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172. Sitzung der 20. Wahlperiode

Donnerstag, 6. Juni 2024 · Berlin

267 Reden in dieser Sitzung

267Reden99.777Wörter
1.878Vermerke
2 namentliche Abstimmungen in dieser SitzungAnzeigen

„Angenommen“ oder „Abgelehnt“ leitet OpenPlenum aus den Ja- und Nein-Stimmen ab. Bei Abstimmungen, die eine qualifizierte Mehrheit verlangen, kann die amtliche Feststellung des Bundestages abweichen.

Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Olaf Scholz
Foto: SPD/ Photothek
Olaf ScholzSPD· Bundeskanzler· MdB
49 Vermerkeca. 2.960 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich zu Beginn eines klar sagen: Viele in unserem Land warten voller Spannung auf diesen Sommer, auf die Fußball-Heim-EM, auf gute Spiele, auf die Gäste, die aus ganz Europa kommen. Ich bin überzeugt: Unser Land wird sich in diesem Fußballsommer von seiner besten Seite zeigen. Alle sind bereit. Am Montag habe ich mich in München selbst davon überzeugt. Auch unsere Sicherheitsbehörden haben sich sorgfältig vorbereitet. Deshalb sage ich allen Bürgerinnen und Bürgern: Lassen Sie sich die Vorfreude auf dieses Fußballfest, auf diesen Sommer nicht nehmen,

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

auch wenn gerade in diesen Tagen und Wochen viel passiert ist, das uns aufwühlt und vielen Sorgen bereitet.

Der gewaltsame Tod des Polizisten in Mannheim hat uns alle ins Herz getroffen und eine Welle der Solidarität und des Mitgefühls im ganzen Land ausgelöst. Im Süden unseres Landes hat ein dramatisches Hochwasser Häuser und Straßen überflutet. Es gab Tote, und es ist schon die dritte verheerende Überschwemmung hier in Deutschland seit Jahresbeginn. Gleichzeitig spitzt sich der brutale russische Angriffskrieg gegen die wehrlose zivile Bevölkerung der Ukraine weiter zu, in diesen Tagen besonders in der Millionenstadt Charkiw.

Diese Ereignisse und Entwicklungen mögen in keinem direkten Zusammenhang miteinander stehen, aber sie beschäftigen uns alle. Sie werfen Fragen auf, sie verunsichern – jedes Ereignis für sich, aber vor allem alle zusammen. Völlig zu Recht wollen die Bürgerinnen und Bürger wissen, wie die Lage ist, und vor allem, was die Bundesregierung unternimmt. Darauf möchte ich heute Antworten geben.

Die wichtigste Antwort lautet: Jede und jeder muss in unserem Land ohne Furcht vor seinen Mitmenschen leben können. Das ist das zentrale Versprechen unseres Rechtsstaates,

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

und dieses Versprechen setzen wir mit aller Macht durch. Das ist die Aufgabe unserer Sicherheitskräfte und der Sicherheits- und Justizbehörden. Dabei haben sie den Rückhalt meiner Regierung und – ich bin sicher – dieses Hauses.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Umso mehr erschüttert mich, erschüttert uns alle, was in Mannheim passiert ist. Das tödliche Messerattentat auf einen jungen Polizisten ist Ausdruck einer menschenfeindlichen Ideologie, eines radikalen Islamismus. Dafür gibt es nur einen Begriff: Terror. Terror sagen wir den Kampf an,

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

und zwar unabhängig davon, ob er, wie in Mannheim, islamistisch motiviert ist, ob er von ganz rechts oder ob er von ganz links kommt, ob er sich gegen Deutsche richtet oder Ausländer, gegen Christen, Muslime oder Juden.

Das Ziel ist immer dasselbe: Terrorismus will Angst und Schrecken verbreiten, er will uns einschüchtern und seine Weltsicht aufzwingen. Er will unsere Freiheit einschränken, die Freiheit, unsere Meinung zu sagen, egal ob sie anderen gefällt oder nicht, die Freiheit, für unsere Überzeugungen einzutreten, auch wenn sie anderen nicht passen, die Freiheit, ohne Furcht zu leben, egal was wir politisch denken, woran wir glauben, wen wir lieben oder woher wir kommen. Ohne diese Freiheiten gibt es keine Demokratie. Und deshalb sage ich: Nicht diejenigen sollen sich fürchten müssen in Deutschland, die in Freiheit und Frieden leben wollen, sondern diejenigen müssen sich fürchten, die unsere Freiheit angreifen und unseren Frieden stören.

Wer unsere Freiheit angreift und unseren Frieden stört, der hat mich, der hat die Bundesregierung und der hat unseren Rechtsstaat als seinen entschiedensten Gegner.

Viele von uns haben das Video vom vergangenen Freitag aus Mannheim gesehen, diese grausame Messerattacke auf den jungen, heldenhaften Polizisten Rouven L. Er hat sein Leben eingesetzt für unsere Freiheit und unsere Sicherheit.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Unsere Herzen sind schwer. Wir denken in diesen schweren Stunden voller Mitgefühl an seine Familie und Freunde. Wir fühlen mit seinen Kolleginnen und Kollegen, die am Montag zu seiner tief bewegenden Gedenkveranstaltung in Mannheim zusammengekommen sind. Wir denken an all die Polizistinnen und Polizisten im ganzen Land, die Trauer tragen, die für die Hinterbliebenen von Rouven L. sammeln als Zeichen der Verbundenheit der gesamten Polizeifamilie in einer solch schweren Situation, in solch schweren Stunden.

Ich möchte Ihnen heute sagen – gerne im Namen von uns allen –: Wir fühlen mit Ihnen. Wir stehen hinter Ihnen. Wir stehen hinter unserer Polizei.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und dem BSW sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Matthias Helferich [fraktionslos]

Wer uns schützt, so wie Sie das tagtäglich tun, der verdient selber Schutz. Wer einen Polizisten tötet, der muss auf das Härteste bestraft werden. Dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen hat, zeigt: Das geschieht. Unser Staat nimmt solche Verbrechen sehr ernst.

Der Typ dürfte nicht mal hier sein!

Wer Frauen und Männer, die helfen und Leben retten wollen, hinterrücks angreift oder in Hinterhalte lockt, der muss die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Dafür werden wir das Strafrecht gezielt schärfen und solche hinterlistigen Überfälle härter bestrafen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufevon der AfD

Es geht auch um den Schutz unserer Demokratie, unseres demokratischen Miteinanders. Ich denke zum Beispiel an die Angriffe auf unseren Kollegen Roderich Kiesewetter, auf Matthias Ecke in Dresden, Heinrich Koch in Mannheim oder Kai Gehring und Rolf Fliß in Essen. Wer Politikerinnen und Politiker, Bürgermeister, Ratsmitglieder oder Landräte bedroht oder beleidigt, Frauen und Männer also, die sich in unseren Städten und Gemeinden für unser Gemeinwohl einsetzen, muss härter bestraft werden.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Solche Taten können, wollen und werden wir nicht akzeptieren.

Schon jetzt gibt es die Möglichkeit, Waffen- und Messerverbotszonen auszuweisen.

Zurufevon der AfD

Davon muss noch mehr und konsequenter Gebrauch gemacht werden. Die Bundespolizei setzt das an Bahnhöfen bereits durch.

Messerverbote!

Wir brauchen das bundesweit vor allem an Hotspots und bei Großveranstaltungen. Es gibt in Deutschland kein Faustrecht. Wer das anders sieht, der kriegt ein massives Problem mit unserer Polizei und unserer Justiz.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das gilt für diejenigen, die schon immer im Deutschland leben, genauso wie für diejenigen, die erst in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind. Ich sage das in aller Klarheit und ohne jedes Ressentiment. Das ist mir wichtig. In Deutschland leben mehr als 20 Millionen Bürgerinnen und Bürger mit Einwanderungsgeschichte. Sie sind Nachbarn, Arbeitskolleginnen, Schulkameraden und Freunde. Sie sind entsetzt und erschüttert über die Bluttat von Mannheim. Auch sie werden nicht selten Opfer von Hetze und Gewalt. Auch sie werden von den Islamisten bedroht und oftmals eingeschüchtert. Vor allem aber: Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Wir lassen uns nicht spalten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Christian Leye [BSW]

Ganz nebenbei: Wir können stolz darauf sein, dass sich dies auch in unserer Nationalmannschaft widerspiegelt. Es sind alles Deutsche. Es sind alles unsere Jungs.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es ist abwegig und infam, mehr als 20 Millionen Frauen und Männer unter Generalverdacht zu stellen. Wer Verbrechen wie das in Mannheim dazu missbraucht, der legt die Lunte an unseren Zusammenhalt.

Wer missbraucht das denn?

Das schadet unserer Nation.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie der Abg. Dr. Sahra Wagenknecht [BSW]

Lassen Sie mich aber auch klar sagen: Es empört mich, wenn jemand schwerste Straftaten begeht, der hier bei uns Schutz gesucht hat.

Zurufvon der AfD: Schutz?

Solche Straftäter gehören abgeschoben, auch wenn sie aus Syrien und Afghanistan stammen.

Schwerstkriminelle und terroristische Gefährder haben hier nichts verloren. In solchen Fällen wiegt das Sicherheitsinteresse Deutschlands schwerer als das Schutzinteresse des Täters.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Sprechblase hatten Sie doch schon!

Deshalb sucht das Bundesinnenministerium nach rechtlich und praktisch tragfähigen Wegen, wie das gelingen kann.

Zuruf: Das machen Sie seit zwei Jahren!

Das Bundesinnenministerium arbeitet daran, Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern nach Afghanistan zu ermöglichen.

Ach! Letztes Jahr 16 000, oder wie viele?

Über die praktische Umsetzung ist das Bundesministerium bereits mit Nachbarländern Afghanistans im Gespräch. Nicht länger dulden werden wir auch, wenn terroristische Straftaten verherrlicht und gefeiert werden. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Opfer, ihre Angehörigen und unsere demokratische Grundordnung.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb werden wir unsere Ausweisungsregelungen so verschärfen, dass aus der Billigung terroristischer Straftaten ein schwerwiegendes Ausweisungsinteresse folgt.

Wer Terrorismus verherrlicht, wendet sich gegen alle unsere Werte und gehört auch abgeschoben.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Und die 500 islamistischen Gefährder?

In zwei Wochen beraten auch die Innenminister der Länder dieses Thema. Ich bin dem Hamburger Innensenator sehr dankbar für seine Initiative dazu.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, für Schutz und Sicherheit brauchen wir Personal. Seitens des Bundes haben wir in den vergangenen Jahren die Bundespolizei mit 1 000 zusätzlichen Polizistinnen und Polizisten pro Jahr verstärkt. Auch das stärkt die innere Sicherheit in Deutschland, und wir stärken die Bundespolizei weiter. Gerade erst haben wir dafür gesorgt, dass niemand mehr den deutschen Pass bekommt, der durch Judenhass und Islamismus auffällt. Extremisten mit deutschem Pass begegnet der Rechtsstaat konsequent mit allen Mitteln des Straf-, Versammlungs- und Vereinsrechts. Bei der Hamas, bei Samidoun und zuletzt bei den Hammerskins haben wir konsequent durchgegriffen. Das bleibt auch in den kommenden Monaten so.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Gut, dass Sie das sagen!

Extremisten ohne deutschen Pass können inzwischen sehr viel schneller abgeschoben werden. Die Botschaft ist klar: Wer unseren Schutz ausnutzt wie der Täter von Mannheim, der hat diesen Schutz verwirkt. Da gibt es null Toleranz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir heute über die Sicherheit in unserem Land sprechen, dann sind unsere Gedanken natürlich auch bei den Betroffenen des Hochwassers und bei den Rettungskräften, die in Bayern und in Baden-Württemberg seit einer Woche rund um die Uhr dagegen ankämpfen. Ich war am Montag in der bayerischen Gemeinde Reichertshofen; die hat es besonders schlimm getroffen. Einer der Anwohner dort hat uns gesagt: Da sind Wassermassen gekommen, die hat man noch nie gesehen.

Die Bürgerinnen und Bürger in Reichertshofen, aber auch an anderen Orten entlang der Ilm, der Donau und an ihren Zuflüssen haben Naturgewalten erlebt, wie sie sich niemand dort vorstellen konnte. Da stieg der Wasserspiegel immer weiter – unaufhaltsam. Da gaben durchweichte Dämme nach. Da mussten völlig erschöpfte Helferinnen und Helfer von der Feuerwehr, vom Katastrophenschutz an manchen Stellen zurückweichen, weil es einfach nicht mehr ging. Nach Tagen fast ohne Schlaf erreichte die Rettungskräfte im Landkreis Pfaffenhofen noch die schreckliche Nachricht vom Tod eines Kollegen, eines freiwilligen Feuerwehrmannes, dessen Rettungsboot gekentert war. Er ist einer von inzwischen sechs bestätigten Opfern der Wassermassen. Weitere sieben Personen werden vermisst. Wir hoffen, dass sie lebendig geborgen werden können und die Lage sich weiter entspannt.

Die Betroffenen in den Flutgebieten haben aber auch noch etwas anderes erlebt: eine Flut der Hilfsbereitschaft. Zehntausende Einsatzkräfte waren in Bayern und Baden-Württemberg im Einsatz, unzählige spontane Helferinnen und Helfer kommen dazu: Nachbarn, die beim Auspumpen des Kellers helfen, die mit der Schaufel rüberkommen, um die Schlammmassen wegzuräumen, Freunde und Kollegen, die ein Bett anbieten, die mit Essen und trockenen Kindersachen helfen. Allen, die ihre Hand reichen, die trotz Erschöpfung weitermachen und andere unterstützen, will ich heute sagen: Ganz herzlichen Dank.

Beifallim ganzen Hause

Für mich sind es auch diese Bilder der Solidarität und der Mitmenschlichkeit, die diese Tage prägen. So ist Deutschland. Wir sind stark, weil wir zusammenhalten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist die wichtige Botschaft, die von diesem Unglück ausgeht.

In akuten Notlagen wie dieser ist immer auch der Bund mit allen seinen Kräften zur Stelle. In den vergangenen Tagen hat sich wieder gezeigt: Unser Land funktioniert. Der Bund hilft den betroffenen Ländern, Landkreisen und Gemeinden, wo es nur geht, mit dem THW, Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, mit der Bundespolizei und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Was diese Frauen und Männer in den vergangenen Tagen mit vereinten Kräften geleistet haben, darauf kann Deutschland stolz sein. Die Zusammenarbeit lief auf allen Ebenen Hand in Hand. Auch die Warnsysteme und Apps haben funktioniert und Leben gerettet. Wir werden an der geübten Praxis der Solidarität festhalten, wenn es um die Beseitigung der Schäden geht. In der Not rücken wir zusammen. Das gehört sich so. So ist Deutschland.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Hochwasser in Süddeutschland ist ein Unglück, eine außergewöhnliche Naturkatastrophe. Aber wenn solche Extremwetterereignisse häufiger passieren, dann ist das nicht mehr nur ein Unglück,

Jetzt instrumentalisieren Sie den Regen!

Gegenrufder Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

dann ist das ein Ergebnis des Klimawandels. Der menschengemachte Klimawandel ist die größte globale Herausforderung, vor der wir stehen –

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

eine Herausforderung, die für diese Bundesregierung von Tag eins an höchste Priorität hatte und weiterhin hat. Allein in diesem Jahr bin ich schon viermal in überflutete Gebiete gefahren – von Niedersachsen bis Bayern, von Sachsen-Anhalt bis ins Saarland.

Ja, Deutschland wird den Regen aufhalten!

Wir müssen uns besser vorbereiten auf solche Katastrophen, überall im Land. Das tun wir. Wir stellen erhebliche Mittel des Bundes zur Verfügung, um den Küstenschutz und den Hochwasserschutz im Binnenland zu verbessern. Wichtig ist, dass nun auch überall im Land Flutpolder und Rückhaltebecken entstehen, auch wenn das nicht überall beliebt ist.

Mit dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm unterstützen wir die Länder beim überregionalen vorbeugenden Hochwasserschutz. Darüber hinaus setzen wir gemeinsam mit den Ländern und Kommunen die Nationale Wasserstrategie und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz um. Ein ganz wichtiges Ziel ist dabei, den Wasserhaushalt besser gegen Extremwetter zu wappnen.

Und nicht zuletzt haben wir vor einem Jahr das Klimaanpassungsgesetz verabschiedet. Damit haben wir einen verbindlichen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Gemeinden in Sachen Klimaanpassung gegeben. Über das Zentrum KlimaAnpassung beraten wir Kommunen bei der Suche nach Förderprogrammen und helfen bei der Anpassung und beim Schutz.

Und es geht auch darum, sich vor möglichen Schäden zu versichern. In Sachen Elementarschadenversicherung kommen wir voran. Bei meinem Treffen mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder am 20. Juni wird das ein wichtiges Thema sein. Eigentümer von Häusern und Wohnungen müssen sich gegen Elementarschäden versichern können.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, noch steht an vielen Orten das Wasser; noch sind Häuser, Straßen und Bahnstrecken nicht wieder frei und auf Schäden untersucht worden. Klar ist aber bereits jetzt: Das Ausmaß der Schäden wird groß sein. Das gilt auch für die Überschwemmungen der vergangenen Monate im Saarland und in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, für jene letztes Jahr an der Ostsee. Wir werden diese Schäden, wie bei früheren Hochwassern auch, gemeinsam mit den Ländern bewerten und Hilfe organisieren.

Zum Schluss möchte ich noch einige Worte zu einer Frage der Sicherheit sagen, die viele Bürgerinnen und Bürger ebenso beschäftigt wie das Hochwasser oder der furchtbare Messerangriff in Mannheim, nämlich Russlands Krieg gegen die Ukraine und wie er sich auswirkt auch auf uns hier in Deutschland.

Wir alle fühlen mit den angegriffenen Ukrainerinnen und Ukrainern, den Kindern, die von russischen Bomben getötet werden, den Vätern, die an der Front fallen. Zugleich fürchten viele Bürgerinnen und Bürger, dass der Krieg weiter eskalieren könnte, dass Sicherheit und Frieden auch bei uns in Gefahr geraten.

Sich Sorgen zu machen um den Frieden, daran ist nichts Naives oder Anrüchiges, wie es manchmal dargestellt wird. Sorgen der Bürgerinnen und Bürger sind etwas, was wir respektieren und ernst nehmen sollten. Ich jedenfalls tue das. Als Bundeskanzler trage ich die Verantwortung dafür, dass kein Kind, das heute in Deutschland geboren wird, jemals Krieg in unserem Land erleben muss. Das hat für mich absolute Priorität.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

„Frieden sichern“ heißt nicht, die weiße Fahne zu hissen oder vor Gewalt und Unrecht zu kapitulieren. Frieden bedeutet nicht Unterwerfung.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das will ich an die Zwischenrufer von der AfD sagen, die zu der Frage, die uns hier zusammenführt, hier unangemessen in die Beratung reinrufen:

Steht im Manuskript!

Weitere Zurufe von der AfD

Das ist schon peinlich, dass Sie heute großes Lob vom russischen Präsidenten bekommen haben.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und ich will gerne sagen: Das haben Sie sich wacker erarbeitet, und das werden die Bürgerinnen und Bürger gut zu beurteilen wissen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Russland versucht, der Ukraine ihr Land zu rauben. Würden wir diesen Imperialismus akzeptieren, dann – und gerade dann! – geriete auch unsere Sicherheit in Gefahr und die Sicherheit von ganz Europa gleich mit, weil sich dann ein gefährliches Prinzip wieder durchsetzen würde, das Europa jahrhundertelang ins Unheil gestürzt hat, das Prinzip nämlich, Grenzen mit Gewalt zu verschieben, wenn man die Macht dazu hat. Die Rückkehr des Krieges als Mittel der Politik aber lassen wir nicht zu.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Darum geht es. „Frieden sichern“ heißt heute, dass wir die Ukraine unterstützen, ihre Unabhängigkeit und Souveränität zu verteidigen. Deutschland tut das mit großer Entschlossenheit. Kommende Woche richten wir gemeinsam mit der Ukraine hier in Berlin eine große internationale Wiederaufbaukonferenz aus. Sie wissen: Wir leisten mehr Unterstützung als alle anderen Länder Europas – Hilfe, die gebraucht wird, die ankommt und die wirkt,

Die auch hier gebraucht wird!

Hilfe, die wir seit Kriegsbeginn immer wieder überprüfen, ausweiten und anpassen, weil auch dieser Krieg und seine Schauplätze sich permanent verändern.

Russland hat in den letzten Wochen eine neue Front eröffnet. Charkiw, eine ukrainische Millionenstadt unweit der Grenze zu Russland, liegt seitdem fast Tag und Nacht unter russischem Beschuss mit Raketen und Gleitbomben. Es trifft Häuser, Einkaufszentren, Schulen und Fabriken; vor allem aber trifft es unschuldige Zivilistinnen und Zivilisten – Frauen, Männer und Kinder.

Wir haben uns mit unseren Verbündeten eng abgestimmt, wie wir darauf reagieren, so wie wir das immer machen. Und wir haben gemeinsam noch einmal bekräftigt: Die Ukraine hat das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich gegen Angriffe auf ihr Territorium, auf ihre Städte und ihre Bürgerinnen und Bürger zu wehren.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das gilt auch für Angriffe wie im Raum Charkiw, die Russland aus Stellungen im direkt angrenzenden russischen Grenzgebiet durchführt.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Um sich gegen solche Angriffe zu verteidigen, kann die Ukraine auch die von uns und unseren Verbündeten gelieferten Waffen einsetzen – immer in Übereinstimmung mit internationalen rechtlichen Verpflichtungen.

Zugleich sage ich ganz klar: Es ist richtig, dass wir uns vor solchen Entscheidungen, vor solchen weiter reichenden Entscheidungen wieder und wieder und wieder mit unseren Partnern und Verbündeten eng abstimmen. Dass wir dabei besonnen handeln, dass wir alle Risiken genau abwägen, dazu stehe ich als Bundeskanzler, dem der Frieden und die Sicherheit Deutschlands wichtig sind und der ihnen verpflichtet ist.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Darauf können sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen. Deshalb brauchen wir eine starke Bundeswehr, die dafür sorgt, dass niemand es wagt, uns anzugreifen.

Und ja, Frieden braucht auch Diplomatie, mühsame, kleine Schritte. Deshalb reise ich Ende nächster Woche zum Friedensgipfel für die Ukraine in der Schweiz.

Ohne Russland!

Es wird dort noch keine Friedensverhandlungen geben; davon sind wir noch weit entfernt, solange Russland glaubt, seine Ziele auf dem Schlachtfeld zu erreichen. Aber ich werde wie schon in der Vergangenheit weiter daran arbeiten, Länder weltweit einzubinden, um Moskau gemeinsam klarzumachen: Wir stehen zum Völkerrecht und zur Charta der Vereinten Nationen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufevon der AfD

Es ist an Russland, Truppen zurückzuziehen und so den Weg frei zu machen für einen gerechten Frieden. Auch das ist für mich Friedenspolitik im Jahre 2024; auch das ist Friedenspolitik in der Zeitenwende.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD

Meine Damen und Herren, „Ohne Sicherheit ist alles nichts“. Dieser Satz hat für mich große Bedeutung. Denn wo es an Sicherheit fehlt, da wächst die Furcht – Furcht der Bürgerinnen und Bürger untereinander, Furcht vor äußeren Bedrohungen, Furcht vor der Zukunft, Furcht, die Vertrauen und Zuversicht zersetzt.

Gerade deshalb ist Sicherheit der Schlüssel für alles andere. Gerade deshalb bin ich so überzeugt: Sicherheit ist der Grundpfeiler unserer Freiheit, unserer Demokratie und unserer Rechtsstaatlichkeit. Gerade deshalb tritt die Bundesregierung allen Bedrohungen, die die Sicherheit unseres Landes gefährden, so entschieden entgegen. Darauf können sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen.

Anhaltender Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
39 Vermerkeca. 1.751 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Bauarbeiter leben gefährlicher als Polizisten – mit dem Tod des Beamten wird Politik gemacht“, so lautete gestern die Überschrift in der Onlineausgabe eines bekannten politischen Magazins unseres Landes. „Bauarbeiter leben gefährlicher als Polizisten“: Was sollen die vielen Tausend Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten denken, wenn sie in diesen Tagen eine solche Überschrift in der deutschen Presse lesen? Was wird die Familie des am letzten Wochenende in Mannheim heimtückisch ermordeten Polizeibeamten Rouven Laur denken, wenn sie einen solchen Text liest? Meine Damen und Herren, diese Überschrift ist ein weiterer Tiefpunkt eines in Teilen der deutschen Öffentlichkeit um sich greifenden Zynismus, eine Niedertracht sondergleichen, und dies noch verbunden mit der Aufforderung an uns, doch bitte nicht über die Ursachen und die Motive der immer weiter zunehmenden islamistisch motivierten Gewalt in Deutschland zu diskutieren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Nein, wir machen nicht Politik mit dem Tod des Polizeibeamten. Wir trauern um diesen jungen Mann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD

Wir sprechen seinen Angehörigen sowie allen seinen Kolleginnen und Kollegen, die in diesen Tagen Trauerflor an ihren Fahrzeugen befestigt haben, unser tiefstes Mitgefühl aus.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie, Frau Präsidentin, haben gestern und Sie, Herr Bundeskanzler, haben heute für diese Trauer die richtigen Worte gefunden. Und dafür danken wir Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Wir alle wünschen den weiteren verletzten Opfern dieses Terroranschlags in Mannheim baldige und gute Genesung.

Das war kein Unfall, sondern ein Terroranschlag, ein heimtückischer Mord. Es liegt heute in unserer ganz besonderen Verantwortung, miteinander darüber zu sprechen, was aus diesem erneuten Terroranschlag für unser Land folgt. Die Menschen richten zu Recht Fragen an uns: Was tun wir jetzt ganz konkret für den Erhalt unserer freiheitlichen, liberalen, offenen, toleranten Gesellschaft? Wie verhindern wir, dass Feinde unserer Demokratie immer weiteren Raum ergreifen? Was tun wir, damit das Faustrecht und die nackte Gewalt nicht an die Stelle der Grundrechte unserer freiheitlichen Verfassung treten? Eine Verfassung, deren 75-jähriges Bestehen wir vor wenigen Tagen gemeinsam noch so dankbar gefeiert haben.

Meine Damen und Herren, der Mord an Rouven Laur und die damit einhergehenden weiteren Mordversuche in Mannheim fallen in eine Zeit, in der unsere Gesellschaft ohnehin schon sehr verunsichert ist. Angriffe auf Polizeibeamte, auf Einsatzkräfte, auf Menschen, die Hilfe leisten wollen, auf politisch Andersdenkende und immer häufiger auch auf Kommunalpolitiker – und ich nenne hier ausdrücklich auch den Angriff auf den AfD-Kommunalpolitiker Koch in Mannheim vorgestern Abend –, das alles sind Erscheinungsformen einer zunehmenden Verrohung und Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft, die wir mittlerweile jeden Tag und jede Woche erleben. Darauf müssen wir jetzt gemeinsam hart und klar reagieren.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Die Feinde unserer Demokratie, seien es Kalifatsdemonstranten, Antisemiten, Rechtsradikale oder Linksradikale, treten so offen, so dreist und so unverhohlen auf wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Viele dieser Feinde unserer Freiheit und unserer Demokratie eint ein offensichtlich tiefsitzender und weitverbreiteter Antisemitismus. Antisemitismus – so haben wir es in den letzten Monaten aus Anlass des 7. Oktober hier von diesem Platz aus und im ganzen Land häufig genug gesagt – soll in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Darin sind wir uns, hoffentlich jedenfalls, alle einig. Aber wenn das so ist, Herr Bundeskanzler, dann darf für die immer noch nicht zurückgetretene Präsidentin der Technischen Universität Berlin, Professor Geraldine Rauch,

Mitglied in Ihrem Zukunftsrat im Bundeskanzleramt der Bundesrepublik Deutschland, nichts anderes gelten.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]]

Was soll diese Diffamierung?

Ich gehe jedenfalls davon aus, Herr Bundeskanzler, dass Sie spätestens zum Wochenende die Konsequenzen aus den antisemitischen Vorfällen um Frau Rauch ziehen und sie dieses Gremium verlassen muss.

Der Mord mitten auf einem deutschen Marktplatz zeigt weitere gravierende Missstände auf, die wir dringend beseitigen müssen. Ich will es sehr deutlich sagen: Die Zeit des Warnens und des Verurteilens, des Abwiegelns und der Ankündigungen, diese Zeit ist jetzt vorbei.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Die Menschen erwarten, dass wir handeln. Sie erwarten Entscheidungen. Sie warten auf eine klare, unmissverständliche Antwort der Politik. Das bedeutet konkret: Ihre Regierung, Herr Bundeskanzler, muss jetzt handeln. Sie müssen diese Lage in den Griff bekommen. Es geht um den Kernbestand des Zusammenhalts unserer Gesellschaft – um nicht mehr und um nicht weniger.

Zurufvon der CDU/CSU

Täuschen wir uns bitte nicht und lassen wir uns bitte nicht weiter täuschen über die Dimension des Problems! Frau Faeser, Sie haben vor einigen Wochen die Zahlen zur Politisch motivierten Kriminalität für das Jahr 2023 vorgestellt. Im Jahr 2022 wurden 51 islamistische Gewalttaten in Deutschland verübt, darunter zwei versuchte Tötungsdelikte. Im Jahr 2023 waren es bereits 90 islamistische Gewaltdelikte, darunter sechs versuchte Tötungsdelikte, zwei vollendete. Die Zahl islamistischer Straftaten insgesamt verdreifachte sich im letzten Jahr von knapp 500 auf jetzt knapp 1 500 Straftaten. Ähnlich erschütternd sind die Zahlen der beim Generalbundesanwalt aufgenommenen Verfahren gegen den islamistischen Terrorismus.

Was also ist nun konkret zu tun? Ich will versuchen, einige Antworten zu geben:

Das Erste: Schließen Sie endlich das Islamische Zentrum in Berlin –

eine Brutstätte des Islamismus. Wir haben hier am 12. Oktober einstimmig im Haus, Frau Faeser – –

Hamburg!

– In Hamburg, Entschuldigung –

Zurufvon der SPD: Ist Ihnen doch egal!

Mein Gott! Kriegen Sie sich wieder ein!

Glücklich, wer sich hier von diesem Platz aus nie verspricht! Herzlichen Glückwunsch an Sie! Ihnen passiert das niemals.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]

Wir haben das hier in Berlin am 12. Oktober alle zusammen beschlossen und Sie aufgefordert, dieses Zentrum zu schließen.

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Warum ist das bis zum heutigen Tag nicht geschehen?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Wir werden einen etwas genaueren Blick auf die Social-Media-Aktivitäten richten müssen. Was ist da los bei Tiktok, wo offensichtlich jeden Tag junge Menschen in diesem Land aufgehetzt werden,

Radikalisiert!

auch mit antisemitischen Inhalten und mit islamistischen Inhalten? Wir werden diese sozialen Plattformen stärker kontrollieren müssen, wenn die Plattformen es nicht selber tun.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und lassen Sie uns bitte auch ehrlich darüber sprechen, wie wir den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in Deutschland den Rücken stärken können bei ihrem täglichen Kampf für die Freiheit in unserem Land. Meine Damen und Herren, ich sage es an Ihre Adresse: Sie sollten Abstand von dem Vorhaben nehmen, mit dem neuen Bundespolizeigesetz eine Pflicht zur Ausstellung sogenannter Kontrollquittungen einzuführen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie erschweren durch diese Regeln den Einsatz von verdeckten Ermittlern und Vertrauenspersonen auch gegen Islamisten und gegen die ausländischen Clans.

Lassen Sie mich ein Wort zu den Nachrichtendiensten sagen. Die Probleme mit dem Rechtsradikalismus ebenso wie mit dem Islamismus müssen wir lösen, indem wir ermöglichen, dass Polizei und Nachrichtendienste enger zusammenarbeiten. Wir müssen in Deutschland vorhandene Daten nutzen dürfen, müssen IP-Adressen speichern dürfen

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Saskia Esken [SPD]

und müssen das Internet umfassend nach Straftätern durchsuchen dürfen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Es ist doch absurd, dass ein kanadischer Journalist die seit Jahrzehnten gesuchte deutsche Terroristin Daniela Klette hier mitten in Berlin mithilfe einer einfachen Gesichtserkennungssoftware ausfindig machen konnte, während der deutschen Polizei die Nutzung dieser Software untersagt ist. Das ist doch ein schlechter Witz in den Zeiten, in denen wir heute leben!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Wir müssen auch noch einmal über die Praxis bei den Abschiebungen sprechen; vielen Dank, Herr Bundeskanzler, dass Sie das zur Sprache gebracht haben. Wie sieht denn die Praxis aus? Sie behaupten, es gebe in Afghanistan keine Ansprechpartner, mit denen man darüber sprechen könnte.

Das sind die Ansprechpartner, die den 11. September zu verantworten haben!

Dabei läuft aber, meine Damen und Herren, über sogenannte technische Kontakte die Entwicklungshilfe der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan. Fast 400 Millionen Euro hat dieses Land nach der Übernahme durch die Taliban von Ihnen bekommen. Warum können technische Kontakte nicht auch einmal dazu genutzt werden, Rückführungen nach Afghanistan zu ermöglichen?

Das ist zu billig!

Das wäre die richtige Entscheidung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Warum stellen Sie, meine Damen und Herren aus der Koalition, eigentlich denjenigen, die nach Abschluss rechtskräftiger Verfahren in Abschiebehaft sitzen, noch einen Pflichtverteidiger an die Seite?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Diese Pflichtverteidiger tun doch nichts anderes, als weitere Abschiebehindernisse aufzubauen.

Billigster Populismus ist das!

Wir sprechen über den Rechtsstaat!

Dann müssen wir auch über Ihr neues Staatsbürgerschaftsrecht sprechen.

Ihnen ist gar nichts mehr unangenehm!

Zurufevon der SPD

– Meine Damen und Herren, ich weiß, dass Ihnen das unangenehm ist. – Sie werden am 27. Juni das neue Staatsbürgerschaftsrecht in Kraft treten lassen. Damit wird die Mehrfachstaatsangehörigkeit zum Regelfall, der generelle Doppelpass.

Was hat das jetzt mit dem Doppelpass zu tun?

Es gibt eine Einbürgerung auch bei Sozialleistungsbezug. Und dann machen Sie auch noch Onlinewerbung, weltweit Werbung für den deutschen Pass in arabischer Sprache. Könnten wir uns darauf verständigen, dass Sie wenigstens das Datum des Inkrafttretens dieses Gesetzes verschieben?

Zurufevon der SPD

Dann könnten wir angesichts der aktuellen Lage mit Ihnen noch einmal darüber beraten, wie wir zu einem vernünftigen Staatsbürgerschaftsrecht kommen, das eben nicht das Tor weiter öffnet für Menschen, die in unserem Land eigentlich keinen Platz haben dürfen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Lassen Sie mich ein kurzes Wort zur Ukraine sagen. Herr Bundeskanzler, vielen Dank, dass Sie das hier noch einmal dargestellt haben: Wir sind uns einig darüber, wie wir mit diesem Angriff Russlands auf die Ukraine umgehen müssen. Die anhaltenden Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung in Charkiw sind eine neue Qualität in diesem Krieg. Die Entscheidung, die Sie getroffen haben, dass Waffen, die aus Deutschland geliefert werden, jetzt auch auf militärische Ziele auf russischem Territorium eingesetzt werden dürfen, ist richtig.

Sie ist falsch!

Aber, Herr Bundeskanzler, was ist eigentlich zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen letzter Woche passiert? Am Donnerstagabend haben Sie das noch kategorisch abgelehnt, am Freitagmorgen haben Sie das plötzlich zugelassen. Was ist da in der Nacht passiert? Sie haben auch von dieser Stelle aus nicht begründet, was zu Ihrem Meinungswandel in dieser Frage beigetragen hat.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Hätten Sie zugehört, hätten Sie es verstanden!

Es ist nicht Besonnenheit; es ist Zögerlichkeit, es ist Ängstlichkeit, es ist Ausdruck Ihrer Politik eines ständigen Hin und Her, es ist Ausdruck einer falschen Lageeinschätzung. Ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel: Vor der Lieferung des Schützenpanzers Marder ganz am Anfang dieses Krieges haben Sie gewarnt, und zwar mit dem Hinweis, diese Lieferung werde eine „furchtbare Eskalation“ auslösen. Das waren Ihre Worte: eine „furchtbare Eskalation“. Eine furchtbare Eskalation hat es in diesem Krieg bisher ausschließlich für die Bevölkerung, für die Menschen in der Ukraine gegeben, für niemanden anderen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie zögern und zaudern und kommen mit Ihren Entscheidungen immer zu spät.

Ich mache eine Voraussage: Sie werden eines Tages zustimmen, auch den Marschflugkörper Taurus an die Ukraine zu liefern. Sie werden dem eines Tages zustimmen. Aber dann wird es wieder zu spät sein – zu spät für Tausende von Menschen und Soldatinnen und Soldaten in der Ukraine, die in der Zwischenzeit ihr Leben gelassen haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Albrecht Glaser [AfD]

Nun, lassen Sie mich abschließend sagen, meine Damen und Herren: Unsere Meinungsverschiedenheiten in vielen Bereichen der inneren und äußeren Sicherheit werden bleiben. Aber es geht in diesen Tagen nicht um uns.

Lachenbei Abgeordneten der SPD

Hier geht es immer nur um Sie!

– Es ist schön, dass Sie darüber lachen. Das sagt etwas über die Qualität Ihrer Fraktion aus. Dass Sie über einen solchen Satz hier lachen, sagt etwas über Sie aus.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich bleibe dabei: Es geht darum, dass wir wenigstens einen kleinen gemeinsamen Nenner finden, um zusammen das Richtige für unser Land zu tun. Ich biete Ihnen an, dass wir diesen Weg mit den demokratischen Fraktionen unseres Hauses gemeinsam gehen und dass wir gemeinsam versuchen, die drängenden Probleme unseres Landes zu lösen.

Grundgesetzänderung!

Wir sind selbstverständlich zu Kompromissen bereit. Kompromisse gehören zu einer Demokratie dazu. Aber, meine Damen und Herren, jetzt müssen Entscheidungen getroffen werden, bevor einige Probleme in unserem Land unlösbar werden.

Herzlichen Dank.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! 84 Millionen Menschen, davon 20 Millionen Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte, leben in diesem Land. Sie sind stolz darauf – jeder und jede –, was sie tun, was sie mit ihren Familien unternehmen, wie sie arbeiten, wie sie ihr Leben gestalten. Sie leben in Freiheit, in Sicherheit und in Selbstbestimmung in unserem Rechtsstaat, in unserer Demokratie. Das Grundgesetz, das vor einigen Tagen seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, ist für uns alle die Grundlage. Ich finde, wir alle können sehr stolz darauf sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Dazu gehört das Leben in Vielfalt. Egal ob jemand eine Religion hat oder ob jemand nicht glaubt, egal woher er oder sie kommt, egal in welcher Familienform er oder sie lebt – die Vielfalt macht unser Land aus. Unser Grundgesetz gibt die Grundlage für dieses Zusammenleben. Ich rate allen, sich jeden Tag darauf zu beziehen; denn es ist ein Geschenk, dass wir so leben können, in dieser Vielfalt. Danke.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, wir reden heute zu Recht über die Frage von Sicherheit, der inneren Sicherheit, der äußeren Sicherheit. Ja, wir sind im Vorfeld eines sportlichen Großereignisses, der EM. Ich glaube, viele von uns freuen sich riesig darauf, die Daumen sind gedrückt. Genau das, was ich gerade angesprochen habe, macht auch unsere Nationalmannschaft aus: die Vielfalt dieses Landes. Gucken Sie sich diese Mannschaft an! Ich finde, wir können stolz darauf sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Die innere Sicherheit ist in diesen Tagen wahrscheinlich gefährdeter denn je – durch Angriffe von Feinden der Demokratie.

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

Zu diesen Feinden der Demokratie gehören Rechtsextremisten, gehört der Rechtsextremismus, der Rechtsterrorismus und der gewaltbereite Islamismus.

Was ist mit dem Linksextremismus?

Zu dieser inneren Sicherheit gehört auch die Frage:

Sehr einseitig hier!

Wie sind wir auf die Katastrophen vorbereitet, die die Verschärfung der Klimakrise mit sich bringt?

Lachenbei der AfD

Und deshalb ist es wichtig, dass wir auch darüber sprechen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Das, was in Mannheim passiert ist – ein mutmaßlich islamistisch motivierter Anschlag –, ist zutiefst verabscheuungswürdig.

Der Tod des jungen Polizisten Rouven L. entsetzt uns alle und erschüttert bis ins Mark, seine Familie, seine Freunde, seine Angehörigen. Er hat gehandelt, um den Rechtsstaat, die Freiheit von uns allen, der Menschen, die in Mannheim auf dem Platz waren, zu verteidigen, und ist auf brutale Weise ermordet worden. Das ist bestürzend. Er ist im Dienst getötet worden, weil er die Grundsätze unserer Demokratie und Freiheit verteidigte. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen, den Freunden, den Kolleginnen und Kollegen. Ich weiß, wie viele Polizistinnen und Polizisten jeden Tag im Einsatz für das Gemeinwesen, für unsere Demokratie, für unsere Freiheit sind und Gesundheit und Leben riskieren. Und dafür verdienen sie unseren tiefen Respekt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie der Abg. Ingrid Pahlmann [CDU/CSU]

Allen Verletzten dieses Anschlags wünsche ich schnelle Genesung. Ich bin froh, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen hat; denn es wird wichtig sein, die Frage der Tatmotive, die Frage von Vernetzungsstrukturen, die Frage: „Gibt es Hintermänner, wie sind die Bezüge gewesen?“, schnellstmöglich aufzuarbeiten, damit der Rechtsstaat mit aller Härte reagieren kann.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Islamismus ist Feind unserer Demokratie. Er muss entschieden bekämpft werden.

Wieso holt ihr dann immer noch mehr rein?

Es gilt, unsere Demokratie zu schützen gegen die, die sie angreifen, die ihre Werte verhöhnen. Dazu gehört, dass Menschen, die bei uns Schutz suchen, selbstverständlich unsere verfassungsgemäße Ordnung und die Gesetze respektieren müssen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und wenn sie das nicht tun, was dann?

Menschen, die schwere Straftaten begehen, müssen nach Verbüßung der Strafe abgeschoben werden.

Das ist klar und eindeutig. Ich denke, das gilt für alle demokratischen Fraktionen im Haus. Das macht unseren Rechtsstaat aus, und das ist Grundlage unseres Handelns.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es ist klar, meine Damen und Herren: Wir haben in den letzten Monaten eine Reihe von Gesetzen und geltenden Regelungen verschärft. Mit dem Rückführgesetz sind die Regeln klar verschärft worden,

Ihr macht doch gar nichts! Das ist doch alles Geschwätz!

auch die Bedingungen im Hinblick auf Abschiebung, Abschiebegewahrsam und viele andere Fragen. Ich erwarte jetzt von den Ländern, dass das umgesetzt wird.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Von den Ländern!

Es ist Aufgabe des Innenministeriums, meine Damen und Herren, für alle Herkunftsländer kontinuierlich zu überprüfen, ob die bestehende Sicherheitslage die Durchführung von Abschiebungen zulässt. Dabei müssen zentrale rechtsstaatliche Fragen oder Sicherheitsfragen geklärt sein. Das Bundesinnenministerium – auch der Bundeskanzler hat es gerade angesprochen – hat nun angekündigt, dies für Afghanistan prüfen zu wollen.

Nicht prüfen, machen!

Das Bundesinnenministerium und auch die Länderinnenministerien werden darlegen müssen, wie das gehen soll. Wie soll man das machen mit einem Terrorregime,

Transall und ab!

das in Afghanistan herrscht und zu dem wir keinerlei Beziehungen haben, meine Damen und Herren?

Zurufevon der AfD

Deshalb ist die Frage, wie man mit diesem terroristischen System in Afghanistan eine solche Frage besprechen will. Auch wird zu klären und zu prüfen sein, für welches Drittland es attraktiv sein soll,

Was ist denn mit Rückführung nach Afghanistan?

Terroristen oder schwere Straftäter aufzunehmen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich bin gespannt,

welche Antworten wir darauf finden.

Was ist mit Rückführung nach Afghanistan?

Aber klar ist, glaube ich, jedem im Haus, dass es keine einfachen Antworten gibt.

Man muss es wollen!

Auf diese Antworten können wir zu dieser Stunde nicht einfach nur warten, sondern wir müssen unsere Sicherheitsbehörden stärken. Wir müssen klarmachen, dass wir auch handlungsfähig sind, während diese Fragen geprüft werden: im Hinblick auf die Prävention, im Hinblick auf die Deradikalisierung, im Hinblick auf die Frage: „Was ist mit dem Verbot des Islamzentrums in Hamburg, meine Damen und Herren?“,

und auch im Hinblick auf die Frage der Nachschärfung des Waffenrechtes. Hier gibt es jede Menge Vorbehalte im Haus. Aber wir wissen doch, dass Waffen nicht in die Hände von Verfassungsfeinden gehören.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Und deshalb muss es jetzt endlich auch eine Verschärfung des Waffenrechtes geben. Das sind ganz konkrete realpolitische Dinge, die jetzt anstehen und die gemacht werden müssen, meine Damen und Herren.

Wenn wir über Sicherheit reden, reden wir aber auch über die Menschen, die sich in diesen Tagen nicht in Sicherheit fühlen wegen der Klimakatastrophe und der Folgen durch das Hochwasser, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich habe mich gefragt, Herr Merz, warum Sie angesichts der sechs Toten, angesichts des unendlichen Leids der Menschen in Bayern, in Baden-Württemberg, jedes einzelnen persönlichen Schicksals einer Familie, die gerade alles verloren hat, weil ihnen alles weggeschwemmt ist, ihre Existenzgrundlage weg ist,

Zurufevon der AfD

kein einziges Wort dazu bei dieser Aussprache hier im Deutschen Bundestag finden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich habe mich gefragt, ob es daran liegt, Herr Merz, dass Sie sich noch vor Kurzem haben zitieren lassen mit den Worten: Die Politik nimmt den Klimaschutz zu ernst. Die Welt wird wohl nicht untergehen.

Wer hat das denn gesagt?

Jetzt sind wir in einer so dramatischen Situation.

Hat denn der Bundeskanzler was dazu gesagt?

Meine Damen und Herren, wir müssen wirksam vor Hochwasser und Wetterextremen schützen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das hat nicht nur die Ahrtal-Katastrophe, das hat nicht nur die Eifel, das hat Niedersachsen, das hat das Saarland, das haben jetzt Bayern und Baden-Württemberg gezeigt. Hochwasserschutz heißt nicht nur, darüber zu reden, sondern auch, zu machen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der Kanzler hat gerade das Klimaanpassungsgesetz, die Fragen der Klimaanpassung, die besseren Warnstufen angesprochen, die wir verankert haben. Aber wir brauchen viel mehr. Die Klimakrise muss konsequent bekämpft werden, und dazu braucht es Finanzmittel, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir werden den Menschen in Not dort helfen müssen. Wir können ihnen das nicht nur in Aussicht stellen. Das hat ganz konkret etwas mit unseren Lebensgrundlagen zu tun; denn wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt. Das ist kein hohler Spruch. Das ist Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Zuletzt will ich sagen: Ich bin froh – endlich –, dass wir auch im Hinblick auf die Ukraine das Signal gesetzt haben: Die Ukraine hat das Recht, sich selbst zu verteidigen. Das heißt auch, sich mit den Waffen, die sie bekommt, verteidigen zu können. Sie hat dieses Recht. Das ist völkerrechtlich verbrieft, und es ist gut und wichtig, dass diese Entscheidung auch mit den europäischen Partnern und Amerika so beschlossen ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Uns erreichen gerade in diesen Tagen aus Bayern und Baden-Württemberg sehr bedrückende Bilder. Dort sind mehrere Menschen im Hochwasser ums Leben gekommen, darunter ein Feuerwehrmann. Mein Dank und der Dank des ganzen Hauses – da bin ich sicher – gilt allen Einsatzkräften, allen Ehrenamtlichen, allen freiwilligen Helfern, die ihr Leben riskieren, um andere Menschen zu retten; denn ihr Einsatz ist nicht selbstverständlich. Herzlichen Dank für das, was Sie in Bayern und Baden-Württemberg tun!

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der AfD

Klar ist für uns, für die betroffenen Bundesländer, für den Bund, dass wir an der Seite derjenigen stehen, die zurzeit in dieser schwierigen Situation sind. Richtig ist auch das, was der Bundeskanzler gerade in Bezug auf die Versicherungsmöglichkeit sagte, die jedem gewährleistet werden soll. Ich füge eines hinzu, weil es wichtig ist und dem entgegensteht, was meine Vorrednerin gerade gesagt hat: Der Bund leistet seinen Beitrag für das, was wichtig ist, nämlich den vorbeugenden Hochwasserschutz. Als Niedersachse kann ich dazu aus Erfahrung einiges sagen; denn wir haben in den 2000er-Jahren intensiv in diesen vorbeugenden Hochwasserschutz investiert. Meine Erwartungshaltung ist, dass wir uns eines klarmachen: Wir können Starkregenereignisse und Hochwasser nicht verhindern. Aber durch vorbeugenden Hochwasserschutz können wir existenziell dazu beitragen, dass die Auswirkungen nicht so dramatisch sind. Das ist die gemeinsame Pflicht von Bund und Ländern, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben gestern, Frau Präsidentin, im Deutschen Bundestag eine Schweigeminute abgehalten. Am vergangenen Freitag ist in Mannheim ein junger Polizist im Einsatz für unsere Sicherheit ums Leben gekommen.

Er wurde ermordet!

Aber er ist nicht einfach nur ums Leben gekommen. Rouven L. ist brutal ermordet worden.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, bei seinen Freunden, bei seinen Kolleginnen und Kollegen, die ihn als engagierten Polizisten bezeichnen, der dahin ging, wo es brennt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Rouven L. ist für unsere Freiheit gestorben. Er ist in diesen Tagen ein wahrer Held. Wir verneigen uns vor Rouven L., meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der AfD

Gleichzeitig richten wir als verantwortliche Politiker unsere Augen auf die Ursachen. Der Täter, der Mörder, ist 2013 als Asylbewerber zu uns nach Deutschland gekommen. Bereits im Jahr 2014 wurde sein Asylantrag abgelehnt. Es ist jahrelang nicht gelungen, ihn in seine afghanische Heimat abzuschieben. Es gibt Anzeichen dafür, dass er sich in der Vergangenheit zunehmend radikalisiert hat. Verehrter Herr Kollege Merz, Sie haben hier viele richtige Worte gefunden, auch dazu, was der Bundeskanzler sagte, welche Konsequenzen wir hier ziehen; darauf komme ich gleich noch einmal zu sprechen. Aber das Problem liegt ja nicht im Staatsangehörigkeitsrecht begründet. Das Problem liegt darin, dass in der Vergangenheit, insbesondere als es politisch noch leichter möglich war, nicht nach Afghanistan abgeschoben worden ist. Islamisten haben in Deutschland nichts zu suchen. Sie müssen unser Land verlassen. Dafür zu sorgen, ist die Pflicht und Schuldigkeit von verantwortlichen Politikern heute, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Alexander Ulrich [BSW]

Wir sehen ja spätestens seit dem 7. Oktober, seit dem furchtbaren Angriff der Hamas auf Israel, dass es immer wieder und immer öfter zu abscheulichen öffentlichen Szenen und antisemitischen Vorfällen in Deutschland kommt. Jüdinnen und Juden fühlen sich teilweise nicht mehr sicher, einige verlassen aus Angst das Land. Das halte ich für eine Schande, und es beschämt mich zutiefst, meine Damen und Herren. Deswegen sage ich auch an der Stelle sehr eindeutig: Es war eine richtige Entscheidung dieser Koalition, das Staatsangehörigkeitsrecht, das Recht, deutscher Staatsbürger zu werden, daran zu knüpfen, dass man kein Antisemit ist. Antisemiten gehören nicht nach Deutschland, liebe Kolleginnen und Kollegen. Sie sollten unser Land am besten direkt verlassen. Das sage ich in aller Deutlichkeit und Härte.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Gesetz ist trotzdem schlecht! Es gehört weg!

Wenn die Zahl von Hass- und Gewalttaten ansteigt, dann ist es unsere Pflicht, die Ursachen zu bekämpfen. Zu diesen Entscheidungen gehört auch – der Bundeskanzler hat es vorhin gesagt –, dass wir gemeinsam mit den Ländern entschlossener handeln müssen. Ja, ich erwarte auch das Verbot islamistischer Vereine wie des Islamischen Zentrums in Hamburg und seine Schließung. Das sollte so schnell wie möglich geschehen.

Zurufdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Wir müssen gegen antisemitische Hetze in den sozialen Medien vorgehen; Tiktok wurde als Beispiel genannt. Das muss verfolgt und geahndet werden. Antisemitische Demonstrationen müssen untersagt werden, und sie müssen aufgelöst werden, meine Damen und Herren. Das ist die Pflicht und Schuldigkeit aller rechtsstaatlichen Behörden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Ihre Regierung!

Der Bundeskanzler hat es vorhin erwähnt – ich teile es, gerade als Konsequenz dessen, was wir schrecklicherweise in den letzten Tagen erlebt haben –:

Er redet, als wäre er in der Opposition!

Die Abschiebung islamistischer Straftäter nach Afghanistan und Syrien muss ermöglicht werden.

Ich sage das in aller Klarheit und Deutlichkeit: Wer hier bei uns islamistisch motivierte Straftaten begeht – von Volksverhetzung und Judenhass bis hin zu schweren Gewalt- und Tötungsdelikten –, der bedarf offenkundig keines Schutzes vor islamistischen Regimen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Das muss jetzt nur noch das Auswärtige Amt kapieren!

Wir werden deswegen auch den Weg der Kontrollen weitergehen. Wir haben entschieden, temporäre Kontrollen an den Binnengrenzen durchzuführen. Wir reduzieren die Pull-Faktoren.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Für Asylbewerber haben wir die Wartezeit auf die sogenannten Analogleistungen von 18 auf 36 Monate verlängert. Wir haben die Länder davon überzeugt, die Bezahlkarte einzuführen.

Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Migrationsabkommen werden geschlossen. Speziell für Intensivstraftäter und Straftäter mit antisemitischem Hintergrund wird die Ausweisung erleichtert. Wir haben ein Rückführungspaket beschlossen, und wir müssen weitere Schritte gehen.

Ich will zum Schluss sagen: Wichtige Weichen an der Stelle werden auch auf europäischer Ebene gestellt. Die Reform der gemeinsamen Asylpolitik ist ein erster wichtiger und richtiger Schritt. Aber ich sage auch: Das Europarecht verpflichtet uns derzeit, über das Asylrecht und die Genfer Flüchtlingskonvention hinaus subsidiären Schutz zu gewährleisten. Die Gruppe der subsidiär Schutzberechtigten ist in Deutschland schon lange nicht mehr subsidiär, sondern bildet die mit Abstand größte Gruppe. Deshalb erwarte ich auf europäischer Ebene, von der kommenden Europäischen Kommission einen Vorschlag, wie das Recht auf subsidiären Schutz auf ein angemessenes Maß reduziert werden kann.

Ich will es zusammenfassen: Die Gewährleistung von innerer und äußerer Sicherheit ist die Kernaufgabe dieses Staates, und sie sollte uns ein gemeinsames Anliegen sein.

Wir sind total dafür!

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lars Klingbeil
Foto: SPD/ Maximilian König
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hinter uns liegt eine Woche, die uns alle mitgenommen hat, die uns erschüttert hat, die zeigt, wie turbulent die Zeiten sind, in denen wir leben.

„Turbulente Zeiten“?

Und ich will sagen: Es war richtig, dass der Bundeskanzler heute eine Regierungserklärung abgegeben hat zu dem, was wir in den letzten Tagen erlebt haben, vor allem zu dem brutalen Mord an einem jungen Polizisten in Mannheim. Es braucht in diesen Tagen klare Worte. Es braucht klares und konsequentes Handeln. Ich bin dem Bundeskanzler dankbar dafür, dass er diese Worte heute im Parlament gefunden hat

Zurufdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

und dass er einen Weg vorgegeben hat, wie wir mit den Herausforderungen, mit den Problemen, die gerade bestehen, umgehen. Die Regierung hat unsere volle Unterstützung, diesen Weg konsequent und schnell umzusetzen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen uns als Politik jeden Tag fragen, was wir besser machen können, um die Sicherheit, die Freiheit und den Wohlstand unserer Bürgerinnen und Bürger im Land zu schützen und zu gewährleisten. Und ja, Herr Merz, Sie haben recht: Nicht alle Antworten gibt allein die Regierung. Ich glaube, es ist wichtig – auch dafür dient diese Debatte –, dass wir hier, in der breiten demokratischen Mitte dieses Parlamentes, um die richtigen Antworten ringen, dass wir uns austauschen, dass wir uns gegenseitig Ideen vorstellen, dass wir dann aber auch konsequent und schnell in die Beratung im Parlament gehen, dass wir die Kraft haben, als Parlament die richtigen Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Ich will das für die SPD explizit sagen: Wir wollen diesen Weg in der demokratischen Mitte dieses Parlamentes gemeinsam gehen, wir wollen ihn schnell und zügig gehen. Aber ich sage auch: Wir werden nicht zulassen, dass die grausamen Vorfälle der letzten Tage parteipolitisch instrumentalisiert werden. Das darf nicht passieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der hinterhältige und offenbar islamistisch motivierte Mord am Polizisten Rouven L. in Mannheim, er ist furchtbar, er ist sinnlos, er ist menschenverachtend. Mir fehlten in den ersten Stunden die Worte. Er war ein junger Polizist, der im Einsatz für unsere Freiheit und unsere Demokratie ermordet wurde. Mit 29 Jahren hatte er noch ganz viel Leben vor sich und ist viel zu früh von uns gegangen. Es ist viel über den Mut von Rouven L. gesagt worden, auch in dieser Debatte. Wir alle sind ihm zu Dank verpflichtet.

Aber ich möchte diesen Dank und unseren Respekt auf alle Polizistinnen und Polizisten ausweiten, die oft unter schwierigen Bedingungen ihren Dienst tun. Sie tun das für uns alle. Für alle Polizisten ist der Dienst herausfordernder geworden. Sie sind oftmals ein Schutzwall zwischen Rechtsstaat, Demokratie und denjenigen, die unseren Rechtsstaat missachten. Ich glaube, dass dieser grausame Mord auch den Blick von vielen Polizistinnen und Polizisten auf ihren Berufsalltag verändert. In Zeiten, in denen die Angriffe auf unsere Demokratie und unsere Freiheit zunehmen, müssen wir uns als Verantwortliche in der Politik auch immer wieder fragen, wie wir die Arbeitsbedingungen für unsere Polizei verbessern können, auf der Landesebene und auch im Bund. Ich sehe uns als Politik, als Gesellschaft in der Verantwortung.

Nicht fragen! Machen! Sie regieren!

Sie sollen nicht fragen, sondern machen! Sie sind in der Regierung!

Und weil ich Jochen Kopelke, den Vorsitzenden der GdP, oben auf der Tribüne gesehen habe, will ich hier stellvertretend sagen: Sehr geehrter Herr Kopelke, vielen Dank für den Dienst, den die Polizistinnen und Polizisten in unserem Land leisten.

Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Es ist unsere Aufgabe, den Schutz derjenigen, die uns beschützen, zu stärken. Die SPD wird dieser Verantwortung nachkommen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Christian Dürr [FDP]

Wir haben in den letzten Wochen erlebt, dass die Bereitschaft, Gewalt einzusetzen, um politische Ziele zu verfolgen oder Menschen mundtot zu machen, zugenommen hat. Mein Kollege Matthias Ecke ist angesprochen worden, auch Herr Kiesewetter und Herr Koch. Vertreterinnen und Vertreter von allen politischen Parteien sind in den letzten Wochen tätlich angegriffen worden. Ich will das mit aller Klarheit sagen: Wir verurteilen jede Gewalt. Ich verurteile jede Gewalt. Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Da gibt es kein „Ja, aber“, da gibt es keine Verharmlosung, keine Relativierung. Gewalt hat in der politischen Auseinandersetzung keinen Platz, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Christian Dürr [FDP]

Wenn ich mit Bürgermeistern, mit Kommunalpolitikern rede, die darüber nachdenken, aufzuhören, wenn ich mit Feuerwehrleuten, mit Polizisten, mit anderen Helfern rede – ich habe gerade in diesen Tagen einige Vertreterinnen und Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, des THWs bei mir, die in meinem Wahlkreis zum Jahreswechsel geholfen haben, das Hochwasser zu bekämpfen –, dann ist doch klar: Es ist unsere Aufgabe, dass wir uns schützend vor diese Menschen stellen, die angegriffen werden bei dem, was sie täglich für unser Land und unsere Demokratie leisten. Das ist eine Aufgabe, die wir als Politik haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallder Abg. Heike Baehrens [SPD]

Wenn ich auf der anderen Seite in diesen Tagen nach Bayern und Baden-Württemberg blicke und sehe, wie dort auch von vielen Ehrenamtlichen das Hochwasser bekämpft wird, dann zeigt das doch, wie stark der Zusammenhalt und die Solidarität in unserem Land sind. Das ist etwas, was Hoffnung macht und auch zeigt, was das moderne Deutschland eigentlich ausmacht.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, auf die Lauten, auf die Schreihälse zu hören und uns von denen die politische Debatte diktieren zu lassen. Die Lauten und die Schreihälse, die mit dem Megafon auf der Straße oder im Netz unterwegs sind und aufstacheln, sind doch nicht die Mehrheit in diesem Land. Die Egoisten sind doch nicht die Mehrheit in diesem Land.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Leisen, die Fleißigen, die Vernünftigen, die Solidarischen, die Warmherzigen, die Zugewandten, die Engagierten, die guten Nachbarn, die wir alle kennen, sie sind die Mehrheit.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Es sind diejenigen, die die Gewalt verurteilen, die sich jetzt in Mannheim solidarisch getroffen haben und des ermordeten Polizisten gedacht haben. Das ist die große Mehrheit in diesem Land, und für die, liebe Kolleginnen und Kollegen, müssen wir jeden Tag unsere Arbeit in den Mittelpunkt stellen. Für die sind wir verantwortlich, für die machen wir Politik.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir über eine gesellschaftliche Spaltung in diesem Land reden, dann will ich hier klar sagen: Ja, diese Spaltung gibt es. Aber diese Spaltung macht sich doch nicht an Hautfarbe, nicht an Alter, nicht an Religion, nicht an der Geburtsstadt fest. Diese Spaltung macht sich doch nicht fest an der Art, wie wir leben oder ob und welches Auto wir fahren. Diese Spaltung macht sich daran fest, dass es die gibt, die in Frieden und Freiheit leben wollen, und dass es diejenigen gibt, die auf Gewalt, Fanatismus und auf Extremismus setzen – und die müssen wir gemeinsam bekämpfen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Lieber Herr Merz, ich will das hier einmal für mich festhalten: Wir haben mit der stärksten demokratischen Opposition gut zusammenarbeitet bei vielen Fragen, was die Ukraine angeht. Es gibt Unterschiede, aber wir haben es geschafft, einen gemeinsamen Weg zu finden. Sie haben in dieser Woche eine Zusammenarbeit im Kampf gegen den Islamismus angeboten. Ich will dieses Angebot hier ausdrücklich aufnehmen. Das ist eine Verantwortung, die wir als Demokratinnen und Demokraten haben. Wir werden als SPD, als führende Kraft in der Regierung, diesen Kampf vorantreiben, und wir zählen dabei auf Ihre Unterstützung.

Es gibt aber auch ein anderes Thema, das ich hier ansprechen möchte. Lieber Herr Merz, als ich am Sonntag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ das Interview Ihres Kollegen Manfred Weber gelesen habe, musste ich es dreimal lesen. Er sagt darin, dass er eine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen in Italien lieber habe als mit den Sozialdemokraten und den Grünen. Ich will festhalten: Ich hätte mir gewünscht, dass Sie auch hierzu heute Worte finden.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufeder Abg. Sebastian Münzenmaier [AfD] und Martin Reichardt [AfD]

Wir verteidigen unseren Rechtsstaat nicht, indem wir die Tür für die Extremisten öffnen. Wir brauchen Koalitionen in der Mitte, sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union, wenn wir unseren Kontinent gegen die Feinde der Demokratie verteidigen wollen.

Welche Verzweiflung in der SPD!

Die Grünen haben das GEAS abgelehnt! Das ist die Mitte!

Hier und heute wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, zu erklären, ob Ihre Worte, Herr Merz, eigentlich gelten, dass es keine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen und Rechtspopulisten gibt,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

oder ob der Weg von Frau von der Leyen oder Manfred Weber gilt, dass man bereit ist, mit denen nach der Europawahl nach Mehrheiten zu suchen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den kommenden Wochen wollen wir ein guter Gastgeber bei der Europameisterschaft sein. Millionen Menschen werden nach Deutschland schauen, sie werden hier zu Gast sein, und wir wollen gute Gastgeber sein. Weil es in den letzten Wochen eine Debatte gab, wer dazugehört, will ich das für mich und für uns hier noch mal sehr klar sagen: Wir lassen uns Schwarz-Rot-Gold nicht von den Rechtsextremen und den Rechtspopulisten wegnehmen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Schwarz-Rot-Gold, das heißt gerade in diesen Tagen, dass İlkay Gündoğan, Jamal Musiala und Jonathan Tah dazugehören. Das ist das moderne Deutschland, auf das wir stolz sein können, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das lassen wir uns von den Feinden der Demokratie nicht kaputtmachen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Sebastian Münzenmaier [AfD]
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
18 Vermerkeca. 825 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Am vergangenen Sonntag haben zwei Menschen ihr Leben verloren: ein Feuerwehrmann in Pfaffenhofen und ein Polizist in Mannheim. So unterschiedlich diese schrecklichen Ereignisse auch sind, sie machen beide deutlich, welche Gefahren viele Haupt- und Ehrenamtliche in Deutschland einzugehen bereit sind, um anderen, um uns zu helfen. Für diesen Einsatz danken wir Ihnen, den Rettungs- und Hilfskräften der Polizei, den Soldatinnen und Soldaten, von ganzem Herzen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und erlauben Sie mir einen Hinweis: Wenn sich in die Trauer um einen ermordeten Polizisten sofort die teils reflexartige Kritik an Polizei und Polizeieinsätze mischt, dann ist das schlicht beschämend, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir haben die beste Polizei der Welt; wir brauchen auch keine andere. Und wir sollten einfach nur Danke sagen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

All die Menschen, die immer noch gegen das Hochwasser kämpfen, haben unser Mitgefühl. Aber es ist schon auch frustrierend, festzustellen, dass nach jedem Hochwasser die immer wiederkehrende Diskussion über die Einführung einer Elementarschadenversicherung beginnt. Herr Bundeskanzler, Sie haben heute hier gesagt: Bei der Elementarschadenversicherung kommen wir voran. – Vor zwei Jahren haben die Ministerpräsidenten Sie aufgefordert, die Elementarschadenversicherung einzuführen. Vor einem Jahr haben Sie eine Arbeitsgruppe zur Einführung der Elementarschadenversicherung einberufen. Wir haben im Deutschen Bundestag einen Antrag gestellt, die Elementarschadenversicherung einzuführen.

Zurufder Abg. Bettina Hagedorn [SPD]

Machen Sie aus Ihren Ankündigungen endlich Realität! Führen Sie die Elementarschadenversicherung ein! Unserem Antrag können Sie heute zustimmen; dann haben wir noch in diesem Jahr eine neue Regelung für eine Elementarschadenversicherung für alle in Deutschland.

Herr Bundeskanzler, wir sind Ihnen dankbar für Ihre Zusagen heute, dass der Bund an der Beseitigung der Schäden mitwirken wird. Aber ich bitte Sie auch eindringlich: Sorgen Sie dafür, dass die Haushaltskürzungen für THW und Katastrophenschutz wieder rückgängig gemacht werden! Wer von Krisenvorsorge redet, der muss diejenigen unterstützen, die die Krisenvorsorge leisten,

Das machen wir regelmäßig!

und darf sie nicht schädigen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Bilder vom Marktplatz in Mannheim werden in unserem Land noch sehr lange nachwirken: ein brutaler Mord am Polizisten Rouven Laur, verübt von einem Islamisten auf einem deutschen Marktplatz.

Unter Merkel hier reingekommen!

Jetzt wurde viel darüber gesprochen, dass das ein Angriff auf die Demokratie, auf unsere Freiheit, auf uns alle ist. Ja, das stimmt. Aber was folgt denn jetzt daraus? Die Menschen in unserem Land spüren doch, dass etwas in Unordnung geraten ist. Kalifat-Demonstrationen auf den Straßen, Angriffe auf Politiker, Antisemitismus an den Hochschulen, Mord an Polizisten: Das alles sind Attacken auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Aber die Bürger wollen nicht nur Bedauern und Ankündigungen in Reden, sondern sie wollen, dass Maßnahmen im Gesetzblatt stehen. Das ist jetzt die Aufgabe der Politik.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Bilder verändern das Sicherheitsgefühl; sie verändern auch die Stimmung in Deutschland. Und es sind nicht nur diese entsetzlichen Bilder, sondern es ist auch der Umgang mit diesem schrecklichen Ereignis. In einem Kommentar auf der Onlineseite eines bekannten Magazins ist zu lesen:

„Dass Polizisten im Dienst ums Leben kommen, ist bedauerlich. Jeder tote Polizist ist einer zu viel. … Aber Bauarbeiter leben gefährlicher.“

Das ist nichts anderes als eine Relativierung von islamistischem Terror und Mord, und das vergiftet die Stimmung in unserem Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der AfD und der Abg. Dr. Rolf Mützenich [SPD] und Omid Nouripour [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und mit wem ändern wir das?

Darauf kann es nur eine klare politische Reaktion geben: Wenn die Gewalttaten zunehmen, dann müssen die Gesetze schärfer werden. Beim Islamismus wurde zu lange weggeschaut. Den Expertenkreis Politischer Islamismus hat die Innenministerin abgeschafft.

Der hätte auch nicht verhindern können, was in Mannheim passiert ist!

Wenn es hier im Plenum um den politischen Islam geht, wird das immer wieder entweder als pauschale Islamkritik oder als Rassismus diffamiert. Liebe Frau Faeser, wann setzen Sie den Expertenkreis Politischer Islamismus wieder ein? Es war ein Fehler, ihn abzuschaffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Es braucht einen Aktionsplan „Politischer Islam“ mit klaren Inhalten. Kalifat-Forderungen sind strafrechtlich zu verfolgen. Islamistische Organisationen sind zu verbieten. Wer islamistischen Terror verbreitet, muss die deutsche Staatsbürgerschaft verlieren, und wer islamistischen Hass predigt, der hat unser Land zu verlassen.

Aber die zuständige Ministerin hört lieber nicht zu!

Das muss eine wehrhafte Demokratie in so einer Situation leisten können. Das ist ihre Aufgabe, und es ist auch Ihre persönliche Aufgabe, Herr Bundeskanzler.

Sie haben heute erneut angekündigt, nach Afghanistan und Syrien abschieben zu wollen. Ich habe nicht festgestellt, dass Ihre Einschätzung in Ihrer Koalition auf ungeteilte Zustimmung stößt. Frau Haßelmann hat sehr, sehr deutlich gemacht, dass sie an Abschiebungen nach Afghanistan

… kein Interesse hat!

nicht glaubt. Frau Baerbock hat vor Kurzem gesagt: Wir haben „keine Botschaft vor Ort, die die Rückführungen begleiten könnte“. Frau Dröge hat gesagt, Deutschland schiebe nicht in Länder ab, in denen Menschen mit dem Tode bedroht würden; sie finde diesen Grundsatz richtig. So ihre Formulierungen!

Das ist das Gesetz in Deutschland!

Herr Bundeskanzler, was gilt jetzt? Hat der Teil der Ampel recht, der sagt: „Es geht nicht“, weil er es wahrscheinlich nicht will, oder haben Sie recht, der vielleicht will, aber nicht sagt, wie es geht? Ich sage Ihnen: Mit diesen Grünen werden Sie keine Abschiebungen nach Afghanistan hinbekommen; denn sie wollen das schlichtweg nicht.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Und abschließend an die Kollegen der SPD: Sehr geehrter Herr Wiese, Sie haben öffentlich gesagt, Sie wollen jetzt die Sicherheitslage in Afghanistan prüfen. Aber es geht nicht um die Sicherheitslage in Afghanistan. Es geht um die Sicherheitsherstellung in Deutschland. Das ist Ihre Aufgabe, meine Damen und Herren!

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]
Porträt von Omid Nouripour
Foto: Omid Nouripour/Stefan Kaminski
15 Vermerkeca. 742 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Dobrindt, ich danke Ihnen für Ihre guten Worte in Richtung THW, Katastrophenschutz und Feuerwehr; ich teile das. Ich darf das im Namen meiner Fraktion sagen: Wir stehen an der Seite gerade dieser Leute, die massiv unter Druck stehen, Unglaubliches leisten müssen. Die allermeisten von ihnen arbeiten ehrenamtlich; auch deshalb kann ich das nur teilen. Ein gigantischer Dank an diejenigen, die dort diese Arbeit leisten!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich hätte mir aber auch gewünscht, dass Sie vielleicht drei Takte dazu gesagt hätten, dass seit 2018 die gesamte Arbeit am Hochwasserschutz in Bayern einfach eingestellt worden ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist vollkommen falsch! 4 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert!

Auch das muss man diesen Leuten sagen. Wir schulden es ihnen, dass auch das ausgesprochen und endlich ausgebessert wird. Zum Thema Hochwasserpolder muss man einfach einmal googeln; dann weiß man, was alles nicht gemacht worden ist.

Oder einfach mal die Unterlagen vom Bayerischen Landtag anschauen!

Das ist nicht seriös, solche falschen Behauptungen hier aufzustellen!

Ich würde in meiner Redezeit aber in erster Linie gerne über Mannheim sprechen; denn es ist grauenvoll, zu sehen, was dort passiert ist. Dieser bestialische Mord hat uns alle massiv getroffen. Und ja, es ist unser Job, alles zu tun, um unsere Gesellschaft, unsere Demokratie zu schützen. Der Islamismus ist eine massive Gefahr für unsere Demokratie und für unsere Gesellschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Diesen Islamismus müssen wir bekämpfen, und zwar national wie international.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal – es ist mehrfach gesagt worden; aber wir können das nicht oft genug machen – nicht nur des ermordeten Polizisten gedenken, sondern auch der Polizei danken. Die Polizistinnen und Polizisten in diesem Land haben über 20 Millionen Überstunden angesammelt. Trotzdem leisten sie ihren Dienst, und trotzdem riskieren sie ihr Leben für unsere Sicherheit. Dafür kann man nicht ausreichend danken, und wir müssen alles dafür tun, damit die Polizei ihre Arbeit auch gut machen kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das ist eine Aufgabe aller demokratischen Kräfte und Parteien in diesem Land.

Natürlich gilt es, dass wir jetzt Konsequenzen aus dem ziehen, was wir in Mannheim gesehen haben. Und ja, dazu gehört natürlich auch die Frage der Bestrafung, und zur Bestrafung gehört – das ist Gesetzeslage in diesem Land –, dass Menschen ab einem bestimmten Maß der Straftat ihr Aufenthaltsrecht in diesem Land verwirkt haben. Wer hier in diesem Land unser Grundgesetz missachtet, wer mit einem Messer auf Polizisten und auch auf andere losgeht, wer die Meinungsfreiheit mit brutaler Gewalt bedroht, der hat sein Aufenthaltsrecht in diesem Land verwirkt. Diese Leute wollen wir hier in diesem Land nicht haben, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Trotzdem ist es notwendig, dass bei der Prüfung, die jetzt erfolgt, auch keine Illusionen geschürt werden; denn es ist nicht so einfach, nach Afghanistan abzuschieben. Ich will hier einfach mal ganz kurz ein paar Dinge benennen.

Verehrter Herr Merz, es stimmt nicht, dass Deutschland Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan leistet; das ist einfach nicht richtig. Was dort geleistet wird, ist – unter internationaler Aufsicht – humanitäre Hilfe. Das ist im Übrigen dieselbe Diskussion, die wir hier vor sechs Monaten auch hatten, als es um Gaza ging. Dementsprechend sollte man bei dieser Frage auch tatsächlich akkurat bleiben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb: Wenn wir davon sprechen, dass wir den Islamismus bekämpfen wollen, auch international, und weil wir es bei den Taliban mit Steinzeitislamisten zu tun haben, ist das Erste, was nicht passieren darf, deren Anerkennung. Das wäre ein gigantischer internationaler Rückenwind für diese Barbaren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Zweitens darf bei Deals mit denen kein Geld fließen, weil die dieses Geld nutzen, um Terrornetzwerke auch bei uns in Deutschland zu finanzieren. Wer leichtfertig sagt: „Lasst uns mit den Taliban reden“, dem sollte klar sein: Das ist eine Terrororganisation, die Landstriche besetzt und Terror ausübt.

Deswegen lassen wir die auch alle rein!

Das macht die Hamas in Gaza auch. Würden wir mit der Hamas reden wollen? Nein, ganz sicher nicht. Dementsprechend sollte man da sehr vorsichtig sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Frage der Abschiebung in Drittstaaten wird ja gerade geprüft. Ich kann nur davor warnen, zu glauben, dass die Leute an die afghanische Grenze gelassen werden und nicht in drei Monaten wieder hier sind. Dementsprechend ist es gescheit, das Gesamtbild zu sehen und nicht so zu tun, als wäre das alles einfach.

Wovon sprechen Sie eigentlich gerade? Von der gleichen Regierung, der der Bundeskanzler Scholz vorsteht?

Die großen Lösungen, die komplex sind, muss man auch wagen; die sind nämlich nicht einfach.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Man muss auch einfach mal machen!

Das heißt, IZH schließen, das heißt, Radikalisierungsstrukturen in unserem Land zerschlagen, das heißt, die europäische nachrichtendienstliche Zusammenarbeit so verstärken, dass diese Informationen auch systematisch fließen, und das heißt, keine einfachen Antworten geben, weil es sie nicht gibt, und alles, was notwendig ist, tun, damit wir unsere Gesellschaft schützen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Saskia Esken [SPD]

Die Islamisten sind eine Gefahr für unser Land. Wir können sie nicht tolerieren; wir müssen sie als Demokratie miteinander bekämpfen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
7 Vermerkeca. 602 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundeskanzler, Ihre Worte klingen nach, als Sie uns hier mal als „Jungs und Mädels“ angesprochen haben, was in unser beider Alter – Jahrgang 1958 – natürlich schon kühn ist. Als Herrn Plötner entfleuchte, dass ich ihn nerve, war das durchaus eine sehr ehrliche, den Menschen nicht fremde Gefühlsregung. Auch ich konnte es nicht lassen, Ihre Entscheidungen, Herr Bundeskanzler, entsprechend meiner Gemütslage zu attribuieren. Vermutlich sollten wir alle gemeinsam einmal tief durchatmen.

Wir merken: Es geht um unsere Zukunft. Es geht um unseren Rechtsstaat, unsere Freiheit, um den Frieden in unserem Land, den Frieden im Inneren und Äußeren. Aber wo waren alle, als es unübersehbar wurde, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die unseren Wohlstand lieben, aber unsere Freiheit hassen? Wo waren alle, als der Hass der Despoten uns offenkundig entgegenschlug? Wo war der Aufschrei, als Putin die Krim annektiert und den Donbass angegriffen hat? Dröhnendes Schweigen!

Durch Naivität und Ignoranz wurden die subtilen und dann immer sichtbareren Angriffe auf unsere Lebensweise unterschätzt. Die Folgen der Toleranz den Intoleranten gegenüber bekommen wir jetzt beinhart zu spüren. Wir sehen, dass die Handlanger Putins auch hier unter uns sind, auch in diesem Plenarsaal. Es beginnt ganz rechts bei Frau Weidel, und es endet ganz links bei Frau Wagenknecht.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Im Wahlkampf kommen sie aus ihren Löchern. Sie versuchen, uns mundtot zu machen und diejenigen abzuschrecken, die sich politisch engagieren wollen, und ich danke der Polizei, dem BKA, den Sicherheitskräften, dass es überhaupt noch möglich ist, auf öffentlichen Plätzen Wahlkampf zu machen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Sebastian Hartmann [SPD]

Sind Sie eigentlich noch bei Trost? Was ist denn das für ein Mist?

Meine Damen und Herren, nicht nur Europa, die ganze Welt schaut auf Deutschland. Wir leben in einem Land, in dem wir es durch Innovationsfreude und den Fleiß der Bürgerinnen und Bürger, durch günstige Energie, durch einen riesigen chinesischen Absatzmarkt und geschützt durch die USA zu Wohlstand gebracht haben. Herr Bundeskanzler, Sie haben zu Recht nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine den Begriff „Zeitenwende“ geprägt. Treffender konnte man es nicht beschreiben; denn die Lage ist heute eine völlig andere. Der Journalist Vassili Golod beschreibt die Lage in der Ukraine so:

„Russland tötet weiter ukrainische Zivilisten, … vernichtet weiter ukrainische Kraftwerke, besetzt weiter ukrainisches Staatsgebiet. Russland führt weiter Krieg, weil der Westen nicht entschieden genug vorgeht.“

Meine Damen und Herren, Deutschland ist engagiert, aber nicht schnell genug. Wir loben uns, wenn wir etwas Neues an die Ukraine liefern, klopfen uns auf die Schultern, weil wir noch mehr machen als unsere Nachbarn. Aber wir sind für Putin komplett berechenbar. Russland verfolgt jeden unserer Schritte und richtet die eigene Strategie danach aus.

Es ist richtig, Herr Bundeskanzler, dass Sie grünes Licht gegeben haben, dass die Ukraine die Raketenabschussrampen auch auf russischem Boden zerstören darf. Und ja, das muss man den Bürgern erklären. Nicht eigene rote Linien ziehen, sondern jetzt konsequent handeln! Denn es gibt nur eine einzige rote Linie, die überschritten worden ist, und zwar vom russischen Präsidenten am 24. Februar 2022.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Er hat die ganze Welt angezündet, und die Freunde des Brandstifters leben als Brandbeschleuniger auch unter uns. Es gilt, diese perfide Dimension des russischen Angriffs zu benennen; denn nichts fürchtet Putin mehr als konsequente Reaktionen.

Ein Letztes. Dass Russland selbstverständlich diesen Krieg gewinnt, ist ein russisches Narrativ. Die Vereinigten Staaten haben den Vietnamkrieg verloren, Russland ist in Afghanistan einmarschiert und als geprügelter Hund nach Hause zurückgekommen. Es gibt keinen Automatismus, dass der Starke den vermeintlich Schwachen besiegt. Aber es gibt unsere Antwort darauf, indem wir den Opfern zur Seite stehen und nicht zulassen, dass solche Despoten wie Putin mit ihrem Imperialismus Erfolg haben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen: Lassen Sie uns entscheiden, lassen Sie uns mutig sein und auf der Seite der Freiheit stehen!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Gabriela Heinrich
Foto: Photothek Media Lab
5 Vermerkeca. 491 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler! Meine Damen und Herren! Der Messerangriff in Mannheim, das Hochwasser, die Lage im Nahen Osten: All das sind drängende Themen, die völlig zu Recht viel Raum in den Medien, in der Politik und in den Gesprächen der Menschen einnehmen. Das gilt weiterhin auch für den russischen Angriff auf die Ukraine. Tag für Tag gehen das Sterben, die Zerstörung und das Leiden in der Ukraine weiter. Ich bin Olaf Scholz sehr dankbar, dass für ihn die Unterstützung der Ukraine nicht nur in seiner heutigen Regierungserklärung eine wichtige Rolle spielt.

Mit großer Sorge haben wir in den letzten Tagen und Wochen auf Charkiw geschaut. Mit Raketen und Drohnen terrorisiert Russland die Menschen in der Millionenstadt – jeden Tag, jede Nacht. Wenn zivile Infrastruktur derart gezielt von der Grenze aus beschossen wird, zerbombt wird, muss es möglich sein, russische Angriffswaffen auch auf russischem Territorium auszuschalten. Deshalb war die Entscheidung des Bundeskanzlers, diese Verteidigung mit deutschen Waffen zu ermöglichen, konsequent und folgerichtig.

Beifallder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das Schicksal Charkiws berührt mich besonders, weil die Stadt seit 1990 eine Partnerschaft mit meinem Wahlkreis Nürnberg verbindet. Ich will an dieser Stelle den vielen Engagierten auf kommunaler Ebene, ob in Nürnberg oder in anderen Orten unseres Landes, meinen großen Dank aussprechen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Für uns ist klar: Unsere Freiheit und Sicherheit werden in der Ukraine verteidigt. Die Ukraine zu unterstützen, ist nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern in unserem ureigenen Interesse. Solange es notwendig ist, müssen und werden wir der Ukraine helfen, sich zu verteidigen. Dabei stimmen wir uns eng mit den Bündnispartnern ab und passen unsere Unterstützung an die Entwicklung des Krieges an, so wie wir es eben vor wenigen Tagen getan haben. Dafür steht Olaf Scholz.

Unsere Hilfe besteht jedoch, wie fast alle hier anerkennen, nicht nur aus Waffenlieferungen. So unterstützen wir die Friedenskonferenz in der Schweiz Mitte Juni und richten nächste Woche gemeinsam mit der Ukraine die internationale Wiederaufbaukonferenz in Berlin aus. Das, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, ist ein sehr deutliches Zeichen unseres starken Engagements.

Gleichzeitig investieren wir in die Stärke unseres Landes und unseres Bündnisses. Vom Sondervermögen bis zur europäischen Luftverteidigungsinitiative, European Sky Shield Initiative, investieren wir massiv und mehr in unsere Sicherheit und verstärken die europäische Säule der NATO.

Wenn wir heute über Sicherheit reden, ist für uns klar: Im Ukrainekonflikt, aber auch jenseits davon müssen Verteidigungspolitik, Diplomatie, Krisenprävention, Friedensförderung und Entwicklungsarbeit zusammenwirken. Es muss bei unserem deutschen Engagement darum gehen, mitzuhelfen, dass Konflikte gar nicht erst entstehen oder zumindest eingedämmt werden können.

Russland hat in vielen Ländern dieser Welt eben kein Interesse an einer friedlichen und demokratischen Zukunft, sondern an Destabilisierung. Das gilt für den Sahel genauso wie für Moldau, Georgien und Teile des Westbalkans, und im Hinblick auf Desinformation, Cyberattacken und Spionage gilt das auch für die EU und für uns hier in Deutschland.

Wir müssen im Interesse unserer eigenen Sicherheit beides immer zusammendenken: innere und äußere Sicherheit. In der heutigen Regierungserklärung des Kanzlers wurde beides sehr deutlich.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Christian Dürr [FDP]
Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
12 Vermerkeca. 557 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Polizist Rouven Laur wurde vergangene Woche in Mannheim von einem Islamisten ermordet. Wir möchten an dieser Stelle zuallererst den Angehörigen unser Beileid aussprechen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Muhanad Al-Halak [FDP]

Rouven Laur hat, ohne zu zögern, sein Leben dafür geopfert, andere zu schützen. Das kann man überhaupt nicht hoch genug schätzen. Wir möchten deshalb auch die Gelegenheit nutzen, all jenen Polizistinnen und Polizisten zu danken, die sich tagtäglich für unsere Freiheit und Sicherheit einsetzen, die sich tagtäglich in potenziell bedrohliche Situationen begeben. Dafür haben sie unseren Respekt und unsere Wertschätzung verdient.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Muhanad Al-Halak [FDP]

Aber das heißt auch – und das sage ich hier ganz klar –, dass es absolut unwürdig ist, Fotos des Ermordeten und die furchtbaren Geschehnisse für die eigene politische Agenda zu nutzen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Respekt und Wertschätzung sind auch das Mindeste, was wir den Menschen entgegenbringen können, die gerade in den Hochwassergebieten die Versäumnisse und die Sparwut von Bund und Ländern bekämpfen müssen. Egal ob im Haupt- oder Ehrenamt: Dort leisten die Menschen Unglaubliches.

Beifallbei der Linken

Sie kämpfen gegen zerstörerische Wassermassen, versuchen verzweifelt, zu schützen, was sie sich mühsam aufgebaut haben. Aufgabe der Politik ist es doch, Menschen vor den Auswirkungen von Katastrophen zu schützen. Dass in den letzten Jahren in einigen Regionen der Hochwasserschutz zusammengespart wurde, rächt sich jetzt auf furchtbare Weise.

Herr Dobrindt, ich finde es ja schön, dass Sie fordern, dass die Kürzungen beim THW zurückgenommen werden. Aber wie sieht es denn in Bayern aus? Was haben Sie denn da als CDU/CSU gemacht?

Es sind politische Entscheidungen gewesen, nicht zu investieren. Es sind politische Entscheidungen gewesen, Klimaschutz als Problem von morgen abzutun. Dadurch sind Menschen gestorben oder haben ihr Zuhause verloren.

Wenn es die Regierungen nicht schaffen, den Menschen zu zeigen: „Wir stehen an eurer Seite, wir schützen euch“, dann haben wir ein massives Problem in diesem Land. Das liegt ganz zentral daran, dass dieser Regierung genauso wie der vorherigen der Schutz der schwarzen Null wichtiger ist als der Schutz der Bevölkerung.

Beifallbei der Linken

Alle, aber wir nicht!

Immer mehr Menschen haben Abstiegsängste, fürchten um die Rente, um ihre Kinder, fragen sich, wie lange sie sich Lebensmittel leisten können, ob das Krankenhaus bleibt. Mit Ihrer brutalen Kürzungspolitik, mit dem Aushöhlen des Sozialstaates sorgen Sie dafür, dass sich hier in diesem Land niemand mehr sicher fühlt.

Eine Regierungserklärung zur aktuellen Sicherheitslage haben Sie angekündigt, und als Kanzler der Sozialdemokratischen Partei haben Sie es nicht geschafft, in 25 Minuten auch nur ein Mal über soziale Sicherheit zu sprechen. Das sagt wirklich viel aus.

Beifallbei der Linken

Und Sie, Herr Scholz, sollten als Bundeskanzler ganz besonders die Person sein, die Stabilität und Sicherheit vermittelt. Aber Sie halten Ihre schützende Hand über den Finanzminister, der sich weigert, wichtige Investitionen in unsere Gesellschaft zu tätigen. – Und jetzt geht er auch noch; wunderbar.

Beifallbei der Linken

Und nicht nur das: Sie haben beteuert, dass Sie den Einsatz deutscher Waffen auf russischem Territorium ausschließen; nun die 180-Grad-Wende. Damit schüren Sie reale Ängste davor, in diesen Krieg hineingezogen zu werden. Das ständige Überschreiten Ihrer selbstformulierten roten Linien ist verantwortungslos.

Beifallbei der Linken

Wenn Sie so weitermachen, ist bald keiner mehr da!

Ich komme zum Schluss. Herr Scholz, wir taumeln durch immer neue Krisen. Damit die Menschen sich sicher fühlen, brauchen sie Stabilität und Kontinuität. Aber was die Ampel unter Ihrer Führung als Nächstes tun wird, das weiß man einfach nicht. Auf diese Regierung kann sich niemand verlassen. Genau das verunsichert die Menschen immer mehr, und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein massives Problem.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Isabel Cademartori Dujisin
Foto: Photothek Media Lab
14 Vermerkeca. 526 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Montag, den 3. Juni, kam eine zutiefst erschütterte Mannheimer Stadtgesellschaft zusammen, um des Polizeibeamten Rouven Laur zu gedenken. Drei Tage zuvor war dieser in Ausübung seiner Pflicht von einem islamistischen Attentäter mit einem Messer getötet worden. Rouven wurde ermordet, weil er die Meinungsfreiheit schützte. Vom Verfassungsschutz beobachtete Islamhasser sind in meine Stadt gekommen, um ihre Ansichten kundzutun. Und wie um diese Ansichten zu bestätigen, zückte der 2013 aus Afghanistan eingereiste Täter das Messer gegen die Andersdenkenden.

„Eingereist“!

Weitere Zurufe von der AfD

Mannheim wurde damit zum Zentrum der Debatte um Migration, Asyl und den Islam, und das Geschehene wird seit Sonntag von Rechtsextremen und der AfD skrupellos instrumentalisiert.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Religiösen und nationalistischen Extremisten ist dabei gemeinsam, dass sie zeigen wollen, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen angeblich nicht möglich sei.

Geben Sie doch endlich zu, was die hier betreiben!

Aber gerade die Stadt Mannheim beweist jeden Tag das Gegenteil. Am Montag kamen aus der ganzen Stadtgesellschaft Menschen zusammen, um ihrer Trauer um den Tod von Rouven Laur Ausdruck zu verleihen.

Zurufdes Abg. Sebastian Münzenmaier [AfD]

Es waren Christen, Muslime, Juden und Konfessionslose. Es waren 8 000 Mannheimer Bürgerinnen und Bürger, so vielfältig wie die Stadt selbst.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die muslimischen Gemeinden meiner Stadt haben sich mit der Polizei solidarisiert und den Anschlag klar verurteilt. Mannheimer Muslime waren auch am Tag des Attentats auf dem Marktplatz vor Ort: als Kollegen des ermordeten Polizisten, als Sanitäterinnen und Sanitäter in der Erstversorgung der Verletzten, als Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus. Sie sind Teil unserer Gemeinschaft, sie sind Teil unserer Stadtgesellschaft, und wir trauern gemeinsam. Rouven starb im Dienst für unsere Grundrechte.

Einer der Grundwerte der Demokratie ist es, anzuerkennen, dass alle Menschen gleich viel wert sind.

Hört! Hört!

Wer andere aufgrund ihrer Identität, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, weil sie Muslime sind, weil sie Juden sind, weil sie schwul oder trans sind, abwertet oder angreift, der schließt sich selbst aus der Gemeinschaft der Demokraten aus.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Haben Sie eigentlich gemerkt, was da passiert ist, oder labern Sie einfach den gleichen Quatsch wie immer?

Das gilt für diejenigen, die nach einem Kalifat rufen, genauso wie für diejenigen, die sagen, dass sie die Demokraten jagen werden.

So ein Schwachsinn!

Im Übrigen bin ich es leid, dass diejenigen von uns, die sich für Zusammenhalt einsetzen, von manchen als naiv oder mit falscher Toleranz versehen abgewertet werden. Das ist eine für die Kernwerte unserer Gesellschaft zerstörerische, ja toxische Rhetorik. Niemals sollte man sich dafür rechtfertigen müssen, dass man sich für die Gleichwertigkeit aller Menschen, für die universellen Menschenrechte, für das Völkerrecht und das friedliche Zusammenleben der Völker einsetzt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es geht nicht um Rhetorik! Es geht um Messerstecher! Verstehen Sie das nicht?

Auch in Mannheim gab es und gibt es keine falsche Toleranz gegenüber Islamisten.

Aha! Das hat ja super funktioniert! Ganz großes Kino!

Das haben wir so auch in der „Mannheimer Erklärung“ für ein Zusammenleben in Vielfalt aufgeschrieben, die auch die muslimischen Gemeinschaften in unserer Stadt unterzeichnet haben. Darin steht, dass es keine Toleranz für diejenigen geben dürfe, deren Handeln sich gegen die Werte unseres Grundgesetzes richtet.

Na also! Dann schieben wir jetzt mal nach Afghanistan ab!

Deshalb, meine Damen und Herren, gönnen wir denjenigen keinen Erfolg, die unsere offene Gesellschaft zerstören wollen. Mein Vorgänger, der Mannheimer Abgeordnete Carlo Schmid, wurde heute schon zitiert. Als einer der Väter des Grundgesetzes forderte er, „Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufzubringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen“.

Der schüttelte nur den Kopf, wenn er Sie hier hören könnte!

Rouven Laur haben sie umgebracht. Ehren wir ihn, indem wir nicht zulassen, dass sein Tod benutzt wird, um unsere liberale Demokratie umzubringen.

Ist das eine Frechheit!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
2 Vermerkeca. 166 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Aufrüsten, Truppenkontingente schicken, mit westlichen Waffen tief ins russische Hinterland schießen und dabei noch irrsinnigerweise glauben, die Atommacht Russland damit zu besiegen: Das Kriegsgeheul der Massenmedien in unserem Land wird immer schriller und die Umsätze der Rüstungskonzerne immer größer. 2,4 Billionen US-Dollar für Rüstungsausgaben sind der Stand von 2023.

Herr Pistorius redet ständig von der Wiedereinführung der Wehrpflicht, Einberufung von 1 Million Reservisten und der Notwendigkeit der Herstellung der Kriegstauglichkeit Deutschlands bis 2029. Warum 2029? Das ist die Vorgabe der USA, die bis 2029 diesen Konflikt in Europa austragen wollen, um Russland in die Knie zu zwingen. Und wer dabei auf der Strecke bleibt, das sind Hunderttausende Menschen, die vielleicht ihr Leben verlieren.

Bitte denken Sie einmal darüber nach, und gehen Sie alle am Sonntag an die Wahlurnen! Wählen Sie nicht den Krieg! Wählen Sie den Frieden, und strafen Sie alle Kriegsbefürworter ab. Keine Stimmen für Kriegstreiber in Deutschland!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Alice Weidel
Foto: Dr. Alice Weidel/Hagen Schnauss
24 Vermerkeca. 1.048 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Die vorangegangenen Reden gingen am Kern des Problems komplett vorbei. Der Messerstecher von Mannheim hätte nicht hier sein dürfen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Das Blutbad auf dem Mannheimer Marktplatz bringt den Verfall der Sicherheit im öffentlichen Raum und die mörderischen Folgen einer verantwortungslosen Migrationspolitik ins öffentliche Bewusstsein.

Der deutsche Staat kann seine Pflicht nicht mehr erfüllen, die Bürger und ihre Rechte zu schützen. Erstmals hat ein islamistischer Attentäter einen deutschen Polizeibeamten im Dienst getötet. Ein junger Familienvater könnte noch leben, Herr Stürzenberger läge nicht schwerverletzt im Krankenhaus, wenn die Behörden ihre Aufgaben erfüllt und den afghanischen Messerstecher nach seiner illegalen Einreise sofort in seine Heimat abgeschoben hätten.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Der Polizistenmörder von Mannheim – vor über zehn Jahren als angeblicher unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland gekommen und trotz abgelehnten Asylbegehrens all die Jahre auf Kosten der Steuerzahler im Land geblieben – ist ein Musterbeispiel für das migrationspolitische Versagen dieser Regierung und der CDU/CSU-geführten Vorgängerregierung.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Er ist ein Produkt des politisch gewollten Kontrollverlustes über unsere Grenzen. Er ist das Produkt des geduldeten millionenfachen Missbrauchs des Asylsystems für die illegale Einwanderung in unser Land. Er ist das Ergebnis eines völlig aus dem Ruder gelaufenen Scheinasylantentums. Und er ist kein Einzelfall. Er ist einer von vielen Attentätern und Gewaltverbrechern, die als vermeintliche Flüchtlinge in unser Land gekommen sind.

Das Ergebnis steht in der Kriminalstatistik: 40 Prozent der Tatverdächtigen sind ausländische Staatsbürger – dreimal mehr als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Bei der explodierenden Gewaltkriminalität ist der Ausländeranteil noch vielfach höher. Asylanten aus den Herkunftsländern Afghanistan, Syrien, Irak und Türkei sind überproportional hoch kriminalitätsbelastet; das ist Fakt. Seit 2021 hat die Zahl der Messerangriffe um ein Drittel zugenommen. Es gab fast 15 000 Messerangriffe im letzten Jahr, fast 40 täglich. Und dabei fallen viele Messerdelikte, die in den Länderstatistiken erfasst werden, noch unter den Tisch. Allein im vergangenen Jahr wurde die Horrorzahl von 761 Gruppenvergewaltigungen registriert. Das sind mehr als zwei dieser abscheulichen Verbrechen täglich innerhalb unseres Landes, 111 allein in der Stadt Berlin.

Die Hälfte der Tatverdächtigen sind ausländische Staatsbürger. Wie viele Tatverdächtige mit deutschem Pass einen Migrationshintergrund haben, ist noch immer nicht erfasst. Doppel- und Mehrfachstaatsbürger zählen in der Kriminalstatistik grundsätzlich als Deutsche.

Ja, sie sind auch Deutsche!

Sie sind Deutsche!

Das zeigt, dass selbst die Horrorzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik immer noch stark verzerrt sind.

Aus dem Niedergang der inneren Sicherheit kann es nur eine vernünftige Konsequenz geben, und das ist eine grundsätzliche Migrationswende, und zwar sofort.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Das heißt im Klartext: Recht und Gesetz müssen konsequent angewandt werden. Die Grenzen müssen geschlossen werden. Illegale Einreisen müssen unterbunden werden. Nichtaufenthaltsberechtigte, vor allem Straftäter und islamistische Fanatiker, müssen abgeschoben werden, und zwar auch nach Afghanistan.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Sie aber denken nicht daran, Ihre fatale Politik zu beenden. Sie tun das Gegenteil und bürgern genau diese Afghanen, Syrer, Iraker und Türken im Schnellverfahren noch ein. Während Bürger und Kollegen noch um den ermordeten Polizeibeamten trauern, reden Sie noch

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und schon wieder darüber, die Einwanderung aus islamischen Ländern zu erleichtern und noch mehr Migranten aus Afghanistan hier reinzulassen. Sie speisen die Opfer, die traumatisierten Angehörigen und die terrorisierten Bürger mit leeren Phrasen ab.

Sie instrumentalisieren die Opfer!

– Dass die Zwischenrufe gerade aus Ihrer Fraktion, von den Grünen, kommen, wundert mich nicht.

Beifallbei der AfD

Sie relativieren die Bedrohung und stellen religiöse Fanatiker in unerträglicher Verharmlosung auf eine Stufe mit angetrunkenen Gröhlern, wie Ihre Parteivorsitzende Ricarda Lang es getan hat. Sie missbrauchen die Ressourcen der Sicherheitsbehörden, um gegen Oppositionelle vorzugehen, statt die größte und dringendste Gefahr für die innere Sicherheit anzugehen: den importierten islamistischen Extremismus und seine linksextremen Schläger.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Das ist nicht nur verantwortungslos, sondern zynisch. Ihre Heuchelei ist tödlich. Ihre Ideologie der offenen Grenzen und der schrankenlosen, unkontrollierten Masseneinwanderung beruht auf Illusionen und Lügen, die Menschenleben kosten.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ihre Migrationspolitik schützt nicht politisch Verfolgte, sondern Verbrecher und Asylbetrüger.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Sie spielt mit dem Leben und der Gesundheit der Bürger. Sie nimmt ihnen ihr Recht auf Freiheit und Sicherheit im öffentlichen Raum. Und sie bedroht sie dazu noch mit Repressalien, Schikanen und Diffamierung, wenn sie dagegen aufbegehren und die Missstände beim Namen nennen. Dies zeigt auch der hinterhältige Messerangriff auf unseren Gemeinderatskandidaten Heinrich Koch in Mannheim.

Zurufder Abg. Isabel Cademartori Dujisin [SPD]

Sie lassen die Polizeibeamten im Stich, die mit unterdrückter Wut für Ihre Verantwortungslosigkeit den Kopf hinhalten müssen und die trotz allem bereit sind, für den Schutz von Recht und Freiheit mit ihrem Leben einzustehen, wie der in Mannheim ermordete Rouven Laur. Sie rauben den Bürgern aber nicht nur die innere Sicherheit, Sie nehmen ihnen auch die ökonomische und finanzielle Sicherheit und den hart erarbeiteten Wohlstand. Inflation, steigende Abgaben und politisch in die Höhe getriebene Energiepreise durch eine grüne Transformation zwingen die arbeitende Bevölkerung in eine Spirale der kalten Enteignung.

Zurufdes Abg. Takis Mehmet Ali [SPD]

Und der Deindustrialisierungsminister Habeck treibt die produzierende Industrie aus dem Land. Im Wochentakt melden Unternehmen massive Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland oder Insolvenzen an.

Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Attraktivität des Standorts Deutschland verfällt rasant. Der Exodus des Flaggschiffs BASF ist nur eines von zahllosen Alarmsignalen. Die Zahl der Geschäftsaufgaben ist im vergangenen Jahr auf gigantische 176 000 gestiegen und trifft den produktiven Kern unserer Volkswirtschaft.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Sie geben Abermilliarden für die Illusion aus, das Klima in einigen Jahrzehnten beeinflussen zu können, aber für die Absicherung gegen reale Gefahren im Hier und Heute ist kein Geld da.

Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deutsches Steuergeld geht in alle Welt, der Hochwasser- und Katastrophenschutz im eigenen Land wird vernachlässigt und kaputtgespart; das gehört zur Wahrheit dazu.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Und dann laufen Sie mit Gummistiefeln zum Fototermin und versprechen den Betroffenen der Flutkatastrophe staatliche Hilfe. Im Ahrtal warten sie noch heute, nach über zwei Jahren, auf Ihre staatlichen Hilfen.

Wo ist denn Ihr Schutzkonzept?

Während Sie die ökonomische Grundlage unseres Wohlstands zerstören und die innere Sicherheit erodieren lassen, schlafwandeln Sie am Rande eines dritten Weltkrieges.

Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Krieg in der Ukraine geht ins dritte Jahr. Ein militärischer Sieg der Ukraine ist illusorisch. Die Ukraine kann diesen Krieg nicht gewinnen; das gehört zur Wahrheit mit dazu.

Beifallbei der AfD

Die Suche nach einer diplomatischen Lösung ist in dieser Lage das Gebot der Stunde. Eine diplomatische Lösung muss her und nicht die endlose Verlängerung des Sterbens durch Ihre Waffenlieferungen.

General a. D. Harald Kujat, der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, äußert die Befürchtung, der Ukrainekrieg könnte zur Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts werden.

Die Alternative für Deutschland ist die Urkatastrophe!

Frau Zimmermann, wann melden Sie sich denn mal freiwillig?

Auch ich bin dieser Meinung. Die verantwortungslose Eskalationsrhetorik der Scharfmacher in dieser Regierungskoalition und aus den Reihen der Union hat zu dieser Gefahr einen wesentlichen Teil beigetragen,

Zurufdes Abg. Sönke Rix [SPD]

und täglich wird die Lage geschichtsvergessen verschärft.

Porträt von Alice Weidel
Foto: Dr. Alice Weidel/Hagen Schnauss
2 Vermerkeca. 44 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Dabei wissen wir doch, dass am Ende eines jeden Krieges der Frieden steht. Warum also das Blutvergießen und Leiden verlängern,

Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

die immense Gefahr eines großen Krieges steigern? Setzen Sie sich doch stattdessen endlich für Friedensverhandlungen ein, und bringen Sie die Parteien an einen Tisch, –

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Thomas StroblCDU/CSU· Minister (Baden-Württemberg)· kein MdB
4 Vermerkeca. 486 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kein Anlass ist schlimmer und trauriger als der, der mich heute in den Deutschen Bundestag führt, an den Ort, an dem ich selber von 1998 bis 2016 Abgeordneter gewesen bin. Am vergangenen Freitag um 11.34 Uhr gab es einen bestialischen Messerangriff in Mannheim, bei dem ein Polizeibeamter lebensgefährlich verletzt wurde. Nach sechs Stunden Notoperation war die Lage aussichtslos. Wir haben gehofft, gebangt, gebetet. Am Sonntag um 17.03 Uhr ist der 29-jährige Kollege verstorben.

Die Polizistinnen und Polizisten in Baden-Württemberg, in ganz Deutschland und darüber hinaus sind sehr traurig. Ich bin dankbar, dass auch der Deutsche Bundestag mit seinen Gedanken bei seinen Eltern, den Geschwistern und der Lebensgefährtin ist. Vielen Dank an Rouven Laur für seinen Einsatz, der ein Einsatz für uns alle gewesen ist!

Beifallim ganzen Hause

Ich kann nur eine Bemerkung machen, meine sehr verehrten Damen und Herren: Zigtausende von Polizistinnen und Polizisten in diesem Land beginnen jeden Tag ihren Dienst und blenden, wie die Gesellschaft auch, eines aus: dass jeder Einsatz, den sie machen – und sei er noch so alltäglich und harmlos –, im Zweifel ein lebensgefährlicher sein kann.

Unsere Polizisten und Polizistinnen schützen uns alle. Jeder von uns hätte zufällig auf dem Mannheimer Marktplatz sein können. Sie schützen vor allem unsere Demokratie und unsere Werte, und sie machen das mit einer exzellenten Professionalität und einer so hohen Motivation. Unsere Polizei hat nicht Aggression und Beschimpfung oder gar Gewalt verdient. Unsere Polizistinnen und Polizisten in diesem Land verdienen unseren Dank, unseren Respekt und unsere Anerkennung.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD sowie der Abg. Dr. Sahra Wagenknecht [BSW] und Dr. Dietmar Bartsch [Die Linke]

Die Worte, die hier gesprochen worden sind, sind wichtig. Noch wichtiger sind Taten. Vor wenigen Tagen haben wir gerade auch hier in Berlin den 75-jährigen Geburtstag unserer Verfassung gefeiert. Einer der maßgeblichen Väter unseres Grundgesetzes, der Sozialdemokrat Carlo Schmid, hat am 8. September 1948 im Parlamentarischen Rat davon gesprochen, „den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufzubringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen“. Um diesen „Mut zur Intoleranz“ geht es hier und heute.

Was wollte Carlo Schmid uns damit sagen? Das ist der entscheidende Unterschied zur Weimarer Reichsverfassung: Deutschland ist kein schutz- und wehrloser Staat, sondern eine wehrhafte Demokratie. Das ist der Auftrag dieser Verfassung.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine sehr verehrten Damen und Herren, darum geht es jetzt, und es sind viele Punkte angesprochen worden. Wir haben diesen Instrumentenkasten; er muss jetzt nur auch angewandt werden.

Es ist doch ganz klar: Wer hier bei uns Schutz sucht, sich dann aber entscheidet, ein Gefährder zu sein und diese Demokratie – also die, die ihm Schutz gibt – zu bekämpfen, wer schwere und schwerste Straftaten begeht, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Straftaten gegen unsere Einsatzkräfte, der hat sich doch dafür entschieden, in diesem Land nicht zu leben, und deswegen muss er das Land verlassen.

Und selbstverständlich sind auch Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan möglich. 16 Innenminister bitten seit vielen Jahren die Bundesregierung darum, diese Lageeinschätzung zu aktualisieren. Bitte machen Sie das zur nächsten Innenministerkonferenz! Handeln Sie!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]
Thomas StroblCDU/CSU· Minister (Baden-Württemberg)· kein MdB
1 Vermerkca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Gleiche gilt – wir haben es hier vermutlich mit einem radikalisierten Einzeltäter zu tun – aber auch mit Blick auf die Fußballeuropameisterschaft. Es sind hier schon auch komplexere Anschlagsszenarien mit islamistischem Hintergrund denkbar.

16 Innenminister plus die Frau Bundesinnenministerin haben Sie gebeten, die Vorratsdatenspeicherung ins Gesetz zu nehmen, damit wir schwerste terroristische Attentate nicht nur aufklären, sondern verhindern können. Herr Bundeskanzler, lassen Sie Ihre Innenministerin doch bitte nicht im Regen stehen, und geben Sie unseren Sicherheitskräften dieses wichtige Instrument!

Beifallbei der CDU/CSU
Thomas StroblCDU/CSU· Minister (Baden-Württemberg)· kein MdB
3 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich bedanke mich sehr und will der Bundesregierung und dem Bundeskanzler sagen – wie es in Goethes „Faust“ heißt –:

„Der Worte sind genug gewechselt.“

„Lasst mich auch endlich Taten sehn …“

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]
Porträt von Martin Gerster
Foto: Martin Gerster/Maximilian König
5 Vermerkeca. 657 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin, ehrlich gesagt, sehr dankbar für diese Regierungserklärung des Bundeskanzlers von heute und insbesondere auch dafür, dass er den wichtigen Bevölkerungs-, Katastrophen- und Zivilschutz angesprochen hat. Das gehört zur Sicherheit in unserem Land unabdingbar dazu.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Viele Menschen müssen gerade in diesen Tagen hautnah erleben, wie massiv die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels sein können, welch gewaltige Extremwetterereignisse er hervorbringen kann: Schäden nicht in Millionen-, sondern in Milliardenhöhe, Folgen, die für viele lebens- und existenzbedrohlich sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was wir gerade in Baden-Württemberg und Bayern vielerorts durchmachen, das ist ja kein Einzelfall. Wir hatten allein in diesem Jahr schon mehrere große überregionale Starkregenereignisse und Hochwasser. In diesen Tagen ist auch meine Heimatregion – Oberschwaben, Allgäu, Bodensee – enorm stark betroffen. Ich bin viel unterwegs, so vorgestern mit der Präsidentin der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, Sabine Lackner, in Ulm und im Raum Stuttgart.

Es sind immer wieder ähnliche Erkenntnisse, die ich aus den Begegnungen und Gesprächen vor Ort mitnehme. Eine Erkenntnis ist: Keine Fotos, keine Fernsehbilder können auch nur annähernd wiedergeben, welches Ausmaß eine derartige Katastrophe hat und was es für die Betroffenen tatsächlich bedeutet. Es ist jedes Mal aufs Neue schockierend, mit welch rasanter Geschwindigkeit und mit welcher Wucht eine solche Naturgewalt hereinbricht. Und: Die Eindrücke, das Leid der Betroffenen lässt einen so schnell nicht los. Das bleibt hängen, das nimmt man mit in die nächsten Tage und Wochen.

Eine weitere Erkenntnis, liebe Kolleginnen und Kollegen: Es ist unglaublich beeindruckend, wie viele Menschen bereit sind, zu helfen, und hochmotiviert, hochprofessionell ans Werk gehen. Das gilt für unsere Hilfs- und Einsatzorganisationen, die in Deutschland fast komplett von Ehrenamtlichen getragen werden. Ich glaube, wir alle haben Grund, herzlich Danke zu sagen: an alle Einsatzkräfte beim Technischen Hilfswerk, beim Roten Kreuz, bei der DLRG, aber natürlich auch bei unseren Feuerwehren und Kommunen, wo viel geleistet wird, aber auch an diejenigen, die spontan mit anpacken, einfach helfen. Ganz herzlichen Dank von Herzen an alle Helferinnen und Helfer!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, das ist große Solidarität, der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Ich finde, das ist ein ganz starker Gegenpol zu all jenen, die unsere Gesellschaft auseinandertreiben wollen, die Hass, Hetze und Gewalt verbreiten und zuweilen auch Einsatzkräfte behindern und sie attackieren. Das geht gar nicht. Auch da müssen wir vonseiten der Politik ein klares Zeichen setzen; das sind wir den Helferinnen und Helfern schuldig.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist eine starke Botschaft, dass es trotz vieler auch belastender Einsätze im THW vielerorts einen starken Zulauf an Interessierten gibt, die mitmachen wollen. Inzwischen sind es über 88 000 Ehrenamtliche, die mithelfen, die mit anpacken wollen. Ich finde, wir müssen alles tun, um dieses Potenzial voll und ganz zu nutzen. Nichts ist doch schlimmer, als Interessierten zu sagen: Wir haben gerade keinen Platz für dich. – Das passiert aber leider. Dem müssen wir entsprechend entgegenwirken.

Aufnahmestopp mangels Kapazität: Das geht nicht. Unterkünfte in Baracken für Ehrenamtliche, die anderen das Leben retten: Das geht auch nicht. Da müssen wir gemeinsam ran. Das, glaube ich, sind wir den Helferinnen und Helfern schuldig. Sie brauchen gute Rahmenbedingungen für ihr Engagement.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Jürgen Kretz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eine weitere Erkenntnis ist: Prävention wirkt. Wir wissen ja schon lange, dass Extremwetterereignisse immer häufiger kommen. Und wir haben im Bund wirksame Programme auf den Weg gebracht, um die Städte und Gemeinden an Trockenheit, Starkregen und Hochwasser anzupassen. Erst gestern haben wir im Haushaltsausschuss weitere 100 Millionen Euro dafür bereitgestellt. Und das wirkt: Erst zu Jahresbeginn wurde in meiner Heimatstadt Biberach ein neuer Hochwasserdamm fertiggestellt, der jetzt am Wochenende die Innenstadt vor einer dramatischen Überflutung wirksam bewahrt hat.

Aber ich glaube, wir müssen uns auch ehrlich machen: Das reicht noch nicht. So wartet die Nachbargemeinde in Ummendorf seit Jahren auf finanzielle Unterstützung der Landesregierung, lieber Minister Thomas Strobl. Man kann vor Ort schauen, was passiert, wenn man tatsächlich nicht handelt, die Bereitstellung von Geldern entsprechend auf die lange Bank schiebt und Entscheidungen nicht trifft.

Beifallbei der SPD

Ja, wir haben viel getan. Ich freue mich auch, –

Porträt von Martin Gerster
Foto: Martin Gerster/Maximilian König
2 Vermerkeca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass die Alarmierung immer besser geworden ist. Herzlichen Dank hier an unsere Ministerin Nancy Faeser.

Ich glaube, Investitionen im Bereich Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz sind wichtige Investitionen zum Schutz unserer Bevölkerung und zur Sicherheit unseres Landes.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Konrad Stockmeier [FDP]

Wir fahren in der Aussprache fort. Die nächste Rednerin ist für die Gruppe BSW Dr. Sahra Wagenknecht.

Beifallbeim BSW
7 Vermerkeca. 298 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Mord an dem mutigen Polizisten in Mannheim durch einen Islamisten erschüttert unser Land. Die furchtbare Tat zeigt einmal mehr: Ein Asylsystem, das jeden aufnimmt, der das Wort „Asyl“ aussprechen kann, und das kein Instrument hat, um diejenigen wieder loszuwerden, die unser System ausnutzen oder sogar zu einer Gefahr für die Allgemeinheit werden, ein solches Asylsystem funktioniert nicht und kann nicht funktionieren.

Beifallbeim BSW

Andere Länder zeigen, wie man die unkontrollierte Migration stoppen kann. Nur bei uns steigen weiterhin die Zahlen. Das darf nicht so weitergehen, auch im Interesse der vielen gut integrierten Zuwanderer, die ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft geworden sind.

Beifallbeim BSW

Aber nicht nur hohe Migration und zunehmende Gewaltkriminalität machen vielen Menschen Angst. Auch die Überschwemmungen lassen Betroffene verzweifelt zurück, zumal sie seit dem Hochwasser im Ahrtal wissen, dass Politiker sich zwar gern vor Wahlen in Gummistiefeln ablichten lassen, die versprochenen Hilfen dann aber oft auch nach zwei Jahren noch nicht da sind.

Widerspruchbei der SPD und der CDU/CSU

Und mindestens so wichtig wie Hilfe wäre Prävention. Durch mehr E-Autos und Wärmepumpen hätten sich die Katastrophen nicht vermeiden lassen, durch mehr Dämme und Schutzmaßnahmen allerdings sehr wohl. Doch genau da wurde gespart und gekürzt.

Beifallbeim BSW

Das größte Sicherheitsrisiko für unser Land

Zurufvon der SPD: … sind Sie!

aber ist die wachsende Gefahr, dass aus dem Ukrainekrieg ein großer europäischer Krieg wird. Ihre jüngste Kehrtwende in der Ukrainepolitik, Herr Scholz, der Ukraine zu erlauben, auch mit deutschen Waffen Ziele in Russland anzugreifen, bringt Deutschland in akute Gefahr. Und Sie wissen das auch; denn Sie haben doch monatelang genau davor gewarnt. Sie lassen sich als Friedenskanzler plakatieren und machen Deutschland mehr und mehr zur Kriegspartei. Sie spielen Vabanque mit dem Leben der Menschen in Deutschland.

Beifallbeim BSW
Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Kehren Sie um! Nach über zwei Jahren Krieg muss es endlich Friedensverhandlungen geben. Deswegen müssen alle Signale in diese Richtung aufgenommen werden.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der Linken
3 Vermerkeca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es muss alles getan werden, dass die Waffen schweigen

Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

und nicht jeden Tag Hunderte, Tausende Menschen in diesem furchtbaren Krieg weiter sterben.

Vielen Dank.

Beifallbeim BSW
Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
4 Vermerkeca. 613 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Angesichts der Regierungserklärung unseres Bundeskanzlers und dieses Ereignisses gehört das erste Wort dem Opfer, dem Polizisten Rouven L., der sich mutig vor uns stellte, was er mit dem Leben bezahlte. Wir ächten diese Tat, und es darf zu solchen Taten nicht kommen. Es ist angemessen, die Trauer zum Ausdruck zu bringen, bevor wir zu den politischen Folgen und den Ableitungen kommen. Denn wir sind in der Verantwortung, etwas zu tun, damit so etwas nie wieder geschieht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dennoch halten wir es aus, dass unsere Gesellschaft so gefordert wird. Und der Begriff „Zeitenwende“ beschreibt diesen Moment, diese Epoche sehr zutreffend. Es ist ein politisches Programm, ein Handlungsauftrag an all diejenigen demokratischen Kräfte hier im Plenum, die Verantwortung tragen. Wir erkennen an, dass die Phase der Entspannung vorüber ist und wir in rauen Zeiten leben. Wir sind im Inneren und im Äußeren gefordert, unsere Sicherheit zu verteidigen. Und wir wollen damit auch unser Denken, überkommene Auffassungen und in den vergangenen Jahrzehnten liebgewonnene Erkenntnisse sehr kritisch hinterfragen. Das betrifft jede politische Kraft hier im Haus.

Das bedeutet auch, dass eine veränderte Sicherheitslage dazu führt, dass wir andere Entscheidungen treffen; denn sonst erkennen wir nicht an, dass wir in einer Zeitenwende sind. Das bedeutet für uns: Mehr Sicherheit, mehr Befugnisse für unsere Sicherheitsbehörden, nicht weniger Befugnisse für die Sicherheitsbehörden, mehr finanzielle und personelle Ressourcen und keine Sparmaßnahmen bei Sicherheitsbehörden.

Es bedeutet auch mehr Durchhaltefähigkeit und Konsequenz, wenn es um die Durchsetzung des Rechts geht. Es bedeutet, die Sicherheitslage in Afghanistan und Syrien anders zu beurteilen; denn die Sicherheit der hier Lebenden geht immer vor dem Bleiberecht von Straftäterinnen und Straftätern und Gefährdern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Na, dann machen Sie das!

Diese Konsequenz führt dazu, dass das, was wir in der Regierungsverantwortung gemeinsam getan haben, nun auch für Regionen wie Syrien und Afghanistan, aus denen Gefährder und Islamisten stammen, angegangen wird.

Herr Innenminister Strobl, Sie haben gemeinsam mit uns als Mitglied des Deutschen Bundestages Verantwortung getragen. Sie wissen, dass der Täter 2013 eingereist ist. Sie waren im Innenausschuss, als 2014 sein Asylgesuch abgelehnt worden ist. Er ist acht Jahre im Land verblieben während der gemeinsamen Regierungszeit. Wir tragen gemeinsam Verantwortung als politische Kräfte. Es hilft nicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen; ich spreche hier die Union an. Auch Sie sind in der Verantwortung.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es geht um die Zukunft! Es geht um Maßnahmen jetzt!

Wenn wir gemeinsam bestehen wollen, dann erinnere ich daran, dass sich diese Gesellschaft im Deutschen Herbst, dem Terrorherbst, zusammengetan hat; denn wir waren durch Terrorismus gefordert. Auf den Deutschen Herbst folgte kein Winter, sondern ein Frühling der deutschen Demokratie. Das müssen wir gemeinsam erreichen, indem wir es schaffen, humanitäres Völkerrecht zu achten, Geflüchtete aufzunehmen, sie nicht in einen Topf zu werfen, aber trotzdem die volle Härte des Rechtsstaats gegen Straftäter anzuwenden. Denn wir dürfen nicht hinnehmen, dass Menschen aus unserer Mitte gerissen werden, dass Polizistinnen und Polizisten in Ausübung ihrer Pflicht ermordet werden. Das ist die Verantwortung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich unterstreiche ausdrücklich die politischen Ankündigungen, die hier gemacht worden sind. Wir haben in den §§ 53, 54 des Aufenthaltsgesetzes schon massive Verschärfungen vorgenommen. Wir werden das Ausweisungsinteresse noch einmal dahin gehend anschauen, wie wir weitere Tatbestände hinzunehmen. Wenn es eine Lücke gibt, so ist sie im Interesse der hier lebenden Menschen zu schließen. Das ist die klare Ankündigung des Bundeskanzlers.

Die rechtliche Seite werden wir gemeinsam als Parlament angehen. Aber die tatsächliche Seite betrifft Länder und Bund gemeinsam. Ich gehe fest davon aus, dass das Innenministerium und das Auswärtige Amt zu einer gemeinsamen Sicherheitslageeinschätzung kommen, sodass es auch zur Rückführung von Täterinnen und Tätern kommt. Das ist eine Erwartungshaltung der Länder in diesem Land, das ist eine Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger. Wenn wir das gemeinsam hinbekommen, dann werden wir bestehen.

Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
1 Vermerkca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir dürfen auf keinen Fall die Extremisten in diesem Land dazu übergehen lassen, dass sie hier die politische Agenda bestimmen. Ich bin dankbar für jeden, der in diesem Moment Zusammenhalt organisiert und die Scharfmacher in die Schranken weist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Andrea Lindholz
Foto: Andrea Lindholz/ Timo Raab
11 Vermerkeca. 578 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am vergangenen Sonntagnachmittag starb der junge Polizist Rouven L. an den tödlichen Stichwunden, die ihm ein afghanischer Islamist zwei Tage zuvor auf dem Marktplatz von Mannheim heimtückisch zugefügt hatte. Er starb, weil er das Leben anderer vor einem barbarischen Terrorangriff schützen wollte. Dieser brutale und heimtückische Mord hat uns in der Union zutiefst erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, sie sind bei den Freunden, und sie sind bei den Kollegen. Wir trauern mit ihnen.

Ich möchte heute auch denjenigen alles Gute wünschen, die verletzt wurden. Gute Genesung! Ich möchte mich bei den Polizistinnen und Polizisten in unserem Land bedanken, die tagtäglich für unsere Sicherheit und für unseren Schutz sorgen. Danke dafür!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Deutsche Polizeigewerkschaft bittet uns nach dieser Tat unter anderem, Ausweisungen nicht nur am Strafmaß, sondern auch an den Straftaten auszurichten. Dem sollten wir nachgehen; das ist eine richtige Forderung.

Wir wissen noch nicht alles über die Hintergründe der Tat. Aber wir wissen, dass sie von einem jungen Afghanen verübt worden ist, bei dem ganz klare Hinweise für ein islamistisches Motiv vorliegen. Wenn wir das alles wissen, liebe Kolleginnen und Kollegen, dann darf und kann die Politik nicht zur Tagesordnung übergehen. Weil das Thema so wichtig ist, ist es auch richtig, Herr Kollege Hartmann, dass wir diesen Antrag heute zur Abstimmung stellen. Das ist keine Instrumentalisierung der Tat, sondern das, was notwendig ist. In unserem Antrag sind Forderungen enthalten, die für die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus und des politischen Islam wichtig sind. Darauf haben Sie von der Bundesregierung leider viel zu wenig bis gar nicht den Fokus gerichtet.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Sie handeln eben nicht, Sie reden nur.

Ich werde Ihnen jetzt vor Augen führen, was Sie tun können, und Sie auffordern, endlich zu handeln. Die Bundesinnenministerin hat mit zwei Aktionsplänen gegen Rechtsextremismus die Initiative ergriffen, aber trotz mehrfacher Aufforderungen von uns noch keinen einzigen Aktionsplan speziell gegen Islamismus vorgelegt.

Frau Faeser hat direkt nach ihrer Ernennung zur Ministerin den Expertenkreis Politischer Islamismus im Innenministerium aufgelöst. Bei dieser angespannten Lage hätte man ihn einfach nur fortsetzen müssen.

Die Innenministerin handelt auch nicht. Sie hat das Islamische Zentrum Hamburg – wir reden hier seit Monaten darüber; es ist eine Brutstätte des radikalen Islamismus – bis heute nicht geschlossen. Schließen Sie es endlich!

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Sie haben bei der Neufassung des Staatsangehörigkeitsrechtes das Merkmal der Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse zur Voraussetzung dafür, dass man die deutsche Staatsangehörigkeit bekommt, gestrichen. Führen Sie es wieder ein!

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Daniel Baldy [SPD]

Sie haben den abgelehnten Asylbewerbern, die ein vollständiges Verfahren durchlaufen haben, wieder einen Pflichtverteidiger zur Seite gestellt. Schaffen Sie das wieder ab!

Beifallbei der CDU/CSU

Das hat doch miteinander nichts zu tun, Frau Kollegin! Was erzählen Sie denn da?

Was vollkommen skurril ist: Sie reden heute davon, dass Sie Abschiebungen nach Afghanistan vornehmen wollen. Das ist richtig und wichtig; denn Sie reden mit den Taliban auch an anderer Stelle.

Aber man sollte mit den Taliban reden, oder wie?

Die Bundesinnenministerin hat bereits vor einem Jahr in der „Bild“-Zeitung angekündigt, Abschiebungen nach Afghanistan vorzunehmen – vor einem Jahr! Es ist nichts passiert.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Christian Wirth [AfD]

Die Innenminister warten seit einem halben Jahr auf eine Überprüfung.

Herr Kollege Hartmann, das ist absolute Schaufensterpolitik. Sie haben nicht mit den Grünen gesprochen, bevor Sie und der Kanzler und viele andere von Ihnen heute Morgen mitgeteilt haben, Sie würden nach Afghanistan abschieben; auch die FDP hat das mitgeteilt. Alles Nebelkerzen! Die Grünen haben heute deutlich erklärt, dass sie das nicht wollen. Ich sage Ihnen: Wenn Sie dieses Versprechen jetzt nicht wahr machen, dann machen Sie eines: Schaffen Sie Ihre Koalition ab! Denn Sie sind ein absolutes Sicherheitsrisiko für dieses Land.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
29 Vermerkeca. 991 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Attentat von Mannheim wird von Islamisten im Netz gefeiert. In Berlin rufen Islamisten auf den Straßen „Berlin soll brennen!“. In Hamburg fordern sie zu Tausenden ein Kalifat. 500 islamistische Gefährder leben frei unter uns und können jederzeit zuschlagen. Die Islamexpertin Schröter spricht von Zehntausenden Islamisten in Deutschland. Der politische Islam muss gestoppt werden. Wer sich dem verweigert, macht sich an weiteren Attacken mitschuldig.

Beifallbei der AfD und bei fraktionslosen Abgeordneten

Die importierte Gewalt lässt sich nicht kleinteilig wegmoderieren oder integrieren, aber man kann aufhören, sie zu importieren. Was wir an unseren Grenzen erleben, ist kein Kontrollversagen; es ist politisch gewollte Kontrollverweigerung, der politisch gewollte und geförderte Missbrauch des Asylrechts durch Scheinasylanten. Was wir brauchen, ist nicht immer weitere Symptombekämpfung, sondern endlich die Asylwende.

Beifallbei der AfD

Hamed Abdel-Samad sagt: Der Islam ist nicht nach Europa gekommen, um mit euch Multikulti zu feiern; der Islam ist gekommen, um zu herrschen. – Salman Rushdie wird von Islamisten gejagt; seine Ermordung wird von religiösen Führern gefordert. Ahmad Mansour sagt: „Wenn in Mannheim so ein Angriff passiert und so viele Politiker nicht mal in der Lage sind, das Wort Islamismus zu schreiben“, dann wird das Problem verdrängt.

Ahmad Mansour will mit Ihnen nichts zu tun haben! Das sollten Sie mal wahrnehmen!

Und weiter: „Der Islam hat sich noch nie in eine andere Kultur integriert und wird es auch nicht in Europa.“

Islamkritiker, meine Damen und Herren, brauchen hierzulande Personenschutz. Unter Merkel und Scholz müssen Träger freier Meinungen um Leib und Leben fürchten wie in Mannheim. Das muss ein Ende haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Die Regierung aber will alle einschüchtern und mundtot machen, die diese Einwanderungswelle in die Sozialsysteme aus Afghanistan, Syrien und Afrika nicht mehr hinnehmen wollen. Dafür all der Kampf gegen rechts, in Wahrheit gegen Kritiker der unbegrenzten und unkontrollierten Migration.

Sie sind doch rechts! Das weiß doch jeder!

Warum überhaupt nicht gehandelt wird? Die Migrationsfanatiker wollen Deutschland zum Siedlungsgebiet für Ausländer aus aller Welt machen. Eine SPD-Politikerin sagt: Unsere Gesellschaft wird vielfältiger werden. Das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein. Das Zusammenleben müsse täglich neu ausgehandelt werden. – Na danke! Darauf können wir verzichten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Seit 2015 sind schon zu viele Islamisten und Terroristen eingewandert, die nichts von unserem Staat halten. Ihre Motive: üppige Sozialleistungen, Bürgergeld. In der Kriminalstatistik sind sie überrepräsentiert. Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, KFN, belegen, dass kulturelle Faktoren bei Kriminalität durchaus eine Rolle spielen – Zitat –: „Es ist belegt, dass die Bereitschaft in muslimischen Familien deutlich höher ist, Konflikte mit Gewalt zu lösen.“ Das liege an „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen“.

Zurufder Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Letztes Jahr gab es 14 000 Messerattacken. Männlichen Flüchtlingen fehlt oft jeder Respekt vor Frauen; sie betrachten sie als Freiwild. Seit 2017 haben sie Sexualdelikte an über 52 000 Frauen verübt.

Das ist totale Pauschalisierung!

Der Koran steht für die Mehrheit muslimischer Schüler über den Gesetzen. Deshalb: Über 80 Prozent der Deutschen haben inzwischen kein Vertrauen mehr in die Migrationspolitik dieser Ampel – zu Recht, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Dabei soll die Rolle der Kulturunterschiede in Fragen der Gewaltaffinität möglichst unbeleuchtet bleiben. Man will die Flutung Deutschlands mit Ausländern ungestört fortsetzen. Nach Mannheim rätselte man noch offiziell, ob es vielleicht einen islamistischen Hintergrund gäbe. Sollte dies der Fall sein, so Innenministerin Faeser, hätte sie ja schon vorher davor gewarnt. Wir brauchen aber keine Warnsirene, sondern Problemlösungen. Sie haben das alles laufen lassen.

Beifallbei der AfD

Es sind diese Politiker, die diese Zustände verursacht, geduldet, schöngeredet haben, die jede effektive Maßnahme gegen Islamismus verhindert haben, jede Maßnahme für den Schutz unserer Grenzen, für Abschiebungen. Es ist genug! Jetzt ist AfD-Wählen Notwehr.

Polizisten sagen, in Mannheim seien Messer und Gewalt an der Tagesordnung – Zitat –:

„Die halten uns für Ungläubige, für Menschen zweiter Klasse und behandeln uns ... auch so, weil sie uns als Staatsmacht nicht akzeptieren...“

Dass Rechte Islamisten hier zitieren! Wieso wundert mich das nicht?

Weiterer Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

„Wir riskieren unser Leben – aber für diese Politik, wenn sich nichts ändert, bin ich nicht mehr bereit, den Arsch hinzuhalten.“

Das sagt ein Beamter. Man müsse über die Ursache des Problems sprechen, und das ist nun mal in vielen Fällen leider die Zuwanderung. Hier hätten schon zu viele andere Taten präventiv verhindert werden können. – Ende des Zitats.

Das Problem ist die AfD!

Bloß, dass Sie selbst Marine Le Pen zu rechts sind! Selbst Marine Le Pen schämt sich!

Das ist die Wahrheit von der vordersten Front, meine Damen und Herren. Das Problem ist nicht die Frage, ob man in Deutschland ein Messer mit sich führen darf. Das Problem ist, dass SPD, Grüne, CDU und FDP Millionen Menschen ins Land geholt haben, die ihre Konflikte anders lösen als wir.

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Schon etliche, oft tödliche Messerattacken wurden von abgelehnten Asylforderern verübt, die eben nicht abgeschoben wurden, so wie – seit 2014 unter Merkel – der Mannheim-Attentäter.

Zurufder Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Verantwortung für die Opfer, für die Toten liegt definitiv bei Ampel und Union. Ihre fatale Politik der Abschiebeverweigerung ist tödlich.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Matthias Helferich [fraktionslos]

Deshalb: Gegen Gewaltimport hilft nur das Ende des Imports.

Was ist denn mit der Gewalt von der AfD?

Deshalb: Wer jährlich Hunderttausende ohne jede Not ins Land holt, wo zwar 99 Prozent keine Verbrecher sind, holt mit dem letzten Prozent eben doch Tausende kriminelle Islamisten wie diesen Attentäter, von seinesgleichen im Netz gefeiert. Die Mörder sind unter uns. Mannheim ist überall. Hunderte islamistische Gefährder laufen völlig ungehindert im Land rum.

Zurufder Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die fanatische Messermordjagd auf dem Video zeigt uns lauter tickende Zeitbomben.

Sie sind doch die Zeitbombe!

Die AfD ist jetzt die letzte Notbremse.

Sie sind die Zeitbombe für die Demokratie!

Wer den steten Nachschub an gewalttätigen Islamisten unter den illegalen Migranten stoppen will, kann nur noch AfD wählen.

Zurufder Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Islamismusleugner in der rot-grünen Regierung wollen das schönbeten. Wir sollen vergessen, dass das menschengemachte Messerkriminalität ist – regierungsgemachte, Merkel-GroKo-gemachte, unionsgemachte, ampelgemachte.

Zurufder Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir sollen vergessen: Masseneinwanderung ist auch Messereinwanderung. 2023 war das messerreichste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, und es wird nicht aufhören,

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

wenn wir dem nicht ein Ende setzen.

Wer schreibt Ihnen solche Reden?

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Aber der Ampelbeauftragte für Migrationsabkommen von der FDP will keine Abschiebungen. Er will mehr Menschen holen. Die SPD-Entwicklungshilfeministerin, die deutsches Steuergeld in alle Welt veruntreut, will, dass noch mehr Menschen aus Syrien und Afghanistan kommen über das Asylticket.

Unverschämtheit! Nehmen Sie das zurück!

Die Grünen wollen das sowieso. Mehr muss niemand wissen. Diese Parteien können komplett weg. Und die CDU?

Sie sind voller Hass! Herr Curio, Sie sind voller Hass, und Sie verbreiten ihn!

Merz will wieder mit Rot-Grün koalieren, wenn er von deren Gnaden Kanzler werden darf.

Meine Damen und Herren, Islamisten waren kein deutsches Phänomen, sie werden importiert.

Die AfD ist aber ein deutsches Problem, das wir nicht exportieren können!

Deshalb gibt es nur ein wirklich effektives Programm gegen Islamismus: AfD wählen!

Porträt von Daniel Baldy
Foto: Daniel Baldy/ Thomas Trutschel
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten den Antrag der Unionsfraktion, den wir schon in der letzten Sitzungswoche beraten haben, heute unter anderen Vorzeichen, als wir das vor drei Wochen getan haben. Vor drei Wochen ging es insbesondere um diejenigen, die auf deutschen Straßen Kalifate fordern, und heute sprechen wir über diejenigen, die ihren Worten Taten folgen lassen, die Repräsentantinnen und Repräsentanten unseres Staates angreifen und damit diesen Staat und unsere Demokratie und damit uns alle angreifen.

Es bleibt bei dem, was ich bereits vor drei Wochen hier im Deutschen Bundestag gesagt habe: Wir werden uns Demokratiefeinden auch weiterhin entgegenstellen. Das ist unter anderem sozialdemokratische Kern-DNA seit 1863. Das ist auch die gemeinsame Überzeugung dieser Koalition. Wer sich gegen die Demokratie in diesem Land stellt, der wird uns als Gegner haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Dieser Antrag ist in den letzten drei Wochen offensichtlich der gleiche geblieben, und damit sind wir schon bei einem der Hauptkritikpunkte: Trotz massiver Bedenken in der ersten Debatte vor drei Wochen wollen Sie über diesen Antrag heute ohne ernsthafte Beratung im Ausschuss, vor allen Dingen aber ohne Expertenanhörung im Innenausschuss abstimmen lassen. Sie werden – das kann man sich vorstellen – danach wieder tönen, sei es in der Presse oder auch auf X: Die Ampel will gar nichts tun, die ignoriert das alles. –

Das stimmt ja!

Wo ist denn der Ampelantrag?

Das stimmt nicht. Die Ampel wird aber nicht verfassungsrechtlich höchst umstrittenen Vorschlägen, wie Sie sie hier machen, einfach zustimmen,

Wo sind denn Ihre Vorschläge? Wo ist Ihr Antrag?

ohne wenigstens einmal mit Expertinnen und Experten dazu im Ausschuss gesprochen zu haben.

Beifallbei der SPD

Schauen Sie doch mal in die Urteile des Bundesverfassungsgerichts, bevor Sie solche Forderungen stellen!

Welche Punkte sind es konkret, die zumindest fragwürdig hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit sind? Da ist zum einen die Strafbarkeit des Aufrufs zur Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ich kann Ihnen nur empfehlen, in die Urteile des Bundesverfassungsgerichts zu schauen. 2007 haben die Richterinnen und Richter festgestellt, dass – ich zitiere – „Kritik an der Verfassung und ihren wesentlichen Elementen ebenso erlaubt ist wie die Äußerung der Forderung, tragende Bestandteile der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu ändern“.

Zurufdes Abg. Detlef Seif [CDU/CSU]

Diese Kritik, die da an unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung geäußert wird, muss uns nicht gefallen. Zumindest uns gefällt sie nicht, und mir persönlich gefällt sie auch nicht. Wir müssen dieser Kritik natürlich auch widersprechen, aber wir dürfen sie eben leider nicht verbieten. Werteloyalität – auch das schreibt das Bundesverfassungsgericht in diesem Urteil – kann und darf leider nicht erzwungen werden.

Sie werfen uns ja auch oft vor, wir würden alles gegen Rechtsextremismus tun, aber gegen Islamismus und Linksextremismus seien wir tatenlos,

Viel zu wenig!

da guckten wir weg, das sei uns alles egal. Wenn das, was Sie da in Ihrem Antrag schreiben und fordern, heute schon möglich wäre, unter anderem auch gegen Rechtsextreme, dann hätten wir das doch Ihrer Logik zufolge schon längst getan. Aber dass wir es nicht tun, ist doch kein Zeichen dafür, dass wir nicht dagegen vorgehen wollen, es ist kein Zeichen von fehlendem Willen, sondern es ist das Grundgesetz,

das eben verbietet, das zu tun. Ignorieren Sie das nicht in diesen Debatten! Wischen Sie nicht immer so darüber hinweg, als könne man einfach so darüber hinweggehen!

Das sind die fehlenden Fähigkeiten von Ihnen!

Nein, es ist unsere Verfassung, die wir achten müssen, wenn wir Gesetze machen.

Beifallbei der SPD

Müssen wir das, was Islamisten auf unseren Straßen von sich geben, womit sie den Hass säen, auf dessen Boden dann Taten wie die von Mannheim passieren, tatenlos hinnehmen? Nein, es gibt Möglichkeiten, Beschränkungen für die Versammlung zum Schutz der öffentlichen Ordnung vorzugeben, wie das auch in Hamburg in den letzten Wochen geschehen ist. Wir sind nicht handlungsunfähig gegen solche Demonstrationen. Tun Sie also bitte nicht immer so, als wären wir das, und werfen Sie uns vor allen Dingen nicht vor, wir würden das aus einer angeblich falsch verstandenen Toleranz akzeptieren!

Es gibt heute schon Mittel und Wege, die können die Länder und Kommunen auch anwenden. Es ist nicht der Bund, es ist nicht die Bundesregierung, die Sie hier ansprechen müssen. Es sind die Unions-Landesinnenminister, die Sie beispielsweise da mal in die Pflicht nehmen sollten.

Ihr Antrag hätte eine Grundlage für eine ordentliche Expertenanhörung im Innenausschuss sein können. Sie haben es vorgezogen, ihn diese Woche final abstimmen zu lassen, und das trotz der großen Bedenken, die wir hier bereits in der letzten Debatte deutlich artikuliert haben. Dementsprechend kann diesem Antrag in dieser unveränderten Form nicht zugestimmt werden.

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
8 Vermerkeca. 436 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Der Tod des Polizisten Rouven L. macht uns alle traurig. Er ist schrecklich und erschüttert uns. Was war Rouven L. für ein Mensch? Er war ein Mensch, dem es gerade um Verständigung und Zusammenhalt ging. Das sieht man auch daran, dass er Arabisch gelernt hat, um in seinem Arbeitsalltag mit den Menschen auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Ich bin froh, dass wir ihm dieser Tage hier im Parlament gedenken, und ich möchte mich an dieser Stelle solidarisch erklären mit all seinen Angehörigen und vor allem mit allen Polizistinnen und Polizisten in diesem Land. Ihnen möchte ich für ihre tägliche Arbeit außerordentlich danken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Nun möchte ich aber zu Ihnen kommen, Herr Throm, als kleine Zwischenbemerkung. Ich weise vehement zurück, wie Sie meine Kollegin Kaddor hier in Verruf gebracht haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie haben zu einem Missverständnis beigetragen, indem Sie es so dargestellt haben, als hätte sie irgendwie ein ungeklärtes Verhältnis zum Islamismus.

Das hat sie!

Sie ist eine anerkannte Islamwissenschaftlerin mit jahrzehntelanger Erfahrung, hat viele Bücher veröffentlicht. Da braucht es überhaupt keine Belehrungen von Ihnen und keine Vorwürfe, dass sie in dieser Frage irgendwie ein ungeklärtes oder falsches Verhältnis zum Islamismus hätte. Sie steht ganz klar für die Demokratie.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Meine Damen und Herren, so kurz vor der Fußballeuropameisterschaft ist es wichtig, dass die Hintergründe der Tat in Mannheim sehr genau aufgeklärt werden. Islamismus ist der Feind unserer freien Gesellschaft. Islamismus ist keine Nebensache. Er ist antidemokratisch, frauenverachtend und antisemitisch. Deshalb muss der Kampf gegen Islamismus eine Hauptaufgabe zum Schutz unserer Demokratie und unserer Freiheit sein. Da gibt es kein Vertun. Es geht um unsere offene Gesellschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Konkret heißt das: Wir müssen gegen den Hass im Netz vorgehen. Wer hierzulande Grundrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit attackiert, wer ein Kalifat ausrufen möchte, dem sei gesagt: Es gibt auch Reisefreiheit. Wer hierzulande islamistische Hetze verbreitet und solche Taten befürwortet oder weiterverbreitet, dem sage ich: Der Rechtsstaat wird konsequent sprechen.

Wir können es uns in diesem Zusammenhang aber auch nicht leisten, Präventionsmaßnahmen oder Deradikalisierungsprogramme zu streichen. Wir müssen sie stattdessen stärken. Wir brauchen ein hartes Vorgehen gegen islamistische Vereine und radikale Prediger. Und es ist wirklich höchste Zeit, dass das IZH in Hamburg geschlossen wird, verboten wird. Es ist ein sicherheitspolitischer Skandal, dass das noch nicht passiert ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wer hat das denn zu verantworten?

Also, wir haben viel zu tun und wir haben einen sehr scharfen Blick gegen den Islamismus.

Ich will noch einen Schlusssatz sagen. Ich finde es gut, dass der Kanzler in seiner Regierungserklärung heute gesagt hat, dass wir auch ans Waffenrecht rangehen müssen mit Blick auf Waffenverbotszonen. Auch das ist ein wichtiger Beitrag für die öffentliche Sicherheit.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
16 Vermerkeca. 357 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Union hat diesen Antrag mit heißer, glühender Nadel gestrickt,

und nun stellt sie ihn diese Woche zur Abstimmung, fast im Eilverfahren -namentliche Abstimmung. Der Grund liegt auf der Hand. Sie erhoffen sich eine schnelle Schlagzeile, weil Sie wissen, dass wir Ihrem Antrag nicht zustimmen werden. Und Sie wissen auch, warum.

Warum denn nicht?

All dies ist bedauerlich. Noch am Dienstag sagte Friedrich Merz, er wolle der Koalition bei der Islamismusbekämpfung die Hand reichen.

Hat er bereits gemacht!

Und da schlagen wir gerne ein. Die Koalition will den politischen Islamismus keinen Deut weniger bekämpfen als die Union.

Aber wir müssen uns dann auch gemeinsam an den Realitäten orientieren.

Ihre Vorschläge in diesem Antrag sind leider zu plakativ, die greifen zu kurz. Ich habe es Ihnen schon in der ersten Lesung im Mai gesagt: Vieles von dem, was Sie hier fordern, geschieht längst.

Für etliches sind die Länder zuständig. Arbeiten wir doch miteinander daran, die Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den unionsgeführten Innenministerien der Länder weiter zu verbessern! Genau hier kann der Schulterschluss gelingen.

Vor seinem Messeranschlag war der Attentäter von Mannheim auf dem Papier ein Musterbeispiel an Integration. Das zeigt uns vor allem eines: Der Ruf nach einfachen Lösungen ist zwar applausverdächtig, aber er hilft kein bisschen weiter.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen in die Tiefe. Wir müssen extremistische Moscheen schließen. Wir müssen Verbote islamistischer Vereine konsequent – ich betone: konsequent – umsetzen. Wir müssen Antisemitismus entschlossen bekämpfen, und wir müssen den islamistischen Einfluss aus dem Ausland eindämmen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Wir müssen islamistische Influencer in den Blick nehmen. Wir müssen Gefährder rascher und konsequenter abschieben

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Ja, dann tut das doch!

und vieles mehr – gerne gemeinsam mit der Opposition. Genauso ist es mit den muslimischen Communitys, die sich klar gegen jegliche Verherrlichung islamistischer Gewalt bekennen müssen.

Die Union hat es in der Hand.

Sie müssen nur zustimmen!

Sind Sie bereit zu einer substanziellen Diskussion über den politischen Islamismus und zu einem ausgereiften – ich betone: ausgereiften – Antrag?

Dann legen Sie doch was vor!

Dann lassen Sie uns darüber reden.

Geredet haben Sie jetzt wirklich genug!

Meine Türen, unsere Türen stehen weit offen.

Wo ist denn Ihr Antrag?

Was dieses Land braucht, sind nachhaltige Lösungen

Welche? Welche schlagen Sie vor?

Wir hatten uns eigentlich geeinigt, heute keine Phrasen zu dreschen!

und nicht ein kurzfristiger politischer Landgewinn für die CDU/CSU nach einem solch furchtbaren tragischen Vorfall. Dafür ist das Thema viel zu ernst.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Gökay Akbulut
Foto: Gökay Akbulut/Thommy Mardo
14 Vermerkeca. 353 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Anschlag in Mannheim, bei dem ein junger Polizist getötet wurde, hat mich tief erschüttert.

Zurufvon der AfD: Das war ein Mord!

Ich bin Mannheimerin. Dass sich so eine schreckliche Tat in unserer Heimatstadt ereignen konnte, macht mich fassungslos. Meine Gedanken sind bei dem jungen Polizisten, der mutig eingegriffen hat, um das Leben von anderen Menschen zu schützen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gerade in diesen Tagen ist es wichtig, dass wir demokratischen Parteien besonnen bleiben und verantwortungsvoll reagieren.

Zurufvon der AfD: Sie sind keine demokratische Partei!

Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser brutale Anschlag von der AfD und anderen Rechtsextremisten instrumentalisiert wird.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie machen Stimmung gegen Muslime, Geflüchtete und einzelne ethnische Gruppierungen.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Viele Muslime sind es leid, immer nach einem Anschlag unter Generalverdacht gestellt zu werden oder sich rechtfertigen zu müssen.

Wer macht das denn?

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Die demokratischen Parteien sollten daher nicht in einen populistischen Überbietungswettbewerb verfallen, wer die schärferen Töne in der Einwanderungspolitik anschlägt.

Beifallbei der Linken

Die Union aber sieht in ihrem Antrag die Ursache für den islamistischen Fundamentalismus in der Zuwanderung und den angeblich unzureichenden Abschiebungen. Mit dieser Fokussierung wird sie der Komplexität des globalen Islamismus in keinster Weise gerecht.

Beifallbei der Linken

Sie betreibt nur das Geschäft der rechtspopulistischen Kräfte.

Zurufvon der AfD: Dann machen Sie mal einen Vorschlag!

Seit der Tat werden Forderungen nach Abschiebungen nach Afghanistan laut. Dann müssten aber Verhandlungen mit den Taliban, den Förderern von Islamismus weltweit, geführt werden. Sie müssten als Regierung anerkannt werden. Auch das scheint der Union in letzter Konsequenz nicht klar zu sein. Oder wollen Sie mit Islamisten der Taliban verhandeln?

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Das macht die Regierung schon!

Meine Damen und Herren, fast 70 Prozent der Asylsuchenden in Deutschland erhalten einen Schutzstatus. Die meisten Flüchtlinge sind aus gutem Grund hier.

Das ist doch Wahnsinn: „Rein ja, raus nein“!

Eine weitere Aushöhlung des Asylrechts oder rechtsstaatswidrige Asylverfahren in Ruanda oder Albanien sind kein Mittel gegen den wachsenden Extremismus in unserem Land. Was wir brauchen, ist eine Wende in der Außenpolitik, eine aktive Friedenspolitik, die Beendigung der Waffenexporte insbesondere in Kriegs- und Krisenregionen.

Was wir aber auch brauchen, sind Maßnahmen gegen islamistische Netzwerke, Präventionsprogramme, mehr politische Bildungsarbeit und bessere Integrationsangebote für neu eingewanderte Menschen.

Beifallbei der Linken

Wir müssen unsere offene, vielfältige Gesellschaft entschieden gegen ihre Feinde verteidigen: gegen den islamistischen Fundamentalismus und gegen die Rechtsextremisten – morgen in Mannheim und jeden Tag.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Rouven Laur, der ermordete Polizist von Mannheim, kommt aus meinem Wahlkreis. Er ist in Neckarbischofsheim, einem kleinen Städtchen, aufgewachsen. Vier Jahre lang war er bei uns in Neckargemünd bei der Polizei. Aus der Zeit haben wir viele gemeinsame Freunde und Bekannte. In Mannheim wollte er den Aufstieg in den höheren Polizeidienst machen. Dazu kommt es nun nicht mehr. Er wurde von einem islamistischen Terroristen ermordet.

Dieser Terrorist stammt aus Afghanistan. 2013 kam er nach Deutschland. 2014 wurde sein Asylantrag abgelehnt. Deutschland hat ihm trotzdem eine Chance auf ein Leben in Frieden und Freiheit gegeben. Deshalb macht mich das, was am vergangenen Wochenende passiert ist, auch so fassungslos.

Am vergangenen Freitag, am 31. Mai, gegen 11.30 Uhr ging der Terrorist von blindem Hass getrieben auf den Islamkritiker Michael Stürzenberger los. Im Chaos, das daraus entsteht, schlägt ein Helfer irrtümlich auf einen anderen Helfer ein, der den Terroristen zuvor zu Boden gebracht hatte. Rouven Laur, der dazukommt, geht sofort dazwischen und fixiert einen der Beteiligten am Boden. Eine fatale, aber in der Situation unvermeidbare Fehleinschätzung. Als Rouven dem Angreifer den Rücken zuwendet, hackt dieser sein Messer mehrfach in den Nacken des jungen Polizisten. Der Rettungsschuss eines Kollegen kommt für ihn wenige Augenblicke zu spät.

Im Internet wurde die Polizei in den letzten Tagen heftig von AfD-nahen Accounts und von linken Journalisten kritisiert.

Was sind denn „AfD-nahe Accounts“?

Meine Damen und Herren, ich will es an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Unsere deutsche Polizei ist die beste Polizei auf der ganzen Welt, und ich würde sie gegen keine andere Polizei auf der Welt eintauschen.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für mich sind Rouven Laur und auch der Schütze, der den Terroristen zur Strecke brachte, Helden – Helden, die nichts anderes als unseren höchsten Respekt und unsere Anerkennung verdient haben.

Beifallbei der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber Respekt, Anerkennung und Anteilnahme sind nicht genug. Am vergangenen Freitag wurde eine rote Linie überschritten. Es ist an der Zeit, dass wir in Berlin Verantwortung übernehmen – Verantwortung für die Zustände in unserem Land, insbesondere in unseren Großstädten, in die wir unsere Polizisten Tag für Tag schicken. Wir schulden es ihnen, dass wir jetzt entschlossen handeln, dass wir unsere Migrationspolitik den tatsächlichen Aufnahmekapazitäten in unserem Land anpassen, dass wir unsere Polizisten bestmöglich ausrüsten, auch rechtlich,

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

und dass wir dem radikalen Islamismus den Kampf ansagen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Lassen Sie Ihren, lassen Sie unseren Worten Taten folgen. Nehmen Sie diesen Antrag an!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallder Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Matthias Helferich [fraktionslos]
Porträt von Matthias Helferich
Foto: Matthias Helferich
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich kann Ihre selbstgefälligen Beileidsbekundungen und Ankündigungen staatlichen Durchgreifens nicht mehr ertragen. Es widert einen geradezu an.

Ihre Rede widert an!

Sie alle von Merz bis Kaddor haben den Mord von Mannheim politisch mitzuverantworten. Das gesamte Establishment hat Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Siedlungsgebiet für Millionen Fremde erklärt, unter ihnen auch Hunderttausende Kriminelle, unter ihnen auch Sulaiman A.

Wenn auf Sylt Betrunkene grölen, geifert Ihr Georg Restle: Alle Deutschen sind Rassisten. – Sticht der afghanische Attentäter zu, dann warnt man, wie auch Helge Lindh, vorm Generalverdacht. Aber Sie glauben, das sei der Gipfel der Schamlosigkeit? Nein, das ist es nicht. Hinter den verschlossenen Türen des gestrigen Innenausschusses reagierte die Grüne Katrin Göring-Eckardt auf einen Wortbeitrag gegen den Islamismus mit: Mimimimimi!

Blödsinn! Ohne Kontext!

Haben Sie gar keinen Respekt vor den Ermordeten und Schwerverletzten?

Haben Sie Respekt vor sich selbst?

Mit diesen Leuten, für die der Verrat an Deutschland zum politischen Tagesgeschäft gehört, wird sich hier nichts ändern. Es gilt daher am 9. Juni in ganz Europa: Seid stolz! Wählt rechts! Die beste Extremismusprävention ist Remigration, millionenfach.

7 Vermerkeca. 340 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Rouven Laur wurde von einem Islamisten ermordet, als er unsere Sicherheit und Freiheit geschützt hat. Es ist zu fragen, ob aus den islamistischen Terrortaten der letzten Jahre ausreichend Lehren gezogen wurden, um die Schutzverantwortung des Staates zu wahren.

Zum Thema Meinungsfreiheit gilt: Sie ist weitreichend, schützt Kontroverses und sicher auch dann die Kritik, wenn Religion überschritten wird und eine fundamentalistische Ideologie wie der Islamismus kritisiert wird. Aber ich bin überzeugt, dass weder falsch verstandene Toleranz noch die Angst, dass die Falschen davon profitieren könnten, und schon gar nicht rechte Hassrede dieses Problem lösen. Damit werden wir keinen gesellschaftlichen Frieden schaffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es geht um Grundsätzliches: Meinungsfreiheit, Gleichheit für Mann und Frau, die Würde des Menschen. Wer das nicht akzeptiert, wendet sich gegen alles, was für das Zusammenleben in unserem Land unabdingbar ist.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir können uns nicht damit abfinden, dass Kritiker des politischen Islams mit dem Tode bedroht werden oder ermordet werden, überall in Europa.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir brauchen jetzt die politische Kraft, Islamismus zu bekämpfen: konsequente Migrationspolitik; Straftäter und Gefährder müssen auch nach Afghanistan und Syrien abgeschoben werden können; die Frage der Finanzierung islamistischer Vereinigungen ist zu klären; strafbare Inhalte im Netz müssen konsequent geahndet werden.

Aber es ist nicht nur Politik. Unsere Gesellschaft benötigt die moralische und intellektuelle Kraft in der Auseinandersetzung mit dem politischen Islam. Dazu gehört, im Meinungsklima zu aktuellen Ereignissen Verhältnismäßigkeit zu wahren. Berechtigte Kritik am politischen Islam ist nicht per se rassistisch, wie das manche meinen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, kein Mensch wird als Islamist geboren. Menschen werden dazu. Wir dürfen unsere junge Generation nicht an islamistische Hassprediger verlieren.

Zurufvon der AfD

Wir brauchen dazu einen breiten Konsens in der Gesellschaft. Wir müssen die breite Mehrheit der friedliebenden Muslime in unserem Land schützen. Wir brauchen dazu aber auch die lauten Stimmen der Islamverbände. Wir brauchen alle, um das Gift des Islamismus in unserem Land zu bekämpfen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es ist eine große gesellschaftliche und politische Aufgabe, der wir uns stellen müssen, weil es um das geht, was uns ausmacht: eine wertegebundene, freie und offene Gesellschaft.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
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Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Throm, ich weise Ihren Vorwurf, ich würde mich nicht genügend zum Thema Islamismus positionieren, entschieden zurück, und ich erwarte auch eine Entschuldigung von Ihnen.

Lachendes Abg. Alexander Throm [CDU/CSU]

Da können Sie lange warten!

Ich sage Ihnen auch, warum. Als ich mich entschieden habe, Arabistik und Islamwissenschaft zu studieren, war ich eine junge Frau, die mit einer konservativen, geschweige denn mit einer fundamentalistischen Lesart des Islam nichts anfangen konnte. Seitdem – seit über 20 Jahren – widme ich mein Leben der Aufgabe, ein sehr moderates, liberales, progressives Islamverständnis in dieses Land zu bringen.

Zurufvon der AfD: Das ist irgendwie danebengegangen!

Komplett gescheitert!

Ich habe 15 Jahre lang islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache unterrichtet, den übrigens auch die schwarz geführten Bundesländer alle wollten. Ich habe schwarz geführte Bundesländer – eigentlich alle – in Fragen des Islam, des Islamismus, der Integration beraten. Meine Kinder haben einen jüdischen Kindergarten besucht. Ich bin mit einem sozusagen deutsch-deutschen Mann verheiratet.

Was ist denn „deutsch-deutsch“?

Dafür werde ich massiv angegangen. Ich habe den ersten Koran für Kinder und Erwachsene in die deutsche Sprache übersetzt – wofür ich sehr angefeindet wurde. Ich habe die erste Schulbuchreihe für islamischen Religionsunterricht herausgegeben – wofür ich sehr angefeindet werde. Es wird mir nach meinem Leben getrachtet, sehr oft und immer wieder, eigentlich dauernd. Nach jeder Rede hier im Deutschen Bundestag veröffentlicht „Generation Islam“ oder „Realität Islam“ oder „Muslim Interaktiv“ ein nettes Video über mich, 14 Minuten, und ich muss jedes Mal denken: Okay, nett, dass die Islamisten mal wieder mich auf dem Schirm haben. Deshalb finde ich es, ehrlich gesagt, sehr schwierig, wenn Sie sich hierhinstellen und über meine Persönlichkeit sprechen, über meine Arbeit und mein Wirken seit über 20 Jahren.

Meine Familie wird in Syrien von Islamisten verfolgt und bedroht. Mein Vater ist ermordet worden – übrigens in Syrien, weil dort Islamisten herrschen. Ich möchte nur mal kurz einordnen, zu wem Sie hier eigentlich reden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Linken

Es ist eine Unverschämtheit, dass Sie Menschen wie mich, die jeden Tag entweder von Rechten oder von Islamisten angefeindet werden – das ist nun mal meine Realität, ehrlich gesagt –, hier so attackieren. Es kann nicht sein, Herr Throm, dass Sie persönlich werden.

Das machen Sie doch!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Wir können uns wirklich streiten, und ich finde das gut – ich bin auch streitbar, und meine Positionen sind streitbar –; das finde ich total in Ordnung. Auch eine harte – –

Zurufevon der CDU/CSU

– Lassen Sie mich ausreden! – Auch eine harte Auseinandersetzung finde ich total in Ordnung, Herr Throm.

Zurufevon der CDU/CSU

Jetzt reißen Sie sich doch mal zusammen!

Was aber nicht geht, ist, dass Sie eine Frau, die dauernd dafür angefeindet wird, dass sie liberale Muslimin ist, hier so angehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und der Linken

Das geht aus meiner Sicht nicht, und ich verwahre mich dagegen, dass Sie das tun.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und der Linken

Denn das ist genau das, was Islamisten wollen, Herr Throm:

Zurufvon der AfD

Islamisten wollen, dass Sie Menschen wie mich angehen.

Konzentrieren wir uns doch gemeinsam auf die Feinde der Demokratie – auf islamistische Agitatorinnen und Agitatoren – und nicht auf jene, die Islamisten bekämpfen wollen.

Zurufder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]

Ich denke, das kann ich sehr, sehr glaubhaft sagen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Also, Entschuldigung!

Widerspruchbei der CDU/CSU

Herr Throm, Sie dürfen noch eine einminütige Erwiderung geben. Dann gehen wir in die namentliche Abstimmung.

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
8 Vermerkeca. 155 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Kaddor, Sie haben mich um eine Entschuldigung gebeten. Es gibt keinen Anlass, mich bei Ihnen zu entschuldigen.

Ich habe Sie nicht persönlich angegriffen. Ich habe Sie ob Ihrer politischen Meinungsäußerungen angegriffen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie haben uns vorgeworfen, mit unserem Antrag muslimfeindliche Ängste zu schüren; das ist bis heute auf Ihrem Twitteraccount nachzulesen. Dafür könnten Sie sich entschuldigen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie haben über meine persönliche Einstellung gesprochen!

– Frau Kaddor, hören Sie jetzt auch zu! – Ich habe am Anfang meiner Rede in der letzten Sitzungswoche ausdrücklich erklärt – nachzulesen im Protokoll –, dass wir den Islamismus bekämpfen müssen, um die vielen gut integrierten, säkularen und liberalen Muslime vor Generalverdacht zu schützen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Was hat das mit mir zu tun, Herr Throm?

Und dann werfen Sie uns Muslimfeindlichkeit vor.

Und ein Letztes. Genau mit diesen Äußerungen – –

Das hat nichts mit mir zu tun!

– Hören Sie zu!

Nein! Da werde ich nicht zuhören!

Ihre Relativierung in Ihrem ersten Tweet nach dem Anschlag von Mannheim, in dem Sie sich zunächst mit Herrn Stürzenberger und nicht mit dem Täter beschäftigt haben,

Was hat das mit meiner Arbeit zu tun? Was hat das mit meiner Einstellung zu tun?

führt dazu, dass Sie spalten und das Opfernarrativ der Islamisten bedienen, verehrte Frau Kollegin Kaddor.

Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
10 VermerkeZwischenfrageca. 448 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die offene Gesellschaft und ihre Feinde: Die offene freie und demokratische Gesellschaft ist nicht nur gefordert durch Extremisten und Terroristen, Demokratieverächter und Menschenfeinde. Sie ist in diesen Zeiten bedroht, mehr als in vielen Jahrzehnten zuvor, im Inneren wie im Äußeren; wir haben darüber heute Morgen schon gesprochen.

Wir Demokratinnen und Demokraten verteidigen Freiheit und Rechtsstaat, ohne selbst Extremisten zu werden. Das ist die Lehre aus 75 Jahren Grundgesetz. Wir nutzen den Rechtsstaat, um gegen die Rechtsstaatsverächter vorzugehen. Aber wir sollten davon Abstand nehmen, zu suggerieren, dass diese Bundesregierung eine Form des Extremismus anders beurteilt als die andere.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Denn der Feind der offenen Gesellschaft, der Feind des Rechtsstaates, das ist jede Form des Extremismus. Ich nenne hier den rechten, den linken und den islamistischen Extremismus.

Sie sind Extremist!

Das ist die Bedrohung unseres Zusammenlebens und der offenen und freien Gesellschaft, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir sehen diese Gefahr, und wir bekämpfen sie mit allen Mitteln. Aber ich werbe auch dafür, dass wir nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt in diesem Land Millionen von Musliminnen und Muslimen, die rechtstreu sind, die religiös oder weniger religiös sind, die für unseren Staat einstehen, die in Sicherheitsbehörden, in Hilfsdiensten, in Organisationen ihren Dienst tun. Es darf uns nicht passieren, was die extreme Rechte hier im Hause als Scharfmacherinnen und Scharfmacher versucht: Sie wirft alle Menschen, die nicht ihrem kruden Weltbild entsprechen, in einen Topf.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das tun wir gar nicht! Lügen!

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss man mit dem Antrag der Union kritisch ins Gericht gehen. Sie tun so, als ob wir nicht handeln würden.

Der Mörder von Mannheim musste seit zehn Jahren ausreisen!

Sie beziehen sich auf den Expertenkreis Politischer Islamismus, der für ein Jahr eingerichtet war und der seine Vorschläge eingebracht hat. Wir müssen aber mehr tun als politischen Aktionismus, nämlich politische Aktion.

Na, dann machen Sie was!

Dann mal los!

Und da handelt die Bundesregierung gemeinsam unter Federführung des BKA, zum Beispiel bei der Beurteilung von Gefährderinnen und Gefährdern, beim Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum. Reden Sie den Menschen nicht ein, wir würden nicht handeln.

Zurufevon der CDU/CSU

Trotzdem ist jede Tat eine Tat zu viel. Meine Damen und Herren, die Landesinnenminister – der Landesinnenminister, der heute hier anwesend ist, ist gerade im Gespräch – sind in Verantwortung, was die innere Sicherheit in unserem Land angeht, und wir nehmen kein einzelnes Land heraus. Sie tragen in den Ländern Baden-Württemberg und Hessen auch Verantwortung. Wir sind gemeinsam in der Verantwortung, den Extremismus zu bekämpfen, und das tun wir auch, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Aber nicht ausreichend!

Es ist in Ihrem Verantwortungsbereich gewesen, Herr Seif, als Sie Mitglied des Bundestages waren,

Sie regieren jetzt drei Jahre!

dass es zur Ablehnung des Aufenthaltsrechtes des Täters kam. Der Täter ist nicht zurückgeführt worden während der Regierungszeit von Angela Merkel.

Das lag aber auch an der SPD!

Zurufvon der AfD: Bei Ihnen aber auch nicht!

Vergessen Sie das nicht in dieser Debatte. Bleiben Sie bei den Tatsachen.

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
2 VermerkeZwischenfrageca. 163 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Kollege Hartmann, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben jetzt zum zweiten Mal – das erste Mal war in Ihrer vorhergehenden Rede – darauf hingewiesen, dass es eine gemeinsame Verantwortung sei, dass der Attentäter von Mannheim in den Jahren 2014/2015 nicht nach Afghanistan zurückgeführt worden wäre. Deswegen zwei Fragen.

Erstens. Sind Sie der Auffassung, dass man in der alten Regierung, 2015, 2016 und so weiter, unbegleitete Minderjährige nach Afghanistan hätte zurückführen müssen? Mir liegen mehrere Aussagen von Mitgliedern Ihrer Fraktion vor – bei Ihnen persönlich habe ich es noch nicht überprüft –, die genau dies in der letzten Wahlperiode immer wieder verhindert haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens. Der Bundeskanzler hat soeben angekündigt, dass er Abschiebungen nach Afghanistan durchführen wird. An seinen Taten werden wir ihn messen. Er hat es beschränkt auf Straftäter und Gefährder. Wenn Sie jetzt darauf hinweisen, dass es damals eine Vernachlässigung gegeben hätte: Wollen Sie dann auch andere abgelehnte Asylbewerber, also nicht nur Straftäter und Gefährder, nach Afghanistan zurückführen?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
7 Vermerkeca. 192 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Kollege Throm, Ihrer Ankündigung, bestimmte einzelne Aussagen nachzuprüfen, schaue ich zunächst und auch dann in weiterer Folge mit äußerster Gelassenheit entgegen,

weil ich meine Auffassung mit Blick auf Abschiebungen und Rückführungen nach Afghanistan, die ich hier des Öfteren auch am Pult vertreten habe, nie geändert habe,

Wie ist die Position der SPD?

auch in den vergangenen Jahren nicht. Ich habe das hier eindeutig erklärt.

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

– Möchten Sie die Antwort hören, Herr Kollege, oder haben Sie etwas beizutragen?

Sie müssen die Frage beantworten, Herr Hartmann!

Das ist der eine Punkt. Es gibt keine Positionsänderung.

Der zweite Punkt ist: Wenn Sie das Protokoll genau nachlesen, werden Sie erkennen, dass ich an Sie als Mitglied der demokratischen Fraktionen appelliert habe, die gemeinsame Verantwortung anzuerkennen.

Und jetzt stelle ich auf die Verantwortung der Union in den Ländern ab.

Wollten Sie Minderjährige zurückführen?

Sie stellen die Innenminister in den Ländern, und Sie von der Union sind für den Vollzug des Aufenthaltsrechtes in den Ländern verantwortlich. Wir achten Recht und Gesetz. Es sind häufig Hindernisse des Aufenthaltsrechtes ausschlaggebend gewesen, und es ist eine Erklärung der Länder Baden-Württemberg und Hessen dazu erfolgt. Erster Punkt.

Sie waren das Hindernis! Die SPD war das Hindernis, Herr Hartmann!

– Sie waren aber in all den Jahren in den Ländern in Verantwortung.

Der Bund setzt die Rahmenbedingungen!

Es war die SPD, die den Abschiebestopp gefordert hat!

– Herr Detlef Seif, hören Sie bitte zu.

Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
9 Vermerkeca. 496 WörterReaktionswert: hoch
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Hat nicht auch Nordrhein-Westfalen, was die aufenthaltsrechtlichen Fragen angeht, einigen Klärungsbedarf? Ich sage nur bei all dem, was zu Schleusertum und Spenden an die Union gerade aufgekommen ist: Hören Sie genau zu, und werfen Sie im Glashaus nicht mit Steinen! „Vorsicht an der Bahnsteigkante“, sage ich in Richtung Herbert Reul. Ganz vorsichtig!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Der zweite Punkt. Natürlich sind wir ein Rechtsstaat. Wir achten Recht und Gesetz. Niemals würden wir unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Tod oder in eine unsichere Zukunft abschieben. Das ist der Unterschied zu einem Terrorregime.

Dann sollten Sie an Kritik an uns sparen!

Beim letzten Punkt in diesem Zusammenhang geht es um Abschiebungen. Ich habe ausgeführt: Es geht um rechtliche Fragen, bei denen wir einen Rechtsstand erreicht haben, der besser ist als zur Regierungszeit von Angela Merkel. Den haben wir federführend verantwortet. Die Rechtfertigung durch die Tatsache der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung haben wir ins Aufenthaltsrecht geschrieben, nicht Sie. Das haben wir gemacht. Ich habe daran appelliert, dass aufenthaltsrechtrechtliche Fragestellungen und Hindernisse durch eine dauerhafte Überprüfung der Sicherheitslage durch das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt kontrolliert werden. Denn Horst Seehofer hat den Stopp der Abschiebungen nach Afghanistan begründet und durchgezogen, nicht wir, sondern Horst Seehofer als CSU-Innenminister. Sie sind verantwortlich.

– Sie haben die Debatte eröffnet. Sie schreien doch hier rum, Christoph de Vries.

Jede Handlung, die wir angekündigt haben, haben wir auch durchgesetzt. Wir gehen gegen den Islamismus vor. Wir haben auch Samidoun verboten. Das Innenministerium hat gehandelt. Der Bundeskanzler hat es hier angekündigt. Es ist in Ihrer Regierungszeit nicht gemacht worden. Sie von der Union sind verantwortlich. Ich lade Sie zur konstruktiven Mitarbeit ein, aber nicht zur Geschichtsverklärung.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das können Sie ja gleich zeigen!

Bisher hatten jedes Verbot und insbesondere jedes Vereinsverbot Bestand, aber nicht jede Ihrer Forderungen; denn die ändern sich à la Söder einmal pro Tag.

Meine Damen und Herren, bei den Herausforderungen durch den Extremismus geht es um eine Bedrohung unserer freien und offenen Gesellschaft durch den Terrorismus. Sie merken aber gerade, dass es der Union hier um Aktionskunst geht, aber nicht um politische Handlung. Es ist Aktionismus und kein politischer Aktionsplan.

Sie haben gar keinen Plan!

Sie haben diese Tagesordnung geändert. Sie haben suggeriert, wir hätten den Expertenkreis abgeschafft; er ist auf ein Jahr angelegt gewesen. Eigentlich wollten wir im Innenausschuss dazu eine Anhörung durchführen, um mit Expertinnen und Experten ins Gespräch zu kommen.

Dann machen wir es!

Sie haben gestern im Innenausschuss selber auf diese Anhörung verzichtet, um heute diese Debatte zu ermöglichen.

Weil das Thema wichtig ist!

Es geht Ihnen nicht um eine Lösung, sondern um den plumpen politischen Vorwurf.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir in der Verantwortung werden das nicht zulassen, meine Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wir sind es jeder Einsatzkraft, jedem, der dieses Land verteidigt, jeden Tag schuldig. Gegen die offene Gesellschaft und ihre Feinde werden wir vorgehen. Der Vorwurf, wir handelten nicht, ist unzutreffend.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich habe es hier deutlich nachgewiesen. Und ich gehe davon aus: Bei den infragestehenden Abschiebungen – und das ist die Priorität – geht es um Straftäter und Gefährder. Durch das neue europäische Asylsystem haben wir sichergestellt, dass es nicht zu einer unkontrollierten Einreise kommt, sondern zu rechtsstaatlichen Verfahren.

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 298 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Am Sonntag finden Wahlen statt. Das erkennen wir nicht nur daran, dass wir alle eine Wahlbenachrichtigung erhalten haben, sondern auch am Reflex mancher Parteien, kurz zuvor noch einmal kräftig auf den Tisch zu hauen.

Eigentlich wollten Sie, liebe Union, wie wir gerade hörten, in der gestrigen Ausschusssitzung eine Expertenanhörung zum Thema beantragen. Diesem Wunsch nach einer fundierten Auseinandersetzung mit dem legalistischen Islamismus wäre meine Fraktion sehr gerne nachgekommen; doch nun legen Sie uns mal wieder den Antrag zur Abstimmung vor. Nun denn, vielleicht beantragen wir jetzt einfach die Anhörung. Dann ist es eben so.

Der Islamismus ist eine hasserfüllte politische Ideologie, die tötet, zuletzt einen Polizisten am Freitag, wie wir gerade sehr ausführlich besprochen haben.

Jetzt sagen Sie drei Sätze und dann das große Aber!

Möge er in Frieden ruhen. – Das haben Sie nicht mal über die Lippen bekommen. – Es geht auch ein großer Dank an seine Kolleginnen und Kollegen.

Der Islamismus ist eine ernstzunehmende Bedrohung für unser Land

Das Aber schwingt schon mit!

und für jeden einzelnen Menschen von uns, sogar für Muslime. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Juristinnen und Juristen, Publizistinnen und Publizisten, auch Islamkritikerinnen und Islamkritiker müssen in unserem Land das Recht haben, ihre Meinung, solange sie nicht Hass beinhaltet und zu Feindlichkeit aufruft, frei und ohne Angst zu äußern.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

– Sogar Sie müssen wir ertragen, ob Sie es glauben oder nicht.

Nur allzu gut weiß ich, was es bedeutet, von Islamisten für ein anderes Islamverständnis und eine liberaltheologische Arbeit bedroht zu werden.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Viele dieser Personen müssen unter Polizeischutz leben, weil Demokratiefeinde wie beispielsweise Islamisten ihnen nach dem Leben trachten.

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

– Wenn Sie noch einmal sagen, ich hätte Erfahrung mit der Lohberger Brigade! Ich bitte, das hier ernst zu nehmen. Schon wieder der Bezug auf die Radikalisierung meiner ehemaligen Schüler! Lassen Sie das!

Zurufvon der AfD

Lassen Sie das!

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
16 Vermerkeca. 501 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Da bitte ich drum.

Zurufvon der AfD

Wir als Fraktion setzen uns seit Langem gegen jedwede Form von Extremismus ein, anders als Sie immer behaupten. Allerdings tun wir das sachorientiert – darum geht es – und nicht infolge populistischer Reflexe.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Komplexe Phänomene erfordern differenzierte Lösungsansätze, keine Plattitüden. Auch können Anträge, die ein schwieriges Verhältnis zu Musliminnen und Muslimen im Allgemeinen offenbaren, nicht zum Ziel führen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Helge Lindh [SPD]
Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Dies habe ich Ihnen bereits bei der letzten Erörterung erläutert, offensichtlich ohne Erfolg. Der hiesige Kampf gegen Islamismus kann nur mit deutschen Musliminnen und Muslimen gewonnen werden, nicht gegen sie.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Man kann sie nicht immer verprellen.

Erst gestern warnte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum vor einer „Anti-Islam-Hysterie“. Kriegen Sie eigentlich mit, was in diesem Land los ist? Kriegen Sie mit, was Menschen, die sich einfach nur zum Islam bekennen, aushalten müssen? Nein, das kriegen Sie natürlich nicht mit, und das ist ebenfalls ein Problem. Die permanente Anfeindung, der man als Muslim und Muslimin ausgesetzt ist, sie ermüdet, sie erschöpft.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Sie kann bei Menschen dazu führen, dass man sich von unserem Gemeinwesen abwendet, egal ob richtig oder falsch.

Zurufeder Abg. Marc Bernhard [AfD] und Beatrix von Storch [AfD]

Es ist eine normale menschliche Regung, und ich spreche hier nicht von mir. Ich kenne seit bald 20 Jahren nichts anderes, als auf verschiedenen Ebenen dafür angefeindet und verleumdet zu werden, dass ich mich zu dieser Religion bekenne. Geschenkt!

Es geht mir um Menschen, die sich nicht von Berufs wegen mit dem Hass auseinandersetzen müssen, und das sind 99,9 Prozent der Muslime in diesem Land.

Muslime sind Opfer!

Nehmen Sie das doch bitte einmal ernst! Hören Sie auf, permanent Wahlkampf auf dem Rücken dieser Bürger zu machen! Ohne Differenzierung wird es nicht gehen, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Unfassbar! Es ist unfassbar, was Sie hier machen!

Die Komplexität des Themas zeigt sich gerade an dem Attentat von Mannheim,

wahrscheinlich – sehr wahrscheinlich – islamistisch motiviert.

Viel eher radikalisierte er sich selbst durch den Konsum digitaler Inhalte.

Wie kann es so weit kommen? Was macht muslimische Jugendliche empfänglich für diese Parolen? Diese Fragen müssen wir klären. Dabei geht es nicht um Rechtfertigung. Genauso wenig wie Arbeitslosigkeit und Frustration ein einleuchtender Grund für rechtes Schlägertum sind, ist Diskriminierung eine Entschuldigung für Mord. Jede und jeder – das sage ich ganz deutlich, auch in Richtung deutscher Musliminnen und Muslime – ist selbst verantwortlich für das, was er oder sie tut, sagt, denkt und auch glaubt. Gewalt gegen Andersdenkende ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen,

Zurufeder Abg. Karsten Hilse [AfD] und Beatrix von Storch [AfD]

erst recht nicht im Namen Gottes, meine Damen und Herren.

So was muss auch mit aller Härte bestraft werden.

Klar ist: Wachsende islamistische Radikalisierung und antimuslimischer Rassismus bedingen leider einander ein Stück weit.

– Sie sind doch das beste Beispiel. – Deswegen müssen beide Phänomene gemeinsam bekämpft werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, lassen Sie uns vernünftig an einen Tisch setzen und einen gemeinsamen Antrag schreiben! Ich bin dazu sehr gern bereit, und das meine ich wirklich ernst.

Nee, nee, nee! Völlig ausgeschlossen!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Lassen Sie uns einen guten Antrag schreiben! Aber wir müssen auch – das haben wir gestern im Ausschuss diskutiert – die strukturellen Fragen angehen. Jens Spahn hat einen Vorstoß gemacht; den finde ich gut. Lasst uns darüber nachdenken!

Danke schön.

8 Vermerkeca. 711 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Da wir in dieser Debatte über eine existenzielle Bedrohung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung sprechen, möchte ich einmal auch daran erinnern, an welchem Tag wir heute debattieren. Heute vor 80 Jahren war der D-Day. Die Alliierten landeten in der Normandie. Junge Männer vor allem aus den USA und Großbritannien riskierten und gaben ihr Leben, um Deutschland und Europa vom NS-Gewaltregime zu befreien. Das war die Voraussetzung für den 27. Januar und den 8. Mai 1945

und letztlich auch für den 23. Mai 1949, den wir gerade gefeiert haben. Ich finde, das gibt uns Anlass, uns daran zu erinnern, dass wir unsere Freiheit nicht uns selbst zu verdanken haben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und: Nicht minder aktuell ist die Lehre daraus, dass die Freiheit wehrhaft sein muss.

Wenn wir an die entsetzliche Tat, die in Mannheim geschehen ist, denken, dann müssen wir feststellen: Beileidsbekundungen sind geboten, aber nicht ausreichend. Floskeln und Stehsätze verbieten sich. Was wir auch nicht brauchen, ist wohlfeile, bisweilen zynische Einsatzkritik vom Sofa oder vom Talkshowsessel aus.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was wir brauchen, ist konkretes Handeln. Ich will hier beispielhaft, aber nicht abschließend einige der Maßnahmen aufzählen, die meine Fraktion der Freien Demokraten für wichtig erachtet: extremistische Moscheen wie das Islamische Zentrum Hamburg endlich zu schließen –

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

es ist übrigens nicht lange her, dass die Freie und Hansestadt Hamburg mit dem Dachverband, dem auch das IZH angehört, Staatsverträge geschlossen hat; wir müssen viel genauer hinschauen, wen der Staat zum Ansprechpartner macht –,

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vereine wie „Muslim Interaktiv“ konsequent zu verbieten, Vereinsverbote dann auch konsequent umzusetzen und durchzusetzen, analog wie digital, aufenthaltsrechtliche Maßnahmen sowohl im Rahmen des geltenden Rechts auszuschöpfen als auch ohne Denkverbote über eine Erweiterung der Ausweisungsmöglichkeiten zu sprechen, insbesondere bei der Billigung terroristischer Taten, Gefährder und Straftäter konsequent abzuschieben – wir erwarten hier, dass die Bundesregierung auch alle Anstrengungen unternimmt, um jedenfalls Gefährder und Straftäter wieder nach Afghanistan abschieben zu können –, die Terrorfinanzierung stärker in den Blick zu nehmen, gerade auch die Verbindungen zwischen islamistischen Milieus und Organisierter, insbesondere Clankriminalität.

Nicht zuletzt müssen sich auch deutsche Islamverbände kritisch fragen lassen, welchen Beitrag sie zum friedlichen Zusammenleben in unserem Land leisten, welchen Umgang sie mit Kritikern in den eigenen Reihen pflegen. Dringend nötig sind wahrnehmbare Diskussionen und die Ächtung der Verherrlichung islamistischer Gewalt. Denn sie erwarten doch auch zu Recht, dass, wenn es rassistische Vorfälle gibt, wir nicht darauf verweisen, dass die Mehrheit der Gesellschaft friedliebend ist, sondern dass wir uns mit diesen Taten auseinandersetzen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, gleichzeitig wird bisweilen ein falscher Gegensatz zwischen Reden und Handeln aufgebaut; denn zur inneren Wehrhaftigkeit gehört auch ein Blick auf die Debattenkultur unserer Gesellschaft. Voraussetzung für Handeln ist, die Feinde der Freiheit auch als solche zu erkennen und zu benennen und bereit dazu zu sein, sie zu benennen. Ein selektiver Umgang mit dem Generalverdachtsvorwurf, ein taktischer und leichtfertiger Umgang mit dem Rassismusvorwurf erweisen diesem Anliegen einen Bärendienst. Wenn an der Humboldt-Uni zu Berlin zum Beispiel selbst für widerlichste antisemitische Ausfälle sich noch Relativierer und Verharmloser finden, selbst unter Hochschullehrern, dann ist das ein Problem für unsere offene Gesellschaft.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Unser Grundgesetz wird eben nicht in Sonntagsreden verteidigt, sondern im Klassenzimmer, auf dem Schulhof, an der Hochschule, auf der Straße. Deshalb geht es darum, all jenen den Rücken zu stärken – zum Beispiel den Lehrerinnen und Lehrern –, die religiöses Mobbing nicht hinnehmen, sondern thematisieren.

Islamismus hat viele Erscheinungsformen. Da gibt es die offensichtlich brutalen, ja, barbarischen wie in Mannheim, aber auch dort, wo der „Islamische Staat“ wütet – vor dessen Allmachtsfantasien fliehen Menschen zu uns –, und es gibt die subtilen, legalistisch auftretenden Erscheinungsformen: Die wollen nicht auffallen, die wollen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung unbemerkt aushöhlen. Deshalb müssen wir aufpassen und klarmachen: Die Religionsfreiheit wird bei uns respektiert und gelebt, aber sie immunisiert nicht gegen Kritik, noch nicht einmal gegen Satire. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen von Kampfbegriffen wie „islamophob“, die erfunden wurden, um berechtigte Kritik zurückzuweisen. Die Freiheit des anderen zu achten, ist die Geschäftsgrundlage der offenen Gesellschaft.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Unsere Demokratie braucht öffentliche Räume, in denen man kein Held sein muss, um seine Meinung auszusprechen und für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten. Die Sicherheitsbehörden gut auszustatten, das ist auch uns ein Anliegen. Allerdings will ich hier auch sagen: Das ist einerseits ganz wichtig.

2 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
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Das bedeutet auch Prioritätensetzung; denn innere und äußere Sicherheit sind Kernaufgaben des Staates. Das ist andererseits kein Ersatz dafür, die nötige innen- und migrationspolitische Zeitenwende endlich konsequenter zu vollziehen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Gute Rede! Spärlicher Applaus! Die klatschen gar nicht!

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
13 Vermerkeca. 364 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Erst in der letzten Sitzungswoche haben wir den Antrag „Den politischen Islam als Gefahr für unsere freiheitliche Demokratie jetzt wirksam bekämpfen“ hier debattiert. Keiner von uns hätte gedacht, dass sich diese Gefahr so schnell auf so schreckliche Art und Weise bewahrheitet.

Ist Ihnen das nicht peinlich jetzt?

Ein mutiger, ein junger, ein selbstloser Polizist wurde grausam getötet. Wir trauern mit seiner Familie und mit allen Kolleginnen und Kollegen in Mannheim insbesondere.

Zurufder Abg. Peggy Schierenbeck [SPD]

Das macht was mit uns allen. Das macht was mit den Menschen in unserem Land. Da ist etwas aufgebrochen. Es ist Wut, es ist Angst, und es ist Unverständnis. Am Ende geht es um den Vorwurf der Menschen an uns alle hier in politischer Verantwortung, dass der Staat versagt, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deswegen müssen wir dieser Verantwortung gerecht werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Diesen politischen Willen erkenne ich durchaus bei Einzelnen. Frau Kaddor, bei Ihnen erkenne ich den aber nicht. Sie haben zu diesem Antrag der Union auf X geschrieben: „Der Antrag schürt muslimfeindliche Ängste“. Sie haben es gerade in Ihrer Rede wiederholt, in der Sie gesagt haben: Man macht Wahlkampf auf dem Rücken der Muslime.

Haben Sie mal Ihren Antrag gelesen?

Nein, Sie spalten, Frau Kaddor.

Schauen Sie sich Ihren Antrag an!

Sie hetzen. Sie haben keine klare persönliche Haltung zum Islamismus.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Das ist Blödsinn! Ich habe Bücher dazu geschrieben!

Frau Kaddor, wenn Sie uns Muslimfeindlichkeit vorwerfen oder behaupten, dass wir muslimfeindliche Ängste schüren, dann bedienen Sie das Opfernarrativ der Islamisten,

denn genau darauf nehmen Sie Bezug.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Deswegen meine Forderung an die Grünen: Klären Sie Ihr Verhältnis,

Sie haben keine Ahnung von den Phänomenen, Herr Throm! Sie haben keine Ahnung!

insbesondere das Ihrer innenpolitischen Sprecherin, zum politischen Islam und zum Islamismus!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ja, es braucht Abschiebungen nach Afghanistan

Das war sehr billig, Herr Kollege, sehr, sehr billig!

und Syrien – selbstverständlich nach Verbüßung der Haftstrafe. Dann muss dieser Staat es auch durchsetzen. Es darf keine falsche Rücksichtnahme geben, beispielsweise „Bett, Brot und Seife“ oder andere Dinge. Das ist jetzt die Verantwortung.

Ich war schon verwundert, Herr Kollege Hartmann, am Montag – der Polizist war noch keine 24 Stunden verstorben – den Vorschlag von der SPD, von Herrn Grote, zu hören, wieder nach Afghanistan abzuschieben. Denn Sie und Ihre Innenministerin haben jahrelang nichts gemacht,

Beifallbei der CDU/CSU

und am Tag nach diesem schlimmen Todesfall kommt dann dieser Vorschlag. Ich kann Ihnen das nicht ersparen. Am 19. März 2023 konnte man lesen: „Faeser prüft Aufhebung des Abschiebestopps für afghanische Gefährder“.

Der Redner hält ein Papier hoch
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
3 VermerkeZwischenfrageca. 183 WörterReaktionswert: lebhaft
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Das ist ein Artikel aus der „Welt“, Frau Präsidentin. – Ich zitiere jetzt aus einem Artikel aus der „Zeit“ von dieser Woche: „Nancy Faeser lässt Abschiebungen nach Afghanistan prüfen“. 15 Monate ist nichts passiert, Frau Innenministerin.

Aber sie hat doch geprüft! Aber, Herr Throm, sie hat doch geprüft! Im Artikel steht „prüfen“!

Kurz vor der Hessenwahl haben Sie zu Abschiebungen aufgerufen – und jetzt, eine Woche vor der Europawahl, wieder dasselbe Spiel. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das halte ich für nicht in Ordnung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich hoffe, dass der Bundeskanzler seinen Ankündigungen auch Taten folgen lässt; denn daran wird er gemessen.

Ein letzter Appell an die Grünen. Ihre Außenministerin Baerbock hat gesagt, man könne nach Afghanistan nicht abschieben, weil keine diplomatischen Beziehungen bestünden. Das ist falsch. Das Auswärtige Amt unterhält unter Außenministerin Baerbock sogenannte technische Kontakte mit den Taliban und auch im Doha-Format, um Menschen aus Afghanistan herauszuholen. Man spricht ausdrücklich – in einer Antwort auf eine Anfrage von mir – über die Reisefreiheit der Afghanen. Wenn man aber technische Kontakte unterhalten kann, um Menschen nach Deutschland zu holen, dann muss man diese technischen Kontakte auch nutzen, um Menschen nach Afghanistan zu verbringen, sehr geehrte Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD
Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Ich lasse die Zwischenfrage gerne zu.

Porträt von Christoph de Vries
Foto: DBT/ Inga Haar
13 Vermerkeca. 632 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Emmerich, weil Sie es gerade noch mal angesprochen haben, will ich es auch gerne noch mal bestätigen. Frau Kollegin Kaddor, Sie haben heute wieder in der Debatte Islamismus als Folge von Muslimfeindlichkeit in Deutschland erklärt. Ich sage Ihnen: Dafür gibt es überhaupt keine Belege. Es kommen nicht Millionen Menschen nach Deutschland, weil wir ein rassistisches Land sind, sondern weil wir ein fantastisches, offenes und tolerantes Land sind. Das ist die Wahrheit.

Beifallbei der CDU/CSU

Das habe ich nicht gesagt!

– Hören Sie zu! Es geht gleich weiter. – Sie haben in der letzten Sitzungswoche in der Debatte über diesen Antrag gesagt: Sie sind eine Gefahr für Muslime. – Das war an meine Fraktion, die Union, gerichtet.

Nein, das habe ich auch nicht gesagt! Lesen Sie die Rede!

Ich sage Ihnen: Wer islamistischen Terrorismus so relativiert, wer die islamistische Bedrohung so verharmlost und wer so mit demokratischen Mitbewerbern umgeht,

Habe ich nicht!

das ist schäbig, und der betreibt selbst die Spaltung in unserem Land. Das gehört sich nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist unverschämt!

Aber es gibt auch positive Beispiele in Ihren Reihen. Ich will Ihren Kollegen Danyal Bayaz aus Baden-Württemberg, den Finanzminister, zitieren. Er hat nach der tödlichen Messerattacke gesagt:

„… dann wird es höchste Zeit für eine ehrliche Debatte über die Gefahren von #Islamismus – ohne Naivität, ohne Scheuklappen, ohne doppelte Standards. Wer nun meint, damit stärke man den rechten Rand, dem sage ich: Der wird dann stark, wenn man Populisten das Feld überlässt.“

Ich sage: Bravo! Das hat Danyal Bayaz richtig gesagt, und Sie sollten Ihrem Parteifreund an dieser Stelle dringend folgen und die Scheuklappen endlich ablegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie ignorieren, dass sich hier alle gegen Islamismus aussprechen!

Die Gefahr durch den islamistischen Terrorismus und Islamismus ist riesengroß, und sie nimmt immer weiter zu. Die Zahlen sind eindeutig; sie sind schon gefallen: 461 Verfahren im Zusammenhang mit islamistischem Terrorismus, 22-mal so viel wie im Bereich Rechtsextremismus. Und deswegen will ich es heute auch noch mal in aller Klarheit sagen: Die größte Gefahr für die Sicherheit der Menschen in Deutschland geht vom islamistischen Terrorismus und Islamismus aus, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. René Bochmann [AfD]

Islamismus ist keine Rankingshow!

Der Islamismus ist leider auch der ideologische Nährboden, der immer weiter wächst. Wir sehen das doch, wenn Tausende Islamisten von „Muslim Interaktiv“ auf den Straßen marschieren und ein Kalifat fordern und sich kein einziger Islamverband an den Gegendemos dazu beteiligt.

Frau Kaddor, Sie schrieben auch auf X nach der Terrorattacke von Mannheim: „#Islamismus ist seit Jahren auf dem Schirm unserer Sicherheitsbehörden.“

Ich will Ihnen da ausdrücklich zustimmen, aber der Islamismus ist seit Jahren nicht auf dem Schirm dieser Bundesregierung. Und genau das ist das Problem, worüber wir heute hier sprechen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist Quatsch! Blödsinn!

Das sagen auch die Mitarbeiter in den Sicherheitsbehörden. Ihre Bundesregierung ist ein Totalausfall, wenn es um die Bekämpfung des Islamismus geht.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist die Wahrheit, und das spüren auch die Menschen in unserem Land.

Wir als Union haben allein in dieser Wahlperiode acht Anträge zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus und zum Islamismus eingebracht. Was haben Sie gemacht? Alle Anträge abgelehnt. Wie viele Gesetzesvorlagen

und wie viele Anträge hat die Ampel denn eingebracht, diese Bundesregierung? Keinen einzigen in diesem Bundestag.

Beifallbei der CDU/CSU

Eindeutiger kann man doch seinen Handlungsunwillen gar nicht belegen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Zurufdes Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ein Kollege des ermordeten Polizeibeamten, Manuel heißt er, hat diese Woche gegenüber „NIUS“ erklärt:

„Unter den Mannheimer Kollegen weiß jeder: Es hätte jeden treffen können, jeder von ihnen könnte jetzt tot sein – was dem Rouven passiert ist, war nur eine Frage der Zeit und es wird wieder passieren.“

Mich macht das, ehrlich gesagt, betroffen. Und das zeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Wir brauchen jetzt keine Betroffenheitsrhetorik. Wir brauchen konkrete Maßnahmen. Wir brauchen einen Aktionsplan. So wie wir das beim Rechtsextremismus gemeinsam gemacht haben, so müssen wir das auch endlich beim Islamismus gemeinsam machen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich will zum Schluss kommen. Friedrich Merz hat heute in der vorangegangenen Debatte ein Angebot gemacht, dass die demokratischen Parteien den Schulterschluss üben. Ihr Parteivorsitzender Lars Klingbeil hat gesagt: Wir nehmen das Angebot an.

7 VermerkeZwischenfrageca. 318 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Erst vor wenigen Tagen haben wir hier vor dem Reichstag mit einem großen Bürgerfest den 75. Geburtstag unseres Grundgesetzes gefeiert. Heute, kurz vor der Europawahl, will ich noch einmal ganz deutlich sagen: Die freiheitlich-demokratische Grundordnung wurde hart erkämpft. Die Grundrechte gelten. Wir werden unsere offene und demokratische Gesellschaft vor jedem Extremismus klar und vehement verteidigen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Tötung eines Polizisten durch einen mutmaßlichen Islamisten ist eine große Tragödie. Ich trauere um ihn, und meine Gedanken sind bei seinen Angehörigen und seinen Kolleginnen und Kollegen. Das alles, meine Damen und Herren, ist sehr bedrückend, auch gefährlich, und viele machen sich Gedanken.

Ich sehe mit Entsetzen, dass Gewalt immer häufiger als Mittel der Politik eingesetzt wird. Wir sehen, wie der radikale Islamismus inzwischen auch in Deutschland Todesopfer fordert. Dagegen müssen wir vorgehen, davor müssen wir uns schützen – mit allen verfügbaren Mitteln, auch in Zeiten knapper Kassen. Das ist selbstverständlich.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich danke unserer Innenministerin Nancy Faeser, dass sie den Islamismus scharf ins Auge genommen hat.

Widerspruchbei der CDU/CSU und der AfD

Sie hat in ihrer Amtszeit bereits eine ganze Reihe islamistischer Organisationen verboten, und weitere Verbote werden geprüft.

Beifallbei der SPD

Hier, meine Damen und Herren, dürfen wir nicht nachlassen, sondern müssen ständig wachsam sein,

Aber wenn sie ihn schon mal im Auge hat, ist ja gut!

übrigens auch im Internet. Der brandenburgische Verfassungsschutz warnt vor einer „Tiktokisierung des Islamismus“.

Zum vorliegenden Antrag der Union. Zunächst einmal: Der Islam gehört zu Deutschland. Das hat ein Bundespräsident mit CDU-Parteibuch vor Jahren festgestellt.

Das war damals schon falsch!

Wir haben kein Problem mit dem Islam oder mit Musliminnen und Muslimen. Ich denke zum Beispiel an das herausragende Engagement der Ahmadiyya-Gemeinde in Strausberg, in meinem Wahlkreis. Ein Generalverdacht gegen Muslime verbietet sich, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vielmehr ist es doch so, dass auch liberale Muslime unter dem Terror der Extremisten leiden. Denken Sie an den Ehrenmord an Hatun Sürücü in Berlin. Denken Sie an die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die wegen der Bedrohungslage seit Jahresende geschlossen ist.

7 Vermerkeca. 262 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Nein. – In Brandenburg mussten wir queere Geflüchtete in Schutzräumen unterbringen, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften nicht sicher waren. Oder denken Sie an den islamistischen Judenhass. Das alles, meine Damen und Herren, ist nicht akzeptabel.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Michael Georg Link [Heilbronn] [FDP]

Leider bietet der Unionsantrag keine wirksame Antwort. Deshalb werden wir ihn ablehnen. Denn was ist Ihre Lösung? Sie wollen Islamisten abschieben. Dafür hat die Bundesregierung bereits die gesetzliche Grundlage geschaffen. Es liegt jetzt an den Ausländerbehörden, diese Verfahren auch durchzuführen. Da ist der Bund auf die Mitwirkung auch der unionsgeführten Bundesländer und der Innenministerinnen und Innenminister angewiesen. Asylverfahren dauern einfach noch viel zu lange.

Andere Frage: Wohin wollen Sie abschieben, wenn die Täter Deutsche sind?

Zurufvon der SPD: Richtig!

Wie wollen Sie den Islamismus aus den Köpfen kriegen? Wie wollen Sie ihm den Boden entziehen?

Genau deshalb sollten wir die Einbürgerung nicht erleichtern!

Ich habe den Eindruck, dass wir mit der Vermischung von Religion, Terrorismus, Aufenthaltsrecht und Zuwanderung genau über das Stöckchen springen, das uns die Islamisten hinhalten. Sie behaupten, dass Muslime generell unterdrückt würden und sich deshalb verteidigen müssten. Das ist natürlich Unsinn.

Wir müssen uns trotzdem fragen, welchen Beitrag wir zur Radikalisierung leisten, welches Verständnis wir von Integration haben. Denn Islamismus ist gefährlich, und es gibt keine einfachen Antworten.

Deswegen brauchen wir zusätzlich zum Aufenthaltsrecht, zum Strafrecht und zum Versammlungsrecht mehr Extremismusprävention und Demokratieförderung. Da gibt es viele wirkungsvolle Ansätze. Ich nenne nur die Demokratielotsen etwa in meinem Wahlkreis Märkisch-Oderland.

Ja, die Demokratielotsen verhindern die Messermorde! Echt!

Zum Schluss noch eine Bitte an alle Demokratinnen und Demokraten: Passt auf eure Wortwahl auf! Lasst uns gemeinsam unsere Grundwerte und unsere Demokratie verteidigen!

Unsere Kinder und Enkel sollen in einem vielfältigen Europa aufwachsen.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 251 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vor sechs Jahren war Bill Warner auf meine Einladung im Bundestag zu Besuch. Er ist der Schöpfer des Begriffs „politischer Islam“, der deutlich macht, dass der Islam nicht nur Religion ist, sondern auch menschenverachtende Ideologie mit dem Ziel der totalen Unterwerfung, in der die gottgegebene Scharia das Zusammenleben umfassend regelt.

51 Prozent der Quellen des Islams beziehen sich nicht auf die Gläubigen, sondern auf uns, die Kuffar, also auf jeden, der nicht akzeptiert, dass Allah der einzige Gott und Mohammed sein Gesandter sein soll. Einen Kafir darf man täuschen, versklaven, foltern und auch töten. Die passende Übersetzung ist vermutlich „Untermensch“.

Zurufder Abg. Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Juden sind das größte Feindbild des politischen Islams, der nicht weniger antisemitisch ist als der Nationalsozialismus. Der Wunsch vieler Palästinenser nach Vernichtung Israels ist also keine Verirrung, sondern konsequent gelebter politischer Islam. Ob ein Muslim dies ausleben will, ist eine Frage des Einzelfalls; aber er darf es nach seinem Glauben.

Es erinnert an den Brandstifter, der nach der Feuerwehr ruft, wenn jetzt die Union Alarm schlägt; denn es waren Frau Merkel und die Union, die die millionenfache illegale islamische Einwanderung ermöglicht haben. Die Folge: 70 Prozent der muslimischen Schüler stellen die Scharia über deutsches Recht, und 60 Prozent der Frauen meiden aus Angst öffentliche Räume. Mannheim ist kein Einzelfall, sondern Mannheim ist Alltag – überall in Deutschland.

Die Forderung nach Remigration ist deshalb kein Generalverdacht gegen alle Muslime, von denen sich viele integriert haben, gute deutsche Staatsbürger und oft selbst Opfer des Islams sind.

7 Vermerkeca. 412 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Heute rede ich an erster Stelle als Abgeordnete meiner Heimatstadt Mannheim. Es gibt wenige Ereignisse, die sich so tief und so schmerzhaft in das Gedächtnis einer Stadtgesellschaft einprägen werden. Diese Tat geht uns ans Herz, und Sie können sich vorstellen, dass dort mit einem ganz besonderen Blick auf diese Debatte hier geschaut wird.

Wir können den Schmerz von Rouvens Angehörigen und Kollegen nicht nehmen. Wir können handeln. Die Frage ist nicht, ob wir es tun, sondern, wie wir es tun und mit welcher Geschwindigkeit wir es tun. Polizeibeamte wissen genau, dass sie in gefährliche Situationen kommen können, in denen sie in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen müssen. Wenn Sie als Polizistin, als Polizist live miterleben, wie Ihr Kollege, wie Ihr Freund so unerwartet, so brutal von einem Islamisten niedergestochen wird und das Ganze auch noch im Netz ausgestrahlt wird, dann macht das nicht nur was mit der Bevölkerung, die das sieht, sondern das macht auch was mit der Polizeifamilie. In diesen Uniformen stecken Menschen. Wir werden ein paar Tage darüber sprechen; aber sie tragen es ihr ganzes Leben lang mit sich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Allein diese Tatsache verpflichtet uns, unsere Worte in dieser Debatte klar und achtsam zu wählen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Mannheim ist eine offene Stadt. Bei uns leben Menschen aus über 160 Nationen. Es gibt unterschiedliche Religionen, und die Hälfte der Mannheimer hat einen Migrationshintergrund. Diese Vielfalt ist unsere Normalität; wir kennen das gar nicht anders. Wir zeigen, wie man mit dieser Unterschiedlichkeit in Frieden und in einem respektvollen Miteinander leben kann; denn bei uns achtet jeder die Religions- und Meinungsfreiheit des anderen.

Außer die Islamisten!

Und das, was da passiert ist, das ist nicht unser Mannheim.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufevon der AfD

Aber wissen Sie, was das eigentliche Problem in diesem Land ist – und die Politik, also wir, sind Teil dieses Problems? Wir können in diesem Land zu bestimmten Themen wie „Islamismus“, „Integration“ oder „Zuwanderung“ keine Debatten führen, ohne Menschen dabei in Schubladen zu stecken. Und dann wundern wir uns, warum Populisten in diesem Land eigentlich so einen Zuspruch bekommen.

Ich habe mir parteiübergreifend die Kommentare nach dem Vorfall in Mannheim durchgelesen.

Besser nicht!

Der eine sagt: „Schluss mit falscher Toleranz“, der andere sagt: „Wir brauchen endlich ehrliche Debatten.“ Da frage ich mich: Ja, was machen wir denn die ganze Zeit? Es gab doch immer wieder Stimmen aus den demokratischen Reihen, die auf die Gefahren des Islamismus aufmerksam gemacht haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU]

Diese Stimmen müssen aber aus der Mitte dieses Hauses und nicht immer von einigen wenigen kommen.

Das sind keine Stimmen, sondern Taten! Dieses Gelaber ändert gar nichts!

2 Vermerkeca. 20 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Für diese Debatten braucht es auch keine politisch korrekte Sprache. Wer Respekt und Anstand hat und ein bisschen Menschenverstand besitzt, –

… der wählt nicht die SPD und die Grünen schon mal gar nicht!

Genau! Kommen Sie mal zum Schluss! Es reicht jetzt!

3 Vermerkeca. 26 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– bei dem kann in diesen Debatten auch was Gescheites herauskommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Zuhören, Realitäten benennen und handeln!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufe

– Ich bitte um Ruhe im Plenarsaal.

4 Vermerkeca. 162 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Seit geschätzten acht, neun Jahren erlebe ich in Parlamenten – erst in einem Landesparlament, jetzt hier im Bundestag – sich endlos im Kreis drehende Debatten, aber keine entsprechenden Aktivitäten, um so ein Problem zu lösen. Wo lebe ich eigentlich? In welchem Land lebe ich?

Sie müssen mal rausgehen aus dem Parlament!

– Sie sind ja unzweifelhaft eine Frau; jedenfalls gehe ich davon aus.

Sie wissen, dass wir durch diese Masseneinwanderung eine so große Anzahl von Straftaten haben, dass sich Frauen in allen Großstädten in Deutschland in der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße trauen.

Und das wissen Sie, weil Sie emphatisch bei Frauen sind?

Das ist die Wahrheit. Vielleicht begreifen Sie das mal. Das können Ihnen alle diese Damen erzählen. Mir erzählen sie es auch.

Widerspruchder Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dunja Kreiser [SPD]

Sie sind keine Frau! Ich sehe, dass Sie keine Frau sind!

52 636 sexuelle Übergriffe von 2017 bis 2023, um 70 Prozent angestiegen. 1 125 Frauen wurden letztes Jahr Opfer von Vergewaltigungen mit Todesfolge,

Zurufder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

durch Asylmigranten und nicht durch irgendjemand. Was ist aus diesem Land geworden, zu dem ich mich nach wie vor als Abgeordneter zu hundert Prozent bekenne, –

ca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– in dem eine Innenministerin sogar noch lacht, wenn ein solches Thema hier behandelt wird? Mir vergeht da alles Lachen. Ich will, dass Sie mehr –

2 Vermerkeca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– machen für die Menschen in unserem Land.

Danke.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Beifallbei der SPD
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
11 Vermerkeca. 624 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Viele haben es wahrscheinlich nicht so richtig mitgekriegt: Herr Curio hat vorhin ganz bewusst den Film „Die Mörder sind unter uns“ von Wolfgang Staudte zitiert, einen Film, der Traumata von schwersten NS-Kriegs- und Menschheitsverbrechen thematisiert. Sie haben damit ganz bewusst und gezielt – das ist Ihre Strategie – Musliminnen und Muslime und Migrantinnen und Migranten generell in die Nähe von NS-Tätern gesteckt.

Das stimmt doch nicht! Sie spinnen doch!

Das ist widerlich. Und ich kann Frau Le Pen und Herrn Bardella in vielen Punkten nicht verstehen. Dass die sich aber schämen, mit Ihnen aufzutreten, das verstehe ich, und ich beglückwünsche die Rechtsextremen in ganz Europa, die sich Ihrer schämen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie haben es heute wieder bestätigt: Sie sind sogar eine Schande für Rechtsextreme. Das muss man hinkriegen; das ist eine historisch einmalige Leistung.

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Throm, ich muss Ihnen sagen, jetzt sachlich argumentierend – Sie haben gesagt, wenn wir ihnen vorwerfen würden, sie relativierten und verharmlosten Muslimfeindlichkeit, würden wir das Opfernarrativ der Islamisten bedienen –: Ich würde Ihnen mal die umgekehrte Logik empfehlen.

Indem Sie unnötigerweise leugnen, dass es tagtäglich antimuslimischen Rassismus und Muslimfeindlichkeit in krasser Form gibt,

Widerspruchbei Abgeordneten der CDU/CSU

bieten Sie etwas, was die Radikalisierer von „Muslim Interaktiv“ und „Generation Islam“ jeden Tag gezielt nutzen. Das heißt: So einfach ist es nicht, wie Sie es darstellen. Also überdenken Sie noch mal Ihre Argumentation!

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufeder Abg. Dr. Yannick Bury [CDU/CSU] und Moritz Oppelt [CDU/CSU]

Wichtig ist aber auch – damit ich nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeige –, dass man zuerst auch einmal selbstkritisch auf den eigenen Bereich guckt.

Dann machen Sie mal!

Kevin Kühnert hat zu Recht hier im Bundestag und auch im „Spiegel“ und anderswo darauf hingewiesen, dass wir Islamismus im linken Spektrum eben nicht verharmlosen sollten aus Angst, dass er, was ja geschieht, rassistisch instrumentalisiert wird. Und da hat er recht. Das ist eine sinnvolle Ermahnung seinerseits gewesen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Maximilian Mörseburg [CDU/CSU]

Auf der anderen Seite der Medaille – das ist nicht zu trennen – heißt das: Wenn wir da nicht falsch verharmlosend tolerant sind, bedeutet das aber auch nicht, wie Sie es immer im Antrag machen, Migration, Integration, Religion und Kultur zusammenzumixen und so eine Soße rauszuschütten. Damit bekämpfen Sie alles Mögliche, vor allem Rationalität; aber Sie bekämpfen damit keinen Islamismus.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Also lassen Sie das! Das schwächt Ihren Ansatz doch eindeutig.

Es ist einfach, festzustellen, dass, wenn wir kompromisslos, entschieden, auch sicherheitspolitisch gegen religiös motivierten Extremismus vorgehen wollen – und wir müssen das härter machen –, das dann aber auch bedeutet, dass ganz normale Muslime in diesem Land genauso viel und genauso wenig wie Nichtmuslime für den Extremismus verantwortlich sind. Sie müssen sich dafür nicht selbst erklären, entschuldigen, rechtfertigen. Sie haben genauso wenig und genauso viel Verantwortung wie wir alle. Also, beenden Sie Ihre Kultur des Generalverdachtes!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das passiert in deren Namen!

Und: Hören Sie auch mal auf einen großen Liberalen und FDP-Mann – Gerhart Baum! Der hat einerseits glasklar benannt, was geschehen ist: diese barbarische, unmenschliche Tat in Mannheim. Gleichzeitig hat er aber darauf hingewiesen, dass offensichtlich antimuslimische Reflexe in unseren Debatten noch sehr aktiv sind. Er sprach – und er hat komplett recht damit – warnend an uns demokratische Parteien, diese Stimmung nicht zu nutzen, sondern sie zu bekämpfen. Das ist überzeugender Liberalismus. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ein Beispiel nehmen könnten wir uns auch an einem Verband, der ganz offen ausgesprochen hat, was ist: Bündnis Malikitische Gemeinde. Dort hat man in aller Klarheit sein Mitgefühl mit einem „unserer jungen Polizisten“ ausgesprochen, wie es formuliert ist. Ich habe selbst mit Herrn Stürzenberger heftigst auf der Straße gestritten; es gibt Videos. Wir haben mit Worten gestritten – erbarmungslos, hart, aber im Wort, ohne jede Gewalt. Das Bündnis Malikitische Gemeinde hat benannt, dass es Aufgabe von Nichtmuslimen und Muslimen ist, aber auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaften und der Theologen, darauf aufmerksam zu machen, dass wir Kritik ertragen müssen, auch überzogene Kritik, auch unfaire Kritik, dass die Antwort darauf niemals und nimmer Gewalt sein darf.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, nehmen wir uns ein Beispiel an diesem klugen Verband, nehmen wir uns ein Beispiel an Gerhart Baum, und nehmen wir uns kein Beispiel an Ihrem leider misslungenen Antrag!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Zu dem Sie nichts gesagt haben!

Beifalldes Abg. Roger Beckamp [AfD]
9 Vermerkeca. 455 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Bundes-Immissionsschutzgesetz ist und bleibt ein zentraler Pfeiler der deutschen Umweltgesetzgebung. Es regelt die Genehmigung und den sicheren Betrieb von Industrieanlagen; aber es dient eben auch, so sagt es schon der Name, dem Schutz und der Abwehr von erheblichen Gefahren, die von solchen Anlagen ausgehen können.

Jetzt ist es aber so, dass wir bei der Reduktion von klimaschädlichen Gasen deutlich schneller werden müssen, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Wir müssen Deutschland deswegen modernisieren. Wir wollen das aber auf einem Weg erreichen, auf dem wirtschaftlicher Fortschritt und Klimaschutz Hand in Hand gehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit der heute zu verabschiedenden Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes schaffen wir die notwendigen Voraussetzungen, um bei der ökologischen Transformation an Tempo zuzulegen.

Weil es vor wenigen Wochen Kritik von der Union daran gab, dass wir uns bei dieser komplexen Materie die wirklich notwendige Zeit genommen haben, sage ich an dieser Stelle: Wir haben ja bei der letzten Aussprache auch schon deutlich gemacht, dass es eine komplexe Materie ist und dass wir uns die nötige Zeit genommen haben, um die wesentlichen Forderungen der Ministerpräsidentenkonferenz in diese Novelle mit aufzunehmen.

Ihr hättet einfach eins zu eins übernehmen sollen!

Mit den vorliegenden Änderungsanträgen handelt es sich damit um die größte Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes seit 30 Jahren. Ich finde, das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir digitalisieren, vereinfachen und entbürokratisieren sämtliche Genehmigungsverfahren. Das tun wir aber bei gleichbleibenden Umweltstandards, und wir tun es, ohne die Öffentlichkeitsbeteiligung und effektiven Rechtsschutz über Bord zu schmeißen. Denn eine echte Beschleunigung bekommen wir nur mit Rechtssicherheit und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern hin.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien und beim Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur legen wir sogar noch eine Schippe drauf. Wir schaffen Voraussetzungen, um das Repowering von Windenergieanlagen effektiv voranzutreiben. Wir passen aber nicht nur die Verfahren an, sondern wir legen mit dieser Novelle ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz ab. Deswegen integrieren wir das Schutzgut Klima in den Gesetzeszweck. Auch das dient der weiteren Rechtssicherheit. Und wir schaffen damit auch die Rechtsgrundlage, um eventuell notwendige Verordnungen zu erlassen.

Für den Klimaschutz ist das kontraproduktiv!

Ein letzter Punkt, der im Zuge der Verhandlungen noch mit aufgenommen worden ist: Wir schaffen eine Ausnahmeregelung bei der Sperrklausel. Auch damit heben wir zusätzliches Effizienzpotenzial, indem wir die bisher nicht genutzte Abwärme für die kommunale Wärmeplanung anzapfen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum Schluss möchte ich mich noch bei den Berichterstatterinnen und Berichterstattern für den konstruktiven Austausch sowie bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im BMWK und BMUV für die Unterstützung bei den Beratungen bedanken.

Ein Ausblick, nachdem wir heute den Rechtsrahmen geschaffen haben – das ist ein Appell an die Union –: Lassen Sie uns wirklich gemeinsam daran arbeiten, dass in den Genehmigungsbehörden der Länder auch ausreichend Personal zur Verfügung steht,

Das ist nicht nur eine Frage von Personal bei dem, was Sie da gemacht haben!

damit diese Beschleunigungspotenziale, die wir heute schaffen, auch wirklich in voller Kraft umgesetzt werden können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
20 Vermerkeca. 713 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben gerade viel Eigenlob gehört.

Zurufvon der SPD: Zu Recht!

Aber ich muss Ihnen sagen: Was diese Ampelkoalition, was diese Bundesregierung bei der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren liefert, das kommt zu spät, und das ist zu wenig.

Sie sind seit Ende 2021 im Amt. Einen Pakt für Planungsbeschleunigung mit den Ländern haben Sie im November 2023 verkündet.

Und deswegen lehnt ihr ab?

Ihr Parlamentarischer Staatssekretär aus dem Bundesumweltministerium, Gesenhues, hat damals erklärt:

„Mit diesen Vorschlägen wird nicht beschleunigt, sondern einfach nur Umweltschutz abgebaut.“

So der damalige umweltpolitische Sprecher Ihrer Fraktion, der Grünenfraktion. Da muss ich wirklich sagen: Kein Wunder, dass sich die Ampel so schwertut, konkret etwas zu erreichen, wenn es um Planungsbeschleunigung geht, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Keine Frage: Der heute zum Beschluss vorliegende Gesetzentwurf ist mehr als nichts. Es ist gut, dass sich zumindest einige Punkte aus dem Bund-Länder-Pakt Planungsbeschleunigung nun im Gesetz wiederfinden.

14 von 16!

Wenn Unternehmen künftig einfacher mit dem Bau einer Anlage beginnen können, obwohl das Genehmigungsverfahren noch läuft, wenn die Genehmigungsverfahren viel öfter digital ablaufen, wenn jetzt rechtliche Vorkehrungen getroffen werden, damit Behörden nicht immer noch mehr Unterlagen einfordern können, wenn die Auflagen bei der Erneuerung von Windkraftanlagen abgesenkt werden, dann sind das gute Punkte, gegen die wir als Opposition auch nichts einzuwenden haben.

Ich kann Ihnen aber für meine Fraktion nicht den Gefallen tun, das, wozu die Koalition offensichtlich unter Aufbietung letzter noch vorhandener konsensualer Kräfte in der Lage war, auch als ausreichend zu bewerten; denn das ist es nicht, das ist es bei Weitem nicht, meine Damen und Herren. Warum komme ich zu diesem Urteil? Deutschland steckt in einer veritablen wirtschaftlichen Krise, nicht nur wegen externer Faktoren und einer schwierigen Weltlage, sondern zuallererst aufgrund des Totalausfalls der Wirtschaftspolitik dieser Regierung unter Robert Habeck und Olaf Scholz.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das ist aber totaler Blödsinn!

Der Sachverständigenrat geht in seinem Frühjahrsgutachten von einem Wachstum von lediglich 0,2 Prozent in diesem Jahr aus. In einer solchen Situation darf eine Regierung keine einzige Chance ungenutzt lassen, gegenzusteuern, Impulse für eine wirtschaftliche Belebung zu setzen, Freiräume für die Entfesselung ökonomischer Kräfte zu schaffen. Und Planungsbeschleunigung, meine Damen und Herren, ist so eine Chance, die den Staat zudem nichts kostet.

Also stimmen Sie dem zu?

Umso mehr ist es aus meiner Sicht eine vertane große Chance, dass die Koalition bei der Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes auf halber Strecke stehen bleibt.

Sie beschleunigen bei Windkraft und Wasserstoff – gut. Aber warum ignorieren Sie die anderen Notwendigkeiten? Sie haben keine ganzheitliche Wachstumsstrategie. Das ist ein „Gute Technologie, schlechte Technologie“-Spiel, das Sie hier betreiben, und das wird der schweren Situation, in der sich das Industrieland Deutschland befindet, absolut nicht gerecht.

Das stimmt doch nicht!

Ich kann Ihnen auch sagen, wer darüber bestimmt, was eine gute Technologie ist, die bei den Verfahren entlastet wird, und was nicht.

Wo steht denn das im Gesetz?

Es ist unverkennbar ein grüner Geist, den dieses Gesetz atmet. Robert Habeck und Steffi Lemke haben zumindest in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet. Grüne Feindbilder werden einmal mehr zur Beglückung der eigenen Kernklientel bedient. Man muss ja nur mal mit Ihnen über Planungsbeschleunigung beim Straßenbau diskutieren.

Das läuft unter Mythenbildung!

Noch ein Wort zum neu eingeführten Schutzgut Klima.

Können Sie mal bitte Ihre eigenen Ideen vortragen?

Das klingt gut, bringt aber neue Probleme. Da kann ich wirklich nur sagen: Reden Sie doch mal mit den Fachleuten aus der Praxis! Die konkreten Auswirkungen dieser Ausweitung sind noch gar nicht absehbar. Ich fürchte, es sind im Zweifelsfall viele neue Gutachten und Klagen.

Davor fürchtet sich die CDU, das ist richtig!

Dadurch droht, dass die positiven Effekte, die das jetzt vorliegende Gesetz haben mag, ins Gegenteil gewendet werden. Diese Befürchtung treibt die Wirtschaft um, die treibt uns um, und die konnte die Koalition auch nicht ausräumen, meine Damen und Herren.

Wir werden es Ihnen nicht ersparen können: Das Thema schnellerer Planungs- und Genehmigungsverfahren ist mit dem heutigen Tag mitnichten erledigt. Wir bleiben dran.

Was machen Sie denn konkret?

Wir bringen weiter konstruktive Vorschläge ein,

Was denn? Und wann?

wie in unserem Entschließungsantrag. Lesen Sie sich den mal durch!

Und? Was steht denn dazu drin? Nichts!

Habe ich!

Als Beispiele will ich nennen: Verzicht auf Ausgleichsflächen beim Ausbau der erneuerbaren Energien;

Ihr verzichtet auf Umweltstandards! Da steht was ganz anderes drin!

Einschränkung der Klagerechte, insbesondere des Verbandsklagerechts; Schluss mit endlosen Verfahren im Umweltrecht, Stichwort „materielle Präklusion“; insgesamt eine Beschleunigung der Gerichtsverfahren. Das sind einige Beispiele aus den Vorschlägen, die wir Ihnen konkret vorgelegt haben in unserem Entschließungsantrag. Da müssen Sie mehr liefern. Nur so klappt es mit dem selbst propagierten Deutschlandtempo, nur so kommt Deutschland auf Kurs.

Dieser Regierung fehlen aber ganz offensichtlich die Kraft und die notwendige Einigkeit, um endlich konsequent Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Beifallbei der CDU/CSU
14 Vermerkeca. 619 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Lebensader einer Industrienation ist jederzeit verfügbare, preiswerte Energie in ausreichender Menge. Diese Lebensader haben die Damen und Herren dort auf der Regierungsbank absichtsvoll und ohne jede Not zerschnitten. Als Folge davon befindet sich unser Land nun in der schwersten Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Den meisten ist inzwischen klar geworden, dass die erwartbare Deindustrialisierung keine Verschwörungstheorie rechter Schwurbler gewesen ist, sondern dass sie direkt vor unseren Augen zur bitteren Realität wird.

Beifallbei der AfD

Wer nun auf eine Lernkurve der Regierung hofft, wird leider auch diesmal wieder enttäuscht: „Immer mehr vom Falschen, damit es am Ende richtig wird“ scheint das Motto der politischen Einheitsfront zu sein, welche das Zerstörungswerk unserer Wirtschaft mit geradezu religiösem Eifer weiter vorantreibt. Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Heiterkeitdes Abg. Andreas Bleck [AfD]

So erklärt sich dann auch das Kernanliegen des vorliegenden Gesetzentwurfes, nämlich die als lästig empfundenen Verzögerungen für den grenzenlosen Ausbau von Erneuerbare-Energie-Anlagen mit aller Macht aus dem Weg zu räumen. Geht es also um Ökoenergie, wird Umweltverträglichkeit zur Nebensache,

Die Umweltverträglichkeitsprüfung ändern wir doch gar nicht!

und die Einspruchsmöglichkeiten der Bürger werden bestmöglich beschränkt. Genehmigungsverfahren für andere Industrieanlagen allerdings werden gleichzeitig – der EU sei Dank – künstlich immer weiter erschwert.

Mal abgesehen davon, dass man entweder naiv oder ahnungslos sein muss, um tatsächlich zu glauben, man könne ein Industrieland wie die Bundesrepublik allein mit Flatterstrom aus Wind und Sonne betreiben, gibt es noch ein paar andere Aspekte, über die offenkundig ungern gesprochen wird, zum Beispiel den Umstand, dass die Erneuerbaren so gut wie nie genau die Menge an Strom erzeugen, die wir tatsächlich an einem Zeitpunkt X brauchen.

Es gibt Stunden, da sind es 100 Prozent!

Stattdessen leben wir im ständigen Wechsel zwischen zwei Szenarien: a) wir produzieren viel zu wenig Strom und müssen ihn dann oft zu Höchstpreisen aus dem Ausland dazukaufen,

oder b) bei hohen Leistungsspitzen unserer Wind- und Photovoltaikanlagen überschwemmen wir unsere Nachbarn geradezu mit Ökostrom, den niemand braucht und auch niemand haben will.

Beifallbei der AfD

Der deutsche Strom wird dann an den Energiebörsen zu Ramschniveau gehandelt, oder er erzeugt eben Negativpreise. Das heißt, wir produzieren also an diesen Tagen Energiemüll, für dessen Entsorgung und Verklappung im Ausland wir dann auch noch mit dem sauer verdienten Geld unserer Steuerzahler teuer bezahlen müssen.

Energie wird verklappt? Welchen Strom schicken wir denn ins Meer?

Mancher fragt sich: Ist das noch Dummheit oder schon Sabotage?

Beifallbei der AfD

„Deutschland verrecke!“, brüllt jedenfalls die Antifa, während Rote und Grüne in ihren Reihen begeistert mitmarschieren oder, wie Frau Faeser, für ihre Foren nette Texte schreiben. Die Zeche zahlen jedenfalls die arbeitenden Menschen unseres Landes; so viel steht jetzt schon fest. Sie zahlen für den milliardenschweren Schattenhaushalt des Klima- und Transformationsfonds, und sie zahlen die künstlich in die Höhe getriebenen Gas- und Strompreise.

Reden Sie auch noch zum Gesetz?

Zurufder Abg. Judith Skudelny [FDP]

Sie zahlen für die von dieser Regierung absichtsvoll in die Höhe getriebenen Preise für Benzin und Diesel

Die sind doch gar nicht höher!

und natürlich auch für die dadurch getriebene und selbstverschuldete Inflation, die für viele die Lebensmittel fast unbezahlbar macht.

Beifallbei der AfD

Ja, auch die berechneten 520 Milliarden Euro, die diese großartige Energiewende allein bis 2025 kosten wird, werden unsere Bürger zahlen, so wie sie für die Radwege in Peru zahlen und übrigens auch für den Erhalt von schützenswerten Primärwäldern in den ukrainischen Karpaten – wussten viele wahrscheinlich auch nicht. Aber das Ganze passiert dann, während wir selbst unsere schützenswerten Wälder wie den Reinhardswald für riesige Windräder abholzen.

Beifallbei der AfD

Mit jedem dieser Ideologieprojekte, für welche die Regierung unser Steuergeld verschwendet, mit jedem Euro, den diese Regierung anschließend dem Steuerzahler abpresst, vermindert sich unser Wohlstand. Nein, meine Damen und Herren, es wird kein grünes Wachstum geben, sondern grünes Schrumpfen und langsame Verarmung oder einen „Wohlstand des Weniger“, wie Frau Göring-Eckardt das zynisch bei „Anne Will“ unlängst gesagt hat.

Zurufder Abg. Judith Skudelny [FDP]

Nun, es ist Superwahljahr, und die Menschen da draußen an den Bildschirmen haben teilweise gleich mehrfach die Gelegenheit, sich auf den Wahlzetteln für diesen „Wohlstand des Weniger“ zu bedanken.

Ich bedanke mich auch.

Beifallbei der AfD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Läuft nicht so gut für die AfD, was?
20 Vermerkeca. 1.043 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland braucht eine Wirtschaftswende. Die mittelfristige Wachstumsprognose ist von 1,5 auf 0,2 Prozent zurückgegangen. Unsere Unternehmen kämpfen gegen den Fachkräftemangel, und bei den Strompreisen halten wir uns dank des völkerrechtswidrigen Einmarsches Russlands in die Ukraine unter den Top Ten.

Auch bei den Standortfaktoren sind wir im weltweiten Ranking von Platz 6 auf Platz 22 zurückgefallen – übrigens, liebe Union, in den letzten zehn Jahren. Das heißt, auch ihr in eurer Regierungszeit habt vieles nicht gemacht, was damals schon möglich gewesen wäre.

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Zurufvon der AfD: Doch, die haben zu viel gemacht!

Die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren hat sich nach Einschätzung der Unternehmen in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Selbst deutsche Traditionsunternehmen wie Miele, Kärcher und Stihl überlegen sich hinsichtlich ihrer Investitionen, weniger in Deutschland und mehr ins Ausland zu investieren.

Wann sind sie denn auf die Idee gekommen?

Zurufvon der AfD

Es wird Zeit, diesen Unternehmen und den Unternehmern eine Perspektive in Deutschland zu geben.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Diese Perspektive zeigen wir heute mit der Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes auf. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich das größte Verfahren zur Planungsbeschleunigung der letzten 30 Jahre.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das wird sich erst noch zeigen, ob das so ist!

Vom Sportplatz über die erneuerbaren Energien bis hin zu dem Chemiepark: Alle Vorhaben in Deutschland werden merklich beschleunigt, und das ohne Abstriche beim Naturschutz.

Lachendes Abg. Andreas Bleck [AfD]

Was machen wir genau? Zunächst setzen wir die Dinge um, die längst überfällig und selbstverständlich sein sollten.

Wir digitalisieren die Antragsverfahren. Alles, was digitalisiert geht, soll auch digitalisiert gemacht werden. Ausnahmen werden nur dort gemacht, wo Unternehmen Sorge um ihre Betriebsgeheimnisse haben. Hier können sie freiwillig und selbstbestimmt weiterhin auf das analoge Verfahren zurückgreifen. Wir wollen nicht die Industriespionage erleichtern, sondern es der Industrie leichter machen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Dann treten Sie zurück!

Dann straffen und vereinfachen wir das Verfahren an sich. Behörden müssen künftig die Vollständigkeit der Unterlagen beim Eingang des Antrags prüfen, und sie können nur noch ein einziges Mal Nachforderungen stellen. Dann fangen die Fristen verbindlich zu laufen an.

Wenn weitere Behörden angehört werden müssen und sie sich einfach nicht zurückmelden: Pech gehabt. Wenn deren Informationen trotzdem gebraucht werden, können die leitenden Behörden zulasten und auf Kosten der Behörde, die sich nicht meldet, ein Gutachten erstellen lassen. Auch hier ist richtig Beschleunigungspotenzial zu heben.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit Gutachten?

Erneuerbare Energien haben im Regelfall ein geringeres Gefahrenpotenzial als beispielsweise eine Chemieanlage. Deswegen gehen wir bei erneuerbaren Energien sogar noch einen kleinen Schritt weiter. Wenn sich hier eine Behörde nicht meldet, wird nicht auf das Verfahren der Beteiligungsfiktion zurückgegriffen, sondern dann wird so getan, als ob die Behörde zugestimmt hat. Das ist dem geschuldet, dass wir a) die Energieerzeugung in Deutschland deutlich ausbauen müssen, um von den Top Ten runterzukommen, und dass b) diese Anlagen einfach weniger Gefahrenpotenzial haben. Das ist inhaltlich richtig und ausgesprochen sinnvoll.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Erörterungstermine werden nur noch dann notwendig, wenn sie auch nötig sind.

Wir stärken die Position des Projektmanagers. Dort, wo die personelle Ausstattung der Behörden nicht ausreichend ist, werden künftig in Einklang mit dem Projektherrn externe Hilfspersonen zur Seite gestellt werden, sodass nicht mehr der Personalmangel bestimmend ist, sondern wir alle Kräfte bündeln können, um Genehmigungsverfahren auch in den Behörden zu beschleunigen.

Zudem haben wir aus den Erfahrungen der Energiekrise gelernt. Wir verstetigen die sogenannten Fuel-Switch-Regelungen und weiten diese auf alle Bestandsanlagen und -anwendungen aus.

Durch den Wegfall der Prognoseentscheidung stärken wir die Rechte und die Möglichkeiten derjenigen, die in Deutschland weiter investieren möchten.

Diese und weitere Maßnahmen führen dazu, dass wir in Deutschland bei den Genehmigungsverfahren Tempo machen. Trotzdem nörgelt die Union an dem Gesetz rum und will all die guten Punkte in Gänze ablehnen. Daher will ich ein ganz klein wenig auf Ihren Entschließungsantrag eingehen, mit dem Sie versuchen, Ihre Ablehnung zu rechtfertigen.

Sie fordern, dass wir alle Punkte der MPK vom November 2023 in diesem Gesetz umsetzen. – Tja, genau das haben wir mit dem vorliegenden Gesetz getan.

Nein, das stimmt nicht!

Der Kollege hat aber etwas anderes gesagt!

Lediglich die sogenannte Stichtagsregelung ist nicht enthalten, und ich erkläre Ihnen auch, warum: Sie ist nicht rechtskonform. Sie widerspricht der Aarhus-Konvention. Eine solche rechtswidrige Regelung können wir leider in Deutschland nicht erlassen. Wir sind eine Rechtsstaatspartei,

Deswegen steht sie im Koalitionsvertrag!

und deswegen sind wir hier zurückhaltend.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Warum steht es dann im Koalitionsvertrag?

Richtig demgegenüber ist Ihre Forderung, die europäische Präklusionsregel zu überarbeiten. Dies muss aber in Europa geregelt werden. – Sekunde mal: Wer war da bis jetzt federführend? Ach ja, von der Leyen. Die hat es nicht gemacht.

Das steht bei Ihnen im Koalitionsvertrag, seit zwei Jahren!

Allerdings werden wir dieses Problem, das von der Leyen in Europa nicht lösen kann, nicht hier und heute im Bundestag regeln können.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Stattdessen haben wir einen verbindlichen Fristlauf vereinbart und das Verfahren planbar gemacht. Damit erreichen wir das gleiche Ziel, allerdings auf rechtskonforme Art.

Ich finde, den Vogel schießen Sie ein bisschen mit der Forderung ab, dass jegliche Naturschutzbelange komplett außer Acht zu lassen sind, wenn es nur irgendwie um erneuerbare Energien geht. Ernsthaft? Jedes Windrad in jedem Naturschutzgebiet soll gesetzlich privilegiert und zulässig sein? Ganz ehrlich: Man muss kein Grüner sein, um zu sehen, dass diese Forderung jede vernünftige rote Linie überschreitet.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Andreas Bleck [AfD]

Unabhängig davon ist es übrigens gemäß nationalem, europäischem und internationalem Recht rechtswidrig.

Jetzt behaupten Sie – das nennen Sie zumindest im Ausschuss als Grund, warum Sie das Gesetz ablehnen –, dass die Aufnahme des Schutzgutes Klima das ganze Ding so wahnsinnig rechtsunsicher machen würde. Spoiler alert! Wir haben schon den Schutz der Atmosphäre, einen ähnlich rechtsunsicheren Begriff, und ich kann Ihnen sagen, was beide Begriffe gemeinsam haben:

Das gilt trotzdem seit Ewigkeiten!

Sie beeinflussen den Inhalt des Gesetzes ohne unterliegende Regelungen nicht. Sie machen es eben nicht rechtsunsicher.

Warum nehmen Sie es dann auf?

– Ganz ehrlich: Wegen mir hätte es die Aufnahme auch nicht gebraucht. Aber die Wahrheit ist, dass dieses Gesetz so viel besser ist, sodass ungeachtet der Aufnahme des Schutzgutes Klima

Die Wahrheit ist, dass Sie es nicht durchgekriegt haben!

in der Abwägung jeder vernünftig denkende Mensch hier schlicht und ergreifend zustimmen muss.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Union, wir fordern Sie ein weiteres Mal auf: Gehen Sie noch mal ganz sorgfältig in sich, und überlegen Sie, ob Ihre wirklich dünne, dünne, dünne Begründung ausreicht, diesem großen Gesetz nicht zuzustimmen.

Wir zünden heute den Genehmigungsturbo.

Zurufder Abg. Anja Karliczek [CDU/CSU]

Wir räumen den Weg frei für alle, die in Deutschland und für Deutschland Investitionen tätigen wollen. An der Zustimmung zu diesem Gesetz werden wir sehen, wer bereit ist, für eine Wirtschaftswende in Deutschland zu arbeiten, die Ärmel hochzukrempeln. Wir in der FDP haben es getan. Wir haben es gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern in vielen Diskussionen umgesetzt. Jetzt kann es losgehen, Investitionen können starten, und das Ganze auch noch schnell. – Deswegen schenke ich Ihnen eineinhalb Minuten, liebe Union. Die können Sie dazu nutzen, sich noch einmal Gedanken zu machen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
7 Vermerkeca. 362 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Werte Kollegen! Im Gesetzentwurf wird bemängelt, dass 36 bis 41 Millionen Tonnen CO2 an Einsparungen fehlen. Die Schuld dafür liegt ganz klar bei Rot-Grün. Denn im Jahr 2002 hat Rot-Grün den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Und hätten wir all diese 19 Kernkraftwerke noch am Laufen, könnten wir heute jedes Jahr 70 bis 90 Millionen Tonnen CO2 weniger emittieren.

Zurufder Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]

Das heißt, dieses Versagen, das Sie bemängeln, das haben Sie selbst zu verantworten.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das wäre uns tatsächlich auch egal, aber was wir gerne hätten, wären diese Kernkraftwerke mit ihrem preiswerten und zuverlässigen Strom. Denn wenn wir diesen noch hätten, dann müssten Industrie und Unternehmen nicht in Scharen aufgrund der hohen Energiekosten das Land verlassen und damit die Arbeitsplätze und den Wohlstand in diesem Land gefährden.

Beifallbei der AfD
Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Gucken Sie sich die Kosten mal an!

Infam ist es von den Grünen, Frau Heitmann, wenn Sie jetzt anfangen, das Hochwasser und seine Opfer zu instrumentalisieren. Denn Sie sind schuld daran, dass Milliarden Euro in nutzlosen Projekten verschwendet werden, für die Sie gegenüber dem Steuerzahler keine Rechenschaft ablegen. Sie beantworten dem Steuerzahler nicht die Frage, wie viel Grad Celsius weniger Erwärmung er pro Milliarde Steuergeld kriegt. Sie sagen ihm nicht, wie viel Millimeter Niederschlag weniger er pro Milliarde Steuergeld kriegt bzw. – wenn Sie statt im Hochwassermodus mal wieder im Dürremodus sind – wie viel Niederschlag mehr er pro Milliarde Steuergeld kriegt. Das alles können Sie nicht beantworten. Es ist kein reales Invest; es ist eine Geldverschwendung, ein absolut nutzloses, esoterisches Klimavoodoo.

Beifallbei der AfD

Zum Vergleich: Der Wissenschaftliche Dienst hat mir auf eine Anfrage geantwortet, dass eine Ertüchtigung der deutschen Nord- und Ostseedeiche für 100 Jahre dieses Land vielleicht 10 bis 12 Milliarden Euro kosten würde.

Zurufdes Abg. Carsten Träger [SPD]

Der Bundesfinanzminister hat allein vergangenes Jahr 12,6 Milliarden Euro an EEG-Geldern den Wind- und Sonnenproduzenten für ihren nutzlosen Zappelstrom hinterhergeschmissen. Sie verschwenden das Geld für unnütze, unwirksame Maßnahmen. Und Sie versäumen es, das Geld in wirksame Hardware entlang der Küsten und der Gewässer in Deutschland zu investieren, mit Deichen, Dämmen und Rückhaltebecken – Dinge, die unsere Bürger schützen, die das Eigentum unserer Bürger schützen. Und deswegen wird die AfD Ihren Gesetzentwurf selbstverständlich ablehnen. Investieren Sie das Geld in funktionierende Hardware, und kommen Sie weg von Ihrem Klimavoodoo!

Beifallbei der AfD

Der hat ja wirklich gar keine Ahnung, oder? Der ist ja wirklich ahnungslos!

Porträt von Anja Karliczek
Foto: Tobias Koch
6 Vermerkeca. 566 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Ampelkollegen, ich will Ihnen zugestehen, dass die Novelle zum Bundes-Immissionsschutzgesetz wirklich einige gute Ideen enthält, die grundsätzlich sogar geeignet sind, Planungs- und Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien an Land zu beschleunigen. Und ich bin auch sehr froh, dass die Bundesländer so tatkräftig daran mitgewirkt haben. Denn als Genehmigungsbehörden wissen die Landes- und Kreisverwaltungen häufig viel besser als der Bund, wie sich die Regelungen in der Praxis auswirken.

Richtig!

Ich möchte auch vorab klarstellen, bevor hier wieder irgendwelche Gerüchte aufkommen:

Zurufevon der SPD

Die Unionsfraktion will ambitionierten Klimaschutz. Aber wir wollen auch echte Beschleunigung, und zwar jeglicher Verfahren. Denn das halten wir für einen wichtigen Hebel beim Klimaschutz im Industriebereich.

Ich will auf einen wesentlichen Punkt kommen, der uns am Ende genau bewogen hat, das Gesetz abzulehnen, so wie Sie es jetzt umsetzen wollen. Sie wollen das Klima als Schutzgut in dieses Gesetz aufnehmen. Und ich will bewusst sagen: Es gibt schon eine Reihe von Schutzgütern, die explizit genannt werden: Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Atmosphäre, Kultur und sonstige Sachgüter.

Zurufdes Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Und jetzt soll es halt noch das Klima als weiteres Schutzgut sein.

Das Ganze hat allerdings einen Haken. Sie wollen bei Planung und Genehmigung von Anlagen schneller werden. Das ist Ihr Ziel. Aber wenn Sie jetzt neben den bekannten Schutzgütern auch noch das Klima aufnehmen, dann wird das dazu führen, dass sich genau bei diesem Punkt neue Fragen ergeben, die Sie auch beantworten müssen.

Ich sage Ihnen voraus: Keine Genehmigungsbehörde wird ohne eine klare und eindeutige Definition und Formulierung des Schutzgutes Klima mutig eine Genehmigung erteilen. Keiner wird ohne ein weiteres Gutachten das Risiko auf sich nehmen. Sie werden alle sagen: Wir lassen ein Gutachten machen, dann sind wir juristisch nicht angreifbar. – Das kann ich übrigens auch verstehen. Nur ist es am Ende genau dann mit der Beschleunigung schon wieder vorbei.

Ich mache Ihnen jetzt einen Vorschlag, der die Ziele Klimaschutz und Beschleunigung in Einklang bringt: Sie lassen den Begriff „Klima“ aus Ihrer Novelle raus, damit wir dem Klima wirklich was Gutes tun können, nämlich schneller klimafreundliche Energieanlagen bauen.

Ich mache Ihnen noch einen weiteren Vorschlag: Sie machen bei der Beschleunigung keinen Unterschied zwischen Anlagen für erneuerbare Energie und anderen Industrieanlagen. Denn wie wollen Sie eigentlich den Menschen erklären, dass Sie zum Beispiel die Direktreduktionsanlage von thyssenkrupp, die jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO2 einspart, nicht auch beschleunigt bauen wollen? Auch Industrieansiedlungen wie die von Intel in Magdeburg mit 17 Milliarden Euro Investitionsvolumen und 3 000 geplanten zusätzlichen Arbeitsplätzen könnten durch die geplante Stichtagsregelung deutlich profitieren. Beispiele wie diese gibt es viele. Umso wichtiger ist es, diese wichtigen Transformationsprozesse gänzlich zu unterstützen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ermöglichen Sie der Industrie, alle Industrieanlagen schneller und leichter zu errichten! Trauen Sie unserer Wirtschaft das zu! Trauen Sie der Industrie zu, dass sie weiß, was sie tut!

Liebe Koalition, das Kernziel dieser Novelle liegt in der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Auf der einen Seite haben Sie teilweise durch Aufnahme der MPK-Beschlüsse nachgebessert. Auf der anderen Seite werden die Vorteile, die beispielsweise der vorzeitige Baubeginn bringen könnte, durch das zusätzliche Schutzgut Klima wieder konterkariert. Sie sind nicht konsequent. Deshalb fordern wir Sie in unserem Entschließungsantrag auf, auf die Aufnahme des nicht klar eingrenzbaren Schutzgutes Klima in das Bundes-Immissionsschutzgesetz zu verzichten. In den Fachgesetzen, dem Bundes-Klimaschutzgesetz, dem Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz usw., können Sie das regeln. Liebe Koalition, was Sie wollen, werden Sie so nicht erreichen. Schade.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie hat es einfach nicht verstanden!

Porträt von Jan-Niclas Gesenhues
Foto: Jan-Niclas Gesenhues/ Sascha Hilgers
Jan-Niclas GesenhuesGrüne· Parl. Staatssekretär BMUV· MdB
9 Vermerkeca. 519 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Bilger, liebe Frau Karliczek, es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Sie hier fordern, dass wir alles viel schneller machen müssen, und hier kritisieren, dass alles viel zu spät komme. Sie hätten doch spätestens seit der Unterschrift unter das Pariser Klimaabkommen 2015 wissen müssen, dass wir schneller werden müssen, dass wir schneller Infrastrukturen für erneuerbare Energie ausbauen müssen, dass wir schneller werden müssen beim natürlichen Klimaschutz.

Wir haben diverse Beschleunigungspakete aufgelegt!

Sie haben in Ihrer Regierungszeit nicht geliefert.

Sie sind doch immer dagegen!

Stimmt nicht! Wir haben diverse Beschleunigungspakete auf den Weg gebracht!

Aber nicht zu liefern und jetzt mit großen Worten daherzureden, ist weder besonders redlich noch besonders anständig. Das sind alles bürgerliche Kategorien – ich weiß –, aber ich weiß nicht, ob das in Ihrer Partei noch eine Rolle spielt. So geht es jedenfalls nicht.

Diese Bundesregierung hat es sich jedenfalls zur Aufgabe gemacht, Verfahren deutlich zu beschleunigen und die notwendige Infrastruktur schneller auszubauen. Den Vorgängerregierungen – das habe ich vorhin ja illustriert – fehlten dazu der Wille, die Kraft und auch das Durchsetzungsvermögen. Denn zur Wahrheit gehört doch, dass ganz viele unerledigte Aufgaben bei uns auf dem Tisch lagen, als wir die Regierungsgeschäfte übernommen haben: beim Ausbau der erneuerbaren Energien, beim klimafreundlichen Wirtschaften, beim bezahlbaren Wohnraum, bei den Straßen, bei den Schienen und beim Brückenbau. All das hätte spätestens – das habe ich vorhin schon gesagt – mit der Unterschrift unter das Pariser Klimaabkommen viel deutlicher angegangen werden müssen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ihre Fraktion war immer dagegen!

Das wurde es aber nicht, meine Damen und Herren. Das wurde es nicht, sondern die Vorgängerregierung hat den Kampf gegen die Klimakrise sträflich vernachlässigt, genauso wie im Übrigen die Verfahrensbeschleunigung. Wir korrigieren das jetzt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Bei uns waren die Leute noch motiviert, mitzumachen!

Diese Bundesregierung packt beides beherzt an. Die Reform des Immissionsschutzgesetzes ist ein ganz zentraler Baustein dafür. Mit diesem Gesetz realisieren wir Kernpunkte des Beschleunigungspaktes und halten dabei – das ist vorhin mehrfach erwähnt worden – ein hohes Schutzniveau für unsere Umwelt. Denn beim Immissionsschutz geht es ja nicht um irgendwas. Es geht um den Schutz unserer Lebensgrundlagen; aber es geht auch um Grundrechte wie den Schutz von Leben, von Gesundheit und von Eigentum. Ja, Eigentum: Wenn zum Beispiel Wohngebiete durch Abgase belastet werden, dann schadet das nicht nur der Gesundheit, sondern dann rauschen auch Immobilienpreise in den Keller. Deswegen ist das Immissionsschutzrecht auch für das Grundrecht auf Eigentum wichtig, meine Damen und Herren.

Somit haben wir insgesamt ein ausgewogenes Paket mit wirksamen Beschleunigungen und Verbesserungen für den Umwelt- und Klimaschutz vorgelegt. Wir sind damit im Übrigen eines der ersten Ressorts, das einen Beitrag zur Umsetzung der Bund-Länder-Vereinbarung zur Planungsbeschleunigung leistet. Vielen Dank an die Berichterstatter und Berichterstatterinnen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Ministerien, die das ermöglicht haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Judith Skudelny [FDP]

Meine Damen und Herren, die Bundesregierung hat bereits an vielen Stellen zahlreiche Hemmnisse beim Ausbau der Erneuerbaren beseitigt. Es ist uns dabei gelungen, ein hohes Niveau für Umwelt- und Naturschutz aufrechtzuerhalten. Es straft all diejenigen Lügen, die den Umwelt- und Naturschutz immer als Bremser darstellen. Die echten Bremser sind nämlich nicht Umwelt- und Naturschutz, sondern bestimmte Parteien und Landesregierungen, die aus ideologischen Gründen den Ausbau der Erneuerbareninfrastruktur behindern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie der Abg. Judith Skudelny [FDP]

Umwelt- und Naturschutz sind mit dem zügigen Ausbau der Erneuerbaren vereinbar. Wir stellen das mit diesem Gesetz unter Beweis.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
11 Vermerkeca. 549 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Gesenhues, ich habe eine Liste mitgebracht. Jahr 2021: Gesetzliche Beschleunigung des Repowering von Windkraftanlagen. 2020: Investitionsbeschleunigungsgesetz. 2018: Beschleunigung von Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich. Das sind nur drei Beispiele. Also von wegen: Es ist nichts passiert. – Die Leier hören wir immer wieder, gerade von Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Zurück zum Thema. Der vorliegende Gesetzentwurf adressiert in der Tat ein wichtiges Thema, nämlich die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Hier müssen wir in der Tat schneller werden. Vor diesem Hintergrund wäre es gut, wenn behördliche Fristverlängerungen nicht unbegrenzt möglich wären und auf unnötige Erörterungstermine verzichtet werden könnte. Aber – das klang schon verschiedentlich an – unsere Hauptkritik ist: Dieses Gesetz soll in wesentlichen Teilen nur für den Ausbau der erneuerbaren Energien gelten.

Stimmt nicht! Das können Sie noch so oft sagen!

Das stimmt überhaupt nicht!

Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich höre Sie links schon wieder dazwischenrufen –: Der Ausbau ist gut, auch wenn man die explodierenden Kosten des Ausbaus langsam in den Griff bekommen könnte; aber wir müssen eben nicht nur beim Ausbau der erneuerbaren Energien schneller werden, sondern wir müssen auch insgesamt schneller werden. Genau dem verweigern Sie sich wieder einmal.

Beifallbei der CDU/CSU

Das zeigt, dass die Ampel immer noch nicht verstanden hat, dass wir uns ökonomisch in einer zunehmend prekären Lage befinden. Deswegen will ich gerne noch mal erläutern, wo wir wirtschaftlich gerade stehen. Unter Ihrer Führung sind wir zu dem Land geworden, das mit Abstand am wenigsten wächst. Von einem konjunkturellen Aufschwung, der den Namen verdient, sind wir Meilen entfernt. Auch wenn einige wenige Frühindikatoren eine leichte Besserung signalisieren,

Das passt Ihnen nicht!

sind die mittelfristigen Wachstumsperspektiven – und darum geht es doch – so mau wie lange nicht. Das liegt natürlich zu einem erheblichen Teil an der bemerkenswert langen Liste Ihrer wirtschaftspolitischen Verfehlungen wie dem Heizungsgesetz oder dem Förderchaos bei den E-Autos. Gucken Sie sich mal die letzten Absatzzahlen an! Sie haben die Menschen und die Unternehmen in Rekordzeit verunsichert.

Wer hat hier verunsichert? Das sollten wir hier mal diskutieren!

Da hilft es auch nicht, wenn Herr Habeck hinterher lapidar behauptet: Das waren alles nur Tests. – Respekt gegenüber dem Bürger, meine Damen und Herren, sieht anders aus.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Verunsichert haben Sie die Unternehmen auch mit der von Ihnen verursachten künstlichen Energieverknappung. Von wegen „ergebnisoffene Prüfung“ bei der Abschaltung der Kernkraftwerke! Nach wie vor bestehen zumindest erhebliche Zweifel, dass der Bundestag und die Öffentlichkeit von den Ministern Habeck und Lemke wirklich die Wahrheit gesagt bekommen haben. Darüber wird noch zu sprechen sein.

Deswegen sind wir auch weiterhin ein Land mit den höchsten Energiepreisen weltweit, trotz des Preisrückgangs der letzten Monate, der hier auch immer wieder gerne genannt wird.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Entscheidend sind nämlich immer, Frau Künast, die relativen Preise, und da hat sich nichts verbessert, gar nichts.

Beifallbei der CDU/CSU

Gerade auch deswegen wäre es wichtig, wenn Sie jetzt ein starkes Zeichen setzen und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren nicht nur auf Teile der Wirtschaft beschränken würden. Die Älteren in der SPD-Fraktion werden sich vielleicht erinnern: So eine langgestreckte Phase der wirtschaftlichen Stagnation hatten wir schon einmal, und zwar unter rot-grüner Führung zu Beginn des Jahrtausends.

Lachenbei Abgeordneten der SPD

Vielleicht erkennen Sie das Muster, und vielleicht erklären die Älteren in der SPD auch mal den Jüngeren, zu welch drastischen Maßnahmen selbst Ihr ehemaliger Juso-Vorsitzender Schröder am Ende bereit war, weil der wirtschaftliche Druck einfach zu groß geworden ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Also, warum nicht jetzt anfangen und unserem Antrag zustimmen? Er ist viel weiter gefasst als Ihr Gesetzentwurf. Ihren Gesetzentwurf lehnen wir jedenfalls ab.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
7 Vermerkeca. 559 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dr. Wiener, ich gratuliere zu Ihrer Wahlkampfrede, die ähnlich wenig zum Thema gepasst hat wie Ihr Antrag.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Aber wenn Sie glauben, dass das die Substanz ist, mit der Sie uns inhaltlich Konkurrenz machen können, dann ist uns bei den nächsten Wahlen nicht bange.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das Thema „Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung“ ist auf den ersten Blick ein Feinschmeckerthema. Da kann man den Damen und Herren auf den Besuchertribünen nur gratulieren. Die Relevanz für die Wirtschaft und die Energiepolitik ist aber nicht zu unterschätzen.

Und weil man in dieser Koalition über vieles diskutieren kann, wir aber in der Kommunikation unserer Erfolge teilweise nicht gut genug sind, will ich diesen Anlass für eine kurze Bestandsaufnahme nutzen, um zu zeigen, wo wir beim Thema „Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung“ eigentlich stehen, wo wir den Genehmigungsturbo, lieber Carsten Träger, schon gezündet haben und wo wir heute mit der zweiten und dritten Lesung dieses wirklich guten Gesetzes noch einen großen Schritt nach vorne machen.

Die große Herausforderung ist, Umweltstandards und Klimaschutzstandards auf der einen Seite zu behalten und im besten Fall auch noch zu steigern, auf der anderen Seite aber Bürokratie abzubauen. Man sollte meinen, dass das ein Widerspruch ist. Aber es ist der Königsweg, wenn man es schafft, dies hinzubekommen.

Beifalldes Abg. Carsten Träger [SPD]

Das gelingt diesem Gesetz in einigen Punkten, zum Beispiel bei der vollständigen Digitalisierung der Prozesse, wo die Digitalisierung Bürokratie abbaut und verschlankt, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse aber gesichert werden. Alle Verfahrensschritte im Genehmigungsprozess werden zukünftig digital stattfinden können. Damit wird das Verfahren beschleunigt und kein Standard abgesenkt. Genau so muss es sein.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Außerdem ermöglichen die neuen Verfahrensschritte nicht mit fakultativen, sondern mit festen Fristen eine effizientere Behördenbeteiligung. Eine Blockade oder eine Verzögerung durch einzelne Behörden – aus welchen Gründen auch immer; es muss ja keine inhaltliche Sache, keine Schuldsache sein; es können Personalengpässe etc. sein – ist in Zukunft nicht mehr möglich.

Das heißt jetzt für die neue Realität, dass die wichtige Prüfung einer Behörde nicht wegfällt, nur weil unter Umständen langsamer gearbeitet wird; denn wir schaffen die Möglichkeit für Genehmigungsbehörden, selbstständig Gutachten als Ersatz einzuholen. Somit kann der Vorgang qualitativ genauso gut geprüft werden, aber es wird Zeit gespart. Genau so geht es, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Judith Skudelny [FDP]

Wir führen Projektmanager als Verwaltungshelfer ein, die bei der Abarbeitung von Genehmigungsanträgen unterstützen; denn wir wissen, wie viel auf den Tischen der Genehmigungsbehörden, gerade in den Kommunen, liegt. Dem tragen wir entsprechend Rechnung, weil auch zur Wahrheit gehört, dass das in den nächsten Jahren noch deutlich mehr werden wird. Ich komme gleich darauf.

Außerdem glaube ich, dass die Digitalisierung des Erörterungstermins ein wirklich gutes Beispiel dafür ist, wie wir einerseits leichteren Zugang zur Bürgerbeteiligung schaffen, andererseits aber keine Standards absenken.

Ich bin als Wirtschaftspolitiker ganz besonders dankbar, dass die Kolleginnen und Kollegen in den parlamentarischen Beratungen die Frage der Industrieanlagen in den Wirkungsbereich des Gesetzes aufgenommen haben. Nicht nur erneuerbare Energien brauchen Verfahrensbeschleunigung; die selbstverständlich auch. Aber wir werden bei der Frage der Transformation über 20 000 entsprechende Genehmigungsverfahren haben. Dementsprechend ist es gut und richtig, dass wir diese Verfahren beschleunigen.

Dieses Gesetz fügt sich sehr gut in die Reihe Planungsbeschleunigungsgesetz, Wind-auf-See-Gesetz, Wind-an-Land-Gesetz, Raumordnungsgesetz etc. ein. Ich könnte noch eine ganze Reihe weiterer Erfolge der Koalition bei der Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung kommunizieren; das sollten wir jedenfalls jedes Mal tun. Die Wirtschaft wird sich bedanken.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
12 Vermerkeca. 365 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte demokratische Kolleginnen und Kollegen!

Weitere Zurufe von der AfD

Der Klimaschutz ist neben der Sicherung des Friedens die zentrale Herausforderung und Aufgabe der Gegenwart. Deswegen begrüßen wir, dass die Koalition den Klimaschutz als Ziel in das Immissionsschutzgesetz aufnehmen möchte.

Angesichts der Klimapolitik der Bundesregierung stellt sich aber schon die Frage, was das nutzen wird. Erst kürzlich haben Sie die bislang geltenden Sektorziele aufgehoben, und ob die Gesamtbilanz stimmt, prüfen Sie ja nur alle zwei Jahre. Angesichts dessen die Aufnahme des Klimaschutzes in das Immissionsschutzgesetz als Fortschritt zu verstehen, fällt mir ehrlicherweise schwer.

Beifallbei der Linken

Und noch etwas liegt hier schief: Indem Sie die Sektorziele abschaffen, schwächen Sie faktisch auch die demokratische Beteiligung im Klimaschutz.

Zurufdes Abg. Enrico Komning [AfD]

Dadurch, dass nur noch das Gesamtziel zählt, werden die Möglichkeiten eingeschränkt, das Einhalten konkreter Ziele einzufordern und einzuklagen. Unterm Strich stärkt es diejenigen, die gerne möglichst alles beim Alten lassen wollen – wie die Freunde des Verbrennermotors, zum Beispiel bei der FDP,

Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

der Union, beim BSW oder auch bei der AfD.

Gott sei Dank gibt es noch Vernunft!

Aber Zukunft wird auch heute noch nicht mit der Vergangenheit gemacht.

Beifallbei der Linken

Das gleiche Muster gibt es beim zweiten Teil des Gesetzentwurfs. „Planungsbeschleunigung“ hört sich gut an, führt aber ebenfalls zu weniger Beteiligung. Erörterungstermine – wir haben es schon gehört – sollen demnächst entfallen, was bedeutet, dass auch Anwohnerinnen und Anwohner, Betroffene sich nicht mehr äußern können.

Aber das ist nicht alles. Indem die Regierung immer mehr von ordentlichen Genehmigungsverfahren abweicht, erschließt sich die Rechtslage zukünftig nur noch einem immer kleiner werdenden Personenkreis. Das widerspricht Ihrem selbst gesetzten Ziel einer nachhaltigen und transparenten Regierungspraxis.

Beifallbei der Linken

Warum gehen Sie neben der Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens nicht auch den zusätzlichen Weg und greifen den Ländern und Kommunen unter die Arme? Zum Beispiel müssen die Mittel im Pakt für den Rechtsstaat erhöht werden.

Beifallbei der Linken

Die Verwaltungsgerichte müssen personell und technisch vernünftig ausgestattet werden, sodass die ordentlichen Verfahren in akzeptablen Zeiträumen über die Bühne gehen können.

Ich weiß: Mit der FDP in der Koalition hat diese Alternative keine Zukunft.

Zurufvon der FDP

Aber ein Gesetz zu beschließen, für dessen Umsetzung die finanziellen, personellen und fachlichen Ressourcen sichtbar nicht vorhanden sind

Ja, das ist bei der Linken auch so!

bzw. das die schwierige Lage in den Ländern und Kommunen eher noch verschärft, das geht aus unserer Position heraus nicht. Wir werden ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Daniel Rinkert
Foto: Daniel Rinkert/ Photothek Media Lab
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir zünden heute den Superturbo bei der Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

beim Ausbau von Windkraftanlagen, der Wasserstoffinfrastruktur und bei der Genehmigung von Industrieanlagen.

Die Ampel beschleunigt!

Heute beschließen wir die Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Die Kollegin hat es angesprochen: die größte Novelle seit über 30 Jahren. Aus einem sehr guten Gesetzentwurf haben wir im parlamentarischen Verfahren ein richtig wuchtiges Planungsbeschleunigungs- und starkes Investitionsgesetz gemacht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Judith Skudelny [FDP]

Ja, das Bundes-Immissionsschutzgesetz ist ein Investitionsgesetz. Es ist ein Booster für Wirtschaftswachstum, gute Arbeitsplätze, aber auch für Klima- und Umweltschutz.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Das Gesetz ist ein wichtiger Schritt zur Modernisierung unseres Landes. Wir schaffen Fortschritt. Wir verbinden Klimaschutz und Wirtschaftswachstum miteinander.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Wir setzen große Teile des Bund-Länder-Paktes, des Deutschlandpaktes, den der Bundeskanzler mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten geschlossen hat, um. Von 16 Punkten, die das Bundes-Immissionsschutzgesetz betreffen, setzen wir 14 um. Damit wird das neue Deutschlandtempo auch bei den Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz Realität.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wichtig ist, zu wissen – das an die Adresse der Union –: Viele Anregungen des Bundesrates haben wir hier auch mit aufgenommen. Ich will auf die Einzelheiten gerne mal eingehen.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir beenden die Zeit der Aktenordner. Kein Antragsteller muss mehr mit zahlreichen Aktenordnern zur zuständigen Behörde laufen. Wir digitalisieren das gesamte Antragsverfahren, die Veröffentlichung der Dokumente.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Wenn also nun zum Beispiel die Aluminiumwerke in meinem Wahlkreis eine neue Recyclinganlage bauen, müssen sie nicht mehr mit Bergen von Aktenordnern zur Bezirksregierung Düsseldorf laufen. Nein, ein USB-Stick mit digitalen Unterlagen reicht, und der Antrag ist gestellt.

Was auch ganz wichtig für das Verfahren ist, damit es schneller geht, ist die Feststellung der Vollständigkeit der Antragsunterlagen. Sie bestimmt nämlich, wie lange das Verfahren läuft. Dieses Antragsverfahren straffen wir ganz deutlich: Die Genehmigungsfrist nach Vervollständigung der Antragsunterlagen beginnt nun schon nach Einreichung der erstmalig nachgeforderten Antragsunterlagen zu laufen. Das war bisher ein ziemlich unbestimmter Zeitpunkt. Damit beschleunigen wir das Verfahren ganz erheblich.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Judith Skudelny [FDP]

Oft haben sich Verfahren auch verzögert, weil noch andere Behörden beteiligt werden mussten. Wir führen nun klare Fristen ein, fingieren die Beteiligung anderer Behörden und geben den Genehmigungsbehörden mehr Befugnisse.

Ebenfalls ganz wichtig: Unterlagen, die nicht unmittelbar für die Genehmigungsentscheidung von Bedeutung sind, können zukünftig ausdrücklich auch zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden, sodass sich das Verfahren nicht weiter verzögert. Und: Die Genehmigungsbehörde kann Genehmigungsfristen ohne Zustimmung des Antragstellers nicht mehr uneingeschränkt verlängern.

Meine Damen und Herren, dieses Gesetz ist ein Wirtschaftsstärkungsgesetz, ein Gesetz, welches die Industrie und den Mittelstand unterstützt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

So stärken wir den vorzeitigen Baubeginn von Industrieanlagen; das war uns als SPD sehr wichtig. Die Prognoseentscheidung entfällt. Besonders vor dem Hintergrund, dass über 20 000 Änderungsgenehmigungen allein für Industrieanlagen gemacht werden müssen, ist das ein erheblicher Booster für die Wirtschaft. Das stärkt Investitionsentscheidungen in den Standort Deutschland und beschleunigt den Umbau bestehender Anlagen.

Meine Damen und Herren, aufgehalten wurden die Verfahren bisher auch durch Erörterungstermine, die mit großem Aufwand von den Behörden vorbereitet und durchgeführt werden mussten, aber nicht wirklich eine Auswirkung auf die endgültige Genehmigung hatten. Das schaffen wir ab; der Erörterungstermin für den Bau von neuen Industrieanlagen oder Änderungen an bestehenden Anlagen ist grundsätzlich nicht mehr notwendig. Nur wenn der Antragsteller es will, machen wir es, oder wenn es im Einzelfall zwingend geboten ist.

Nicht zwingend! Das ist genau der Haken!

Meine Damen und Herren, das alles zusammen ist ein echter Turbo für neues, nachhaltiges Wachstum von Industrie und Wirtschaft.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und ganz wichtig: Wir zünden den Superturbo für den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen und Wasserstoffinfrastruktur. Damit beschleunigen wir den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Das ist wichtig für günstige Strompreise für die Menschen, aber auch für die Wirtschaft und somit für die Sicherung der Arbeitsplätze in unserem Land. Ein Erörterungstermin findet nämlich dort nicht mehr statt; und das ist ganz wichtig insbesondere dann, wenn das sogenannte Repowering von Windkraftanlagen ansteht, also wenn ein altes Windrad durch ein neues ersetzt wird. Das Repowering ist ein ganz zentrales Instrument für den weiteren Windkraftanlagenausbau an Land.

Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Dieses Repowering von Windkraftanlagen wird durch dieses Gesetz wuchtig gefördert. Ganz konkret erreichen wir dies durch die Anwendung eines vereinfachten Genehmigungsverfahrens bei Änderungen in einem gesetzlich definierten Korridor. Es sind also zukünftig nur noch Standsicherheit und Schall zu überprüfen. Damit werden umfangreiche Gutachten sowie Prüfpflichten vermieden und somit Bürokratie ganz konkret abgebaut. Das novellierte Bundes-Immissionsschutzgesetz, das wir heute beschließen, ist somit auch ein kräftiges Windkraftausbaugesetz, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, der Kanzler hat es versprochen, die Koalition des Fortschritts hat geliefert: Das neue Deutschlandtempo wird Realität. Das ist der Erfolg von SPD, Grünen und FDP.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir modernisieren in einer massiv veränderten Welt unser Land. Um die zahlreichen Herausforderungen bei der Modernisierung unseres Landes zu lösen, braucht es eben diesen Mut und diese Tatkraft, die wir aufgebracht haben, damit wir aus der Jahrhundertaufgabe, den Umbruch in Arbeit, Gesellschaft und Wirtschaft zu gestalten, eine Jahrhundertchance für die vielen in unserem Land machen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir bauen Bürokratie ab. Wir beschleunigen Verfahren; wir machen sie digitaler, einfacher und effizienter. Damit stärken wir Wirtschaft, Beschäftigung, den Ausbau von Windkraft und Wasserstoff, und gleichzeitig schützen wir das Klima. Das ist der Kern der Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, die wir heute verabschieden werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Zum Schluss möchte ich mich ganz herzlich bedanken bei meinen Kolleginnen Judith und Tessa für die wirklich vertrauensvolle Zusammenarbeit, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Büros und der Fraktionen, aber auch bei den Ministerien, dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium. Vielen Dank für die Unterstützung! Und natürlich ganz herzlichen Dank an meine Fraktion, an Carsten und Matthias, dass ich das Vertrauen bekommen habe, für uns dieses ganz wichtige Gesetz für das im Deutschlandpakt vorgesehene Deutschlandtempo umzusetzen zu können. Von daher: Vielen Dank!

Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
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Frau Präsidentin, herzlichen Dank! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf auf einige Punkte im Zusammenhang mit diesem „Turbo“ – und mit 55 Jahren hat man schon einige Turbodebatten hier erlebt – eingehen. Halten wir uns doch an die einen oder anderen Fakten.

Laut einer Allensbach-Umfrage sind 4 Prozent der Unternehmen der Meinung, dass die Genehmigungsverfahren bei uns ausreichend kurz sind. 37 Prozent der Unternehmen sind der Auffassung, dass die Verfahren im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes zu umfangreich, zu aufwendig und zu lang sind. Sie dauern insgesamt im Durchschnitt fast ein Jahr.

Das ändert sich ja!

– Nein, das ändert sich eben nicht, und ich werde Ihnen gleich erklären, warum sich das nicht ändert.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie zünden damit heute auch keinen „Turbo“,

sondern legen vielleicht die ein oder andere digitale Spur. Wir kamen vor 30 Jahren mit einem Aktenordner aus. Inzwischen brauchen Sie im Schnitt zehn Aktenordner und dazu fast zehn Gutachten.

Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Das erinnert mich etwas an Reinhard Mey: „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“. Aber auch das beenden Sie nicht wirklich mit Ihrem Gesetz.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und dass Sie ein Jahr gebraucht haben, bis Sie die Änderungsanträge hier eingebracht haben, steht nicht für „Turbo“, sondern für das, wofür Ihre Koalition steht: Streit, Uneinigkeit, Schneckentempo und Minimalkompromiss.

Beifallbei der CDU/CSU

Lassen Sie mich auf ein paar Dinge kurz eingehen. Eine Digitalisierung, die Länder und Kommunen nicht unmittelbar mit einbindet, wird am Ende zu einer Scheindigitalisierung führen.

Zurufder Abg. Judith Skudelny [FDP]

Da reicht auch nicht der Appell an die Länder, genügend Personal einzustellen. Digitalisierung muss funktionieren, und zwar durchgängig. Wie das gelingen kann, dazu schweigen Sie. Und es fehlt Ihnen außerdem der Mut zu einer echten Beschleunigung, zu einem echten Beschleunigungspaket.

Liebe Frau Skudelny, ich setze mir einfach mal meinen Juristenhut auf und helfe mit ein paar Grundlagen der Rechtsstaatspartei FDP ein bisschen nach. Bei der Erreichung eines echtes Deutschlandtempos und einer echten Beschleunigung – das haben wir mit Ihrem Kollegen Volker Wissing auch schon diskutiert – scheitern wir bisher immer wieder an der gleichen Frage: Sind wir bereit, von Deutschland aus materielle Präklusion so rechtsstaatlich nach Europa zu tragen, dass sich bei der materiellen Präklusion etwas ändert? Ohne Änderung der materiellen Präklusion wird es keine echte Beschleunigung im „Schneckenland Deutschland“ geben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Judith Skudelny [FDP]

Mehr unbestimmte Rechtsbegriffe machen ein Gesetz klageanfällig, und wenn Sie dann das Verbandsklagerecht nicht beschränken, werden Sie mehr und nicht weniger Rechtsstreite haben und damit kein schnelleres, sondern ein langsameres Verfahren. Und genau daran scheitert auch dieses Gesetz.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Also von wegen „Turbo“: Sie gehen die echten Probleme nicht an. Wir haben Ihnen Vorschläge gemacht. Für Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind keine Ausgleichsflächen notwendig. Biodiversität kann auch unter und innerhalb einer solchen Anlage gefördert werden. Schauen Sie sich es an. Entziehen wir nicht der Landwirtschaft weitere Flächen. Die Landwirtschaft braucht diese für die Ernährung unseres Landes.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein Grundproblem, und damit bin ich wieder am Anfang, bleibt: die Bürokratie. Ich nenne nur mal einen kurzen Auszug, was man alles benötigt: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag, Luftschadstoffprognose inklusive Schornsteinhöhenberechnung, Schallprognose, Technischer Bericht zu Schwingungen und Vibrationen durch dynamische Verdichtung, einen geotechnischen Bericht zu Baugrund und Gründungsverhältnissen, hydrogeologisches Gutachten usw. usf.

Porträt von Linda Heitmann
Foto: Linda Heitmann / Oliver Hadji
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, allerspätestens seit dieser Woche, seitdem wir alle die erschreckenden Bilder von Überflutungen aus dem Süden der Republik gesehen haben, ist allen noch einmal klarer geworden, dass Klimaschutz, aber auch Renaturierungsmaßnahmen und aktiver Umwelt- und Naturschutz in diesem Land wirklich kein Nice-to-have sind, sondern dringend notwendig zum Überleben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich hätte gern den bayerischen Ministerpräsidenten bei diesen Worten angeschaut; denn er hat diese Tatsachen lange geleugnet.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Leider sitzt er nicht auf der Bank des Bundesrates.

Ja, aber es geht ja auch nicht um dieses Thema, Frau Heitmann!

Es ist gut, dass wir diese Woche so viele wichtige Signale in diese Richtung senden. Gestern hat der Haushaltsausschuss Mittel von über 100 Millionen Euro für die Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel freigegeben. Vor wenigen Wochen haben wir außerdem für 122 Projekte das Geld freigegeben im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz.

Sind Sie in der falschen Debatte?

Es stehen noch weitere Gelder aus diesem Aktionsprogramm zur Verfügung für vernünftige Projekte zur Klimaanpassung und zum aktiven Naturschutz.

Und nicht zuletzt verabschieden wir nun diese Woche dieses wichtige Gesetz, die Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Damit wird Klimaschutz und Beschleunigung in der Transformation wirklich konkret. Wir verknüpfen in diesem Gesetz Umwelt- und Klimaschutz. Ich möchte mich an dieser Stelle bei der SPD und der FDP für die konstruktiven Verhandlungen bedanken. Sie waren komplex, umfangreich und haben etwas länger gedauert, weil wir gemeinsam etwas erreichen wollen und weil wir auch vieles geschafft haben. Wir verankern den Klimaschutz als zentrales Ziel in diesem Gesetz und konkret an ganz vielen Stellen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Mich freut ganz besonders – auch das verankern wir in diesem Gesetz –: Wir reduzieren konkret die CO2-Emissionen, die in die Atmosphäre gelangen, indem die Abwärme in großen Unternehmen künftig sinnvoll genutzt und nach Möglichkeit auch ins lokale Netz für die Fernwärme eingespeist werden sollte.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Das ist Klimaschutz, der dringend notwendig ist.

Mit diesem Gesetz konkretisieren wir Beschleunigung und Entbürokratisierung, und zwar für Repowering bei Windkraftanlagen – das ist schon mehrfach genannt worden –, aber auch bei Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff. Wir wissen, dass langwierige Genehmigungsverfahren in der Vergangenheit vielfach Innovationen auch ein Stück weit gehemmt haben. Deshalb haben wir uns bei diesem Gesetz die Zeit genommen, um zu gucken: Wie können wir wirklich beschleunigen, ohne dass Umweltstandards abgebaut werden? Und das ist uns im Ergebnis gelungen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Nein, das bezweifle ich!

Ich möchte es noch einmal konkret sagen: Regierung und Parlament arbeiten gerade auch an dem Bürokratieentlastungsgesetz. Das ist ein sehr richtiges und wichtiges Gesetz. Aber ebenso wichtig ist es, dass wir Beschleunigung und Entbürokratisierung auch bei jedem anderen Gesetz immer wieder mitdenken, immer wieder einarbeiten, ohne dabei aber Umweltstandards abzusenken. Und genau das ist bei dieser Novellierung hier gelungen.

Als letzten Punkt noch: Wir stärken mit dem Gesetz zudem die EU-weite Zusammenarbeit beim Klimaschutz; wir setzen EU-Recht ambitioniert und bestmöglich bei uns um. Ich glaube, das ist ein wichtiges Zeichen dafür, –

Porträt von Carsten Träger
Foto: Carsten Träger/ Agentur Photothek Media Lab
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Herr Kraft, Sie haben es ja wirklich geschafft, in zwei Minuten gar nichts zum Thema zu sagen, stattdessen haben Sie Ihre Standardrede abgespult; aber ich will das nicht tun.

Zurufvon der AfD

Ich will sagen: Wir müssen schon zur Kenntnis nehmen, dass wir in einer Welt leben, die von vielen Krisen erschüttert wird.

Ja, von der SPD!

Die Krise, die uns im Umweltausschuss betrifft, ist vor allem eine doppelte Krise, einerseits die Klimaerwärmung und auf der anderen Seite das Artensterben.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Beide sind auf vielerlei Weise eng verbunden, sie bedingen sich sogar gegenseitig. Und deswegen müssen wir sie auch immer politisch zusammendenken.

Wir wollen bis 2045 klimaneutral wirtschaften, und bis 2030 wollen wir 80 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen. Dazu braucht es noch erhebliche Anstrengungen. Diese Woche erst hat uns der Expertenrat für Klimafragen ins Stammbuch geschrieben, dass es mit dem 2030er-Klimaschutzziel knapp wird, also müssen wir schneller werden. Wir müssen Industrie und Energieerzeugung schneller auf den Weg der Klimaneutralität bringen, und es muss auch schneller gehen bei der Genehmigung von Anlagen.

Deshalb ändern wir heute das Bundes-Immissionsschutzgesetz,

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber bei allen Anlagen!

ein zentrales Gesetz, Frau Karliczek, für die Genehmigung von Windkraft-, von Wasserstoffanlagen, aber auch von Anlagen der chemischen Industrie, Stahlwerken, Walzwerken – all das, was unsere deutsche Industrielandschaft prägt. Deswegen machen wir das.

Aber Sie machen schon wieder Unterschiede! Das ist falsch!

– Sie können ja gleich Ihren Senf dazugeben, aber ich glaube, da wird nicht viel Gutes dabei rauskommen. – Das ist ein wirklich gutes Gesetz, wie uns alle bestätigen, die wir fragen. Und dazu gehören unsere Leute, und dazu gehören auch Ihre Leute.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und die sollten Sie schon einmal im Blick haben, wenn Sie dann nachher sprechen.

Von wem reden Sie eigentlich?

Mit dem BImSchG, dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, wird die Industrie in die Pflicht genommen, schädliche Umwelteinwirkungen zu vermeiden. Wir vereinfachen viele Verfahren, wir digitalisieren, wir kürzen die Fristen. Kurz gesagt: Wir beschleunigen.

Bei allem guten Willen für die Beschleunigung darf es aber angesichts der Doppelkrise von Natur und Klima nicht passieren, dass Mensch und Natur auf der Strecke bleiben. In den letzten Jahren wurden viele im Umweltschutz oft als Bremser beim Ausbau der erneuerbaren Energien angesehen. Und deswegen war es mir wichtig, dass das Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht genutzt wird, um Umweltstandards abzusenken und auszuhebeln.

Mir liegt am Herzen, dass Beteiligungs- und Genehmigungsprozesse nicht ausgesetzt, sondern dass sie beschleunigt werden und dass wir das Vorsorgeprinzip nicht aus den Augen verlieren; das ist gelungen. Das ist eine Gesetzesnovelle, die keine Umweltstandards absenkt. Das war auch zu keinem Zeitpunkt die Absicht. Beschleunigung wird vielmehr dadurch erzielt, dass Verfahrensabläufe konkreter gefasst werden, dass feste Fristen eingeführt wurden, dass digitalisiert wird, dass die Behörden weitere Möglichkeiten zur Verfahrensbeschleunigung an die Hand bekommen. Kurz gesagt: Wir passen dieses Gesetzeswerk der Zeit an. Wir sind endlich im 21. Jahrhundert angekommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Judith Skudelny [FDP]

Wenn es uns gelingt, mit neuen Regeln die Umrüstung einer alten Anlage attraktiver zu machen als die Errichtung einer neuen, dann sparen wir Fläche ein. Wenn wir es mit diesem Gesetz schaffen, klimaneutrale und schadstoffärmere Produktionsweisen zum Tragen zu bringen, dann schützen wir damit die Natur. Es ist eines der Ziele dieses Gesetzes, dass diese schneller umgesetzt werden als bislang. Und ich glaube, das ist sehr gut gelungen.

Deswegen bedanke ich mich und schließe mich dem Dank aller Rednerinnen und Redner vorher an. Ich habe auch versprochen, Grevenbroich zu erwähnen.

Heiterkeitdes Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Und deswegen, lieber Daniel: Gut gemacht! Liebe Judith, liebe Tessa, vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Kolleginnen und Kollegen, gerade erleben wir wieder, welche Folgen tiefgreifende Eingriffe in unsere Natur haben. Intakte Ökosysteme sind eigentlich sehr gut darin, –

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Moin. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Herr Lange, Sie haben gerade gesagt, dass Sie „ein Jahr durchschnittliche Genehmigungsdauer“ vernommen haben. Ich nehme Sie jetzt mal mit in eine bittere Realität.

Wie ersetze ich eine Windturbine? Also, da steht schon eine, ich möchte repowern, eine neue bauen. Antrag, Genehmigung, Bauen – Propeller dreht; alles gut. Schön wär’s! Ist es aber nicht.

Nummer eins. Wir müssen eine Umweltverträglichkeitsprüfung machen; Tiere, Pflanzen und Umgebung müssen gecheckt werden. Das braucht mindestens zwei Vegetationsperioden, also etwa ein Jahr.

Dann kommt das förmliche Verfahren. Das heißt, alle Daten der Windturbine müssen eingereicht werden, inklusive Fundamenttiefe, Stahlwanddicke – millimetergenau – und alle möglichen anderen kleinen Daten, die wichtig sind.

Dann kommt die Öffentlichkeitsbeteiligung; das BImSch-Verfahren geht also los. Das heißt, alle Daten der Träger öffentlicher Belange – wirklich alle: Bauämter, Bürgermeisterin, Bürger, Denkmalschutz – nicht für die alte Anlage, sondern für alles, was in Sicht- oder Hörweite ist, müssen eingereicht werden.

Da kann man tatsächlich manchmal ein bisschen verzweifeln. Es gab einen Fall, in dem befürchtet wurde, dass der Klang der Kirchenglocke durch die Rotorblätter verändert werden könnte – in 2 Kilometer Entfernung. Bums! Neues Gutachten nötig; Betreiber zahlt.

Noch ein Beispiel. Denkmalschutz. Sichtachsen auf historische Gebäude in 12 Kilometer Entfernung. Ein 1,80 Meter großer Mensch kann circa 5 Kilometer weit gucken; dann kommt der Horizont. 12 Kilometer – bums! –: neues Gutachten; Betreiber zahlt.

Bürgereingaben. Beispiel gefällig? Es gab einen Fall, in dem ein Bürger alle zwei Wochen einen neuen Einspruch – natürlich konzertiert – eingereicht hat, um zu verhindern. Rumms! Zwei Jahre obendrauf; Betreiber zahlt.

Und dann kommt der Endgegner: die untere Naturschutzbehörde. Denn nicht der Gutachter für die Umweltverträglichkeitsprüfung checkt, ob das alles naturverträglich ist, sondern die Mitarbeitenden der UNB, der unteren Naturschutzbehörde. Wenn sie was finden, wo sie zweifeln, kommen Auflagen. Zum Teil sind die mit „wild“ noch ziemlich freundlich umschrieben. Beispiel gefällig? Zitat aus einem Genehmigungsbescheid: Die Korngröße der Kiesauflage der Zuwegung darf 5 Millimeter nicht überschreiten. Bei der Kantenbeschaffenheit ist darauf zu achten, dass keine Grate vorhanden sind, dass der Frosch, der drüberhoppelt, sich nicht den Bauch aufkratzt – das ist Realität in Deutschland.

Weiteres Beispiel: Als Ausgleichsmaßnahme wurde in einem Fall eine Aufzuchtstation für Rotmilane angeordnet. Dann, 15 Jahre später, sollten die Anlagen ersetzt werden. Die Genehmigung wurde verweigert. Warum? Weil sich plötzlich, oh plötzlich Rotmilane angesiedelt hatten, denen es sehr gut geht an den Windanlagen. Das heißt also: Die Population wächst, obwohl wir Windkraft ausbauen. Da muss ja irgendwas dran sein – ganz eigenartig!

Dann kommt das nächste Thema. Wenn ich ein Software-Update auf meine Windturbine aufspielen möchte, muss ich einen neuen Antrag gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz einreichen, weil das ja die Eigenschaft der Turbine verändert – nur innen, aber das interessiert keinen.

Dann hat man noch lange keine Transportgenehmigung, wenn man repowern möchte. Beispiel Neuengörs in meinem Wahlkreis: Dort gibt es ein Tor an einem Autobahnrastplatz, was seit eineinhalb Jahren nicht geöffnet werden kann, weil die Sorge besteht, dass man in den schnellen Verkehr eingreift und das eine dauerhafte Ausfahrt werden soll. Witziger Punkt an der ganzen Sache ist: Darüber sind die alten Windturbinen auch schon reingekommen. Jetzt kann das Tor auf einmal nicht mehr aufgemacht werden. Also: Die Absurditäten reihen sich aneinander.

Das Schlimmste ist, wenn der Betreiber gewechselt hat oder vielleicht gar verstorben ist. Dann darf der Betreiber gar nicht ausfindig gemacht werden. Dann muss man einen standesamtlichen Antrag einreichen, um vielleicht festzustellen, wer vorher mal der Betreiber war, damit der neue Betreiber repowern kann.

Wenn man das alles zusammenrechnet, stellt man fest, dass eine Umweltverträglichkeitserhebung ein Jahr dauert, die Öffentlichkeitsbeteiligung mit Glück nur drei Jahre, die Umweltverträglichkeitsprüfung und Genehmigung mit Glück ein Jahr. Das heißt: Wir sind bei fünf Jahren insgesamt. Jetzt könnte die Windturbine kommen, aber die ist gar nicht mehr verfügbar; denn über fünf Jahre produziert keiner so ein Ding. Das heißt: Man muss wieder einen neuen Antrag stellen. Und so kommen wir zu den Genehmigungszeiten, die wir vorliegen hatten. Das betrifft übrigens nur das Repowering. Da stand also schon eine Windturbine. Das ist kein neuer Projektplan.

Deswegen ist gut, dass wir endlich Klarheit, Fristen und Digitalisierung in das Verfahren bringen. Wir sorgen dafür, dass der ganze Wust eben nicht mehr durchgeführt werden muss. Es gibt nur noch die Delta-Prüfung. Das heißt: Die Abweichung – Höhe, Ausmaß und Fundament – muss festgestellt werden.

Zurufder Abg. Anja Karliczek [CDU/CSU]

Der Suchraum für das Repowering wird verändert werden. Das heißt: Man kann die Turbine auch neu bauen, solange die alte noch steht, und die alte dann abreißen.

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Wir werden konkrete Fristen einziehen, damit nicht immer wieder neu nachgefordert wird –

ca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
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– und neue Dokumente eingereicht werden müssen, die keiner mehr liest.

Ganz herzlichen Dank für diesen Entwurf, für diesen Genehmigungsturbo, den wir brauchen.

Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
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Danke, Frau Präsidentin, dass Sie die Intervention zulassen. – Liebe Kollegin Zeulner, Sie haben gerade gesagt, wir alle hätten überhaupt keine Ahnung von Kommunalpolitik.

Ich war fast 20 Jahre Gemeinderat,

Das heißt nichts!

und ich kann Ihnen sagen, dass es im Moment in den Kommunen sicherlich eines der größten Probleme ist, ausreichend bezahlbaren Wohnraum für die Menschen zu finden. In vielen Städten und Gemeinden ist es gar nicht mehr möglich, für eine Familie mit Kindern bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Jetzt steht in unserem Antrag, dass die Stadträte einer Gemeinde in Bereichen, wo Wohnungsnot herrscht und bereits Tausende Einheimische keine Wohnung mehr finden, die Möglichkeit haben müssen, ein Vetorecht geltend zu machen, damit keine weiteren Flüchtlinge zwangszugewiesen werden. Und jetzt sagen Sie mir wirklich, dass wir keine Ahnung haben von den Problemen der Menschen vor Ort?

Das ist richtig, ja!

Sie sagen, das wäre überhaupt nicht das Problem der Gemeinden.

Sind Sie wirklich der Meinung, dass weiterhin eine Zwangszuweisung dorthin stattfinden soll,

Zurufder Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

wo bereits Tausende von Familien mit Kindern keine Wohnung mehr finden? Wollen Sie weiter Flüchtlinge gegen Einheimische ausspielen,

Sie! Das sind Sie!

Das tun doch Sie die ganze Zeit!

oder wollen Sie dieses Ausspielen endlich beenden? Das ist meine Frage. Das ist nämlich das, was Sie tun.

Und deswegen fordern wir die Regierung auf, die Grenzen zu schützen und dafür zu sorgen, dass wir uns um die, die zu uns kommen, auch wirklich kümmern können, ohne dass gleichzeitig die Einheimischen auf der Strecke bleiben.

Wie lang darf denn eine Kurzintervention sein?

Darum muss es gehen.

Und jetzt sagen Sie mir wirklich: Sind Sie dagegen?

Beifalldes Abg. René Bochmann [AfD]

Sie haben doch keine Ahnung!

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wer wie die AfD die aktuelle Situation der Kommunen auf ein einziges Problem reduzieren will, bietet keine adäquaten Lösungen für die aktuell vielschichtigen Probleme und Herausforderungen der Kommunen. Sie stärken die Kommunen mit Ihrem Antrag nicht, Sie schwächen sie.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber wir brauchen starke Gemeinden. Wir brauchen starke Städte, die innovativ arbeiten, und Kommunen, die sich eigenverantwortlich entwickeln können. Und eines möchte ich auch noch klarstellen: Ob in Kindergärten, Krankenhäusern oder bei der Polizei: Wir brauchen viele verschiedene Menschen, die unsere Kommunen tragen und voranbringen. Wo wären wir dort ohne zugewanderte Fach- und Arbeitskräfte?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen ist es keine Lösung, auf die Probleme der Kommunen mit stumpfem Rassismus zu antworten.

Ich möchte diese Debatte auch nutzen, um aus aktuellem Anlass etwas zum Hochwasserschutz in den Kommunen zu sagen. Es sind die Kommunen und damit auch viele Ehrenamtliche, die von den Extremwetterereignissen unserer Zeit betroffen sind. Sie brauchen unsere Unterstützung und unsere Vorsorge. Die aktuelle Lage zeigt erneut, wie unkompliziert und auch solidarisch unsere Zivilgesellschaft und die Hilfsorganisationen – von Feuerwehr bis THW – in solchen Krisentagen zusammenstehen. An dieser Stelle möchte ich allen Helferinnen und Helfern, die oft mitten in der Nacht zur Hilfe gerufen werden, unseren tiefempfundenen Dank aussprechen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber es dauert nach solchen Katastrophenfällen meist viele Jahre, bis die Menschen wieder in die Normalität des Lebens zurückkehren können. Noch immer beschäftigt uns – ich komme aus Rheinland-Pfalz – der Wiederaufbau des Ahrtals. Die dortige Flut vor drei Jahren hat uns gemahnt, mehr für den Hochwasserschutz zu tun. Deshalb ist es absolut widersinnig, dass einige Länder trotz der steigenden Wahrscheinlichkeit von Flutkatastrophen ihre Ausgaben für den Hochwasserschutz zurückgefahren haben. Es wird hier an der völlig falschen Stelle gespart; aber soweit ich das dank der Dauerberichterstattung in Gummistiefeln mitbekommen habe, sieht Herr Söder in Bayern das mittlerweile auch wieder anders.

Durch das Klimaanpassungsgesetz hat der Bund den Ländern eine umfassende Handlungskompetenz übertragen. Die Länder sind in der Verantwortung, einen geeigneten Vorsorgeplan zu entwickeln. Damit müssen die Kommunen verstärkt auf eine geeignete Flächenvorsorge achten und dürfen dort, wo Hochwassergefahr besteht, kein Bauland ausweisen. Leider passiert das aufgrund einer mangelnden Datenlage immer noch viel zu oft. Transparente Informationen über eine bestehende Hochwassergefahr sind deshalb unerlässlich. Dafür braucht es eine umfassende, öffentliche Datenbank, auf die alle zugreifen können.

Bundesseitig ist schon viel passiert. Hier möchte ich vor allem noch mal auf den im Jahr 2021 auf den Weg gebrachten ersten länderübergreifenden Raumordnungsplan für Hochwasserschutz verweisen. Es ist richtig, dass Umweltministerin Lemke jetzt an einem Gesetz zum Hochwasserschutz arbeitet. Wir müssen uns zukünftig besser vor Wasser schützen und die ordnungsrechtlichen Weichen dafür jetzt stellen. Dafür brauchen wir vorrangig auch die Unterstützung der Länder; denn sonst bleiben all unsere Bemühungen ergebnislos.

Städte und Kommunen sind unser Zuhause. Am Sonntag ist neben der Europawahl in vielen Bundesländern auch Kommunalwahl. Deswegen nutzen Sie Ihre Stimme klar und deutlich für mehr Teilhabe und für Zusammenhalt!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Kommunen stärken“ bzw. „Kommunale Selbstverwaltung stärken“: So steht es in den vorliegenden Anträgen der AfD. Da ist er wieder, der Wolf im Schafspelz, den die Fraktion hier rechts von mir so gerne gibt. Lassen Sie uns gegen Ende der Debatte hier noch mal ganz genau hinsehen, was die AfD in ihren Anträgen so vorschlägt.

Erstens: die Grundsteuer abschaffen. Ja, das stärkt die Kommunen natürlich immens, wenn sie keine Grundsteuer mehr erhalten.

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Zweitens: weniger Klima- und Umweltschutz. Ehrlich jetzt? Das soll die Kommunen stärken?

Sie müssen den Satz zu Ende lesen!

Das erzählen Sie mal den Kommunen, die gerade ein Jahrhunderthochwasser nach dem anderen bekämpfen müssen. Denen fallen Sie in den Rücken.

Drittens: Migration. Also, davon können Sie ja nicht lassen. Wie Sie hier wirklich jedes Mal alles auf das Thema Migration reduzieren! Das ist geradezu zwanghaft.

Wenn wir schon von Zwangsstörung sprechen: Viertens: ein Genderverbot. Nein, wie originell!

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD

Irgendwie mussten Sie das auch noch als letzten Punkt unterbringen, oder? Da kann ja die Kollegin Reichinnek gleich wieder zur Selbsthilfegruppe einladen.

Was Sie hier wieder unter dem Deckmantel „Kommunen stärken“ verdecken, ist Ihre alte Leier, Ihre Handvoll Grundthemen, die Sie überall hineinpressen, wo es Ihnen gerade einfällt. Aber wissen Sie, was unsere Kommunen wirklich stärken würde? Ich habe da eine Idee: Raus aus der Kommunalpolitik mit der AfD!

Raus mit der Ampel!

Das würde die Kommunen stärken.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das würde Ihnen so passen!

Nehmen wir mal ein konkretes Beispiel aus meinen Wahlkreis Groß-Gerau! Dort hat die AfD in acht Jahren Mitgliedschaft im Kreistag noch keinen einzigen Vorschlag unterbreitet, wie man beispielsweise die Finanzausstattung des Kreises verbessern könnte. Stattdessen dieselben Zwangsstörungen wie hier im Bund: Die AfD nutzt den Kreistag, um ihre rassistischen Ressentiments zu bedienen, Vorurteile zu verbreiten und ihre absurden Ideen in den öffentlichen Raum zu tragen. Da will die AfD-Fraktion die Demokratieförderung streichen, das Büro für Integration auflösen, Mädchen unter 14 Jahren das Kopftuchtragen verbieten

Gute Vorschläge!

und Informationen über den § 218 entfernen lassen. Was die AfD allerdings nicht will, zeigt sich in jeder einzelnen Sitzungsrunde dort: Politik für die Menschen vor Ort. Die AfD spielt sich als Retterin der Kommunen auf? Mit dieser Pseudopolitik? Dass ich nicht lache!

Und da schließt sich wieder der Kreis zur Bundespolitik hier. Hier ist die Lage nämlich keine andere, und das zeigen Ihre vorgelegten Anträge nur zu gut. Lassen Sie uns doch mal echte elf Punkte aufstellen, um die Kommunen zu stärken:

Erstens. Wir sichern eine der wichtigsten Einnahmequellen der Kommunen und machen sie zukunftsfest: die Grundsteuer.

Zweitens. Wir fordern den Erhalt der Gewerbesteuer als wichtige Einnahmequelle der Kommunen.

Die Bürger noch mehr abzocken, oder was?

Aus mit dem Traum vom Eigenheim!

Drittens. Wir schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für den Klima- und Umweltschutz. Das ist nötige Prävention gegen Extremwetterereignisse und ihre Folgen.

Viertens. Wir arbeiten in Bund, Ländern und Kommunen eng zusammen, um die Unterbringung von Geflüchteten gemeinsam zu stemmen.

Die wollen wir gar nicht hier haben!

Fünftens. Wir investieren bis 2027 die Rekordsumme von 18,5 Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau.

Sechstens. Wir haben im Bündnis bezahlbarer Wohnraum gemeinsam mit den Kommunen 187 Maßnahmen für eine Kehrtwende in der Wohnungskrise vereinbart.

Wo ist denn der Wohnraum? Der fehlt an allen Ecken und Enden! Bauen ist viel zu teuer!

Weitere Zurufe von der AfD

Siebtens. Wir unterstützen die Kommunen finanziell mit der Städtebauförderung und Programmen zur Sanierung kommunaler Einrichtungen.

Achtens. Mit der Krankenhausreform sorgen wir für eine moderne und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung in den Städten und auf dem Land.

Hunderttausende Wohnungen fehlen! Da tun Sie nichts!

Neuntens. Mit dem Straßenverkehrsgesetz geben wir den Kommunen mehr Flexibilität, um Busspuren, Radwege, Anwohnerparkplätze und Tempo-30-Zonen so einzusetzen, wie es vor Ort gut ist.

Es würde ja schon helfen, wenn die Straßenlöcher weg wären!

Zehntens. Wir investieren mehrere Milliarden Euro, um die Kommunen beim Ausbau der Ganztagsbetreuung zu unterstützen.

Elftens. Ja, jetzt noch mal zu Ihrem Lieblingsthema Gendern: Wissen Sie, was die Menschen belastet? Ihre Sprachverbote.

Ihre Sprachverbote!

Lassen Sie doch einfach die Menschen so sein, wie sie sind, und das auch sprachlich zeigen, anstatt sie mit irgendwelchen bürokratischen Vorschriften zu belasten.

Die erlassen Sie doch!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Jesses Maria!

15 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Seit 2014 bin ich ehrenamtlicher Stadtrat in meiner Heimat Jena. Seit 2019 sitzen AfD-Vertreter im Stadtrat. Sie sitzen. Egal ob es um den Haushalt, um aktuelle Aufgaben bei Bildung, Kultur und Stadtplanung oder auch um die Müllabfuhr geht: Sie machen nichts. Sie sitzen und sind anwesend.

Was ist mit der Philharmonie in Jena?

Kein Wunder, dass die zwei jetzt vorgelegten AfD-Anträge die Kommunen in den finanziellen Ruin treiben würden.

Das stimmt doch gar nicht, was Sie da sagen!

Zurufdes Abg. Dr. Michael Kaufmann [AfD]

Die AfD will den Kommunen eigene Steuereinnahmen streichen. 11 Prozent fehlen dann im Stadtsäckel, wie wir schon gehört haben.

Gleichzeitig wollen Sie mit Ihren Anträgen erreichen, dass die Länder und der Bund prüfen, ob sie den Kommunen mehr Geld geben können. Dann schaue ich mal auf Ihre Bundessteuerpolitik: Unternehmensteuern auf Profite senken, keine Vermögensteuer, den Solidaritätszuschlag für die reichsten 10 Prozent streichen, Erbschaftsteuer für Milliardäre abschaffen.

Ganz normale Bürger, die ein Haus an ihre Kinder vererben wollen!

Da fehlen dann Milliarden. Dass man mit weniger Einnahmen mehr Geld ausgeben kann, sieht außer der AfD niemand.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir entlasten die Bürger! Sie schröpfen die Bürger!

Aber Sie haben natürlich noch eine zweite Idee: Streichen wir doch einfach mal die Pflichtaufgaben der Kommunen. – Liebe Eltern, Kinderbetreuung und der Betrieb von Kindergärten und Schulen sind kommunale Pflichtaufgaben. Feuerwehr, Katastrophenschutz, der Erhalt von Brücken, Straßen und Fußwegen: kommunale Pflichtaufgaben. Diese sollen die Kommunen nach AfD-Plänen streichen. Einfach irre!

Beifallbei der Linken

Nein, das ist falsch! Das ist genau nicht der Fall! Das ist doch peinlich, was Sie da erzählen!

– Egal wie unhöflich Sie als jemand ohne vernünftiges Elternhaus dazwischenbläken: Das ist die Konsequenz Ihrer Anträge.

Ist das peinlich!

Genau! Recht hat er!

Liebe Bürgerinnen und Bürger, es geht auch anders. Die Linke will, dass der Bund die Kommunen jährlich mit 35 Milliarden Euro zusätzlich unterstützt –

Beifallbei der Linken

für Wohnungsbau, für Krankenhäuser, für sanierte Schulen und Kitas. Dafür brauchen wir die Vermögensteuer für Millionärinnen und Millionäre.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Dagmar Andres [SPD]

In meiner Heimat Thüringen hat die von Bodo Ramelow geführte Landesregierung für Kommunen gehandelt.

Lachendes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Der Beweis in Zahlen: Unter der CDU erhielten die Kommunen 2014 2,34 Milliarden Euro, 2024 unter Rot-Rot-Grün mit einem linken Ministerpräsidenten 4,37 Milliarden Euro.

Beifallbei der Linken
Zuruf: Wie viel davon kamen vom Bund?

Das sind über 2 Milliarden Euro mehr. Jährlich steigerten wir die Finanzkraft der Kommunen um 8 Prozent.

Darum werden Sie auch abgewählt, weil Sie da so gut regieren!

Mehr sanierte Schulen, besser ausgestattete Feuerwehren, geringere Schulden der Kommunen: Das ist das Ergebnis linker Politik in Thüringen.

Übrigens wurden in den letzten zehn Jahren unter Rot-Rot-Grün deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer und mehr Polizistinnen und Polizisten in Thüringen eingestellt als in den 20 Jahren CDU davor.

Hört! Hört!

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Etliche Probleme sind noch da, aber sie sind deutlich kleiner. – Das sind die Fakten.

Liebe Thüringerinnen und Thüringer, wählen Sie nach Fakten! Eine Stimme für Die Linke ist eine Stimme für lebenswerte Kommunen, eine Stimme für die Fake-News-Verbreiter von der AfD ist ein Schritt zu deren Ruin.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
6 Vermerkeca. 291 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen lieben Dank, dass Sie die Kurzintervention zulassen. – Lieber Herr Kollege Schmidt, es scheint mir so, als ob auch Sie unsere beiden Anträge leider nicht gelesen hätten.

Doch, leider!

Ich würde mich freuen, wenn Sie das im Nachgang noch tun würden. Unsere Anträge stellen darauf ab, dass wir die Kommunen von den Belastungen, die Sie hier im Bundestag mit Ihren Transformationsprojekten Klimaideologie und Massenmigration geschaffen haben, befreien.

Mir scheint in der ganzen Debatte eines klar: Sie alle haben vom Konnexitätsprinzip noch nichts gehört.

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer bestellt, bezahlt. Permanent bestellt der Bund, und die Kommunen müssen bezahlen.

Beifallbei der AfD

Und bei Ihnen bestellt Putin!

Und Sie tragen das dann wie ein Damoklesschwert vor sich her und sagen: Die Kommunen müssen das lösen. Das ist alles Aufgabe der Kommunen. – Und zu den Feuerwehrmännern: Ja, die Feuerwehrmänner haben zum großen Teil eine schlechte Ausstattung. Die Bürger wissen aufgrund Ihrer Inflationspolitik nicht mehr, wie sie ihre Miete und ihr Eigentum bezahlen sollen. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.

Und wenn dann einer von elf Punkten lautet: „Die Erhebung einer Grundsteuer wollen wir abschaffen“, dann sage ich: Ja, wir wollen die Grundsteuer abschaffen,

Wie lange darf denn so eine Kurzintervention sein?

damit die Bürger nicht belastet sind, damit sie ins Eigentum kommen.

Wir schreiben nicht nur: „Wir wollen sie abschaffen“, sondern auch: „In der Perspektive soll sie mit einem Einnahmeausgleich für die Kommunen gänzlich entfallen …“. Das gehört für alle hier im Plenum zur Wahrheit dazu.

Das heißt Steuererhöhung für alle!

Ich empfehle Ihnen dringend, unsere guten Anträge in Zukunft zu lesen, damit wir hoffentlich bald gemeinsam diese desaströse Ampelpolitik beenden und die Kommunen und die Bürger stärken können.

Und ich sage Ihnen noch was: Die Bürger und die Bürgermeister sind sich sicher, dass sie diese desaströse Ampelpolitik nicht mehr länger wollen. Sie haben ja am 9. Juni – diesen Sonntag – die Chance, ihr Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.

Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
4 Vermerkeca. 66 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich will mich hier sehr kurz fassen. Ich habe natürlich beide Anträge gelesen; ich habe sie hier vorliegen.

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Ich kann niemandem empfehlen, sie noch mal zu lesen; denn es ist und bleibt Unsinn, was da drinsteht. Das habe ich in meiner Rede ausgeführt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Bernhard Daldrup [SPD]

Dabei bleibe ich. Und ich bin auch nicht bereit, Ihre Redezeit für Ihre Tiktok-Videos zu verlängern.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
30 Vermerkeca. 700 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal schließe ich mich gerne den Worten von Stefan Schmidt an.

Dann können Sie ja jetzt Schluss machen!

Frau Bachmann, zehn Jahre lang haben die Kommunen in Deutschland Überschüsse gemacht; das müssten Sie wissen.

Jetzt machen sie Defizite! 7 Milliarden Defizit! Seit 2011 das erste Mal!

Aber das können Sie vielleicht gar nicht wissen, weil Sie in Wirklichkeit auch von Finanzpolitik nichts verstehen.

Wenn man als letzter Redner redet, dann ist das meiste gesagt, weil es von allen Fraktionen gute Reden gegen die AfD gegeben hat.

Dann kann man zum Schluss auch mal einen schlechten Redner schicken!

Und diese Reden haben im Kern eins gezeigt: Es geht der AfD in dem Antrag am wenigsten um die Kommunen. Es geht Ihnen um Stimmungsmache, um Ausländerfeindlichkeit, darum, Ängste zu schüren vor den Stichwahlen in Thüringen und Sachsen.

Das ist der Kern. Das ist durchsichtig, billig und falsch.

Aber ich beschäftige mich trotzdem mit Ihrem Antrag

und gucke mir das mal an, um Ihr Denken zu offenbaren.

Oh, oh, oh!

Zum Thema Flüchtlinge. Sie wollen ein Vetorecht der Kommunen, Schutz der ländlichen Räume. Die Flüchtlinge sollen nicht in die Städte, nicht in die Kommunen, nicht in die ländlichen Räume – eigentlich nirgendwohin.

Die sollen in die Heimat!

In Wahrheit wollen Sie die Kommunen und die Zivilgesellschaft gegen Bund und Land in Stellung bringen; Sie wollen zündeln.

Das ist das Ziel Ihrer Anträge, und Sie wundern sich dann hinterher, wenn es brennt. Das ist der Kern, der einmal entlarvend genannt werden muss.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Sie haben auch keine Ahnung – wirklich nicht! – von der institutionellen Garantie der kommunalen Selbstverwaltung im Grundgesetz. Das ist Selbstverwaltung im demokratischen Staat und nicht gegen den demokratischen Staat. Auch davon haben Sie keine Ahnung.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Sprache ist ja ganz verräterisch. In Ihrem Antrag steht, die Einbürgerung solle der Sonderfall sein und davon abhängig, dass die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung geteilt werden.

Korrekt! Sehr gut!

Haben Sie ähnlich gefordert!

Das steht da so und ist auch richtig. Das ist auch schon heute so.

Nein, ist es nicht!

Aber es gäbe ein Problem: Wenn einige von Ihnen versuchen würden – sagen wir mal: aus der Schweiz –, hier einzuwandern,

War das billig!

dann würden sie wahrscheinlich auf dieser Grundlage keine Einbürgerung kriegen.

Das ist einer der wichtigen Punkte; denn Sie sind ja keine Rechtsradikalen in Europa; Sie sind die Rechtsradikalsten in Europa. Das haben wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt gezeigt.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken

Übrigens: Deswegen ergänzen Sie Ihre Vorstellungen zur Einbürgerung. Für Sie geht eine Einbürgerung nur – ich zitiere – „durch Hinzufügung eines loyalen Neubürgers im politischen Sinne …“. Wahrscheinlich in Ihrem Sinne,

Im Sinne des Grundgesetzes!

aber nicht im Sinne unseres Grundgesetzes; sonst würden Sie es ja nicht hinzufügen.

Jedenfalls hätten die Aktivisten einer als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ eingestuften Partei wenig Chancen, hier eingebürgert zu werden. Wir wehren uns; das ist gut.

Es wird übrigens noch schlimmer:

Ja, für die SPD wird es schlimmer!

Sie sprechen bei der Einbürgerung in Bezug auf die Vergangenheit vom „Gnadenakt“. Sie bleiben sprachlich aber nicht in der Vergangenheit, sondern wechseln in den Präsens und sagen, ein Anspruch auf Aufnahme sei für Sie „denkunmöglich“. Ja, ich weiß, dass für Sie vieles denkunmöglich ist. Das zeigt auch: Unmöglich sind Sie und Ihr Denken, aber nicht unsere Gesellschaft. Das ist der Punkt.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dann kommt das mit der Überfremdung. Die Kollegin Müller hat darauf hingewiesen, dass wir neuerdings nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine technische Überfremdung haben.

Kein Wunder, dass immer weniger SPD wählen!

Dann kommt der nächste Punkt: In urbanen Quartieren beginnen sich Parallelgesellschaften zu etablieren, was man – Zitat – an „der Nutzung öffentlicher Flächen für Picknick…“ erkennen könne.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Was für eine arrogante Rede! Unglaublich!

Sind Sie eigentlich noch ganz in der Welt? Das kann doch alles nicht mehr wahr sein.

Meine Zeit ist ein bisschen knapp. Das Thema Steuern ist von einer derartigen Dummheit geprägt, das muss man wirklich sagen. Es schreit wirklich nach Korrektur; der Kollege Schmidt hat das schon gesagt.

Ich komme zuletzt zur Sprache. Die Gendersprache ist Ihnen „ein Dorn im Auge“.

Ja! Weil sie künstliche Sprache ist!

Ich habe jetzt das Alte Testament bemüht, im Gegensatz zur Kollegin Franziska Mascheck. Wissen Sie, warum ich das gemacht habe? Weil Gutes in der Sprache bleibt.

Ja, Gendern ist nichts Gutes!

Sprache entwickelt sich nämlich. Sie wollen Sprache verbieten.

Weitere Zurufe von der AfD

– Doch, Sie wollen Sprache verbieten.

Wir wollen, dass die Behörden sich an das natürliche, richtige Deutsch halten!

Deswegen sage ich Ihnen mal, wie wichtig es ist, dass man das anders sieht: Luther zum Beispiel

hat uns viele Sprachbilder geschaffen, völlig neu erfunden.

Ihre Partei streicht doch Luther aus den Straßennamen! Das ist die Wahrheit!

Er hat zum Beispiel davon gesprochen, dass es so etwas gibt wie einen „Schandfleck“.

Das sind Sie! Ganz genau! Da hat er recht gehabt!

Das passt auf Sie wie die Faust aufs Auge.

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der SPD
Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und wissen Sie, warum? Weil Sie – ebenso nach Luther – nichts anderes sind als Wölfe im Schafspelz, und vor denen muss man unser Land hüten.

Schönen Dank.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der Linken
Zurufevon der AfD
Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
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Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Zustand unserer Städte und Gemeinden verschlechtert sich mit jedem Jahr der Ampelregierung. Denn Sie, sehr geehrte Bundesregierung, stellen die Kommunen mit Ihrer ideologischen Politik vor unlösbare Aufgaben. Damit führen Sie die deutschen Städte und Gemeinden in eine Dauerkrise und treiben sie in den Ruin.

Beifallbei der AfD

Nehmen wir die Klimapolitik. Sie wollen bis 2045 die gesamte Wärmeversorgung Deutschlands klimaneutral gestalten. Die Kommunen haben Sie zur Umsetzung verpflichtet, genauso wie Sie es immer machen. Wie viel das kosten soll, wissen Sie nicht. Aber Ihr Ökosozialismus ist nach Ihrer Definition sowieso eine Gemeinschaftsaufgabe, für die am Ende wie immer die Bürger und die Kommunen zahlen müssen.

Beifallbei der AfD

Erfahrungen aus Städten wie Leipzig zeigen eine wahre Kostenexplosion. Auf die Stadt und ihre Bewohner entfallen laut Berechnungen 55 Milliarden Euro. Der Deutsche Städtetag rechnet für den deutschlandweiten Zwangsumbau der gesamten kommunalen Infrastruktur in Deutschland sogar mit 1 Billion Euro.

Natürlich spielen auch die Folgen Ihrer Masseneinwanderungspolitik eine große Rolle. In den letzten zehn Jahren wanderten jährlich netto mehr als 500 000 Menschen ein. Das heißt, dass jedes Jahr eine Stadt in der Größenordnung von Dresden auf die deutschen Kommunen verteilt wird. Entsprechend müssen Wohnungen, Infrastruktur und soziale Versorgung angepasst und erweitert werden. Darum müssen sich immer die Kommunen kümmern.

Beifallbei der AfD

Die Kosten hierfür sind immens. Allein ein minderjähriger unbegleiteter Flüchtling kostet in Sachsen über 70 000 Euro jährlich. Zuletzt sind vor allem durch die Versorgung der ukrainischen Flüchtlinge die kommunalen Sozialausgaben deutschlandweit um 12 Prozent gestiegen. Die Sozialausgaben insgesamt belaufen sich mittlerweile auf über 75 Milliarden Euro und stellen etwa 40 Prozent aller Ausgaben dar.

Sie, geehrte Kollegen, treiben mit Ihrer Politik seit Jahren die Kommunen immer weiter in den Ruin. Für die Zukunft heißt es dann: Neun von zehn Kämmereien erwarten bereits für die nächsten fünf Jahre eine negative Entwicklung der Finanzen. Das, liebe Kollegen, ist ein Paukenschlag und müsste Ihnen eigentlich die Augen öffnen.

Beifallbei der AfD

Aufgrund Ihrer ideologischen Zwangspolitik zehren die Kommunen offensichtlich von der Substanz, und die Lebensqualität lässt überall in unserem schönen Deutschland nach. Menschen stehen im Stau, weil Straßen zu Fahrradwegen zurückgebaut werden. Kinder gehen in einem schäbigen Gebäude zur Schule und in marode Hallen zum Sport. Feuerwehren sind allzu oft schlecht ausgestattet. Öffentliche Plätze sind vermüllt, zugeklebt und besprüht.

Ja, und Sie wollen den Kommunen die Steuereinnahmen nehmen! So sieht’s doch aus!

Für alle, die ihre Augen genau wie Sie immer noch vor dem Verfall Deutschlands verschließen, hilft ein Blick in das Kommunalpanel. Kommunen haben mittlerweile einen Investitionsrückstand in Höhe von insgesamt 186 Milliarden Euro. Das sind 20 Milliarden mehr als im Vorjahr. Bei Sportstätten fehlen 12 Milliarden Euro, bei Straßen fehlen 48 Milliarden Euro, und bei den Schulen fehlen 55 Milliarden Euro, liebe Kollegen. Sie haben die Kommunen mittlerweile so weit gebracht, dass sie nicht einmal mehr ihre originären Aufgaben erfüllen können.

Die von Ihnen herbeigeführte finanzielle Notlage nutzen Sie dabei immer gnadenlos aus und bringen die Gemeinden noch weiter in Ihre Abhängigkeit.

Wollen Sie nicht den Kommunen sämtliche Steuereinnahmen streichen?

Wie in jeder toxischen Beziehung verkaufen Sie dem Opfer diese Abhängigkeit auch noch als Gunst.

Beifallbei der AfD

So unterstützen Sie zwar die Kommunen, zum Beispiel jetzt mit Geldzahlungen für Flüchtlinge; doch diese sind einerseits zu gering, um die Kommunen vollständig zu entlasten, und andererseits zu hoch, um die Einwanderung zu beenden. Zum Beispiel steigen durch die anhaltende Einwanderung wieder die Sozialausgaben

Jetzt sind Sie ja bei Ihrem eigentlichen Thema!

und die Wohnkosten, daraufhin die Ausgaben und daraufhin wieder die Finanzbedarfe der Kommunen. Das ist hier das Thema,

Ja, es geht nicht um die Finanzen! Es geht um die Flüchtlinge! Geben Sie es doch zu!

lieber Herr Kollege.

Beifallbei der AfD

In der Energiewende läuft dieselbe Dynamik. Sie alle nutzen die finanzielle Notlage der Kommunen aus und stellen Erträge aus Windkraft und Photovoltaik in Aussicht. So drücken Sie Ihre ideologischen und bereits gescheiterten Projekte durch. Die Leidtragenden sind immer und immer wieder die Bürger und unsere deutschen Kommunen.

Auch durch die etablierte Förderstruktur haben Sie die Kommunen in Ihre Fänge getrieben.

Zurufdes Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Fördermittel sind – das sagen die Bürgermeister selbst – wie goldene Zügel, mit denen Sie die Bürgermeister gefügig machen, immer nach dem Motto: Wer nicht spurt, bekommt kein Geld mehr.

Beifallbei der AfD

Jeder Bürgermeister kennt diese Situation, kaum einer traut sich aber, gegen diese Gängelei aufzustehen. Deswegen tun wir von der AfD das stellvertretend für die Bürgermeister.

Zurufder Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sehr geehrte Abgeordnete, diese Abwärtsspirale muss endlich durchbrochen werden. Die Kommunen brauchen Ihre toxische Hilfe nicht. Was die Kommunen brauchen, ist Freiheit: Freiheit von Ihrer schädlichen kostspieligen Politik, frei verfügbare Mittel und die Freiheit, ihre eigenen Belange wieder stärker nach eigenem Ermessen regeln zu können.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Bürgermeister und die Bürger vor Ort wissen am besten, auch ohne Ihre andauernde Bevormundung, welche Investitionen sie tätigen wollen.

Das entscheiden die Kommunen, nicht der Bundestag!

Daher legen wir zur Stärkung der Kommunen heute pünktlich zur Kommunalwahl zwei Anträge vor. Es können ja alle Bürgerinnen und Bürger zum Glück in geheimer Wahl entscheiden, wen sie am Sonntag beim Gang an die Wahlurne wählen.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Reformieren wir gemeinsam die Fördersystematik: mehr direkte Zuweisungen und zielgerichtete ideologiefreie Fördermittel. Etablieren wir gemeinsam ein kommunales Vetorecht zum Schutz vor Wohnungsnot: Kommunen brauchen das Recht, Zuweisungen von Migranten abzulehnen. Kehren wir die Migrationspolitik um, und starten wir endlich mit den Rückführungen von gewaltbereiten Islamisten und schaffen so sichere Räume für die Einheimischen in unseren Städten und Gemeinden. Vorfälle wie in Mannheim und Massenvergewaltigung müssen endlich aufhören, Herr Kollege!

Beifallbei der AfD

Stoppen wir die Energiewende und setzen auf kostengünstige Freiheitsenergien wie Kernkraft und Gas. Schaffen wir gemeinsam bessere Beteiligungsformen durch Volksabstimmungen und Bürgerentscheide,

Beifallbei der AfD

eine Mitmachpolitik vor Ort. Und statten wir die Kommunen endlich mit den Finanzmitteln aus, die ihnen die Selbstverwaltung ermöglichen, –

Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
5 Vermerkeca. 69 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Setzen wir uns für den Erhalt unseres Grundgesetzes ein.

Danke.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jetzt laufen sie alle davon! Warten wir, bis sie alle davongelaufen sind!

Frau Kollegin, warten Sie noch einen Moment, damit Sie in Ruhe sprechen können. Es scheint sehr viel Bewegung zu geben.

Ich habe nur vier Sekunden überzogen! Das will ich hier nur festhalten!

– Nein, Sie waren nicht vier Sekunden drüber. Wir haben uns das hier gemeinsam angeschaut.

Das kann man ja im Ältestenrat nächste Woche diskutieren!

Das machen wir immer, das ist ganz normal: Wenn die Redezeit überschritten wird, dann ermahne ich. Das mache ich bei allen gleichermaßen.

Zurufvon der SPD: Opferrolle!

Frau Mascheck, bitte.

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Tribünen! Selbstverständlich rede ich nicht, wenn die Präsidentin redet; das ist ja wohl klar.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Frau Bachmann, wenn man Ihrer Rede zugehört hat, musste man feststellen, dass Sie von Kommunalpolitik keinen blassen Schimmer haben.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich sage Ihnen auch, warum.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, warum ruft eine in weiten Teilen als rechtsextremer Verdachtsfall eingestufte Partei dieses Thema heute hier auf?

Weil es richtig ist!

Die Vorrednerin hat es selbst in ihrer Rede gesagt: Richtig, es sind Kommunalwahlen in ganz Ostdeutschland.

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Und sie macht es nur für Tiktok.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich will Ihnen eine Beobachtung aus meinem Wahlkreis im Landkreis Leipzig in Sachsen schildern. 2019 waren Kommunalwahlen. Dort wurde wunderbar ins Blaue gewählt. In meinem Stadtrat hätten vier Menschen aus dieser Partei sitzen können, aber sie hatte nur drei Kandidierende. Sie haben miteinander gestritten, haben sich zerlegt, haben dann ihre Fraktion aufgelöst. Genauso auch im Kreistag. Sie haben nichts für die Bürgerinnen und Bürger getan. Sie haben keine Ahnung von Kommunalpolitik.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihr Bürgermeister in Pirna verweigert sich einem demokratischen Stadtratsbeschluss, 75 Jahre Grundgesetz zu feiern. Ich frage Sie: Warum um alles in der Welt sollte man Feinde der Demokratie, Feinde unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung in unsere demokratischen Parlamente wählen?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Feinde seid ihr doch!

– Genau, Sie verstehen die Frage nicht. Ihre Abgeordneten sind auch nicht mehr anwesend. Wunderbar.

Dann komme ich jetzt zu Ihren Anträgen.

Erster Punkt. Die Kommunalfinanzierung ist – das erkläre ich Ihnen ganz kurz, viele werden es aber auch wissen – Aufgabe der Länder. Macht das der Bund, verstößt er gegen unser Grundgesetz. Die Forderung der AfD hierzu verstößt gegen unser Grundgesetz.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Richtig ist, dass die Länder die Kommunen auskömmlich finanzieren müssen.

Nächster Punkt. Wenn immer weniger Menschen in den Dörfern leben – das ist bei uns in Sachsen in weiten Teilen der Fall –, beispielsweise weil rechtsextremes Gedankengut sehr verbreitet ist und die Menschen deswegen weggehen, dann gibt es weniger Geld für die Kommunen. Irgendjemand muss das Steuergeld ja erwirtschaften. Jetzt sage ich Ihnen was: Das geht ganz wunderbar mit menschenfreundlicher Regionalentwicklung und Wirtschaftspolitik.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
9 VermerkeZwischenfrageca. 433 WörterReaktionswert: hoch
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Natürlich nicht. Ich lasse von der AfD keine Zwischenfragen zu.

Warum eigentlich nicht? Haben Sie Angst vor den Fragen, oder was?

Für alle, die nicht wissen, was ich meine: Rassismus und Sexismus sind menschenverachtend und nicht menschenfreundlich, damit verstößt man gegen unser Grundgesetz.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Dann behaupten Sie als Nächstes, das Geld der Kommunen fließe zu einem sehr großen Teil in die Sozialausgaben. Ja, das ist richtig. Nur suggerieren Sie, das Geld komme ausschließlich den Geflüchteten zu, und das ist nicht der Fall. Richtig ist: Es geht an Familien, es geht an Kinder, es geht an Jugendliche beispielsweise über Familienleistungen und Hilfen zur Erziehung. Es geht an pflegebedürftige ältere Menschen, an Seniorinnen, an Menschen mit Behinderung. Und nur ein sehr kleiner Teil geht an Geflüchtete. Wem wollen Sie denn zuerst das Geld streichen? Menschen mit Behinderung, zu pflegenden Seniorinnen, Kindern, Eltern? Oder wollen Sie wieder einmal über lebenswertes Leben entscheiden? Achtung: Das verstößt gegen unser Grundgesetz. Dann behaupten Sie als Nächstes, die Kosten der Unterkunft beim Bürgergeld würden ausschließlich die Kommunen tragen. Das ist nicht der Fall. Bei den KdU entlastet der Bund massiv.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nächster Punkt: Klimawandel. Wir haben in kürzester Zeit in Deutschland die vierte Überflutung. Gehen Sie zu den Menschen, die gerade ihr Haus verloren haben, gehen Sie zu den Menschen, die gerade ihre Angehörigen verloren haben, gehen Sie hin, und sagen Sie ihnen ins Gesicht, dass Sie keine Lust haben, Treibhausgase zu sparen, weil Ihnen das zu unbequem und zu anstrengend ist.

Sie instrumentalisieren auf übelste Art die Flutopfer! Schämen Sie sich! Erbärmlich, das Leid der Opfer hier zu instrumentalisieren!

Gehen Sie zu ihnen hin, und sagen Sie ihnen, dass Sie die Mittel für die Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel streichen wollen. Schließlich gibt es diesen Klimawandel für Sie nicht.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, ein Lieblingsspruch der Rechtsextremisten und Rechtspopulisten ist: Denkt selber nach. – Ihnen muss ich das nicht sagen, Sie denken selber nach.

Hä? Warum soll man nicht nachdenken?

Deswegen bitte ich Sie: Schnappen Sie sich Ihre Nachbarinnen und Ihre Freunde, und gehen Sie zur Wahl. Verhindern Sie Rechtsextremisten in unseren Parlamenten, verhindern Sie Rechtsextremisten in Europa. Wählen Sie Demokratinnen und Demokraten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Bloß nicht die Sozen!

Ach ja, dann fordern Sie noch irgendwas mit deutscher Kultur. Das ist lustig; denn Ihr Parteivorsitzender ist nicht mal in der Lage, ein Gedicht eines deutschen Dichters zu benennen.

Sagen Sie doch mal ein Gedicht auf!

Jetzt sage ich Ihnen was: Ich zitiere, und Sie dürfen herausfinden, von wem das ist –: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten,/ Da kann sich kein Gebild gestalten“. Und wenn Sie in der Lage sind, diesen Text ab Zeile 350 zu lesen, dann lesen Sie von einer Hommage an die Aufklärung, von einem zarten Bekenntnis zu einer noch nicht vorhandenen, aber im Entstehen begriffenen Demokratie. Sie dürfen selbst herausfinden, von wem das Zitat stammt. Ich verrate Ihnen schon mal: Diese Antwort finden Sie nicht auf Tiktok.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
25 Vermerkeca. 996 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Überraschung: Die AfD entdeckt kurz vor den Kommunalwahlen ihr Interesse an den Kommunen. Keine Überraschung ist für mich: Sie stellt gleichzeitig ihre eigene kommunalpolitische Inkompetenz zur Schau.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Kolleginnen und Kollegen der AfD, Sie wollen die Kommunalfinanzen stärken und gleichzeitig die Grundsteuer abschaffen. Legt man die Zahlen aus dem vergangenen Jahr zugrunde, dann wollen Sie allein in den Flächenländern rund 14 Milliarden Euro, also etwa 11 Prozent der kommunalen Steuereinnahmen, streichen. Ich wette, nicht einmal Ihr eigener Landrat versteht, dass mit der Abschaffung der Grundsteuer die Kommunalfinanzen gestärkt werden sollen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Lesen Sie mal den Antrag!

Man kann nachvollziehen, dass Sie kurz vor den Wahlen noch auf den Zug der Grundsteuerkritik aufspringen wollen, der natürlich auf viele Kommunen zurollt. Aber dann richten Sie die Kritik doch bitte an den, der die aktuelle Situation der Kommunen bei der Grundsteuer maßgeblich verbockt hat. Mit dem denkbar kompliziertesten Modell hat der damalige Bundesfinanzminister Olaf Scholz seine Grundsteuerreform durchgedrückt,

Das stimmt nicht!

die den meisten Ländern, die dieses Scholz-Modell angewandt haben, jetzt auf die Füße zu fallen droht. Erneut muss Karlsruhe über die Verfassungsmäßigkeit der Grundsteuer entscheiden. Zum Glück konnten wir als Union seinerzeit auf den letzten Metern noch eine Öffnungsklausel für Länder durchsetzen.

Ja! Haben wenige genutzt! Und die sind genauso verfassungsfeindlich!

Sie ermöglicht zumindest einigen Ländern die Chance, durch diesen Schlamassel zu kommen.

Aber zurück zu Ihnen, liebe Kollegen der AfD. Sie haben viele abstruse Ideen zur Migrationssteuerung. Sie wollen Kommunen in Wohnungsnot keine Flüchtlinge mehr zuweisen und gleichzeitig den Zuzug nicht in ländliche Räume verschieben. Also wenn Ihnen das gelingt, dann gelingt Ihnen auch die Quadratur des Kreises.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir wollen die Migration beenden!

Wo stehen denn Wohnungen leer? Auf dem Land.

Zurufvon der AfD: Was?

Es sollte mich nicht verwundern, aber von gleichwertigen Lebensverhältnissen verstehen Sie noch weniger als die Ampel, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Auch diese hat bei dem Thema einen blinden Fleck. Aber ich werde nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Entscheidungen zu oft aus städtischer Perspektive getroffen werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Urbanisierungsdruck konterkariert das Ziel, Leben in der Stadt und auf dem Land in Einklang zu bringen.

Zurufdes Abg. Mike Moncsek [AfD]

Energiepolitik, Wärmeplanung, Verkehrspolitik oder Baupolitik – diese Regierungspolitik wird zu sehr aus großstädtischer Perspektive betrieben. Sie unterschlagen die besagte Balance nicht nur bei den Leitlinien der nachhaltigen Entwicklung. Sie sind auch einfach mutlos, wenn Sie nur Ihre städtische Wählerklientel betrachten.

Zurufvon der SPD: Machen Sie ja glücklicherweise nicht!

Dabei ist die Berücksichtigung gleichwertiger Lebensverhältnisse der wichtigste Punkt, um unsere Kommunen zu stärken.

Beifallbei der CDU/CSU

Hierfür brauchen wir durchdachte Digitalisierung. Ich gebe nur einmal das Stichwort „Homeoffice“ mit auf den Weg. Voraussetzung dafür wäre ein flächendeckender Breitband- und Mobilfunkausbau, ein guter ÖPNV und das Bekenntnis zum Individualverkehr,

Lachender Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

eine verlässliche medizinische Versorgung, kulturelle Vielfalt, eine finanzielle Förderung von Familien für das Eigenheim, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und es braucht ein Mindset, das das Leben im ländlichen Raum nicht nur duldet, sondern auch unterstützt. All das – ich spreche nicht nur von der Bullerbü-Romantik der Grünen –

Lachendes Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

lässt diese Ampelkoalition vermissen. Sie beschneidet das Entwicklungspotenzial auch durch die einseitige Förderung städtischer Ballungszentren und das Zurückfahren von Förderansätzen strukturschwacher und ländlicher Räume im Bundeshaushalt.

Die kommunale Finanzlage ist besorgniserregend. Nach dem Überschuss im Jahr 2022 haben die Kommunen im Jahr 2023 erstmals wieder ein Defizit von über 6 Milliarden Euro verzeichnen müssen. Woran liegt das? Die jährliche Belastung aus den bislang von der Ampelkoalition verabschiedeten Gesetzen liegt bei weit über 4 Milliarden Euro. Den überwiegenden Teil des Kommunaldefizits haben Sie zu verantworten.

Das müssen Sie mal vorrechnen!

Die Kommunen können sich Ihre Politik schlichtweg nicht mehr leisten.

Das stimmt nicht!

Der Bund bestellt und lässt nicht nur kochen; den Koch müssen sie auch noch bezahlen. Kommunen bleiben auf den Kosten sitzen – ein Problem, das sich schon durch die ganze Wahlperiode zieht, und das nicht nur im Bereich der Migration und des Klimaschutzes.

Das stimmt hinten und vorne nicht!

Die Ampelkoalition trägt damit zur strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen bei. Und die Ampelkoalition bringt die kommunale Leistungsfähigkeit akut in Gefahr.

Beifallbei der CDU/CSU

Lassen Sie mich raten: Stünde Ihnen Ihr Haushaltshochwasser nicht schon bis zum Hals, dann würden Sie glatt noch ein Verschlimmbesserungsförderprogramm auflegen.

Diese Förderpolitik taugt nichts. Die Förderlandschaft in Deutschland ist geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Programme von verschiedenen Stellen und Trägern. Ja, ich fasse mich an die eigene Nase. Auch die Union hat diesen Dschungel mitzuverantworten.

Beifalldes Abg. Mike Moncsek [AfD]

Aber wir haben erkannt: Die Komplexität hat zur Folge, dass Kommunen Fördermittel oftmals entweder nicht oder nicht rechtzeitig abrufen. Betroffen sind vor allem strukturschwache Kommunen, die gar nicht die Möglichkeit haben, die Programme zu administrieren. Mein trauriges Highlight war – aufgepasst, ich habe es selber nicht geglaubt – das Beratungsprogramm des Bundes, mit dem Kommunen fit für die Beantragung eines Förderprogramms der EU gemacht werden. Unglaublich! Getoppt wird das nur noch durch Reinhard Meys „Antrag auf Erteilung eines Antragformulars“.

Aber im Ernst, Kommunen müssen haushalterische Planungssicherheit mit langfristiger Perspektive haben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Also: allgemeine, kluge Finanzzuweisungen durch kommunalen Finanzausgleich oder über eine verbesserte Steuerverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen statt eines Förderdschungels. Ich bin gespannt, ob das ein Aspekt ist, der auch bei dem vom Bundesfinanzministerium für den letzten Tag vor der parlamentarischen Sommerpause angesetzten Austausch über die Finanzierung der Kommunen behandelt wird. Die Terminierung spricht bereits Bände. Die immerhin glückliche Einsicht, hierzu einen Austausch zu starten, kommt zu spät, aber sie kommt immerhin. Wir warten mal, was passiert.

Stimmen Sie doch unserem Antrag zu!

Ich appelliere: Lassen Sie Ihr Initiativchen nicht verpuffen, und kommen Sie spätestens anschließend vom Reden ins Handeln.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber zurück zum rechten Rand des Plenums. Sie geben vor, mit Ihren Anträgen die Kommunen und die kommunale Selbstverwaltung zu stärken,

und scheitern dabei schon bei den einfachsten Grundlagen. Sie versuchen, kommunalpolitisch zu punkten, und greifen populistische Forderungen auf. Dabei merken Sie gar nicht, dass Sie damit auch das kommunale Ehrenamt schwächen und Kommunen zu Leistungsempfängern finanzieller Zuweisungen degradieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Ampelkoalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesteckt,

Was meinen Sie denn genau?

Kommunen mit einem hohen Maß an Entscheidungsfreiheit vor Ort zu erreichen. Die Realität ist: zentralistische Bundesvorgaben bis auf die örtliche Ebene, Gängelung über Nischenförderprogramme, die die kommunale Finanzlage und die Selbstverwaltung schwächen, sowie schließlich den Kommunen immer mehr Aufgaben zu übertragen und ihnen den gebührenden Respekt vorzuenthalten. Wer beim Blick in den Koalitionsvertrag der Ampelparteien hoffte, die kommunalfreundliche Bundespolitik vergangener Wahlperioden würde nach dem Regierungswechsel nahtlos fortgesetzt, ist nach nun zweieinhalb Jahren deutlich ernüchtert.

1 Vermerkca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wer darauf setzt, dass Ansätze der AfD den Kommunen weiterhelfen, wird bitter enttäuscht.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Neun Minuten Rede, nichts gesagt!

10 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Gäste! Wir reden gerade über Kommunen, und ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dabei auch kurz über das Hochwasserleid zu reden. Der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz hat in den Kommunen eine herausragende Bedeutung. Egal ob Hochwasser, Starkregen, Dürre, Brände oder Chemieunfälle: Die Städte und Kommunen haben als kleinste Verwaltungseinheit in Deutschland die größte Verantwortung im Katastrophenfall. Wasser kann eine zerstörerische Kraft haben. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Bayern und Baden-Württemberg, die gerade unter dem Hochwasser leiden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Im Saarland haben sich die Pegelstände beruhigt, die Zerstörung bleibt.

Es ist das dritte Hochwasserereignis in diesem Jahr, nach der Sturmflut in Schleswig-Holstein und dem Weihnachtshochwasser, das uns gezeigt hat, dass Prävention, Ausgleichsflächen und Klimaanpassung in den Kommunen Menschen und Eigentum schützen. Jetzt haben wir das Sommerhochwasser 2024. Hunderttausende Helferinnen und Helfer sind unermüdlich im Einsatz, riskieren Gesundheit und Leben. Zwei Feuerwehrmänner in Bayern sind dabei ums Leben gekommen. Unsere Gedanken sind bei ihren Familien und Freunden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Es ist ein Versprechen aus Berlin in die Hochwassergebiete: Wir sehen Sie.

Weil wir Sie sehen, beschäftigen wir uns so intensiv mit dem Antrag der AfD-Fraktion. Es ist der Antrag einer Partei, gegen deren Spitzenkandidaten Maximilian Krah die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wegen mutmaßlicher Bestechung aus Russland ermittelt

Kommen Sie doch mal zum Thema jetzt bitte!

Reden Sie mal zum Thema, bitte!

und gegen deren Nummer zwei der Liste, Petr Bystron, wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche ermittelt wird. Das Oberverwaltungsgericht NRW urteilte, die AfD werde zu Recht als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet.

Aus der Feder einer solchen Fraktion kommt dieser Antrag, der wirklich null Komma null kommunale Kompetenzen aufweist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Friedhelm Boginski [FDP]

In ein und demselben Antrag betonen Sie das Recht der Kommunen, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, und drohen ihnen gleichzeitig mit Repressalien, wenn die Räte zum Beispiel demokratisch beschließen, zum Ramadan, dem Fastenmonat der Muslime, Lichterketten aufzuhängen. Sie leugnen wie üblich den Klimawandel und damit eben auch die Notwendigkeit der rettenden Klimaanpassung, des Schutzes vor Hochwasser,

Reden Sie mal zur kommunalen Selbstverwaltung!

und des Schutzes unserer Gebäude.

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Sie lehnen den Ausbau der Erneuerbaren ab. Sie leugnen, dass es einen massiven Fachkräftemangel in unseren Kommunen gibt,

So ein Blödsinn!

mit der Folge, dass Räte Beschlüsse, die demokratisch gefasst sind, nicht umsetzen können.

Können Sie das mal zitieren?

Das Fundament unserer Demokratie ist das politische Ehrenamt vor Ort, in Heidelberg, in Cottbus, in Schwerin. Es gibt wenige Berufspolitiker/-innen in Deutschland. Die meisten Menschen setzen sich mit Bebauungsplänen, Kindergärten, Fahrradwegen auseinander und treffen diesbezügliche Entscheidungen im Ehrenamt. Das ist das Fundament unserer Demokratie und das Fundament der kommunalen Selbstverwaltung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Friedhelm Boginski [FDP]

Diese Menschen lesen stundenlang Vorlagen, graben sich tief in Themen ein, sind ansprechbar vor Ort – in Wittenberg, in Pirna, in Görlitz – und werden deswegen auch bedroht. Ihnen gebührt Respekt und Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Friedhelm Boginski [FDP]

Liebe Wählerinnen und Wähler, gehen Sie wählen, aber lesen Sie vorher die Anträge Ihrer AfD vor Ort.

3 VermerkeZwischenfrageca. 447 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Kommunen bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft. Sie tragen die Verantwortung für Bildung und Sicherheit, und sie sorgen für politische Transparenz und Bürokratieabbau vor Ort. Hier erleben die Bürgerinnen und Bürger Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt hautnah. Doch die Kommunen stehen zurzeit vor riesengroßen Herausforderungen. Dazu gehören die Wohnungsnot, der aktuelle Investitionsstress, der Klimawandel, die Digitalisierung und natürlich auch die Migration. Ich kenne das. Deshalb erst mal von hier ein großes Dankeschön an all die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Vertreter in den kommunalen Parlamenten, die sich vor Ort kümmern und versuchen, für ihre Kommune das Beste herauszuholen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es wurde heute schon gesagt: Die Unterstützung der Kommunen liegt vor allen Dingen in der Hoheit der Länder. Nichtsdestotrotz bemüht sich der Bund immer wieder, die Kommunen dabei zu unterstützen, ihre Aufgaben effizient auszuführen. Dazu braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Ich möchte an zwei, drei Beispielen erläutern, wie der Bund versucht, die Kommunen zu unterstützen.

Sie wissen, dass ich nicht nur ehemaliger Bürgermeister bin, sondern auch ein Herz für Bildungspolitik habe. Deshalb stelle ich hier noch mal ganz kurz das Startchancen-Programm vor. 10 Milliarden Euro investiert der Bund in die Schulen der Kommunen, hier vor allen Dingen in sozialen Brennpunkten.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Hört! Hört!

Das, glaube ich, ist schon mal eine Hausnummer.

Außerdem haben Bund und Länder im Rahmen der Exzellenzstrategie beschlossen, die universitäre Spitzenforschung zu stärken. Circa 148 Millionen Euro fließen dorthinein.

Mit dem DigitalPakt Schule will der Bund 5 Milliarden Euro in die digitale Ausrüstung der Schulen investieren. Ich sage es noch einmal: Für die Ausrüstung der Schulen sind die Kommunen zuständig, und die sollten von den Ländern unterstützt werden. Der Bund investiert hier und unterstützt die Kommunen.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch die Exzellenzinitiative Berufliche Bildung fördert der Bund mit Mitteln.

Ein anderer, für die Kommunen wichtiger Bereich ist der Wohnungsbau. Auch hier wurde vonseiten des Bundes in den letzten Jahren viel getan, gerade was den sozialen Wohnungsbau angeht. Die Zahl der geförderten Wohneinheiten ist im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 insgesamt um gut 20 Prozent gestiegen. Dieselbe Entwicklung zeigt sich in allen anderen Förderbereichen – ich will ein paar nennen –: Es gibt einen Anstieg bei der Zahl der geförderten Neubaumietwohnungen. Es gibt einen Anstieg bei der Förderung der Modernisierung von Mietwohnungen um rund 39 Prozent. Es gibt einen Anstieg beim Erwerb und bei den Verlängerungen von Belegungsbindungen um rund 50 Prozent. Das bedeutet – das will ich dazusagen –, dass die Förderung auch in den Bau und die Modernisierung von Wohnheimplätzen für Studierende und Azubis fließt. Natürlich entscheiden die Kommunen vor Ort selber darüber, wie sie diese finanziellen Mittel einsetzen. Auch das Programm „Junges Wohnen“ ist mir persönlich sehr wichtig.

3 Vermerkeca. 243 WörterReaktionswert: niedrig
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Nein. Wir sehen uns ja ständig. Da können Sie so mal fragen.

Wir sehen uns ständig?

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich als kommunalpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion noch zwei wichtige Aspekte zur Stärkung der Kommunen hinzufügen. Natürlich ist Wohnraum in den Ballungsgebieten knapp, aber in vielen ländlich geprägten Gebieten eben nicht. Hier können Kommunen qualifizierten Neubürgerinnen und -bürgern viel bieten und erhalten im Gegenzug gesuchte Fachkräfte, die sich in diesen strukturschwächeren Gebieten ansiedeln möchten. Also: Nutzen Sie diese Chance!

Aber die Kommunen stehen auch in der Verantwortung, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen; das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Ehrenamt, Sport, medizinische und schulische Versorgung sowie eine Kinderbetreuungsgrundversorgung sind ein Muss. Um alle Neuansiedler auch auf Dauer in den Kommunen zu halten, müssen die Kommunen diese Themen natürlich auch kreativ angehen.

Gute Rahmenbedingungen erwarten die Bürgerinnen und Bürger aber auch in Bezug auf die kommunale Daseinsvorsorge. Dazu zählt auch die Klimavorsorge, die die Kommunen umzusetzen haben, um das Leben und das Gut ihrer Einwohner zu schützen. Wie Sie wissen, ist das Klimaanpassungsgesetz in diesem Bereich eine gute Hilfe, gerade wenn wir an die Umweltkatastrophen denken, die wir in letzter Zeit in Deutschland hatten.

Gemeinsam müssen wir Vorsorge für die Zukunft gestalten. Die Menschen in unserem Land erwarten öffentliche Ordnung und Sicherheit. Sie wollen eine funktionierende kommunale Verwaltung, digitale Verwaltungsangebote sowie Wohnungen und optimale Bildungsangebote für alle Kinder. Das erreichen wir nicht durch Schuldzuweisungen, sondern nur mit vereinten Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen.

Danke.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
9 VermerkeZwischenfrageca. 773 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Kommunen sind Heimat, und für mich bedeutet Heimat Geborgenheit, Sicherheit, Zukunft,

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Carolin Bachmann [AfD]

von der Wiege bis zur Bahre. Das ist für mich Heimat, und vieles mehr. Konkret bedeutet das: eine sichere Geburt für die Familien und für das Kind mit fachkundigen Hebammen und im Notfall mit bester Medizin, Zeit als Familie für unsere Kinder – ob alleinerziehend oder nicht –, gerade wenn sie klein sind, eine gute Betreuung durch Erzieherinnen und Erzieher in der Kita, im Kindergarten, in ortsnahen Grundschulen, weiterführenden Schulen mit motivierten Lehrerinnen und Lehrern, gute Ausbildung in unseren Betrieben, beispielsweise im Handwerk, aber eben auch an unseren Hochschulen, ein sicherer Arbeitsplatz, starke Unternehmen, ob sie groß sind oder klein, Natur zur Erholung, gute Lebensmittel durch unsere Landwirtschaft, Kultur zur Inspiration, Platz, um Glauben zu leben, Freizeitangebote, Wohnraum – dass Gemeinschaft gelebt wird, dass unsere Kinder in die lange gewachsenen Vereinsstrukturen eingebunden werden, Gemeinschaft erfahren und dort auch lernen und erleben, wie erfüllend das Engagement für die Heimat sein kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Und wir brauchen natürlich auch die Anbindung in die Welt durch gute Infrastruktur bei Straße und Schiene und einen guten ÖPNV. Heimat bedeutet für mich auch, dass neben unseren Jüngsten auch diejenigen Beachtung finden, die älter oder krank sind, die der Hilfe bedürfen. Das heißt, die pflegerische Versorgung muss gesichert sein, Strukturen wie zum Beispiel Nachbarschaftshilfe müssen unterstützt werden, Krankenhäuser müssen nah und qualitativ hochwertig sein, am Anfang des Lebens, aber auch am Ende, beispielsweise durch eine gute Hospiz- und Palliativmedizin.

Beifallbei der CDU/CSU

Das alles gilt es zu stärken. Das alles leisten unsere Kommunen mit. Das alles ist Heimat. Unser Altlandrat Herbert Hofmann aus Kulmbach hat es so formuliert: Den Menschen zu helfen und der Heimat zu dienen – das war sein Credo –, das ist die Aufgabe von Politik, vor allem von Kommunalpolitik. Er hat auch noch gesagt: Sicherheit ist Lebensqualität. – Die Politik hat also dafür zu sorgen, dass Menschen in Sicherheit leben können. Wenn ich mir vorstelle, welche politische Kraft Politikergenerationen vor uns hatten, und dann sehe, wie diese Bundesregierung auf Probleme in unserem Land reagiert, dann passen Wort und Tat einfach nicht zusammen.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit dieser Politik verunsichern Sie die Menschen in unserem Land. Die Fragen, die man sich vor Ort stellt, lauten: Ist auch morgen noch ein Arzt da? Ist ein Krankenhaus da, wenn ich Hilfe brauche in der Not?

Der Minister für Wirtschaft hat gesagt – und das war ein schwerwiegender Fehler –: Das Heizungsgesetz war ein Test. Er wollte mal schauen, wie weit die Gesellschaft bereit ist mitzugehen. Das hat das Vertrauen in die Bevölkerung massiv erschüttert.

Beifallbei der CDU/CSU

Was macht das mit unserer Gesellschaft? Es scheint, dass die Empathie verloren geht. Es kommen gerade weitere Aufgaben auf unsere Kommunen zu, und man hat den Eindruck, dass der Blick für das Wesentliche fehlt. Statt sich Themen wie Pflege, Bau und Sicherheit wirklich aktiv zu widmen und entsprechende Lösungen aufzuzeigen, bieten Sie uns hier eine Hitparade der Nichtigkeiten.

Beifallbei der CDU/CSU

Für mich als Gesundheitspolitikerin ist einer dieser Punkte das Cannabisgesetz. Sie feiern das Thema Drogenlegalisierung, ohne ein gutes Konzept zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen vorzulegen.

Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Frage, wer das am Ende wieder umsetzen muss, beantworten Ihnen unsere Landräte. Die sagen ganz klar: In den Kommunen muss das umgesetzt werden, müssen die Anbauvereinigungen kontrolliert werden. – Gerade die Kommunen sind aber an der Belastungsgrenze. Sie brauchen unsere Unterstützung und nicht zusätzliche Experimente, wie es auch der Bundesgesundheitsminister formuliert hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn die Bundesregierung ihre Gesetze durchdrückt, dann wäre es wichtig, das Ganze wenigstens einem Praxistest zu unterziehen. Im Moment ist es so, dass an allen Ecken und Enden Personal fehlt. Wir müssen also diejenigen schützen und stärken, die sich engagieren, die sich einsetzen für unsere Gesellschaft.

Es zeigt sich auch in den Anträgen der AfD wieder, dass sie kein Gespür für die Menschen hat und nicht weiß, was Engagement vor Ort bedeutet. Eine Forderung beispielsweise ist, dass es ein Vetorecht für die Kommunen geben soll, wenn Asylbewerber untergebracht werden müssen. Ich sage Ihnen ganz klar: Das ist ein völlig falsches Verständnis von Kommunalpolitik. Ich kenne in unserem Land keinen einzigen Landrat oder Kommunalpolitiker, der, wenn ein Hilfebedürftiger vor dem Landratsamt steht, sagt: Ich kümmere mich nicht; mir ist es egal. Ich schicke ihn einfach weg oder weiter. – Die Aufgabe, die sich stellt, ist doch vielmehr, dass wir auf Bundesebene die Probleme lösen, dass wir die Kommunen nicht überfordern, damit sie noch in der Lage und bereit sind, den politischen Ethos der Kommunalpolitiker zu leben. Ich glaube nicht, dass das die Antwort sein kann. Die Lösung muss von hier kommen. Die Kommunalpolitiker müssen entlastet und unterstützt werden. Man sollte nicht sagen: Ja, dann sollen sie sie doch einfach abweisen. – Da kenne ich unsere Kommunalpolitiker anders.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
4 Vermerkeca. 403 WörterReaktionswert: niedrig
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Für eine solche Entlastung kann die Bundesebene sorgen.

Es macht unsere Gesellschaft aus, füreinander da sein. Sehen zu können, wie zum Beispiel bei der Hochwasserkatastrophe in Bayern die Kollegen beieinandergestanden haben, die freiwillige Feuerwehr, das THW, unsere Blaulichtfamilie – alle packen an, füreinander, gemeinsam –, das ist bemerkenswert, das ist eindrucksvoll. Man hilft sich untereinander. Wir müssen diejenigen stärken, die unser Land starkmachen. Wenn ein Bürgermeister, wie wir es zum Beispiel in Oberbayern erlebt haben, zurücktritt, weil er den Druck vor Ort nicht mehr aushält, dann muss uns das alle massiv nachdenklich machen. Wir können nicht zulassen, dass so etwas einreißt.

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Kommunalpolitik muss möglich sein, und wir brauchen weiterhin engagierte Leute, die sich dieser Aufgabe stellen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Entgegen allen Unkenrufen wollen auch wir Jungen uns engagieren. Auch der Polizist Rouven war ein junger, engagierter Mann, der unsere Grundrechte verteidigt hat. Und es kann nicht sein – das hat mich heute echt empört –, dass der Bundeskanzler hier nur ankündigt, die Strafen zu erhöhen und damit am Ende der Kette anzusetzen. Es ist nicht ausreichend, zu sagen: Wenn es zu einer solchen Tat kommt, dann werden wir am Ende schärfer sanktionieren, schärfer bestrafen. Unser Anspruch ist – und deswegen hoffe ich, dass den Worten auch Taten folgen –, dass schon im Vorfeld eingegriffen wird, sodass am Ende gar keine Gerichte bemüht werden müssen. Denn immer wenn Gerichte bemüht werden müssen, haben im Vorfeld viele, viele Strukturen versagt. Deswegen müssen wir einen präventiven Ansatz wählen statt im Nachhinein, wenn schon etwas passiert ist, die Strafen zu verschärfen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn in einer Welt, die sich aktuell in einer Waagschale befindet, bei der man manchmal das Gefühl hat, dass man noch nicht sagen kann, in welche Richtung sie kippt, sich die Generationen und die Gemeinschaft nicht unterhaken, dann ist wahrscheinlich nie der Zeitpunkt, sich dieser Notwendigkeit bewusst zu werden. Deswegen noch mal: Wir als Junge spüren diese Verantwortung. Wir wollen sie übernehmen, wir wollen uns unterhaken. Aber diese Verantwortung kann nicht nur einseitig getragen werden. Wir können nicht zulassen, dass die Verantwortlichen, die sich hier aktuell in der Regierung befinden, so unbeherzt agieren, dass es einen manchmal innerlich zerreißt, und das auf dem Rücken ebendieser Generationen, die sich aktiv und engagiert einbringen. Deswegen bleibt es bei dem, was unser Altlandrat gesagt hat. Es ist unsere Heimat. Die Politik muss schauen, dass es den Menschen in unserem Land gut geht. Nur dann ist es gute Politik. Und da ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
3 Vermerkeca. 283 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Kollege Bernhard, das Thema ist doch, dass wir das Problem nicht lösen, wenn wir in den Kommunen ein Vetorecht nutzen. Bei uns in Oberfranken, in Bamberg, haben wir ein AnkER-Zentrum, und das läuft voll. Das heißt, die Kommunen üben untereinander Solidarität aus. Das bedeutet – –

Der Bund!

– Hören Sie mir doch zu! Ich habe Ihnen doch auch zugehört. – Wir in Oberfranken haben die Situation, dass die Kapazitäten des AnkER-Zentrums ausgeschöpft sind, dass also das Konzept nicht mehr funktioniert, dass Leute, die ohne Bleibeperspektive ankommen, sofort zurückgeführt werden. Das war ja das Konzept der AnkER-Zentren.

Und jetzt ist es so, dass wir als Oberfranken die Stadt Bamberg mit ihrem Oberbürgermeister Starke natürlich nicht alleinelassen und sagen können: Alle Flüchtlinge, die Oberfranken zugeteilt werden, lassen wir in Bamberg sitzen. – Deswegen gibt es ein oberfränkisches Kontingent, und es wird auf die weiteren Landkreise aufgeteilt.

Wir haben bei uns sehr engagierte Landräte, und diese Landräte schauen bei absolut schwierigen Diskussionen, bei großem Widerstand in der Bevölkerung,

bei Herausforderungen, bei großen Sorgen der Leute,

Die Sie befördern!

wie sie diese Menschen gut unterbringen. Das habe ich versucht zum Ausdruck zu bringen. Es wäre kein Landrat in Oberfranken bereit, zu sagen: Ich lasse jetzt jemanden einfach über Nacht auf der Straße liegen. – Das wäre nämlich die Konsequenz.

So empfinde ich auch unsere Kommunalpolitik, und deswegen war mein Petitum, dass diese Bundesregierung sich der Verantwortung bewusst wird, dass die Landräte und Landkreise an ihren Kapazitätsgrenzen sind. Sie machen weiter, weil es ihrem kommunalpolitischen Ethos entspricht. Aber selbstverständlich – und so nehme ich auch meinen Landrat im Kommunalparlament vor anderen Vertretern in Schutz – liegt die Verantwortung für den Stopp der illegalen Migration, die Zurückführung in ganz, ganz vielen Bereichen hier auf der Bundesebene.

Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
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Wenn wir die Kommunalpolitiker – letzter Satz – tatsächlich ernst nehmen,

Carolin Bachmann [AfD], an die Regierungsbank gewandt: Jetzt hören Sie doch mal zu!

dann ermöglichen wir ihnen, –

11 Vermerkeca. 736 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Tribünen und in den Medien! Als ich die Ankündigung des Antrages Ihrer Fraktion, der AfD, wahrgenommen habe, war ich als langjähriger Oberbürgermeister und Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages durchaus gespannt, was Sie dem Bundestag vorschlagen würden, um die Situation der Kommunen nachhaltig zu verbessern. Aber dann habe ich Ihren Antrag gelesen, und tatsächlich findet sich dort nichts –

Beifalldes Abg. Bernhard Daldrup [SPD]

nichts, was die Situation der Kommunen in Deutschland tatsächlich ernsthaft und nachhaltig verbessern würde, nichts, was zum Zusammenleben und zu einer gestärkten Gemeinschaft in den Kommunen beitragen würde, nichts, was dazu dienen könnte, die wirklichen Herausforderungen der Kommunen im Bereich des Klimawandels aufzugreifen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ist denn alles gut in den Kommunen?

Stattdessen, meine Damen und Herren, versuchen Sie, mit Spaltung und einem erneuten Aufguss Ihrer Vorurteile und Halbwahrheiten Ängste zu verbreiten und zum wiederholten Male alleine die Migranten und Migrantinnen für alles Übel dieser Welt verantwortlich zu machen und Ihren Wahlkampf auf ihrem Rücken auszuüben.

Nicht für alles! Die SPD ist auch an manchem schuld!

Aber schauen Sie es sich doch mal an: Ich habe mir im Rahmen der Vorbereitung meiner Rede die Grafiken des Statistischen Bundesamtes angeguckt und stelle einfach fest, dass die Kommunen mit einem hohen Ausländeranteil relativ wohlhabende Kommunen sind, und dort, wo wir geringe Ausländeranteile haben, haben wir komischerweise einen hohen Anteil an Bürgergeldbeziehern. Da gibt es also offensichtlich einen ganz anderen Zusammenhang als den, den Sie allen Menschen hier deutlich machen wollen. Wir brauchen Migration.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mit Korrelation und Kausalität ist das so eine Sache!

Offenbar nehmen Sie aber den überall beklagten Arbeits- und Fachkräftemangel gar nicht ernst und gar nicht wahr. In allen Bereichen sind wir auf Zuwanderung angewiesen. Denn wer wird uns künftig pflegen? Wer wird uns – Frau Zeulner, Sie hatten die Frage der Medizin angesprochen – künftig in den Krankenhäusern behandeln? Wer wird künftig unsere Infrastruktur aufbauen und warten? Wer wird unsere Busse und Züge in Deutschland fahren oder unser Brot und unsere Brötchen backen? Meine Damen und Herren, wir brauchen Zuwanderung.

Qualifizierte Zuwanderung!

Es nutzt den Kommunen auch nichts, den Klimawandel und die daraus resultierenden Handlungserfordernisse zu leugnen. Es kann Starkregenereignisse geben, Hochwasser kann das Land und die Menschen bedrohen. Sie ignorieren das einfach und leugnen den Klimawandel.

Angstmacherei!

Jetzt will ich Ihnen mal was sagen: Unsere Kommunen sehen das eindeutig anders als Sie

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie meinen die SPD-Bürgermeister!

und müssen und wollen auf diese Veränderungen im Interesse der Menschen, im Interesse ihrer Bürgerinnen und Bürger reagieren. Dafür brauchen sie die Möglichkeiten, insbesondere die finanziellen Möglichkeiten. Deshalb nehmen wir als Fortschrittskoalition diese Herausforderungen auf der kommunalen Ebene seit Jahren ernst. Deshalb haben wir den Kommunen schon in den letzten Jahren sehr tatkräftig unter die Arme gegriffen.

Zwar gab es 2022 zum ersten Mal wieder einen negativen Finanzierungssaldo von rund 6,8 Milliarden Euro; aber dass es erst 2022 dazu gekommen ist, liegt doch daran, dass der Bund die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der Coronapandemie im Wesentlichen abgefedert hat, dass wir in der Energiekrise Gelder zur Verfügung gestellt haben und dass wir Hilfestellungen des Bundes auch für private Haushalte und Unternehmen in den Kommunen organisiert und damit die Kommunen gestärkt haben.

Beifalldes Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Herr Kollege Boginski hat schon darauf hingewiesen, was wir darüber hinaus, gerade im Bildungsbereich, auf den Weg gebracht haben.

Wir kümmern uns aber auch um die Städte, die mit ihren Innenstädten große Herausforderungen zu stemmen haben. Unsere Innenstadtstrategie zielt auf den Erhalt von lebendigen, multifunktionalen Innenstädten und Zentren ab. Dafür stehen 250 Millionen Euro zur Verfügung. Schon heute werden 219 Kommunen aus ganz Deutschland damit gefördert.

Wir fördern mit der Städtebauförderung in Höhe von 790 Millionen Euro eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch ausgewogene Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungspolitik. Wir fördern mit dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ investive Projekte in Höhe von 200 Millionen Euro.

Aber das gilt auch im Hinblick auf die von Ihnen geleugnete Klimaveränderung.

Nö! Leugnet niemand!

So haben wir zum Beispiel dafür gesorgt, dass die Kommunen beim Ausbau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowohl bei der Windkraft als auch bei Photovoltaik finanziell beteiligt werden können. Ich weiß aus der kommunalen Praxis, dass die Kommunen ganz deutlich dahinterher sind, diese Gelder für sich einzuwerben. Zur Unterstützung der Kommunen bei der Erstellung von Wärmeplanungen stehen zwischen 2024 und 2028 insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Kosten sind 3 bis 4 Milliarden Euro im Jahr! Das ist doch nichts!

Meine Damen und Herren, Sie sehen, wir sind längst weiter, als es der vorliegende Antrag suggeriert. Ich kann wegen der begrenzten Redezeit leider gar nicht alle Punkte aufführen, die wir im Interesse der Kommunen schon umgesetzt haben. Aber einen letzten Punkt – Sie sprechen von elf Punkten – würde ich gerne – –

Viel haben wir jetzt nicht gehört zu Ihren Lösungsansätzen!

1 Vermerkca. 18 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Es gibt noch einen letzten Punkt. Sie haben elf Punkte, und ich würde wenigstens einen noch anbringen wollen –

Jetzt kommt’s!

2 Vermerkeca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– ja –, nämlich den Appell: Aufpassen bei der Wahl! Keine Extremisten wählen, auch nicht die von China und von Russland finanzierten!

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Claudia Müller
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Mecklenburg-Vorpommern
16 Vermerkeca. 533 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Artikel 20 des Grundgesetzes heißt es: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ – Ich benenne das hier, weil Sie von der AfD es anscheinend als diktatorisch ansehen, dass wir von der Bundesregierung Vorgaben machen. „Fremdbestimmung“ durch die Politik der Bundesregierung:

Man muss schon ganz schön verdreht sein, um auf einen solchen Titel zu kommen. Da frage ich mich ernsthaft: Was ist Ihr Bild unseres föderalen Bundesstaates?

Man könnte glauben, Sie wollen zurück zum System der Kleinstaaterei, und wenn ich mir Ihre sonstigen Positionen so angucke, kann ich mir das, ehrlich gesagt, sehr gut vorstellen:

Dann müssen Sie das Grundgesetz mal ganz lesen! Ewigkeitsklausel! Föderaler Aufbau des Staates!

Kleinstaaterei: am besten noch mit eigenen Währungen, Brückenzoll, unterschiedliche Regeln.

Sagen Sie mal, was in den Anträgen steht!

Am besten würden die Kommunen auch gleich wieder eigene Maßeinheiten einführen. Dann könnten Sie auch endlich Schluss machen mit dieser „technischen Überfremdung“.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wobei: Ich frage mich dann schon, wann diese „Überfremdung“ angefangen hat. Mit der Dampfmaschine oder vielleicht doch schon mit dem Webstuhl?

Heiterkeitder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn das, was Sie „technische Überfremdung“ nennen, ist schlicht und ergreifend technologischer Fortschritt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ähnlich rückwärtsgewandt wie Ihr Bild hier ist auch Ihr Bild von der Kultur. Wenn man Ihren Antrag durchliest, dann hat man den Eindruck, neben Trachten und Schuhplattler hat wenig anderes Platz.

Bleiben Sie mal bei der Wahrheit! Was soll denn das? Was erfinden Sie denn da?

Jetzt nicht falsch verstehen: Das sind wichtige Traditionen, die es zu bewahren gilt. Aber Kultur ist deutlich mehr. Kultur lebt vom Austausch von Menschen, und ohne Kultur – ohne moderne Kultur – gibt es keinen Fortschritt. Wir wissen aber, auch das ist nicht so Ihr Ding, genauso wenig übrigens wie ein fairer, demokratischer Diskurs.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Daniel Föst [FDP]

Denn zu einer Demokratie gehört es, andere Meinungen auszuhalten, politische Gegner nicht zu verunglimpfen.

Dazu gehört es übrigens auch – besonders in der Kommunalpolitik –, durch Kompromisse respektvoll und auch konstruktiv miteinander zusammenzuarbeiten.

In Mittelsachsen gibt es ohne Brandmauer eine hervorragende Zusammenarbeit!

In Ihren Anträgen hingegen fehlt genau das. Es fehlt einer der momentan wichtigsten Aspekte,

Wir stimmen guten Anträgen zu! Sie nicht!

nämlich der Schutz des demokratischen Austauschs in den Kommunen. Wir erleben momentan, dass Kommunalpolitikerinnen überall attackiert werden. Immer mehr Menschen ziehen sich aus der aktiven Politik zurück, weil sie diese Angriffe nicht mehr aushalten.

Wie in Mannheim!

Und es geht an die Basis unserer Demokratie, wenn engagierte Menschen sich nicht mehr einbringen wollen, wenn sie sich nicht mehr trauen, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Aber diesen Punkt erwähnen Sie mit keiner einzigen Silbe.

Ein letzter Punkt: Klimaschutz. Auch beim Klimaschutz gehen Ihre Anträge vollkommen an der Realität vorbei. Sie schlagen vor, die Menschen in den Kommunen mit den Folgen der Klimakrise alleinzulassen.

Stimmt doch gar nicht! Was erzählen Sie denn da die ganze Zeit?

Denn was wir sehen, ist doch ganz deutlich: Kein Klimaschutz kostet deutlich mehr als Klimaschutz jetzt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Friedhelm Boginski [FDP]

Allein das Tief „Bernd“, das das Ahrtal verwüstete, hat Kosten in Höhe von 40,5 Milliarden Euro verursacht. Wir erleben die Hochwasser jetzt, und wir sehen die Folgen.

Aber die nackten Zahlen sind das eine. Das Leid der Menschen vor Ort darf uns nicht kalt lassen. Die Kommunen jetzt alleinzulassen, heißt, Menschen weiter diesem Leid auszusetzen.

Das will doch niemand!

Damit das nicht passiert, unterstützen wir die Kommunen. Gerade gestern erst hat der Haushaltsausschuss Geld für Klimaschutzprojekte in den Kommunen freigegeben. Das ist aktive Unterstützung der Kommunalpolitik durch den Bund, durch den Bundestag.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Daniel Föst [FDP]

Durch Entsiegelung von Flächen, Renaturierung, mehr Grün statt Beton erhöhen wir nicht nur die Klimaresilienz, sondern eben auch die Lebensqualität vor Ort.

Ihre Anträge haben darauf keine einzige Antwort.

Porträt von Claudia Müller
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Mecklenburg-Vorpommern
2 Vermerkeca. 42 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie bringen Dinge durcheinander; auch darauf ist eingegangen worden. Falls Sie versucht haben, mit Ihren Anträgen kommunalpolitische Kompetenz zu zeigen: Das ist gründlich misslungen; denn da braucht es deutlich mehr als platte Sprüche und Plattitüden, die wir hier ständig von Ihnen hören.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich empfehle Ihnen, die Anträge noch mal zu lesen!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
5 VermerkeZwischenfrageca. 267 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es sind Kommunalwahlen am Sonntag in neun Bundesländern, und die AfD entdeckt die Kommunen für sich. Anders sind diese mit heißer Nadel gestrickten Anträge nicht zu erklären. Sie strotzen vor Verkürzungen und Widersprüchen. Ich fasse zusammen: Die AfD will Kommunen mit Sparmaßnahmen ins Chaos stürzen – Sparmaßnahmen, die durch Fremdenhass motiviert sind und den Klimaschutz sabotieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Nein! Das steht nicht im Antrag!

Die AfD hat kein Interesse daran, die Kommunen zu stärken. Das zeigt ein Blick in ihr Wahlprogramm oder in die heute vorgelegten Anträge. Stattdessen wollen Sie die relevanten Einnahmequellen der Kommunen streichen; und für die Kommunen ist aktuell jede Einnahmequelle relevant. Sie wollen den Rotstift ansetzen bei der Grundsteuer, bei der Gewerbesteuer und auch bei der Grunderwerbsteuer. Den Kommunen Steuereinnahmen wegnehmen und damit Schulgebäude, Bibliotheken und Schwimmbäder finanzieren: Wie soll das funktionieren? Vor der Wahl versprechen Sie großzügige Steuersenkungen, nach der Wahl erhöhen Sie die Kitagebühren.

Das ist die Realität, wenn die AfD einen Bürgermeister stellt. Das ist hinterhältig, das ist scheinheilig, und das ist verlogen, meine Damen und Herren.

Die einzigen Finanzen, die Sie interessieren, sind Ihre eigenen. Das zeigen die laufenden Ermittlungen wegen Korruption und Landesverrat gegen Ihre Europaspitzenkandidaten Krah und Bystron ganz deutlich. Ihr Patriotismus ist Heuchelei.

Sie wissen überhaupt nicht, was Patriotismus ist!

Na ja, nicht China lieben und nicht Russland lieben wie Sie!

Ihre Loyalität gilt denjenigen, die am meisten zahlen. Ob China oder Putin, die AfD macht sich die Taschen voll. Die Interessen Ihrer Wählerinnen und Wähler und die der Kommunen sind Ihnen schnurzpiepegal.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Kriegsdienstverweigerer, die heute Krieg fordern: Das sind Sie!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ja, die Kommunen brauchen ausreichend Geld. Ja, es gibt ein strukturelles Finanzierungsdefizit in vielen Städten und Gemeinden. Und ja, die Kommunen müssen wieder mehr das Sagen haben.

Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
1 Vermerkca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein. – Dafür brauchen wir eine durchdachte, nachhaltige Finanzpolitik. Unsere Koalition arbeitet genau daran. Wir unterstützen die Kommunen bei den Kosten für die Aufnahme Geflüchteter dieses Jahr mit 11 Milliarden Euro. Auch beim Wohnungsbau, bei der Kinderbetreuung, beim öffentlichen Nahverkehr, bei der regionalen Wirtschaftsförderung und bei der Klimaanpassung stärken wir als Bund die Kommunen.

Nächsten Monat veranstaltet das Finanzministerium auf unsere Bitte hin einen Kommunalkongress. Dort werden wir diskutieren, wie wir die Kommunen noch sicherer aufstellen. Über eines werden wir dabei aber sicher nicht sprechen: den Mist, den Sie heute vorgelegt haben. Er ist das Papier nicht wert, auf dem er steht.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Andreas Jung
Foto: Andreas Jung/ Bildbrauerei
14 Vermerkeca. 677 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben diese Aktuelle Stunde beantragt, weil wir Anlass haben, über Klimaschutz zu sprechen.

Ja, das stimmt!

– Ich danke Ihnen für Ihren Zwischenruf. – Das Kartenhaus der Schönfärberei, das von Robert Habeck und der Ampelregierung aufgebaut wurde, ist zusammengebrochen.

Beifallbei der CDU/CSU

Als im März das UBA die Projektionen vorgestellt hat, war die Botschaft von Robert Habeck: Wir sind auf Kurs. – Jetzt ist klar: Mit diesem Weiter-so werden die Klimaziele verfehlt. Es braucht zusätzliche Maßnahmen. Das ist die ganz klare Botschaft des unabhängigen Expertenrats für Klimafragen.

Unabhängig! Komplett unabhängig!

Und er hat sich das genau angeguckt und hat dann den Punkt aufgegriffen, den wir sofort kritisiert haben; denn das UBA hatte eine Projektion gemacht, wie die Klimaziele erreicht werden könnten. Aber es ist dann sofort aufgefallen, dass Mittelkürzungen, die Sie im Energie- und Klimafonds vorgenommen haben, gar nicht berücksichtigt sind. Obwohl Ihnen, Frau Brantner, und der Bundesregierung bekannt war, dass diese Kürzungen der Mittel gemacht wurden, wurde die falsche Prognose zum Anlass genommen, die Klimaziele zu streichen. Das war eine Schönfärberei. Dieses Kartenhaus ist zusammengebrochen. Deshalb müssen wir über den richtigen Weg für Klimaschutz sprechen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie wollten den KTF nicht! Schon vergessen?

Der Bundeskanzler, der sich selbst mal als Klimakanzler im Wahlkampf plakatiert hat, ist seit dem Wahlkampf als Klimakanzler nicht mehr aufgetreten. Er hat heute früh wieder gesagt, Klimaschutz habe Priorität in der Bundesregierung. Diese Priorität muss sich doch dort zeigen, wo es konkret wird. Und konkret wird es im Bundeshaushalt, und dort hat der Klimaschutz keine Priorität. Wir haben eine ganze Liste an Streichungen, wo beim Klimaschutz gekürzt wurde. Klimaschutz hat eben keine Priorität. Wir brauchen das Zusammendenken von Klimaschutz und Wirtschaft mit sozialem Ausgleich. Das muss Priorität haben. Und so muss es in den Bundeshaushalt rein.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber so haben Sie es nicht gemacht. Schauen Sie sich die Liste an: Es wurde gekürzt beim ÖPNV und bei der Eisenbahninfrastruktur, beim Umweltbonus und bei Lkws, bei alternativen Antrieben, bei Wasserstoff, bei Energieeffizienz. Ich könnte die Liste fortführen. Das alles wird gekürzt. Und dann wundert man sich, dass bei der Projektion etwas anderes rauskommt als vorher? Die Klimaziele werden nicht erreicht. Die Priorität, die der Bundeskanzler verbal hier ins Feld führt, muss sich konkret im Bundeshaushalt wiederfinden. Das ist die Wahrheit. Und da müssen Sie diese Priorität umsetzen. Dann kommen wir voran.

Beifallbei der CDU/CSU

Haben Sie schon den Haushalt gesehen?

Und dann erwarten wir von Ihnen, dass Sie die Menschen nicht verunsichern.

Stimmen Sie einer Reform der Schuldenbremse zu, um die nötigen Mittel für den Klimaschutz mobilisieren zu können?

Es ist eine Verunsicherung dadurch entstanden, dass man Förderungen über Nacht zurückgefahren und abgeschafft hat: erst bei den Gebäuden, dann beim Umweltbonus und bei vielem mehr.

Ich möchte Ihnen von einem Beispiel aus meinem Wahlkreis Hilzingen berichten. Da gibt es ein Bürgerenergieunternehmen, das ein Wärmenetz bauen will. Es gibt 200 Interessenten, die teilweise schon ihre Gaslieferverträge gekündigt haben und die auf diese alternative Wärmeversorgung setzen wollen.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Gemeinde unterstützt das. Es ist alles geprüft. Der Förderbescheid ist da, aber das Geld kommt nicht, weil Sie diesen Topf nicht entsprechend auffüllen, sondern weil Sie da gekürzt haben.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

In einer Pressemitteilung teilen Sie mit, dass das Geld erst im nächsten Jahr kommt. Genauso wie dieses Projekt verschoben wird, werden ganz viele Projekte verschoben. Und das führt zu der Klimalücke, für die Sie die Verantwortung tragen.

Beifallbei der CDU/CSU

Da sind Dinge bei den erneuerbaren Energien auf den Weg gebracht worden, die wir unterstützt haben: beschleunigter Umbau, beschleunigte Genehmigungsverfahren. Wir fordern Sie auf, die ganze Breite erneuerbarer Energien zu nutzen, auch den Blick zu weiten für Geothermie, die Möglichkeiten der Bioenergie zu nutzen als verlässlicher Partner von Wind und Sonne und die Kraftwerksstrategie europäisch zu denken. Ich sage das gerade auch mit Blick auf die Europawahl: Denken Sie die Dinge nicht kleinteilig und national! Denken Sie offen und europäisch! Wir brauchen eine europäische Strategie.

Haben wir doch!

Green Deal! Sie wollen den Green Deal abschaffen!

– Sie, Frau Künast, fallen doch in besonderer Weise dadurch auf, dass Sie unsere Partner belehren, deren Strategie infrage stellen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das war Ihre Frau von der Leyen, die das wollte!

Wir müssen zu einem Modus kommen, wo wir unterschiedliche Ansätze respektieren, Synergien nutzen, in Europa unterschiedliche Ansätze zusammenbringen, dadurch effizient, marktwirtschaftlich, mit Offenheit für Technologien die Dinge so umsetzen, dass wir weltweit Beispiel werden. Der Anspruch muss sein, Klimaschutz in Deutschland so zu machen, dass die Wirtschaft stark bleibt und wir international beispielgebend sind.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
9 Vermerkeca. 686 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Und natürlich: Werte Leugner des natürlichen Klimawandels! „Wir haben es verbockt“, sagte vor wenigen Tagen auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum kein Geringerer als Finanzminister Lindner. Und er meint damit die Energiepolitik dieses Landes. „Wir haben es verbockt.“ Wohl wahr! Diesem Satz kann man nur zustimmen. Doch es ist nicht nur die Energiepolitik, sondern einfach alles. Alles, was diese Ampel anrührt, wird zu Pech und Schwefel, wird zum Desaster für Deutschland.

Beifallbei der AfD

Beginnen wir mit der verbockten, komplett unsinnigen Klimapolitik dieser Regierung ebenso wie aller Vorgängerregierungen unter Merkel bis hin zu Schröder, und jetzt verbockt es erwartungsgemäß der ehemalige Kinderbuchautor. Was hat er den Klimajüngern nicht alles versprochen! Zum Beispiel erklärte er am 15. März dieses Jahres, dass er das deutsche Klimaschutzziel für 2030 auf Grundlage aktueller Prognosen erstmals für erreichbar halte.

Das ist ja auch erreichbar!

Das Klimaschutzziel beinhaltet, die 0,06 Prozent CO2-Emissionen, die Deutschland, gemessen an allen Emissionen, auch der natürlichen, ausstößt, auf 0,05 Prozent zu reduzieren und damit – Achtung, Sarkasmus! – dramatische Folgen für das Klima zu verhindern. Sollte die durch keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis belegte Hypothese stimmen, dass die menschengemachten CO2-Emissionen das Klima maßgeblich beeinflussen, könnte Deutschland damit die vermutete Erderwärmung um 0,0001 Grad Celsius verringern.

Die Zahl ist falsch, Herr Hilse!

Was für ein Irrwitz!

Beifallbei der AfD

Wohl wissend natürlich, dass damit der Niedergang der deutschen Wirtschaft besiegelt würde!

Weniger als drei Monate nach dieser Aussage sagte der vom Wirtschaftszerstörungsminister eingesetzte Expertenrat: Nein, das stimmt so nicht. – In seiner Pressemitteilung schreibt dieser Rat, die Einhaltung des Klimaziels für 2021 bis 2030 werde nicht bestätigt. Er hat dafür – wie kann es anders sein – seine Modelle befragt. Zeitgleich sagt der zuvor bereits erwähnte Lindner, dass im Klima- und Transformationsfonds nunmehr ein Loch von knapp 10 Milliarden Euro entstehe, also Geld, das vom Bund geliehen wird, um damit irgendwelche Brandlöcher zuzuschütten. Dieses Geld ist verbraucht, also weg.

Und die Wirtschaft? Sie stürzt weiter ab. Industrieunternehmen – bis hin zum Mittelstand – verlassen fluchtartig das Land oder gehen in die Insolvenz. Trotzdem werden die verrückten Klimaziele nicht erreicht. Wieder einmal hat uns die Wirklichkeit „umzingelt“, um einmal Herrn Habeck zu zitieren. Diese Wirklichkeit umzingelt immer mehr Menschen in Deutschland auf dramatische und fürchterliche Weise. Am letzten Wochenende konnten die Menschen einmal in Bild und Ton erleben, was längst schrecklicher Alltag in Deutschland ist. 2023 gab es circa 14 000 Messerangriffe, also 40 Messerangriffe pro Tag in Deutschland, Gruppenvergewaltigungen, Mord und Totschlag auf Deutschlands Straßen und Plätzen. Nein, Sie, alle Altparteien, haben nicht nur die Energiepolitik verbockt. Sie haben mit Ihrer Politik in den letzten 20 Jahren unser Deutschland bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Beifallbei der AfD

Sei es die Migrationspolitik mit dem jüngsten Terroropfer mit Todesfolge in Mannheim, die Wirtschaftspolitik, deren offensichtliches Ziel die vorsätzliche Zerstörung unserer wirtschaftlichen Grundlagen ist, die Sozialpolitik, deren Ausgaben durch die Rundumbetreuung von Menschen aus aller Herren Länder in ungeahnte Höhen schnellen, die Entwicklungshilfepolitik mit ihren unsinnigen Projekten wie gendergerechte Toiletten, Akzeptenzförderung für Transsexuelle irgendwo auf der Welt: In allen Bereichen werden Unsummen des deutschen Steuergeldes verschleudert. Aber das deutsche Volk, das zumindest zu einem großen Teil hart dafür arbeitet, wird von Ihnen missachtet, ja, von einigen gar verachtet. Sie vertreten zu einem Großteil nicht das deutsche Volk, Sie vertreten die Interessen von Globalisten und weltweit agierenden Milliardären. Am Sonntag werden Sie die Quittung dafür erhalten.

Beifallbei der AfD

Witzigerweise haben Sie durchgesetzt, dass die Jugendlichen bei der EU-Wahl schon ab 16 wählen dürfen. Und diese Jugendlichen zeigten Ihnen bei der U-18-Wahl zumindest in den östlichen Ländern die kalte Schulter. In meinem Landkreis, im Landkreis Bautzen – herzliche Grüße nach Hause! –, entschieden sich knapp 51 Prozent der befragten Jugendlichen für die Alternative für Deutschland.

Beifallbei der AfD

Und warum? Weil sie erkannt haben, dass nur die AfD willens und in der Lage ist, Ihre desaströse und zerstörerische Politik zu beenden und Deutschland wieder auf den Weg zu einem wirtschaftlich erfolgreichen, friedenstiftenden und vor allem sicheren Land zu bringen. Deswegen werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die meisten von Ihnen durch demokratische Wahlen dorthin zu verbannen, wo sie hingehören: auf die Zuschauertribünen der Parlamente. Und im Übrigen bin ich der Meinung: Wer Grün, Rot, Gelb, Schwarz wählt, wählt den Krieg.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
10 Vermerkeca. 599 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am 15. März hat Minister Robert Habeck der deutschen Öffentlichkeit vollmundig erklärt, dass wir die deutschen Klimaschutzziele einhalten können, wir seien auf Kurs, wir müssten jetzt nur noch Kurs halten. Das waren die Worte von Robert Habeck. Wir haben noch am selben Tag darauf hingewiesen, dass diese Prognosen unrealistisch sind, weil diese Prognosen auf Annahmen beruht haben, die schon am 15. März überholt waren. Robert Habeck hat der deutschen Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut.

Beifallbei der CDU/CSU

Nun hat der Expertenrat für Klimafragen die Prognosen der Bundesregierung unabhängig wissenschaftlich geprüft. Das Ergebnis: Der Expertenrat geht mit Blick auf die Klimaziele von einer Zielverfehlung aus. Der Expertenrat empfiehlt, unverzüglich zu handeln.

Nur ein Beispiel, wie die Bundesregierung arbeitet. Bei Ihrer Prognose im März haben Sie unter anderem unterstellt, dass der Anteil elektrisch betriebener Lkws infolge der Förderungen durch den Bund stark steigt. Tatsächlich aber wurden die entsprechenden Fördermaßnahmen durch den Bund schon zwei Monate vorher durch die Bundesregierung auf null gesetzt. Die Förderung war sicherlich hoch. Es war klar, dass sie schrittweise reduziert werden musste; das ist überhaupt keine Frage. Aber was haben Sie gemacht? Sie haben die Förderung über Nacht einfach auf null gesetzt. Das Ergebnis: Die Neuzulassungsquote bei E-Lkws bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Bei Herstellern und Spediteuren herrscht große Verunsicherung. Planbarkeit und Verlässlichkeit fehlen. Die Folge ist nicht nur, dass die Klimaziele nicht erreicht werden, sondern die Folge ist auch ein industriepolitisches Desaster aufgrund des Hin und Her in der Klimapolitik. Deswegen sage ich: Ihre handwerklich schlecht gemachte Klimaschutzpolitik ist eine große Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland, und das ist schlimm.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben Ihre falschen Prognosen vom März als Rechtfertigung genommen, um vor einem Monat das deutsche Klimaschutzgesetz aufzuweichen und die notwendigen Maßnahmen für den Klimaschutz in die Zukunft zu verschieben. Das liegt jetzt schwarz auf weiß auf dem Tisch. Einen Grund, der eine Änderung des Klimaschutzgesetzes rechtfertigt, hat es in Wirklichkeit nie gegeben. Die Folge wird sein, dass Sie nach dem Beschluss, das Gesetz aufzuweichen, in dieser Legislaturperiode kein einziges Mal mehr Maßnahmen ergreifen müssen, um die Ziele zu erreichen,

Hört! Hört!

und damit lassen Sie zu – und das haben die Grünen mitbeschlossen; das muss man sich vorstellen –, dass das Problem in Zukunft noch größer wird.

Beifallbei der CDU/CSU

Es kommt ein gravierender Punkt hinzu. Das alte Klimaschutzgesetz hat sichergestellt, dass auch die europäischen Vorgaben eingehalten werden. Das neue, aufgeweichte Klimaschutzgesetz stellt dies nicht mehr sicher. Sie nehmen in Kauf, dass auf Deutschland Milliardenzahlungen an andere Mitgliedsländer der EU für den Ankauf von Emissionsrechten zukommen werden. Deutschland wird für die Verfehlungen in Ihrer Regierungszeit finanziell bitter aufkommen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich finde es interessant, zu hören – so wie auch heute von Frau Verlinden und Frau Scheer –, was Ihre Antwort darauf ist, wenn man Ihnen dies entgegenhält. Ihre Antwort ist – wie üblich; auch heute wieder –, Sie hätten von der Vorgängerregierung eine Lücke beim Klimaschutz geerbt.

Das stimmt ja auch!

Meine Damen und Herren, das ist ein Märchen. Es gab ein Klimaschutzziel, und dieses Klimaschutzziel hat besagt, dass die CO2-Emissionen in Deutschland von 1990 bis 2020 um 40 Prozent gesenkt werden sollen. Und tatsächlich hat es die Vorgängerregierung geschafft, dieses Ziel zu erreichen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wegen Corona haben Sie das geschafft!

Jetzt gibt es ein neues Ziel für das Jahr 2030: minus 65 Prozent CO2-Emissionen.

Sie haben das Ziel doch eingeführt, oder nicht?

Und es ist doch nicht die Aufgabe der Vorgängerregierung, sondern es ist die Aufgabe der Regierungen im Zeitraum von 2021 und 2030, durch ihre jeweiligen Maßnahmen dafür zu sorgen, dass das neue Ziel erreicht wird, genauso wie es die alte Regierung geschafft hat, das alte Ziel zu erreichen. Meine Damen und Herren, das ist es, was ich von einer guten Bundesregierung erwarte.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Haben wir aber leider nicht!
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
12 Vermerkeca. 490 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Lage in den Hochwassergebieten ist an vielen Orten dramatisch. Menschen haben ihr Leben in den Fluten verloren. Die Schäden sind enorm. Unsere Solidarität gilt den Betroffenen, unser Dank und unsere Hochachtung den Rettungskräften, die pausenlos und mit Gefahren für ihr eigenes Leben im Einsatz sind.

Beifallbei der Linken

Die Betroffenen brauchen schnell und unkompliziert Hilfe – nicht so wie im Ahrtal, wo die Menschen ewig auf Unterstützung gewartet haben. An Weihnachten Niedersachsen, vor drei Wochen das Saarland, jetzt Bayern und Baden-Württemberg: Können wir angesichts der Bedrohung von Menschenleben durch Hochwasser und Schäden in Milliardenhöhe bitte endlich aufhören, über zu hohe Kosten beim Klimaschutz und über zu ambitionierte Ziele zu diskutieren?

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Überflutungen und die immensen Schäden zeigen doch: Viel teurer als Klimaschutz ist kein Klimaschutz!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Kosten durch Ernteausfälle und Schäden werden bis 2050 auf bis zu 900 Milliarden Euro geschätzt, allein in Deutschland. Das müsste doch mittlerweile eigentlich jeder verstanden haben. Aber offenbar ist das nicht so.

„Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht“, sagte Friedrich Merz noch vor Kurzem. Doch!

Morgen geht die Welt unter, jawohl!

Für einige Menschen geht schon heute die Welt und ihre Existenz unter. Das ist doch die Wahrheit. Die Folgen des Klimawandels sind doch schon längst da.

Beifallbei der Linken

Und die Ampel? Statt Klimaschutz konsequent und sozial gerecht anzugehen, hat die Ampel das ohnehin wenig ambitionierte Klimaschutzgesetz noch aufgeweicht und Verkehrsminister Wissing von den lästigen Klimaschutzzielen befreit. Das Dorf Lützerath wurde abgebaggert. Da wurden Windräder abgerissen, um die darunterliegende Kohle zu gewinnen. Was für ein Irrsinn!

Bei Kernkraft wäre das nicht nötig gewesen!

Statt sich mit Konzerninteressen anzulegen, haben die Grünen ein Rückgrat wie Wackelpudding gezeigt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

In diesem Land wird über Duschzeiten diskutiert, während Superreiche mit ihren Privatjets das Klima vergiften können. Ja, wann verbieten wir das denn endlich? Ja, natürlich auch für Herrn Merz! Der kann auch mit der Bahn nach Sylt fahren, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Fehlende Investitionen, verschleppte Verkehrswende, die Abschaffung der Sektorenziele – all das muss doch rückgängig gemacht werden. Kommende Generationen werden uns doch nicht fragen: Habt ihr damals die Schuldenbremse eingehalten? – Nein, sie werden uns fragen, warum wir die Klimaerwärmung nicht bekämpft haben, als es noch möglich war.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Maja Wallstein [SPD]

Und nein, liebe FDP, die Kräfte des Marktes werden auch dieses Problem nicht lösen. Die Freiheit wird nicht durch ein Tempolimit, wird nicht durch das Verbrenner-Aus und Windräder bedroht. Nein, die Freiheit wird bedroht durch Überschwemmungen, durch Dürren, durch Hitzewellen. Das gefährdet die Existenz von Menschen und die Freiheit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und was die angeht, die immer den Schutz des Eigentums so hochhalten: Wir sehen doch gerade, dass das Eigentum durch nichts so sehr bedroht ist wie durch die Folgen des Klimawandels. Er zerstört, was Menschen sich aufgebaut haben.

Mehr Geld für den Katastrophenschutz – das hat Die Linke immer gefordert. Die Ampel hat gekürzt beim Katastrophenschutz. Auch die Kürzungen beim Hochwasserschutz in Bayern waren ein schwerer Fehler. Diese Investitionen müssen dringend erhöht werden; denn wir sehen: Sie retten Leben.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
9 Vermerkeca. 612 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wer sich die Einschätzung des Expertenrats genau ansieht, der erkennt: Es gibt Licht und Schatten. Insgesamt sind wir aber auf einem guten Weg; denn wir kommen voran beim Klimaschutz in Deutschland. Was die Erreichbarkeit unserer Ziele angeht, ist der Expertenrat für Klimafragen jedoch weniger optimistisch als andere Akteure. Das ist auch sein gutes Recht und seine Aufgabe. Dass Einschätzungen zum Erreichen von Zielen, die weit in der Zukunft liegen, auseinandergehen, halte ich allerdings für völlig normal.

Selbstverständlich nehmen wir die Ergebnisse auch ernst. Und sie motivieren uns zum weiteren Handeln. Denn dieser Regierung und den Regierungsfraktionen ist klar, dass unsere Klimapolitik einer ständigen Überprüfung unterliegen muss und weiterentwickelt wird. Dass aber dieser Bericht als angeblicher Beweis für das Totalversagen der Bundesregierung beim Klimaschutz missbraucht werden soll, ist nicht nur inhaltlich falsch, sondern auch unredlich. Und mit Blick auf die anstehenden Wahlen, liebe Union, aber auch absolut durchschaubar.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber richtig!

Wir haben mit dem neuen Klimaschutzgesetz die Strategie geändert und setzen ab sofort auf effizientere und besser umsetzbare Mechanismen. Und dass Sie, liebe Union, jetzt auch diese Aktuelle Stunde dafür nutzen wollen, um Ihr altes, völlig verkorkstes Klimaschutzgesetz zu rechtfertigen, entbehrt jeder Grundlage.

Beifallbei der FDP

Sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass es vorbei ist mit planwirtschaftlich gesteuerter Klimapolitik, mit starren Sektorzielen und ineffizienten Sofortprogrammen. Sie haben diese verfehlte, aktionistische und innovationsfreie Klimapolitik der Vergangenheit zu verantworten und kein anderer.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Ja, der Expertenrat für Klimafragen sieht den Wegfall der Sektorziele kritisch, aber nicht, weil es ihm um Aktionismus und Detailsteuerung geht, sondern weil er einen Verlust von Verantwortung befürchtet. Da sind wir anderer Meinung, weil verantwortungsvolle Klimapolitik erst durch effizientes, sektorübergreifendes Handeln möglich wird. Zudem begrüßt der Expertenrat das in die Zukunft gerichtete Monitoring des neuen Klimaschutzgesetzes ausdrücklich.

Statt sich die Fakten genau anzusehen, greifen Sie von der Union im Wahlkampf nach jedem Strohhalm, um die verfehlte Klimapolitik während der letzten Jahre der derzeitigen Bundesregierung in die Schuhe zu schieben.

Sie brauchen eine ganze Handvoll Strohhalme!

Das wird, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht gelingen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir arbeiten in dieser Koalition von Beginn an mit Hochdruck daran, unsere Klimapolitik auf neue und gesunde Beine zu stellen. Und natürlich ist dieser Prozess noch lange nicht am Ende angelangt.

Was bedeutet das nun für uns? Weitermachen und noch besser werden! Vor allem aber sollten wir die Instrumente, die uns am meisten bringen, verstärkt nutzen. Ja, es braucht Investitionen. Vor allen Dingen brauchen wir eine Wirtschaftswende, um weiter privates Kapital hebeln zu können. Aber das alleine wird uns nicht zum Erreichen der Klimaziele bringen.

Der Bericht des Expertenrates für Klimafragen zeigt auch: Kleinteilige Klimapolitik bedeutet nicht bessere Klimapolitik. Im Gegenteil: Wir erreichen unsere Ziele deutlich verlässlicher, wenn wir auf Instrumente setzen, die nachweislich funktionieren. Und lieber Kollege Gebhart, noch einmal für Sie zum Mitschreiben:

Das geht doch ins Protokoll! Warum mitschreiben?

Wir brauchen klare Ziele und Effizienz – gerade fehlten Ihnen die Punkte, die genannt werden –, und die erreichen wir letztlich in allererster Linie mit dem Emissionshandel. Damit ersparen wir uns eine Reihe von Problemen, die der Expertenrat in Bezug auf die Unsicherheit und Annahmen der Modellprojektionen in seinem Sondergutachten beschreibt. Im Gegensatz zum Mikromanagement der Großen Koalition garantiert er nämlich die Einhaltung unserer Ziele ohne unnötiges Klein-Klein.

Beifallbei der FDP

Und natürlich brauchen wir auch neueste Technologien. Der Einsatz von CCS und CCU wird hier beispielsweise als ganz entscheidender Baustein, den wir bald mit dem Kohlendioxid-Speicherungsgesetz lösen werden, auf die Waage gelegt.

Ich kann Ihnen allen versichern: Die Bundesregierung und die regierungstragenden Fraktionen werden selbstverständlich auch weiterhin mit Hochdruck daran arbeiten, die Klimapolitik in Deutschland moderner und effektiver zu machen. Die Einschätzung des Expertenrates für Klimafragen bestätigt uns in diesem Anliegen. Insofern freue ich mich auf die weitere Arbeit und die weiteren Debatten hier im Hause.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
14 Vermerkeca. 573 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Klimaschutz ist ein gemeinschaftliches Ziel, eine gesellschaftliche Aufgabe, bei der jeder Einzelne gefordert ist. Die Umsetzung muss national erfolgen, kann aber nur global wirksam sein. Auch deshalb haben sich Umweltminister wie Klaus Töpfer immer für einen globalen Rahmen beim Klimaschutz ausgesprochen. Diesen brauchen wir nach wie vor für einen wirksamen Klimaschutz, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Zunächst einmal: Die Klimaschutzziele 2020 wurden erreicht, und das bei gleichzeitig steigender Wirtschaftsleistung: 40 Prozent CO2-Einsparung gegenüber dem Referenzjahr 1990.

Zuruf: Corona!

– Sparen Sie sich diesbezüglich die Fingerzeige, und kümmern Sie sich lieber um Ihre eigenen Ungleichzeitigkeiten in Ihrer Koalition!

Beifallbei der CDU/CSU

Neben dem Klimaschutz ist aber so oder so Klimaanpassung ein Gebot der Stunde. Ihr Klimaanpassungsgesetz ist bis dato eine leere Hülle ohne finanzielle Hinterlegung. Übrigens: Anders als Herr Nouripour von den Grünen heute Vormittag fälschlicherweise behauptet hat, investiert Bayern kräftig in den Klimaschutz und eben auch in den Hochwasserschutz.

Sie können gerne vorbeikommen. Aber sparen Sie es sich, hier so einen Unsinn zu erzählen!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Bis 2030 wird Bayern weitere 2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investieren.

Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Seit 2001 wurden 4 Milliarden Euro – auch gegen Aiwanger – in den Hochwasserschutz investiert.

Aiwanger hat es verhindert!

Aiwanger hat jeden Flutpolder in Regensburg verhindert, den er gefunden hat! Mit denen koaliert ihr zusammen!

Außerdem machen sich viele Kommunen auf den Weg, beim Hochwasserschutz, bei den Hochwasserkonzepten voranzuschreiten.

Wir brauchen aber auch stärkere individuelle Schutzmöglichkeiten, wenn es um die finanziellen Schäden von Betroffenen geht, Stichwort „verpflichtende Möglichkeit von Elementarschadenversicherungen“, meine Damen und Herren. An dieser Stelle unsere tiefe Anteilnahme hinsichtlich der Todesopfer wie den verunglückten Mann der Freiwilligen Feuerwehr, der beim Einsatz in Pfaffenhofen tragisch ums Leben kam. Ebenso ausdrücklich unseren Respekt und Dank an alle Helferinnen und Helfer, an alle Einsatzkräfte, die während der jüngsten Hochwasser im Einsatz waren,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

die wirklich Herausragendes geleistet haben und die viele Gefahren abgewehrt haben. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, könnte man diesbezüglich sagen. Danke für diesen herausragenden Einsatz!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der Klimaschutzminister hat noch vor Kurzem stolz erklärt, dass man die Klimaschutzziele erreichen werde. Es war übrigens damals schon so, dass die prognostizierten Einsparungen hauptsächlich durch einen Rückgang bei der Produktion herbeigeführt worden wären. Wir wollen aber Klimaschutz ohne Deindustrialisierung. Sie werden, wenn Sie so weitermachen, am Ende die Industrie aus dem Land vertrieben haben und außerdem die Klimaschutzziele nicht erreichen. Das ist eben der Unterschied, meine Damen und Herren.

Was gilt es jetzt eigentlich zu machen? Stellen Sie die CO2-Einsparungen in den Vordergrund! Wir brauchen ein stärkeres Kostenbewusstsein bei den Maßnahmen. Und wir brauchen vor allem Technologieoffenheit. Sie wollen immer den 100-Prozent-Ansatz und scheitern dann auf ganzer Linie. Wir brauchen mehr Pareto, wir brauchen mehr 80 Prozent. Wir müssen machen, was geht, und dürfen nicht wie Sie versuchen, zu machen, was eben nicht geht. Sie machen es ganz oft teurer, langwieriger und komplizierter, und vor allem machen Sie es oft auch ineffizienter als nötig, meine Damen und Herren.

Wie macht ihr es denn?

Der Klimaschutzminister hat vor Kurzem gesagt, das Heizungsgesetz sei ein Test gewesen. Ich sage Ihnen: Die Menschen im Land sind keine Testpersonen. Es geht um Realitäten, und es geht um persönliche Schicksale.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie wollen es ja nicht verstehen!

Die Folge ist übrigens kontraproduktiv: Dass in diesem Jahr mehr Ölheizungen eingebaut werden, ist die Konsequenz Ihrer Politik.

Mir Ihrer Politik haben wir 75 Prozent Öl- und Gasheizungen!

Ja, freilich! Das haben Sie den Leuten erfolgreich eingeredet!

Das ist die Realität Ihrer Klimapolitik, weil Sie Klimaschutz nicht mit den Menschen machen. Sie machen den Menschen Angst, und diese Angst ist auch begründet.

Sie machen den Menschen Angst!

Sie machen den Leuten Angst!

Das ist Ihr Problem, und das ist kontraproduktiv. Wir brauchen viel mehr Anreize statt Verbote. Wir brauchen mehr Lust auf Klimaschutz und weniger Frust.

Herzlichen Dank.

9 Vermerkeca. 315 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum aller Industriestaaten. Unsere Infrastruktur ist marode. Immer mehr Kinder lernen an unseren Schulen nicht mehr richtig Lesen, Schreiben und Rechnen. Spitzenreiter sind wir im Moment nur bei den Energiepreisen. Und obwohl der Bevölkerung – angeblich zum Wohle des Klimas – eine Zumutung nach der nächsten reingejagt wird, verfehlt Deutschland die entsprechenden Ziele. Die Klimaschutzmaßnahmen der Ampelregierung sind undurchdacht, ineffizient, und die Zeche zahlen die Bürgerinnen und Bürger. Und die wollen und können das nicht mehr.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Das tolle Heizungsgesetz, der angebliche klimapolitische Durchbruch, bringt im Idealfall bis ins Jahr 2030 eine CO2-Einsparung von gerade einmal 1,4 Prozent. Und dafür steigen die Mieten. Und wer sich ein Häuschen sprichwörtlich vom Munde abgespart hat, weiß nicht, wie er jetzt auch noch die teure Wärmepumpe und die Umbauten bezahlen soll.

Zurufdes Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist die Realität.

Beifallbeim BSW

Endlich sagt es mal jemand!

Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Und das gilt auch für die Krankenschwester auf dem Lande, die um 4.30 Uhr mit ihrem Opel Corsa zum Dienst in die nächste Stadt fährt,

Was ist denn Ihre Idee? Wie machen Sie es denn?

Hören Sie auf, die Krankenschwestern zu vereinnahmen!

sich jetzt schon die Spritpreise kaum noch leisten kann und nun auch noch von Ihrem vorschnellen Verbrenner-Aus bedroht wird. Sie kann nicht einfach auf den Bus umsteigen; den gibt es nämlich nicht. Und der Tesla ist leider viel zu teuer. Davon abgesehen ist seine Herstellung wirklich alles andere als umweltfreundlich.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
Zurufdes Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nein, es braucht flächendeckenden, bezahlbaren ÖPNV, aber ohne das Autofahren noch teurer zu machen. Die Forschung und Entwicklung von verbrauchsärmeren Motoren und alternativen Antrieben muss konsequent vorangetrieben werden. Erneuerbare Energien müssen ausgebaut werden. Dafür muss man investieren, und dafür muss die Schuldenbremse reformiert werden.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Wir als BSW wollen vernünftigen Klimaschutz. Dann bleiben auch die Arbeitsplätze in Deutschland erhalten.

Verbrenner, oder was?

Deswegen arbeiten Sie auch mit Russland zusammen!

Aber das Einzige, in das Sie so richtig investieren wollen – Sie alle, inklusive der Union –, ist mehr Rüstung. Deutschland soll kriegstüchtig werden.

Verbrenner mit russischem Gas!

Was für ein Irrsinn, auch für den Klimaschutz.

Danke.

Beifallbeim BSW

Putin wird uns nicht retten! Im Gegenteil!

Porträt von Nina Scheer
Foto: Nina Scheer
12 Vermerkeca. 655 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Jung, Ihre Fraktion hat heute die Aktuelle Stunde beantragt. Als Anlass haben Sie die Vorstellung des Gutachtens des Expertenrates für Klimafragen genommen. Ich möchte voranstellen, dass die Ursachen dessen, was an Lücken identifiziert wurde, schon sehr lange zurückliegen.

Ja, jetzt sind wir es wieder!

– Das muss man einfach erwähnen, weil das viele Leute nicht wissen. Ich erwähne das hier nicht zum ersten Mal, das gebe ich zu.

Lachendes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

– Sie können gerne lachen, weil Sie das Argument kennen.

Ja, das stimmt! Und täglich grüßt das Murmeltier!

Aber mit Ihrem Lachen, Herr Merz, täuschen Sie darüber hinweg oder verschleiern vielleicht auch, dass gerade Ihre Fraktion über Jahre den Ausbau erneuerbarer Energien massiv ausgebremst hat.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die ganz alte Leier!

Und leider haben wir in der Großen Koalition mit Ihnen auch Maßnahmen mitgetragen – das kann man an den Ausbaukurven für die erneuerbaren Energien sehen –, die für die klimaschutzförderlichen Instrumente nicht gut waren und zu einem Knick in der Kurve geführt haben. Der Anstieg beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Klimaschutzmaßnahmen hätte deutlich stärker sein können, wenn es keine bremsenden Faktoren gegeben hätte.

Das ist einfach Fakt; das muss man dazusagen. In dem Moment, wo wir gemeinsam Regierungsverantwortung trugen, haben wir leider mit Ihnen so handeln müssen. Jetzt, wo Sie keine Regierungsverantwortung mehr haben, fällt Ihnen auf einmal ein, wie das alles angeblich ganz schnell gehen soll. Das ist nicht besonders glaubwürdig.

Da klatschen noch nicht einmal Ihre eigenen Leute!

Zudem möchte ich einmal darauf hinweisen, dass wir, die Ampelkoalition, über die letzten Jahre einiges an Maßnahmen beschlossen haben. Wir haben mit dem Osterpaket ein Riesenpaket zum Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen. Wir haben das Wasserstoffkernnetz auf den Weg gebracht. Wir haben mit dem Solarpaket massive Vereinfachungen gemacht. Es wird uns von denen, die das in diesem Land energiepolitisch einschätzen können, bescheinigt, dass wir den Ausbau erneuerbarer Energien tatsächlich massiv beschleunigen. Auch beim Netzausbau gelingt uns diese Vervielfachung. – Sie gucken so ungläubig, Herr Merz.

Frau Scheer, da klatschen nicht einmal Ihre eigenen Leute!

– Dann kennen Sie die Zahlen offenbar nicht, Herr Merz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich kenne die Zahlen ziemlich genau!

Herr Merz, Sie müssten eigentlich wissen, dass wir durch die Schaffung von Regularien Erfolge erzielt haben, die sich in einem massiven Ausbau erneuerbarer Energien zeigen.

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Wir haben jetzt allerdings in der Tat bei der Treibhausgasminderung eine Lücke, die zu schließen ist. Dafür müssen wir massive Maßnahmen ergreifen.

Was fordern Sie eigentlich? Sie wollen jetzt auf einmal wieder auf Kernenergie setzen, obwohl Sie ganz genau wissen, dass das über Jahre hinweg überhaupt keinen Effekt brächte, selbst wenn man diese Risiken in Kauf nähme, was wir kategorisch ablehnen. Sie unterstellen, dass man sogar ein Pilotvorhaben mit Kernfusion machen könnte, obwohl Sie doch eigentlich wissen müssten, dass man mit dem heutigen Stand der Technik überhaupt keine Energiegewinnung aus Kernfusion für den Energieverbrauch ziehen kann, außer im Labor. Das ignorieren Sie.

Wer auf solche Planungen in der Energiepolitik setzt, wer schon bestehende Gesetze für die Wärmewende, die hart errungen wurden, wieder rückgängig machen möchte,

Können wir einmal was zum Thema hören?

wer dann sagt, dass man das alles über CO2-Bepreisung und mit einem Klimageld lenken könne – was niemals eine Investition im individuellen Bereich auslösen kann, weil dafür auch individuelle Maßnahmen notwendig werden –, streut den Menschen Sand in die Augen.

Sie verfehlen das Klimaziel!

Sie setzen auf Maßnahmen, von denen Sie ganz genau wissen, dass sie nicht funktionieren können. Sie können nicht die Energiewende so voranbringen, dass eine Lücke auch nur annähernd geschlossen würde. Ganz im Gegenteil: Wenn man Ihre Maßnahmen aufaddierte, käme man zu einem ganz klaren Ergebnis. Sie können ja vielleicht auch einmal den Expertenrat anrufen; schließlich hat die Bundesregierung das selbst initiativ gemacht. Ich bin sicher, dass man eine noch viel größere Lücke hätte, wenn man Ihre Programmatik zugrunde legen würde.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wenn man aufrechnet – Tim Klüssendorf, unser Finanzpolitiker, hat das hervorragend aufgelistet –, wie viel Ihre Forderungen kosten, die Sie in den letzten Wochen aufgestellt haben, dann kommt man auf zusätzliche Ausgaben von 90 Milliarden Euro. Es ist schön, dass Sie diese Forderungen in den Raum stellen. Aber Sie haben überhaupt kein Konzept, wie das denn finanziert werden soll. Sie wollen Steuersenkungen vornehmen und gleichzeitig alle möglichen Klimaschutzmaßnahmen umsetzen. Aber Sie sagen nicht, wie das finanziert werden soll.

Porträt von Nina Scheer
Foto: Nina Scheer
ca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
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Ich lade Sie ein, ein Konzept auf den Tisch zu legen, aus dem hervorgeht, wie sich die Schuldenbremse reformieren lässt, –

Porträt von Julia Verlinden
Foto: Rainer Kurzeder
9 Vermerkeca. 753 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Kolleginnen und Kollegen von der Unionsfraktion, Sie haben diese Woche wirklich einen Lauf mit Ihren halbseidenen Anschuldigungen.

Expertenrat! Expertenrat!

Ich sage nur: Achtung, Fettnäpfchenalarm!

Nun wollen Sie darüber sprechen, wie unsere Koalition dabei vorankommt, Ihre Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Wenn ich Sie wäre, wäre ich mal lieber ganz still. Das ist nämlich ganz dünnes Eis, auf das Sie sich da begeben.

Der Minister hat gesagt, Sie seien auf Kurs!

– Ganz dünnes Eis, Herr Spahn!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Sie wollen heute mit uns darüber diskutieren, ob wir als Koalition nun innerhalb von gut zwei Jahren die riesige Klimaschutzlücke, die Ihre Merkel-Regierung hinterlassen hat – Ihr Erbe! –, im Hinblick auf die Zielmarke 2030 zu 80 Prozent, 90 Prozent oder zu 100 Prozent geschlossen haben. Ich sage nur: Fettnäpfchen! Richtig, wir sind noch nicht am Ziel. Richtig ist auch: Gerade in den Sektoren Verkehr und Gebäude muss noch schneller und noch mehr in Sachen Klimaschutz passieren, sonst gelingt das nicht. Aber Überraschung: Für die Verkehrswende und klimafreundliche Heizungen habe ich bisher in dieser Legislaturperiode bedauerlicherweise nicht so viel Unterstützung von Ihnen aus der CDU/CSU-Fraktion gesehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Jetzt sind wir schuld, dass Sie Ihre Ziele nicht erreichen?

Ganz im Gegenteil: Friedrich Merz erzählt, die Welt werde schon nicht untergehen. Heute Morgen hat er kein Wort über das Hochwasser verloren, kein Wort über die Klimakrise. Sie machen eine Kampagne gegen klimaneutrale Autos und ärgern sich dann über den Widerspruch, den Sie von den Menschen dafür ernten. Und Sie von der CDU/CSU wollen europäische Einigungen zum Green Deal und zum Klimaschutz aufkündigen. Das ist ein Skandal!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Klimapolitik im Rückwärtsgang ist, was Sie ankündigen. Und das zeigt, wie wenig Verantwortung Sie für Europa übernehmen wollen. Das zeigt, dass Sie keine Verantwortung für die Zukunft übernehmen können.

Verantwortungslos!

Wir können in dieser Woche nicht über Klimapolitik sprechen, ohne auch über die Unwetter und Überschwemmungen in Bayern und Baden-Württemberg zu reden. Noch gibt es dort keine endgültige Entwarnung. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen, den Freundinnen und Freunden der Todesopfer und bei den Menschen, deren Existenzen weggeschwommen sind. An dieser Stelle möchte ich einen großen Dank an die Helferinnen und Helfer aussprechen. Wir sehen vor Ort die große Kraft der Menschlichkeit, des Anpackens und der Solidarität. In Notlagen halten wir zusammen, wir helfen einander, wir sind solidarisch. Viele Menschen wachsen bei solchen krisenhaften Herausforderungen über sich hinaus. Und wir müssen der Wahrheit ins Gesicht schauen: Was wir gerade erleben, das ist die Welt bei nur 1,4 Grad Erhitzung. Die Weltgemeinschaft ist aber auf dem Pfad zu einer 2,7 Grad heißeren Welt, und daran können wir uns nicht anpassen, damit können wir nicht überleben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Von welchem Temperaturwert aus?

Deswegen müssen viele Dinge passieren. Mit dem Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ haben wir 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um einerseits die CO2-Emissionen zu senken und andererseits die schützende Kraft der Natur für uns zu aktivieren. Kommunen können dort Gelder beantragen, um Flächen zu entsiegeln, den Wasserrückhalt in der Landschaft zu verbessern, Wälder zu erhalten. Es gibt so viel zu gewinnen: eine lebenswerte, lebendige Natur, die uns Menschen vor den Folgen der globalen Erhitzung schützt. Das ist möglich, wenn wir es gemeinsam wollen.

Das Gegenteil vorsorgender Politik allerdings betreiben Sie in der Union und Ihr Kollege Weber in Brüssel. Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur haben Sie im Bündnis mit den Rechten im Europaparlament sabotiert und dagegen gehetzt. Das war blanker Populismus. Damit haben Sie Deutschland keinen Dienst erwiesen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wären Sie eine verantwortungsvolle Opposition, dann würden Sie sich mit sinnvollen Vorschlägen an der Bewältigung der Klimakrise beteiligen.

Wir Grüne wollen das Tempo beim Klimaschutz in der Bundesregierung und im Bundestag weiter beschleunigen, um Menschen und ihre Existenzen vor der Klimakatastrophe zu schützen. Nötig sind dafür mehr Investitionen in Klimaschutz, seien es Förderprogramme zur Haussanierung oder der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn die Kosten der Klimakrise werden die Ausgaben für wirksamen Klimaschutz bei Weitem in den Schatten stellen, wenn nicht gehandelt wird.

Wir haben uns hier im Bundestag der Realität der Klimakrise zu stellen. Jeder Tag zählt, jedes Zehntelgrad zählt. Im Katastrophenfall in Bayern und Baden-Württemberg sind in den letzten Tagen Menschen über sich hinausgewachsen. Sie haben dort unfassbare Solidarität und Kreativität gezeigt und unvorhergesehene Überlebenskräfte freigesetzt. Jetzt ist die Zeit dafür, dass wir in diesem Parlament den Ernst der Lage ansprechen, damit unsere Gesellschaft zu dieser gleichen Solidarität, zu dieser gleichen Kraft findet, um gemeinsam solche Krisensituationen abzuwenden und zu vermeiden. Das erwarten die Menschen, die gerade alles verloren haben, von uns Politikerinnen, und zwar zu Recht.

Klimaschutz zum Schutz der Menschen, Klimavorsorge, weil wir uns um die Menschen sorgen! Ich weiß: Unsere Gesellschaft kann Klimaschutz. Unser Parlament kann Klimaschutz.

6 Vermerkeca. 813 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Man muss der Opposition bis zu einem gewissen Grad dankbar dafür sein, dass sie die Möglichkeit einräumt, über die Unterschiede zwischen der Welt vor dem Unionsklimaschutzgesetz – die Novelle dazu gibt es in diesem Jahr – und der Welt jetzt zu sprechen. Wir haben viel Gutes getan und sorgen mit der Novelle zum Klimaschutzgesetz für eine wesentliche Änderung. Denn was hat das alte Klimaschutzgesetz gemacht? Beim alten Klimaschutzgesetz hat man vor allen Dingen in die Vergangenheit geschaut. Man hat sich eher im konservativen Sinne angeschaut, was man alles verfehlt hat. Das ist aber beim Klimaschutz der falsche Ansatz, weil eine Emission, die einmal ausgestoßen ist, in der Luft ist; dagegen kann man nicht mehr viel tun.

Sinnvoll ist, in die Zukunft zu schauen, und das tun wir mit der Novelle zum Klimaschutzgesetz. Wir schauen uns nun an, wohin die Reise laut Prognosen geht. Das ist, glaube ich, exakt der richtige Weg in der Klimapolitik: nach vorne zu gucken, an den Fortschritt zu glauben, daran zu glauben, dass man mithilfe der wirtschaftlichen Entwicklung, des technologischen Fortschritts und der Kräfte des Marktes dafür sorgen kann, dass Klimaschutz wieder funktioniert. Das ist es, was wir von der Ampelregierung ins Klimaschutzgesetz geschrieben haben. Das ist es, was der Union nie gelungen ist. Deswegen sind Sie da ein bisschen bedröppelt. Das verstehe ich.

Beifallbei der FDP

Ich finde es auch spannend, Herr Jung, was Sie gerade in Ihrer Rede eingefordert haben. Da war groß die Rede davon, dass der Bundeshaushalt entsprechend ausgerichtet sein muss, dass wir Subventionsprogramme brauchen, dass wir hier und da Geld verteilen müssen. Wenn das Klimaschutzkonzept der Union ein reines Subventionskonzept ist, dann haben Sie sich von der Marktwirtschaft ganz schön weit entfernt.

Beifallbei der FDP
Widerspruchdes Abg. Andreas Jung [CDU/CSU]

Das ist traurig, weil die Union eigentlich mal das effizienteste und beste Instrument hochgehalten hatte, das es für den Klimaschutz gibt, nämlich den Emissionshandel. Dass dies das Emissionsreduktionsinstrument Nummer eins ist, sehen wir ganz deutlich dort, wo der Emissionshandel wirkt. Im Verkehrssektor wirkt es noch nicht. Aber bei Energie und Industrie funktioniert es, und zwar über Jahre hinweg, egal ob es Schwankungen gibt oder nicht. Im Energie- und Industriebereich sinken die Emissionen ganz klar, und zwar dank des Emissionshandels. In anderen Bereichen weiten wir ihn nun aus. Das kann der Bericht des Expertenrats für Klimafragen noch gar nicht einpreisen, weil es dafür noch kein Gesetz gibt. Wir arbeiten aber gerade hart und schnell daran, den Weg zum Emissionshandel für die Bereiche Verkehr und Wärme zu ebnen.

Man muss sagen: Auf EU-Ebene ist es gelungen, ab 2027 den Königsweg zum Klimaschutz zu beschreiten, nämlich Rahmenbedingungen für Klimaschutz zu schaffen und den Bürgerinnen und Bürgern die Freiheit zur Entscheidung zu lassen. Ab 2027 wird der Emissionshandel auch für die Bereiche Verkehr und Wärme gelten; dann mache ich mir auch um das Erreichen der Klimaziele bis 2030 keine Sorgen mehr. Ich hatte Ähnliches auch in den Reden der Union erwartet. Stattdessen war nur die Rede von Subventionen und staatlicher Regulierung. Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist. Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Union da anders tickt.

Verlässlichkeit, Herr Köhler!

– Jetzt rufen Sie es selber rein, Herr Jung. Das schockiert mich ein bisschen. Sie rufen hier „Verlässlichkeit!“ rein. Sie haben mit Ihrer Unionspräsidentin Ursula von der Leyen es nicht hinbekommen, den Verbrenner zu retten. Und jetzt, ein paar Wochen vor der Wahl, fällt Ihnen ein: Die deutsche Automobilindustrie ist eigentlich ganz schick, jetzt wollen wir das Verbrennerverbot doch aufheben. – Es wäre Ausdruck von Verlässlichkeit gewesen, von Anfang an für die deutsche Automobilindustrie zu kämpfen. Das habe ich bei der Union vermisst.

Beifallbei der FDP

Ich vermisse, dass Sie sich klar zur Technologieoffenheit bekennen, dass Sie Ja sagen zu den deutschen Autobauerinnen und Autobauern. Das haben Sie lange nicht gemacht.

Das ist eine Lüge, Herr Kollege, eine Lüge!

Ein paar Wochen vor der Wahl stellen Sie sich hin und sagen: Mensch, eigentlich hat die FDP ja recht. – Bisher haben wir allein auf weiter Flur gekämpft. Ihre Kommissionspräsidentin hätte für das Verbrenneraus gesorgt. Zum Glück gibt es Volker Wissing, zum Glück gibt es die FDP, zum Glück gibt es diejenigen, die noch für die deutsche Automobilindustrie kämpfen.

Beifallbei der FDP

Es tut mir leid, dass ich das bei Ihnen nicht erlebt habe.

Ich sehe aber in der Art und Weise, wie wir mit dem Klimaschutzgesetz umgehen und Klimaschutz in Zukunft betreiben, und darin, was diese Regierung auf den Weg gebracht hat und noch auf den Weg bringen wird, viel Positives.

Zum Thema Technologieoffenheit. Es ist Ihnen in der Regierung nie gelungen, das Thema CCS, Carbon Capture and Storage, das Verpressen von CO2, in irgendeiner Weise technologieoffen anzugehen. Was macht diese Regierung? Das CCS-Gesetz ist auf dem Weg. Die Eckpunkte der Carbon-Management-Strategie stehen fest. Ich bin völlig begeistert davon, dass wir hier für Technologieoffenheit sorgen. Deswegen mache ich mir um das Erreichen der Klimaziele in Deutschland keinerlei Sorgen. Wir müssen das auf internationaler und europäischer Ebene verstärken. Es gibt da noch viel zu tun, ganz klar.

2 Vermerkeca. 29 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Aber Planungsbeschleunigung, CCS und Emissionshandel sorgen dafür, dass wir in Deutschland auf dem richtigen Weg sind. Von daher mache ich mir auch keine Sorgen um die Zukunft dieses Landes.

Beifallbei der FDP
11 Vermerkeca. 793 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Cummings hat den schönen Satz formuliert: „Zeit ist das, was verhindert, dass alles gleichzeitig passiert.“ Was den Klimawandel angeht, hatten wir mal Zeit. In Deutschland hat uns Hermann Flohn schon 1941 davor gewarnt, und es gab viele weitere Hinweise. Wir haben viel Zeit verstreichen lassen, und weil uns heute die Zeit davonläuft, muss viel gleichzeitig passieren. Wir bauen die Windkraft aus. Wir bauen Solaranlagen, Stromnetze, Speicher, Nah- und Fernwärmenetze, Wärmepumpen, E-Autos. All das muss kommen, all das passiert gerade, und das ist viel, aber das machen wir. Und wir arbeiten gleichzeitig daran, dass sich das jeder leisten kann. So arbeiten wir gleichzeitig.

Beifallbei der SPD

Die CDU/CSU dagegen praktiziert eine andere Form von Gleichzeitigkeit. Sie wollen heute über den Bericht des Expertenrats für Klimafragen reden, in dem uns vorgehalten wird, wir seien nicht auf Kurs, was die Erreichung der Ziele angehe. Gleichzeitig ist es die Union, die es unter der Führung von Kanzlerin Merkel 16 Jahre in der Hand hatte, dass wir heute besser dastehen. Und dabei geht es nicht um den Status dieser Regierung, sondern darum, dass die Menschen in unserem Land eine bessere Chance haben, den Klimawandel aufzuhalten, dass es uns weniger kostet und weniger Mühe macht.

Das andere Verständnis von Gleichzeitigkeit bei der Union drückt sich aber auch darin aus, dass Andreas Jung, der teilweise andere Ideen hat als wir, gegen den Klimawandel kämpft – das kaufe ich ihm zu 100 Prozent ab –, während mein Wahlkreiskollege Thomas Bareiß

Hilfe! Hilfe!

durch die Schulen bei uns vor Ort zieht und erklärt, dass die Sonne für den Klimawandel verantwortlich ist. Das ist nicht irgendjemand, sondern er war vier Jahre lang Ihr Energiestaatssekretär.

Gruselig!

Und es gibt in der CDU noch mehr kluge Leute wie Herrn Jung. Aber Sie haben Herrn Merz zu Ihrem Vorsitzenden gewählt, dem zu Überschwemmungen einfällt: Davon geht die Welt nicht unter. – Das ist die Gleichzeitigkeit der Union.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Gleichzeitigkeit der Union drückt sich auch darin aus, dass Vertreterinnen und Vertreter von Ihnen bei Start-ups rumspringen, über eine neue Fehlerkultur sinnieren, die wir in Deutschland brauchen, und einfach mal machen. Wenn aber bei der Energiewende irgendetwas nicht so läuft, wie es soll, dann malen Sie die große Katastrophe an die Wand. Aber alteingesessenen Unternehmen sagen Sie: Es kann alles so bleiben, wie es ist. – Das ist die Gleichzeitigkeit der Union.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich finde, die Gleichzeitigkeit verschiedener Argumente ist immer gut, gerade in Parteien. Aber wenn Parteien widersprüchliche Positionen vertreten, dann ergibt sich zwangsweise daraus, dass sie lügen. Man kann eben nicht sagen: Wir sind a) für Klimaschutz, und b) es kann alles so bleiben, wie es ist. Man kann nicht sagen, die Energiewende müsse schneller kommen, und vor Ort fast jedes Windrad auf Teufel komm raus bekämpfen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Man kann nicht wie Sie mehr Geld für Klimaschutz fordern und sich gleichzeitig an die Schuldenbremse klammern. Das geht nicht.

Werden wir konkret. Sie beziehen sich auf den Bericht des Expertenrats. Was steht drin? Es werden verschiedene Sektoren genannt. Die allermeisten erreichen das Ziel, sind auf dem Weg dorthin. Aber es gibt zwei Bereiche, in denen das nicht der Fall ist: zum einen der Verkehrsbereich und zum anderen der Gebäudebereich. Im Gebäudebereich haben wir mit dem Gebäudeenergiegesetz den größten Fortschritt seit Jahren erzielt, aber Sie wollen es abschaffen, und zwar alternativlos.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Lachenbei der CDU/CSU

Im Verkehrsbereich machen Sie gerade Wahlkampf dafür, dass wir in 20, 30 Jahren in Deutschland noch neue Verbrenner zulassen. Das ist Ihre Antwort. Was Sie hier konkret tun, ist: Sie kritisieren die Regierung, und gleichzeitig fordern Sie, es noch schlechter machen zu dürfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist die absurde Gleichzeitigkeit, die Sie hier als Vernunft darstellen wollen.

Das heute geleakte Papier, in dem Sie sich darüber auslassen, wie Sie sich die Energiewende vorstellen, lässt tief blicken. Anscheinend gibt es Vorschläge.

Oh Hilfe! Was kommt da jetzt?

Dort steht der komplizierte, aber interessante Satz – wenn das nicht stimmt, können Sie es ja richtigstellen –: Die Kombination aus Technologieoffenheit und CO2-Bepreisung führt zum effizientesten und damit kostengünstigsten Weg der CO2-Einsparung. – Das klingt kompliziert.

Ja, das ist nur für Sie kompliziert!

Aber was heißt das? Das heißt: Du darfst alles, aber du musst es dir leisten können. Das heißt, Reiche können weiterhin so viel CO2 ausstoßen, wie sie wollen, aber Leute mit weniger Geld, mit normal viel Geld, kriegen Schwierigkeiten beim Heizen und beim Autofahren; nur das und nichts anderes heißt das.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dieser Vorschlag ist so günstig, weil er die Bedürfnisse von Millionen Deutschen ignoriert. Das ist soziale Kälte in Zeiten der Erderwärmung.

Gleichzeitigkeit muss heißen, dass wir unseren Feuerwehrleuten in diesen Tagen dankbar dafür sind, dass sie Übermenschliches leisten. In Bad Saulgau war die Feuerwehr 60 Stunden am Stück im Einsatz und hat 15 000 Sandsäcke verlegt, 40 000 Liter Wasser pro Minute abgepumpt. Ihnen können wir dankbar sein. Gleichzeitig müssen wir sie in Zukunft aus der Schusslinie nehmen, indem wir die Wahrheit sagen, –

2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

indem wir konkrete Maßnahmen ergreifen, um den Klimawandel aufzuhalten.

Haben Sie vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
10 Vermerkeca. 746 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Union möchte über Klimaziele reden. Spannend! Ich habe mir einfach mal die Fakten angeschaut zur Entwicklung des Klimaschutzgesetzes und zu der Rolle der Union dabei. Es fing damit an, dass Sie gar kein Klimaschutzgesetz wollten. Nur auf Drängen der SPD haben Sie dem Deal mit dem CO2-Preis überhaupt zugestimmt. Dann ging es weiter. 2019 war unser Klimaziel: minus 55 Prozent CO2 bis 2030. Aber schon damals wurde ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, mit dem das Ziel nicht erreicht werden konnte. Dann hat Herr Seehofer ein Sofortprogramm für den Gebäudebereich aufgelegt. Der Expertenrat sagt: Das reicht nicht. – 2021 sagt das Bundesverfassungsgericht: Die Klimaziele reichen nicht aus. – Daraufhin haben Sie kurz vor der Bundestagswahl nachgebessert, aber leider ohne zu sagen, mit welchen Maßnahmen oder mit welchem Geld diese Ziele erreicht werden sollen.

Im Endeffekt haben Sie uns eine Klimalücke von 1 000 Millionen Tonnen CO2 hinterlassen. Ich muss sagen: Stark, dass Sie trotzdem diese Aktuelle Stunde hier aufsetzen! Aber vielleicht wissen Sie was, was wir nicht wissen. Vielleicht haben Sie ja Ihre Meinung geändert und treten jetzt ganz anders auf. Vielleicht sind Sie jetzt zum Anwalt des Klimaschutzgesetzes geworden. Sie haben hier im Plenum Krokodilstränen vergossen und gesagt: Das darf nicht verabschiedet werden! – Heilmann ist vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. All das ist passiert.

Was haben Sie denn im Bundesrat gemacht? Wurde da etwa ein Antrag gestellt, dass man die Sofortprogramme nicht abschaffen darf?

Im Gegenteil: Sie haben einen Antrag gestellt, der besagt, dass es gut ist, dass die Sektorziele abgeschafft oder abgeschwächt werden. Das haben Sie im Wohnungsbauausschuss vorgelegt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielleicht dachten Sie sich: Mein Gott, das ist so dreist, dass es vielleicht schon wieder gut ist. Das ist so absurd, dass wir damit durchkommen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Wer genau hat jetzt die Klimaziele verfehlt? Nur damit wir es verstehen!

Herr Merz ist ja jetzt leider weg. Aber wenn Ihr eigener Vorsitzender die Klimakrise und deren Ernsthaftigkeit leugnet und wenn Sie gleichzeitig die Rücknahme des Verbrenner-Aus und des Gebäudeenergiegesetzes fordern, kommt das nicht zusammen. Irgendwo haben Sie da ein Problem in Ihrer Logik.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Sie stellen ja sehr viele Anfragen an die Regierung. Haben Sie schon mal eine schriftliche Frage gestellt, wie viele Tonnen CO2 mehr ausgestoßen würden, wenn wir Ihren Vorschlägen folgen – Verbrenner-Aus abschaffen, Gebäudeenergiegesetz abschaffen? Bitte reichen Sie das doch mal ein! Mich würde interessieren, wie weit wir uns vom aktuellen Pfad entfernen würden. Ich freue mich dann auf die Antwort auf diese schriftliche Frage.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt kommen wir zu Bayern. Ich möchte hier ein Zitat aus Bayern bringen.

„Hier entstehen Ereignisse, die es vorher nicht gab. Damit konnte auch oder hat keiner … gerechnet.“

Hochwasserereignisse: 2011 Oberelbe in Sachsen, 2013 55 Landkreise in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt überschwemmt, 2016 Simbach am Inn, 2017 Hochwasser im Harz, 2018 Hochwasser in Bayern und Baden-Württemberg, 2021 Flutkatastrophe im Ahrtal, Juni 2024: 30 Stationen in Bayern melden Niederschläge, wie sie sonst nur alle 50 oder 100 Jahre vorkommen. – Damit konnte niemand rechnen? Herr Söder, CSU, wollen Sie uns verarschen?

– Nein, ich stelle diese Frage. Ich glaube, auch hier soll die Dreistigkeit über den Schaden hinwegtäuschen. Aber die Wahrheit ist, dass in Bayern beim Hochwasserschutz gekürzt wurde.

Hier noch ein Zitat von Herrn Aiwanger. Er wollte diese Flutpolder nicht haben, und zwar in den Landkreisen, die jetzt betroffen sind. Er sagte, die Polder seien teilweise überflüssig und auch viel zu teuer, „weil so ein Polder ja nur alle hundert Jahre mal geflutet wird“. – Das ist die Wahrheit. Die Regierung von Bayern hat den Bevölkerungsschutz vernachlässigt.

Die Polder hätten gar nichts gebracht! Die wären unterhalb der Hochwassergrenze gewesen!

Sie streuen jetzt aber nicht etwa Asche auf Ihr Haupt und sagen: Wir kehren um. – Im Gegenteil: Sie versuchen, das zu leugnen, und loben sich für Hochwasserschutz. Aber auch hier muss ich Ihnen sagen: Die Spannbreite, die Sie abdecken wollen, ist zu breit. Sie werden das nicht schaffen. Sie werden es nicht hinkriegen. Auch wenn Sie jetzt abzulenken versuchen mit einem Untersuchungsausschuss, weiß die Bevölkerung, wo die Versäumnisse liegen.

Beifallder Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Nina Scheer [SPD]
Zurufder Abg. Dr. Ingeborg Gräßle [CDU/CSU]

Sie wollen ja einen Untersuchungsausschuss zu Entscheidungsprozessen in der Bundesregierung im Februar 2022 zur Anpassung der Energieversorgung Deutschlands einsetzen. Ich finde, da gibt es sehr viel zu untersuchen. Warum mussten wir unsere Entscheidungsprozesse denn eigentlich anpassen? Warum war unsere Energieversorgung denn gefährdet?

Weil wir die Kernenergie abgeschaltet haben!

Das ist doch lächerlich, Herr Spahn!

Lassen Sie uns gerne darüber sprechen. Ich bin dabei; ich würde mich sehr freuen.

Ich würde mich auch sehr freuen, wenn Sie sich in den jetzt kommenden Haushaltsberatungen für mehr Klimaschutzmaßnahmen einsetzen würden, wenn Sie nicht für eine Rücknahme des Gebäudeenergiegesetzes, sondern für eine Reform der Schuldenbremse wären. Dann hätten wir auch mehr Geld für Klimaschutzmaßnahmen. Aber das wollen Sie nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
ca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen frage ich mich, wann Sie ins Handeln kommen. Wenn der letzte Verbrenner von der Flut weggespült wird? Wenn der letzte Öltanker sich in die Flut entleert hat?

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
9 Vermerkeca. 743 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie es mich so sagen: Sie haben ja schon ganz schön Schneid, verehrte Kolleginnen und Kollegen der Union, sehr geehrter Herr Merz, aber sorry, es reichte ja gerade mal für zwei Redebeiträge; Sie sind ja schon wieder weg.

Den Unsinn hätte ich mir auch nicht anhören wollen!

Wo ist denn Herr Habeck? Wo ist denn Ihr Fraktionsvorsitzender?

Das Gutachten des Expertenrates ist uns dringend Ansporn, gegen leider sehr viele Widerstände hinweg schneller zu werden, um unsere Klimaziele zu erreichen. Das stimmt. Die Widerstände kommen und kamen aber nun in nicht unerheblichem Maße von Ihnen, um KTF, GEG und E-Mobilität zu verhindern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das kann ich Ihnen gerne belegen. Meine SPD-Bundestagsfraktion, die Wirtschaft, die Umweltverbände haben wirklich lange gebraucht, bis der damalige Wirtschaftsminister, Herr Peter Altmaier, endlich mal von seinen absurd niedrigen Zahlen des errechneten Energieverbrauchs unseres Landes abgewichen ist. Die Annahme aus dem Wirtschaftsministerium damals war, dass wir im Jahr 2030 588 Terawattstunden bräuchten. Nun, die chemische Industrie in meinem Wahlkreis konnte sich nur wundern

Ja! Das denke ich auch!

und fand diese komische, fatale Fehlrechnung durchaus etwas seltsam; denn die chemische Industrie allein hat schon 630 Terawattstunden für sich berechnet. Also, diese Berechnung ist komplett nach hinten losgegangen. Das konnten wir wieder entsprechend beheben. Aber ich möchte schon sagen: Sie sind an Ihren Zielmaßnahmen durchaus gescheitert.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, ich durfte vergangene Woche in meinem Betreuungswahlkreis und in meinem Wahlkreis, nämlich in Gevensleben, Winnigstedt und Uehrde, den größten Windpark Deutschlands in Betrieb nehmen. Natürlich ist das nicht meiner, sondern der der Gemeinden und des entsprechenden Unternehmens. Hier hat die Landwind-Gruppe einen Windpark mit zwölf Windrädern repowert und eine Nennleistung von 81,6 Megawatt produziert.

Nein! Die Nennleistung ist nicht die produzierte Leistung!

Von dem Strom dieses Windparks werden zukünftig 120 000 Menschen profitieren. Herzlichen Glückwunsch dazu! Die Windkraft in Niedersachsen ist sehr gut aufgestellt. Die Windkraft ist das Rückgrat der Energiewende.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nur mal zum Vergleich: Dieser Windpark in Gevensleben produziert dreimal so viel Strom, sehr geehrter Herr Lenz, wie in Ihrem Bundesland, in Bayern, im Jahr 2023 insgesamt zugebaut wurde.

Beifallder Abg. Dr. Nina Scheer [SPD]

Die Aussage in Gevensleben ist: Es hat sich was getan, aber die Genehmigungen müssen schneller und digitaler werden. Das stimmt. Es wird noch immer zu wenig ausgebaut. In meiner Heimatregion ist im ersten Quartal – und das hat jetzt nichts mit diesem Bürgerwindpark zu tun – bis jetzt leider nur ein Windkraftrad aufgebaut worden. Das muss geändert werden, und genau da sind wir dran. Wir sitzen nicht daneben und schieben die Verantwortung mal eben an Ingenieure und Erfinder, wie Herr Merz das tut – ich zitiere –:

„Wir wollen nicht dirigieren und bevormunden, sondern gute Rahmenbedingungen schaffen und Ziele formulieren, aber es dann Ingenieuren und Erfindern überlassen, wie wir diese Ziele erreichen.“

Zu den Zielen der Union habe ich schon etwas gesagt, die sind nicht erfüllt worden. Selbst lenken und gestalten? Nein, abwarten und so tun, als ob es keine Lösungen gäbe, als ob Ingenieure und Erfinder – übrigens sind auch Frauen darunter, nur mal so – nicht schon längst marktreife Produkte geliefert hätten, ob im Bereich Solarenergie, Batteriespeicher oder Windenergie. Aber umsetzen muss man es eben, und wir tun es.

Beifallder Abg. Dr. Nina Scheer [SPD]

Da bin ich wieder bei der Digitalisierung, zum Beispiel auch der Verwaltung. Als Berichterstatterin für das Onlinezugangsgesetz kann ich Ihnen sagen: Wir müssen die Digitaloffensive, die ja liegen geblieben ist, auch erst mal wieder aus dem Dornröschenschlaf wecken. Bei den Windkraftanlagen beschleunigen und digitalisieren wir mit der Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – gerade heute besprochen – die Genehmigungen erheblich. Es ist die größte Reform seit den letzten 30 Jahren. Diese große Reform brauchen wir, damit unsere Industrie klimaneutral und schadstoffarm produzieren kann. Damit will ich auch dem Eindruck, den man hier ab und zu gewinnen kann, widersprechen, wir würden da stocken; denn das haben Sie ja gemacht. Wir sind mittendrin.

Herzlichen Dank auch noch mal für die Hinweise zur Industrie. Das Projekt SALCOS in meinem Wahlkreis kann ich Ihnen nennen. Leider wurde damals von Ihnen verpasst, es zu fördern. Ich kann Sie gerne zur Salzgitter AG einladen, zu den Betriebsräten. Damals ist dieses Programm von der Union verhindert worden. SALCOS ist von dieser Regierung nach vorne gebracht worden. Wir werden mit dieser Regierung grünen Stahl in Salzgitter produzieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Ja, es braucht mehr Tempo als bisher. Dies gilt auch für die Erreichung unserer Ziele bei der klimaneutralen Energieerzeugung, wie eben gerade schon erwähnt.

Unser Bundeskanzler hat es heute gesagt, und auch viele Kollegen sind darauf eingegangen: Das Hochwasser, sehr geehrte Damen und Herren, bedrückt uns alle. Seit 2017 haben wir entsprechende Auflistungen. Es ist ein Effekt des Klimawandels. Ich bin wasserpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
1 Vermerkca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich komme zum Schluss. – Wir haben gerade die neue Parlamentariergruppe „Frei fließende Flüsse“ gegründet – die Verbandsmitglieder begrüßen das sehr ausdrücklich –, um die Wiedervernässung der Moore und Auen wieder auf den Weg zu bringen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Karl Lauterbach
Foto: Karl Lauterbach/Maximilian König
Karl LauterbachSPD· Bundesminister BMG· MdB
8 Vermerkeca. 996 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Das Medizinforschungsgesetz ist ein sehr wichtiges Gesetz, welches langfristig eine große Bedeutung haben wird. Es verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:

Zum einen: Wir wollen Deutschland als Forschungsstandort für Arzneimittelforschung, Medizinprodukteforschung, Forschung im Bereich der Digitalisierung in der Medizin und künstliche Intelligenz in der Medizin als Forschungsstandort stark ausbauen und nach vorne bringen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zum Zweiten: Wir leisten das ganz klare Bekenntnis, dass Deutschland als Produktionsstandort für Medizinprodukte und für pharmazeutische Produkte gestärkt werden soll.

Und zum Dritten: Wir wollen auch die Versorgung verbessern. Die Versorgung wird verbessert, wenn in Deutschland mehr geforscht wird. Wenn Sie zum Beispiel in Deutschland jetzt an Krebs erkranken, ist die Wahrscheinlichkeit, an einer klinischen Studie teilnehmen zu können, nur ein Zehntel so hoch, als wenn Sie mit dieser Erkrankung in Dänemark behandelt werden. Das ist ein Riesennachteil, weil viele innovative Medikamente zunächst nur innerhalb von Studien zugänglich sind. Es kann nicht weiter hingenommen werden, dass in Deutschland quasi eine ganze Generation von Patientinnen und Patienten von innovativen Arzneimitteln in der Studienphase abgeschnitten ist, nur weil wir in den letzten zehn Jahren in der Arzneimittelforschung so stark zurückgefallen sind.

Wir wollen hier eine Aufholjagd hinlegen. Wir haben dieses Gesetz daher mit allen Beteiligten intensiv besprochen. Wir sind da ideologiefrei herangegangen. Wir bekennen uns dazu: Deutschland soll ein Standort werden für Pharmaforschung, für Pharmaproduktion, aber auch für eine bessere Behandlung für unsere Patienten mit diesen Erkrankungen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Konkret: Wir haben in der Vergangenheit zum Beispiel sehr häufig einen Konkurrenzkampf zwischen den Zuständigkeiten von Paul-Ehrlich-Institut und BfArM gehabt. Das ist nicht diesen Einrichtungen zuzuschreiben, sondern der Tatsache, dass es keine gesetzlich klar geregelte Zuständigkeit gab. Das haben wir hiermit beseitigt.

Wir haben ein strategisches Manöver hingelegt, sodass es jetzt möglich ist, die komplette Studie an einem Schreibtisch beim BfArM zu beantragen. Das heißt, wenn die Studie dort beantragt ist, dann wird von dort der Antrag weitergeleitet an das Paul-Ehrlich-Institut, aber auch an die zuständigen Landesbehörden.

Wir haben darüber hinaus ein Verfahren aufgebaut, bei dem die vier Prüfungsarten nebeneinander laufen. Die Prüfung der medizinischen Sinnhaftigkeit, die Ethikprüfung, die Strahlenschutzprüfung und die datenschutzrechtliche Prüfung, diese vier Prüfungen können parallel stattfinden und von einem Schreibtisch aus veranlasst werden. Damit können wir die Bearbeitungszeit, wenn die Anträge vollständig sind, auf eine Dauer von insgesamt 26 Tagen Prüfung und 5 Tagen Bewertung reduzieren. Damit haben wir in 31 Tagen die Komplettprüfung einer Studie. Diese Prüfungen haben bisher zum Teil mehr als doppelt so lange gedauert. Sie dauerten zum Teil so lange, dass die Studie hier noch nicht geprüft war, als im Ausland schon die Studienteilnehmer komplett rekrutiert waren. Das wollen wir nicht länger hinnehmen. Wir wollen hier an die Spitze; das ist der Benchmark. 26 plus 5 ist der europäische Benchmark; den wollen wir mit diesem Gesetz erreichen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir werden darüber hinaus etwas machen, was sich die Industrie schon lange gewünscht hat, und zwar werden wir einen Datenzugang schaffen mit dem Forschungsdatenzentrum beim BfArM, sodass auch Arzneimittelfirmen pseudonymisierte Daten nutzen können, um ihre Studienteilnehmer schneller zu rekrutieren. Das heißt, es wird möglich sein, dass Patienten und Studiendurchführer in einer pseudonymisierten Art und Weise zueinanderfinden. In den Daten des Forschungsdatenzentrums können die Patientinnen und Patienten identifiziert werden, die für eine spezielle Studie am besten geeignet wären. Sie können dann mit der Studienleitung der laufenden Studie Kontakt aufnehmen.

Bisher erfahren die Betroffenen sehr häufig nicht von der Studie, und man findet nicht zueinander. Es soll jetzt die Möglichkeit geboten werden, an einer Studie teilzunehmen, gerade wenn man eine seltene Erkrankung hat und eine entsprechende Studie stattfindet. Damit werden wir gerade bei seltenen Erkrankungen den Patientinnen und Patienten eine deutliche Verbesserung anbieten und mehr beitragen können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Davon profitieren übrigens insbesondere auch Kinder und Jugendliche, die bei Studien in Deutschland oft zurückgeblieben sind.

Dieses Gesetz wird bereits von vielen Arzneimittelfirmen erwartet. Wir haben zurzeit eine Blüte von Ansiedlungen, wie wir sie in den Jahren zuvor nicht gehabt haben. Unternehmen siedeln sich nämlich oft dort an, wo sie besonders gute regulatorische Bedingungen für die Zulassung finden, wo sie aber auch die Studien gut durchführen können.

Wir haben in den letzten Jahren große Investitionen gehabt. Zum Beispiel investiert Eli Lilly 2,3 Milliarden Euro für den Standort in Alzey. Roche investiert 1,4 Milliarden Euro in Süddeutschland. Daiichi Sankyō, bekannt für hochinnovative Produkte in der Onkologie, investiert mehr als 1 Milliarde Euro. Merck hat angekündigt, dass mehrere Hundert Millionen Euro investiert werden. Wir sind derzeit in Gesprächen mit einem weiteren europäischen Anbieter, der mehr als 1 Milliarde Euro investieren will. Wir haben zahlreiche Investitionen, und diese Investitionen werden zum Teil explizit damit begründet, dass sich die Forschungsbedingungen für die pharmazeutische Industrie in Deutschland derzeit so stark verbessern. Das ist aus meiner Sicht eine wichtige Botschaft.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich möchte es ganz klar sagen: Das ist etwas, was wir auch unseren Kindern schulden. Für viele Autoimmunerkrankungen, für Demenz, für viele Krebserkrankungen haben wir derzeit leider noch keine Heilung. Wenn wir eine Heilung für diese Krankheiten haben wollen, wenn wir eine deutlich bessere Lebensqualität erzielen wollen, dann müssen wir Forschung betreiben. Und wenn ein Global Player wie Deutschland die Herausforderung annimmt und die Aufholjagd beginnt, wenn Deutschland sich entscheidet, hier nach vorne zu gehen – wir waren ja zurückgefallen; Medizinforschung ist in Deutschland im pharmazeutischen Bereich kaum mehr gemacht worden –, wenn Deutschland sich entscheidet, Investitionen zu tätigen und diese Forschung in Deutschland zu ermöglichen, dann ist das auch ein Beitrag für eine gesündere Zukunft für unsere Kinder. Wir hinterlassen unseren Kindern durch den Klimawandel schon so viele Herausforderungen. Lassen Sie uns zusammenstehen und mit diesen Forschungsinitiativen die Möglichkeit der Heilung von solchen Erkrankungen wahrscheinlicher machen.

Bitte stimmen Sie daher in den Beratungen, auf die ich mich freue – das zum Schluss –, für dieses Gesetz. Ich danke allen, die mitgemacht haben; ich sehe sie hier im Plenum. Das war wirklich eine gemeinsame Arbeit. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass das Gesetz von der Opposition bisher so gut wie nicht kritisiert worden ist.

Bitte belassen Sie es dabei.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
4 Vermerkeca. 510 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die CDU/CSU-Fraktion möchte, dass Deutschland bei Arzneimitteln und Medizinprodukten im Forschungs- und Produktionsbereich wieder die Nummer eins wird. Das würde – das wurde schon gerade gesagt – nicht nur unserem Wirtschaftsstandort nutzen, sondern vor allem – und das ist unser erstes Ziel – der Gesundheit der Menschen in unserem Land. Deswegen unterstützen wir jede Maßnahme, die diesen Zielen dient und auch höchsten ethischen Anforderungen entspricht.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung enthält in der Tat Dinge, die wir unterstützen werden. Ich nenne als Beispiel die Straffung und die Verkürzung der Prüffristen beim Strahlenschutz. Auch die Musterverträge zwischen Sponsor und Prüfstelle sind sinnvoll. Allerdings wäre es gut, wenn das wie in Spanien, das inzwischen weit vor uns ist, eben nicht nur Musterverträge wären, sondern wenn diese Verträge auch verbindlich wären; denn das würde tatsächlich für kürzere Vertragsverhandlungen mit internationalen Pharmafirmen führen.

Meine Damen und Herren, es gibt leider aber auch Punkte im Regierungsentwurf, die es uns zurzeit unmöglich machen, ihm so zuzustimmen. Dazu gehört in erster Linie die Einrichtung einer Bundesethikkommission, die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM, eingerichtet werden soll. Meine Damen und Herren, die Ethikkommissionen dienen dem Schutz der Menschen und der Patienten, vor allen Dingen der Studienteilnehmer. Für die Arzneimittelstudien gibt es in Deutschland zurzeit 33 registrierte Ethikkommissionen. Diese Ethikkommissionen – das muss man an dieser Stelle auch einmal sagen – haben sich bewährt, sind eingespielt und erfüllen alle Fristvorgaben der EU-Verordnung. Also, an den Ethikkommissionen kann es nicht liegen.

Deswegen verstehen weder wir noch der Bundesrat noch die gesamte Fachwelt, warum jetzt eine sogenannte Spezialisierte Ethik-Kommission für besondere Verfahren eingerichtet werden soll. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampelfraktionen, macht es Sie nicht nachdenklich, dass die Bundesärztekammer, der Wissenschaftsrat, die Ethikkommissionen, die Pharmaindustrie, die Medizinprodukteindustrie, eigentlich alle Beteiligten sagen: „Wir brauchen diese Kommission nicht“?

Beifallbei der CDU/CSU

Ich bin sicher, dass auch viele Kolleginnen und Kollegen der Ampelparteien, die sich intensiver damit beschäftigen, inzwischen überzeugt sind, dass die zusätzliche Kommission unseren Standort nicht nach vorne bringt, sondern unserem Standort schadet. Jetzt müssen Sie nur noch Ihren Minister überzeugen.

Die Gründe, warum wir diese Kommission ablehnen, liegen auf der Hand. Es wird erstens eine unnötige Parallelbürokratie aufgebaut. Zweitens ist eine Bundesethikkommission, die bei einer Bundesoberbehörde angesiedelt wird, die dem Ministerium unterstellt ist und deren Mitglieder vom Ministerium ernannt und entlassen werden, natürlich nicht unabhängig. Das entspricht nicht der Deklaration von Helsinki.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Leopoldina, unsere Nationale Akademie der Wissenschaften, kritisiert deswegen – ich zitiere –:

„Die organisationsrechtliche Verknüpfung mit der Bundesoberbehörde, die zugleich für die Registrierung der Ethik-Kommissionen, die Genehmigung klinischer Prüfungen und die Zulassung von Arzneimitteln zuständig und ihrerseits als weisungsgebundene Behörde dem für Gesundheitspolitik zuständigen Ministerium nachgeordnet ist …“

Das, Herr Minister, müssten Sie eigentlich auch einmal zur Kenntnis nehmen. Das ist ja nicht irgendwer.

Wie soll eigentlich die Zuteilung der besonderen Studien funktionieren? Beim europäischen Anmeldeportal CTIS können diese Kategorien überhaupt nicht codiert werden. Es müssten also alle eingehenden Anträge vom BfArM von Hand gesichtet und zugeteilt werden. Das, meine Damen und Herren, schafft nicht weniger Bürokratie, sondern mehr Bürokratie, und deswegen lehnen wir es ab.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
12 Vermerkeca. 576 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Wertes Präsidium! Meine Damen und Herren! In Ihrem Gesetzentwurf definiert die Regierung als Ziel – ich zitiere –: „Die Attraktivität des deutschen Arzneimittelabsatzmarktes soll sichergestellt werden.“ Für uns von der AfD steht die Gesundheit der Menschen im Vordergrund, für die Regierung hingegen Absatzmärkte für die Pharmaindustrie.

Sie wollen Pharmafirmen ermöglichen, vertrauliche Erstattungen mit den Krankenversicherungen zu vereinbaren – alles vertraulich, alles geheim, ja keine Transparenz, damit sich kein Widerstand gegen überteuerte Medikamente regen kann. Weder das Parlament noch die Bürger sollen wissen, wie viel Profit die Pharmaindustrie macht.

Haben Sie überhaupt gelesen, worum es da geht?

43-mal kommt das Wort „vertraulich“ in Ihrem Gesetzentwurf vor. Sie schaffen ein bürokratisches Monster auf Kosten der Beitragszahler – all das nur, um der Pharmaindustrie einen Dienst zu erweisen. Sie sollten sich schämen!

Lauterbach klagt darüber, dass es zu viele kritische Wissenschaftler in der Coronazeit gab, die sich staatlicher Willkür entgegenstellten. Folglich wollen Sie unabhängige Wissenschaft und Forschung zerstören und von der Regierung abhängig machen. Dazu schaffen Sie mit diesem Gesetzentwurf eine zentrale Ethikkommission zur Bewertung der Forschung, die dem Bundesgesundheitsministerium untersteht. Bundesärztekammerpräsident Reinhardt sagt dazu – Zitat –:

„Die unabhängige ethische Bewertung der Forschung am Menschen stellt gerade im Lichte der Erfahrungen aus der NS-Zeit einen wesentlichen Eckpfeiler des Probandenschutzes dar …“

Lachender Abg. Marianne Schieder [SPD]

Es sollte Ihnen zu denken geben, wenn selbst der Bundesärztekammerpräsident Ihre Politik mit dem Nationalsozialismus vergleicht.

– Das muss ich nicht zurücknehmen. Das hat der Bundesärztekammerpräsident gesagt.

Nein! Das hat er nicht gesagt!

Sie sollten sich einmal damit beschäftigen, wie autokratisch, wie autoritär und wie menschenverachtend Ihre Politik ist.

Beifallbei der AfD
Widerspruchbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dieser Gesetzentwurf beweist einmal mehr: Sie sind Antidemokraten, die Meinungsfreiheit und Forschungsfreiheit bekämpfen. Ja, es bräuchte ein Medizinforschungsgesetz; denn es gab viele Fehlentwicklungen in der Vergangenheit, aus denen man wirklich lernen müsste. Dass zum Beispiel die Überwachung von Medikamenten nicht richtig funktioniert, kann jeder am Umgang mit Impfstoffen erkennen. Schon vor über zehn Jahren gab es Berichte aus dem Paul-Ehrlich-Institut, dass man lieber tote Kleinkinder bei der Sechsfachimpfung in Kauf nimmt, als die Zulassung eines Impfstoffs kritisch zu bewerten. Das ist eigentlich ein Medizinskandal erster Klasse.

Genau! Jetzt haben wir ja wieder Ihr Thema! Sie haben genau eine Minute gebraucht, um wieder über das zu reden, worüber Sie immer reden!

Aber es ist nichts passiert in über zehn Jahren, weil Union, SPD, Grüne und FDP sich als Vertreter der Pharmalobby verstehen. Jedes Mal, wenn Sie entscheiden müssen zwischen dem Schutz der Patienten und den Interessen der Pharmaindustrie, gewinnt bei Ihnen die Pharmaindustrie, und das ist menschenverachtend.

Beifallbei der AfD

Da haben Sie aber nicht das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz gelesen!

Sie wollen ein weiteres Beispiel dafür? Gerne.

Nein, das wollen wir nicht! Wir wollen, dass Sie aufhören mit diesem Unsinn!

Bei der Coronaimpfung wurde in den Zulassungsstudien ein anderes Produktionsverfahren verwendet als in der Massenimpfung. Es wurde zahllosen Menschen mit bakterieller DNA verunreinigter Impfstoff geimpft, was zu millionenfachen Nebenwirkungen führte, unter denen die Menschen bis heute leiden. Es ist absoluter Wahnsinn, dass es zulässig ist, ein anderes Verfahren in der Zulassung zu verwenden als dann im Masseneinsatz am Patienten. Das müsste dringend im Sinne des Patientenschutzes geändert werden. Aber dazu findet sich im Gesetzentwurf kein Wort; denn das ist gegen die Interessen der Pharmaindustrie.

Ihr Gesetzentwurf ist der feuchte Traum der Pharmalobbyisten. Aber er hat nichts, aber auch gar nichts mit Patientenschutz zu tun. Meine Empfehlung an Sie und insbesondere an Bundesminister Lauterbach: Gehen Sie seltener mit Pharmalobbyisten Häppchen essen und Sekt trinken! Sprechen Sie stattdessen öfter mit Bürgern! Vielleicht kommt bei Ihnen allen dann einmal die Erkenntnis, dass hier auf dem Westportal des Reichstagsgebäudes bewusst nicht „Den Pharmalobbyisten“, sondern „Dem deutschen Volke“ steht.

Wir von der AfD sind die einzige Fraktion im Deutschen Bundestag, für die die Gesundheit der Bürger an oberster Stelle steht.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist ja lächerlich!

Ich versichere Ihnen: Wir werden uns jedem Speichellecker der Lobbyisten nicht nur bei diesem Gesetzentwurf, sondern auch künftig mit aller Kraft entgegenstellen.

Beifallbei der AfD

Ihnen ist jeder chinesische Spion wichtiger als die deutschen Patienten!

8 Vermerkeca. 366 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kommen wir mal zurück zu den Fakten.

Das waren doch Fakten!

Mit dem Medizinforschungsgesetz stärken wir den Pharmastandort Deutschland. Vor allen Dingen kehren wir zurück zu forschungsfreundlichen Rahmenbedingungen und Arzneimittelinnovationen „made in Germany“; denn nur durch Forschung und schnellere Studiengenehmigungen sichern wir für Patientinnen und Patienten einen frühen Zugang zu innovativen Arzneimitteln. Neue, innovative Therapien bedeuten Hoffnung, Herr Sichert, Hoffnung für Patienten, die an seltenen, an lebensbedrohlichen oder an chronischen Erkrankungen leiden. Deswegen ist uns dieses Gesetz so wichtig, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir als FDP-Fraktion stehen voll und ganz hinter der beschlossenen Pharmastrategie.

Na, das wundert mich nicht! Als Partei der Besserverdienenden!

Das vorliegende Medizinforschungsgesetz ist ein enorm wichtiger Bestandteil dieser Strategie; denn damit beschleunigen und entbürokratisieren wir Genehmigungsverfahren für klinische Prüfungen und Zulassungsverfahren. Das gilt für Arzneimittel, für Medizinprodukte und für Strahlenanwendungen, und zwar ohne dabei Abstriche bei den hohen Standards für die Sicherheit von Patientinnen und Patienten zu machen, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In Deutschland hat es bisher teilweise ein Jahr gedauert, bevor eine Studie ins Laufen kam. Der Minister hat es schon gesagt: Wir können mit dem Gesetz die Bearbeitungszeit jetzt auf 26 Tage reduzieren, und das ist eine gute Nachricht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zusammen mit dem bereits beschlossenen Digital-Gesetz und mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz haben wir im Gesundheitsbereich drei ineinandergreifende Gesetze, die den Pharma- und Forschungsstandort Deutschland stärken.

In diesem Zusammenhang dürfen wir allerdings auch nicht aus den Augen verlieren, dass wir die Erfolgsgeschichte des AMNOG langfristig fortschreiben müssen. Das AMNOG muss ein lernendes System bleiben, das für neue Therapien und neue Vertragsmodelle offen ist. Nur so erhalten wir auch künftig den frühen Zugang und die hohe Verfügbarkeit für neue innovative Therapien. Und ich sage es auch in diesem Zusammenhang: Auch die Leitplanken müssen wir noch mal kritisch überprüfen. Sie sind im AMNOG systemfremd und bedeuten eine Abkehr von der Würdigung von Innovationen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, mit dem Medizinforschungsgesetz setzen wir das Fundament für einen starken Innovationsstandort, für hochwertige Arbeitsplätze, für eine Produktion vor Ort, um Unabhängigkeit und Krisenresilienz zu schaffen, und für einen schnellen Zugang zu neuen und innovativen Therapien. Das kommt letztlich allen zugute, und das ist doch der Sinn, weswegen wir hier Gesetze machen. Ich freue mich auf die Beratungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Jan-Niclas Gesenhues
Foto: Jan-Niclas Gesenhues/ Sascha Hilgers
Jan-Niclas GesenhuesGrüne· Parl. Staatssekretär BMUV· MdB
6 Vermerkeca. 401 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor rund 100, 150 Jahren haben pionierhafte Experimente mit radioaktiven Stoffen und ionisierender Strahlung stattgefunden. Sie haben Technologien zutage befördert, die uns heute in der Medizin, in der Therapie und in der Diagnostik unheimlich helfen. Allerdings zahlten viele Forscherinnen und Forscher damals einen hohen Preis für ihre Erkenntnisse; denn die Folgen ihrer Experimente waren teils schwere Erkrankungen, Krebsmutationen, teilweise mit schweren Folgen wie Amputationen und verfrühtem Tod. Dieser Pionierarbeit haben wir also nicht nur eine Technologie zu verdanken, die bis heute unverzichtbar für Medizin und Forschung ist, sondern eben auch die Erkenntnis, dass Strahlung Gefahren mit sich bringt.

Technikfolgen!

Als Bundesumweltministerium sind wir verantwortlich für den Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger vor gefährlicher Strahlung. Ich möchte an der Stelle ganz herzlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesamtes für Strahlenschutz danken, die hier tagtäglich großartige Arbeit leisten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir als Bundesumweltministerium leisten damit gemeinsam mit dem Bundesamt für Strahlenschutz einen wichtigen Beitrag zum Bevölkerungsschutz, und diesen Beitrag nehmen wir sehr ernst, meine Damen und Herren. Der Gesetzentwurf sieht umfangreiche Anpassungen auch im Strahlenschutz vor. Deswegen haben wir als Bundesumweltministerium die Kofederführung beim Medizinforschungsgesetz übernommen.

Meine Damen und Herren, wie gesagt, Strahlenanwendungen haben enorme medizinische Fortschritte ermöglicht. Deswegen ist es wichtig, dass wir Forschung mit Strahlenanwendung effektiv fördern und vereinfachen, gleichzeitig aber – aus den genannten Gründen – ein hohes Niveau beim Strahlenschutz aufrechterhalten im Interesse der Patientinnen und Patienten, im Interesse der Probanden in der Forschung, aber ganz besonders auch im Interesse des medizinischen Personals, das ja im Zweifel auch den Strahlenbelastungen ausgesetzt ist. Deswegen ist es richtig: Strahlenschutz ist immer auch Gesundheitsschutz, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Der Gesetzentwurf schafft genau diese ausgewogene Lösung, indem wir ein hohes Niveau beim Strahlenschutz halten, es aber gleichzeitig schaffen, Verfahren deutlich zu verschlanken, zu vereinfachen, zu beschleunigen und zu entbürokratisieren. Damit schaffen wir die nötige Flexibilität, die im Zweifel Leben retten kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es geht im Strahlenschutzrecht auch nicht um kleine Schönheitsreparaturen, sondern dieses Gesetz stellt tatsächlich eine grundlegende Reform des Strahlenschutzes bei Strahlenschutzanwendungen in der medizinischen Forschung dar. Wir bringen mit der Entbürokratisierung erhebliche Entlastungen für die Wirtschaft und die Industrie im hohen dreistelligen Millionenbereich pro Jahr auf den Weg. Ich glaube, auch das ist ein guter Effekt dieses Gesetzes. Wir schützen mit diesem Gesetz unsere Bürgerinnen und Bürger und stärken gleichzeitig den Forschungs- und Industriestandort Deutschland.

Liebe Berichterstatterinnen und Berichterstatter, ich wünsche gute Beratungen. Wir als Bundesumweltministerium unterstützen selbstverständlich gerne.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
4 Vermerkeca. 300 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf will die Bundesregierung die Bedingungen für Entwicklung, Zulassung und Herstellung von Arzneimitteln und Medizinprodukten verbessern. Der Entwurf enthält durchaus positive Ansätze, die in die richtige Richtung weisen. Aber es gibt in diversen Punkten auch einen erheblichen Bedarf an Nachbesserungen; wir haben das schon gehört. Insbesondere ist zweifelhaft, inwiefern der Entwurf die Attraktivität des Standortes Deutschland in der medizinischen Forschung wirksam stärken und den Zugang zu neuen Therapieoptionen beschleunigen kann.

Der Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland hat im internationalen Vergleich in den letzten Jahren an Attraktivität verloren,

Deswegen ändern wir das ja jetzt!

und das, obwohl die heimische Industrie hohe Summen in die eigene Forschung investiert. Deshalb müssen wir die hiesigen Rahmenbedingungen für Entwicklung, Zulassung und Herstellung von Arzneimitteln und Medizinprodukten dringend verbessern.

Das tun wir doch!

Das heißt: Unterstützung für alle Maßnahmen, die auf Vereinfachung, Entbürokratisierung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren bei klinischen Prüfungen und Zulassungsverfahren abzielen. Dies ist wichtig, um bei klinischen Studien Wettbewerbsfähigkeit herzustellen.

Erstattungsbedingungen sind so zu gestalten, dass sie verlässlich sind, die Versorgungssicherheit nicht gefährden, Innovationen zulassen und einen fairen Preiswettbewerb ermöglichen. Entscheidend ist, dass die Versorgungssicherheit bei Medikamenten nicht gefährdet ist und Innovationen nachhaltig gefördert werden.

Lassen Sie mich zusammenfassen, welche konkreten Punkte ich vor allem kritisch sehe:

Das betrifft die Vertraulichkeit der Erstattungsbeträge, das heißt die mögliche Einschränkung öffentlicher Zugänglichkeit der zwischen Industrie und GKV ausgehandelten Erstattungsbeträge für patentgeschützte Arzneimittel.

Das betrifft ferner die Frage, ob eine neu einzurichtende zusätzliche Ethikkommission den Standort Deutschland wirklich attraktiver machen wird.

Und schließlich könnte die fehlende Verbindlichkeit von Standardvertragsklauseln unseren Forschungseinrichtungen und Kliniken unnötige Probleme bereiten.

Wir brauchen weniger statt mehr Bürokratie im Gesundheitssystem. Wir müssen die Transparenz bei Arzneimittelpreisen für neutrale Bewertungen erhalten. Ich hoffe auf ein konstruktives Beratungsverfahren in den nächsten Wochen und Monaten und darauf, dass wir ein gutes Gesetz zustande kriegen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stephan Albani [CDU/CSU]
Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
1 Vermerkca. 516 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn jetzt teilweise sehr technisch gesprochen wurde, dürfen wir nicht vergessen, dass selbst etwas, was so dröge und trocken daherkommt wie ein sogenanntes Medizinforschungsgesetz, am Ende die Rahmenbedingungen dafür schafft, dass Erkrankungen, die heute noch viel zu oft Familien auseinanderreißen oder Menschen unter Schmerzen alt werden lassen, in fünf oder zehn Jahren eben kein Problem mehr sind. Das entscheidet sich nicht nur, aber auch dadurch, wie in Deutschland die Forschungsrahmenbedingungen für klinische Studien ausgestaltet sind.

Der Minister hat ja richtigerweise darauf hingewiesen: Es geht hier nicht nur darum, wie attraktiv der Standort Deutschland für klinische Studien der pharmazeutischen Industrie ist, es geht auch nicht nur darum, wie wir im internationalen Wettbewerb unsere deutschen Studienzentren und Unikliniken in der Hinsicht kompetitiver machen, sondern es geht auch ganz praktisch um die Frage: Wie viele Kilometer müssen extrem kranke und – in Anführungszeichen – „austherapierte“ Patientinnen und Patienten in ihrem Zustand bis zum nächsten Studienzentrum in diesem Land zurücklegen? Das entscheidet sich an der Frage, wie viele klinische Studien hier durchgeführt werden. Meine Damen und Herren, deswegen gibt es ja auch diese große Einigkeit in diesem Haus bei vielen Detailfragen zu diesem Medizinforschungsgesetz. Wir werden das beraten, in vielen Details sicherlich auch sehr intensiv, gerade auch – das ist uns Grünen besonders wichtig – die Frage des Strahlenschutzes für Kinder im Rahmen klinischer Studien.

Aber es gibt eben einen Punkt, den bislang alle Redner ausgelassen haben, nämlich den sogenannten vertraulichen Erstattungspreis. Der ist so ein bisschen der Fremdkörper im gesamten Gesetzentwurf. Anders als bei klassischen gesundheitspolitischen Reformen, wo man meistens die eine Seite hat, nämlich die GKV und die Versicherten, die alle dafür oder dagegen sind, und auf der anderen Seite vielleicht die private Krankenversicherung und die Unternehmen, geht es beim vertraulichen Erstattungspreis, also dem Anliegen im Gesetzentwurf, darum, dass Arzneimittelpreise in Deutschland eben nicht mehr transparent sind, sondern in Zukunft auch wieder geheim sein können, obwohl Deutschland auf europäischem Boden der letzte Arzneimittelmarkt mit transparenten Preisen ist. Dieser Punkt zieht quasi die Gegnerschaft des gesamten Gesundheitswesens in Deutschland auf sich.

Es ist eben nicht nur die gesetzliche Krankenversicherung, die sagt: Hier entstehen jährliche Kosten von bis zu 33 Milliarden Euro on top, von denen uns niemand sagen kann, wie die Mittel zu deren Deckung finanziert werden sollen. Auch die private Krankenversicherung ist dagegen. Es ist die große Mehrheit der pharmazeutischen Unternehmen dagegen, weil sie sagen: Das bringt nur wenigen Unternehmen etwas. Die Selbstverwaltung ist dagegen – nicht nur der Gemeinsame Bundesausschuss, sondern auch die Ärzteschaft, weil deren Mitglieder dann einfach nicht mehr wissen, wie viel das, was sie verschreiben, kostet. Das schränkt die ärztliche Entscheidungsfreiheit ein. Am Ende sind natürlich auch unsere europäischen Partnerländer ganz essenziell darauf angewiesen, unsere Preise zu kennen, weil sie mit diesen Informationen ihre eigenen Preise verhandeln, gerade in Osteuropa.

Meine Damen und Herren, deswegen stellt sich an diesem Punkt die Frage, ob wir es nicht machen sollten wie 2016, als der Vorschlag eines vertraulichen Erstattungspreises schon mal in einem Gesetzentwurf stand, der dann aber im parlamentarischen Verfahren entfernt wurde.

Beifalldes Abg. Erwin Rüddel [CDU/CSU]

Denn am Ende stellt sich auch hier wieder die Frage, –

Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
ca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– wie wir es schaffen, in diesem Gesundheitswesen nicht nur den Zugang zu Medikamenten zu gewährleisten, sondern es der gesetzlichen Krankenversicherung auch ermöglichen, –

4 Vermerkeca. 355 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte ganz kurz auf die Rede der AfD eingehen.

Das lohnt sich nicht!

Mir ist das Ganze zu pompös, mir ist das Ganze zu plakativ, zu aufreißerisch.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Man könnte von mir aus sagen: „Gut gedacht, schlecht gemacht“ oder sonst irgendwas.

Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

So lässt sich auch der vorliegende Entwurf des Medizinforschungsgesetzes kurz zusammenfassen. Ich möchte an diesem Punkt aber auch erwähnen, dass die Leopoldina dies auch in ihrer jüngsten Stellungnahme bestätigt hat, an der sich 20 hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt haben.

Fakt ist: Im Jahr 2016 veranlassten 641 pharmazeutische Unternehmen eine klinische Studie in Deutschland, und wir belegten den zweiten Platz hinter den USA. Im Jahr 2022 waren es nur noch 524. Somit waren wir auf Platz vier hinter den USA, China und Spanien. Gleichzeitig ist Deutschland im EU-Vergleich auf dem letzten Platz, was die Anzahl der Teilnehmer an klinischen Studien zu Arzneimitteln pro 1 Million Einwohner angeht: Deutschland circa 1 500 Teilnehmer, Spanien 4 800, Dänemark 29 000.

Der Entwurf verfolgt einerseits wichtige Ziele: die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die klinische Entwicklung von Medikamenten in Deutschland, der Anstoß einer neuen Innovations- und Investitionsdynamik zur Stärkung des pharmazeutischen Standorts Deutschlands und mehr Unabhängigkeit und Stabilität gegenüber China und den USA, was die Versorgung mit essenziellen Medikamenten angeht – was ich sehr wichtig finde.

Nichtsdestotrotz weist der Entwurf auch einige Lücken und Regelungen auf, die den genannten Zielen schaden. Fraglich ist zuerst einmal die Implementierung einer Bundesethikkommission beim weisungsgebundenen BfArM. Dadurch werden einerseits Doppelstrukturen aufgebaut, die die bestehenden Mechanismen nachhaltig schwächen und unterm Strich auch keinen Mehrwert haben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Andererseits untergräbt die enge Verbindung zwischen Ministerium und Institut das Vertrauen in ein unabhängiges Bewertungsverfahren.

Was fehlt, ist der Fokus auf die in ein umfassendes Gesamtkonzept gegossene biomedizinische Forschung in Deutschland. Das kann nur mit einem Dreiklang, bestehend aus einer soliden Grundfinanzierung, klaren Zuständigkeiten auf Bundes- und Landesebene sowie Bürokratieentlastungen bei Datengenerierungen und dergleichen, gelingen.

Es gibt bereits viele Verbesserungsvorschläge, sei es von der Wissenschaft oder der Industrie, die nun diskutiert werden müssen. Vor diesem Hintergrund werden wir uns als Unionsfraktion in den weiteren Beratungen dafür einsetzen, dass aus dem Entwurf ein Gesetz wird, –

2 Vermerkeca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– das als „Gut gedacht und besser gemacht“ zusammengefasst werden kann.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 417 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Zeit in diesem Leben ist begrenzt, und alle Reichtümer dieser Welt bringen uns nichts, wenn unser Körper seine Funktion einstellt und die Gesundheit nicht mehr mitmacht. Gerade deshalb ist die eigene Lebenszeit so wertvoll. Natürlich können wir versuchen, so gesund wie möglich zu leben; aber unser Einfluss bleibt am Ende doch begrenzt. Die gute Nachricht ist: Die Grenze verschiebt sich.

In der Geschichte der Menschheit hatte, statistisch betrachtet, niemand vor uns so viel Zeit, wie wir sie heute haben – Zeit, die wir mit der Familie oder mit Freunden verbringen können, Zeit, die wir uns nehmen können oder die wir anderen schenken können. Die Lebenserwartung von neugeborenen Mädchen liegt heute bei 83,4 Jahren und bei neugeborenen Jungen bei 78,6 Jahren. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 lag die Lebenserwartung für beide Geschlechter noch mehr als zehn Jahre unter diesen Werten. Zehn Jahre mehr leben oder nicht: Ich glaube, jedem von uns ist klar, wie groß dieser Unterschied wirklich ist.

Einer der Gründe dafür, dass wir heute so viel länger leben, ist der medizinische Fortschritt. Ich bin für diese Entwicklung sehr dankbar, und ich bin mir sicher: Jede oder jeder von uns kennt Menschen, denen der medizinische Fortschritt das Leben gerettet hat. Was früher noch tödlich war, hat heute oft seinen Schrecken verloren.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Universitäten und Unternehmen hierzulande haben dazu einen enormen Beitrag geleistet. Sie haben Deutschland zu einem führenden Innovationsstandort in der Welt gemacht. Diese Erfolgsgeschichte umfasst Tausende Entwicklungen und reicht vom ersten Röntgenapparat bis zur Erfindung von mRNA-Impfstoffen und weit darüber hinaus.

Gleichzeitig ist die medizinische Forschung ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor und Wachstumstreiber für das Land. Und damit das auch weiterhin so bleibt, bringen wir heute dieses Medizinforschungsgesetz ein. Denn zur Wahrheit gehört auch – wir haben es gehört –: In den letzten Jahren hat der Forschungsstandort Deutschland gelitten, und wir haben an Attraktivität verloren. Deshalb vereinfachen wir mit diesem Gesetz die Genehmigungsverfahren für klinische Prüfungen. Wir machen den Weg frei für spezialisierte Ethikkommissionen und verkürzen die Vorlaufzeit von klinischen Studien durch die Veröffentlichung von Mustervertragsklauseln. Wir entwirren die Zuständigkeiten von BfArM und PEI und vereinfachen so die Arzneimittelzulassung. Wir verzahnen Genehmigungs- und Anzeigeverfahren beim Strahlenschutz neu und verkürzen die Verfahrensdauer. Dieses Gesetz wird medizinische Forschung in Deutschland schneller, einfacher und effizienter machen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Natürlich verlässt kein Gesetz den Bundestag so, wie es eingebracht wurde. Wir müssen Regelungen bei den Medizinprodukten noch überdenken. Wir müssen Kinder und Jugendliche ganz klar in den Mittelpunkt der Forschung stellen.

2 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deshalb lassen Sie uns gemeinsam darauf hinarbeiten, dass die Forscherinnen und Forscher hierzulande auch weiterhin Grenzen verschieben können.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Kathrin Vogler hat das Wort für Die Linke.

Beifallbei der Linken
4 Vermerkeca. 282 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich sollten wir hier keine Gesetze für einzelne Unternehmen machen. Aber die Bundesregierung tut das. Warum reden wir heute hier über eine Lex Lilly? Mit dem Medizinforschungsgesetz will die Ampel vertrauliche Erstattungsbeträge für Arzneimittel einführen; das heißt: Der Hersteller kann verlangen, dass der Preis, den die Krankenkassen nach der Verhandlung für ein Medikament bezahlen, geheim bleiben muss. Als der CDU-Minister Gröhe dasselbe 2016 vorgeschlagen hat, nannte das ein gewisser Karl Lauterbach noch „inakzeptabel“. Und das ist es auch.

Man kann auch klüger werden!

Aber heute heißt es: Was schert mich mein Geschwätz von gestern?

Beifallbei der Linken

Es wird immer behauptet, die Geheimhaltung würde es den Unternehmen ermöglichen, den Krankenkassen höhere Rabatte zu gewähren. Aber die Krankenkassen befürchten im Gegenteil Milliarden Euro an Mehrkosten, und sie laufen Sturm. Der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, ist dagegen, ebenso das IQWiG, genau jenes Institut, das den Nutzen neuer Medikamente bewertet. Sogar ein großer Pharmahersteller, Novo Nordisk, hat die Regelung öffentlich kritisiert. Haben die alle keine Ahnung, meine Damen und Herren?

Beifallbei der Linken

Warum ist gerade die Firma Lilly so scharf auf Intransparenz? Ich erkläre das mal: Die Firma stellt zwei Medikamente mit demselben Wirkstoff her, ein Diabetesmedikament, das die Kassen erstatten, und ein privat zu zahlendes Abnehmmittel mit demselben Wirkstoff. Wenn die Selbstzahler gar nicht wissen, was die Kassen für denselben Wirkstoff bezahlen, dann kann man deutlich mehr berechnen; und das freut die Aktionäre. Nur die Versicherten und die Patientinnen und Patienten, die zahlen drauf.

In nur sechs Monaten haben sich der Kanzler persönlich, sein Staatssekretär, der Gesundheitsminister und die Forschungsministerin siebenmal mit Vertretern von Lilly getroffen. Nur einmal wurde dabei nicht über dieses Gesetz gesprochen. Finden das eigentlich nur wir Linken anrüchig?

Beifallbei der Linken
Zurufder Abg. Martina Stamm-Fibich [SPD]
2 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Damen und Herren, auch wenn in Alzey vielleicht wirklich 1 000 Jobs geschaffen werden: Wenn sich der Kanzler dafür zum Lobbyisten machen muss, dann ist uns dieser Preis zu hoch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
1 Vermerkca. 270 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mit diesem Gesetz erfüllen wir langgehegte Wünsche. Als jemand, der selbst Jahrzehnte in der klinischen Forschung tätig war, freue ich mich außerordentlich über diesen Fortschritt. Vieles wurde bereits gesagt, aber einige zentrale Punkte möchte ich hier noch mal betonen.

Die Medizin muss sich kontinuierlich verbessern. Klinische Studien ermöglichen es uns, heute die Therapien von morgen anzubieten, ohne die Patientensicherheit zu gefährden. Es ist jedoch inakzeptabel, dass der Start einer klinischen Studie Wochen oder Monate dauert. Bürokratische Hürden und verwaltungstechnische Vorgaben verzögern die notwendige Versorgung mit innovativen Substanzen.

Wir haben hier ein gutes Gesetz vorliegen. Aus diesem guten Gesetz werden wir sicherlich ein sehr gutes Gesetz machen. Daher müssen wir im parlamentarischen Verfahren unter anderem folgende drei praktische Punkte kurz ansprechen:

Erstens. Wir brauchen bundeseinheitliche, kürzere und leicht verständliche Einverständniserklärungen. Derzeit gibt es Einverständniserklärungen von über 40 Seiten. Das ist eine Zumutung für alle.

Zweitens. Die Studienverträge werden derzeit kompliziert und klinikindividuell abgestimmt, was erhebliche Verzögerungen verursacht. Es muss ein einheitlicher Vertrag existieren, der für alle Kliniken verbindlich ist.

Genau! Habe ich gesagt!

Drittens. Als Mitglied einer Ethikkommission weiß ich, dass diese Gremien hochkompetent, schnell und professionell beraten. Dennoch werden sie häufig fälschlicherweise als Hemmschuh kritisiert. Das Problem, meine Damen und Herren, liegt woanders. Der Arbeitskreis der Ethikkommissionen Deutschlands kritisiert zu Recht die fehlende volle Funktionsfähigkeit und Nutzerfreundlichkeit des gesetzlich verpflichtenden Clinical Trials Information System, kurz: CTIS.

Der Gedanke einer Bundesethikkommission muss im parlamentarischen Verfahren ebenfalls diskutiert werden; denn es gibt bereits spezialisierte Ethikkommissionen, deren Voten deutschlandweit Gültigkeit besitzen im Sinne von „ein Studienantrag, ein Ethikvotum“. Eine sinnvolle Idee könnte eine Harmonisierung der Bewertungspraxis durch eine Richtlinienbefugnis –

1 Vermerkca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– des AKEK zur verbindlichen Festlegung von Bewertungsstandards sein.

Beifallder Abg. Kristine Lütke [FDP]
ca. 3 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, Frau Präsidentin?

1 Vermerkca. 12 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ach ja. Die neue Brille funktioniert noch nicht. Ich bitte um Entschuldigung.

Heiterkeit
Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Axel Müller [CDU/CSU] und Stephan Brandner [AfD]
ca. 4 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich mache einen Schlusssatz.

1 Vermerkca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Damen und Herren, wir müssen sicherstellen, dass Deutschland wieder ein industriefreundliches Land wird und Innovationen auch beim Patienten ankommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
19 Vermerkeca. 653 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Unionsfraktion, ich will erst vorwegschicken: Danke für den Antrag! Und ich muss auch sagen: Da sind ein paar spannende Dinge drin, wie der Azubi-Campus, den Sie gerade angesprochen haben. Ich finde, die Frage der Serious Games ist ein ganz wichtiger und netter Impuls, und auch das Thema der Verrechtlichung von DQR ist eine Sache, hinter der wir als SPD auf jeden Fall stehen. Ich sage mal so: In der letzten Legislatur wäre das möglich gewesen. Aber späte Einsicht ist besser als keine.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Da waren wir in der letzten Legislatur schon für!

Das sind gute Punkte in Ihrem Antrag.

Ich möchte Ihnen aber, wenn wir schon bei dem Antrag von vor zwei Jahren sind, das Gleiche vorwerfen wie beim letzten Mal: Es geht in diesem Antrag am Ende des Tages wieder einmal nicht um die, um die es eigentlich gehen sollte, nämlich um die jungen Menschen.

Na selbstverständlich! Um nichts anderes!

Denn wenn man für junge Menschen Politik macht, dann kommt man am Ende zu ein paar anderen Maßnahmen, und da werde ich, glaube ich, Ihnen schon deutlich machen können, dass wir da einiges vorangebracht haben.

Ich fange mal mit der Berufsorientierung an. Sie bringen hier immer wieder die Potenzialanalyse mit ein.

Bei einem strukturierten Prozess!

Wenn Sie sich aber die Bildungsketten mal angucken, dann werden Sie ganz klar sehen, dass genau das in den meisten Fällen schon Standard ist bei der Berufsorientierung. Wenn man sich aber anguckt, wie das evaluiert wird, dann sieht man – oh Wunder! –: Junge Menschen brauchen vor allem eins, nämlich Beziehungsarbeit und persönliche Gespräche zu den Fragen „Was sind denn meine Stärken? Was sind meine Schwächen?“, aber keine KI, die einem am Ende vorschreibt, was man für einen Beruf machen soll.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Keiner will eine KI haben!

Man braucht Jugendberufsagenturen, die genau diese Beziehungsarbeit fortsetzen. Die Ampel wird genau an diesem Punkt der Jugendberufsagenturen ansetzen.

Jetzt, nach 2,5 Jahren, „wird“? Machen! Nicht reden, machen! Ihr könnt es doch!

Sie haben in Ihrer Analyse die 2,9 Millionen jungen Menschen ohne Ausbildung angesprochen. Sie erwähnen sie; aber Sie sagen überhaupt nicht, was man eigentlich für sie machen soll. Die Ampel hat ein Recht auf Ausbildung beschlossen, weil wir junge Menschen im Blick haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Friedhelm Boginski [FDP]
Zurufdes Abg. Stephan Albani [CDU/CSU]

Was sagen Sie zum Beispiel jungen Azubis in meinem Wahlkreis Bonn, die 420 Euro für ein WG-Zimmer bezahlen? Wie sollen die denn da eine Ausbildung anfangen, wenn sie von weiter weg herkommen?

Mit dem BAföG! Mit dem BAföG, was ihr da produziert!

Wir haben eine Antwort mit dem Programm „Junges Wohnen“: Wir investieren 1,5 Milliarden Euro in „Junges Wohnen“ und endlich auch in Azubiwohnheime.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Richtig! Die ganzen Jahre diskutiert! Wir machen es!

Dann stelle ich die Frage: Was tun Sie ganz konkret für Berufsschulen? Was schlagen Sie vor? Wir haben mit dem Startchancen-Programm jetzt endlich festgeschrieben, gemeinsam mit den Ländern 2 Milliarden Euro jedes Jahr zu investieren. Wir bringen den Digitalpakt voran.

Das ist doch jetzt völlige Augenwischerei! Das Startchancen-Programm ist für Schulen im Brennpunkt!

Mit Blick auf das StudiTicket, das wir jetzt endlich beschlossen haben, sagen wir als SPD ganz klar: Es braucht noch ein Azubiticket an seiner Seite.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Marlene Schönberger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das meiste von dem, was Sie in Ihrem Antrag fordern, ist Ländersache. Dann möchte ich gerne mit Ihnen mal auf ein Land gucken, das von der CDU regiert wird, nämlich auf Nordrhein-Westfalen, mein Heimatland.

O Gott! O Gott!

Da sieht man, dass nur einer von zehn jungen Menschen, die in der Ausbildungsvorbereitung sind, am Ende des Jahres überhaupt in einem Ausbildungsverhältnis ankommt.

Da sieht man, was 39 Jahre SPD ausmachen!

Da sieht man – und das war Ländersache –, dass nur 18 der rund 400 Schulen, die in Nordrhein-Westfalen mit dem Startchancen-Programm gefördert werden, Berufsschulen sind.

Zurufeder Abg. Dr. Carolin Wagner [SPD] und Gitta Connemann [CDU/CSU]

Da sieht man: In NRW sinkt die Zahl der abgeschlossenen Berufsausbildungen weiter, obwohl wir in ganz Deutschland eigentlich leicht steigende Zahlen haben. Mit Blick auf den Investitionsstau an Schulen belegt NRW bundesweit einen der vordersten Plätze.

Das sind die ganzen SPD-Bürgermeister im Ruhrgebiet! Ich wäre hier vorsichtig!

Also, die Summen, die man pro Schüler investiert, sind sehr gering. Und fast jede vierte Schulstunde in Nordrhein-Westfalen fällt aus.

Was hat das mit beruflicher Bildung zu tun?

Deshalb kann ich allen jungen Menschen nur sagen:

Choose your fighter! Wenn ihr wollt, dass junge Menschen im Fokus von Politik stehen, dann ist die Ampel, glaube ich, der richtige Adressat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist ja wohl lächerlich!

Und wenn ich so frei sein darf: Wählt am besten die SPD! Am Sonntag ist es so weit.

Danke.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Marlene Schönberger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Friedhelm Boginski [FDP]

Und wann kommen wir zur Sachlichkeit zurück und zur Wirklichkeit?

Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
6 Vermerkeca. 448 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir machen jetzt wieder konzentriert und konstruktiv weiter. Alle reden über Fachkräftemangel, und darum reden wir über die berufliche Bildung; denn die Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen. Darum beginne ich auch mit einem Dank an die Union für diesen Antrag; denn dadurch haben wir heute wieder die Möglichkeit, über berufliche Bildung zu sprechen. Und das ist gut so.

Wir sagen auch: Ja, es ist die berufliche Bildung, die zur Teilhabe und Integration junger Menschen beiträgt. Ja, es ist die berufliche Bildung, die den Fachkräftenachwuchs sichert. Und ja, es ist die berufliche Bildung, die unsere Wirtschaft stärkt. Ich habe noch ein Ja: Es ist die berufliche Bildung, die unser Aushängeschild für Deutschland ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Besonders freue ich mich – das wissen Sie, weil ich es an jeder Ecke sage und immer wieder einfordere –, dass Sie die Verrechtlichung des DQR fordern. Der Deutsche Qualifikationsrahmen ist das beste Instrument, um die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung zu stärken und transparent zu machen.

Jetzt gieße ich aber auch noch ein bisschen Wasser in den Wein. Denn was ich in Ihrem Antrag vermisse, ist ein ganzheitlicher Bildungsansatz. Aber das ist genau das, was wir brauchen: Wir brauchen einen ganzheitlichen Bildungsansatz, und zwar von der frühkindlichen Bildung über die schulische Bildung hin zur beruflichen Aus- und Weiterbildung. Bildung ist ein lebenslanger Prozess, der als solcher auch konzipiert und gefördert werden muss.

Natürlich vermisse ich in Ihrem Antrag auch das, was wir bereits auf den Weg gebracht haben. Denn neben dem Aus- und Weiterbildungsgesetz, der Exzellenzinitiative Berufliche Bildung und dem Startchancen-Programm haben wir auch ein Berufsorientierungspraktikum, wofür wir jährlich 2 Millionen Euro bereitstellen.

Aber das müssten Sie wissen. Sie haben dazu ja eine Kleine Anfrage gestellt, und in der Antwort haben Sie es auch schwarz auf weiß. Dazu, dass wir in dieser Legislaturperiode keine Programme zur Berufsorientierung eingestellt haben, heißt es ganz im Gegenteil: Wir haben zusätzlich 52 Maßnahmen zur Berufsorientierung umgesetzt, liebe Union. Das ist ein Signal. Wir sagen Ja zur Berufsorientierung; denn das ist das A und O für einen guten Start in den Beruf.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das haben auch Sie gesagt. Da sind wir einer Meinung. Ich freue mich, dass wir im Bereich berufliche Bildung wirklich oft einer Meinung sind und in die gleiche Richtung ziehen und auch sehr konstruktiv zusammenarbeiten können. Das freut mich. Wir tragen nicht dazu bei, dass sich das Debattenklima weiter aufheizt; denn das tut uns allen nicht gut.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Zum Thema!

Am Sonntag sind Kommunalwahlen und Europawahlen. Als Demokratinnen und Demokraten müssen wir alle zusammenstehen. Am Sonntag zählt jede Stimme,

Jetzt entfernen Sie sich ein bisschen vom Thema!

und wir wissen alle, wie Wählen und Zähneputzen zusammenhängen: Wenn man es nicht macht, wird es braun.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
12 Vermerkeca. 686 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn man einen grundsätzlichen Antrag zum Stand der beruflichen Bildung und deren Bedeutung für den Fachkräftemangel in Deutschland macht, kann man als Opposition natürlich hier einfach einen „Wünsch dir was“-Antrag stellen: mehr Förderprogramme, ein paar neue Gespräche, ein paar neue Arbeitskreise, ein paar neue Konzepte und vor allem mehr Geld.

Beifallbei der FDP

Nein, haben wir nicht!

Lieber Kollege Albani, um beim Fußball zu bleiben, was Sie ja vorhin gemacht haben: Wenn unsere Fußballnationalmannschaft so schlecht schießt, wie der Antrag hier ist, dann werden wir nicht Europameister.

Dann werden wir Weltmeister!

Da müssen wir dann noch ein bisschen mehr nachlegen.

Beifallbei der FDP

Die CDU/CSU wird ihrem eigenen Anspruch gar nicht gerecht, grundlegende Veränderungen oder gar Neues erreichen zu wollen. Es fehlt Ihnen an einer Analyse, und strukturelle Änderungsvorschläge vermisse ich hier wirklich, also die Antwort auf die Frage, wie wir den Herausforderungen in der beruflichen Bildung, die in den letzten 10 bis 20 Jahren immer wieder zugenommen haben, begegnen können.

Meine Parteikollegin Ulrike Flach war im Jahr 2004 Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses und fürchtete vor 20 Jahren, dass die duale Ausbildung in eine Krise gerate. Ihr Parteikollege, der damalige CDU-Vize Jürgen Rüttgers, forderte damals mehr „Vernetzung von Berufsvorbereitung, beruflicher Ausbildung und lebenslangem Lernen“. Auch wollte man eine „neue Säule der Berufsbildung“, um mit Kompetenzmodulen Hunderttausenden Jugendlichen zu helfen, die sonst durch den Rost der beruflichen Bildungsgänge fallen würden. Das war 2004. Dazwischen liegen 16 Jahre, in denen das Bildungsministerium durch die CDU geführt wurde.

Es geht meines Erachtens heute um die Antwort auf die Frage, wie man das Verhältnis der Länder zum Bund neu anlegen muss, um Deutschlands Zukunftsthema Bildung nicht im Gezänk der Verwaltungen ersticken zu lassen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich teile den Wunsch, schneller und wirksamer mehr junge Menschen zu erreichen und für Karrierewege in der betrieblichen Ausbildung zu interessieren. Es braucht eine Hand, die verantwortlich handelt und einen bundesweiten Rahmen setzt. Sie fordern Standards, aber ohne einen Verantwortlichen zu benennen. Stattdessen regen Sie beim Bund an, zusammen mit der Kultusministerkonferenz und den Schulträgern einheitliche Standards zu entwickeln.

Genau das tun wir!

Aber diese KMK-Standards haben wir ja bereits.

Sie wurden in der Kultusministerkonferenz am 7. Dezember 2017 beschlossen. Bitte mal nachlesen!

Das nützt nichts, wenn man sie nicht umsetzt!

Was erzählen Ihnen die CDU/CSU-Bildungsministerinnen und -minister in den Ländern, warum sie bei der Berufsorientierung nicht aus dem Knick kommen, obwohl es diesen KMK-Beschluss schon lange gibt?

Sie haben noch mehr Widersprüche in Ihrem Antrag. Sie fordern auf der einen Seite, dass der Bund mehr für die Lehrkräftefortbildung tun möge, aber auf der anderen Seite sind es Ihre Landesbildungsministerinnen und -minister, die die Festschreibung einer Weiterbildungsquote für Lehrerinnen und Lehrer im Digitalpakt 2.0 als unanständige Einmischung ablehnen. Das ist das Verhältnis, was wir haben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Bundesregierung hat mit der Exzellenzinitiative Berufliche Bildung einen kraftvollen Aufschlag gemacht – diese fängt an zu wirken –, und auch die Berufsorientierung nimmt hier einen besonderen Raum ein; das empfinde ich so.

Das glaube ich!

Die Bundesregierung hat mit der neuen Fachkräftestrategie auch die Bedeutung der Weiterbildung unterstrichen. Die Sozialpartner sind spätestens jetzt gefordert, strukturell die Frage zu beantworten, wie bereits ausgebildete Menschen auf dem Weg in eine digitalisierte Arbeitswelt mitgenommen und fit gemacht werden können.

Die Nationale Weiterbildungsstrategie ist wichtig, um dem Mittelstand, also den kleinen und mittleren Betrieben, Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Weiterbildung bei der Stange halten, aber auch selbst verstärkt neue digitale Geschäftsfelder erschließen. Die Anstrengungen der Sozialpartner gibt es auch, um Ausbildungsordnungen zu modernisieren und attraktiver zu machen, vor allen Dingen für junge Menschen.

Beim Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz werden wir jetzt viele gute Punkte auf den Weg bringen – darüber haben wir schon diskutiert –,

Ihr habt doch schon zweieinhalb Jahre Zeit gehabt!

so zum mobilen Ausbilden und zu mehr Flexibilität bei der Anerkennung individueller Fertigkeiten. Wir haben auch im Rahmen der Befassung mit dem Gesetz große Veränderungsängste bei den Sozialpartnern spüren können, und darauf sind wir zum Teil auch eingegangen. Das haben wir also berücksichtigt.

Zusammenfassend muss man sagen: Der CDU/CSU-Antrag ist eher kraftlos, eher eine Zusammenstellung bereits bestehender Ansätze und Forderungen. Ich wünsche mir daher mehr Teamgeist aller Bildungspolitiker, mehr Tempo, mehr Entscheidungsfreude, mehr Risikobereitschaft, also mehr Mut, die duale Ausbildung voranzubringen, auch und vor allem in den Bundesländern.

Danke.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Stephan Albani [CDU/CSU]
7 Vermerkeca. 452 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es bemerkenswert, dass die CDU/CSU-Fraktion jetzt die Berufsorientierung für sich entdeckt; denn genau diese Zielgruppe, die Sie ansprechen, ist eigentlich ziemlich von Ihrer Regierungszeit betroffen. Wir sprechen nicht von Zweieinhalbjährigen.

Aber Sie haben recht: Kinder wollen Astronautinnen und Astronauten werden oder beim Bäcker arbeiten. Sie passen gerne auf Geschwister auf, vor allem, wenn es nicht die eigenen sind. Sie träumen vom Baggerfahren und vom Fliegen. Wir als Ampel haben uns gefragt: Warum lassen wir sie denn nicht einfach? In der Schule tauschen sie die Spieleküche und den Kaufmannsladen gegen Grammatikhefte. Sie sollen deklinieren und konjugieren und „He, she, it, das s muss mit“ lernen. Aber sie lernen nie, was ein Berufskolleg oder die duale Ausbildung ist. Sie lernen, dass Caesar sein Standardwerk mit „Gallia est omnis divisa in partes tres“ einleitet, aber nicht, dass sie auch als museumspädagogische Fachkraft arbeiten könnten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

An der Uni wird es nicht besser. Im Studium habe ich in Vorbereitung auf die Arbeit an einer Brennpunktgesamtschule Mittelhochdeutsch gelernt; das hilft wahnsinnig viel.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Aber heute lohnt es sich endlich mal; denn der Begriff „Beruf“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen. „Beruf“ kommt von „Berufung“, ein Wort für etwas Höheres: Selbstwirksamkeit, Zukunftswünsche werden damit verbunden. Weil es bei der Berufswahl eben nicht nur um den Fachkräftemangel geht, sondern auch um persönliche Entfaltung, um Berufung, deswegen stärken wir als Ampel gezielt die Berufsorientierung, und zwar von Anfang an zum Beispiel mit dem Startchancen-Programm.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Bei dem Programm ist die Berufsorientierung nämlich zentral. Seit vorgestern kennen wir die ersten 2 000 Schulen, die Teil des Programms sein werden.

Ist das Säule IV, die wir noch nicht kennen?

Das ist ein Meilenstein für die Bildungsgerechtigkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Mit dem Startchancen-Programm verbessern wir Berufsorientierung ganz konkret. Kurzzeitpraktika werden erleichtert, Job Shadowing und Bewerbungstrainings können angeboten werden, Netzwerke mit den wichtigen Jugendberufsagenturen und lokalen Betrieben werden gefördert. Das hilft, Jugendlichen früh Orientierung zu geben und sie zu empowern, und zwar dort, wo es den Familien auch mal an Ressourcen fehlt, um sich im Dschungel der Angebote überhaupt erst zurechtzufinden, wo Papa nicht mit einem Anruf beim Studienfreund ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei für den Filius klarmacht.

Mit dem Startchancen-Programm erhalten Schulen die Möglichkeit, besonders Arbeiterkindern zu zeigen, welche Möglichkeiten dieses Land für sie bereithält. Lehrkräfte und multiprofessionelle Teams können gezielt Potenziale fördern, die gerade in den Talenten schlummern, die keinen finanziellen Hintergrund haben, um groß zu denken.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem Programm wollen wir den Traum von der Karriere bei der Feuerwehr oder im Justizministerium oder im eigenen Friseursalon genauso ermöglichen wie den Wunsch, Lehrerin zu werden, auch wenn man die erste Person mit Abitur in der Familie ist und wenn man eben nicht Müller oder Meyer mit Nachnamen heißt.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
7 Vermerkeca. 490 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Kern geht es um Folgendes: Für die dauerhafte Sicherung der qualifizierten Fachkräfte in Deutschland müssen wir jetzt die Weichen stellen. Die Themen, die wir dabei adressieren müssen, damit wir das Ziel erreichen, sind aus unserer Sicht völlig klar: Wir brauchen eine Verbesserung der Berufsorientierung, eine Stärkung der beruflichen Bildung und die Sicherung des dualen Ausbildungssystems, auf das wir hier alle – das kann man, glaube ich, sagen – zu Recht stolz sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Zahlen zeigen uns relativ eindrücklich, dass die Weichenstellung eben jetzt notwendig ist und nicht noch weiter aufgeschoben werden darf. Immer weniger Jugendliche absolvieren überhaupt eine berufliche Ausbildung, und immer mehr Menschen brechen die Ausbildung vorzeitig ab.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie weisen jetzt immer vollmundig auf die 16 Jahre Regierungszeit der Union hin. Nur: Die Lage hat sich seitdem erstens verschärft, und zweitens sind auch Sie jetzt schon seit zweieinhalb Jahren an der Regierung und hatten Zeit, das Thema anzugehen. Wer hier so groß austeilt, dem muss ich an dieser Stelle auch einmal ganz klar sagen: Sie sollten sich schon auch einmal fragen, warum die Regierungsfraktionen bis heute noch immer keinen konkreten Plan haben, wie sie das Thema angehen wollen oder welche wegweisenden Maßnahmen auf den Weg gebracht werden sollen, damit man da mal was umsetzen kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Das stimmt doch gar nicht!

Das Kernproblem bleibt ja: Es gibt in Deutschland 630 000 junge Menschen – die Kollegin Connemann hat darauf hingewiesen –, die weder zur Schule gehen noch eine Ausbildung absolvieren oder irgendwie anderweitig beschäftigt sind. Sie fallen damit ja nicht nur aus dem System der schulischen und dualen Ausbildung, sondern sie haben es auch langfristig deutlich schwerer auf dem Arbeitsmarkt als andere. Sie sind deutlich öfter von Langzeitarbeitslosigkeit und später dann von Altersarmut betroffen.

Sehr richtig!

Die jungen Menschen in einen Ausbildungsplatz zu vermitteln, ist also – unabhängig von der Bekämpfung des Fachkräftemangels – auch ein wichtiger Beitrag für die gesamte Gesellschaft an sich.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir können und wollen dabei ehrlicherweise auch nicht noch länger einfach zuschauen. Die Regierung muss endlich das Heft des Handelns in die Hand nehmen und die Maßnahmen zur langfristigen Sicherung des dualen Ausbildungssystems umsetzen.

Unsere Vorschläge liegen mit dem Antrag heute auf dem Tisch. Wir müssen die berufliche Bildung attraktiv und zukunftsfähig gestalten. Der erste Schritt wäre da zum Beispiel eine Einigung auf einen Digitalpakt 2.0 mit konkreten Maßnahmen, insbesondere gerade auch für die berufliche Bildung. Das wird aber jetzt im Juni ganz offensichtlich ja leider wieder nicht erreicht werden. Das ist bitter für alle Betroffenen, und dieses Versagen muss sich die Ministerin auch vorwerfen lassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Bund muss außerdem eine nationale Qualitätsoffensive Berufsorientierung initiieren, um in Zusammenarbeit mit den Ländern dann auch die frühe Berufsorientierung an allen Schulformen zu ermöglichen, und wir müssen stärker als bisher darauf hinarbeiten, die Gleichwertigkeit wieder zu stärken. Das duale Ausbildungssystem ist eins der Aushängeschilder Deutschlands, und das muss es auch in Zukunft bleiben. Deswegen: Stimmen Sie unserem Antrag zu! Dann haben Sie etwas Sinnvolles für die berufliche Bildung getan.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
9 Vermerkeca. 503 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Katrin Staffler, ich finde auch vieles bitter, was man bei dem Thema herausgreifen kann. Zum Beispiel finde ich es sehr, sehr bitter, wie viele junge Menschen es in den letzten Jahren ohne Schulabschluss, ohne Ausbildungsplatz gibt.

Im Jahr 2021 hatten 18,1 Prozent der 20- bis 29-Jährigen in Deutschland keine abgeschlossene Berufsausbildung. Im Jahr 2011 lag der Anteil noch bei 15,9 Prozent. Seitdem steigt diese Zahl unaufhörlich. 2016 wurde schon die Marke von 2 Millionen junger Erwachsener überschritten, die in diese Gruppe fallen. Das finde ich äußerst bitter. Genauso bitter finde ich, dass in den 16 Jahren unionsgeführtem Bildungsministerium viel zu wenig gemacht wurde.

Widerspruchdes Abg. Stephan Albani [CDU/CSU]

– Da kann man stöhnen, Herr Albani, es ist aber Fakt, und die Ampel holt jetzt auf, was jahrelang versäumt wurde.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufeder Abg. Stephan Albani [CDU/CSU] und Katrin Staffler [CDU/CSU]

Was zum Teil gesagt wurde, brauchen Sie von der AfD mir sowieso nicht als Wahrheit zu verkaufen. Das sind weitestgehend Fake News, die Sie hier erzählen.

Zurufder Abg. Nicole Höchst [AfD]

Und ich muss auch sagen: Was Sie hier präsentiert haben, war eigentlich nur eine einzige Hass- und Hetzrede

Das war die Wahrheit!

ohne Präsentation von Lösungen. Aber so funktioniert die AfD ja auch.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Nicole Höchst [AfD]

Wir haben als Ampel im letzten Jahr endlich eine Ausbildungsgarantie beschlossen. Damit sind verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote verbunden: angefangen bei der beruflichen Orientierung und Beratung bis zu Hilfen bei der Aufnahme und für den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung. Teile Ihrer Forderungen im Antrag setzen wir also schon längst um.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Gerade das Handwerk schreit nach Azubis. Wir haben in den letzten Haushaltsverhandlungen durchgesetzt, dass die Rahmenbedingungen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Handwerk weiterhin gut sind. Mit 11 Millionen Euro mehr bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung entlasten wir Handwerksbetriebe,

Die Handwerksbetriebe machen gerade Pleite! Danke, Herr Habeck! Der ist, glaube ich, in Ihrer Regierung der Minister!

indem wir ein Drittel der Lehrgangs- und Unterbringungskosten für ihre Azubis übernehmen. Zusätzliche 8 Millionen Euro gibt es für Projekte, um Betriebe dabei zu unterstützen, Azubis zu finden und für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern. Die Mittel für überbetriebliche Berufsbildungsstätten sind auf 38 Millionen Euro angehoben worden – Gelder, die dafür sorgen, dass Werkstätten und Unterrichtsräume auf dem neuesten Stand der Technik sind. Sie sehen: Die Ampel liefert längst, was Sie fordern.

Und ganz aktuell: Am Dienstag sind die ersten rund 2 000 Schulen für das Startchancen-Programm verkündet worden; wir haben es in einigen Reden schon gehört. Neben den Grundkompetenzen an Grundschulen, die hier gefördert werden, stehen in diesem Programm explizit auch die berufsbildenden Schulen im Fokus, und wir wollen gerade hier die Talente heben. Aber raten Sie mal, wie viele berufsbildende Schulen in meinem Bundesland, in Bayern, in der ersten Runde unter 200 Schulen dabei sind? Null! Keine einzige berufsbildende Schule ist dabei. Das heißt, die CSU hat diese hier mal wieder einfach so unter den Tisch fallen lassen. Das finde ich einfach nicht in Ordnung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Erlauben Sie mir zum Schluss, dass ich als Abgeordnete aus dem Wahlkreis Regensburg noch eine Botschaft nach Hause schicke an die vielen Helferinnen und Helfer, die jetzt im Hochwassereinsatz sind. Dafür bedanke ich mich sehr, und ich hoffe – toi, toi, toi! –, dass die Werftstraße hält.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
7 Vermerkeca. 583 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es ist wieder mal so weit: Zwei Jahre nachdem wir in dieser Legislatur den ersten Antrag zur beruflichen Bildung eingebracht haben, sind „Los Wochos“ für die berufliche Bildung.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

In der letzten Sitzungswoche ging es um den Berufsbildungsbericht und in erster Lesung um den Gesetzentwurf zum Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich über die berufliche Ausbildung. Heute ist nun unser Antrag zur beruflichen Bildung auf der Tagesordnung.

So gut es ist, dass wir uns alle einig sind, dass dieses Thema ein wichtiges ist, so entscheidend ist es, dass am Ende auch etwas dabei herauskommt.

Beifallbei der CDU/CSU

Ja, das gemeinsame Ziel, das uns eint, ist die Stärkung der beruflichen Bildung; da sind wir uns komplett einig. Wir hatten deswegen auch am Anfang dieser Legislatur zwei Punkte in einen Antrag gepackt – nicht zu übersehen, ganz einfach –: Verrechtlichung des DQR, das heißt endlich Gleichstellung der beruflichen und akademischen Bildung, und eine smarte Berufsorientierung, die ihren Namen auch verdient.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Reaktion der Ampel war damals: Da muss man noch viel mehr machen. Das machen wir ja schon. Da kommt was. Passt mal auf! – Und wir haben aufgepasst. Schaut man sich an, was aus den Planungen geworden ist, dann muss man sagen: Es ist zumindest ernüchternd. Aus der viel besseren Exzellenzinitiative Berufliche Bildung wurde eine Dachmarke, unter der lediglich Bestehendes fortgeführt wurde. Aus der besseren Berufsorientierung wurde nun, zum Auftakt des Sommers der Berufsausbildung, das Berufsorientierungsportal zynd. Ja, schön, aber das n-plus-einte Berufsorientierungsportal hinzuzufügen, bringt jetzt nicht so fürchterlich viel.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Bleibt als Letztes der Pakt für berufliche Schulen. Dazu haben wir eine Kleine Anfrage gestellt, was denn da passiert ist. Wir haben 3,5 Jahre in der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung“ miteinander geschwitzt; die, die dabei waren, wissen das noch. Da ging es auch um die Berufsschulen; da kam ein Pakt für berufliche Schulen zum Nachkochen raus. In der Antwort auf die Kleine Anfrage liest man, dass man jetzt einen Fachbeirat eingesetzt hat, der – ich zitiere – „sich in seiner konstituierenden Sitzung mit der Paktarchitektur und den vorgesehenen Arbeitsprozessen“ beschäftigt hat. „Hierzu gehörte auch ein Austausch zur Geschäftsordnung …“ Ich erspare Ihnen den Rest. Das nach zweieinhalb Jahren! Freunde, wozu haben wir da dreieinhalb Jahre geschwitzt?

Beifallbei der CDU/CSU

An dieser Stelle kann man mehr erwarten.

Daher bringen wir heute wieder konkrete Vorschläge ein. Um im Fußballjargon zu bleiben: Nachdem wir vor zwei Jahren schon einmal den Ball vors Tor gelegt haben – und der Torwart war weg; Sie hätten ihn nur reinmachen müssen –, haben Sie den Ball genommen und sind zum Mittelpunkt zurückgelaufen. Nun bringen wir ihn wieder vors Tor, legen ihn dorthin und sagen: Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung durch eine Verrechtlichung des DQR nach der Art, wie in der Enquetekommission vorgeschlagen. Punkt eins. Dann würde endlich die Sonntagsrede „Andersartig, aber gleichwertig“ endlich von einem Traum zur Realität werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens: eine Qualitätsoffensive Berufsbildung. Lassen Sie es krachen! Das heißt: Machen Sie mal was Neues! Angefangen bei einer Potenzialanalyse über eine entsprechende individuelle Suche für den Einzelnen – das heißt, kein Informationsgewitter aus Messen und Informationsveranstaltungen, sondern gezielt für den Einzelnen – suchen wir den richtigen Beruf, damit er oder sie am Ende wirklich das kriegt, was seinen oder ihren Talenten entspricht. Das ist unser zweiter Vorschlag.

Beifallbei der CDU/CSU

Und als Letztes: Attraktivität der beruflichen Bildung steigern. Lassen Sie uns die guten Dinge, die etwa aus der akademischen Bildung kommen – nämlich das Campus-, das Korpsgefühl, was man dort hat –, zum Beispiel in einem Azubi-Campus umsetzen! Es gibt so was zum Beispiel bei den Gesundheitswerkern, den Hörgeräteakustikern.

Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
3 Vermerkeca. 24 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich bin fertig.

Heiterkeitdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Da brauchen Sie nur abzuschreiben, da kriegen Sie alles geschenkt. Also: Einfacher können wir es Ihnen nicht mehr machen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Nicole Höchst
Foto: Nicole Höchst/ Hagen Schnauß
10 Vermerkeca. 470 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Werte Kollegen, auch von den deutschen demokratischen Fraktionen! Meine sehr verehrten Damen und Herren Antragsteller, Ihre Kühnheit ist zu bewundern. Nein, ehrlich: Sie weisen in Ihrem eigenen Antrag auf die Versäumnisse Ihrer Regierungszeit in puncto beruflicher Bildung hin. So ist die Zahl der jungen Menschen, die sich nicht in Arbeit, Bildungseinrichtungen oder Berufsausbildung befinden, zwischen 2019 und 2021 um 140 000 angestiegen. 2,86 Millionen Menschen sind 2024 ungelernt, und allüberall herrscht selbstgemachter Fachkräftemangel.

Ist die vorliegende Drucksache also gar kein Antrag, sondern eine historische Aufarbeitung der CDU/CSU-Fraktion

mit einer minutiösen Auflistung all der Dinge, die Sie hätten tun können, aber unterlassen haben? Vielen Dank dafür.

Beifallbei der AfD

Das ist doch völliger Quatsch!

In einem normalen Deutschland der Vor-Merkel-Ära könnte man jetzt über die Sinnhaftigkeit einzelner Forderungen oder Ampelprogramme streiten. Wir befinden uns aber dank Ihrer Weichenstellungen nicht mehr in Deutschland, sondern in Neubabylonien, meine Damen und Herren. Das Fachpersonal, das Sie benötigen, um einzelne Punkte Ihres Antrags in die Tat umzusetzen, gibt es nicht und ist nicht in Sicht – wandert übrigens auch nicht zu.

Deutsche Schulen verkommen derweil zu bunten Kinderaufbewahrungsanstalten mit Regenbogen-Haltungsdrill.

Ja, genau! Na klar!

– Hören Sie zu! Dann können Sie was lernen.

Nee, nicht wirklich!

Das bezweifle ich!

In Speyer unterrichten Vorjahresabiturienten an Gymnasien Deutsch und was sonst noch so ausfallen würde, um die Unterrichtsausfallquote zu senken und die Aufsicht zu gewährleisten. Sollen diese vielleicht Ihre Berufsorientierung machen oder lieber, wie Blinde von der Farbe reden, Ihre Serious Games – also auf Deutsch: Berufsalltagstrainings – moderieren? Ist das Satire, liebe CDU/CSU?

Ich danke an dieser Stelle den jungen Leuten, Lehrern und Quereinsteigern, die sich im Bildungsbereich stark engagieren. Sie halten auf dem sinkenden Bildungsschiff motiviert, aber ohne eigenes Verschulden insgesamt erfolglos die Fahne hoch.

Beifallbei der AfD

Denn die Ergebnisse aller Studien und Bildungsberichte zeigen jedes Jahr unerbittlich das Versagen realitätsferner und ideologischer Weichenstellungen inklusive jahrzehntelanger Unterfinanzierung unseres Bildungssystems.

In Ludwigshafen bleiben im zweiten Jahr in Folge 44 Kinder einer Jahrgangsstufe sitzen, weil sie kein Deutsch sprechen. Wie wollen Sie denn Kinder und Jugendliche beruflich orientieren, die Sie nicht verstehen, liebe CDU/CSU-Fraktion? Durch Vortanzen vielleicht?

Das ist eine pure Polemik! Menschenverachtend!

Da redet eine Praktikerin! Die kennt sich aus!

Ihr Antrag will nicht nur das todkranke Pferd unseres Schulsystems noch enger an die Kandare nehmen; Sie zäumen es auch noch von hinten auf, Herr Albani. Das ist zum Scheitern verurteilt, und Sie wissen das. Machen Sie sich doch endlich einmal ehrlich! Über Anträge wie diesen brauchen wir gar nicht mehr sprechen, wenn nicht grundsätzliche Gelingensbedingungen erfüllt sind.

Erstens: Rückkehr zum Grundkonsens des Grundgesetzes. Deutschland ist das Land der Deutschen; ohne Deutsch geht hier gar nichts, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Zweitens. Anstrengungsbereitschaft und Eigenverantwortung müssen an die Stelle der antrainierten Anspruchshaltung treten. Leistung muss sich wieder lohnen.

Drittens. Schluss mit dem Massenimport und illegalen Verbleib von Babylon, Kalifatterrorismus, Bildungsferne und Analphabetismus und diversen Konflikten aller Welt!

Unfassbar! Ich habe mein Bullshit-Bingo voll! Sagen Sie bitte noch mal was zum Gendern!

Viertens. Deutschland braucht freie Dichter und Denker,

Zurufdes Abg. Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

nicht linientreue Denunzianten und Henker. Junge Menschen brauchen –

Porträt von Nicole Höchst
Foto: Nicole Höchst/ Hagen Schnauß
2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– verlässliche und motivierende Zukunftsaussichten. Das stimmt. Also: An die Arbeit! Wir stehen mit Lösungen bereit.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Das war jetzt keine Lösung!
Porträt von Gitta Connemann
Foto: Gitta Connemann / Sebastian Werl
4 Vermerkeca. 391 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, auch auf der Tribüne! „Was willst du werden, wenn du groß bist?“ Als Kind ist die Antwort leicht gegeben: Polizist, Bäcker, Prinzessin, Baggerfahrerin. Später ist das durchaus schwieriger, übrigens auch, weil wir immerhin 324 anerkannte Ausbildungsberufe haben. Wer soll da den Überblick behalten, insbesondere da die wichtigsten Berufsberater in Deutschland nach wie vor die Eltern sind?

Viele kennen nur einen Bruchteil der Berufe, und Gymnasiasten werden zudem auch aufs Studium vorprogrammiert. Dabei wächst übrigens die Anzahl an Abiturienten, die eine Ausbildung machen wollen; dagegen sinkt leider der Anteil der Hauptschulabsolventen in Ausbildung. So werden Chancen verpasst.

Deswegen hätte ich mir etwas mehr Ernsthaftigkeit auch seitens der Ampel gewünscht, die unseren Antrag ablehnt, aber keine Alternative vorlegt;

Beifallbei der CDU/CSU

denn am Ende geht es hier um 630 000 Jugendliche in Deutschland, die nicht zur Schule gehen, nicht zur Arbeit gehen, keine Ausbildung machen. Wo ist Ihr Angebot an diese Jugendlichen und damit für unsere Zukunft?

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist eine Katastrophe: persönlich, aber auch volkswirtschaftlich. Unsere Betriebe suchen händeringend nach Auszubildenden. Sie sprechen von einem Recht auf Ausbildung. Das könnte jederzeit umgesetzt werden, wenn Sie Auszubildende und Betriebe matchen würden und nicht Fehlanreize schafften, wie zum Beispiel auch das Bürgergeld.

Beifallbei der CDU/CSU

Damit wird der Arbeits- und Fachkräftemangel zum Bremsklotz für unseren Mittelstand.

Die duale Ausbildung ist die Visitenkarte Deutschlands, ein Sprungbrett. Sie öffnet die Türen auch wegen bewährter Strukturen unter anderem in den Betrieben, Innungen, Kammern, Berufsschulen, auch bei der Bundesregierung. Wir haben mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung eine starke Einrichtung für die Aus- und Weiterbildung, auch dank eines Präsidenten, der weiß, wovon er spricht; denn Friedrich Esser ist ein Praktiker. Auch zukünftig muss wieder jemand aus der Praxis an der Spitze des BIBB stehen – das ist unsere Forderung –,

Beifallbei der CDU/CSU

der auch weiter für die Berufsorientierung kämpft. Das ist das A und O einer guten Berufswahl.

Dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, zeigt die Antwort der Bundesregierung auf unsere Anfrage. Es gibt einen Dschungel unterschiedlicher Programme von Land zu Land, von Schule zu Schule – etliche ohne Reichweite. Etliche Ihrer Programme erreichen 0,8 Prozent der Schüler. Schauen Sie sich Ihre eigenen Zahlen an. Erfolgsprojekte wie Jobstarter lassen Sie auslaufen. Sie haben kaum digitale Angebote. Es gibt zu wenig Berufsorientierung an Gymnasien, auch veraltete Ausbildungsanforderungen, zu hohe Hürden.

Deswegen brauchen wir dem Grunde nach neben der Gleichwertigkeit einer beruflichen und akademischen Ausbildung einen Befreiungsschlag.

Porträt von Martin Rabanus
Foto: Martin Rabanus
4 Vermerkeca. 505 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte wie einige meiner Vorredner eher einen versöhnlichen Ton anschlagen und mich auch ganz herzlich für diesen Antrag bedanken, der uns die Gelegenheit gibt, über das wichtige Thema der Förderung und Stärkung der beruflichen Bildung einerseits, aber auch über die verschiedenen Leistungen der Ampelkoalition andererseits hier noch einmal gemeinsam zu diskutieren. Denn im Kern verfolgt dieser Antrag das Ziel der Gleichwertigkeit von beruflicher, allgemeiner und akademischer Bildung. Und in diesem Ziel – Kollege Albani hat das auch dankenswerterweise gesagt – sind wir uns vollkommen einig. Das ist übrigens nicht erst seit heute, gestern oder seit Beginn dieser Wahlperiode so, sondern war auch schon in dem Zeitraum so, den ich überblicken kann.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Wir sind uns auch einig in der außerordentlichen Wertschätzung der beruflichen Bildung, angefangen bei den vollschulischen Ausbildungsgängen über die duale Ausbildung bis hin zur Meisterausbildung. Ich sage auch dazu, dass es gerade die duale Ausbildung ist, auf die wir in besonderer Weise stolz sein können. Sie ist ein Erfolgskonzept, wofür wir überall in der Welt beneidet werden. Auch das ist schon angeklungen.

Vor dem Hintergrund nehmen wir sehr ernst, was mit Blick auf die berufliche Bildung gesagt wurde. Immer weniger Jugendliche entscheiden sich für Bildungsgänge der beruflichen Bildung, an vielen Stellen gibt es natürlich noch Matching-Probleme, Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Beim DQR darf es nicht nur bei schönen Worten wie Gleichwertigkeit bleiben, sondern am Ende des Tages muss es sich auch auszahlen. Ich füge hinzu: Das wäre in der letzten Wahlperiode an der SPD nicht gescheitert.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Auch bei Berücksichtigung des Gesagten und des Vorhandenseins von Schnittmengen muss man trotzdem sagen: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und das grundsätzlich richtige Anliegen macht aus dem sechsseitigen Papier auch noch keinen großartigen Antrag, vor allen Dingen auch deswegen nicht, weil er in weiten Teilen dann doch wolkig bleibt und auf der Ebene von „man müsste mal“ immer wieder darauf rekurriert, was Länder eigentlich an Zuständigkeiten haben.

Das kann man so machen, und als Opposition kann man das allemal so machen. Aber bei vielen Punkten, bei denen jetzt die Bundesregierung oder diese Ampelkoalition die Länder auf Trab bringen soll, frage ich mich schon: Warum machen Sie das eigentlich nicht selbst? Denn es ist möglich, über die KMK Initiativen zu ergreifen, wie Sie das auch in Ihrem Antrag mit „Qualitätsoffensive Berufsorientierung“ benennen. Und diese Initiativen können auch CDU-regierte Länder ergreifen. Da spräche nichts dagegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Stattdessen ist es so, dass die Bundesregierung und diese Koalition – meine Kolleginnen und Kollegen, insbesondere auch Jessica Rosenthal, haben darauf hingewiesen – handeln, nämlich mit der Exzellenzinitiative Berufliche Bildung. Hier gehört auch das gerade in der Novelle befindliche Berufsbildungsgesetz integral dazu. Wir machen damit die Vorteile der beruflichen Bildung deutlich. Wir machen insbesondere die Innovationskraft der dualen Ausbildung deutlich. Und wir zeigen vor allen Dingen die Chancen für die jungen Menschen in der dualen Ausbildung auf. Das sind nicht nur Worte, sondern wir stellen im Bereich der Exzellenzinitiative Berufliche Bildung 750 Millionen Euro zur Verfügung.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Friedhelm Boginski [FDP]

Meine sehr verehrten Damen und Herren, vieles wäre noch zu sagen, –

Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
4 Vermerkeca. 371 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Endlich beschäftigen wir uns mehr mit der beruflichen Bildung, diesmal auf Initiative der Union hin. Das ist gut. Aber es ist schon ganz erstaunlich, wie sehr man dabei an der Oberfläche bleiben und grundsätzliche Fragen aussparen kann. Das macht die Ampel so mit ihren wenigen Aktivitäten für die berufliche Bildung, und das ist aber bei der Union genauso. Der Antrag, den Sie vorlegen, lässt viel aus und tut gleichzeitig so, als hätten Sie nicht selbst jahrelang regiert und die Bildungsministerin gestellt. Sie stellen hier Forderungen auf, die Sie selbst nicht umgesetzt haben. Das ist die Wahrheit.

Beifallbei der Linken

Über zehn Jahre ist es beispielsweise her, da haben Union und SPD den flächendeckenden Ausbau von Jugendberufsagenturen versprochen. Davon sind wir heute immer noch meilenweit entfernt. Die Union hat auch mal einen Berufsbildungspakt versprochen, der auch nie umgesetzt wurde. Ich meine, das ist keinen Deut besser als das, was Sie gerade kritisiert haben. Ich finde, das ist ein Stück weit peinlich.

Beifallbei der Linken

Wenn es darum geht, wie die berufliche Bildung attraktiver gemacht werden kann, wird immer so getan, als würde alles gut, wenn sich nur die Berufsorientierung verbessert. Die Union will jetzt die Qualitätsoffensive Berufsorientierung. Und ja, die Berufsorientierung muss verbessert werden. Da ist ziemlich viel Luft nach oben. Es reicht nicht aus, dass Unternehmen einen Stand auf einer Berufsbildungsmesse haben oder dass die Klasse mal ins Berufsinformationszentrum fährt. Die Jugendberufsagenturen müssen besser sein, und sie müssen endlich auch ein flächendeckendes Angebot sein.

Beifallbei der Linken

Aber was Union und auch die Ampel konsequent ausblenden, ist, dass Attraktivität eines Ausbildungsweges eben nicht nur bedeutet, besser informiert zu sein. Attraktivität bedeutet, dass die Ausbildung erfüllend ist, Spaß macht, berufliche Perspektiven bietet und dass man davon leben kann. Und immer wenn es um diese Fragen geht, ist es dann auf einmal in den Reihen von Union und FDP ziemlich still. Eine höhere Mindestausbildungsvergütung, mehr Rechte für die Azubis ihrem Arbeitgeber gegenüber, mehr Wohnheimplätze, ein kostenfreies ÖPNV-Ticket für Azubis: Warum ist davon nichts im Antrag der Union zu lesen? Warum verliert auch die FDP-Ministerin dazu eigentlich nie ein Wort?

Beifallbei der Linken

Genauso still ist es auch, wenn es um die finanzielle und personelle Ausstattung der Berufsschulen geht. Das sind aber die zentralen Fragen in dieser Debatte.

10 Vermerkeca. 571 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Völkerstrafrecht ist eine der größten Errungenschaften unserer modernen Zivilisation. Es stellt sicher, dass Verbrechen gegen das Völkerrecht nicht ungestraft bleiben. Hier spielt Deutschland eine wichtige Rolle. Aufgrund unserer einzigartigen historischen Verantwortung und der Stärke unseres Rechtsstaats haben wir die besondere Verpflichtung, dieses Prinzip zu verteidigen und weiterzuentwickeln.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der Angriffskrieg auf die Ukraine und der Terrorangriff der Hamas haben uns erneut vor Augen geführt, dass der Frieden, den wir hier genießen, keine Selbstverständlichkeit ist. Angesichts des Leids und der Zerstörung, die Kriege über die Menschen bringen, dürfen wir nicht untätig bleiben. Wir setzen dem Unrecht das Recht entgegen. Wir stärken den Rechtsstaat; denn das Recht darf selbst in den dunkelsten Zeiten nicht verstummen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

An dieser Stelle möchte ich mich beim Bundesjustizminister Dr. Marco Buschmann

Der ist nicht da!

für den vorgelegten Gesetzentwurf und bei meinen Kollegen aus dem Rechtsausschuss, insbesondere meinen Koalitionspartnern, für die intensive Diskussion und die erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Unsere Unterstützung für die Opfer ist nicht bloß eine Absichtserklärung. Wir handeln entschlossen und konkret. Zum ersten Mal haben Opfer und ihre Angehörigen die Chance, ihre Stimme direkt im Gerichtssaal zu erheben. Das betrifft Menschen, die durch Verbrechen wie Genozid, Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit verletzt wurden. Nun können die Betroffenen als Nebenkläger aktiv an den Prozessen in Deutschland teilnehmen und ihren Standpunkt vertreten. Der Zweck dieser Nebenklage ist es, den Opfern zu helfen, sich gegen falsche Darstellungen und weitere Erniedrigungen zu wehren. Gleichzeitig ermöglicht sie es den Betroffenen, ihre individuellen Erfahrungen in den Prozess einzubringen. Das ist besonders wichtig bei sehr schweren Verbrechen, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In manchen Fällen können die Nebenkläger sogar entscheidende Beiträge zum Prozess leisten. Die Opfer können nun aktiv nach Gerechtigkeit streben, indem sie sich direkt am Verfahren beteiligen. Diese wegweisende Neuerung verleiht den Opfern eine Stimme und eine entscheidende Rolle sowohl beim Streben nach Gerechtigkeit als auch im eigenen Heilungsprozess.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie erhalten dadurch die angemessene Wertschätzung und Anerkennung. Das ist ein Meilenstein für das deutsche Völkerstrafrecht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir sorgen außerdem dafür, dass die Welt von den deutschen Völkerstrafrechtsprozessen erfährt. Es ist von großer Bedeutung, dass Medienvertreter über diese Prozesse berichten können. Daher erhalten ausländische Medienvertreter einen einfachen Zugang zu Verdolmetschungen der Gerichtsverhandlungen. Wir ermöglichen umfassende Dokumentationen durch Aufzeichnungen der Hauptverhandlungen. Dies erleichtert die wissenschaftliche und historische Aufarbeitung solcher Prozesse und hilft anderen Ländern, unser Völkerstrafrecht zu verstehen und ihre eigenen Prozesse weiterzuentwickeln. Das ist nicht nur ein Fortschritt für den Rechtsstandort Deutschland, es ist auch ein Schritt in Richtung einer gerechteren Welt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zusätzlich stellen wir mit diesem Gesetz sicher, dass deutsches Recht den Vorgaben des Internationalen Strafgerichtshofs entspricht. Um bestehende Gesetzeslücken zu schließen, legen wir die Straftatbestände der sexuellen Sklaverei, des erzwungenen Schwangerschaftsabbruchs und des Verschwindenlassens genauer fest. Wir stärken den Schutz von Bevölkerungsgruppen vor Ausgrenzung. Wenn Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Menschenrechte entzogen oder diese stark eingeschränkt werden, ist dies nun strafbar. Denn es ist von entscheidender Bedeutung, dass jeder Mensch unabhängig von Alter, Geschlecht oder sexueller Orientierung umfassenden Schutz erhält.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit diesen Maßnahmen ziehen wir die richtigen Schlüsse aus den aktuellen internationalen Herausforderungen. Deutschland ist nicht nur ein Land der Worte, sondern auch ein Land der Taten. Deshalb setzen wir uns entschlossen für die Grundsätze des Völkerstrafrechts und das unermüdliche Ringen um Rechtsstaatlichkeit ein. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Rechtsstaatlichkeit nicht nur ein Privileg für wenige ist, sondern auch gelebte Realität für alle Menschen auf dieser Welt wird.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 715 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Unser Grundgesetz stellt in Artikel 25 klar, dass die allgemeinen Regeln des Völkerrechts Bestandteil des Bundesrechts sind. So wie das nationale Recht das Zusammenleben im Nationalstaat der Menschen regelt, so will das Völkerrecht die Koexistenz der Staaten untereinander regeln. Es unterteilt sich in Friedensrecht und Kriegsrecht. Auch im Krieg gibt es Regeln, die einzuhalten sind. Wie es aussieht, wenn das nicht geschieht, konnten wir in jüngster Zeit im Krieg Russlands gegen die Ukraine in Butscha, wo die Russen ein Massaker verübt haben, sehen. Solche verbrecherischen Verstöße gegen das Völkerrecht – Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Verbrechen der Aggression – rufen nach strafrechtlichen Sanktionen. Regelungen dazu trifft das Völkerstrafrecht.

Leider gibt es immer wieder neue Grausamkeiten, etwa durch immer perfider werdende Waffen wie beispielsweise solche, deren Splitter noch nicht einmal von Röntgenstrahlen erfasst werden können, oder Laserwaffen, die zur Erblindung führen. Auch kennt die Zunahme des Ausmaßes menschlicher Gräuel offenbar kein Ende, sodass sexualisierte Gewalt noch nicht einmal vor der Abtreibung menschlichen Lebens gegen den Willen einer schwangeren Frau zurückschreckt, um ethnische Vernichtung auszuüben.

Dieser schlimmen Entwicklung muss Einhalt geboten werden. Vor allem müssen bestehende Strafbarkeitslücken geschlossen werden, um den Tätern, gewissermaßen den Feinden der Menschheit, die richtigen Antworten auf ihr unmenschliches Verhalten zu geben. Aus diesen Gründen müssen wir das Völkerstrafrecht weiterentwickeln. Das wollen wir heute hier beschließen. Mit den Erweiterungen und Änderungen erreichen wir zudem – das ist bereits gesagt worden – einen weitestgehenden Gleichklang mit dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs. Wie bei Fragen des Völkerrechts üblich, wollen wir guter parlamentarischer Praxis entsprechend dies als größte Oppositionsfraktion heute im Einvernehmen mit den die Bundesregierung tragenden Fraktionen gemeinsam tun. Wir können dies als Union guten Gewissens tun, da die Fraktionen der Ampelkoalition mehrere entscheidende Punkte, die wir nach der Sachverständigenanhörung zum Gegenstand eines eigenen Gesetzesänderungsantrags gemacht haben, aufgegriffen haben und ihrerseits zum Gegenstand eines eigenen Änderungsantrags gemacht haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Da wäre zum Beispiel das klare Bekenntnis gegen eine funktionelle Immunität. Darunter versteht man, dass Amtsträger sich nicht darauf berufen können, als Teil der Hierarchie eines ausländischen Staatswesens gehandelt zu haben, um sich so der strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen.

Weiter wäre zu berücksichtigen, dass durch den vorgelegten Änderungsentwurf unsere Forderung, beim Verschwindenlassen einer Person eine Auskunftspflicht über deren Verbleib festzuschreiben, wie es unser Grundgesetz in Artikel 104 vorsieht, nunmehr im Gesetz enthalten ist.

Ein weiterer gewichtiger Punkt, der der besseren Durchführbarkeit und dem Schutz der Justiz vor Überlastung in völkerstrafrechtlichen Verfahren dient, ist die Konkretisierung der Nebenklageberechtigung, deren Möglichkeit grundsätzlich ausgeweitet wird; andererseits können wir insbesondere Verfahren, deren Gegenstand ein Genozid, ein Völkermord ist, besser bewerkstelligen, weil nicht gewissermaßen alle Angehörigen eines Volkes als Nebenkläger zur Nebenklage berechtigt werden, sondern nur diejenigen, die unmittelbar durch die Tat geschädigt wurden.

Zudem wurde eine Evaluierungsklausel in dieses Gesetz hineingeschrieben. Ich halte es für sehr wichtig, dass man in fünf Jahren erstmals einen Zwischenbericht bekommt und sieht, ob das Ganze so machbar und durchführbar ist.

An dieser Stelle noch eine grundsätzliche Anmerkung, mit der ich Sie alle, liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Nachdenken anregen und zugleich ermutigen möchte: Wenn wir Sachverständigenanhörungen durchführen, dann sollten wir vernünftige und nachvollziehbare Verbesserungsvorschläge der Experten, die nach Möglichkeit frühzeitig einbezogen werden sollten, aufgreifen und umsetzen. Das tun wir aus meiner Sicht viel zu wenig. Dass es hier in etlichen entscheidenden Punkten gelungen ist, freut mich ganz persönlich. Dafür möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die daran mitgewirkt haben, ganz herzlich bedanken.

Die Freude wäre noch etwas größer, wenn auch noch weiter gehende Anregungen zum Schutz der Opfer, wie wir sie uns vorgestellt haben, und zur Sicherung der Aussagebereitschaft mit aufgenommen worden wären. Das wäre der Fall gewesen, wenn Sie sich bei der Abwägung zwischen der zeitgeschichtlichen Dokumentation durch audiovisuelle Aufzeichnungen und dem Interesse der Zeugen, von Repressalien unbehelligt zu bleiben, etwas mehr vor die Opfer gestellt hätten und die Möglichkeit zur audiovisuellen Aufzeichnung der Hauptverhandlung eingeschränkt hätten. Es bleibt zum Schutz der Opfer nur die Möglichkeit, die Öffentlichkeit auszuschließen.

Mit dieser Krücke gelingt es uns als Union allerdings, auch diese Hürde zu nehmen. Wir stimmen dem Gesetzentwurf in seiner jetzigen geänderten Fassung zu. Wir erteilen Ihnen damit aber – letzter Satz – keinen Freibrief für die von der Ampelkoalition an anderer Stelle angestrebte Aufzeichnung der strafgerichtlichen Hauptverhandlung.

Ich bedanke mich.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tobias Matthias Peterka
Foto: Tobias Matthias Peterka/ Büro Peterka
4 Vermerkeca. 320 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen aller Fraktionen! Die Bundesregierung will das nationale Völkerstrafrecht ausbauen. Es geht hier ausnahmsweise also einmal nicht um die Abgabe von Souveränität, sondern um das genaue Gegenteil: Weiterung von vielleicht deutscher Weltgeltung bzw. dem sogenannten Weltrechtsprinzip. Denn nach § 1 Völkerstrafgesetzbuch werden Taten – bis auf den Angriffskrieg – auch dann verfolgt, wenn sie im Ausland begangen wurden und gar keinen Bezug zu Deutschland aufweisen.

Jetzt ist es aufgrund meiner Erfahrung mit den Regierungen der letzten Jahre leider so, dass selbst das hier bei mir Misstrauen auslöst. Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die will natürlich jeder verfolgen, logisch. Und mit historischen Argumenten lässt es sich auch durchaus begründen, dass entsprechende Täter nicht zum Entspannungsurlaub bei uns sind.

In den Gesetzentwurf werden jetzt der Tatbestand des Einsatzes besonders perfider moderner Waffen sowie der Tatbestand der sexualisierten Gewalt und der des Verschwindenlassens von Menschen aufgenommen. So weit, so sinnvoll.

Das Völkerrecht hat aber weiterhin eine erhebliche Schwäche: die Durchsetzbarkeit. Internationale Strafgerichte leiden bekanntlich zum Beispiel in Ermangelung einer eigenen Armee an nur punktueller Bedeutung. Ob jetzt der außenpolitische Zwerg Deutschland hier glaubhaft quasi den Ausputzer spielen kann, das ist für mich fraglich.

Sie selbst betonen, dass es bei uns nur so fünf oder sechs Verfahren nach diesem Gesetz pro Jahr gegen Kriegsverbrecher gibt.

Jedes ist wichtig!

Das ist auf mehreren Ebenen erst mal beruhigend, vor allem, weil die Welt hier garantiert wieder mal Wege findet, deutsches Recht auszunutzen.

Sie wollen die Nebenklage aller Opfer zulassen inklusive Anwaltszuschuss und einer Art Therapiegeld. Angebliche Kosten: unter 1 Million. Sie haben wohl selber gemerkt, dass das naiv sein könnte, und einen entsprechenden Änderungsantrag eingebracht.

Wir werden die Entwicklung genau im Blick behalten: Verfolgung von Kriegsverbrechern, ja natürlich; aber Klagemigration mit Grenzübertritt und dann Asylreflex, das auf gar keinen Fall.

Beifallbei der AfD

Sie kennen den Spruch: Gute Vorsätze pflastern nicht immer den besten Weg. Das gilt vor allem dann, wenn man, wie Sie, den Kompass schon lange verloren hat.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Helge Limburg
Foto: Helge Limburg/ Bonnie Bartusch
8 Vermerkeca. 890 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben, dass das Völkerrecht weltweit unter Druck gerät und weltweit täglich Völkerrechtsverbrechen verübt werden, am auffälligsten durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die täglichen Angriffe auf zivile Ziele durch die russische Armee. Aber auch Myanmar, Syrien, Israel, Gaza oder der Sudan sind Schauplätze von möglichen Völkerrechtsverbrechen.

Die Menschheit hatte sich nach den Verbrechen der Shoah und all den Gräueltaten und Massakern, die Wehrmachtssoldaten und Angehörige der SS in ganz Europa verübt hatten, nach den Genoziden und Bürgerkriegen in Bosnien-Herzegowina und in Ruanda geschworen: Niemand, der solche Straftaten begeht, sollte zukünftig noch straffrei davonkommen können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Wer solche Verbrechen begeht, muss sich verantworten. Deshalb wurde das Römische Statut verabschiedet. Deshalb wurde in Deutschland das Völkerstrafgesetzbuch verabschiedet. Deshalb wurde zur Ahndung von Kriegsverbrechen, von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und von Völkermord das Weltrechtsprinzip eingeführt, sodass Straftaten auch dann in Deutschland verurteilt werden können, wenn sie weit weg von uns und ohne Beteiligung deutscher Staatsangehöriger begangen wurden.

Meine Damen und Herren, seit einigen Jahren gibt es zunehmend entsprechende Verfahren vor deutschen Gerichten. Die Verfahren wegen Verbrechen im Kongo, in Syrien, im Irak oder auch in Gambia sind weltweit beachtet worden. Natürlich sind die Erfahrungen aus diesen Verfahren auch in diesen Gesetzgebungsprozess eingeflossen.

Meine Damen und Herren, was bedeutet Verschwindenlassen? Verschwindenlassen ist mehr als Freiheitsberaubung, mehr als willkürliche Verhaftung. Verschwindenlassen bedeutet, dass plötzlich Menschen verschleppt werden, ohne dass Angehörige auch nur eine Vorstellung davon haben, wer warum wie lange ihre Liebsten verschleppt und entführt. Dauert es Tage, Monate, Jahre, oder ist es vielleicht für immer? Betroffene wissen das nicht. Diese grausame Ungewissheit, das Bangen ist elementarer Bestandteil des Straftatbestands des Verschwindenlassens. Deswegen ist es richtig, dass er im Völkerstrafgesetzbuch einen so prominenten Platz hat. Deswegen ist es auch richtig, dass wir jetzt erstmalig in Umsetzung einer UN-Konvention im deutschen Strafgesetzbuch ein entsprechendes Delikt normieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Verschwindenlassen war ein Unterdrückungsinstrument der südamerikanischen Diktaturen in den 70er- und 80er-Jahren. Auch die Deutsche Elisabeth Käsemann war eines der Opfer. Aber wir erleben es auch heute, zum Beispiel durch den syrischen Diktator Assad, zum Beispiel durch die russischen Besatzer im Osten der Ukraine seit 2014. Wir müssen alles tun, damit diese Straftaten nicht ungesühnt bleiben. Deshalb ist es richtig, dass wir das sogenannte Nachfrageerfordernis streichen. Niemand soll bei russischen Pseudobehörden nachfragen müssen, wo denn der Angehörige ist, bevor eine Strafverfolgung beginnen kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Meine Damen und Herren, genau heute vor einem Jahr wurde der Kachowka-Staudamm in der Ukraine gesprengt. Alles deutet auf russische Täter hin. Die Auswirkungen für Menschen, Tiere und die Umwelt in der Region sind bis heute verheerend. Auch solche Taten müssen gesühnt werden. Die hohen rechtlichen Hürden, die das Römische Statut für die Ahndung von Umweltkriegsverbrechen aufstellt, werden zu Recht gerade auch vom Internationalen Strafgerichtshof, der Anklagebehörde, überprüft. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich ebenfalls für Verschärfungen in diesem Bereich einzusetzen.

Mit unserem Gesetzentwurf stellen wir klar, dass zukünftig auch bei innerstaatlichen Konflikten, also bei Bürgerkriegen, Verbrechen gegen die Umwelt geahndet werden können. Die Umwelt ist kein Eigentum eines bestimmten Staates, keine innerstaatliche Angelegenheit. Wenn Verbrechen gegen die Umwelt verübt werden, dann betrifft das natürlich die gesamte Weltgemeinschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vergewaltigt werden in Konflikten Männer, Frauen und Kinder. Aber die Hauptleidtragenden sind natürlich Frauen und Mädchen. Wir stellen mit diesem Gesetzentwurf klar, dass neben der Vergewaltigung, die natürlich in Konflikten und auch anderswo schon immer strafbar war, auch andere Formen sexualisierter Erniedrigung und Straftaten gegen die reproduktive Selbstbestimmung – es ist bereits angesprochen worden – unter Strafe gestellt werden. Auch in bewaffneten Konflikten muss gelten: Frauenrechte müssen überall geschützt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie des Abg. Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]

Wir führen die Nebenklage auch für Straftaten nach dem Völkerstrafgesetzbuch ein; es ist gesagt worden. Betroffene erhalten damit mehr Rechte, auch ein Recht auf psychosoziale Prozessbegleitung – ein großer, wichtiger Schritt.

Opfer von Straftaten sind auch im Völkerrechtskontext nicht nur Zeugen, sondern sie haben selbst eine Stimme. Oft nehmen mutige Opfer vor allem deshalb an Prozessen teil, um einmal ihre Geschichte vor der Öffentlichkeit erzählen zu können. Deshalb haben wir – meine Kollegin hat es gesagt – in den parlamentarischen Beratungen klargestellt, dass es die Möglichkeit geben muss, den Schlussvortrag auch selbst als Opfer zu halten und ihn nicht an einen Nebenklageanwalt delegieren zu müssen. Das dürfen wir den Opfern nicht verwehren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Öffentlichkeit ist ein wichtiges Grundprinzip in Strafverfahren. Bei Völkerstrafverfahren sollte das natürlich nicht nur die deutsche, sondern auch die Öffentlichkeit des betroffenen Landes und auch die Weltöffentlichkeit sein. Deshalb stellen wir klar, dass es ein Recht auf eigene Flüsterdolmetscher und einen Zugang zu gerichtlicher Verdolmetschung geben soll. Zusammen mit den vom Bundesjustizministerium veranlassten regelmäßigen Übersetzungen von Urteilen ins Englische stärken wir damit die internationale Rezeption solcher Völkerstrafverfahren.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, wo Kriegsverbrechen nicht verhindert werden können, da müssen sie geahndet werden. Die deutsche Justiz ist hartnäckig und lässt nicht locker. Menschenrechte gelten weltweit und für alle. Die Strafverfolgung ohne Ansehen von Amt und Person darf niemals ruhen.

Benjamin Ferencz, einer der Ankläger von Nürnberg, hat einst festgestellt:

„Es kann keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben, keine Gerechtigkeit ohne Gesetz und kein sinnvolles Gesetz ohne ein Gericht, das entscheidet, was unter den jeweiligen Umständen gerecht und rechtmäßig ist.“

Mit diesem Gesetz leisten wir einen kleinen Beitrag dafür, das zu verwirklichen. Ich freue mich, dass wir das auch gemeinsam mit der demokratischen Opposition tun.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie des Abg. Carsten Müller [Braunschweig] [CDU/CSU]
5 Vermerkeca. 492 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das humanitäre Völkerrecht steht derzeit vor seiner vielleicht größten Bewährungsprobe. Die Rechtsordnung gerät unter Druck durch Grausamkeiten, durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, aber auch durch viele Konflikte, von denen wir kaum lesen oder Notiz nehmen. Aber überall muss Gerechtigkeit am Ende siegen.

Die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs mit dem Römischen Statut im Jahre 1998 war und ist eine große Errungenschaft der internationalen Völkerrechtsgemeinschaft. Man muss heute schon die Frage stellen: Hätte diese Völkergemeinschaft heute die Kraft, diesen Strafgerichtshof einzurichten? Deswegen sind wir froh, dass wir ihn haben. Wir müssen das Recht kontinuierlich fortentwickeln.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und das tun wir mit diesem Gesetz.

Sexuelle Ausbeutung als Waffe, Entwürdigung und Entmenschlichung von Frauen sind furchtbare Verbrechen, die jetzt gezielter geahndet werden. Auch das Verschwindenlassen von Menschen ist immer wieder als Waffe von Diktatoren eingesetzt worden. Das muss sich im Völkerstrafgesetzbuch wiederfinden. Auch neuartige Waffen, die mit Metallsplittern Menschen verletzen oder gar töten und die nicht durch Röntgengeräte nachvollziehbar sind, sind eine perfide neuere technische Entwicklung. Dem muss das Völkerstrafrecht Rechnung tragen. Und das tut dieser Gesetzentwurf.

Ich bin aber froh, dass es jenseits dieser Normen auch gelungen ist, in den Änderungsanträgen drei aus unserer Sicht wesentliche Dinge noch mal im Konsens festzuzurren:

Dass bei der Frage der Nebenklage letztlich ein konkretes Verhältnis zur Tat festgestellt wird, um damit einerseits die Nebenklage zu ermöglichen, andererseits sie aber nicht ausufern zu lassen, ist ein kluger Kompromiss.

Wie bereits von der Rechtsprechung eingefordert, ist es wichtig, die funktionelle Immunität auch gesetzlich zu verankern, weil es nicht sein kann, dass sich gerade jenseits der Staatsoberhäupter Amtsträger anderer Staaten auf ihre Immunität berufen und damit im Ergebnis dort straffrei sein wollen, wo sie nicht straffrei sein dürfen. Deswegen ist es wichtig, dass dies jetzt geregelt wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Auch wichtig ist, dass das Nachfrageerfordernis beim Verschwindenlassen gestrichen wird, weil es eine zusätzliche seelische Belastung der Angehörigen der Opfer wäre, erst nachfragen zu müssen. – Also: Es ist gut, dass diese Änderungen sich im Gesetzentwurf widerspiegeln.

Ich will bei dieser Gelegenheit noch anmerken, dass wir bei der Frage des internationalen Völkerstrafrechts noch eine offene Baustelle haben, die wir auch nach über zwei Jahren russischem Angriffskrieg auf die Ukraine nach wie vor zum Mittelpunkt unserer Agenda machen müssen, nämlich die Frage der Aburteilung russischer Kriegsverbrechen und der Aburteilung des Verbrechens der Aggression. Ich finde die Idee, dass wir einen Strafgerichtshof für die russischen Verbrechen brauchen, nach wie vor richtig – wegen des Verbrechens der Aggression, weil die Immunität nicht dagegenstehen darf.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen ist es ein ermutigendes Signal, dass im Europarat im Augenblick nicht nur ein Schadensregister diskutiert wird, sondern sich der Europarat möglicherweise auch dieser strafrechtlichen Verfolgung annehmen wird. Ich finde, Europa muss jetzt, wo es um die Selbstbehauptung und um die Stärkung der Ukraine geht, auch diese rechtlichen Fragen diskutieren. Lassen Sie uns das als Hausaufgabe für die nächsten Wochen und Monate angehen.

Für heute kann ich für meine Fraktion sagen, dass wir Ihrem Gesetzentwurf zustimmen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Macit Karaahmetoğlu
Foto: Macit Karaahmetoglu / Lennart Knab
3 Vermerkeca. 465 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die erste Lesung zu diesem Gesetzentwurf stand unter dem Eindruck des bereits lange andauernden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine, aber auch der seinerzeit gerade einmal zwei Monate alten, erschütternden Bilder vom barbarischen Terror der Hamas. Es war bereits damals absehbar, dass auch aus dem 7. Oktober heraus eine Spirale der Gewalt entstehen könnte. Ein halbes Jahr später ist daraus bittere Erkenntnis geworden.

Im Völkerstrafgesetzbuch finden sich viele der schwersten Verbrechensformen, die Menschen – insbesondere unter Kriegsumständen – zu begehen imstande sind: Tötung von Zivilisten, Aushungern, Völkermord, Menschenhandel, Vergewaltigung – alles schreckliche Straftaten, von denen wir viele aus dem aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine kennen.

Mit dem Militärschlag der israelischen Regierung gegen die Hamas als Reaktion auf den Terror vom 7. Oktober ist ein weiterer Krieg auf unserer Welt hinzugekommen. Und auch in diesem Krieg könnten manche Verbrechen ungesühnt ihren Lauf nehmen.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs geht seit Kurzem nicht nur gegen die Führung der Terrororganisation Hamas vor, sondern auch gegen die führenden Verantwortlichen der israelischen Regierung, gegen Letztere vor allem wegen des Vorwurfs eines gezielten Aushungerns von Menschen im Gazastreifen. In den Aufschrei, den der bestialische Terror der Hamas verursacht hat, und den Aufschrei über das aktuelle Sterben Unschuldiger in Gaza mischte sich deshalb nun Empörung, wie man den Ministerpräsidenten eines Rechtsstaates wie Israel im gleichen Atemzug mit Terroristen anklagen könne. Ich kann das nachempfinden. Es fühlt sich falsch an. Der Terror der Hamas und die israelische Abwehrreaktion darauf sind völlig unterschiedlich einzuordnen. Die zeitgleiche Bekanntgabe der Ermittlungen gegen beide Akteure ist deshalb mehr als ein Stilfehler.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]

Und doch gilt es, auch Vorwürfe gegen die israelische Führung, sofern konkrete Anhaltspunkte vorliegen, zu prüfen. Denn im Kriegsvölkerrecht sind das ius ad bellum, also das Recht zum Krieg, und das ius in bello, also das Recht im Krieg, zwei verschiedene Dinge. Das heißt konkret: Auch wenn eine völlig klare legitime Grundlage für den Krieg gegen die Hamas besteht, erlaubt das nicht jede Form der Kriegsführung. Und das Völkerstrafrecht, das wir heute stärken wollen, obliegt eben der obersten Prämisse, die schwersten Menschenrechtsverletzungen, die eben nicht nur einen Staat betreffen, sondern die gesamte Weltgemeinschaft, zu identifizieren und zu ahnden. Das muss in allen Kriegen aufseiten aller Akteure möglich sein und ist am Ende Aufgabe von Gerichten.

Damit bin ich nun auch bei dem vorliegenden Gesetzentwurf angekommen, der so wichtig für eine Stärkung des Völkerstrafrechts ist. Deutschland – das wurde hier mehrfach betont – hat eine Vorreiterrolle bei der Durchführung von Völkerstrafverfahren. Und deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Gesetze immer wieder nachbessern, auch nachschärfen: bei den Tatbestandsalternativen, bei den Rechten der Opfer, bei den Hindernissen, bestimmte staatliche Funktionsträger zur Rechenschaft zu ziehen. All das tut diese Gesetzesvorlage. Deshalb werbe ich um Zustimmung zu diesem wichtigen Gesetzentwurf.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
6 Vermerkeca. 314 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts vorgelegt, der auch in der Anhörung sehr umstritten war. Auch wir können dem Gesetzentwurf samt den Änderungsanträgen leider nicht zustimmen.

Das erleichtert! Das ist eine Adelsauszeichnung für den Gesetzentwurf!

Das ist ein klassischer Fall von „Vielleicht gut gedacht, aber auf jeden Fall schlecht gemacht“. Ich habe drei Kritikpunkte – mehr Zeit habe ich leider nicht – neben der Tatsache, dass Sie dieses ernste Anliegen dadurch entwerten, lächerlichen Genderunsinn reinzuschreiben, wie zum Beispiel die Formulierung von „geschwängerten Personen“, wobei jeder weiß, dass nur Frauen schwanger werden können. Auch da sind Sie also auf ideologischen Abwegen.

War ja klar!

Der erste Punkt ist, dass in Deutschland intern aufgeräumt werden sollte, bevor wir uns weiter als Weltpolizist aufspielen; der Kollege Peterka hat bereits darauf hingewiesen. Also: Erst mal im Innern für Ordnung sorgen! Dann kann man gucken, was man im Ausland ahnden kann.

Fakt ist auch, dass das Weisungsrecht des Justizministers im Völkerstrafrecht eine wesentliche Rolle spielt. Auch da trauen Sie sich nicht ran. Das ist ein Problem, das die AfD immer wieder, unterstützt übrigens vom Deutschen Richterbund, thematisiert. Sie wollen am Weisungsrecht festhalten, weiß der Teufel, warum. Aber damit machen Sie sich natürlich international weiterhin absolut lächerlich, und das neben Annalena Baerbock und den Böcken, die sie permanent schießt.

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist für uns auch eine absehbar stärkere Belastung der schon jetzt chronisch überlasteten deutschen Justiz durch eine nicht absehbare Anzahl von Mammutverfahren, die die deutsche Justiz weiter belasten werden.

Zurufder Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Es wurde schon einige Male darauf hingewiesen: Demnächst haben Dutzende, Hunderte, vielleicht sogar Tausende vielleicht nur vermeintlicher Opfer nahezu bedingungslosen Anspruch auf steuerfinanzierte Opferanwälte und psychosoziale Prozessbegleitung und, was wir als Riesenproblem ansehen, Einreiserecht nach Deutschland, vielleicht mit unbefristeten Hierbleibeoptionen. Das ist ein Riesenproblem, das Sie nicht erkannt haben.

Hat Ihnen das Putin aufgeschrieben, die Rede?

Dass die Ampelkoalition versucht hat, diesen Murksentwurf der Bundesregierung noch ein bisschen aufzupeppen, war löblich; aber leider ist es ein untauglicher Versuch geblieben.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Aber wir verstehen, dass Sie die Strafverfolgung von Ihrem russischen Auftraggeber verhindern wollen!

Beifallbei der Linken
Porträt von Falko Droßmann
Foto: Falko Droßmann / Maurice Weiss
4 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Jahr 2017 brach in Tschetschenien eine regelrechte Repressionswelle gegen homo- und bisexuelle Männer herein. Hunderte von ihnen wurden innerhalb kurzer Zeit verhaftet, gefoltert und getötet. Nach einem internationalen Aufschrei stellte der Regierungssprecher sich in die Öffentlichkeit und wies die Vorwürfe mit den Worten zurück – ich zitiere, Herr Präsident –: Man kann niemanden verhaften oder unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was im Jahr 2017 in Tschetschenien passiert ist, war nach allem, was wir wissen, von Machthaber Kadyrow persönlich angeordnet. Wir gewährten den Menschen, die sich retten konnten, Asyl in Deutschland, weil wir anerkennen, dass es sich bei dieser Säuberungswelle um schwerste Menschenrechtsverletzungen gehandelt hat. Aber ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren beim Generalbundesanwalt gegen die Täter wurde im Jahr 2021 eingestellt, womöglich auch, weil die Rechtsgrundlage dafür nicht eindeutig war.

Das ändern wir heute mit dem Beschluss zur Reform des Völkerstrafgesetzbuches. Wir stellen explizit klar, dass die systematische Verfolgung queerer Menschen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein kann, was übrigens auch der Rechtsauffassung des Chefanklägers beim Internationalen Strafgerichtshof entspricht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, heute ist mal wieder einer dieser Tage, an denen ich wirklich stolz auf diese Koalition bin. Ich bin stolz, dass Deutschland als einer der ersten Staaten weltweit diese explizite Klarstellung vornimmt. Ich bin stolz darauf, dass wir damit einmal mehr unserer Vorreiterrolle in der gerichtlichen Aufarbeitung von Völkerstraftaten gerecht werden, und das gerade in Zeiten zunehmender internationaler Repressionen gegenüber queeren Menschen – man schaue nach Uganda, nach Ghana, nach Russland. Was für ein starkes, was für ein wichtiges Signal, das von diesem Beschluss ausgeht!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Lassen Sie mich zum Abschluss und zum Anlass des Pride Month noch den Bogen zu einem ähnlichen Thema schlagen. Queere Menschen wurden im Gegensatz zu nahezu allen anderen Gruppen nach dem Ende des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik unverändert staatlich verfolgt, teilweise durch die exakt selben Richterinnen und Richter. Queere Menschen galten auch nach dem Ende des Nationalsozialismus noch als widernatürlich. § 175 StGB wurde erst im Jahr 1994 endgültig abgeschafft. Queere Menschen galten also zur Zeit der Einführung des Völkerstrafrechts explizit nicht als schutzwürdig und wurden so schlichtweg unterschlagen. Es ist ein großer Schritt, dass wir diese historische Schutzlücke mit dem heutigen Tag schließen. Und es wäre ein noch viel größerer Schritt, wenn wir dieselbe historische Schutzlücke auch in Artikel 3 des Grundgesetzes schließen könnten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich appelliere deshalb an die Unionsfraktion – und Sie zeigen ja, dass Sie über Ihren Schatten springen können –: Schließen Sie sich Ihren Ministerpräsidenten Wüst, Wegner und Günther an, und lassen Sie uns gemeinsam diesen wichtigen Schritt zur Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes gehen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
7 Vermerkeca. 466 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

Es gilt die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Um diesen Grundsatz mit Leben zu füllen, um Gewalt das Recht entgegenzusetzen, müssen wir das Recht immer wieder stärken.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nach den grausamen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges haben wir eine besondere historische Verantwortung, für Menschlichkeit einzutreten und für die Einhaltung des Völkerrechts zu kämpfen. Diese Verantwortung nehmen wir in diesem Hohen Haus aus voller Überzeugung an, und wir nehmen sie auch sehr ernst.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mit der vorliegenden Reform stärken wir die weltweite Vorreiterrolle der deutschen Justiz im Bereich der Verfolgung von Verbrechen nach dem Völkerstrafrecht. Unsere Gerichte und auch der Generalbundesanwalt haben auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren herausragende Arbeit geleistet, für die ich mich von dieser Stelle aus ganz herzlich bedanken möchte. Vielen herzlichen Dank!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken

Wer Verbrechen begeht, muss sich vor Gericht für diese verantworten. Das gilt gerade auch für Verbrechen, wie wir sie uns schwerer nicht vorstellen können, nämlich für Verbrechen nach dem Völkerstrafgesetzbuch. Deshalb ist es mir besonders wichtig, zu betonen, dass wir uns im parlamentarischen Verfahren auf eine gesetzliche Regelung der Ausnahme von der funktionellen Immunität geeinigt haben. Damit nehmen wir die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes unmissverständlich und für jedermann sichtbar ins Gesetz auf.

Auch Amts- und Hoheitsträger müssen sich vor dem Gesetz für ihre Völkerrechtsverbrechen verantworten. Sie können sich nicht hinter ihrem Amt verstecken. Das ist ein klarer Bestandteil des geltenden Völkergewohnheitsrechts. Aufgrund dieses Grundsatzes konnten zum Beispiel zwei ehemalige syrische Geheimdienstmitarbeiter wegen Staatsfolter in syrischen Gefängnissen durch das OLG Koblenz verurteilt werden. Diesen wichtigen Grundsatz, den wir unbedingt hochhalten müssen, schreiben wir in diesem Gesetz fest. Damit setzen wir ein deutliches Zeichen für eine regelbasierte internationale Ordnung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken

Wir nehmen mit der vorliegenden Reform zudem Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in den Katalog von Völkerstraftaten auf. Die Verfolgung von queeren Menschen wird ausdrücklich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt. Die Ahndung des zwangsweisen Verschwindenlassens erleichtern wir, und die Verfolgung von Umweltverbrechen weiten wir auf nicht internationale Konflikte aus. Dadurch wird mehr Menschen Recht zuteil. Auch das ist unglaublich wichtig, hier festzuhalten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Außerdem stärken wir die Rechte der Opfer von Völkerstraftaten, indem wir die Nebenklageberechtigung schaffen. Zugleich stellen wir klar, dass die Zugehörigkeit zu einer verfolgten Gruppe alleine nicht ausreicht; denn die betroffene Person muss durch die dem Angeklagten vorgeworfene Handlung selbst verletzt sein. Das stärkt die Effektivität der Justiz, macht sie handhabbar und gibt zugleich den Opfern mehr Rechte.

Wichtig war uns aber auch, dass das Gericht den Nebenklägern die Ausübung des Rechts auf einen Schlussvortrag gestatten kann; denn das ist sowohl für die Entscheidungsfindung des Gerichts wichtig als auch für die Opfer individuell und generell für die Weltgemeinschaft. Deshalb freue ich mich, nun um Zustimmung zu diesem wichtigen Gesetzesvorschlag zu werben. Ich bitte um Zustimmung.

Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Völkerstrafrecht ist der weltweite Hüter der Menschlichkeit und ein Ausdruck des internationalen Widerstands gegenüber Ungerechtigkeit. Es soll sicherstellen, dass unvorstellbare Gräueltaten wie systematische Folter von Zivilisten oder Angriffe auf Krankenhäuser nicht ungestraft bleiben, selbst wenn sie außerhalb unseres Landes stattfinden. Dadurch verhindern wir, dass Täter weitere Opfer und Schäden verursachen. Zudem benötigen wir das Völkerstrafrecht, um sicherzustellen, dass Opfer Gerechtigkeit erfahren.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das deutsche Völkerstrafgesetzbuch trägt dazu bei, dass Deutschland seiner Rolle bei der Verfolgung solcher Verbrechen gerecht wird. Nicht nur als Juristin, sondern auch als linke Politikerin begrüße ich das Ziel, das Völkerstrafgesetzbuch zu reformieren. Einige bestehende Lücken werden durch die Reform endlich geschlossen: durch die Stärkung der Opferrechte und die Nebenklagebefugnis. Das ist wichtig und gut so.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Auch wenn wir zustimmen, haben wir natürlich einige Kritikpunkte. Mit der Reform sollen Nebenkläger die Möglichkeit erhalten, selbst Schlussvorträge zu halten. Allerdings kann diese Möglichkeit je nach Sichtweise des Richters auch wieder entzogen werden. Wir sind der Meinung – und das sagen auch Organisationen wie das ECCHR –, dass dies nicht im Ermessen des Gerichts liegen sollte, sondern dass alle Nebenkläger dieses Recht gleichermaßen haben sollten.

Abgesehen von diesen Änderungen bleibt ein wichtiges Problem bestehen: die selektive Rechtsanwendung. Jeder Kriegsverbrecher muss verfolgt werden, ohne politische Rücksicht. Die Strafverfolgungsbehörden, die sich auf Syrien und die Ukraine konzentrieren, müssen auch die Verbrechen der Türkei, im Gazastreifen und in Israel verfolgen.

Beifallbei der Linken

Diese Entscheidungen müssen gerichtlich überprüfbar sein. Es braucht hier ganz klar rechtsstaatliche Verfahren.

8 Vermerkeca. 717 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Hochwassersituation in Süddeutschland ist ebenso dramatisch wie tragisch. Wir reden von schweren menschlichen Schicksalen. Wir reden von Menschen, die durch die Flut teilweise oder ganz ihr Hab und Gut verloren haben und auch ihr Zuhause, von Schäden, die teilweise noch gar nicht zu beziffern sind, wenn doch, dann gehen sie in Millionenhöhe. Das alles führt uns eindrücklich vor Augen, wie enorm die Wucht solcher Extremwetterereignisse sein kann. Zugleich macht sie aber auch sehr deutlich, wie wichtig präventive Maßnahmen im Kampf gegen Elementarschäden sind.

Umso erstaunlicher finde ich daher den hier vorliegenden Antrag der Union. Dieser beschreibt zwar anschaulich, wo die eigentlichen Herausforderungen bei Elementarschäden liegen, doch am Ende muss ich sagen, dass Ihre Lösungsvorschläge nicht zur vorangegangenen Ursachenanalyse passen.

Beifallbei der FDP

Wo sind denn Ihre Lösungsvorschläge?

Sie gehen auf die Zunahme von Extremwetterereignissen ein, darauf, dass Städte und Gemeinden auf die Ereignisse baulich wenig bis gar nicht vorbereitet sind. Sie gehen auf das mangelnde Risikobewusstsein innerhalb der Bevölkerung ein und darauf, dass selbst Neubau viel zu oft in Hochwasserrisikogebieten erfolgt. Sie benennen sogar das Problem, dass zu wenig Prävention und Klimafolgenanpassung erfolgen. Und dann, nach all Ihren richtigen Feststellungen, ist Ihre Lösung: Lasst uns eine Versicherungspflicht für Elementarschäden einführen!

Der Antrag reiht sich damit ein in die geradezu reflexartig aufkommende Forderung nach einer bundesweiten Versicherungslösung. Dabei wird dieses Produkt zu einem Allheilmittel stilisiert, das dem Ganzen nicht gerecht wird; denn es wird nicht einen einzigen Schaden verhindern.

Sie haben das Produkt nicht verstanden!

Was bringt es, wenn wir heute eine Verpflichtung einführen, Wohngebäude aber nach wie vor in Hochwassergebieten gebaut werden? Was bringt es, wenn wir heute eine Verpflichtung einführen, aber Wirtschaftsminister in bestimmten Bundesländern wichtige Flutpoller blockieren? Und was bringt es, wenn wir heute eine Verpflichtung einführen, die Bundesländer aber nicht mal die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel in vollem Umfang abrufen?

Beifallbei der FDP

Elementarschutz ist keine Einbahnstraße. Das wurde meines Erachtens in der öffentlichen Anhörung im Rechtsausschuss auch sehr deutlich. Dort haben viele Sachverständige darauf hingewiesen, dass die Erhöhung der Versicherungsdichte allein nicht helfen wird, das Problem einzudämmen. Denn mit steigender Dichte werden die Prämien nicht automatisch sinken. Dafür nimmt aber die finanzielle Belastung für alle Eigentümer zu, egal ob diese in weniger betroffenen Gebieten oder in besonders gefährdeten Risikogebieten wohnen. Und nicht nur das, die Belastung für Wohnen wird im Allgemeinen teurer; denn natürlich werden Eigentümer, Vermieter die Kosten auf ihre Mieter umlegen. In Zeiten anhaltender Inflation ist das eine enorme Zusatzbelastung für die Betroffenen. Gerade in Gefahrengebieten sprechen wir von Prämien im vierstelligen Bereich pro Jahr. In besonders gefährdeten Gebieten kann das die Menschen in enorme Schwierigkeiten bringen. Vor allem werden die Prämien in Zukunft steigen, weil die Extremwetterereignisse zunehmen werden. Das heißt also: Eine solche Versicherung bringt uns an dieser Stelle nicht voran.

Erst recht nicht voran bringt uns der Vorschlag, die Prämien durch Selbstbehalte senken zu wollen; denn eine Senkungswirkung wird erst erfolgen, wenn wir Selbstbehalte im fünfstelligen Bereich, also ab 10 000 Euro, einführen. Und das ist ganz bestimmt nicht der Grundgedanke der Existenzsicherung. Alternativ wird das französische Modell vorgeschlagen, wo es Einheitstarife gibt. Aber auch die müssen selbstverständlich bezahlt werden. Am Ende greift der Staat dort unter die Arme. Aber auch dort steigen die Prämien inzwischen.

Bezahlbare Prämien – das ist Ihre Idee – sollen durch eine Rückversicherung des Bundes sichergestellt werden. Im Kern ist Ihr Vorschlag also komplette Augenwischerei; denn Sie zielen ja darauf ab, dass der Bund künftig bei Extremwetterereignissen weniger Schäden auffangen muss. Das wird im Falle einer Haftungsübernahme aber selbstverständlich nicht funktionieren. Und das Schlimme ist: Es entbindet sowohl die Eigentümer als auch die Länder und die Kommunen komplett von der Eigenverantwortung zur Prävention.

Wir müssen den Fokus auf kooperative Lösungen legen, die unserem föderalen System gerecht werden. Jeder hat da seine Hausaufgaben zu erledigen:

Aber Ihr Kanzler sagt etwas anderes!

Sind Sie eigentlich noch in dieser Koalition? Vielleicht habe ich das nicht mitbekommen, und die FDP ist schon raus!

Eigentümer müssen ihre Immobilien absichern, sei es durch bauliche Anpassungen oder durch den Schutz einer Versicherung. Und die Länder und Kommunen müssen natürlich auf Klimafolgenanpassung und Prävention achten; das kann im Bauplanungs- und Bauordnungsrecht erfolgen. Ebenso müssen regionale Besonderheiten beachtet werden.

Beifallbei der FDP

Für zielgerichtete Vorsorgemaßnahmen auf individueller Ebene sollte der Bund Anreize setzen und gesetzliche Informationspflichten einführen. Der Aufbau des Naturgefahrenportals des Deutschen Wetterdienstes ist ein erster wichtiger Schritt, den wir vor drei Monaten in einem Gesetz in diesem Parlament beschlossen haben.

Das verkaufen Sie ernsthaft als Lösung?

Eine Elementarschadenversicherungspflicht bringt uns an dieser Stelle nicht weiter. Elementar ist hier die Prävention.

Danke schön.

Beifallbei der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die akute Hochwasserlage im Süden Deutschlands ist schon angesprochen worden. An dieser Stelle darf ich – ich glaube, für alle Mitglieder des Hauses – einen außerordentlichen Dank an alle dort tätigen Helferinnen und Helfer aussprechen, egal welcher Organisation, und wenn es eine Nachbarschaftshilfe ist. Das, was wir dort sehen, ist einfach großartig.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken sowie bei Abgeordneten der AfD

Zum Thema selbst. Sehr geehrte Frau Schulz, es soll nicht übergriffig sein, aber ich habe in diesem Haus selten eine Rede gehört, die so konsequent an der Sache vorbeiführte wie Ihre. Sie reden von einer Pflichtversicherung. Offensichtlich haben Sie unseren Antrag nicht gelesen. Wir fordern nämlich gerade keine Pflichtversicherung. Wir sind bei einer Andienungsverpflichtung. Das ist etwas fundamental anderes. Sie sagen, in dem Antrag sei auf das französische Modell abgehoben worden. Dazu wird gleich wahrscheinlich der Kollege Fechner ausführen; ich werde dazu auch noch etwas sagen. Ehrlich gesagt: Wir sind äußerlich und auch politisch äußerst unterschiedlich. Sie müssten Ihren Sachvortrag an die Kolleginnen und Kollegen von den Grünen und der SPD richten, mit denen Sie koalieren.

Hochwasser in der Koalition!

Die haben nämlich all das vor, was Sie kritisiert haben. Wenn Sie heute Vormittag genau hingehört haben, dann werden Sie festgestellt haben, dass der von Ihnen regelmäßig unterstützte Bundeskanzler, der diesen Starkwetterereignissen mit einer außergewöhnlich schwachen Performance, was ich außerordentlich bedauere, hinterherhechelt, genau das gefordert hat, was Sie kritisieren.

Das war eine sehr gute Rede des Kanzlers!

Wir sind also gespannt, wie Sie sich verhalten werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, wie ist die Ausgangssituation? Nur 50 Prozent der Wohnungsgebäude in Deutschland sind gegen Elementarschäden versichert. Die Zahl der Elementarschadenereignisse nimmt erheblich zu. Deswegen – nicht angesichts der aktuellen Ereignisse, nicht angesichts des Silvesterhochwassers in Norddeutschland, auch nicht angesichts des Hochwassers in Rheinland-Pfalz und im Saarland, sondern weil das Thema wichtig ist und die Menschen das erwarten – haben wir als Union bereits im Oktober 2023 einen sehr konstruktiven Vorschlag vorgelegt. Wir werden mit unserem Antrag, wenn Sie dem zustimmen, die Elementarschadenversicherungsquote drastisch steigern können. Das ist unser Ziel. Wer sich diesem Schutz entziehen will und sich als potenzieller Versicherungsnehmer kurzfristig individuell wirtschaftlich optimieren will, der kann das machen. Er kann herausoptieren, später aber nicht zu Vater Staat kommen und sagen: Meine Hütte ist weggespült worden. Das ist ein ganz schöner Schaden. Jetzt müsst ihr, jetzt muss die öffentliche Hand eintreten. – Wer sich individuell optimiert, verdient den Schutz der Gemeinschaft dann eben gerade nicht. Das ist unser Ansatz.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, ich will noch ein wichtiges Thema ansprechen: Wir begrenzen das nicht auf Schadensereignisse. Ich habe mit dem Kollegen vom SSW telefoniert. Er sagte: Mensch, in Norddeutschland wird das alles falsch verstanden, weil die Sturmflutschäden angeblich ausgeschlossen worden sind. – Schwieriges Thema. Wir sind allerdings gesprächsoffen, um die Menschen an der Küste nicht alleinzulassen.

Der Kollege Fechner wird gleich wahrscheinlich das französische Modell loben wollen. Wir haben uns das angeguckt. Aus unserer Sicht ist das ungeeignet. Was ist passiert? Vor knapp zwei Monaten hat das französische Finanzministerium gesagt: Es herrscht große Not in diesem System. Es ist dringend reformbedürftig. Im nächsten Jahr steigen die Abgaben – da sind es keine Prämien – um 70 Prozent.

Von 26 auf 41!

Seit 2015 ist dieses System defizitär. – Das ist bestenfalls ein Vorbild für Sozialdemokraten, aber nicht für Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU

Ja! Wer regiert denn Deutschland?

Eines will ich noch sagen: Wichtig ist die Prävention. Deswegen müssen wir bei Hoch- und Tiefbauplanung darauf achten. Diesbezüglich können wir uns durchaus mal andere Länder anschauen. Schauen wir mal nach Dänemark, schauen wir mal in die Schweiz, schauen wir mal nach Österreich! Das alles ist in unserem Antrag drin. Wir bitten um Zustimmung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Johannes Fechner
Foto: Photothek
14 Vermerkeca. 859 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Wir erleben gerade in der Tat eine schwere Hochwasserkatastrophe in Süddeutschland. Nach den wirklich verheerenden Flutkatastrophen in Bremen, in Niedersachsen und auch in anderen Bundesländern ist das jetzt schon das vierte Extremwetterereignis in diesem Jahr. Das zeigt: Diese Starkwetterereignisse nehmen zu, und es kann jeden treffen. Deshalb müssen wir hier dafür sorgen, dass sich die Bürger noch besser vor diesen Schäden schützen können und dass sie die Schäden ersetzt bekommen. Dazu gehört, dass wir in Deutschland – wie in Frankreich – eine Elementarschadenversicherung schaffen, die günstig ist, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Auch von mir geht an dieser Stelle – das darf nicht fehlen – ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die sich in den letzten Wochen und aktuell hauptamtlich oder vor allem auch ehrenamtlich engagiert haben und engagieren für die Bürgerinnen und Bürger, die wegen dieser Extremwetter in Not waren und sind. Auch von mir ein ganz herzliches Dankeschön dafür!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]

Der Kollege Müller hat mich ausdrücklich darum gebeten, etwas zu Frankreich zu sagen. Deshalb mache ich das auch.

Das sollten Sie viel öfter machen!

Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, wenn wir das Hab und Gut der Bürger besser absichern wollen. Sie haben den richtigen Ansatz gewählt, Sie sind richtig eingestiegen, Herr Kollege Müller, indem Sie gesagt haben: Wir nutzen aus – wie in Frankreich –, dass es eine hohe Dichte an Wohngebäudeversicherungen gibt und hängen an diese durch einen maßvollen Aufschlag eine Elementarschadenversicherung an. – Das ist exakt das französische Modell.

Funktioniert nicht! Defizitär! Notleidend!

Sie biegen dann nur falsch ab, wenn Sie sagen, dass sich die Bürger von diesem Versicherungssystem ganz einfach wieder verabschieden können. Das ist die sogenannte Opt-out-Lösung. Das wird am Ende dazu führen, so wage ich zu prognostizieren, dass noch weniger eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben.

Na, noch weniger als in den rot-grün regierten Ländern geht gar nicht mehr!

In Frankreich sind die Elementarschadenversicherungen bezahlbar. Wir sprechen nicht über vierstellige oder fünfstellige Prämien. Im Schnitt zahlen die französischen Bürgerinnen und Bürger heute 26 Euro.

Das ist übrigens heute widerlegt worden!

Die Prämie wird im Schnitt auf 41 Euro steigen. Eine Steigerung um 70 Prozent hört sich nach viel an; aber in absoluten Zahlen ist das eine wirklich bezahlbare Summe vor dem Hintergrund, dass die Elementarschäden dann abgesichert sind.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wie machen die Franzosen das konkret? In Frankreich ist gesetzlich geregelt, welche Elementarschäden versichert sind und vor allem, dass durch einen bestimmten Aufschlag auf die Wohngebäudeversicherung, der maßvoll ist – es sind im Moment 12 Prozent, es sollen im nächsten Jahr 20 Prozent sein –, die Elementarschadenversicherung dabei ist.

Eine zweite Grundsteuer!

Das heißt konkret: Wenn die Wohngebäudeversicherung 500 Euro pro Jahr beträgt, dann müssen ab dem nächsten Jahr 100 Euro pro Jahr dafür bezahlt werden. Das ist eine günstige Versicherung, wenn man bedenkt, welch große Absicherung man dadurch hat.

Das ist eine Grundsteuer!

Damit das System dauerhaft tragfähig bleibt, muss es ein staatliches Rückversicherungssystem geben. Sonst könnten Versicherungen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen. Auch da lohnt sich der Blick nach Frankreich. Dort gibt es eine privatwirtschaftlich organisierte Rückversicherungsgesellschaft in staatlicher Hand. Bei der können sich die Versicherungen gegen Ausfälle rückversichern. Erst wenn die Rückversicherung in wirtschaftliche Notlage geraten sollte, springt der französische Staat mit Steuergeld ein. Und das war erst einmal, 1982, der Fall.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was in Ihrem Antrag nur sehr oberflächlich erwähnt wird, ist die Prävention. Es ist in der Tat höchst bedenklich, wenn in hochwassergefährdeten Gebieten gebaut wird. Kollegin Schulz hat das zu Recht als großes Problem beschrieben. Da müssen wir uns, glaube ich, mit den Ländern und auch den Gemeinden eine effektivere Bauleitplanung vornehmen. Auch dafür stehen wir bereit.

Eines muss klar sein: Es muss Schluss damit sein, dass der Steuerzahler einspringt, wenn es zu wenig Versicherungen gibt. Sonst haben nämlich die Bürger, die kurz vor Wahlen ein Starkwetterereignis erleben, durch den hohen politischen Druck vielleicht mehr Glück als andere, zumindest eher die Chance, ihre Schäden ausgeglichen zu bekommen, und die anderen schauen in die Röhre. Das kann nicht sein. Wir brauchen ein solidarisches Versicherungssystem, bei dem die Risiken auf viele Schultern verteilt sind, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine weitere Frage, auf die die Union nicht eingeht, ist die, ob die Elementarschadenversicherung, auch wenn die Prämie nicht allzu hoch sein wird, auf die Mieterinnen und Mieter umlegbar sein soll. Ich finde, es gibt gute Gründe, zu sagen, dass sie nicht umlegbar sein soll; denn diese Versicherung deckt ja vor allem die Schäden der Immobilieneigentümer ab und hat eigentlich nichts mit den Mieterinnen und Mietern zu tun. Deswegen bin ich dafür, dass wir keine Umlage vorsehen, auch wenn es nicht allzu hohe Beträge sind.

Ich begrüße ausdrücklich, dass der Bundeskanzler in seiner tollen, seiner starken Rede heute

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

angekündigt hat, am 20. Juni gemeinsam mit den Ministerpräsidenten dieses wichtige Thema zu besprechen.

Zurufvon der CDU/CSU: Sprechen, nicht entscheiden!

Wir sind sehr gespannt und setzen darauf, dass es zu Entscheidungen kommt. Denn eines ist klar, liebe Kolleginnen und Kollegen – ich komme zum Schluss –: Extremwetterereignisse können jeden treffen. Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger darin unterstützen, ihr Hab und Gut, ihre Immobilien noch besser abzusichern, damit sie nicht auf unverschuldeten Schäden sitzen bleiben. Wir dürfen im wahrsten Sinne des Wortes die Bürgerinnen und Bürger nicht im Regen stehen lassen.

Lassen Sie uns also gemeinsam darüber diskutieren! Der Unionsantrag hat zu viele Mängel. In vielen Punkten geht er nicht in die notwendige Tiefe. Deswegen werden wir ihn ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Fechner, wenn Sie die Rede des Kanzlers stark gefunden haben, dann warten Sie mal ab. Sie scheinen nicht allzu große Erwartungen an Reden zu haben.

Die CDU/CSU hat uns einen Antrag vorgelegt, in dem es darum geht, die Versicherungsmöglichkeiten bei Hochwasserschäden in Deutschland verbessern zu wollen. Ein sehr aktueller Antrag anlässlich der verheerenden Hochwasserereignisse in Süddeutschland, die andauern. Ich schließe mich den Ausführungen des Kollegen Müller, dem Dank an die Helfer vor Ort, die sich aufopferungsvoll hingeben, ausdrücklich an. Vielen Dank an die Helfer vor Ort.

Beifallbei der AfD

Die Bilder, meine Damen und Herren, erinnern uns schmerzlich an das schreckliche Hochwasser im Jahr 2021, bei dem auch infolge eines Komplettversagens einer SPD-Regierung in Rheinland-Pfalz unter Malu Dreyer und einer CDU-Regierung in Nordrhein-Westfalen unter Armin Laschet viele Menschen starben. Am Ende waren 185 Tote zu beklagen; Unzählige wurden verletzt, 9 000 Gebäude wurden zerstört, 10 000 Unternehmen waren betroffen. Noch heute, etwa drei Jahre danach, warten die Menschen vor Ort auf die Hilfe, die von allen möglichen Politikern großspurig versprochen worden war. Sie warten auf Aufklärung, und sie warten darauf, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Ermittlungen wurden eingestellt. Der 500 Seiten umfassende Abschlussbericht wird nicht veröffentlicht. In Scharen reisten damals – übrigens genauso wie heute; es war damals Wahlkampf, es ist heute Wahlkampf – Gummistiefelpolitiker in die Unwetterregionen, um Bilder für ihre Netzauftritte zu produzieren. Wir denken dabei auch an Armin Laschet, der es total lustig fand, wie die Menschen vor Ort gelitten haben. Mir persönlich ist es schleierhaft, wie Söder, Habeck – Laschet ja nun nicht mehr –, Scholz und Co in Hochwassergebieten Helfern im Weg rumstehen können, während die Menschen mit den Folgen der Überschwemmungen zu kämpfen haben. Das ist eine erbärmliche Instrumentalisierung des Leides der Menschen vor Ort allein für billige Tiktok-, Facebook- oder Soziale-Medien-Auftritte. So etwas wäre mit uns nicht zu machen.

CDU/CSU hat nun einen Antrag vorgelegt, durch den durch Wetterereignisse in Deutschland verursachte Schäden besser versichert werden können – Wetterereignisse, auf die wir uns schon lange hätten einstellen können und müssen; denn wir können sie nicht verhindern.

Sie leugnen doch den Klimawandel!

Jahrelang wurde von Ihnen Klimahysterikern über Dürre gequatscht und den Menschen eingeredet, Deutschland würde zu einer Wüste. Inzwischen regnet es gefühlt seit Oktober letzten Jahres,

Ja, warum denn? Keine Zusammenhänge verstehen, aber hier rumbrüllen! Eijeijei!

und Deutschland ähnelt mehr einem Reisanbaugebiet als einer Steppe, was wohl ein Grund dafür ist, dass die Fridays-for-Future-Jünger, die Letzte Generation, sich jetzt von Ihrer Klimahysterie entfernt haben und sich dem Kampf gegen rechts widmen oder, wie die Klimaikone Greta Thunberg – inzwischen eher eine, Wortspiel, „Persona non Greta“ – sich dem Antisemitismus hingeben. Das sind die Jugendlichen, die Sie für Ihre Ideologie missbrauchen. Die glauben selbst nicht mehr an den Klimawandel und machen nun andere schlimme Sachen.

Beifallbei der AfD

Milliardeninvestitionen in einen effizienten Hochwasserschutz wurden beispielsweise auch in Bayern eingestellt. Söder war das scheißegal.

Das stimmt doch überhaupt nicht! Das ist doch falsch! Käse! Fake News!

Jetzt rennt er in seinem blauen Anorak rum. Lieber finanzierte man irgendwelchen linken Quatsch – Radwege in Peru sind ja inzwischen in aller Munde, auch gendersensible Männerarbeit in Bolivien –; dabei gehört unser Steuergeld nach Deutschland und konkret auch in den Hochwasserschutz.

Beifallbei der AfD

Da müssen viel größere Investitionen hin.

Auch hier gilt: Nicht Weltpolizei spielen, sondern sich um die Probleme der Bürger vor Ort in Deutschland kümmern! Dann kann man auch die Auswirkungen von Hochwasser in den Griff bekommen. Sie versuchen das seit Jahrzehnten. Sie werden es nicht hinbekommen. Deshalb das Versprechen von hier: Sobald es AfD-geführte Regierungen in Deutschland gibt,

Die wird es nicht geben! Träum weiter!

wird das Problem angepackt und innerhalb von wenigen Jahren gelöst, weil wir auch im Hochwasserschutz die richtigen Prioritäten setzen werden.

Beifallbei der AfD

Bis nun die Ursachen durch besseren Hochwasserschutz beseitigt sind, den Sie ja seit vielen Jahrzehnten predigen, aber nicht hinbekommen, müssen die Symptome bekämpft werden. Dafür sind, liebe CDU – ich strecke da gerne meine Hand aus –, Ihre Forderungen zwar nicht der Weisheit letzter Schluss, aber Sie treiben die Regierenden in die richtige Richtung, weshalb wir nicht gerade freudig erregt, aber nüchtern und kühl abwägend Ihrem Antrag am Ende zustimmen werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
12 Vermerkeca. 477 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erst einmal zu Ihnen, Herr Brandner.

Ja, Herr Benner?

Sie haben es letztes Mal gemacht, Sie haben es dieses Mal wieder gemacht: Sie bringen Armin Laschet und Malu Dreyer in direkte Verbindung zu den Toten bei der Hochwasserkatastrophe 2021.

Völlig korrekt! Das können wir gerne zu Protokoll nehmen!

Das ist unverschämt und unredlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Natürlich hat es in Teilen auch Fehler gegeben; diese sind aufgearbeitet worden. Aber hier so zu tun, als wären riesige Versäumnisse von Armin Laschet oder Malu Dreyer schuld daran, ist unredlich.

Kausale Verantwortlichkeit!

Wissen Sie, wie es bei mir in der Region – in Stolberg und Eschweiler – 2021 war? Es ist gut, wenn Politikerinnen und Politiker kommen und sich angucken, wie es vor Ort ist. Es ist gut, wenn Politikerinnen und Politiker kommen und sich anschauen, wie es den Menschen geht.

Malu Dreyer war im Bett!

Als sich die demokratischen Fraktionen in Stolberg darauf geeinigt haben, dass es nicht die Zeit ist, Bundestagswahlkampf zu machen: Wissen Sie, wer den Leuten Flyer in den Briefkasten geworfen hat? Die AfD! Es ist unredlich, das Leid der Menschen in solchen Situationen politisch zu instrumentalisieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich möchte mich dem Dank hier und heute anschließen. Denn ich finde, man kann nicht oft genug betonen, dass wir in diesem Land stolz darauf sein können, dass es in Krisenzeiten, wenn das Wasser im Keller steht, über 1 Million ehrenamtliche Menschen gibt, die die Arbeit niederlegen, die die Ausübung des Hobbys unterbrechen, die kommen und helfen. Man kann nicht oft genug Danke dafür sagen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Die reparieren, was Sie verpasst haben!

Was wir aber seit 2021 – und auch schon vorher – immer wieder sehen: Die Klimakrise ist Realität. Extremwetterereignisse nehmen zu, und sie werden auch weiter zunehmen. Wenn Markus Söder sagt: „Damit hat niemand gerechnet“, dann hat er schlichtweg Unrecht. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen: Extremwetterereignisse nehmen weiter zu. – Damit müssen wir leider jeden Tag rechnen.

Wie gehen wir aber damit um? Wir müssen erst einmal dafür sorgen, dass wir die Bürgerinnen und Bürger besser schützen. Denn keine Versicherung und keine Soforthilfe helfen, wenn das Wasser im Keller steht. Dafür braucht es ein ganzes Bündel an Maßnahmen,

Ja, dann machen Sie doch!

um Prävention und den Schutz der Menschen in den Vordergrund zu stellen. Ein Beispiel ist der natürliche Klimaschutz. Denn nichts schützt so gut wie eine Aue, die das Wasser aufnimmt. Nichts schützt so gut wie eine Bauleitplanung, die dafür sorgt, dass das Wasser erst gar nicht in die Stadt kommt, sondern irgendwo anders in die Wälder und in die Felder läuft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Nichts schützt so gut wie wirklich vorsorgliche Politik.

Ja, dann machen Sie die doch!

Aber natürlich müssen wir uns auch die Frage stellen: Wie verteilen wir nach einem solchen Extremwetterereignis die finanziellen Lasten? Staatliche Ad-hoc-Hilfen sind richtig. Sie helfen den Menschen vor Ort, und sie sind für manche Kommunen die einzige Möglichkeit, den Wiederaufbau zu schaffen. Sie sind aber langfristig für uns hier kein Bestandteil planbarer Haushaltspolitik. Deswegen brauchen wir eine Elementarschadenpflichtversicherung, die risikobasiert ist, die gesetzlich sozial abgesichert ist und die Mieterinnen und Mieter vor Überlastung schützt.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren heute einen Antrag, den wir als Unionsfraktion im November 2023 in den Deutschen Bundestag eingebracht haben. Darauf folgten ein Hochwasser in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt über den Jahreswechsel, ein Hochwasser im Saarland und Rheinland-Pfalz jetzt über Pfingsten, und ganz aktuell kämpfen in Baden-Württemberg und Bayern die Menschen gegen die Wassermassen. Das sind drei Katastrophenfälle ungeheuren Ausmaßes infolge von Starkregen innerhalb von gerade mal sechs Monaten.

Es bleibt die berechtigte Frage, was die Bundesregierung in den vergangenen Monaten getan hat. Es gab Lippenbekenntnisse und, wie heute zu sehen, wie immer Uneinigkeit. Es gab Besuche in den Überflutungsgebieten. Ja, es gab auch immer wieder finanzielle Hilfen vom Staat für die Betroffenen, wohlgemerkt – und das müssen wir uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch klarmachen – für die Betroffenen von Großschadensereignissen. Denn bei den vielen kleineren und lokal begrenzten Schadensereignissen tragen die Betroffenen eben sehr oft die Kosten alleine. Da eilt der Staat dann nicht zu Hilfe.

Das kann der Staat sich auf Dauer auch gar nicht leisten; denn Starkregen und Überschwemmungen werden künftig von der Ausnahme zur Regel werden.

Deswegen ist es höchste Zeit, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Länder, Kommunen, Haus- und Wohnungseigentümer sich rüsten. Das heißt:

Erstens. Die Kommunen haben in den vergangenen Jahren mit der Unterstützung von Bund und Ländern viel getan und ihre Hochwasserschutzkonzepte angepasst. Diese Investitionen, die zwar teuer sind, müssen fortgesetzt werden; denn sie werden sich später auch bezahlt machen.

Zweitens – und darum geht es heute – dürfen wir nicht länger die Augen davor verschließen: Eine Elementarschadenversicherung muss künftig zur Grundausstattung eines jeden Haus- und Wohnungseigentümers gehören.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen begreifen, dass wir unser Hab und Gut ausreichend absichern müssen. Wir müssen denjenigen helfen, die sich zwar versichern wollen, für die aber die Prämie zu hoch ist oder sich gar keine Versicherung findet.

Mit unserem Reformvorschlag, liebe Kolleginnen und Kollegen, wahren wir sowohl die Vertragsfreiheit der Versicherten als auch die Fairness zwischen versicherten und unversicherten Geschädigten.

Wir sichern das Eigentum der Betroffenen und schützen Steuerzahler und Staatshaushalt.

Unser Vorschlag ist auch besser als das französische Konzept, Herr Kollege Fechner. Gerade hat der GDV widerlegt, dass es für 26 Euro diese Versicherung gibt, von der Sie gesprochen haben.

Meine Damen und Herren, in Zeiten klammer Kassen muss es doch wichtig und richtig sein – da wird uns auch der Finanzminister zustimmen –, dass der Staat nicht alle paar Wochen ein Hilfsprogramm auflegen muss. Deswegen: Geben Sie Ihre Blockadehaltung auf, liebe FDP! Nach den Einlassungen heute in der Regierungserklärung bin ich aber ganz zuversichtlich, dass Sie unserem Antrag zustimmen werden, liebe Ampel. – Vielen Dank dafür.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Carsten Träger
Foto: Carsten Träger/ Agentur Photothek Media Lab
10 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Erneut haben Menschen in Deutschland in den letzten Tagen ihr Hab und Gut verloren. Sie kämpfen gegen das Hochwasser, sie kämpfen mit Unterstützung der Einsatzkräfte um ihre Existenz; fünf haben sogar ihr Leben verloren.

Natürlich werden wir die Betroffenen vonseiten der Solidargemeinschaft unterstützen, wie wir es auch in der Vergangenheit getan haben. Die harte Realität ist aber, dass Hochwasser und Überflutungen infolge von Starkregen in Deutschland keine Einzelfallereignisse mehr sind, die nur einmal im Jahrhundert geschehen, sondern sie werden durch den Klimawandel spürbar zunehmen, und darauf müssen wir uns einstellen. Insofern stehen wir vor einer Situation, die uns zum Nachdenken zwingt.

Zum Ersten müssen wir entschieden Hochwasserschutzmaßnahmen umsetzen, um die Überschwemmungen bestmöglich zu verhindern; das ist schon gesagt worden. Verzögerungen von Maßnahmen, wie zum Beispiel beim Bau von Flutpoldern an der Donau in Bayern durch den Wirtschaftsminister in der Staatsregierung, der zufällig mit der Landrätin dort liiert ist, müssen ein Ende haben.

Zum Zweiten müssen alle politisch Verantwortlichen endlich erkennen, welche wichtige Rolle auch der natürliche Klimaschutz bei der Hochwasserprävention hat. Die Natur ist nämlich sehr gut darin, auch große Mengen an Regen aufzunehmen und zu speichern. Also: Entsiegelung und ein verantwortungsvoller Umgang mit noch nicht versiegelten Flächen, Renaturierung von Flüssen, Mooren und Auen sind nicht nur wichtig für unsere Natur, sondern auch wirtschaftlich wichtig für den Hochwasserschutz.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum Dritten brauchen wir ein neues System der Schadensregulierung. Der vorliegende Antrag der Union ist ja gut gemeint, aber er greift, wie so oft, zu kurz. Und gestatten Sie mir das: Für mich atmet er auch ein bisschen zu sehr den Odem der Versicherungswirtschaft, die ihn wohl aufgeschrieben hat.

Das ist jetzt aber ein bisschen frech!

Das Stichwort „Opt-out-Regelung“ hört sich ja so an, als würden wir den Leuten ein Stück Freiheit geben. Aber in Wahrheit ist es doch so, dass Sie diese Schäden dann der Solidargemeinschaft aufbürden,

Gerade nicht! Das haben wir ja erklärt! Sie sind doch eigentlich nicht so unverständig wie die Kollegin Schulz!

und dann kommen wir genau nicht zu dem Punkt, dass wir den Steuerzahler entlasten, dass wir diese Schäden, die entstehen, die Gebäudeeigentümer tragen lassen. Wenn sich fast alle, die ein Gebäude besitzen, an dem System beteiligen – das ist mein fester Glaube –, dann ist die Belastung für jeden und jede Einzelne so gering, dass wir zeitnah in einen flächendeckenden Schutz kommen.

Aber glauben heißt nicht wissen!

– Da brauchen Sie sich nicht aufzuregen, Herr Müller. Es ist einfach die alte Frage: Starker Staat oder schwacher Staat?

Sie haben es einfach nicht verstanden!

Bürden wir es den Schultern der sozial Schwachen auf, oder belasten wir die Reichen? Sie haben sich klar bekannt, und meine Haltung ist einfach eine andere.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das Beispiel Frankreich, das der Kollege Fechner vorgerechnet hat: Dort funktioniert es einfach. Da können Sie sich auf den Kopf stellen.

Nein! Da funktioniert es doch gerade nicht!

– 70 Prozent, mein Gott! Aber sehen Sie sich mal die absoluten Zahlen an!

Nein! Da hat doch der Kollege Fechner schon um Faktor fünf untertrieben!

Wollen wir den starken Staat oder den dicken Staat?

Dann sehen Sie sehr schnell, dass das sehr wohl der richtige Weg ist.

Wenn eine Gebäudeversicherung abgeschlossen wird, dann muss ein Teil die Elementarschadenversicherung sein. Das ist ein guter Weg, und dem sollten wir uns anschließen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der Linken
9 Vermerkeca. 251 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte demokratischen Kolleginnen und Kollegen!

Deutsche demokratische Altfraktionen!

Wir brauchen dringend eine Elementarschadenpflichtversicherung.

Beifallbei der Linken

Derzeit bangen Menschen in Bayern und Baden-Württemberg – vermutlich aber vor allem in Bayern – um ihre Existenz und fragen sich, wie es weitergeht; denn während in Baden-Württemberg 94 Prozent der Häuser gegen Elementarschäden versichert sind, sind es in Bayern nur 45 Prozent. Grund dafür ist, dass es bis in die 90er-Jahre in Baden-Württemberg schon einmal eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden gab.

Hört! Hört!

Warum gibt es die nicht mehr?

Auch andere Länder, wie unsere Nachbarn in Frankreich, zeigen, dass ein solidarisches Versicherungsmodell innerhalb der Gebäude- und Hausratsversicherung möglich und vor allem bezahlbar ist.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Sylvia Lehmann [SPD]

In Frankreich liegt die Versicherungsquote bei 98 Prozent. Und man höre: In Frankreich musste das Versicherungssystem seit 1982 nur ein Mal mit 263 Millionen Euro bezuschusst werden. In Deutschland waren es allein 2021 30 Milliarden Euro.

Die Linke fordert seit Jahren eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden,

Beifallbei der Linken

Nächster Elementarschaden!

damit Menschen ihre Häuser zu einer bezahlbaren Prämie versichern können und Versicherer durch eine hohe Anzahl an Kundinnen und Kunden auch größere Schadensfälle stemmen können. Für eine Absicherung braucht es eine staatliche Rückversicherung. Diese darf jedoch nicht so gestaltet sein, dass Gewinne privatisiert und Verluste verstaatlicht werden.

Beifallbei der Linken
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Der Bundesrat hat schon 2023 die Einführung einer Elementarschadenversicherung gefordert. Die Arbeitsgruppe „Pflichtversicherung für Elementarschäden“ der Justizministerkonferenz stellte schon 2022 fest, dass die Einführung einer Pflichtversicherung verfassungsrechtlich möglich ist. Einer Einführung steht also nichts mehr im Wege.

Beifallbei der Linken

Eine Opt-out-Option kommt für uns nicht infrage. Deswegen werden wir den Antrag der CDU/CSU ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
8 Vermerkeca. 406 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! In meiner Heimat, im Augsburger Land, und in ganz Südbayern sind die Menschen von einem verheerenden Unwetter und Überschwemmungen heimgesucht worden. Bei dieser Gelegenheit will ich noch einmal mein Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen, mit den Menschen, die um Hab und Gut bangen, zum Ausdruck bringen. Aber vor allen Dingen ist es mir wichtig, auch darzustellen, dass viele Tausend ehrenamtliche Helfer rund um die Uhr geholfen und gearbeitet haben. Was würden wir ohne unsere Ehrenamtlichen machen?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Bevölkerungsschutz muss eine Priorität in diesem Land bleiben.

Und ja, wir müssen politische Lehren daraus ziehen. Dass wir den menschengemachten Klimawandel bekämpfen und in Prävention investieren, ist selbstverständlich. Aber es geht auch um die Frage, wie wir mit den Elementarschäden umgehen, mit dem Umstand beispielsweise, dass nur 50 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland versichert sind und die Versicherungsquote in den Gegenden, in denen mehr Starkwetterereignisse und Überschwemmungen drohen, oftmals eher gering ist, weil die Menschen kaum eine Versicherung bekommen oder weil sie sich diese aufgrund der Prämien gar nicht leisten können. Zudem tritt ein Element auf, das man in den Wirtschaftswissenschaften als „Moral Hazard“ bezeichnet, dass nämlich manche darauf vertrauen, dass es der Staat im Zweifelsfall schon richten wird.

Ich meine, bei der Sorge um die existenziellen Probleme sollten wir eine Mischung aus Vorsorge und Eigenverantwortung an den Tag legen. Deswegen brauchen wir eine allgemeine Elementarschadenversicherung, und deswegen auch unser Antrag heute. Mit diesem Antrag wird nicht sofort eine Elementarschadenversicherung eingeführt; aber wir machen uns endlich auf den Weg.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem Sie sich – bei allem Respekt – langsam für das Zögern verantworten müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Seit zwei Jahren tagen Arbeitsgruppen. Die Ministerpräsidenten wollen eine Elementarschadenversicherung,

Zurufdes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

und der Bundeskanzler sagte heute – ich zitiere –:„Eigentümer von Häusern und Wohnungen müssen sich gegen Elementarschäden versichern können.“

Die anderen kriegen es ja wieder nicht hin!

Das ist also die Position der Bundesregierung. Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass endlich gehandelt wird und dass wir die Sachen auch ordentlich darstellen.

In Frankreich beläuft sich der Beitrag für die Assurance Habitation im Schnitt übrigens auf 230 Euro pro Jahr.

Ja! Hört! Hört! Faktor zehn gegenüber dem, was gesagt wurde!

Man muss die Dinge einfach beim Namen nennen. Aber man muss vor allen Dingen auch endlich ins Umsetzen kommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und ich sage ganz offen: Wenn diese Koalition wegen der FDP nicht die Kraft aufbringt, eine Elementarschadenversicherung auf den Weg zu bringen, dann machen wir das gemeinsam; denn wir lassen die Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht im Regen stehen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
9 Vermerkeca. 400 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Lage in meinem Wahlkreis Regensburg bleibt weiter angespannt. Hunderte Menschen wurden evakuiert und harren jetzt in Sporthallen aus. Schutzwände an der Donau drohen durch den extrem durchweichten Boden abzurutschen. Weitere Starkregen und Hagelschauer sind angekündigt.

Ich bin dieser Tage in Gedanken bei den Menschen in Regensburg und in ganz Süddeutschland, bei den Menschen, die mit den Folgen des Hochwassers zu kämpfen haben. Ich danke herzlich den Zehntausenden Helferinnen und Helfern, die Sandsäcke füllen, die Keller auspumpen und die Leben retten. Ohne sie können wir diese Katastrophe nicht meistern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir haben jetzt ausführlich über den Antrag der Union zur Elementarschadenversicherung gesprochen. Ich möchte mich noch ein bisschen auf die CSU-Strategie fokussieren.

Wie reagieren eigentlich CSU und Freie Wähler in Bayern auf die Extremwetter? Sie haben in den vergangenen Jahren Gelder für den Hochwasserschutz zusammengestrichen, sie haben Pläne für Flutpolder aufgegeben; Herr Träger hat es schon angesprochen. Warum? „Weil so ein Polder ja nur alle hundert Jahre mal geflutet wird“, wie Wirtschaftsminister Aiwanger 2018 in seiner Blauäugigkeit der Klimakrise gegenüber irrte.

Zurufdes Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Weiter: CSU und Freie Wähler kündigten 2019 an, keine Soforthilfen für Betroffene mehr auszuzahlen, nur um nach dem nächsten Jahrhunderthochwasser von 2021 doch wieder ein Sofortprogramm aufzulegen. Heute Morgen dann folgende Meldung: Die Staatsregierung will das gekürzte Budget für den Hochwasserschutz nicht aufstocken. Heute hü, morgen hott und totale Unberechenbarkeit. Statt Söders und Aiwangers Schlingerkurs braucht es vorausschauende Politik – in der Prävention, in der Klimaanpassung und im Klimaschutz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und was es aus Sicht meiner Partei auch braucht: eine verpflichtende Elementarschadenversicherung für Hauseigentümerinnen und -eigentümer, die bezahlbar ist und die alle absichert.

Haben Sie mal mit der FDP gesprochen?

Wir Grüne und 16 Bundesländer wollen diese Pflichtversicherung. Und wenn die Union hier einen weiteren Anstoß gibt, soll es mir recht sein. Sie haben recht: Der Bund muss in Bewegung kommen.

Ihr Vorschlag wird aber nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Wo ist denn Ihr Entwurf?

Wenn Menschen den Versicherungsschutz wieder abwählen können, steht am Ende des Tages doch ein erheblicher Teil ohne Versicherung da. Wenn es gerade bei diesen Menschen zur Katastrophe kommt: Was machen Sie dann?

Wollen Sie dann diesen Menschen sagen: „Pech gehabt, hätten Sie sich mal versichert“? Wollen Sie denen sagen: „Na ja, Ihre Existenz ist dahin, Ihr Problem“?

Sie machen ja gar nichts! Null!

Oder stellen Sie sich dann doch wieder in Gummistiefeln hin und verkünden Soforthilfen auf dem Rücken der Allgemeinheit?

Sie setzen weiter auf das Prinzip Hoffnung statt aufs Handeln. Das ist zu wenig.

Handeln Sie doch endlich!

Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
1 Vermerkca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deshalb werden wir Ihren Antrag ablehnen.

Vielen Dank.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
1 Vermerkca. 263 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Moin, Herr Präsident! Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Jahrhundertsturmflut vergangenen Oktober bei uns an der Ostseeküste, schlimme Überflutungen über Weihnachten in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Fluten im Saarland vor ein paar Wochen und in diesen Tagen das Hochwasser in Bayern: All das sind Ereignisse aus den letzten Monaten, nicht Jahren. Oft konnte nur das beherzte Eingreifen unserer Aktiven viel Schlimmeres verhindern. Ihnen gilt heute unser Dank. Trotzdem mussten wir den Verlust von Menschenleben betrauern.

Sehr vielen Menschen hat das Wasser alles genommen. Auch in Zukunft wird das passieren. Deshalb brauchen wir langfristige und verbindliche Lösungen, von denen sich Betroffene im Schadensfall abgesichert fühlen. Das ist nicht nur eine Frage von Solidarität und Gerechtigkeit, es ist auch eine Frage der politischen Effizienz.

Beifalldes Abg. Ralph Lenkert [Die Linke]

Vor allem aber muss es unsere politische Aufgabe sein, Menschen vor existenziellen Sorgen zu bewahren. Deshalb brauchen wir die Elementarschadenversicherung, und zwar so bald wie möglich.

Aus meiner Sicht muss eine solche Elementarschadenversicherung die folgenden Kriterien erfüllen:

Erstens. Sie muss die gesamte Bandbreite der Naturgefahren abdecken. Das muss vor allem auch Sturmfluten einschließen. Leider garantiert das der Antrag der Union nicht, trotz der Tatsache, dass sich selbst prominente Vertreter wie Daniel Günther dafür eingesetzt haben. Ich kann den Antrag deshalb leider nicht unterstützen.

Zweitens. Eine Elementarschadenversicherung muss an Eigentum geknüpft sein und sollte Teil der Gebäudeversicherung sein.

Drittens. Sie muss eine solidarische Grundlage haben. Wir brauchen einen Solidaritätsmechanismus, der extreme Schadensfälle auffängt. Das ist privatwirtschaftlich nicht zu machen. Ich plädiere dafür, dass wir dies über einen Fonds nach dänischem Vorbild mit staatlichen Garantien erreichen und nicht über einen staatlichen Rückversicherer.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
2 Vermerkeca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Viertens. Und zum Schluss muss sie nicht nur Schäden begleichen, sondern vor allen Dingen auch die Vorsorge verbessern. Wo Vorsorge funktioniert, müssen Versicherungen nicht einspringen.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken
Porträt von Julia Verlinden
Foto: Rainer Kurzeder
7 Vermerkeca. 369 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Das Nitrat-Vertragsverletzungsverfahren: Da klingelt es bei Ihnen – ganz besonders bei den Kolleginnen und Kollegen der Union –, oder? 2013, also vor elf Jahren, fing Deutschland an, zu versuchen, die Schutzvorgaben der EU für unser Wasser und unseren Boden zu erfüllen.

Nicht nur zu versuchen! Was haben wir denn da gemacht?

Ihre damalige Landwirtschaftsministerin Frau Klöckner ist daran gnadenlos gescheitert. Erst Cem Özdemir und Steffi Lemke konnten die Strafzahlungen in Milliardenhöhe in Verhandlungen mit der EU-Kommission erfolgreich abwenden. Jetzt und heute setzen wir als Koalition diese Vorgaben gesetzlich um und erhalten gleichzeitig die gute landwirtschaftliche Praxis. Das ist ein Meilenstein nachhaltiger Agrarpolitik.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Bislang war es nämlich so: Wir wussten, dass unsere Böden und unser Grundwasser in manchen Landstrichen zu stark mit Nitrat belastet waren. Das birgt Gefahren für unsere Umwelt, aber auch für uns Menschen und besonders für unsere Kleinkinder. Es bestand dringender Handlungsbedarf, dem wir nun mit dieser Novelle des Düngegesetzes nachkommen. Ein zentrales Element ist das bundesweite Wirkmonitoring.

Zurufdes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Auf dieser Basis wird geprüft, wie sich die Belastung vor Ort entwickelt, und das ist die Grundlage für eine verursacher- und standortgerechte Maßnahmendifferenzierung.

Das klingt total kompliziert, ist an sich aber eigentlich simpel. Mit Daten, die ohnehin erfasst werden – ab jetzt sogar durchgehend digital –, zeigen unsere Landwirtinnen und Landwirte, wie sie arbeiten. So können diejenigen, die nachweislich nachhaltig wirtschaften und eine gute fachliche Praxis verfolgen, gezielt von Auflagen befreit werden, selbst in den sogenannten Roten Gebieten, also in den Gebieten, in denen die Nitratgrenzwerte massiv überschritten werden. Damit stärken wir für die landwirtschaftlichen Betriebe die Verursachergerechtigkeit, und das finde ich wichtig.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Ich möchte noch einmal betonen: Dieses Verhandlungsergebnis des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit der Europäischen Kommission damals vermeidet kostspielige Vertragsstrafen, die auch die finanziellen Spielräume im Bundeshaushalt belastet hätten. Das sind Gelder, die wir zum Beispiel dringend für den ländlichen Raum brauchen.

Zurufvon der SPD: So ist es!

Mit dieser Gesetzesnovelle also, die Digitalisierung, Transparenz und Planungssicherheit für die landwirtschaftlichen Betriebe stärkt und mit der wir diese Vertragsstrafen vermeiden, kommen wir auch im Interesse unserer Umwelt einen großen Schritt voran: Die Wasserqualität wird verbessert, unsere Böden werden geschützt, und die Artenvielfalt wird erhalten. – Das geschieht völlig im Einklang mit einer verbesserten Planungs- und Handlungssicherheit der Landwirtinnen und Landwirte. So funktioniert zukunftsfähige Agrarpolitik.

Vielen Dank und noch einen schönen Abend.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
19 Vermerkeca. 468 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Werter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir verabschieden heute die Änderung des Düngegesetzes. Das Düngegesetz regelt insbesondere die Anforderungen an das Inverkehrbringen und die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Pflanzenhilfsmitteln und Kultursubstraten. Die jetzt vorgesehenen Änderungen beinhalten im Wesentlichen die Anpassung an die 2019 von der EU erlassene EU-Düngeprodukteverordnung, die Schaffung der erforderlichen Rechtsgrundlagen für ein Monitoring zur Überprüfung der Wirksamkeit der Düngeverordnung und Änderungen hinsichtlich des Geltungsbereichs der Stoffstrombilanzverordnung. Mit der Durchsetzung der entsprechenden Düngevorschriften wird die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung beauftragt und als notifizierende Behörde benannt. – So weit zum Inhalt dieses schönen Gesetzes.

Klingt doch gut!

Im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens hat die Ampel zudem folgende wesentliche Änderungen eingebracht: Aus dem Begriff der Stoffstrombilanzierung wurde die Nährstoffbilanzierung.

Ja, ist auch besser!

Welch großartige Änderung, die man hier durchgeführt hat!

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD], Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Carina Konrad [FDP]

Die Kontrolle des Anfalls von Wirtschaftsdünger aus Biogasanlagen und dessen Verbringung nach der Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger soll erleichtert werden. Dagegen ist nichts einzuwenden. Das Düngemonitoring soll auch dazu genutzt werden, um ableiten zu können, ob und unter welchen Voraussetzungen für bestimmte Anforderungen nach der Düngeverordnung bzw. nach der Landesdüngeverordnung Festlegungen in Abstimmung mit der EU-Kommission getroffen werden.

Beifallder Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]

Das BMEL veröffentlicht alle zwei Jahre einen Bericht. – So weit, so gut.

Ich frage mich nur, was damit für die Bauern übrig geblieben ist.

Das fragen wir uns auch!

Das erkläre ich gleich!

Ein riesiger Bürokratiewust.

Beifallbei der CDU/CSU

Ganz genau!

Die Anhörungen haben gezeigt, dass wir neben dem Monitoring die Stoffstrombilanzierung bzw. – jetzt neu – Nährstoffbilanzierung nicht benötigen, weil das Monitoring dies im Prinzip schon leistet. Sie bringen dies ja – das ist eine ganz tolle Nummer von den Regierungsfraktionen – in Ihrem Entschließungsantrag direkt zum Ausdruck. Das ist wirklich undenkbar. Da steht drin, was Sie der Bundesregierung aufgeben, was gemacht werden soll,

Ja, das ist völlig neu!

zum Beispiel: „Betriebe mit weniger als 15 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche“ sollen ausgenommen werden.

Wieso schreiben Sie das denn nicht gleich ins Gesetz?

Beifallbei der CDU/CSU

Drei Parteien fordern also, dass diese Betriebe ausgenommen werden,

Das Ding heißt „Verordnung“! Das nennt sich „Verordnung“!

können sich aber offensichtlich nicht gegen das grüne Bundesministerium durchsetzen.

So ein Quatsch!

Das ist ein unglaublicher Vorgang.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dann schreiben Sie: „Viehhaltende Betriebe mit einem Nährstoffanfall von weniger als 750 Kilo Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft“ sollen ausgenommen werden.

Zurufdes Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Warum machen Sie es denn nicht? Das hätten Sie ja gleich mitregeln können. Sie haben keinen Mumm als Parlamentarier, muss ich sagen.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU

Kollege Hocker von der FDP hat es ja bei der Einführung des Gesetzes dargelegt und gesagt: Wir werden dafür kämpfen, dass es bürokratiearm ist.

Das haben wir doch gemacht!

Die Armut ist heute da, weil der Kollege Hocker schon gar nicht mehr teilnimmt,

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU

Haben Sie schon ein Bierchen getrunken, oder was ist hier los?

weil er natürlich weiß, dass dieses Gesetz einen riesigen Bürokratiewust darstellt und somit die Bäuerinnen und Bauern von zusätzlicher Bürokratielast erdrückt werden. Ich habe den Eindruck: Die Koalitionsparteien haben aus den Demos des Frühjahrs überhaupt keine Schlüsse gezogen; denn die am häufigsten vorgebrachte Forderung war, die Bürokratie zurückzuschrauben. Sie tun das Gegenteil, und deshalb können wir diesem Gesetz nicht zustimmen.

Das ist aber jetzt echt schade!

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
10 Vermerkeca. 607 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Mitbürger! Es geht heute wieder einmal darum, das deutsche Düngegesetz für unsere Landwirte weiter zu verkomplizieren und noch mehr Bürokratie einzuführen –

aber eins nach dem anderen.

Vorweg muss man feststellen – und das dürfen wir nicht vergessen –, dass die Probleme, die hier beraten werden, ja überhaupt erst von den Altparteien produziert wurden. Ein fehlerhaftes und auch sehr fragwürdiges Nitratmessstellennetz sorgte dafür, dass in Brüssel ebendiese Nitratwerte eingegangen sind, von denen wir hier ausgehen.

Das liegt nicht an den Messstellen!

Leider wird das hier nur von uns thematisiert, und leider scheint keiner von Ihnen dort einen Bedarf zur Korrektur zu sehen.

Meine Damen und Herren, alles, was von Ihnen in den letzten Jahren hinsichtlich der Landwirtschaftspolitik hier verabschiedet wurde, gehört generell auf den Prüfstand. Und machen Sie sich keine Sorgen: Wenn wir von der AfD erst mal regieren, werden wir alle Ihre Fehler korrigieren.

Das ist ein Versprechen, auf das sich die Landwirte in Zukunft verlassen können.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die gute fachliche Praxis unserer Landwirte und ihr wirtschaftliches Interesse es gar nicht zulassen, dass mehr Dünger aufs Feld kommt, als die Kulturpflanze braucht. Das kostet nämlich alles Geld und Ressourcen. Und, meine Damen und Herren, kein Landwirt verschwendet sein Geld oder seine Ressourcen; auch sie wollen wirtschaftlich arbeiten. Wenn Sie sich mal mit wirklichen Fachleuten – also, ich meine praktizierende Landwirte – unterhalten würden

Das machen wir!

und nicht mit irgendwelchen Demagogen aus Ihren Verbänden, wüssten Sie das.

Doch was haben Sie hier heute vor zu beschließen? Es geht um die Einführung eines bundesweiten Wirkstoffmonitorings zur Düngeversorgung.

Nicht einschlafen da vorne! Mann, Mann, Mann!

Darüber ließe sich unserer Ansicht nach tatsächlich reden, insofern damit verbunden wäre, dass nachweislich gewässerschonende landwirtschaftliche Betriebe in roten Gebieten endlich von den unsinnigen Düngeauflagen befreit werden würden.

Unterdüngung in diesen Gebieten ist im Übrigen Raubbau an den Böden, und das ist eigentlich auch eine Form der Enteignung der betroffenen Landwirte.

Lachendes Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Doch davon ist in Ihrem Gesetzentwurf leider kein Wort zu finden. Ihr Antrag setzt sich dies zwar zum Ziel; aber schwammig heißt es dort, dass das dann erst noch mit der EU abgeklärt werden sollte.

Meine Damen und Herren, das ist inakzeptabel. Wenn das Wirkungsmonitoring hierzu nicht eindeutige Ziele beinhaltet, dann ist es abzulehnen; zumal das Monitoring für die Betriebe in erster Linie neue bürokratische Belastungen und Dokumentationspflichten bedeutet.

Damit kommen wir dann zum nächsten Punkt, der geplanten Ausweitung der Stoffstrombilanz in § 11a Düngegesetz; Sie nennen es jetzt „Nährstoffbilanzierung“. Meine Damen und Herren, die Stoffstrombilanz soll künftig für alle Ackerbaubetriebe und Biogasanlagen verpflichtend sein. Warum denn eigentlich? Das ist weder EU-rechtlich vorgegeben, noch ist das zielführend, wenn gleichzeitig das Wirkstoffmonitoring kommen soll.

Die Experten in der Anhörung – das hatte der Kollege Straubinger eben schon gesagt – haben eindeutig darauf hingewiesen, dass dies nicht sinnvoll ist und auch überhaupt keinen erkennbaren Nutzen mit sich bringt. Die Stoffstrombilanz ist deshalb und auch angesichts Ihrer vollmundigen Versprechen zum Bürokratieabbau bei den Bauernprotesten in Gänze zu streichen.

Beifallbei der AfD

Nun haben wir ja eben was dazu gehört, dass das ja sonst alles viel Geld kostet. Meine Damen und Herren, es ist ja nicht so, als ob Ihr Gesetzentwurf kein Geld kostet: Eine Viertelmillion Euro wird jährlich in der BLE veranschlagt – davon sollen dann drei neue Stellen geschaffen werden; da kommen dann drei grüne Ideologen drauf, die es den Landwirten noch schwerer machen – und eine halbe Million Euro fürs Julius-Kühn-Institut.

Diese Leute sollen EU-Düngeprodukte mit CE-Zeichen zertifizieren! Das ist doch völlig unrealistisch!

Ich kann mir schon vorstellen, was mit diesem Geld passiert: Damit werden dann noch mehr grüne Ideologen in Lohn und Brot gebracht.

Meine Damen und Herren, Sie von der Ampel bleiben sich treu mit der Zerstörung unserer deutschen Landwirtschaft. Der vorliegende Gesetzentwurf ist nur eine weitere Schikane für die deutsche Landwirtschaft. Und wir lehnen ihn deshalb ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
12 Vermerkeca. 716 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt ist ja allen schon bewusst geworden: Das ist ein kompliziertes Thema; das ist an den Vorreden deutlich geworden. Es geht um eine Änderung des Düngegesetzes, die wir hier heute beschließen. Warum machen wir das? Das wurde eben mehrfach erwähnt, viele haben auch schon davon gehört: Deutschland hat ein Problem mit erhöhten Nitratbelastungen im Grundwasser. Deshalb gab es schon ein langes Verfahren, in dem die EU Deutschland aufgefordert hat, Maßnahmen zu ergreifen; die letzte davon war 2016.

Deutschland hat keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen.

Deshalb wurde dann ein Vertragsverletzungsverfahren eröffnet, das Deutschland teuer zu stehen käme, wenn die Strafzahlungen greifen würden. Deshalb wurden 2020 von der Vorgängerregierung unter einer CDU-Agrarministerin die Düngeverordnung und das Düngegesetz überarbeitet. Es wurden Maßnahmen ergriffen und auch mit der EU-Kommission Maßnahmen vereinbart, die dazu dienen, das Vertragsverletzungsverfahren endgültig abzuschließen. Und dieses Gesetz heute ist die Umsetzung dieser Maßnahmen, die damals, im Jahr 2019, versprochen wurden.

Und ja, der Herr Straubinger hat recht, wenn er sagt: Das ist mit Bürokratie verbunden.

Das ist Bürokratie, die der EU-Kommission 2019 von Julia Klöckner

im Rahmen der Beilegung des Vertragsverletzungsverfahrens zugesagt wurde und die wir mit dem Monitoring jetzt hier umsetzen. Das gehört zur Wahrheit dazu.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Warum ist das für die Landwirte ein Problem? Und warum sehen wir, dass die Landwirte hier Entlastungen brauchen? Die Düngemengen, die verkauft werden, sinken seit Jahren; sie haben 2022 einen Tiefststand erreicht. Das hängt natürlich auf der einen Seite am Preis, weil durch die Energiekrise auch die Preise für Düngemittel sehr hoch geworden sind; das liegt aber auch an den Auflagen und an den Restriktionen,

Die ihr macht!

die damals durch das Düngegesetz vereinbart wurden.

Die Landwirte haben viel Mut. Sie haben viel Kreativität, und sie sind auch bereit, sehr viel Geld einzusetzen und Investitionen zu tätigen. Das haben sie auch getan: Sie haben in neue Ausbringtechnik und in digitale Hilfsmittel investiert.

Dazu hat die vorhergehende Landwirtschaftsministerin ein Programm gemacht!

Ertragsdaten von den Flächen werden heute erfasst, sodass man Dünger wirklich sehr präzise ausbringen kann.

Aber trotzdem gibt es in Deutschland große Gebiete – das sind die sogenannten roten Gebiete –, in denen 20 Prozent weniger Dünger ausgebracht werden darf, als die Pflanze braucht. Das muss man sich mal an sich selbst vorstellen: Wenn man jeden Tag 20 Prozent weniger Nährstoffe zu sich nimmt, als man tatsächlich verbraucht, dann nimmt man ab. Das tut manchen gut.

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Das ist aber für Pflanzen schlecht, weil dann die Qualität nicht sichergestellt wird und auch der Ertrag am Ende fehlt.

Deshalb ist das keine Dauerlösung. Darum haben wir in diesem Gesetz festgelegt, dass in diesen Gebieten die Landwirte, die tatsächlich vorschriftsmäßig wirtschaften und die deshalb keinen Einfluss darauf nehmen, dass das Grundwasser mit Nitrat angereichert wird, auch in Zukunft überhaupt noch die Möglichkeit haben, ordnungsgemäß zu düngen. Das legen wir mit diesem Gesetz an, und das hat der Herr Straubinger leider übersehen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, mir ist es auch wichtig, den Fakt zu betonen, dass die Landwirte nicht alleinige Verursacher von Nitratbelastungen im Grundwasser sind; denn das sind wir alle.

Habt ihr im Gesetzgebungsverfahren nichts gemacht?

Wir alle haben einen Einfluss darauf; die Kläranlagen haben Einfluss darauf, die Kanalisation hat Einfluss darauf. Deshalb ist es wichtig, dass man auch weiter andere Ursachen in den Blick nimmt und sukzessive reduziert und nicht die Last allein auf die Landwirte abwälzt.

Beifallbei der FDP

Da habt ihr ja aber nichts gemacht!

Und es ist auch wichtig, dass man die Messverfahren weiter optimiert und nicht nur das Monitoring zur Grundlage dafür nimmt, dass es ebenso in Zukunft zu Reduktionen kommt, sondern dass auch die Länder weiter in der Pflicht sind, ihr Messstellennetz auszuweiten. Denn es ist in der Tat ein Problem, dass in der Vergangenheit vor allem Messstellen herangezogen wurden, die besonders belastete Stellen gemessen haben. Deshalb muss auch das Messstellennetz weiter ausgeweitet werden.

Abschließend bleibt aber zu dem hier vorliegenden Gesetzentwurf zu sagen – neben allem, was ansonsten noch zu tun ist und dessen wir uns auch annehmen –, dass dieses Gesetz ein gutes Gesetz ist, weil es auf der einen Seite Rechtssicherheit schafft, das Vertragsverletzungsverfahren abwendet und hoffentlich zur endgültigen Einstellung führt und weil es auf der anderen Seite die Qualität und die Quantität von Ertragsprodukten – von Weizen vor allen Dingen – in der Landwirtschaft erhöht, sodass dies auch in Zukunft noch mal ordnungsgemäß angebaut werden kann. Das haben wir hier angelegt. Und das ist eine wichtige Perspektive, die wir der Landwirtschaft damit bieten.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
10 Vermerkeca. 591 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Hochgeschätzter Herr Präsident!

Beifalldes Abg. Dr. Christoph Hoffmann [FDP]
Zurufevon der CDU/CSU: Hoi!

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Also, Frau Kollegin Konrad, das war schon sehr sportlich, sich hier vorne hinzustellen und die Verantwortung für die schlechte Qualität Ihres Gesetzentwurfes bei Julia Klöckner und der Vorgängerregierung abladen zu wollen. Also, das ist schon sehr bemerkenswert.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Widerspruchbei Abgeordneten der FDP

So viel zur Vorrede.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Özdemir, ich möchte Ihnen zunächst erst einmal gratulieren; denn mit dem Ende dieser heutigen Debatte und dem zu erwartenden Beschluss dieses Gesetzentwurfs durch die Koalition haben Sie das dritte Gesetzesvorhaben Ihres Koalitionsvertrages in Ihrem Bereich abgeschlossen.

Das dritte schon!

Erlauben Sie mir dazu einen kurzen Hinweis: Drei Ihrer Kernvorhaben zusätzlich zu den sechs Gesetzentwürfen mit redaktionellem Charakter in 31 Monaten abzuschließen, das ist nicht sonderlich ambitioniert. Wenn Sie in diesem Tempo weitermachen, sehr geehrter Herr Bundesminister, dann muss Herr Kretschmann noch eine Legislaturperiode in Baden-Württemberg dranhängen, damit Sie wenigstens einen signifikanten Teil Ihres Koalitionsvertrages umsetzen können.

Was würden Sie machen?

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich wage allerdings zu bezweifeln, sehr geehrter Herr Minister, dass die selbsternannte Fortschrittskoalition noch so lange die Mehrheit in diesem Haus behalten wird. Entsprechend empfehle ich Ihnen: Krempeln Sie endlich die Ärmel hoch, kommen Sie bitte vom Ankündigen ins Umsetzen!

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn ich nämlich in Ihren Koalitionsvertrag zu dem Thema schaue, dann steht dort beispielsweise auch etwas von einem digitalen Herkunfts- und Identifikationssystem Nährstoff und Pflanzenschutz. Eigentlich wäre der vorliegende Gesetzentwurf genau der richtige Ort gewesen, dies auch unterzubringen. Aber weder im Gesetzentwurf noch in Ihrer umfangreichen Entschließung findet sich etwas dazu.

Sie selbst sehen also zwar die Möglichkeiten der digitalen Datenübermittlung vor. Aber von einem umfangreichen digitalen Herkunfts- und Identifikationssystem, das Monitoring und Stoffstrombilanz verbindet und dadurch Bürokratie eingespart hätte, sind Sie leider meilenweit entfernt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das haben wir alles besprochen!

Beim Thema Bürokratie haben Sie sich ja auch etwas Besonders einfallen lassen. Das zeigt sich, wenn man in diesen Gesetzentwurf hineinschaut. Und wenn ich in die Entschließung gucke, dann lässt das auch nichts Gutes vermuten.

Obwohl nämlich diverse Fachverbände und Bundesländer die Abschaffung der Stoffstrombilanz als zentrales Mittel des Bürokratieabbaus im Düngebereich einfordern, schaffen Sie diese nicht etwa ab. Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie benennen sie einfach um und glauben, damit das Problem gelöst zu haben. Dieses Düngegesetz würden Verbraucherschützer als klassische Mogelpackung bezeichnen; denn indem Sie aus der Stoffstrombilanz einfach die Nährstoffbilanz machen – mein Kollege Straubinger hat bereits darauf hingewiesen –, begehen Sie nichts weniger als einen klassischen Etikettenschwindel.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Umbenennung ändert nämlich überhaupt nichts an der Tatsache, dass diese Bilanz aus fachlichen Gründen nicht das geeignete Mittel ist, um Effizienz und Effektivität der Düngung auf der Fläche zu verbessern. Mit einer Flächenbilanz oder vielleicht auch einer Betriebsbilanz wäre dies machbar gewesen; die sehen Sie aber leider in Ihrem Gesetzentwurf nicht vor.

Insgesamt muss man festhalten, dass Ihr Gesetzentwurf weit hinter den Erwartungen und auch hinter Ihren eigenen Ansprüchen zurückbleibt. Sie erwecken in unserem Land den Eindruck, dass Ihre Ankündigungen aus dem Januar an unsere protestierenden Landwirte vor dem Brandenburger Tor nur eins zum Ziel hatten, nämlich Zeit zu gewinnen, um die Bauern von der Straße zu holen und im Endeffekt hinter die Fichte zu führen.

Beifallbei der CDU/CSU

Tatsächlich haben Sie nämlich nur noch bis zur nächsten Woche Zeit – ich erinnere an Ihren Antrag, den Sie uns dazu im Januar unterbreitet und auch beschlossen haben –, um hier das Versprochene zu liefern; denn danach lässt sich keine Ihrer Initiativen mehr fristgerecht bis zum Sommer verabschieden. Fangen Sie bitte endlich an, Ihren Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen und unsere Landwirte ernsthaft in bürokratischer Hinsicht zu entlasten. Mit diesem Gesetz, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Ampel, gelingt Ihnen das nämlich auf keinen Fall.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]
Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
14 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU, ich kann es Ihnen nicht ersparen, wir können es Ihnen nicht ersparen, darüber zu reden, dass Sie 16 Jahre lang das Landwirtschaftsministerium besetzt hatten.

Zurufevon der CDU/CSU: Oh!

Wer regiert denn hier in diesem Land?

Wer hat denn Verordnungen gemacht, in denen verschiedene Ausnahmen stehen, die nicht zusammenpassen? Der Herr Straubinger hat es genüsslich vorgelegt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Wir führen das jetzt zusammen; dann passt das. Wer hat uns einen Riesenkonflikt mit der EU-Kommission hinterlassen, drohende Strafzahlungen in Höhe von 1 Milliarde Euro,

Aber wir haben unsere Bauern geschützt!

zu viel Nährstoffe in den Gewässern,

So ist es!

von Flüssen bis zu den Meeren, steigende Kosten für Trinkwasser und Traktoren auf der Straße, weil das Düngerecht unfair und zu kompliziert ist?

Weniger als ein Jahr nach Regierungswechsel hatten Steffi Lemke und Cem Özdemir das Vertragsverletzungsverfahren beigelegt.

Zulasten der Bauern!

Wir haben die Länder verpflichtet, mehr Grundwassermessstellen auszubauen, und heute räumen wir im Düngegesetz auf. Wir führen die Daten zusammen, die die Länder und Landwirtinnen und Landwirte sowieso haben. Wir machen aus der Nährstoffbilanz etwas Sinnvolles, indem wir die hohen Pauschalwerte streichen.

Ja, Sie benennen sie einfach um!

Der Stickstoff soll ja nicht das Grundwasser, die Luft oder die Meere düngen, sondern die Pflanzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das ist eine unverschämte Unterstellung gegenüber den Bäuerinnen und Bauern!

Wir nehmen einen Wert für Phosphor in die Bilanzierung mit auf. Phosphor ist ein endlicher und wertvoller Rohstoff.

Es geht um Hilfestellung gegenüber den Bäuerinnen und Bauern!

Er kann aber auch Gewässer zum Umkippen bringen; deswegen müssen wir damit vorsichtig sein. Wir schaffen Ausnahmen für kleine Betriebe, die dann keine Bilanzen mehr erstellen müssen. Das baut effektiv Bürokratie ab. Das ist nicht viel; aber es ist etwas.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Das habt ihr nicht geschafft! Einen Entschließungsantrag habt ihr gemacht!

Wir können die Düngeverordnung damit fairer machen. Heute schert das Düngerecht alle über einen Kamm: Ob ich Biobauer bin oder Hightechlandwirtin und total sauber arbeite – ich muss mit aufräumen, was andere angerichtet haben. Das werden wir ändern. Es kommen differenzierte, faire und zielgerechte Verfahren, und zwar schnellstmöglich.

Wenn das mit Ihrer Geschwindigkeit läuft wie bisher, dann Prost Mahlzeit!

Ich muss an der Stelle den Landwirtinnen und Landwirten gegenüber ehrlich sein: schnellstmöglich. Das geht über mehrere Jahre. Wir müssen die EU mit wissenschaftlichen Daten davon überzeugen, dass der differenzierte Weg für das Grundwasser genauso funktioniert wie der pauschale.

Das ist das Deutschlandticket für Landwirte!

Wir brauchen dafür die Messstellen, wir brauchen dafür das Monitoring, und wir brauchen am Ende auch die Nährstoffbilanzen. Wer dagegen ist, bekommt am Ende entweder das Wasser nicht sauber oder keine Verursachergerechtigkeit hin. Wir schaffen mehr Umweltschutz bei etwas weniger Bürokratie und gerechteren Regeln.

Weniger Bürokratie? Ha!

Ich möchte mich bei Carina Konrad bedanken, bei Julia Verlinden, bei Matthias Miersch – der ist heute nicht dabei –, bei Gero Hocker – auch nicht da –, bei Renate Künast, Susanne Mittag und Sylvia Lehmann. Wir haben uns viel zusammengesetzt, intensiv und lange daran gearbeitet. Das hat sich gelohnt. Und es gilt dann bei Fußballmannschaften, beim Gesetzemachen und bei Fruchtfolgen: Vielfalt ist Stärke.

Danke.

Heiterkeitund Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich aus meinem Bürofenster schaue, dann sehe ich da ein Plakat mit der Aufschrift „Bürokratie endlich dort, wo sie hingehört: im Museum“. Dieses Projekt kommt zwar von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, macht aber recht deutlich, wie die deutsche Bevölkerung zur Bürokratie steht und dass sie sie am liebsten abschaffen würde.

Wie hängt das mit Ihrem Gesetzentwurf zusammen? Gar nicht!

Erinnern wir uns an die Bauerndemonstrationen um den Jahreswechsel: Die geplanten Einsparungen im Bundeshaushalt mögen der Auslöser dafür gewesen sein, aber das eigentliche Problem war die Überbelastung mit Bürokratie und Auflagen. Landwirte erzählen mir häufig, dass sie fast mehr Zeit am Schreibtisch verbringen als auf dem Feld und im Stall oder dass der Vollzug mancher Regelungen zu pedantisch und nicht an die Praxis angepasst ist. Das hat das BMEL aufgenommen. Ganz konkretes Beispiel: Im nächsten GAP-Strategieplan wollen wir dafür sorgen, dass Blühstreifen zukünftig nicht an jeder Stelle mindestens 5 Meter breit sein müssen, sondern lediglich auf der überwiegenden Länge. Dadurch verlieren Betriebe bei geringer Abweichung nicht mehr die Prämie; denn es geht ums Prinzip und nicht um Zentimeternaturschutz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Bürokratieabbau darf allerdings nicht mit der Herabsetzung von Standards gleichgesetzt oder als Vorwand dafür genutzt werden.

Wofür brauchen wir aber eigentlich im besten Fall Bürokratie bzw. eine Überprüfung, dass Gesetze und Verordnungen eingehalten werden? Um Unternehmer, die sich nicht an die gute fachliche Praxis halten, aus dem Verkehr zu ziehen und um für alle anderen ein faires Wettbewerbsfeld zu erhalten.

Die gute fachliche Praxis, die ist bei euch nicht gut aufgehoben!

Genau das ist die Logik hinter dem Düngegesetz, das wir heute beschließen werden. Indem wir gut vergleichbare Daten über Nährstoffbilanzen auf deutschen Äckern bekommen, können wir besser nachvollziehen, auf welchen Flächen der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser überschritten wird. Das sind dann die sogenannten Roten Gebiete. Aktuell sind das in Deutschland rund 3 Millionen Hektar, auf denen nur weniger gedüngt werden darf. Die Nährstoffbilanzierung ist außerdem ein elementarer Baustein, um gewässerschonend wirtschaftende Betriebe zukünftig von strengeren Düngeregeln ausnehmen zu können.

Alter Wein in neuen Schläuchen!

In unserer Entschließung fordern wir das BMEL auf, solche Ausnahmeregelungen gemeinsam mit der EU zügig zu erarbeiten. Unser Ziel ist es, die echten schwarzen Schafe aus dem Verkehr zu ziehen und nicht die Landwirtschaft pauschal zu belasten. Das erfordert eine solide Datengrundlage, ohne dass Extraaufwand für die Landwirte entsteht. Wir sehen auch die Länder in der Pflicht, genügend Messstellen zu errichten, um wirklich repräsentative Werte zu erreichen.

Man könnte jetzt zynisch fragen: Warum brauchen wir überhaupt ein neues Düngegesetz und so viele Daten? Dazu sage ich: Neue Regeln sind natürlich nur dann angesagt, wenn das Problem wirklich groß ist. Kleine Erinnerung – wir haben das schon mehrfach gehört –: Erst im Juni 2023 konnte das langwierige Vertragsverletzungsverfahren wegen der Nitratrichtlinie, das zu Strafzahlungen von 800 000 Euro pro Tag geführt hätte, beigelegt werden, und das auch nur unter Bedingungen. Die EU hat uns aufgefordert, ein rechtssicheres, vollzugstaugliches und auf kontrollierbaren Daten beruhendes Bilanzsystem einzurichten. Das liefern wir jetzt mit dem Wirkungsmonitoring zur Düngeverordnung. Gleichzeitig leistet der effizientere Umgang mit Stickstoff und Phosphor in unseren Betrieben einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Luftschadstoff-, Wasserrahmen- und Meeresschutzstrategierichtlinien.

Folgender Fakt noch: Bei tendenziell steigendem Nitratgehalt im Rohwasser muss das Trinkwasser kostenintensiv aufbereitet werden.

Hört! Hört!

Diese Kosten muss dann wieder die Allgemeinheit tragen.

Stimmt doch gar nicht!

Um das zu verhindern, bietet das Düngegesetz die notwendigen Rechtsgrundlagen. Unser Ziel ist es, mit einem Mindestmaß an neuer Bürokratie Verursacher zu identifizieren und damit für mehr Gerechtigkeit in der Landbewirtschaftung zu sorgen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

sodass ich die Aussprache schließen kann.

10 Vermerkeca. 732 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! Lieber Max Straubinger, über den Unterschied zwischen Verordnung und Gesetz müssen wir noch mal diskutieren, vielleicht bei einer kleinen Maß.

Da müsst ihr noch was lernen! Da müsst ihr noch üben!

Zurufdes Abg. Max Straubinger [CDU/CSU]

Meine Damen und Herren, seit über einem Jahrzehnt beschäftigen sich der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung mit dem Düngegesetz. Diese Beschäftigung gleicht über weite Strecken einer Endlosschleife. Sämtliche Ansätze der Vorgängerregierung zur Umsetzung der Nitratrichtlinie verfehlten die europäischen Anforderungen. Die EU leitete daher 2013 ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Alle folgenden Versuche Deutschlands, diese Situation zu verbessern, wurden auch vom Europäischen Gerichtshof für null und nichtig erklärt – all das, während die CDU/CSU-Fraktion die stärkste Kraft im Parlament war und das Landwirtschaftsministerium führte.

Frau Kollegin, da waren Sie mit dabei!

Das war eine gute Zeit!

Aber das nur als kleine Fußnote, lieber Max.

Mit der heutigen Beschlussfassung beenden wir diese Endlosschleife. Damit dürfte wohl das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland endgültig ad acta gelegt werden. Die damit verbundene Geldstrafe hätte mindestens 17 Millionen Euro und ein anschließendes Strafgeld von bis zu 1 Million Euro pro Tag beinhaltet. So viel zur christdemokratischen Haushaltsführung! Diese finanzielle Belastung hätten CDU und CSU wohl billigend in Kauf genommen. Mit Verweis auf die schwarze Null stellen Sie jetzt aber soziale Maßnahmen infrage. Das finde ich sehr bemerkenswert.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Reden Sie doch mal zum Gesetz!

Schon allein aus diesem fiskalischen Aspekt heraus ist die heutige Beschlussfassung für die Ampelkoalition ein großer Erfolg. Das, meine Damen und Herren, verstehen wir unter einer verantwortungsbewussten Haushaltsführung.

Aber nun zum Aktuellen. Das Bundeskabinett beschloss im Mai 2023 die Änderung des Düngegesetzes. Damit schaffen wir die Rechtsgrundlage für die Einführung eines flächendeckenden Bodenmonitorings und die Weiterentwicklung der Stoffstrombilanzverordnung, jetzt: Nährstoffbilanzverordnung. Es hat sich mal wieder gezeigt: Konstruktiver Streit lohnt sich.

Mit der heutigen Einigung setzen wir ein wichtiges Ziel der Ampelkoalition um. Wir etablieren eine Maßnahmendifferenzierung, die nach dem Verursacherprinzip erfolgt. Damit werden langfristig auch Erleichterungen für Landwirtinnen und Landwirte erzeugt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Na, da bin ich mal gespannt! Ich weiß nicht, wo Sie die sehen!

Hierfür ist allerdings eine einzelbetriebliche Betrachtung der Nährstoffbilanz erforderlich. Denn erst diese ermöglicht es, diejenigen Betriebe, die eine positive Bilanz aufweisen, weil sie weniger Nährstoffe in den Boden einbringen und nachweislich nicht Verursacher von Gewässerverschmutzung sind, von Auflagen zu befreien.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das flächendeckende Bodenmonitoring allein reicht hierfür nicht aus; denn das Grundwasser macht an der Flurstücksgrenze nicht halt und lässt somit einen Schluss auf den einzelnen Betrieb nicht zu.

Na, Gott sei Dank! Datenschutz!

Übrigens gibt es die Nährstoffbilanzierung bereits seit 2018.

Wir machen diese Verordnung jetzt weniger aufwendig. Wir machen sie schlanker, digitaler und unbürokratischer. Wir wollen schnell eine Möglichkeit schaffen, dass einzelne Betriebe Ausnahmen bekommen. Hierbei werden insbesondere die Ursachen für Nitrat- und Phosphatbelastung berücksichtigt. Unser Ziel ist es, Betrieben selbst in belasteten Gebieten weniger strenge Regeln aufzuerlegen, wenn sie umweltfreundlich arbeiten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Damit, meine Damen und Herren, entsprechen wir auch den Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft, der ZKL. Sie empfiehlt in ihrem Abschlussbericht unter anderem, die Stickstoffnutzungseffizienz zu erhöhen, den Düngereinsatz zu reduzieren,

Das werden die Bauern schon selber tun!

die vielfältigen Fruchtfolgen, die Mischkulturen, Zwischenfrüchte und Untersaaten zu nutzen, um die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft zu verringern, und letztlich eine transparent überprüfbare, da einzelfallbetriebliche Nährstoffbilanzierung zügig umzusetzen. Genau das machen wir jetzt und verstärken das auch noch mit unserer Entschließung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

In einem Punkt, meine Damen und Herren, waren sich alle Koalitionäre von Anfang an einig: Wir wollten eine Lösung, die möglichst wenig bürokratischen Aufwand erfordert und größtenteils digital umsetzbar ist.

Doppelt gemoppelt habt ihr das!

Auch das halten wir in der Entschließung, lieber Max, nochmal gesondert fest.

Weiterhin fordern wir von der Bundesregierung, für bestimmte Betriebe und Flächen in der Nährstoffbilanzverordnung Ausnahmen festzulegen und die Bezugszeiträume sowie die Fristen für die betrieblichen Aufzeichnungen flexibler zu gestalten. Des Weiteren soll das Bewertungssystem für Stickstoff angepasst und sollen pauschale Bilanzwerte aufgehoben werden. Härtefallregelungen müssen definiert und die digitale Übermittlung von Düngungsdaten erleichtert werden. Die Nutzung der Daten ist digital zu ermöglichen, und Betrieben soll dabei Einsicht gewährt werden.

Schließlich soll die Umsetzung von Maßnahmendifferenzierungen in den roten Gebieten vorangetrieben werden. Dabei sind Ausnahmen wie kleinere Betriebe und bestimmte Flächen wie Baumschulen, Wein- oder Obstbau und Zierpflanzenkulturen vorgesehen. Für den Gemüseanbau fordern wir aufgrund der Besonderheiten der Anbau- und Absatzverfahren eine gesonderte Betrachtung bei der Nährstoffbilanzierung.

Wegen der Vielschichtigkeit und der politischen Relevanz fordern wir als Parlament eine Mitsprache, bevor diese Rechtsverordnung zur Verabschiedung an den Bundesrat weitergeleitet wird.

Die Monitoringverordnung regelt die Überwachung der gesamten Nährstoffeinträge in das Grundwasser. Hierbei sollen die verfügbaren wissenschaftlichen, technischen Daten über die jeweiligen Stickstoffeinträge in allen Regionen einheitlich erfasst und nach bundeseinheitlichen Methoden ausgewertet werden.

Diese heutige Beschlussfassung, meine Damen und Herren, zeigt sehr deutlich, dass die Koalition durchaus in der Lage ist, –

2 Vermerkeca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– schwierige Fragen zu beantworten.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
5 Vermerkeca. 445 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich rede heute zum Antrag der CDU/CSU-Fraktion zur Arbeitszeitflexibilisierung. Im Antrag steht, dass die Bevölkerung sich das wünsche. Ziel solle sein, anstelle der täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einzuführen. Das heißt im Klartext: Der Arbeitstag mit maximal zehn Stunden würde damit obsolet werden. Der entscheidende Punkt ist, dass die Kolleginnen und Kollegen dann dem Arbeitgeber an der Stelle weisungsunterlegen sind und dementsprechend auch länger als zehn Stunden arbeiten müssen, wenn der Arbeitgeber das wünscht. Zur Arbeitszeitflexibilisierung fand eine Anhörung im Deutschen Bundestag statt mit Gewerkschaftern, Betriebsräten, Menschen aus der Praxis und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von Kaufland. Keiner von denen hat sich eine Arbeitszeitflexibilisierung gewünscht. Bei solchen Anträgen frage ich mich, ob Sie eigentlich das, was Ihnen die Lobbyisten sagen, auch hinterfragen.

Widerspruchbei der CDU/CSU

Ich stelle zudem bei Ihnen eine gewisse Veränderung in Ihrer Haltung fest. Unter Merkel haben Sie mit uns noch den Mindestlohn eingeführt. Unter Ihrem Vorsitzenden Herrn Merz wünschen Sie sich nun, dass das Rentenalter – angepasst an die steigende Lebenserwartung – erhöht wird. In dem vorliegenden Antrag wünschen Sie sich, dass der Arbeitstag der Menschen länger ist. Zudem sollen die Überstunden am besten steuerfrei oder möglicherweise sozialabgabenfrei sein. Die minuten- oder stundengenaue Arbeitszeiterfassung sei jedoch bürokratisch und unpraktisch. Das ist so, als ob ich einem Esel eine Karotte vorhalte, die er nie erreichen kann. Ihr Umgang mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie die Richtung Ihrer Arbeits- und Sozialpolitik sind nicht korrekt. Das ist völlig kontraproduktiv.

Beifallbei der SPD

Es ist heute schon möglich, in Deutschland Fabriken 365 Tage im Jahr zu betreiben, 24/7. Das ist mit guten Arbeitsbedingungen, Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen vor Ort, die genau das regeln, was vor Ort möglich, zu machen. Sie sollten sich genau überlegen, wo Sie mit Ihrem Vorsitzenden, Herrn Merz, hinsteuern. Sie sollten lieber das Menschliche nach vorn stellen; denn die Menschen haben das verdient. Zudem beklagt sich die Wirtschaft nicht ständig, dass es ihr schlecht geht. Das ist nicht der Fall. Die Unternehmen haben 2023 an der Börse Rekordgewinne erzielt.

Ja, ja! Die Wirtschaft ist gut, nur die Zahlen sind schlecht!

Die Zahlen sprechen da eine deutliche Sprache. Darüber können wir reden.

Die Koalitionsfraktionen werden für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Wir wollen, dass die Tarifbindung in Deutschland steigt. Dazu werden wir ein Tarifbindungsgesetz auf den Weg bringen. Und wir werden dafür sorgen, dass die Ruhezeiten weiter bestehen bleiben und dass zwischen den Schichten eine Ruhezeit von elf Stunden eingehalten werden muss. Das ist menschlich. Auf der anderen Seite haben wir einen guten Tarifdialog in Deutschland; Probleme lösen wir vor Ort. Das ist ein guter Weg, und den sollten wir auch gemeinsam weitergehen. Es gibt immer Möglichkeiten, die besten Lösungen für die Kollegen vor Ort zu finden. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen. Den vorliegenden Antrag lehnen wir ab.

Danke.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Axel Knoerig
Foto: Axel Knoerig/ Sigi Schritt
9 Vermerkeca. 464 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren heute erneut über unseren Antrag zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. Dabei machen wir es doch für Sie, liebe Ampel, so einfach wie auch konkret.

Wie war das? Konkret?

Wir als CDU/CSU möchten von der täglichen zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

Ja, das wollen wir aber nicht!

Das kommt Beschäftigten und Familien zugute. Und dafür gibt es auch viele gute Beispiele: Stellen Sie sich eine Mutter vor, die sich das Sorgerecht teilt. An einigen Tagen betreut sie die Kinder, an den anderen der Vater. Nun möchte diese Mutter vielleicht an diesen Tagen deutlich mehr arbeiten und an anderen Tagen mehr Zeit für die kleinen Kinder haben. Mit der wöchentlichen Höchstarbeitszeit ist das kein Problem.

Jetzt fliegen hier gleich rosa Schmetterlinge durch die Halle!

Oder denken Sie an ein berufstätiges Ehepaar. Dieses kümmert sich wechselweise um eine pflegebedürftige Verwandte. Auch hier gäbe es mit einer wöchentlichen Arbeitszeit mehr Spielräume.

Beifallbei der CDU/CSU

Vergessen wir bei alledem nicht die Generation Z. Wissen Sie, welchen Hauptgrund junge Menschen nennen, wieso sie bei ihrem Arbeitgeber bleiben?

Bestimmt nicht, weil sie länger arbeiten sollen!

Flexibilität in Ort und Zeit, das ist deren Antwort.

Dabei möchte ich eins erneut klarstellen: Wir bewahren stets unseren starken Arbeitsschutz. Wir halten an der maximalen Wochenarbeitszeit von 48 Stunden fest. Wir haben die elf Stunden Ruhezeit, und wir sehen Ausnahmen für sogenannte gefahrgeneigte Berufe vor.

Sie sehen: Wenn Sie unserem Antrag zustimmen, schaffen Sie mehr Spielräume für Beschäftigte und Familien. Und Sie geben den Unternehmen die Möglichkeit, Fachkräfte zu binden. Obendrein kommen Sie Ihrem eigenen Koalitionsvertrag – da schaue ich zur FDP – ein ganzes Stück näher. Was steht denn da drin? „Mehr Fortschritt wagen“! Vor zweieinhalb Jahren sind Sie mit diesem Motto angetreten. Es ist daher logisch, dass Sie selbst die Notwendigkeit flexiblerer Arbeitszeiten dort auch festgeschrieben haben. Und dazu gehören laut Ihnen auch „Experimentierräume“ bei der Tageshöchstarbeitszeit, die kommen sollen. Das sind Ihre Worte, nicht unsere!

Von Fortschritt ist bei diesem Thema jedoch nichts zu spüren. Bei den flexiblen Arbeitszeiten sind Sie schlichtweg blank. Unseren Antrag haben Sie als Ampel im Ausschuss vor wenigen Wochen dennoch abgelehnt. Und was vernehmen wir kurz darauf aus der Presse? Der Fraktionsvize der FDP wiederholt unsere Forderung nach wöchentlichen Höchstarbeitszeiten. Zitat von Herrn Köhler dazu: „Der Acht-Stunden-Tag ist ein fossiles Dogma.“ Das ist der nächste Stich gegen den Koalitionspartner, und das steht in guter Tradition zu Ihren Aussagen zum Bürgergeld, zum Streikrecht und auch zur Haushaltsführung.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich mache der FDP dabei überhaupt keinen Vorwurf, dass sie sich hier einer guten Sache anschließt. Vielmehr bin ich gleich gespannt, wie Sie sich heute um Kopf und Kragen reden,

wenn Sie unseren Antrag erneut ablehnen. Statt Ihre Ampelstreitigkeiten in der Öffentlichkeit auszutragen, bitte ich Sie vielmehr darum: Besinnen Sie sich auf das, was Sie versprochen haben – Fortschritt auch bei den flexiblen Arbeitszeiten. Machen Sie den Unterschied für Familien und Beschäftigte. Stimmen Sie unserem Antrag bitte zu!

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
13 Vermerkeca. 406 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen und Gruppen!

Wer soll das denn sein?

Der Union ist das Thema Arbeitszeit gerade sehr wichtig, seitdem sie in der Opposition ist. Und trotzdem ist der Antrag heute dünn, sehr dünn sogar und unkonkret. Die Union stützt sich dabei vor allem auf Behauptungen. Der Achtstundentag beispielsweise sei ein Hemmschuh. Flexibilität sei in dieser Form nicht möglich, wie es sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Unternehmen wünschen. Wollen die Beschäftigten tatsächlich längere Arbeitszeiten von zehn oder zwölf oder noch mehr Stunden pro Tag?

Zurufder Abg. Mareike Lotte Wulf [CDU/CSU]

Sie schreiben das einfach so in Ihren Antrag. Mit Fakten unterlegen können Sie diese Behauptung aber nicht.

Es gibt doch genügend Untersuchungen!

Lesen Sie doch mal den Koalitionsvertrag!

Unsere Sachverständige bei der Anhörung, Frau Dr. Amélie Sutterer-Kipping vom Hugo Sinzheimer Institut, hat diese Behauptung sehr eindeutig widerlegt. Sie schreibt in ihrer Stellungnahme, der Wunsch der Beschäftigten nach Erhöhung der täglichen Arbeitszeit sei empirisch nicht belegbar. „Im Gegenteil: Nach der BAuA-Arbeitszeitbefragung wünscht sich mehr als die Hälfte der abhängig Beschäftigten“ – und zwar 53 Prozent – „kürzere Arbeitszeiten.“ Und sie schreibt weiter: „Etwa die Hälfte der Beschäftigten möchte zudem an weniger als 5 Tagen pro Woche arbeiten.“ Sie, die Union, sollten also nicht irgendwas in einen Antrag schreiben, sondern diese Zahlen der BAuA endlich einmal zur Kenntnis nehmen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wünsch dir was!

Die Union will unbedingt die tägliche Höchstarbeitszeit abschaffen und dafür die wöchentliche Höchstarbeitszeit einführen, und zwar mit der Begründung, es gehe auch um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unsere Sachverständige sieht auch das ganz anders. Sie schreibt: Mit längerer Arbeitszeit werden Betreuungskonflikte „nicht gelöst, sondern verschärft“.

Warum habt ihr dann den Koalitionsvertrag so gemacht?

„Ein solches Modell begünstigt tradierte Rollenverteilungen und steht der Gleichstellung von Mann und Frau im Arbeitsmarkt entgegen.“ Wir sehen das ganz genauso. Mit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht verbessert werden. Im Gegenteil: Das wäre eine Rolle rückwärts.

Ist der Koalitionsvertrag schon Schall und Rauch?

Wir müssen zwar an der Stellschraube Arbeitszeit drehen, aber in die richtige Richtung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, in welche?

– Dazu komme ich noch.

Zurufdes Abg. Marc Biadacz [CDU/CSU]

– Marc, hör zu!

Beschäftigte wollen und brauchen echte Zeitsouveränität, wenn es um die Arbeitszeit geht.

Das fordern wir Grünen schon lange. Sie sollen Einfluss nehmen auf die Dauer, auf die Lage und auf den Ort der Arbeitszeit. Denn es geht darum, dass Arbeit besser ins Leben passt.

Die Union aber will die Arbeitszeiten einfach nur verlängern,

weil es für manche Unternehmen besser passt.

Das ist in Zeiten von Arbeits- und Fachkräftemangel schlichtweg das falsche Signal. Und das geht im Übrigen auch zulasten der Gesundheit der Beschäftigten. Deshalb lehnen wir diesen Antrag heute ab.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Jens Beeck [FDP]
Beifallbei der AfD
15 Vermerkeca. 625 WörterReaktionswert: hoch
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Werter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist schlecht, sie ist stur, und sie ist schnöd. Wenn es eines Beweises dafür bedurft hätte, dann ist dieser vorliegende Antrag der Beweis. Denn Sie haben es sich tatsächlich getraut, hier zwei Seiten vorzulegen, eigentlich nur eine Seite Text, und etwas zu beantragen, von dem Sie selbst gar nicht zu definieren wissen, was Sie eigentlich beantragen wollen.

Wir können einfach nur daraus schließen, dass Sie die Achtstundentage und die Fünftagewoche zugunsten einer neuen wöchentlichen Höchstarbeitszeit abschaffen wollen.

Zurufvon der CDU/CSU: Sie haben es nur nicht verstanden!

Ansonsten beauftragen Sie die Bundesregierung, irgendwas zu tun, was sie sich ausdenken möchten, nach den Kriterien, die Sie so ein bisschen vorgegeben haben, meine Damen und Herren.

Sie sind auch stur. Denn alle Abgeordneten in der ersten Lesung, alle Abgeordneten im Ausschuss, alle Sachverständigen außer den CDUlern haben gesagt: Das ist völliger Mist. Lassen Sie die Finger davon. – Trotzdem quälen Sie uns hier in der zweiten Lesung mit diesem Antrag.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Dr. Markus Reichel [CDU/CSU]

Das Schlimmste aber ist: Dieser Antrag ist schnöd. Er verachtet diejenigen, die Sie mit dem Antrag eigentlich zu fördern vorgeben. Sie fordern mehr Freiheit für Beschäftigte und Familien. Und Ihre Forderungen laufen genau auf das Gegenteil hinaus, meine Damen und Herren.

Wie kann man allen Ernstes mehr Arbeit pro Woche fordern? Wie kann man allen Ernstes eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden fordern?

Das steht nämlich in Ihrem Antrag. Sie beziehen sich in Ihrem Antrag auf die EU-Arbeitszeitrichtlinie. Sie wollen die Fünftagewoche kippen; Sie wollen den Achtstundentag kippen.

Sie haben den Antrag gar nicht gelesen!

Sie wollen letztendlich, dass die Leute nicht mehr planbar arbeiten können und dass sie mehr arbeiten müssen jeden Tag,

Nein, das stimmt nicht!

dass der Arbeitgeber – theoretisch – in der Früh ins Büro kommen und sagen kann: Jetzt arbeitest du mal 16 Stunden. – Das wäre dann erlaubt. Und das verkaufen Sie als mehr Freiheit für die Familien?

Sie haben es nicht verstanden!

Das ist wirklich unwürdig, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Ist das die sozialistische Alternative, oder was?

Und weil Sie ja immer vorgeben, konservative Wähler zu vertreten, möchte ich Ihnen jetzt einmal Ihren Antrag aus konservativer Wählersicht aufrollen, damit die mal sehen, dass Sie alles andere als konservativ und freiheitlich sind.

Lesen! Lesen!

Zum Ersten. Ein konservativer Wähler möchte eigentlich gerne die Traditionen behalten und möchte nur dann etwas ändern, wenn es dringend geändert werden muss. In Deutschland – da sind wir uns hoffentlich einig – ist genug zu ändern, zum Beispiel Merkels Migrationspolitik oder die Energiepolitik der Ampel. Aber das Arbeitszeitgesetz gehört eigentlich nicht dazu,

Aber sicher!

eine Flexibilisierung der Arbeitszeit auch nicht; denn das Arbeitszeitgesetz funktioniert eigentlich im Großen und Ganzen.

Keine Ahnung!

Die Fünftagewoche und der Achtstundentag sind sogar eine wesentliche deutsche, patriotische Errungenschaft. Es waren die Gewerkschaften in den 50er- und 60er-Jahren mit der Botschaft „Samstags gehört Vati mir“, die es erreicht haben, dass wir von 48, 49 Stunden runterkamen auf nur noch 40 Stunden die Woche, die gearbeitet werden müssen. Das war eine Errungenschaft. Solche Errungenschaften wollen Sie als angeblich Konservative kippen. Das zeigt, wie Sie denken, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Vor allem aber will ein Konservativer die Familie schützen, will den Eltern Zeit mit den Kindern ermöglichen. Sie nehmen genau diese Zeit weg. Es kann wieder eine Sechstagewoche geben, es kann wieder 48-Stunden-Wochen geben. Es ist Ihnen völlig egal, wie es den Eltern mit ihren Kindern geht. Da zeigen Sie Ihr wahres Gesicht.

Beifallbei der AfD

Sie sind ein reiner Theoretiker!

Als Sie Angela Merkel noch hatten, haben Sie die Leute wenigstens so verladen, dass es die Leute nicht gemerkt haben. Jetzt schreit Ihr Antrag ganz offen, dass Sie die Leute aufs Glatteis führen wollen, meine Damen und Herren.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Ein Wähler, der Traditionen und die Freiheit liebt, ein konservativer Wähler, wurde bereits unter Merkel und wird nach wie vor von der CDU/CSU ständig verladen. Wer Freiheit und Traditionen liebt, der sollte nicht die Arbeitszeit flexibilisieren, sondern seine Wählerstimme.

Haben Sie vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
12 Vermerkeca. 658 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei Einbringung des Antrags im März hat der geschätzte Kollege Knoerig zu Recht festgestellt, dass die Koalition im Grunde das vereinbart hat, was die Union jetzt fordert,

Aha! Lesen bildet!

und kritisiert, dass der Passus aus dem Koalitionsvertrag nach zweieinhalb Jahren noch nicht umgesetzt ist. Unerwähnt lässt Kollege Knoerig dabei, dass die letzte unionsgeführte Regierung in ihrem Koalitionsvertrag ebenfalls eine Tariföffnungsklausel zur Arbeitszeitflexibilisierung vereinbart hatte,

Damals war das Thema noch nicht so wichtig!

die allerdings nie das Licht der Welt erblickt hat. Wie heißt es so schön bei Matthäus: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dieselbe Blockade! Dieselben Blockierer!

Jedenfalls hat die aktuelle Koalition im Gegensatz zu der abgewählten Großen Koalition noch ein Jahr Zeit, den Koalitionsvertrag umzusetzen und die Arbeitszeitflexibilisierung in Experimentierräumen auf den Weg zu bringen.

Viel Erfolg!

Die aktuelle wirtschaftliche Lage gibt leider Anlass zum Handeln. Wir haben gleichzeitig eine Wachstumsschwäche, Fach- und Arbeitskräftemangel und stagnierendes Arbeitsvolumen trotz Rekordbeschäftigung zu verzeichnen. Wann, wenn nicht jetzt, wie, wenn nicht durch den Abbau von zu engen Fesseln, sollen wir die Wirtschaft ohne neue Schulden ankurbeln, liebe Kolleginnen und Kollegen?

Weiterer Zurufvon der CDU/CSU: Interessant!

Insofern begrüße ich, dass wir heute Abend über das Thema Arbeitszeitflexibilisierung diskutieren,

auch wenn ich finde, dass es der Qualität der Debatte und auch dem Vertrauen der Menschen in unsere Arbeit im Parlament zuträglich wäre, wenn dabei auf übertriebene Pauschalierungen und Übertreibungen verzichtet würde. Beispielsweise ist es nicht so, wie es der Antragstext suggeriert, dass die gesamte Bevölkerung, also jeder und jede, eine stärkere Arbeitszeitflexibilisierung wünscht. Wie sonst erklären Sie sich, lieber Kollege Knoerig, dass fast 80 Prozent der Beschäftigten in Deutschland angeben, dass sie mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden bis sehr zufrieden sind?

Ebenso falsch ist aber auch die pauschale Unterstellung, dass 3 Millionen Arbeitgeber in Deutschland mit den Hufen scharren und nur darauf warten, dass ihnen der Wechsel zur Wochenhöchstarbeitszeit die Möglichkeit eröffnet, ihre Beschäftigten zu längerer und womöglich gesundheitsschädigender Arbeitszeit zu zwingen. Was vermittelt das für ein Bild von unseren Unternehmerinnen und Unternehmern, liebe Kolleginnen und Kollegen? Eine solche Unterstellung haben unsere Arbeitgeber, insbesondere diejenigen im Mittelstand, nicht verdient.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Überhaupt würde sich für die überragende Mehrheit der Betriebe mit einer Anpassung im Arbeitszeitgesetz im Sinne des Koalitionsvertrags gar nichts ändern, weil eine solche Änderung ja nicht bestehende Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträge außer Kraft setzen würde. Aber ändern würde sich eines: Der Gesetzgeber gesteht den Sozialpartnern mehr Freiheit zu, die für ihre Branchen und ihre Betriebe besten Lösungen zu finden. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss die Botschaft an die Wirtschaft, an die Menschen in diesen Tagen sein: weniger Misstrauenskultur und mehr Freiheitsvertrauen.

Beifallbei der FDP

Was macht denn jetzt die Ampel eigentlich?

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte und im Oppositionsantrag geforderte Öffnung ist im Kern die Anpassung des deutschen Arbeitszeitrechts an die europäische Arbeitszeitrichtlinie. Die Behauptung, eine Eins-zu-eins-Umsetzung der EU-Richtlinie komme einer Rückkehr zum Manchester-Kapitalismus gleich, vermittelt, verehrter Kollege Kleinwächter, gelinde gesagt, ein merkwürdiges Verständnis von der Europäischen Union; das haben Sie ja auch.

Ich habe gar nicht von Manchester-Kapitalismus geredet!

Eine solche Unterstellung weise ich deutlich zurück. Die soziale Marktwirtschaft ist und bleibt fest verankert in unserem Europa, und das ist gut so.

Beifallbei der FDP

Bleibt die Frage, um welche konkreten Herausforderungen es geht. Zurzeit entscheiden sich ausländische Fachkräfte, die in kurzer Zeit viel verdienen wollen und dann längere Zeit mit ihren Familien verbringen wollen, für andere Länder und nicht für Deutschland. Das ist schlecht. Zurzeit verlieren Saisonbetriebe ihre Arbeitskräfte, weil diese aufgrund der Einschränkungen nicht genug Freizeitanspruch aufbauen können, um Schließzeiten zu überbrücken. Das ist schlecht. Es schließen zurzeit Geschäfte, obwohl Mitarbeiter gerne mehr oder zu anderen Zeiten arbeiten würden. Auch das ist schlecht.

Ich finde, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als verantwortungsvolle Erwachsene ihre Arbeitszeit anders legen wollen und darüber Einvernehmen mit ihren Arbeitgebern erzielen, dann ist es nicht die Aufgabe des Gesetzgebers, sie davon abzuhalten. Arbeitnehmerschutz darf sich nicht gegen den Willen der Schutzbedürftigen richten. Deshalb ist es richtig, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Deshalb ist es richtig, auszuloten, wo Schutz aufhört und sich in Freiheitseinschränkungen verkehrt. So bringen wir mehr Selbstbestimmung in den Arbeitsmarkt.

Beifallbei der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
8 Vermerkeca. 355 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen insbesondere von SPD und Grünen! Sie haben sehr deutlich gemacht, dass Sie unseren Antrag ablehnen werden. Da frage ich mich: Für wen machen Sie eigentlich Arbeitsmarktpolitik?

Beifallbei der CDU/CSU

Für die Menschen! Für die Beschäftigten!

Wir haben so eine vielfältige Arbeitswelt, von der Produktion im Schichtbetrieb bis zum Wissensarbeiter in einer Agentur oder Forschungseinrichtung,

Und deswegen wollen Sie für alle das Arbeitszeitgesetz verändern? Überlegen Sie mal, was Sie da sagen!

vom durchstrukturierten, mitbestimmten Großunternehmen bis zum flexiblen Kleinunternehmen, dessen Auslastung auch mit dem Auftragseingang stark schwankt, vom jungen Berufseinsteiger über die berufstätigen Eltern bis zum Silver Worker. Das Arbeitszeitgesetz passt nicht mehr für alle diese Situationen; deswegen muss es angepasst werden.

Nicht alle, aber viele Arbeitnehmer wollen mehr Flexibilität; viele Umfragen bestätigen das. Gegenwärtig führt der einzige Weg zu flexibleren Arbeitszeiten über die betriebliche Mitbestimmung. Damit ist aber die Hälfte der Arbeitnehmer aufgrund mangelnder Tarifbindung von vornherein ausgeschlossen, zumeist diejenigen in kleinen und mittleren Unternehmen. Für Sie sind diese Unternehmen und ihre Mitarbeiter offensichtlich nicht wichtig. Ganz im Gegenteil: Sie nennen die schnell auch mal „die kleinen Krauter von nebenan“, wie das ihr Kollege Bergt neulich einmal sagte.

Wir als Union haben immer das Ganze im Blick. Das unterscheidet uns von Ihnen. Mit unserem Antrag wollen wir das Leben erleichtern: für die Millionen Menschen, die sich mehr Flexibilität wünschen, und für die 2,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen, wo 55 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten.

Haben Sie eigentlich bei der Anhörung zugehört?

Was wird damit möglich? Wir beseitigen rechtliche Grauzonen, wir führen Arbeitsschutz und Flexibilität zusammen, und wir erzeugen Wertschöpfung und bringen Innovation voran. Unser Antrag sagt doch in Kurzform: Wir ersetzen die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. An der wöchentlichen Höchstarbeitszeit selbst ändert sich aber nichts, nur an der Verteilung.

Beifallbei der CDU/CSU

Die tägliche Ruhezeit beträgt weiterhin elf Stunden. In Tarifverträgen oder Individualvereinbarungen kann davon in gewissen Grenzen abgewichen werden, wenn der Arbeitsschutz gewährleistet ist.

Steht alles nicht im Antrag!

Das ist der Unterschied zwischen der Union und der Ampel: Sie gehen nicht an die Herausforderungen der Zeit heran. Zu viel Freiheit regulieren Sie sofort weg. Nicht tarifgebundenen Unternehmen und damit großen Teilen unseres Mittelstandes misstrauen Sie. Wir schaffen Freiraum, Sicherheit und Optimismus durch ein modernes Arbeitszeitrecht.

Beifallbei der CDU/CSU

Das braucht dieses Land gegenwärtig so dringend wie schon lange nicht mehr.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Jan Dieren
Foto: Jan Dieren/Photothek
16 Vermerkeca. 636 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Abgeordnete! Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und Unternehmen! Wir diskutieren schon wieder einen Antrag der Union zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung.

Immer denselben!

Wir sind fleißig!

Ich könnte Ihnen jetzt noch mal vorrechnen, dass schon jetzt jedes Jahr 1,3 Milliarden Überstunden in Deutschland gemacht werden, dass Beschäftigte mit flexiblen Arbeitszeiten schlechter schlafen, mehr körperliche und psychische Probleme haben.

Zurufvon der SPD: So ist es!

Wie viele Überstunden sind es pro Kopf?

Aber ich weiß schon: Das wird Sie nicht überzeugen. Sie alle, uns alle hier, würde das auch gar nicht betreffen. Wir könnten heute das Arbeitszeitgesetz abschaffen, und für keinen einzigen Abgeordneten würde sich auch nur ein bisschen ändern. Aber für über 40 Millionen Menschen in Deutschland würde sich etwas ändern.

Eine davon ist Svenja.

Lachendes Abg. Dr. Markus Reichel [CDU/CSU]

– Lachen Sie über Svenja, ja. – Svenja arbeitet als Pflegerin in einem Wohnheim für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Sie arbeitet da in Zwölftageschichten: sechs Tage am Stück Frühschicht, direkt danach sechs Tage Spätschicht, und erst danach hat sie zwei Tage frei. Wenn sie Frühschicht hat, steht Svenja jeden Morgen um 4.20 Uhr auf, geht aus dem Haus, bevor Sohn und Mann aufwachen, ist um 6 Uhr im Wohnheim, um die Bewohner/-innen zu wecken, sie anzuziehen, zu waschen, ihnen beim Frühstück zu helfen und sie durch den Tag zu begleiten. All das macht Svenja jeden Tag, zwölf Tage am Stück. Und wenn Svenja dann nach Hause kommt, ist sie fertig, ausgelaugt und überarbeitet, wie sie sagt, kann sich nur noch aufs Sofa setzen. Für alles andere reicht die Energie nicht mehr. Und Sie wollen Svenja jetzt sagen: „Was du brauchst, sind flexiblere Arbeitszeiten“? Was, glauben Sie, würde Svenja Ihnen erzählen.

Sie zeigt einen Vogel!

Ich habe Svenja von Ihrem Antrag erzählt und sie gefragt, was sie sagen würde, wenn sie hier am Pult stehen würde. Svenja sagt – ich zitiere –: Für mich würden flexible Arbeitszeiten mehr Arbeit bedeuten. Ich fühle mich davon ganz schön verarscht. – Den Rest zitiere ich hier lieber nicht.

Beifallbei der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Sie verschweigen die Wahrheit!

Flexible Arbeitszeiten sind heute längst möglich. Wer länger arbeiten möchte – wer das wirklich möchte –, kann längst länger arbeiten. Aber Sie legen jetzt einen Antrag vor, der Millionen von Beschäftigten in Deutschland wie Svenja betrifft: die Pfleger/-innen, Straßenbauer/-innen, Dachdecker/-innen, Kassierer/-innen, Lehrer/-innen, Erzieher/-innen, Handwerker/-innen, all diejenigen in Deutschland, die den Laden jeden Tag am Laufen halten, die Überstunden noch und nöcher machen, und von denen übrigens 80 Prozent sagen, dass sie nicht mehr, sondern weniger arbeiten wollen.

Zurufvon der SPD: Mit denen redet die Union ja nicht!

Sie haben es nicht verstanden! Die Leute sollen nicht länger arbeiten! Sie sollen flexibler arbeiten!

Und ich kann verstehen, dass die wütend werden.

Zurufdes Abg. Wilfried Oellers [CDU/CSU]

Ich kann verstehen, dass die sagen: Was fällt denen in Berlin eigentlich ein? Die sitzen da, haben keine Ahnung, was es bedeutet, meinen Job zu machen, und die wollen mir jetzt noch erzählen, ich soll mehr arbeiten?

Zurufevon der CDU/CSU

Wenn es nach Ihnen geht, sollen die Leute ja nicht nur jeden Tag, jede Woche, sondern ihr ganzes Leben lang länger arbeiten und erst mit 70 in Rente gehen.

Das ist Verleumdung! Fake News 15 Prozent!

Wir wollen, dass die Menschen wirklich über ihr Leben, über ihre Zeit selbst bestimmen können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Freiheit heißt doch nicht: Freiheit für die Arbeitgeber/-innen, auch noch das Letzte aus ihren Beschäftigten herauszuholen.

Das steht doch nicht in dem Antrag!

Freiheit heißt nicht, immer länger und noch mehr zu arbeiten. Freiheit heißt nicht: einfach flexiblere Arbeitszeiten.

Zurufdes Abg. Hermann Gröhe [CDU/CSU]

Freiheit heißt: Ich kann selbst über mein Leben bestimmen.

Zurufvon der CDU/CSU: Vorsicht!

Freiheit heißt, dass Svenja auch mal ein Wochenende frei hat, um es mit ihrem Sohn zu verbringen. Freiheit heißt Feierabend. Und diese Freiheit, liebe Kolleginnen und Kollegen, schützt das Arbeitszeitgesetz. Deshalb werden wir nicht am Achtstundentag rütteln, deshalb werden wir das Arbeitszeitgesetz nicht aushöhlen. Wir schützen diese Freiheit der Beschäftigten.

Beifallbei der SPD

Ich habe Svenja gefragt: Was erwartet sie von uns, die wir hier sitzen? Was würde ihr wirklich helfen? Sie hat mir gesagt: So wie wir gerade arbeiten, können wir den Menschen gar nicht gerecht werden. Verbessert unsere Arbeitsbedingungen! – Ihr Antrag hilft dabei gar nicht. Ich sage Svenja und all den anderen, die den Laden jeden Tag am Laufen halten: Wir stehen an eurer Seite.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufevon der CDU/CSU
11 Vermerkeca. 281 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der Union ist eine Mogelpackung.

Der Inhalt hat nichts mit dem Titel zu tun;

Beifallbei der Linken

denn der Inhalt lautet „Arbeitszeit flexibilisieren – Mehr Freiheit für Beschäftigte und Familien“. Liebe Union, Sie haben aber keinen einzigen Vorschlag für mehr Freiheit für Beschäftigte und Familien gemacht.

Doch! Steht alles drin! Nicht gelesen!

Im Gegenteil: Sie wollen eine weitere Ausweitung der Arbeitszeit als Geschenk für die Arbeitgeber. Das ist mit uns definitiv nicht zu machen.

Beifallbei der Linken

Ja, viele Beschäftigte wünschen sich Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen. Aber was hat eigentlich eine Pflegekraft, ein Verkäufer oder eine Schichtmitarbeiterin davon, wenn sie auch noch gezwungen ist, die 11., die 12. und auch die 13. Stunde abzureißen? Das ist doch aberwitzig!

Beifallbei der Linken
Zurufvon der CDU/CSU: Aber das stimmt doch gar nicht!

Schauen Sie sich mal die von Verdi unter den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes durchgeführte Arbeitszeitbefragung an! Das Ergebnis zeigt, wie hoch die Belastung bei Pflegekräften, bei Fahrdienstbeschäftigten, bei Erzieherinnen und Erziehern usw. ist. Die Kolleginnen und Kollegen wollen keine Ausweitung, und sie brauchen keine Ausweitung der Arbeitszeit,

Also so wird das nix mit den 5 Prozent!

weil sie sowieso schon die ganze Zeit Überstunden kloppen. Viele wären froh, wenn sie für diese Überstunden auch mal wieder freinehmen könnten.

Beifallbei der Linken

Sie ignorieren mit Ihren Forderungen die Lebens- und Arbeitsrealität der großen Mehrheit der Beschäftigten und gefährden damit auch noch deren Gesundheit. Das ist inakzeptabel.

Beifallbei der Linken

Nur an einer Stelle haben Sie recht: Die Bundesregierung macht ihren Job nicht.

Das ist ja schon mal Minimalkonsens!

Seit fünf Jahren ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeiterfassung nicht umgesetzt. Seit fünf Jahren! Dabei schützt eine Arbeitszeiterfassung Beschäftigte im Hinblick auf Überstunden, aber auch auf Mindestlohnbetrug. Ich finde, das ist Arbeitsverweigerung.

Beifallbei der Linken

Nein, das ist Abwägung!

Insgesamt gilt: Wir brauchen keine weitere Entgrenzung von Arbeit, sondern geregelte Arbeitszeiten, und insbesondere in belastenden Berufen brauchen wir eine Arbeitszeitverkürzung.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
5 Vermerkeca. 386 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir beraten gerade darüber, ob es noch mehr Flexibilität in der Arbeitswelt braucht und ob es Beschäftigten und Familien durch mehr Freiheit besser geht.

Wenn man die Debatte und auch den Beitrag meiner Vorrednerin verfolgt hat, dann stellt man fest: Es steht sehr viel auf dem Spiel. Wir diskutieren darüber, in welche Richtung wir gehen: Bleiben wir beim Bewährten, oder wählen wir ein neues System, das den Menschen viel Freiheit und Flexibilität vorgaukeln soll? Wir im Ausschuss für Arbeit und Soziales sind aber Fachleute, und als Fachleute schauen und hören wir genauer hin.

Egal ob es Arbeiter oder Arbeiterinnen, Kollegin Wulf, oder Angestellte sind oder auch Beamte: Die allermeisten Menschen verbringen sehr viel Lebenszeit auf der Arbeit. Deswegen muss die Arbeitswelt human sein. Eine wichtige Voraussetzung für eine humane Arbeitswelt ist, dass sie abgegrenzt ist – Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps –, also dass man Privates vom Dienstlichen trennen kann,

Beifallbei der SPD

Das ist eine Selbstverständlichkeit!

dass die Arbeitszeit erfasst wird und auch entsprechend bezahlt wird. Das ist die Voraussetzung.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht; auch ein Bibelzitat, lieber Carl-Julius Cronenberg, ich habe mich an deinem erfreut.

Heiterkeitdes Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]

So steht das in unserem Antrag!

– Eben nicht; es wäre besser, wenn es drinstehen würde. – Wer zu lange arbeitet, der wird krank. Und egal, in welchem Beruf die Menschen arbeiten, ob am Pflegebett, auf dem Führerstand einer Lokomotive, im Büro oder ob sie Pakete austragen: Durch zu lange Arbeitszeiten leidet die Gesundheit. Zuerst sind es Kopfschmerzen. Es passieren mehr Fehler, man ist unaufmerksam, die Unfallgefahr steigt. Langfristig leidet das Herz-Kreislauf- und auch das Muskel-Skelett-System. Und auch das Privatleben leidet. All das haben uns die Sachverständigen in der Anhörung gesagt.

Ich spreche viel mit den Beschäftigten. Wünsche nach einer Wochenarbeitszeit kommen nicht; es kommen Wünsche nach weniger Arbeit oder weniger Arbeit nach 18 Uhr. Wenn man das, was Sie in Ihrem Antrag fordern, umsetzen würde, dann wäre das ungefähr so, als würde man verlangen, dass die Menschen von Montag bis Freitag überhaupt nicht mehr schlafen und sich dann am Samstag und Sonntag die 48 Stunden Schlaf zurückholen.

Mahatma Gandhi wusste es: „Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Deswegen sage ich: Raus aus dem Hamsterrad! Ihren Antrag lehnen wir ab.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Mareike Lotte Wulf
Foto: Mareike Lotte Wulf/ Catrin Rörig
12 Vermerkeca. 456 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss einfach mal vorwegstellen: Wenn Sie unseren Antrag genau gelesen und mal nachgerechnet hätten, was das heißt, dann wären Sie vielleicht darauf gekommen, dass das, was wir vorschlagen, eine Höchstarbeitszeit von zwölf Stunden bedeuten würde, aber natürlich immer im Rahmen der 40-Stunden-Woche.

Sie schreiben „48 Stunden“!

Das ist übrigens genau das, was der Bund für seine Beamten vereinbart hat. Die haben eine 41-Stunden-Woche und dürfen 13 Stunden am Tag arbeiten.

Zurufdes Abg. Takis Mehmet Ali [SPD]

Das heißt, in drei Tagen können sie die Arbeitszeit erledigen und dann vier Tage frei machen.

Zurufvon der SPD: Was ist denn das für eine Logik?

Und nichts anderes schlagen wir hier auch für die freie Wirtschaft vor.

Zurufvon der SPD: Das ist falsch!

Ich verstehe nicht, woher die Aufregung kommt.

Beifallbei der CDU/CSU

Es geht doch um ein paar grundsätzliche Dinge. Die Wirtschaft und die Arbeitswelt befinden sich in einem fundamentalen Wandel, und ich bitte Sie, das nicht einfach auszublenden. Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche. Die Arbeit wird vernetzter, flexibler, digitaler, und die Lebensentwürfe der Menschen werden individueller und vielfältiger. Die Arbeitsplätze verändern sich. Die Arbeitnehmer müssen sich an diesen Wandel anpassen, und, ja, das erzeugt Druck und Stress. Und was ist die Antwort auf Druck und Stress? Die Antwort ist bestimmt nicht, zu sagen: Wir bleiben in starren Strukturen. – Nein, die Antwort lautet: mehr Selbstbestimmung, mehr Flexibilität, und dem muss das Arbeitszeitgesetz Rechnung tragen.

Beifallbei der CDU/CSU

Genau! Aber nicht länger arbeiten!

Ich verstehe ja, dass Sie ein bisschen damit ringen. Die Einführung des Achtstundentages war eine Revolution in der Industriegesellschaft. Der Unternehmer Robert Bosch hat ihn das erste Mal 1906 in seinen Betrieben eingeführt, weil er gesagt hat: Das erhält die menschliche Arbeitskraft und steigert gleichzeitig die Produktivität. 1918 wurde der Achtstundentag dann gesetzlich verankert. Unser Arbeitszeitgesetz gilt seit 1994.

Aber seitdem hat sich in der Gesellschaft eine ganze Menge verändert.

Zurufvon der SPD: Was denn?

– Dazu komme ich jetzt. – Der Achtstundentag passt zu einer Gesellschaft, in der 55 Prozent der Belegschaften aus Arbeitern besteht, die in der Produktion stehen. Heute sind aber 60 Prozent der Arbeitnehmerschaft Angestellte,

und nur noch 20 Prozent arbeiten tatsächlich in der Industrie. Und selbst in der Industrie hat sich die Produktion stark verändert. Wir reden von Automatisierung und mittlerweile von Industrie 4.0, von Vernetzung.

Oder Altenpfleger! Altenpflegerinnen! Was ist mit den Saaldienern? Alles Angestellte!

Zurufvon der SPD: Reden Sie mal weiter!

– Ja, ich rede weiter. – Unsere Wettbewerbsfähigkeit beruht auf Innovationsfähigkeit und nicht auf sich ständig wiederholenden Produktionsprozessen. Deshalb sage ich: Wir wollen nicht, dass die Leute mehr arbeiten; darum geht es überhaupt nicht. Die Arbeitszeit bleibt in unserem Gesetzentwurf gleich.

Das steht da nicht drin!

Wir wollen, dass die Menschen smarter arbeiten können.

Wenn die Koalition smarter arbeiten würde!

Die Altenpflegerin und der Altenpfleger!

Es geht um kluge Umverteilung von Arbeitszeiten, ohne dafür lästige Überstunden aufbauen zu müssen. Es geht um sinnvolle Wege, den Bedürfnissen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entgegenzukommen. Und ja, es geht auch darum, eine Viertagewoche im 40-Stunden-Modell zu ermöglichen,

Zurufvon der SPD: Das gibt es doch schon! Das ist doch schon möglich! Das geht doch im Arbeitszeitgesetz!

ohne die Produktivität unserer Volkswirtschaft zu schmälern oder den Fachkräftemangel zu verschärfen; so wie Frau Esken das möchte.

Porträt von Rita Schwarzelühr-Sutter
Foto: Rita Schwarzelühr-Sutter/ Photothek Media Lab
Rita Schwarzelühr-SutterSPD· Parl. Staatssekretärin BMI· MdB
4 Vermerkeca. 479 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Bundesregierung begrüßt es, dass das Parlament, der Bundestag, sich heute mit dem polizeilichen Engagement in Friedensmissionen befasst. So erfährt das Thema die gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Wir beziehen uns mit dem aktuellen Bericht auf das Jahr 2022, das vor allem vom völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geprägt war. Dieser wirkte und wirkt weit über die Ukraine hinaus. So hat die polizeiliche Beteiligung an den Friedensmissionen seit 2022 eine rasante Entwicklung genommen.

2023 endete die Tätigkeit der Missionen MINUSMA in Mali und UNITAMS im Sudan. Das Mandat der EUCAP Sahel Niger wurde einseitig von der nigrischen Militärjunta aufgekündigt. Neu eingerichtet wurden die EU-Missionen in Armenien, der Republik Moldau und in einigen Anrainerstaaten des Golfs von Guinea, alle mit deutscher Beteiligung. Die Mission in Armenien wird von einem Bundespolizisten geleitet.

Deutschland beteiligt sich seit 35 Jahren mit Polizistinnen und Polizisten an internationalen Friedensmissionen. Seitdem waren mehrere Tausend von ihnen in solchen Einsätzen. Seit 30 Jahren beteiligen sich auch Polizistinnen und Polizisten aus den Ländern. Die Länder stellen mittlerweile einen Großteil des entsprechenden Personals.

Allen im Ausland eingesetzten Beamtinnen und Beamten des Bundes und der Länder, aber auch deren Familien, Freunden, Kolleginnen und Kollegen, die im Inland die Stellung halten und gehalten haben, gilt die Anerkennung der ganzen Bundesregierung!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit dem Bundesverteidigungsministerium und dem Außenministerium ausgewählte Kräfte beim Tag des Peacekeeping am 27. Juni zu ehren. Erst gestern konnte ich mit dem Under-Secretary-General Jean-Pierre Lacroix sprechen, und in gegenseitiger Wertschätzung haben wir uns versichert, weiter eng zusammenzuarbeiten, wenn es um UN-Polizeieinsätze geht, und weiter deutsche Polizistinnen und Polizisten auch in leitende Positionen zu bringen.

Missionseinsätze sind oft nicht einfach, ja manchmal gefährlich, und im Inland wird das nicht immer so wahrgenommen. Ich will hier die Wertschätzung, Anerkennung und meinen Dank den Polizistinnen und Polizisten noch mal ausdrücklich entgegenbringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Diese Missionen sind nämlich notwendig. Denn Polizei macht das Leben sicherer, und Bürgerinnen und Bürger verdienen Polizeien, auf die sie vertrauen können, und sie können darauf vertrauen. Daher will ich unsere Erfolge nicht unerwähnt lassen:

Allein in den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir die Beteiligung an drei neuen Missionen in der EU und zwei Missionen der UN aufgenommen. Jüngst wurden neue Kabinettsbeschlüsse für die EU-Missionen in Armenien, in Georgien und in Somalia gefasst, um mehr polizeiliches Personal entsenden zu können.

Die Zahl der Polizistinnen und Polizisten, die in Friedensmissionen eingesetzt sind, hat signifikant zugenommen – das wird auch wahrgenommen bei der UN – von etwa 40 Ende 2022 auf heute fast 70, und die Tendenz ist weiter steigend. Das zeigt: Die Bundesregierung nimmt dieses internationale Engagement sehr ernst.

Allen Polizistinnen und Polizisten, die im Inland – ich will es noch mal ausdrücklich sagen: auch im Inland – und im Ausland für Sicherheit sorgen und Bürgerinnen und Bürger und Menschen beschützen, herzlichen Dank!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
8 Vermerkeca. 395 WörterReaktionswert: lebhaft
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Verehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir als Unionsfraktion begrüßen es ausdrücklich, dass sich unsere Polizei auch immer wieder an internationalen Missionen beteiligt. Das ist ein gutes Signal der internationalen Zusammenarbeit. Die Debatte, die wir heute dazu führen, passt, wie ich finde, auch sehr gut in diese so besondere Woche hinein, zeigt sie doch das Engagement unserer Polizei in seiner ganzen Breite – wie herausfordernd dieses Engagement ist, aber wie gefährlich es gelegentlich auch sein kann, wie der tragische Fall in Mannheim gezeigt hat, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Daher ist dieser Debattenpunkt für uns, für mich vor allen Dingen ein Grund, Danke zu sagen – Danke für die großartige Arbeit aller rund 300 000 Polizistinnen und Polizisten in unserem Land. Es ist großartig, wie sehr wir uns auf Sie verlassen können, verehrte Polizistinnen und Polizisten!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Unsere Polizei genießt einen hervorragenden Ruf – in Deutschland, aber eben auch international. Und unsere Polizei ist bei diesen Missionen der beste Botschafter unseres Landes und für Rechtsstaatlichkeit. Gerade darum werden wir international häufig beneidet. Internationale Einsätze sind eben ein gutes, ein ziviles Instrument der Diplomatie. Deshalb ist dieses Engagement durchaus noch ausbaufähig – Frau Staatssekretärin, Sie haben es geschildert; die Zahlen sind ja gesunken.

Aber was folgt für uns aus diesem Bericht und aus den Ereignissen dieser Woche? Politik muss vor allem Wertschätzung, Rückendeckung und Vertrauen ausdrücken. Das tun wir als CDU/CSU-Fraktion bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Ampelkoalition macht aber häufig leider das Gegenteil.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist doch wieder eine ganz absurde …!

– Das ist eben so, lieber Herr Kollege Hartmann. Ich nenne nur die Themen Kontrollquittungen, Kennzeichnungspflicht und auch den Misstrauensbeauftragten.

Zurufvon der SPD: Och, fällt euch nichts Besseres ein? Wirklich!

Daniel Günther in Schleswig-Holstein! Schleswig-Holsteiner Polizeigesetz!

Es ist ja noch früh genug: Nehmen Sie doch die Themen Kennzeichnungspflicht und Kontrollquittungen wieder aus dem Entwurf heraus!

Das wäre ein starkes Signal aus dieser Woche heraus.

Und dieses Signal erwartet auch die Polizei von uns.

Wir müssen natürlich die Rahmenbedingungen schaffen, dass solche internationalen Missionen möglich sind. Dazu gehört ein weiterer Aufwuchs der Polizei beim Bund, aber – auch das gehört zur Wahrheit dazu – auch bei den Bundesländern. Wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass wir im Zuge von Frontex in der Zukunft deutlich noch mehr an Unterstützung leisten werden müssen, als das aktuell der Fall ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich empfinde es als die vielleicht wichtigste und vornehmste Aufgabe eines Parlamentariers, diejenigen zu schützen, die uns schützen. Deshalb genießt für mich, für uns als Unionsfraktion die Unterstützung unserer Polizei allerhöchste Priorität.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
10 Vermerkeca. 580 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Am Donnerstagabend zu fortgeschrittener Zeit kommen wir noch mal zu einem sehr wichtigen Thema. Denn es geht um das Engagement der deutschen Polizei im Ausland. Das Vertrauen in einen Rechtsstaat – das kann man feststellen – spiegelt sich auch im Vertrauen wider, das wir der Polizei entgegenbringen. Es klingt banal, aber es ist auch ein verlässlicher Indikator dafür, wie es eigentlich um die Rechtsstaatlichkeit in einem Land bestellt ist.

Wenn wir uns das genauer anschauen, stellen wir fest: Von Moldau über Armenien bis in den Südsudan, den Nahen Osten und auch den Mittleren Osten, dort überall sind deutsche Polizistinnen und Polizisten im Rahmen der UN, der EU oder der OSZE unterwegs, um daran zu arbeiten, staatliche Strukturen vor Ort zu stärken, Menschenrechte zu schützen oder auf Frieden zu achten bzw. ihn zu stiften.

Gerade in Zeiten, in denen wir hier in diesem Hohen Haus und in politischen Debatten immer wieder darüber sprechen, dass wir die Situation haben, dass Leute fordern, dass wir das internationale Engagement zurückfahren sollen – ich rede zum Beispiel über die Radwege in Peru –, ist es ganz entscheidend, dass wir uns auch im Rahmen von Polizeimissionen international einbringen.

Das ist besser als die Radwege!

Denn gerade in Zeiten, in denen fremde Mächte wie Russland, wie China ihren destruktiven Einfluss international geltend machen, ist es doch wichtig, dass wir mit der deutschen Polizei präsent sind als stabilisierender Faktor weltweit – für unsere Sicherheit und für die Sicherheit global betrachtet.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Deswegen ist es natürlich ganz entscheidend, dass wir als Grundlage dafür sorgen, dass hierzulande die Polizei personell und finanziell auch wirklich gut ausgestattet ist.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir bedanken uns mit dieser Debatte alljährlich natürlich vor allem bei den Frauen und Männern, die weltweit im Einsatz sind.

Beifallder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist eine ehrliche Anerkennung. Und ich bin sehr froh, dass wir in dieser Debatte bei diesen Fragen als demokratische Fraktionen an einem Strang ziehen und das internationale Engagement der Polizistinnen und Polizisten wertschätzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Aber wir müssen auch sehen, dass wir seit ein paar Jahren ein Stück weit auf der Stelle treten. Obwohl hier bereits 2016 gemeinsam ein Antrag beschlossen wurde, in dem ehrgeizige Ziele formuliert worden sind, müssen wir feststellen, dass das damalige Ziel, bis zu 910 Polizistinnen und Polizisten im Rahmen von EU-Missionen zur Verfügung zu stellen, nicht erreicht wurde. Stattdessen sind es heute keine hundert.

Das ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, den wir ändern müssen. Dazu braucht es mehr Fokussierung darauf, dass wir auch mehr Frauen in Einsätze bekommen, und dazu braucht es ein Wegkommen von den vielen unterschiedlichen Entsendesystemen der Länder. Das kann nicht unser Anspruch sein, gerade auch wenn wir international für Rechtsstaatlichkeit kämpfen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es ist deswegen gut, dass die Bundesregierung dieses Thema in die Nationale Sicherheitsstrategie aufgenommen hat. Und es ist auch gut, dass mit Armenien, Moldau und dem Golf von Guinea neue Missionen hinzugekommen sind und auch der Frauenanteil angehoben werden konnte.

Aber es braucht noch mehr. Wir brauchen zum Beispiel, gerade um mehr Kräfte zu sammeln, einen festen Personalpool, wie es zum Beispiel Nordrhein-Westfalen schon macht. Nur so können wir die hier im Parlament beschlossenen Ziele wirklich erreichen, und nur so werden wir unserer Verantwortung gerecht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Schluss muss ich noch ein, zwei Sachen zu den Einlassungen vom Kollegen Oster sagen, bei denen wir leider nicht an einem Strang ziehen. Denn wir haben die Ruhegehaltsfähigkeit der Polizeizulage eingeführt; Sie haben das nicht gemacht.

Sie haben auch kein Bundespolizeigesetz beschlossen.

Hört! Hört!

Aber wir werden das tun.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Aber ein ganz schlechtes Gesetz!

Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
3 Vermerkeca. 332 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vor fast genau einem Jahr haben wir das letzte Mal über internationale Polizeimissionen hier debattiert. Sie, Frau Schwarzelühr-Sutter, hatten damals beklagt, dass internationale Einsätze deutscher Polizisten noch zu wenig als Karrierebaustein gewürdigt würden. Nun mahlen die Mühlen der Bürokratie bekanntlich langsam. Aber in diesem Fall sei die Frage erlaubt, ob sich diese Mühlsteine überhaupt im Bundesministerium innerhalb dieses Jahres in diese Richtung bewegt haben. Denn abgesehen von Ihrem Bekenntnis für internationale Polizeieinsätze bei der UNCOPS-Konferenz zeigt sich ein völlig anderes Bild: Die Anzahl der Polizeibeamten aus Bund und Ländern, die sich im Jahr 2022 an internationalen Friedensmissionen beteiligt haben, ist im Vergleich zum Vorjahr von 137 auf 90 Beamte gesunken. Auslandseinsätze sind für unsere Polizisten offensichtlich nicht attraktiv, werden viel zu wenig publik gemacht und stellen sich gegebenenfalls auch als gefährlich dar.

Die Sicherheit unserer Beamten im Ausland hat oberste Priorität. Sich ändernde politische Verhältnisse in den Einsatzgebieten deutscher Polizisten müssen dringend in die Abwägung über Fortführung oder Abbruch der Missionen einbezogen werden, insbesondere wenn sich die geänderten politischen Verhältnisse auf die Sicherheit von Beamten vor Ort auswirken.

Beifallbei der AfD

Die Eskalation in Mali bei MINUSMA sei hier nur ein Beispiel für die Abwägung deutscher Interessen gegenüber der Sicherheit der Beamten.

Bei der Aus- und Fortbildung von Polizeibediensteten in den Entwicklungsländern muss ausgeschlossen werden können, dass deutsche Beamte von den regionalen Konflikten tangiert werden. Die AfD verwehrt sich polizeilichen Auslandsmissionen nicht grundsätzlich, sieht aber erheblichen Korrekturbedarf bei der Gefährdungsbewertung einzelner Missionen; als Beispiel sei hier der Militärputsch im Sudan erwähnt.

Von daher bleiben wir bei unserer ursprünglichen Auffassung: Deutsche Polizisten sind keine Aufbauhelfer im großen Stil für Entwicklungsländer – sie sind im deutschen Interesse, für die Sicherheit der heimischen Bevölkerung, einzusetzen. Ein Auslandseinsatz ist und bleibt ein Ausnahmefall und darf die Beamten am Einsatzort nicht über das normale Maß, vergleichbar mit dem deutschen Polizeialltag, gefährden. Entstehen im Einsatzgebiet Gefährdungslagen, sind die Beamten gegebenenfalls rechtzeitig abzuziehen; denn polizeiliche Entsendungen sind eben keine militärischen Missionen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
6 Vermerkeca. 508 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mit Blick auf internationale Polizeimissionen mit Ihnen zwei Beobachtungen teilen, zwei Punkte, die mir sehr wichtig sind und die mir auch am Herzen liegen. Der eine betrifft die Rahmenbedingungen für die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, der andere betrifft die strategische Einbettung von Einsätzen in internationalen Polizeimissionen.

Zu den Rahmenbedingungen für die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Auslandseinsätze von Polizeibeamten brauchen mehr Wertschätzung, und zwar nicht nur einen warmen Händedruck, auf den im Zweifel ein „aus den Augen, aus dem Sinn“ folgt, wenn jemand ins Ausland gegangen ist, sondern wir brauchen greifbare, sichtbare Wertschätzung. Wenn das nicht einmal vom Arbeitgeber kommt, wie sollen die Polizeibeamten dann von der Gesellschaft, von uns, sichtbar wertgeschätzt werden?

Was brauchen wir ganz konkret? Beispielsweise ist das Personalentwicklungskonzept der Bundespolizei noch von 2015 und muss in diesem Punkt dringend überarbeitet werden. Auch kürzere Verwendungen im Ausland müssen sich positiv auf die Laufbahn eines Polizeibeamten oder einer Polizeibeamtin auswirken. Auch die Bundeslaufbahnverordnung muss eine Privilegierung für Auslandseinsätze vorsehen; sie dürfen sich nicht nur nicht negativ, sondern müssen sich positiv auswirken.

Beifallbei der FDP

Unsere Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte brauchen und verdienen mehr Wertschätzung für ihre Einsätze.

Beifallbei der FDP

Zur strategischen Einbettung. Unsere Nationale Sicherheitsstrategie muss endlich auch in Bezug auf internationale Polizeimissionen mit Leben gefüllt werden, und das kann ich bisher nicht erkennen. Wir haben seit einem Jahr die Nationale Sicherheitsstrategie, und das ist gut so. Dort heißt es auf Seite 42, dass wir die internationalen Polizeimissionen ausbauen würden. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Es wäre aber sehr wichtig, diese internationalen Polizeimissionen auszubauen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Warum? Wir müssen die Kräfte bündeln. Wir müssen die Einsätze stärkenfokussiert machen. Dort, wo polizeiliche Kräfte richtig eingesetzt werden, brauchen wir die Polizei, dort, wo besser die Bundeswehr eingesetzt wird, die Bundeswehr. Die Bundeswehr muss sich vor allem auf die Landes- und Bündnisverteidigung fokussieren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zu diesen Zweck sollten wir die Friedensmissionen der Bundeswehr alle nochmals genau anschauen und überlegen, welche polizeilichen Elemente dort vielleicht drin sind, und dort entsprechend umsteuern.

Warum bleiben solche Aufgaben bei uns im Moment noch liegen? Warum wird die Polizei nicht noch mehr strategisch eingesetzt im Sinne unserer Nationalen Sicherheitsstrategie? Uns fehlt ein Gremium, das einen ganzheitlichen Blick auf die Umsetzung wirft. Wir haben eine Nationale Sicherheitsstrategie, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass diese wie aus einem Guss umgesetzt wird. Deutschland braucht einen Nationalen Sicherheitsrat.

Beifallbei der FDP

Wir Freie Demokraten setzen uns schon lange dafür ein. Wir fordern, dass dieses wichtige und zentrale Projekt noch in dieser Wahlperiode angegangen wird.

Wir brauchen ressortübergreifende Lagebilder. Ich komme gerade aus dem Untersuchungsausschuss Afghanistan, und ich kann Ihnen versichern, dass das nicht banal ist. Wir brauchen wirklich ressortübergreifende Lagebilder. Und wir brauchen auch Vorschläge für die geeigneten Einsatzmittel: Wo soll die Polizei zum Einsatz kommen, wo die Bundeswehr, wo andere Mittel?

Zusammengefasst: Wir brauchen mehr Wertschätzung für unsere Beamtinnen und Beamten, und zwar greifbare, im Sinne der Laufbahn. Wir brauchen eine bessere strategische Einbettung. Und schließlich: Wir brauchen einen Nationalen Sicherheitsrat für die Umsetzung unserer Nationalen Sicherheitsstrategie.

Vielen herzlichen Dank und einen schönen Abend.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
9 Vermerkeca. 397 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herzlichen Glückwunsch! Sie alle werden 8,6 Jahre länger leben als jemand, der arm ist – 8,6 Jahre mehr Zeit für Ihre Enkelkinder, Ihre Hobbys, Reisen, für alles, was Sie wollen.

Arm, das sind zum Beispiel Rentner/-innen in Altersarmut, für die Sie keine solidarische Rentenversicherung hinbekommen. Arm, das sind die Kinder, denen Sie eine Kindergrundsicherung vorenthalten. Und: Arm, das sind Menschen, die für einen viel zu niedrigen Mindestlohn arbeiten – von dem einige von Ihnen zwar behaupten, ihn erhöhen zu wollen, was Sie dann aber nicht tun.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

All diese Menschen mit wenig Geld sterben durchschnittlich fast ein Jahrzehnt früher. Dafür gibt es viele Gründe. Menschen mit wenig Geld können sich oft nicht gesund ernähren und weniger Sportangebote wahrnehmen. Außerdem leben sie häufiger in Gegenden, in denen die Umweltbelastung – Staub, Lärm usw. – deutlich höher ist. Sie haben meist körperlich belastende Berufe. Die Existenznot raubt Nerven, sorgt für psychische Belastungen, und auf die folgen oftmals auch körperliche Beschwerden.

Hat die Kollegin nichts zum Anziehen, oder was?

Und dann kommt noch ein komplett marodes Gesundheitssystem hinzu, das kurz vor dem Zusammenbruch steht. Das ist ein Skandal.

Beifallbei der Linken

Sie sind ein Skandal!

Es gibt so viele Menschen, die in ihrem direkten Umfeld eine Tragödie erlebt haben: Der Rettungswagen braucht zu lange, weil das nächste Krankenhaus zu weit weg ist. Krankheiten werden zu spät erkannt, weil Fachärztinnen und Fachärzte fehlen und Termine erst nach Monaten zustande kommen.

Panikmacher!

Gerade erst haben Kinderkliniken Alarm geschlagen, weil sie die kranken Kinder nicht mehr versorgen können. Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte arbeiten bis zur Erschöpfung, um die massiven Probleme, die Ihre katastrophale Gesundheitspolitik verursacht, so gut wie möglich auszugleichen.

All das, während Konzerne mit der Privatisierung von Kliniken Geld ohne Ende scheffeln.

Und wie den Bock zum Gärtner hat die Ampel einen Architekten dieser Privatisierung zum Gesundheitsminister gemacht. Das ist fatal.

Beifallbei der Linken

Wir sagen: Weg mit Fallpauschalen, her mit bedarfsgerechter Finanzierung! Weg mit Zweiklassenmedizin, her mit solidarischer Bürger/-innenversicherung, in die alle einzahlen – ja, auch Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der Linken

Wir wollen, dass die Kommunen mehr Möglichkeiten bekommen, die Gesundheitsversorgung vor Ort zu gestalten, etwa durch kommunale Gesundheitszentren mit Fachärztinnen und Fachärzten, Notfallambulanz und stationären Kurzzeitbetten. Und – ich komme zum Schluss – wir wollen, dass die Versorgung überall und für alle gleich gut und gleich zugänglich ist, unabhängig vom Geldbeutel, von der Herkunft und vom sozialen Status.

Sie wollen das auch? Dann stimmen Sie unserem Antrag zu. Denn gute Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht.

Beifallbei der Linken

Thema Fachkräftemangel!

4 Vermerkeca. 547 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Erst mal herzlichen Dank, dass Sie unsere Änderung zugelassen haben. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Damen! Meine Herren! Heute diskutieren wir einen Antrag der Gruppe der Linken und der Gruppe BSW.

Zunächst zum Antrag der Gruppe der Linken. Hierzu ist eigentlich nur eines zu bemerken: ganz alter Wein, noch dazu in ganz alten Schläuchen! Der Antrag enthält nichts Neues. Die Forderungen nach einer umfassenden Verstaatlichung des Gesundheitswesens, nach der Abschaffung der Fallpauschalen – diese werden ohnehin durch die Vorhaltepauschalen ersetzt – und nach der Einführung einer solidarischen Gesundheitsversicherung ohne Beitragsbemessungsgrenze werden immer wieder vorgebracht.

Diese Vorschläge sind nicht nur teuer, sondern haben sich in der Vergangenheit als ineffektiv erwiesen. Statt auf Eigenverantwortung und Effizienz zu setzen, propagiert Die Linke ein zentralistisches System, das mehr Probleme schafft, als es löst. Eine komplette Neustrukturierung des Gesundheitssystems und die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze würden nicht nur die Mittelschicht massiv belasten, sondern auch die Wirtschaft schwächen und sind rechtlich nicht umsetzbar. Der Antrag sieht keine konkreten Maßnahmen vor, um die so entstehenden enormen Kosten zu decken.

Präventive Maßnahmen spricht der Antrag nicht an. Investitionen in Aufklärung, Früherkennung und Präventionsprogramme sind aber essenziell, um die Gesundheitskosten zu senken und die Belastung unseres Gesundheitssystems zu reduzieren.

Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, fehlt uns nicht nur das Fachpersonal im Gesundheitssystem, sondern sie kommen über kurz oder lang in die Pflege und müssen behandelt werden. 30 Prozent der Fachkräfte im Gesundheitssystem werden uns in circa zehn Jahren aufgrund dieser Situation fehlen.

Präventive Maßnahmen und ein gesunder Lebensstil sind entscheidend, um die Gesundheit der Bevölkerung langfristig zu verbessern und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Ein effektives Gesundheitssystem muss Anreize bieten, damit alle Beteiligten – Patienten, Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister – im Sinne der Effizienz und Qualität handeln.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Antrag der Linken vernachlässigt diesen wichtigen Aspekt vollständig. Statt Wettbewerb und Innovation zu fördern, wird auf ein starres, zentral gesteuertes System gesetzt, das wenig Spielraum für individuelle Initiativen lässt.

Deutschland hat ein dichtes Netz an Krankenhäusern, eine hohe Anzahl an Fachärzten und eine umfassende medizinische Versorgung, die auch im internationalen Vergleich hervorsticht. Diese Errungenschaften sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, indem wir ein gut funktionierendes System durch radikale und kostspielige Maßnahmen destabilisieren. Diesen Antrag können wir daher nur ablehnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Den Antrag der Gruppe BSW lehnen wir ebenso ab. Der derzeit vorgelegte Entwurf zur Krankenhausreform aus dem Hause Lauterbach gleicht zwar einer Glaskugel; aber die BSW-Gruppe malt ein Bild des Untergangs für unser Gesundheitswesen. Ein Gesundheitssystem, das auf Masse statt auf Klasse setzt, hilft niemandem.

Der aktuelle Entwurf des Ministers zur Krankenhausreform weist erhebliche handwerkliche Mängel auf. Es fehlt an einer klaren, durchdachten Strategie, die nicht nur die Zentralisierung der Notfallversorgung berücksichtigt, sondern auch die regionalen Bedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere im ländlichen Raum. Die Reformpläne ignorieren vielfach die realen Gegebenheiten vor Ort und führen zu einer ungleichen Verteilung der medizinischen Versorgung.

Der Antrag des BSW spricht von einem ungeordneten Sterben und „einer staatlich organisierten Insolvenz“ der Krankenhäuser. Hier wird deutlich, dass es der Gruppe BSW nicht um sachliche Kritik geht, sondern um die Durchsetzung einer ideologischen Agenda. Die Privatisierung und Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen werden verteufelt, ohne Alternativen anzubieten. Anstatt sinnvolle Reformen zu blockieren, sollte die Gruppe BSW konstruktive Vorschläge machen, wie wir unser Gesundheitssystem tatsächlich verbessern können. Den Antrag lehnen wir daher ebenfalls ab.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
14 Vermerkeca. 520 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gut, dass wir die Gelegenheit haben, über die Gesundheitsversorgung zu reden. Es ist richtig: Die finanzielle Lage vieler Krankenhäuser ist kritisch. Und wir haben ein Fachkräfteproblem. Viele Praxen finden keinen Nachfolger. Ja, die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung ist teilweise gefährdet. Aber unser Gesundheitswesen steht nicht kurz vor dem Kollaps, wie Sie von der Linken behaupten. Das ist wirklich Panikmache.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Aber genau weil wir so große Probleme geerbt haben, handeln wir ja jetzt mit ganz hohem Tempo und bereiten viele große Reformen vor,

Richtig! Wir machen was!

wie die Krankenhausreform und das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz. Wir haben eine lange Phase der Überbetonung der Ökonomie in weiten Teilen unseres Gesundheitswesens hinter uns. Dabei ist das Gesundheitswesen Teil der Daseinsvorsorge. Im Krankenhauswesen haben die Fallpauschalen Fehlanreize gesetzt und zu unnötigen Mengenausdehnungen auf der einen Seite und zu bestimmten, lukrativen Leistungen auf der anderen Seite geführt. Das ist weder im Interesse der Patientinnen und Patienten noch des Krankenhauspersonals.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen bekommen die Krankenhäuser jetzt fallzahlunabhängige Vorhaltepauschalen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Fallpauschalen brauchen dabei nicht, wie Die Linke es fordert, komplett abgeschafft zu werden; aber ihnen wird jetzt ihr gefährlicher Zahn gezogen, das Hamsterrad wird angehalten. Die Krankenhausplanung wird auf Leistungsgruppen mit Qualitätsvorgaben zum Nutzen der Patientinnen und Patienten beruhen. Mit sektorübergreifenden Versorgungszentren verknüpfen wir ambulante und stationäre Behandlung und sichern die flächendeckende Versorgung gerade im ländlichen Raum.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Durch eine vermehrte Ambulantisierung können wir das knappe Fachpersonal viel effizienter einsetzen. Die Reform ist Medizin für die kranken Kliniken und wirkt einer kalten Strukturbereinigung entgegen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Heike Baehrens [SPD] und Dr. Andrew Ullmann [FDP]

Das BSW legt nahe, die Reform – die es noch nicht mal gibt – sei die Ursache der Krankenhausprobleme und eines der Ziele der Reform sei eine Privatisierung der Krankenhäuser. Das ist eine ganz skurrile Verdrehung, muss man sagen.

Überhaupt ist der Antrag des BSW in seiner gedanklichen Schlichtheit und Ignoranz völlig entlarvend.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Heike Baehrens [SPD] und Dr. Andrew Ullmann [FDP]

Ziel der Krankenhausreform ist eine Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft ausgerichtet am Bedarf der Menschen vor Ort. Dazu gehört auch eine Reduktion von Betten und Standorten, wo Überversorgung besteht; die gibt es in Deutschland. In Deutschland werden viel zu viele Leistungen stationär erbracht, die anderswo längst ambulant erfolgen. Das ist auch nicht im Interesse der Menschen in unserem Land.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]

Zur Krankenhausreform gehört aber auch ein Aufbau von Standorten in unterversorgten Regionen und eine Zentralisierung komplexer Leistungen, um hohe Qualitätsstandards sichern zu können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Zur ambulanten Versorgung. Die Hausärztinnen und Hausärzte sind wichtige Lotsen durch unser sehr komplexes Gesundheitswesen, in dem es oft an Steuerung fehlt. Wir stärken die Hausärztinnen und Hausärzte durch eine Entbudgetierung und durch Vorsorgepauschalen und schaffen freie Termine durch eine Abschwächung des Quartalsprinzips.

Sie von der Linken fordern interdisziplinäre medizinische Versorgungszentren, MVZ, in kommunaler Trägerschaft. Wir stärken die Möglichkeit der Kommunen, MVZ zu gründen. Aber wir können nicht den Kommunen am Reißbrett verpflichtend neue Aufgaben zuordnen, wie Ihr Antrag suggeriert.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit unserer Reform fördern wir Vernetzung und Kooperation statt Konkurrenz – das fordert Die Linke ja auch – und werten nichtärztliche Fachberufe auf. So können zum Beispiel sektorübergreifende Versorgungszentren von qualifizierten Pflegefachkräften geleitet werden.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Diese Koalition hat verstanden, dass unser Gesundheitswesen Reformen ganz dringend braucht, und handelt danach. Mit unseren Reformen sichern wir die Versorgung der Menschen in unserem Land flächendeckend ab.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die erste gute Rede heute Abend!

Porträt von Kay-Uwe Ziegler
Foto: Kay-Uwe Ziegler/ Nikolaus Becker
6 Vermerkeca. 408 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute ein Antrag zum Thema „Gesundheit für alle“ von ganz links. Die aktuellen Probleme im Gesundheitssystem werden in dem Antrag durchaus zutreffend beschrieben. So sind Arzneimittellieferengpässe für ein Industrieland, das noch vor wenigen Jahrzehnten als die Apotheke der Welt galt, in der Tat unwürdig.

Die Überschrift des Antrags lässt Großes erwarten. Doch dann folgen Lösungsvorschläge, die entweder keinerlei Verbesserung versprechen oder bereits hier eingebracht und von Ihnen selbst abgelehnt worden sind.

Beispielsweise würde es sich zunächst einmal gehören, sicherzustellen, dass es auch in Zukunft überhaupt genügend Ärzte gibt. Maßnahmen zur Schaffung von Studienplätzen, Maßnahmen zur primären Ausbildung zum Arzt für Schulabsolventen aus Deutschland sind dringend erforderlich, fehlen in Ihrem Antrag aber völlig.

Beifallbei der AfD

Aber nutzen wir doch diese Gelegenheit, den aktuellen Status quo des deutschen Gesundheitssystems hier kurz abzubilden. Der Investitionsstau in den deutschen Krankenhäusern geht in die Milliarden. Die Behandlungsprioritäten werden nach wie vor durch das vom aktuellen Gesundheitsminister Lauterbach eingeführte DRG-System bestimmt. Facharzttermine werden nicht nach Tagen oder Wochen, sondern nach Monaten vergeben. Deutsche Kinderkliniken vermelden im „Stern“ vom 4. Juni eine katastrophale Überbelastung in den Stationen und Fälle von Triage bei erkrankten Kindern.

Dazu hören wir keine Lösungen von Ihrem Gesundheitsminister Lauterbach; er stümpert lieber weiter an seinem Lieblingsprojekt, der Cannabisfreigabe,

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Was ist das denn für ein Niveau!

und das von ihm geleitete Gesundheitsministerium fährt auf seiner Homepage eine Cannabiskampagne mit dem Slogan: „Legal, aber … risky“. Was soll ich dazu sagen? Das ist Absurdistan pur.

Beifallbei der AfD

Weil Sie keine Ahnung haben! Wir reden die ganze Zeit über die Krankenhausreform! Dann müssen Sie sich mal informieren, bevor Sie hier ans Pult gehen!

Eines noch zum Schluss: Ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit ist, möglichst frei von Ängsten und Sorgen zu sein. Wer Angst vor Krieg oder Sorge um seinen Job hat, die Rate für sein Häuschen kaum mehr bezahlen kann oder für die Reparatur seines Autos kein Geld mehr auf dem Konto hat, wer sich Sorgen um die Zukunft seiner Kinder und Enkel macht oder, wie die aktuellen Ereignisse zeigen, Angst haben muss, auf einem Marktplatz in ein offenes Messer zu laufen, der, meine Damen und Herren, wird schneller krank und belastet damit unser Gesundheitssystem. Die Folgen Ihrer Politik in Europa, im Bund, in den Ländern und Kommunen verursachen Ängste und machen damit Millionen unserer Bürger krank. Dafür tragen einzig und allein Sie die politische Verantwortung.

Beifallbei der AfD

Liebe Bürger, Wahltag ist Zahltag. Am kommenden Sonntag ist die Europawahl, und es finden in vielen Bundesländern Kommunalwahlen statt. Zeigen Sie am 9. Juni den Altparteien die Rote Karte, und machen Sie Ihr Kreuz bei der einzigen politischen Alternative, der Alternative für Deutschland.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
9 Vermerkeca. 561 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zur späten Stunde müssen wir uns mit zwei Anträgen der gespaltenen Linken auseinandersetzen. Die Gruppe Die Linke adressiert verschiedene Punkte im Gesundheitswesen auf kleinteilige Weise – ein Potpourri aus Ideen, linker Ideologie, nicht durchdachten Vorschlägen und Populismus à la AfD.

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist äußerst komplex, und Ihre kurzsichtigen Vorschläge sind nicht zielführend. Diese Einzelpunkte werden, anders als Sie es darstellen, die Probleme im Gesundheitswesen nicht lösen; das wird nie funktionieren.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Planwirtschaftliche Elemente im Gesundheitswesen haben wir bereits genug. Öffentlich gegen Privat oder Privatversicherte gegen Kassenpatienten auszuspielen, ist ebenfalls nicht zielführend. Die Linke muss erst mal die richtige Diagnose stellen, was im Gesundheitswesen in Deutschland nicht funktioniert. Diese Diagnose konnten Sie jedoch nicht stellen.

Klar ist: Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, jedoch nicht eines der effektivsten. Wir erleben Mängel in der stationären und ambulanten Versorgung, eine Fehlverteilung in vielen Sektoren, eine große Unzufriedenheit von Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, und, nicht zu vergessen, eine große Unzufriedenheit bei den Patientinnen und Patienten dieses Landes.

Solange sie nicht privatversichert sind!

Ein großes Problem ist die Fehlverteilung qualifizierten Personals. Dies hat die Ampel unlängst erkannt. Sie ist dabei – im Sinne einer holistischen Vorgehensweise –, diese Herausforderungen zu meistern.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Der Gesetzentwurf zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung wurde erst kürzlich durch das Bundeskabinett verabschiedet und liegt nun in den Händen von uns Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Es ist klar, dass wir die Krankenhausstrukturreform voranbringen müssen. Die Länderhoheit in der Krankenhausplanung bleibt dabei unangetastet. Bei der Krankenhausstrukturreform geht es darum, gute Qualität in ganz Deutschland sicherzustellen. Daher wurden auch Leistungsgruppen definiert.

Wir müssen – und das gehört zur Ehrlichkeit dazu – die Zahl der Krankenhausbetten reduzieren. Derzeit sind wir weltweit führend in der Bettenzahl. Bis zu einem Drittel der Patientinnen und Patienten könnten jedoch ambulant und damit auch wirtschaftlicher behandelt werden.

Auch die Fehlversorgung in der Notfallmedizin muss beseitigt werden, um eine bessere Patientensteuerung im Notfall zu erreichen. Es ist offensichtlich, dass diese Reform im Dreiklang zwischen stationärer Versorgung, ambulanter Versorgung sowie Notfallversorgung für eine bessere Patientensteuerung und Effizienzsteigerung sorgen wird.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Alle Krankenhäuser einfach als staatliche Aufgabe zu erhalten, ist populistisch und falsch. Ist Ihnen überhaupt bewusst, dass nicht nur medizinisch, sondern auch hinsichtlich der Patientenpräferenz eine ambulante Versorgung oft vorzuziehen ist? Ihre Idee der allgemeinen Abschaffung der Fallpauschalen zeigt, dass Sie das Problem nicht erkannt haben und die Fehlversorgung verstärken würden.

Zurufdes Abg. Ralph Lenkert [Die Linke]

Die Wiedereinführung der Vermögensteuer ist ein linker Wunschtraum, der zeigt, dass Sie das eigentliche Problem nicht erkennen. Wir haben nämlich kein Einnahmenproblem, wir haben ein Ausgabenproblem.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Richtig! Genau!

Auch Ihr Traum einer sogenannten Einheitsversicherung wird das Problem nicht lösen; denn das ist nicht die Wurzel des Problems. Bei einer Reform der GKV-Finanzierung wären wir jedoch dabei.

Meine Damen und meine Herren, ich bin erstaunt, dass die Gruppe BSW überhaupt einen Antrag gestellt hat. Diese Gruppe sieht man äußerst selten im Gesundheitsausschuss. Aber offensichtlich haben auch sie Ideen, die fernab jeder Realität sind. Wer eine Krankenhausreform stoppen oder den Bettenabbau verhindern möchte, hat nicht verstanden, wo die Herausforderungen im Gesundheitswesen liegen.

Beifalldes Abg. Christoph Meyer [FDP]

Das BSW hat sich damit politisch disqualifiziert.

Meine Damen und Herren, es ist schon spät; daher komme ich zum Schluss. Beiden Gruppen empfehle ich, die richtige Diagnose zu stellen und nicht nur einzelne Symptome, sondern das System als Ganzes zu betrachten, bevor Therapieempfehlungen ausgesprochen werden. Das ist Ihnen nicht gelungen. Daher ist es nicht überraschend, dass wir beide Anträge ablehnen werden.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD und der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Beifallbeim BSW
Zurufvon der CDU/CSU: Sie könnten ja mal in den Ausschuss kommen!
6 Vermerkeca. 281 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Reichinnek, ich gebe Ihnen nur in einem Punkt recht: Menschen mit geringem Einkommen, Menschen mit Armutsproblemen

… die müssen alle den Gürtel enger schnallen, oder?

haben tatsächlich eine geringere Lebenserwartung als die, die sich mehr leisten können. Da haben Sie recht. Aber das ist kein Verschulden dieser Regierung, das wissen wir seit zwanzig, dreißig Jahren. Es ist leider bisher nicht anders geworden. Das ist uns bewusst. Aber alles andere, was Sie hier von sich gegeben haben, das ist doch mehr oder weniger Provokation.

Zurufvon der Linken: Quatsch!

Das war Hass und Hetze, würde ich sagen!

Ich halte mich jetzt mal nicht an mein Manuskript. Sie reden von einem maroden Gesundheitssystem. Zu Beginn der Pandemie, 2020, war das Auswärtige Amt bemüht, die Deutschen mit Sonderflügen aus dem Ausland zu holen, weil alle nach Hause wollten; weil sie wussten, dass die gesundheitliche Versorgung hier besser ist.

Zurufevon der SPD: So ist es!
Genau so ist es!

Das kann man doch nicht leugnen. Das war doch damals so.

Dann sprechen Sie das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz an. Da werfen Sie uns vor, wir würden da nicht genug auf die DRGs eingehen. Sie fordern eine komplette Abschaffung der DRGs. Was Sie vorschlagen, ist rückwärtsgewandtes Denken, eine Rückkehr zu dem, was wir vor dreißig, vierzig Jahren hatten.

Zurufvon der Linken: Quatsch!

– Natürlich! Der Grund für das KHVVG, das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz, ist initial, von den DRGs, den Fallpauschalen, als entscheidendem Merkmal für die Finanzierung der Krankenhäuser wegzukommen. Das ist der Punkt, den Karl Lauterbach als erste und Hauptmotivation für dieses Gesetz hatte. Und das setzt er um. Ich meine, wir kommen doch weg von den DRGs.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist doch der große Streitpunkt zwischen den Krankenkassen, das ist doch der große Streitpunkt zwischen den Ländern: Wer finanziert dann den Ausgleich? Darüber verlieren Sie kein einziges Wort.

Beifallder Abg. Nezahat Baradari [SPD]

Kein einziges Wort über den Transformationsfonds, wie man den gestalten soll.

Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
4 Vermerkeca. 184 WörterReaktionswert: lebhaft
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Lieber Kollege Wollmann, danke, dass Sie die Frage zulassen. So bekomme ich noch ein bisschen Zeit, Ihre Fragen zu klären. – Wir haben seit bestimmt fünfzehn Jahren, immer wieder upgedatet, ein Finanzierungskonzept für den Gesundheits- und Pflegebereich vorgelegt.

Beifallder Abg. Dr. Gesine Lötzsch [Die Linke]

Das würde beinhalten, dass alle Menschen in eine Kasse einzahlen – das nennt sich „solidarische Gesundheitsversicherung“; dann wäre mehr als genug Geld da, – unter anderem übrigens auch von Politikerinnen und Politikern, Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern, aber auch Beamten.

Dummes Zeug ist das!

Wenn wir das machen würden, wäre Geld für die Finanzierung des Gesundheitswesens und der Krankenhäuser da.

Sie wehren sich dagegen. Sie haben das nicht durchgeführt, auch wenn Sie das manchmal vor den Wahlen behaupten: Vor der nächsten Wahl wieder.

Die Frage an Sie: Was behauptet denn Karl Lauterbach, was er statt der Fallpauschalen einführen würde?

„Vorhaltepauschalen“ nennt sich das!

Er wird bei den Fallpauschalen bleiben – das hat er am Anfang anders gesagt, behauptet das aber mittlerweile selbst nicht mehr –; denn 40 Prozent der Finanzierung wird weiter über die Fallpauschalen gewährleistet. Den Rest nennt er zwar „Vorhaltekosten“, das sind aber nichts anderes als nachgelagerte Fallpauschalen – von Fällen, die in Jahren zuvor in den Krankenhäusern gemacht wurden.

Wie war noch mal die Frage?

Wie war die Frage?

1 Vermerkca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Stellen Sie mir eine Frage, oder halten Sie eine Rede?

Beifalldes Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]
5 Vermerkeca. 153 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Es tut mir leid, Ihre Rechnung verstehe ich nicht. Wir bauen DRGs ab und ersetzen sie oder kompensieren sie durch Vorhaltepauschalen; das ist in einem Satz die Antwort.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zum anderen, zur Bürgerversicherung. Ich sage mal so: Wenn Ihre Partei es schafft, 15 Prozent zu kriegen, und wir 30 Prozent, dann können wir die Bürgerversicherung durchsetzen. Das ist aber offensichtlich nicht möglich.

Zurufevon der Linken

Wir sind in der Ampel, wir müssen auf viele Ansichten Rücksicht nehmen. Das ist in der Politik so: dass man Kompromisse schließen muss. Deshalb sind wir trotzdem kein Land, wo die Versorgung marode ist. Wenn Sie behaupten, dieses Gesundheitssystem sei nichts wert, dann ist das ein Affront gegenüber allen, die im Gesundheitswesen tätig sind: Schwestern, MFAs, Ärztinnen und Ärzten, Laboranten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sie diskriminieren damit letzten Endes die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten.

Prävention. Sie haben über die Lebenserwartung gesprochen. – Ich weiß gar nicht, wie viel Zeit ich noch habe – eine Minute, glaube ich.

Beifalldes Abg. Jürgen Braun [AfD]

Da steht es!

2 Vermerkeca. 170 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wird mir angezeigt, genau. – Die Lebenserwartung in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Industrieländern wie Spanien oder auch Dänemark oder Frankreich insgesamt schlechter. Auch das haben wir doch längst erkannt. Ich weiß nicht: Kennen Sie das Gesundes-Herz-Gesetz? Vielleicht hat sich das bei Ihnen noch nicht herumgesprochen. Wir werden ein Gesetz in die Wege leiten, das speziell auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen abzielt. Denn wir wissen: Obwohl die Ausgaben für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Herzkatheter und andere Prozeduren in der Kardiologie – in Deutschland weitaus höher sind als in anderen Ländern, müssen wir viel mehr Gewicht auf Prävention legen, auf die Diagnostik von Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörungen, aber auch schon im Kindesalter danach fahnden, ob Menschen gefährdet sind, sehr frühzeitig Herzinfarkte zu bekommen. Damit werden auch die Disease-Management-Programme überarbeitet, sodass wir auch auf diesem Gebiet eine Fortschrittskoalition sind.

Gutes Gesetz!

Wir haben das Problem erkannt und werden es auch angehen.

Jetzt habe ich noch sieben oder acht Sekunden. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit,

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

nehme aber gerne noch eine Frage auf.

2 Vermerkeca. 81 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir reden heute Abend über den Antrag der Linken „Gesundheit für alle – Modern, gemeinwohlorientiert und solidarisch“. Dieser Antrag beinhaltet weitreichende Vorschläge, die aus unserer Sicht in die richtige Richtung gehen.

Zusätzlich reden wir konkret in der gegenwärtigen Auseinandersetzung über die geplante Krankenhausreform von Minister Lauterbach. Zudem haben wir einen Antrag vorgelegt, der sich mit dieser Reform auseinandersetzt und vor allem ein Sofortprogramm zur Rettung und Wiederherstellung des öffentlichen Gesundheitssystems fordert. Denn dieses ist dringend notwendig.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
Zurufvon der SPD: Rechts liegen lassen!
Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
1 VermerkZwischenfrageca. 54 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herzlichen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich wüsste gerne von Ihnen, warum Sie heute gegen einen Antrag zur Bekämpfung des politischen Islam gestimmt haben, obwohl Ihre Fraktionsvorsitzende noch vor zwei Tagen veröffentlicht hat, dass man den radikalen Islam auf alle Fälle bekämpfen sollte.

Ich habe auch schon mal eine Zwischenfrage gekriegt zu einer Abstimmung!

– Ich diskutiere jetzt nicht mit Ihnen hier. – Bleiben Sie stehen.

1 Vermerkca. 55 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege Sichert, meines Wissens diskutieren wir hier über die Gesundheitsreform, über die Krankenhausreform von Herrn Lauterbach.

Es gab heute einen Antrag, auf den Sie anspielen, zur Bekämpfung des politischen Islams. Dazu haben wir eine Stimmerklärung abgegeben; weil der Antrag über die Bekämpfung des politischen Islams hinaus aus unserer Sicht weitreichende Einschränkungen der Meinungsfreiheit beinhaltet.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
4 Vermerkeca. 207 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Damen und Herren, seit vielen Jahren gibt es in Deutschland ein schleichendes Kliniksterben, übrigens auch in Mecklenburg-Vorpommern, Herr Monstadt,

Hört! Hört!

nicht etwa als Ergebnis von gesundheitspolitischer Planung, sondern als chaotisches Ergebnis finanzieller Schieflagen kleinerer Krankenhäuser, insbesondere im ländlichen Raum. Grund dafür ist das Fallpauschalensystem verbunden mit der betriebswirtschaftlichen Logik, die den Krankenhäusern in den letzten zwanzig Jahren aufgezwungen wurde.

Dieser Trend hat sich seit der Coronazeit massiv verschärft. Kommunen und Landkreise, die versuchen, ihre jeweiligen Häuser über Wasser zu halten, stoßen an finanzielle Grenzen. Besonders zynisch wird es dann, wenn Finanzinvestoren insolvente Krankenhäuser aufkaufen und dann nur noch lukrative Behandlungen anbieten, oftmals auch auf Kosten der dortigen Beschäftigten. Diese Privatisierung des Gesundheitssystems lehnen wir ab.

Eine Reform ist also nötig. Allerdings wird die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung diese Probleme nicht lösen. Wir brauchen keine Schließungen von Krankenhäusern in der Fläche, sondern ein auskömmlich finanziertes öffentliches Gesundheitssystem, das sich am Bedarf orientiert.

Beifallbeim BSW

Eine Abwälzung der Kosten auf die Länder und die Beitragszahler, wie Herr Lauterbach das vorsieht, lehnen wir ab. Wir sehen angesichts der Notlage den Bund in der Pflicht, ein Sofortprogramm zur Rettung und Wiederherstellung des öffentlichen Gesundheitssystems aufzulegen,

Beifallbeim BSW

wie es auch eine entsprechende Petition von Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen fordert.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
5 Vermerkeca. 658 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Man kann mit Shakespeare anfangen: „Schlecht weht der Wind, der keinem Vorteil bringt.“ Aus „König Heinrich VI.“.

Was kann man sagen, wenn man ein Gesetz zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes vorgelegt bekommt? O Gott, das hört sich nach Technik an! Aber ehrlicherweise muss man sagen: Es geht in diesem Gesetzentwurf um Milliarden. Es geht um Milliarden, die schwache Schultern starken Schultern geben sollen, weil sich die Ministerpräsidenten mal wieder mit dem Kanzler – in den letzten Jahrzehnten: mit der Kanzlerin – darauf geeinigt haben, dass sie mehr Geld bekommen.

Punkt eins. Im Bereich Asyl gibt der Bund den Ländern statt 1,2 Milliarden nunmehr 1,7 Milliarden Euro. Das kann angesichts der Aufgabe, die wir gesamtstaatlich haben, durchaus berechtigt sein. Wir werden uns aber noch mal sehr genau das Abrechnungssystem angucken. Denn – und das will ich noch einmal deutlich sagen – ein Parlament, das in der Gesetzgebung einfach nur nachvollzieht, was Ministerpräsidenten und Regierung miteinander vereinbaren, das kann sich verabschieden, das ist dann kein Gesetzgeber mehr. Deswegen müssen wir sehr, sehr genau hingucken. Ich will für meine Fraktion sehr deutlich sagen, dass wir uns das möglicherweise auch noch in einer Anhörung genau ansehen werden.

Beifallbei der FDP

Punkt zwei ist, dass es für die Kommunen im Zusammenhang mit der Wärmeleitplanung in fünf Jahrestranchen jeweils die vereinbarten 100 Millionen Euro geben wird. Das Interessante ist hierbei natürlich wieder: Diese jeweils 100 Millionen Euro – das muss man den Kommunen sagen – gehen an die Länder, weil die Länder natürlich nicht wollen, dass der Bund das Geld direkt den Kommunen gibt. Da kann man den Kommunen nur sagen: Liebe Kommunen, passt auf, dass die Länder euch das Geld auch geben. – Dass die Länder schwer zu erwischen sind, kann man daran sehen, wie viele Länder heute hier auf der Bundesratsbank vertreten sind und auf guten Wind hoffen.

Punkt drei – darauf will ich auch hinweisen – ist die spannende Tatsache, dass die Länder für die Kosten politischer Führung mehr als eine halbe Milliarde bekommen, wohlgemerkt: Die leistungsschwachen Länder bekommen mehr als eine halbe Milliarde jährlich. Jetzt halten Sie sich fest, liebe Kolleginnen und Kollegen, wer – das ist ja eine Vereinbarung gewesen – die „leistungsschwachen Länder“ sind. Bei Bremen könnte man das aus bestimmten Gründen noch vermuten, beim Saarland vielleicht auch noch.

Beide sozialdemokratisch!

Aber selbst der stolze Freistaat Sachsen ist nach Meinung der Länder ein leistungsschwaches Land. Das Land Rheinland-Pfalz ist nach Meinung der Länder ein finanzschwaches Land, das deswegen vom Bund für die Kosten der politischen Führung Geld brauchen könnte

Wer ist da eigentlich an der Regierung?

und deswegen – das ist sehr interessant – im Bundesrat, in der Stellungnahme, gesagt hat: Eigentlich brauchen wir noch mal mehr. – Wir versuchen das gerade zu verhindern. Aber ich will gleich, zum Schluss der Rede, dazu kommen, wie schwierig das an der Stelle werden wird.

Das dritte leistungsschwache Land – das finde ich dann schon bemerkenswert – ist das Land Hamburg. Spätestens daran kann man sehen, von welchem Irrwitz diese Vereinbarung getragen ist. Jetzt sagen alle: Ja, aber starke Schultern müssen doch den schwachen helfen! – Nur, ich darf daran erinnern, dass auch im Jahre 2024 die Länder über 42 Prozent der Steuereinnahmen verfügen werden, die Kommunen über 14 Prozent und der Bund über 40 Prozent. Das heißt, dass es hier wieder so ist, dass die Schwachen den Starken etwas geben – und das bei gleichzeitiger Herausforderung in all unseren Sozialsystemen.

Meine Damen und Herren, ja, wir haben innerhalb unseres Landes, innerhalb des Föderalismus eine Verantwortung. Aber ich will für meine Fraktion deutlich und klar sagen, dass wir uns das sehr, sehr genau angucken müssen. Ich empfehle, anzuschauen, wie viel das kostet. Denn wie wir gerade gesehen haben, brauchen wir eigentlich an anderer Stelle viel Geld: für Gesundheit, für Pflege, für Rente, für Arbeitslosigkeit, für die Wirtschaftswende. Wir müssen uns also schon fragen, was richtig ist.

Und schließlich: Es ist ein Zustimmungsgesetz, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir können also wetten, dass wir uns im Vermittlungsausschuss wiedersehen werden – weshalb auch mein Nachredner mit einem gewissen Lächeln gleich reden wird.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Christian Haase
Foto: Christian Haase / Tobias Koch
10 Vermerkeca. 481 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Über was beraten wir zu so später Stunde? Es geht um kommunale Leistungen, die der Bund unterstützen will. Da sind zum einen die Flüchtlingskosten und zum anderen die Wärmeplanung. Jetzt ist es dunkel draußen. Aber die Sonne steht hoch, es ist kurz vor der Sommerpause. Und wann sind die Beschlüsse gefasst worden? Es war – der Kollege hat zu Recht darauf hingewiesen – im November letzten Jahres, als die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung Kommunalhilfe angekündigt haben. Seitdem schwimmen unsere Kommunen. Kommt die Hilfe wirklich? Wird die Ampel Wort halten? Es soll ja schon einmal passiert sein, dass es nicht überall geklappt hat. Die Situation sieht so aus: Sie schwimmen, eigentlich sind Rettungsboote um sie herum, die Rettungsringe sind schon da, aber es wirft keiner. Die Kommunen fühlen sich im Augenblick – zumindest sagen mir das die Bürgermeister – von dieser Bundesregierung mit ihren Aufgaben im Stich gelassen.

Die Ringe müssen aber die Länder werfen, Herr Kollege! Die Ringe werfen die Länder!

Das ist etwas, was nicht in Ordnung ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Bund darf ja gar keine Ringe werfen!

Die Kommunalhilfe ist gut und richtig; aber das ist ja nicht das eigentliche Problem. Das Problem sind nicht die Flüchtlingskosten an der Stelle. Das Problem ist, dass wir zu viel irreguläre Migration hier in Deutschland haben. Dieses Problem, meine Damen und Herren, gehen Sie nicht an.

Mit dem Gesetz?

Sprechen Sie doch zur Sache!

Bei diesem Problem haben Sie eine offene Flanke. Das ist ein Problem, das wir nicht mit Geld lösen können, sondern mit anderen Mitteln lösen müssen. Da würde ich von Ihnen mehr Aktivität erwarten, als einfach alles mit Geld zuzuschütten. Das können wir uns im Augenblick nicht mehr leisten.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir haben letztes Jahr 8 Milliarden Euro ausgegeben – 8 Milliarden Euro! Wenn wir davon nur ein Drittel oder vielleicht die Hälfte sparen könnten, dann könnten wir das Geld für andere Dinge ausgeben, und das würde, glaube ich, auch Ihnen bei den Haushaltsplanungen helfen. Aber wir erleben an der Stelle leider wieder die ampeltypische Vogel-Strauß-Taktik. Was ist denn überhaupt versprochen worden? Eine halbe Milliarde Euro – das ist viel Geld – zusätzlich in diesem Jahr. Aber die Spitzabrechnung soll erst 2025 erfolgen.

Wie soll die auch jetzt erfolgen?

Das heißt: Dann wird abgerechnet. Wir wissen heute schon, dass wir zu viele Flüchtlinge haben, dass wir zu wenig Geld an die Kommunen geben.

Wir geben kein Geld an die Kommunen!

Und dann kommt die Spitzabrechnung. Ich kann Sie nur auffordern: Planen Sie genügend Geld ein! Das dicke Ende wird 2025 kommen.

Der zweite Punkt ist das Thema Wärmeplanung. Auch da will ich nur den kleinen Hinweis geben: Es ist Ihre verfassungswidrige Verschiebung in den KTF gewesen, die dafür gesorgt hat, dass das richtige Programm Ende des Jahres leider eingestellt werden musste und jetzt wieder große Verunsicherung herrscht, was denn anschließend kommt.

Insofern sagen wir: Wir stehen zu den Kommunen in unserem Land.

Wir werden am Ende diesem Finanzausgleichsgesetz zustimmen.

Nach der Rede des Kollegen gerade habe ich nur die Sorge, ob die Ampel noch zustimmen wird. Liebes Bundesfinanzministerium, Sie haben uns an Ihrer Seite. Überzeugen Sie den Rest der Ampel auch noch.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU

Das merke ich mir! Ja, ja, hier zustimmen und im Bundesrat dann wieder den Vermittlungsausschuss anrufen!

Porträt von Thorsten Rudolph
Foto: Dr. Thorsten Rudolph/ Photothek
7 Vermerkeca. 557 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Als Haushälter – da hat Otto Fricke ja ganz recht –

geben wir nicht so gerne Geld her. Heute, bei der Änderung des Finanzausgleichsgesetzes und des Stabilisierungsfondsgesetzes, geht es aber genau darum: Der Bund gibt Geld an die Länder, 500 Millionen Euro zusätzlich zur Unterstützung bei den Flüchtlingskosten und 100 Millionen Euro jährlich in den nächsten fünf Jahren für Mehrbelastungen bei der kommunalen Wärmeplanung.

Aber auch als Haushälter kann ich damit gut leben, weil man diese Entscheidungen natürlich nicht isoliert betrachten kann. Was die Flüchtlingskosten und die Migrationspolitik angeht, haben sich Kanzler und Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten im Herbst auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket geeinigt. Die Ampelkoalition hat daraufhin die größten Änderungen in der Migrationspolitik seit Jahrzehnten umgesetzt:

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Welche denn?

mit dem Rückführungsverbesserungsgesetz, mit der Ausweisung weiterer sicherer Herkunftsstaaten, mit Hunderten neuen Stellen für das BAMF, mit den notwendigen gesetzlichen Regelungen für die Bezahlkarte, mit verschiedenen Migrationsabkommen, mit der Ausweitung stationärer Grenzkontrollen, mit der verbesserten Bekämpfung von Schleuserkriminalität, mit der Digitalisierung der Ausländerbehörden, schon zuvor mit dem Gesetz zur Beschleunigung der Asylgerichtsverfahren und Asylverfahren, zuletzt mit dem Durchbruch beim Gemeinsamen Europäischen Asylsystem und eben auch mit der Unterstützung von Ländern und Kommunen durch Umstellung der bisher festen Pauschale auf ein atmendes System in Form einer Pro-Kopf-Pauschale.

Meine Damen und Herren, lieber Christian Haase, dies alles dient genau einem Ziel: die irreguläre Migration, die durch Schleuserkriminalität und autokratische Herrscher beförderte Migration erheblich zu reduzieren, und das, ohne den bundesrepublikanischen Grundkonsens der letzten 75 Jahre aufzugeben und das individuelle Recht auf Asyl zu schleifen, und vor allem, meine Damen und Herren, ohne Ressentiment, ohne Populismus, ohne Hass, Hetze und faschistische Remigrationsfantasien.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, was die Unterstützung der Länder bei der kommunalen Wärmeplanung angeht, so steht dies ebenfalls in einem größeren Zusammenhang. Wir machen Deutschland klimaneutral: mit dem Gesetz für den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, mit der Verkürzung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau der Energieinfrastruktur, mit dem Gebäudeenergiegesetz und dem Wärmeplanungsgesetz für die Wärmewende, mit der Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes für den Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur, mit dem Solarpaket für Erleichterungen beim Photovoltaikausbau. Kurzum: Das ist die erste Bundesregierung, die sich nicht nur wohlklingende Ziele setzt, sondern diese auch durchsetzt, auch gegen Widerstände.

Der war gut!

Meine Damen und Herren, als die Ampelkoalition die Regierung übernommen hat, waren die Aussichten düster. Statt einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent bis 2030 – denn das ist das Ziel – wurde eine Reduzierung von nur 49 Prozent und eine kumulierte Zielverfehlung von 1,1 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr prognostiziert. Ob nun diese Lücke nach zweieinhalb Jahren Ampel bereits vollständig geschlossen ist, wie es das Umweltbundesamt sagt, oder ob diese Prognose zu optimistisch und eine knappe Zielverfehlung deswegen wahrscheinlicher ist, wie es der Expertenrat für Klimafragen sagt, ändert nichts daran, dass die Koalition viel im Klimaschutz erreicht hat und garantiert dafür sorgen wird, dass Deutschland tatsächlich spätestens 2045 klimaneutral ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, der vorliegende Entwurf des FAG-Änderungsgesetzes enthält noch einen dritten Punkt: die Anpassung der Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen für leistungsschwache Bundesländer. Aller Voraussicht nach wird Rheinland-Pfalz die nächsten Jahre keine solchen Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen mehr bekommen, weil Rheinland-Pfalz schon seit 2021 leistungsstark ist. Das ist immerhin ein großer Erfolg. Herzlichen Glückwunsch an Malu Dreyer, herzlichen Glückwunsch an Rheinland-Pfalz! Als Haushälter im Bund freut einen das dann im Zweifel noch einmal doppelt.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir beide werden es sehen!

Beifallbei der AfD
1 Vermerkca. 444 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es geht in der Gesetzesvorlage um einen mikroinvasiven Eingriff in die Verteilung der Umsatzsteuer zwischen Bund und Ländern. Regelhaft erfolgt diese im Verhältnis von 52 zu 45 Prozent; die Stellen hinter dem Komma mal weggelassen. Verteilt werden im Jahr 2024 306 Milliarden Euro. Durch eine Reihe von Spezialregelungen werden dem Bund in diesem Jahr rund 11 Milliarden Euro von dem ihm zustehenden Anteil von 161 Milliarden Euro abgezogen und dem Länderanteil zugeschlagen.

Der wesentliche Inhalt der Reformnovelle, die wir behandeln, ist, für das Jahr 2024 dem Bund weitere 600 Millionen Euro von seinem Anteil zugunsten der Länder abzuziehen. In den Jahren von 2025 bis 2028 sollen je 100 Millionen Euro dem Bund abgezogen und dem Länderanteil zugeschlagen werden. Es handelt sich für 2024, meine Damen und Herren, um 0,2 und danach um 0,03 Prozent der Verteilungsmasse.

Es stellt sich daher die Frage, verehrter Kollege Otto Fricke, worin der Sinn dieser ganzen Aktion überhaupt bestehen soll. Der Erläuterung ist zu entnehmen, dass die 500 Millionen Euro in 2024 die Länder und Kommunen bei der Bewältigung der Fluchtmigration, wie es heißt, unterstützen sollen und die je 100 Millionen Euro von 2024 bis 2028 die Länder bei der von Ihnen beauftragten Wärmeplanung unterstützen sollen. Wenn man die 100 Millionen durch die Zahl der Kommunen – es sind 11 000 – dividiert, dann kommen 9 000 Taler pro Kommune heraus. Damit machen sie dann Wärmeplanung.

Beifallbei der AfD

Die Sinnfrage, meine sehr verehrten Damen und Herren, lenkt den Blick aufs große Ganze. Im Jahr 2023 hat der Bund 27,6 Milliarden Euro für Migration veranschlagt, für 2024 erstaunlicherweise nur 21 Milliarden Euro und für 2025 nur 17,4 Milliarden Euro, also 10 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. Das ist erstaunlich, weil 2023 352 000 Flüchtlingsmigranten und im ersten Tertial 2024 bereits 92 000 nach Deutschland gekommen sind, was auf eine Gesamtzahl von etwa 300 000 für dieses Jahr hinausläuft. Das sind die größten Jahreszahlen seit 2015 und 2016 – und dies, obwohl sich die damaligen Ereignisse, wie vielfach beschworen, nie mehr wiederholen sollten.

Zur Struktur der Migration teilte die Bundesregierung mit – Wortzitat mit der Erlaubnis der Präsidentin –: „Zum einen kommen Menschen, weil sie vor Krieg … fliehen … Zum anderen … weil sie sich in Europa ein besseres Leben wünschen …“ Zitat Ende. Das ist eine interessante Erkenntnis des Spitzengesprächs der Bundesregierung mit den Länderchefs im vergangenen November.

Die jährlichen Gesamtkosten der Migration, also die des Bundes, der Länder und der Kommunen, werden mit hoher Sicherheit bei über 50 Milliarden Euro liegen. Dieses Geld hat Deutschland jedoch nicht; denn die Staatsschulden – mit den Kosten durch NGEU und anderen zusätzlichen Kosten – laufen, ehrlich gerechnet, auf 3 Billionen Euro zu.

1 Vermerkca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, ich komme sofort zum Ende. – Wer eine solche Politik betreibt, hat nicht das Recht, sich über den Mangel an Staatsgeld zu beklagen und die Bürger in Haftung zu nehmen. Die im Gesetzesvorschlag beabsichtigte Verschiebung von einigen Hundert Millionen Euro zwischen Bund und Ländern ist noch nicht einmal von symbolischem Wert.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Ralph Brinkhaus
Foto: Ralph Brinkhaus/TOKORAPHY/Tobias Koch
5 Vermerkeca. 882 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Guten Abend, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Indien hat 1,4 Milliarden Einwohner. Das sind doppelt so viele Einwohner, wie Europa hat; das sind viel mehr Einwohner, als die beiden Amerikas haben; das sind – das wusste ich auch lange nicht – genauso viele Einwohner, wie Afrika hat. Jeder sechste Mensch auf dieser Welt ist Inder.

Unser Bild von Indien ist geprägt von Armut; das ist auch richtig. Es gibt mehr als 200 Millionen Menschen in Indien, die nach der Definition der Vereinten Nationen unter struktureller Armut leiden. Aber Indien hat mittlerweile auch eine Mittelschicht von fast 400 Millionen Menschen; das sind mehr Menschen, als in den Vereinigten Staaten leben. Indien ist ein Land, das zu den fünf größten Wirtschaftsnationen gehört, obwohl das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf der Höhe des Bruttoinlandsprodukts von Bangladesch liegt.

Indien hat viel Wachstum. Das bedeutet für uns, dass Indien wirtschaftlich ungemein interessant ist: als Absatzmarkt, als Standort für Produktion, für Dienstleistungen und auch zur Fachkräftegewinnung. Indien ist aber nicht nur wirtschaftlich interessant, Indien ist die zweite große Macht in Asien. Und wer nicht abhängig sein will von China, der muss mehr auf Indien setzen, als wir das in der Vergangenheit getan haben. Ich habe gerade gesagt: Jeder sechste Mensch auf der Welt ist Inder. Wir werden den Kampf gegen den Klimawandel nicht gewinnen, wenn wir das nicht zusammen mit Indien machen.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Indien ist wichtig, meine Damen und Herren. Indien ist aber auch sehr schwierig; da müssen wir uns nichts vormachen. Das Land ist kompliziert. Das Land ist schwer zu verstehen. Und, ganz ehrlich – ich bin ein großer Freund von Indien –, das Land ist auch unglaublich anstrengend. Ja, meine Damen und Herren, es gibt auch Kritik an Indien; das merken wir in der Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe in vielen Gesprächen mit Journalisten, mit Menschenrechtsorganisationen, mit Oppositionspolitikern und mit Kirchen. Das müssen wir sehr ernst nehmen, und das nehmen wir auch sehr ernst.

Aber Indien überrascht auch, so wie jüngst mit dem Ausgang der Wahlen: Als Ergebnis kam nicht eine Zweidrittelmehrheit oder absolute Mehrheit für Premierminister Modi heraus. Indien ist urdemokratisch. Deswegen unser Appell: Wir müssen uns mehr mit Indien beschäftigen. Wenn wir uns mal anschauen, wie viel wir uns mit China beschäftigen, wie viel wir uns mit Afrika beschäftigen, sehen wir: Das ist viel zu wenig, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sitzen hier zu später Stunde, und die Reihen sind erstaunlich gut besetzt; aber einen Premiumslot hat die Indien-Debatte nicht gekriegt. Ich weiß nicht, wie das bei einer China-Debatte gewesen wäre. Letztes Jahr gab es aufgrund des G-20-Prozesses in Indien ganz viele Besuche von Regierungsmitgliedern in Indien; aber leider ist das wieder eingeschlafen. Wir schaffen es noch nicht einmal, auf europäischer Ebene ein Freihandelsabkommen mit Indien hinzubekommen. Auch das ist uns nicht gelungen.

Meine Damen und Herren, wir müssen mehr in Indien investieren. Wir müssen mehr tun, am besten dadurch, dass der Deutsche Bundestag Indien stärker auf die Bühne hievt, als das in der Vergangenheit der Fall war, und dadurch, dass die Bundesregierung den Prozess fortführt, der im letzten Jahr im Rahmen von G 20 begonnen wurde; damals, so sagt man, standen zeitweise sogar zwei deutsche Regierungsflieger gleichzeitig auf einem indischen Flughafen. Wir sind sehr stark im Kontakt nach China, aber sehr schwach im Kontakt nach Indien. Mehr tun können wir auch durch gemeinsame Projekte, beispielsweise im Bereich Rüstung – da fragt Indien nach –, aber auch im Bereich Klima und Umweltschutz und im Bereich Bildung. Zu Ihrer Information: Mittlerweile stellen indische Studenten die größte Zahl ausländischer Studierender hier in Deutschland. Das kann man ausbauen; das ist gut für uns. Vice versa funktioniert das leider nicht; meines Erachtens studieren zu wenig Deutsche in Indien.

Ein richtig gutes Projekt ist das Projekt, über das wir heute sprechen: der India-Middle East-Europe Economic Corridor. Es gibt ein Memorandum of Understanding zwischen den Vereinigten Staaten, Indien, vielen europäischen, aber auch arabischen Ländern, das im Rahmen des letzten G-20-Gipfels formuliert wurde. Es geht darum, einen Infrastrukturkorridor aufzubauen von Indien über den Golf, über Saudi-Arabien unter Einbeziehung von Jordanien und Israel durch das Mittelmeer bis nach Deutschland. Dieser Korridor soll nicht nur eine Eisenbahn-, eine Transport- und eine Hafenverbindung enthalten, sondern dieser Korridor soll auch Energiepipelines sichern und vor allen Dingen schnelle Telekommunikation. Dieses Projekt kann nicht nur die deutsch-indischen Beziehungen stärken; es ist vielmehr ein Projekt de luxe, weil es dazu beitragen kann, Hoffnung in den Nahen Osten zu bringen. Ich glaube, es ist in dieser Zeit ganz wichtig, dort jenseits der kriegerischen Auseinandersetzungen Perspektiven aufzuzeigen.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen ist es höchste Zeit, Butter bei die Fische zu tun. Soweit ich das sehe, wird herzlich wenig an diesem Korridor, an diesem Projekt gearbeitet, genauso wenig wie an vielen anderen europäischen Global-Gateway-Initiativen. Da wird viel Papier produziert, da werden tolle Absichtserklärungen formuliert; aber es passiert zu wenig. Und es ist schlecht, dass so wenig passiert, weil wir keine Zeit haben. Es ist so: Indien hat auch andere Eisen im Feuer; Indien arbeitet eng mit dem Iran zusammen; wir brauchen die Impulse als Antwort auf die chinesische Seidenstraße; wir brauchen die Impulse auch im Bereich Umweltschutz.

Deswegen bringen wir diesen Antrag ein mit der herzlichen Bitte, mit der Aufforderung an die Bundesregierung, in dieses Projekt zu investieren und einfach mehr Indien zu wagen als in der Vergangenheit.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
6 Vermerkeca. 515 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Gäste auf den Tribünen! Herr Brinkhaus, ich danke Ihnen zunächst mal für den Antrag, auf dessen Grundlage wir hier über dieses wichtige Thema diskutieren. Aber ich kann Ihnen versichern: Diese Bundesregierung ist am Thema dran. Wir waren letztes Jahr auf dem G-20-Gipfel in Indien, und da wurde das Projekt aufs Gleis gesetzt.

Ja, aber wir müssen es aufs richtige Gleis setzen!

Insofern sind wir da auf einem guten Weg, und das ist gut so.

Was ist überhaupt der India-Middle East-Europe Economic Corridor, dieser Wirtschaftskorridor Indien–Mittlerer Osten–Europa? Das ist – Sie haben es zum Teil ja schon erklärt – vor allen Dingen eine Alternative zu chinesischen Handelsrouten. Wir wollen unabhängig werden, auch unabhängig von der Route durch den Suezkanal. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, was es bedeutet, wenn es dort zu Störungen kommt; aktuell erleben wir das wieder durch die Angriffe der Huthi-Rebellen. Es geht darum, eine kombinierte Schiff-Bahn-Route zu entwickeln: über die saudi-arabische Halbinsel mit dem Zug, dann Verladung auf Schiffe, die durch das Mittelmeer Richtung Europa fahren, unter anderem Richtung Piräus. Das sehe ich ein bisschen kritisch, weil dieser Hafen in chinesischer Hand ist. Aber es befinden sich auch andere Mittelmeerhäfen im Zielgebiet.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Weil das eine weitere Alternativroute für den Handel ist, stärkt das die Souveränität der beteiligten Regionen. Das stärkt die Resilienz der Lieferketten, der Handelsrouten und auch der wirtschaftlichen Beziehungen.

Das ist außerdem – das wurde schon angesprochen – ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Denn es geht nicht nur um alternative Verkehrswege, sondern auch um grüne Technologien, um sauberen Wasserstoff, um die Bahn und um leistungsfähige Datenleitungen, die integriert werden sollen.

Nicht zu vernachlässigen ist, dass das auch ein Hoffnungsschimmer für den Nahen Osten ist; Frieden natürlich vorausgesetzt, damit man das am Ende auch realisieren kann. Aber ich glaube, es ist wichtig, das Signal zu senden, dass wir über die Konflikte und die Kriege hinausdenken, dass wir in die Zukunft denken, dass wir den Hoffnungsschimmer setzen und der Region zeigen: Die Welt hat Interesse an eurer Region.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Große Infrastrukturprojekte sind oft eine Initialzündung für weitere gute Entwicklungen, was wiederum die Souveränität der Beteiligten steigert. Das gilt jetzt nicht in allen Fällen. Wir hatten auch große Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel Nord Stream 2; das ist ein sicherheits- und energiepolitisches Desaster gewesen, das hat nicht die Souveränität gesteigert. Aber dieses Projekt ist ein gutes Projekt, und das wird die Souveränität steigern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Christoph Meyer [FDP]

Weil der Ansatz so gut ist, unterstützen wir das.

Es gibt noch andere Projekte in der Region. Es sind Eisenbahnprojekte durch den Irak, durch die Türkei auf den Balkan geplant. Auch da muss man sagen: Das ist ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Im Moment sieht es dort stabilitätsmäßig nicht so gut aus. Auch um die Demokratie in der Türkei ist es nicht gut bestellt. Aber denken wir das mal weiter: Wenn dies in der Zukunft eine gute, friedfertige Region ist und wir dann eine Bahnverbindung von der saudi-arabischen Halbinsel über die Türkei und den Balkan bis nach München haben, dann haben wir wirklich ein tolles Zukunftsprojekt. Und an dem wollen wir weiterarbeiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
6 Vermerkeca. 415 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Damen und Herren! Wessen verdrehte Interessen vertreten Sie hier alle eigentlich, die Sie links von der AfD sitzen?

Zurufvon der CDU/CSU: Nicht die von Putin!

Die der Deutschen können es ja nicht sein, höchstens am Rande und am Ende, bei dem, was an Krümeln übrig bleibt. In Ihrem Antrag schreiben Sie, dass bei dieser Geschichte hier, bei dem India-Middle East-Europe Economic Corridor, Deutschland treibende Kraft sein muss. Sie haben in 16 Regierungsjahren und in Ihren Pseudooppositionsjahren und -monaten eigentlich dafür gesorgt, dass Deutschland die getriebenste Kraft ist, die man sich überhaupt vorstellen kann,

Beifallbei der AfD

Von was reden Sie überhaupt?

getrieben von einer amerikanischen Initiative, die beim G-20-Gipfel im September letzten Jahres vorgetragen wurde. Sie haben vor zwei Jahren hier als bebenden Berg, der noch mehr Gebirge gebären sollte,

die Global-Gateway-Geschichte vorgestellt, die man China entgegensetzen sollte. Das war vor zwei Jahren; ein Berg, der bebte und bisher noch nicht mal eine Maus gebar, es guckt noch nicht mal die Nasenspitze raus.

Über welches Thema reden Sie gerade?

Das wird jetzt umverpackt in die amerikanische Initiative, die quasi zu einer Selbstumgehung führt.

Das, was direkt nach Deutschland geführt hat und wovon nicht nur Deutschland profitiert hat, war die Nord-Stream-Pipeline in der Ostsee. Darüber hinaus ist die chinesische Belt-and-Road-Initiative, die in Duisburg endet, eine real existierende Sache, die tatsächlich in jeder Hinsicht geradlinig auf dem Landweg, auf dem Schienenweg hierherführt. Währenddessen soll dieses Projekt hier zu Wasser, zu Lande und in der Luft eigentlich nur Indien von den BRICS-Staaten, wo es eine tragende Rolle spielt, loseisen, was von vornherein zum Scheitern verurteilt sein dürfte.

Indien, das fast 1 Milliarde Euro Entwicklungshilfe bekommen hat, aber letztes Jahr ohne Entwicklungshilfe, ohne deutsche Hilfe, ich glaube, auch ohne technische Hilfe, auf dem Mond gelandet ist, das bekommt über diese Geschichte jetzt noch eine Extraeinladung und Subventionierung. Da soll dann natürlich auch noch ein Digitalkabel drangehängt werden und die notorische Sache mit den Wasserstoffpipelines, die wahrscheinlich ebenso zuverlässig funktionieren wie die Öl- und die Gaspipelines. Das ist eine lächerliche Sache! Wer Wasserstoff und Wasserstoffwirtschaft als neue Wunderwaffe anführt, der hat doch die Kontrolle über sein Leben verloren.

Beifallbei der AfD

Kümmern Sie sich doch bitte mal um die eigene Nachbarschaft vor der Haustür, um die eigenen Versorgungslinien.

Beifallbei der AfD

Zu der Diplomatie, die Sie sich davon erwarten: Da sind Sie doch gar nicht mehr ernst zu nehmen. Mit der Aussage von Frau Merkel im Dezember 2022 – Minsk ist nicht ernst gemeint usw. – haben Sie sich diskreditiert für alle seriösen diplomatischen Unternehmen, wo auch immer in der Welt Sie kontinentübergreifend agieren wollen.

1 Vermerkca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Noch nicht einmal vor der eigenen Haustür klappt es. Kehren Sie da doch mal!

Danke schön.

Beifallbei der AfD
7 Vermerkeca. 579 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 1. April dieses Jahres haben Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland erleichtert aufgeatmet, weil eine unsinnige, eine unverantwortliche und eine schädliche Kriminalisierung und Strafverfolgung durch die Ampel endlich beendet worden ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das war wichtig, und das war richtig; denn hier sind Menschen zu Kriminellen gemacht worden, die niemandem in irgendeiner Form Schaden zugefügt haben. Das war längst überfällig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dass das möglich geworden ist, ist aber nicht nur einer großen Mehrheit in diesem Bundestag zu verdanken – über die sehr große Mehrheit habe ich mich auf jeden Fall sehr gefreut –, sondern auch dem Bundesrat und den Bundesländern, und das, obwohl diese mit sehr großer Kritik – ich will nicht behaupten, dass ich alles nachvollziehen kann – an eine Reihe von Punkten des Gesetzes herangegangen sind.

Ein Aspekt, der dazu geführt hat, dass die Bundesländer eben nicht den Vermittlungsausschuss angerufen haben, eben nicht verhindert haben, dass der 1. April ein so guter Tag werden konnte, eben nicht dafür gesorgt haben, dass wir weiter und noch länger über dieses Gesetz streiten müssen, ist die Protokollerklärung gewesen, mit der wir Bedenken der Länder aufgegriffen und eine Lösung zugesagt haben, und zwar sehr klar zugesagt haben. Wenn man das zusagt, hält man sich daran. Und genau das machen wir heute. Wir setzen diese Protokollerklärung um.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist wichtig. Das ist vernünftig, was die Absprachen betrifft. Ich will jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich alle Inhalte für zielführend halte; aber wir geben den Ländern Flexibilität an Punkten, an denen sie sie brauchen. Einen Punkt halte ich tatsächlich für zielführend: Wir sorgen dafür, dass die Länder Unterstützung bei den Präventionsbemühungen bekommen; denn Prävention ist ein großer und wirklich wichtiger Punkt in dieser Frage. Wir geben ihnen Flexibilität, gerade auch, was die Zulassung von zum Beispiel Cannabis Social Clubs angeht.

Ich will aber ausdrücklich sagen: Ich halte es für unabdingbar, dass diese Klubs ins Laufen kommen. Ich kann mir nur wünschen, dass die Länder das am Ende auch so sehen und die Freiheit, die Flexibilität sehr vorsichtig nutzen. Wenn man diese Pflanze abwürgt, dann sorgt man dafür, dass der legale Zugang zu Cannabis deutlich stärker eingeschränkt wird. Das ist weder gesundheitspolitisch noch im Interesse des Kinder- und Jugendschutzes

Schwarzmarkt!

und im Übrigen auch nicht im Interesse der Kontrollen und der Qualität wirklich sinnvoll. Also: Flexibilität, ja; Großplantagen will sicherlich kein Mensch. Trotzdem muss es eine vernünftige Chance für die Klubs geben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

– Ja, das muss es natürlich auch in Bayern geben, Herr Kollege.

Einen Punkt haben wir geändert; denn der ging uns zu weit, der war auch nicht Teil der Protokollerklärung. Das Hineinregieren, wenn es darum geht, wie die Vereine mit ihren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen, konnte nicht sein. Wir haben dafür gesorgt, dass mit Ausnahme des Anbaus – denn da geht es ja um Eigenanbau; das ist auch EU-rechtlich wichtig – Tätigkeiten unterschiedlichster Art von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt werden können. Anders geht das in Vereinen nicht. Da kann ich, gerade bei kleinen Vereinen, nicht für jeden Handgriff eine eigene Mitarbeiterin oder einen eigenen Mitarbeiter beschäftigen.

Im Übrigen muss es aus meinem Verständnis heraus auch möglich sein, in den Vereinen sozialversicherungsrechtliche Arbeitsplätze zu schaffen. Es kann nicht alles nur über geringfügig Beschäftigte abgewickelt werden. Das haben wir geändert; das wird jetzt hier auch mit aufgenommen.

Ansonsten freue ich mich, dass wir grundsätzlich einen Schritt weitergekommen sind. Ich freue mich besonders, dass wir unsere Zusage beim Verkehr einhalten. Dazu wird aber mein Kollege Mathias Stein etwas sagen.

Danke schön.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
7 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Gesetz versuchen Sie, im Bereich Prävention nachzubessern.

Aber mal zum Anfang: Ab dem 1. Juli dürfen Anbauvereinigungen tätig werden. In der Regel können wir davon ausgehen, dass die meisten Cannabissorten etwa drei Monate bis zur Ernte benötigen. Trocknung und Weiterverarbeitung erfolgt dann auch noch. Schauen wir mal auf das heutige Datum: Wir haben den 6. Juni, also knapp zwei Monate nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes. Und mit einem weiteren Blick auf unsere Straßen kann ich Ihnen eins sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel: Ihr Schwarzmarktkonjunkturpaket war echt ein voller Erfolg!

Beifallbei der CDU/CSU

Reges Treiben auf dem Schwarzmarkt mit freundlicher Unterstützung Ihrer Bundesregierung – das, liebe Ampel, hat nichts mehr mit Ihrem angekündigten Gesundheitsschutz zu tun. Und erst recht kommt die Prävention viel zu spät.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie es dazu kommen konnte, haben wir einmal mehr am vergangenen Montag in der Anhörung zu diesem Änderungsgesetz gemerkt. Bei dieser Auswahl an Sachverständigen mit offensichtlichen Interessenkonflikten, die Sie, liebe Ampel, benannt und ausgesucht haben, braucht man sich mittlerweile über gar nichts mehr zu wundern.

Davon abgesehen haben Ihnen Ihre eigenen Sachverständigen deutlich gesagt, dass es kein legales Cannabis vor Januar 2025 geben wird. Der Schwarzmarkt wird es Ihnen danken! Wo, glauben Sie eigentlich, kommt das Cannabis her, das zurzeit auf den Straßen in Deutschland kursiert und auch noch bis zum Ende des Jahres kursieren wird?

Und zwar vermehrt!

Dass sich daraus eine Steigerung der Nachfrage auf dem Schwarzmarkt ergibt, dürfte jedem klar sein; nur Sie verstehen das Prinzip nicht. Sie haben keinerlei Kontrolle mehr, und diese zu erlangen, wird nicht mehr möglich sein.

Wenn Sie am Montag in der Anhörung gut zugehört hätten, hätten Sie mitbekommen: Es wurde sehr deutlich gesagt, dass es nicht zu erwarten ist, dass Konsumenten aus Rücksicht auf Kinder ihr Konsumverhalten verändern oder anpassen. Ich bitte Sie! Um hier Ihre Ideologie durchzusetzen, nehmen Sie billigend Schäden an Kindern und Jugendlichen in Kauf.

Beifallbei der CDU/CSU

Dieses Gesetz ist das Produkt von purer Theorie und scheitert gänzlich an der Realität. Denn zur Wahrheit gehört dazu, dass besonders im Bereich Gesundheit langfristige Folgen eintreten und diese nicht abschätzbar sind. Wir haben schon jetzt nicht genug Therapeuten. Alleine dass Sie hier keine langfristige Evaluation zulassen und diese auch überhaupt nicht vorgesehen ist, spricht Bände für Ihr Risikobewusstsein und ist absolut verantwortungslos.

Beifallbei der CDU/CSU

Setzen Sie ein Zeichen, liebe Kollegen! Stellen Sie den Prozess wieder vom Kopf auf die Beine! Fangen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme der Prävention an, und lassen Sie eine langfristige Evaluation zu! Eigentlich kommt immer erst die Prävention und dann das Gesetz. Ich bitte Sie, liebe Kollegen, denken Sie noch einmal darüber nach.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Kirsten Kappert-Gonther
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Landesverband Bremen/ Caspar Sessler
12 Vermerkeca. 461 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Cannabisreform ist ein Meilenstein.

… für den Schwarzmarkt!

Sie ist ein Meilenstein für Gesundheits- und Jugendschutz.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Ihr habt es immer noch nicht verstanden!

Die Cannabisreform ist am 1. April in Kraft getreten. Das wurde möglich, weil auch der Bundesrat zugestimmt hat. Dafür wurde eine Protokollerklärung abgegeben; das war die Voraussetzung. Und diese Protokollnotiz setzen wir nun heute um. Denn was man zusagt, das hält man; so ist das eben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Ich bin sehr froh, dass wir zu einer Lösung gekommen sind. Ich sage aber auch: Wer den Schwarzmarkt austrocknen will, braucht konkurrenzfähige, legale und sichere Angebote für Erwachsene. Und ja, es geht um Balance: Cannabis erlauben, aber nicht fördern; Kontrollen für die Klubs, aber Cannabisklubs als das verstehen, was sie sind: Verbündete im Kampf gegen einen unregulierten und risikomaximierenden illegalen Markt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Deswegen danke an alle, die jetzt mit viel Herzblut keine Mühen scheuen, um gute und sichere Angebote von Cannabis für Erwachsene aufzubauen.

In den Beratungen über das Änderungsgesetz konnten wir klarstellen, dass Beschäftigte in Cannabisklubs – der Kollege hat schon darauf hingewiesen – nicht auf eine bestimmte Tätigkeit beschränkt sind; das ist wichtig. Mit dem heutigen Gesetz stärken wir zudem die Prävention. Und ja, es stimmt: Die Regeln für Anbauvereinigungen sind noch sehr streng, ich finde: in Teilen zu streng. Der entscheidende Punkt aber ist: Der Paradigmenwechsel ist gelungen, und wir stellen endlich Gesundheits- und Jugendschutz in den Mittelpunkt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Es ist schlichtweg falsch, Cannabis zu kriminalisieren und Alkohol überall zu propagieren; das schadet. Wir brauchen Prävention und Aufklärung statt Prohibition und Ignoranz. Und Sie von der Union fallen leider oft mit Ignoranz auf. Das kann man lustig finden; ich finde, das ist gefährlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Also, wenn man den Schwarzmarkt ignoriert, ist das nicht lustig!

Wer, wie Sie es in der letzten Woche ständig in der Presse gemacht haben, den Anstieg der Drogentoten im Jahr 2023 in Verbindung setzt mit der Entkriminalisierung von Cannabis, will doch den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das gehört nun mal zusammen, oder?

Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Alkohol; an pflanzlichem Cannabis stirbt niemand.

Und deshalb hauen wir noch eine Droge auf den Markt? Super!

Verbieten Sie jetzt den Alkohol, oder was?

Wir brauchen für beides gute Regeln. Deshalb ist es richtig, dass wir mit der Cannabisreform nun den nächsten Schritt gehen.

Die Kinder und Jugendlichen werden es Ihnen danken! Waren Sie nicht Ärztin?

Entscheidend ist heute aber auch, dass wir auf der Grundlage der Empfehlung einer Expertenkommission nun einen THC-Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blut für den Straßenverkehr festlegen. Das ist im Übrigen deutlich strenger als der Grenzwert für Alkohol. Und ich finde, auch der Grenzwert für Alkohol könnte strenger werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Denn wer berauscht ist, der darf nicht fahren. Sicherheit geht vor – Punkt! Was es aber nicht geben darf, ist eine Kriminalisierung durch die Hintertür für Personen, die gar nicht berauscht fahren. Genau das stellen wir heute sicher. Danke dafür allen, die das im Verkehrsbereich verhandelt haben, Swantje Michaelsen und allen anderen, die dazu beigetragen haben. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit.

Ich danke Ihnen allen!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
10 Vermerkeca. 321 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ihr Kiffergesetz ist bei der gesamten Fachwelt durchgefallen – das sagte ich schon vor zwei Wochen – und wird höchstens noch von der sich selbst verneinenden Grünen Jugend gefeiert. Erst diesen Montag hatten Vertreter von Polizei, Wissenschaft und Versicherungen Sie eindringlich vor den Konsequenzen Ihres Gesetzentwurfes gewarnt.

Die Polizei weist weiterhin auf Widersprüche für Berufskraftfahrer hin: Gewerblichen Personentransport kann man durchführen mit 1 Nanogramm im Blut, Gefahrguttransporte mit 3,5 Nanogramm. Das halte ich für grenzwertig; sollte man mal drüber nachdenken.

Beifallbei der AfD

Fraglich aus Sicht der Polizei bleibt auch, wie die unterschiedlichen THC-Grenzwerte, auch für Fahranfänger, überhaupt kontrolliert werden sollen. Wieder lassen Sie unsere Strafverfolger verunsichert zurück.

Auch die Gefahren des Mischkonsums ignorieren Sie in Ihrem Entwurf völlig.

Das stimmt doch gar nicht!

Zurufder Abg. Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Ja, natürlich stimmt das! Ein Bier, ein Joint und dann ans Steuer, oder wie soll das jetzt laufen?

Mischen ist untersagt! Das steht da drin! Lesen hilft weiter!

Für die Ampel anscheinend kein Problem, weiter mit 0,5 Promille Alkohol und bis zu 3,5 Nanogramm THC im Blut zu fahren.

Der Ampel geht es auch nicht um die Entkriminalisierung der Gelegenheitskiffer. Die trennen sicherlich zwischen Konsum oder Autofahren und werden sich das vorher überlegen. Es geht anscheinend viel mehr um die Gewohnheitskiffer mit entsprechender Toleranzentwicklung, sprich: Drogenabhängige.

Für die ist der Wert zu niedrig!

Die sollen wieder ungestraft am Straßenverkehr teilnehmen können. Wir sollten uns aber eigentlich einig sein, dass Drogenabhängige im aktiven Straßenverkehr nichts zu suchen haben.

Beifallbei der AfD

Wie unsicher wollen Sie das Leben der Bürger eigentlich noch machen? Ganz im Ernst: Passiert nicht schon genug in Deutschland durch Ihre fahrlässig eingeschleusten Vergewaltiger und Messerdschihadisten?

Wie lange wollen Sie die Polizei noch mit Ihren Schildbürgergesetzen verunsichern? Ihre Politik der Bagatellisierung und der Entkriminalisierung von Straftaten bei gleichzeitiger Demoralisierung der Strafverfolgungsbehörden

Schon schwierig, sich solche Worte zu merken!

zieht langsam eine Spur durch dieses Land. Es fängt an beim bekifften Autofahren und endet im schlimmsten Fall beim islamistischen Terroranschlag von Mannheim, meine Damen und Herren.

Zurufevon der SPD

Deswegen lehnen wir diese Gesetzesänderung sowie Ihre gesamte Politik aus tiefstem Herzen ab.

Amen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Porträt von Florian Müller
Foto: Florian Müller/ Steffen Böttcher
15 Vermerkeca. 406 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Debattenbeiträge gerade haben gezeigt, dass wir ein bisschen von der Realität abgekommen sind. Denn Sie tun ja fast so, als würden mit der Verdreifachung des Cannabisgrenzwerts, den Sie jetzt planen, die Straßen in Deutschland sicherer.

Heiterkeitdes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Deswegen lassen Sie mich für die Zuhörerinnen und Zuhörer etwas geraderücken: Sie sind dabei, das Autofahren nach dem Konsum einer Droge zu erlauben.

Das ist doch Quatsch!

Ihr hört sowieso nicht richtig zu!

Die Polizei hat Ihnen aber in der Anhörung vorgerechnet, dass nach der Cannabislegalisierung in anderen Ländern und Regionen, beispielsweise in Kanada oder in Washington State, die Anzahl der Unfälle, insbesondere die Anzahl der tödlichen Unfälle, nach oben gegangen ist. Natürlich wird mit Ihrer Entscheidung heute die Verkehrssicherheit beeinträchtigt; sie wird verschlechtert.

Diese Ehrlichkeit müssten Sie heute schon in die Debatte mitbringen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie argumentieren jetzt: Nach zwei Bieren darf man noch Auto fahren, also muss das beim Cannabiskonsum doch ähnlich geregelt werden.

Das ist doch falsch!

So argumentieren wir genau nicht!

Sie sprechen da von einer Gerechtigkeitsfrage. Sie sagen: Was beim Alkoholkonsum gilt – das haben Sie so gesagt –, muss auch beim Cannabiskonsum gelten.

Nein, genau das haben wir nicht gesagt!

Verdrehen Sie doch nicht die Tatsachen hier!

Sie behaupten, dass der Grenzwert von 3,5 Nanogramm, den Sie jetzt festlegen wollen, einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille entspricht. Das ist wissenschaftlich widerlegt; das ist in der Anhörung klar formuliert worden.

Dem Risiko entspricht das!

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Verkehrssicherheit muss doch eines bedeuten: die Schwächsten im Straßenverkehr und insbesondere deren Leben zu schützen.

Beifallbei der CDU/CSU

Immer schön die Verkehrssicherheit instrumentalisieren, wenn es Ihnen passt!

Gerechtigkeit darf doch nicht bei der Sicherheit im Straßenverkehr aufhören. Sie gilt gleichermaßen für alle. Sie haben im Ausschuss selbst zugegeben, dass Cannabiskonsumenten im Straßenverkehr ein Risiko darstellen. Und jetzt machen Sie eines: Sie treffen offensichtlich die Abwägung, dass eine geringere Verkehrssicherheit vertretbar ist, damit Cannabiskonsumenten Auto fahren dürfen und damit – auch das haben Sie im Ausschuss gesagt – Ihre Legalisierungspläne nicht ausgebremst werden.

Sie ignorieren damit die kontroverse Diskussion in der Wissenschaft, die Erfahrungen aus Nordamerika, die zusätzlichen Kosten für die Bundesländer, die Warnungen der Polizei vor Überlastung.

Um wie viel wollen Sie denn die Promillegrenze bei Alkohol absenken?

Aber es zeigt vor allem auch, wozu Ihnen die Diskussion um die Verkehrssicherheit eigentlich dient: Sie ist für Sie ein Vehikel, um am Ende Einschränkungen beim Autoverkehr vorzunehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Tempolimit hier, Fahrverbot dort – das sind Ihre Forderungen.

Das ist krass gelogen!

– Liebe Frau Michaelsen – Sie schreien hier so rein –, wenn es aber um Drogen geht, dann sind Ihnen die Forderungen Ihrer eigenen Kommission nicht weich genug. Das ist die Realität, meine Damen und Herren.

Ab dem Sommer werden durch die Beschlüsse der Ampel die Straßen in Deutschland unsicherer. Es wird ein schwarzer Tag für die Verkehrssicherheit in Deutschland.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

So ein Bullshit! Und scheinheilig! Das ist einfach gelogen! Das ist so krass gelogen!

Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
6 Vermerkeca. 301 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Über nahezu alle politischen Bereiche hinweg lässt sich ein merkwürdiger Drang der Ampel feststellen: Wenn in Ihrem Koalitionsvertrag mal etwas Sinnvolles steht, etwas, das den Menschen hilft, setzen Sie es möglichst schlecht oder gar nicht um. Aber wenn Sie zusichern, Hürden für Menschen zu schaffen, versprechen, dass es ungleicher wird, sind Sie minutiös genau oder gar mit Übererfüllung dabei.

Werden wir konkret am Beispiel des Cannabisgesetzes. Sie versprachen vollständige Legalisierung. Es kam eine klamme Entkriminalisierung. Aber selbst das war einigen von Ihnen regierten Ländern noch zu viel. Und deswegen geben Sie – Sie geben es selbst zu – Herrn Söder die notwendigen Instrumente in die Hand, um Cannabis totzuregulieren.

Ähnliches bei Cannabiskonsum im Straßenverkehr: Sie versprachen eine Anpassung der Regelung, ähnlich der Regelung bei Alkoholkonsum. Letztlich machen Sie das nicht. Aber ich sage Ihnen: Wir brauchen eine vergleichbare Regelung, um Verständnis bei den Menschen zu erzeugen.

Beifallbei der Linken

Das Absurde an Ihrem Vorgehen ist: Es hilft Ihnen ja nicht. Keiner von den Konservativen unterstützt Sie, nur weil Sie das Gesetz aufweichen. Sogar Teile von grün und SPD-regierten Ländern hatten dem Gesetz im Bundesrat ja gerade nicht zugestimmt. Und ohne uns wäre es schwer geworden, sehr geehrte Damen und Herren.

Lachender Abg. Heike Baehrens [SPD]

Wir helfen dennoch weiterhin gern.

Die Linke arbeitet immer daran, für die Menschen etwas Gutes umzusetzen und Fehlerhaftes besser zu machen.

Beifallbei der Linken

Daher schlagen wir Ihnen heute in einem Entschließungsantrag vor, einen entscheidenden Fehler aus Ihrem Gesetz zu entfernen. Immer noch können Menschen wegen Cannabisbesitzes auf Jahre hinter Gitter kommen. Daher wollen wir die Festlegung auf eine sogenannte nicht geringe Menge abschaffen und fordern die bundeseinheitliche Festlegung einer sogenannten geringen Menge, um weitere Flickenteppiche zu vermeiden.

Beifallbei der Linken

So kommen wir einer wirklichen Legalisierung näher. So entfernen wir uns von regionaler Beliebigkeit. So wird es einfach besser.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Dem ist nichts hinzuzufügen!

8 Vermerkeca. 374 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu dieser späten Stunde geht es um Cannabis, es geht um Straßenverkehr, es geht um Verkehrssicherheit. Zu dem, was Herr Müller vorhin gesagt hat: Das war nicht dieselbe Anhörung wie die, an der ich teilgenommen habe.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Einer war nüchtern!

Wir wollen hier nicht moralisieren, sondern wir wollen aufgrund der Faktenlage ein Stück Gerechtigkeit walten lassen. Die Expertenkommission hat sehr deutlich gesagt: Der Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC entspricht ungefähr einem vergleichbaren Wert von 0,2 Promille bei Alkohol. Das heißt, wir schaffen Vergleichbarkeit.

Mit Ihren Argumenten erwecken Sie den Eindruck – das habe ich Ihnen schon im Ausschuss gesagt –, dass junge Leute, die Cannabis probieren wollen, abends um 20 Uhr einen Joint rauchen, sich um 22 Uhr ins Auto setzen und dann mit Sicherheit mehr als 3,5 Nanogramm THC im Blut haben. Mit Ihrem Redebeitrag haben Sie keinerlei Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet; sondern Sie haben zur Verunsicherung beigetragen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Kommen wir zur AfD, die jetzt hier auch moralisiert und sagt, die ganzen Cannabisleute würden straffrei davonkommen. Ich kann mich noch genau an die Rede Ihres Kollegen Herrn Moncsek vom 14. März erinnern, in der er gefordert hat, dass das Flensburger Punktesystem ganz abgeschafft und der Bußgeldkatalog deutlich entschlackt wird. Damit haben Sie wahrscheinlich nur Menschen, die Alkohol getrunken haben oder bei Rot über die Ampel fahren, oder Handwerker gemeint. Da brauchen Sie mir nicht mit Verkehrssicherheit zu kommen; denn die Verkehrssicherheit ist in dieser Ampel gut aufgehoben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Werden die Straßen jetzt doch sicherer, ja?

Orientieren wir uns doch mal an den Fakten. Sie zeichnen das Horrorszenario, dass jetzt tausendfach Unfälle aufgrund von Cannabiskonsum passieren werden.

400 Prozent Steigerung!

– Sie sagen, das ist eine Steigerung von 400 Prozent. Aber das sind gefühlte 400 Prozent. Im Moment werden fünfeinhalbmal mehr Unfälle durch Alkoholkonsum verursacht.

Macht es das besser?

– Dann machen Sie doch mal Vorschläge zum Thema Alkohol! Wo sind denn da Ihre Vorschläge?

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wo sind Ihre Vorschläge für mehr Verkehrssicherheit auf Landstraßen, wo es die meisten Toten gibt? Warum machen wir dort nicht Tempo 80? Warum machen wir in Städten nicht ein vernünftiges, angemessenes Konzept für mehr Verkehrssicherheit? Ich glaube, für die Verkehrssicherheit können wir mehr tun.

Mit diesem Gesetz schaffen wir ein Stück Gerechtigkeit für Menschen, die Cannabiskonsum und die Teilnahme am Straßenverkehr trennen können. Das ist, glaube ich, ein guter Tag.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
8 Vermerkeca. 445 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zunächst mal: Ich bin immer wieder geschockt, wie Sie es doch schaffen, auch die schlimmsten Ereignisse wie die in Mannheim für Ihre kruden Theorien zu instrumentalisieren. Das ist etwas, was ich gar nicht verstehen kann.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Jonas Geissler [CDU/CSU]

Jetzt aber zum Thema. Vor gut zwei Monaten haben wir hier an dieser Stelle über nicht weniger als einen Paradigmenwechsel, einen historischen Wendepunkt in der deutschen Cannabispolitik debattiert. Wir sind weg von der Prohibition und Repression, hin zu einem Umgang mit Cannabis, der der gesellschaftlichen Realität entspricht und die individuelle Freiheit in Deutschland stärkt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit dem vorliegenden Entwurf tragen wir nun den Bedenken der Länder Rechnung, die diese im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens geäußert haben. Schon der gegenseitige Respekt zwischen den Verfassungsorganen gebietet es, die Protokollerklärung umzusetzen. Wir flexibilisieren deswegen die Kontrolle der Anbauvereinigungen durch die Länder. Wir geben den Ländern Spielräume im Umgang mit den sogenannten Grow Hubs. Wir schaffen Möglichkeiten für die Entwicklung eines Fortbildungsangebots für Suchtpräventionsfachkräfte. Und wir weiten die vorgesehene Evaluation aus.

Dabei ist mir vor allem eines wichtig: Die Menschen in Deutschland sollen sich durch den gemeinschaftlichen Anbau in den Cannabisklubs legal mit qualitativ hochwertigem Cannabis versorgen können. Nur so tragen die Klubs zum Erfolg der Legalisierung bei.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Durch den privaten und gemeinschaftlichen Anbau kann der Schwarzmarkt erfolgreich zurückgedrängt werden.

Trotz des großen Getöses aus der Union: Die Erde hat sich seit dem 1. April doch tatsächlich weitergedreht. Auch in Bayern, in Sachsen und in Hessen ist die Welt eben nicht untergegangen, seit die Menschen dort – wie auch in ganz Deutschland – legal Cannabis konsumieren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die ständigen Versuche gerade in Bayern, den Konsum von Cannabis zu verbieten und einzuschränken, zeigen doch, wessen Geistes Kind die Unionsparteien sind. Mit ihnen wird es kein Mehr an gesellschaftlicher Freiheit in diesem Land geben; denn sie versuchen, zu verbieten, wo sie nur können. Für Freiheit in Gesellschaft und Wirtschaft stehen nur wir Freien Demokraten.

Beifallbei der FDP
Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Darüber hinaus passen wir den THC-Grenzwert im Straßenverkehr an. Der Grenzwert von 3,5 Nanogramm wurde von der Expertenkommission anhand einer plausiblen Begründung vorgeschlagen.

Und das bedeutet eben nicht, dass man einfach so kiffen und Auto fahren darf. Niemand sollte ein Kraftfahrzeug im aktiven Rauschzustand führen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber: Es gibt eben auch keine glaubhaften Anhaltspunkte dafür, dass die Verkehrssicherheit bis zu diesem Grenzwert beeinträchtigt wäre. Auch hier passen wir die Rechtslage endlich an die Lebenswirklichkeit der Menschen an.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Darüber hinaus: Den sogenannten Mischkonsum von Alkohol und Cannabis werden wir mit diesem Gesetz hart bestrafen. Denn hier ist das Problem: Beim Mischkonsum sind die Folgen eben nicht kalkulierbar.

Als Freie Demokraten setzen wir uns auch weiterhin für die Legalisierung von Cannabis ein, so wie wir es im Koalitionsvertrag vereinbart haben.

5 VermerkeZwischenfrageca. 57 WörterReaktionswert: lebhaft
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Nein, keine Zwischenfragen. Danke.

Es ist auch schon spät!

Deswegen muss die zweite Säule des Gesetzes mit dem Modellprojekt „kommerzielle Lieferketten“ so schnell wie möglich kommen. Nur dann können wir den Schwarzmarkt auch dauerhaft zurückdrängen.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gleichzeitig gilt es, das EU-Recht zu reformieren, um den Mitgliedstaaten die kontrollierte Freigabe von Cannabis und eine eigenständige Drogenpolitik zu ermöglichen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn Freiheit muss europaweit gelten.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tobias Winkler
Foto: Klaus Gruber / www.dolphinphotography.de/Klaus Gruber
10 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über den Golf von Aden und das Horn von Afrika sprechen, dann geht es um nichts weniger als eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt: 20 000 Schiffe pro Jahr, 40 Prozent des Handels zwischen Europa und Asien, 17 Prozent des weltweiten internationalen Datenverkehrs über Unterseekabel. Als vor drei Jahren die „Ever Given“ für mehrere Tage den Suezkanal blockierte, errechnete der Informationsdienst Lloyd’s List einen weltwirtschaftlichen Schaden von rund 400 Millionen Dollar – pro Stunde.

Leider sind die Anrainerstaaten kein Hort der politischen Stabilität. Durch Piraterie und Angriffe auf Schiffe ist diese Handelsroute massiv gefährdet, darunter auch Frachter des Welternährungsprogramms mit Millionen Tonnen von Getreide. Mit den EU-Missionen EU NAVFOR Atalanta und zuletzt EU NAVFOR Aspides sowie der US-Mission Prosperity Guardian haben wir das Problem in den Griff bekommen. Unser Dank gilt ganz besonders der Besatzung der Fregatte „Hessen“, die entscheidend zum Erfolg der Mission beigetragen hat.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die schnelle Krisenreaktion war gut, und sie war richtig. Aber sie ersetzt noch keine Strategie. Ganz im Gegenteil: Dadurch wird oft erst deutlich, dass es gar keine vernünftige Strategie für die Region gibt.

Das ist Quatsch!

Doch woran liegt das eigentlich? Bundespräsident Horst Köhler sprach 2010 in einem Interview davon, dass für ein Land mit unserer Außenhandelsabhängigkeit im Zweifel auch militärischer Einsatz notwendig ist, um Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege.

Völlig richtig!

Was darauf folgte, ist bekannt: massive Kritik von SPD und Grünen, die am Ende zum ersten spontanen Rücktritt eines Bundespräsidenten in der Geschichte der Bundesrepublik führte – aus heutiger Sicht geradezu grotesk.

Dass wir mehr für unsere eigene Sicherheit leisten müssen, ist mittlerweile auch dem Letzten klar geworden. Doch was versteht die SPD darunter?

In einem Positionspapier der SPD-Fraktion aus dem November heißt es:

„Entscheidend für eine erfolgreiche sozialdemokratische Außen- und Entwicklungspolitik im Horn von Afrika ist eine kohärente, ganzheitliche Politik für die Region, die einen inklusiven, multidimensionalen Ansatz verfolgt.“

„Feministisch“ fehlt! Wo ist es denn?

„Eine sozialdemokratische feministische Außen- und Entwicklungspolitik“

Da ist es ja!

„zielt immer darauf ab, unter Einbeziehung von Frauen und marginalisierten Gruppen wie LGBTQI*-Personen, Krisen und Konflikten vorzubeugen.“

Mit Sternchen!

Bei aller Liebe, aber mit feministischer Außenpolitik lässt sich das Problem nicht lösen.

Gerade für Deutschland als Exportnation ist diese Handelsroute von entscheidender Bedeutung.

Andere Staaten haben das erkannt. Die USA und Frankreich unterhalten permanente Militärbasen in Dschibuti. Italien, Spanien, die Türkei, das Vereinigte Königreich sind militärisch vor Ort. China und Japan unterhalten ihre einzigen Auslandsmilitärbasen genau dort. Und Deutschland? Über 14 Jahre waren wir im Rahmen der Mission Atalanta mit Soldaten in der Region präsent, bis im März 2022 diese Bundesregierung beschloss, den Auslandseinsatz zu beenden.

Wir fordern deshalb die Entsendung zusätzlichen diplomatischen und militärischen Fachpersonals für ein besseres Lagebild. Nutzen Sie auf EU-Ebene das Instrument Global Gateway! Doch vor allem: Entwickeln Sie eine umfassende, langfristige Strategie mit einer klaren Definition unserer strategischen Interessen! Springen Sie über Ihren Schatten: Stimmen Sie unserem Antrag zu! Es wäre gut für unser Land.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
15 Vermerkeca. 587 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Horn von Afrika finden aktuell eine Reihe von Kriegen und Konflikten statt. Die Situation im Sudan ist besonders besorgniserregend. Der Krieg hat bislang über 7 Millionen Menschen vertrieben und damit leider alle anderen Konflikte weltweit übertroffen. 1,9 Millionen Menschen sind in die Nachbarstaaten geflohen. Es droht eine Hungersnot. Die beiden Kriegsparteien verüben schwere Menschenrechtsverletzungen.

Deutschland, Frankreich und die Europäische Union haben im April 2024, ein Jahr nach dem Ausbruch des Krieges, eine internationale humanitäre Konferenz ausgerichtet. Dort wurden mehr als 2 Milliarden Euro für den Sudan und die Nachbarländer zugesagt. Von dieser Konferenz ging ein sehr klares Signal der internationalen Geschlossenheit aus. Alle Partner/-innen einigten sich darauf, ihre Vermittlungsbemühungen zu koordinieren. Die Generäle müssen zurück an den Verhandlungstisch kehren, um über den dringend benötigten Waffenstillstand zu verhandeln und den Zugang von humanitärer Hilfe zu gewährleisten, und zwar jetzt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Da steht nur nichts von im Antrag!

Die Pariser Sudan-Konferenz bot auch den zivilen Akteurinnen und Akteuren des Sudans eine Plattform, um zusammenzukommen, um sich zu organisieren und eine gemeinsame Vision für einen demokratischen Sudan zu entwickeln. Ihr Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, lässt die Rolle dieser zivilgesellschaftlichen Akteure leider völlig unberücksichtigt und fokussiert sich fast ausschließlich auf die Frage der Versicherheitlichung. Sie erkennen weder diese Agents of Change als das an, was sie sind, nämlich sehr relevant, noch haben Sie begriffen, dass es sich um souveräne Staaten am Horn von Afrika handelt.

Lieber Herr Kollege, Sie haben ja gerade die Debatte über die feministische und werteorientierte Außenpolitik angefangen.

Ach du Schreck!

Diese bedeutet nicht, wie in Ihrem Antrag formuliert, dass wir mit China in einen Dialog treten, um – ich zitiere – „herauszuarbeiten, wo sich unsere Interessen mit chinesischen Interessen überlappen, und dann einen Beitrag von China zur Stabilisierung der Region einzufordern. …“ Das kann nicht die Antwort sein.

Nö, aber das ist die Politik des Kanzleramts!

Wir müssen doch die Interessen der Leute vor Ort in den Blick nehmen.

Zurufvon der CDU/CSU: Und China weiter belehren!

Und ja, dazu gehören auch militärische Punkte. Aber wenn Sie eine ordentliche Strategie wollen, dann können Sie eben nicht nur das fordern, was Sie hier vorgelegt haben, sondern müssen eben mit der Zivilgesellschaft vor Ort in den Dialog treten und gucken, wie wir diese Akteure unterstützen können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wann studieren Sie denn mal zu Ende? Gibt es da einen Plan bei Ihnen?

Auch für Sie von rechts – Sie schreien hier ja schon wieder rein –

Ich sitze links!

und auch für die Kollegen von der Union

Die schreien doch gar nicht!

– die hier nicht reinschreien; das will ich hier sehr klar differenzieren – kommen demnächst ja die aktualisierten Afrikapolitischen Leitlinien. Und, Herr Brandner, ich glaube, Sie sollten mal anfangen, zu lesen. Das würde Ihnen auf jeden Fall helfen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe diese Rede zwar mit einer düsteren Beschreibung der aktuellen Lage vor Ort begonnen, aber so möchte ich nicht enden. Hoffnung gibt mir das ungebrochene Engagement der Zivilgesellschaft vor Ort. Im Sudan haben sich viele Graswurzelgruppen auf Gemeindeebene zu sogenannten Emergency Response Rooms zusammengeschlossen, um direkte Hilfe zu leisten.

Na, dann wird es was!

Sie leisten aktuell einen zentralen Bestandteil von humanitärer Hilfe im Sudan.

Das ist ein Superplan, glaube ich!

– Sie wollen jetzt dazu reinbrüllen? Es geht darum, ob Menschen Essen haben, ob sie was zu trinken haben.

Essen Sie mal Ihre Graswurzeln! Ganz ruhig!

Diese Akteure der Zivilgesellschaft sind diejenigen, die dazu beitragen, dass das möglich ist. Und, Herr Brandner, deshalb bin ich da überhaupt nicht ruhig, sondern Sie hören mir zu!

Auch in Äthiopien arbeiten Jugendliche gemeinsam mit Peacebuilding-Initiativen an einem nachhaltigen Frieden. Viele Akteure in der Region, gerade zivilgesellschaftliche Akteure, arbeiten mit allem, was sie haben, für mehr Frieden, für eine Strategie in dieser Region. Genau diese Akteurinnen und Akteure müssen wir weiterhin stärken. Und wir brauchen auch endlich einen Mechanismus, wie wir sie direkt finanziell fördern können.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Stefan Keuter
Foto: DBT/ Inga Haar
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, es führen wichtige Handelswege um das Horn von Afrika. Der Golf von Aden, das Rote Meer und die Zufahrt zum Suezkanal sind wichtige Routen für unsere Handelsschiffe.

Hingegen haben wir auch Probleme in der Region. Wir denken an den Krieg im Jemen und die Piraterie, die uns seit Jahren schwer belastet. Nun haben die Huthi-Rebellen angegeben, in letzter Zeit verstärkt Schiffe angegriffen zu haben, entführt zu haben und gegen Lösegeld wieder freigelassen zu haben, und haben in den letzten Tagen mit Raketen den US-Flugzeugträger USS „Eisenhower“ beschossen – eine neue Stufe der Eskalation.

Ja, die Seefahrt wird schwieriger, sie wird gefährlicher, und sie wird teurer. Und vor allen Dingen werden die Transferzeiten der Container deutlich länger, wenn die Reedereien ihre Schiffe um Afrika herum und nicht mehr durch den Suezkanal schicken. Und ja, da sind dann deutsche Interessen tangiert.

Die Union beklagt gerne den wachsenden Einfluss von Russland und China in der Welt,

ohne zu sagen, was daran denn schlimm sei.

Lachender Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Kommen wir mal zur Ukraine!

Schlimm hingegen ist, dass der deutsche Einfluss schwindet. Wodurch? Durch Ihre feministische und Ihre wertegeleitete Außenpolitik.

Bereits unter Merkel und ihrem Außenminister Maas hatten wir einen Verlust an deutschem Einfluss zu beklagen. Wir haben ein schlechtes Standing im arabischen Raum und am Horn von Afrika. Und nun kommen Sie mit Ihrem Schaufensterantrag daher, von dem Sie selber wissen, dass das Ding überhaupt gar nicht zustimmungsfähig und mehrheitsfähig ist. Wir brauchen eine interessengeleitete Außenpolitik, einen robusten Einsatz unserer Marine, um unsere Handelswege zu sichern.

Eine gute Außenpolitik!

Eine von Putin geleitete Interessenpolitik, oder was?

Wir brauchen keine Eskalation Richtung Iran und keine Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten.

Wir brauchen eine effektive Entwicklungszusammenarbeit in den Ländern am Horn von Afrika. Hier deutsche Truppen zu schicken, ist der falsche Weg. Außerdem haben die Chinesen und Russen hier längst „boots on the ground“.

Dann ist ja gut!

Wir brauchen keine ideologischen Projekte.

Wir brauchen keine AfD!

Wir brauchen Projekte, die den Menschen vor Ort eine Zukunft geben, die die Migration stoppen.

Genau! Das ist die Lösung!

Wir freuen uns auf die Beratungen im Ausschuss. Ich wünsche Ihnen allen eine gute Nacht.

Vielen Dank.