Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich möchte den Blick und die Aufmerksamkeit auf ein anderes Thema im Bereich Gesundheit lenken, nämlich auf die globale Gesundheit. Was globale Gesundheit mit unserer eigenen Gesundheit zu tun hat und mit der Herausforderung, die wir hier zu bewältigen haben, werde ich bis zum Ende meiner Rede deutlich herausarbeiten.
Man kann sagen, dass die globale Gesundheit in keinem guten Zustand ist. Die Pandemie, die wir in den letzten Jahren in Deutschland hatten, hat ja gezeigt, wie wichtig die globale Zusammenarbeit ist. Aber durch den Ausstieg der US-Amerikaner aus der WHO
fehlen der WHO für die globale Gesundheit 1,3 Milliarden Dollar. Und durch das Aus von USAID fehlen dem Global Fund, der sich seit 2002 sehr erfolgreich im Bereich der globalen Prävention und der Behandlung von Krankheiten in rund 100 Ländern dieser Welt engagiert, Mittel in Milliardenhöhe. Diese Länder sind darauf angewiesen, dass die reichen Länder des Nordens Geld zur Verfügung stellen, damit sie insbesondere bei Malaria, bei HIV/Aids, aber auch bei Tuberkulose Medikamente kostenlos zur Verfügung stellen können. Durch den Ausstieg der US-Amerikaner fehlen 2 Milliarden Dollar im Global Fund und 1,3 Milliarden Dollar bei der WHO. Experten der Ärzte ohne Grenzen sagen, es ist eine riesengroße Katastrophe. Diese Entscheidung kostet 670 000 Menschen das Leben. – Und Sie haben da gerade geklatscht. Es ist menschenverachtend, dass Sie das richtig finden.
Kolleginnen und Kollegen, Krankheitserreger machen an den Grenzen nicht halt. Die Welt ist ein globales Dorf. Wir machen überall in der Welt Urlaub, sind in der Welt unterwegs – und kommen auch mit Erkrankungen aus aller Welt wieder zurück. Das heißt, es ist in unserem eigenen Interesse, die globale Gesundheit in den Blick zu nehmen, dass die Nordhalbkugel auch die Verantwortung für die Südhalbkugel wahrnimmt. Wir machen eine Menge. Bis 2030 stellen wir 850 Millionen Euro zur Verfügung. Wir können nicht das kompensieren, was die US-Amerikaner der globalen Gesundheit zur Verfügung stellen und was nun fehlt. Aber ich will damit sagen: Es ist unsere Verantwortung, auch im Geleit mit den europäischen Partnern zu versuchen, so viel Mittel wie möglich im Global Fund oder auch bei der gemeinsamen Impfstrategie der GAVI aufrechtzuerhalten, damit wir unserer Verantwortung auch nachkommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Jedes Jahr verlieren ungefähr 1,2 Millionen Menschen das Leben durch eine Malariainfektion oder wegen HIV/Aids. Was meinen Sie, was in den nächsten Jahren passiert, wenn die, die darauf angewiesen sind, die kostenlosen Medikamente zu bekommen, diese nicht mehr bekommen? Die Ansteckungsraten werden wieder zunehmen, mehr Menschen werden sterben. Ich habe mich mit Leuten unterhalten, die in dem Bereich unterwegs sind, und ich hatte letzte Woche ein Treffen mit Ärzte ohne Grenzen. Die haben mir gesagt, dass die Medikamentenabgabe in vielen Ländern inzwischen eingestellt worden ist. Was das für Resistenzentwicklungen insbesondere bei Tuberkulose mit sich bringt, die dann auch irgendwann bei uns landen, und was das mit dem Leben dieser Menschen macht, das zeigt die besondere Verantwortung, die wir haben.
Trotz aller Probleme, die hier gerade beschrieben worden sind, reden wir ehrlicherweise mit Blick auf die globalen Gesundheitsherausforderungen doch am Ende von Luxusproblemen. Wir haben nach wie vor – das will ich wiederholen – eines der besten Gesundheitssysteme der Welt.
Wir können gemeinsam stolz darauf sein, ohne zu negieren, was die Herausforderungen bei uns sind.
Liebe Kolleginnen und Kollegen – Frau Präsidentin, ich schenke heute eine Minute –, die globale Gesundheit muss in den Fokus der Öffentlichkeit, muss in den Fokus der deutschen Gesundheitspolitik der EZ und auch in den Bereich der europäischen Strategien rücken. Andernfalls werden diese Krankheiten bei uns irgendwann zu einem riesengroßen Problem werden. Lassen wir da in der globalen Verantwortung bitte nicht nach! Diese 100 Länder zählen auf uns, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Vielen herzlichen Dank. Damit machen Sie zwei längere Überziehungen wieder wett. – Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für Bündnis 90/Die Grünen Dr. Paula Piechotta.