ich spreche viel mit den Beschäftigten. Wünsche nach einer Wochenarbeitszeit kommen nicht; es kommen Wünsche nach weniger Arbeit oder weniger Arbeit nach 18 Uhr. Wenn man das, was Sie in Ihrem Antrag fordern, umsetzen würde, dann wäre das ungefähr so, als würde man verlangen, dass die Menschen von Montag bis Freitag überhaupt nicht mehr schlafen und sich dann am Samstag und Sonntag die 48 Stunden Schlaf zurückholen.
Mahatma Gandhi wusste es: „Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Deswegen sage ich: Raus aus dem Hamsterrad! Ihren Antrag lehnen wir ab.