Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich dieser Debatte folge, dann freue ich mich, zu hören, dass doch die allermeisten Rednerinnen und Redner ein einheitliches Bild davon haben, was die Beschäftigten in der Pflege heute brauchen.
Sie brauchen gute Arbeitsbedingungen, das heißt kein einsames Abhetzen, nicht alleine verantwortlich sein, sondern Kolleginnen und Kollegen haben, mit denen man sich austauschen kann, mit denen man zusammenarbeiten kann, mit denen man sich abwechseln kann. Es braucht auch weniger Bürokratie, also weniger Zeit am Schreibtisch und mehr Zeit mit den Patientinnen und Patienten.
Die Beschäftigten in der Pflege brauchen Wertschätzung für das, was sie gelernt haben, was sie können und was sie jeden Tag beweisen und leisten – von den Angehörigen, den Vorgesetzten, den Ärztinnen und Ärzten, mit denen sie zusammenarbeiten, von der Gesellschaft insgesamt, aber eben auch im Gesetz.
Und auch das gehört dazu: Sie brauchen eine faire Bezahlung, weil Lohn auch etwas mit Anerkennung zu tun hat. Und Anerkennung haben die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege wahrlich mehr als verdient.
Was wir heute hier in erster Lesung beraten, ist gut und richtig, weil es das adressiert, was ich gerade gesagt habe: Wir entschlacken die Pflege von Überbürokratismus. Damit erkennen wir die medizinischen Kompetenzen der Pflegefachpersonen an und geben ihnen mehr Raum, um diese auch wirklich einzusetzen. Und wir ermöglichen denjenigen, die nicht gleich in die Generalistikausbildung, also in die Pflegefachausbildung als Pflegefachperson, gehen wollen, einen Weg in die Pflege und führen endlich ein bundesweit einheitliches und eigenständiges Berufsbild für die Pflegefachassistenz ein. Auch das ist richtig. Und die Kolleginnen und Kollegen haben ja schon aufgeführt, was alles noch in diesen beiden Gesetzen drinsteht.
Was aber nicht hilft, ist in den Vorlagen zu diesem Tagesordnungspunkt ebenfalls nachzulesen, liebe Kolleginnen und Kollegen. In ihrem Antrag – die Rede gerade hat es gezeigt –
zeichnet die AfD ein völlig unterkomplexes Bild der Situation von Hunderttausenden zu Pflegenden und ihren Angehörigen.
Wer genau ist es denn, der hier „traditionell“ pflegt? Es sind zu über 80 Prozent Frauen,
die sich dieser Aufgabe unterziehen, oft ohne jegliche Anerkennung und ohne Ausgleich.
Das ist kein gesellschaftlicher Idealzustand. Es ist schlicht und einfach eine ungerecht verteilte Last, die über Generationen hinweg hauptsächlich auf den Schultern von Frauen lastet.
Die Vorstellung, dass Frauen von Natur aus pflegen sollen, weil es immer schon so war, ist ein patriarchales und völlig überholtes Weltbild, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Anstatt einem solchen Familienbild aus den 50er-Jahren hinterherzujagen, sollten wir alles tun, damit Pflegefachpersonen genügend Geld verdienen und die Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen – und zwar unabhängig davon, ob sie zugewandert sind oder nicht.
Vielen Dank.